1923 Nr. 80 . .. stimmen dann nach DkS heMschen Paffisnsspiele Don Dr. Karl Denrath (Bremen). nnK^un-Ptmnien die drei großen Passionen mit geringen Aus» XrllbTv und daraus schließt Froning, und wahrscheinlich M Recyt, daß die Abweichungen von der Frankfurter ^^durch bedingt seien, Satz sie auf eine geineinsame ainnpn ^?t U!^ frankfurter Spiels von Aldemar zurück» ^en. Alan kann sich also auf eilten kurzen Vergleich des Fried- älter- des Alsfelder Spiels beschränken, da das eine die iiere, öas andere die jüngere Form enthält. da« Ei^^es Ordnungsbuch, das dem Regens ludi diente, gibt Friedberger Spiel, das Zimmermann (in seiner Ausgabe des -rx älteste Denkmal für das Drama in Hessen, zugleich das älteste für die literarische Verwendung der hessischen Mundart ist das Friedberger Ost er spiel. Es wurde im Jahre 1821 r" der Sakristei der Stadtkirche zu Friedberg in einem Kasten unter Äten Spielgewändern gefunden, kam aber erst 1849 durch xrnd 1384. Auf dieses Spiel geht sowohl das Fried» berger Passimichpiel zurück, als auch das Alsfelder, das Frank- furter Ostersprel von 1493, das ein Johannes Kremer abgefchrieben har und scylteßlich das Heidelberger Osterspiel, Las im Zahre 1513 entstanden ist Zn allen findet sich der größte Teil der Vers» anfange der Dirigierrolle, soweit es dem Stoffe nach möglich ist, von kleineren Aoweichungen abgesehen, wörtlich wieder, und es stimmen dann auch die an diese Anfänge anschließenden Verse über» ^^erner erscheint noch eine nicht geringe Zahl von Anfängen bei-zweren mir Ueberetnstimmung der nächsten Verse, und sckstießlich ledes Versanfänge der Dolle, die sich bei den "andern « n‘ «’ .e5 Niöglich, den bei weitem größten Teil ver Frankfurter Dirigierrolle zu rekonstruieren. Es ist, wie man mutz ebensowenig ein selbständiges Werk wie das Als» leider Spiel, sondern hat stattliche Stücke oft wörtlich entlehnt Quellen sind es, die in ausgedehntem Matze hmemgearbeitet sind: eine altere Redaktion Les von Mvne her» ®a[‘eneL' Passionsspiels und des geistlichen Epos Sv ^ ^ng". Das ist sehr bezeichnend für den Charakter des einen Uebergang zwischen der geistlichen Oper und Schauspiel dar stellt, und wie das mittelalterliche Drama überhaupt und noch weit über Hans Sachs hinaus im aetun^ eI? Gesprächen ist. Roch wird sehr viel lateinisch frÄ. 9 und wieder erorückt der lateinische Text den Leut» Sluck hat doch schon einen regelrechten Dialog in ^ist?°^Wraa-e; er ist kurz, kernig, zeigt noch nichts von der x7, 'unndlichleit und der häufig fast ermüdenden Breite der spä» • nen üptele. Alskelder Pas>wnssp,els) für ein Fronleichnamsspiel hält, nur di« Personen und dl« Handlung, beides in lateinischer Sprache aber baau auch le^smal den ersten, mitunter auch den zweite Vers der deutschen Gesänge und Gespräche. Außer seiner Kürze zeigt das §^^oerger nur kleine, unerhebliche Abweichungen von dem Als* selber Es fehlt allerdings nicht wenig. Aach meinen Feststellunaen suchst die ersten 1790 Verse, dann der Wettstreit der ©cclefig l'aE’,ber Synagoge. Dagegen ist ein Wechselgespräch zwischen Synagoge eingeschoben, das sich nicht in der Alsfelder Handschrift findet und von dem der Frankfurter Mriqierrolle er» », s ubweicht. Die Sprache ist fast durchgängig mitteldeutsch Färbung, wie sie auch in^inigen i-Iemen ®arburger Spieis von Wendelgart vorkommt Aus» fuhrlicherohabe ich mich darüber in meiner Geschichte der mund-- artlicyen Literatur m rgessen und Aassau geäußert. „ ,, ^Ä^ullich bedeutender als das Friedberger Sviet ist die Als» Sie bat nicht nur hohen literarische.^ Lt ist Versen nicht nur die weitaus umfangreichste ihrer Zeit sondern hat auch, schwerwiegende Bedeutung für die Erforschung 11 -tscheu Munoarteii. Die Handschrift befand sich bis 1842 in dem Ratsarchiv von Alsfeld, wurde bei einem .Umbau ?n&.ianl,nur durch einen glücklichen Zufall nicht unter das fester eines Duienmachers. Wie Grein in der Einleitung seiner sorgfältigen Ausgabe berichtet, entdeckte sie ein Pfarrer Gutberle! nug Breitenbach erwarb sie für einen Taler und verkaufte sie an ^'lmar, aus Lessen Aaylaß sie der Kasseler Landesbibliothek zu» fiel. Aach einem Vermerk, der aus dem Anfang Les 16 Jahr» N'hAE.?"-Mmt, wurde Las Spiel zuerst „Anno domini 1501“ aufgefuhrt, dann 1511 und 1517. Das Spiel, das größere und kleinere Zusätze von drei verschiedenen Händen aufweist, ist wie das Ooerammergauer Passionsspiel in eine ganze Reihe sich ergänzen» der kleiner Dramen gegliedert, die oft von überraschender Frische und Lebendigkeit sind, nicht selten sogar einen erstaunlichen poeti» haben. In der Gestaltung am besten gelungen sind die hvlliichen Heerscharen und die nach Landsknechtart prahlenden Soldaten, von denen sich einer — auf Golgatha — mit Dietrich von Bern vergleicht. Aeußerlich ist es in drei ziemlich gleichmäßig« Teile geschieden, die an drei aufeinander folgenden Tagen auf» geführt wurden, und zwar unter freiem Himmel: denn wie aus einem Vermerk hervvrgeht, wurde im Jahre 1517 die weitere Aufführung durch Regen und Kälte verhindert. Gesang und Gespräch« weyselten bei der Darstellung miteinander ab und zwar in den deutschen Teilen sowohl als in den lateinischen Zwischenstücken. Die Gesangsnoten sind in die Handschrift eingezeichnet. 3n ben Klagen der.. Maria und Hohannes ist die von Hoffmann in seinen „Fundgruben" aus einer trierischen Handschrift des fünf* Zehnten Jahrhunderts mitgeteilte dramatische Marienklage fast wörtlich enthalten, jedoch erweitert, teilweise in abweichende« Anordnung und mitunter auch durch die Handlung unterbrochen. Die Sprache, die eine entschiedene Kraft offenbart, ist mit wenigen Ausnahmen durchaus hessisch. Vilmar betont, daß es der zu seiner Zeit noch in der Stadt Alsfeld und .Umgegend gesprochene, halb niederdeutsche Dialekt wäre, der in diesen Ostzipfel von Hessen weit hineingreift. Er fowohl als Grein bringen dafür eine große Anzahl von Belegen. Daß sich dieser niederdeutsche Einflutz nicht nur auf die Sprache beschränkt, sondern auch auf Bauweis« und Lebenshaltung einwirkte, ist neuerdings unzweifelhaft er» Auch ein Weihnachtsspiel ist uns aus dem Aachläß Dilmar- erhallen, das sogenannte Hessische Weibnachtsspiel, dessen Hand* — 118 — »Arift ebenfalls in der Kasseler Landesbiblivthek aufbewahrt wird. DaS Manuskript, jedenfals nur eine Abschrift, stammt von zwei Händen die beide den Federzug des fünfzehnten Jahrhunderts er» fernen lassen. Piederi!, der für seine Ausgabe eoenso wie Zunmer- mann zahlreiche Erläuterungen Dilmars benutzt hat, verwes das Spiel auf Grund eingehender Sprach,imterfuchrrngen nach Hessen, obre Zweifel zu Recht; denn die Sprache stimmt mit der des 2118- felder Osterspiels vollkommen überein. Froning will es sogar unmittelbar mit Alsfeld zusammenBringen uich zieht ^ftlrfolgende Gründe heran: „Hier wie dort finden sich die vier Eannenie per eingezerrt und einzeln aufgeführt; und die ^usel deZ Weuinachts- spiels haben dieselben Manieren wie die der , Passion " Dazu kommt, daß man nach seinen Feststellungen im J-chre Weihnachts- und Dreikönlgsspiel aufgefuhrt hat. D ese Grunde fcbeinen aber keineswegs zwingend. Die Elemente sowohl als auch die Manieren der Teufel können recht wohl an bem Alsfelder Spiele entnommen worden sein, denn Alsfeld tag an der großen Heerstraße nach Frankfurt, so daß seine Spiele sicherlich sehr besucht und bekannt waren. Freilich lahtsichauch Nichts Stichhaltiges dagegen sagen, aber es ist ja nicht einmal erwiesen, ob das als Dorbild geltende Oste^Piel nun^ tatsächlich in Alsfeld entstanden ist. Der Inhalt ist fast derselbe tote in den anderen Weihnachtsspielen. Joseph und Mana kommen imch D-tbleüem wo sie eine Herberge suchen. Sie werden von verschiedenen Wirten abgewiesen. Es folgt die Geburt,, die Anbetung usw., alles mit mancherlei Possen verbrämst wie die anderen uns bekannten geistlichen Spiele ebenfalls, Besonders ergvtzlckh ist hier der derbkvmische Streit zwischen dem frommen Datei Joseph und den widerspenstigen Mägden Hildegart ^ind Gutte, der iu eine Prügelei ausartet, aber dann durch den Tanz um die Wiege ver söhnlich abgeschlossen wird. Den übrigen deutschen Passionen und Weihnachtsspielen stehen diese hessischen Spiele durchaus gleichwertig, ja oft überragend gegenüber Leider sind sie viel zu wenig bekannt obwohl sie aste in guten Veröffentlichungen vorliegen, besonders zugänglich m Kürschners Deutscher Liationalliteratur, wo sie Froning unter dem Titel „Das Drama des Mittelalters" herausgegeben hat. 2m rheinfränkischen Sprachgebiet sind sie auf Jahrhunderte - hinaus die einzigen Beispiele dramatischer Poesie. Erst ,mit , dem zur Steige gehenden achtzehnten Jahrhundert begegnen wir wieder mitteldeutschen Dichtern und zwar zuerst in Frankfurt wo sich ein ziemlich hochstehendes mundartliches Drama entwickelt und dann in Darmstadt, dem Ernst Elias Diebergalls bebe'ckender Dat»erich" entstammt. Er ist die reinste 23tute des mundartlichen Dramas, das seine Wurzeln in die Z^t versenkst da die he fischen Osterspiele entstanden, ins vierzehnte, vielleicht sogar ins dreizehnte Jahrhundert. Rapanui. Der Untergang einer Welt. Der Romanschriftsteller Theodor He i n r i ch Master Hai in der deutschen Leserwelt steigende Deachtung gefunden da er ein Dichter voll Phantasie und ein Weister der Sprache ist. Auch sein letztes Werk „R a p a n u t per» lag von L. Staackmann, Leipzig), fast mehr ein Epos als ein Roman zu nennen, überragt die bloße Unterhaltungsliteratur. Die vor einiger Zeit versunkene Osterinsel im Stillen Ozean, die mit ihren Funden aus grauer Vorzeit dem Forscher Rätsel aufgegeben hatte und als Ueberbleibseleines untergegangenen Kulturreiches gelten konnte, hat Mayer angeregt, einen Romen dieser Dorzeit zu ersinnen wobei Vulkanausbrüche, Erdbeben, Ueberschwemmungen, dramatische Wirkungen und Konflikte unter den sich ängstigenden Menschen hervorbringen. Arkaman, der tapfere König, in ein feines Liebeserlebnis gebannt, ist neben anderen Großen des Reiches seinem Dolke ein starker Führer. Wir möchten unfern Lesern eine kurze Probe der Darstellung geben. Fast symbolisch mutet uns die folgende grandiose Szene an: Von den wenigen seiner Diener begleitet, die der Einsturz des Palastes unversehrt gelassen hatte, schritt Arkaman der Stadt zu. Kein Haus, das aufrecht geblieben, keine Stube, die nicht zum Grab geworden war. Wimmernd toanben sich Menschen mit gebrochenen Gliedern aus dem Schutt, verwundetes. Vieh heulte tzsu sich auf Bahren tragest. Sterbend« stemmten sich entgegen um noch ein neues Fest des Menschen erleben zu können, und die u von Se nix hewwen!" — „'M Se funö doch so n ürund vor, Dismarcken, un de Lüd seggen ummer, dat ti em s? ähnlich wrr, denn nehmen S' dal von mi tom Andenken! ^Nfche. kickt up! .Herr," seggt he, „Se siind dat ia wvtl gor fiUflt He nunmt sinen Hot in die Hand um seggt „Herr, nehmen S nich äwel, awerst den ollen Hund will ik dat besorgen!" Ern MeistsrMM deutscher LchUbauKunst. Don M. Büttner. , Kiel, 25. Halt. Deutschlands Kohlennvt ist ohne Grenzen. nxirn Las steinerne Brot unserer sabrrk» und SaFsfsrestel uns wieder in ausreichendem Waste und zu erschwinglichen Prest en zur Verfügung stehen wird. Ader der deutsche L,echnuer tst.nicht^^ Mann mutlos den Kops hängen, resigniert den Grsrndergerst schummern zu lassen. Wenn die Kohle fehlt, müssen wrr uns anders helfen Wir müssen weiter leben und arbeiten, mit od.r ohn» Kohle Hat einst das deutsche Voll die Hungerotouara ertragen darf heute auch die deutsche Wirtschaft an dem Zehlen ihres^btsher wichtigsten Aahrungsmittels, an der Kohlenblock^de nicht zugrunde gehen. „Ersatz" ymyt asermars die Losung, m bedeutsamerem Sinne vielleicht denn je. Schon bemerken wir überall die ersten kraftvollen Regungen. Immer häufiger stellt man sich in der Ztduurteaus neue Keu-nungsmetboden uni. emanzipiert sl-:y> nach Mgln^reit von der knappen, teuren Kohle. Unverzagt folgt die Beispiel, sucht neue Wege, ihre Kessel zu hr-zen, ihre tochrau^en tx treiben 2lnch hier: navigare neoeste < mit oder ohne Kohle Tas Dampfschiff ohne Kohlrndampf — lautet hrerdi neue Parole. Der Dieselmotor ist hier der lunge starke Helfer vielleicht, wie viele hoffen, eine Art technischer A^ssias. Sein Betriebsstoff das Schweröl, verbindet ideal das Auhlrche mit dem Angenehmen, die Arbeitskraft mit der JWggert&em «eblen des Kohlenstauoes. Grund genug, die,e Motorgattung immer mehr anzuwenden, ungeachtet der vielen sonstigen Vorzüge, die der 2Naschinenbauer und im besonderen der Schistbauingemeur für ihn ins Feld führen rann. Dreißig Jahre hat dre,e Ma fchinenart gebraucht, bis sie als Schiffsmotor brauchbar vervoll- rvinmnet war und allen Anforderungen entsprach Nun fchvint seine Zeit Lekommen. Eine Tat und ein denkwürdiger Schritt in dieser Richtung — Beispiel Symbol und Verheißung zugleich bietend — ist in Viesen Tagen oben an der deutschen Wasserkante getan Wochen. Die einstige Reichsmarinewerft, heilte die Werft Kiel ter „Sein* scheu Werke 2l-G.", hat die eigene Konstruktion emes Schsss- Dieselmotors fertiggestellt und die ersten beiden größten Maschinen dieser Gattung von je 950 Pferdestärken in das Doppel- schmuben-Tankschiff „11 ra n o", das erste seiner Art, eingebaut. Das Anfang Mai d. I. in aller Stille vom Stapel gelaufene neuartige Schiff, das leider auf Repaoationskonto an die italienische Marine abzuliefern ist, hat auf feiner Probefahrt die am 21. Juli im Beisein zahlreicher Regierungsvertreter, führender deutscher Schiffbaufachleute, des Kieler Overburgermeisters, de'- italienischen Abnahmekommission sowie in- und auslandsicher Pressevertreter stattfand, überzeugend und eindrucksvoll bewiesen, das) es als ein Markstein auf dem Wege modernster deutscher Schiffbaukunst anzusprechen ist. Alle vorgenommenen Proben fielen zur vollsten ^isrietenheit der Fachleute wie ter Besteller aus und.gipfelten in dem für die ®rteiterin besonders ehrenvollen Ergebnis, test die bei der Bestellung vorgeschriebene Geschwindigkeit von 10 Knoten auf der nahezu achtstündigen Fagrt des vollbeladenen Schiffes (Tonnen) bei zeitweise ziemlich starkem Gegenwind und bewegter See um 0,7 Km. überschritten und weniger Brennstoff und Schmieröl verbraucht wurde als garan- Es versteht sich von selbst, test bei der Neukonstruktion alle seither beim Dau von Groß-Dieselmaschinen gemachten Erfahrungen berücksichtigt und zahlreiche wesentliche Derbesserungen und Neuerungen gegenüber anderen Erzeugnissen dieser Art getroffen wurden Was könnte dem Laien die Feststellung nützen, test die beiden Maschinen im Viertakt arbeiten, test jeder Motor sechs Arbeitszylinder hat und mit etwa 130 Umdrehungen in der Minute läuft, oder soll man den Nichtzünftigen mit tausend anderen Details verwirren? Ihm ist anschaulichere Illustration für die hier geleistete Präzisions- und Oualitätsarbeit vielleicht die Tatsache, test ter zweite der beiden Dieselmotoren von ter Werkstatt weg in unausprobiertem Zustand eingebaut werden konnte und sich sofort bewährt hat, wie es Oberwerftdirektoü Toussaint gelegentlich eines kleinen Imbisses an Bord hervorhob — zugleich ein Ruhmestitel für den eigentlich Konstruktov der beiden neuen Maschinen, den Oberingentour der Werft Kiel, Dr.-Jng. Viktor Rembold. Der Nichtsachverständige gibt sich, technisch unbefangen, in dem hohen, Hellen, luftigen, überraschend sauberen und völlig rußfreien Maschinenraum, ter für den Besucher einen Aufenthalt zum einprägsamen Erlebnis macht, lediglich dem geradezu ästhetischen Genust an diesem feinen, harmonischen Zusammenspiel ter Räder, Kolben und Wellen hin und spürt mit tiefer Freute die Seele, den sozusagen nmsikalischen Rhythmus dieses schonen, seltsam lebendigen Mvtorwesens, wie er auch in den italienischen Bezeichnungen auf. dem Maschinentelegraphen — Adagio, Dutta, Forza, Mezza Forza, Avanti usw. — zum Ausdruck zu kommen scheint. Man freut sich, wie sich emsig und reinlich aus vielen dünnen Rohren das Kühlwasser der Motoren in gemeinsamen Behältern vereinigt, um durch Pumpen gehoben von neuem zum gleichen Zweck verwendet zu werden. Oder man blickt bewundernd in die gähnende Tiefe der acht gewaltigen, dickbäuchigen Tanks, die dem Transport von Oel dienen socken und den eigentlichen Daseinszweck dieses Fahrzeuges bilden. And mau freut sich Wirklich, wie die Mitglieder ter italienischen Abnahmekommission staunend und in kaum verhehlter Verblüffung überall dieses Wunderwerk deutscher Technik betrachten, und man fragt sich zweifelnd, ob ihre Hände geschickt genug sein werden, dieses zartgliedrige Instrument im Takt ter Arbeit spielen zu lassen. . . Haben wir doch zahlreiche Beispiele des Gegenteils in diesen Jahren der Reparationslieferungen. Immerhin wird in die bittere Empfindung über die Auslieferung dieser Probe deutschen Ingeniums eine gewisse versöhnlichere Note durch den Umstand getragen, Satz, Vas SHisf nach Italien gelangt, und man möchte sich ter von Kiels Oberbürgermeister Dr. Luecke zum Ausdruck gebrachten Hoffnung anschlietzen, test dieses Beispiel deutscher Arbeit, teS uns draußen Ehre machen wird, zu einer auch weiterhin günstigen Entwicklung ter Beziehungen zwischen beiten Ländern beitragen werde. And besonders gern macht man sich die riefe Symbolik eigen, der schließlich ein Vertreter ter erbauenden' Gesellschaft schönen Ausdruck gab: Möge dieses Schiff ein Zeichen des Werkwillens sein, der in Deutschland nicht untergehen wird, wie dafür, dah alle Feindschaft, die sich unserer Arbeit entgegensetzt, zerbrechen mutz am Willen zur deutschen Arbeit. Durch Werke dieser Art wollen wir aber auch Zeugnis ablegen von dem deutschen Willen zum Frieden, ten wir nicht gebrochen haben, wollen wir beweisen, dast die geistige Kraft der deutschen Ingenieure die Brücke schlagen will, die hinüberreicht von Deutschland über Länder und Weltmeere, aus einer vergangenen in eine neue Zeit, in eine ersprießlichere Zukunft. And weg- und zukunftsweisend darf für das ganze Deutschland heute das Motto der Deutschen Werke A. G. gelten: „Wir dienen dem Ausbau." 3m KsüppelheLm- Eine Musteranstalt, die unendlich viel Segen stiftet, ist das Oskar - Helen e-Heim des Brandenburgischen Krüppelheil- und Fürsorgevereins, das am Grünewald bei Berlin liegt. Einen Besuch dieser Anstalt schildert Oberarzt Brettner in „.Utter Land und Meer": Sin kleiner Ohnhanter begegnet uns, dem das Schnauben ter Nase dringend not tut. Auf meine Anrede: „Junge, putz dir die Nase!" antwortete ter Knirps: „Kann ick nich, ick brauche jetzt die Deene zum Losen." Bald daraus sehen wir ihn teim Halma, wie er die Figuren mit den Zehen rückt. Nicht nur den kunstgerechten Gebrauch des Taschentuchs, sondern auch Essen und Trinken, Kämmen, Aus- und Ankleiden, Schreiben, Zeichnen. Stenographie und Schreibmaschine erlernen kindliche Füste. Ein Ohnhandlehrer schreibt mit Kreide und knöpft den Hemdkragen mit einem Handschuhknöpfer zu. Gr ist so geschickt, dah er dis Zigarette in ten Mund steckt, ein Streichholz aus der Schachtel nimmt und anzündet. Die Ohnhänter-Ausbildung ist eine Spezialität des Heimes. Sin Einhänder ist vollwertiger Schlosser- gehilfe. Er hämmert mit dem am Stumps befestigten Hammer, er feilt und arbeitet an ter Drehbank. Andere find in ten Werkstätten des Hauses als Tischler, Buchbinder und Korbflechter ausgebildet, noch andere verrichten mit künstlicher Arbeitshand Landarbeiten. Sine Häklerin regiert den unter dem Aermel ein geschobenen Häkelhaken mit dem Stumpf. Ein Lehrer schält mit ter Fischerhand Kartoffeln und satzt eine Pinzette." Die Fischerhand ist von dem Mechaniker der Anstalt, Fischer, angegeben: sie ist eine vorzügliche Trag-, Greis- und Gebrauchshand und hat von allen bekannten Kunsthälrden ten kräftigsten Fingerschluß. Komplizierter sind die Apparate, wenn kein Stumpf an ten Gliedmaßen mehr vorhanden ist: doch ein Knabe, ter nach Starkstromverbrennung beide Arme im Schultergelenk verloren hat, schreibt und stenographiert mit Hilfe eines Apparats, ter an einer Schulterklappe befestigt ist. Wahre Wunder werden in dieser Anstalt verrichtet. Aus Klumpfüßen wird ein gangbares Fußwerk-gemacht, Bucklige werden grate, und auch in schwierigsten Fällen gelingt die Ent- krüppelung. Gute Ernährung, Sonnenbestrahlung und frische Lust, auch während ter Nacht, kräftigen ten Körper. Die Kinder haben Krokett- und Kegelspiele, Sandbuddelplätze int Wald usw-. Wenn die Kleinen dem Kindergarten und Kinderhort entwachsen sind, kommen sie in die Normalschule oder in die Hilfsschule, ter eine orthopädische Handhabungsklasse, eine Ohnhänder- un& eine Linkshänderklasse an gegliedert ist, und dann nach ihren Fähigkeiten in die verschiedenen Werkstätten. Viele Krüppel des Heims haben die staatliche Gesellenprüfung bestanden und als vollwertige Fach- arbeiter Stellung gefunden. Schriftleitung: August Goetz. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.