Vti 8 8 Hl WZ7 1 M 1923 — Nr. 17 Samstag, 28. April Aus den Briefen eines Bankdirektors an feinen Sohn. ArgentarluS, von dessen volkswirtschaftlichen Briefen wir früher bereits unseren Lesern Proben vorgelegt haben, spricht in seinem neuen Bande „Wäh- rungsnot, Bilder aus einem geldkranken Lande" (Bank-Verlag, Berlin W, Mansteinstr. 9) Gedanken aus, die wohl manchmal etwas über die Stränge schlagen, im großen und ganzen aber das Richtige treffen. Wenn er den Staat kritisiert, so kritisiert er das ganze Volk, das nicht denjenigen Willen und diejenige Organisation aufbringt, um das Zeitübel an den Wurzeln zu fassen. Freilich ist dies unter der auf uns lastenden Gewalt- und Fremdherrschaft unendlich schwer. Wie wäre unter unseren heutigen Parteiverhältnissen wohl eine gerechte Wirtschaftsdiktatur denkbar? Wir geben den 4. Brief wieder, der sich mit dem „gerechten Preis" und dem „Kampf gegen die Teuerung" befaßt: Berlin, den 15. Februar 1923. Die große Kiste Zigarren, lieber James, die ich Dir gestern gesandt habe, stellt so etwas wie eine Extra-Festgabe dar. Ich habe mir nämlich den vorläufigen Abschluß meiner Dank vorlegen lassen, und der hat zwei Gedanken in mir wachgerufen. Erster Gedanke: Diese Ziffern darf kein Außenstehender erfahren, er glaubt sonst, ich hätte im vergangenen Jahre Wucher getrieben. Zweiter Gedanke: Angesichts eines solchen Resultats habe ick die Pflicht, meinem Junten eine Freude zu machen. And das ist mir nut den tausend Zigarren hoffentlich gelungen. Wenn Du mich nun aber nach dem Preis der Zigarren fragst, wie du es undelikaterweise meist tust, so setzest Du mich in große Verlegenheit. Sie haben nämlich gar keinen Preis. Als ich meinen Hoflieferanten um die Rechnung ersuchte, strich er sich nachdenklich über seinen Patriarchenbart und sagte: „In Amsterdam kostet diese Zigarre 30 Cents, das heißt nach heutigem deutschen Geld 4000 Mark das Stück. In Hamburg müßte dieselbe Zigarre, da mit billiger deutscher Arbeit hergestellt, trotz des Zolls nur 2500 Mark kosten. In Wirklichkeit können Sie sie aber in Hamburg für etwa 800 Mark haben, da noch große Postmr alter Ware dort lagern, die zu einer Zeit hergestellt worden find, als der Arbeitslohn und die Tabak-Valuta noch niedrig waren. Ich selbst babe die Zigarre schon vor einem halben Jahre auf der Preisbasis von 150 Mark gekauft. Soll ich Ihnen nun 4000 oder 2500 oder 800 oder 150 Mark berechnen? Ich kreiß es beim besten Willen nicht. Bezahle,, Sie dafür, was Sie wollen." Ich habe dem Mann überhaupt kein Geld bezahlt, sondern ihm ein paar feine Aktien, zehn Flaschen Kognak und ein Markenalbum überlassen. Ich bin also zur „Tauschwirtschaft" zurück-^ gekehrt. Denn ich stehe auf dem Standpunkt, daß man in einem am Währungsschwindel leidenden Lande unfehlbar betrügt oder selbst betrogen wird, sobald man in sogenanntem „Gelds" bezahlt, von dem niemand weiß, was es morgen wert sein wird. Solange es eine Volkswirtschaftslehre gibt, zerbrechen sich die Gelehrten den. Kopf über die Frage des „gerechten Preises". Die einen konstruieren ihn aus den Elementen „Arbeitslohn", „Kapitalzins" und „angemessener Gewinn", andere leiten ihn im Gegensatz hierzu nicht von den Kosten der Gestehung, sondern von denen der Wiederbefchaffung ab, wieder andere lassen Angebot und Nachfrage unter der Herrschaft der freien Konkurrenz über ihn entscheiden. Aber welche Theorie man auch aheptieren mag: Für unseren Fall und damit zugleich für alle Fälle des heutigen Verkehrslebens paßt keine von ihnen. Es ist einfach unmöglich, in Mark, will sagen in einem Gelde ohne festen Wert, den Preis zu er- nntteln, der „gerecht" ist, das heißt jedem Beteiligten das angemef- sene Entgelt für feine Leistung sichert und niemand schädigt. Aus dem einfachen Grunde, weil der in Mark ausgedrückte Preis ein Perpetuum mobile ist, dessen tatsächliche Kaufkraft sich jeden Moment ändert. Kehren wir zu meinem Zigarrenhändler zurück. Hätte er von mir den Preis gefordert, der am Amsterdamer Markt gilt, so hätte er sich ohne Zweifel zu meinem Schaden bereichert. Denn dieselbe Zigarre, die ich ihm mit 4000 Mark bezahlt hätte, konnte ich mir, wie er selbst sagte, in Hanrburg für 2500 Mark anfertigen lassen. Also sollte man annehmen, daß dieser letztere Preis angemessen gewesen wäre. Aber das kann wiederum nicht zutreffen, denn dieselbe Zigarre war ja aus irgendwelchen Gründen in Hamburg für 800 Mark am Markt und in jedem Quantum käuflich. Der Mann hätte mir mithin mehr als das Dreifache des Betrages abgenommen, für den er sich wieder „eindecken" konnte. 'Wären sonach 800 Mark — zuzüglich eines Prozentauffchlages für den Händlergewinn — der angemessene Preis gewesen? Subjektiv, vom Standpunkt meines Lieferanten, ja. Aber auch objektiv? Rein. Denn wenn ich aus irgendeiner Laune heraus nach Hamburg gefahren wäre und dort den ganzen Zigarrendorcat zum Preise von 800 Mark je Stück aufgekauft hätte, so würde mir das Handelszentrum, das man „Hamburger Markt" nennt, eine Ware für 800 Mark verkauft Halen, die es sich selbst nur um den Preis von 2500 Mark wiederbeschaffen konnte, ja deren Beschaffung ihm sogar 4000 Mark nebst Spesen gekostet haken würde, wenn der Bedarf so dringend war, daß die notwendige Fabrikationszeit nicht abgewartet werden konnte und die Ware deshalb am Amsterdainer Engrosmarkt gekauft werden muhte. Allgemeinwirtschaftlich wären also auch 800 Mark nicht der angemessene Preis gewesen; irgendwelche Erwerbsgruppen, gleichviel welche, wären dabei notwendig zu Schaden gekommen. And was von einem Preise von 800 Mark gilt, gilt natürlich erst recht von dem letzten und niedrigsten der vier Preise, von 150 Mark. Die Frage ist also einigermaßen verwickelt. And sie wird noch verwickelter, wenn wir beschließen, die Praxis zu Rate zu ziehen, wie ich es des Spaßes halber einmal getan habe. Es handelte such damals um einige Flaschen eines bekannten Parfums, die ich kaufen wollte. In dem ersten Laden, den ich betrat, forderte man 8000 Mark. Das schien mir zu teuer, und ich betrat den zweiten Laden. Preis 15 000 Mark. Ich frage „warum so viel?" Antwort: „Weil ich die Flaschen gestern erst gekauft und selbst mit 12 000 Mark bezahlt habe. Hier ist die Faktura. Bitte sich zu überzeugen." Ich überzeugte mich und betrat einen dritten Laden. Prers 1500 Mark. Weil der Mairn das Parfum bereits einige Monate auf Lager und dem Valutastande entsprechend billiger eingekauft hatte. In einem vierten Laden schrie mich der Inhaber zornig an, als ich fragte, „Ich verkaufe das Zeug nicht mehr! Ich verkaufe überhaupt nicht« mehr! Bei jedem Verkauf wird man ja betrogen! Gestern habe ich die letzte Flasche für 390 Mark hingegeben. Das war mein Einkaufspreis plus 30 Prozent Ruhen; so kalkuliere ich, solange mein Geschäft besteht. And wissen Sie, was mir die Fabrik heute für eine neue Flasche abfordert? 12 000 Mark, mein Herr, 12 000 Mark Im Einkauf! And so geht es mir mit allen meinen Artikeln. Ich habe mich arm verkauft! Sehen Sie sich meine Regale an: alle« leer, sozusagen verschenkt, für den zwanzigsten Teil dessen, toa» 66 — Ich für den Neu-Einkauf zu zahlen hätte. Sch muh mein Geschäft schließen, weil ich kein Veld mehr habe, um Ware anzuschaffen! Was mir dieser Mann erbittert zugerufen hat, daS kannst Du, lieber James, in allen Städten und in allen Gewerbeszweigen tausendfältig Horen. Die Leute haben sich samt und sonders arm verkauft, haben ihre „Substanz" verschleudert, weil sie.nach den von Vater und Großvater überkommenen soliden Geschästsprin- zipien gehandelt und redlich kalkuliert haben. Sie haben sich ruiniert, weil ste in einer Zeit des Geldschwindels ehrlich gebliebm sind. Machte aber einer oder der andere von ihnen den Versuchs sich vor der Verarmung zu retten, indem er seine Preise nicht nach den Kosten des Einkaufs, sondern nach den Kosten der Wieder- beschaffung berechnete, so schritten die PreisprufungssteNen und die Wuchergerichte ein und bestrasten ihn. Natürlich verbrennt kein Mensch bei lebendigem Leibe, ohne eS allmählich zu merken, älnd so merken denn mrchdie Kaufleute jetzt, viel zu spät, was die Geldentwertung für sie beamtet. Kem Preisprüfungsamt und kein Wuchergericht kann sie heute noch Haran hindern, ihre Preise so zu bemessen, wie es notig ist, wenn sie vernunftgemäß wirtschaften und sich ihre Existenz erhalten wollen. llnb parallel mit dieser Erkenntnis werden auch ber den Gerichten, gleichfalls viel zu spät, Bedenken ob der bisher befolgten Praxis wach. Das Reichsgericht, das sich an den Buchstaben von Gesetzen halten muh, die sür geldehrliche Zeiten geschrieben worden sind, tanzt einen Eiertanz zwischen dem formalen Recht und semer besseren Einsicht, ohne sich aber zu dem Appell an 6en Gesetzgeber aufzurasfen: „Schaffe deine sinnlos gewordenen Gesetze ab oder kehre zu einem Gelbe zuriick, das den Gesetzen ihren Sinn wiederaibt!" , _, , . Mrtb zwischendurch erschallt immer lauter der Schrei der Straße: „Kampf deut Wucher, Hängt die Preisverderber die das Volk dem Elend überliefern," Man schlägt Ladenfmster ein, raubt die ausgestellten Waren, prügelt die Händler und droht dem ganzen Kaufmannsstande blutige Vergeltung an -Unb der S.aat, der die Flut der Empörung immer gefährlicher branden sieht, wendet Desänftigungsmittel an, wie sie bei Kindern erprobt sind, die man nicht überzeugen kann, sondern durch kleine Konzessionen zur Ruhe bringt: Gr greift sich ein paar älebeltäter, die ihre Preise zu ausfällig „in die Höhe gezeichnet" haben, heraus, schließt ihre Lager beschlagnahmt ihre Waren und verkauft diese zu Preisen, die das Volksempfinden für „angemessen" hält. . Also gibt es keinen Wucher?" wirst Du hier vermutlich em- werfen, mein Junge. Sicherlich gibt es den. Wuchertreibr ä- ®- jede kartellierte Industrie, die durch bindenden Komm,sstonsbeschlutz ihre Preise auf eine Höhe steigert, die der Geldentwertung voll migepaßt ist, obwohl zur selben Zeit die Löhne, die Gehälter und die sonstigen älnkosten dem Entwertungsstande noch nicht entfernt entsprechen Wucher treibt jede Volksgemeinschaft, die einzelnen wehrlosen Gruppen der Bevölkerung Leistungen abpreßt, ohne sie für diese Leistungen angemessen zu entschädigen, wie es zum Bel- spiet gegenüber dem städtischen Hausbesitz geschieht, dem man wenig wertloses Geld für viel wertvollen Wohnraum gibt. Aber das was die große Masse gemeinhin als Wucher empfindet, das, was Dir selbst vielfach wucherisch erscheint, wenn Du durch die Straßen gehst und die Preise in den Schaufenstern studierst, gerade das ist höchst selten Wucher, sondern die berechtigte Notwehr der Erwerbsstände, sich gegen das Sinken der im Gelbe verkörperten Kaufkraft zu schützen. Es ist oft geradezu ein Kampf der Verzweiflung gegen die unheimlichen Mächte, die den Kaufmann mit Gewalt in das Proletariat hinunterwerfen wollen. Kein Gesetz und keine Polizei, kein Volksprotest und kein vtraßenkampf kann die Preise hindern, auf den Stand zu steigen, bei dem sich die in den Konsum abfließenden Produkte wieder erzeugen lassen. Versucht man es mit Gewalt, die Preise unter diesen ihren natürlichen Stand zu drücken, so hat das notwendig zur Folge, daß die unlvhnend gewordene Produktion stillsteht, die Dolksversvrgung stockt und die Preise schließlich — infolge des Mißverhältnisses zwischen Angebot und Nachfrage — noch erheblich höher steigen als vorher. Der Staat mit seinen Machtmitteln kann dieses Gesetz nicht unwirksam machen, etwa dadurch, daß er die Produktion in die eigenen Hände nimmt. Denn auch dann muß er sich dem Gesetz unterwerfen, das die Preise auf denjenigen Stand hebt, bei dem die Nachfrage sich dem Angebot anpaßt; und wenn er die Nachfrage steigert, indem er wieder und immer wieder neues Geld in den Verkehr pumpt, zwingt er selbst das Angebot, sich der Nachfrage auf einem erhöhten Preisstande entgegenzustellen, weil sonst die älebereinstimmung zwischen der Nachfrage und der Möglichkeit ihrer Befriedigung verloren gehen würde. Welches ist also der angemessene Preis der Zigarre, die ich Dir geschickt habe? Es ist derjenige Preis, der dem Importeur des Tabaks, dem Zigarrenfabrikanten und dem Zwischenhändler genügenden Nutzen läßt, um sie zur Aufrechterhaltung der Produktion, zur gleichmäßigen Versorgung des Markts und zur Wiederauffül- lung der Läger zu veranlassen. Wenn Du mich nun aber auffor- herst, Mr ein konkrete Ziffer zu nennen, also Dir zu sagen, ob ein Preis von 4000 oder von 2500 Mark „angemessen" in diesem Sinne ist, so kann ich Dir nur dann antworten, wenn Du mir die Bedingungen nennst, mit denen die Zigarren-Herstellung während der nächsten Produktions-Periode zu rechnen hat; wenn Du mir also sagst, wie teuer der Tabak und wie hoch die Löhne, Frachten gab sonstigen älnkosten sein werden. Mese Ziffern kannst Du mir aber nicht nennen, denn st« hängen von der Bewegung des Geldwerts ab älnd wir kommen sonach zu dem Resultat: Wo ein fester Geldwert fehlt, da fehlt notwendig auch der Begriff eines „an» gemessenen Preises". Schwankender Geldwert bedeutet Spekula- tivität auf allen Gebieten. Gr macht den Preis zum Dpielball des subjektiven Ermessens der wirtschaftenden Kresie. Da drefe Kreise bemüht sind, sich vor Schaden zu bewahren und kein Opfer des schlechter! Geldes zu werden, so wird der Preis dre Tendenz haben, noch über den Stand zu steigen, der durch den momentanen Grad des Währungsverfalls gerechtfertigt ist Da aber dre allgemeine, vom Geldwerte abhängige Kaufkraft dem Preise nicht auf diesen Stand zu folgen vermag, der Konsum also zarÄckgeht, so sorgt die Konkurrenz der Produzenten und Händler, die ihre Ware verkaufen wollen, dafür, daß der Preis wieder auf dmr Stand zurückgeht, der nach Lage der Dinge gerechtfertigt ist Exakt läßt sich dieser Stand aber im Lande des Geldverfalls nicht bestimmen. Sn Liebe Dein alter Papa. GoeLhes Krankheit. Wie uns der Münchener Verlag C. H. De ck mitteilt, bringt er demnächst ein Buch heraus, „Alr-WeimarsAbend', Briefe und Aufzeichnungen aus dem Nachlasse der Gräfinnen E g l o f f - stein, herausgegeben von Hermann Freiherr von Egloffstein, das eine überraschende Anzahl von bisher unveröffentlichten Briefen aus dem Goetheschen Kreise und eine Fülle unbekannter interessanter und anmutiger Erinnerungen an Goethes Weimar und das Leben an europäischen Höfen dieser Zeit bieten werd«. Der Verlag stellte uns anheim, folgende Brief« daraus abzu- drucken: Brief des Kanzlers von Müller an Henriette Freifrau Beaulieu. Den 24. Februar 1823, abends 9 Uhr. Eben komme ich von Goethens Krankenbette, wo ich vier Stunden in großer Spannung zubrachte. Es scheint eine Krisis eingetreten, die wieder Hoffnung schöpfen läßt, das Bewußtsein ist wieder ganz frei, das Atemholen ruhig, die Schmerzen minder, die Todeskälte in den Händen beginnt zu weichen und alles deutet auf eine ruhige Nacht. Welche merkvürdige Aeuße- rung tat er, wie klar beurteilt er eine Krankheit wie die eines- Fremden, und wie liebevoll, wie graziös spricht er noch immer mit seinen Familiengenossen, wie humoristisch, ja ironisch mit den Aerzten. ,Der Tod steht in allen Ecken um mich', sprach er ganz heiter diesen Morgen, und- diesen Abend ,es ist ein Hindernis in mir, zu leben wie zu sterben, mich soll nur wundern, wie es enden wird'. Wenn er Morgen überlebt, ist er gerettet, glaubt man. Linen war es ein wahrer Trost, seine Stimme im Nebenzimmer, zu hören, ja ihn selbst durch die Türe aufrecht sitzend zu sehen. Ottilie benimmt sich wie ein Engel, verbirgt ihren ungeheueren Schmerz und umgibt Tag und Nacht sein Lager mit den freundlichsten Worten und Hilfsleistungen. . . v. M. Line an Julie. Freitag, am 28. Februar. O meine Julie, freue Mch und liebe Dein« alte Sine! — Heute gerade, wo ihr unsre traurigen Berichte erhalten müht, schreibe ich Dir in voller Sicherheit über des teuern Freundes Leben! —Beifolgendes Billett von Svret, ganz andern Inhalts und ariderer Wendung als die frühern, wird Dir den bestimmten Zustand zeigen, und freilich, die Zukunft selbst läßt vieles befürchten und die Wassersucht scheint sich ganz zu deklarieren. Aber der Mensch hofft so leicht, er hofft so gerne, und leichten Sinns sehe ich jetzt die Stunden hingehen, da ich nicht mehr zu fürchten brauche, beim Beginn einer jeden, sie sei die letzte eines geliebten Hauptes!! — O wie segnete ich Deine Abwesenheit! — tote schmerzlich ward mir die Notwendigkell, Dich betrüben zu müssen. Geliebtes, teures SHwesterherz! Dein lieber, langer Brief hat meine Seele teils erquickt, teils erschüttert. Glaubst Du, ich hätte keinen Kampf oder nur einen sehr gewöhnlichen zu bestehen gehabt, um einzusehen, daß Deine Entfernung von hier Notwendigkeit sei? — Me Empfindung, daß Dein Wohl mein Weh ausmachen muhte, konnte allein mir Mut und Ausdauer geben, konnte allein die Stärkung in dem trostlosen Schmerz sein, meine beste Lebensfreude von mir zu lassen und nicht sagen zu dürfen, wie ich leide!! älnd so ruhe denn, geliebtes Leben, ruhe still, heiter, beschäftigt und erfreuend und fülle Deinen Wirkungskreis in der weitesten Ausdehnung aus. ... Der Montag, gerade -der 24. Februar, war ein schauerlicher, entscheidender Tag und ich hatte allen Mut zusammen- gefaht, um hilfreich aber nicht hilfefordernd zu sein. Schon die Nachmittagstunden sollten entscheidend werden, und man hatte uns erlaubt, im Krankenvorzimmer — Du kennst das kleine Kabinett— zu verweilen. Einen Schritt über die Türschwelle und man hörte die Stimme, die wie in guten Tagen, kräftig und wohllautend tönte. Einen Schritt weiter und man sah, ungesehen, den Kranken selbst. Sonderbar wirkt« alles, wovor ich mich als zu erschütternd gefürchtet hatte, beinahe beruhigend auf mich, und trotz aller Vernunft, Me jede Hoffnung in mir ausgelöscht 67 — Verslein zu lesen: Fohlst Du Di schwach, sohlst Du Di flau. Dod Di de Haar utgahn, Kannst Du nich wie vor twintig Hohr, Op Dine Deen mehr stahn, So reis' getrost nach Buxtehud' Lind nah nach unsen Smid. De makt Di fix und gift Di glicks Ote drückte Urfunn mitl Man sieht aus alledem, wie man auch an der Wasserkante Sinn für Humor hat. Der erste weibliche DoÄLor. (Gin Buch über Dorothea Schlözer.) Buxtehude ligt an de Est' äln is een ganz vergnogtet Oleft De Hund, de hellt da mit den Stiert, Den S m i e d sm Arbeet is vok wat Wiert, De Haas un Swienegel löpt um de Wett, Wat man doch annerswo vok nicht hettl I hnn Buxtehude, der alte Gberstein, ist I (ot drei Dingen, die Buxtehude, dem stündlichen Städtchen an der Niederelbe, einen gewissen I X,. habw Der Hund, der mit dem Schwänze bellt, der Wett- BttiS Ha^s und Swienegel, und schließlich der Schmied. Der letztere ist'vielleicht in weiteren Kreffen weniger bekannt^ge- worden, aber die Hamburger und alle Leute «n^r ^ntertt^ kennen ihn und Abertau ende haben ihm in ferner Wertstaii einen Besuch gemacht, um sich „vorstählen« zu lassen, Biele hochgesttttte Persönlichkeiten haben ihn besuch, der Kuriosität halber, denn '"”aÄ L« «W Htfip Davaewerkschule und eine Kunstmalerschule in seinen Mauern biratslastet^ein e^enartiges Mißgeschick Vielfach glaubt man noch i— steil und fest ein Buxtehude gäbe es gar nichtz der Dame ^r eine Scherzbildung. Der Name braucht im Binnenland« nur genannt zu werden, und em Schmmlzeln geht^^be^alle G. gÄBiSsäSiSgl texaffi sötÄÄ elbe, ist ja auch von Buxtehude ab schiffbar, toir nun zu t>em rühmten" Schniiev- _ - Lagen in hohem Alter von 81 Jahren ge- Horben ist Das SchniiedeHandwerk ist in seiner Familie seit s^hr- Hunderten vererbt worden. Die Schmiede mögen sich, so heißt es m einer Buxtehuder Chronik, in früheren Zeiten, es noch keine Tierärzte gab auch mit Pferdekuren und mit der Behandlung von krankem Bleh'befaßt, auch wohl das Kurieren von Menschen in Krankheitsfällen nicht von der Hand gewiesen haben. So war die Familie des Schmiedes von Buxtehude im Besitze gewisser Geheim- mittel, deren Geheimnis ängstlich gehütetwurde. Ems von diesen Medikamenten soll eine vorzügliche Heilwirkung gegen dw nach dem Dreißigjährigen Kriege in Dmitschland sehr verbreitete „ Fran- zosenkrankhut« geäußert haben. Dir Familie hatte _ Don einen? Nikolaus Schmidt übernommen, der von einem Herzog batte Aul Grund dieses Privilegiums, das un Jahre 1841 ver brannt sein soll hatte Nikolaus Schmidt und spater die Familie des Schmiedes allein das Recht, die Behandlung der granzvsen- krankheit bei den Patienten zu ü.^7r?X^n^Xft6LmüerfoaTlM? deren Leuten die Ausübung der ärztlichen Kunst untersagt war Schmidt von Buxtehude«, nämlich ebenlener erwarte He.ttun- dige Nikolaus Schmidt. Die Kunk^ von den wunderbaren Heil^ bl 8 das andere glücklich machen. , erfolgen wird sich - vielleicht mit Hilfe der von nab Diese junge Dame, die mit 17 Jahren mne^Berrchmiheitder so herumgesprochen haben, daß der Schmied vdech I g^tinger Universität war, wurde nun bei dem 501ädrigen Jubel- undfern von hilfesuchenden Patienten F?cm- de? „Georgia Augusta" zuin Doktor der Philosophie Promo- ÄS B.ÄÄ 2Ä»w«?‘S. । L. ®««»«»**» Wee fette kehrte, unbegreiflich, ein Hoffnungsstrahl nach dem an- fern 'zurück. Um 9 Uhr entfernte ich mich: ich hatte der Soweit mehrmals schreiben müssen und brachte ihr nun noch mündlichen -Rapport. 'Eine Stunde lang blieb ich mit dem gliidhc&en Brautpaar bei der Tante und dann kehrte ich zu Goethens zu rück Ich fand alle noch beisammen in Ottiliens Zimmer und ohne Rede begriff man gleich, daß auch ich bleien wollte: Plötz- »ck stürzte Rehbein wie ein Exaltierter herein. .Wir haben Hoff» Mna volle Hoffnung!- schrie er leidenschaftlich, toir& aUeS fetter werden. Der Kranke hat eine Kists überstanden, Hande und Stirn sind warm, er wird schlafen, dmm sogar der j. l ist ruhig und ohne Fieber!!' — Du kannst Dir denken, wie mir tLob — Die Männer fielen sich in die Anne und liefen alle Me Voawisch Adele und ich konnten nicht so schnell hoffen, Et so Kl glauben. Die gute Nachricht bestätigte sich aber sott, die Nacht verging ruhig und am Morgen um 7 1g ka men wir alle freudig zusammen, un& lch l^ieb der Hohen oie Nachricht nun auch und lege Dir ihre freundliche Antwort bet öle hat sich benommen, als ob Goethe ihr Vater wäre und h Herz sich wie immer trefflich bewiesen. . . . Der Schmied von Buxtehude. Bon H. Wisliceny-Hannvver. Das qeistige Erwachen der deutschen Frau beginnt eigenlliH erst im 18 Jahrhundert, denn in dieser Zeit nimmt das weibliche Geschlecht zum erstenmal in größerem Kreis teil an den wissenschaftlichen und künstlerischen Ereignissen. Unter &u> Bebeutenben grauen, die damals ihren Schwestern die Bahn zur Bildung brachen und auch heute noch als die Vorkämpferinnen einer zur Selbst- verständlichkeit gewordenen Anschauung ?erehrruig veroiE gehört Dorothea von Schlözer, der erste weibliche Doktor derPhilw sophie in Deutschland. Aber diese Tochter eines berühmten Mannes und großen Historikers, beten Erziehung als em Weltwunder an- gestaunt wurde, war nicht nur eine geteerte grau, sondern trxiö selten ist — auch eine echte Frau und Mutter, eine urdeutsche grau die als der geistige Mittelpunkt des dichterischen und wissen- schaftlichen Norbdeutschland, als in Paris gefeierte Weltdame die Ganzen der Weiblichkeit nie überschritt. Auf Grund der Briefe und Schriftstücke, die sich im Schlözerschen gaimliMatchlv befinden, hat nun Leopold von Schlözer em CebenSbitb Doktorin« gezeichnet, das soeben bei der Deutschen Verlags-2tnstatt in Stuttgart erschienen ist. Ueber die Schicksale der Ein z elpersonlich- keit heraus wird hier zugleich ein farbiges Kulturbild aus der Epoche um die Wende des 18. Jahrhunderts, ans den Tagen unserer Klassiker und der Franzosenherrschaft, geboten. Der Vater, der Geschichtsforscher und hervorragende Publizist August Ludwig von Schlözer. erzog seine Erstgeborene zu etrtetn Wunderkinds baß I früh das arößte Aussehen erregte und besonders während der Buxtehude I Steife mit ^em Vater nach Rom berühmt wurde. Von der Els- * ' jährigen die er in die Sehenswürdigkeiten der ewigen Stadl em» meibte schreibt der Dichter Heinse: „Einen Monat habe ich mit dem ehern trockenen Schlözer durch-histonsiert, wofür mich manch nützliche Nachricht und seine reizende elfjährige Tochter schadlos gemacht hat, ein Kind, das artig italienisch spricht' lateinisch, französisch und spanisch zu lesen angefangen hat, Bravourarien wat und voll Lebhaftigkeit ist." Besonders in der MathemÄik und Wik erwarb sich Dorothea reiche Kenntnisse und beherrschte mit har-ren acht Sprachen. Dabei vernachlässigte sie aber auch die bäusttchen Qhbeiten nicht. „Meinst Du denn, daß Kochen und Deutschland sehr verbreitete „ Fran- I Spinnen angenehmer ist, <üs Freundin ihren Stand- Die gamilie hatte das Heilmittel bei meN^n Vater höre? So ernommen, der von einem Herzog | ^ukt,ausmna ^de . habe, Jo vergeht mir w°bl zu- toeilen die Geduld, aber da denke ich denn, wenn ich diesenwoch und Latein fix verstehe, so lerne ich dadurch, wie eine Brille bv- fdn mu6 und das ist doch wohl angenehmer, als bei J in der Küche zu stehen. Du mußt Dir aber ja nirftt Unbilden daß ich nichts von weiblicher Arbeit verstehe; im Nochen nehme ich es wohl mit Dir auf, und meine Mutter macht mir oft Schmeicheleien über mein flinkes Stricken. Auch lsberHe traten n» ifirp eiaenen Ansichten: „Vdeiber find nicht in der Vielt, blo8 um Männer zu amüsieren. Weiber sind Mensch«! wie Män>- Man darf wohl annehmen, daß die Krankheit zwar als eine unerwünschte, aber doch immerhin zu ertragenbe und nicht zu umgehende Beigabe in dem lockeren Sittenleben früherer Jahrhunderte gegolten hat. Ja, man mag sogar mit Scherzen und Lächeln das liebel mit in den Kauf genommen und die davon Befallenen mit Hohn und Spott überschüttet haben. Wenn man in dieser Weise die Sitten vergangener Zeiten auffaßt und nun an den allbekannten Ruf des Schmiedes von Buxtehude denkt, so wird man es begreiflich finden, daß man jemanden, den man necken und ärgern wollte, zurief: „Du mußt nach Buxtehude!" Man verband, wie auch heutzutage noch, mit den Worten die Vorstellung, daß jemand nach Buxtehude Pilgern müßte, um hier etwas Eigentümliches, Unsagbares, Komisches und Verrücktes zu erleben. So manche Stammtischrunde landete in Buxtehude, um beim Schmiede vor- zusprechen und nach einer feierlichen Zeremonie, bei der ein alter Pokal zum Umtrunt gereicht wird, eine geschriebene oder gedruckte Urkunde — je nach Preislage — als gern gezeigten und beäugten Schmuck für das Stammtischlokal mit hinwegzunch- men. Ansichtskarten halten das Andenken des Schmiedes aufrecht. Auf einer derselben ist folgendes, feine Tätigkeit kennzeichnende — V8 — Hchristleitung: August Goetz. — Druck und Verlag der Brühl'fchen Untv^Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Sieben. gelöst. Durch eine Landsenkung war die Ostsee entstanden, anfangs als kaltes, Finnland überflutendes Meer, dann durch Landhebung als Süßwassersee, dann wieder durch breite Verbindung mit der Nordsee als salz reiches Meer, doch nun mit Muscheln des Südens: das ist die nacheiszeitliche Wärmezelt. Zur menschlichen Kultur gehört jetzt der Haushund, dann auch das Hausrind. Vor rund 7000 Jahren begann die jüngere Eiszeit mit poliertem Steingerät, Töpferei, Pfahlbauten und Ackerbau. Vor 4000 Jahren begann die Metallzeit — anfangs Bronze- dann Eisenzeit — und ums Hahr 1000 nach Christus infolge Zunahme der Menschenzahl die Rodung der Waldgebirge, mit Ausnahme der heute noch bewaldeten Kämme. Überragte sie weit den ersten weiblichen medizinischen Doktor, den einige Zeit vorher Frau Erksleben durch Friedrich des Groben Gnade erhalten hatte. Zur Prüfung erschien sie in einem recht gewählten Anzug, „ganz Weitz, recht so, wie ihn eine Kandidatin haben mutzte, mit einer Weitzen Florfrisur und ganz simples Halstuch." Die Herren Professoren examinierten sie in der Wohnung des Dekans Michaelis. „Es war eine Tafel gedeckt, woraus die einladendsten Kuchen und Konfitüren standen," erzählt sie darüber: „zu jeder anderen Zeit würden sie es auch für mich gewesen sein, nur heute nicht. Ein Bisquit stach mir besonders in die Äugens der mit einem schönen Lorbeerkranz geziert war." Sie wird dann zunächst in Mathematik geprüft, mutz eine schwere Stelle aus dem Horaz übersehen, darf sich dann durch eine Tasse Tee erquicken und wird von Kästner Über physikalische Dinge befragt, um zuletzt dann noch über Architektur Auskunft zu geben. Sie besteht das Examen glänzend, und die Promotion erfolgt mit größter Feierlichen In der Kirche, woran sich das akademische Festessen schließt. Ihr Ruhm fliegt in alle Lande: Gedichte werden guf sie verfaßt, ihr Bild wird öffentlich verkauft, und sie bekommt viele Hetratsanträge, von denen sie den des schwerreichen, aber bereits ältlichen Senators Rodde aus Lübeck annimmt. Die Che mit dem schwachen und oberflächlichen Manne war nicht glücklich: es entschädigte sie aber ein inniger Seelenbund mit dem Franzosen Charles de Villers, dem ..Apostel Deutschlands", der die deutsche Philosophie in Frankreich bekanntmachte und Frau von Stael für ihr berühmtes Werk über Deutschland die wichtigsten Ausschlüsse gab. Villers wieder ist von Dorothea SHlözer in die deutsche Gedankenwelt eingeweiht worden, so das) sie eine wichtige Mittlerrolle zwischen den beiden Kulturen gespielt hat. GrsZeitmeffurrg und Menschhertsalter. Von Prof. Or. Viktor Franz-Jena. AuS der Tertiärzeit kennt man noch keine menschlichsn Knochenreste. sondern fast sicher hatte dantals sich der Mensch noch nicht aus dem Tierstamm herausentwickelt. Angebliche Feuersteintverk- zeuge des einst gemutmaßten Tertiärmenschen haben sich als Ra- turprodukte erwiesen. Vor wohl mehr als 500 000 Jahren begann die Eiszeit. Bis etwa ums Jahr 300 000 vor dem Beginn der heutigen Zeitrechnung waren nach gegenwärtigen Schätzungen der möglichen Bildungsgeschwindigkeit von Gletscher- und Schmelzwasserablagerun» gen drei Abschnitte der Eiszeit verstrichen: die erste Eiszeit, die erste Zwischeneiszeit und die zweite, längste und kälteste Eiszeit. Aus diesem großen Zeitraum stammen aus nicht vereister tropischer Gegend und zwar aus Java die denkwürdigen Knochenreste des Affenmenschen oder Pithekanthropus, undannäherndebenso alt ist auch bereits ein richtiger, obwohl noch affennaher Mensch, der Heidelberg mensch oder Homo heidelbergensis, der im Flußsande beim Dorfe Mauer unweit Heidelbergs seinen plumpen und rohen, noch fast kinnlosen, aber bereits durch nicht mehr vorspringender Eckzahn menschenartigen Unterliefet zurück- liest Weitere 100 000 Jahre dauerte die verhältnismäßig breite und für die Entfaltung menschlicher Fähigkeiten Wohl günstige zweite Hauptzwischeneiszeit. In sie fallen die ältestenReste vomNeandertäl» menschen und das älteste menschliche Feuersteingerät. Auch dieser Mensch hatte noch eine fliehende Stirne, ein fliehendes Kinn und starke Augenbrauenwülste, und sein hauptsächlichstes Feuersteingerät waren die etwa mandelkernförmigen, anfangs sehr großen Faustkeile, die später mit Griffstelle für die Hohlhand versehen, sodann auch verkleinert wurden. Weitere 70 000 Jahre brachte die dritte Eiszeit und die Faust- i'eilkultur, weitere 60 000 Jahre die letzte Zwischeneiszett und die Kulturstufe der sog. unteren Mousterien: der abermals kleinere Faustkeil des Aeandertalers wird oft geschäftet, somit als Messer verwendet. Etwa 60 000 Jahre dauerte ferner die letzte Eiszeit. 5Tn ihren Anfang reicht noch die Faustkeilkultur, -der Aeandertalmensch und die Stufe des oberen Mousterien hinein, wird aber dann abge- löst durch die beginnende Klingenkuliur oder Renntierverarbeitung, also mehr Knochengerät, und den Awrignacmenschen, der etwa zwischen dein Äeandertaler und dem Heutigen die Mitte hielt. Speere, Harpunen, Knochennadeln und Knochenschmuck bringt die dem Mousterien folgende Stufe des Aurignacier, seine weidenblatt- fönnige Messer das dann folgende Solutröen, dazu Schnitzereien in Knochen und Elfenbein, menschliche Figuren vom Duschmann- thpus. Die letzten 14 000 Jahre der letzten Eiszeit umfaßt die letzte AbsSmelzperiode, zugleich die Kulturstufe des Magdaleniers, in welcher neben Knochengerät und Knochenkunst — die oft Tiere, namentlich Renntier, Pferd und Mammut darstellte — auch Malereien an den Wänden der Wohnhöhlen des Menschen erscheinen, darunter farbige Bilder vom Bison, Auerochsen und Aashvrn, sowie vom Menschen als Jäger. Rund 13 000 Jahre setzt die Berechnung, auf der vorstehende Angaben beruhen, für die nacheiszeitliche oder Jetztzeit an. Mit ihr ist die Altsteinzeit zunächst durch die mittlere Steinzeit ab» Aus neuen Briefen Wilhelm Raabes. Reife Altersweisheit leuchtet uns aus den Briefen entgegen, die Wilhelm Raabe an seinen ersten Biographen Paul Gerb« geschrieben hat und die jetzt in Westermanns Monatsheften veröffentlicht werden. Der Schluß dieser für die Persönlichkeit des Dichters wichtigen Veröffentlichung, der sich tm Matheft findet, umfaßt das Jahrzehnt 1898—1909, von der Herausgabe des letzten Buches, das Raabe noch selbst der "Welt schenkte, des Romans „Hastenbeck", bis zu Gerbers Tod. Der alte „Meister Autor" freut sich zunächst noch des besseren Verständnisses feiner Werke, die die Ehrungen im Anschluß an den 70. Geburtstag brachten. Als ein Schullehrer über ihn schreibt, freut ihn das: „Wer die Schule hat, hat das Volk!" Danach hätte der alte Raabe wirklich noch eine Zukunft! „Nun, in das 20. Jahrhundert werden wir ja wohl noch ein Stückchen hineinsehen." Die Verleihung des bayerischen Maxi- miliansordens gibt ihm Veranlassung zu einer politischen Abschweifung: „Don der „Ehrung" durch das Haus Wittelsbach hatte ich vorher nicht die geringste Ahnung, und die älebermachung des glanzvollen Zeichens durch das Herzoglich Braunschweigische Staatsministerium war mir wahrlich eine äleberraschung. Nun, wenn Hohenzollern an Mr. Kipling telegrafiert, so ist es vielleicht gar so ungeschickt nicht, wenn Wittelsbach dem alten Raabe eine Freundlichkeit erweist. Ich habe es erfahren: es gibt doch schon recht viele im deutschen Volke, die gesagt haben: Das war gut gemacht! Daß ich die Transvaal-Duren, den Ohm Krüger und feine Stadt Pretoria zuerst in die deutsche Literatur eingeführt habe, rechne ich zu meinen „Ruhmestiteln": aber Realpolitiker bin ich doch seit Otto Bismarcks Konfliktszeitkämpfen. Ich würde es für ein furchtbares Weltunglück, und für unser Volk ganz insbesondere, halten, wenn England von seinem Stuhl im Rat der Völker her Unterst eigen müßte. Gottlob ist dazu fürs erste doch noch fei e Aussicht, und — Kannegießerei wollen wir jetzt auch nicht weiter treiben." Ommer stiller wird's um den Alten, und auch die kurze Zeit aufgeflatterte Begeisterung des lieben Publikums läßt wieder nach. „Das 73. Lebensjahr ist mir still und ohne sonderliche Aufregungen hingegangen," schreibt er am 26. September 1904, „was mit dem 74. wird, muß man in Geduld ab tourten; viel verlangen kamt man nicht mehr um diese Erdendaseinszeit von der Welt, soweit wir Erfahrung davon gewonnen haben." Für Gerbers Erläuterungen zu seinem' Roman „Alte Nester" dankt er, meint aber, daß der „Jörn Ahl" den Leuten mehr imponiere: „Dem deutschen Volke, soweit es sich unter dem Namen „Publikum" zusammenfassen läßt, bin ich längst wieder in meine Karenzzeit vor 1901 zurückgesunken. Es sind leuchtendere Sterne am Literaturhimmel aufgeftiegen als 2hr treueft ergebener Wilh. Raabe." „Ja, nun habe ich jetzt schon die dritte Woche des 75. Lebensjahres hinter mir,“ plaudert er am 30. September 1905, „und ich erfahre es nun auch, um wieviel rascher die Zeit tm Alter als in der Jugend hinläuft. Arn das „zufriedene Alter", welches St« mir wünschen, in Rückblick auf Lebenslauf und Lebensart behaglich auszunutzen, muß man freilich jeden nachdenklichen Augenblick festhalten, sonst hat man nicht mehr viel davon. Ich tue es nach Möglichkeit, und im Hinblick auf die Schicksale so viel« meiner literarischen Zeitgenossen habe ich wirklich zu gestehen, daß es mir nicht am schlimmsten ergangen ist. Das Beste bei der Sachs ist jedoch allmorgendlich die Vorstellung und Gewißheit: Die schwarze See der Tinte und Druckerschwärze liegt hinter Dir — die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ist gewesen; nun laßt das 20. mit besseren Kräften für der deutschen Leute Spaß und Rührung sorgen!" Er Ist froh darüber, mit dem Schaffen aufgehört zu haben: „Nun, ich meine, nach dem 70. Lebensjahr braucht der Mensch, soll er eigentlich nicht mehr auf dem Seile tanzen; ich gehe ganz gern jetzo zu ebener Erde mit dem Teller im Kreise des lieben Publikums herum. Der Tintengloria hätten wir ja wohl genug, und der Lorbeerfchatten braucht nicht so dicht zu werden, baß er der letzten Abendsonne den Weg zu dem kahlen Schädel des Alten versperrt." Tief erschüttert erhält er auf der Reise die Nachricht von Gerbers Tode und schreibt an seine Frau: „Nun auch mein guter Freund, mein Lebensgenoss' In Ernst und Scherz,PaulGerber! Wie lange Jahre hat dieser Freund meiner Lebensarbeit Fleiß und Verständnis gewidmet, und nun geht auch er von mir hinweg, der Jüngere vor dem Alten! War es denn nicht auch sein« Sache, mir noch ein Wort am Wegesende zu reden?" >