Sk. S S Samstag, 9, Juni L > > » iRrr6£S ?■>*-/* ft ft s d h t ) c te & n 5* ls ch >n rr m ck. st cd S» ft <«r ft, i« fesÄI Arbeit (vergleichbar ettoa der entfagungsvollen Tätigkeit an einem Wörterbuch oder einer Regestensammlung) gefördert, tveil die Gewandnadel diele Jahrhunderte, ja mehr als zwei Jahrtausend«! hindurch in hohem Matze der „launischen" Mode als Spielball gedient hat. Da aber die „Mode" nur dem oberflächlichen Beschauer „launisch" erscheint, haben die Fibeln, wo ihre Entwicklung ungestört verlief, auch nach Entstehung der Grundform noch ganz gefetzmätzige Weiterbildungen „kunstgewerblicher" Art erfahren. Jede ihrer Zierformen futzt auf der vorhergehenden, formt ihr« Triebe nach dem Geschmack der betreffenden Kultur, sei es (um einmal den kleinen Gegenstand dem größeren Kunstgetriebe zu vergleichen), datz das allgemeine Stilgefühl — Len meisten unklar, nur vom „Genie" bewußt erfaßt, wie in der Regel erst der Nachwelt aufgeht — noch nach irgendeinem Ziele stetig hmstrebt (z. B. verfeinernd oder vergröbernd, naturalisierend ober die Natur fliehend, „stilisierend"), sei es, datz der nicht mehr zu überbietende Höhepunkt erreicht ist und bereits die natürliche Reaktion eingesetzt Hat, nicht selten sogleich ins Extrem fallend und zum Hohn beS alten mit dem größten Geschrei oft gerade von den kleinste!» Geistern begrüßt, wenn einer die Parole ausgegeben hat. Die „moderne" Mode freilich erscheint auf vielen Gebieten weit sprung- Hafter und uimtoiivierter als der Geschmackwandel alter Zeiten; sie ist ja auch nur zu oft die Ausgeburt einer krankhaft-abwechslungslüsternen, bis zur Narrheit überreizten Phantasie. Wenn nun bei der Gestaltung der Fibel, um zum Thema zurückzukommen, fremdes Gut benutzt und verarbeitet wurde, ist es uns als Eindringling fast stets deutlich erkennbar, und meist verrät das Lehn- gut auch auf späteren Entwicklungsstufen noch feine Herkunft; gerade damit gibt die Fibel natürlich der Forschung besonders wertvolle Winke. So ist die Gewandnadel, zumal als Deglettsund. für die Prähistorie, ja nicht minder noch für mehr als ein halbes Jahrtausend unserer Frühgeschichte, eine der wichtigsten „Lei!formen" im wahrsten Sinne des Wortes und eine Hauptguelle für die Erkenntnis chronologischer und kultureller Tatfachen. Die Zuverlässigkeit ihrer Lehren ist schon oft erprobt; und das rechtfertigt zur Genüge das voll gerüttelt Matz an Arbeit und Mühe, das für di« Erforschung dieses an sich bescheidenen, wenngleich nicht selten als prunkendes Zierstück auch ästhetischen Reizes nicht baren Geräts aufgewandt wurde — und noch aufgewendet werden mutz, um die bisher offen gebliebenen Fragen, von denen oben nur einige angedeutet werden konnten, einer glücklichen Lösung näher zu bringen. Rur die Kenntnis wirklich umfassenden Fundmaterials ouS allen Kulturperioden und -gebieten freilich könnte die Typenreihe der Fibeln in ihrer wissenschaftlichen Bedeutung imd Zuverlässig- keit weiteren Kreisen restlos verständlich machen. Aber wie jede andere Wissenschaft kann auch die Prähistorie nicht matten ihren Teilen „popularisiert" ober gar dem öffentlichen Urteil unterworfen werden. Der Laie mutz es vertrauensvoll hinnehmen — wie so vieles auch von anderen Forschungsgebieten —, wenn ihm etwa im Oberhessischen Museum die prächtigen Hatlstattsibeln aus dem Dorderwald bei Muschenheim, oder solche aus der Früh-Latönezeit vom Trieb bei Gießen und von der Au bei Niedermockstadi, oder schließlich noch germanische, römische und fränkische als Erkemrtnis- quellen ersten Ranges vorgestellt werden. Aber was hier am bescheidenen Beispiel der Fibel, dem Raum gemäß nur in großen Zügen, angedeutet wurde, das gttt ja mehr ober weniger für alle Reste vorgeschichtlicher Zeiten; dem Nicht» Die Fibel. Bon Dr. Otto Kunkel-Gießen. (Schluß.) Wenn man die Entstehung der Fibel sich klarzumachen eifrig versucht, so geschieht das deshalb, weil sie geradezu als Musterbeispiel uns genau erkennbar vor Augen führt, wie die Aufwärtsbewegung der menschlichen Kultur in durchaus gesetzmäßiger Bahn vonstatten geht, wie nur die geniale, zielbewußte und zweckmäßige Derknüpfung von Erfahrungen und Beobachtungen mannigfachster Art das Wesen der Erfindung ausmacht und ihren Wert bestimmt, zugleich immer wieder den Grund legend für weitere Fortschritte; man überlege z. B., daß die Federkraft fchlschihin wohl zuerst durch den Echietzbvgen erprobt wurde, die gebetZcaft des Metalldrahtes durch die „klassische" Fibel, und man frage sich, auf welche Weise sonst diese brauchbare Kraft der entwickelteren Technik, für die sie doch später so bedeutungsvoll werden sollte, gleich faßlich hätte zuwachsen können, Ueberhaupt ist es in unseren auf ihre technischen Leistungen so stolzen TagM ganz nützlich und sicher auch reizvoll, einmal darüber sich klar zu werden, wie viele Wurzeln die Errungenschaften der Neuzeit mit den Leistungen vergangener Jahrtausende verknüpfen, wie viele „epochemachende" Erfindungen feit Jahrtausenden notwendig waren, um unfere Kulturhöhe zu ermöglichen; Erfindungen, von denen nur deshalb niemand mehr redet, weil ihre Ergebnisse den modernen Menschen zur Gewohnheit geworden sind und weil iste Namen der Leute, die sie alS Bahnbrecher ersten Danges geschaffen, vvm Sturm der Zeiten längst verweht wurden; man denke nur an die Kunst der Feuererzeugung, die Töpferei, an den Schietzbogen, an Ackerbau und Viehzucht, die Metallverarbeitung und so unzähliges andere. Nur eins scheint jene alten Erfindungen, wie die primitiver Volker überhaupt, manchmal von den modernen in gewissem Sinne zu unterscheiden und ihnen einen etwas anderen Charakter zu geben; auf allen jene« Gebieten nämlich, too der einzelne, je nach Bedarf, wenngleich bloß behelfsmäßig, selbst noch handwerklich tätig sein konnte, dürste die Allgemeinheit in ihrem ganzen Umfang weit mehr als bei einer entwickelteren, Handwerk und Technik hoch spezialisierenden Kultur vorbereitend, ja mitarbeitend, d. h. wenigstens Hvischenformen schaffend, und ausbildend an den Erfindungen beteiligt gewesen sein. Man könnte sich versucht fühlen, di« Dirlammer „Borfibel" als eine Zwischenform dieser Art zu bezeichnen; denn ein wirklicher Fachmann und echter „Erfinder^ hätte doch wohl das damit angeschnittene Problem gleich in vollkommenerer Weise gelöst. Solche Erörterungen führen uns aber hier zu weit vom Thema ab; es waren eben nur einige Fragen, die bei der Erforschung des Werdens der Fibel sich aufdrängen, als Beispiele anzudeuten. Wenn man nun ferner mit besonderem Fleiß nach dem Ur» sprungsgebiet der Fibel forscht und nach den Wegen ihrer Verbreitung, dann will man auf diese Weise ein weiteres Hilfsmittel gewinnen, um die Bahnen der bro-nzezeitlichen Kullur überhaupt zu erschließen. Es handelt sich dabei um die Klärung der Frage, inwieweit die nordisch-germanische Kultur des zweiten vorchrist- lichen Jahrtausends in selbstänlstger Entwicklung zur Blüte sich entfaltet hat, inwieweit sie vom Süden befruchtet wurde, ober gar auch umgekehrt den „klassischen" Ländern Anregungen geboten hat. Die Sammlung und Ordnung aller Fibeltvpen endlich, ihre Eintragung in Fundkarten und -tabellen nach kulturellen und chronologischen Gesichtspunkten wird unverdrossen tn mühevoller Bmül -W DraechaltnWblslk M MießemrAtzeiger Wemml-AiMer). 'Fjt,' «atftmann «in» die Denkmäler der heimischen Prähistorie noch heute, sie schon den .Romantikern" unserer Wissenschaft waren, nämlich ehrwürdige Zeugen vom Leben und'Treten Wg« Geschlechter, Reliquien der Vorfahren — als solche in ihvw Wirkung sicherlich nicht verächtlich für den, der auch Gemutswerts schätzt. And aus den vielen, meistens gar trümmerhaften, immerhin aber recht oft auch dem künstlerischen Gefühl in ihrer emfachen üweckmäßiakeit oder munteren Schmuckfreudigkelt schmeichelnden Dodenfunden wird der Museumsbesucher je nach Anleitung und eigener Phantasie Bilder der alten Kulturen sich bnvorzaubern BSXÄÄ’ÄÄ aeschichtswissenschast sind, zu Quellen für die Aufhellung der Kutturenttvickliing, der- Kultur- und Vvlkszusammenhange, vor allem, soweit diese noch bis'm die Jetztzeit hinein von Bedeutung sind Doch darüber darf vielleicht eni andermal die Rede fein. Grünberg. Pfingsten 1923. Aebersiedlung nach Halle auf »reite StuSentenkretss rtiigiM auch den deutschen Studenten, dessen Hvupkmasfe sich mehr und ■ mehr aus dieser bürgerlichen Schicht ergänzte, dem Einflüsse dieses neuen Kulturträgers hingegeben. Es ist selbstverständlich, dah der Einfluß des Bürgertums, das lick selbst erst entwickelte, nicht überall gleichzeitig und gleichmäßig stark auf den Student«, einwirkte. In Rostock, in J«ra, ,n Hülle, Wittenberg oder Gießen blieb zunächst das studentische Leb«, un Treiben noch ziemlich unbeeinflußt, wahrend auf der 173» gegrun beten Hochschule Göttingens, die sich mit am erst^ dem neu erwachten Geistesleben öffnete, ober in Leipzig, das damals als der Hauptsitz einer höheren bürgerlichen Kultur und verfeinerten Le- vensführung zu gelten begann, eine mehr oder weniger starke Am- sormung des Studententums einfehte, die besonders weck tn Leipzig sortschritt. Daß auch diese Entwicklung wieder zu einer neuen Differenzierung des Stridententums beitrug, wurde bereits den Zeitgenossen bewußt Diese Erkenntnis drückte sich z. B. darin aus, daß man den einzelnen Hochschulen und- ihren Studentenschaften einen besonderen, sie von den übrigen unterscheidenden Chararter zuschmeb und das in viel gebrauchten und deshalb in stark voneinander abweichenden Fassungen überlieferten Merkversen mederlegte,die wobl nicht überall das Richtige trafen, schon deshalb nicht, weil sie in ihrer apodiktischen Kürze die Abweichungen innerhalb em und derselben Studentenschaft unberücksichtigt liehen und lassen muhten, die aber an sich als erste literarische Zeugnisse dieser auseinander- strebenden Entwicklungen auf den verschiedenen Anwersitäten Beachtung verdienen. Leipzig als der Hauptsitz des studentischen Stutzertums, Halle als die Hochburg des Pietismus, Jena als die llassische Stätte des „Renommisten" und Witt«,berg als Ort stärksten Biergenusses finden wir z. D. in folgendem Spruche zusammengefaßt: „In Leipzig sucht der Bursch die Mädchen zu betriegen, 2n Halle muckert er und seusfzet ach! und weh! In Jena will er stets vor blander Klinge liegen, Der Wittenberger bringt ein ä banne Amitie.“ Wenn der Hallenser Student hier als Pietist und Mrtcker hin- gestellt wird, so verdankt er diese Kennzeichnung dem starken Einflüsse August Hermann Franckes, der auch in Leipzig vor seiner 3 n m-T» ^5:71« K SPXtS '»5051 > V * »3 1 1 t W »H » 1»1 i 43« >1 <& a Ä 3 4» H a Ä-« rt di « I- !« m -n IT. y ei ra L literarische Haltung der damaligen studentischen Jugend sich veranschaulichen. Fast alle deutschen Dichter des 18. Jahrhunderts von Ruf und Bedeutung haben als Studenten von Leipzig mehr oder weniger entscheidende Anregungen hinweggenommen. Bon dem unglücklichen genialen Schlesier Christian Günther bis zum jungen Goethe eine bunte Reihe von Gestalten, aus denen hier nur Lessing, Klopstock, Mhlius, Rabener, Zachariä, Ebert, August v. Thümmel und von späteren Jean Paul für noch manche andere genannt seien. Bon der Literatur weisen die Ramen Gottsched und Lessing zur damaligen Schaubühne. Gottscheds Reformversuchs der Reuberi- schen Bühne waren nur möglich dank der lebendigen Anteilnahme' der Studentenschaft an dem Theaterleben, über die Geistlichkeit wie ängstlich befangene Hochschullehrer laut genug zu klagen wußten. Lind von der Teilnahme als Dichter, wie sie doch nur wenigen Auserlesenen, gleich dem jungen Lessing beschieden war, oder als wirksam kritischer Zuschauer und Hörer, dessen lebhafte Kundgebungen mehr als einmal entscheidend eingriffen, von dem Studentenparrerre vor den.Brettern bis auf diese selbst, war nur ein kurzer Schritt, den nicht wenige Lei' damaligen Leipziger Studenten gewagt haben. Gin nicht geringer Teil der Darsteller der im 18. Jahrhundert in Leipzig auftretenden Theatergesellschaften wurde von Studenten oder gewesenen Studenten gestellt. Fast noch lebhafter aber als an der Schauspielkunst beteiligte sich der Student an der Pflege der Musik, die von alters her, wie wir schon zu zeigen Gelegenheit hatten, der deutschen Studentenschaft ans Herz gewachsen war. Bon Studenten gebildete oder doch von ihnen stark unterstützte „Collegia musica" haben schon zu Bachs Zeiten und unter seiner Leitung öffentliche Konzerte veranstaltet. Dachs Freund, der Student der Rechte Georg Philipp Telemann, war der Gründer eines solchen Collegium ntuficum; er war auch noch als Student, von 1702—1704 der musikalische Leiter der Strungk-Döbrichtschen Operngesellschaft in Leipzig, bei der die Männerrollen zumeist von Studenten gesungen wurden. Auch Kuh- nau, der Dvrgänger Bachs, Reefe, der spätere Lehrer 'Beethovens, sind schon als Leipziger Studenten öffentlich als Musilkünstler aufgetreten. Daß sich unter Liesen vielseitigen künstlerischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen, auf die einzelnen Studentenkreise ganz verschieden einwirkenden Einflüssen das studentische Leben Leipzigs nicht nur in sich stark differenziert Und des eigentlich studentischen Zuschnitts mehr und mehr entkleidet, sondern damit auch von dem Zusammenhang und Einklang mit dem Studentenleben auf anderen deutschen Hochschulen, auf denen diese Einflüsse gar nicht oder doch wesentlich weniger wirksam wurden, entfernt hatte, ist nur natürlich. — Rur Göttingen mit seinem bekannten Hainbund zeigt hier wieder eine vertvandte, wenn auch in sich durchaus eigenartige und selbständige Entwicklung. Dagegen gehört die Theaterbegeisterung der Jenaer und Hallenser Studenten (Lauchstädt) doch einem anderen Gebiet und einer etwas späteren Zeit an. — Erleichtert wurde diese Entfremdung noch dadurch, daß damals die studentische Freizügigkeit, wie ebenfalls schon früher angedeutet worden ist, gegen ältere Zeiten stark gemindert war. Die meisten Hochschulen waren Landeshochschulen, die in der Hauptsache von Landeskindern besucht wurden. Meist wurde das Studium auf ein und derselben Universität begonnen und abgeschlossen. Ein Wechsel der Hochschule fand seltener statt. Fast nur Studenten höheren Standes, wie der studierende baltische Adel, z. B., der im 18. Jahrhundert häufiger die Llniversitäten Deutschlands aufzusuchen begann und damit merkbaren Einfluh auf die Weiterbildung des studentischen Lebens zu gewinnen anfing, bezogen wohl mehr als eine Hochschule und trugen so Lazu bei, einen gewissen allgemeinen Zusammenhang des gesamten studentischen Lebens zu bewahren. Vesser als in Leipzig und in dem noch jungen, einer alten studentischen Lieberlieferung entbehrenden Göttingen, die wir bisher In diesem Abschnitt hauptsächlich in Betracht gezogen haben, hatten sich die älteren, von früher her übernommenen Formen studentischen Lebens etwa in Gießen und in Jena, das im 18. Jahrhundert als .Universität eine Blütezeit durchlebte, oder in Halle, das bis zur Gründung Berlins am Beginn des 19. Jahrhunderts Preuhens Hauptuniversität war, erhalten. In dem an diesen Universitäten vor-, wenn auch nicht alleinherrschenden Renommistentum, wie es in Zachariäs schon genanntem komischen Feldengedicht: „Der Renommist" oder in des bekannten F. Ch. Laukhards Schriften, besonders seiner eigenen Lebensbeschreibung, wahrheitsgetreue Schilderungen gefunden hat, lebte ein Rachklang, wenn auch ein gemilderter, des alten wilden Studentenlebens des 17. Jahrhunderts immer noch fort. Hier hatten sich, wenn auch, wie bereits angebeutet wurde, innerlich und äuherlich nicht unwesentlich verändert und gelockert, oft verschwindend und dann wieder auftauchend, meist einer fei tat Tradition und Organisation mit geschriebenen Gesehen entbehrend, die alten Landsmannschaften als bis dahin einzige OrganisativnS- form des studentischen Verbindungslebens erhalten. Sie waren, wie wir sie im viertel Kapitel kennen gelernt haben, int 17. Jahrhundert auf dem demokratisch-genossenschaftlichen Grundsätze der Vereinigung möglichst aller auf der betreffenden Universität studierenden Landsleute aufgebaut gewesen und stellten so die Lenkbar einfachste und einheitlichste Form studenllschen Der- gtamt wandte sich die größte Zahl Lieser armen Studenten nicht nach der zweiten kursächsischen Universität, dem kleinen Witten- berg, Indern mit Vorliebe nach dem größeren Leipzig, das weit mannigfaltigere Gelegenheiten bot, seinen Lebensunterhalt selbst zu erwerben, als Wittenberg oder eine andere deutsche Universitätsstadt. Leipzig war bereits damals der Hauptsitz des deutschen Buchhandels, und auch der Duchverlag begann sich dort stark zu entfalten. Beschränkte sich für den Studenten anderer Hochschulen hie Gelegenheit zur Erwerbung des Lebensunterhaltes in der Hauptsache auf die Erteilung von Unterricht in den Wissenschaften unö der Musik und etwa, noch auf die Abfassung der damals bei allen möglichen Anlässen'üblichen Gelegenheitsgedichte, so erwei- i terte Leipzigs Verhältnis zum Buchhandel unb Buchverlag diese Gelegenheiten um ein bedeutendes. Als Korrektoren und Ueber- feher sehen wir im 18. Jahrhundert sehr viele Leipziger Studenten tätig; ebenso als Zeichner und Kupferstecher. Wohnung, Kleidung und Lebensweise dieser armen Leipziger Studenten werden uns als vielfach geradezu erbärmlich geschildert. Es ist deshalb ebenso begreiflich, daß zwischen ihnen und der oberen Enehmen Studentenschaft kein Zusammenhang mehr bestehen nte, wie daß auch sie nicht daran denken durften, ihrer Lebens- se ein spezifisch studentisches Gepräge zu geben. Da die obere Schicht freiwillig auf ein solches Leben aus Rücksicht auf die bürgerliche Gesellschaft verzichtete, wird das Festhalten an der „burschikosen Fidelität", von der die „Vertrauten Briefe" sprachen, in Leipzig tatsächlich nur von kleineren in Der breiten Masse mehr verschwindenden Zirkeln geübt worden fein. Wenn es auch mehrfach im Laufe des 18. Jahrhunderts aus besonderen Anlässen zu Unruhen in der Studentenschaft und bei diesen Gelegenheiten zu meist rasch vorübergehenden Versuchen zur Gründung studentischer Verbindungen gekommen ist, so wird uns doch vielfach von den zeitgenössischen Schilderern Leipziger Lebens ausdrücklich bezeugt, daß Kommerse der Studenten oder Zweikämpfe für Leipzig Ausnahmen von den gewöhnlichen Verhältnissen bedeuteten. Es ist begreiflich, d<ß deshalb das Urteil solcher zett- aenössischer Schriftsteller, die das Ideal des studentischen Lebens in der Pflege des studentischen Komments erblickten, über die Leipziger nicht besonders günstig lautete. Der bekannte F. Chr. Lauk- bard, der klassische Schilderer Jenenser und Gießener Studenten- treibens im 18. Jahrhundert, nennt das Leipziger Studentenleben eine „große Armseligkeit und glänzendes Glend", das Wesen der Leipziger sei weder burschikos noch fein. Ein Duell kennen sie nicht, sie lassen sich entweder „ausmaulschellieren", oder man geht mit Stöcken und Fäusten auf den Gegner los. Da der Zusammenhang fehlt, fehlt auch das Ansehen, das der Student andernortes genießt : „Die Studenten verlieren sich unter Kaufmannsdienern und Knoten unb machen nirgends eine Gesellschaft für sich aus; auch sticht ein einziges Leipziger Kaffeehaus — der Kaffee spielte im Leben des damaligen Studenten eine größere Rolle als heute, selbst die bierfeuchtesten Hospize, wie man damals die üblichen Kneipgelage bezeichnete, begannen mit Kaffee — oder Villard ist den Studenten eigen, nicht einmal ein Traiteurhaus . . . Man findet aber auch Studenten in den allerniedrigsten Kneipen, in Kneipen, wohin kein Hallenser gehen würde. Der Student spielt B Leipzig überhaupt keine Figur. Freilich, wer dort viel Geld t, der kann es zur Rot einem Ladenschwengel gleichtun, aber s können wenige — und so hat der Scheren- und Ellenmajor in genere große Vorzüge vor den Studenten." In dem Urteil Über das geringe Ansehen der Leipziger Studenten begegnet sich Lauk- yard ganz mit Christoph Friedrich Rlnck (Studienreise 1783—84). Dieser schreibt u. a.: „Hier ist der Geist der Freiheit nicht untev Len Studenten, viele sind stolz und dumm, andere ehrlich und einfältig, sie haben das edle, das sich ermannende nicht wie in Jena. Sie sind zu wenig geachtet; die Gelehrten gehen hier zu Fuß, Kaufleute hingegen fahren . . . Die Studenten finb in keinem sehr großen Ansehen, außer bte durch Geburt, Geldaufwand und Artig- wit sich besonders auszeUnen können. Keiner darf in die öffentlichen Gesellschaften, tote das Konzert, den Ball, die Harmonie, die Brüder-Gesellschaft usw., außer der sich in einem gewissen vornehmen Hause' durch obengenannte Eigenschaften auszuzeichnen unbeliebt zu machen weiß." Die eigenartige Färbung des studentischen Lebens in Leipzig Wahrend des 18. Jahrhunderts wurde noch mehr betont durch die literarische Entwicklung jener Zeit, als deren Hauptmittelpunkt Leipzig in der vorklassischen Zeit Les 18. Jahrhunderts galt. An keiner anderen deutschen Hochschule war damals die Teilnahme der Studentenschaft am literarischen Leben, an Theater unb Musik so lebendig und allgemein verbreitet wie in Leipzig. 3m Jahre 1697 hatten hier schlesische Studenten, feurige Anhänger ihres berühmten Landsmanns Opitz, die Görlitzische poettsche Gesellschaft gegründet, die (nicht die einzige ihrer Art, nur ausgezeichnet kntrch die Entfaltung und Dauer ihres Daseins) 1727 durch ihren damaligen Senior Gottsched eine bedeutsame Um- und Ausgestaltung erfuhr und noch beute als „Deutsche Gesellschaft" fort- blüht. Der Dichter Paul Flemming fand in diesem Kreise schlesischer Studenten Leipzigs Anregung und herzliche Freundschaft. Wie sich bann weiter im 18. Jahrhundert Leipzigs literarische Bedeutung in den Ramen Gottscheds uiid Gellerts kurz ausdrucken läßt, so kmm man in der Stellungnahme zu diesen Ramen mich- die Schrtstleitung: August Goetz. — Druck und Verlag der Brühl^chen Univ.-Duch« und Steindruckeret, A. Lange. Dietzen. Jur Stammesgeschichte der Haushunde. Vom Haushund ist in diesen Tagen viel die Rede,' die Zahl der Hundebesitzer wächst zusehens, da viele glauben, in diesen unsicheren Zeiten sich wenigstens einen vierbeinigen Wächter zum Schutze halten zu müssen, während die Behörden hier eine besonders ergiebige Steuerquelle erschlossen zu haben glauben, die selbst in den Tagen der zahlreichen Bullen in ihrem Etat erheblich mitspricht. Die Hundefreunde, die sich dagegen zur Wehr sehen, tön» nen sich daraus berufen, daß sie nicht etwa einer neuen Modelaune frönen, sondern ein altes Gewohnheitsrecht des Menschen aus» üben, Las in die ersten Anfänge aller Kultur überhaupt zurück» führt. Sie können sich dabei auf Brehm beziehen, der in dem Abschnitt seines Tierlebens über die Haushunde, der soeben in „Aeclams Universal--Bibliothek" neu erscheint, von diesen ältesten Beziehungen zwischen Mensch und Hund handelt. Schon in den vorgeschichtlichen Pfahlbauten, die man im Züricher See um die Mitte des vorigen Jahrhunderts in der Bähe von Obermeilen entdeckte, stellte man fest, datz der Hund ein Genosse des Menschen war. Auf Grund der erhaltenen Beste bdünmgslebens dar. Sine Gliederung des Gesanttkörpers der Sw- dentenfchaft war bei völliger Durchführung dieses landsmannschaft» lich-genvsfenschaftlichen Prinzips nur insofern gegeben, als neben einander mehrere solcher, unter sich aber so gut wie völlig gleicher Genossenschaften bestanden, di« sich aus bestimmten, geographisch abqeqrenzten Herkunftstzebieten der Studierenden rekrutierten. ' Wie bereits am Ausgang des 17. Jahrhunderts dre zunehmende gesellschaftliche und soziale Differenzierung und JndividuM- sieruna des Studententums das genossenschaftlich-demokratische Gefüge dieser Landsmannschaften gelockert hatte, haben wir schon Hei dieser Arbeit angedeutet. Der äußere und innere Zwang zum allgemeinen Anschluß an diese Landsmannschaften war mit dem Verlust der äußeren Machtstellung der^Landsmannschaft^ und dem Zurücktreten der von ihnen zu erfüllenden genvssenschaftlich-soztalen Aufgaben weggefallen. Die Landsmannschaften waren zu kleineren Zirkeln freiwillig und freundschaftlich veroun^ner studierender Landsleute geworden, die zwar noch immer rn besonderen Fallen eine gewisse genossenschaftliche Mrsorge übten, für die aberdvch die Pflege studentischer Geselligkeit und Frermdschaft wie dieWah- rung studentischen Brauches, studentischer Rechte und Freiheiten mehr und mehr in den Vordergrund rückt«. Am reinsten und längsten schemt sra», abwei^nd von dieser allgemeinen Entwicklung, der alt« gildenmaßige Charakter der Landsmannschaften in Rostock erhalten zu ^ben, wie er hier auch von reher wohl seine schärfste Ausprägung besessen hattL Anf-mg der sechziger Jahre des 17. Jahrhunderts ha"e auch in Rostock der Kampf gegen den Pennakismus zu einer .Unterdrückung der bis dahin bis zu einem gewissen Grade geduldeten Lmchsmannschaften geführt. Aber bald darauf zeigten sich wieder Spuren von dem Vorhandensein der Landsmannschaften, die sich nun äus^cklich als Gegner der alten „Schoristerei", also ass Pennalismus bekann ten und .Unterstützung und Pflege kranker und notlerdenderLauds- leute als ihre Aufgabe bezeichneten. Erne ganz hesvnoere Aus nahmestellung genoß die seit 1663 nachweisbare mchv?n da ad bis 1750 ununterbrochen bestehende, vorher bereits ervxihn>.-.....aa0s -nannschaft der Pommern, die seit 1677 als gewysennatzen von Rektor und Konzil privilegiert zu betrachten ist, nachdem sie in diesem Jahre bei einem Streit um eine den Pvmn^n seit alters gehörige, eine Zeit lang aber von der LandsmaEfch.r,. der Rostocker gepachtete Empore in der St. Jakvbskirche von den Unr- verfitääbehörden in dem Besitz dieses Chors, mit dem ein Erbbegräbnis und Epitaphium verbunden war, bestätigt worden war. Wie Adolf Hofmeister in seiner genannten Arbeit über MS Rostocker Studentenleben feststellt, hat sich die Landsmannschaft als solche nie des ihr geschenkten Vertrauens unwert gezeigt. Vm Jahre 1710 beschlossen die Pommern nach einem schon 1628 einmal von den Rostocker Westfalen gegebenen B»spiel einem der Universitätslehrer ihre Rativnallade zur persönlichen Aufsicht und Obhut zu übergeben und ihm damit das Protektorat uver ihre Ration zu übertragen. Diese von den Pommern getroffene Einrichtung wurde auch von den übrigen Rostocker Rationen übernommen. Trotzdem blieben diese im Gegensatz zu den förmlich anerkannten Pommern nach wie vor nur stillschweigend geduldet. Und diese Duldung war immer nur eine zeitweise. Auch in Der Folgezeit ergaben sich gelegentlich Reibungen, die zu Maßregelungen Anlaß boten. Im Jahre 1748 erklärte die Universität nach wiederholten Schwierigkeiten mit den Verbindungen dem Landes- Herrn, Rostock fei die letzte deutsche Universität, an der noch landsmannschaftliche Vereinigungen öffentlich geduldet würden Zwei Jahre darauf, 1750, erfolgte ein herzogliches Edikt, das die Auflösung der Landsmannschaften verfügte. Ein erheblicher Wtkwr» fland dagegen trat nicht hervor. Die Patrone der etnzeluen Lands» Mannschaften waren offenbar froh, ihres nicht immer erfreulichen Amtes entledigt zu fein. Einen in Betracht kommenden Besitz wies nur die pommerfche Landsmannschaft auf, deren Hinterlassenschaft nun in ein »Stipendium für Pommeraner" umgewandelt wurde. (Schluß folgt.) wurde dieser älteste Haushund wegen .seiner Aehnlichkeit mit uw ferem bekannten Spitz oder Pommer ---- Tvrfspitz genannt. Dies« Torfspitz war während der mittleren jüngeren Steinzeit auch sonst in Europa verbreitet, beinahe über den ganzen Erdteil, und er war auch nicht der einzige „Haushund" des Menschen der Urzeit. Sogar in der älteren Steinzeit scheint der Hund ein Gefährte des Menschen gewesen zu sein, wobei freilich zweifelhaft bleibt, ob es sich um wirklich gezähmte oder um solche Hunde handelte, di» pariaartig die Ansiedlungen des Menschen zu umlagern Pflegten. Man kann bei der Spärlichkeit der Funde über die ältesten Arten, mit denen der Urmensch den Freundschaftsbund schloß, nur Der- mutungen hegen. Höchstwahrscheinlich kommt für die Abstammung unserer Hunde nicht nur eine einzige Windhundart in Frage und ist die Zähmung nicht nur an einem Orte erfolgt. Die Grundfrage nach den wilden Vorfahren ist nur insofern entschieden, als ledig, sich Wolf- und Schakalarten, nicht aber auch Füchse in Betracht kommen. Bisher ist bei keinem einzigen Hund Fuchscharakter ge» funken worden, obwohl es manche Haushunde gibt, die in ihrer Farbe und in ihrem Habitus den Füchsen äußerlich ähnlich sehen. Als Stammeltern unserer großen Hunde gelten heute fast allgemein die über den Rorden verbreiteten Wölfe; noch heute gibt es Hundeschädel, von denen selbst der kundigste Forscher nicht mit Bestimmtheit aussagen kann, ob sie einem Wolf oder Haushund gehörten. Die kleineren Hunde führt man dagegen auf eine Schakal-, art zurück, und von einer solchen stammt mittelbar auch der älteste Haushund, der Torfspitz ab, der Hund der älteren Steinzeit, der zuerst an der Ostsee gefunden wurde und der vermutlich über bst Stufe des Pariahundes zum Torfspitz geworden ist. Eine ähnlich, Rasse wird auch für den Süden Europas angenommen. ®amty setzte nach und nach, eigentlich erst gegen Eiche der Steinzeit, dst Bildung verschiedener Rassen ein. Welche Gründe den Menschen der Vorzeit zur Zähmung und Hebung der Hunde führten, versiebt man gerade daraus, daß Wölfe und Schakale ihre Stammväter sind, also Bestien, die schon in diesen ältesten Zeiten die Rähe der Menschen und Siedlungen liebten, um Rachlese unter dem Abfall zu balten. Der .Urmensch, der nichts zu verteidigen hatte, als sich und die Seinen, wird mehr und mehr in ein Duldungs- und schließlich auch Rutzungsverhältnis zu ihnen getreten fein. Er wird ihnen den nächtlichen Freitisch vor feiner Höhle gegönnt haben, zumal sie dabei für die Beseitigung des Abfalls sorgten, und wie der Raturmensch noch heute aus dem Berhalten der mit ihm befreundeten Tiere'Gefahren und drohendes Unheil erkennt, so wird auch der Jäger der Vorzeit die Wölfe und Schakale als willkommenen Wächter und Kundschafter ausgenutzt haben. Wo er jagte unö Deute zerlegte, war das Gesindel in feiner Rähe, angeschossenes Wild, das sich den Blicken des Jägers entzogen hatte, wurde von den Wölfen und Schakalen verfolgt und geftetlt. Das Verhalten der späterhin wirklich domizilierten Wolfs- oder Schakalabkömmlinge muh man sich ungefähr so vvrstellen, wie das der halbwilden Hunde der Eskimos, die monatelang sich ihre Nahrung ausschließlich selber suchen und durchaus dem arktischen Wvlst gleichen, oder man muß an die furchtsamen, tückischen und bissigen Hunde der Kamtschadalen denken, die nicht die geringste Liebe und Treue zu ihrem Herrn haben, sondern ihn allezeit an den Hals zu springen suchen. Anfänglich waren die Torfspih» klein, und lange Zeit hat man sie stets in der gleichen Art weitergezüchtet. Erst um die Wende der Steinzeit zur Bronzezeit bat man zum Schuhe der Viehzucht den wilderen Vetter des Schakals, den Wolf, aus den Wäldern geholt und durch Kreuzung mit ihm aus dem kleineren Tvrfhund den stärkeren Wolfs- oder Bronze- Hund gezüchtet — nach dem Verfahren jenes Gutsbesitzers, bet den berüchtigtsten Wilddieb der Gegend zu seinem Forftwächtet machte. Die Entstehung der Ouvertüre zum Don Juan- Von der erstaunlichen Schnelligkeit, mit der Mozart arbeitete, ist die rasche Niederschrift der Dvn-Juan»Ouvertüre wohl daS bekannteste Beispiel. Otto Jahn schreibt darüber In seiner Mozart- Biographie: „Der Tag der Aufführung, der 29. Oktober 1787, nahte heran, und die Ouvertüre war am Abend vorher noch nicht fertig zur großen Beunruhigung der versammelten Freunde. Erst spät trennte sich Mozart von der lustigen Gesellschaft und machte sich dann bei einem Glas Punsch, während seine Frau ihm Geschichten erzählte, ans Riederschreiben. Dabei überwältigte ihn die Müdigkeit, so daß er einige Stunden schlafen mußte, ehe er wieder an die Arbeit gehen konnte. Allein um 7 Uhr morgens war der Kopist bestellt, und zur bestimmten Zelt wurde -hm die Ouvertüre übergeben. Gs war die letzte Frist, wenn die Stimme« noch bis zum Anfang der Oper ausgeschrieben werden sollten, der sich auS diesem Grunde etwas verzögerte. Dom Blatt spielte mm daS wohlgeschulte und begeisterte Orchester die Ouvertüre so gut, daß Mozart während der Jnterduktlvn der Oper zu dem ihm zunächst befindlichen Instrumentalisten sagen konnte: „Es sind zirxw viele Roten unter die Pulte gefallen, aber die Ouvertüre ist doch recht gut vonstatten gegangen.___