Samstag, 21. April sä! 1923 — Nr. 18 WNMM OSII1 'WWW Ä1 mfll* ©hfö 6er auf'eine „Erneuerung Les Sprachblutes" ausging, 6. 6. Die feinsten Schwebungen Les Sprechtons, die leisesten Nuancen Les Lebens nach genauester Beobachtung in Worten auffangen wollte „Ävtz Patte eine Art, einen mit feiner Meinung förmlich zu fee- Ä5 E wieder vorgekommen ist", meint Bahr von der fortreltzenDen Wirkung Die der junge Poet damals auf die Ge° lE^Eübte. So schuf er in seltsamster Zwillingsarbeit mit »^ ^ °^^^^bgengesetzten Johannes Schlaf jene Beispiele eines naturalrstlsch-rmpressivnistischen Stils, die stets merkwürdig ^'°en werLen,^ weil sie etwas Neues in unser Schrifttum brac^ r E 0 waren Las Wesentliche, als die Wieder- wcht gehörter, nicht gefühlter Einzel- hTnM* , Kein Satz follte heraus, „bevor er nicht färben- mn’nJf 9eii^wt?Ilc-n& womöglich duftend vor ihm stand". sLZ ea Melodie Les Regens, der flirrende Tanz der nA to r• siechen einer Fliege, sie waren sosinn- nfm ftt? X S,eseBen- -nan sie zum erstenmal zu erleben S ^ouung aller mitfchwingenöen Stimmungen, Des „Ambiente umhüllte die Stoffe selbst trotz ibrer Banalität mit einem hell flutenden Licht, das der Glanz des Lebens selbst zu tzin sch^. Das.war die „entscheidende Anregm-g^die Gerhart insseiner Widmung von „Dor SoMienausgang" erhal- V” t Me..^r ganzen Generation zugute tarn. Prosaerzcchlungen stärker als in dem Drama „Familie Seliae, das nn Dialog ein sehr feines Gehör für die a&Cr gat ^ine dramatische Kraft öte ^Erungen mit Hauptmanns ersten Dra- SmS.e «5-^‘fcnMbD-n ” a3or Sonnenaufgang" ist die Toni der ö-d E^ies reines Wesen in eine verrottete s 4 9 gestellt, m der ein Trunkenbold die Hauptrolle spielt- der Kontrast der 'LeihnaHtsstimmung ist ähnlich^herausgearbeitet möiX’mri^r e t'' Aber wo Holz-Schlaf menschlich reiche Züge grau in grau nebeneinanr.er setzen, gestaltet der bedeutendere Geist einfarbenftaftkges, dramatisch ergreifendes Bild. Nicht die Fa« ÄÄLm .ä“1“'“"'1* ®"‘ma «.ä äx“« ä sää Ä^en Disziplin, mit der er seine Keime entwickelt, feine Persönlichkeit erzogen hat. Zehn Jahre nach der „naturalistischen DhHf“Emooiyer Welt mit einer „Revolution der Tr™ X^?UE<:& &!cJr aU$ dieser Dichtungsgattung Len „großen Wen „Phantasus"-Heften gab, war jedoch keine neue *0l'.nc.‘-aber eine sehr gelungene Llebertragung seiner impres. ! r Uch?" Dsobachtungskunst auf die Lyrik, mit einem köstlichen -DJorllt^C0£n UItZ? phantastischen Einschlag. Durch dieses Sinn«, tole »um Gegensatz, in die klang, ^^en Lieder des putschen Rokoko versenkte, kam er, der tiefe yyV’s“'0 6 Kenner des Wortes, auf Spielereien, die ihn in seiner j^SJafntö zu etner bewundernswert geschickten Nachadmuna der 4 fVUtinem^ÄtS witC" außerordentliche Dokument da» fer ^ wahrlich em erratischer Mock in unserer Lyrik — ist di« Neuausgabe des Phantasus" (1916). Die einzelnen Gedichte sind hier mit einer ebenso bewundernswerten wie verwirrenden und Arno Holz. (Zu seinem 60. Geburtstag, 26. April.) Don Dr. Paul Lan da u. beutsche Literaturgeschichte hat eine besonLere Dorliebe für ^tmllche Kaiser und unglückliche Thronprätendenten. Immer wieder *5* {m ^llen Licht allgemeiner Anerkennung Stnfterni8 stoßen und einen neuen Gott tn ber Lebensarbeit eines Sana» olre Essings gesetzt wei-den. Für Lenz wurde der 6er h.nl Sencnimen, den Stil geschaffen zu haben, den I D Lethe der Welt offenbarte. Grabbe wurde als der eigentliche große DramatiLr gepriesen, für Len Kleist gilt. Letzten ln ^Lse Reihe. Man suchte nach hm h„Kl9^rUn^ Widerpart zu dem vom Glück begünstigten, ? A 5Ruhmesglanz umstrahlten Gerhart Hauptmann und fand ihn ln dem stets schlecht behandelten „Vater des deutschen Qta= turalismus der selbst leidenschaftlich für seine Prioritätsrechte beltänbin»d sich m ver Rolle des Märtyrers gefiel. Durch dieses ^lt ^br -Slr ^.^?teter! verkannten Genies gegen den „Günstlina rüd|6tfm^idrrk -rmT' ^.D^JeIb^ in ein Sana falsches Licht ge- X“’ kvllte ihn durch sich selbst wirken lassen. Er ist gewiß T "9«n3e.r Kerl , ein eigenwilliger, krafidoll-knorriger Einsamer ein gewalager Sprachschöpfer, eine urdeutsche Erscheinung wie wir deren nicht viele in unferm Schrifttum haben ^hn- kik11 r6 ätrE$auVtäniti[i<^e- energisch draufgängerische ?™^r- ®ln leidenschafllrcher Neuerer und Kämpfer, wirkt der Ost- Anfang an, gleich wie der Hecht in dem trübe und mit damaligen Literatur, einer, der es ernst nimmt, der den Dingen auf den Grund gehen will und unaufhaltsam vorwärts stürmt! Der Zwanzig- luhrige ist blind verliebt in den Klingklang der Sterne ator in ^nF^A^n9s°Ires? 93er'fe un& Strophen drängt sich dem scharfen ÄÄÄS“«1 *•M Ä »Kein rückwärts schauender Poei Geblendet durch unfahliche Idole, Modern sei der Poet, Ka Modern vom Scheitel bis zur Sohle." Es ist eins der sympathischsten Bücher aus der Frühzeit der da- nmligen „Moderne dies Buch der Zeit, prachtvoll jung derb bis Mm Gassenjungenton, abe/erquickend ton Ä toav^ ^I(e Fialen Mitleids getragen und ^.' etnem krafagen dichterischen Schwung. Ein ungezwungenes OkÜelt /a 1 . ~-1 ~l<~ eine neue ! den vermickerten" Großstadtfrühling mit seinen E^^E^feen, die dürftige Lichtstimmung des Hinterhauses das tragisch schwüle Treiben der Friedrichstraße bUI-eC 6«lndlosen Lärm der Fabrikviertel. Manche^dieser Eichte gehören hmite zum Bestände jeder Anthologie und werden l^iltur erbbe* bleiben für den Gefühlston einer bestimmten „^er eü genügte Holz nicht, neuen Wein in alte Schläuche zu hetzen, schmerzhaft peinigte ihn die unüberbrückbare Kluft zwischen vem, wa s er sagte und wie er es sagte. Er machte sich resolut frei wm allem Vergangenen und wollte an kein Gebot der Aesthetik ®° gebührt ihm das Verdienst, zuerst unter den nL,^5n«?^vmerii und Drängern über die Voraussetzungen einer seuen Kunst nachgedacht zu haben. Gr wunde zum Fanatiker eines „Es ist Jett." Georg v. Omptedavo'lvndete am29 März fein 60 Lebensjahr. Wir möch en ans d-ftfemAnlaß unseren Lesern eine Probe seiner reifen Erzählnngs- kunst versehen (seine Dächer sind in der Deutschen Derlagsanstalt, Stuttgart, erschienen) und wählen ein S.ück aus seinem legten Werke „Es ist Zeit", in dem er den Tiroler Aufstand von 1809 dichterisch behandelt. Sproß einer niederdeutschen, aus Holland stammenden Adelsfamilie, ist Ompteda sonst auf dem Gebret deS Romans der Sichler des deutschen Adels getoorbcn — nicht in irgendwie exklusivem Sinn, denn er ist sich des Wortes „Adel verpflichtet" stets bewußt gewesen und hat den sittlichen Maßstab dieses Wortes an die Menschen seines Standes angelegt. Dieser starke, aber nie sich vordrängende echische Gehalt hat nicht minder wie seine sichere Gestaltungskraft und frische Srzählerkunst dazu beige! ragen, Omp- tedas Werke im besten Sinn volkstümlich zu machen. 1863 in Hannover geboren, über ein Jahrzehnt dem preußischen Heer als Husarenoffister angehörig hat er dann ganz seiner literarischen Arbeit geleot bei der ihm der unermüdlich geübte Sport Ompteda ist wie manche seiner Werke bezeugen, vor allem ein großer Bergsteiger geworden - immer wieder verjüngende Erholung.bet. Im Weltkrieg hat er noch einmal als Offizier seine Kraft m den Dienst des Vaterlandes gestellt. Seit Jahren hatte er seinen Wohnsitz auf Schloß Winkl bei Meran gefunden: nun muß er, wie so diele seiner Schicksalsgenvf- fen, der Ausländsdeutschen, sich im alten Vaterland eine neue Heimat suchen. , \ Es ist Zeit" schildert ein drückendes Joch der Fremdherrschaft und den Aufstand der Bauern um es abzuschütteln — eine Lektüre, die gerade heute von tiefer Wirkung ist. Sn dem nachstehenden Kapitel „Weitzröcke" tauchen die gegensatzlrchen Gestalten des Wiener Generals und Hofmanns und des Bauernführers Andreas Hofer zum ersten Male auf. betäubenden Virtuosität ins Barock-Phantastische aufgeschwellt Welten und Himmel, Bekenntmsse und Ekstasen,, Spielereien und Bosheiten sind in dies »Bilderbuch ohne Bilder brneinstepsropft hineingehämmert, und Holz offenbart tabei eure UeW> gfelt der Einbildungskraft, eine überschwellende Fulle des Ausdimcks eme grandiose HäufilNg der Mittel, die ebenso den Reichtum wie die Verbohrtheit seines Talentes beweisen. Teuer unb toert tft un« aber diese Kunst gigantischer Maßlosigkeit, wert denselben Form-, Spiel- unb Bekenntnistrieb zeigt tote so manche kostbare urdeutsche Schöpfung, wie die wimmelnde Figurenwelt gotischer Dome, tote die sich in immer neuen Gestaltungen Dichtung Fischarts, wie Lvhenstems ungeheuerlich übersteigerter Etil uiid die von Anspielungen und Wschwel^ngen von Dstton und Wirklichkeit, Satire unb Traum durchwogte Stimmung Jean Pauls Seinem lyrischen Hauptwerk hat Holz ein ähnliches paro distisches Gegenstück in dem „Pandivinum Pandämonium und Pan Mysterium" der „Blechschmiede" zugesellt, ein »pAuckastis^s, orgiastisches Ton-, Bild- unb Wortmvsterium. das er auch einen ^gestürzten Wunderpapierkorb" nennt, ^dieser sehr amufan« len unb aeistdollen, aber verbitterten und überschrienen Abrech nuna eines bedeutenden Geistes mit dem Sinn unb W^M, Kultur und Wissenschaft, vor allem aber der Kunst und Dtchtung seiner Zeit, offenbart er skch als d^ temperamentvoll^ a^r g schmacklose Original, das nicht seinesgleichen hat, als der Meister !§r derben Pritsche, der „saugrob wie Luther seine klatschenden Schläge virtuos und übel legen auszuteilen weiß. - - , ’ Eigenwillig, maßlos, verschroben, aber zugleich konsequent, kraftvoll unb ehrlich ist Holz auch in^ seinen l^ten Dramew Mtt den bewußt als Theaterware geschaffenen Stücken ^^umulus ,ms. fiät er feine Begabung für szenische Wirrungen er wiesen. Auch seine „Sozialaristokraten", dieser köstlich beobachtete Ausschnitt aus der Berliner Boheme von einst, habe" Theater blut Bei seinen letzten beiden Tragödien, Sonnenfinsternis u Ignorabimus", in denen er wohl sein Lebenswerk geben wottw, überwiegt aber die Schwere des Naturells, die allzu, große Be lastuug mit psychologischem und Weltanschauungsstoff dre -Unaus- aeglichenheit und Geschmacklosigkeit seines Stils. Beidemal stesgert sich t>fe mühsam vorbereitete Katastrophe zum Schluß zu em tragischen Höhepunkt, der erschüttert. Doch der Aufwand ^r vorher verbrauchten Mittel steht dazu in keinem Verhältnis. Wir ebten unb bewundern das mannhafte Ringen, das ehrlic^Schas- ken dies^ Sechzigjährigen, der unser Schrifttum so bereichert hat, aberdie goldene Krone des Genies ixrnrögen tmrausseinwn Haupt nicht zu erblicken, höchstens den mit Dornen reich durchsetzten Kranz eines wackeren Kämpfers für Wahrheit und Schönheit. Ein Professor der Ehemie war damals in Deutschland so selten wie ein weißer Rabe, unb als er an der Landesuniver- sität Gießen diesen Posten bekleidete hatte er zunächst unendlich viele Vorurteile zu überwinden. Er schuf hier mit Hilfe her Darmstädter Regierung ein Laboratorium, an dem bie Studenten eine praktische Ausbildung erhielten. Was für eine R^ volution das bedeutete, davon bekommt man heute, wo man sich Chemie ohne Laboratvriumsarbeit nicht 'nehrvorstellen kamst eine fckwacke Vorstellung aus den Verteidigungsartikeln, die Lievlg schrieb. Er erzählt uns u. a., bajj im, Jahre 1838 zwei junge Preußen nach Gießen kamen, um Chemie zu studieren, da es m ihrem Lande keine Laboratorien gab und daß ihnen von der preußischen Regierung befohlen wurde, sofort zuruckzukehren und von einem so revolutionären Beginnen abzulassen. Allmählich aber setzte sich mit dem raschen Wachsen seines toissenschaftlichen Ansehens auch die Lehrmethode Liebigs durch, und hauptsächlich aus seine Forderung hin wurden die deutschen Universitäten mit Laboratorien ausgestattet, die bann zu hoher Äerw)llkvmmnung gebracht wurden. Liebigs Bedeutung'für die GMichte der Chemie liegt nicht nur in der Errichtung des Gießener Laboratoriums und der Einführung des chemischen Unterrichts, sondern in lewer Entdeckung neuer Tatsachen, in der Verbesserung der vorhandenen Methoden unb Apparate, in der Ausbildung der theoretischen ®bemieunb in ihrer Anwendung auf alle Lebensgebie.e, vor allem ach bie menschliche unb tierische Ernährung unb auf bert Ackerbau. Der Landwirtschaft brachte er mit seinen Düngemethoden Auf- fiärung über den Haushalt des Bodens, sein „ Jreischextrcht . der seinen Namen über bie ganze Welt trug, toar Ergebnis seiner Grnährungsforschungen. Um die VerbrA ung und Bckanntmachung feine/ Wissenschaft hat er sich ein unsterbliches Verdienst erworben durch bie lichtvolle unb spannende Darstellung lewer „Chemischen Briefe", die für bie populärwissenschaftliche Literatur Mbnbredjenb wurden. Mit Gießen sind seine größten Leistungen, ist der: Ruhm seines Namens verknüpft. Nur ungern entschloß er sich 18o2 ach das Drängen des Königs Maximilian 11. nach Munchem über zusiedsln, wo er bis zu seinem Tode gewirkt hat. »Sch habe mich verkauft" sagte er damals zu seinem Freunde Pettenkofer. Als er am 18 April 1873, drei Wochen vor seinem 7C Geburtstag, Erie Augen schloß, da war fein Name unb fein a&erl in alten Seilen der Erde als eines „Wohltäters der Menschheit bekannt. Aus Justus von Liebigs IugendLagen. (Zu feinem 50. Todestage, 18. April.) Der Todestag des größten deutschen Chemikers, des Begründers dieser Wissenschaft für Deutschlcmd, in der wirkte dm Welt vorangehen, Justus von Liebig, der sich am,18. April zum 50 Male jährt, lenkt unsere Blicke wieder zurück in sene Kindh^its taäe der chemischen Forschung, da der Chemiker noch als eine Art Alchimist und Goldmacher galt unb die Gründung eines wissenschaftlichen Laboratoriums eine unerhörte Neuerung ^^beutete. Liebt u faa das Experimentieren von Kindheit an tm Blut, unb er erbte diese bei ihm genial ausgebildete Kunst bereits von sein^ Vater der mit Farbstoffen handelte und allerlei Methoden nach- sann um seine Waren zu verbessern. Für bie Schule batte ber Heine Justus gar keinen Sinn und schmückte Mtanbig&ie lebte Bank so daß man ihn schließlich für „ganz untauglich erflärte unb ihn von der Schule entließ, weil er sich zuviel mit „Spielereien" abgab. Diese Spielereien waren seine naturwissenschaftliche" Versuche, unb die unternahm er mit größter Ausdauer.upb Kustn- beit tote er sie nur in erreichbaren Büchern beschrieben sand. Chemiker wollte er werden. Aber wo gab es .^wanden — abgesehen von dem fernen Paris, wo diefeWissenschaft damals bstihte , der ihn darin unterrichten konnte? Die einzige Form des Chemikers, die er kannte, war der Apothekewder ja als Mischer von Tränklein unb wunderlichen Mixturen dem Knaben der von ihm geliebten Geheimlehre am nächsten zu stehen schien., Sotrat er alfo als Lehrling bei dem Apotheker in Heppenheim m der Nahe seines Geburtsortes Darmstadt ein, merkte aber bald &en großen Anterschied, der zwischen dem gelehrten Studium und der beschrankten praktischen Anwendung bestand und kehrte entwiuscht nach zehn Monaten nach Hause zurück. Er war damals noch in rmturphilv sophischen Anschauungen befangen und schwärmte für ©cbell t ng, von dem er später gesagt hat. er sei ihm für feine Laufbahn sehr schädlich gewesen. Während seines Studiums in Bonn und Erlangen gründete er unter den Studenten naturwisstnschastliche unb chemische Vereine unb machte in Erlangen seinen Zwktor Die Freigebigkeit des Grvhherzogs von Hessen gestattete »m, seine chemischen Studien in Paris fortzusetzen SeiM Erstlmgs- arbeit über das Knallgas erregte tos Aufsehen der gelehrten Welt und brachte A l e x a n d e r v o n H u in b o l d t mit dem iun- aen Forscher in Verbindung. Humboldt, der Förderer aller Wissen schaftm, brachte ihn zu dem großen Chemiker Gay-Lussao, m dessen Privatlaboratorium er nun wirklich rn b-" b»r neuesten Weitzröcke. Es ist soweit: der Schatler kommt mit den Weißröcken Ms es Nacht geworden ist, ziehen sie in Sterzing ein Bald klopft s an allen Häusern und Gaststätten: „Gut Freund! Macht au ! Die “ -** “1 BTJSfÄ« »ÄÄ & -!- - j 1 ( ( ? s I t t s 8 s T t r b 5 < e £ v £ C t t 1 i 1 I ! । 1 i l t > 8 t 1 t c t t r > 2 c ti e Friedrichs d. Gr. Flöte und Bachs Klavier. (Kostbarkeiten der Berliner Sammlung.) Die Sammlung alter Musikinstrumente bei der staatlichen Hochschule für Musik zu Berlin steht, was die Zahl der vorhandenen Instrumente betrifft, an der Spitze aller «Sammlungen europäischer Tonwerkzeuge. Die Zahl der Musikinstrumente beträgt etwa 32 0 0, von denen nur etwa 250 außereuropäische Stücke sind. Aber nicht nur die einzigartige Zahl der Gegenstände verleiht dem Museum seinen Wert, sondern es bietet auch ein Studienmaterial dar, tote ihm der rote «Saft aus allen Spundlöchern fährt. Fährt schon. — ®iner Pfeift laut zwischen Len Zähnen, die Finger im Maul. Schreit: »Sie kommen!" Keiner sieht etwas. Aber sie stellen sich auf die Zehen. Aun sind die langen Lackl obenauf und die halb- ausgebackenen Dürschel haben nichts zu schauen, als den Buckel vom ,Vordermann. Gehör hilft: Hufe klappern. Sie kommen, meiner Seel, kommen die Drennerstratze herab. Die Weißröck', die Kaiser- Ilchen! Fremde klopfen einander auf die Achsel. Erzählen sich's, dav ste da sind. Etliche wissen schon genau, wieviel ihrer sind Ganze Regimenter. Die ganze Armee. „Bivat unser Kaiser Franz!" Run steht man sie. Voran ein Offizier. Dann Dragoner. Freilich nur vier... sechs... sieben. Aber einer aus der Menge weiß: »'s ist erst das Pikett!" Schon hat man sie mit Blumen beworfen. Woher? Wer mag's wissen. Sind Blumen. And wenn sie zu Boden fallen, kriechen Bub oder Dirndl zwischen die Hufe und heben sie wieder auf. Dann fliegen sie noch einmal mit ein bisserl Dreck. Schadt nichts, sind eh staubig die Dragoner, vom Marsch. Die Menge streichelt dir Rösser. Eins mag's nicht leiden: bäumt. Aber wenn auch etliche kreischend davvndrängen, bald hängen soviel am Zügel, Laß der Gaul nimmer steigen kann, das arme Vieh. Fix Laudon, die Infanterie! Gleich fallen sie über die Verdutzten, Bestaubten her: ,,Wv sind die Falotten — Tot?" — „Alle tot s“ „Gut ist's!" And die einfachen Soldaten, nicht eben jeder em Held, kommen sich vor wie mindere Heilige. Als nun gar wieder einige daherreiten, werden die Rösser umhalst und geküßt. Haben alle den Berstaird verloren. Da ist eine Lücke: Teifel, wer mag das sein, der so ganz alleinig reitet auf dem schönen Schimmel, einen Dreispitz über dem langen, feinen, abgebarteten Gesicht? „Der Schatler! Der Schat- ler!" Vom guten Kaiser Franzl ist er eigens hergrschickt, um das Landl zu befreien. Eine ganze Armee bringt er mit: „Bivat! Vivat!" Die Weiber fallen schluchzend über ihn her, ja eine küßt des Rosses langen Fasanenfchweif, und das edle Tier hält still. Der Ennemoser, Mühlthaler von Patsch, vom Glücke trunken, wer weiß, ob nicht auch von Traubenblut, verdreht die Augen wie im Krampf und schreit: „Bist gar der Kaiser? Vivat! Sollst leben!" Und er ist der seligste Mann in Tirol, heut', wo doch das Glück nur so in Strömen auf der Gasse rinnt, daß man's möcht' aufklauben. Angeprüft geht's zu den Ohren herein, vermehrt sich in erhitzten Hirnen, und, schon Gewißheit, entladet es sich bei den Weiberleuten, indem sie, entlastet von Alltagsschicklichkeit, befreit von der Angst vor Plünderern und gereizten Soldaten, umschlagend aus banger Zurückhaltung zu wildem Aeberschwang, alles umarmen und abbusseln, was sich ihnen naht: so Kind als Greis, so Buben wie Dirndln. Ha, eine nimmt gar einen wenig liebenswerten Wauwaumischling beim Kopf und küßt ihn auf die nasse Schnauze. Dann aber kommen die Sieger an die Reih, wenn sie auch im Landl noch nichts besiegt. Verdutzt über all das unverdiente Glück, im dicken Loden, keuchend unter schwerem Gepäck, müd vom langen Marsch, erfroren vom Schneegestöber droben auf dem Brenner, nehmen sie Flaschen, ihnen hingehalten, und tun jeder einen vollen Zug, stecken Blumen an, halbwelk schon und beschmutzt. Hüte saufen in die Luft. Raufen gibt's um's Wiederfinden. And die Dirndln tanzen. Drehen sich ganz allein selig im Kreis. Plötzlich aber wird's ihnen zu dumm, und sie gehen eingehängt mit den Soldaten, lassen sich busseln, die Augen geschlossen, die Lippen naß geöffnet. And da es der Soldaten gar nicht viele sind, die der Kaiser nur hat schicken können, weil er doch in der andern Welt die großen Schlachten schlagen muh, so find's nun noch einmal so viel. Vor ihnen reitet der Schatler und lächelt und winkt. Kommt sich erstaunlich vor, der alte Offizier, unter den Rebellenhaufen, die doch die Arbeit schon getan für ihn und feine Soldaten. Denkt im tiefen Innern feiner Marquis-Feldmarschalleutnants- und Philosophenfeele: „Volksgunst, Hetze. Vvlksgunst!" nimmt sie aber an im eigenen Ramen, und für den kaiserlichen Dienst, und für feinen hohen Herrn. An der Wache lösen die Soldaten allsogleich die Lackl ab. Ruhig gehen die Bauern ins Wirtshaus, sich einen einzutun. Der Schatler aber teilt Landstürmern Mjd Stadtvätern mit: er hat die Kvmmandogewalt übernommen. RUn ist ein Herr in Innsbruck statt ihrer zehntausend, statt vielleicht auch keinem. Erzählt, wie er in Sterzing den Hofer Ander getroffen, und von der Tapferkeit der P'fseirer, und von des Sandwirts langem, schwarzem Bart. Sie lauschen voller «Staunen. Sandwirt? Kennt ihn Wohl dieser, jener, doch die Menge reißt die Ohren auf: Sandwirt? P'fseirer? Südtirol? Sein 3nn tatet, Oberländer! Ist gleich: Tiroler alle. Gott erhalte, Gott segne das Land Tirol! Rehmen die Hüte ab wie zum Aveläuten und sprechen Amen. her Feldmarschalleutnant ins Wirtshaus tritt und dasteht in der goldbestickten Generalsuniform, der Marquis Johann Gabriel von Chasteler-Courcelles, mit dem hohen Kragen, darein das lange, vornehme Gesicht bartlos sinkt, will das Cenert gar nicht aus dem Gastzimmer hinaus, das Essen anzuschaffen, immer muh es all den Glanz anstaunen. Ist auch nicht stolz, der hohe General, nein, er spricht mit einem jeden, streicht dem Lenerl die Wange, daß es schnell gehen soll mit dem Essen, denn die Herren haben einen grauslichen Hunger. Wie nun der Schatler dasitzt, drängen sich drauhen auf der Gasse an den Fenstern die Leut', Hände an den Scheiben, zu sehn, wie er ausschaut, der Kaiserliche Feldmarschalleutnant. Ja. solche, die nie dem Wirt einen Kreuzer zu lösen gegeben, treten ein und trinken ein Viertele, ein Wörtlein zu erhaschen, was er sagt. Ms nun die Wirtin dem General erzählt vom Karnpf auf dem Moos, und daß der Sandwirt noch in der Stadt weilt mit feinen P'sseirern, schickt er seinen Adjutanten, ihn zum Rachtessen einzu- laden. _ Wenige Minuten sind verstrichen, La tut sich die Tur auf. Tritt der Ander! ein im riefengrünen Hut, behält ihn auf, nach Dauernart. Da fährt der hagere General empor: hat nicht gewußt, bah es so einen gibt im wilden, fernen P'sseier. Run stehn sie einander gegenüber: der Schlanke mit dem feinen, glatten Marquisgesicht und der gewaltige Bauer im langen, schwarzen Bart. Wie die schmale, weihe Hand, die sonst den Handschuh trägt, in der großen, roten Bauernsaust liegt, beugt der Sandwirt nicht einen Zoll den steifen Tirolernacken, aber der Marquis verneigt sich. Höfische, wie Offizierssitte haben's ihn so gelehrt. «Stumm schauen sie sich an Wird dem Ändert nicht leicht, vor dem Herrischen ein Wort vom Mund zu lassen, während er kein Übles Redhaus hat, wenn nur der Rechte dasteht, etwan der Zwölfer oder gar der Spöck, wo er reden kann, wie halt die Lackl reden. Auch der Marquis weiß nicht, was sagen, im ersten Augenblick. Mit einem Bauern kann man ja nur vom Vieh sprechen, vom Hof und von der Ernte, von der Messe und vom Wetter. And die zwei blicken sich, nicht ohne Bewunderung, ja Wohlwollen an. Doch der Feldmarschalleutnant findet 6a8 Band. Besorgt, die Bauern zu loben, wie's Erzherzog Johann geraten hat, sagt er: „Ihr seid Helden! Wahre Helden! Ihr habt gefochten wie die Schweizer bei Sempach!" Sempach? Davon ist dem Anders nichts bekannt, und er schaut wesenlos drein. Als er aber die Aufforderung erhält, nieder- zusitzen, dankt er geschmeichelt; das Rachtessen, sagt er, hat er freilich sich schon eingetan. Doch ein Glaset Wein wird er nicht verschmähen, denn der Wein ist eine Gabe Gottes. And sie reden, reden vom Landl, immer vom Landl. Hetzt erst geht dem Ändert der Mund auf, ja, bald ist er heimisch, als säßen sie mitsammen im Herrgvttswinkel am Sand. In Innsbruck aber stürmen nachts wieder die Glocken: der Feind, heißt es, kommt den Brenner herab. Tiefes Dunkel in der Stadt, Kotlaklern und Hallodri ein Fest. Stimmen grellen: „Licht! Licht an die Fenster!" Kerzen erscheinen hinter beit' Scheiben. Immer mehr Lichtlein blinzeln auf. Bald strahlen ganze Stockwerke als sei Victorilicht und Vivatbeleuchtung. Aber ist blinder Lärm und wie die Lackl zum Berg Jsel geströmt, daher alles Glück und Anheil kommt, so fluchten sie nun zurück: „Sakra, sakra, die Aachtruh ist hin!" Die kleinen verschlafenen Dirndln und Buben, die sich im Bettlein aufgerichtet, weinend, weil sie nicht wissen, was ist, müd' und daher ungezogen, legen sich wieder schlafen Sakra, sakra!" die Lackl löschen das Licht. Innsbruck ist neu in Rächt versunken, Mentscher, Roher, Teigaffen, Laschen und Hallodri gehen um. Wann wird endlich Frieden einkehren in die verwilderte Stadt? Sobald es tagt, heißt es: der Schatler kommt, denn tote die Erde sich näßt in weitem Amkreise, ehe denn ein Damm bricht, so dringt das Gerücht in die Stadt. Da läuten alle Glocken auf allen Türmen. Stürmen nicht: „Es ist Zeit!", drohen nicht, „Feind im Land!" klagen nicht wie das Zügenglöcklein nm eine arme Seel', die heimgefunden nach langer Jrrsal aus dem geknechteten Land Tirol, nein, sie läuten Glück und Vivat, lachen und singen, die Glocken von Innsbruck der Stadt. Fragt keiner mehr, wer ist verdächtig — sind alle Tiroler. Wie herrlich es auch gewesen ist, wie die Lackl die Landfremden aus der Stadt geworfen haben, der Bürger ist doch nicht einen Augenblick zum wahren Glück gekommen. Ist die Sonne untergegangen, freut dich der Mond, spannst aber doch, daß die alte Sonne wieder scheint: die Kaiserlichen kommen. Auch die rechtlichen Dauern freuen sich. Sind nicht in den Kampf gegogeu zu Plündern und Beutemachen. Sind fort von Haus und Hof fiir die heilige Religion; zu ihrem Schaden, denn der Fuß des Herrn ist der beste Dünger auf dem Acker. Teifel! ist das auf der Wiltaner Straße ein Laufen und Ge- dräng, daß die entsetzte Mutter das Buberl auf den Arm nimmt, nur daß es nicht erdrückt werden mag. Rote Köpfe haben sie vor Erwartung und Glück. Sprechen alle immer die gleichen Worte: „Komrnen's schon?" Fragen und sind doch eben noch selbst befragt. Schrein und Huchzen. Hält sich einer dennoch die Ohren zu, fängt er gleich selber an zu brüllen. Einen Dieb haben sie erwischt, der die Hochstunde seines Volkes ausnutzt zu seinem schmutzigen Geschäft. Aber der Kumpeter Ratzi haut ihm eine über den Grind, daß der Hallodri liegen bleibt. Hinterdrein erst sagt der Ratzi freundlich, 's könnt' sein, er wird ihm eine Waschen langen, daß — 64 — eS in gleicher Vollständigkeit sonst nirgends vorhanden ist. Der verdienstvolle Leiter der Sammlung, Prof. Dr. Curt Sachs, hat nun im Verlag von Julius Bard zu Berlin einen ausführlichen beschreibenden Katalog erscheinen lassen, der uns die Reichhaltigkeit der Sammlung so recht vor Augen führt. So besiht das Museum eine Fülle einzigartiger Zeugnisse aus der Frühzeit der modernen Instrumentalmusik. Dahin gehört das große Blasinstrumentarium der Raumburger Stadtpfeiferei aus dem 16. Jahrhundert, in dem Daßflvten, vollständige Chöre von Krummhörnern und Pommern, die einzige bekannte Zugtrompete, sowie ein Doppel- chor der einzigen vorhandenen Rauschpfeifen erhalten sind. Sodann gehören zu den größten Seltenheiten italienische Spinette und Kielflügel des 16. Jahrhunderts, eine Prunktrompete von 1523, 12 Klavizimbel Antwerpener Klavierbauer, die int 1Z. Jahrhundert die Führung hatten, 4 der berühmten Silbermann-Klaviere des 18. Jahrhunderts usw. Diejenigen Kostbarkeiten der Sammlung, die aber dem Publikum den größten Eindruck machen, find die Instrumente, die früher großen Musikern gehörten und auf denen gleichsam noch der Geist dieser Genies ruht. Auch in dieser Hinsicht steht die Berliner Sammlung neben denen von Brüssel, London, Paris und QBien in vorderster Reihe. Die Tonwerkzeuge, die von großen stlkännern wie Friedrich dem Großen, benutzt wurden, auf denen Meister wie Bach, Weber, Mendelssohn ihre unsterblichen Werke schufen, sind nicht nur Kuriositäten, sondern teure, ehrfurchtgebie- tende Andenken, die auch für die Erkenntnis des musikalischen Stils ihrer Besitzer überraschende Aufschlüsse zu bieten verntögen. Wohl niemals sonst in der Geschichte ist ein genialer Feldherr und Herrscher so musikalisch ausgerüstet in den Krieg gezogen wie Friedrich der Große. Seine Flöte und fein Aeiseklavier begleiteten ihn auf seinen Feldzügen in Schlesien, Sachsen, Böhmen und Mähren. Der Sieger von Soor ließ sich von feinem Kammerdiener Fredersdorf sofort eine neue Flöte schicken, als ihm die Oesterreicher die alte mit seiner „ganzen Equipage" Wegnahmen. Auch während des Siebenjährigen Krieges blies er in den Winterquartieren feine lieben alten Sonaten und ließ sich einen Klavierspieler zur Begleitung kommen. Eine Flöte Friedrichs des Großen aus Elfenbein befindet sich in der Berliner Sammlung: sie besteht aus einem Kopf, der das Monogramm des Königs trägt, aus 8 Mittel-, 2 Herzstücken und 2 Füßen. Die Stücke stehen in einem kostbar geprägten ockergelben Lederkasten französischer Arbeit mit gravierten Messingbeschlägen. Auch Friedrichs Reiseflügel ist uns erhalten, eine Pariser Arbeit, aus Rußbaum gebaut, rot lackiert und mit Gold verziert. Das Instrument läßt sich der Länge nach in drei Teile zusammenklappen und daher leicht befördern. Roch kostbarer als dieses Instrument eines großen Mannes, dem die Musik die schönste Erquickung seiner Mußestunden war, ist der Kielflügel Johann Sebastian Bachs, ein schmuckloses Instrument aus Kiefer, dessen einzige Verzierung das eingelegte Dorsatzbrett ist. Der Flügel stammt aus dem Nachlaß eines Sohnes des „großen Bach", des genialen, aber leichtsinnigen Wilhelm Friedemann Dach. Dach besaß diesen Flügel, dessen majestätischer Klang uns seltsam ergreift, in seiner reifsten Zeit, und er ist ein überaus wertvoller Zeuge für Dachs Klavierkunst und Dachs Klavierstil, die durch ihn unmittelbar lebendig werden. Zwei Instrumente der Sammlung werden mit dem teuren Rainen Mozart in Verbindung gebracht. Es ist aber fraglich, ob die Salzburger Violine von 1695 wirklich von dem Wunderknaben gespielt wurde, und auch bei dem von Schmahl verfertigten Taselklavier in Form einer liegenden Harfe, das aus Mozarts Desitz her- rühren soll, läßt sich diese Herkunft nicht einwandfrei nachweisen. Aus Beethovens Besitz stammen mehrere Streichinstrumente, eine Violine, eine Bratsche, ein Violoncello. Der Hammerflügel Karl Maria von Webers, ein einfaches Wiener Instrument aus hellem Rußbaum, wurde 1881 von Webers Sohn Kaiser Wilhelm I. vermacht und von ihm der Sammlung überwiesen. Roch unmittelbaier persönlich berührt uns Webers Guitarre jaus Ahorn mit Ebenholz- und Perlmuttereinlagen. Sie ist ein Geschenk der Enkelin Webers, der Frau Ernst von Wildenbruchs, und trägt unten in der Ecke ein eingelegtes großes B, den Anfangsbuchstaben der Schenkerin, nämlich der Braut Webers, Caroline Brandt, die ihn mit dieser Guitarre erfreute. DerH a m m e r» flügel Mendelssohns, ein Londoner Fabrikat mit dem handschriftlichen Ramen des Pianisten Moscheles, der das Instrument in Crards Fabrik für den Komponisten aussuchte, steht neben dem Hammerflügel Meyer beer s, der von dem Pariser Grard stammt. Don dem Schöpfer der „Hugenotten", der viel unterwegs war, sind auch zwei Reiseklaviere vorhanden, eins aus Mahagoni und eins aus Palisander, dessen Deine abschraubbar waren. _____ Menzel und die Kochkunst. Bildende Kunst und Kochkunst sind schon gar manchmal in der Kunstgeschichte eine Verbrüderung eingegangen. So war der berühmte Koch des Grafen Zinzendorf ein in seiner Zeit angesehener Maler. Claude Lorrain empfahl sich durch seine Küchenkenntnisse dem römischen Maler Tasso, der ihn als Koch annahm und zugleich seine künstlerische Ausbildung leitete. Der später so berühmt gewordene Landschafter hatte feine kulinarischen Fähigkeiten von seinem Vater geerbt, der aber die Begabung seines Sohnes recht gering einschätzte und verächtlich erklärte, er habe es nie soweit gebracht, eine gute Pastete zu bereiten. Canvva hat bekanntlich die Aufmerksamkeit des Senators Salieri, der für seine Ausbildung sorgte, dadurch erregt, daß er, bei dem reichen Herrn als Küchenjunge angestellt, für dessen Tafel einen Löwen höchst naturgetreu modellierte. An solche Beispiele erinnert Dr. G. Lenz in einem Aufsatz der „Bergstadt", in dem er auf eine bisher wenig beachtete Beziehung. Adolf Menzels zur Kochkunst hinwies. Es handelt sich um die Vorlagen, die der große Meister für die Hauptstücke eines Tafelgeschirrs entworfen hat, das zur Silberhochzeit des damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm 1882 von der Berliner Porzellanmanufakiur angefertigt wurde. „Die Geschichte des Ornamentes," sägt Lenz, „kennt irn 19. Jahrhundert nichts Geistvolleres als diese mit kapriziöser Erfindungsgabe und virtuoser Technik hingeschriebenen gastrologischen Phantasien des großen Meisters. An die Bestimmung der Schüsseln und Gefäße anknüpfend, für deren Bemalung die Vorlagen verwendet werden sollten, hat der Künstler die Bestandteile und Zutaten verschiedener Gerichte zu reizvollen Trophäen vereinigt. Er läßt uns hier ge- wisserinaßen das Vorspiel erleben, das in Küche und Keller den einzelnen Akten des in einem festlichen Mahle sich vollziehenden Dramas vorausgeht. Den .Unterfaß der Suppenterrine schmückt ein Spargel, auf dem eine Schildkröte und ein gesottener Hummer liegen, und der mit Hahn und Taube und allerlei Suppen kraut, Schoten, Karotten, Erbsen sich auf eine Suppe vorbereitet, für deren Wohlgeschmack somit alle Voraussetzungen gegeben sind. Auf den Deckeln der Terrinen, die dieses köstliche Gericht aufnehmen sollen, sind allerliebste Putten im Kampf mit Fliegen und Wespen, den zudringlichen Suppenschmarotzern, dargestellt. Auf der Fisch- schüsfel halten Putten, die als Fischer gekennzeichnet sind, ein Retz, in dem allerlei Seeungeheuer gefangen sind, und ein Krokodil, auf dessen Rücken mit Schilflranz, Dreizack und Muschel ein feister kleiner Poseidon thront. Die Wildschüssel, die „Wonne unserer Tafeln", ziert eine leckere Wildpret-Trvphäe, auf die ein als St. Hubertus kostümierter Putte mit Jagdspieß und Jagdfalken, von zwei Jagdhunden geleitet und von Jagdgeflügel umschivärmt, triumphierend heraufklettert. Das Ornament der B.atenschüssel zeigt einen Ochfenkopf, der mit den schönsten Tafelgemüsen „garniert" ist, umgeben von Putten, die als lustige Küchengeister an einem Bratspieß turnen, als Kellermeister das Kellerlicht und den Weintrichter schwingen oder als Koch mit fettverklärtem Angesicht die Kelle und die Bratpfanne führen. Aus der Früchtfchüfse! endlich tragen ein Reger und eine Negerin eine Ananas, in deren Blättern ein exotischer Märchenprinz steht." Die Originalskizzen Menzels, die in Wasser- und Deckfarben ausgeführt sind und entzückende Kunstwerke darstellen, befinden sich in der Berliner Nativnalgalerie. Leider hat Menzel nicht auch die Randverzierungen für das Tafelgeschirr entworfen, und so wurde dafür ein Rokokogeschirr aus fridericianischer Zeit nach- gsahmt, das zu den Menzelschen Vorlagen ganz und gar nicht paßt. Aus diesen mit feinstem Geschmack und geistreichster Erfindung geschaffenen Arabesken der Kochkunst darf man nicht den Schluß ziehen, daß die kleine Exzellenz auch ein großer Verehrer der Küchengenüsse gewesen sei. Die Arbeit ging bei ihm dem Essen vor, und Paul Meherheim erzählt in seinen „Erinnerungen", welcher Kriegslisten und .Ueverredungskünste es bedurfte, um ihn von der Staffelei an den gedeckten Tisch zu locken. Schickte man ihm ein gutes Frühstück ins Atelier, so war das ganz vergeblich, denn er ließ es unberührt stehen oder wurde von den malerischen Reizen der Gerichte so ergriffen, daß er sie abzeichnete. Seine Angehörigen konnten es erleben, wenn et nach langem, vergeblichem Warten endlich in Sicht kam und die Suppe aufgetragen wurde, daß er doch noch nicht erschien, sondern zunächst einmal seine verstaubten Stiesel und die umgekrempelten Hosen abzeichnete. Bei Festessen, an denen er teilnehmen mußte, widmete er feine größte Aufmerksamkeit den Menukarten, die er mit Zeichnungen bedeckte. Ein Grabstein der Familie Knoblauch im Kloster Arnsburg. Eine treffliche Darstellung des Klosters Arnsburg bei Lich bieten die Hessischen Kunstdenkmäler, Kreis Gießen, II. Teil, Darmstadt 1919, verfaßt von Heinrich Walbe und Karl Ebel. In einem „Anhang" zu diesem Werk behandelt Victor Würth die Grabsteine, die im nördlichen Seitenschiff sich befinden. Don einem dieser Denkmäler sagt Würth (S. 94): „JmoberenDrittelgestürzterSchildiDreiFrüchts — Mohnköpfe (?) — im Dreipaß stehend an gefedertem Stiel. Das Wappen ist noch nicht gedeutet. Keine Jnschrift.“ Dieses Wappen ist indessen nichts anderes als dasjenige der Familie Knoblauch: es ist ein redendes Wappen: Al- lium sativum. Wir verweisen auf S. 177 jenes Denkmälerwerkes, wo ein Auszug aus Kindlingers Sammlung geboten wird und wo wir lesen (Nr. 40, Anmerkung 42): „Insigne huius modi: Allium oder Knobelach per modum crucis transversum.“ — 3m übrigen machen wir darauf aufnterffam, daß bereits bei RveSchen, Wanderung durch die nördliche Wetterau, Gießen 1897, S. 68, das Wappen richtig gedeutet wurde. Dr. QL QL Schriftleitung: August Goetz. — Druck und Verlag der Drühl'fchrn Univ->Buch. und Steindruckeret, R. Lange.