Samstag, 30. September SEf Perl« itter. baß eine beben feste, dring tuns eilen • ge* arbe i, im was Wie igibt, ngen x im rben. Pert- Perl» ichen >ezirk ließ s zu 1922 — Nr. 39 inet >gel >LM eise ob be- sere hei- Be* er* Er» Hen bie 4000 rter* ögel, itur- schen des sind Hen iben. frei« »ählt mm- । ein diH- hles iren aßet imer ihre upf- rzer oirkt um* yliß an, erer renb txatb chen irre, om» res* 3 ein ber an oirb 3er* igs* von tes- Ber* Zwei politische Morde vor dreiviertel Iahrhrrnderten in Frankfurt a. M. Von Plärrer i. iR. Horbach in Meßen. (Schluß.) Nach vollbrachter Tötung des Generals 1>. Auerswald um etwa 5 Ähr nachmittags stürmte ein großer Teil ber vor ben Garten hinausgegangenen Beaaffneten wieder in den Garten zurück. „Der!hat seinen Lohn," hieß es, „nun den artbern!“ „Einen Spih- bub' haben wir; jetzt soll ber andere auch noch dran!" Die Durchsuchung des Gartens und des Hauses wurde nunmehr mit neuem Eifer und doppelter Genauigkeit fortgesetzt. Zweimal schon hatte man vergeblich den Keller durchsucht. Da Holte ein Turnerbürsch-- chen von 16 Jahren ein Licht herbei und leuchtete auch in eine dunkle Ecke hinein. Alsbald ries er: „Da ragt etwas Schwarzes, — ein Rockzipfel heraus!" Man stand vor einem Obstverschlag. Da er aber verschlossen und kein Schlüssel zu haben war, so holte man eine Axt herbei und tat einen Schlag wider die Türe, daß ber Kloben Herausfuhr, und drei von ber Rotte drangen in den Verschlag ein. Dort sand man den Fürsten Lichnowsly, der sich Hinter einem Brettergerüste, auf ebener Erde liegend, verborgen hatte. Er wurde sofort gepackt und herausgezogen. Der Keller füllte sich mit Bewaffneten, da alsbald das Geschrei erscholl und sich weiter verbreitete: „Wir Haben ihn!" Unter Mißhandlungen derselben Art wie vorher bei Aners- wald, stieß und zerrte man den Fürsten aus dem Hause in den Garten hinaus. Ein roher Mensch gab ihm dort mit dem Gewehrkolben einen furchtbaren Schlag auf das linke Ohr, daß es blutete. Ein anderer zerfleischte ihm mit dem Hahn seiner Büchse wie mit einem Hackmesser den rechten Vorderarm, daß bie Fleischsehen herabhingen. Mit Knütteln und Flintenkolben schlug die brüllende und tobende Masse von allen Seiten auf ihn ein. Hierbei tat sich auch wieder die Zobel besonders hervor, die mit Steinen aus den Kopf des armen Opfers losschlug. Dann stieß und zog man den Fürsten zu demselben hinteren Gartentürchen Hinaus, wie vorher seinen Leidensgen offen. Hier Ivar es der Schuster Daniel Georg aus dem Aachbarorte Ginnheim, ber Führer des Freischarenzuges lGinnheinr-Bockenheim, ber ben Fürsten zu jenem Graben führte, in dem Auerswalds Leiche lag, unb zu ihm sagte: „Komm Herl Ich will dir noch einmal deinen Freund zeigen, baß du ihm bie Hand geben kannst." bind wie er vorher zu Auers Wald, als dieser im Garten um fein Leben gefleht, Höhnisch gesagt hatte: „Komm her! Du sollst ein republikanisches Aachtefsen mit mir genießen," so sagte er jetzt zu dem Fürsten: „S o Hat dein Kamerad ein Rwchtessen gekriegt, so sollst du auch eins speisen," wobei er ihm das Zündhütchen zeigte, mit dem er erschossen werden solle. Run schwenkte der Fa'hnenträger des GimchÄm-Tockenheimer Freischarenzugss vor Lichnowsky die Fahne und ging bann vor ihm her, als man diesen weiterführte. Heute, wo jene vor 74 Jahren noch freie Gegend ganz bebaut ist, könnte man als die Stelle, wo Auerswald in dem hinter dem Schmidtschen Garten sich herztehenden Graben erschossen wurde, ben freien Platz bezeichnen, an dem sich bie Günkhersburgallee und bie Bornheimer Landstraße voneinander scheiden. Von dort aus führte vor 74 Jahren eine Pappelallee durch bie Bornheimer Heide nach Bornheim. In dieser Pappelallee führte man Lich- nowskh weiter, bis zur 19. Pappel, 270 Schritte vom Schmidtschen Garten. Bis dahin war er von ber blutdürstigen Rotte umringt, bie ihn noch weiter mißhandelte. Da Lichnowsky nun sah, baß man ihn zum Tode führe» wolle, sprang er an jener Stell« plötzlich in bie Rotte hinein und suchte einem Burschen das Gewehr zu entreißen, was ihm jedoch nicht gelang. Das war das Signal. Es wurde „Platz!" gerufen, und plötzlich stand der Fürst vereinzelt: er sprang noch, um sich zu decken, auf jene Pappel zu, aber da fiel auch schon der erste Schuß: ber Schuster hatte ihn abgefeuert. Der Fürst taumelte, schrie auf unb hielt eine Blutige Hand in die Hohe. Erst auf einen zweiten Schuß, ben er in den Rücken erhielt, brach er zusammen; und nun fielen noch mehrere Schüsse. ®r lag, aus vielen Wunden blutend, am Boden, ein gräßlich zerfleischtes Opfer, ein Sterbender. Nachdem bie Mordgefellen ihr blutiges Werk vollbracht Hatten, stoben sie nach allen Richtungen, aus denen sie gekommen waren, wie bie Mäuse in ihre Löcher, so schnell auseinander, als habe die Erde die etwa 200 Verfolger verschlungen. Sie sagten sich mit Recht, es könne jetzt jeden Augenblick das Militär aus der Stadt eintreffen. Es war jetzt etwa */=6 Uhr nachmittags. Die Spatnachmittagssonne schien an diesem, in der Herbstnatur so ganz besonders klar- fchonen Septembernachmittage mild unb friedlich auf das an der Straße verlassen liegende, zerfleischte Opfer des Hasses und der Blutgier, an dem sich Wutschnauben und Mordgrimm aasgetobt Hatten. Jetzt aber ließ Gartner Schmidt den Fürsten sogleich in sein Haus hineintragen. Dieser sagte zu seinen mitleidigen Trägern: „Tragen Sie mich, wohin Sie wollen! Rur tragen Sie mich von diesen Kannibalen weg! Sie haben mir auch meine .Uhr gestohlen." Im Schmidtschen Hause gab Lichnowsky feinen letzten Willen zu erkennen, wobei er noch ausdrücklich anssprach, daß er seinen Feinden verzeihe. Unterdessen, etwa gleich nach 6 Uhr, kam ber Fürst Felix v. Hohenlohe mit einer Abteilung hessischer Ehe- vaufegers an, unter deren Bedeckung ber Verwundete nach ber Stabt gebracht werden sollte. Zugleich! nahm man bie Leiche v. Auerswalds, die Schmidt bereits um 1/s6 Uhr aus dem Graben gleichfalls in sein Haus hatte tragen lassen, in diesem Zuge mit. Als man eben an dem Landhaus des Herrn v. Bethmaan vor- vteitam, eilte dieser dem Zuge nach, legte dem Fürsten mit den Worte»' „O du mein lieber Fürst!" die Hand auf die Schulter unb bat, man möchte ben Verwundeten doch in sein Haus hereinbringen. was bann auch geschah, während man die Leiche des ©tuetals unter militärischer Bedeckung nach dessen Wohnung in der Stabt weitertrug. Im v. Dethmannschen Hause wurden nun dem Fürsten von zwei Aerzten Verbände angelegt. Alsdann aber verbrachte man ihn, wie er es selbst wünschte unb wie es auch seine Umgebung für das beste hielt, unter Bedeckung einer Abteilung Kavallerie, nach dem Hospital zum Heiligen Geist, wo er zwar reichlichen ärztlichen Beistand fand, jedoch um I/311 Uhr abends verschied. Einige Tage später fand die Beerdigung beider Gefallenen mit vielem Pompe, als politischer Gegendemonstration, auf dem Friedhof zu Frankfurt statt. Bei Lichnowsky war es freilich nur eine Scheinbeerdigung. Seine irdischen Ueberreste sind geteilt worden. Rach feinem eigenen Wunsche wurde sein Herz in ein» reiche silberne Kapsel verschlossen und kam nach Sagan (im nordwestlichen Schlesien), wo es noch jetzt neben dem Sarkophag ber Herzogin Dorothea in ber bärtigen Schloßparkkirche aufbewahrt wird. Sein Körper ruht in einer kleinen Dorfkirche bei Schloß Grätz in Dkähven neben feinen Vorfahren in der fürstlichen Familiengruft. 154 - Auf dem Friedhof zu Frankfurt aber stehen auf dem nördlichen Felde noch Tratte die Denkmäler der damals beim Barrikadenkampf gefallenen Soldaten und Aufständischen. Der letzteren waren es 31. Sie fielen auf den Barrikaden in den Straßen zu vcwen Seiten der Zeil: in der Friedberger Straße und Mer Fortsetzung jenseits der Zeil, der FckHrgasse bis zur alten _Rntn= brücke; an den Mündungen der beiden westlich auf die Hayrgasle rechtwinklig zulaufenden Strasten: der Töngesgasse mit dem Liev- frauenberg und der Schnurgasse; dazu noch beiderseits der Fayr- gafse: in der Hasengasse und der AllerHeiligenstraße. Mas 'Hatte denn nun aber der so unmenschlich hingemetzelte Fürst Lichnowskh verbrochen? Wie v AEswald so Mite auch er nichts, gar nichts verbrochen. Ms Mitglied der ^echwn des Parlaments war er einer der geistig -Ueberlegensten in der ganzen Paulskirche, und darum freilich' em Drecken für alle geistig Beschränkten, die daran verzweifelten ihm m der freien Rede irgend etwas anhaben zu können. Mit einschnech-nder Schärfe war er den demokratischen, ja revolutionären Bestrebungen der Linken unablässig entgegengetreten Darum hatten ihn die Führer der revolutionären Demokratie den niederen Bolksktassen in Wort Schrift und Bild als den vorzüglichsten Gegenstand ihres Hasses bezeichnet, als den hauptsächlichsten ^rager der volksverräterischen Absichten der Rechten stets geschildert ^a war denn die politische Stockblindheit, die gänzliche Urteilslosigkeit der breiten Massen der fette Boden, in dem diese Wühlerei gedeihen und üppig wuchern konnte. Es ist daher ein unauslöschliches Brandmal, dah ein Ehrenmann, dazu erwählt und gesandt, um eine freie Äeberzeugung durch, freies Wort in der Ulationat- versammlung geltend zu machen, um dieser Freiheit der rkeber- zeuguna und des Wortes willen so feig und so ehrlos hat erwürgt werden können, und öast, wie es damals überall geschah; die Partei der Revolutionäre in lauten Jubel über diesen, von feigen Meuchelmördern und ehrlosen Mordbuben begangenen Greuel ausbrechien konnte. Als dann am Tage nach den beiden Mordtaten die 03er'5af3 hingen begannen, da entflöhen diese feigen und ehrlosen Mord- buben ins Ausland: nach Paris, nach London und nach der Schweiz Dazu kam dann, dast die ausländischen Regierungen wenig geneigt waren, Schritte zur Verhaftung der seit 1848 steckbrieflich, Verfolgten zu tun, und noch weniger zu deren Auslieferung bereit waren. So war durch, Passagiere sestgestellt worden dass die Mörder der beiden Abgeordneten auf dem Dampfboot von Mannheim nach, Straßburg mit ihren Taten geprahlt hätten. Als dann in Erfahrung gebracht worden war, dast sich, ein Hauptverdächtigter, der Etuifabrikant Rispel aus Dvcken'heim. in Paris aufhalte, und als dieser bereits am 25. November 1849 ergriffen worden war, war es trotz diplomatischer Verwendung behufs der Erwirkung seiner Auslieferung nicht zu erreichen daß er früher als am 1. August 1850 in Frankfurt ankam. Rachdem er dann zu 14jähriger Zuchthausstrafe verurteilt worden war, erhängte er sich in seinem Gefängnisse zu Frankfurt. Alle in dieser Darstellung gemachten Angaben beruhen auf den eidlichen Zeugenaussagen der mir im Druck vorliegenden Gerichtsverhandlungen. Ich schließe mit des Dichters Wort: Derdeblich ist des Tigers Zahn; Jedoch der schrecklichste der Schrecken Das ist der Mensch in seinem Wahn. Vom deutschen VolKsheMgen. Von Franz Wichmann (München). Dem Erzengel Michael ist es bei den Deutschen ähnlich ergangen wie unserm Herrgott bei den Franzosen. Der zeitweilige Sinn ihrer Beziehungen zu den beiden Völkern hat sich mit der Zeit fast in ihr Gegenteil verkehrt. Wenn wir die Redensart: „Wie Gott in Frankreich leben" hören, so stellen sich, die meisten ein 'Herrliches Leben vor. Gerade das Amgekehrte aber will die sprichwörtliche Redensart bezeiHnmr, denn der Herrgott, der zur Zeit der großen Revolution ercklHevnt und durch die Göttin der Vernunft ersetzt wurde, 'Hatte nirgends ein so unsicheres und wechselvolles Leben wie in Frankreich Ebenso widersinnig erwacht bei Nennung des deutschen Michel in unserm Geiste das Bild, eines plumpen, trägen, verträumten Menschen mit der Zipfelmütze über den Ohren, die symbolisierte Selbstironisievung unseres Volkes, wo uns doch ein strahlender Kriegsheld vor Augen stehen sollte. Denn nur ein solcher wurde ursprünglich unter dem deutschen Michel verstanden. Einst waren die Germanen ihren Göttern Wodan und Thor in die Schlacht gefolgt. Ms diese dem Ghristentum weichen mutzten, da gefiel jenen unter den himmlischen Helden am besten der streitbare St. Michael, Sie sa'hen in ihm den leuchtenden Gotteskämpfer, der einst Luzifer in die Hölle gefloßen und mit dem feurigen Schwert die Dämonen der Tiefe schlug. Schon im Alten Testament war er dem jüdischen Volk, sobald es mit übermächtigen Feinden zu tun hatte, als Schutzengel erschienen. Ihm ward nach der Sage die Bestattung der Leiche Mosis übertragen, und um der frommen Pflicht zu genügen, mutzte er erst einen 'harten Strauß mit dem Satan bestehen. Auch die Apokalypse des Johannes sah in ihm den Besieger höllischer Mächte, das Sinnbild des Lichtes im Kampfe mit der Finsternis, und so konnte sich unser Volk seinen himmlischen Schutz nur zur Ehre anrechnen. Die deutschen Siege gegen die Hunnen dienten dazu, den Glauben an seine Hilfreiche Macht zu stärken. 3n der Schlacht an der älnstrut ward 933 sein Banner vorangetragen und ebenso führte 955 Kaiser Otto aus dem Lechfeld das Bild des Heiligen aus seinen Fahnen. „Da kommt der deutsche Michel!" war zum Schreckruf der Feinde geworden, wenn sie die Reichsfahne mit dem Erzengel auf dem Schlachtfelde nahen sahen. Die weise Schonung des Volksempfindens durch. Papst Gregor hatte den lichten Heiligen an die Stelle des alten Wodan treten lassen. Wie jener den finsteren Winter verjagte, besiegte dieser den höllischen Drachen, und das altheidnische Ernte-Osterfest ging über in den Feiertag St. Michaels am 29. September. Viel trug dieses Fest zu dessen wachsender Volkstümlichkeit bei. Wo einst die Opferaltäre der alten Götter gestanden, erhoben sich aus freien Dergeshöhen zu seinen Ehren Kirchen und Kapellen, lateinische Hymnen und deutsche Volkslieder entstanden zu seinem Lobe, und hatten einst die Kriegsleute mit Vorliebe ihre Sohne aus seinen Namen getauft, so taten das gleiche jetzt auch, die Bauenr. Für diese bildete der Michaelstag bald einen der wichtigsten Zeitabschnitte, an dem der Pachtzins gezahlt wurde, das sommerliche Arbeitsjahr abschloß und die Dienstboten neue Stellen suchten. Der Name Michel aber nahm in bäuerlichen Kreisen dermaßen zu, daß man bald damit schlechtweg den deutschen Landmanu überhaupt bezeichnete. Der Spott auf den deutschen Michel ist zweifellos zuerst im feindlich, gesinnten Ausland entstanden, man verstand darunter, wie heute unter dem neuen Schimpfwort „Boche" einen tölpelhaft, bäurisch ungeschickten Menschen. Im 15. Jahrhundert hatte der Name bereits in der Literatur Eingang gefunden, denn wir begegnen ihm bei Sebastian Franck, in Grimmelshausens „Simplicissimus", der „Zimmerschrn Chronik", und drei Jahrhunderte später fällt unseren Klassikern Lessing, Goethe und anderen das zweifelhafte Verdienst zu, die Bezeichnung ebenfalls in dem völlig entstellten Sinne zu gebrauchen. Der Ge- Ishrtenstolz gegenüber dem bäuerlichen, ungebildeten Stande kam darin zum Ausdruck, und die seltsamen, bei allen Völkern nachweisbare Degradierung der Sprache, die Worte von ursprünglich heiliger und ehrenvoller Bedeutung immer mehr entweiht und zuletzt in den Schmutz der Gasse wirft, tat wohl ein übriges, diese Profanierung zu unterstützen. Den Witzblättern der Neuzeit wurde der entwürdigte Michel eine willkommene Karikatur, in der eine mshr harmlose als boshafte Selbstironie den Typus öder Philisterosität verkörperte, eine Erbschaft besonders des Jahres 1848, in dem der einpor- strebende Freiheitsgeist alles, was ihm entgegenstand, nut Vorliebe unter diesem Bilde verächtlich machte. Wir können dem streitbaren, ewig siegreichen Erzengel an seinem Namenstage wohl nicht besser dienen, als daß wir ihn in unserer Vorstellung in seine alten Ehrenrechte wieder einsetzen, uns mit Stolz als seine Schutzbefohlenen betrachten und nut dem alten schönen MichaÄslieöe Bitten: „Du Held, dess' Name wohlbekannt, Beschirm' das deutsche Vaterland, St. Michael!" Sophus Eie, Norwegens großes Finanzgenie. Der ordentliche Professor für Mathematik an der Landesuniversität Gießen, Friedrich Engel, hält sich zur Zeit in Norwegen auf. Die in Kristiania erscheinende Zeitung „Aften- posten" bringt neben dem Bild des deutschen Gelehrten dessen Ausführungen über Sophus L i e, „Norwegens zweit e s großes Mathematikergenie", der in seinen besten Jahren als Fußwanderer berühmter gewesen fei als als Mathematiker. Prof. Engel führte der „Aftenpvsten" gegenüber aus: Norwegen hat zwei große mathematische Genies hervorgebracht: Henrik Abel und Sophus Lie. Der erstere der beiden, Abel, starb nur 21 Jahre alt. Seine Arbeiten sind in zwei Ausgaben herausgekommen, und er hat eine sehr große Bedeutung für die Entwicklung der Mathematik gehabt. Sophus Lie ist nicht so beachtet worden wie Abel. Seine Arbeiten sind weniger zugänglich gewesen; nur ein Teil von ihnen ist bis jetzt veröffentlicht worden und sie haben deshalb nicht den Einfluß auf die Entwicklung der Mathematik erlangt, den sie verdienen. Erst als Lie 26 Jahre alt war, ging es ihm auf, daß er ein geborener Mathematiker war; erst da wurde er sich über seine großen Gaben klar. Er hatte früher seinen Berus nicht erkannt, aber jetzt erwachte seine schöpferische Fähigkeit auf dem Gebiete der Mathematik. Die Ideen brachen mit einer ungeheuren Kraft hervor. Was.er leistete, ist in Wirklichkeit so imponierend, daß wenige Mathematiker gegen ihn auf kommen; aber er ließ sich nicht Zeit, seine vielen großartigen theoretischen Arbeiten ausführlich zu entwickeln. Es war immer so, daß er sich mehr für neue Dinge interessierte, als dafür, alte zum Abschluß zu bringen. Zur Zeit wird an einer Herausgabe der gesammelten Abhandlungen von Sophus Lie gearbeitet. Zu diesem Zwecke ist Professor Engel nach Kristiania gekommen. Einer der Mitarbeiter von „ Aftenposten" hatte, so fahrt dieses Platt fort, eine Unterredung mit dem Professor, welcher eifrig beschäftigt im Manusiriptsaal der plniversitätsbiblivthek am Dram- mersweg sah, wo die nachgelassenen Schriften von Sophus Lie gesammelt sind. Der liebenswürdige Mathematiker legt ferne vielen Papiere beiseite und geht ein auf ein Interview über Sophus Lie und seine Werke. r _ Wie Sie vielleicht wissen, kam ich hierher nach Knstiana im Jahre 1884, um mit Staatsunterstützung unter Professor Lie zu studieren und behilflich zu fein bei der Sammlung und Herausgabe feiner Werke. Diele von seinen Arbeiten waren wenig ausführlich und wenig ausgeführt. Sie waren oftmals nur skizziert, so das) sie nur für wenige verständlich waren. Bedeutungsvolle Theorien waren oft nur angebeutet und oft für die meisten rätselhaft. Lie war immer mit etwas Aeuem beschäftigt. Wir nahmen damals, im Jahre 1884, sofort die Theorie der Transformations- gruppen in Angriff. Das toar damals etwas ganz Neues. Jetzt wird dieser neue Zweig der Mathematik, der ganz selbständig von Sophus Lie geschaffen worden ist, auf zahlreichen Gebieten gebraucht. Wir gingen sofort an die Ausarbeitung einer Darstellung dieser Theorie! aber es blieb damals nur bei einem Anfang, berat ich konnte nur von September 1884 bis zum Iran des nächsten Jahres hier bleiben. Als ich wegreiste, hatten toir einen Haufen von Manuskripten liegen. Wir konnten nur 30 Bogen drucken und herausbringen. Aber bann kam Lie im Jahre 1886 nach Leipzig als Professor und Direktor des dortigen mathematischen Instituts. Dort begann wieder unter meiner Mitwirkung die Arbeit an dem Werke über die Theorie der Drans-- fvrmationsgruppen. Es wurden im ganzen drei gröbere Bande geschaffen zu insgesamt 125 Dogen. Davon enthalten die 30 Bogen, die 1884—1885 fertig wurden, nur Vorarbeiten. Die drei Bande kamen 1888, 1890 und 1893 bei B. G. Teubner in Leipzig heraus. — „Welcher Art war Shre Zusainnienarbett mit Sophus Lie?" — Die Theorien find alle Lies Eigentum. Nur _auf die Fdrm hatte ich Cinfluh, in erster Linie auf die deutsche Sprache, in der die Werke geschrieben wurden." — „Was ist es, was man jetzt herauszugeben vorhat?" — ",Das ist eine Ausgabe von Lies gesammelten Abhandlungen. Teubner hat die Initiative dazu ergriffen, und rat Jahre 1912 wurde eine Subskription eröffnet. — „Wie grob wird das Werk?" . — „Im ganzen werden es 6 Bände Abhandlungen und dazu ein 7. Band, welcher nachgelassene Schriften enthalten soll. _ „Ist die Herausgabe aller Bände gesichert, und wer wird sie hercmsgeben?" — Ja, die Herausgabe ist ökonomisch gesichert durch die Mittel, öie der Norwegische Mathematikerverein zu diesem Zweck aus dem staatlichen Forschungssvnds bewilligt erhalten hat. Die Herausgeber sind Professor Heegaard und tch. ®er Druck geschieht bei Teubner in Leipzig, und Aschehoug rach Teubner erhalten die Kommission für sas Werk. Don den Banden kommt zuerst der Dritte heraus. Er ist fchvn gedruckt und gebunben und die nächsten Exemplare können hier in der nächsten Zeit erwartet werden. „ , — Wird die Herausgabe der gesammelten Abhandlungen von Sophus Lie grotze Bedeutung für die Mathemaitk bekommen? — Ja, sie wird von grober Bedeutung werden für das Studium" der Mathematik. Sch hoffe, dah Lies Ideen durch dieses Werk die Vorbereitung und den Cinfluh getonnten werden, den sie verdienen. Wenn er bis jetzt nicht denientgen Einfluß auf die Entwicklung der Mathematik ausgeubt hat, den er eigentlich hätte ausüben sollen, so ist die Arsache dafür gerade die, dah er nicht so bemerkt und beachtet worden ist, wie er Anspruch hat. Sch glaube, dah der Reichtum und die Fruchtbarkeit seiner Sdeen auf gleicher Höhe mit denen Henrik Abels stehen. Natürlich darf man dabei nicht vergessen, dah Abel in sehr lungern Alter^ star^.^ untcV|uc^lt gerade jetzt hier in Kristiania besonders? hinterlassenen Papiere von Sophus Lie durch, die sich hier auf der Bibliothek gesammelt finden und die einigermahen geordnet sind. Ein Verzeichnis ist von Professor Stürmer und Professor Guldberg ausgearbeitet worden. Was ich nun machen muh, ist, zu untersuchen, welche hinterlassenen Papiere man in dem genannten 7. Band benutzen kann und dar?. Sch suche alles, was von Bedeutung sein faim, aus und stelle fest, von welchen Papieren man mit Sicherheit sagen kann, dav sie 'keine Ausbeute geben.“ — „Wie lange gedenken Sie hier zu bleiben?“ — "Alles in allem 14 Tage. Nachdem ich zum ersten Male im Sabre 1884 in Norwegen war, bin ich durch einen merkwürdigen Zufall genau alle neun Jahre wieder hierher gekommen Sv war ich hier zum zwettenmal 1893, dann 1902 aus Anlaß des Abel-Festes und 1911 beim Llniversitatsiubilaum. Dieses letztemal habe ich also eine etwas längere Pause als 9 Jahre nehmen müssen.“ — „Können Sie noch irgend etwas Besonderes von Sophus Sie erzählen, abgesehen vom Gebiete der Mathematik?" — „Sch kann ja erwähnen, dah um 1884, als Sophus Sie auf der Höhe seiner Kraft in seinen besten Jahren stand, die meisten Norweger kein Verständnis von seiner Bedeutung als Mathematiker hatten. Gr wurde mehr als Fuhwanderer gewürdigt; als solcher war er berühmt. Einmal ging er als Student von Kristiania nach Moh. blvh um ein Buch zu holen. Es kam ihm nur auf das Buch an: er ging sofort wieder nach Kristiania zurück, sogar ohne seinen Vater, der damals in Moh wohnte, zu begrüben. Als ich 1893 hier war, traf ich mit Sophus Sie zusammen, wie er gerade weit oben in den Bergen gewesen toar. Er erzählte mir, dah er in einer dunkelen Nacht an einen Fluh gekommen toar, der angeschwollen toar und die Brücke mit sich gerissen hatte. Vorwärts konnte er nicht kommen, und zurück mochte er nicht wegen der Dunkelheit. So lief er die ganze Nacht am Ufer auf und ab und pfiff, um die Zeit zu vertreiben, Opern- melodien.“ Das norwegische Blatt gibt zum Schluh noch Daten aus Engels Laufbahn: Er wurde 1885 Privatdozent und Professor in Leipzig. Von 1904 bis 1913 toar er in Greifswald, dann wurde er Professor an der Universität Stehen. Sm Jahre 1903 wurde Professor Engel Ritter der ersten Klasse des St. Olavsordens. Die Initiative hierzu ging aus von Björnstferne Björn- s o n, welcher im Jahre vorher beim Abelfeste zufammengetroffen toar und welcher den Professor wegen dessen, was er für Sophus Sie getan hatte, sehr hoch schätzte. Altmodische Spätsommer- und Herbstblumen. Von Elise von Hopffgarten. Goldglitzernd liegt die Morgensonne über dem spätsvmmer. lid>en Garten, der Tau glänzt, und in leuchtenden Farben stehen Herbststauden unb ©ommerbiumen in reicher Blüte. Gelb herrscht im August und September vor, da fangen sich die gelben Sonnen- strahlen gern in den Blüten und lassen sie in besonderer Pracht erglühen. Wenn solch ein Garten richtig angelegt ist, dürfen ihm die einfachen, altmodischen Blumen nicht fehlen, die der Besitzer sich mit leichter Mühe selbst ziehen kann, und die viel anspruchsloser und schöner sind als die vom Landschaftsgärtner für Dillen- gärten bevorzugten Begonien, Fuchsien, Geranien und Pellar- gonien. Wohl leugne ich die Schönheit und Zweckmahigkeit solcher Dlumenanlage nicht. Sie blühen den ganzen Sommer bis zum Spätherbst, und sind infolgedessen sehr bequem fvr Menschen, die sich nicht selbst um ihren ©arten kümmern können. Aber sie eignen sich nicht für Schnittblumen, und wer den Süden kennt, und sie dort in üppiger Fülle, teils als Büsche oder, sich um Feigenkaktus und Säulen rankende, über mannshohe Gewächse wachsen sah, der begreift, dah man von ihnen im nordischen Klima gar nicht ihren wahren Charakter erkannt hat. Grohmutter und Urgroßmutter hatten in ihrem Gärtchen ganz andere Blumen, die sie, wenn sie i § vielleicht auch aus dem Süden kommend oder dort anzutrefsen sind, der deutschen Heimaterde angepaht haben und auf dem bescheidenen Sandboden der Mark bei einiger Pflege ebenso gedeihen, wie in der fruchtbaren Erde Thüringens und Suddeutschlands. Heutzutage gibt es nach dem Zusammenbruch unseres Vaterlandes so wenig wahre reine Freuden, dah die Hausfrau mehr Wert aus den Blumenschmuck im Zimmer, auf Ballonen und im Hausgarten legen muh. Leider muh die Städterin aber für Blumen enorm hohe Preise zahlen, und die Gutsfrau erachtet Blumenanlagen vielfach als unerlaubten Luxus, der es auch ist, wenn sie zur Anzucht viel Arbeitslohn ausgeben muh. Deshalb svltte die Gartenbesitzerin mit dem Opfer einiger ©tunben in ber 000^ficft alt diese Freuden durch persönliche Arbeit selbst beschaffen. Wenn sie bei schlechtem, sandigem Boden im Frühjahr Astern, Levkoyen, Reseda,die schlichten schönen Efchschvlhieii.Sommerphlox Verbenen Guillardien, hohen und niedrigen Tagetes, Kallivp.is, KalendAa in einem Mistbeetkasten aussät unb die Pflänzchen dann ms Land setzt - oder sie auch gleich dem Mutterboden anvertraut, wird sie im Spätsommer, wenn die Fruhlingsstauden abgebluht smd eine solche Dlumensülle ernten, dah sie nicht nur K e^"es Haus bamit schmücken kann, sondern auch noch ein Füllhorn schlichter Freuden über die Besucher ihres Heimes durch ihre Blumen- spenden auszuschütten vermag. Auch lassen sich solche Blumen leicht zur Deckung der Plnkosten verkaufen, weil eben Nicht leder ste zieht Hat man den Boden gut mit Kuhdung tm Vorherbst vorgedungt, te braucht man, wenn die Pflänzchen aufgegangen sind, nur für Auflockerung des Bodens, Säuberung von ilnkraitt und reichliche Bewässerung zu sorgen. Als Düngesalze, bei der Aussaat wählt man am zweckmäßigsten die sog. P rachtmischungeii aus den Kata- loaen der Erfurter oder anderer Grohzuchter. Gröhe bewahrte Firmen liefern durch ihre jahrzehntelangen Erfahrungen viel gw verlässiger als die mit unbekannten Entmischungen handelnden Kleinhändler, und die Leuchtkraft, die geschmackvolle Aneinanderreihung der Farben in den Beeten ergibt sich dadurch von selbst. > Bezaubernd wirkt der längst nicht genug bekannte niedrige Sommerphivx, der den ganzen August bis Mitte September blüht, mit seinen vvm zartesten Weitz bis ins tiefste Karmoifin und Rubinrot leuchtenden Farben. Sowohl einfarbig wie mit zarten lila, rosaroten und dunkelroten Ringen im weitzen Blütenkelch wirkt er wie altmodische gemusterte Saquonnetkleidchen junger Mädchen aus der Biedermeierzeit. Mit Reseda vereint gibt er herrliche, lang sich haltende Sträutze. Roch unbekannter ist bie Farbenpracht der Sommerguillardie. Auf einem Beet gleich ins Land ausgesät trägt diese bescheidene wunderbare Pflanze mar» gueritenförmige Blumen in zartestem Weih, Zitronengelb, Gelb» braun, Braunrot bis zum tiefsten Rot gefüllt und ungefüllt nut wunderbar abgetönten Kelchen. Auch das zartgebaute Schöngesicht (Kallivpsis) drängt sich auf langem, rankem Stengel mit. seinen zierlichen, gelbbraun gefleckten oder geringelten Blüten durch das Dlumenmeer der Rabatte. Seine niedrig gebaute Abart bildet ebenso wie die niedrige Studentenblume (Tagetes nana) die Ein» fassung der Rabatten, während die schwefelgelben und orangeroten Riesenblumen des hohen Tagetes prachtvolle Hintergründe bildet, oder in Basen und Töpfen vor Hauseingang und Freitreppen unendlich dekorativ wirkt. Dazwischen blühen die schönen blauen Blümchen der Jungfer im Grünen (Rigella) mit den eigentümlichen zweiteiligen Blumenblättern, Löwenmaul reckt in, weitzen, gelben, rosa und rosenroten Farben das Köpfchen, und die mohn- artigen, in Saffrangelb, Weitz und Hellrot glänzenden Blumen der Eschscholhie locken ebenso wie die ernste Trauerblume (Scabisa) einen Schwarm geschäftig summender Bienen an. Zart und fein schwankt die rosenrote Kosmea mit ihrem gefiederten Laub im Morgenwind. Vielgestaltig und unendlich dankbar ist die Fülle der Astern der einfachen ungefüllten Sternblume mit gelbem Kelch bis zur gefüllten runden Hohenzollernaster, der Strauhenfeder und der zierlichen Liliputaster. Die anspruchslose zartgelbe oder in tiefstem Orangenrvt aufleuchtende Ringelrose (Kalendula) wächst auch1 geduldig in solchem Garteneckchen, wo der Schlauch nicht hinreicht. Würdig beschließen den Kranz der Sonnenblumen die stolzen Dahlien, die Lotosblumen gleich ihr Haupt vor der Sonne neigen. In ihrer mädchenhaft ernsten Schönheit gleicht die ungefüllte weihe Dahlie mit ihrem strengen Dau einer Priesterin, die Gottes Schönheit in der Ratur predigt, während ihre anspruchsvollen gefüllten Schwestern alle Töne vom zartesten Gelb bis zum tiefsten Schwarzrvt repräsentieren. Ihre Abart, die Liliputdahlien, gleichen kleinen niedlichen Biedermeierfrauchen, die sich zu Grohmutters Kaffeeklatsch in hellrote, postgelbe und charmoifinfarbene steife Röckchen gehüllt haben. Auch eine Blume aus der Aokvkozeit darf in einem solchen Garten nicht fehlen: die Zinnie. Gedämpfte Pracht, gebauscht — „Hörst du, wie Grotz- mutters Seide rauscht." In den gemusterten Brokatkleidern ter schönen Benetianerinnen, ter Damen am Hofe Philipps von Spanien und Ludwigs XIV. spielt das Vorbild der Zinnie eine grohe Rolle, und wenig Blumen gleichen der Zinnia elegans grandiflora, ter grotzblütigsten gefüllten Sorte, die in allen Farbentönen leuchtet, an Pracht. Strohblumen in allen Farben unterbrechen das Bild, und wie goldene Aehren nicken die Wimpel der Goldrute (Solidago), das Helenium, das Goldballs (Rud- beckia) und das Heliantarus. Reben ter lila Stautenaster leuchten sie golden bis in den Spätherbst hinein, und machen dem Blumen- sveund das Scheiten vom Sommer besonders schwer. Sechshundert Jahre Kölner Dom. Die Vollendung und Einweihung des Chores des Kölner Doms am 27. September 1322" schloß die entscheidende fast 100jährige Dauperiode dieses ehrwürdigsten deutschen Gotteshauses ab, so daß wir' seht den 600. Geburtstag des Domes feiern konnten. Ein Zeitgenosse, Levold von Rorthvf, schreibt darüber in seiner Chronik, dah „im Jahre 1322 am Tage des heiligen Kosmas und Damian die heiligen drei Könige zu der Stelle übertragen wurden, wo sie jeht sind, und der neue Chor eingcwerht wurde". Da der Tag ter hl. Kosmas und Damian ter 27. September war, so ist damit das Ginweihungsdatum festgestellt. Mit der Feier war die festliche Ueberführung des kostbarsten Kölner Reliquienschatzes, ter Körper ter drei Könige, aus ter alten Petruskirche nach ter Domkivche verknüpft. Der Erzbischof Heinrich von Virneburg hielt das erste Hochamt. Eine der großartigsten Taten frommer Opferfreude und architektonischer Gestaltung war mit diesem Abschlutz des Bauwerkes vollbracht. Schon vor dem Brand des alten von Erzbischof Hildebald erbauten Domes im Jahre 1248 war ter Plan erwogen Worten, den reichen Reliquienschähen der heiligen Stabt einen würdigeren Schrein zu errichten, als ihn der gegenüber den prächtigen neuen Stifts- und Klosterkirchen dürftig und altmodisch erscheinende Dom bot. So legte denn im Jahre des Brandes 1248, am Tage Mariä Himmelfahrt, Erzbischof Konrad v. Hochstaden den Grundstein zum Reubau des Domes und leitete damit eine Epoche der Bautätigkeit ein, die wie keine andere das Aufblühen ter teut» schon Gotik offenbart. Die Gestalt des ersten Dombaumeisters Ger» 'hard von Rille steht mit viel gröberer historischer Plastik vor uns, als etwa die seines Stratzburger Kollegen Erwin von Stein» bach. Er war schon ein angesehener Mann, als er den Bau begann, und er war erfüllt von dem Geist der neuen Baukunst, die zuerst in Frankreich verwendet Worten toar. Rach den neueren Annahmen ist er ter Meister, dem ter große Plan des Werkes mit ter fünfschiffigen Ehoranlage, dem Kranz von sieben Kapellen, dem stattlichen Querhaus, dreischiffigen Langhaus und ter Doppelturinfassade zu bartven ist. Aber nicht in diesem großen Plan, dessen Ausführung erst siel spätere Zeiten sich angelegen sein liehen, liegt in erster Linie feine Bedeutung, sondern in ter reinen und edlen Formensprache, mit der er von Anfang an die französische Frühgotik auf deutschem Boden umgestaltete. Die späteren Meister konnten auf feinem Werk ruhig fortbauen, so sehr sich auch unterteffen ter Stil entwickelt hatte. „Wohl bei keinem andern deutschen Bau", sagt darüber Edmund Renard, „hat der Himmelstürmende, sehnsuchtsvolle Wunsch ter Gotik einen so klaren eindringlichen Ausdruck gefunden wie im Kölner Dom: in diesem Sinne auch bedeutet die Schöpfung Meister Gerhards die Vollendung des Daugedankens, ter die kirchliche Baukunst feit den Anfängen des romanischen Stiles durchbricht." Gerhards Rachfolger, die Dombaumeistec Arnold und Johannes, zeigen bereits die volle Pracht ter deutschen Hochgotik, vor allem in dem großartigen Wald von Strebepfeilern, der über dem strengen .Unterbau so einzigartig emporwuchs. Von diesem eingeweihten Dom sagte Petrarca, als er 1333 Köln besuchte: »Ich sah die schönste Kirche inmitten ter Stadt, obgleich unvollendet, die sie durchaus nicht unverdient die höchste nennen.“ Aber nach dieser Hochflut der Begeisterung, die das Werk in so Verhältnis mäßig kurzer Zeit hatte entstehen lassen, trat bald eine Ebbe ein. Die Zeit, da Bischof, Stiftung und Bürger in ter Förderung des Baues gewetteifert, war verflogen. Die Gründung tes ersten Kölner Dombauvereins, ter Petersbrüterschaft, ist bereits ein künstliches Mittel, um die Fortführung des Baues zu sichern: aber das Schicksal des Rieseirunternchmens, das es zur Richt» vollendung verurteilte, war trotz ter neuen großen Pläne bereite entschieden. Erst zu Anfang tes 19. Jahrhunderts wurde der Kölner Dom von ter Romantik als das Wahrzeichen deutschen Geistes und deutscher Kunst wieterentteckt: Sulpioc Boisseröc lieferte mit unendlichem Fleiß die kunstgeschichtlichen Unterlagen für den Weiterbau; Friedrich Schlegel und Görres forterien nach, den Befreiungskriegen den Ausbau als ein Dankopfer ter siegreichen Ration, und unter Friedrich Wilhelm IV. entstand bann ter Dombauverein, ter 1880 den Ausbau beendete. Herbst. Bon Willibald Köhler'). Schon spann im letzten Sonnenbrand Die Spinne ihre Seite. Du, goldner Herbst, fährst durch das Land In närrisch buntem Kleide. Du. goldner Herbst, gtetzt durch das Land Bei wüst verhängtem Zügel Und galgenfroh ein buntes Band Aus deinem Jfarbentiggcl. Du, Harfner Herbst, singst durch das Land Und geigst auf allen Zweigen Zum Tanze auf am Grabesrand Im goldnen Dlätterreigen. Du, goldner Herbst, stürmst durch tete Land Auf deines Sturmes Pferde, Und grüßt mit deines Harnes Klang Die mute, kühle Erde. Es huscht im Rebel hinterdrein Ern lautlos schneller Wagen. Wen mag in ihrem weißen Schrein Die blasse Wolke tragen? Du, goldner Herbst, schlägst tollkühn auf Ein feuergrelles Lachen Und förderst deiner Rosse Lauf Mit deiner Peitsche Krachen. In deinem Lachsen lauert schon Ein Klang, als klirrten Scherben, Es ist ter ahuungsbange Ton Des Lachens vor dem Sterben, Da würgt es dich am Scharlachtuch Es reisten alle Geigen, Du stirbst mit einem lustigen Fluch Und Hom und Harfen schweigen. ) Im Erdgeist-Verlag, Leipzig, ist ein kleines Buch de» Verfassers, betitelt „Die Spiegelbrücke" erschienen, das sehr ansprechende Gedichte enthält, die über dem Durchschnitt dm: nro- bemen Produktion sichen. „Herbst" mag dafür zeugen. Schriktleitung: August Goetz. — Druck und Verlag der Drühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Dietzen.