Samstag, 26. Mat 1823 — Nr. 2L I k:-. ■ - 30 ®ws „Mit Mann und Rotz und Wagen ...." Aus den Tagebuchnotizen des Friedrich Giefe, Leutnant im 5. Kgl. Westfäl. Linien-Aegiment'). „Am 19. Rovbr. 1812, bei früher Vormittagszeit, nachdem wir von Smolensk 32 Stunden zurückgegangen, Ankunft in Orsza, wo ein längerer Aufenthalt stattfand, teils um auszuruhen, dann auch, um möglicherweise Lebensmittel zu beschaffen. Zu bald aber sah man sich in dieser letzten Beziehung getäuscht. Wohl tvaren gleichwie in Smolensk auch in Orsza Magazine, woraus den Hungrigen, bei einer ordnungsmäßigen Austeilung vorab den noch unter Waffen stehenden, eine Labung hätte zuteil werden können, durch die Raubgier der Franzosen waren sie aber bald völlig auggeleert. genug dabei, daß sich jene Zuchtlosen mit der Plürr- derungwon Magazinen begnügten, selbst das Privateigentum blieb nicht mulngetastet, obschon Napoleon mit dem Hauptquartier hier war! Dernichtet wurde, was man nicht zu gebrauchen wußte, Mordbreimerei getrieben, und Orsza, wie jede andere durchgangene feindliche Stadt, wahrend sie doch derzeitig als eine polnische rmd darum befreundete Stadt anzusehen, in eine Wüstenei Verwandelt. Sn einem Mönchskloster, darin ich im Monat August (beim Vormarsch auf Moskau) Bekanntschaft gemacht und jetzt dadurch gehofft hatte, zu Lebensmitteln zu gelangen, fand ich nicht nur alle Mönche entflohen, sondern auch das mit französisch«, Marodeurs aus allen Waffengattungen überfüllte Kloster in einen wahren Schutthaufen verwandelt. Aber selbst gegen ihre Waffengefährten, wenn diese nicht Franzosen waren, war die Handlungsweise jener Entarteten eine feindliche. So z. B. führte mich mein Rückweg vom Kloster im Gewühle 6er Menschen inmitten der Stadt an einem französischen Lancier-Offizier vorüber, eben als er mit einem Soldat unseres Armeekorps um die Hälfte eines Brotlaibs im Handel begriffen. Des Preises einig, und den noch unangebrvchenen Laib von dem Soldat, aus respektvollem Vertrauen zum Zerschneiden und Halbieren dargereicht erhalten, nahm ihn derselbe ohne jegliche Bezahlung unter den Arm und wollte sich flugs damit entfernen, «w ich ihm in den Weg tretend zuschrie: „Sie sind Offizier, mein Herr! und wollen so ehrlos handeln?" Betrosfen mir ins An- Msicht schauend, versuchte er sich durch einen Schwall von Worten zu entschuldigen, ohne seinen Raub fahren zu lassen; inzwischen aber aus meiner Miene und Sprache und der Hand am Degen wohl erkennend, daß ich nicht gesinnt, von ihm Entschuldigungen anzunehmen, warf derselbe jenen Brotlaib auf den Erdboden hin und verlor sich voller Hast im Gedränge. Auch in Zembin fanden wir Häuser und Straßen überfüllt von Troß und Leuten der französischen Armee. Was nicht in Häusern hat können .Unterkunft finden, lag außerhalb derselben in »en Straßen herum und jeder Verein und jede Truppe unterhielt für sich ihr abgesondertes Feuer. Denn es war leider einmal so hergebracht, daß Freunde und nur solche, die als Landsleute *) Ein Leser bittet uns, den vorliegenden Auszug aus dem Tagebuche von Friede. Giese, Premier-Leutnant im 3. Kgl. uBeftfäl. Linien-Infant.-Rgt., mitzuteilen. Das Buch führt den Titel „Kaffel-Woskau-Küst rin i 8 12 -18 13“ (Verlag Dyksche Buchhandlung, Leipzig); es handelt fich also um eine »edenswahre Schilderung denkwürdiger Ereignisse, die heute neues Rachdenken erwecken, weil wir ja wieder französische Anmaßung und „Ritterlichkeit“ greifbar vor Äugen haben. und Stammgenossen miteinander ein und dieselbe Sprache redeten, zusammenhielten und gewissermaßen Rationalvereine' bildeten, welche sich gegen die ihnen .Unbefreundeten durch nichts andere- kennbar machten, als durch Beweise von Abneigung und Gehässigkeit. Alle dergleichen Vereine, weit entfernt, sich einander beizustehen. überhäuften sich mit Schmähungen und Mißhandlungen, und die Franzosen zumal, an Bevorzugungen gewöhnt, waren nimmer gewillt, ihre vermeintlichen Vorrechte aufzugeben. Sie glaubten sich berechtigt, zum Rachteil aller andern das an sich zu reißen, was ihnen zufagte, und da jene, die dies betraf, nur der Gewalt nachgaben, so entstanden Tätlichkeiten und Raufereien, deren Folgen nicht selten höchst traurig waren.“ Das Jahr des Herrn. Von W. H. Riehl. Zu W. H. Riehls lOOjährigem Geburtstag am 6. Mai 6. Hs. hatten wir aus seinen kulturgeschichtlichen Schriften jene interessante Abhandlung über „Das Land der armen Leute“, unserer mitteldeutschen Gebirgsgegenden, Westerwald, Vogelsberg, Rhön, abgedruckt und den sicheren und tiefen Blick gerühmt, mit dem er deutsches Leben zu erfassen und darzustellen verstand. Riehl ist der Meister der kulturhistorischen Rovelle. Der Evttasche Verlag in Stuttgart Jxtt in 1 hübschen Bänden seine Rovellen neu cherauS- gebracht, die in der deutschen Literatur Dauer haben, weil in ihnen nicht nur reizvolle Stücke aus deutscher Vergangenheit gespiegelt werden, sondern weil Riehl ein Erzähler voll Kraft und Leben und von feinem Humor ist. eine geschlossene Persönlichkeit, die sich auch in der künstlerischen Form aus- drückt. In einer feiner Vorreden erklärt er, ihm schwebe als Vorbild der Richtersche Holzschnitt vor. Die nachfolgende kleine Geschichte, die von deutscher Drangsal erzählt rmd den heutigen Röten eine säst noch härtere Zeit an die Seite stellt, zeigt, daß die beiden Meister wirklich viel Gemestr-- sames haben und Riehls Kunst in der Tat auf unmittelbare Anschaulichkeit treffend hinzielt. Im Jahre des Herrn 850 tag das Elend vielgestaltig auf deutschen Landen. An den Nordlüsten waren die Rvrmannen plündernd und mordend hereingebrochen; in Thüringen und Hessen die Sorben. Dazu breitete sich eine schwere Hungersnot über alle Gaue. So ward das Maß des Jammers voll. In Strichen, die Frieden gehabt, schätzte man's hie und da, daß je der dritte Mann Hungers-gestorben; wie es aber gar in 6en vom Feinde verwüsteten Garren ausgesehen, das weiß niemand zu sagen. Die Geschichte hat jenes Bild des Jammers in Vergessenheit gehüllt. Denn der Krieg war geführt worden als Ber- tilgungskrieg; darum zerstörte der Feind dem Feinde alle Pflanzungen und verderbte alle Feldfrucht, so daß auch der kleine Rest der hungrigen Ernte, den Gottes Bannherzigkeit übrig gelassen, durch der Menschen Erbarmungslosigkeit vernichtet ward. Des Nachts hatten Feuerzeichen des'Himmels die schwere Zeit voraus verkündet. Eine Molke stieg auf von Norden her und eine andere kam von Osten entgegen, und feurige Strahlenbüschel ohne älnterlaß gegeneinander schleudernd, stießen sie in der obersten Hohe des Himmels zusammen und verschlangen sich gleich zwei Heeren im Kampfe. Allen Menschen aber erzitterte das Herz; denn sie geübten, der Herr habe fein Angesicht ganz abgewandt von ^E^deutschen Volke, und selbst die Hunde sollen dazumal kläglicher als sonst geheult, die Vögel betrüblicher gesungen Sahen. — 82 — Falsche Propheten standen auf am Rhein und an der Donau, und tote Vorläufer des Antichrist gemahnten sie an die Erfüllung her letzten Zeiten. Viele Meister des weltlichen Regiments aber Walteten ihres Anttes sv-wlllkürllch und gottlos, als ob weder ihr Regiment, noch ihr Leben, noch die Welt jemals ein Ende nehmen tömv, und der Stuhl des Weltrichters niemals über den Stühlen aller Könige dieser Welt gesetzt werde. Van war im vorgedachten Jahre ein freier Mann im Fuldaer Land — sein Rame ist vergessen — der hatte sein ererbtes Gut einem adeligen Grundherrn zum Eigentum hingegeöen, um dafür, ohne Knecht zu werden, doch den Schuh jenes Mächtigen zu gewin- nen und sich und seinen Kindern wenigstens Rietzbrauch und Zins von dem Besitz zu sichern, der noch seiner Väter volles Grgentum gewesen mar. Sn den schweren Zeitläuften aber starb der Grund-- herr und seine Sippe verdarb, und ein anderer gewann ferne Guter und 6aä frühere Gut jenes Mannes mit ihnen. Dn neue Gutsherr wollte nun flugs den freien Mann, der mit fernem Grund und Boden auch schon die Hälfte der Freiheit weggegeben, ganz zu seinem Eigenen machen, wie das damals bei Tausenden geschah, und in der Verwirrung und Rot der Zeit konnte der Bedrängte keinen Schutz finden wider den neuen mächtigen Herrn, »a tarn ihm ein verzweifelter Mut, dah er das Slend vorzrehen wolle der Knechtschaft. Roch lebte in ihm der Stolz und Trotz des alten Germanen, und gar manchmal schaute er verächtlich auf diese neue Zeit, wo der streitbare Mann dem demütigen Mönch und dem zahmen Bauern zu weichen begann. Sein Großvater hatte als Knabe noch den Dienst der alten Gotter rm heiligen Haine gesehen. Welche Götter waren denn besser, die alten oder die neuen; l Mit den alten ©Öttern war auch die gute alte Zeit entwichen Und wie zur Strafe kamen jetzt lange OahrederTrübsal herauf gezogen, und der neue Christengott hatte nicht Macht ^uft, ty>. 'Ximmer von seinem Volke zu nehmen. So dachte der lMann £ L AlL Land. Gr wollte sich selber he^en, mit oder ohne Gottes Hilfe nach der Wter Weise Iraft der eigenen Faust. Darum gürtete er eines Rachts fern Schwert und entfloh von seinem Gute, das nicht mehr fein war, um zugleich der Gewalt ves neuen Herrn zu entfliehen. Er nahm nichts nut als seine drei köstlichsten Besitztümer: sein Weib, sein Kind und sein Schwertz Und weil es mitten im härtesten Winter war, so schlugen die Flüchtlinge warme Felle als Mäntel über ihr Gewand. Aber weder Speise noch Geld oder Kleinodien konnten sie auf den Weg nehmen m ^^ESw^rachteii' aber gegen den oberen Main zu ziehen und von da überzudringen nach Thüringen und Sachsen Das war ein kühnes Beginnen, denn der Weg ging mitten durch ein vom Feinde verwüstetes, ausgehungertes Land, und es war in den rauhesten kurzen Tagen vor dem Jahreswechsel. Aber die Flüchtlinge waren auch Hartgebackene Leute, wetterfest, mit Stahl in den Gliedern und einem wider den Hunger gepichten Magen. War es doch auch tu selbiger Zeit, wo König Ludwig, genannt der Deutsche, bei Flammersheim ein paar Rippen brach und dennoch toeiterreiste, als sei er unversehrt, und keinen Seufzer aus- stieh, obwohl man das Krachen in den zerbrochenen Rippen hörte, toeim sie aneinanderstietzen, und mit seinem Bruder Karl eine Unterredung hielt, um das Reich Lothars brüderlich zu teilen, und dann erst, als er sich sein Teil ausgemacht, nach Aachen ging, um nun bei mehrerer Muhe die Rippen wieder zusammenwachsen zu lassen. „ , . . ,, Das waren noch trotzige Zeiten, trotzige Leute und trotzige Könige, denen es auf ein zerbrochenes deutsches Reich und ein paar zerbrochene Rippen mehr oder weniger nicht ankam. Es war am Silvesterabend, dem Abend des dritten -Lages, seit der Mann aus dem Fuldaer Land mit Weib und Kind fliehend ins Weite irrte. Das Kind aber war zwei Jahre alt und trank noch immer an der Mutter Brust: denn so zog dieses starke Geschlecht starke Rachkommen grvtz, und sieben Jahre lang hatte vordem der starke Hermel der Mutter Brust getrunken. Mann und Weib trugen das Kind wechselweise und hüllten es fürsorglich in ihre warmen Felle. Der Tag war grimmig kalt gewesen. Eisiger noch brach der frühe Abend herein. In den Waldbergen der Rhön hatten sich die Wanderer verlaufen und nur am ersten Tage von der Gastfreundschaft eines selber halb verhungerten Dauern einen mageren Bissen erhalten. Hungrig hatten sie sich schon gestern abend im Schnee des Waldes gebettet. Am anderen Morgen schritt der Mann noch guten Mutes rüstig aus; denn wer aus der Knechtschaft zur Freiheit wandert, der spürt die Mühsale des Weges nicht. Schweigend, im treuen Duldermut des Weibes zog die Genossin nebenher, das schlummernde Kind Im Arme. Aber am Mittage hatten sie sich verirrt in den Schluchten des Gebirges; der Abend schlich heran und nirgends Netz sich der Rauch einer Hütte erspähen. Rur die Spuren des Wildes und' der Raubtiere kreuzten sich im Schnee, und noch hatte den ganzen Tag nicht ein einziges Mal das tröstliche Wahrzeichen menschlicher Futzstapfen den Mut der Wanderer belebt. Häufiger wachte das Kind gus, weinte stärker und länger und stammelte seine bittender' Laute, denn auch ihm konnte die Mutter schon nicht mehr Rahrung genug spenden. Da begann es dem Mann zuweilen vor den Augen zu schwimmen, und es war ihm. als bräche mit einem Schlag sein ganzer Mut zusammen. Doch Stur einen Augenblick — und er erhob wieder das Angesicht, schaute trotzig vorwärts in die endlose Wildnis» und sein leichter Schritt trug ihn so sicher und' scheinbar frohgemut wieder dahin, als seien die weihbereiften Zweige mit Frühlingslaub geschmückt und der vom Felsen stürzende Waldbach, darüber sich die gefrorenen Wasserdünste wie eine Rauchwolke lagerten, ein kühler Brunn Im Matz Des Rlesensohnes aus Rordland — so hatten unsere -Urbäter den Winter geheißen und ihm den Ramen des grimmigen Mannes beigelegt mit der kalten Brust — dessen gedachte in der nächsten schwarzen Minute wieder der Mann; denn es überkam ihn, als wolle der grimmige Riese, der leibliche Vater des Todes, ihn und sein Weib und Kind hinmorden ohne Erbarmen. Es schwindelte ihm vor Kälte, und bis auf die Knochen drangen die Schauer des Frostes. Das Weib aber mit dem blassen Leidensgesicht war anzusehen tote eine christliche Märtyrerin, die man zur Opferung hinführte vor jenen Riesensohn. Aber ob auch sie wohl im stillen erbebte unter der Mühsal des Leibes und der Marter der Seele, deuchte ihr doch der Anblick ihres Mannes mit einemmal noch viel schrecklicher. Denn wie die Rächt nieöersank und das letzte kalte Rot der untergehenden Sonne über dem Schnee der Bäume blutfarben verglühte, breitete sich über die harten Züge des Mannes ein gar furchtbarer Ausdruck. Es war, als gehe em gewaltiger Kampf durch seine Seele. Linstet rollte das wilde Auge, die Lippen zuckten so heftig, Latz er sie fest zusammenbeltzen mutzte, und gleich als wolle er den Feind, mit dem er Inwendig rang, auch mit dem Arme niederschlagen, fuhr mehr denn einmal die Hand nach dem Griff des Schwertes. Weitz besäumt vom Reif erhöhten Bart und Haupthaar die schreckenvolle Würde des Antlitzes, und im Doppel- licht Les verlöschenden Abendrotes und der glühend hinter Len Bergen aufsteigenden Mondscheibe erschien der Mann wie ein altheidnischer Priester, der, mit dem Zorn,ber Götter ringend, sich rüstet, Las Sühnopfer hier im Allerheiligsten der Wildnis zu bereiten. Sp waren die Wanderer zu einer Anhöhe gekommen, wo schwarze Basaltpfeller aus der Schneedecke aufragten. Hüter einem vorhängenden Felsen, den die Pfeiler im Emporsteigen wie ein Dach über sich gehoben hatten, fanden die Ermatteten Schutz vor dem Winde, ein schneefreies Plätzchen und dürres Reisholz genug, das bald zu einem lustigen Feuer aufloderte. Sie beschlossen, hier Machtlager zu halten, aber der Hunger nagte, Latz an keinen Schlummer zu denken war; auch das Kind wimmerte Immer häufiger und kläglicher. Dem Mann lietz es keine Ruhe zu sitzen oder zu liegen; er konnte nur, an die Felspfeiler gelehnt, stehend in das Spiel 6er Flamme starren oder mit verschränkten Armen auf und nieder gehen. Don züngelnden Gluten wandte er den Blick In die Höhe zu dem alten Sternenlicht des Winterhimmels und sprach zum Weibe: „Die Riesen und Helden der Vorzeit leuchten da droben als Gestirne. Sonst blickten sie uns gnädig an. Schau, tote sie jetzt so kalten Auges auf uns niedersehen, gleich dem Riesen Winter selber mit dem kalten Herzen in der Brust. Vorn Himmel stiegen die Götter hilfreich zur Erde, als unsere Väter noch Glauben und Opfer für sie hatten. Eure Priester haben die alten Götter aus unserer Brust vertrieben, und die Götter haben nun den Himmel fftr sich behalten, und den Menschen blieb das Glend." Das Weib erwiderte, zitternd und demütig, aber voll gläubigen Vertrauens: ,,Rur ein Gott ist zur Erde niedergestlegen und hat als Mensch mitgelltten für die Menschen. Da wird die Erde so ganz des Gottes voll, dah fürder kein Gott mehr niederzusteigen braucht." Der Mann verstummte. Ganz nahe hörte man das Geheul hungriger Wölfe. Dem schwachen Weib ivard es nicht angst bei diesem Rachtgesang; Loch als sie wieder aufblickte in das Gesicht ihres Mannes, da ward' ihr angst, denn sein Auge war wilder als Las Auge eines Wolfes. Lind der Mann begann aufs neue: „Wo unsere Väter im Unglück verstrickt lagen, da gedachten sie ihrer Schuld und rüsteten Sühnopfer. Je schwerer Schuld und Rot, um so teurer mutzte die Gabe sein, die zur Sühne dargebracht wurde. Haben uns die Sänger nicht gesagt — heimlich, dah es die Mönche nicht hörten — von dem guten nordischen Könige Domaldl, den sein eigen Volk zum Altäre führte, um ihn als Len besten Mann des Volkes den Göttern zu opfern, damit sie die Hungersnot vom Lande nähmen? Und als das Opfeinnesser das Leben des Königs selber durch- schnitten hatte, wich der Hunger vom Lande." Das sprach der Mann mit dem glühenden Auge des Wolfes, rmd wie ergriffen von der Vollkraft tierisch-menschlicher Leidenschaft führte er Hiebe mit dem Schwerte durch die Luft. Und abermals versagte dem Weibe das Wort der Erwiderung. Ja, das waren wildgemutete Menschen, die noch die ganze Wucht eines ungebrochenen Gefühles im Leibe spürten, zu selbiger Zeit, wo selbst ein König mit gebrochenen Rippen sich doch immer noch Manns genug fühlte, ein ganzes großes Königreich zu zerbrechen. Und aufs neue und immer schrecklicher erhub der Mann seine Stimme: „Du hast nicht vernommen, Weib, was vorgestern der Bauer erzählte, der uns zum letztenmal speiste. So höre jetzt! Der Erzbischof Rhaban sättigt auf feinem Hofe zu Winkel täglich Hunderte von Hungrigen, die in dieser schweren Zeit aus der gangen Gegend dort zusammenströmen. Run geschah es un- », Satz « kleinen neue Pilgerfahrt beginnt, wo gestern des „Ja," sprach der Mann zerknirscht vor sich hin, „die letzte Stunde dieses Jahres hat es klar gemacht: es war auch dieses Jahr ein Jahr Les Herrn!" Am Feuer sättigten sich die Leiden an dem Fleische des Rehes. Dann fielen sie in friedlichen Schlaf. Plötzlich weckte das Schreien ihres Kindes die Mutter wieder zum Leben, und als sie aufhorchte, klang ganz nahe seitwärts aus den Zweigen hervor Getöse wie eines Kampfes. Dann warr Da raffte die Mutter sich auf; ihre Kraft war wiedergekehrt, und sie sprang hinüber ins Dickicht von wo des Kmdes Stimme getönt hatte. And vor ihr stand dort ihr Wann vergeisrert im Gesicht, das Schwert gesenkt, und im hellen Mondlich^ sah man, wie Blut von dem Schwerte troff un» Arin und Gesny- des Mannes war mit Blut bespritzt. „Mern Krnd! schrie die Mutter. "^Da reichte^ihr^der Mann Las Kind, das er im linken Arme gehalten, mit dem schützenden Felle bedeckt. Das Krnd vmrunversehrt; es war wieder in Schlaf versunken und lächelte un Schlafe. „Wir sind beide freU und ohne Wunden! sprach der Mann ge- Ansere Gärten und Parke geben ebenso günstige, ja oft bessere Fortpflanzungsmöglichkeiten für die Bügel als unsere unter sorgfältiger Forstbewirtschaftung stehenden Waldungen, und darin liegt die Erklärung, daß heute Lannen-, Blau- und Haubenmeisen, ja sogar Goldhähnchen, selbst Wildtauben, Kuckucke und Spechte ganz regelmäßig unsere Anlagen aufsuchen, und sosern ihnen nur einiger Schutz gegen Katzen und anders Raubgesindel geboten wird, sich Lauernd bei uns ansiedeln. Sogar die Einbürgerung dS« R a ch t i g a l l gelingt, wenn die klimatischen Verhältnisse muht ungünstig liegen und die örtlichen Amstände bieten, was die Nachtigall liebt: fließende Gewässer und in unmittelbarer Rähe Laubwald mit dichtem Unterholz. Freilich, wollte man nun Rach- tigallenvärchen kaufen und ihnen an dem Ort, an dem man !ie ansiedcln will, einfach die Freiheit geben, so dürfte das eilt vergebliches Beginnen sein. Wir kennen nur einen einzigen Fall, wo eine solche Einbürgerung gelang. Goethes Freund, der Herzog Karl August, hat auf diese Weise in dem „Webicht" genannten Gehölz bei Weimar Nachtigallen in Freiheit gesetzt und rhre Nachkommen sollen sich dort bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts aufgehalten haben. Der moderne Vogelfreund macht sich die Kenntnisse der heutigen Vogelkunde zunutze. Er weiß, daß der Zugvogel auf seiner Frühjahrswanderung die Gegend aufsucht, in der er erbrütet worben ist. Qluit kann man leicht Nachtigallen rm srelen züchten, zinü die so er-zielten Jungtiere kehren .regelmäßig an oen Geburtsort zurück, die Eltern allerdings nicht. Eine große Voliere wird am Südrand eines Gebüsches so aufgestellt, daß ach uiner- avorien vci i halb Les umschlossenen Raunres Lichtes Buschwerk befuidet; die - Da sprach Nord-, West- und Ostwand des Käfigs wird sw. unterstützt werden kann. Kann man für die Aufzucht der Jungtiere die fast unentbehrlichen frischen Ameisenpuppen beschaffen, bt0<®agnWeib^forschte, was geschehen sei. Der Mann aber sagte zitternd: „Vollende, was du vorhin begonnen: die Mär von der Opferung jenes Kindes, die Gott dem eigenen Vater befohlen! And verwunderungsvoll, kaum des Wortes mächtig erzählte bas Weib die Opferung Isaaks und schloß mit den Worten der Schrift, die sie so oft im Kloster zu Fulda vernommen: sp^ch der Engel des Herrn zu Abraham: Lege feine H^d nicht an d«i Knaben und tue ihm nichts. Denn nun weiß ich. daß-du Gott furchtest und hast deines eigenen vohnes nicht verlchonÄ um meinetwillen. Da Hub Abraham seine Augen auf und sah einen Widder hinter- ihm in der Hecken mit lemen Mrnwm bangen.und gurg «n und nahm Len WidLer und opferte ihn an seines Sohnes fetatUum $rantotfer." . _ t I ^r^eichliche'Taben'frijcher Weitz-' oder Mehlwürmer er- Als sie geendet, sprach der Mcmn. „So yat M ^uieermui w« ^E«rÄe jungen Tierchen gut auf. Wenn die Jungen nicht die Mähr von der Opferung ^vig ’4tros »pfern! I etwa 14 Lage alt sind, entfernt man" nachts vorsichtig das Draht- der Opfermng Jsaoks. Siehe, auch rch wollte^unser » ojgnti ^^Die Jungm Norden flügge, und- die so herangewachsenen fö »y*ÄlÄ Ä 5ÄBI SÄ' wl*« L «... Der Mann versank in tiefes Schweigen. Er mutzte sein Gesicht verhüllen und abwenden von dem Weibe, das, friedlich auf ihr schlafendes Kind niederblickend, am Feuer sah. .Endlich raffte er sich wieder auf, MitLrotzen Schritten ging er am verglimmenden Feuer auf und 'nieder,, und noch wilder als vorher rollten seine Augen. ... - ___ = „Wir mögen jetzt nahe der Stunde fern, rief er, „wo das alte Jahr dem neuen die Hand reicht. Die Pfaffen, wenn sie die Jahre zählen, sagen: im Jahre des Herrn! — aber bei diesem gottverlassenen Jahr voll Schmach und Elendes sollte man billig sagen. im Jahre des Teufels!" , . ~ , , And beim och," sprach das milde. Weib, „hat das e i ne Jahr, in welchem der Herr als Mensch Len Menschen geboren wurde, einen solchen Aeberschutz des Heils über alle folgenden Jahre gebracht, daß auch das schlimmste Jahr nach der Geburt des Herrn immer noch ein Jahr Les Herrn sein wirb " Der Mann nahm das Kind vom Schoße der Mutter. „Die Ä',mÄ'e»ÄmÄlSM» PÄÄ «Hftbfltgtnmg von Singvögeln im Garten, setzt, den Blick gen Osten wendet. Nur eines will ich heute er- I Die Amgestaltung unserer Gärten und öffentlichen Anlagen iunLen, ob wir den morgenden Tag überleben! Sst dieser Fe^ ' -■ • - --------- mit seiner Kuppe nicht jetzt unser einziges Haus? Laß mich hinmif- steigen mit dem Kinde nach altväterlichem Brauch! And indes ich oben die Zukunft beschwöre, gedenke du hier des sühnenden Opfertodes, in welchem Las nordische Volk seinen besten Mann, Len König Domaldi hinschlachtete, damit der Hunger von dem Lande genommen werde!" > _ , „ Da ries das Weib verzweislungsvoll: „So höre du vorher die Geschichte einer anderen Opferung! Höre, Mre es erging, da Jehovah dem Abraham befahl, dah auch er fern bestes Gut, seinen Sohn Isaak, am Altäre schlachte!" Aber der Mann hörte nicht. Er stürmte mit dem Kinde zur Felsenkuppe hinauf und verschwand hinter den Büschen. Das Weib wollte ihm nacheilen, die Mutter dem Kinde. Doch als sie aufstand vom Feuer, da ward erst offenbar wie ihr der Hunger das Mark aus Len Knochen gesogen, sie brach ohnmächtig in den großen Städten, öic einen Wechsel von Laub- und Nadelholz mit dichtem Dusch- und Strauchwerk bieten, hat Vögel in die Stadtgärten gelockt, die man früher für ausschliehliche WalH- bewoKier hielt. Diese Einbürgerung der Waldessänger in unfern unmittelbaren Nähe ist zweifellos gegenüber der allgemein^ Naturentfremdung, der der Städter immer mehr erliegt, ein Glücks- zufall, den wir nach Kräften unterstützen müssen. Anleitung dazu bietet Friedel Dahn in einem Aufsatz der „Gartenschönheit", Lei; sich mit dem Gartenvogelleben im Frühjahr beschäftigt. Die Morgensonne Les neuen Jahres weckte die Schläfer. Sie stiegen hinauf zur Kuppe Les Felsens, von wo gestern abend- der Mann vergeblich die Zukunft erschauen wollte. Da tat sich ein wunderbares Bild vor ihren Augen auf: das weite reiche Maintal glühte im Sonnenschimmer, Hütte an Hütte stieg aus Len Gründen, und der Rauch von hundert Feuerstätten hob sich zum leichten Gewölk verschwebend- in die reine Winterluft. Die Gatten küßten sich bei diesem Anblick und- küßten ihr Kind- und fielen nieder, und beteten. Der Mann aber wagte noch nicht wieder seine Frau ins Auge zu schauen. Doch Liese hob ihn liebreich auf und sprach: „Latz uns des alten Jahres nicht vergessen, obgleich es kein Jahr des Teufels gewesen; denn siehe, noch ist Las neue Jahr nur ws- nige Stunden alt, und doch hat es schon so reiche Verheißung gebracht, daß wir frohgemut zum WanderstaLe greifen. Denn die neue Pilgerfahrt beginnt, wo gestern die alte schloß: S m Jqhv - -■ ‘ - auch ein fast verhungertes Weib zu ihm kam mit I und wie mit Irrsinn geschlagen durch den eigenen Vorsatz, krschaW Knaben. Als sie aber die Schwelle des rettenden I ich zwei Wölfe, die an dem Körper eines Retzs zerren Da wW Hauses überschritt, stürzte sie zusammen vor Schwäche und hauchte I es wi^erhAvvr meinen Auge;mitdem Dchwerteyringe ich &n©etft aus Das Kind aber lag an der Brust der toten Mutter I hinzu, Las Kind ins Fell verhüllt fest an mich schließMdi UM trib versuchte' zu saugen, alö ob sie noch lebe, und die härtesten I schlage die QMtien niederi Hier liegt das Reh, das uns Gott M Aänmr konnten bas nicht schauen ohne Tränen. So fiel der jändt, der Widder statt Les geopferten Sohnes!" vtamm damit Las Reis gerettet werde. Hätte nicht vielmehr die I Da rief das Weih gleich einer Seherin: „And doch ist auch Mutter das Kind opfern sollen, dah sie leben geblieben wäre sich I das Opfer Isaaks nur die Verheißung gewesen eines größeren Md ihrem Manne und anderen Kindern?" I Opfers. Denn als die Zett erfüllet war, hat Gott selber seinen- Da kam dem Weib die Sprache wieder. „Nein!" rief sie und I einzigen Sohn- dahingegeben zum Sühneopfer für die Schuld aller richtete sich hoch auf. „Selig die Mutter, welche so ihr Leben ge- I Menschen. And seit diesem letzten wahren Opfer sagen wir von geben für ihr Kind. Zum Himmel schwebend wird ihre Seele bei? I jedem Jahre: Sm Jahre Les Herrn!" . - Knaben geschaut haben, der noch trinken wollte an der toten Brust und der nun doch geborgen war! Du sagst, vor Schwäche habe sie den Geist aufgegeben! O nein! Sm Aebermatz der Freude zersprang ihr Las Herz, als sie nach Todesmühen ihr Kind nun endlich doch gerettet sah, und von Wonne bewältigt, hauchte sie . das Leben — 84 — unseren Gärten und I denwares Beginnen, ohne Zeitung und ohne jedes Buch auskvm- : Schwarzamsel, men zu wollen. Durch diese Zwischenschaltung sollte nur auf die Bedeutung der Lektüre für alle Weltbegeüenheiten hingewiesen gezeigt zu haben, Schriftleitung: August Goetz. - Druck und Verlag der Brühl'schen Llntv.-Duch- «ad Lteindruckerei, R. Lang», Sieb««. Andere Bügel, die ganz von selbst in > öffentlichen Anlagen heimisch wurden, sind die . . 6te sich aber leider bei der Veränderung ihrer Lebensweise in einen den kleinen Singvögeln sehr gefährlichen Raubvogel verwandelt hat, und die Singdrossel, die mit ihrem herrlichen Gesang unsere Gärten verschönt, ohne bisher schlimme Eigenschaften werden. Bas hundert- bzw. fünfzigjährige Jubiläum der deutschen Zeitungsdruckmaschinen zwingt ein tvenig zu Vergleichen mit bet Gegenwart und Vergangenheit, wie nach und nach recht Vollkommenes im Druck der Tagespresse und ihrer Beilagen erstand. Aus der erwähnten achtseittgen Zeitungsdruckmaschine vom Jahre 1873 sind tm Laufe der Entwicklung wahre Wunderbauten der deutschen Druckinaschinentechnik hervvrgegangen, die es ermöglichen, selbst die umfangreichste Auflage einer Tageszeitung in verhält- nismästig kurzer Zett ins Publikum zu werfen, um dieses mit dem Neuesten auf dem Gebiete der Politik und Unterhaltung bekannt zu machen. Die achtseitige Rotationsmaschine von heute bietet durch 'ihre zweckentsprechende Gestaltung eine gute Unterstützung zur Herausgabe kleinerer Zeitungen; die grösseren Organe bedienen sich jener Avtationspressen, die stiindlich 10 000 Exemplare von 16-, 32-, 64- »der Wseitigen Zeitungen zu liefern vermögen. Bei geringerer Seitenzahl einer Tageszeitung läht sich die stündliche Leistung verdoppeln und vervierfachen; ja selbst acht- und zwölffachy Produktion ist möglich, da sich die zum Druck erforderliche große Anzahl von Rundplatten durch umfangreiche automatische Gießwerke leicht Herstellen läht. Durch solche weitreichenden Druck- Möglichkeiten braucht es nicht weiter LU überraschen, dah die größten deutschen Rotationsdruckmaschinen zur Herstellung von stündlich 100 000 achtseittger Zeitungen imstande sind, wobei die notwendige Za^ von Papierrollen mitwirkt. In diesen Ziffern kommt der Aufstieg einer fünfzigjährigen Gntwicklmrg der deutschen Zeitungsdruckmaschinen zum klaren Ausdruck, deren Leistungsfähigkeit auch mit darin besteht, die gedruckten Zeitungen durch mit der Maschine verbundene Förderanlagen nach dem beliebig abgelegenen Derfandraum rein mechanisch zu vermitteln, was eine große Zeitersparnis zum schnellen Expedieren der Zeitung mit sich bringt. Der Höhepunkt des Mehrfarben- und Jllu- strativns-Rvtativnsdrucks mag hierbei nur angedeutet sein. Auch der Zeitungsbilderdruck hat eine hohe Stufe der Vollendung erreicht, und er gelangt zur größeren Vollkommenheit, wo es sich darum handelt, schöne Beilagen im neuzeitlichen Gummi- oder Tiefdruckverfahren herzustellen; diese finden bei der Leserschaft jederzeit eine dankbare Aufnahme. Rur kommt es darauf an, die Anzahl der Zeitungsleser noch ganz wesentlich zu ver- grvstern, damit uns die Macht der Presse zum Wohle des Volksganzen erhalten bleibt. Die Göttin. Als ich in der Skulpturensammlung eines Morgens die noch leeren Säle der Antike durchwmrderte, wurde Plötzlich eine Tür aufgertssen, und ein knabenhaft schlankes Mädchen mit einem wundervoll geschnittenen Kopf, in dem unergründliche Augen silberne Bläue spiegelten, stand vor mir. „Wissen Sie, wo die neue Göttin ist?", fragte mich die Unbekannte mit einer klingenden Stimme, die mir von irgendwoher bekannt schien. Während ich verneinte, eilte das junge Mädchen schon weiter, und ich folgte, wie von ihr gerufen. Bald standen wir in ernenn Kuppelraum, in dessen Mitte einsam eine fast unzerstörte weibliche Marmvrgestalt ragte. Die Wände ringsum waren mit gold- braunem Stoff ausgeschlagen und gossen warme Flut über den Stein. ..Sehen Sie," sagte die Fremde, al« ob ich zu ihr gehörte, und ivandte einen Augenblick die Rätselaugen von dem Bildnis zu mir, „hier ist die Grenze zwischen Mensch und Gott überschritten. Vielleicht sind die Hände und Füße noch von dieser Welt, obgleich in ihnen eine himmlische Stille schimmert. Aber tvenn Sie diesen Leib unter beit unwahrscheinlichen Schleiern betrachten, ist alle Jrdischkeit schon vergessen. Da ist in dem Stein die Erde besiegt, da ist dem Stoff Geheimstes abgerungen, da ist letzte Bindung gelöst. Sehen Sie, dies Gesicht hat niemals ein Menschenantlth ge* Sjaut. Freude und Qual der Sterblick>en verlieren hier ihren ton. Diese Augen blicken vielleicht so. wie ein Daum, eine Blums im Morgentau den Wolken nachsehen würden, wenn ihnen Augenlicht geschenkt wäre. In diesem Haar zittert ein Wind, der sich aus unbekannter Ferne aufgemacht hat, um hier uitd nirgendwö anders zu wohnen. Dieser Mund duldet keine Worte, weil er weist, dast das Letzte niemals ausgesprochen werden kann und im Schweigen die tiefste Musik schwingt." Die Stimme neben mir verstummte, um dann leise noch einmal aufzubrechen: „Das Göttliche bleibt immer nur Ahnung und Sehnsucht l" Als ich aus der Versunkenheit aufschaute, war meine Gefährtin unhörbar verschwunden. Alles in mir bebte in einer niegekannt«t Wallung, während die letzten Worte der Fremden, in der Kuppel des Saales zu einem zauberhaften Widerhall verwoben, noch lang* wie ein Klang aus anderen Welten Über meinem Haupte tönten..« ______ Werner Dock. Das Jubiläum der geitungs- dru