Samstag, 10. Februar BBS' 1923 — Nr. 6 L,. «* ,Z MMM-KW iiOaBi lOMRR' . WM W Der Wettkampf um das Erdöl. Kein anderer Roh- und Kraftstoff ist im Verlaufe einer kurzen Zeit zu einem fv ungeheuren weltwirtschaftlichen Machtfaktvr ge- toorden wie das Erdöl. Ms dies Oel, das wir Petroleum nennen, vor wenig mehr als 60 Jahren zum erstenmal in Amerika erbohri wurde, da wurde es uns allen in der Petroleumlampe vertraut, die heute auch schon zum Altvätcrhausrat geworden ist. Das Petroleum leuch et nicht mehr mit behaglichem Schein in unfern Stuben, soirdern es muh jetzt ganz anders arbeiten, um Diesel-Motoren treiben, Lokvmo.iren und Turbinenram, fer helfen, als Berrzin im Motor der Kraftwagen arbeiten, muh Flugzeuge und Lenkluftschiffe d-ahinsausen lassen. Das Ertöl ist zur Wellmrcht geworden, und wer es heute besitzt, vermag über die ganze Erde, über Land, Luft und Wasser zu herrschen. Daher ist ein erbitterter Weltkampf um das Erdöl entbrannt, der sich zwar hinter den diplomatischen und mL-uft helfen Kulissen abspiel!, aber in den wir doch alle mehr oder weniger bewuht hineinge.issen sind und der auch im Weltkrieg eine wichtige, ja vielleicht entscheidende Rolle gehabt hat. Diese weltpolitische Bedeutung des Pe roleums behandelt der bekannte Rationalökonom Georg Engelbert G.as in einem umfangreichen Aussatz ces bei F. A. Perthes in Gotha erscheinenden „Deutschen Pfeilers". Erst die Konferenz von Washington und dann hauptsächlich die von Genua hat weiteren Ä reifen klar gemacht, daß zum mindesten die im Gefolge des 'Weltkrieges entstandenen machtpolitischen Auseinandersetzungen sich um das Pe- troleummonopvl und die zukurf.srcichslen Petrvleumgebieie drehen. England braucht für sein Weltreich das Erdöl als ein notwendiges Mittel, und so werden denn die sogen. „Friedenskonferenzen" immer mehr zu „Ecdölkvnferenzen", und bei den jetzigen Verhandlungen in Lausanne und dem erbitterten Kampf um Mvssul handelt es sich nur um den Besitz des Erdöls und um die daran geknüpfte Beherrschung des Weltverkehrs. Es ist letzten Endes ein Kamps zwischen der Reuen und der Alten Welt, der sich hier ab- spielt: der große Grdöltrust der Bereinigten Staaten, die Standard Oil Eo.. steht den britischen Erdölgesellschnflen gegenüber. Die fabelhafte Macht der Standard Oil Ev. ergibt sich aus ihrem Vermögen, von dem ein amerikanischer Statistiker errechnet hat, daß die Gesellschaft von 1913—1920 e:wa 4—5 Milliarden Dollars in neuen Erdölanlagen angelegt und etwa eine Milliarde Dollars Dividende gezahlt hat. Der politischen Tätigkeit dieser Gesellschaft wird von den Engiändem die größte Bereitung zu- geschrieben, man behauptet sogar, daß die revolutionäre Bewegung in Indien mit dem Geld des amerikanischen Petroleumtrusts geschürt wird. In Sibirien, China, Rielerlänbisch-Jndien arbeitet das Rockcfelker-Ka pital. Es kämpft um die Konzessionen für die Oelfelder an den südamerikanischen Anden und beherrscht die mexikanische Erdölprvduktion. Seine größten Erfolge aber hat die Standard Oil Co. in jüngster Zeit auf europäischem und vorderasiatischem Boden gewonnen, indem sie Frankreich in das Schlepptau ihrer Oelvolitik brachte, denn dieses kriegerische Land will sich das Crdvl der Vereinigten S aalen für den Fnli eines Krieges sichern. Auch auf die in Jugoslawien entdeckten Pekroleumlager sicherten sich die Amerikaner ein Monopol und blieben Sieger im Kampf um das tschechische Erdöl. Am heftigsten wogt der Kamps in Vorderasien, wo die Interessen Großbritanniens unmittelbar berührt werden, und vor aflcm erstrebt die Standard Oil Eo. den Besitz der russischen und persisch-türkischen Oelsclder. Die Türken scheinen auch geneigt, den Amerikanern Oelkonzessionen zu gewähren, und so gerät England klS Hintertreffen. Deutschland wird | zwar von diesem Petroleumkrieg nicht unmittelbar berührt, da es nennenswerte Erdölvorkommen nicht besitzt, aber da es heute ja leider nur ein passiver Gegenstand der Politik ist, so wird es von dem Strudel der gegeneinander anstrebenden Interessen gefährlich hin- und hergerissen. Rembrandts Tod. Don Emil Ludwig. Emil Ludwig, der in seinem Gc-ekhewerk »Weg und Wesen des größten Dichters" tief erkannt hat, gestaltet nun in seinem soeben bei Ernst Rowohlt in Berlin erschienenen Buch „Rembrandts Schicksal" aus dem Racherleben seiner Bilder die Tragödie des größten Malers. Der erschütternde Schluß dieser das Aembrandt- Gcheimnis enträtselnden Seelenstudie fei hier wfedergegebe i. Die Schclftleitung. Rembrandt leb! noch ein Jahr nach dem Sohne weiter. Di« Schwiegertochter ist ihm fremd, sie bringt eine nachgeborene Tochter zur Welt, sie wohnen nicht bei ihm. er sieht sie kaum, Saskias Stamm scheint für den Alten erlosch«!. 3m Traum erscheint sie ihm. Denn was man sein letztes „Famili nbild" nennt, ist nicht nach Lebenden gemalt. Da setzt er Saskia in seinem lehfen Ziegelrot neben Titus, der alt genug sch int, ihm ihr Gatte zu heißen: die drei Kinder, die sie jungt verloren, sitzen bei ihnen, mit starren Züsm, keiner sieht den andern an, morbid und Wissend heißt sie der Baßer aus einem Jenseits zu ihm herüberblicken, das er gar bald zu finden hofft. Furchtbarer Epilog eines schaffenden Schicksals, Totentanz von fünf sittsam sitzenden, kalt geschmückten Menschen, die sich von Drüben her ein Stelldichein bei ihrem greisen Erzeuger und Gatten geben, auf Geheiß des dunkel träumenden Genius. Rur Cornelia webt noch um khn, jetzt ist sie 16 Jahr, vielleicht ist sie schön, wir wissen es nicht, er Hal sie nicht mehr gemalt. Gr schlurft nur noch durch diese äußere Welt, es scheint, er trinkt, denn sein Gesicht wird immer aufgedunsener, die Augen werden trübe. Ein oder das andere Mal, wenn er kein Geld hat, läßt er sich von den Rachbarn als Zeuge tertcenben, wo eck was zu unterschreiben gilt; man nahm Dafür von je arme Leute, damit sie den 'halben Gulden verdienten. Einmal geht er zu seinem Schüler Fabricius, der will auf der Leinwand gerade bet Täufer enthaupten und braucht zum Henker einen wüste t rauhen Mann. Da schilt sich der Meister hin, Aermel und Hemdkragen offen, bärtig die Brust, die Art in den Händen und stpht seinem Schüler Mois'll. Wie er schmunzelt, als der junge Mann den Turban für Herodes fünft» voll windet und 'Edelsteine an bringt und ein „übernatürliches Wicks"! And tote er steht mit seiner Axt, und sieht, wie ihn der Schüler nachzuahmen sticht, verschwimmen ihm die Bilder und et denkt an den Einfluß von Schalen, an Rubens, der so feine Heimat und England und Frankreich beherrscht, noch jetzt, noch zwanzig Jahre nach dem Tode. — und er denkt, wie dieser Maler doch nur die Erde gemalt hat, doch nur das Leben, schön, begrenzt Dunkle Dinge wälzt Rembrandt der Greis, wie er Modell steht und den Henker spielt, an die Jahrhunderte denkt et, an ferne Meister fremder Künste, die ihn begreifen werden, einst, seine ungebo enen Brüder. Aber da ist die Sitzung zu Ende, er hat seinen Gulden verdient und schleicht nach Hause. Da fällt ihm plötzlich die Mühla — 22 ein, und Sah er vor vierzig und fünfzig Jahren bei- Lahn eines ehrlichen Rlüllers war, der langsam im Strumpf seine Dukaten sammelte und Vorsteher im Stadtbezirk wurde. Waren die Mühlenslüget nicht immer voll Wind und das Haus immer voll Arbeit? Tiefer fühlt er die Müdigkeit des Rheines, wie er mit seinen beiden Armen langsam, endlich dem groben Meere zu rollte, zu Fähen der väterlichen Mühle. And ungeheure Sehnsucht saht ihn an, in seinem Herzen reißt es voll Heimweh nach dieser allzulangen Pilgerschaft: so tritt er vor die alte Staffelei und malt die Legende vom Verlorenen Sohn. Heut rührt er, der stets genau den Dibelworten gefolgt war, zum erstenmal an dem 'heiligen Text und trägt das Ganze in eine stummere Sphäre empor. Run läuft der Vater nicht mehr auf ihn zu, nun ist er blind. Abgerissen, in grober Leinwand, unter der nur noch ein kleiner Rest von seinem Zeug aus besseren Zeiten schimmert, mit einem Zuchthäusler-Schädel kehrt Rembrandt, der Bettler, zu seinem groben Vater heim. Der steht im gelben Rock mit rotem Mantel und mit der grünen Kappe, Jahre hat er ihn erwartet, nun laßnt er nach ihm and zieht ihn mit seinen zittrigen Händen an die alte Brust. Rot brennt es aus dem Bild hervor, doch auch hier sieht keiner mehr den andern, sie tasten nur noch einander. Aber sie werden gesehen: geheimnisvoll schauen drei Gestalten zu. Sind es noch Menschen oder sind es Propheten, dieser Alte mit dem Stabe, der andre, der Hockende mit dem Barett, die Frau ohne Alter? Aber da taucht ganz hinten aus dem Torbogen noch eine zweite Frau hervor, die wird ihn gewib zu Tische laden, den Heim- gekehrten. Rembrandt aber lachte am Ende aus zahnlosem Mund über die Welt. Als der Maler an der alten Spiegelscherbe noch einmal vorüberschlich, die ihm ein Leben lang Magie bedeutet hatte, und sah hinein, da lachte er über die Kapriolen eines Schicksals, auf das er einst vertraute; zu diesem letzten Selbstbild lächle er wie zu dem ersten; nicht wie zu dem ersten. Grinsend lockt es ihn, die hundertfach gefaßten Züge noch oin letztesmal zu fassen. Einen schmutzig gelb-grünen Schal nfimmt er um, an rotem Bande hängt er sich schmunzelnd den groben Gvldring um den Hals, der früher seine Frauen schmückte, sogar einen Ohrring steckt er sich ein, da doch die Frauen tot sind und begraben. Er malt die Ecke eines Bildes mit, das scheint einen römischen Kaiser darzustellen, doch wie er den Malstock darauf zuhält, als wollte ei an dem Bild im Bilde malen, ist es, als fließe er mit seinem Stocke den Kaiser mitsamt seinem Reiche um, und er lacht zu diesem Spähe und lacht zur Groteske der Welt unter der alten weißen Mütze hervor, aus dem gedunsenen Gesichte, dessen Falten er mit Andacht zu Ende malt. So endet Rembrandts Pilgerfahrt. Als er dann stirbt, an einem Oktobertage, kommt die Schwiegertochter aufgeregt ins Haus, aber Cornelia ist nicht zu sprechen, die hat sich zu dem Toten gesetzt, sie allein trauert. Magdalena fragt die Rachbarin, ob denn kein Geld im Kasten liegt. Die Alte schüttelt: ihr hätte der Maler gesagt, er lebte schon seit einiger Zeit aus Cornelias Kasse. Da ruft die junge Frau durchs Haus: „Das will ich nicht hoffen, daß der Vater Cornelias Goldstücke nahm, denn davon gehört die Hälfte mir!" Da kommt tauch schon der Motar, den sie bestellt 'hat, beim dieser Cornelia fei nicht zu trauen. Vor seinen Augen öffnet sie und nimmt aus dem Deutel 170 Gulden, beim das zumindest ist ihre Hälfte, und der verstorbene Titus hat noch alte Rechte auf dies Geld, fo steht's in den Verträgen, die man auf Grund von Saskias Testamente geschlossen hat. So pocht der Fluch des Goldes noch an die Sterbekammer des Bettlers. Daß er es war, wird gleich der Herr Rotar bezeugen, denn wie er nun alles aufnimmt und versiegelt, notiert er, daß nichts davon dem Toten gehörte. Rembrandts Eigentum sind nur „seine Kleider, 8 Taschentücher, 10 Mützen, 1 Bibel und das Malgwät". Riemand im Hause, niemand in der Welt weiß es zu dieser Stunde, daß der alte tote Maler dort mit dieser Bibel und biesem Malgerät an tausend Bilder gemalt und radiert und viel über tausend gezeichnet hat. Man streitet nur, ob man die Beerdigung zahlen soll, und tut es erst gegen die Zusicherung, bestimmt aus dem Rachlaß vergütet zu werden. Aebrigens sind es nur ein paar Schritte zum Wester-Friedhof hinüber, aber an diesem Ende der Rosengracht, wo sie wohnten, liegt gerade das „Labyrinth" und heut ist Sonntag und dort singt man und fiedelt. Es ist trübe und regnet, niemand weiß, wer etwa mitgegangen ist. Der Küster schreibt ins Degräbnisbuch: „8. Oktober 1669 Rembrandt van Rijn, Maler aus der Rosengracht. Dahre mit Gestell, 16 Träger. Hinterläßt 2 Kinder. 20 Gulden." Der Hund. Novellevon Z-wan Sergejewitsch Turgenew. (Schluß.) Ich legte mich also ins Bett, mein treuer Begleiter Tresor war natürlich auch im Schlafzimmer. AVer war's nun der Schreck, Die Hitze, die Flöhe ober die Gedanken — kurz, ich konnte nicht ein» schlafen. Da half einfach nichts! Mir war so traurig zumute, daß ich s gär nicht beschreiben kann. Ich trank ein Glas Wasser, ich machte das Fenster auf, ich spielte auf der Gitarre die .Kamarin- ftaja'4) mit italienischen Variationen — alles umsonst! Etwas treibt mich aus dem Zimmer Hinaus, nichts zu machen. Endlich raffte ich mich auf, nahm Kissen, Deck, Bettuch und spaziert« durch den Garten nach dem Heuschuppen; na, und dort richtete ich mich ein. And da wurde mir so wöhl, meine Herren: die Rächt war so still, so still; nur ab und zu streichelt ein leiser Wind einem über die Mange wie ein Fraueithändchen; die Luft ist angenehm kühl; das Heu duftet wie der schönste Tee; in den Apfelbäumen zirpen die Grillen; dann schlägt plötzlich eine Wachtel los — und man fühlt ordentlich wie s auch ihr, dem Luderchen, '006Itut, mit dem Herzensfreund im kühlen Tau zu sitzen... And am Himmel ist alles Glanz und Schönheit: die Sternlein flimmern so sanft, ab und zu steigt ein Wölkchen auf, weiß wie Watte, und auch das bewegt sich kaum.. Hier nieste Skworewitsch; Kinarewitsch der es feinem Freunde in allem gleichtun mußte, folgte seinem Beispiel. Anton Vtepa- nitsch sah beide wohlwollend an. „Ra also", fuhr Porfirij Kapitonytfch fort, „da liege ich nun und kann wieder nicht schlafen. Ich war ins Grübeln gekommen; und zwar grübelte ich über die Weisheit: wie hatte der Procho- rytsch mir die Warnung so richtig gedeutet, und warum mußten gerade mir so wunderbare Dinge passieren?... Ich staunte — eigentlich nur, weil ich es so gar nicht begreifen konnte —, Tre- svruschka aber winselte leise, ins Heu eingemummelt; seine Wunden taten ihm weh. And noch etwas hinderte mich am Einschlafen, muß ich Ihnen sagen — Sie werdens mir vielleicht nicht glauben: der Mord! Da stand er gerade vor mir, so rund, groß, gelb, platt, und mir war's, als gucke er gerade mich an, bei Gott; und fo frech so aufdringlich... ich zeigte ihm schließlich sogar die Zunge, wahrhaftig. Was hast du hier zu gucken? denk' ich. Ich drehe mich a>eg — und er guckt mir ins Ohr, beleuch et mir den Racken, gießt fein Licht über mich aus wie Regenschauer; ich mache die Augen auf — und was meinen Sie? Zedes Blümchen, jedes elende Hälmchen im Heu, jedes jämmerliche Spinngewebe — alles beleuchtet er, als wenn er Münzen draus prägen wollte! Da, siehs dir nur genau an! Es blieb mir zuletzt nichts übrig; ich stützte den Kopf auf die Hand und guckte hinaus. Ich konnte einfach nicht anders; Sie mögen mir nun glauben oder nicht — aber meine Augen waren wie richtige Ha'enaugen; ganz von selbst gingen sie auf und glotzten, als wüßten sie überhaupt nicht, was schlafen heißt. Einfach alles verschlingen können härt' ich mit diesen Augen. Das Scheunentor stand weit auf; wohl fünf Werst weit konnte ich ins Feld hinaus schauen; einiges sah man sehr deutlich, anderes verschwirnrnend, tote das Immer so ist bei Mondschein. So guck' ich denn und gucke und zwinkere nicht einmal. . . And mit einem« mal war rnir's, als bewegte sich irgend etwas — ganz weit, weit draußen ... Es zuckte auf und verschwand. Einige Zeit verging — und wieder huschte der Schatten vorbei, diesmal schon etwas näher; dann abermals, noch näher. Was kann daS sein, denk' ich mir? Ein Hase? Rein, denk' ich, das ist größer als ein Hase — und ein Hase läuft auch anders. And toieber taucht bet Schatten auf unb läuft über den Weideplatz, der im Mondlicht ganz weiß schimmert; wie ein großer schwarzer Fleck sieht er aus; es muh ein wildes Tier fein: ein Fuchs oder ein Wolf. Mir stockte das Herz . . . Warum eigentlich? Was brauchte ich zu er« schrecken? Rachts läuft doch allerlei Getier im Felde herum. Aber die Reugier war noch größer als die Furcht; ich richtete mich auf, riß die Augen auf — und auf einmal überlief mich's kalt, ich wurde ganz starr, als hätte man mich bis über die Ohren ins Eisloch getaucht — und weswegen? Der Himmel mag's wissen! And ich sehe: 6er Schatten wird immer größer, größer, läuft also geradewegs auf die Scheune zu . . . And nun kann ich schon erkennen, daß es wirklich ein wildes Tier ist — groß, mit mach igem Kopf... Es saust dahin wie ein Wirbelwind, wie eine Flintenkugel Herrgott! Was ist denn das? Mit einmal bleibt es stehen, als wittere es etwas ... Das ist ja ... das ist ja der tolle Hund von heute früh! Er ist's ... er ist's! Mein Gott! And ich kann mich nicht rühren, ich kann nicht einmal schreien ... Er rennt auf das Tor zu. funkelt mit den Augen, heult auf — unb über das Heu geradewegs auf mich los! „Aus dem Heu aber springt wie ein Löwe mein Tresor — unb schon hat er ihn gepackt! Maul an Maul hingen sie aneinander. unb tote ein Knäuel wälzten sie sich auf 6em Boden! Was nun weiter geschah, weih ich nicht mehr; ich weiß nur, daß ich, wie ich war, über sie hinwegsetzte und in den Garten hinaus und ins Haus, in mein Schlafzimmer hinein! ... Fast wär' ich unters Bett gekrochen — ich will's schon gestehen! And In was *) Bekannter Gassenhauer, das russische Seitenstück zum deutschen Lied vsm „lieben Auzuswi". — 23 — Offenburg. Aus Offenburg in Baden wirb uns geschrieben: Der alte Löwe auf dem Offenburger Fischmarkt wirb sich recht verwundert haben, als am Sonntagvormsttag von Kehl her französische Kavallerie in unserer schönen sauberen Kinzigstadt einäickte. Eine Abteilung besetzte Appenweier, den EiseVahnknotenpuukt. wo eine Verkündungsquerbahn von der Linie Karlsruhe—Basel über die badischen Städtchm Kork und Kehl nach Straßburg hinüber- führt. Die hier in Offenburg eingerückle Kavallerie sandte starke Patrouillen längs der flößbaren Kinzig hinaus nach dem idyllischen Winzerdorf Ortenberg, von wo aus die in Offenburg beginnende Schwarzwaldbahn immer tiefer in den Schwarzwald hineinführt, immer im Tal der brausenden Kinzig, der kraftvollen Tochter der Schwarzwaldberge, nach Genzenbach, dem ehemals reichsunmittelbaren Kleinstadtjuwel, nach Hasl-ch und über Hör- nach weiter nach Triberg, der Schwarzwaldperle. Rings unreeen von der weingesegneten O r t e n a u, ist Offenburg der Handelsplatz für deren liebliche Weine. Reben dem Weihen wächst hier auch ein wonniger Roter und dann noch der schillernde Weihherbst, kurzweg „Schiller" genannt. Fessenbach, Käfersberg, Düblwea, das sind einige der klingendsten Namen der Ortenauer Weine. Offenburg, der Hellen, heiteren Hauptstadt der Ortenau, sehen viele wohl ihre alten ruhmvollen Zeiten kaum an. And doch war sie einst freie Reichs st ad t, und bis zum Prehburger F neben war sie der Sih des kaiserlichen Landvogtes in der Or en au, die damals, auch „Mortnau" genannt, zum Hcr'vgtum Schwaben oder Aleman-- Nien gehörte. Zu ihren bedeutenden Söhnen gehören in neuerer Zeit der 1868 hier geborene Dichter Anton Fenbrich, und der 1919 verstorbene bedeutende Straf, echtslehrer Joses Kohler. 1853 Setzte die Stadt dem Engländer Francis Drake, dem Der- »reiter der Kartvsfel in Europa, hier ein Denkmal, das sog. Kar- tosfeldenkmal. In den Dörferm nördlich von Offenburg, gegen Appenweier, steht der M e e r e t t > ch b a u in hoher Blüte, für den Osfenburg ebenso Großhandelsplatz ist, wie es der Sitz eines lveithinreichenden Großhandels mit Schwarzwälder Bieh ist. Die -rohe landwirtschastliche Lagerhalle, die für die großen Farren- Märkte errichtet worden ist, brannte im April 1920 nieder. Der neue, weitläufige Ossenburger Dahnhos ist das Zeichen für den großartigen Verkehr, der über Offenburg auf die Schwarz- Waldbahn übergeht, bekanntlich eine der großartigsten deutschen Gebirgsstraßen, die durch Dutzende von Tunnels über Triberg und wi, Georgen nach Donaueschingen führt und über die auch die St Sprüngen, wrts für Pirouetten ging es durch den Garten? ch glaube, auch die allererste Primaballerina, die vor dem Kaiser Napoleon an seinem Namenstag tanzt, hätte es mit mir nicht aufnehmen können. Doch als ich etwas zur Besinnung gekommen war, brachte ich sofort das ganze Haus auf die Beine: ich besah! allen, sich zu bewaffnen und nahm selber Säbel und Revolver. Den Revolver, muß ich Ihnen gestehen hatte ich kurz nach der Emanzipation gekauft — wissen Vie, für alle Fälle. Aber der Lump, Der Hausierer, hatte mich böse angeschmiert: von drei Schüssen versagten allemal zwei. Na also, ich nahm das alles, und so zogen wir in großer Schar mit Knüppeln und Laternen aus nach der Scheune. Wir kommen näher, wir rufen — nichts zu hören: wir treten endlich in die Scheune ... und was sehen wir da? Da liegt mein armer Tresoruschka toi mit zerbissener Gurgel, und von dem andern, dem verdammten Vieh, war jede Spur verschwunden. „And da, meine Herren, brüllte ich auf wie ein Kalb, und ich sag's Ihnen, ohne mich zu schämen: ich warf mich über meinen zweifachen Lebensretter und küßte ihm immer wieder den Kops. And in dieser Stellung blieb ich so lange, bis meine alte Haushälterin Praskowja, die auch auf den Lärm herbeigelaufen war, mich zur Besinnung brachte. ,Was jammern Sie denn so um den Hund, Porfirij Kapitonylsch?' sagte sie. ,6ie erkälten sich noch. Gott behüte!' — Ich war sehr leicht gekleidet. — .Wenn dieser Hund sein Lebet; für Ihre Rettung hingegeben hat, so ist das als große Gnade Gottes für ihn anzusehen.' „Ich dachte zwar anders als Praskowja, ging aber ins Haus. Den tollen Hund aber hat tags daraus ein Garnisonsoldat mit Kner Flinte totgeschossen. Das muß ihm wohl so vom Schicksal stimmt gewesen sein: denn es war das erstemal, daß dieser Soldat seine Flinte abdrückte, obgleich er eine Medaille für den Feldzug von 1812 besaß. Sehen Sie, meine Herren, dieses übernatürliche Ereignis hab' ich erlebt." Der Erzähler schwieg und fing an, seine Pfeife zu stopfen. Wir alle wechselten erstaunte Blicke. „Sie führen vielleicht einen sehr tugendhaften Lebenswandel," fing Herr Finoplentvw an, „und um Sie dafür zu belohnen ..." Aber hier blieb er stecken, denn er sah, daß Porfirij Kapitonhtsch die Wangen aufgeblasen und die Augen zugekniffen hatte und feuerrot geworden war: noch ein Wort und er wäre in ein schallendes Gelächter ausgebrochen ... „Wenn man aber die Möglichkeit des Aeberna'ürlichen, die Möglichkeit seiner Einmischung in das sozusagen all ägliche Leben zugibt," fing Anton Stepanytsch wieder an, „welche Rolle kommt dann, wenn man fragen darf, dem gesunden Menschenverstände zu?" Keiner von uns wußte darauf etwas zu sagen — und so faßen wir nach wie vor staunend und zweifelnd da. internationalen Züge gehen, tüe den Anlaß zu der Besetzung Offen- burgs und Appenweiers gegeben haben. Neue Spätze vom alten Fritz. Der alte Fritz liebte einen derben Spaß. Das hatte er von seinem Vater geerbt, dem er überhaupt in manchen Dingen mehr Ähnelte, als man wohl anzunehmen geneigt ist. Hatte te: Soldatenkönig im Kreise seines „Tabakskollegiums" einen Spaßmacher, dem er nicht selten mit handfesten Neckereien übel mitspielte, so' war Friedrich feine Kultur freilich über diese Grobheilen des Barock erhaben, aber auch er mußte in seiner Umgebung stets jemanden haben, der ihm als „Plastron" für die Pfeile seines scharfen Witzes dienen konnte. Anter den deutschen Hofmännern feiner Umgebung steht hier neben dem bekannten Baron von Pöllnitz und dem Obersten Quintus Icilius der Oberstallmeister Graf Friedrich Albrecht Schwerin, dessen intereffante Bez'ehungen zu dem großen König der bekannte Friedrich-Forscher Prof. Gustav Berthold Volz auf Grund des gefatn en Materials in seinem bei Sari Reißner erschienenen Werk „Aus der Welt Friedrichs des Großen" behandelt. Wer die besondere Art der Späße des alten Fritz kennen lernen will, darf an feiner merkwürdigen Freundschaft zu seinem „Stallminisler" nicht Vorbeigehen. Schon der Vater und Großvater des Grasen waren Oberstallmeister gewesen, und als Friedrich Albrecht geboren wurde, hielt ihn der nur fünf Jahre ältere Kronprinz Friedrich über die Taufe. Als fein Patenlind hat ihn denn auch später der alte Fritz betrachtet und damit manche seiner Neckereien entschuldigt. Der Graf trat zunächst ins Heer ein und war ein tapferer Kriegsmann. In einer Schlacht suchte er Friedrich, der beim Regiment des Obersten weilte, von einem besonders gefährlichen Standort zu entfernen. Da die Äugeln bedenklich um sie herum, fifseu, so sagte er zu dem König: „Sehen Sie nicht, daß man es auf Sie aoge.ehen hat?" „Dummes Zeug, Herr von Schwerin!" antwortete Friedrich „Nun gut," erwiderte dieser und ritt zu seinem Gensdarmen, „da bleiben Sie da, solange es Ihnen gefällt. Ich schulde mich dem Regiment, das ich die Ehre habe, zu kommandieren, und begebe mich fort, um mich an seine Spitze zu setzen." Als Schwerin sich verlobte, verfertigte ihm Friedrich huldigende Verse für seine Braut. 1775 wurde er zum Oberstallmeister ernannt, und der König fchreibt bald darauf dem Prinzen Heinrich: „Seine Exzellenz, der Herr Oberst allmeister, weilt hier zu Besuch Nach Schicksalsschluß, scheint es, sind wir dazu verurteilt, niemals einen Oberstallmeister mit gesundem Menschenverstand zu besitzen. Man zuckte die Ach: ein, hielt der Verstorbene (Graf Schassgotsch) seine endlosen Reden: fein Nachfolger verschafft uns wenigstens heitere Stunden." Schwerin war in allem originell, auch in feinen Glückwünschen. „Nach 65 Jahren habe ich gestern einen in seiner Art ganz neuen Glückwunsch erhalten." erzählt Friedrich „Gr kam von Sr. Exzellenz, dem Oberstallmeister. Er wünschte mir, ich möchte weder die Druse noch den Spat noch Rotz bekommen. Du siehst, lieber Bruder sein fruchtbarer Geist weiß alten und verbrauchten Wendungen eine ganz neue Form zu geben." Friedrich bedankt sich denn auch gebührender Maßen und erwähnt dabei die zum königlichen Mar- stall gehörigen Maultiere, die überhaupt in seinem Briefwechsel mit Schwerin eine bedeutende Rolle spielen. „Weine Maulesel, meine Pferde und ich lege mich zu Ihro Exzellenz Füßen und im« plorieren Sie um beständige Protektion." Gin ander Mal schreibt er eigenhändig: „Meine Esel sind in Verzweiflung über die Nachricht von dem traurigen Zustand, in dem sich Ew. Exzellenz befindet. Sie hoffen, durch ihre werte Harmonie die schwarzen Gedanken zu zerstreuen, welche die gute Laune verdunkeln, mit der Ew. Exzellenz bis zu dieser Stunde überaus reich gesegnet war. Ich sage Ja und QImen zu allem, was meine Esel wünschen." Wie der König Schwerin hänselte, dafür finden sich bezeichnende Bei« spüele in den Aufzeichnungen von Friedrichs Kammerdiener Schöning. Schwerin hielt sich für einen großen Mufikkenner und wollte daher gern zu den Konzerten des Königs eingeladen werden. Dieser aber, der ihm weniger Gefühl für gute Musik zutraute, ließ ihm durch ein Korps Hautboisten eine Serenade auf 6-Pfennig°Pfeifen bringen, worüber ganz Berlin lachte. Der Gefoppte ärgerte sich aber so, daß er wegen „starker Ohrenschmerzen" nicht bei Tafel erschien. Darauf ließ ihm der König sagen, er glaube, eine Serenade sei gut gegen Ohrenschmerzen, und er wolle ihm noch eine bringen lassen, wenn es Seine Exzellenz erlaube. Aus Angst vor neuer Blamage machte Schwerin gute Miene zum bösen Spiest Ein ander Mal wünschte er sich das Porträt des Königs. Dieser ließ darauf auf eine goldene Sabotiere einen Pickelhering malen und verehrte dieses Hanswurstpvrträt dem Grasen. Bei der Ausfertigung des Patentes zum Wirklichen Geheimen Staatsminister machte sich Friedrich den Scherz, statt Staatsminister „Stallminister" schreiben zu lassen, und als sich Schwerin beklagte, schob er die Schuld auf seine Sekretäre. In einem ausdrücklichen Erlaß versichert er bann noch: „Ich weiß weder vom Stall noch vom Staat, aber das weiß ich wohl, daß Ihr ein Mensch seid, der zum Staat gehöret, und unentbehrlich seid: also könnet Ihr dabei ganz beruhigt sein." Trotz aller Foppereien hing der König an seinem „Stallminisler", war ihm bei der Wahl seiner zweiten Frau behilflich, und berief ihn noch wenige Wochen vor seinem Tode an fein Krankenlager, so daß Schwerin zu den Wenigen zählt, bie in feinen letzten Tagen um ihn waren. Theodor Fontane im Dichterweltstreit. Fontane hat in der literarischen Vereinigung .Der Tunne?', in der er den Pegasus in allen Gangarten reiten lernte, sich häufig mit den Balladen-Genosfen im Wettstreit erprobt; aber daß auch der reife Dichter noch einmal zu dem mittelalterlichen Streitgedicht gegriffen hat, war bisher unbekannt. Wilhelm Hers« veröffentlicht nun im neuesten Heft der .Deutschen Rundschau" eine unbe- iannteTenzone, in der Fontane mit der Fürstin C l e v n v re Reuß feine poetischen Kräfte maß. 3n einer Berliner Abendgesellschaft im Jahre 1862 kam das Gespräch aus die verschiedenen Dichtungsformen, und man nannte auch die Tenzone, das Streit» gedicht, das von den Troubadours erfunden worden ist und m dem zwei oder drei Poeten eine im Eingang aufgeworfene tfrage in immer neuen Strophen behandeln. Die Fürstin und Fontane beschlossen nun ihrerfeits, diese romantische Form zu erproben und zwar wühlten sie das interessante Thema .S tadt oder Lan d . Fontane, in dem damals freilich noch niemand den Meister des realistischen Ron,ans ahnte, trat bezeichnenderweise für die Stadt ein und sandte der Fürstin am nächsten Morgen die erste Strophe, i*>„ran sich in Rede und Gegenrede weitere Bersreihen schloßen. Das Gedicht ist für Fontanes Weltanschauung, die die Schönheit der Großstadt entdeckte, austerordentlich bezeichnend, so dast ein paar Prosen aus feinen Versen mitgeteilt seien. Er beginnt die Tenzone mit folgenden Reimen: .Stadt oder Land", so lautete die Frage, jlab meine Wahl vertrau' ich diesem Blatt, Dicht lange schwankt das Zünglein in der Wag«^ Links finkt die Schale, und ich rufe .Stadt. Ein Dorf, ein See, ein bistchen Waldidtzlle. Ein Storchennest, ein offnes Scheunentvr, Es reicht nicht aus. ich lobe mir die Fülle, Ich zieh' die Stadt, den Kampf, das Geben vor. Die Fürstin, die als Dichterin durch ihr schönes Silvesterlied .Das Jahr geht still zu Ende, nun fei auch still mein Herz" bekannt ge» worden ist, tritt nun in ihrer Grwiderungsstrvphe für das Land ein, für den Wald und die Arbeit des Landmannes. Fontane aber ruft ihr daraufhin schwungvoll entgegen: .Armselig Leben, das, so heuf wie morgen, Sich pflanzenhaft in engem Kreise dreht. Das ohne Herzschlag, ohne Glück und Sorgen Wie Gaub am Baume kommt und wieder geht; Dur da ist Geben, wo in ew'gem Wandeln, Die neue Stunde Deueres wirkt und schafft, Wo rastlos, gegen vorgeschrieb'nes Handeln, Sei« gut, fei'« böse, ringt die Menschenkraft." Dun verweist die Fürstin auf den ewigen Gleichklang in der .heiligen Gottesordnung der Datur". Fontane aber weicht ans und nennt die Stadt als „Stätte aller Kunst". Als Eleonore behauptet, baf) die Kunst „im Stadtgewühl allein nie gedeiht", verweist er aus Shakespeares: „Dem Schwan von Avon — ländlich grüne Wiesen, Sie weckten nicht das Lied, das in ihm schlief. Erst London war's, der Gärm des Themse-Riesen, Der Macbeth, Hamlet auf die Bühne rief. Wohl frommt« dem Dichter, Wals und Feld zu Heben, t Vs frommt ihm wie Erholung, Ruhe, Schlaf, Doch nur in Städten ward von je geschrieben. Das Work, da« zündend alle Herzen traf." Die fromme Fürstin lenkt nun wieder aufs Religiöse und erwähnt die Versündigung der Engel an die Hirten in der Weihnacht. Fontane aber lenkt zum versöhnlichen Schluß mit den Derfen: „Aus Bethlehem ist alles Heil gefommen, Uno Bethlehem ist beides, Stadt und Gand." Dom Februar und seinen Feiertagen. Die Anordnung des Jahres ist nicht so unveränderlich gewesen, wie die meisten Menschen glauben. Schon die Damen der Monate Ottober bis Dezember, d. h. der achte bis zehnte, zeigen, dast das Jahr bei den alten Römern einmal mit dem März angefangen haben muh. In feinem „Festkalender" erzählt uns aber der römische Dichter Ovid auch, dast die zweimal fünf Männer, d. h. die Dezemvirn, die weit von einander getrennten Zeiten aneinandergereiht haben sollen. Der Januar war nämlich von König Duma Pomprlius an den Anfang, der Februar aber an das Ende des Jahres gefetzt worden; erst fett 450 v. Ehr. trat die heutige Anordnung der Monate em. Seinen Damen aber hat der Februar —nicht etwa von Febr is, das Fieber —, sondern von den Fe- brra, den Bräuchen zur Remigung der Gebenden und zur Sühnung **er Toten: er tfi also der Dersöhnungsmonat der Römer; die Februa sielen in seine zweit« Hälfte. Das Bolk schmückte die Gräber mit frischen Blumen und brachte Totenopfer. Wir sehen hier also die Borläufer der Feste Allerseelen und Allerheiligen, die auf den 1. und 2. Rovember fallen und dürfen wohl annehmen, dast die zeitliche Trennung eine Folge der llmftellung des Februars ist. Als Karl der Groste deutsche Monatsnamen einführte, erhielt -er Februar den Damen Hornung, d. h. der kleine Horn, eigentlich der Sohn des Horn, man gab ihm also denselben Dameir wie dem Januar, der in Mitteldeutschland noch Im 19. Jahrhundert der große Horn hiev, Bezeichnungen, die auf den harten Frost in diesen Monaten Hinweisen. Freilich kann der Hornung nicht mehr soviel ausrichten wie der Januar, er sagt deshalb zu diesem: .Hätt' ich die Macht wie du. so liest' ich erfrieren das Kalb in der Kuh!" Gleich zu Anfang des Monats, am zweiten, wird zur Erinnerung an Jesu Kommen in den Tempel zu Jeru» falem, wobei Simeon nach dem Gukas-Evangelium, Kap. 2, V, 23, von dem Kinde gesagt haben soll: „Ein Licht zu erleuchten die Heiden", Lichtmest gefeiert; die Kerzen werden vierzig Tag« nach dem heiligen Abend geweiht und ausgeteilt. An diesem Tage soll nach dem Bolksglauben in Deutschland der Bär aus dem Winterschlaf erwachen und sich noch einmal umsehen. Sieht er die Sonne scheinen, geht er in seine Höhle zurück und legt sich auf die andere Seite. Annette von Droste-Hülshoss hat uns in einem Brief an ihre Schwester das Volkslied mitgeteilt: „Wenn de leine Lechtmih kümmt heran, Dann gelt de fröhliche Tyd an. Dann lacht derwv (irgendwo) ein Specht, Dann fleutet derwo ein Knecht, Dann legt derwo en Hohn (Huhn), Dann kalft derwv ’ne Koh (Kuh), Dann geit alles in vollen Flore to.“ Bor allem sind die Tage zu erwähnen, die die Zeit vor dem vierzigtägigen Fasten um Jesu Tod abschließen. der Sonntag Esto- mihi, der Rosenmontag und der Fastnachtsdienstag, die eigentliche Fastnacht mit ihren lauten Scherzen und Spähen, ihren Maskenzügen, in denen sich noch Reste der römischen Bacchanalien und Luperkalien zeigen. Mit dem Dienstag ist der Fasching ober Karneval zu Ende, dessen Dame nichts mit der nun solgeirden Enthaltung vorn Fleischgenust (carne Dale«! Fleisch lebe wohl!) zu tun hat, vielleicht aber mit dem Carrus cavalis, dem Darrenschifs in den älmzügen; es folgt der Afchennittwoch. an dem der kathlolisch« Priester die Gläubigen mit geweihter Asche bestreut; die graue Zeit beginnt, die bis zum Gründonnerstag dauert. Vom Februar fei noch der 24., der Matthiastag genannt, mit der Wetterregel: „Mattheis bricht all Eis, findt er fein«, so macht er eins". In der Weltgeschichte lebt er als der Tag der 48er Revolution, die Louis Philipps Sturz und die zweite Republik in Frankreich herbeiführte. 3n der Literaturgeschichte ist der „24. Februar" dec Titel von Zacharias Werner« Schicksalstragödie. Die deutsche Kulturarbeit im schleswigschen Grenzgebiet. Die dänische Propaganda tritt in Mittel- und Südschleswig immer unverhüllter hervor, und es bedarf des Zusammenschlusses aller deutschen Kräfte, um ihr zu begegnen. Wie Dr. Klaus Witt in der Zeitschrift „Äiedersachsen" aussührt, leisten dabei die Hauptarbeit zwei große Organisationen: der „Wohlfahrts- und Schulverein für Dordschleswig" und der „Schleswig-Holsteiner Bund". Auch das Büchereiwesen hat durch die „Zentrale für Dvrdmark- büchereien" groste Förderung gefunden, indem 25 Standbüchereien in den Grenzdörfern eingerichtet wurden. 3n einer ganzen Reihe von Orten werden Jugendkurse verschiedener Art und deutsche Dortragsabende veranstaltet; auch Wanderredner sind tätig. Di« deutschen Zeitungen kämpfen gegen die Schmu hkonkurrenz der deutfchgesch'riebenen Dänenblätter einen schweren Kam; s; in diesem werden sie unterstützt von einer Reihe wertvoller Zeitschriften, wie den Zeitschriften „Dordschleswig" und „Der Schleswig-Holsteiner". Deben dem Flensburger Stadttheater, das u. a. auch in dem dänisch gewordenen Apenrade regelmäßige Aufführungen veranstaltet, wirken auch das Flensburger Orchester, der Kantaten-Chor und das Flensburger Vokalquartett sehr oft in größeren und kleine en Ortschaften jenseits und diesseits der Grenze. Die Plattdeutsche Bühnenvereinigung „Flensburger Speidel" Deranftaltet Gastspielreisen nach Dordschleswig, und der Flensburger „Plattdütsche Vereen" ist überhaupt sehr rührig. Außer zahlreichen und anderen Vorträgen dienen auch die „Dordmark-Vorträge" de« Flensburger Kuust- gewerbes der Förderung deutscher Kultur. e<6rtftl«Uuna: August Goetz. — Druck und Verlag der DrüLl'fchen Univ^Buch- und Steindruckerei. D. Lange. Wiehe«.