Samstag, 14, Aprtt 1923 — Nr. 15 !>L' Ml tl Der Kampf gegen Benutz- und Vergnügungssucht. Dor einiger Zeit wandte sich der Reichskanzler in einem Rund- schreiben gegen die Dergnügungs» und Genußsucht und betonte, baß •«etq> und Länder gegen diese Auswüchse unserer Zeit mit allen ihnen zu Geobte stehenden Mitteln vorgehen müßten. Eine ent» sprechende Verordnung unserer hessischen Regierung folgte diesem Schreiben bald. Es dürfte nicht allgemein bekannt sein, daß in früheren Jahrhunderten noch mit viel schärferen Mitteln gegen diese schlimmen Antugenden vvrgegangen wurde. Wir den» fim Da an die hessische Kirchen« und Diszrplinorkürung, die der Landgraf Philipp der Großmütige 1343 erließ. Ihre Artikel handeln: , 1- Dom Gotteslästern, Schwöre» und Fluchen' Selbstverständ- Uch ist hier nicht das Schwören vor Gericht oder gar der falsche Eid gemeint, fonbern das leichtfertige Schwören oder Verheißen, wie es^gar oft auch heute noch im täglichen Leben zur Bekräftigung der Wahrheit vvrkommt. Als Strafen gegen diese Vergehen werden angedroht 15 bzw. 30 Kreuzer, in Wiederholungsfällen Turmarrest, Orts« und Landesverweisung. 2. Vom Vollsaufen. Dieser Artikel nimmt einen sehr breiten Raum ein. Er scheint also in besonderem Maße übertreten wor- den zu sein. 3n demselben heißt es, aus dem Vollsaufen entstehe Mel Arges und Böses, nämlich daß die, welche sich sonst wohl miteinander vertrügen, uneinig würden, einander schlügen und mor» deten. Auch viele, die sonst wohl lange leben möchten, würden sich durch Das Vollsaufen ihr Leben abkürzen: ferner würde gar man» mit Weisheit und Vernunft gar wohl begabt sei, durch das lästerliche Vvllsaufen jn Verlust seiner Gesundheit und seines guten Gedächtnisse, und zuletzt wohl zu ganzer Zerrüttung seines Kopfes geraten. Desgleichen furde man manchen, der wohl schweigen könne, dem auch geheime und wichtige Sachen zu vertrauen seien; wenn^derselbe aber voll sei, schlüge er los und offenbare durch den Mund die ihm «»vertrauten Geheimnisse. Es folge aus diesem lästerlichen und vermaledeiten Vvllsaufen alle Gottlosig- reit, Aneinigkeik, Verderbnis und soviel Arges, Hebel und Böses mß es unzählbar sei, wie denn die Erfahrung lehre, daß dem Dollen weder Schenkel noch Fuß, weder Kopf noch Hände ihr Werk verrichten wollten, desgleichen würde mancher durch Vollsaufen sein Angesicht und seine Gestalt, die ihm Gott gegeben, so verderben öaß cS seine natürliche Farbe verliere, aufgedunsen, rot und ungeschickt würde, daraus noch zuletzt ber Aussatz und andere Krankheiten folgten. Deshalb soll der, welcher sich volltrinkt, das erste Mal mit einem Gulden bestraft werben. 3n Wiederholungsfällen soll achtmonatiger Turmarrest, Orts- und Landesverweisung eintreten. Aehnliche Strafen treffen auch den schuldigen Wirt. 3. Vom Ehebruch. Bei diesem Vergehen wird für beide Teile ein zweimonatiger Turmarrest bei Wasser und Brot, im Wiederholungsfall Landesverweisung vorgesehen. 4. Vom Kirchengehen. Ein Aichtbefolgen dieses Gebotes wird mit 6 Schillingen bestraft. Gleiche Strafe trifft auch alle Eltern und Herrschaften, die ihre Kinder oder ihr Gesinde nicht in die Katechismuslehre schicken. 5. Dom Tanzen. Alles Tanzen soll abgestellt werden. Rur bei Hochzeiten wird ein „züchtiger und ehrlicher Tanz", der jedoch nur am Tage stattfinden und nicht länger als 2 Stunden währen soll, erlaubt. Ein Vergehen gegen dieses Verbot wird zunächst mit Geldstrafen, im Wiederholungsfall mit achtmonatigem Turm- ärrest, Orts» und Landesverweisung bedroht. 6. Von der Kirchweihe. 3n diesem Artikel werden die Kirchweihen gänzlich verboten. Die Gemeinde, welche dieses Verbot übertritt, soll mit 20 Gulden, der Pfarrer dieser Gemeinde aber mit Absetzung bestraft werden. Z. Von der Kindtaufe. Keiner, er sei arm oder reich, soll mehr denn einen Tisch (10 Personen) zum Kindbett laden. Auch soll man bet der Kindtaufe nicht mehr denn eine Mahlzeit halten, diese darf nicht länger als zwei Stunden dauern. Zeder, der diese- Gebvt übertritt, oder sich volltrinkt. soll das erste Mal mit 3 Gulden, im Wiederholungsfall mit Freiheitsstrafen, Orts- und Landesverweisung bestraft werden. Endlich ergeht an alle Beamten, Geistlichen und Schultheißen der Befehl, dafür Sorge zu tragen, daß obige Bestimmungen eingehalten werden. Aehnliche Bestimmungen enthält die Kirchen- und Disziplin» ordnung, die am 6. Zuni 1583 der Graf Eonrad von Solms» Braunfels für die Stadt Grüntngen erließ. Ein Auszug aus derselben möge hier folgen: Von den Predigten. Wer die Predigten mutwillig versäumt und unter dem Predigen Zechen, Spielen. Pfeifen, Tanzen oder andere Leichtfertigkeiten treibt, vor dem Rathaus auf der Gasse oder im Feld spazieren oder Im Flecken seinen Geschäften nachgeht, soll 3 Torneß geben; ebenso soll ein Wirt, der unter der Predigt Wein abgibt, mit 3 Torneß gestraft werden. Wenn jemand unter der Predigt schwätzt oder schläft, oder die Predigt, die am Sonntagmorgen nicht über eine Stunde, nachmittags und an Wochentagen nur eine halbe Stunde währen soll, nicht bis zu Ende anhört, soll er für die Sonntagspredigt 3 Torneß, für die Wochenpredigt 2 Torneß erlegen. Es soll ein jeder Pfarrer ein Verzeichnis feiner Katechismus- schuler haben. Die Eltern und Herren der fehlenden Schüler sollen ledesmal mit 1 Schilling bestraft werden. Die Wochenpredigten und Dettage sollen im Sommer bei An- bruch des Tages gehalten werden, damit ein jeder zeitig an seine Arbeit komme und von mindestens einer Person aus jedem Hause besucht werden bei Strafe von 2 Torneß. Wer ohne Mantel oder Rock, wofern ein solcher vorhanden lst, zur Kirche kommt, soll allemal einen Schilling erlegen. Die Huden sollen bis zum Ende der Sonnlagspredtgk ihre Behausung geschlossen halten, auch Sonntags nicht kaufen ober verkaufen bei 3 Gulden Strafe. Don den Sakramenten. Die Eltern sollen mit der Taufe ihres Kindes nicht länger als Z Tage nach der Geburt warten bei Strafe eines halben Gulden. Das Kindbett soll, um Unkosten zu vermeiden, nicht länger als 1 Tag währen. Es soll das Abendmahl des Herrn zum wenigsten alle 4 Wochen gehalten werden und sich die ganze Gemeinde dazu schicken. Diejenigen, die den Tisch des Herrn zum 3. Mal vorsätzlich versäumen, sollen mit christlichem Bann unh Ausschluß aus der Gemeinde gestraft werden. Don den Hochzeiten. Wenn Bräutigam und Braut aufgerusen werden, sollen sie in der Kirche bleiben und auch selbst neben den anderen für sich bitten helfen bei Strafe eines Torneß. Brautpaar und Gäste sollen beim Zusammenläuten ordentlich zur Kirche gehen und bis zum Ende des Gottesdienstes in derselben bleiben bei Strafe 1 Gul- &cn für das Brautpaar und 1 Torneß für die Gäste. Die Hochzeits- i^vze sollen ehrlich gehalten werden und sich keine An berufenen dabei finden lasse» bet Strafe dreier Tornetz. Aach dem Tod eine- - 58 - alles in schlechtem Zu stand, da Roheit und viele Streitigkeiten unter den Gemeindegliedern herrschten. Daß die Trunksucht in unserer heutigen Zeit stark zurückgegan- gen ist, ist wohl hauptsächlich in den hohen Preisen der Spirituosen begrüntet. Wohl beklagen Mir die hohen Preise der Lebensmittel: die starke Preissteigerung ter geistigen Getränke wird aber jeder Volksfreund mit Freuten begrüßen; denn sie kann nur zur sittlichen Hebung unseres Volkes beitragen. Quer durch den Urwald von Kamerun. Ejne Elefantenjagd. Hm Berlage von Georg Stille, Berlin NW 7, ist ein Buch Quer durch den Urwald von Kamerun" erschienen, das vor allem in Kolonialkreisen Aufsehen erregen wird da es zum Teil noch vollkommen unbekannte Gebiete behandelt und kartographisch darstellt. Der Verfasser ist Fonstrat Dr. Georg E s ch e r i ch, der nicht nur als Politiker und Organisator, sondern auch als Reisender und Forscher sich einen» Namen gemacht hat. Der Verfasser warte im Jahr«t 1913 auf Grund seiner früheren erfolgreichen afrikanischen Reisen vom Reichskolonialamte mit einer Forschungsexpedition in das von Deutschland durch das November-Abkommen vom Jahre 1911 neu erworbene Gebiet von Kamerun betraut. Nach außerordentlich anstrengenden, fast 6 Monate dauernden Märschen, die mitunter durch harte Kämpfe mit den kriegerischen Fang-Stämmen erschwert wurden, gelangte die Expedition nach Durchquerung des mittelafrikanischen ur- waldes in das Schlafkrankheitsgebiet am oberen Sanga und von dort im Stahlboot zum Kongo. Was der Verfasser über den utrendlich großen mittelafrikanischen Urwald, über seine ziffernmäßig gar nicht zu fassenden Holzmassen, über seine unglaublichen Zuwachsver- hültnisse und die daraus sich ergebenden wirtschaftlichen Möglichkeiten zu sagen weiß, ist nicht nur für den Forstmann, sondern für jeden Wirtschaftler von größtem Interesse. Beim Lesen des Buches wird so recht klar, welche unendlichen wirtschaftlichen Möglichkeiten Deutschland schon durch den Raub dieser einen Kolonie verloren hat. Escherich gibt in seinem Buche auch ungemein fesselnde Jagd- und Naturbilder. Die folgenden Erlebnisse auf der Elefantenjagd mögen dies belegen: Stuntenlang dauert ter Marsch, bergauf, bergab, durch Wasser und Sumpf. Da endlich, die erste frische Fährte! Ein starker Elefant und ein schwacher. Wir folgten den teioeir bergwärts ziehenden Fährten. Bald finden wir eine dritte imo vierte, alle ganz frisch von heute morgen. Kein Zweifel, eine Herde Elefanten ist in ter Nähe. Da und dort ist ein armdicker Stamm abgedreht und aus Mutwillen beiseite geworfen worden, dort hat ein Elefant eine Liane herabgerifsen, dort wieder hat einer im Schlamm ein Bad genommen, so daß ter Lehmbrei weit umhergespritzt ist Gr ist noch nicht trocken. Es kann also nur um Viertelstunden sich hanteln, daß hier die 2 üsselträ^ee waren. 2Ij und zu bleiben wir stehen, um in den stillen Urwald zu horchen, ob wir die Riesen nicht hören können. Da hält ter Alte plötzlich an und winkt mich heran. Richtig, auf etwa 100 Schritte vor mir steht ein mächtiger Elefant und äst an den Zweigen des Unterholzes. Zum erstenmal sehe ich einen Elefanten in ter Wildnis. Der Ur» wald ist hier aussichtiger als sonst. Die Riesenstämme sind weit verteilt, ter Unterbestand ist weniger dicht, so daß man einigen Ausblrck hat. Ich bringe das Glas nicht mehr von den Augen und verschlinge mit wahrer Gier das für ein Jägerauge doppelt reizvolle BW! — Mokunte, ter dicht hinter mir steht, raunt mir zu: „Woman! Ich habe längst an dem schwachen Elfenbein erkannt, dah es sich hier um ein weibliches Stück handelt, und kann mich also ungestört an seinem Anblick freuen. Wer den Elefanten nur im Zoologischen Garten oder im Zirkus gesehen hat, kann sich keinen Begriff von ter Schönheit des Tieres in ter freien Wildbahn machen. Es ist ein ganz anderes Tier, das wir hier sehen, als seine armen, unglücklichen Artgenssen, die man dem grvhstädtischen Publikum „in Freiheit dressiert" verführt. In seiner afrikanischen Heimat, im Gefühl seiner noch ungebrochenen Kraft mutzt ihr die Riesen sehen. Dann erst habt ihr Elefanten gesehen! Da hebt der Elefant den Rüssel, um in ter oberen Luftschicht sich die Witterung Lu holen, und schon kommt ihm die Sache verdächtig vor. Gr stützt eine Art Mesen aus, das ter alte Pangwe auf unserer Seite täuschend beantwortet. Umsonst, ter Wind steht schlecht, ter Elefant läßt sich nicht täuschen, wendet blitzschnell und ist mit Gedankenschnelle verschwunden. Nie hätte ich dem plumpen Tier solche Gewandtheit in Wendungen zugetraut. Wir begeben uns dorthin, wo er gestanden. Deutlich ist ter sützliche Elefantengeruch wahrnehmbar, ein nicht zu verwechselnder unangenehmer Geruch. — Und schon wieder hören wir im Busche links vor uns einen V Elefanten, und wieder gelingt es uns, seiner ansichtig zu werden. Ehegatten soll eine Witwe % Jahve mit dem Wiederverheiraten , warten. ®tn Witwer kann mit Genehmigung der Obrigkeit diese Zeit abkürzen. Von anderen öffentlichen und ärgerlichen Lastern. Zauberer und Zauberinnen, besonders solche, die mit Segnen umgehen, sollen an Leib und Leben nach ter göttlichen vchrift und Rechten gestraft werden. Die Flucher und Lästerer sollen erstlich mit 4 Schillingen, darnach mit 4 Tornetz, dann mit 1 Gulden und endlich mit Turmarrest bestraft werten. Helfen diese, Strafen nicht, dann soll Landesverweisung eintreten. Eheleute, die übet haushalten, sich übet mit anderen betragen, ungezogene Kinder haben^. ihre Gebete nicht können, füllen mit einem Gulden gestraft weiten. Die ungehorsamen Ätnuer ater , tee ihren Eltern fluchen, ihnen nicht folgen, sie verachten oder übel halten, sollen mit einem Gülten gestraft werden: kann tee Strafe nickt erleat werden, tritt Turmarrest ein. Die Vollsäufer, sonderlich die öffentlich auf ter Gasse mit Rufen Kreischen usw. die Gemeinte Gottes ärgern, sollen mit einem ©ulten gestraft werten. Wucherer und unchristliche Hantiere7 sollen ihre Ware durch ihre Mißhandlung verwirkt ^urer und Ehebrecher sollen in den Bann getan und aus der Gemeinde ausgeschlossen werten. Auch sollen tee Fastnacht und Kirmessen durchaus abgeschasft sein und bleiten. DÄ ^^Begräbnissen in Erzeigung ter letzten Liebe soll es auch ordentlich und ehrlich zugehen. Beim Vergleich dieser Disziplinvrdnung mit ter vorigen aus dem Jahre 1543 finden wir, datz in ter letztgenannten tee augedroh- ten Strafen viel härter sind. „Qc Interessant ist auch eine P ° l i z e i v e r o r d n u n g, die 1 6 3 , also noch während des 30iahrrgen Krieges, Gietzen erlassen wurde. Sie hantelt vom fleißigen $Mnd) ter Predigten vom hl. Abendmahl, von ter Kinterlehre, vom Gottes- lästern Fluchen und Schwören, vom Ehebruch, vom Fressen und Saufen In letzterem Artikel wird auch ter Wirtshausbesuch an S^nn^und Festtagen gänzlich verboten, und Uetertretungen werten mit Gefängnisstrafen bedroht. Wie schon vorn erwähnt wurde, scheint temals tee -vuv^cht sehr stark in unserer Gegend geherrscht zu haben. Dies ist nicht zu verwundern: waren doch noch vor 100 Jahren auf fast allen Döbern Bierbrauereien und auch Branntweinbrennereien vorhan- ^Datz nicht nur das Volk, sondern auch Geistliche öft^s dem Trünke ergeben waren, geht aus ten Synodalberichten ter damaligen Zeit hervor. So wurde auf ter Synode am 13. Mai 1572 zu GwtzM-Linten nach Punkt 6 des Synodal-Protokolls bestimmt: Die Pastoren sollen sich por ärgerli^m Lebern Are ^n. Saufen und unterer Leichtfertigkeit hüten und hr F'A^uchtenlafsen vor ten Leuten." Ferner wurde auf dieser Synode tem .Pfarrer Weishun von Niederkleen befohlen, sich leichtfertiger Dachm, und teS Zechens zu enthalten, tem Pfarrer Joh. Kinzenbach von Hausmt vvrgewOrfen, er habe sich ganz leichtfertig und ärgerlich gehalten, sei immer voll Weins und gehe mit seiner Hausfrauutel um. Recht intereslant in dieser Hinsicht ist auch tee Synote, welche am 23 Juli 1582 zu Dutenhofen stattfand. Es waren aut derselben 18 Geistliche aus ter Umgegend von Gietzen erschienen. Die Synote begann mit den Zensuren ter Änzelnen Geistlichem Diese fielen zum Teil recht ungünstig aus. Pfarrer Keusler von Kirchgöns war von seiner Gemeinte verklagt warten Gr wurde ernstttch ermahnt, sich zu bessern und verfiel in 10 Gulden Strafe. Dem Pfarrer Tobias Stockhausen zu Grotzen-Linten gaben die Amtsbrüter gutes Zeugnis in seiner Berufstätigkeit: was ater sein Leben anbelange, sei er sehr tem Trünke geneigt und brauche viel Branntwein. Der Pfarrer Joh. Kinzenbach von Hausen tourte wie schon auf ter vorigen Synode, zu mehr Steiß in seinem Rmte angehalten und vor tem Zechen, Dollsaufen, Gezanke und anderen Lastern getoarnt. Namentlich wurden ihm folgende Laster vor- geworfen: _ , a) Er mische sich in Gerichts- und andere Händel. b) 3m Zechen fange er Gezänk mit ten Leuten an. c) 3m Zechen reiße er ten Weibern den Schleier ab. d) Er stehe j-tzt im Lande in einem bösen Geschrei wegen feiner Familie usw. Der Pastor Nikolaus Hunius zu Rodheim ist vor ter Trunkenheit gewarnt worden. Dem Pfarrer Friedrich Gernand zu Heuchelheim wurde vorgewvrfen, er studiere und lese nichts; seine Predigten würden mißfallen, auch sei er tem Trünke und tem Fluchen sehr geneigt, wie er sich denn zu Gießen etliche Mal ungebührlich aufgeführt habe. Deshalb hielt man ihn zu größerem Fleiß und züchtigem Geben und Wandel an. Noch vor 200 Jahren stand das sittliche und religiöse Leben in unserer Gegend aus einer ziemlich tiefen Stufe, hervorgerufen hauptsächlich durch ten Alkoholgenuß. Dies geht aas ten Protokollen ter Kirchenvisitationen hervor. So klagte am 25. Oktober 1703 ter Pfarrer Rüdiger von Reiskirchen (Kr. Wetzlar), daß in seiner Gemeinte lauter gottloses Wesen, Zank, Hader, Fluchen, Vollsausen stattfinde. Bei der am folgenden Tag in Volpertshausen und \ Weiten hausen ftattfintenten Visitation- wurden die Bewohner dieser Orte zur Besserung ermahnt. Bei ter Visitation in Hochel- ! heim und Dornholzhausen am 29. Oktober sand man an beiten Orten ' — SS — Dasselbe MlS wie vorher, ein starkes, weibliches Stück mit schwachen Zähnen. Auf allen Seiten hören wir jetzt Elefanten, die bei der Nesung hin und her ziehen und unter ihren wuchtigen Tritten das au? dem Boden liegende Dürrholz zusammenkrachen. Einer scheint auf uns zuzuziehen. Dann hält er wieder, um sich an den Blättern" Les Unterholzes gütlich zu tun. Der Wind steht gut. Also ver° uchen wir es und pürschen uns auf 30—40 Schritte heran. W i r, >. h. ich und Motunde. Der wackere Johnny sowie der Alte mit einem Enkelkind hatten auf die weitere Begleitung verzichtet und ich hinter die Drettwurzeln eines gewaltigen Baumwollbaumes zurückgezogen. Die Sache scheint demnach ernst zu werden. Der treue, furchtlose Motunde mit feinem Haumesser als einzige Waffe steht hinter mir, zitternd vor Jagdleidenschaft. Gegen Sicht durch herabhängendes- Lianengewirr gedeckt, will ich noch ein paar Schritte heran und dann die Sache abwarten. Ab und zu vermag ich die .Umriffe des mächtigen Tieres zu erkennen. Ab und zu sehe ich für einen Augenblick den Rüssel nach dem Astwerk greifen, dann die riesigen Lauscher in ununterbrochener Bewegung. Aber immer noch nicht kann ich das Elfenbein erkennen. Ich habe noch keine Erfahrung und weih nicht, was ich vor mir habe. Dulle oder Kuh? Rur das eine weih ich, bah das vor uns stehende Tier weit stärker ist, als die vorher gesehenen. Motunde ist in höchster Aufregung, er zittert und schnauft geradezu vor Jagdleidenschaft. Er hat natürlich längst weg, dah es sich um einen starken Dullen handelt, und wimmert fast vor Aufregung, dah ich nicht schiebe. „Manl Dig deut! Schiehen!" so drängt er unablässig in mich. Doch ich will selbst sehen, was ich vor mir habe, ich bin ein zu alter Jäger, um meiner Begleitung ohne weiteres zu glauben. Endlich sehe ich für einen Augenblick einen Zahn. Der Augenblick genügt. Unzweifelhaft ein jagdbarer Bulle! Run gibt es fein Besinnen mehr, die Büchse soll sprechen. Ich sehe das Ziel. Da dreht der Elefant sich und in langsamem Schritte kommt er mit schlenkerndem Rüssel auf uns los, nicht ahnend, dah hinter den Lianen für ihn der Tod lauert Schm, zwanzig Schritte ist der Gewaltige an uns heran. Rasch entschlossen steige ich auf ein am Boden liegendes Stammstück, um bessere Aussicht zu haben, und genau 16 Schritte waren es, als ich von meiner erhöhten Warte aus dem Riesen die Kugel an den Rüsselansah^ setzte. 3n meiner Jagdleidenschaft hatte ich mit dem schweren Rückstoh der Büchse nicht gerechnet. Mein unsicherer Stand vermochte diesem starken Rückstoß nicht zu trotzen, und im Schüsse wirft es mich rückwärts von meinem Stand herab platt auf den Rücken, dah mir die Knochen krachen. Schade darum, dah mir auf diese Weise das schönste Schutzzeichen meines Lebens, das blitzartige Zusammenbrechen des starken Riesen, versagt blieb. Ewig schade darum! Als ich mich mühsam mit Hilfe Motundes von dem schweren Sturze erhob, da war das erste die stürmische Frage: „Wo ist der Elefant?" „ Finish dort," grinste Motunde. Ich hätte den schmutzigen schwarzen Kerl vor Freude umarmen Birnen und habe es vielleicht auch getan, so glücklich war ich in diesem Augenblicke. Der erste Schutz aus Elefanten gleich ein tödlichen Treffer, das hätte ich in meinen kühnsten Träumen nie zu hoffen gewagt! — Dor uns liegt das mächtige Tier regungslos. Blitzartig hat ihn die Kugel durch das Gehirn gestreckt. In dünnem Faden K der rote Lebenssaft aus der Stirne des gefällten Riesen chtig nähere ich mich mit Motunde von der einen, Johnny und der Alte von der anderen Seite, bangend, ob vielleicht noch ein Lebensfunke, der uns gefährlich werden könnte, dem mächtigen Körper innewohnte. Doch, wo ist der Kleine? Er hat sicherlich längst das Weite gesucht. Doch nein, da ist er ja, eben klimmt er auf eine Dorder- säule des Elefanten hinauf und bohrt den kleinen Finger in das Kugelloch, Gegensätze, wie man sie sich nicht gröher denken kann: der gefällte Urwaldriese und der kleine Knirps!---— Es kann auch anders gehen. Bei Adjuge ist es, genau zwei Monate später. Seit einigen Tagen habe ich mit wenigen Leuten, weitab von meinem Haupttroh, mitten im Urwalde Lager bezogen, um den dortigen, ganz besonders schönen und an Edelhölzern reichen Bestand zu studieren und verschiedene Probeflächen auszunehmen. Am 1. Juli morgens ziehe ich mit meinen Getreuen am Rande eines Urwaldbaches dahin. Da und dort werden Messungen vor- fiettommen oder eine kurze Rast benützt, die Beobachtungen und Messungen zu Papier zu bringen. Wiederholt ist es uns, wie wenn wir in ziemlicher Entfernung ein dumpfes Brechen hörten. Dir horchen gespannt auf. Sollten es am Ende doch Elefanten sein? Da auf einmal ein kurzer, scharfer Knall, fast wie ein Büchsen- schuh. „Elefant," ruft Motunde und langt nach der schweren Büchse, die er seit jener glücklichen Elefantenjagd tagtäglich mitschleppte, wochie er auch sonst noch so belastet fein. -Unter Führung unserer beiden Eingeborenenbegleiter geht es hurtigen Schrittes in die Richtung, in welcher der Elefant vorhin «neu jungen Daum abgeknickt hatte, um besser zum Laube ge- to&m M komum. Das war der Knall gewesen, den wir vorhin ^npfnAtten' Sicherheit finden die Eingeborenen r?"S^uchten Platz In wenigen Minuten stehen wir vor dem abgedrehten zähen Baumstamm. Es ist kaum zu glauben, datz es tierische Kräfte gibt die eine fotöje getoalttge Arbeit zu leisten vermögen. Der Daum mitzt an 5er Stelle kurz über dem Wurzelansatz, an dem er abgedreht ist" fast 30 cm, und ist in etwa 10 m Höhe nochmals an einer Stelle HA g[aU abgebrochen. Dabei handelt es morsches, sondern um frisches, grünes, zähes SeStÄ f eigenen Augen nicht selbst gesehen und die Starken selbst gemessen, ich wurde es nie und nimmer glauben, m. ,®eV. Elefant, der, wie uns die Fährte zeigte, ein sehr starker ^ L°igEger war, hatte in der Umgebung des Platzes übel ge- Baume ringsum zeigen fast alle bis weit hinauf Hand- hat mit den Zähnen die Rinde losge- fte mit dem Rüssel erfaßt, streifenweise losgerissen und ^.AB^&ei^nn2ecfeSlffen versehrt. Ab und zu zeigt die Rinde sbst Unn^Ubtoer£lxMt der Elefant sich sicher, hier kann er' Wie selbst gesehen zu werden, den Jäger auf ein paar Schritte ^st"z"u Ozer?ran!peln"' ™ 8U überrennen und nach Herzens- dem Ange war in dem Dickicht Nichts auszu- stachen, vielleicht aber können wir den Riesen hören? 8 „ -Uno richtig wir Horen das bekannte Rauschen im Blätterwald« Der Elefant zieht etwa 50 Schritte vor uns in der Dickung Einen Augenblick sehen die Schwarzen über den Gipfeln den Rüssel mit dem er die Luftschicht prüft. Der Wind aber fitzt uns im Rackm uad mit stillem Wutschrei bricht der Riese ein Stück weit g^en aas los- Dann wird es stille im Busch. Der Riese lauert auf vie erge! Äein Ätoeifel, wir haben es mit einem kampflustigen Einzel- gätiger ju tun und haben einen furchtbaren Gegner vor uns, der bereit ist, den Kampf aufzunehmen. Keine 100 Schritte hangaufwärts steht der Riese im dichtesten Pflanzengewirr, unsichtbar und unerreichbar für die Büchse Um eine Kugel richtig anbringen zu können, mutz man dicht an den Kolotz heran. Aus vielleicht 5-10 Schritte. Sonst ist es unmög- lich, die Kugel sicher anzubringen. — -.E^Wabnsinn für jeden vernünftig denkenden Menschen! Man mutz sich doch sagen, dah in diesem ungleichen Kampfe alle Vorteile auf feiten des Riesen und so gut wie keine auf der Seite des anpürschenden Jägers liegen. Und doch ist die Jagdleidenschaft größer als jedes Denkvermögen! Sie hat mich in einer Art und Weise erfatzt, wie fast noch nie in meinem Leben. Stand doch auch das edelste Wild, das die Erde trägt, der alte, wehrhafte Einzelgänger, auf kaum Schrvtschuhweite vor mir. Rimmer darf ich diese Gelegenheit verpassen, mag daraus werden was will! Angestrengt"'lauschen wir. Richts, auch nicht das geringste ist von der Rähe des Riesen zu merken. Mäuschenstill steht der Gewaltige in unserer nächsten Nähe. Kein Kollern, kein Klappen der Lauscher, keine auch noch so kleine Bewegung verrät feinen Standort. Der Elefant lauert heimtükisch auf den Feind, um ihn zu zermalmen. Er hat mit feinen feinen Siniitn unsere Annäherung längst wahrgenommen und Weitz auch, ohne uns zu sehen, genau, wo wir stecken. Solange wenigstens, als wir uns rühren. Run auch wir auf einmal stille geworden find, glaubt er sich im letzten Qlugenbtia um feine Beute betrogen. Mit schrillem, markerschütterndem Kampfgeschrei bricht auf einmal der Koloß los, datz die armdicken Stangen brechen wie Zündhölzer und weithin Schlamm und Erde stieben! Dis auf allernächste Rähe stürmt er heran, direkt auf uns los. Das hält der Teufel aus! Der Buschmann vor mir ist schon verschwunden, wie wenn ihn die Erde verschlungen hätte. Auch ich reihe aus und stürme hinter dem nach mir rufenden Motunde drein, bis ich eine Stelle finde, mich seitwärts vom Wechsel in die Büsche zu schlagen. So mag der Elefant vielleicht über meine Spur hinausprellen, dieweilen ich klopfenden Herzens mich an einen starke« Bambus klebe. Es hätte wohl alles nichts geholfen, wenn nicht auch der Elefant „Nerven" bekommen hätte Kaum 8 Meter vor mir hatte er, tote tote später an Len Fährten unzweifelhaft feststekten konnten, gebremst, gewendet itnb war dann wieder in ruhiger Gangart in die Nahe seines alten Standortes zurückgewechfelt. Auf ganze 8 Meter also war der Diese an uns herangetoesen, und auch nicht eine Handbreit des gewaltigen Körpers hatte ich erkennen können I So unendlich dicht war dort der Blätterwald. Statt aber einzusehen, tote gänzlich unmöglich es sei, unter diesen Verhältnissen einen sofort tödlichen Schuh anzubringen und Len Riefen niederzuwerfen, bevor er mich erreicht und zerstampf hatte, hält mich blinde Jagdleidenschaft weiter im Stanne Roch immer will ich die Hoffnung, den Diesen zu strecken, nicht aufgeben. Also nochmal heran an den furchtbaren Gegner! Genau das gleiche Spiel. Wie eine gewaltige Lokomotive pras- selt es auf uns los, wieder rennen wir um unser Leben, und wieder stoppt im letzten Augenblicke der Riese vor dem Zwerglein ab. Gin zweites Mal war der Tod um Haaresbreite an mir vorübergegangen. — Seit diesem Erleben im Buschs von Adjuge belächele ich so manche E.zählung afrikanischer Dimrode, die im dichtesten Dusch den heranprasselnden Elefanten mit tödlicher Kugel zur Strecke gebracht haben wollen. — Meiner Ansicht nach ist der Mensch, der den an Furchtbarkeit alles übertreffenden Angriff eines Elefanten bis auf allernächste Dähe kaltblütig aushält, noch nicht geboren! Bei der Körperstellung des angreifenden Elefanten ist eS eine Anmöglichkeit, ihn mit Sicherheit fv zu treffen, daß der Riese wie vom Blitze erschlagen in seiner eigenen Fährte zusammenbricht. Gelingt dies aber rricht, so wird er mit tödlicher Sicherheit den Schützen erwischen, ihn in die Luft befördern oder zertrampeln, so daß der Verwegene dann keine Gelegenheit mehr hat, von feinen Heldentaten zu erzählen. — Der hundertjährige Lederstrumps. Lederstrumps, der ewig junge Freund unserer Jugendträume, feiert jetzt seinen hundertjährigen Geburtstag. Es war im Jahre 1823, als James Fenimore C v o p e r die erste jener Lederstrumpf- geschichten veröffentlichte, die seinen Helden und ihn selbst weltberühmt machten. Es war das der Roman „Die Ansiedler oder Die Quellen des Susquehanna", der während der Devoluttonszeit vom Ende des 18. Jahrhunderts spielt und uns den lederbestrumpf- ten Nathanael Bumpv zum erstenmal in seinem Zusammenleben mit den Indianern Vvrführt. Der Jäger Datth, dieser großartigeThPus des amerikanischen Kolonisators, wird hier im Mannesalter geschildert,- in dem darauffolgenden Werk „Der Letzte der Mohikaner". das man vielfach für den Höhepunkt des Cooperschen Schaffens angesehen hat, werden wir dann geschichtlich weiter zurück- geführt in die wilden und blutigen Kämpfe zwischen den Amerikanern und den Indianern. „Der Pfadfinder", die nächste Leder- strumpf-Geschichte, vertieft das Charakterbild der unsterblichen Gestalt, indem sie ihn auf Freiersfühen und in der Rolle des groh- mü.lg Entsagenden zeigt. „Die Prärie" mit ihren grohartigen Na- 1r'.rschilderunk.-n zeigt das feierliche Ende des Trappers in der einsamen Anermeßlichkeit der großen Natur, und der zuletzt erschienen« Roman „Der Wildtöter" führt uns in die Anfänge des Krieges zwischen England und den amerikanischen Kolonien und gibt Bilder aus der Jugend des Lederstrumpf, dessen unendliche Beliebtheit den Dichter veranlaßte, den Helden auch noch in seinen Anfängen zu zeigen. Cooper hat mit dieser Romanserie das Heldenepos der Kolonisierung Amerikas geschaffen: jene heroische Zeit der amerikanischen Geschichte von 1743—1804, in der die Kolonien ihre Selbständigkeit erlangten und sich das ganze Land unterwarfen, ist in einer so wundervoll epischen Weise dargrstellt, daß die Amerikaner nicht mit Anrecht in Cooper ihren Homer verehren. Durch Zufall war der Dreißigjährige zum Dichter geworden. Er las einen Roman aus der englischen Gesellschaft, der ihn langweilte, und erklärte im Scherz, er könne eine sehr viel bessere Geschichte schreiben. Seine Fvau und fein« Freunde ermutigten ihn, dies zu tun, und so erschien zunächst 1820 die wenig beachtete Geschichte „Precaution", bis dann im folgenden Jahre der Dichter mit dem Abenteuerroman „Der Spion" das geeignete Feld seiner Tätigkeit fand und £ mach mit den schnell aufeinanderfolgenden Leder- strumpfgeschichten den. Höhepunkt der Beliebtheit erreichte. „In jeder von mir besuchten Stadt Europas." schrieb der Erfinder des Telegraphen Morse 1832. „liegen Coopers Werke zuvorderst in den Fenstern jeder Buchhandlung. Sie werden in 34 Städten Europas sofort veröffentlicht, wenn er sie vollendet hat: sie wurden von amerikanischen Reitenden in den Sprachen der Türkei und Persiens gesehen, in Aegypten'. Jerusalem und Jspahan." Cooper war der erste amerikanische Schriftsteller, der Weltruhm erlangte. ' Auf dem Friedhof des Städtchens Cooperstewn, auf dein Hügel, der den Otsegv-See überblickt, steht das 25 Fuß hohe Grabdenkmal Coopers, und es ist bekrönt worden von der Statue des Jägers Lederstrumpf mit feinem Hund. Wie in diesem Brvnzedenkmal, so ist im Andenken der Welt die Gestalt des Dichters für immer mit seiner besten Gestalt verknüpft. Lederstrumps ist nach einem Wort Lowells „der Dorkänrpfer der epischen Kunst der Reuen Welt, eine Figur so dichterisch wie die des Achilles, so unsterblich wie Don Quixote, so romantisch in ihrer engen Verknüpfung mit dem Vvlksgeist wie die König Arthurs in den Tagen des Ritter- tums " „Ich glaube nicht," sagte Balzac, „daß das Werk Walter Scotts eine so grandiose Schöpfung besitzt, wie die dieses Helden der Savannen und der Arwälder." Was an Natth Bumpo feine ersten Leser entzückte und jugendliche Gemüter ewig entzücken wird das ist der Hauch der Arsprünglichkeit, die Verkörperung eines Ideals, das der Natur alles, der Zivilisation nichts verdankt. Von dem menschlich-gütigen und heldenhaft abenteuerlustigen Geiste Lederstrumpfs geht die ganze Jndianerromantik aus. die in sei- nem Zusammenleben mit den Freunden Chingakgook und Ankes ihre Verllärung erfährt. Cooper lieh dieser Gestalt alle Vorzüge seiner eigenen Begabung. Die feinste Empfindung für alle Vorgänge der Natur, die schärfste, unbewußte Beobachtung, der nichts entgeht, das Denken in anschaulichen Bildern, den Ausdruck in volkstümlich einfacher Form. Aber er zeichnete zugleich ein geschichtlich getreues Bild, denn die Figur des Lederstrumps ist einem der frühesten amerikanischen Pioniere, Daniel Doone, dem Gründer des Staates Kentucky, nachgebildet. Doone drang als Erster in -das noch ganz unbesiedelte Kentucky ein, lebte hier als Jäger üt Kämpfen mit den Indianern und brachte 1760 eine Schar von Pionieren in die Arwälder des Landes, wo er nach langen Kriegen mte den Indianern, in denen er der tapferste und kühnste war. festen Fuß faßte. Seine Abenteuer haben in den Lederstrumps- geschichten eine dichterische Verklärung gefunden, die noch heust, fortleuchtet und auch große Künstler unserer Tage wie Max Dle- vogt in seinen wundervollen Illustrationen, zum Nachschaffen und Deufchaffen der Gestatt anregt. Die Wissenschaft vom Tuch. . Das Kaiser-Wilhelm-Jnstttut für Faserstoff-Chemie in Dahlem bei Derlin hat sich die Aufgabe gestellt, die Faserstoffe einer bisher verabsäumten, systematisch-wissenschaftlichen Erforschung zu unterwerfen, um damit auch für die Textil-, Zellstoff- und Leder- Industrie praktische Wirkungen zu gewinnen. Der Leiter des Institutes, Prof. R. O. Herzog, hat in einem Vortrag bei der Einweihung der Anstalt einige wichtige Ergebnisse der Anter« suchungen mitgeteilt, die in den „Naturwissenschaften" wiedergegeben werden. Sv wurde die Verarbeitung der Wolle geprüft und festgestellt, daß das Wollhaar fast bei jedem Fabrikationsgang immer von neuem mißhandelt und überbeansprucht wird. Das Zerreißen des Haares ist erst das letzte Glied in der Kette der Schädigungen: schon vorher wird die Dehnbarkeit deS Wollhaares wesentlich beHnträchtigt. Am nun diese Verhältnisse zu erkennen, wurde die Einwirkung des Fettgehaltes und der Feuchtigkeit auf die Dehnbarkeit geprüft. DaS Wollfett spielt im Haar eine dvppette Rolle: es bildet eine äußere Deckschicht und im Inneren einen organischen Baustein des Haares. Die Entfernung der Deckschicht hat geringen Einfluß auf die Dehnbarkeit: dagegen beeinflußt der Fettgehalt der inneren Haarsubstanz Dehnbarkeit und Festigkeit der Wolle. Eine Wolle, die weniger als Vr Prozent Fett enthält, ist so geschädigt, daß sie auch durch nachträgliches Fetten die ursprünglichen Eigenschaften nicht mehr zurückgewinnt. Es muß daher beim Waschen der Wolle diese Tatsache mehr alS bisher berücksichtigt werden. Für die Verarbeitung der Wolle ist auch die Diegungselastizität deS Wollhaares von großer Bedeutung. Man muh auch die Geschwindigkeit berücksichtigen, mit der zufammengedrückte Wolle wieder ihre frühere Lage annimmt: daß ist ein Vorgang, den man in der Physik als Hysteresis bezeichnet. Für die Fabrikation ist dasjenige Wollhaar am geeignetsten, dos die geringste Hysteresis aufweist. Gin Gewebe aus solchem Ham wird etwaige Falten binnen kurzem verschwinden lassen: ein Anzug aus solchem Tuch wird sich am schnellsten «ushängen. Je öfter, heftiger und rascher hintereinander die Wolle belastet wird, desto mehr verliert sie ihre ursprünglichen elastischen Eigenschaften und desto schlechter wird das daraus gearbeitete Tuch. Seinen „Sih" behält der Anzug dann, wenn das Tuch die richtige Schmiegsamkeit besitzt: diese Eigenschaft läßt sich mit Hilfe neugeschassener Apparate genau feststellen. Auch noch eine Reihe anderer Eigenschaften werden im Tuchhandel geschäht, so Weichheit und Glanz des Tuches. Diese Eigenschaften wurden wissenschaftlich geprüft, und ebenso wurde untmsucht, welchen Einfluß die Eigenschaften der Wolle, der Garne, die Fadenstellung im Gewebe, die Kettspannung, die Walle, kurz die einzelnen Fabrikationsgänge auf die Eigenschaften des Endproduktes haben. Durch diese Untersuchungen läßt sich die praktische Herstellung des Tuches außerordentlich verbessern, und gemeinsame Arbeit mit dem Fabrikanten hat auch bereits zur Anerkennung dieser wissenschaftlichen Gesichtspunkte durch die Praktiker geführt. Schristleitung: August Goetz. — Druck und Verlag der Drühl'schen Univ^Duch- und Steindruckerei. R. Lange, Dießen.