1923 ES 'N tzWL M SE5i ÄKMsmg, is. Oktober jchenerMmilley^^ 5r±xt™355blutt M? Gießener Anzeiger |otl eS nicht sein, aber es ist Kampf und Ringen und wird und muh es bleiben, wenn wir nicht einschlafen wollen Wodurch das Haus beherrscht wird, wodurch das Weib züchtig, der Sohn gehorsam, die Tochter sittlich ist; die männliche Würde, das stolze Herz, das den Tod lieber hat als schlechten Dienst- der Trotz, der sich in die Schwerter stürzt, im Vertrauen, dah die Mikel fern Erkühnen ehren und nachahmen werden; der Grimm über Schändung der Weiber und Beschimpfung der Männer, der zu blutiger Rache auflodert, kurz, die höchste Männer- kra s t., welche verteidigen und rächen känn, sie allein ist es, welche Bolter herrlich und Menschen grob macht. Dies ist nicht das Herrlichste selbst, aber der Grund alles Herrlichsten, mit welchem rs rettungslos zusammenstürzt, um nie wieder aufzustehen. Pessimismus und Optimismus. Von Professor D. Dr. Albert Schweitzer. Der als Bach-- und Orgelkenner, als Theologe und durch fern Wirken als Arzt in Westafrika weltbekannte Verfasser läht soeben bei C. H. Beck in München „Kultur und Ethik" erscheinen, dem das nachstehende Stück entnommen ist. Welt- und Lebens- anschauungsfragen werden hier klar und anregend behandelt. Der Verfasser spürt den Ursachen der heutigen Kulturtragödie nach und bietet nach einem ileberblick über die groben ethischen Persönlichkeiten der Philosophie die Weltanschauung einer Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben. Verwirrend ist, dah optimistische und pessimistische Weltanschauung in der Geschichte des Denkens der Menschheit selten rem auftreten. Gewöhnlich vertragen sie sich in der Art, dah die erne vorwaltet, die andere aber unetngestandenermahen mitredet. tr'°P^en erhält geduldete Welt- und Lebensbejahung dem Pessimismus etwas von dem Interesse für die von ihm negierte auhere Kultur. Bei uns zehrt eingeschlichener Pessimismus an den Kulturenergien der optimistischen Weltanschauung. Sein Werk Jjl e^> dah uns der Glaube an den geistigen Fortschritt der! j Aren sch h eit abhanden gekommen ist. Auf ihn geht zurück, dah wir "derall mit herabgesetzten Idealen wirtschaften. Pessimismus ist herabgesetzter Wille zum Leben. Er liegt also überall da vor, wo der Mensch und die Gesellschaft nicht mehr! "p^er dem Zwange aller Ideale des Fortschritts stehen, die der mit sich selbst konsequente Wille zum Leben denken muh, sondern ! oahm gelangen, auf weite Strecken Wirklichkeit Wirklichkeit sein I zu lassen. Wo er so anonym am Werke ist, ist der Pessimismus der I h o r.mn gefährlichsten. Er greift dann die wertvollsten Ideen | oer Lebensbejahung an, während er hie weniger wertvollen un- I läht. Wie ein verborgener Rebenmagnetismus stört er I oen Kompah der Weltanschauung, so dah sie, ohne es zu ahnen, I etnen huschen Kurs nimmt. So hat das uneingestandene In ein» 1 I ander von Optimismus und Pessimismus bei uns das Resultat, I dah wir die äußeren Kulturgüter, die dem denkenden Pessimis- I mus gleichgültig sind, zu bejahen fortfahren, während wir die I umere Vervollkommnung, auf die er allein Wert legt, preis- geben. Der auf das Sinnenfällige gerichtete Fortschrittssinn, weil I er aus der Wirklichkeit erhalten wird, funktioniert weiter, wäh- I rend der auf das Geistige gehende, weil er auf die innerlichq I Regung aus dem denkenden Willen zum Leben angewiesen ist, sich erschöpft. Bei abnehmender Flut wird das, was tief geht auf Strand gesetzt, während das Flache flott bleibt. Auf Vorgänge in der Weltanschauung zurückgesührt, besteht unsere Degeneration also darin, dah uns der wahre Optimismus I unvermerkt abhanden kam. Wir sind ein in Lebensgenuß ver- I weichlichtes und verkommenes Geschlecht, das sich in den Gewitterstürmen der Geschichte wieder zu Tüchtigkeit und Jdealis- I aufraffen muh. Bei erhaltener Tüchtigkeit auf den meisten I Geoieten der unmittelbaren Betätigung des Lebens sind wir I geistig verkümmert. Die Lebensauffassung samt allem, was aus I wr herdorgeht, ist für die einzelnen wie für die Gesamtheit herabgesetzt. Die höheren Kräfte des Wollens und Gestaltens I gehen in uns zugrunde, weil der Optimismus, aus dem sie ihre I Stärke nehmen sollten, sich unvermerkt mit Pessimismus durch- I seht hat. Charakteristisch für das Zusammenwohnen von Pessimismus und Optimismus im Hause der Gedankenlosigkeit ist, dah der eine in den Kleidern des andern umherqeht. Sv gibt sich bei uns als Optimismus aus, was in Wirklichkeit Pessimismus ist, und Pessimismus wird genannt, was in Wirklichkeit Optimismus ist. Was so gemeinhin als Optimismus gilt, ist die natürliche oder erworbene Fähigkeit, die Dinge in möglichst gutem Lichte zu sehen. Diese Beleuchtung kommt dadurch zustande, dah eine herabgesetzte Vor- | stellung von dem, was sein und werden soll, vorhanden ist. Dio i Gifte der Schwindsuchtskeime bringen in dem Kranken die sogenannte Euphorie, das heiht ein eingebildetes Gefühl von Wohlbehagen und Kraft hervor. In ähnlicher Weise ist der veräußerlichte Optimismus in dem Mähe vorhanden, als die einzelnen und die Gesellschaft, ohne sich davon Rechenschaft zu geben, mit Pessimismus infiziert sind. Optimismus und Pessimismus bestehen also nicht darin, dah sie mit größerer oder geringerer Zuversichtlichkeit dem gegenwärtigen Zustand der Dinge eine Zukunft zutrauen, sondern in dem, was der Wille als Zukunft will. Sie sind nicht .Urteils-, sondern Willensqualitäten. Dah bisher die unzulässige Bestimmung von Optimismus und Pessimismus neben der richtigen Geltung hatte und so aus der Zweiheit eine Vier hei t wurde, erleichterte 6er Gedankenlosigkeit das Spiel, in dem sie uns um den wahren Optimismus betrog. Den Pessimismus des Wollens brachte sie als Optimismus des Urteilens an, und den Optimismus des Wollens legte sie als Pessimismus des Urteilens weg. Man nehme ihr die beiden falschen Karten ab, damit sie nicht in dieser Weise fortfahre, die Welt zu betrügen. Don der amerikanischen Seele. Von Herman George Scheffauer. Es gibt noch so manchen bei uns, der alles Heil von den Deremigt. Staaten erwartet und die Amerikaner in günstigstem Lichte sieht. Demgegenüber ist es interessant, zu sehm, tote streng und schonungslos ein Amerikaner selbst seine Landsleute beurteilt. Der bekannte Dichter und Schriftsteller Her- man Georgs Scheffauer entwirft in seinem soeben bei PaÄ — 162 — unglaublich unwissend, ohne Achtung gleiche: herrisch, aggressiv, brutal zugleich, herzensgut, eröarmungslos, wenn' man skrupellos, egoistisch, gutmütig und wenn man ihm nicht entgegentritt, es tut, ehrgeizig, selbstvertrauend? Wirkliche and Gegenwärtige, stellt er den konkreten Menschen dar, den die Fragen des geistigen Lebens - weder stören noch quälen, der gleichzeitig die Methode -beherrscht und der Sklave des Objekts ist und darum die Welt erobert, der weder Fragen noch Zweifel kennt, ein Kind mit* dec Muskulatur eines Mannes, der - ackte Ureuropäer, so daß man sieht, was er wirklich ist: ein rSrb risches, gedankenloses, naives, frühreifes und geschicktes Tier." i s ist kein schmeichelhaftes Bild, das dieser Engländer von am. ionischem Wesen und den charakteristischen Eigenschaften, die in den Staaten ausgebildet haben, entwirft, und doch wird fcv. denkender Amerikaner es zu bestreiten wagen, er wäre denn gl i .falls von der'geistigen Kurzsichtigkeit-und dem Größenwahn bcf. llen, die» die Fähigkeit zur Selbstkritik bei so vielen feiner Landsleute aufheben und ihnen ihr eigenes Bild in idealisie- tätig. und geschäftig um der Tätigkeit willen, intelligent und ungeistig, voll Mutterwitz und unglaublich unwissend, ohne Achtung für das Geistige, aber kluge Einfälle liebend, ein Mensch, dec nichts schätzt als den Erfolg, nichts anerkennt als das, Greifbare, Dteegemann in Hannover erschienenen Buch »Das Land Gottes. Das Glicht des neuen Amerika", ein ungeschminktes Bild, der großen Republik, die bei all ihrer äußeren Macht und ihrem Reichtum doch die deutlichen Züge geistiger Unreife und Un- freiheit zeigt. Wir geben aus dem bedeutsamen Werk einen Abschnitt wieder, der sich mit der Stellung des Amerikaners zum heutigen Deutschland beschäftigt. Die deutsche und amerikanische Geistigkeit sind einander noch nie so lebhaft entgegengetreten wie jetzt, da so viele Amerikaner nach Deutschland kommen. Sie kommen in der Furcht und im Glan- Ben, daß die Deutschen von-kochendem Haß gegen sie erfüllt sind pnd das würden sie vollkommen natürlich finden. Gab Amerika Deutschland nicht, den letzten Stoß, der es niederwarst? Hat Wilson nicht die deutsche Regierung und das deutsche Btzlk bewußt betrogen? Lieferte er sie nicht, nachdem er sie betragen, ihren blutdürstigen und erbarmungslosen Feinden aus? Zeigte nicht Amerika unter der unheilvollen Leitung Wilsons und der Fkmanz- vligarchie, die ihn vollständig in der Hand hatten fast von Anfang an die unneutralste Haltung gegen ein Bvlk, das ihm stets die größte Freundlichkeit bewiesen hatte? All dessen ist sich der Amerikaner bewußt, wenn er das Land der Deutschen betritt; und dieses Wissen, sowie die phantastischen Lügen von deutschen Greuelns mit denen seine leicht erregbare Phantasie während des Krieges gefüttert worden, lassen ihn das schlimmste erwarten. Gr» ist daher vollkommen verblüfft und sprachlos, wenn er findet, daß es in Deutschland-trotz allem, trotz der unfreundlichen Haltung der Washingtoner Regierung und der amerikanischen Presse, trotz der systematischen Duldung, der'-französischen Raub-, Erprossungs-, Beschimpfungspolitik, so gut wie keinen-Haß gegen Amerika. und die Amerikaner gibt, ja daß man irn Gegenteil die Amerikaner noch für die besten und anständigsten von allen Feinden Deutschlands hält. Der Amerikaner, der in seiner Primitivität an das alte he- bräisch-puritanische Gesetz „Auge um Äuge, Zahn um Zahn" glaubt, vermag diese ganz außerordentlich versöhnliche Haltung von feiten.der Deutschen nicht zu verstehen. Er fühlt sich sehr erleichtert, da er in Deutschland freundlich aufgenommen wird, aber innerlich' sagt er sich doch: „Du heiliger Himmel, weiß, denn der Kerl nicht, daß wir die Hauptursache all seines Glends find?" llnb mit seinem Erstaunen und'seiner Verwunderung, und das ist wieder menschlich, verbindet'sich eine gewisse Verachtung für den allzu versöhnlichen Deutschen. So sehen.wir, daß gewisse christliche Tugenden und Eigenschaften, wie Vergebung und sogar Liebe für den Feind, in ein er Welt, in der in Wirklichkeit eine rein heidnische Ethik herrscht, gering geschäht werden und die entgegengesetzte Wirkung haben. Kein Volk versteht die Amerikaner so gut wie die Engländer. Dies ist, angesichts der Stammverwandtschaft und der — trotz tiefgehender Unterschiede und divergenter Entwicklung — gemein« tarnen tUeberßeferungen nur natürlich. Wenige Engländer haben die amerikanischen Verhältnisse fo^ scharf beobachtet und so tief erkannt und beurteilt, wie Prof. G. Lowes Dickinson aus Cambridge. Seine Objektivität, sein Gerechtigkeitsgefühl geht schon daraus hervor, daß er sich nicht scheute, die Kriegspolitik seines eigenen Landes anzugreifen und eine schärfere und endgültigere Probe für die geistige Ehrlichkeit eines Engländers gibt es nicht. Man höre nun, was dieser englische Denker von Amerika sagt, und bedenke, wie britische und amerikanische Propagandisten dieses ■Urteil verwertet hätten, wenn ein Deutscher es ausgesprochen, wenn ein Deutscher fähig gewesen wäre, oder den Mut gehabt hätte, es so ungeschminkt auszusprechen.-Von seiner Theorie ausgehend, daß alle europäischen Typen in Amerika sich zu einem Typus zurückbilben, führt er aus»: „Sowie sie nach Amerika verpflanzt werden, kehren all die Spielarten, die sich in Europa entwickelt haben, zu einem Ur« lypus zurück, der sich, zu unvergleichlicher Kraft und Blüte entfaltet. Es wird kein neuer Typus entwickelt, sondern der Urtypus entwickelt sich in dem neuen Boden in schwelgerischer Fülle. Man braucht nur den Amerikaner zu schildern: im Osten wie im Westen, im Aorde-n wie'im Süden, überall zu alter Zeit ist er der weise auf dem Gebiet einst wissenschaftlichen Völkerpsychologie irgend zählen', bann müßten die Deutschen hinfort die größtel, Senner und Autoritäten auf dem Gebiete der amerikanischen Psychologie sein. And dennoch, wenn Deutsche die 'Vereinigten Staaten kritisieren, geschah es zumeist in freundlicher Art, ia mit übermäßigem Lobe, wie in den Büchern von Goldaerger, Münsterberg, Holitscher und anderen. Man war voll kritikloser Bewilnderung und Mitteilungseifers. Der Krieg hat eine neue Art von Kritikern gezüchtet; unter den besten dieser deutschen Kenner und Forscher Amerikas müssen wir besonders Dr. Äwednch Schönemann nennen, der früher an der Havard-Universitat in Connecticut, jetzt an der Universität Münster, tätig ist. Er setzt ich mit großem und bewundernswertem Eifer für eine wirkliche „Amerika-Kunde" ein und hat eine ausgezeichnete Broschüre unter diesem Titel veröffentlicht. Die englische Kritik, von Dickens angefangen bis S" Kipling, Trollope, Wells, Chesterton, Shaw, ist immer gönnerhaft, unfreundlich oder geradezu feindlich gewesen. Sie beurteilten alles nach dem englifchen Maßstab, und für den gebildeten Engländer ist und bleibt der Amerikaner ein unausgegorener Kolonialmensch. Kürzlich hat zwischen George Dernard Shaw und Oswald Garrison Billard, dem Herausgeber der Reuhorker Ration ein Briefwechsel stattgefunden, der, an sich euie interessante Probe journalistischen Witzes, zugleich auch ein kehrreicy.es Licht auf. we amerikanische, die deutsch-amerikanische und die englische Betrachtungsweise wirft. Oswald. Garrison Billard ist einer per hervorragendsten liberalen Publizisten der Bereinigten Staaten, aber er verrät seine deutsche Abkunft bereits in ■ der ats a-che,- daß er ober sein Bat er, der Hilgard hieß und aus dem Rheinland stammte, den alten Familiennamen änderte und anglisierte, sochie in Der typisch deutschen. Zuvorkommenheit, mit der er Shaw einlud und vor der ich meine deutschen Freunde nicht genug warnen rann. Sdaw ist, wie bekannt, niemals in Amerika gewesen. ? Oswald Garrison schrieb: „Lieber Herr Shaw! Wir hören, daß viele Ihrer Freunde diesseits des Ozeans Sie dringend bitten, nach Amerika zu kommen. Ich brauche kaum zu sagen, baß die „Ration glücklich sein würbe, Sie hier begrüßen zu können. Ihr aufrichtiger Oswald Garrison Billard." Darauf antwortete Dernard Shaw: ^Lieber Herr Dillard! Diese Verschwörung ist schon seit einiger Zeit im ©ange aber der Bogel geht nicht ins Retz, -ich habe nicht ven geringsten Wunsch,- mit Debs ins Gefängnis zu wandern oder meine Frau nach Texas mitzunehmen, wo der Ku Klux Klan weiße Frauen aus den Hotels schleppt und sre teert und federt. Wenn mein Ruhm davon abhinge, daß ich mich zum Märtyrer 'macken lasse, was glücklicherweise nicht der Fall ist dann wurde ich nach Irland gehen. Das ist weniger gefährlich; dafür ist die Reise kürzer und minder kostspielig. Richtig ist. daß eme Anzahl Leute mich dringend eingeladen haben, nach Amerika zu kommen,'aber warum in aller Welt nennen Sie diese Leute meine . Freunde? Dernard Shaw." chier haben wir ein vortreffliches Deispiel der iteberlegenßeit be$ englischen Geistes; es ist' eine' Ueberlegenheit, die auf Den Amerikaner Eindruck macht, ohne ihn zu befremden oder zu verletzen. Die Heiterkeit beseitigt den Stachel oder.stumpft ihn ab. Es war gleichfalls ein Engländer, der Dichter Akerster Orowley, der sagte, daß er niemals einen Amerikaner getroffen hatte, Der dumm („unintelligent"), aber wenige,- die nicht albern („full) ) gewesen wären. ------ Douaumont 1K1K*). Der Morgen des 23. war regnerisch und mißgelaunt heraus« gezogen. Das Feuer schwoll mit Hellwerben schlagartig-^u außer« *'fier Heftigkeit an. Alles deutete darauf hin, daß es heute wohl zur Krisis kommen würde . . . Dis zum Mittag verstärkte sich das Feuer zu wahrhaft infernalischer Wut. Aoer treu' hielten die Gewölbe Eine Beobachtung nach außen war zu dieser Zeit nicht mehr möglich Durch Den Lärm der Beschießung hindurch horte man' aber ab und zu Handgianatenseuer aus dem rechts anschließenden Abschnitt. Vielleicht daß dort bereits der Angriff im Gange war. Don der eigenen Front bei Fleury unten erfuhr die Besatzung nichts. Drohend erhob sich die Erinnerung an die Atm- tage . . . Zur Untätigkeit verdammt, warteten die Douaumonv Verteidiger in den Kasematten und Gängen ... Da völlig sich das Verhängnis ... Es ging so rasch und rollte sich,in so zermalmender Einfachheit ab, daß es kaum dem Einzelnen zum vollen Bewußtsein kam. Es war auf einmal da. Und allen schien, paD sie es.erwartet hätten, obwohl niemand, damit, gerechnet hatte, vaß es so ausgehen würde. Es zerschlug in weNigenrDiertelsiUiidcn die Arbeit-und Mühe von Monaten und ließ nicht einmal Zeit, Darüber nachzudenken. Es arbeitete in so fürchterlich exakter Programm- gebundenheit, baß kein Mensch nachher mehr sagen konnte,, ob es nun um 11 Uhr oder um 12 Uhr oder um 2 Uhr begonnen! hatte . 12V2 Uhr mittags ist es gewesen . . . Für die Dauer einer Sekunde wurde der ungeheure verworrene Lärm Der Artillerieschlacyl __,__5___ *) Auszug aus dem in einigen Sagen im Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i. O., in der Schriftenfolge „Schlachten des Weltkrieges" erscheinenden Bd. 8': Douaumont 1916 von Werner Deumelburg Preis brosch. Grundzahl ca. 4,50 Mk., gebo. ca. 5,50 Mk. — 168 LyerbrüM von einem riesenhaft fürchterlichen Laut. Wühlend fuhr es fn den Douaumont und verbreitete tief in seinem Bauch einen aufbrüllenden Donnerfchkäg, der Menschengeschrei und Entsetzen brutal verschlang. Sch-wefelgestank und Feuerschein zog umher. 5)er erste Schutz einer bisher ungekannten schweren Artillerie. Es dauerte Minuten, bis man erkannte, was er angerichtet. Er war mitten ins Lazarett gegangen. Der eingestürzte mrd lichterloh brennende Daum konnte nicht mehr betreten werden.' Wohl ein halbes Hundert Verwundeter hat dort zusammen mit dem Sanitatsperfonat einen raschen Tod gefunden. Wie gelähmt wartete alles, was -.eben hatte im Fort, zählte die Minuten. Eins . . - zwei. . drei . . . vier. In furchtbarer Langsamkeit schlichen die Stunden. Der Lärm von draußen quoll vielmals, gesteigert durch das gähnende, rauchende Loch, das dre Granate sich gewühlt ... ' Ehe zehn Minuten vorüber, brüllte der, zweite Schlag Wieder das hoch aushvlende Geheul,. . . in, gier^er» Heiserkeit und Glut säst senkrecht Irabstürzend. Dann ein Klatschen ..-i ein dumpfer Knall dann . . . den Bruchteil einer Stunde spater derselbe furchtbare Donnerschlag, der allein^ durch seine eigene Wucht die Gänge zersprengen will. Kern Mensch weih, wo es getroffen hat. Die in der Kasematte 8 gelegen haben, erzählen nichts davon, wie es geschehen ist. Die ganze Kasematte isfezu- geschüttet ... In Abständen von zehn Minuten bis zu einer Mertelstunde fällt Schutz auf Schutz mit unheimlicher Genauigkeit Die durch die dauernde Beschießung zermürbte und durch das völlige Abgeschnittensein von nutzen moralisch stark erschütterte Ve- satzung hälit Stand. Wohl regt hier und da die Panik „ihr furchtbares Haupt. Aber die Besonnenheit ist stärker. Die Führung behält das Heft fest in der Hand. Alles.steht so unter dem,Eindruck 5er Deschietzung, datz selbst der. unmittelbar zu erwartende Angriff nicht mehr schreckt. 3m Gegenteil . . . käme er nur! Doch find alle Mannschaften auf ihren Gefechtsständen, soweit diese durch das Feuer nicht aüsgeschaltet sind ... Doch ist wenigstens der verwundbarste Punkt des üorts nicht getroffen: der-Wunitionsraum . . . Ein gellender Donnerschlag, der vierte oder fünfte Schuh, zerschmettert die Deck des Hauptgefechtsganges vor der Kasematte 10. Die obere Durchfahrt ist unbrauchbar. Die dort zusammengedrängten Leute werden verschüttet. Polternd begräbt sie das Gewölbe. Zwei weitere Einschläge zerstören Kasematte 11 und 17. Der Aufenthalt, im oberen Stockwerk des Forts wird unmöglich . . . Der Fvrtkommandant, Major Rosendahl, der Regimentskommandeur vom Dienst (Res.-Jnst-Regt. 90), der Fortisikationsvffizier.und der Artillerie- offeter vom Platz kommen überein, den oberen Gefechtsgang zu räumen. Der ganze Rest der Besatzung drängt sich im unteren Gang zusammen . . . Fürchterlich sind die nächsten Dwrtelstun- den . Der sechste Schuh endlich trifft tödlich . . . Durch dfe vffengelegte Decke des Hauptgefechtsganges wühlt sich die Granate durch und explodiert mit ungeheuerlichem Getöse tief unten im Hauptpionierdepot. Etwa fünfzig.Pioniere, die eben damit beschäftigt sind, das Depot in einen Lazarettraum umzuwandeln, werden unter Flammen und Steinen begraben. Keiner von ihnen ist entronnen. Sofort breiten die Flämmen sich aus und lecken gierig durch die nahen Gänge. Einzelne Leute werden erreicht ... Limen sich nicht retten . . . fallen der rasenden-. Glut zum Opfer. Im Pionierdepot lagern ungeheure Mengen vgn Maschinengewehrmunition und der gesamte Vorrat an Leuchtgeschossen. Mit ohrenbetäubendem 'Knallen' und Knattern fängt dies alles an zu brennen und zu explodieren. Die Gase der Explosion kriechen von @kmg zu (Sang . . . . . , Im Rebenraum des Pivnierdepots, durch eine einzelne Wand nur getrennt, lagern 7000 Handgranaten un&' eine. Fülle alter französischer Artilleriemunition. Wenn dort der erste Funke überspringt, ist alles verloren. Die Sprenggase dieser Explosion, die keinen Kanal nach außen finden, müssen das ganze Fort von unten auf umstülpen. Die Flammen züngeln am Herzen des, Douaumvnt. Vielleicht Sekunden nur ... vielleicht noch Minuten . . . Entschlüsse müssen gefaßt werden. Schnell. Hede Sekunde entscheidet über Hunderte von Menschenleben. Was draußen vergeht, weih keiner. Die ganze Besatzung drängt sich im unteren^Gefechtsgang zusammen.- Richts von Panik mehr. AÜes wartet auf Befehle. Der Fvrtkommandant berät, mit dem Regi-' mentskvmmandeur. Draußen lärmt die ArtillerieschlaiHt . . . drinnen rasseln die Kettenexplosionen der Maschinengewehrmunition . . . heulen und sausen die Stammen. Wit ungeheurem Zischen explodieren stapelweise die Leuchtkugeln . . . bengalische Feuer» refle^e. üinb ein bitter fliefiger Qu