1923 Samsmg, 29, Dezember v IF ■Äu ■ W MM LML Ta W In Zum neuen Jahr. Von Gduard Möciks. Wie heimlicherweise Ein Engelein leis« Mit rosigen Füßen Die Erde betritt. So nahte der Morgen. Jauchzt ihm, ihr Frommen, Ein heilig Willkommen, Ein heilig Willkommen! Herz, jauchz« du mit! In Ihm sei's begonnen, Der Monde und Sonnen An blauen Äezelten Des Himmels bewegt. Du, Vater, du rate! Lenke du und wende! Herr, dir in die Hände Sei Anfang und Ende, Sei alles gelegt! Die Vedeutung Fichtes für die Gegenwart. Don Professor August Messer*). Da die Religiosität d«r Lebensquell für Fichtes Persönlichkeit und für sein Philosophieren ist, so öffnen sich von ihr her Ausblicke auf das Ganze seines Wesens und seines Werkes. Staunen ergreift uns Über die Fülle und Mannigfaltigkeit, die sich uns hier bietet, aber zugleich über die Einheit des Mannigfaltigen, die G«. schlvssenheit des Tanzen. So kann er Vorbild sein für die Menschen unserer Zett, deren Kultur ja noch reicher geworden ist, zwar nicht an Hauptgcbieten und beherrschenden Richtungen, aber an unüber» schbarer Masse von Einzelheiten des WiffenS mrd Könnens rind Ansprüchen de» ganzen Kulturapparats und deS hastigen Kultur- betrtebS. Zudem ist das Gehäuse zerbrochen, in dein unser Volk jahrzehntelang selbstsicher- gewohnt; wir müssen neu aufbauen, wenn wir alS Volk, als Kulturvolk, weiter leben wollen. Die Zerriffen» heil, Zerklüftung, die Reigung zur Selbstzerfleischung, die unS aufs äußerste gefährden: sie legen unwillkürlich mich Zeugnis ab sowohl für den inneren Reichtum unserer Kultur wie für die Kleinheit und Enge von Millionen Volksgenossen, die berufen sind, *) Professor Dr. August Messe r, der Ordinarius der Philo» saphie an unserer Landes-Universität hat in der bekannten Samm- luirg philosophischer Schriften des Verlages Strecker u. Schröder in Stuttgart unter dem Titel „Fichtes religiöse Weltanschauung" ein Buch erscheine» lassen, dessen Ziel eS ist, Fichte, dein „wirksamsten Herold der nationalen Kdee", dem Führer zu dem Zdsal einer innerlich geeinten Ration den Weg zu unserem Herzen zu bahnen. Von dem tiefreligiösen Grundzug seines Wesens aus ist am ersten Verständnis für Fichtes Weltanschauung, für feine geistige Persönlichkeit zu gewinnen. Messer nellt daher diese religiöse Seite aus seinem umfassenden philv- sophischem Schaffen heraus, und eS gelingt ihm in der klaren, ^erzeugenden Diktion, die allen seinen Werkeir eigen ist, mit einer mitreißenden, von Herzen kommenden Wärme uns den großen Mensch«» Fichte nahezubrtagen, den religiösen Fithrer unserer Religion suchenden Zeit neu zu schenken. diese Kultur zu tragen und fortzubilden. Denn ein Hauptgrund des gegenseitigen Richtverstehens und der inneren Verfeindung ist der, daß auf den verschiedenen Lebensgeb ist en die einzelnen Dichtungen und Parteien aus der Fülle der Kulturidren und Kultr- güter, die unser Volk durch seine reiche Schöpferkraft hervorgebracht hat, nur einen Teil sehen und schützen und für das übrige kein Verständnis uird keinen offenen Sinn haben. So kommt eS, daß einzelne und ganze Gruppen sich aufs erbittertste bekämpfen, die sehr wohl friedlich nebeneinander sich auswirken, ja freundlich zu- sammenarbeiten könnten. Angesichts dieser Zeitlage — wieviel kann uns da ein Mann wie Fichte bedeuten, der über die Gabe der großen SyntHess, der Vereinigung der Gegensätze, in bewunderungswürdigem AuS- maß verfügte. Auf der einen Seite ist er der ausgeprägte Theoretiker, der kühl«, scharfe Denker, der sich ausgezeichnet durch feinste Be- griffsunterscheidung und streng logische Beweisführung; der in bi« abstraktesten Untersuchungen sich vertieft, nie beim Gegebenen, rein Tatsächlichen („Historischen") sich beruhigen will, sondern alles Faktische^ ans tveiteren Dernunftzusammen hängen heraus zu verstehe» rutd so zu begründen, zu „deduzieren" trachtet, womit er denn arlch die Synthese von Mannigkeit i.nd Einheit erreicht. Die riesenhafte Denkarbeit, di« er leistet, ist aber nur möglich, weil in ihm die Zu- verlicht lebt, daß der Mensch wirklich zur Erkenntnis der Wahrheit, von tief verborgen liegender Wahrheit, gelangen könne. Gr war ein Mann, der wirtlich noch wußte, was Ueberzeugtsein bedeute, weil er echte Aeberzeu gangen erlebte und in sich trug. So kann er uns herausreihen aus dem lähmenden Skeptizismus, Subjektivismus und Relativismus, der heute so viele beherrscht. Durch die vielen fremden Ansichten, die sie als „Gebildete" kennen lernten, sind fix zu nrüde getvorden, sich selbst eine Ansicht zu bilden, und sie entschuldigen ihre Müdigkeit mit der Erklärung, alles sei subjektiv und relativ, eine objektive Wahrheitserkenntnis sei unmöglich. Freilich auch Fichte hat gewußt und erlebt, was Zweifel bedeutet, und er hat jahrelang mit Problemen gerungen und sein« Anschauungen um- und weitergebildet; er hat auch gewußt, daß der Weg der menschlichen Erkenntnis ins .Unendliche führt, und daß es ein Letztes gibt, das wir nicht erkennen, sondern nur ehrfürchtig ahnen können — das Absolute, die Gottheit. Aber das hat ihn nicht wankend machen können in seiner Zuversicht, Wahrheit zu erkennen, die Menschen durch "Wahrheitserkenntnis zu einen und den Fortschritt der Kultur durch Wissenschaft zu fördern. So sollte sein Beispiel auch denen ernst zu denken geben, dir heut« nicht Klagen genug erheben können über Rationalismus und Intellektualismus. Gewiß haben sie manchen Grund zu solcher Klage, aber sie übersehen dabei leicht, daß sie dazu neigen, unentbehrliche Kulturgüter zu mißachten und preiszugeben: die Schulung des Verstandes, d. h. der Mhigleit streng sachlichen Denkens, un5 die Pflege echter Wissenschaft und wissenschaftlicher Philosophie. Wenn man oft meint, eine starke Entwicklung des Verstands ertöte das Gefühl und lähme den Willen so beweist gerade Fichte durch feine ganze Persönlichkeit vor allem ihre praktisch«! Seite, wie anfechtbar diese Meinung ist. Hätte jemand so packend wie er die Seligkeit des Erkennens Sech geistigen Schaffens und fittlichen Handelns schildern können, wem« er selbst nicht im innersten Gefühl diese Erhebung und diese Wonn» gefühlt hätte. Ohne ein Herz voll glühender Leidenschaft wäre Fichte nie der gewaltige, fortreißende Redner geworden. Freilich von frühe an war er bemüht, durch kühles Denken und ehemeq Willen sein leidenschaftliches Gefühlsleben zu zügeln. An seins 210 — diese Schätzung der klaren Erkennt fchsietzen. So wirkt sich denn bei Fichte alle Phuvsopystche (Srfelinhn« und alle Gefühlsinnigkeit Loch aus in aktiver Anteilnahme am Leben, in tätiger Mitarbeit an den Kulttiraufgaben. Hünengräber bei Ober-Lais (Kr. Schotten). Bon Dr. O. Kunkel-Giehen. stets treu geblieben. .... < Seiner tätigen Ratur, seinem gewaltigen Drang zu wirken uno ÄU schaffen, konnte, ein passives Derweilen in andächtigeii Empsm- vunaen und beseligenden Gefühlen nicht genügen. plebrigens hat ia auch Meister Eckhardt einmal gesagt: „Wenn einer im dritten Limmel verzückt wäre wie Paulus und sähe einen armen Menschen, Ifer einer' Suppe von ihm bedürfte: es wäre besser, er liehe die Verzückung! und diente dem Dürftigen." 'ÄLWJteÄ’ sagten einmal, „ist das wahre Element des vernünftigen Geistes, in ivelchem allein er Ruhe findet und Seligkeit; aber der reinste Ausdruck d^ Absobtien ist Me i ein Aufbau. Leit Wissenschaft, und diese kann nur um ihrer selbst willen geliebt | stal t^ben Die lo werden wie das Absolute. Daß in einer in dieser Liebe aufgegan- genen Seele etwas Gemeines und tinedles gar nicht stat.find^ und das; ihre Reinigung uiid Heiligung sich gatrzvon Mber ergeben wird, versteht sich und findet sich durch sich selbst Einem loschen Bekenntnis gegenüber, daß Fichte in-seiner Person und fernem Leben wahr gemacht hat, sollte die übliche Rede verstummen, dah Aeligion lediglich Sache des „Gefühls" fet oder bah der „kalt« Verstand das Gefühl notwendig ertöte". , Cßjfls über neben der Schatzung klarer Einsicht Fichte noch weiterhin von der Mehrzahl der Mystiker und ihrer voiwiegMd beschaulichen Religiosität scheidet, das.ist sein^ mächtiges titiliches Derantwvrtunasqefühl und seine innere Allivisitt. ^pchon im System der Sittenlehre" von 1798 spricht Fichte den Gedanken aus: Diejenigen, welche die Dvllkomuienheit in fromme Betrachtungen, bt ein andächtiges Brüten über sich selbst sehen und von ihm die Vernichtung ihrer Individualität und ihr Zusammenslietzenmtt der Gottheit erwarteii, irren gar sehr. Ihre äugend ist und ble^ Egoismus; sie toofien nur sich vollkommen machen. D-e wahre Tugend besteht im Handeln; im Handeln für die GemMe (d. i. Gemeinschaft), wobei mau sich selbst gänzlich vergesse Sn dieser Ablehnung des rein passiv-beschaulichen Mystizismus ist sich Fichte Kraut schreibt er tm März 1<93 „Deutz, du gute ©eefe, eine öe- daltenereRuhe in mein stürmendes Herz unter der feiten Stirn, «-uh Sanftheit nnb herzgewinnetide Milde in meinen Feuereifer für die Veredelung meines Brudergefchlechts Wie hoch er die K u ii st stellt (was doch auch für fern Ge- tüb! sprichts zeigt fein Satz: „Die schöne Kunst bildet nicht tote der Gelehrte nur den Verftand oder wie der moralische 3M&lebrer nur bas Herz; sondern sie bildet den ganzen vereinigten Menschen. Wieviel das aber besagen will, ergibt sichaus FichtesAusspruch Der Zweck, ein ganzer Mensch zu fein, ist hoher als leder a weil Zireck " Zur Würdigung der Kunst betont er auch dies: „Sie macht den transzendentalen Gesichtspunkt zu dem lal sgemei-iM. Oer Mbilofvvb erhebt sich und andere auf diesen GesichlSpuii.t nut Arbesi und nach einer Regel. Der schöne Geist steht darauf, ohne eL bestimmt zu denken; er kennt keinen anderen, und er erhebt die- tenNn die sich seineni Einfluß überlassen, ebenso unvermerkt zu Asm daß sie des .siebergangs sich nicht bewußt werden. 'So empfindet er tief eine innere Verwandtschaft zwischen Kunst und Philosophie. Auch fühlt er cinen starten Drang, seinen phl.o- wvbischen Gedanken ästhetisch, wertvolle Form zu geben. Dast er als Redner gewaltigste Wirkung erzielte, ist bekannt, weniger daß r- sich bis in fein Alter zur Redekunst bewußt erzog. Melch hohes Ideal des Schriftstellers ihm vvrschw-b e zeigt dw letzte von den Vorlesungen „über das Wesen des Gelehrteii von 18«. Endlich hat Fichte sich auch als Dichter versucht. Em Sonett, in deni er das Wesen und die erhebende Wirkung seiner phl.o- fvphischen Weltbetrachtung ausspricht, mag hier Platz finden. Was meinem Auge diese Kraft gegeben, Daß alle stilistgestalt ihm ist zerronnen, Daß ihm die Dachte werden heitre Sonnen Unordnung Ordnung, und Verwesung Leben - Was durch die Zeit, des Raums derwvrr'nes Weben Mich sicher leitet hin zum ew'gen Bronnen Des' Schönen, Wahren, Guten und der Wonnen Und drin vernichtend eintaucht all mein Streben . Das ist»! Seit in Uranias Äug', die tiefe, Sich selber klare, blaue, stille, reine Lichtslamm, ich, selber still, hineingesehen: Seitdem ruht dieses Äug' mir in der Tiefe Und ist in meinem Sein — das ewig Eine, „ Lebt mir im Leden, sieht in, meinem Sehen. ~ Das Eichholz, westlich von Ober-Lais, gelegen auf der Höhe des rechten Hanges vom Kruminbahtälchnt lurz bevor dieses nach Süden in den Wiestngrund sich offn t Ackerland aerodet. Dort hatten, vv.n Walde treulich behütet, vier Hünengräber die Hahrtausende überdauert. fDon ihnen Mm?zwek dL Kulturarbeiten zmn Opfer Lehrer Sauer m Ober-Lais gab von der Gesährfemg dieser Denkmäler unserer Vorgeschichte rechtzeitig Aachricht und stellte zugleich die Mttackett verständnisvoller Einwohner des, Dorfes für fee Grabung in Aussicht. Die .Untersuchung sand uu Auftrag bei Denkmalpflege und des Oberhessischen Museums 6.i Gießen stMtte Rovember dieses Jahres statt. Wirksick tonten gleich zu Degimi vier f rettoi.lt ge H-lser pünktlich zur Stelle. Und an den folgenden Tagen wuchs fee Zahl derer d leiden SPaten führten, noch stattlich an. zumal schon am »weiten Abend im Schulhaus einer ansehnlichen ^rfmnmtune hM-ßnifet recht erfreuliche Ergebnisse der Grabung erklärt werden SW Z fchL Zeugnis für bas B-rhiltnis zwischen Leb reim und Gemeinde, nicht minder für den Gem«nsi mi per i Laiser dal, hier erstmals Arbeiter und Landleute tatkräftig ans Werk gingen um Wissenschaft und Denkmalpflege praktisch zu WZern. Sie folgten damit dem Beispiel, das schon früher Lehrer Studenten und Schüler bei Ausgrabungen hessischen Museums gegeben hatten, und sie stellten so selbst em i Beispiel auf, das die heimische Bodrnsorschung zur Host H I berechtigt dah ihr auch in Rvtzeiten Erfolge fsi^tveriigt M st brauchen: eine Hofstmm. die sich tz wieMrzsich berichtet weiden I bei Ausgrabungen und durch die sonch nötige solche- I ilrternebntungen geboten wird, befeiis feiner Worte. - ah-i I feien die Namen der Laiser. die sich verdient gemach.,,habeu. 1 hier befenntgegeben. Es traten neben Lehr^S « r tem Kol^e. 1* Pcbrer Ströftinaer und als praktischer Helfer. O. -ö-tot tfr.. Gust Böck Q Daubett. Hch Emrich. K. Fritz, O. Hähmel, Hch. gerE der^Mchte mit'den großen MhstUcrn verfendfe^ Gefühls- I Ad. Simmt sitN.'-K^Theifh Durchmesser von etwa zehn Äsd da in seinen Grund, daß er die Veremtgung mit der Gottheit nicht I Evurcy au». » i plattenförmiger Steine, fee S gelEmäßig erlebt hätte, sondern über die WärmeundSn- L^^?fe.7chfchntttsichZander halb Schritte Abstand hielten, nigkeit des Gefühls, das doch für sich dumpf und u-'klai| ' Diese Beobachtung liest nach den bisherigen Erfahrungen m «mm oder gar zu phantastischer Schwärmerei ve. fuhrt (wie wie I . G^iet ein Grab der mittleren oder spaten §m!lstaMnt manche Erscheinungen der Gegenwart ze^enl). stieb, Fichte s s I * ’ , ,inc Annahme, die aber, wie wir sehen werden, mter» hinauf zur lichten Höhe des Gedankens. Besonders deutlich sfe ch' I durch die Pli'tersuchung nicht bestärigl wurde.' Ideal eimnal ans in der „Anweisung'-: wahrhafte teinträilze bei vorgeschichtlichen und vollendete Mensch soll durchaus sich selber klar jein.denn. I rö(üfl g<ärt. Da, wo sie m Gestalt die allseitige und durch geführte Klarfett gehör!»um Dllfe und | ® b SrDdemnaaeI aaffreten, liegt allerdings bei Abdrucke Gottes." Aber diese Schatzung der llaien Erkentd » gner geitot n Abschwemmung der zum Hüge, auf- ein Hvlzgefüge gedient zu haben scheint, ^nn für feele Gravtzuge, isi vn^unehmen dast sie unten zylindrisch, oben kegelförm.g ge ftoltet teuren ein Aufbau, den fee Jahrtausende äußerlich meist Sa SSc^n haben. Die lockeren Steinkreise aber sind mit- unter wie bei dem ersten Hügel von Ober-Lais, nach dem Aus- grabüngsbefund ehemals in einiger Entfernung vom urspriingllchn Aflaelhth aesetzt Richt ganz selten sogar haben sie sich «w D unterk Drittel der Aufschüttung selbst gelegt auch in Wllen wo eine spätere Zutat, etwa durch Rachb-stat.iugen, kommt. Der oben angedeutete praktische ..gveck sckEidet dMnraiatürlich aus. Die Tatsache, dah die Grabhügel fer ?S>ien »ft da« Haus der Lebenden darstellen, sie; einmal fett GeLnken auftauchen, die Steinlränze herzuleiten von der Be- festiaunastoeise des Gestänaes der zellförmigen Huttendach^i "deck bas ist eine unsichere Vermutung; und wann sie toirkkich für Lk^ngfes Brenches berechtigt ist. s° bleibt.für die Mass- der späteren Denkmäler dieser Art tm Grunde doch nut du ~ robnto eines smbolischen Grabgeh-grö übrig, im Sinn, etm bekannten und weithin verbreiteten Zauberkreise. Dabet tauch KSng ^f an fr gewaltige Anlagen, tote sie wtonehenge al« tnnbl berühmtestes Beispiel repräsentiert, und auch cui ila-t siche Gräberfund von Mhkenä mit seinen schätzereichrn Schach WMihmnen QBenn ein Hügel von entern Graben umzog' ist^ teie es Häufig, mehrmals sogar mit !einer Kteselpflastetui^ auf der Sohle, aus dem Trieb sei Dietzen, doch toSrt« sestaestellt werden konnte, dann erheben sich d-e Zwets . ob ebensalls ein Gehege darin zu erblicken ist (u. a. war «to benae mit Wall und Graben umgeben), ob die Grabaalage b ib- ) ÄctÄ werden sollte, oder ob der Graben nur durch «S RcknmEnschrrren der Erde zur Aufschüttung entstanden ist- Vielleicht ist keine dieser ErMruvgsmögNchkeiten ganz auszt — 211 » m ■uf ■or «t» en in ret- eit ige >er o'-t fer ahl am mg t>en hen her ins irrein •in« Jein den beit cher iher bett, ege. 55d Hch- iprf, feit, zehn sich ranz die :lten. n in ttyät nter? ich«n eftalt der auf« hnml Hügel x gs- meift ■ mit* Aus* sichen ; auf auch ngen . ’,toea ?l der l den Beer — 6- für Masse : An- n der hi die ;e als Natt* chucht* izogen terung inder- weife!, Stone* adnrch ch das m ist. auszt* -eder voll war. 14. Kapitel. Bor allem aber ist wichtig dir Tasche das; die beidmr Gräber des Hügels als Haupt* und als Nachbestattung m ihrer Alters folge („relativen Chronologie) gesichert find, was auch für andere Gegenden von Bedeutung sein wird. Die stark gerippte Nadel und der Armring des Hauptgrabes. nicht minder die ganze Anlage der, Bestattung zeigen <^nnen -ne an und für sich („typologisch") junger sind, als As, was die Freilegung der Nachbestattung zutage gebracht h-it. Das tatsächliche Alkersverhältnis der beiden Gräber ist basifg-n nach dem unzweifelhaften Befund (Haupt grab 21 a chbestat dm«) gerade umgekehrt. lSchlutz folgt.) Der Waldteufel. Bon Nikolai Lj esskow (Fortsetzung.) Er war nicht zu erkennen. Bor uns stand kein Mensch, sondern eine Schneesäule. Borris hatte den Kragen aus Wolfspelz hochgeschlagen und mit irgendeinem Fetzen umgebunden. Alles war vom Schnee überschüttet und zu einem Klumpen zusammengeklebt. Boris wußte nichts vom Wege und erwiderte schüchtern, daß wir uns anscheinend verirrt hätten. „Ruf den Spiridon her!" Rusen konnte man nicht. Der Sturm verstopfte einem den Mund und heulte und pfiff schrecklich über die Ebene. Boriska kroch auf den Kutscherbock, um Spiridon mit der Hand zu zupfen, aber er brauchte lange, bis er wieder vor dem Schlage stand und erklärte: „Spiridon ist nicht auf dem Dock." „Was? Nicht auf Bern Bock? Wo ist er denn?" „Ich Weitz nicht. Er ist Wohl abgesriegeii, um den Weg zu suchen. Gestatten Sie, datz auch ich suchen gehe." „O Gott! Nein! es ist nickt nötig — geh nicht fort; sonst verlieren wir euch beide und erfrieren." Als ich und mein Beiter dieses Wort hörten, begannen wir zu weinen, aber in diesem Augenblick tauchte neben Boriska Beim Schlitten eine andere, noch grohere und schrecklichere Dchneesäute auf. Es war Spiridon, der sich in eine Reserve-Bastmatte einac» hüllt hatte, die ganz mit Schnee bedeckt und vereist, feinen Kops umstarrte. „ . „ , Wo hast du den Wald gesehen, Spiridon? „Ich habe ihn gesehen, gnädige Frau." „Wo ist er jetzt?" „Auch jetzt ist er noch zu sehen. Die Tante wollte Ausschau-halten, sah aber nichts, denn alles war finster. Spiridon versicherte, es komme daher, weil ihr Auge sich noch nicht an die Dunkelheit gewöhnt hatte; erhabedenWald schon längst dunkeln sehen und das wäre eben das Ängluck. wir lä* men nicht an ihn heran, sondern er entferne sich von uns. „Sie können sagen, was Sie wollen, das macht alles Sseliwa.r. Er führt uns irgendwo hin." . ,,__ Als ich und mein Beiter horten, Latz wir zu einer so schrecklichen Zeit in die Hände des Bösewichts Sseliwan gefallen waren, fingen wir zu weinen an. Die Tante aber, die als ^"^^?"^nauf- gewachsen und dann Regimentsdame gewesen war, verlor sticht so leicht die Fassung, wie die Stadtdameii, die mit aller Hand Angluck weniger verlraut sind. Die Dante hatte Erfahrung und Plebung, Lind Las rettete uns ans der Situation, die In der Tat sehr gefahr- Ich weitz nicht, ob die Tante an den bösen Zauber Sseliwan- alaubie oder nicht, abe-r sie hatte vortrefflich Begriffen, datz eS Wir unsere Rettung das Wichtigste sei. unsere Pferde bei Kräften zu erhalten. Blieben die Pferde erschöpft stehen und umr^ d« Krost red- stärker, so wäre unser Verderben besiegelt. Der S.urm würde uns ersticken und der Frost umbringen. Behielten die Pferde aber nur so viel Kraft, um den Wagen Schritt für Sch Zit Labinzusckleppen, so durfte man die Hoffnung ö^gen, datz die Pferde, die dem Winde nach gingen, von sechst auf oen Weg her* auskvmmen und- zu irgendeiner Behausung bringen wurden. P.nd wenn e* auch eine ungeheizte Hütte „auf Huhnerfuhchen in einer Schlucht wäre, der Schneesturm könnte doch nicht ft wuteiidhercch- beltfd-en und auch dieses Schütteln Ware zu Ende, das bei jeder Anstrengung der Pferde, ihre müden Mtze vonväris zu setz«r, fühlk-ar wurde . Dort könnte man einschlafen. ÄH und mein Beiter^wollten so schrecklich gern schufen. In dieser Mziehung w« blvh die Kleine glücklich, die am Busen ihrer 2Imme uu warmen Hafenbelz einschlies, während man uns beide niä>t Wfaf®" *"*$, -- Au s;ante wntzte wie gefährlich es war, da der Schlafende noch schnefter msrierst Ansere Stoge verschlimmerte sich mit jedem Aügm- blick weil die Pferde kaum mehr vorwärtskamen und der Kutter und der Lakai auf dem Docke zu erstarren und undeutlich zu spre chrii anfingen. Die Tante hörte auf, auf mich unv den Bette. #u adäen und wir schliefen sofort aneinandergeschmiegt ein. ^>ch sah fEi- heitere Traumbilder-: Sommer, unser Garten, unsere Leute, Apvllinarij, dann geht plötzlich alles auf lene ?^rL^1*ttea5 Maialöckchmi und auf Sseliwan über, von dem ichhalvekwas Wre baL nur träume . . . Alles verwirr-te sich, so datz ich nicht mel-r Mseinander-Halten konnte was Traum war- ^Lachen geschah. Mit einem Male spure ich Mc xdlte toteöer, 4-( «Uf das Heulen des Windes und tote die Bastmatten schwer ans das Dach des Schlittens klopfen: aber- g-^ v°r me neii A igen geb' Ssseliwan, den Kittel auf der einen Schuber, und halt in Lr gegen uns ausgestreckten Hand eine Laterne ... War dies ein Gesicht, ein Traum oder blvh Phantasie? Es war weder Traum noch Phantasie, sondern dem vchckfal b-alte es in der Tat gefallen, uns in dieser entsetzlichen Nacht in den entsetzlichen Hol Sseliwaus za bringen. Wir konnten M feinem anderen Orte Zuflucht finden da es rinMumkeine andM Behausung gab. Aber wir hatten die Schatulle der mailte bet uns in der sich die dreihigtausend Rubel, ihr ganze» Vermöge«» Der erste Hügel im Gichholz enthielr zwei Bestattungen: das Hauptgrab unter der Hügelmitte, die N a ch b e sta t tr n g sm Ostteile der Aufschüttung. Beide entstammen drr sog. Hügel- »räberbrvnzez eit, der Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends. . Zur Anlage der H a u p t b e st a 11 u n g war eine drei Meter lange, anderthalb Meter- breite, rechteckige .genau westöstlich gerichtete, noch unten kaum sich verengende Grube sechzig Zenti* meter in den gewachsenen Grund getieft. Ihr Boden war mit gröberen Platten, deren Zwischenräume mit kleineren sorgfätt g ausgelegt waren, gleichmätzig gepflastert. An den Seiten der Grube waren Steine in mehreren Lagen sauber geschichtet. Der Innenvaum Ivar unregelmäßig ausgefüllt. Die Stein Packung ragte etwa zwanzig Zentimeter über die alte Oberfläche und griff hier nach allen Seiten etwas über den Grubenumsang hinaus. Hie Deckschicht zeigte eine seichte Einfenkung. aus der sich ergibt, datz die Leiche in einem offenbar holzumschlossenen Hohlraum (am besten würde ein Baumfarg zu dem Befund passen) auf dem Dobenpflaster der Grube beigesetzt war. Das Skelett war völlig vergangen. Bon der Kleidung war In der Brustgegend, wenig über dem Steinpflaster, eine 23.5 cm lange bronzene Gewandnadel erhalten, deren Kops dem eines stlagels ähnelt und deren Hals durch drei unter sich von -Wei breiten seichten Einziehungen geschiedenen Gruppen starker Lippen (5, 5, 16) verziert ist. Schwärzliche Moderspuren pm oberen Teile der Radel schienen von einem Kleidungsstück (Fell?) herzurühren. Nach der Lage der Nabel war das Kopfende des Grabes im Westen, der Blick des Toten also nach Osten gerichtet. Etwa siebzig Zentimeter südlich der Nadel lag aus dem Steinpflaster ein bronzener Armring von fünf und sechseinhalb Zentimeter Innendurchmesser. Er ist ans sieben Millimeter starkem Rundstab gebogen, die Enden sind wenig petschaft- artig verstärkt. Seine Autzensläche ist dicht geriefelt. Die Oeffming des Schmuckstückes sah nach Westen. Unter ihm war ein durch die Kupferfalze der Bronze konserviertes Holzplättchen erhalten, bereu Material Herr Privatdozent Dr. Funk untersuchen will. Heber dem Ring und an seiner Außenseite war Holzmoder. Offenbar war der Armreif m einer Schachtel neben die Leiche gestellt worden. Datz er vom Toten nicht getragen wurde, ging schon aus der Lage im Grab hervor. Ob es sich um ein Männer* oder um ein Frauengrab handelt, ist zweifelhaft. Doch finden sich bei uns in fich:ren SrauenBcftattungen gewöhnlich zwei Gewandnadeln, an Schulter eine, und ebenso mehrfacher Armschmuck. Oestlich dieses „Schachtgrabes", nahe am Rand drs Hügels, lag die Nachbestat ta n_g. Ihre ziemlich regellose Packung aus verhältnismätzig kleinen Steinen begann dicht unter der Oberfläche und erstreckte sich bis auf den gewachsenen Grund: man Hute hier eine Grube in den vorhandenen Hügel getieft, den Toten eingebettet und das Grab mit Steinen und Erde, die geringe Holzkohlespuren enthielt, ausgefüllt. Zwanzig Zentimeter tief lag, die Spitze nach Nordosten gerichtet, eine 19.5 Zentimeter lange bronzene Gewand na de l mit einem vom Schaft aus konisch sich verbreiternden, oben flachen Kopf. Unterhalb seines leicht gekerbten Randes umgibt den Radelschaft ein Band von seinen Horizontalriefeln, das unten durch Schrägstrichrln abgeschlossen ist. Auf eine anderrha.b Zentimeter starke Verjüngung des Schaftes folgt bann eine ebenfalls fein geriefelte, oben und unten von Schrägstrichem gesäumte Anschwellung. Für die Halsprofitierung dieser und der beim Hauptgoab beschriebenen Nadelform wird neben dem Zierzweck ein praktischer Gesichtspunkt geltend gemacht: der Faden, mit dem die Nadeln vor dem Herausrntschen ans oem Gewände bewahrt werden sollten und der bei anderen Typen durch ein Oehr gezogen wurde, konnte auf diese Weise sicherer als bei glattem Nadelhals befestigt werden. Etwas abseits des eben Behandelten Fundstückes tag zwischen ben Steinen noch der ^vps einer sog. Radnadel. Die alten Brachflächen zeigten, datz, das Stück nicht vollständig in das Grab gekommen ist - solche Sparsamkeit bei Totenopsern begegnet man öfter. Da die Stelle wo der Aadelschaft ansehen mützte, ebenfalls abgebrochen ist, könnte es sich immerhin auch um einen vadförnngen Anhänger (das angebliche Somienshnibol) handeln. , Das Ergebnis der .Untersuchung des ersten Grabhügels un Eichhvlz ist m verschiedener Hinsicht von Bedeutung. Sie Erkenntnis, datz ein brvnzezeitlicher Grabhügel mit einem Steinkranz umhegt ist, bereichert unser Wissen Über die Geschichte dieser Denkmälergattung für unsere Gegend befanden. Wie sollte man mit einem so verführerischen Reichtum hei einer» so verdächtigen Menschen wie Sseliwan bleiben? Wir waren natürlich verloren. 3m übrigen hatten wir nur die 'Wahl, ob wir Hebet im Schneesturm erfrieren, oder unter dem Messer Sseliwans rind seiner Spießgesellen fallen wollten. 19. Kapitel. Ebenso wie das Auge im Dunkeln bei dem kurzen Aufleuchten des Blitzes mit einem Male eine Menge Gegenstände unterscheidet, so sah auch ich ieht mit einem Male beim Scheine von Sseliwans Laterne, die uns beleuchtete, den Schrecken aller Insassen unserer üluglückseguipage. Der Kutscher und der Lakai fielen vor ihn, schier auf die Knie und erstarrten in einer Verbeugung, und die Dante wich, zurück, als wolle sie die Rückwand der Kibitka hinausdrücken. Die Amme preßte ihr Gesicht auf das Kind und schrumpfte auf einmal so zusammen, daß sie selbst nicht größer als das Kind war. Sseliwan stand schweigend da, aber in seinem unschönen Gesicht sah ich keine Spur von Bosheit. Tr schielt mir jetzt nur ernster als damals, als er mich auf de» Schultern trug. Gr schaute uns Mi und fragte leise: „Wollt ihr euch wärmen, wie?" Die Dante erholte sich schneller als die anderen und erwiderte: „Ja, wir sind ganz erstarrt. Rette uns." „Gott ist der Retter! Fahrt herein, die Hütte ist geheizt." Gr stieg von der Schwelle herunter und leuchtete mit der Laterne in die Kibitka. Zwischen der Dienerschaft, der Tante und Sseliwan wurden nun einzelne kurze Worte gewechselt, die unsererseits Mißtrauen und Furcht gegen den Wirt ausdrückten und seitens Sseliwans eine heimliche bäuerliche Ironie und vielleicht gleichfalls Mißtrauen. Der Kutscher fragte: „Ist Futter für die Pferde da?" Sseliwan erwiderte: „Wir werden suchen." Der Lakai Boris wollte erfahren, ob noch andere Reisend« da seien. „Komm herein, dann siehst du's," antwortete Sseliwan. Die Auune fragte: „Ist es nicht ».»Heimlich, bei dir zu bleiben?" Sseliwan antwortete: „Wenn es unheimlich ist, so geh nicht herein." Die Dante gebot ihnen Einhalt und sagte einem jeden so leise wie möglich: „Hört auf, widersprecht ihm nicht. Es hilft nichts. Weiter- fahren können wir nicht, bleiben wir da, wenn Gott eS so will." 'Während diese Wort« gewechselt wurden, traten wir in einen Bretterverschlag, der von der geräumigen Hütte abgeteilt war. Allen voran ging die Dante hinein, ihr folgte Boris mit der Schatulle. Dann kamen ich der Vetter und die Amme. Die Schatulle wurde auf den Disch gestellt, und auf sie stellte man einen blechernen, talgtriefenden Leuchter mit einem kleinen Skummek, der höchstens für eine Stunde reichen konnte. Der praktische Sinn der Tante wandte sich sogleich diesem Gegenstände, d. h. der Kerze zu. „Väterchen," sagt« sie zu Sseliwan, „bringe mir vor allem eine neue Kerze." „Hier ist die Kerze." „Rein, gib eine neue, ganze Kerze her!" „Eine neue, ganze?" fragte Sseliwan wieder, sich mit der einen Hand «us den Tisch, nett der anderen auf die Schatulle stützend. „Gib mir schnell eine neue, ganze Kerze!" „Weshalb brauchst du eine ganze?" r -Das geht dich nicht« an. Ich will mich noch nicht gleich fd&tafen legen. Vielleicht hört der Sturm auf, und wir fahren Welter." „Der Sturm hört nicht auf." „Run einerlei, ich bezahle dir die Kerze." „ Freilich würdest du die Kerze bezahlen, aber ich habe keine." „Such mal nach, Väterchen." „W ist vergeblich etwas zu suchen, was ich nicht habe." . „ dieses Gespräch mischte sich unerwartet eine ganz schwache, dünne Stimme hinter dem Verschlage ein. „Wir haben keine Kerzen, Mütterchen." „Wer spricht da?" fragte die Tante. „Meine Frau." Die Gesichter der Tante und der Amme erhellten sich ein wenig, Anwesenheit einer Frau hatte anscheinend etwas Bern- „Sie ist krank, wie?" „Krank." „ Was fehlt ihr?" ... „Die kränkelt eben. — Legt euch hin, ich brauche das Licht für dte Laterne. Mutz die Pferde hereinführen." -ihtb wie man auch auf Sseliwan einsprach, er beharrte dabei, daß er das Licht brauche und fertig. Gr versprach, es wiederzubringen, mzwischen nahm er es aber mit und ging hinaus. ..... Ob Sseliwan sein Versprechen, das Licht zurückzudringen, auS- führte, habe tch nicht mehr gesehen, weil mein Detter und ich wieder schliefen. Aber ettvas beunruhigte mich: durch den Schlaf hindurch hörte ich die Tante hin und wieder mit der Amme flüstern, wobei das Wort „Schatulle" am-häufigsten fiel. Offenbar wußten die Amme und die anderen Leute, daß sich int Kästchen große Kostbarkeiten verbargen, und alle hatten bemerkt, daß die Schatulle vom ersten Augenblick an die gierige Aufmerksamkeit unseres verdächtigen Wirtes auf sich gezogen hatte. Die Tante, die über große Lebenserfahrung verfügte, sah die klare Notwendigkeit ein, sich den Umständen zu fügen, traf aber dafür sofort ihre der gefahrvollen Situation entsprechenden Mahnahmen. Damit uns Sseliwan nicht ubschlachten könne, wurde beschlossen, daß niemand einschlafen solle. Dis Pferde sollten ausgespannt werden, aber tut Kummet bleiben, und der Kutscher und der Lakai sollten beide im Schlitten sitzen: sie durften nicht getrennt werden, :6a Sseliwan sie sonst einzeln erschlagen würde und wir dann ganz schutzlos wären. Dann würbe er natürlich auch uns töten und uns alle unter dem Fußboden einscharren, wo schon ohnedies eine Menge Opfer seiner Grausamkeit lagen. Bei uns in der Stube konnten der Kutscher und der Lakai nicht bleiben, weil Sseliwan die Schlingen am Kummet des Mittelpferdes abgeschnitten hätte, um es unmöglich zu machen, die Pferde anzuspannen, wie er überhaupt die ganze Troika seinen Spießgesellen, die vorerst noch irgendwo verborgen waren, ausgetiefert hätte. In diesem Falle hätte eS für uns keine Rettung gegeben, während es sich leicht so fügen konnte, daß sich das Schneegestöber bald legen und der Kutscher einspannen würde. Boris sollte dann dreimal an die Wand klopfen, wir würden alle zur Türe stürzen, uns in den Schlitten sehen und davonfahren. Um beständig in Bereitschaft zu sein, sollte sich niemand von uns ausziehen. . M weih nicht, ob für die Andern viel oder wenig Zeit ver- floh, für uns schlafende Hungen war sie aber in einem Augenblick verflogen, der mit einem schrecklichen Erwachen endete. 16. K a p i t e l. Ich wachte auf, weil mir das Atmen unerträglich schwer wurde. Ich schlug dis Augen auf, sah aber nichts, da es um mich herum dunkel war,- nur irgendwo in der Entfernung schinrmerte ein grauer Fleck, der das Fenster bezeichnete. AIS ich aber beim Schein von Sseliwans Laterne mit einem Male alle Gesichter der bei dieser schrecklichen Szene Anwesenden sah, erinnerte ich mich sofort wieder an alles: wer ich war, wo ich war und weshalb ich hier war, an meine Lieben tut väterlichen Hause — und alles und alle taten mir so leid, und es wurde mir so schmerzliche und schrecklich zuntute. dah ich aufschreien wollte. Das war aber unmöglich Meine Lippen waren fest von einer menschlichen Hand verschlossen, und dicht an meinem Ohr flüsterte, die zitternd« Stimme der Tante: „Keinen Laut, sei still, keinen Laut! Sonst find wir verloren, man bricht zu uns herein." Ich erkannte die Stimme der Dante und drückte ihr die Hand zum Zeichen, daß ich ihr Verlangen begriffen hatte. Hinter der Türe, bi« nach dem Flur ging, war ein Geräusch Hörbar: jemand setzte dort leise Fuh vor Fuß und tastete mit den Härchen an der Wand ... Offenbar suchte der Bösewicht die Türe und konnte sie nicht finden. Dis Taut« drückte uns an sich und flüsterte, daß Golt uns noch retten könne, denn sie habe die Türe verbarrikadiert. Im selben Augenblick, vielleicht gerade weil wir uns durch unser Flüstern und Zittern verraten hatten, lief jemand hinter dem Bretterverschlag, svo di« Stube war und woher beim Gespräch über die Kerze Sseliwans Frau hereingerufen hatte, hinaus und geriet dort mit dem zusammen, der sich leise an unsere Tür heranschlich Nun versuchten sie beide, zu uns hereinzubrechen. Die Tür barst, und zu unseren Füßen kollerten der Tisch, die Bänke und die Koffer, mit denen die Saute sie versperrt hatte. In der weit aufgerissenen Türe taucht« BoriskaS Gesicht auf. dessen Hals die mächtigen Hände Sseliwan« umklammert hielten ... Ass die Tante dies sah, schrie sie Sseliwan an und stürzte zu Boris. „Mütterchen! — Gott hat uns gerettet!" röchelte Boris. Sseliwan löste seine Hände und blieb stehen. „Schnell, schnell fort von hier!" sagte die Tante. „Wo sind unser« Pferde?" „Die Pferde stehen vor der Türe, Mütterchen. Ich wollt« Sie eben heraus rufen ... Aber dieser Räuber ... Gott hat un« gerettet, Mütterchen!" flüsterte Boris hastig. Dann nahm er mich und meinen Detter bei der Hand und raffte alles zusammen, was ihm in die Hände fiel. Wir alle stürzten zur Tür und sprangen in den Schlitten, der, so schnell die Pferde laufen konnten, im Galopp davonfuhr. Sseliwan war anscheinend furchtbar verstört und blickte uns nach. Offenbar wußte er, daß dies nicht ohn« Folgen bleiben werde. Dfvaliißen wurde es hell, und vor uns im Osten brannte daS rote, frostige Morgenrot des Weihnachtstages. (Fortsetzung folgt.) Schristleltung: Dr. Friedr. Wilh. Lange. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Girtzen.