Samstag, 19. Mai TUI 1923 — Nr. 20 W Ä ®crmani$mu|, eine Befreiung bei' alten römisch-galli- t^rn f ,^nm^EUn^ i3sn Ooche der germanischen Eroberer oder F^udaladel gewesen Sn diesem Sinne haben sie ^b, v ^®ttnnesUn9Crn 811 verrannen gesucht, in ihrer neuen altromlschen stlepublik, des Senats, der ?“ diesem Sinne verfuhr auch Na- 5rt«n b™ altrömischm Smperatocen den eroberten Indern die ältesten Namen Lrgurien, Cisalpinien, §e[betien, Bel- gten, BataviM usw. wiedergab. Napoleon verfuhr dabei Eon» ^ubSitaner aber hatten getoiß unrecht, sich für die mnrs auszugeben, da Gallien dieselbe nie» Ie^nnt hat sondern erst unter die römische Herrschaft kam als r ie Freiheit schon zu Grabe getragen war. ' Durch die Römer wurden die Gallier aller Freiheit beraubt, entnafionalisiert, entnervt. Erst durch die deutschen Eroberer erhielten sie bte Freiheit wieder und wurden ihre Sitten verbessert o ..Ib^rend es den Römern gelang, die Gallier in sehr kurzer und vollkommen zu unterjochen, gelang ihnen der gleiche Der- such bei den Germanen nicht. Die Germanen oder Deutschen bet» rKmHA.AÄ*" "-^"Abhängigkeit gegen alle Angriffe des 8U behaupten und fetzten den Kampf gegen ?oms Uede"nachi unermüdet sunfhiurdert Jahre lang fort, genau in derselben langen Zeit, m welcher die Gallier die Sklaven Rom» waren. Endlich flegten die Deutschen, zertrünmierben das römische Reich und eroberten unter anderem auch Gallien. Die Niederlassung deutscher Eroberer tu ihrem Lande war sehr ein Gluck und Heil für die Gallier, als früher die Niederlassung der Romer ein -Unglück und Unheil für sie gewesen ®u^> bie Römer hatten sie die Nationalität. die Selbftändig- keli. die Freiheit, die guten Sitten und gesunde Existenz verlorcm durch die Deutschen erhielten sie dieselben wieder. Erst durch die Vermischung der sklavischen und in Laster versunkenen Bevölkerung Mit den freien und kräftigen Franken, Goten und B raundMl kam wieder gesundes Leben in die Bevölkerung Galliens, ein neue« Nativnalgefühl, eine neue Volkssitte, gegründet auf die Ehre t;nd em neuer Rechtszustand, gegründet auf die Freiheit. Die .Unterworfenen wurden schonend behandelt und erhielten Rechte, die sie mnter den Römern nie besessen hatten. Bald nahmen sie an all«. Rechten der Eroberer lind an den Staatsämtern reit'. Bald lebten fie sich ein in die verfassungsmäßige Freiheit, die ihnen die Franken gebracht hatten. Nicht bloß Franken, auch römische Gallier erschienen auf den Märzfeldern und saßen im Rat der durch Wahl und Dertvag gebundenen konstitutionellen Könige. Mit Recht sagt daher Montesquieu, die Freiheit fei ein Geschenk, das die Franken aus den germanischen Wäldern nach Gallien gebracht hätten. Aber dieses so schöne und wahre Wort Montesquieus suchen die heutigen Franzosen zu vergessen und wollen nicht daran erinnert sein. Gallien erfuhr noch mehr Wohltaten von den Deutschen Zu Anfang des achten Jahrhunderts eroberten die Mohammedaner Spanien und drangen in unermeßlichen Scharen über die Pyrenäen Noch war das neue fränkische Reich in Gallien nicht völlig gereift’ Soweit bie römische Zunge gesprochen wurde, halte die germanische Tüchtigkeit noch nicht alle Erschlaffung besiegen können. Darum unterlag das westliche Frankreich dem Halbmond und wäre gänzlich unterworfen und zum Islam bekehrt worden, wenn es nicht durch die Heereskrast der Aheinfranken, Schwaben, Bayern und Thürin» ger wäre gerettet worden. ' MolLke gegen PoinearL. Sn seiner jüngsten Hetzrede, die Herr P vincare (am letzten Sonntag) gehalten hat, beschäftigte er sich unter anderem auch mit dem Denkmal im Teutoburger Wald, und er bringt das Kunststück fertig, auch die große Entscheidung, deren Erinnerung durch das Denkmal festgehalten werden soll, in gehässigster Weise zu entstellen und daraus abzuleiten, daß Frankreich Ursache habe, sich Über die Varusschlacht zu beklagen und Deutschland mit Vorwürfen wegen dieser entschribenden Waffentat zu überhäufen. Es verlohnt sich wohl kaum, mit dem Advokaten Poincarä, der die geschichtlichen Tatsachen immer so zu sehen weiß, wie sie ihm in seine Hetzpropaganda passen, darüber historische Untersuchungen anzustellen, was die Schlacht im Teutoburger Wald für unsere Geschichte bedeutet. Es ist aber doch von Snteresse, die Meinung eines Mannes zu dieser Frage zu hören, der später in entscheidender Stunde in das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich- stark mitbestimmend eingegriffen hat und der zu einem ganz anderen Ergebnis kommt, als der Mann, der heute in Frankreich die Geschäfte führt. Daß die Darlegungen Moltkes (»Die westliche Grenzfrage", Verlag von G. S. Mittler u. Sohn, Berlin) dreißig Jahre früher geschrieben worden sind als der große Heerführer in der Auseinandersetzung mit Frankreich unsere Sache zum Erfolg führte, erscheint heute ganz besonders bemerkenswert. Die Gallier, die ehemals das Land bewohnten, welches jetzt Frankre ch heißt, wurden um die Mitte des ersten Jahrhunderts vor Christo durch den großen Cäsar überwunden und all ihr Land dem römischen Reiche einverleibt. Don da an blieben sie fünf- ^unhert Catjre lang .Untertanen der römischen Kaiser, nahmen rö- mische Sprache, Sitte, Religion, Wissenschaft und Kunst und zugleich alle Laster der späteren Kaiserzeit an. In demselben Zeitpunkt, in welchem Gallien den Römern unterworfen wurde nahm die altrömische Republik ein Ende, begann das despotische 'stufenweise sich verschlimmernde Regiment der Imperatoren Am Ende dieses Zeitpunktes teilte Gallien das Elend der Sklaverei und die tiefste Entsittlichung mit allen anderen römischen Provinzen Geistliche -und Profanschriftsteller jener Zeit, deren Werke auf uns ae- • kommen sind, wetteifern, uns davon die empörendsten Schilderungen Zu nmchen. Insbesondere klagen sie über die unsinnige Theater Wut der Gallier, die mitten im Mord und Brand der Völkerwanderung auf den Ruinen ihrer Städte immer noch nach Schauspielen schrien Tlnd die Frivolität der Sitten war so groß, daß alles der zügellosesten Lust frönte ohne Rücksicht aus Alter und Bande des Blutes. Don politischer Freiheit und Würde war so sehr jede Spur verschwunden, daß selbst bei der Auflösung des Kaiserreichs iein Stand, keine Korporation sich vorfand, die ein neues politisches Gebäude hätte gründen können oder wollen. Es gab nur noch Sklaven, die an wenige reiche Satrapen verteilt waren. Wir glauben, diese Tatsachen deshalb voranstellen zu müssen, weil die Franzosen seit dem vorigen Jahrhundert sich in der M» msivn gefallen, sie seien die direkten Nachkommen und Erben des «tttlten Republikanismus. Sie behaupten, ihre Revolution sei eine Wie^rherstellung jener antiken Bürgerfreiheit, eine Reaktion deS «mokratlschen Romanismus oder Latinismus gegen den aristo» — 78 - um um um um 8 jlßr vormittags, T3 Mr nachmittags (im Winter um 2 W) und 9 Ähr abends. Eine Bekehrung. Don Martin Andersen AexL. (Schluß.) MM und anher Atem kam sie vor der Hütte am llA-ldranA an Drinnen in der Stube sah die sehr lunge Mutter im Bett uM ^suchte zwei neugeborenen Bübchen Kaffee einzuflohen, wahrend di» Waldwärtersfrau herumlief und über das Ängereimte murrte, dah es gar noch Zwillinge seien, wo doch schon eines von der Art mehr als genug gewesen wäre. Jungfer Holm brachte ihr An. liegen vor und Mutter und Tochter stimmten sofort zu. Die Mutter wottte Jungfer Holm sogar veranlassen, gleich beide Kruder zü nehmen — eines mehr oder weniger habe doch für ein wohlhaben» des Fräulein nichts zu bedeuten. Mit zitternden Haiiden ^griss Jungfer Holm eines der kleinen strammen Päckchen und druckte an ihr Herz; als es aber anfing zu schreien, bekam sie Angst und fprtfp />» Tvrftia toicbcr auss Dett. Dann tDUi&e txrubrcbct, Ixiu fte rZKind befemmensolle, sobald man es von der Mutter weg» Nm 'stabre 1816 trat die erste Aeuderung in dieser gewöhn-- ! ,,^ben Ordnung ein. Das Spielen um 3 Mr vormittags und um j 3 Uhr nachmittags wurde eingestellt. Es blieb also nur An drei- | maliges alltägliches Musizieren übrig. 1857 wurde opielM | «ms 5 Monate, vom 1. Mai bis 30. September, reduziert Gleich, «eitia wurde aus den, dreimaligen Sprelen em zweimalig^ um I | Mr vormittags und um 9 Ähr abends. Zu letzterer Stunde I brauchte der Türmer aber nur dann zu blasen, wenn es bei sein«, I Annahme von der Bürgermeisterei ausdrücklich verlangt wurde. I 1871 wurde die Spieldauer um einen weiteren Monat gekürzt, | vom 1 Mai bis Ende August. Der Stadtmusikus sollte des Wembs »wischen 8 und 9 Mr spielen und auf Verlangen auch um 11 Mr I vormittags. Eine spätere Hand hat in dem Mstruktionsbriefvon I Metern Jahre den ganzen Paragraphen durchgestrrchen, und es! ift von glaubwürdiger Seite versichert worden, dah das Spielen eine Zeitlang ganz aufhörte. Als man dann später wieder zu I -er alten, schönen Sitte zurückgrtff, verlangte man von dem i Türmer nur noch, dah er alljährlich im Monat Mai abends uni | 8 Ähr musizierte. I Man brachte der überlieferten Sitte kein rechtes Verständnis mehr entgegen, hielt sie auch für Kl beschwerlich und zAtraukend für den Türmer. 3'n alter Zeit hatte Ne Geplloieirheit emM doppelten Zweck. Einerseits sollte sie eine Kontrolle für die Wach- ßmkeit des Turmmannes sein, andererseits diente sie auch dazu. n im Felde arbeitenden Leuten die Tageszeiten kundzugeben. I Aber auch ästhetische Gründe mögen mit in erster Linie matz» gebend gewesen sein. Änsere sanges- und wuWrohenDvrsahren fichten es ganz besonders, dah ihnen alltäglich ein Chvral oder ein weltliches Lied bei ihrer Arbeit über die Sorgen des Lebens hinweghalf. So hörten es unsere Ahnen auch gerne iW.rt ihnen der Dünner nach einem schweren Gewitter sein Lied „Bun danket alle Gott" vorspielte. Eine alte Sitte war auch öas Aeu,ahrs- anblafen" Aach jedem Frühgottesdienst bläst der Stadtnmstkus noch heute, wie in alter Zeit, seinen Choral vom Turm. Goenso wird es noch jetzt nach jeder Beerdigung gehalten. Aimmt jemand Abschied von der Stadt, so geben ihin die Abschiedslieder vom Turme das Geleite. Am Geburtstage des Landesfürsten spielte der Diadtmusikus ebenfalls seine Weifen. Am Weihnachtsabend wird noch heute „das Christkind gewiegt'', d h. der Alsfelder Gesangverein „Liederkranz" singt um 7, 8 urch S W Ecken des Turmes unter Musikbegleitung bei strahlendem Christ» bäum seine Weihnachtslieder. Diese Sitte, die sich seit dem Jahre 1626 nachweisen läßt, war in Gefahr einzugehen. Die Avt der Zeit hat dazu geführt, 6a6 der Posten des Türmers im Jahre 1921 aufgehoben tourt*. Schwierigkeiten bei der Aufbringung der Kosten brachten den Bestand der alten Sitte tn Gefahr. Durch freiwillige Spenden ist es aber im letzten Jahre ermöglicht worden, wiederum „das Christkind zu wiegen". Auch das liebgewvrdene Maiblasen stand in diesem Jahre vor dem Eingehen. Der hochherzige Spendersinn der Alsfelder Bürger hat es aber ermöglicht, di« Sitte vorerst zu erhalten. nehmen könne. •. Als sie ging, standen einige Bauernweiber vor der Tur Sie wollten hinein, um einen Kindbettbesuch zu machen, und Jungser cholm hörte wie sie ärgerlich über das Ereignis redeten und einen fengen Schneidergesellen als Vater der Kinder bezeichneten. Da stieg wieder etwas bei ihr in die Hohe: Empörung Zorn, Ekel Wo hatte sie nur ihre Gedanken gehabt, daß sie bis letzt diese Begebenheit überhaupt nicht in Verbindung mit einem Mann gebracht hatte? Änd noch dazu unehelich! Als ob es fEgenug.wäre wenn sich die verheirateten Frauen mit den Männern einlieyenl Sie war tief entrüstet. Ihr Weg führte durch ein Gehölz Bei einer Wegkehre lag ein wandernder Handwerksbursche aufdemGesicht ugd schltes Seine Hosen waren zerrissen, so dah HM^es b«r vvrsah, und neben ihm lag eine Lrterflasche. Als JungferHolm vorbeiginq, hob er den Kopf, dann stand er auf und ging ihr zö- aernd Nach Sie ängstigte sich und fing an zu laufen, rasch und Immer rascher, bis sie außer Atem in der Stadt ankam erft wagte sie, zurückzuschauen, und sah ihn wieder in das Gehölz hineinstolpern. Daheim fieberte sie. Mr erster Gedanke vxrr das Kind wieder abzubestellen aber dann Lachte sie daran, dah sie es in den Ar» mm gehalten hatte, und welch ein köstliches Gefühl das gewesen war Darauf fiel ihr indes auch wieder der Schneidergeselle ein, und'La war sie fest entschlossen, das Ästrd nicht zu nehmew So Lachte sie hin und her und konnte zu keinem Ergebnis kommen. Gin Tag um den anLern verging, nun konnten sie ihr jeden Aag Las Kind bringen, und sie hatte noch keinen Entschluß gefatzt. Eines Morgens, an dem sie wieder wie gewöhnlich voller Zweifel erwacht war, kam die Möpfin nicht wie sonst immer aus ihrem Korb unter dem Bett hervor und leckte ihr die ^rnd. Ob i sie wohl krank war? Jungfer Holm sprang auf und zog den Korb hervor — und siehe La! Die Möpsin hatte den reizendsten kleinen £S neben sich im Korb. Jungser Holm schlug die Hande zu» stimmen vor Entzücken und Erstaunen — ach, „Perle war einfach großartig! Sie hatte sich die Gedanken ihrer Herrin W eigen g^ macht und einen fremden jungen Hund angenommen! Das nahm Jungfer Holm als einen Wink des Himmels, alle ihre Zweifel | waren gelöst — sie wollte das Kind annehmeii. I Aun hatte Jungfer Holm plötzlich viel zu tun mit.den> Dvr- bereitungen. Eine richtige Wiege muhte her und Kindszeug und I eine Milchflasche, und für gute Milch muhte gesorgt werden den jungen Hund vergaß sie völlig darüber. Als er ihr endllch wieder einfiel, wurde sie ganz bestürzt u>ch meinte, er müsse in» I zwischen verhungert sein; aber er lag im besten Wohlsein oben aus I dem Boden, dahin hatte ihn die Möpsin gchchleppt. Jungfer Holm setzte ihm Milch vor und tauchte ihm dir Schnauze mehrere Male | in den Teller, aber er wollte nicht tranken. Was sollte sie tun? I — Die Saugslasche! Ob ein Hündchen nicht auch aus der Flasche j saugen konnte? Die machte Len Versuch, aber er mißlang. O, ite war im Begriff, vor Hilflosigkeit zu weinen. — .Was in aller | Welt sollte sie tun? Das Hündchen muhte ihr ja in den Händen | verhungern, und „Perle" tat ihr so leid - So ungern sie sich auch eines Mannes bedrente, so bequemt» j sie sich doch endlich dazu, den Tierarzt zu hvlen. Gr brm, und sie . I erzählte ihm, wie die Sache stand. Aber als er auf denDodm I hinaufkam, lag La das Hündchen und saugte an der Mopsrn nach I Herzenslust. Der Tierarzt, der die Jungfer gut kannte und auch I schon von der merkwürdigen asketischen Möpsin gehört hatte, I konnte sich nicht enthalten, sondern brach in hell^ Gelächter aus | er hatte ja schon daran gedacht, für eine toissMsch-Ätlichs Zettfchrtsr I einen Aufsatz über die Wundererscheinung „Asketische Ginwirtung eines Menschen aus ein Tier" zu schreiben Änd neben lhmstano I die Jungfer und zitterte und brach endlich tn krampfhaftes Weinen | vorgestern, die irgendwie mit der von heute in '^Verbindung steht. Denn alles ist Entwicklung. nur aus gesunder Wurzel sprotzt der gesunde Stamm. Wir arbeiten daran, Last die Heimatmuseen lebendige Quellen werden, nicht nur Raritätenschubladen sind. Schon im Aufbau der Sammlungen must sich das zeigen. Die Beziehung zum Leben ist uns wichtiger, als die wissenschaftliche Gründlichkeit und Shste- maUk und da erleben wir im Michelstädter Museum viel Freude. Es ist gar nicht klein. Den Eindruck gewinnen wir schon beim Eintritt in den langen Gang, der das Ganze durchzieht. Dieser Gang ist von den einzelnen Ausstellungsräumen nicht getrennt, sondern zieht durch sie alle hindurch, ohne das Zwischenwände den Mick aufhalten. Die drer ersten Zimmer find alkodenartige Räume, deren Eigenart sofort durch den verschiedenen Anstrich ins Auge fällt. Im ersten Roum sind landwirtschaftliche, haus» und handgewerbliche Gegenstände versammelt. Da einige hölzerne Grabscheite (Schoren), geschnitzt aus einem ein- zigen Stück Buchenholz und mit Eisen beschlagen, wie sie früher im Odenwald allgemein zum Graben benutzt wurden. Dort grohe Dopveljoche für das Rindvieh — Tierquälerei — daher polizeilich heute verboten. An der Mittelwand eine Bäcker» uuslage, auf der einst in König die frischen Brotlaibe und di« Wecke zum Kaufen einluden. 2luch sie ist heute verschwunden, denn der Autostaub 'vertreibt so vieles von unfern Landstratzen. Den meisten Platz — die Art der Sammlung wird hier nur durch eine Auswahl von Gegenständen charakterisiert — nehmen die zahlreichen Geräte ein. die einst der Hanf-- und Flachsbearbeitung dienten. Resfkämme mit ihren starken Eisenzühnen zur Ablösung der Samenkapseln, die Brechen, durch die nach dem Rotten und Rösten die Hülsen zerstört wurden, die Hanfschwingen mit hölzernen Schwingmessern, die Hecheln mit ihren vielen Eisenzähnchen, die so hübsch „sinnen". Auch Garnhaspeln, Garnwinde, Spinnräder und Webstuhl fehlen nicht. In diesem Raume befinden sich auch zwei alte Zunftzeichen, die einst als Einlcrdung für den zunftechten Bruder Straubinger über den Türen der Zunftherbergen angebracht waren, ein Schild mit Brezel und Mühlrad, das Wahrzeichen der Bäcker und Müller und drei gekreuzte Gerbermesfer, das Zeichen der Gerber. Die linke Wandseite des ersten Raums stellt ein Stück Austen» feite eines alten Michelstädter Hauses dar, eine Schindelwand mit den Z am Ort gebräuchlichsten Schindelformen, die ein altes Butzen» scheibenfenster umrahmen. Hinter dieser Wand — im Zwischenraum — ist eine Oden» Wälder Bauernküche eingerichtet. Lieber dem Herd der rüstige Rauchfang für die Würste und Speckseiten, Die schweren eisernen Kroppen, die Feuerzange fehlen nicht. In der Ecke dort eine altertümliche Mausefalle, di« nur selten einem Mäuslein etwas zuleide tut. Auf den Wandbrettern köslliche Ton- und Zinn- gefchtrre, auf dem Tisch zwei große irdene Familienschüsseln, glän» Pltsche, den schwarze«, steifen Gitterfchleier. so ist ihr mantel- artiger Aebecwurf doch blau oder grün oder lichtgrau, oft mit reichem Silberschmuck, und wenn er beim Gehen auseinanöerklappt, zeigt er buntes, farbenfrohes Seidenfutter. All diese traumhafte Schönheit Bucharas kulminiert um den groben Teich inmitten des Basars. Uralte Linden und turkesta» nische Almen umstehen ihn: in ihren Kronen nisten Störche, die auch auf allen Minaretten ihre Rester aufgeschlagen haben. 3m Schatten der Bäume sind die Garküchen und Teehäuser. Auf Teppichen sitzt man, schlürft seinen Tee und läßt all das buntq Leben an sich vorüberziehen. Rur an einer Stelle hat die neue Zeit auch nach Buchara hineingegriffen. Rigtstan, der alte Emirpalast. ist von den Granaten der Dolschewiki beschädigt. Don Ka- gan aus hat ihn die Rote Artillerie beschossen, als die afghanische Leibgarde verzweifelt den Emir verteidigte. Heute ist der mächtige Bau mehr oder weniger unbenutzt. Gin paar Tribunale sind dattn oder dergleichen. Die Sowjetabzeichen, die man hier angebracht, tragen zwar orientalischen Charakter mit Halbmond und Stern, aber sie wollen trotzdem in diese Stadt nicht recht Passen. Allein das rührt an Fragen, die die schwierigsten Probleme Asiens auf- wersen. And wozu sich damit den Kopf zerbrechen, wenn man an den ruhevollen Teichen Bucharas inmitten beschaulicher Menschen sitzen kann und träumen? zende Stücke Odenwälder Häfnerkunst. Auf der einen Veite steht: »Fische, Fletsch und Brühen, das esse ich in der Frühen, ann» Domini 1801. — Auch alte Oelfunzeln sind da. Don der Küche kann man in die Bauernstube ein treten, plan getüncht und gemustert, in der Mitte ein fester, eichene« Bauerntisch mit gekreuzter, Beinen, drum herum Bauernstühle mit verschiedenartigen Rückenbrettern. Aus dem 18. Jahrhundert ist eine alte Schreibkvmmode da, mit ein paar alten Schmökern, Lev zusammengeflickten Großvaterbrille, einem alten hölzernen Tinten- fasse. Reben dem echten Bauernbett steht eine alte bemalte Wiege. 3nt Bauernschrank wird unter airderem auch das aus dem 16. Jahrhundert stammende Richtschwert der Anterzent, Solinger Arbeit, aufbelvahrt. Die Wände sind mit Passender, Bildern geschmückt, die bekannte OLenwälder Persönlichkeiten oder Landschaften darstellen. Auch ein alter Fackelständer, auf dem einst Kienfackeln brannten, steht hier. Der vierte Raum ist der größte. Hier hängt, außer viel«« andern die Vergangenheit betreffenden Bildern, das Bildnis des Gründers der Sammlung, Rudolf M a r b u r g. der am 6. Mai 1910 gestorben ist. Wichtig find einige Altertümer aus der karolingischen Zett, Reste von Tongefähen, die 1910 bei der Wiederherstellung der Michelstädter Kirche zutage gefördert wurden, ferner eine römische Dachpfanne. Als eins der ältesten Stück, historischer Zeit im LHenwald, soll sie aus der Ziegelei stamme^ welche die Römer im 3. Jahrhundert nach Christi Geburt bi der Nähe der heutigen Hvlzfabrik von Aexroth-Lhnen betrieben haben, und in der später wohl auch Einhard die großen Dack> steine für di« Pfeiler feiner Steinbacher Basilika brennen ließ. Don späteren Odenwälder Dachziegeln, vermerkt mit dem Ramen des Zieglers, ist eine klein« Sammlung da (das älteste Stück von 1743). Alte Waffen und Jagdgeräte, ein Abdruck des ältesten Stadtsiegels mit der Inschrift: Sigilum Civitatis MichelstadtrensiS. der gemeinsame Zunftstempel mit dem Abzeichen der Schreiner, Glaser, Küfer, Dreher, Schlosser, Büchsenmacher und Wagner und der Inschrift: Das bereinnlgbe Handwerg-Sigell z. Michelstadt, (leider ohne Jahreszahl, mutmaßlich 16. Jahrhundert), Zunftbücher, Gesellenbriefe, Wanderbücher, Werkzeuge verschiedener Handwerke, alte Matze und Gewichte, zaubern alte Zeiten herauf, Bergwerkslämpchen erinnern an die.Zeiten, da in dortiger Gegend nach Erz gegraben wurde. Auch Las Zunftzeichen der Weber — ein Webschiff mit zwei vergoldeten Löwen — ist hier ausgestellt: Eine Zierde des Museums ist die buntbemalte H o l z f i g u r au s dem Amorbacher Klvstergebiet, wahrscheinlich Jakobus den Aelteren darstellend. In dem alten Gichenfchrank sind etliche Trachtenstücke aufbewahrt, während auf der äußeren Rückwand viele alte Lebkuchenformen aufgehängt stick». Es ist hier nur Einiges erwähnt. Das rechte Gefühl, daß Liefe Dinge alle aus dem Leben stammen, kommt einem erst, wenn man davor steht und stille nachdenkt über ihren Zweck, ihre Art, und seine <5reut>e an ihrer Gestaltung hat. Da tritt es dann leicht ein, das die Fülle um einen verschwindet und daß zu der Schüssel vor uns sich in der Phantast« der biedere alte Häfner gesellt, datz seine Zeit in Gedanken do« uns lebendig wird, das Leben im Ort, das Leben im Odenwald. Darm erst hat das Odenwaldmufeum seinen Zweck erreicht.