88.8' 1923 — Nr. ZV WZWWMLWWLi: i M * KfiS tuend- chickte, tte die le ein Buze- LiwaS seines verlor üvaff- Dach, t .Ki- Angst, t Un- enten, : nicht erstes if den trliche Silvan, n der n auf mtz er ungs- nutzte, wenn nun- Sging, wand. :e erst t ihm ; man 5e. Bote nieder hinter Sseli- leiche: t von r sich suchte . Ob n er« ng es eines rollte : List > daß nder- tsiner laubviel renes stühl- stahl- dort Verteilt if für ihm, Seele aran, eine nnder Ilja j das seine sehr mlich hatte itstel- seine zrotze mich h im > und >lten, und :au8« ÄKMKtKg, is, Dezemder MtheMDEerrbl Mechaltungshlüll MMießmerAyPtzer lGmM-ARPW Mysterium. Bon Friedrich Hebbek O, könnte ich den Faden doch gewinnen, Der, mich mit Volt und der Aalur verknüpfend And, abgewickelt, das Geheimste lüpfend Verborgen sitzt im Geist und in den Sinnens Wie wollte ich ihn mutig rückwärts spinnen. Bis er mir, endlich von der Spindel hüpfend •Und in den Mittelpunkt hinüberschlüpfend, Gezeigt, wie All und Ich in eins zerrinnen, Rur fürchte ich, datz, tvie ich selbst Gedanken, Die gleich Kometen Mieten, schon erstickte, GH' ich verging in ihrem glühnden Lichte, S» auch das All ein Ich, daS, seiner Schlanken Vergessen, an das Welten rätfel tickte, Aus Notwehr, eh' es tiefer dringt, vernichte, Von Menschen und Menschenaffen. Erlebtes und Empfundenes aus Kamerun. Bon Earl W, H Koch'). Bäume erhoben sich unter den flinken Hi geteilten Arbeiter rundherum in den Rischen des Unterholzes me dünnen Gerippe halbkugeliger oder schräger Hütten für die Farbigen; als Bedachung dienten ziegelartig geschichtete, große und harte Blätter, die mittels einer Einkerbung in dec Ripp? befestigt wurden. Gutes, trockenes Brennholz, das weder qualmte, noch Heizende Gerüche emportrieb, lieferten die gefallenen, aus- gedörrten Aeste in reichlicher Wenge, und bald sammelte sich über unserem einsamen, weltentlegenen Lager ein schwebender Streifen friedlichen, bläulichen Rauchs, mischte sich mit dem Duft der geklärten Waldluft und dem Geruch der auf einfachem Feuer kochenden Speisen, erweckte eine Stimmung freudiger Beschaulichkeit und Behaglichkeit und trieb die Mühen und Sorgen der Vergangenheit und Zukunft in tröstliche Weiten, die ohne beengenden Einfluß auf Augenblick und Gegenwart waren. ) Der Verfasser, der als Leiter eines Regierungsbezirks, im Dienste einer großen Gesellschaft und im Feldzug als Offizier Ege Jahre in Kamerun gelebt hat, hat bei R. V o i g t l ä n d e r m Leipzig unter dem Titel: „Das Lied dees Landes" (Grüz. 4.80) ein Buch erscheinen lassen, das seltsam absticht von der «rosten Zahl der üblichen Reisebeschreibungen. Mit feinstem Nachempfinden hat sich Koch in die Seele des Landes und ihrer Bewohner hineinversenkt und versucht, den Grundton dieses Liedes zu erlauschen, das ihm aus seinen oft seltsamen Erlebnissen ent« ganze Dämonie des unbezwungenen schwarzen Mdteils mit seinen für uns Europäer ewig unergründlichen •iS lveist der Verfasser in glutvollen Farben dem Leser be- gretslich »u machen. Die Zeichnungen Koch-Gothas passen sich memvürdig gut der Ratur dieses Buches an, das jedem Freude machm wird, der die Ratur und die Menschen, die ihr am nä.H* sten stehen, lieb Hai, Die zappelnde Beute erfolgreicher Angler war ein erfreu- Wes Zeichen erheblichen Fischveichtums und vollendete meine Absicht, einen der Ruhe bestimmten Rasttag eiuzuschatten, betw es war lediglich die schwierige Berpflsgungsfrage im hungrigen Wold, die in der bisherigen Eile dorwärts'getrkbvr hatte. Als ich Bassa diesen Entschlust mitteilte, unterbrach uns ein grauen- erweckendes, öumpf«S Gebrüll unweit des Lagers, auseinander- gehackt durch gellende Entsetzensschreie einet menschlichen Stimme. Im Maranthendickicht spielte sich das Schreckliche ab. Der Gorilla stand über den Träger Mammi gekauert und zerriß mit febtcn kantigen Raubtierzähnen die Fleischbünbel des linken Ober- Schenkels den er mit eisernem Griff der beiden Fäuste hielt. Als er in mir den neuen Gegner erblickte, richtete er dir kurzbeinige Gestalt beheirde zur vollen Höhe auf, stieß erneut feine dröhnenden Laute aus, trommelte mit den riesigen Fäusten auf der brsiten, lederharten Brust oder schlug wütend in das Grün des Unterholzes. Erst als er mit eigenartigem Schlenkern der langen machtrallen Arme, wiegend und mit gebeugtem Rücken, aut mich zueilte, hielt er den unnatürlich großen OSsErper weniger bewegt und gab Gelegenheit zum Anbringen des tödlichen Geschosses Stöhnend brach er zusammen, dehnte die schauerlicheil Glieder und verendete. Der verstümmelte Mammi wurde auf ei» GZatzfeldbeU gelegt und auf den Zeltplatz gebracht. Ich gab ihm Kognak und begann an den Wunden. Totenstille beherrschte das Lager, während ich auswusch und schnitt, die jammervoll hängenden Fleisch- «nd Muskelfetzen notdürftig ordnete und zusammenlegte, nähte und fest einband. Der schwach wimmernde Mann empfing ein schmerz.- stillendes Betäubungsmittel und wurde in einer geräumigen Hütte untergebracht: einer seiner engeren Landsleute blieb bei ihm, flößt, ihm gelegentlich ehren Trunk ein oder verscheuchte die summenden Fliegen, die der Geruch des Blutes anlockte. Ich besah das tote Waldtier, das weit über Manuesgroste hatte, u,rd in dessen Zügen der Schrecken ganzer Jahrhundert« zufammengesastt und verewigt schien, dessen Gesicht eine Mischung von Totenschädel, Teufelsfratze und menschlichem Verbrechertum ist, das im allgemeinen als harmloser Pflanzenfresser in Dickicht, Wald und Sumpf ein friedfertiges, scheugebietendes Leben führt und nur dann und wann, toetttt es aus Rsugierde und Langewelle in die Rähe menschlicher Lagerstätten oder Wohnsitze schleicht und unvermutet oder zufällig auf Menschen stützt, zum gräßlichsten Gegner wird, der allein durch das Auftreten lähmendes Snsetzen emflöstt und über Kräfte verfügt, die jeden körperlichen Widerstand nutzlos machen. Zwischen dem Bild, das der riesige Aff« geboten Hatter als er zornig und wütend über dem blutüberströmten, zerfleischten Mann in geduckter. Haltung stand, und der unsagbar häßlichen, grünlichgrauen und erschlafften Verkörperung dÄ Bösen zu meinen Füßen schien mir ein Zusammenhang nicht mehr zu bestehen, und ich meinte, in den erkalteten Zügen etwas Menschliches zu erkennen. Das steigerte sich, je länger ich .hinsah. lag etwas qualvoll Faszinierendes in dem rätselhaften Ausdruck der a rauf amen, gebrochenen Lichter, in der Biegung der Augenhöhlen und der weit vorspringenden Augenknochen, in der faltigen, greisenhaften Stirn, die in behaarte Muskelwülste Itoft und rechts der kammartigen Krypta des Schädels überging, unfr in der schwarzen Haut des Gesichts mit den melancholisch herab- hängenden Lippen, Die eine Faust lag abwehrend über öee winzigen Heczwunde geballt, und in dieser erstarrten Bewegung ertannte ich schließlich das riarhandsne MndegsteS zum M«k- Don der flachen und ebenen älserstufe mit ihrem natürlichen Kien Zeltplatz führte ein Flutzpferdwechsel in scharfem, gut gang* kem Einschnitt zum Fluß hinab und bot günstige und bequeme Gelegenheit zürn Wasserholen. Fast ebenso schnell wie meine tragbare Behausung unter dem beschattenden Laub überhängender ------t c ------- ‘ ‘ Händen der hierzu ein- - 198 — Erscheinen. Ein Schwarm fingerlanger Fische spielt im seichim Uferwasser zu meinen Füßen, und auch ein dicker Wels steckt einmal seine bärtige Schnauze aus dem Fl uv, springt dann empor und plumpst schwerfällig zurück Unmittelbar neben der Stelle, wo der Wels sprang, tauchen atxxxA langsam, etwa eine starke Spanne voneinander entfernt, zwei Kugeln auf, vor ihnen dann noch ein wulstiger Knopf, noch etwas hoher und der dreieckige Schädel eines Krokodils liegt da. Auch der Rücken kommt, fast ohne Wellenkreise zu erzeugen, noch über« Wasser Die gelbgrünen Hellen Augen mit der stnchsormigen Pupille stieren überrascht auf uns, dann sinkt dos Tier wie ein! Stein unter, und nur die leise Bewegung des Wassers zeigt, wo es eben noch war Sin Rindenbovt — am Ugala herrscht das Aindenboot gegenüber dem in der Kolonie sonst üblichen Einbaum vor — hat mir der Zumbe gestern noch besorgt. Mit einem Baststrick ist es am Ufer an einer Wurzel festgemacht. Wein Bootsmann «in alter Knabe mit schon weistgefärbtem Haar, der sein ganzes Leben hier als Fischer lebt, ist seit dem Morgengrauen schon un Lager. Run knotet er mit Zuhilfenahme seiner trotz des Alters blendend weihen Zähne den Strick auf und meldet sich fahrbereit. Ich gestehe .daß ich mit einem gewissen Mißtrauen das schwache Fahrzeug betrat, das mich nun eine Stunde tragen sollte. Mit langausgestremeir Deinen must ich am Boden des schmalen Bootes sitzen, das Gewehr habe ich zwischen den Firsten aufgestellt. Achtern sitzt mein Fährmann mit der Stalstange und dem Paddel. Dann fchrebt er das Boot mit der Stange erst am Ufer entlang flußaufwärts, lästt die Stange am Ufer stecken und kreuzt den Strom dort wo uns gegenüber eine schmale, lange Insel den Flust in zwei Arme teilt. Im schmäleren Arm liegen die Fluhpferde, die nadjtä, tote mir der Bootsmann sagt, ständig im Schilf der 3nsel auf Aesnng gehen, zu Mittag wieder auf einer Sandbank oberhalb Der >lnsel ein Sonnenbad nehmen und die übrige Tageszeit dick und faul im Wasser liegen, rastend und verdauend. Wir tixr um die Spitze der Insel herumkommen, liegt die ganze Herde weit auseinander- gezogen vor uns, pustend, bald schwimmend, bald tauchend spie.end und ganz sorglos, als gäbe es kein Boot und keinen Europa«» mit Gewehr. Zwei Jahre ist es her, so erzählt der Fäprnrann, Last ein Europäer hier.auf Flußpferde jagte, und dm tat es flust- abwärts. Unsere Herde kennt die Verfolgung nicht. Gähnend hebt eines der Riesentiere jetzt das Haupt, reistt den Dachen auf, als wolle es Himmel und Erde verschlingen und zeigt dabei die gewaltigen Zähne, unterarmgelenkdick und krumm gebogen wie eine Sichel die einen gerade und ebenso dick di» anderen. Der geivalnge Pflanzenfresser braucht diese Waffen im Kampf um das 'Weibchen gegen seiiren Aebenbuhler, vielleicht auch, um sein Zung^ gegen Krokodile zu verteidigen. Einige meiner Reger wollen schon gesehen haben Last große Krokodile die jungen Flußpferde angreifen. 3»! halte Las für ganz gut möglich, wird doch ein Pferd oder Rind ohne weiteres im Wasser oder sogar am Ufer beim kranken nicht allzuselten vom Krokodil gefaßt und ins Wasser genfsen. Gesehen habe ich selbst nie, daß ein Krokodil die jungen Imst- Pferde jagt beobachtet dagegen, Last alte Flußpferde und Krokodile einander gar nicht beachten, selbst wenn sie in nach-ter mähe aneinander vorüberschwimmen. Einmal am Rungwasluß, als auf einer Sandbank etwa ein Dutzend Krokodile lagen und sich sonnten, tauchte wohl mit der gleichen Absicht, daneben ein Flußpferd auf; da stürzten die Krokodile auf der anderen Seite öiligst ins Wasser, ginnen aber nach! einigen Äiinuien schon wieder an Land. Vermutlich hatten sie sich über den Ankömmling getäuscht und waren deshalb übereilt geflüchtet r Eine halbe Stunde wohl lagen wir Hari am Ufer der 3nsel, der alte Dootseigner hielt mit der Hand das Boot an einem Schilfbüschel fest; die Strömung tvar so gering, Last das Festlegen mit der Hand durchaus nicht anstrengend war. Ich fast im Boot und besah mir das Schauspiel, das die vergnügten Kolosse vor uns aufführten. Dort stieg eines jäh mit dem halben Körper aus der Flut rist den Dachen auf, brüllte and sank wieder ins Wasser zurück. Eine besorgte Mutter spielte mit ihrem noch rosenrot gefärbten Säugling, der, erst wenige Lage alt, schon ein tüchtiger Schwimmer und Taucher war. Dom Spiel ermüdet, quiekte das Zunge lieben der Alten und benützte ihr Untertauchen, um flugs auf Backen oder Rücken einen gutgepolsterten Ruheplatz einzunehmen der breit genug ist, um ein Hinabfallen auch bei raschem Schwimmen zu verhinderm. — Höher kommt die Sonne, und es wird reichlich warm. Ich suche mit dem Glas die ganze Herde, die ich auf etwa zwanzig Häupter schätze, genau durch, um einen möglichst guten Bullen - Keiler wäre eigentlich zutreffender - ausfindig zu machen. Rach der Gröste des Hauptes, seiner 'Breite und, bei offenem Rachen, nach der Stärke der Zähne kann man da ziemlich sicher urteilen. Dort sperrt nun einer sein Riesenmaulj auf, und die Sonne schimmert auf Len starken Zähnen, während das Wasser in langen Strähnen vom Haupt tropft. Bevor er den Rachen noch schtwsten kann scklägt ihm die 9,3-MiNimeter-Kugel zwischen den Lichtern ins Gehirn; das Haupt sackt ab, ein dünner roter Streif« schwimmt auf dem Wasser. Zäh wird das Spiel der anderen abgebrochen die Wirbel zeigen, wo sie rasch tauchten, und bald wogt weiter' flußaufwärts das Wasser auf, weil es dort einer Sandbank wegen seicht ist und die flußaufwärts flüchtenden Stere mit dem Rücken fast an die Oberfläche reichen. Mentum Las mich mit entmutigender Trauer' übeiflei, MS meinen berechtigten Zorn über die Tat des Tieres vergehen liest, das seine Handlungsweise in erklärende Beleuchtung schob und das Vorkommnis zu einem jener unpersönlichen und unglücklichen Ereignisse stempelte, die durch, den widerspruchsvollen und unbarmherzigen Sinn des Landes bedingt sind und wahllos und verhängnisvoll erschütternde Geschicke von Lebewesen verschiedener Art verknüpfen. , In der einsetzenden und rasch zunehmenden Zimmerung blickte ich, aufs Wasser. LNammi schlief verhältnismäßig ruhig, und Nachtwachen waren eingeteilt, so daß alles getan war, ,-vas getan werden konnte. A>is deii Hütten ertönten manchmal einige abgebrochene Wort« gedämpfter, blecherner und schmer Stimmern Die mit dem Geist des Ngi verbundenen Vorstellungen hatten Besitz von den Seelen der Farbigen ergriffen, hallen ihre Gedanken aufgewühlt, in Zagheit und Furcht versenkt. Wrs i brodelnden Unsicherheit ihrer mangelhaften und L^vtomrten _@c» kemitnis entwickelte sich der uralte Aberglaube dreier Menschen alter zu einem unerträglichen Druck von irrem Klemmut and schauernder Angst. Sie glaubten, daß unsichtbare Dinge, die sie nicht begriffen, von allen Seiten herannahten und nacy ihnen faßten sahen in den schwankenden Schallen der armseligen Beleuchtung rachsüchtige Gestalten und schürten mit dem letzten Rest ihres schwindenden Mannestums die glimmenden Schelte wieder und wiieder zll helleren FlammM, utn durch das sehende Erkennen der Kameraden und der Gegenstände im ve- teienenen Bereich der Feuer Erleichterung zu finden und stq> geMifeittg Mut zu inachen für die folternden Gedanken, die sie mit der begonnenen Rächt unlöslich verkettet glaubien. Sio stark war die Erregung der Leute, daß sie fühlbar in einem kalten, beklemmenden Hauch zu mir herankroch und in merklichem Tasten nach meinem Herzen drängte. Ich.nef Basta und liefe reichlich Tabak an die Farbigen verteilen, um ihnen die Ueberwindung all' dessen zu erleichtern, was sie m unwnder- stehltchem Wahn völlig und peinigend unterjocht hatte. Dann Wh ich wieder auf den Fluß und glaubte ein Gespenst zu sehen. FlAtzpferdßKgd am Ugala. 3m Rahmen einer „Safari", das heißt einer Trägerkara- tixme die von Daressalem nach dem Tangany rllr das Land durchzieht führt uns Robert An ter Welz, einer sener zahlreichen Pionier« unserer kolonialen Epoche, denen m langen Zähren des Wirkens und WanSerns Ostafrika zu einer zweiten, heißgeliebten Heimat wurde, in schnem Buche: „Durch Trope n f o n n e u n d A r w a l d n a ch t" durch weite Strecken unserer schönen, verlorenen Kolonie. Heitere und ernste Stunden des Marsch- und Lagerlebens, Lnndschafisformen gegensätzlichster Gestaltung, Tier- und Pflanzenwelt in Steppe und Urwald, ereignisreiche Zagden auf Riesen und Zwerge der afruamschen Fauna, Charakter und 'Begabung, .Kultur und Lebenssnyrimg der einheimischen Bevölkerung, die 'Verhältnisse wayrend der Kriegszeit -- dies und vieles andere zieht in buntmn Wochs« an unseren Augen vorüber. Dein Verfasser ist die seltene Gabe verliehen, seine begeisterte Liebe zur Ratur, seine warmherzig« Sympathie für die Regerstämme, die uns im Kriege fo mel Treue bewiesen, und seine ehrliche Anerkennung deutscher Kolonialarbeit in Worte zu kleiden, die von echter,, Mnstterischsr.Gestaltungskraft zeugen. Daß neben farbenprächtigen Ratuistchilde- rungen und packenden Darstellungen aufregender Zagderlebniste auch der Humor zu seinem Rechte kommt, verleiht dem Buch seinen eigenen Reiz Und daß wir auch die hübschen Illustrationen dem Zeichenfi ist des Verfassers verdanken, macht es zu einem ganz persönlichen Bekenntnis. Mit gütiger Erlaubnis des Berlages Strecker u. Schröder in Stuttgart bringen wir im folgenden unseren Lesern intereffante Zagdszenen am Ugala, einem Zufluß des Tanganjikasees. ' Voiii Fluß heraus zum Lager, das nur knapp 100 Meter vom Wasser entfernt ist, klingt als Worgengruß das Brüllen der Flußpferde. Erst ein schriller Aufschrei, als ob jemand jäh ein« atmen würde, darauf stoßweise tiefe Dahtön« von gewaltiger Stärke Dann und wann pustet eines der Tiere auch fchnaubend das Wasser aus den verschließbaren Rasenöffnungen, daß man es 100 Meter und weiter hört, oder schließt mit lautem klappenden Geräusch den weiten Rachen, daß man glauben könnte, der Wind hätte irgendwo eine Tür zugeschlagen. Die Sonne, die gerade über den Galeriewald herausschaut, wandelt den dunklen, trüben Strom plötzlich in einen hellschimmernden, langgestreckten und gewundenen See; denn an meiner Lagerpelle ist der Fluß über 500 Meter breit, und so langsam ist Sie Strömung, daß man sie am Ufer nicht merkt, wenn nicht gerade ein abgefallenes Blatt oder ein dürrer Zweig vorübertreibt. Koimorane haben auf dürren Aesten aufgeblockt und trocknen ihr Gefieder im ersten Sonnenstrahl, Breiten die Flügel weit aus und bleiben so manchmal minutenlang regungslos fitzen. Gin paar Schlangenhalsvögel haben sich zu ihnen gesellt, und der Fürst der Luftherrschaft am Fluh, der Schreiseeadler mit schneeweißem Kopf und Stoß, streicht hoch überm Wasser entlang, gefolgt von keiner Ehehälfte. Run kreisen sie eng umeinander, schlagen die Schivingen, und gleich darauf klingt ihr Helles Zauchzen zu meinem es ist, als ob sie der Sonne danken wollten für ihr 199 »Herr" sagt mein Bootsmann, „ote vor zwei Jahren der GaNpäer dort unten ein Fluhpferd schoß, da gab er seinem Mhrer eine haübe Rupie Backschisch." „Ich werde dir eine gairze Rupie geben nutzer dem verein- dsrLen Geld fürs Bovtfahren täglich." „Ja, Herr, so ist es gut; da werden wir jeden Dag dann ein Flußpferd schieben, manchmal auch zwei oder drei —" Sv dachte der Reger, der Wohl gleich seinen Gewinn bei vier- zehntägiger Jagd berechnete. Aber es blieb bei dem einen erlegten; Denn ich schob nur, was meine Leute mit ihren Mägen bewältigen tonnten, und schenkte ab und zu einmal dem Dorf einen tüchtigen Happen. Außerdem bot auch die Steppe viel Jagd, die sch hier genießen wollte. Eine Stunde war seit dem Schutz vergangen, da tauchte, wie etn Kugelausschnitt, langsam größer und größer werdend, der von den Derwesungsgasen aufgetriebene Wanst des Flußpferdes an her Oberfläche auf. Wir knüpften ein Lau an eine der Säulen vnd führen ans Lager, wo Boys, Träger, der Jumbe mit An- hang, Frauen aus dem Dorf mit Kindern jeden Alters uns xtzon erwarteten. Anter vereinter Anstrengung aller gelang es vald, den Koloß mit Tauen and Stangen Die steile Böschung hinaufzurollen und zu schieben. Dann begann unter einem Heidenlärm, den zu übertönen selbst jnein Koch und Kitebo nicht immer imstande waren, das Zerlegen. Das Fett wanderte in die Küche. Es gibt ausgebraten ein sehr schmackhaftes Schmalz, das wir zum Beispiel während des Krieges sehr gut verwenden konnten, La uns ja jede Zufuhr von zu Haus abgeschnitten war. DaS Fleisch wurde verteilt, Roste wurden im Lager errichtet, und bald begann ein großes Schmausen und gleichzeitiges Anrösten, um Las, was bei aller Anstrengung heute nicht gegessen werden tonnte, für einige Tage vor Fäulnis zu bewahren. Die Schwarte, am Racken und Rücken zweifingerdick, wurde in lange Streifen geschnitten, jeder davon mit einem an einem Ende angebundenen Stein beschwert, an den Aesten aufgehangen und getrocknet. Daraus werden später die Reitgerten und Peitschen geschnitten. Der achtsame Chronist muß noch vermerken, daß des Abends Pombe „zum Drotbacken" vom Jumben als Gegengabe für einige große Wildbretstücke gebracht wurde, datz der Koch tatsächlich eine Flasche halb und sich selbst ganz damit vollfüllte, so daß er nicht einmal erwachte, als drei Elefanten, junge Bullen der Fährte nach, nachts um zwei Ahr zwischen Lager und Fluß, erschreckt durch Feuerschein oder Rauch, trompetend durch dick und dünn gingen. Der Waldteufel. Bon Rikolai Ljesskow (Fortsetzung.) Das waren die schönsten Traumbilder meines Lebens, und ich bedauerte immer, daß nach meinem Erwachen Sseliwan für mich wieder zu dem Räuber wurde, gegen den jeder brave Mensch alle Borsichtsmahregeln treffen mutzte. Ich mutz gestehen, daß puch ich nicht hinter den anderen zurückstehen wollte, und obwohl mich im Traume die wärmste Freundschaft mit Sseliwan verband. gelt ich es int Wachen doch nicht für überflüssig, mich sogar in e Ferne gegen ihn zu versichern. Zu diesem Zweck erbat ich mir unter vielen Schmeicheleien Nnd anderen Erniedrigungen von der Beschließerin den alten, sehr langen tznckasischen Dolch meines Baiers, den sie in der Vorrats» Hammer aufbewahrte. Ich band ihn an die Schnüre, die ich vom Husarentschako meines Onkels herunternahm, und verbarg dieWaffe meisterlich unter der Matratze am Kopfende meines Bettes. Wenn Sseliwan nachts in unserem Haufe aufgetaucht wäre, hätte ich mich unverzüglich ihm entgegengestellt. Weder Vater noch Mutter wußten etwas von diesem ver- kprgenen Arsenal, und das war auch nötig, denn sonst hätte man mir Den Dolch natürlich weggenvmmen, und Sseliwan hätte meinen ruhigen Schlaf stören können, denn ich fürchtete ihn trotzdem schreck« 8ich. Inzwischen drang er auch schon bei uns ein, aber unsere flinken Mädchen hatten ihn gleich erkannt. Sseliwan erfrechte sich, in unserem Hause, in eine große rotbraune Ratte verwandelt, aufzutauchen. Anfangs lärmte er nur in den Rächten in der Vorratskammer, aber dann sprang er einmal in den hohen Lindenbottich hinunter, auf dessen Boden, von einem Sieb bedeckt, Würste und anderer Imbiß zum Empfang von Gästen aufbewahrt wurden. Ssrltzran wollte uns damit eine ernste -Unannehmlichkeit bereiten, wahrscheinlich zur Vergeltung für die Anannehmlichkeiten, die er Hon unseren Bauern zu ertragen hatte. 3n eine rotbraune Ratte verwandelt, sprang er in den Bottich, schob den Stein, der das Sieb beschwerte, zur Seite und fraß alle Würste; dafür konnte er aber aus dem hohen Bottich nicht mehr heraus. Allem Anschein «ach konnte Sseliwan hier der verdienten Todesstrafe nicht mehr .entrinnen, die sich die flinke Armuschka erboten hatte, gleich zu vollziehen. Sie erfchien zu diesem Zweck mit einem Kessel lochenden Wassers und einer allen Gabel. Annuschka hatte den Plan, Werwolf erst mit dem heißen Wasser zu verbrühen und dann auf die Gabel aufzuspießen, um ihn schließlich tot ins Ankraut den Raben zum Fraß hinauszuwerfen. Ätzer bei der Vollstreckung der Todesstrafe Beging die runde Annuschka eine -Ungeschicklichkeit. Sie igpß das siedende Wasser auf die Hand der flinken Annuschka, öle vor Schmerz die Gabel fallen ließ. Indessen biß die Ratte sie m den Finger, kletterte mit bewundernswerter Gewandtheit am Aermel des Rlädchens heraus und verschwand spurlos während des allgemeriren Schreckens, den sie unter den gesamten Anwesenden angerichtet hatte. Meine Eltern, die auf diese Ereignisse mit Alltagsaugen blick-« len, schrieben Ben dummen Ausgang der Jagd der Angeschicklichkeit unserer Annuschkas zu; aber wir, die wir die geheimen Triebfedern dieser Sache farmten, wußten, daß etwas Besseres nicht hatte herauskommen können, weil es keine einfache Ratte, sondern der Werwolf Sseliwan gewesen war. Indes wagten wir nicht, den Eltern Davon zu erzählen. Als einfältiges Volk fürchteten wir Kritik und Spott über alles, was uns unziveifelhaft und offensichtlich erschien. In keiner Gestalt aber konnte sich Sseliwan entschlietzett, die Schwelle des Vorzirrrmers zu überschreiten, weil er, wie mir schien, etwas von meinem Dolche erfahren hatte. Das war mir einesteils schmeichelhaft, aber doch auch wieder ärgerlich, weil die Reden und Gerüchte über ihn mich schon ermüdeten und in mir das leidenschaftliche Verlangen brannte, Sselrwan persönlich zu begegnen. Dieser Wunsch verwandelte sich schließlich in eine Qual, in der ganze lange Winter mit seinen enMofen Abenden verging, Rmn mit den ersten Schmelzbächen des Frühlings trat ein Er- eignig ein, das unsere ganze Lebensordnung in Verwirrung brachte und den gefährlichen Trieben unbeherrschter Leidenschaften Freiheit Mb. 8. Kapitel. _ Ser Vorfall ist unerwartet und traurig. Mitten während der Frühlingsschneeschmelze, toemt nach dem Volksausdruck „ein Stier in der Pfütze ersäuft", kam vom weit entfernten Gute der Santo ein berittener Bote dahergesprengt mit der verhängnisvollen Nachricht von der schweren Erkrankung der Großmutter. Sn dieser weglosen Jahreszeit war die weite Reise mit großer Gefahr verbunden; das hielt jedoch, weder Vater noch Mutter davon ab. und sie machten sich unverzüglich auf beit Weg. Man mußte hindert Werst fahren, die man nur in einem einfachen Wagen zu- rücklegen konnte, da es ganz unmögliche war, mit einer Kutsche zrk fahren. Den Wageir begleiteten zwei Reiter mit langen Stangen in den Händen. Sie ritten voraus und untersuchten die Wegelöcher. Das Haus wurde der Fürsorge eines besonderen provisorischen Komitees anvertraut, zu dem verschiedene Personen mit verschiedenen Qlemtem gehörten. Der großen Annuschka waren alle Personen weiblichen Geschlechts bis zu Bkosjka und Rosjka abwärts unterstellt; die oberste Aufsicht über die Sitten oblag der Beschließerin Dementjewna. Untere intellektuelle Leitung, die Entscheidung über die Einhaltung der Feiertage und der gewöhnlichen Tage war dem Diakonssohne Apvlltnarij Iwanowitsch anvertraut, der in seiner Eigenschaft als ein aus der Rhetorikklasse hinausgeworfener Seminarist bei meiner Person die Stelle eines Hauslehrers vertrat. Er lehrte mich lateinische Deklinationen und bereitete mich auch sonst vor, damit ich im nächsten Jahre in die erste Klaffe des Orjoler Gymnasiums nicht als völlig Wilder eintrete, dsr die lateinische Grammatik Bjeljustins und die französische Lomorrds in Verwunderung sehen müßten. Äpollinarij war ein weltlich gesinnter Jüngling und Bereitete sich darauf vor, unter die „Beamten" zu gehen, oder tote, man jetzt sagt, Schreiber bei der Orjoler Gouvernementsverwaltung zu werden, wo schon fein Onkel im Dienst stand, der ein außerordentlich interessantes Amt inne hatte. Wenn nämlich ein Polizeivorsteher oder Kommissär auf dem Lande draußen irgendeine Anordnung unausgeführt lieh, so schickte man Apvllinarijs Onkel auf Rechnung des Schuldigen mit einem „Eilpferd" zu ihm; er reifte, ohne Pferdegeld zu zahlen, erhielt außerdem von den Schuldigen Geschenke und Präsente und sah mancherlei Städte und vielerlei Leute von verschiedenem Rang und verschiedenen Sitten, Mein Äpollinarij hatte ebenfalls die Absicht, mit der Zeit eines solchen Glückes teilhaftig zu werden, und durfte viel mehr als sein Onkel darauf hoffen, da er über zwei große Talente verfügte, die in der weltlichen Laufbahn äußerst angenehm fein können: Äpollinarij fpielte zwei Lieder zuv Gitarre: „Das Mädchen mähte Brennesseln" und ein zweites, viel schwierigeres: „An einem Abend trüb und herbstlich" und, was damals in der Provinz noch selten war, er verstand es, den Damen herrliche Verse zu schreiben, weswegen er eigentlich auch aus dem Seminar davongejagd worden war. Argenchlet des Anterschieds unserer Jahre verkehrten wir miteinander wie Freunde und bewahrten, tote es wahren Freunden, geziemt, treulich unsere gegenseitigen Geheimnisse. Dabei kamen freilich auf seinen Teil etwas weniger als auf meinen: meing ganzen Geheimnisse bestanden in dem unter meiner Matratze liegenden Dolch, wahrend ich verpflichtet war, zwei mir anvertraute Geheimnisse in der Tiefe meines Herzens zu tragen: das erste betraf die im Schrank verborgene Pfeife, aus der Äpollinarij abends sauersüßen, weißen Ajefchiner Knaster in den Ofen Hinein zu rauchen pflegte; das zweite aber war noch wichtiger, es handelte sich nämlich um Verse, die Äpollinarij zu Ehren einer gewissen „leicht- beschwingten Pulcheria" geschrieben hatte. Die Verse toaren wohl sehr schlecht, aber Äpollinarij sagte, datz man zu ihrer richtigen Beurteilung unbedingt sehen mühte, welchen Eindruck sie, gut und mit Gefühl vorgelesen, auf eine zarte und gefühlvolle Frau machen würden. Das fetzte eine große und für uns sogar unüberwindlich« Schwierigkeit voraus, da es in unserem Hause keine Heinen Mäd- chen gab, ben «pwachstwen jungen Damen «bei-, die hin und wieher AU uns gefahren kamen, wagte Apollmarij nickt den Vorschlag KU machen, seine Zuhörerinnen zu sein, da er sehr schüchtern war und sich unter de» uns bekannten jungen Damen große Spötterinnen ^fanden. . _ Die Rot lehrte Upollinarij, einen Kompromiß zu erfinden, nämlich die auf die „leichtbeschwingte Pulcheria" geschriebene Ode intferem Mädchen Reonila bo> Yudell«mtevei-, die sich in dem Mo- rosvwschsn Mvdwnagazin allerhand geschliffene, städtische Manieren ungeeignet hatte und, nach Ansicht Äpollinarijs, die feinen Gefühle haben mußte, die unentbehrlich sind, um den Wert der Poesie zu schützen. , , _ , Bei meiner Minderjährigkeit scheute ich mich, meinem Lehrer Ratschläge für seine poetischen Versuchs zu erteilen, aber feine Absicht, die 'Devse der Räherin vorzuüekchmiere», hielt ich für riskant. ' Ich urteilte natürlich «ach meinem eigenen Maßstabe und Meinte, daß, wenn der jungen Aeonila auch einige ^senstano-r städtischer Bildung bekannt seien, die Sprache der hohen Pos«, in der sich Apollinaris an die von ihm besungene Pulcheria wandte, ihr dock kaum verständlich sein würde. Außerdem waren in der Obe an die „Leichtbeschwingte" Ausrufe tote: „O du Grausame', oder „Entschwinde meinen Äugen!" und dergleichen enthalten, w Hila hatte aber von Qlatuc aus einen schüchterne» und blüben Charakter, und ich fürchtete, daß sie das auf sich beziehen würde und bestimmt weinen und davonlaufen werde. Am schlimmsten aber war, daß bei unserer strengen Hausordnung die bom Rhetoriker geplante poetische Probe ganz unmöglich war. Weber Seit, noch Ort. noch die anderen Hmftänbe waren dazu angetan, daß Reonila Äpollinarijs Berse anhöre und sie als erste bewundere. Die G-setzlasig'eit jedoch die sich bei uns seit der Abreise der Eltern breit machte, veränderte alles, und der Motoriker wollte sich das zunutze machen. CW vergaßen wir alle Unterschiede unserer Stellung und spielten jeden Abend Schwarzen Petar: Äpollinarijs rauchte fetnett RjeMner Knaster sogar in den Zimmertt und setzte sich im Speisezimmer in den väterlichen Sessel, was mich ein wenig kränkte. Außerdem wurde einigemal auf seine Beranlassung „Blinde Kuh" gespielt, wobei ich und mein Bruder blaue Flecken davonirugen. Dann spielten wir Versteck, und einmal wurde sogar eine richtige Festivität mit einer großen Bewirtung abgehalten. Dies tvurde alles anscheinend auf „Rechnung des Grasen Scheremetjeto" gemacht, auf dessen Kosten um jene Zeit in Moskau viele unvorsichtig? Schlemmer zechten, bereit verderbliche Bahn nun auch wir, vom Rhetoriker verleitet, einschlugsu. Ich weiß auch heute nicht, wer unserer Dersammlüng ganze Säckchen «Wer Waldnüsse geliefert hatte, die aus den Mauselöchern ge- wonneu waren, wo sich bekanntlich nur die allerbesten Russe zu finden pflegen. Außer den Rüssen gab es noch drei Tüten aus grauem Papier mit gelben Pfeffeischwämmen in Shrup, Goimenblumen- ferrten und fanblerte« Birnen. Die letzteren waren sehr klebrig und ließen sich von tun Händen nicht so schnell abwasche». Diese Frucht erfreute sich deshalb besonderer Aufmerksamkeit, und die Birnen kamen nur als Pfänder zur Verlosung. Mosjka, Osjka und Rosjka erhielten in Anbetracht ihrer anerkannten Richtigkeit überhaupt keine Birnen. Am Pfänderspiel nahmen nur Ammschka, ich und vor allem mein Lehrer Apvllinarij teil, der sich als äußerst gettxmbt im Erfinden erwies. All daS ging im Gastzimmer vor sich, wo sonst nur besonders gelehrte Gäste saßen. Und hier, im Dunste des Vergnügungstaumels, fuhr in Apollinarij trgenbein rasender Geist, und er dachte sich ein noch vermeßnereK Uiktc-rnehmen aus. Er wollte seine Ode in einer grandiosen, sogar schrecklichen Umgebung deklamieren, in der selbst die stärkste« Serben sich in äusterster Spannimg befänden. Er begann u»S allen zuzureden, nächsten Sonntag in Sseliw-ans Wald zu gehen, um dort Maiglöckchen zu pflücken. Als wir aber Abends schlafen S'ngen, eröffnete er mir. daß die Maiglöckchen nur ein Borwand lei; der Hauptzweck aber sei, die Verse in einer recht schrecklichen Umgebung vorzulesen. Auf der einen Seite wird dis Furcht vor Sseliwan wirken, und auf der anderen — die Furcht vor bett schrecklichen Versen ... Wie wird sich das machen, und wird man es überhaupt aushalten Wimen? Stellen Sie sich nun vor, daß wir uns dazu wirllich erkühnten. In der gehobenen Stimmung, in der wir uns an jenem denkwürdigen Frühlingsabend befanden, kamen wir uns alle kühn vor und meinten, das verzweifelte Stück gefahrlos vollbringen zu können. In der Tat, es würden unserer viele fein, und außerdem würde ich natürlich meinen langen kaukasischenDolch mitnehmen. Ich muß gestehen, daß ich es sehr gern gesehen hätte, wenn sich auch die anderen ihrer Kraft und Fähigkeit e,itsprech»nd bewaffnet hätten, aber ich fand bei niemand die nötige Aufmerksamkeit und Bereitwilligkeit. Apvllinarij nahm nur die Pfeife und die Gitarre mit, während die Mädchen Dreifüße, Pfannen, Kessel mit Eiern und eiserne Töpfe mitführten. Im Topfe wollte man Weizen- scütze mit Speck kvchrn und in der Pfanne Eierkuchen backen; . .Hi^Ht waren die beiden Gegmstünde vortrefflich, aber Hinsicht auf die Verteidigung im Falle irgendwelcher Streiche Sseliwcms bedeuteten sie entschieden nichts. Uebrigens Ivar ich, offen gestandet!, auch aus anderen Gründen mit meinen Kompagnons unzufrieden: ich vermißte in ihnen die Aufmerksamkeit Sseliwan gegen übst, von der ich durchdrungen war. Sie fürchteten ihn zwar, aber doch gewissermaßen letchtsivPg, sie wagtett sogar, sich über ihn skeptisch lustig zu machen. Die eine Annuschka sagte, sie werde den Pti ogenwalker mit nehmen und ihn damit totschlage«, die „f(infe,‘ Ammschka scherzte, daß sie ihn tot- beißen werde; sie zeigte dabei ihre schneeweiß«, Zähne und biß mit tonen ein Stückchen Draht ab. Das alles toar recht unsolid, aber der stihetoriker übertraf alle. Er leugnete Sseltwans Dasein gänzlich und sagte, er habe überhaupt nie existiert und sei einfach eine Ausgeburt der Phantasie wie Phthon, Zerberus und dergleichen. Damals sah ich zum erstenmal, wie wert ein Mensch in der Verneinung gehen kcum! Was war damals seine ganze Rhetorik Werst, wenn sie tbm gestattete, die Wahrscheinlichkeit des ins Gebiet der Fabel Mhörsnden Ptzihvn auf eine Stufe mit der Sseltwans zu stellen, dessen tatsächliche Existenz durch eine Menge offenbarer Begebenheiten bestätigt wurde. Ich gab dieser Verführung nicht nach und bewahrte meinen Glarck-M an Sseliwan. 3a, ich war überdies fest überzeugt, daß der Rhetoriker für seinen Unglauben unbedingt bestraft werden □Senn man übrigens dieser philosophischen Seite nicht allziw viel Gewicht beilegte, so versprach der geplante Waldausflug sehr viel Vermiügen, und niemand wollte ober konnte sich dazu zwingen, auf andersgeartete Erlebnisse gefaßt zu fein. Indes zwang eine» die Vernunft, in Metern verwünschten Walde, wo wir sozusagen im Rachen der Bestie sein würden, sehr auf der Hut ju fein. Alle dackten nur daran, wie lustig es fein wurde, sich iw Walde zu zerstreuen, den sonst alle zu betreten fürchteten, wahrend wir keine Furcht hatten. Wir überlegten, tote tote den ktzmzen gefährlichen Wald mit Rufen und Schreien durchziehen und üffe wir über Gruben und kleine Schluchten, in denen noch ber letzte Schn« lag, springen würden; aber niemand dachte daran, ob dies alte» auch gebilligt werden würde, wenn uiHre höchste Obrigteit zw rücktehrte, Uebrigens hatten wir die Micht, aus bett Maiglöckchen zwei große Sträuße für Mamas ^viteitentisch zü binden und aus den überbleibendeu ein vustendes Destillat zustellen, das für den ganzen kommenden Sommer ein vorzügliches SchörchÄtswasser gegen Sonnenbrand abgeben würde. 9. Kapitel. An dem ungeduldig erwarteten Sonntag ließen wir das Haus unter der Obhut der Beschließerin Dementjewna zuruck und zogen nach Sseliwans Wald. Die ganze Gesellschaft ging zu öuß unb hielt sich auf den trockneren hochgelegensn Wegvainen, wo schon das erste smaragdene Gras grünte, während auf der S.raßs der n.rain folgte, der aus einem mit einem alten falben Pterd Mbanntert Wägelchen bestand. Auf dem Fuhrwerk iugen Apclluianis Gitarre und dir für beit Fall ÄneL Unwetters mitgenommenen Mäntelchen der Mädchen. Ich teufte das Pferd, und hinter mir faßen als Passagieiv Rosjka und ander« Mädchen, von denen das eine den bett Siem vorsichtig auf den Knien hielt, Ehrend du« andere die allgemeine Aufsicht über die berscheazmen GegenMnSe hätte, aber vor allem meinen gewaltigen Dolch mit der Hand stützte, den ich an der alten Husarsnschtmr mellms Onkels Schulter hängen hatte, wo er von der einen Seite auf bie andere baumelte, meine Bewegungen erheblich erschwerend und meine Aufmerksamkeit von der Leitung des Pferdes abtentend Die Bauern, denen wir begegneten, grüßten uns und fragten. „Wo wollt ihr hin?" Die Annuschkas antworteten ihnen; Wir wollen Sseliwan gefangen nehmen. Die Bauern schüttelten die Köpfe und sagten: Wir b^ndcm uns in der Tat wie in einem Dunst. Gin unbezwingliches Verlangen, zu laufen, zu singen, zu lachen unb Unsinn zu treiben hatte uns ergriffen. Indes begann mir bie Fahrt auf der schlechten Straße unan genehm zu werden; der alte Falbe langweilte mich, und Freude, die Strickzügel in den Händen zu haben, erkaltete Abte ganz nahe am Horizont blaute Sseltwans Wald, und alte« IM« auf. Das Herz schlug und zitterte, tote einst bet Wrus beim Betreten des Teutoburger Waldes. Lind im gleichen Augmbllck sprang aus einem aufgetauten Ackerrain ein Hase hervor, lief uver den Weg unb raste übers Feld. - __... „Pfui, daß dich der Kuckuckl" schrien ihm unsere Mädchm nach. Sie wußten alle, daß Me Begegnung mit einem Hasen zu nichts Gutem führt. Ich bekam ebenfalls Angst uni langte nach meinem Dolche; während ich nun ganz von der Arbeit, ihn au» der verrosteten Scheide herauszuziehen, in Anspruch genommen war, merkte ich nicht, wie mir die Zügel aus der Hand glitten uw tote ich plötzlich unter den umgestürzten Wagen geriet, den «* Falbe, der nach dem Grase auf dem Wegrain strebte, regelten» umgetoorfen hatte, so daß alle vier Räder nach oben starrt«:, «Iw ich mit Rosjka und unferm ganzen Mundvorrat darunter lag (Fortsetzung folgt) Schristleitung: f)r. Friebr. Wich. Lange. Druck und Verlag her Beühl'schen Univ.-Buch- unb Steindmckerei, R. Lang«, «Meße*