MÄR sto® MW M MW OS 1923 — Nr. 82 Samstag, 11. MttgUst igjir Der Hüttenberg. Don Lehrer 31. Dach, Flensungen. (Schluß. I Die älrbewoh-ier des Hüttenbergs waren die Chatten und 7C> ime damals alle Germanen, der heidnischen Religion Oh?M*rrtftn; r™°-t emtcs(\ Anhaltspunkte find vorhanden, die uns Aufschluß über ihren heidnischen Kultus geben. Die Gottesdienste warei, öffentlich unter heiligen Sichen oder Linden. Jeder Montag war ein Ruhetag Die monatlichen Feste wurden an den Reu-- und SÄÄ1'«, ivelche Zeit sie für die glücklichste hielten. Au solchen Mondfesten wurden den Göttern Tiere, ja sogar Men- twer nT/T TP Opfern gibt noch Zeugnis ein mach. tn T Rahe meines Heimatortes Dornholz. Wifi»'’'-6 \ a *2. im Walde liegt. Eindrücke für Kopf und in T-TVfT llic6 sieht man deutlich die Rinnen, PPmTT CBInt .^blief Daß man in dortiger Gegend besonders Db8.r ®övr diente, geht daraus hervor, daß nach Ramin f Ofyi mtl ?S! eines Stieres in Wetzlar unter dem Ramen Hammon göttlich verehrt worden sei. Rach Aldenbrück ■ TT ”*V - Itn;?,n stierähnlichen Kopf und Ammons- hornern^Largestellt, gleich dem Jupiter Ammon. ™ f.'-U schönsten Gebräuchen der alten Germanen gehörte die Tote.r Mnn legte sie auf eine Bahre,"Lkleidete T ?^ber" und gab dem Mann fein Schwert, R> m 6l,e. Splrchel und dem Kind sein Spielzeug in den cxmse«?“sen fnn& die Leichenfeier statt. Diese wurde S ®^n9 von Liedern und einem Leichenschmautz. S*m11rt ™;8?-nS E^ALiben legte man den Toten in feinem besten Scheiterhaufen und verbrannte ihn. Hierauf Sie"?!C ®sMne aus der Asche gelesen und beigesetzt. Auster- 681,1 ?£ten soffen, Schmuck und Gerätschaften bPmP "germanischen> Grabhügel sind besonders im Hochel- und Dornholzhäuser Wald vorhanden. Mwrers Ab?^ u^den vor etwa 90 Jahren unter Aufsicht des aebffrrT TT S0Tt ,HvchelhLim in den genannten Wäldern Zneu in .;®us ersts Grab im Dornholzhäuser Wald enthielt einer hölzernen Scheide befindlichen 5 Zoll langen Dolch serbra»F -TTf- geringsten Berührung in vier Stücke fanop /r rnör ü2?ren verfault, ferner eine 7 Zoll lange Heftnaöel (frbula) von Kupfer, welche auf der Oberfiäcks Eich E 4 Zoll Le und i/O Zl L die di» Ä^ voch^ ganz unversehrte Waffe von Kupfer Alle bt>n TT ^ciM oder einer Streitaxt hatte, bem Stucks rvaren stark mit Grünspaii überzogen. Auher- bech. Jk ?leT Hl-gel noch ein Totenkopf gefunden, "der Hüaet^m cheyrere kleine Stücke zerfiel Der zweite war ÄK/?8uuer Wald hatte 60 Schritte im Umfang und Ls als dem höchsten Teil desselben, 7 M hoch ®faufi?n dieser Gegenstände hatte seinen Grund in dem den Grüb-km PT Germanen, die Seelen würden in pder bei h tosPeA- ®S^er langte man auch Bäume auf die Ä ol?4 Seelen schattig und kühl ruhen konnten, dttinuten hT s Q,etten eingehullte Totenköpfe fand, so ist 5u D^Dr^^^iPs^ualigM Bewohner des Hüttenbergs ihren Urne niit T,. ™ s &en Aumpf verbrannten, Lia dann T öL?'^ TV?" "bngen Gegenständen beisetzten und -'n" Erde zuwarfen. Roch manche Gebräuche Ai Tte'r altgermanischen Leichenfeiern. meinem Heimatort Dornholzhausen und auch wohl noch in anderen Orten des Hüttenbergs fingen heute noch die Schuh' kinder bei der Beerdigung Degräbnislieder. Auch findet nach derselben em Leichenschmauß im Trauerhause statt, zu dem an "te ^.^E^iidken des Verstorbenen eine besondere Einladung ergeht. Man sagt: Es wird auf die Trauer geladen ist gänzlich ungewiß, wann dieses heidnische 'Wesen im Huttenberg dem Christentum weichen muhte. Richt unwahrschein. lrch rst es. daß bereits unter Roms christlichen Kaisern im römischen Germanien das Christentum festen Fuh fahte zumal nn 4. Jahrhundert den Städten Speier, Worms, Mainz und Trier das Licht des Evangeliums aufgegangen war und in diesen Städten sich christliche Lehrer vorfanden. Auch predigte öst. dieser Zeit der hl. Lubertius an der Sayn und stiftete zu Dietkirchen ein Bethaus, woraus die von ihm benannte Kirche hervorging. Ob und wieweit er in den Hüttenberg vorgedrungen ist kann nicht erwiesen werden. Erst einem Bonifatius sollte die Ehre zuteil werden, die noch vorhandenen Reste des Christentums m der Lahngegend zu sammeln und den Bewohnern der Um» gcgenb die Wahrheiten desselben zu verkündigen. Es ist kein Zweifel, daß Bonifatius bei fernen öfteren Reisen durch die Wetterau wich im Hüttenberg das Evangelium ausgebreitet Hat Wie überall in Deutschland, so waren auch! mit der Zeit l» der Gegend an der Lahn Mißbrauche in die christliche Kirche eingeschlichen. Bon Gregor VII. an wurden denjenigen Christen eine volle Sündenvergebung versprochen, welche der Kirche wich, tige Dienste erzeigten. So bewilligte das Collegiatstift Wetzlar 1404 allen denjenigen, welche zum Bau des Stiftsturmes bei- trugen, einen Hauptablaß von 2000 Tagen. Richt weniger nahm auch die Sittenlosigkeit der Geistlichen überhand. Erzbischof Gerhard II. von Mainz verbot 1290 seinen Geistlichen das Tragen einer Crulle (gekräuselte Haare), das Besuchen der Jahrmärkte, das Tragen von Waffen und hölzernen Schuhen, das Halten verdächtiger, Weibspersonen oder Deckinen in ihren Häusern. Mn religiöser stlmschwung trat im Hüttenberg durch du Einführung der Reformation ein. Da der Hüttenberg wie schon vorher ausgeführt wurde, bis zum Jahre 1703 von Hessen und Rafsau gemeinsam verwaltet wurde, so konnte die Äeformativn in diesem Gebiet schon 1526 Eingang finden, zumal Philipp der Großmütige von Hessen und Philipp der Dritte von Rassau von einem religiösen Geist beseelt waren. Der Hauptresormator des Hüttenbergs ist unstreitig der aus Tirol stammende Pastor Caspar Goltwurm. Gr studierte in Italien, ging von da nach Wittenberg zu Luther und bekannte sich zu dessen Lehre. 1546, also im Todesjahre Luthers, wurde er Hofprediger des Grafen Philipp von Rassau-Weilburg und schon ein Jahr später Bist- tator und Superintendent dieses Landes. Auf einer Synode am 5. Oktober 1547 versammelte Goltwurm in Großen-Linöen alte Geistlichen des Hüttenbergs um sich, um die kirchlichen Angelegen- heilen daselbst in Ordnung zu bringen. Rach dieser Synode fürchtete Goltwurm bereits das schwere Tlngewitter des Interims. Dieses wurde auch schon am 18. September 1548 auf der Kanzlei zu Weilburg den versammelten Geistlichen, auch denen aus dem Hüttenberg, vorgelesen Letzter« lehnten in einem Protestschreiben an den Grafen das Interim ab. Goltwurm mußte weichen und ein katholischer Geistlicher nahm dessen Kanzel ein. Eine Trierer Visitation erschien, welche alles wieder auf den alten Fuß zu sehen suchte. Goltwurm reiste nach Jena und Leipzig und von dort nach Wittenberg, einer Ein- ladung Melanchthons folgend, wo er zweimal predigte. Rach dem Passauer Vertrag 1552 nahm Goltwurm am 24. Juli d I sein 2lmt m Weilburg wieder auf, hielt am 14. April 1553 — 126 — I $ fetae^ö^^u^fen, daß 6a«' auf ben 31^Okt°ber fallende Reformattonsjubiläums festlich begangen werden solle Sn dem Schreiben heißt es: 1. Dieses Jubelfest soll am Tage vorher mit allen Glocken eine halbe Stunde lang in allen Kirchen des Landes eingelautet, 2 über 2 Petri 1 V. 19 und 3 V. 17 und 18 gepredigt, z q Herr Gott, dein göttlich Wort und Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort, gesungen, » 4 die ganze Reformativnssache ohne Bitterkeit oder harte Ep- Pressionen den Gemeinden vorgetragen und bekanntgemacht werven dritte Reformationsjubiläum, 1817, wurde in dem damals I preußischen Teil des Hüttenbergs sehr feierlich begangen. ~>a» I König!. Konsistorium zu Koblenz hatte angeordnet: , , I 1 Daß das Fest am Vorabend, Donnerstag, den 30. Oktober, bei Sonnenuntergang mit allen Glocken eingeläutet werdm solle. I 2. Am Hauptfesttag, Freitag, 31. Oktober, finde Vor- uno I Vachmittags Gottesdienst statt. . r ... I 3. Den Predigttexten seien folgende zur Auswahl vorgeschne bene Dibelstellen zu entnehmen: 1. Kor. 16 V. 13, t^or. 15^ Epheser 5 D. 9, Vöm. 13 V. 12, Joh. 8 V. 32, Off. W 35 ^4. Am 2. Tag der Feier, Sonnabend den 1. November, loste wiederum nachmittags in allen evangelischen Kirchen Go^es sein, zu welchem die Schuljugend in feierlicher Prozess on m m Kirche zu fuhren und in Bezug auf den Gegenstand eine Schm predigt zu halten sei, um dem aufbluhenden Geschlecht Anlay Stoff zu erwecklichen Erinnerungen für das gan^ Leben zu gebm 5. Die Anordnung der in Bezug auf dieses wichtige F,st veranstaltenden Schulfeierlichkeiten bleibe den protestan scy« Schulen und ihren Vorstehern selbst überlassen. Lehre und^Leben Er halte das Abendmahl alle vier Wochen und examiniere fleißig das Volk. Rur sei zu klagen Wege, der Leichen-- und Hochzeitsgebühren. Für eine Leichenrede Erlange er Auen Gulden, den er nicht zu fordern habe: bei emer Hochzeit habe man ihm immer 2 Mast Wein und ein ©tuet Kuchen gegeben. Seht verlange er ebenfalls 1 Gulden. Sn Niederkleen, too feine Klagen über unchristliches Leben Vorlagen, gab man dem Pfarrer Krenlius das beste Zeugnis. Doch bat man ihn in guter Mei- nung seine Predigten, besonders bei kalter Jahreszeit, etwM Sr zu fassen, schon wegen der alten Leute und des Gesindes. Diese Kirchenvisitationen geben Zeugnis davon, wie gerade m der ersten Zeit der Reformation sich die Kirche die grohte Mutze gab das religiöse und sittliche Leben zu heben, also nicht nur Mistbräuche aus der Kirche zu entfernen Interessant sind auch die Berichte über die Feiern der kirchlichen Jubelfeste im Hüttenberg. Das erste Gedenkfest der Reformation fiel bekanntlich in das Jahr 1617. Dre damalige SXgierung der Grafschaft Rassau-Weilburg hatte angeordnet daß es am 1. Adventsonntag festlich begangen werben sollte 'Superintendent Stephani, den wir aus den vorher geschilderten Kirchenvisitationen kennen, erließ am 22. 2lotiember 1617 ein Rundschreiben an sämtliche Geistlichen des Huttenbergs, dessen Anfang ich wegen seines interessanten Inhalts hier an- kübren möchte: „G.E. werden sich wohl zu entsinnen wissen wie unser getreuer Gott vor 100 Jahren das Kind des Verderbens, den Antichristen, durchs das teure Werkzeug, Dlvum Lutherum als durch den Engel, der mitten durch den Himmel geflogen und ein ewiges Evangelium gehabt, offenbaret, dadurch denn viele deutsche arme Seelen aus deni ägyptischen G^angnis moas opfnbte Land geführt wurden, deswegen wir Gott den Herrn hewlich zu loben und zu danken schuldig sind." Er ordnete tn diesen. Schreiben an, dah in dem FestgOttesdienst am 1. Advent ! Konfirmation der in der Glaubenslehre tüchtigen Kinder,, ferner | hl Abendmahl stattfinden solle. Am 2. Feiertag solle in tan Morgengottesdienst von Luthers Leben und Lehre gepredigt werden Mittags sei ein feierliches Katechismusexamen abzu- Hundert Jahre später, 1717, erliest am 18. September bie Rassauische Kanzlei zu Weilburg ein Schreiben an den damaligen die Geilt- Beim Verlassen des Pfarrhauses äußerte ste, der HagÄ möge im Pfarrhaus die Visitatoren erschlagen. Bei der Visitation in Allendorf am 21. Februar bestanden Manner und Frauen aut im Gramen die Kinder dagegen sehr schlecht. Die -unwohner wurden ermähnt ihre Kinder fleißig in die Schule nach Lutzeb E (»n Sn Hochelheim erklärten Kivchenaltchte und Genton^e fteÄ mtt W&W und dem Leben ihrers Pfarre^ aar Wohl zufrieden, nur der Schullehrer Justus Reuter habe keine Hand zum Schreiben und keine Stimme zum Srngen, deshalb könne er die Kinder nicht im Schreiben unter richt en, auch kchueii Gesang in der Kirche aufführen. Daher solle man ihnen einen anderen Lehrer geben, welchem Wunsch aber dre Vist- 5,^n nü§ nackkamen Sie ermahnten vielmehr den Lehrer zu arösterem Fleiß im Schreiben und Singen. Am folgenden -Lag zu grvveieai 01.^0 J. m fitation in Lang-Gons ^Dieser Visitation folgte eine andere am 5. Rovember 1599 zu Dutenhofen. Alle Pfarrer des Hüttenbergs erschienen mit ihren Kastenmeistern und ließen ihre Rechnungen prüfen Wegen Verhinderung des Superintendenten Stepham unterblieb tne örtliche Visitation der Kirchen und Gemeinden. Dieselbe würbe vielmehr im folgenden Jähr 1600 vorgenommen und am »ebr E derselben in Hausen der Anfang gemacht. Der Marreö Trvmerus fragte die Visitatoren, wie er sich gegen einen Mörder namens Lang Thönges zu verhalten habe. Die lungen Leute bestanden gut im Examen: nur einige Alte wußten mchts aus dem Katechismus. Am folgenden Tag wurde die Visitation in Annerod vvrgenvmmen. Männer und Weiber antworteten schacht aus dem Katechismus, weshalb sie zu mehr Fleiß ermahnt wurden Sn Leihgestern klagte der Pfarrer Wollenhaupt sehr über den' schlechten Kirchenbesuch seiner Pfarrkinder über die vorlwn- denen Spinnstuben und über den großen Schulmangel. Die Btzt- tage würden wohl angesetzt, aber nicht eingehalten. Das Volk komme sehr langsam zur Kirche und zum Gesang. Er stehe wohl eine halbe Stunde allein in der Kirche und habe niemand^, der ihm fingen helfe. Auch feien in der Gemeinde viele ärgerliche Leute die die Sakramente verachteten. Diese wurden alle Vov- gefvrdert und zur Besserung ermahnt. Manche schützten schlechte Kleidung vor. Einer meinte, wenn er nach der Stellung seines Planeten hadern müsse, so könne ihm das Rachtmahl auch nichts helfen Sine Weibsperson namens Binzen Maria wurde Wegen ihres ärgerlichen Lebenswandels audj. vorgefordert und ihr nach dem Visitativnsprvtvkoll die Meinung auf „gutdeutsch" gesagt. »Vno Mrediaerftznode in Weilburg, entwarf eine Kirchenordnung Attenberg, welche auf ein« 1S55 zu Dutenhofen ge- Altenen Synode geprüft und am 3. ^tember d I. mrfagj Ker beiden Landesherren von den hessischen., uno na Visitatoren veröffentlicht wurde. Hm noch wertere Mangel aus MS des Hüttenbergs auszurotten, traten die beiden Supettnimdenten Tholde von Hessen und Charrfius E 15 Juni 1563 in Riederkleen zusammen, um sich wegen stellung der noch vorhandenen Mißbräuche zu beraten.^Shre IANLÄ I S*S "m= "SKtotto. in.-»»».MS 9mebr Sm September 1563 wurde diese '.^fvrmattons- den: 23. 8 E)rr Pfarrer Kisel brachte folgende Klagen vor: Rottil" wie sie gewöhnlich genannt wird, auf Befehl der der . Gotteslästerung fei gebräuchlich und allgemein. 2. gebe ’ÄtlÄ-W°E-. „n-d-n to-J» krkon atlentbalben im Hüttenberg Kirchenvisitattonen abgehatten. ^w'^^z^Nen gaben dem Pfarrer gutes Zeugnis über ?ÄWn Li SnteLffantes und Lehrreiches bre^n vier Äbendmahl alle vier Wochen auck» über den damaligen religiösen Zustand des Hullenverg^ i 91 ittckiuß aeben so möchte ich> über diese kurz berichten. Llm I Siier wurden Klagen gegen den dortigen Pfarrer Hofmann vor- ! kebracht Er V ein^n Dauern tn der Predigt einen Helmen unb Schandlappen gescholten. Dem Pfarrer wurde sein Sche t«i | ernstlich verwiesen auch kam eine Versöhnung stmtoen Klag« I Wrkwgttm züstande. Von hier reisten die Vis tattren nach Riederkleen ab wo sie am folgenden Tag die sEtlrchen Dech- I runaen des Hüttenbergs revidierten. Bei dies« Gelegenheit be» kaate sich der Pfarrer Thurmexnites von Pohl-Gons über das I Verfahren der Superintendenten bei Äw^ntiifttationen^nx I iie äe Kirchenältesten über des Pfarrers Lehre und Wan^ befragten uto per Pfarrer immer Feinde im Orte habe, dre ihn niwrf'feinern suchten Auch laffe man dre armen Pfarrer vor I kr Gerichtsstube stehen wie Hunde, die Daumtn aber höre man I ib Sv sei es ihm und dem Kirch-Gönser Pfarrer unlängst tn i SelÄern ergaben Endlich verklagte er .euren Bauern und dessen Sohn die ihn im Pfarrhofe einen Dieb und Schelm g®= I schölten hatten und verlangte, daß sie bestraft untrben, was^auch> I geschah Ferner brachte der Pfarrer Warrch> zu Hochelheim gegen ! den Andreas Schneider von Dornholzhausen rn emer Schrift ! s: p e?int>or er sei ein großer Gotteslästerer: über da-- hl. I Abendmahl habe er sich abfällig, geäußert, ©benfo fee der Andreas Althen ein großer Religionsspötter, weshalb er ih I öon ber hl Taufe als Pate abgewiesen habe. Hierauf habe er zu Christian Meiers Weib geäußert ier wolle fern Pfarrer noch ein Messer in-den Leid rennen. Eirdlich Betonierte er sich noch I über den Bauer Hieronymus, der gesagt ijatte, der. Pfstrrer | predige wie ein Dieb und Schelm, und bat, daß dre ^itoftrab würden, was man ihm auch versprach. An den | taaen waren in Riederkleen 58 Personen anweserch, welche | 52?/„ Maß Mein ä 6V2 Albus verzehrt hatten. Die ganze ! Zechk mit dem Essen betrug 21 Gulden 18 Albus 2 Pfg., welche | Summe auf die Kirchen des Hüttenbergs zur Auszahlung ver- .,tonaunme ^aTl(Stet »u .... ------------------m teilt wurde. Sn dem ZisrtationsprvtokoN tourbe Superintendenten Ahlocher mit der Aufforderung, die Geto weaen der herrschenden Ruchlosigkeit und ttnsittlichreit un Hiitlen 1 v- . . ------—-c— fv>n Oktvoei ' berg die Kirchendisziplin pünktlicher gehandhabt werden muffe Auch sollten die Kirchenältesten ihr Amt besser abwarten als — 127 gelten: Durch Nacht zum Licht! toörtig so ernsten Zeit immer mehr Raum gewinnen, besonders aber in den Herzen unserer Ougcrtb Eingang linden, dann braucht es uns um die Zukunft unseres Vaterlandes nicht bange zu sein. Dann wird unser armes und geknechtetes Doli Meder zur Sonnenhöhe des alten Ruhmes emporsteigen, dann mutz die finstere Trübsalsnacht der Gegenwart einst dem leuchtende Morgenrot der Zukunft weichen, dann muh auch für uns das Dichterwori Recht feierlich wurde auch das Jubelfest der Aebergabe der 1 Augsburger Konfession besonders in den Jahren 1730 und 1830 < im Hüttenberg begangen mit einer Vorfeier am 24. Ium, dem 1 Feiertag St. Johannis und der Hauptfeier am 25. Juni. Predigt- teite und Lieder wurden auch, hier für diese Feiern vvrgeschrieben. Für den Hauptfesttag waren 1730 zwei Predigten und eme Betstunde vorgesehen, damit, wie es in der Verordnung heiht, iede Gemeinde bis gegen Abend ihre andächtige Beschäftigung habe | un& dadurch den bei dem rohen Volk gewöhnlichen Ausschweifmi- | aen und üppigen Gesellschaften nach Möglichkeit vorgebeugt werde. Heber sittliche Zustände, Lebensweise und Kleidung der De- | tovhner des Hüttenbergs vor 100 Jahren sind in der Chronik des I Pfarrers Wicht von Hochelheim interessante Aufzeichnungen vor- ! banden Ich möchte daher einen Auszug derselben wiedergeben. Gin strenges Beharren beim Herkömmlichen sowohl m Sitten ! und Gebräuchen, als auch in der Haus- und Landwirtschaft ist dem ! chüttenberger eigen. Bei Kinbtaufen, Hochzeiten und Beerdigungen werden die herkömmlichen Gebräuche mit einer steifen Genauigkeit | beobachtet. Die Stadtleute betrachtet er als eine eigene, von den Bauersleuten getrennte Menschenklasse, nimmt in Sprache, Klei- ! duna Sitten und Gebräuchen nichts von ihnen an, wenn er auch viel und fast täglich mit ihnen verkehrt. Das Kriechen und Schmer- ! cheln ist seine Sache nicht. Die städtische Höflichkeit verschmäht er als geziertes, heuchlerisches Wesen dem er sich als Dauersmann | nicht zu unterwerfen braucht. Selbst in der Anrede von Personen I aebildeter Stände gebraucht er ungern das Sie, lieber das Ihr. I Sein Körper ist stark und abgehärtet zu Arbeit und Beschweren. Fleitz und Arbeitsamkeit gilt für eine der ersten Tugenden beider Geschlechter, was schon aus den Kosenamen der kleinen Kinder hervorgeht, die man gern Knecht oder Mad (Magd) nennb Fri volität und Gottlosigkeit sind ihm beinahe ganz fremd, aber der I sittlich religiöse Sinn wird häufig vom Trachtmi nach dem irdischen verschlungen. An Weichherzigkeit, Zartgefühl rnid Kunstsinn ist er äutzerst arm. Zu seinen Ergötzlich,ketten gehören vor allen Din- I gen Weizenkuchen, Branntwein und Hirsenbrei Die Klmdung entspricht ganz dem Stand und Beruf und hat sich beim Wechsel der I Mode wenig geändert. Ein Weitzer oder auch blauer, vvrn ge- schlossener leinener Kittel ist das tägliche Gewand der mamilichm I Bewohner. In diesem Gewand erscheint der Mann reinlich, auch | wenn er schlechte Winterkleider trägt, und ist gegen, Wind und Wetter geschützt. Die Sonntagskleidung besteht rn einem Hanen I Aoct hei alten Personen noch in einem braunen oder blauen Kami- I sol nach altmodischem Schnitt. Die Frauen tragen schwarze^ leinene Leibchen mit weiten Aermeln, Kragen, gestickte und mit Band be i setzte Hauben und sogenannte Schafröcke. Sonntags tragen sie oft I 6—12 leinene, oder wollene Rocke übereinander um recht drck zu erscheinen, was besonders für reizend und als Zeichen für Wohl- | ^^Dvrste§ndeEC^i.Äteristik aus der Chronik desPfarrers Abicht kann man auf den heutigen Hüttenberger noch, fast wortgetreu anwenden ein Beweis für sein „strenges Beharren beim Herivmm- lichen" ' Die Sitten und Gebräuche der Vorfahren bei Hochzeiten, Kindtaufen und Beerdigungen werden noch streng emgehalten. Auf der Hochzeitstafel sieht man weder Torte noch Pudding, das Essen ist noch so einfach wie vor 100 Jahren. Auch beute noch tragt man das kleine Kind zur Taufe in die Kirche; auch hat eö i feine 6—8 Paten. Bei Beerdigungen singen die Schulkinder am Grabe Begräbnislieder; auch werden die Verwandten, noch zur Leichenfeier eingeladen, alles Sitten und Gebrauche, ine man tn anderen Gegenden unseres Vaterlandes meistens nur vom Horen- saaen kennt Fleth und Arbeitsamkeit'gelten immer noch als Haupttugenden. Kochte und Mägde verschmäht der Hstttenbergeiixnn Tctn am fiter Stolz besteht darin, seine Arbeit mit Hilfe seiner Angehörigen zu verrichten. Auch heute noch ist das Söhnchen sein Knäächt", das Töchterchen seine „Maad". Wenn auch der blaue Kittel des' Mannes schon seit einigen Jahrzehnten aus dein Gebrauch gekommen ist, so halten die Mädchen und ürauen noch fest an ihrer Hüttenberger Tracht, mag fte noch so kostspielig und be sonders im Sommer so unbequem sein. Gottesfurcht und Frömmigkeit gehören auch in unserer gegenwärtigen Zeit, m der so viel über Gottentfremdung und Glaubensarnnit geklagt, wird, noch zu den Haupttugenden der Hüttenverger. Dies beweisew die vollen Kirchen auch an den gewöhnlichen Sonntagen, der starke Desuch der Advents- und Passionsgottesdieiiste an den Wochenabenden, die große Beteiligung an den Missionsfesten, tote sre mr Sommer allenthalben im Hüttenberg abgehalten werden endlich, die Ehr- erbietuna wie man sie auch noch in unserer heutigen Zeitben Geistlichen gegenüber erzeigt. Eine weitere Eigenschaft der Huttenberger hat Wicht in seiner Charakteristik derselben nicht erwähnt. Es^ist die glühende Vaterlandsliebe. Der Verfasser dieses Aufsatzes konnte in den letzten Jahrzehnten auf einer ganzen Reihe vonHochzeiten und Kindtaufen im Hüttenberg, denen er beiwohnte, die Wahrnehmung machen, wie sich das Gesprächsthema hauptsächlich um die Ruhmestaten der Väter drehte, tote Kriegserinne- runaen aufgefrischt wurden, wie man mit Stolz don seiner Mili.ar I^it erzählte auch wenn sie eine harte Schule bildete, wie nutzer religiöse!! Liedern besonders Vaterlandslieder ge!ungen wu.Sem Frömmigkeit, verbunden mit treuer Mlichterfullung und Vaterlandsliebe bilden den Anker, der em Staatsschiff auf wilN bewegtem Meer vor dem drohenden Untergang Een kaum Mögen deshalb diese Eigenschaften in unserem deutschen Volk tn Bet gegen Bruckner bei Richard Wagner. Anton Bruckner, der letzte große Klassiker der österreichischen Musik war ein leidenschaftlicher Verehrer Richard Wagners, den ^SÄiKr aller Meister" nannte. .Sein Besuch bei feinem QIBaott in Bayreuth, der geradevoreinem halben Jahr hundert statffand, war das größte äußere Ereignis rn fein ent ßeBen das sonst nur von den inneren Erschütterungen seines S chaf - fen8 äusgefüllt war. Eine ausführliche Schilderung der denkwürdigen Begegnung der beiden größte Musikschöpfer chrer Zelt gibt Max Auer in seiner gro.tzen Brucknet-Diograph^ dte foe^n bn Amalthea-Verlag zu Wien erschienen ist. toar tot eontmer 1873 Bruckner hatte seine 3. Sinfonie vollendet und wollte sie durchaus Wagner widmen. Trotzdem der Meister uufdasEr suchen ihm seine letzten Werke vorlegen »u dürfen, nicht gEt w,ortet hatte, begab er sich von Marienbad t. B. aus nach Bah reutb um Wagner seine Bitte vvrzutragen ___ ’rea tpar zirka Anfang September 1873, hat er fettft tn einem Brief an WMogen darüber erzählt, „als ich den Wer bat meine 2 C-Moll und 3. V-Moll vorlegen zu dürfen. Der Hoch- feliae weigerte sich wegen Mangel an Zett (Th«iterbau) und sagte, er fönne jetzt die Partitur nicht prüfen, da s^bstdie „WNlungmi auf Ne Seite gelegt werden mußten. Ich erwiderte. „Meister, ich habe kein'Recht. Ihnen auch nur eine Viertelstunde zu rauben, und glaubte bei dem hohen Scharfblick des Meisters genüge em Blick auf die'Themen, und der Meister totffe, W an Sache fft Darauf faate der Meister, mich auf die Achsel klopfend. „-also kommen Sie," ging mit mir in den Salon und sah Ne 2. Sinfonie an Reckt aut “ sagte er, schien aber doch zu zahm gewesen zu sein (denn irT Wien hatte man mich anfangs zusannnmigeschreckt) lind nahm die 3. vor; und mit den Worten „Schau, schau a was, a was" ging er die ganze erste Wteilung durch (Ne -trompete ftat Hoch der selbe besonders erwähnt) und sagte dann: „Lassen Sw mir di-ses Werk hier, ich will es nach Tisch, noch genauer bestch- i ttgen" Darf ich meine Bitte Vorbringen, dachte ich mm wozu i Mch der Wagner aufforderte. Recht.schüchtern und pochenden. ! zens sagte ich dann zu dem heißgeliebten Meister. „Meister! habe etwas am Herzen, was ich mir nicht zu sagen getraue! Meister sagte: „^erauä damit, Sie wissen doch, wie lieb ich Sie | K." Hinauf brachte ich meine Bitte vor, aber nur für Nn Fall, daß der Meister- einigermaßen zufrieden sem 'S- ’SSEÄÄ KÄS»« »ti»*1 I aenau anaefeßen habe, wollen wir dann über diesen Punkt sprecyen. SVäter hat Bruckner oft erzählt, wie ihm . zumute war, als I Waaner die Partituren durchsah: „Mir ist dabei grab so gewesen ^e^einem Schulbuben" dem der Lehrer das Heft korrigiert, und j : frfviu schau" habe ich für einen, roten Strich gehalten. West ^rausaestottert daß er die Widmung der Sinfome annehmen | möge denn Las set die einzige, aber auch bi« größte Au^eichiiung, die^ich von der Welt verlange." Bis zur Stunde der Einladung irrte Bruckner in Bayreuth herum und geriet mi Na Platz, wo das Festsvielbaus gebaut wurde. Bald toar er so interessiert, daß er unter den Arbeitern herumkletterte und Wagner emen Diener nach j ihm ausschicken mußte. Der fand ihn auf Nrn Terusff mit vor staubtem Anzug. DrucNer toar außer daß er sich v^patet | katte und rief einmal ubers andere Mal. „Putzt s Mi ab, Ceui m, p^tzt's mi ab!" Rotdürftig gereinigt langte er m „WaMrred an vnb wird von Wagner herzlich empfangen. »Zuerst hat er I „nrniefitä a’rebt “ berichtet Bruckner, „nur UM den SyxUVä ex I mir g'fall'n und abküßt hat er mich ein übers anbete Mal. Ich hab natürlich.gleich weinen müssen, und Las ist «uchbaim nicht | heiser geworden, wie er nur endlich gesagt hat- »lieber Fr , mit der Dedikation hat es seine Richtigkeit, Sre bereiten mir^mtt drnn Werck ein ungemein großes Vergnügen s SMnbmi* I hrnrFite mich in den Garten führte und mir sein Grab zeigte... I Dann mußte (vielmehr) durfte ich. der Hochbeglückte, den Meister I in ^Der Bffdhauer Kietz, der damals Frau Cosima modellierte, toar Bei diesem Gespräch dabei und erzählt in semen Ei-innerun- aen wie Wagner Bruckner beständig eingeschenkt habe, wahrend ! dieser abwehrte und rief: „Um Gottes Willen, Meister, &a$ fann I ich nicht, und es wäre mein Tod, ich komme ja soeven aus Marien- I hab “ Aus Ehrfurcht vor dem hohen Spender oes „Wechmistephan trank er aber ein großes Glas nach dem andern, und kam dann am nächsten Morgen zu Kietz gestürzt, wobei er ihm klagte, er sei 1 her unglücklichste Mensch, denn er habe dem Meister mehrere Sin Kchriftleitung: OluguS Goetz. ®tud und Verlas der Brühl’schen Aniv.-Buch- und Steindruckerei, A. Lange, Dietzen, Eine Hochzeit im Jahre 1 48 5. Ein junges Mägdlein wurde von ihrer Sippe gezwungen, einen zwar reichen, aber gar ungestalten, tölpifchen Kerl zu nehmen. Ms man sie nun in der Kirchs zusammengeben wollte, fragte der Priester sie, ob sie diesen Ä. zu ihrem Manne nehmen wolle? 21 ach langem Bedenken sagte sie endlich laut und kräftig: „Olein !" Der Bräutigam erschrak darüber heftig und weinte sehr. Ms man nun enttäuscht und unverrichteter Sache wieder aus der Kirche gehen wollte, bedachte die Braut sich und sagte: „Wenn es nun einmal sein soll, so gebt ihn her, den grämlichen Bock!", Frie dr i ch Taubmann war ein Franke und lebte gegen Ende des 16. Jahrhunderts am kursächsischen Hofe. Ms er einst einen Hofmann bei der Hand faßte, sagte dieser zu ihm: „Sie haben gar grobe Hände, die sich mit zum Dreschen schicken würden." — „Allerdings," erwiderte Taubmcmn, „ich habe den Flegel ja schon in der Hand." Bei einer Hostafel fragte Taubmann den Kardinal Clesel, ob er wohl wisse, wo Gott nicht wäre. Der Kardinal antwortete: „Bun, in der Hölle! — „Olein," sagte Taubmann, „zu Rom ist er nicht, denn da hat er ja seinen Statthalter." Als man ihm einst bei einer Tafel keinen Löffel vorlegte und sagte: „Sin Schuft, der nicht mitsuppt", schnitt er sich eine Brotrinde zurecht und suppte damit. Zum Schluß aß er sie auf und rief gleichzeitig über die Tafel: „Ein Schuft, der seinen Löffel nicht mitiht!" Dom alten Fritz. Ein Bauer und fein Weib wollten eine Bittschrift übergeben. Friedrich fragte nach ihrem Begehren und wies sie an die Kammer. „Dort find wir schon gewesen," erwiderten sie. „Qlun, dann kann i& euch nicht helfen." — -Unwillig zog der Bauer sein Weib mit sich fort, indem er sagte: „Komm nur, du hörst ja, daß er mit der Kammer unter einer Decke steckt!" Friedrich lachte und nahm die Bittschrift an. Lessing, der einst im Wirtshaus auf feinem Zimmer schrieb, erinnerte sich, daß er einige Besuche in der umliegenden Gegend versprochen habe; er bezahlte daher seine Zeche und ging. Gin anderer Gast nahm gleich nach seinem Weggehen sein Zimmer in Besitz Lessing war kaum eine halbe Stunde entfernt, so fand er die Rückkehr, zur Ergänzung eines Manuskripts, notwendig. Er ging ohne Umstände aus sein Zimmer los, das der Gast auf einen Augenblick verlassen hatte, und setzte sich, seine Arbeit zu vollenden. Während er emsig schrieb, trat dem Fremde erstaunt ins Zimmer und fragte, was er hier mache, worauf keine Antwort erfolgte, weil Lessing viel zu sehr int Geschäfte war. Der Fremde trat näher, sah ihm über die Schultern und fragte barsch: „Wer sind Sie?" — Ohne aufzublicken, erwiderte Lessing: „Ich bin der Evangelist Lukas," dem bekanntlich ein Ochsenkopf über die Schultern sah. Napoleon machte dem berühmten Komponisten Mehul öfters den Borwurf, daß alle französische Musik zwar künstlich sei, daß ihr aber die anmutige Heiterkeit der italienischen abgehe. Mehul steckte den Vvr- L>«f ein, ging aber zu seinem Freunde Marfollier und bat ihn, ihm ein kleines, recht heiteres Stück zu machen, dessen Plan abgeschmackt genug fei, um einem Libretto-Dichter zugeschrieben werden zu können. Marsvllier verfertigte in aller Eile die Oper Jcaro, zu welcher Mehul sogleich die bekannte reizende Musik komponierte, welche heute noch sehr bewundert wird. Die Oper wurde dem Ausschuß der Opeva-Comique Übergeben mit dem Bedenken, daß sie aus dem italienischen Übersetzt sei und eine schöne Musik habe. Das neue Werk wird von den Schauspieler» mit Begeisterung aufgenommen, einftuMert und mit großem Pompe angekündigt. Napoleon ladet Mehul ein, mit ihm der Aufführung beizuwvhnen. Dieser stellt sich verdrießlich, sträubt sich, gibt aber endlich nach. Die Oper entzückt jedermann: der Konsul gibt seinen Beifall wiederholt zu erkennen und ruft endlich aus: „Wahrlich, nichts gleicht der italienischen Musik!" Das Stück wird unter rauschendem Beifall zu Ende gespielt, und die Namen der Verfasser werden mit Enthusiasmus verlangt. Ms man die Namen Marsvllier und Mehul nennt, erstaunt jedermann, und von allen Seiten ertönen Bravos. Der Konsul nahm die Täuschung nicht Übel und sagte zu Mehul:, „ Führen Sie mich immer auf ähnliche Weise an. Es wird mich für ihren Nuhm und mein Vergnügen freuen.“ fonien zur Widmung vorgelegt, und nun könne er sich nicht mehr entsinnen, welche Wagner ausgewählt habe. Ms ihm Kietz sagte, es sei beständig von einer Sinfonie in O-Mvll die Rede gewseen, da umarmte ihn Bruckner stürmisch, küßte ihn und rief immer da- dazwischen: „Ach, lieber Herr Hof rat, wie danke ich ihnen! Jawohl, die V-Moll hat ja der Meister angenommen! Ach, welches Glück, daß ich nun weiß, welche von den zweien!" Gr schwankte aber doch noch und fragte Wagner an, ob es die O-Moll-Sinfonie sei, was der Meister mit herzlichem Gruß bejahte. So wurde Bruckners „Dritte" zur „W a gner-Sinfoni e", wie auf dem in der Wiener Hofbibliothek befindlichen Manuskript zu lesen ist. Als Widmung aber fetzte er auf das erste Blatt: „Shmsonie in O-Moll Sr. Hochwohlgeboren Herrn Richard Wagner, dem unerreichbaren, weltberühmten und erhabenen Meister der Dicht- und Tonkunst in tiefster Ehrfurcht gewidmet von Anton Bruckner." DerfeigsteOsfizier. im Jahre 1864 war Feldmarschall Wrangel im Kriege gegen Dänemark der Höchstkommandierende der preußischen Armee. Eines Tages überbrachte ein Hauptmann v. T., der dem Generalstab Wrangels angehörte, dem Kritzgsminister von Roon ein Handschreiben des Feldmarschalls, in diesex Zuschrift bat Wrangel um eine hohe Ordensauszeichnung für den lieber bringen; zugleich bezeichnete er ihn als feigsten Offizier der ganzen preußischen Ar- wee . Da Roon mit dem Schreiben nichts anzufangen wußte, suchte er König Wilhelm I. auf und fragte ihn nach feiner Meinung über den offenbaren Widerspruch ® öer König das Schreiben gelesen hatte, brach er in herz- Itax» Lachen aus. „Sie kennen die eigenartige Rechtschreibung unseres alten Wrangel nicht?" fragte er. „Er spricht ohne Z'.veisel mcht von dem feigsten, sondern dem fe-igsten (fähigsten) Offizier, dem wir die Anerkennung nicht vorenthalten sollten." Ans neuen Anstzdotenbüchsrn. Um einer Verflachung der heiteren Kunst unserer Zeit ent» gegenzuwirken, muß man in die Anekdotenschätze unserer deutschen Literatur zurückgreifen. Zwei neu erschienene Bücher greifen diese Aufgabe auf und dienen einem guten Zweck, denn dem in den wirtschaftlichen Nöten^chier verzweifelnden Menschen muh auf irgend eine Art AufheMrung und damit neue Kraft gegeben werden. „Das Anekdvtenbuch" herausgegeben von Kurt Ziese- nih (AntäuS-Berlag Lübeck) beschränkt sich auf die bekannten Autoren Johann Peter Hebel, Heinrich v. Kleist, Detlev v. Lilien- cron und Wilh. Schäfer und will damit zugleich einen literarischen Entwicklungsgang ausschließen, während der „Anekdoterich", herausgegeben von Wilh. Paul Zieger (Verlag der Freude in Wvlfen^ittel), wie schon der Name andeutet, das Netz weiter auswirft und Schnurren aller Zeiten und'Völker auf tischt. Allerdings, der deutsche Humor ist auch hier bevorzugt, und zahlreiche große Persönlichkeiten werden durch kleine Erlebnisse und gelungene Ausdrucksformen dem Volke näher gebracht. Die Kultur vergangener Zeiten spiegelt sich in diesen Geschichten, die zum Teil aus der Wolfenbütteler Bibliothek entnommen find. Wir wollen aus beiden Büchern ein eigenes kleines Schatzkästlein zusammenbauen, wobei wir es nicht nötig haben, im einzelnen die Quelle anzugeben, denn das „Anekdotenbuch" und der „Anekdoterich" sind verträgliche Geschwister, die sich einander ergänzen und nicht aufeinander eifersüchtig zu fein brauchen. Gutes Wort, böse Tat. 3n einem edekmännischen Dorf trifft ein Bauer den Herrn Schulmeister im Felde an. „Jst’s noch euer Ernst, Schulmeister, was Ihr gestern den Kindern zergliedert habt: So dich jemand schlägt auf deinen rechten Backen, dem biete den anderen auch dar?" Der Herr Schulmeister sagt: „Ich kann nichts davon und nichts dazu tun. Es steht im Evangelium." Also gab ihm der Bauer eine Ohrfeige und die andere auch, denn er hatte schon lange einen Verdruß auf ihn. Indem rettet in einiger Entfernung der Edelmann vorbei und fern Jäger. „Schau doch nach Joseph, was die Zwei dort miteinander haben." Ms der Joseph kommt, gibt der Schulmeister, der ein starker Mann war, dem Bauer auch zwei Ohrfeigen und sagte: „Es steht auch geschrieben: Mit welcherlei Maß ihr messet, wird euch wieder gemessen werden. Ein vvllgerüt- telt und überflüssig Matz wird man in euren Schoß geben"; und zu dem letzten Sprüchlein gab er ihm noch ein halbes Dutzend drein. Da kam der Joseph zu seinem Herrn zurück und sagte: „Es hat nichts zu bedeuten, gnädiger Herr, sie legen einander nur die heilige Schrift aus." DerBranntweinsäuferunddieBerlinerGlocken, . Ein Soldat vom ehemaligen Regiment Lichnowskh, ein heilloser und unverbesserlicher Säufer, versprach nach unendlichen Schlägen, die er deshalb bekam, daß er seine Aufführung bessern und sich des Branntweins enthalten wolle. Er hielt auch, in der Tat, Wort, während drei Tage: ward aber am vierten wieder besoffen in einem Rinnstein gefunden, und, von einem .Unteroffizier, in Arrest gebracht. Im Verhör befragte man ihn, warum er, seines Vorsatzes eingedenk, sich von neuem dem Laster des Trunks ergeben habe? „Herr Hauptmann!" antwortete er, „es ist nicht meine Schuld, Ich ging in Geschäften eines Kaufmanns, mit einer Kiste Färbholz, über den Lustgarten; da läuteten vom Dom herab die Glocken: ,P o m meranzen! Pom meranzen! Pom meranzen!'Laut’ Teufel, läut’, sprach ich, und gedachte meines Vorsatzes und trank nichts. In der Königsstraße, wo ich die Kiste abgeben sollte, steh' ich einen Augenblick, um mich auszuruhen, vor dem Rathaus still: da bimmelt es vom Turm herab: .Kümmel! Kümmel! Kümmel! — Kümmel! Kümmels Kümmel!' Ich sage zum Turm: bimmle du, daß die Wolken reißen — und gedenke, mein Seel, gedenke meines Vorsatzes, ob ich gleich durstig war, und trinke nichts. Drauf führt mich der Teufel, auf dem Rückweg, über den Spittelmarkt; und da ich eben vor einer Kneipe, wo mehr denn dreißig Gäste beisammen waren, stehe, geht es, vom Spittelturm herab: .Änisette! Musette! Änisette!' Was kostet das Glas, frag’ ich? Der Wirt spricht: .Sechs Pfennige.' Geb’ Gr her, sag’ ich — und was weiter aus mir geworden ist, das weiß ich nicht.