(, dem der ei fron un» r lut züre, ofort das n 4 ck. alS ihnen, ckt ihn in den hängt i Spieh Wild- s alten rlegten m An» Wlde dem Hier : der nach ? - ilgen üaut, mnd. : deutelte: hu— > mit toppt lagen nicht Hun» gend, irden, licher. ?orst° Unö ickicht -stand wdenr rtöut, hatte, ihende d ent» labten ec. Er Däter- d stöbst Schild" er des ts sein e FSr- Dann Ite deS geben ädv Hu aerf mut stich ein» t zu ►eit« ein ist er die lich. gar das da irzer auch arz- icht« 111(2» t du blich und hen. WeihnachtsUsd. Bon Theodor Storm. Dom Himmel in die tiefsten Klüfte Ein milder Stern herniederlacht: Dom Tannenwalde steigen Düfte And hauchen durch die Winterlüfte, Und kerze,rhrlle wird die Dacht. Mir ist das Herz so froh erschrocken, Das ist die liebe Weihnach'szeit! Ich höre fernher Kirchenglocken Mich lieblich heimarlich verlocken Lkn märchenstille Herrlichkeit. Gin frommer Zauber hält mich wieder, Anbetend, staunend mutz ich- stehn: Es sinkt auf meine Augenlider Grn gvldner Kindertraum hernieder, Ich fühl's, em Wunder ist gefchehn. Oie WeihnachtspredigL des Hrmgerpaftors von WNUnzenow. Bon Wilhelm Raabe. .... Zum zweitenmal läutete die Glocke, als Hans au der Seite deS greisen Pfarrherrn die Stufen empvrstieg, die hinter dem Bastvrenhause aus den Kirchhof des Dorfes führten. Quer über den Kirchhof ging der Weg zur Kirche, und zwischen den weihen Gräbern un£> den schwarzen Kreuzen, welche auch alle Schnee- Hauben trugen, blieben die beiden geistlichen Herren stehen, uni auf das Dorf zurückzusch-auen. Das Meer rauschte in der Finsternis, aber im Dorf war fast jedes Fenster erleuchtet, und reges Leben herrschte auf dem Kirchwege. Aus seinen Hütten stieg das Volk der Fischerleute zu seiner Kirche empor, — Greise, Männer, Weiber. Kinder! Sir kamen mit Laternen und Lichtern, und wenn die Erwachsenen, die Aelteren im Bvrüberschreiten mit vertraulicher Ehrerbietung ihren Pfarrherrn grützten, so kam fast jedes Mud zu ihm heran, um ihm die Hand zu geben: er aber kannte sie falle bei ihrem Namen, kannte ihre kleine, kurze Lebens» aefchichte und hatte fast für jedes ein anderes Liebkosungswvrt. Don Zeit zu Zeit zögerte einer der Erwachsenen auf dem Wege: «^ wandte sich seitwärts, um seine Laterne niedrrzusetzen und stch über eins der verschneiten Gräber zu beugen: dann war der Psarrherr von Grunzenvw an der Seite der Trauernden und sprach ihnen leise zu, und die Sterne lächelten im schwarzen Winterhimmel, und es war, als ob das Meer sanfter rausche. Wohl hundert Lichter erhellten die kleine Kirche: niemand hatte fein Lämpchen beim Eintritt ausgehlasen. und wunderbar feierlich erschien die Versammlung dieser Gemeinde am Ufer der See. Auf einer der vordersten Bänke, dicht vor dem Altar und der Kanzel, sah der Kandidat Unwirrsch neben seiner Braut und dem Obersten von Bullau nieder und säug im rauhen Chor der Fischer «id alte Weihnachtslied mit bis zu Ende: bis unter den letzten Klängen der Orgel und des Gesanges Ehrn Josias Tillenius auf 'n Kanzel trat, um seine Weihnachtspredigt zu halten: bis alle, die von der Sonne gebräunten, vom Sturme und Wetter zerbissenen Gesichter der Männer, bis alle die ernsten Gesichter der <5rauen, bis alle Kinderaugen sich zu dem alten, treuen Berater und Tröster emporhvben 24. Dezsmder 1923 Weihnachts-Sondernummer w MW k-sMj &A MH 10/ IM ■?a M. MM dM- Mit jenem Gruh der Engel, über welchen kein anderer in der Well geht, grüßte er seine Gemeinde: „Ehre sei Gott in der Höh«, und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!^ '2-LNn wünschte er allen Glück zu dem hohen Feste, den JungWi wie den Alten, den Greisen wie den Kindern: und er hatte recht, als er einst zu Hans Unwirrsch sagte, dah es ein seltsam Ding fei, wenn einem Pastor das Meer in seine Worte klinge. Er sprach von dem Guten und Bösen, was geschehen sei, seit man vor einem Jahre diesen Tag feierte: er sprach von dem, was werden könne bis zu dem nächsten Weihrrachtsglockenklang. Er hatte ein Wort für die Trauernden, und für die, welchen Freude gegeben worden ivar. Seine Vergleiche konnte er nicht, wie seine Amtsbrüder weiter int Lande, die jetzt auch auf ihren Kanzeln standen, der Arbeit des Ackermanns entnehmen: er konnte nicht sprechen vom Säen, Blühen, Fruchtbringen und Verwelken: — das Meer rauschte in seine Worte. Er sprach von den Angehörigen feiner Gemeinde, die jetzt jin der Fremde schifften, von denen man nicht wusste, ob sie lebten pder ob sie tot feien: die Erde vom Rordpol bis zum Südpol mutzte Raum finden in feiner Predigt. Er sprach von den Ver- schollenen, deren Platz am Herde seit Jahren leer war, nannte zwei weinende Mütter bei ihren Aamen und tröstete sie mit der Verheitzung, Latz niemand, niemand verloren gehen könne, so weit die Welt auch sei, da geschrieben stehe, dab Gott die Meere in der hohlen Hand halte. Er sprach von dem grotzen Weihnachts- baum der Ewigkeit, unter welchem einst alle, alle versammelt sein würden. Ehrn Zosias Tillenius war an den 'Weihnachtsbaum jeder Hütte seines Dorfes getreten; nun stand er plötzlich int Schatten des Barimes der Weltgeschichte, durch dessen Gezweig der Stern der Verkündigung auf die Krippe zu Bethlehem niederleuchtete. In einfach ergreifen--er Art erzählte er seiner Gemeinde, wie es aussah auf Erden, als die Engel ihren Grutz vom Himmel nieder» brachten. Von der Stadt Rom erzählte er und von dem römischen Kaiser Augustus, von den stolzen Tempeln, den stolzen Weisen, Kriegern und Poeten. Er sprach davon, wie die Sonne, der Mond und alle Gestirne damÄ» so segsnnsreich ihren stveg gingen, als wie heute, wie die Erde ihre Früchte trug, tote das Meer feine Schätze ebenso gutwillig hergab, als jetzt. Ec erzählte, Ivie die Menschen sich damals in ihrer Zeit eingerichtet hatten: wie Zoll gefordert Und gegeben wurde, wie die Seen rind'Flüsse und das Meer voll Schiffe, wie die Landstraben voll Wanderer' und die Märkte voll Kaufleute waren. Gr berichtete, wie die Schätze der Rationen wie heute hin und her getragen wurden, und Kann —- dann sprach er von dem großen Hunger der Welt. Die schönsten Götterbilder in den herrlichen Tempeln untren Masken, die fein Leben Hatten. Die Priester, welche ihnen dienten, spotteten ihrer und des Volkes, das vor ihnen kniete; die Weisen -und Klugen aber schämten sich der Götter und der Priester. Die Welt war zu einem Durcheinander geworden. In dem es keinen Halt mehr gab. Frieden fand der Mensch weder in seinem Herzen, noch in seinem Hause, noch draußen auf dem Markier Ön dem römischen Kaiserreich hatte die Menschheit sich an sich selber verloren, sie lag in Ketten unter dem Purpurmantel, der ihre blutenden, zerschlagenen Glieder deckte; der Himmel war dunkel über ihr, und das Licht, das von ihrem goldenen Diadem ausging, war nur das fahle Leuchten in der Rächt des Todes, Trotz aller Pracht und Bewegung des Lebens war die Erde wüst mrd leer geworden, tote vor dem Erschaffungswort, Ehrn Josias, Tillenius sagte das in Worten, die feine Gemeinde verstand. Es gar lieb, die Lieder bi« man singt, unS die Kälte die eingefallea ist macht mich vollends vergnügt. Gestern lieber Kestner war ich mit einigen guten Jungens auf dem Lande unsre Lustbarkeit war sehr laut, und Geschrei; und Gelächter von Anfang zu Ende. Em schöner Abend, als wir zuruck, aing-n es ward Aacht. Aun mutz ich dir sagen das ist immer eine Svmttätie für meine Seele wenn die Sonne lang hinunter ist und die Aacht von Morgen herauf nach Nord und Sud umsich gegriffen hat und nur noch ein dämmernder Kreis vom Arend herauf leuchtet. Seht Kestner wo das Land flach ist ists das herrlichste Schauspiel, ich habe jünger und wärmer Stunden lang so ihr zugesehen hmab- dämmern auf meinen Wanderungen. Die düstre Stadt zu bfeDc-n Seiten, der still leuchtende Horizont, der Widerschein im Fluß ntachte eilten köstlichen Eindruck in meine Seele den ich Mit beybmi Armen umfaßte. Ich lief zu den Gerocks und lies nur Bleystift «eben und Papier, und zeichnete zu meiner grotzen Freude Das ganze Bild fv dämmernd warm als es in meiner Seele stand Sie hatten alle Freude mit mir darüber, empfanden alles was ich gemacht hatte und da war ichs erst gewiß, ich bot ihnen an S>tum zu würfeln, sie schlugens aus und wollcen ich solls Merken schickem ^ier an meiner Wand, und freut mich heute tote gestern. Wir hatten einen schönen Abend zusaminen wre Leute, denen das Gluck ein grvtzes Geschenk gemacht hat und ich schlief ein, den Heiligen im Himmeldankend, dah sie uns Kmderfreude zum Christbescheeren wollen.....Als ich über den Markt ging und die Dielen Lichter und Spielsachen sah dacht ich an cuc^ uiü> Heus wie ihr ihnen kommen würdet, diesen Augenblick ein Mcher Bote mit dem blauen Evangeliv und wie aufgerollt ste daS Buch erbauen werde. Hält ich Ley euch sehn können ich hatte wollen so ein Fest Wachsstöcke illuminiren, datz es in den lleinen Köpfen ein Widerschein der Herrlichkeit des Himmels geglanzthatte Die Tohrschlietzer fommen vom Burgemeister, und rasseln mit den Schlüsseln. Das erste Grau des Tages kommt mir über des Aachbmirs Haus lind die Glocken lauten einer Christlichen ®e* meinde zusammen. Wohl bin ich erbaut hier obm auf die ich Lang nicht so lieb hatte als aeht. vie oft mit glücklichstem Bildern ausgeziert die mir freundlichen guten Morgen sagen Aun Qlbicu, es ist hell Licht. Gott seh brtzench wie ich bch euch vinn. Der Tag ist festlich angefangen Leider mutz ich nun die schönen Stunden mit Rezensiren verderben, ich tuhs aber mit gutem Muth denn es ist fürs letzte Blat , ; . ... Lebt wohl und denkt an mich das seltsame Mittelding zwischen dem reichen Mann und dem armen Lazarus. Grützt mir die Sieben alle, ilnd lasst von euch hören. Drei Jahre später, im November 1775, war Goethe an den Weimarer Musenhof gezogen. In welch fideler Gesellschaft er hier schon das erste Weihnachtsfest verbracht hat, wie ihn trotz allem Trubel der Freude aber doch noch die Schatten der Wen handelt feiner letzten Liebe für einen Augenblick nachdenklich und melancholisch stimmen, zeigt folgender Bries an den Herzog Kari August, datiert aus Waldeck, 23.-26. Dezember 1775 . Datz mir in diesem Winckel der Welt, Nachts, in dieser Jahreszeit mein alt Zigeunerlied wieder einfällt, ist ebenso natur» M,'lieber gnädiger Herr, als datz ich mich gleich hinfezze es Ihnen auszuschreiben und hinter drein einen Brief zu sudeln denn ich berntisse Sie warrlich schon, ob wir gleich nicht zwölf Stunden Snmten fee« sie noch nach aufgehobnem Tische, wid schmau» tfen und fchwazzen daß ich's durch deii Boden höre, Einstedels ) klingende Stimme voraus. Ich bin hevaufgegangen, es ist halb neune. . Wind und Wetter hat u>is hergetrieben auck; Regen u-id was idvan hängt. Die Klufft nach Jena Hinern hat mich in gluckit^m Abendsonnenblick mit all ihrer dürren HeW ckV^uchJt.. D Oaae von Jena selbst in ich gefreut, der Ort nilch gedruckt, und zwischen da unb hier war nicht viel Gaffens, es kam ein Regerin Italien wie uns ein Alter versicherte, der mit dem Schubekarren an !ms vorbehsuhr: In Italien seh warm da kvmme der tvanne Wind her, in den drehsig seh er da gewesen, ei8a<e er fo ganz slücktia weg Hier liegen wir recht tu den Fichten drein. Dey > tiatürlich guten Menschen. Ich hab Sie etliche mal auf dem Rät gewünscht ^auch hier, es würde Ihnen Wohl sehn. Untertvegshaben wär in deir Schenken den gedruckten Karl August gegrüßt, und gben Sieb wirSie hab^ datz uns Ihr Rahme auch neben dem (L. S.) Freude machte. Emsiedel ist zu ®»aen liegt schief, Kaffee und Brandwein wolltens nicht bessern, schlafen gehe. Wie ich so in der Aacht gegen das Fichtengevug ritt, kam das Gefühl der Vergangenheit, meines Schickaals, W meiner Liebe über mich«, und fang fo beh mir selber: .; Holde Lili warst so lang J All mein Lust und all mein Sang Bist ach nun all mein Schmerz und doch All mein Sang bist du noch ... Deii ersten Feiertag früh achte: Hab ziemlich lange die Sonne steht schon am Himmel. Der Abend gestern ward m *) Kammerherr und Dichterlmg. wagte niemand sich W regen; mart erte Mw Va» schnellere Atmen der Zuhörer, und als der fast hundertiahrigen Urgroßmutter Margarete Jörensen, die allein schlummerte in der Versammlung, und nach einem früheren Gebot des Priesters unter keiner Bedingung geweckt werden durfte, das große Gesangbuch vom Schoß Rutschte und zu Boden fiel, ging es wie ein jaßer Schrecken durch jedes Herz, und die abgehärteten Seeleute fuhren zusammen. Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!" Es war, als ob M8 Wort den Dann, der auf dem Volk von Grunzenow lag, loste, wie emst die Fesseln der ganzeii Menschheit. lieber der Hütte zu Bethlehem stand der Stern der Erlösung, der Heiland war in die Welt des Hungers geboren worden, der ^chmerzenssohn der Menschheit, der Sohn Gottes, der die Sunde seiner Mutter auf sich nehmen sollte, war erschienen, und vom Fs'lde fernen die armen Hirten, denen die Könige und Reifen erst später folgten, hergelaufen, um das Klickt in der Krippe zu K-arüßen dieses Kind, das nun noch mit m die Register der De völkmung des römischen Reiches die der Kaiser Augustus an fertigen ließ, aufgenommen werden konnte., Aun war dw ckeir erfüttt und das Reich Gottes erschienen. Di ^Hungrige Menschs heir aber reckte die Hände auf nach dem „Brot, das bom Huumel ^nmt und der Welt das Leben gibt". Der Himmel, der so finster pnd leer gewesen war, öffnete über den Kindem der E-fe. all Völker sahen das große Licht, — die Menschhmk Edie Krone » dein aedemüttgten Haupt und warf den Purpurmantel von oen ßdinitiern Sie schämte sich ihrer blutenden Wunden, ihrer ge OBa6rbeit! jauchzte es vom Anfang; Freiheit! lechzte es 1 Aiedeiaanq - Liebe! fangen die Engel UM die Hucke, in sicher die Erbtochter des Stanimes David und Joseph der Znn- iwermiann von Nazareth den Irrten ^sKckndMgte^^lnder Nacht geboreii worden war. Ehrn Svfms TMrniius aber zeigie es letit deii Kindern seines Dorfes: denn das Weih.mchtsfest fei d-s Fest des Kindes, welchem die erhabenen Ostern fremd bleibE, bis es über den ersten wahren Schmerz Nachdenken »luW. Jn .je Weihnachtsworte aber, die der alte Prediger zu ben^w-ern sprach dämmerte der neue Tag. Es wurde Dämmerung vor den Fettern der kleinen Kirche und das Licht der Lampen und 'Wachskerzen erbleichte vor dem'rosigen Schimmer, der den Winterhimmel über- ,r,0 Wieder erklang die Orgel, die Gemeinde von Grunzenow sang den Schlußvers des Weihnachtsliedes, die Kirche war zu ^nde. Goethes Weihnacht. Beim Durchblättern von Goethes Briefwechsel ist man erstaunt, *, toie zu allen Seiten seines langen Lebens gMide m den Weihnachtstagen seine Korrespondenz sich haust. t?loer kenm lon- vent io nellen G uckwünsche an den unendlich großen S.reunde^ unb DMnntenkreis drücken dem Dichter die F-«r m die Hand Es ti^int daß seine Arbeitskraft gerade tn den ^-agen der JUllen Woche" die ihm Ruhe vor den laufenden dienstlichen ©eW-tften brachte sich mit doppeltem Eifer auf die literarische -atiglert ivarf. Der Briefwechsel mit Schiller zum Beispiel Jahr ihrer ferzen Freundschaft gerade in den W^^ach^tazen Änen besonders regen Gedankenaustausch überchr«^uerarlich^Ar beit Wenn andere sich mit innerem Behagen der Rahe und-tuuße in den stillen Tagen zwischen den Jahren Angaben, ^echt Goethe *) mit Verlangen warte ich auf S neue Jahr und suche manche'rleh kleine Geschäfte abzuchun, um Sie wieder mit Freyheit besuchen zu können." Der Briefwechsel^>mt feinen DerleMin vor allem mit Cotta, reißt auch in den Feiertagen mchr ab. Rus iüdrlicke Briefe an Zelter, F. A. W o l f, den Grafen R ein» fta r d die Brüder Humboldt find ausschließlich dem tfortgang seines'dichterischen Schaffens gewidmet. Nur hrer und da m vem Briefweckisel mit denen, die seinem Herzen besonders uah^leheitz erfährt man, daß das Christfest trotz aller Arbeitslast doch auch einen Wann wie Goethe in seinen Zauberkreis ^agt, dem er sich picht aanz zu entziehen vermag. Es ist inch.. ergm.inlich, daß aus dem Schriftwechsel feiner Jugendzeit gerade ein Brief an Kestner, den Bräutigam seiner Lotte, diesen wechnach.llcheri Räuber atmet War doch Lottes Wetzlarer Häuslichkeit, dies urdeutsche Heim' die Zuflucht seines Überschäumenden, vorwärtsdrängenden Genius, aus der das milde Licht der Weihnachtskerzen auch m feine Frankfurter iirlaubstage strahlt. Am 25. Lezember 1772 schreibt er an den Wetzlarer Freund: Christtag früh. Es ist noch Aacht, lieber Kestner, ich bmn auf* gestanden um bet) Lichte Morgens wieder zu schreiben, das mir angenehme Erinnerungen voriger Zeit zurückruft; ich habe mir Sostse mdchen lassen den Festtag zu ehren und will euch schreiben biß es Tag ist. Der Türmer hat sein Lieb schon geblasen ich wachte drüber auf. Gelobet setzst du Jesu Christ. Ich habe diese Zeit des Jahres ♦) Die Texte der Driesstellen sind der von R. M. Aeher mit außerordentlich kritischer Sorgfalt und wertvollen biographi-- schen Anmerkungen versehenen Ausgabe „Goethe und seine Freunde im Briefwechsel" entnommen. Das,dreibändige Werk erschien in einer von Melchior Lechter mit feinstem fünft» lerischen Empfinden entworfenen Ausstattung 1910 bei Georg Bondi, Berlin, ' — 207 ffaller» 13 auf ib ®e» ;UrÜ(f» •x eine st unSi jriffe« achtet, uspiel, hinab- Fluß bet) den leystist e, das stand. s was reu an Nerken ite wie Leute, ief ein, re zum ind die te Du» Himm» sie baS wollen Köpfen ein mit kr des en Ge- ■ Stube, llichsten n. ich« beh ich nun ber mit -wischen an den er hier h allem Bergan» lich und j Kari dieser > natur» z Ihnen Denn ich Stunden schmau- sieüels') ist halb and was ücklichem leit.. Die rnd zwingen aus bekarren c warme so ganz in. Dey >em Bitt zs haben -itzt, und stne auch te. Sein - bessern, irt eh ich engebürg -als, und geschlafen ward mit .Würfeln und Karten vervagabrmdet. Dienstag Abends sechs: Sv auch der ganze heutige Tag: Aach Bürgel geritten! Das Amtshaus ist schön. Wäre wohl einmal ein Sommerritt für Ohro Durchlaucht .... ©.“ Eine köstliche Probe von der großen Kunst des Dichters in der nicht immer ganz leichten Behandlung des anderen Olympier am Hose zu Weimar ist ein kleines Billet an Wieland, das vermutlich ein inhaltreiches Präsentkistchen begleitete. Es heitzt dort: „Da unsere Schüttchen dieses Jahr wieder nicht übel geraten sind, und sie Dir sonst wohl zu schmecken pflegten, so schicke ich hier behkommend em Stück, und füge noch etwas geräucherten Lachs hinzu. Ich hätte gewünscht, daß Du diese Gaben des Backhauses junb der Aordfee beh mir verzehren möchtest, allein ich bin Dienstags zu einer Reise nach Leipzig beordert, die ich in der Hoffnung antrete, Dich bald nach meiner Rückkunft wieder zu sehen. Jndesen wünsche ich glücklich in die sich immer verlängernden Tage hinein- zuleben. Goethe." Der Herr Hosvat Wieland hatte aus seinen heiteren Dibera- Her Tagen auf den Weimarer Parnaß einen feinen Gaumen mit» gebracht, der Schüttchen und Lachs wohl zu estimieren verstand. In dem Kranz Goethescher Weihnachtsbriefe darf auch ein beizendes kleines Briefchen an Bettine nicht fehlen, schon deshalb nicht, weil es eins der nicht allzu häufigen.urmrittelbaren Zeugnisse des intimen Goetheschen Familienlebens ist. Es offenbart ein kleines Weihnachtsidhll: den Dichter als glücklichen Fa- mMenvater im Kreise ber Seinen, die er aus dem reichen ©aben» schätz der fürforgenden Freundin überrascht und beglückt. Der Brief ist am 9. Januar 1808 geschrieben und lautet: „Sie haben sich liebe Bettine, als ein wahrer kleiner Christgott erwiesen, wissend und mächtig, eines jeden Bedürfnisse kennend und 'ausfüllend. Ihre Schachtel kam kurz vor Tische, verdeckt trug ich sie dahin, wie Sie auch einmal faßen und tranck zuerst Augusten aus dein schönen Glase zu. Wie verwundert war er als ich es ihm schenckle! Darauf wurde Riemer*) mit Kreuz und Deutel _ be- liehen. Niemand erriet!) woher. Auch zeigte ich das höchst künstliche und zierliche Besteck, da wurde die Hausfrau verdrieslich datz sie leer ausgehen sollte. Aach einer Pause um ihre Geduld zu prüfen zog ich endlich den Gewandstofs hervor, das Räthsel war aufgelöst und jedermann im Lob und Preise Bettines fröhlich Wenn ich also noch umwende: so habe ich immer nur Lob und Danck Da Capo vorzutragen. Das ausgesuchte zierliche ber Gaben war überraschend. Kunstkenner wurden herbehgxrufen die artigen Balgenden zu bewundern, genug es entstanb ein Fest, al3toenn Sie eben selbst wieder gekommen wären ... Der lieben Meline Mützchen kam früher. Ich darfs nicht laut sagen es steht aber nie- mttnb so gut als ihr. Herrn Stollens Attentivn auf dem blauen Papier hat Ihnen doch Freude gemacht. Adieu mein artig Kind! Schreiben Sie bald datz ich wieder was zu übersetzen habe. G .Und nun zum Schluß noch die humorvoll-sinnigen Zeilen, die Goethe Frau von Stein zum 25. Dezember 1815, ihrem und zugleich auch seines Sohnes August Geburtstag, widmete: Daß Du zugleich mit dem Heilgen Christ An diesem Tage geboren bist And August auch der Werthe Schlanke, Dafür ich Gott im Herzen dancke, Dies giebt in tiefer Winterzeit Erwünschteste Gelegenheit Mit einigem Zucker Dich zu grüßen Abwesenheit mir zu versüßen, Der ich wie sonst, in Sonnenferne Im stillen liebe, leide, lerne. Goethe. Neue Jugend und Weihnachten. Bon Pfarrer Wilhelm Kornmann- Ulrichstein (Vogelsberg). Mitten in eine seltsame Zeit fällt diesmal das Weihnachtsfest: aus des Messers ©dmeibe stehen die Entscheidungen über unser Deutschland: und wenn nun auch alles äußerlich wieder stch zu bessern scheint, — wie steht es i n n e r l i ch mit unserem Volk? Hat diese Zeit des Leides und der Entbehrungen in uns neue Strafte ausgelöst, hat sie uns reifen lassen, hat sie unsere Tragfähigkeit vergrößert, — oder geht alles nur so über uns hin, wie — — — hun, wie eben so vieles über uns hingeht im alltäglichen Leben?! Das sind Fragen, auf die heute Antwort zu geben ist. -Und Has ist das Wundervolle an dieser schweren Zeit, daß trotz aller Mot und trotz allem Aiederdrückenden ein großer Teil unserer Jugend wach geworden ist und trußig das Haupt erhebt: das ist bas Großartige, daß weite Kreise der Jugend vom heißen Willen durchpulst sind, ein neues Leben zu leben, — ein Leben, das lebenswert ist, — ein Leben das stark und innerlich voll gelebt wird. Dabei kann es allerdings leicht vorkommmi, daß man als junger Mensch die Kampfparolen gegen das „Alte , tote e.toa. eigene Verantwortung, Selbstvestimmun g, Wehr- hastigkeit, und dazu: Erlechnis, Gemeinschaft, und tote sie alle heißen mögen, als neue Götzen auf den Thron erhebt, b, h. von außen hinnimmt, statt daß man sie Tat toerben laßt. Diese Parolen dürfen uns, wenn wir lebendige Jugend sein *) Goethes Privatsekretär. wollen, nicht laffen, wie wir sind: fte müßen sich an uns auswirken, müssen uns ändern, erneuern, — unser Wesen neuformen. Das ist das Wesentliche. Aicht ettey das ist das Wertvollste, daß man sich der Problematik deskLevensj bewußt werde. Gar mancher von den „Alten" weiß etwas von ihr, — aber wenn er anfetzte, um sie zu meistern, blieb dem Wollen das Vollbringen versagt: auch er, der „Alte", wollte wohl mit allem guten Willen sein Leben unter neue Formen stellen, so wie heute weithin wir Jungen das wollen: Führer, nicht vom Amts wegen vorgesetzt, sondern vom Herzen erwählt, schreiten Jungen wie „Allen" voran (man ziehe die Grenze zwischen Beiden ja nicht irgendwie mechanisch!), und begeisternd reißt uns alle mit der Rhythmus der Bewegung. Aber gerade im Borwärtsschreiten brennt jener tragische Konflikt auf: Zwischen Wollen und Vollbringen, zwischen Lehre und Leben, zwischen willigem Geist und schwachem Fleisch. Das Bezeichnende aber ist. daß wir Jungen oft, ja! meist Aelteren gegenüber zu schnell Kritik üben, weil wir die Schwierigkeiten dieser Zusammenhänge verkennen, und datz wir bei uns selbst den Ab- fttmb zwischen gutem Willen und Leben und Tat nicht sehen, oder doch nicht so scharf sehen, als wenn wir Aeltere ihn ins Auge fassen. Hier aber rußt das Entscheidende für alle Welt, insonderheit für uns Jugendliche: es muß etwas neu bei uns werden! Es genügt längst nicht der gute Wille, und se'. er noch so stark vorhanden! es genügt nicht die Begeisterung für hohe Ziele, und flamme fte Noch so stark auf, — genügen kann allein das Zurtatwerdenlafsen des Äenen, was in uns lebt, — zur Tat, soweit es menschenmöglich ist. Gerade gegen uns selbst sollte der Blick da scharf fein, — schärfer als gegen andere. Oder wollen wir dem Wort vom Splitter und Balken verfallen? Vor allem um unser Ich handelt es sich, — das muß von Grund aus erneut fein. — Ist es überflüssig, das einmal zu sagen? Ich glaube kaum! Denn so, wie wir Jungen an unseren Wandersomi tagen mit Rucksack und öaute-'fo oft und so leicht an den Kirchen vorbeiziehen, gehen wir leicht auch an elementaren Wahrheiten des Lebens vorüber. Eine davon, — neben vielen anderen, — hat uns der gesagt, dessen viele, viele Menschen in diesen Tagen gedenken. Wenn wir unser Weihnachten feiern und etwa fingen: „Das ewig Licht geht da herein, gibt der Welt ein’n neuen Schein, es leucht't wohl mitten in der Macht und uns zu Lichtes Kindern macht. Kyrieleisl", bann wollen wir daran denken, daß wir „Lichtes Kinder", — Lichtträger, Träger einer neuen, helleren Zukunft unseres Volkes doch (nur dann werden können, wenn das Alte von uns abfällt und wir wirklich innerlich neu werden. Der Waldteufel. Von Aikolai Ljesfkvw (Fortsetzung.) Dasselbe geschaht auch jetzt, als uns biejenigen ausschimpften, die die Pflicht gehabt hätten, uns zu schützen: sie schoben nicht nur die ganze Schuld auf Sseliwan, der uns vor dein älntoetter gerettet hatte, sondern unternahmen sogar einen neuen Angriff gegen ihn. Apvllinarij und alle Annuschkas erzählten uns, baß er im Walde einen anmutigen Hügel entdeckt hatte, der ihm zur Deklaniation geeignet schien, durch den Hohlweg, der mit welkem vorjährigem Laub verschüttet war, zu diesem Hügel lief und plötzlich über etwas Weiches stolperte. Dieses „Weiche" Ina übte sich Unter Apollinariss Fatz um und brachte ihn zrr Fall; als er aufstehen wollte, sah er, daß es der Körper einer jungen Bauernfrau war. Er sah genau, daß der Körper mit einem sauberen, weißen, rotgestickten Sarasan bekleidet war und ... aus der durchschnittenen Kehle ... Blut floß. Bei diesem unverhofften Schreck konnte maa sich natürlich wohl entsetzen und auf schreien — was er auch tat Unverständlich und erstaunlich aber blieb folgendes: obwohl Apvllinarij, tote ich schon erzählt habe, sich von den anderen entfernt hatte und allein über den Körper der Ermordeten gestolpert war, Beteuerten und schworen alle unsere Airnuschkas unb Rvsjkas, daß auch sie die Tote gefeßen hätten ... „Wären wir denn sonst so erschrocken?" sagten sie. Ich bin bis heute davon überzeugt, daß sie nicht logen, sondern fest daran glaubten, in Sseliwans Wald eine ermordete Frau in reinlicher rotgestickter Dauerntracht, mit durchschnittener Kehle, ans der Blut strömte, gesehen zu haben ... Wie war das nur mÖS®a?idj hier nichts erfinde, fondern tatsächlich Gesehenes beschreibe, muß ich hier verweilen und beifügen, datz dies in unserem Hause für immer unaufgeklärt blieb. Niemand außer Apvllinarij Samte die getötete unb, nach seinen Worten, in einer Grube unter bem Laube liegende Frau gesehen haben, weil niemand außen Apvllinarij dort gewesen war. And doch schworen alle, datz auch sie sie wirklich gesehen hätten, als sie die tote Frau im gleichen Augenblick überall unb vor jedermanns Augen erschienen. Hatte übrigens auch Apollinarij eine solche Frau wirklich gesehen? Es war kaum möglich, weil sich der Äorfall zur Zeit der ersten Schnee» schmelze ereignete, als noch überall Schnee lag. Das Laub der — 20ti — Dikmie lag fett dem Herbste unter dem Schnee, aber Apollinaris 1 hatte den Körper in sauberer, Weiher Tracht mit Stickerei ge- - sehen, und das Blut strömte noch aus der Wunde ... Sv konnte | es bestimmt nicht gewesen sein: aber alle schworen uns bekreuzigten sich, daß sie die Frau genau so gesehen hätten, wie die Beschreibung lautete. Nachher fürchteten sich alle, nachts zu Wasen, und allen war es so unheimlich zumute, als wenn wir selbst das Verbrechen begangen hätten. Bald war auch ich davon überzeugt, daß ich und mein Bruder die hingeschlachtete Frau gesehen Hütten. Damit begann bei uns eine allgemeine Angst, die damit endigte, dich man die ganze Angelegenheit den Eltern eröffnete und ' daß der Vater einen Brief an den Polizeikvmmissär schrieb. Dieser kam dann auch mit einem furchtbar langen Säbel zu uns gefahren und unterzog jeden einzelnen von uns einem heimlichen Verhör tn 'Vaters Arbeitszimmer. Apollinarij wurde vom Kommistar so- awcüikiI Dcrnouun^n, unb 3Weite breing et fo ijeftig ttt ihn, daß, als er herauskam, seine beiden Ohren feuerrot waren und eines sogar blutete. Das haben wir ebenfalls alle gesehen. Aber wie dem auch gewesen fein mag, jedenfalls brachten unsere Airssagen viel Leid über Sseliwan: man machte bei ihm eine Haussuchung, durchforschte den ganzen Wald und hielt ihn selber tange Zeit in Haft, fand jedoch bei ihm nichts Verdächtiges; ebensowenig fanden sich auch Spuren vor; der getöteten Frau, dm wir gesehen hatten. Sseliwan kehrte wieder nach Hause zurück, aber in der allgemeinen Meinung nützte ihm das nicht: seit der Zeit tvuhten alle, das; er ein Aebeltäter war, den man nur nicht erwischen komrte, und niemand wollte mit ihm auch nur das geringste zu tun haben. Mich brachte man, damit ich nicht dem verstärkten Einfluß des poetischen Elements unterläge, in eine „ Ade!s- pension", wo ick mir in voller Rühr die Fächer der allgemeinen Bildung anzueignen begann, bis die Weihnachtsfeiertage nayten, wo es mir beschieden war, auf der Heimfahrt an Sseliwans Hof vorbeizukommen und dort mit eigenen Augen große Schrecken zu sehen, 12. Kapitel. Sseliwans schlimme Reputation gab mir ein großes Ansehen unter meinen Pensionskameraden, denen ich meine Kenntnisse über diesen entsetzlichen Menschen mitteilte. Bon meinen Altersgenossen tn der Pension hatte noch niemand so schreckliche Erlebnisse gehabt wie die, mit denen ich mich rühmen konnte, und nun stand es mir wieder bevor, bei Sseliwan vvrbeizufähren, wozu sich keiner meiner Kameraden gefühllos oder gleichgültig verhielt. 3m Gegenteil, die. meisten von ihnen bedauerten mich und sagten ganz offen, daß sie nicht an meiner Stelle sein wollten: zwei oder drei Wagehälse beneideten mich aber und brüsteten sich damit, daß sie Sseliwan sehr gerne begegnen würden. Aber zwei von diesen waren als Aufschneider bekannt, und der dritte brauchte niemand zu fürchten," da seine Grotzmutter, wie er sagte, in einem alten venezianischen Ringe einen „Silvester-Stein" besaß, dessen Besitzer „vor jedem Unglück gefeit war"*). 3n unserer Familie gab es dagegen keine derartige Kostbarkeit: zudem konnte ich meine Weihnachtsreise nicht mit den Pferden meiner Eltern zurücklegen, sondern mußte mit denen der Tante siahren, die gerade vor den Feiertagen ihr Harts in Orjol für dreitzigtauseuL Rubel verkauft hatte und nun zu uns fuhr, um sich in unserer Gegend ein Gut zu kaufen, das mein Vater schon lange für sie erhandelt hatte. Zu meinem Aerger verzögerte sich die Abreise der Dante infolge irgendwelcher wichtiger geschäftlicher älmstände um volle zwei Tage, und so fuhren wir erst am Morgen vor dem ersten Feiertage Mts Orjol ab. Wir fuhren in einer geräumigen, mattengedeckten, dreispän- mgen Kibitiä und mit dem Kutscher Spiridon und dem jungen Laftli Boriska. 3n der Equipage befanden sich meine Tante, ich, mein Vetter, meine kleinen Cousinen und die Kinderfrau Ljubow Timofejewna. Wit orde-ntlichen Pferden und aus einer guten Straße kann ntßn unser Dörfchen von Orjol aus in fünf bis sechs ©tunben erreichen. In zwei Stunden erreichten wir Kromy und machten dort bei einem uns bekannten Kaufmanne halt, um Tee zu trinken und die Pferde zu füttern. Dieser Aufenthalt war bei uns Usus, zudem erforderte ihn auch die Toilette meiner kleinen Cousine, die noch tn den Windeln lag. Das Wetter war schön, und es begann fast ein wenig zu tauen. Während wir aber die Pferde fütterten, begann es leicht zu frieren und dann zu „rauchen", d. h. über die Erde fegte seiner Schnee. Die Tante überlegte: soll man abwarten oder sich im Gegenteil beeilen und schneller fahren, um noch vor dem Unwetter nach Hause zu kommen. Wir hatten noch etwas über zwanzig Werst zu fahren. Der Kutscher und der Lakai, die die Feiertage mit ihren Verwandten und Freunden begehen wollten, versicherten, daß wir wohlbehalten *) Der Silvester-Stein" ist ein heller Saphir mit der Tönung einer Pfauenfeder, der in alter Zeit als heilsamer Talisman galt. Anmerkung Ljeßkvws. heinikominen würden, wenn wir nur nicht länger zögerten unS möglichst schnell abführen. Meine eigenen Wünsche und die der Tante entsprachen durchaus dem, was Spiridon und Boriska wollten. Niemand wollte die Feiertage in Kromy in einem fremden Hause verbringen. Außerdem war die Tante mißtrauisch und argwöhnisch und hatte eine sehr bedeuteirde Geldsumme in einer Mahagonischatulle bei sich, die in einem Futteral aus dickem grünem Fries steckte. Mit diesem Kapital in einem fremden Hanse zu übernachten, erschien der Tante durchaus nicht ungefährlich, und sie entschloß sich, auf den Rat unserer treuen Diener zu hören. Etwas nach drei Uhr war unsere Kibitka angespannt, und wir fuhren von Kromy in die Richtung zum Altgläubigen-Dorfe Koltfchewo: aber kaum waren wir über das Eis des Kromaflusses gefahren, als wir fühlte!;, wie uns die Luft ausging, um aus voller Brust zu atmen. Die Pferde liefen schnell, wieherten und wiegten die Köpfe, em sicheres Zeichen, daß auch sie den Luftmangel spürten. Indessen flog die Equipage besonders leicht dahin, als würde sie von hinten geschoben. Der Wind war uns im Rücken und jagte uns mit verstärkter Geschwindigkeit irgendeinem Ziele zu. Bald jedoch begann die ausgefahrene.Wegspur zu „stottern": auf der Straße lagen schon weiche Schneewehen, die immer häufiger wurden: bis schließlich von der früheren Spur nichts mehr zu sehen war. Die Dante schaute beunruhigt hinaus, um den Kutscher- zu fragen, ob wir auch noch bestimmt auf der Straße wären, fuhr aber gleich zurück, da sie von feinem kaltem Schneestaub überschüttet war, noch, bevor sie unseren Leuten auf dem Schlittenbock etwas zurufen konnte. Der Schnee fiel in dichten Flocken, der Himmel hatte sich verfinstert, und wir waren in der Gewalt eines wirklichen Schneesturms. 13. Kapitel. Aach Kromy zurückzufahren war ebenso gefährlich wie weiterzufahren. Hinter uns lag sogar als eine fast noch größere Gefahr der Fluß, in dessen Eis sich unterhalb der Stadt einige Löcher befanden, und wir konnten sie bei dem Schneegestöber leicht übersehen und unter das Eis geraten. Bor uns lag bis zu unterem Dörfchen ebene Steppe; erst auf der siebenten 'Werst kam Sseli- wans Wald, der- aber die Gefahr des Schneegestöbers nicht vergrößerte, da es im Wald sogar geschützter sein mußte. Außerdem ging die Fahrstraße nicht durch die 'Waldtiefe, sondern hielt sich an seinem Saum. Der llvald konnte also nur ein nützliches Zeichen ßafür sein, daß wir die Hälfte des Weges nach Hause hinter und haben, und der Kutscher Spiridon trieb daher die Pferde noch zu größerer Eile an. Der Weg wurde immer schwieriger und verschneiter. Bon dem früheren fröhlicher Knirschen unter den Schlittenkufen war nicht- mehr zu hören, im Gegenteil, der Schlitten kroch nun durch die lockeren Schiwewehen und begann von der einen Seite auf die aisdere zu schwanken. Wir verloren unsere ruhige Zuversicht und erkundigten uns immer häufiger beim Kutscher und beim Lakai über unsere Lage. Sie gaben uns aber nur unbestimmte und ausweichende Antworten. Sie bemühten sich, uns von der Gefahrlosigkeit der Lage zu überzeugen, während sie offensichtlich selbst nicht davon überzeugt waren. Rach einer halben Stunde rascher Fahrt, während der Spiri- doirs Peitsche immer häufiger auf die Pferde niedersauste, wurden wir durch den Ausruf erfreut: „Dort wird Sseliwan» Wald sichtbar." „Ist er noch weit?" fragte die Tante. „Nein, wir sind schon ganz nahe." Es mußte auch so fein, denn wir waren von Krvnry schon eine Stunde unterwegs. Aber es verging noch eine gute halbe Stunde, wir hörten die Peitsche immer öfter auf die Rücken der Pferde klatschen, aber der Wald tarn nicht. „'Was sott das bedeuten? Wo ist Sseliwans Wald?" Vorn Bock kam keine Antwort. „Wo ist der Wald?" fragte die Tante wieder. „Sind wir schon durchgefahren?". „Bein, wir sind noch nicht durchgefahren!" antwortete Spiridon dumpf, wie unter einem Kissen hervor. „Aber was soll das bedeuteir?" Schweigen. 1 „Kommt her! Haltet! Haltet!" Die Dante sah zum Schlittenfenster hinaus und schrie verzweifelt mit ganzer Kraft: „Halt!" Dann fiel sie in den Schlitten zurück, wohin wir als eine Wolke Schneeflocken nachflogen, die dem Luftzug folgten und sich nicht sofort setzten, sonderir in der Lust wie Mücken schwärmten. Der Kutscher hielt die Pferde an und tat gut daran, da sie sich nur mühsam aufrecht hielten rmd vor Müdigkeit taumelten. Hätte man sie nicht in diesem Augenblick rasten lassen, so wären die armen Tiere wahrscheinlich umgefallen. „Wo bist du?" fragte die Tante Borsts, der vom Bocke gestiegen war. (Fortsetzung folgt.) Schriftleitung: Dr. Friede. Wilh. Langs. — Druck und Verlag der Brühl'schen Aniv-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.