Samstog, 8° Januar Sw Schleiermacher als Patriot. (Ein neuer Briefband.) In dieser Zeit nationaler Rot wendet sich der Blick zurück nach jener Epoche vor 103 Jahren, da die größte Knechtung unseres Volkes durch eine kühne Erhebung und einen mannhaften Befreiungskampf abgelöst tourbe. .Unter die Helden dieses Zeit- alters der Befreiungskriege gehört auch Schleiermacher, der grobe Romantiker und Theologe, der geniale Mensch, dessen ganze Persönlichkeitssülle und -kraft uns erst jetzt aus den Briefen entgegentritt, die Heinrich Meisner im Berlag von Friedrich Andreas Perthes zu Stuttgaxt-Gotha herausgibt. Dem tourt ber« vollen Briefwechsel mit seiner Braut und den aufschlußreichen Briefen aus den Jahren 1783—1804 folgt nunmehr unter dem Titel „Schleiermacher als Mensch, sein Wirken" ein neuer Brief- band, der die Familien- und Freundesbriefe aus den Jahren 1804 bis 1834 umfasst. Der großartige Umfang von Schleier- machers Schaffen, die Wirkung seiner seelsorgerischen Tätigkeit, die Tiefe seiner wissenschaftlichen Arbeiten, die dichterische Unmittelbarkeit seiner persönlichen Bekenntnisse wird uns in diesen Briesen offenbart, in denen viele Schreiben überhaupt zum ersten- mal andere mit wesentlichen Erweiterungen und Verbesserungen mitgeteilt sind. Aber auch der Politiker Schleiermacher erscheint uns jetzt in einem gan neuen Licht, und sein Wirken vor und während der Freiheits.Uege, das wir bisher mehr ahnten als wirklich kannten, entfaltet sich vor uns, zeigt den großen Prediger in gemeinsamer Arbeit mit den Führern der Erhebung, mit Stein und Gneisenau, mit Ernst Moritz Arndt, Aiebuhr u.a. Auch Schletermachers politische Entwicklung ging wie die der Besten seiner Zeitgenossen vom „Weltbürgertum zum Nationalstaat, tote ein großer Historiker unserer Tage es ausgedruckt. Als ihm, der damals in Halle Prediger war, die Kriegsfurie nach der verlorenen Schlacht von Jena in nächster Umgebung entgegenlohte, da wurde auch in ihm der Gedanke mächtig, daß der Mensch vor allem Pflichten gegen den Staat habe, dem er durch Geburt und Stellung zugehört, und diesem neuen Vaterlandsgefühl verlieh er bereits in Halle, wo er trotz der Unsicherheit und der Aahrnngs- sorgen zurückgeblieben war, unentwegt Ausdruck. Sein mächtiges Wort drang von der Kanzel anfeuernd und freimütig zu Der durch den Fronzvsenübermut erregten Jugend. Aber als Rapoleon im Oktober 1806 die Universität Halle aufhvb, sah der den Feinden verdächtig gewordene Prediger ein, daß seines Bleibens dort nicht länger war, und er strebte nun nach Berlin, wo er den Mittelpunkt der patriotischen Erhebung ahnte. Schleiermacher hat schon in Halle in den Tagen des Zusammenbruches aller deutscheii Hoffnungen die Notwendigkeit des Befreiungskampfes ausgesprochen. „'Möchten Sie sich Wohl irgendeine Gefahr irgendein Leiden ersparen für die Gewißheit, unser künftiges Geschlecht einer niedrigen Sklaverei preisgegeben zu sehen und ihm auf alle Weise gewaltsam eingeimpft zu sehen die niedrige Gesinnung eines grundverdorbenen Volkes? scyreibt er an Charlotte v. Kathen am 20. Juni 1806. „Glauben Sie nur es steht bevor, früher oder später, ein allgemeiner Kamps dessen Gegenstand unsere Gesinnung, unsere Religion, unsere Geistes- bildung nicht weniger sein werden, als unsere äußere Freiheit und äußeren Güter, ein Kampf, der gekämpft werden muß, den die Könige mit ihren gedungenen Heeren nicht kämpfen können, sondern den die Völker mit ihren Königen gemeinschafstich kämpfen Iwerden, der Volk und Fürsten auf eine schönere Weise, als es seit Jahrhunderten der Fall gewesen, vereinigen wird und an bat sich jeder, jeder, wie es die gemeinsame Sache erfordert, anschließen muß.“ Für die „allgemeine Regeneration“, die dieser Erhebung vorausgehen sollte, hat Schleiermacher nun unermüdlich gearbeitet. Er kämpfte für die sittliche Gesundung seiner Volksgenossen, für die Erweckung des religiösen Bedürfnisses, für die Ausbildung der Körperkräfte in Leibesübungen, verkündete die künftige Größe des Vaterlandes im Einklang mit den großen Ideen Hines Stein und Scharnhorst. Und er fühlte sich nicht nur als Deutscher, sondern auch als Preuße. »Um ein neues Deutschland zu haben," schreibt er am 12. Januar 1807, „muß wohl das alts noch viel weiter zertrümmert werden. Außerdem, daß ich ein Deutscher bin, habe ich freilich aus vielen Gründen die Schwachheit, ein Preuße zu sein; aber freilich geht meine Leidenschaft auf eine Idee von Preußen, welche vielleicht in der Erscheinung die wenigsten kennen." Ue&er die geheimen Missionen, die er damals ausführte, ist nur wenig bekannt, da alle feine Aufträge von Wund zu Mund gingen; aber 'tolr erfahren jetzt darüber einiges aus seinen Briefen, von den Reisen, die der durch Kränklichkeit geschwächte Mann nach Königsberg und Dessau, nach Rügen und Schlesien unternahm, um die Gleichgesinnten zu sammeln und bteue Freunde für den Patriotenbund zu werben. Mit allen den Besten dieser Zeit stand er in engem Verkehr. Und er erzählt z B. 1812 dem Grafen Dohna, daß er „grade mit den antifranzösischen Leuten Scharnhorst, Gneisenau, Boyen" beim Staatskanzler zu Tisch gewesen sei: „Gr hat mir sogar ein paar Worte gesagt, die sich auf Aufträge bezogen, welche mir Gneisenau bei meiner letzten schlesischen Reise gelegentlich gab . . Ms dann der Sturm lvsbrach", nahm der Theologe selbst die Flinte zur Hand und exerzierte mit Fichte und Reimer, mit Handwerkern und Kaufleuten zusammen, widmete sich bis zur Erschöpfung den „Landsturm- Geschäften" und wollte sogar als Feldprediger mit. Seine Kriegs- predlgten entflammten die Begeisterung zu heiler Lohe. Mit Wilhelm von Humboldt gemeinsam war er an der Neueinrichtung des Unterrichtswesens, an der Gründung der Berliner Universität tätig, redigierte den „Preußischen Korrespondenten das kühne Blatt der Patrioten und riß die zaudernden Regierungskreise mit fort, wodurch er sich freilich verdächtig machte und dann In der Reaktionszeit beständigen Angriffen ausgesetzt war. Shaksspssres „Verrsrsns Jahrs". Shakespeares „verlorene Jahre" - so sind von dem angloamerikanischen Shakespeare-Forscher Arthur Achsfon bte Jahre von 1587-1592 genannt worden die in dem an Dunkelheiten so reichen Leben des Dichters eine besonders klaffende Lucke buben. Wir wissen nämlich nicht das geringste über diese, Zell, die zwischen feinem Verlassen der Heimat Stratford und femer ersten Erwähnung in London als Schauspieler liegen. Das Dunkel o-.eser „verlorenen Jahre" sucht nun Won in einem neuen umfang- reichen Werk zu erhellen, das er Die DEchtevon Shakespeares Sonetten" nennt. Wenn der Gelehrte auch sehr stark mit Vermutungen arbeitet und auf gewisse Voraussetzungen eine stanze ausgedehnte „Geschichte" aufbaut,, so ist sein übet: 700 oe iten umfassendes Buch doch auch mit einer Fülle- von Tatsache und Gedanken ganz neuer Art angefüllt, so daß «uch unsere sehr viel nüchternere Shakespeare- Forschung die neue Arbeit wird beachten müssen. Die Grundlage für Achesons Erzählung bietet die Annahme, daß Shakespeares Beziehung zu Lord Southampton, di« wir aus der Widmung von „Venus und Adonis kennen, bereits früher als 1593 begonnen habe, und daß die meisten seiner Sonette sich auf Vorgänge beziehen, die sich in der Zeit von last bis 1592 abspielten, Der Held dieser Periode im Leben des Dichters wird- also Southampton, und Shakespeare erscheint als fein Gegenspieler in den drei Liebesgeschichten, die diese' Jahre m Leben des Lords ausfüllen. Zwei von diesen Geschichten sind historisch belegt, nämlich die um 1590 in Aussicht genommene Verlobung Southamptons mit Lady Elizabeth Vers, der Enkelin Lord Durghleys, die Southampton ablehnte, und seine bekannte Veziehung und heimliche Verheiratung mit Elizabeth Vernon. Als drittes Liebesabenteuer des Lords kommt nun nach Achesons Auffassung noch sein Verhältnis zu einer unbekannten Frau hinzu, der vielbesprochenen „dunklen Dame" der Sonette,, deren alrbild dieser neueste Shakespeare-Erklärer in der Gattin des Oxforder Gastwirtes Davenant erkennen will. In dieses letzte Liebesabenteuer, das ja in den Sonetten eine große Rolle spielt, soll auch Shakespeare verwickelt gewesen sein und ebenso ein „Nebenbuhler und Dichter", der gewöhnlich mit Chapman identifiziert wird. Acheson hat nun mit einem großen Aufwand von Gelehrsamkeit nachzuweisen versucht, daß Frau Davenant, die als »Avis«" in einem bekannten zeitgenössischen Pamphlet gegen „13. S." erscheint, tatsächlich die Tochter des Bürgermeisters von Bristol Dird war. Die Hauptbedeutung dieser Dame aber liegt in dem Einfluß, den sie auf Shakespeares Dichtung gewonnen haben soll. Die Sonette des Dichters spiegeln nach diesen Ausführungen sein Interesse und seine Anteilnahme an den Liebesabenteuern Southamptons wieder; sie wurden in den Jahren 1592—159? gedichtet, sind aber der Aiederschlag von Erlebnissen aus früherer Zeit. Ursprünglich sollen die Sonette in sieben verschiedene „Bücher" zerfallen sein, von denen jedes aus 20 Sonetten bestand und einen geschlossenen Inhalt hatte. Das erste „Buch der Sonette" soll sich danach mit den Versuchen beschäftigen, Southampton mit Lady Elizabeth Vere zu verheiraten; das dritte handelt von der „dunklen Dame", das vierte von dem „Dichter und Neben» buhler". Diese Gliederung der Sonette in sieben Bücher von je 20 Gedichten läßt sich natürlich nicht ohne Gewaltsamkeiten durchführen, und Acheson muh verschiedentlich mit „verlorenen Sonetten" arbeiten. Aber der Einfluß der in den Sonetten behandelten Erlebnisse beschränkt sich nicht nur auf diese Gedichte, sondern soll auch in den Dramen Shakespeares und seinen Epen überall wirksam sein. Wenn er Venus malt, die Adonis heiraten will, so ist das Elizabeth Vere, die Southamptons Gattin werden möchte, und wenn er liebende und geliebte Mädchen darstellt, so soll das ülrbild Elizabeth Vernon sein, deren Züge in Julia, Porzin, in der Helena von „Ende gut, alles gut" nachgewiesen werden. Southamptons Persönlichkeit will Acheson in verschiedenen Jünglingsfiguren der Shakespeareschen Dramen wiederfinden, in Romeo, Bassanio u. a. Selbst Falstaff soll sein lustiges Gasthausmilieu den Abenteuern verdanken, die der Lord und der Dichter in der Liebe zu der Gastwirtin Ann Davenant durchlebten. So kühn alle diese und noch verschiedene andere Vermutungen Ef, so erhalten sie doch durch das reiche Material eine große hrfcheinlichkeit. Fabeln von Theodor Etzel.*) Die Spinnen. Ein Wanderer kam mit den ersten Strahlen der Morgensonne auf eine Lichtung des Waldes, äleber blühende Ginsterbüsche waren die Retze der Spinnen gespannt. Die Tautröpfchen hingen darin und glitzerten an den feinen Fädchen in regenbogenem Farbenspiel. Da blieb der Wanderer voll Verwunderung stehen und rief entzückt: „Wie herrlich hast du dich geschmückt, Natur! 3n Hunten Schnüren strahlt im Svnnenglanz der Tau wie ein Geschmeide von Brillanten, die. fein zu Ketten aufgereiht, den Hals der schönsten Frau umwinden. Da riefen die Spinnen: „Mensch, wenn dir das Licht- und Wasserspiel gefällt, so lobe nicht die Sonne und den Tau, so lobe suns! Wir haben diese Fäden ausgespannt, wir sind es, die den Perlentröpfchen Stütze gaben, wir sind die Schöpfer dieses Meisterwerkes!" Der Wanderer erwiderte: „Wenn ihr die Netze um der Schönheit willen gesponnen hättet, so würde ich gern euer Lob verkünden. Euch aber drängte nur die Mordlust zu dem Werk, und Segen euren Wunsch benutzt die Schönheit eure Mördernetze. Soll h euch dafür dankbar sein? — Wahrlich, ihr seid so unverschämt wie — Spinnen!" D e r F e i n d. , _ s .Ms den Tieren ihre Waffen zugeteilt wurden, erbat sich ^ls Rhinozeros ein gewaltiges Horn auf die Nase. Lind der Schöpfer gab es ihm. Die bissige Mücke aber lachte und rief dem Rhinozeros zu: ifanen?" Hasenhörn dich gegen mich schützen zu _ „Wahrhaftig, an dich habe ich bei meiner Wahl nicht gedacht, entgegnete belustigt das Rhinozeros. Das Schaf hatte diese Worte gehört und nahm sie sich ernst•) Aus der zum 50. Geburtstag des bekannten Dichters im Verlag von Walter Seifert in Heilbronn soeben erscheinenden Gesamtausgabe seiner vortrefflichen „Fabeln". haft zu Herzen. „Sch Sitte um einen dichten Pelz," bat eS Lev Schöpfer. Lind der Schöpfer gab ihm ein Wollkleid. . Sio hatte das Schaf die Mücke besiegt. Aber der wilde Woy lachte, und der habgierige Mensch freute sich. Der Löwe. Sn grauen Zeiten galt im Reich der Tiere das Recht der Freiheit und Gleichheit: jede Kreatur war frei und keine war einer andern untertan. .Alber schon damals fraßen die Tiere; und der Löwe war stärker und gefräßiger als alle und verschlang jegliche Kreatur, die er erjagen konnte; da war keine Sippe, die er nicht in Trauer brachte. Endlich traten die Verfolgten zusammen und berieten über Mittel und Wege, wie man diesem trostlosen Zustand ein Ende machen könne. „Der Löwe ist ein Frevler und Verbrecher," sagte der Büffel. „Der Löwe ist ein Räuber und Mörder," sagte die Giraffe. „Der Löwe ist ein Verächter unseres heiligsten Rechtes," sagte der Hirsch, „und darum verdient er den Tod." „Ja," riefen alle Tiere, „hundertfach hat er den Tod verdient," und sie verurteilten ihn zum Tode. Aber wer wagte es, das -Urteil an dem Schrecklichen zu vollziehen ? — Und wiederum berieten die Tiere. Und das Kamel ergriff das Wort und sprach: „Genossen! Wir wollen großmütig fein. Wir wollen Gnade üben. Wir wollen dem Bösewicht sein verruchtes Leben schenken, aber wir müssen ihn unschädlich machen, und darum laßt uns ihn verbannen." „Ja," riefen alle Tiere; und sie verbannten ihn. Aber wer. vermochte es, den Fürchterlichen zu vertreiben? — Und zum drittenmal berieten die Tiere. Sie wußten keine Rettung. Da sprach zuletzt das Pferd: „Genossen! Es ist gewiß, daß der Löwe ein Schandfleck in unserer Gesellschaft ist, den wir austilgen müssen. Da wir den Frevler aber weder umbringen noch vertreiben können, so rate ich, ihn über das Gesetz zu stellen, indem wir ihn zu unserem König machen . . .“ Das Pferd überzeugte die Tiere, und sie verliehen dem Löwen die erbliche Königswärde. Und sie waren wieder zufrieden und glücklich, denn wer fürderhin dem Löwen unter die Klauen kam, der hatte das tröstende Bewußtsein, nicht einem sträflichen Verbrechen zum Opfer zu fallen, sondern für eine grvhe.Sdee verbluten zu dürfen. Der Star. Ein Schafhirt schenkte der jungen Tochter seines Gutsherrn einen gezähmten Star. Das drollige Gebaren und Geschwätz des Vogels ergötzte das liebliche Mädchen sehr. Wo sie ging und stand, mußte er bei ihr Stein. Er saß auf ihrer .Hand, auf ihrer Schulter, am liebsten aber auf ihrem Kopf; und dort zirkelte er mit seinem Schnabel so eifrig in den wundervollen goldblonden Haaren, als müsse er diesen ganzen Thron der Schönheit auf Millimeter genau vermessen. Von Tag zu Tag liebte die Heine Herrin ihren Gespielen mehr und mehr; der aber wurde von Tag zu Tag unluftiger und stiller. „Was fehlt dir nur?" fragte ihn endlich das holde Mädchen. „Was macht dich traurig ?“ „Sch sehne mich nach den Schafen zurück," sagte aufrichtig der Star. Das verdroß die kleine Herrin und sie zürnte ihm ein wenig. „Wie, mein Liebling von m i r hinweg sehnst du dich nach den Schafen zurück? Stehe ich nicht wie eine anbetungswürdige Göttin hoch über den blöden Wvlltieren . . .?" „Keinestvegs!" sagte der Star. „Du hast nicht einmal Läuse im Pelz." Stier und Krähen. Ein starker Stier durchfurchte mit scharfer Pflugschar verwildertes Brachfeld, für neue Saat den Boden lockernd und läuternd. Hinter ihm her in den frischen Furchen trabten die Krähen, um ausgehobene Würmer und Engerlinge zu fressen. Ein Zug lärmender Wildgänse flog über die Landschaft. „WaS macht ihr da unten?" riefen sie neugierig den Krähen zu. „Seht ihr denn nicht," entgegneten diese, „daß wir uns von dem großen Stier bedienen und speisen lassen?" Die Wildgänse hielten bestürzt in ihrem Flug inne und vergeigten sich zu den Krähen hinunter: „Verzeiht, Hochedle, daß wir es wagten, euch zu stören." , Die Krähen trabten stolz hinter dem Stiere her, der unermüdlich den Pflug durchs wilde Brachfeld zog. » Sv pflügt das Genie — damit die Kleinen hinter ihm her sich ehren lassen können. Drahtlose Photographie. Von einer neuen wichtigen wissenschaftlichen Entdeckung machte die „Daily Mail" zu Weihnachten ihren Lesern Mitteilung, indem sie behauptet, es sei jetzt gelungen, das Problem ©er drahtlosen Photographie zu lösen. Es tarnt jetzt eine Photo- t — en. tritem man mit «toem toa-Üos« daran täten, sich bei den Jo verachteten Nachbarm jenseits des baß baä photographische Büü auf Rheins darüber einmal Aufklärung zu holen ... a v-, (Sr.t rtv» v Nachruf aus den Pfennige jon vor dem 12. Jahrhundert prägte man aus einem Pfund feinen Silbers 320 Pfennige, so baß der Pfennig etwa 13 Friedenspfenntge wert war, um die Mitte des 13. Jahrhunderts 660, fm 14. Jahrhundert 960 Pfennige, und Anfang des 15. Jahrhunderts mußte eine Mark Feinfilter bereits 1200 bis 1400 Pfennige hergeben. Der arme Pfennig wurde also leichter und leichter, und das prerkten natürlich die Leute und wollten diese leichten Pfennige nicht mehr annehmen. Der Staat ater Hauchte Geld und konnte nicht gutes (schweres Silber in die Pfennige stecken. So verfielen denn erfinderische Köpfe darauf, die Pfennige zwar schwerer, zugleich jedoch auch schlechter zu prägen, und so wurde denn der Silberpfennig immer mehr mit Kupfer versetzt. Auch das ließ sich nicht verheimlichen, und man unterschied nun zwischen „weißen" und „schwarzen" Pfennigen, da die stark mit Kupfer legierten Pfennige gegenüber den Silbermünzen eine immer dunklere Färbung annahmen. Die ersten deutschen Pfennige, die ganz aus Kupfer bestanden, wurden 1494 geprägt, und damit war der Glanz des Silberpfennigs endlich verblichen. Der solide Kupferpfennig trat seine Erbschaft an. Aber das Elend mit den schiech en Prägungen bl'eb das gleiche; die Kupferpfennige wurden leichter, so daß man wieder zwischen schweren Pfennigen unterschied, von denen 288 auf den Taler kamen, und leichten, von denen 576 auf den Taler gingen. Dazu kamen die häufigen „Münzverrufungen", durch die schlechte Münzen aus dem Verkehr gezogen wurden. Man mußte also die „neuen Pfennige" von den „alten Pfennigen" sorgfältig scheiden. Diese beiden Bezeichnungen, die in den äirfunten immer wiederkehren, wollen besagen, daß der neue Pfennig die augenblicklich als gesetzliches Zahlungsmittel in Ahnlauf befindliche Münze darstellt, während die alten Pfennige den Münzcharakter verloren hatten. Bei diesem raschen Wechsel wurden die alten Pfennige immer wertloser, und deshalb findet sich in Rechtsbüchern die Vorschrift, daß Pfennigschulden sofort gezahlt werden müssen, denn „Pfenninge werden je länger je ärger". Die große Rolle, die der Pfennig im deutschen Volksleben gespielt hat, leuchtet aus der Tatsache hervor, daß wir noch heute in unserer Redeweise den Pfennig mit Geld überhaupt gleichsetzen, intern wir von Notpfennig, Zehrpfennig usw. sprechen. Das Sprichwort empfahl als bestes Mittel, „mit Pfennigfalte zu schmieren", d. h. durch Geld sich Vorteile zu verschaffen. Das Lob des Pfennigs hallt in ter ganzen Literatur Wiktw. „Der Pfennig im Beutel ist der teste Kumpan," sagt das Sprichwort, und in ter Sammlung von Redensarten des Agricola finden wir das Wort: „Wer einen Pfennig nicht so lieb hat als einen Gulden, ter wird selten reich werten und Gulden wechseln", die Vorstufe des Wortes vom Pfennig, den man ehren muß, um des Talers wert zu sein. „Alle Kunst, Ehr', Weisheit ist umfuft, wo am Pfennig es geteuft", sagt Sebastian Brant im „Narrenschiff", und an anderer Stelle: „Wer Pfennig hat, ter hat viel Freund', den grüßt und fchwägert jedermann." Der Pfennig ist tot. Es lebe ter Pfennig! So möchte man ausrufen, wenn man der Zeiten gedenkt, in denen noch das alte Sprichwort gatt: „Wer ten Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht teert.“ Heute haben sich Danken und Kaufleute vollkommen losgefagt, weil sich diese genaue Rechnungsführung bei der ungeheuren Entwertung unseres Geldes, infolge deren der Pfennig wirklich nichts mehr wert ist, nicht lohnt. Wir ater hoffen, daß ter so sang- rM> klanglos zu Grate getragene Pfennig eine froh- lichk! ilrftänb erleben wird, durch die er wieder zu ten alten ®ßren und Ansehen kommt, das er so lange in der deutschen Geschichte genossen. Linser Wort Pfennig ist eine Verkürzung der alten Form „Pfenning", die sich auf den Münzschriften noch länger oewahrt hat als in ter gesprochenen Sprache, und die man wohl auch jetzt noch in Vüdteutschland hört, wo die Pfennigrechnung erst verhältnismäßig spät eingeführt Worten ist. Das Wort findet sich in allen Lermanischen Sprachen und ist wohl rein teutschen ilr» sprunges. Lieber die Ableitung, ist sich freilich die Sprachwissen- fchaft nicht einig. Da ter Pfennig aus den alten Blechmünzen, den log. Drakteaten, hervorging, die bisweilen vertieft geprägt waren, so baß bie Münze das Aussehen einer kleinen Pfanne eines „Pfännchens", hatte, so wollte man das Wort von diesen äußeren Merkmalen ableiten. Mehr Wahrscheinlichkeit dürf e die Herleitung der Bezeichnung von dem althochdeutschen „Phant", unserem Pfand, haben, worauf auch die frühe Form „Phenting" hin- teutet. Der Pfennig würde also danach eine Art Pfand bedeuten, das man zunächst für eine bestimmte Ware hingab. Linker ter Regierung Karls des Großen trat der Pfennig in ter Münz» ordnung an bie Stelle des römischen Denar, und zwar verordnete der Kaiser, baß aus einem Pfund Feinfilter, also aus einer „Mark", 240 Pfennige geprägt werten sollten. Der Pfennig hatte also vor 100 Jahren etwa ten Wert von 35 Pfennigen unserer Friedenszeit. Ater da man stets mehr Geld brauchte als man hatte, so griffen die Nachfolger des großen Karl schon bald zu dem Mittel, das Feingewicht zu kürzen und die Münzen Immer leichter zu machen. Schi tzraphie HergesteM werben, Vendeapparat so operiert, te„__ einen Film an einer entfernten Station übertragen wird. Eine neue Aera für die illustrierten Zeitungen ist damit angebrochen. Die Versuche einer drahtlosen Liebermittlung von Photographien gehen bis ins Jahr 1908 zurück. „Dor 30 Jahren", heißt es in dem Bericht des Blattes, „erfand Amstutz eine Methode, durch bie ein Bild in kleine Teile zerlegt wurde und jedes durch einen Buchstaben des Alphabets oder eine Nummer bezeichnet wurde, um feinen Licht- und Schattengrad anzuzeigen. Diese Methode ist mit verschiedenen Verbesserungen kürzlich wieder aufgenommen worden, ater sie bleibt unbefriedigend. Eine richtige Photographie kann nur genau übermittelt werten, wenn das Bild, das gesandt werden soll, selbst die Grundlage für bie drahtlose Einrichtung bildet. Eine solche Methode ist nun ausgearbeitet worden, und zwar verwendet man die Erfindung von L. Thorne Daker, dessen Apparat in ten Jahren 1908 bis 1911 dazu benutzt wurde, um Hunderte von Bildern von Paris und Manchester nach London zu telegraphieren. Sehr ermutigende Ergebnisse wurden vor etwa zwei Jahren mit ten Instrumenten Bakers aus ter Telegraphen- linie zwischen Manchester und London erreicht. Es hat zwei Jahre geduldiger und kostspieliger Lintersuchungen bedurft, um dieselben Ergebnisse mit ter drahtlosen Telegraphie zu erreichen. Während ber letzten Wochen sind nun Verbesserungen gemacht worden, bie einen bedeutenden Fortschritt aufweisen und ten Tag in greifbare Nähe rücken, an dem das drahtlose Bild eine regelmäßige Erscheinung ter illustrierten Blätter werden wird. Die bisherigen Resultate sind noch nicht vollkommen. Ater es ist doch schon möglich, ein Bild auf drahtlosem Wege ziemlich getreu wieder- zugeben.“ Es wird in dem Blatt ein Beispiel drahtloser Photographie veröffentlicht, in dem ein Mann auf Schneeschuhen dar- gestellt ist, ter einer ten Skilauf lernenden Dame Hilfe leistet. Die Figuren sind ganz deutlich, wenn auch freilich noch etwas verschwommen und in unsicheren Linien toietergegeten. Die Zeit der Liebermittlung mit dem Apparat Bakers ist nur auf drei Minuten herabgesetzt worden. Wine besonders präparierte Photographie wird mit dem drahtlosen Senteapparat in Verbindung gebracht und innerhalb von drei Minuten wird die photographische Lietertragung auf ten Empfangsapparat erreicht; ter ganze Vorgang vollzieht sich automatisch, so daß alle Fehlerquellen ausgeschaltet werten. Das gezeigte Bild wurde von einem Gebäude nach einem etwa 100 Meter entfernten anderen übermittelt. Man wird jetzt Versuche unternehmen, um die Liebermittlung auf größere Entfernungen auszutehnen, und da die Entfernung in ter drahtlosen Telegraphie verhältnismäßig wenig ausmacht, hofft man in dieser Hinsicht bald gute Erfolge zu haben, nachdem nun einmal die Grundlagen ter neuen Erfindung gesichert sind. Die Drehbühne in Frankreich. Die zuerst von Lautenschläger praktisch verwirklichte Drehbühne ist bei uns in Deutschland seit langem eingebürgert und besonders von Reinhardt in genialer Weise verwendet worden. Die Franzosen, die, wie in vielen Dingen, so auch in Theater- fachen sehr rückständig sind, haben sich erst jetzt zur Einführung ter Drehbühne entschlossen, und zwar ist die erste Bühne das Grand Theatre in Lyon, das seit Beginn dieser Saison eine solche Vorrichtungen für Szenenverwandlungen besitzt. 3m „Journal des Debats" erzählt Hubert Morand von diesem „Wunder", dem er noch mit sehr viel Zweifel gegenüberff eßt. Es ist für uns nicht uninteressant, die Einwendungen gegen die Drehbühne zu hören, die ja auch bei uns zu Anfang erhoben wurden und heute längst Überwunden sind. Morand wohnte einer Vorstellung des „Werther" bei, und zwar fand er hinter ter Bühne Theaterarbeiter beschäftigt, gerate ten Salon für den dritten Akt herzurichten, während vorn gespielt wurde. Einer ter Arbeiter schlug einen Nagel ein, um ein Bild daran aufzuhängen, und machte einen solchen Spektakel, daß ihn ein anderer des Lärms verwies, ter deutlich im Zuschauer raum zu hören war. Da man aber doch den Nagel einschlagen mußte, so wartete man damit, bis auf der Bühne größerer Lärm herrschte, ter das Klopfen übertönte. Doch findet der Verfasser, daß das llmfleifet ter Vorsatzstücke überhaupt nicht so leise vor sich gehen kann, daß es nicht die Vorstellung stört. Nach dem Fallen tes Vorhanges kann nun mit Hilfe ter Elektrizität innerhalb von drei Minuten die neue Dekoration fertig dastehen. Aber trotzdem wurde ein Zwischenakt von einer guten Viertelstunde eingelegt, gerate tote sonst. Der Regisseur erklärte kstese durch die Drehbühne unnötig gemachte Pause damit, daß sich die Künstler und auch die Orchestermitglieter etwas erholen müssen und daß vor allem das Publikum auf die Pause nicht verzichten will, in der man etwas plaudert und sich begrüßt, -lieber« Haupt hat ter Regisseur in Lyon an dieser in Frankreich einzig dastehenden Neuerung mancherlei auszusehen. Er findet es sehr bedenklich, daß durch die Drehbühne die Tiefe, ter Szene um die Hälfte verringert wird, und meint, daß man eigentlich nur schmale Räume und kleinere Zimmer naturgetreu wiedergeben könne, während es ganz unmöglich sei, auf der Drehbühne großräumige Sze« Sterten aufzubauen, tote z. B. ten Tempel in „Samson und Dalila" und den Walkürenritt. Es scheint danach, daß die Franzosen mit ter Drehbühne noch nicht viel anzufangen wissen, und daß sie - 4 - Schriftleitung: August Goetz. — Druck und Verlag der Brühl'schen Llniv^Duch- und Steindruckerei, A. Lange, (Sieben. Buch, auf dessen Titel zum erstenmal die Bezeichnung „Rachitis- auftaucht, em Rame, der darauf Hinweisen sollte, daß die Wirbel faule bei dieser Krankheit sehr häufig angegriffen wird. 2lls daS „neue Leiden" nach Deutschland kam, nannte man es „englische Krankheit", tote man einige Jahre früher die von Spanien auS kommende Grippe als „spanische Krankheit" bezeichnet hatte. Dis Rachitis war aber kein neues Leiden, sondern schon im Altertum bekannt. Das geht z.B. aus der dritten Satire des Horaz hervor, wo es heißt, daß ein Vater sein Söhnchen mit sabelgekrümmtett Deinen „Teckelchen" rüst oder es wegen der schwulstig verwachsenen Knochen mit „Humpelchen" anredet. Eine andere wichtige Stelle ist aus den Mitteilungen des zur Zeit Trajans in Rom lebenden Arztes Soranos bekannt, in denen davor gewarnt wird, die Kinder zu früh und zu lange sitzen zu lassen, weil sonst das Rückgrat infolge der Weichheit der Knochen krumm wird, ebenso^ wie allzu rasches Aufstehen und Gehen der Kleinen die Seme krumm mache. In Rom war also zur Kaiserzeit die englische Krankheit bereits ziemlich häufig, während sie in Griechenland augenscheinlich wenig beachtet wurde. Das erklärt ftch aus den sozialen Verhältnissen der Millionenstadt Rom, deren enge Straften und dichtzusammengepferchte Miethäuser den Boi^n für die Entstehung rachitischer Störungen abgaben. Das griechische Kind, daunter viel günstigeren Lebensbedingungen heranwuchs, weil man dort die römischen Groftstädte nicht kannte, war von solchen Knochenveränderungen verschont, und wir finden daher in den ärztlichen Schriften der Griechen, besonders auch in denen des Hippokrates, nur spärliche Erwähnungen. Im Kamps mit den Ozeanstürmen. Starke Stürme haben in den Dezember-Rächten bei uns ge* tobt und uns daran erinnert, daft die altgermanischen Sturmmythen vom wilden Jäger und seinem Heer in diese Jahreszeit verlegt wurden. Aber während wir uns beim Heulen und Staufen der entfesselten Lüfte nur desto behaglicher in unsere Drtten schmie- , gen, muß der Seemann aus dem hohen Ozean den furchtbaren Gefahren des Orkans trotzen und den Kampf mit den Sturmriesen ausnehmen. Die Kapitäne der Schiffe, die in diesen Tagen heim- kehren, wissen gor viel von solchem Ringen mit dem aufgeregten Meer zu erzählen, und die Seesahrer, die in die amerikanisches Häfen einlaufen, werden von noch schlimmeren Crsahrungen berichten. Die Stürme kommen nämlich gewöhnlich vom Westen, und deshalb fahren die Schiffe, die nach den Vereinigten Staaten gehen wahrend der ganzen Reise dem Sturm entgegen. Auf der Rück- fahrt hat man den grimmigen Dlasius im Rücken, und je schneller das Schiff ist, desto eher entgeht es dem schwarzen Flügelschlage, der es umbraust. Eine viel härtere Aufgabe ist es, den entgegenkommenden Sturm zu überwinden. Häufig sind die großen und schnellen Dampfer gezwungen, langsam zu fahren und entgegen nur durch geschicktes Steuern den gewaltigen Sturzseen, die selbst den Riesen des Ozeans gefährlich werden. Glücklicherweise sind die Sturzseen des Atlantischen Ozeans nicht so schlimm wi« die anderer Meere. Auch brechen sich die Wellen in viel bedrohlicherer Meise in der Rähe der Küste als auf hoherf See, wo die weite Fläche des Meeres die Wucht der Wellen etwas mildert. Wie ein Seeoffizier in dieser Betrachtung über den Kamps gegen den Sturm auf dem Meere ausführt, überschätzt man die Wellenschläge meistens. Die höchsten Wellen, die bisher im Atlantischen Ozean fest gestellt wurden, waren etwa 40 Fuß hoch, und diesq S wird nur bei den furchtbarsten Orkanen erreicht, wie sie ein- ober zweimal in einer Generation auftreten. Die Gänge zwischen den Wellenbergen beträgt etwa 550 Fuß. was der Längs eines durchschnittlichen Schiffes entspricht. Aus Binnenseen, tote z. B. dem Genfer See, übersteigen die höchsten Wellen nicht zehn Fuß, und in ben Duchten kann man auch bei den furchtbarsten Stürmen nicht Wellen feststellen, die höher als 23 Fuß sind. Wen» also so oft von Wellen von „Hunderten von Fuß Höhe" gesprochen wird, so ist daS — Seemannslatein. Sie größte Bibliothek der Welt. Die Bibliothek des Vatikans ist jetzt die größte der Welt geworden, da durch einen Beschluß des italienischen Kabinetts die berühmte Chigi-Bibliothek mit ihr vereinigt wird. Diese Düchersammlung befindet sich in dem von Papst Alexander VII. erbauten Palazzo Chigi und wurde von dieser bekannten Patrizierfamilie gesammelt. Zu den kostbarsten Manuskripten gehören Sonette von Tassv, 20 Bände mit Dokumenten über den Westfälischen Frieden, ein Missale von 1450 und die Chroniken des hl. Benedikt und hl. Andreas. Diese Schenkung, die der großen vatikanischen Bibliothek eine außerordentlich bedeutsame Bereicherung zuführt, wird dadurch noch bedeutsamer, daß sie die erste Schenkung des italienischen Staates an den Vatikan ist. Es sollen auch bet den vatikanischen Bibliothek jetzt verschiedene Abteilungen für fremde Literaturen eingerichtet werden. Die erste neubegründete Abteilung ist eine irische, die von dem Grasen Mac Swiney gestiftet wird. Auch die Regieriüigen von Brasilien und Chile wollen eigene Abteilungen einrichten. Der angebliche Schneemensch des Himalaja. Wenig bekannte Gegenden pslegt die Phantasie primiti^r Völker mit sagenhaften Menschen und Tieren zu bevölkern. So haben auch die Tibetaner die Sage, daß in den unwirtlichen Schneewüsten des Himalaja Schneemenschen lebten. Die Sage gründet sich daraus, daß die Tibetaner auf dem Schnee des Hochgebirges menschenähnliche Fußspuren gesunden paben. -auaj bei der Howardschen Forschungsreise in das höchste Gebirge der Erde hat man wieder solche Spuren gefunden, und das Märchen von Schneemenschen des Himalaja gewann dadurch weuere Ser- bteitung. Man hat nun schon früher vermutet, da^ sich hierbei um Affen handele. Man dachte dabei auch an Menschenaffen. Ein solcher Rachweis wäre aber kaum weniger wunderbar als die Feststellung wirklicher .Schneemenschen". Sm Ausgange der Tertiärzeit lebten freilich in der Gegend des heutigen Hinmlaia, der sich aber damals noch nicht zu den heutigen gewaltigen Hohen erhoben hatte, die nächsten Verwandten aller drei großen lebenden Menschenaffen, die gorillahaste SivaPithekuS, der schimpansenähnliche PaläopitheLis und der Orang Paläosimia. Aber heute haben sich diese Tiere doch so vollständig aus die feuchtwarmen Waldgebiete des tropischen Afrika und der malaiischen Snjeln zurückgezogen, daß ein Rachweis verwandter Tiere in den eiligen Höhen des Hochgebirges höchst überraschend wäre. ^Jedensalls lost sich dieses Rätsel aber einfacher: Pros.Dr. Th. Arldt macht in der „Aatur" daraus aufmerksam, daß es sich bei diesen Fährten im Schnee um Spuren des Hanuman handelt, des zu den Schlankaffen gehörenden heiligen Affen der Inder. Dieser ist schon früher am Fuße des Himalaja beobachtet worden, und bet der jüngsten Expedition zur Besteigung des Mount Ehrest hat man Trupps dieser Affen noch in großer Höhe beobachtet. Der Hanuman ist auch ein Allesfresser und kann sich deshalb der- Mtnismäßig leicht ernähren. Sst doch selbst der Hase in diesen hochgelegenen Schneegebieten recht zahlreich. So habe» wir also voraussichtlich die sagenhaften „Schneemenschen" in den Hanumans zu sehen, die durch ihren langen dichten Pelz in den Stand gesetzt sind, die große Kälte der Hvchgebirgsregionen zu ertragen. Die gahnheilkunde vor 4000 Jahren. Daß es im alten Aegypten bereits Zahnärzte gab, hat man schon verschiedentlich aus den Funden fest gestellt. Aber auch im alten Mefopotamien hatte eö die Zahnheilkunde zu einer gewissen Höhe gebracht, die aus einer Dissertation von F. Kaiser hervorgeht, über die in der Frankfurter Wochenschrift „Die Um« schüu" berichtet wird. Sm zweiten und dritten Jahrtausend vor Christi wurde die Heilwissenschaft in Assyrien eifrig betrieben und man kannte dort sogar (bereits Aerztetage. Die Heilkunde zerfiel auch schm in verschiedene Fächer, unter denen die Zahn- heilkimde ihren besonderen Platz befaß, wie zahlreiche Texte in Keilschrift erkennen lassen. Man kannte den Verlust ganzer Zahnkronen durch Verletzung, tote eine Stelle in den Gesetzen Ham- nmrabis zeigt, und hielt die Zahnfäule für eine durch ben Zahn- tmirni hervor gerufene Krankheit. Die Kenntnisse von der Entzün- düng der Knochenhaut der Zähne geht aus dem Krankenberich des Arztes Aradnana an einen König hervor. Eine Diagnose in unserem Sinne kannte die damalige Medizin noch nicht. Man baute die Heilung auf der Feststellung der Krankheitserscheinungen auf und stützte sich auf rein empiresche Erfahrungen. Die Gestirne fpielten bei diesem Volk der Astronomen natürlich auch eine Rolle. Als Krankheitsursach galt der Zorn der Götter, die den Zahnwurm in die Zähne der Menschen schickten. Deshalb wurden diese Krankheitsdämonen vielfach beschworen, und wir besitzen eine ganze Reihe solcher heilkräftigen Sprüch, die gegen den Zahnschmerz gerichtet sind. Die Beschwörungen wurden aber durch die Verwendung von Heilpflanzen unterstützt deren Ramen sich jetzt zum größten Teil nicht mehr identifizieren lassen. Daß man auch bereits das Plombieren kannte^ beweist das Vorhandensein einen babylonischen Zahnfüllung. Aus der Anwendung physikalischer Heilmethoden und chirurgischer Eingriffe bei der Beseitigung anderer Leiden lassen sich auch Schlüsse für die Zahnheilkunde ziehen. Unbekannt war m Alt-Mesopotamien die Zahnersatzkunde. Die „englische Krankheit" im Altertum. Die sog. „englische Krankheit", die schon vor dem Kriege unter den beutjcßen Großstadtkindern sehr verbreitet war, ist infolge der Hungerblockade und der Kriegsnachwirkungen bei uns in einer Weise hervorgetreten, wie es aus früheren Jahrhunderten nie bekannt geworden ist. Aus der Geschichte dieser Volkskrankheit berichtet auf Grund neuer Antersuchungen Dr.. Erich Ebstein in der „Leipziger Stluflrierten Zeitung" und hebt hervor, daß es jetzt gerabe 300 Jahre her ist, seit dieses Leiden zuerst in der neueren Geschichte bekannt wurde und seinen Ramen erhielt. Die Aerztewelt wurde damals in Südenaland aus die Krankheit aufmerksam, und eine zur Erforschung des Leidens eingesetzte Kommission veröffentlichte ein heute selten und klassisch gewordenes '