Samstag, 24. Juni m LZ 1922 — Nr. 2S -.' r.7?,KL» LI MMU" W Bk-- ;?O Wiederkehrende tertiarzeitähnlicheLebensperisde. (Wasfermangsl der Lahn und Austrocknung unserer Heimaterde.) Von Studiendirektor Pastor a. D. Wilhelm Schuster von Forst ne r, Schloß F. (Lahn). Die Lahn war im Sommer 1921 bei dem damals herrschenden Tropenklima halb, stellenweise fast ganz ausgetrvcknet. Wir sahen es nanrentlich in der Gegend von Gießen und flußabwärts. Die sogenannten „Hungersteine" traten hervor, die Fahrzeuge der Fischer mußten im Strombett an weit vorgeschobenen Sandbänken festgelegt werden. Dieses Bild war typisch. Es wird sich wiederholen — so trübselig es klingen mag! — in kommenden Zeiten. Denn wir gehen einer neuen Tertiärzeit entgegen, einer Heißen Zeit, und sind schon in sie eingetreten. Der' Tropensommer 1921 übertraf bereits das Durchschnittsklima der einstigen Tertiärzeit, das in unseren Breitengraden etwa dem Heutigen.Klima Siziliens entsprach. Ich habe in Vorträgen über meine Lehre öfter betont, daß die heutige mitteleuropäische Menschheit vor die Schicksalsfrage gestellt wird, ob sie das Los völliger Dürrezeiten über sich, ergehen lassen müsse wie heute die Bewohner Aegyptens, Arabiens, Palästinas, Syriens: denn auch diese Länder sind zu Jesaias Zeiten ebenso niederschlagreich, fruchtbar und wohlbe- wachsen gewesen wie heute Holland. Bekanntlich sind die Betten der meisten Flüsse im Verhältnis zu ihrer jetzigen Wassermenge viel zu groß. So ist z. B. der Rhein nur noch ein bescheidener Rest des gewaltigen Stromes, der er im Mittelalter war. Seine Strudel flößen keinem Schiffer mehr Schrecken ein. Auf der Oder stockt der Schiffsverkehr häufig; dieser Fluß hatte im Sommer 1921 den niedrigsten Wasserstand feit 200 Jahren. Don der vormaligen Größe der Elbe gewinnt man eine Vorstellung, wenn man die Entfernung der Anhöhen bei Altona und Blankenese von den Haakebergen bei Harburg betrachtet; denn das waren die Äser ihres unteren Laufes, lieber- all sind die Pegelstände der Flüsse gesunken. Englands Flüsse fuhren kaum noch ein Fünftel ihrer früheren Wassermengen, manche sind auch kürzer geworden, indem ihr oberer Teil ein» getrocknet ist und sie nur noch von Rebenflüssen gespeist werden. Sn Amerika sieht man Aehnliches. . ö^fe Tatsachen müssen nachdenklich stimmen. Und es wrrkt gar nicht unerwartet, wenn jetzt Professor Dr Axel Winckler, Bad Reimdorf, der jüngst in der „Dalnevlogischen Zeitung" hydrologische Betrachtungen anstellte, zu dem Ergebnis gelangt daß Wassermangel die Oberfläche unseres Planeten bedroht. Allmählich sind viele Quellen verarmt, Brunnen versiegt, Bäche vertrocknet, Ströme seicht geworden Deen eingeschrumpft, und das Grund wasser ist gesunken' Viele Meere sind kleiner geworden. Sn Asien war das Kaspisch« und das Schwarze Meer einschließlich des Uralflusses ein einziges ungeheures Meer, dessen Spiegel 54 Meter über dem heutigen Schiwarzen Meer stand, wie der Geologe Professor Süß nachgewiesen hat. Während nun, so schreibt die „Aerztliche Rund- resümierend über die Betrachtungen Professor WincklerS sämtliche Oberflächenwässer spärlicher wurden, sind die Grund» Wasseransammlungen gesunken. Infolgedessen ist die Wasserver- ivrgung der Ortschaften, die auf solches Wasser angewiesen sind. schwieriger geworden. Aus den verschiedensten Gegenden der alten und neuen Welt erschallen gleiche Klagen über zunehmenden Wassermangel. Optimisten wollen uns beruhigen. Sie trösten uns mit der Hypothese, daß auf eine Reihe trockener Jahre regelmäßig eine Reihe nasser Jahre folge. Eine solche Periv- dizität der Regengüsse wird aber durch die meteorologischen Aufzeichnungen nicht bestätigt; sie ist eine Fabel. Wenn e» eine Periodizität der Riederschläge gäbe, so müßten doch die nasse« Jahre das in den trockenen entstandene Defizit wieder ersetzen! Wir finden aber im Gegenteil eine definitive Abnahme aller Oberflächenwässer und einen dauernden Verlust an Grundwasser am Schluß der Rechnung. Allzu leicht hat man der offiziellen Lehre geglaubt, daß alles in die Erde sinsinkende Riederschlags- wafser irgendwo restlos, verlustlos wieder zutage treten müsse. Diese Lehre ist irrtümlich Rach der Kant-Laplacefchen Theorie wird die Rinde unseres feurig flüssig gewesenen Planeten infolge der fortschreitenden Abkühlung dicker. Man schätzt ihre jetzige Dicke auf 40 Kilometer. Da von dieser beständig dicker werdenden porösen Kruste immer mehr Wasser zurückgehalten wird geht ein Teil .des Risderschlagswassers dem Wasserkreislauf unwiederbringlich verloren. Die Durchtränkung der Erdrinde geschieht auch vom Meeresgründe aus, wo ein kolossaler, 100 biS 700 Atmosphären starker Druck herrscht. Das dort in' den Meeresboden eingepreßte Wasser kann selbstverständlich niemals tvieder aufsteigen und geht der Erdoberfläche dauernd verloren. Verloren geht auch Wasser an denjenigen Stellen, wo es dem glühend flüssigen Magma nahekvmmt, wobei es in seine Bestandteil« Wasserstoff und Sauerstoff zerfallen muß. Der sonach aus den Vulkanschlünden ausgestoßene Wasserstoff, 14l/8mal leichter als die Lust, schießt hoch in die Atmosphäre empor, bleibt in deren höchsten Regionen schweben und kommt für den Wasserhaushalt der Erde nie wieder in Betracht. Verloren geht ferner Wasser, das als „Dodeneis", d. h. als gefrorenes Grundwasfer, wie ein Gestein unter weiten Strecken Sibiriens als dauernde Schicht liegen geblieben ist und niemals schmelzen, nie wieder austreten kann. Rur wenige Geologen und Hydrologen haben sich mit dem unheimlich wachsenden Defizit deS Wasserkreislaufs beschäftigt. Wie das Meer und die Grundwasserbecken nehmen auch die Quellen ab. Das Defizit wird immer empfindlicher. Die Heilquellen teilen das Schicksal ihrer Schwestern, der Süfstvajser- quellen. Riemand weiß das besser als die Dadeverwaltllngen! Die Schüttung einiger berühmter Mineralquellen ist bedenklich zurückgegangen. Manche Heilquelle, die vor Zeiten überreichlich floß, rinnt nur noch spärlich bisweilen in so dünnem Strahl, daß er nur noch die Dicke eines Bleistiftes Hat. Der Pouthon in Spaa, dessen Wasser früher in. alle Welt versandt wurde, hat so abgenvnrmen, daß Lucas sah, wie das Wasser in diesem Brunnen bloß durch das zum Trinken notwendige Schöpfen an einem Morgen fast um zwei Fuß fiel. Wassermangel ist das geheime Leiden mancher Badeorte. Man behilft sich dort wohl eine Zeitlang, indem man die Mineralbäder in der Hochsaison mit Süßwasser verdünnt, wie es Hier und da in Frankreich geschieht, oder indem man sehr enge, kleine, muldenförmige Wannen ein» führt. Wo aber dergleichen Mittel und Mittelen nichts helfen, muß man sich zur Sanierung der Quellen entschließen. Der Wassermangel auf der Erdoberfläche und in den oberen Schichten des Erdbodens nimmt so unaufhaltsam zu, daß sowohl Süßwasser als auch Mineralwasser in immer tieferen Schichten aufgesucht werden muß. Der zunehmende Wassermangel ist ein unabwendbares, naturnotwendiges Hebel! Je dicker die Kruste — 88 FrisdrichEotthard Herrchen zu Hohensolms vormaliger Feldscherer. (Lebenslauf und zeitgeschichtliche Bilder 1714-1786 nach seinen Auszeichnungen.) Don Dr. H. Berger-Giehen. (Schluh.) Hier traf Gotthard Herrchen alles von Soldaten beseht, und mit seiner Ankunft in der Heimat beginnt für ihn in den folgenden 4 Jahren die schlimmste Leidenszeit seines Lebens, da er stbwer von den Drangsalen des Krieges, die die rohe Soldateska dem Orte Hohensolms brachte, heimgesucht wurde. Wir müssen uns die vollständige Wiedergabe der von Herrchen m seinem Tagebuch niedergelegten ausführlichen Berichte aus schwerer Kriegsnot versagen: es können nur einzelne Mitteilungen daraus an dieser Stelle das Bild des Ganzen beleuchten. Dor Herrchens Ankunft hatten verschiedene Abteilungen französischer Dragoner am 26. August und 10. September aus ihrem Patrouillenritt ins Hessenland Hohensolms berührt sich dort in den Scheunen einquartiert und gedroht, alles in Drcmd zu stecken, wenn ihnen nicht sofort das nötige Holz, Heu und Hafer würde beschafft werden. Die Einwohner mutzten sie mit Essen und Trinken versorgen. Am 27. September zwischen 2 und 3 Uhr kehrte eine nach dem benachbarten Wald abgeschickte Patrouille mit lautem Schreien: „Allons, allons. Hetz Hannoveraner komm t“. Alle französischen Mannschaften warfen sich auf die Pferde, ritten nach dem Distrikt ;»Hals" im Wald, wo sie mit hannoverschen Jägern „scharmu- zierten". Da die Franzosen der liebermacht nicht gewachsen, ritten sie nach Hohensolms wieder zurück und suchten eilig durch das vordere Dor das Weite. Kaum waren die Franzosen weg, so rückten vom „Hals" aus ein hannoversches Jäger- und Husarenkorps in Hohensolms ein und verzehrten alles, was für die Franzosen gekocht und hergerichtet war. Während ein starker Posten beim „Hals" zurückblieb, lagerte die übrige Mannschaft in den Stratzen des Ortes, machten Feuer, datz die Funken überallhin flogen. Das Hauptquartier war in Herrchens Haus. Die Einwohner muhten „die Jäger mit Kaffee, Warmbier, Wein und feinem Essen versorgen. Der Kommandeur, Oberst von Luckner, speiste täglich an der 'herrschaftlichen Tafel. Kaum waren diese Hannoverschen Jäger und Husaren nach Wetzlar abgezogen, als am 17. September 1759 andere hannoversche Abteilungen unter dem General Wangenheim erscheinen Ä im Galgenfeld" und „Dleidenberg bis gegen Königsberg lagerten, wobei im Feld Kraut, Kartoffeln und gelbe Rüben vollständig ruinier-t und weggenommen und im Walde em grober Schaden angerichtet wurde. Am 19. bezog die grotze alliierte Armee unter dem Herzog Ferdinand von Braunschweig bei Krofdorf und dem Gleiberg ihr Lager, die englische Armee unter Mylord Gramby stand auf dem linken »lugel zwischen Fellingshausen und Dehberg, die Bergschvtten bei Königsberg Das Hauptquartier tvar in Rodheim. Die lagernden Truppen der Alliierten machten häufig Streifzuge in die Dorf- chasten um zu requirieren. So erschienen am 20 September Engländer und Hannoveraner in Hohensolms, um in den Scheunen und Stallungen zu fvuragieren. Weil dies aber als Plünderung angesehen wurde mit den Glocken gelautet; aber es half nichts. Sie luden Hafer, Heu, Grummet und Stroh auf Wagen, um es weazubringen, und dies dauerte 8 Tage, so datz nichts mehr vorhanden war, und die armen Leute ihr Vieh um den halben Preis verkaufen mutzten, weil sie es nicht ansehen konnten, day es verhungern würde. Am 5 Januar 1 760 erschienen Abteilungen vom sran- z ö s i s ch e n F r e i k o r p s C h a b v, die ihren Quartierwirt Herrchen der allein 40 Dragoner mit Pferden ausnehmen mutzte, sehr hart behandelten". Als diese Franzosen bei Erda bald darauf mit den Hannoveranern und Engländern zusammen- stietzen 'gab es viele Blessierte. Da mutzte Herrchen die Verwundeten verbiirden, das ihm aber schlecht bedankt wurde, denn „als sie bis zum 8. huius hier verharrten, raubten sie mir noch meine Rührung und nahmen 4 Achtel Haber und 2 Achtel Gerste, Dürrfleisch von einem Halben Rind und von 2 -rhwetnen nut; das war meine Bezahlung vor das Verbinden kwr Plessiiten Am 24 Mai 1760 kamen 1800 Mann französische Infanterie an wovon 12 Offiziere, 200 Mann Gemeine nebst 15 Pferden über" Rächt im Hause hatte, so datz ich nebst meiner Frau and Kindern nachts vor der Tür schlafen nmtzte. 1761. Am 8. März kam das Scheiterische Korps Hannoveraner und Hessen durch Höhensolms, um bet Gietzen über die Lahn zu gehen. Weil aber die Franzosen sich dort stark zusammengezogen hatten, Ehrten sie wieder zuruck „und hausten gar sehr mit den armenleut . Am 4 August 1 762 kam die französischeArmee unter dem Prinzen C v n d e an. Oberst von Granville nebst Bedienten, 8 Pferden und 4 Mauleseln, muhten im Herrchen Hause untergebracht werden. Die Hauptarmee stand bei Königsberg tm Feld und fvuragierten das Korn, Gerste, Hafer, naymen alle Fruchte im Feld weg, datz es jämmerlich aussah. »Mir, nahmen sie weg 1 Fuder Korn, Frucht von 2 Reckern mit Wetzen ein Acker mit Kartoffel, 2 Acker mit Geräte und das Mohrenfeld. Wie schmerzlich kommt es Einem vor, den edlen Segen im Felde gese'hen und nunmehr die Stätte wüste und leer. Am 30. Sep- tember 1762 kamen 8 Mann französische Husaren an, die 30 Mann von der Solmsschen Vaterschaft zum Schanzen nach G i e V en Mitnahmen. Am 21. November 1762 kamen auf einen Sonntag 1200 Mann von dem französischen Schweizerregi- ment an, die 8 Tage bis zum Montag im Quartier lagen. Die haben die Schränke und Türen aufgebrochen und die Hausnahrung genommen, dabei meine Frau, erst eine 14tägige Kinds- betterin mit Schlägen Übel tractieret, als eben nicht zu hause war" Äm 2. Dezember 1762 kam das Schweizer Regiment von Eastellan Hier an, „das aber gute Ordnung hielt". Das waren die letzten fremden Gäste, die in Höhensolms gewesen. „Daraus ist endlich der mit Schmerzen verlangte Frieden erfolgt. Gott latz uns keinen solchen verderblichen Krieg wieder erleben, noch tn unsere Grenzen kommen, sondern lasse uns in den gesegneten Hütten des Friedens wohnen." Lieber die Lebensschicksale des eHemaligen Feldscherers Gotthard Herrchen erfahren wir während der folgenden 20 Jahre, die zu leben ihm noch nach dem 7jährigen Kriege beschert war, aus dem Tagebuch nichts mehr. Gr scheint sich hauptsächlich der Landwirtschaft gewidmet zu 'haben. Daneben übte er noch das Darbiergeschäft und die Ehirurgie aus. Zum Hofchirurgen Hat er es allerdings nicht gebracht. 1777 erkaufte er sich ein kleineres Haus, nachdem er seine seitherige Behausung der Gräfin Friedericea überlassen Hatte. In dürftigen Verhältnissen scheint er trotz seiner schweren Verluste durch den Krieg nicht gelebt »u haben; denn bei der Verheiratung seines Sohnes Jvh. Friedrich Theodor im Jahre 1779 und seiner Tochter Lvuysa wurde 3 und 2 Tage lang Hochzeit gehalten. Widerwärtigkeiten in der Verwandtschaft „ sogar ein Erbschastsprozetz find Gott'bard Herrchen nicht erspart worden. Die letzten 8 Jähre seines Lebens wurde er von Dchlagslüfsen heimgesucht, so datz er zuletzt ganz gelähmt war. Gotthard Herrchen war ein frommer, aufrichtiger und für seine Zett ein durchaus gebildeter Mann, der sich auf seinen Reisen viel umqesehen und viel gelernt hatte. Am 9. Mai 1786 wurden seine sterblichen Lleberrefte auf dem Friedhöfe zu Hshensolms beigesetzt. „Viele Freunde sind mit zur Leiche gegangen." „Gr 'wurde mit Soldaten begraben." Es waren Soldaten der gräflichen Leibwache, die dem Kameraden, dem eHemaligen Feldscherer, das letzte Ehrengeleit gaben. «nseres erkaltenden Planeten wird, desto meßt Mastn saugt sie aus und hält sie zurück. Die Austrocknung der Oberfläche wird sich also noch steigern. Gleichseitig mutz die Dunfihülle, die den Erdball umgibt, dünner werden. Sie wird weniger Degen st>enoen, die Aecker weröen dürr, die Ernten spärlicher werden. Schlletzlich wird der Wassermangel unerträglich sein und zur Vernichtung aNes Lebens führen, denn ohne Wasser ist kein Le^n,auf der Et:Le möglich Die kunstvolle, raffinierte Bohrtechnik durfte zwar indessen aus ungeheueren Tiefen Wasser erschließen, das man durch, riesige Hebewerke fördern wird. Das Wasser der seicht werdenden Flüsse wird man durch Einengung in gerade verlausende Kanäle zusammenHalten und vertiefmt, alles von den Höhen Herabrinnende Oberflächenwasser w Dämme sorgfältig sammeln und aufsparen und der städtischen Wasservergeudung durchs Wassexzuteilung Schranken Jetten. Den N'wichE ihrem ^hicksal nicht'entgehen Mn Trunk Wasser wird schließlich ko st dar.r wer,den als ein Klumpen Goldes, und nach erbitterten Kämpfen werden di§ letzten Menschen am Rande des letzten Tiefbrunnens elendiglich verfchmachten. Einstweilen ist es noch lange nicht so weit Aber es wird sicher dahin kommen, wie auch der bedeutendste Geologe der Neuzeit, R e u m a h r (Professor in Wien t), in seinem epochemachenden Werk „Erde im Weltraum" wenigstens kurz angedeutet hat „Es wird einen Zeitpunkt geben, wo sur die Vernichtung deS Wassers und der Atmosphäre kein Ersatz mehr erntritt. Jedenfalls siel auch Lin ne, dem nordischen Pastorssvhn und grotzen Forscher, schon die Austrocknung Europas auf. Wir werden gut tun, uns heute schon darauf sstiisustchl«t.Aan'.en.ltch die Landwirtschaft, die ja in Hessen auf hoher Entwicklungsstufe steht wird sich auf unserem heimischen Boden darauf etnruchten müssen und in gewisser Hinsicht auch die Schiffahrt. Die ^rocken- gräser (Wehlpflanzen) haben ja sicher eine Zukunft (auch Kartoffeln?) Kartoffeln brauchen Regen, Bohnen immer warmes und trockenes Klima. Schon pflügen die Dauern in der Provinz Sachsen die letzten Wiesen um (zu trocken, schlechter Ertrag), und ähnlich steht es damit hierzulande in Hessen. Heuieberetts verdrängt der schwarze Menschentyp den blonden, in Mitteleuropa Also auch Revolution in der Datur! Es ist nur interessant datz neueste medizinische Untersuchungen sogar die doppelte Zahl von Zwillingsgeburten (auf je 1000 Stück) im Rorden Segen nur 50 Prozent im Süden von klimatischen Einslussen abhängig machen. Das alles habe ich zusammengesetzt in meine Lehre wiederkehrender tertiärzeitähnlicher Lebensperiode. SS Aus neuen Briefen BeMnas an Goethe. Die bereits angekündigte Veröffentlichung des „echten" Drief- wechsels Bettinas mit Goethe, die endlich auf Grund ihres handschriftlichen Nachlasses im Arnimschen Familienarchiv zu Wiepers- dorf möglich war, ist nunmehr im Insel-Verlag erfolgt. Ein Rätsel, das di« Goethe-Forschung und die Literaturgeschichte lange beschäftigt, wird damit gelöst, denn wir haben nun die Originale vor uns, auf Grund deren Bettina ihren „Briefwechsel Goethes mit einem Kinde" geschaffen hat. Es zeigt sich, daß die geniale Frau in den wesentlichen Teilen ihres „Briefromans" sich auf die echten Briese gestützt und sie nur dichterisch ausgeschmückt, im Inhalt selten verändert hat. Freilich die Geschichte dieses einzigartigen Verhältnisses wird nun erst klar, zumal in der von dem verstorbenen Reinhold Steig mit größter Sorgfalt zusammengestellten Ausgabe zahlreiche zeitgenössische Dokumente über ihre Beziehung zu Goethe beigebracht werden. Wir können nun erst all die feineren Nuancen und Einzelheiten erkennen, die die schwärmerische Verehrung des „Kindes" 'und die passive, immer ablehnender werdende Duldung Goethes be- stimmtrn. Auch aus den hier mitgeteilten Briefen der Frau Rat, Clemens Brentanos, Arnims, Riemers aus den Tagebuchstellen fällt neues Licht auf Bettinas Goethe-Erlebnis und andererseits auf den immerhin bedeutenden Einfluß, den sie auf Goethes Dichten gewann. Man darf annehmen, daß jetzt alle Dokumente dieses Briefwechsels ans Licht gezogen sind. Die 20 Schreiben Goethes waren bereits alle bekannt; der größte Teil der 55 brieflichen Sendungen Bettinas aber ist hier in der ursprünglichen Form zum erstenmal veröffentlicht. In ihrer Umdichtung hat Bettina ihre Schreiben fast sämtlich verwendet; einige aber sind bisher ganz unbekannt gewesen, und aus diesen sei hier Einiges mitgeteilt. Der erste Brief, in dem Bettina nach ihrem zweiten Besuch bei Goethe in Weimar das vertraute du anwendet, ist aus Kassel Anfang Dezember 1807 an Goethe gerichtet und beginnt mit den Worten: „Warum muß ich denn wieder schreiben? Einzig um wieder mit Dir allein zu sein, so wie ich gern kam in Weimar, um mit Dir allein zu fein; zu sagen hab ich nichts, damals hatte ich auch nichts zu sagen, aber ich hatte Dich anzusehen und innig froh zu sein, und war Bewegung in meiner ganzen Seele — und wenn ein Dritter meine Briefe sähe, er würde sagen hier ist einzig von Liebe die Rede, es ist ein Herz voll Liebe das hier geschrieben hat, es ist ihm nicht mehr zu helfen. Ist dem zu helfen, der die Augen einmal ins Leben aufgeschlagen hat? Er ist geboren und muß die Welt anschauen mit Schlechtem und Rechtem, bis in den Tod. Selig, wer beim ersten Blick gleich das Herrlichste erblickt und es fo fest anblickt, daß kein Lärm und fremder Schein ihn abzuwenden vermag. Mn ich zu tadeln, Herr meiner Seele; soll von Liebe nicht die Rede sein? Do muß ich wahrlich verstummen, denn ich weiß nichts anderes. So wie der Freund Anker löst nach langer Zögerung und endlich scheiden muß; ihm wird die letzte Umarmung, was ihm hundert Küsse und Worte waren, ja mehr noch ihm werden die Äser, die er In der Entfernung ansieht, was ihm der letzte Anblick war, und wenn nun endlich auch das blaue Gebirg verschwindet, fo wird ihm seine Einsamkeit, seine Erinnerung alles, so ist das treue Gemüt beschaffen, das Dich lieb 'hat, das bin ich! Die Dir von Gott gegeben ist, als ein Damm, über welchen Dein Herz nicht mit dem Strom der Zeit schwimmen still, sondern ewig jung in Dir bleibt und ewig geübt in der Liebe — und wenn Du stehst als ein Gott auf dem Altar und wenn st« alle rufen: Du bist herrlich! Herrlich! Wir opfern Dir; Und wenn Dein ©hm wäre von Stein wie Dein Mldnis, so müßte ich doch rufen: umarme mich, weißer sartarischer Stein." Ein anderer wichtiger Brief Bettinas, der Goethe ihre Vermählung mit Arnim schildert, ist von ihr nicht benutzt worden, weil sie ihre Verheiratung, eigentlich ein ilntreuwerden der Liebe zu ihrem Abgott, in ihrem Buch in den Hintergrund drängte. „Es ist billig," schreibt sie am sl. Mai 1811, „daß man die Menschen, die man liebt, in jedem neuen Wechsel, des Lebens mit einführt, und doch war's so natürlich, daß ich so lange schwieg; mein Glück ist, Baß ich nicht glücklicher werden konnte, ass ich geboren war; schon in früheren Jugendjahren schaute ich in die Tiefe meines Herzens als in eine verborgene Schatzkammer, in der ich Dich als ein höchstes Kleinod immer mit Wollust betrachtete, und jeder Gegenstand, auf den Dein« Strahlen sich, sammelten, war mir lieb. Ich wohne hier in einem Paradies! Die Nachtigallen schmettern in den Kastanienbäumen vor meinem Schlafzimmer, und der Mond, der immer fo hell geschienen, weckt mich mit seinen vollen Strahlen; da schaue ich denn wie in einer Optik die vergangenen Tage, was mich Dein Geist so früh schon gelehrt, und alles reiht sich glücklich aneinander, und keine Dürre wird das Herz befallen, wird nicht ausfierben. Och weiß nicht, warum ich so glücklich bin? Jetzt der Arnim, der Dich so lieb hat und mich, daß er gern will: ich soll Dich in diesem Sommer Wiedersehen, noch kein Jahr ist vergangen, daß mich nicht ein heftiges Verlangen zu Dir Sog, was mit vielen Schmerzen verbunden war, aber diesmal ich Dich. Es war am 11. März, also grad heute -zwei nate, daß ein glückliches Ungefähr unsere Trauung bestimmte; von einem 80jährigen Pfarrer, dessen Jubiläum ich kurz vorher mit Gesang feiern half, wurden wir getraut auf seinem Studierzimmer, seine Frau war Zeuge, keine Schwester, kein Freund und Bchwandter wußte etwas oavon, erst nach mehreren Tagen machten wirs bekannt, da wollte es denn niemand glauben, und nun geht unser Tagwerk folgendermaßen vor sich: von morgens früh an geh« ich der Musik nach, und Arnim treibt seine eigenen Geschäfte, gegen Abend bearbeiten wir ein kleines Gärtchen hinter unserm .Häuslein, das mitten in einem großen Garten steht; und nun: Philemon und Baucis konnten nicht ruhiger leben." Dirndlkleid und Volkskunde. Mit dem warmen Sommerwetter ist auch das schmucke Dirndlkleid wieder allenthalben auf den Straßen der Großstädte erschienen, und man darf wohl feit einigen Jahren von einer D'-ndlkleid-Mode sprechen, denn dieses aus der Volkstracht stam- «icitöe Kleidungsstück hat immer mehr Verbreitung gefunden. Das Dirndlkleid aber ist nicht nur Mvdesache, sondern es ist zugleich ein Kulturfaktor, ein Zeichen der wiedererwachten Freude an der Volkstracht und zugleich — was wenige Trägerinnen ahnen werden — ein Zurückgreifen auf die altgermanische Kleidung. Die Tatsache, daß die Städterinnen, die früher so hochmütig auf den Anzug der Bäuerin herabblickten, eine Anleihe bei den Dorfschönen machen, beweist ein hocherfreuliches Empfinden für den Wert unserer Volkstracht und damit für die Werte unseres Volkstums überhaupt. Unsere Zeit, die sich mehr denn je den kulturellen Schätzen der Heimat zuwenden muß, findet in den noch erhaltenen Formen der Volkssitte einen unerschöpflichen Quell ehrwürdiger äleberlieferung und gesunder Anregung. So ist denn auch nach dem Kriege eine neue Liebe zum Volkstum erwacht, die auch die Tracht en bewegung mit einschließt, und die volkskundliche Forschung ist fleißig an der Arbeit. Sin prächtiges Beispiel guter volkskundlicher Literatur ist ein soeben bei der Union Deutsche Verlagsanstalt in Stuttgart erschienenes Werk „Das deutsche Volk in Sitte und Brauch", das von dem bekannten Ethnologen Dr. Georg Buschan herausgegeben ist und an dem neben dem Herausgeber hervorragende Kenner die einzelnen Gebiete behandelt haben, so Mielke die Siedlung, Schwindrazheim die Volkskunst Hans Joachim Moser die Volksmusik. In ihrem Beitrag über die deutsche Volkstracht hebt Rose Julien hervor, daß sich doch noch mehr von alten Volkstrachten selbst in der Nähe der Großstädte erhalten hat als man annimmt. Das beweist das lange Blühen der Dachauer Tracht bei München, der Tracht des Altenlandes und der Vierlande bei Hamburg, der Spreewälderinnen bei Berlin. Die Trachtenbewegung greift immer mehr um sich; überall sind Trachten- erhaltungsvereine begründet, werden Trachtenfeste gefeiert. Es ist nun bezeichnend, daß die allerstärkste Strönmng von den tirolisch-bayerischen Bergen herkommt von denen der Sieg des Dirndlkleids ausgegangen ist. Hiermit ist ein erstes bedeutsames Beispiel gegeben für den Einfluß der Volkstracht auf die Mode, während bisher nur die städtische Mode zerstörend auf die Bauern- kleiöung gewirkt hatte. Die oberbaherische Männerkleidung hat sich zuerst eine gewisse Stellung in der städtischen Kleidung erobert, und heute trägt sie nicht mehr bloß der „Salontirvler'. Noch um 1800 war diese Bergtracht in Deutschland ganz fremd. Es scheint, daß der Freiheitskampf der Tiroler, der fo allgemeine Anteilnahme an diesem Gebirgsvolk bervorrief. auch hie Tracht der Aelpler mit einer gewissen Verklärung umgab. Tiroler Holzknechte sind die ersten gewesen, die zur Zeit der Befreiungskriege die haiblange Lodenjoppe und die schwarzlederne Kniehose nebst Wadenstrümpfen' und Nagelschuhen in die deutschen Städte brachten. Viel verbreiteter wie die männliche Alpenkleidung ist aber das Gewand der oberbaherischen Dirndln geworden, das zuerst die Maler, besonders Defregger, in feiner feschen Kleidsamkeit verherrlichten und mit dem dann durch den Besuch Oberbaherns immer mehr Norddeutsche bekannt wurden. Das Dirndlkleid hat sich freilich, als es zum Sommerkleid der Städterinnen >vurde, eine gervisfe Veränderung gefallen lassen müssen, doch sind die Grundformen beibehalten worden. Das Dirndl selbst trägt noch immer Dandbesatz am Saum des Rockes, ein langärnteliges Leibchen und über der Taille das Mieder, das den Vorwand bietet, schimmernde Ketten und Schmuckstücke anzulegen, auf die die Bäuerin im Staatsputz ungern verzichtet. Diese ileßermiebet sind mit Fischbein gesteift und in zierlichen Mustern aus Tuch oder Seide durchfleppt. Den Ausschnitt füllt über dem weißen Hemd ein hellfarbiges, seidenes Tuch mit Blumenkante; ein halbhoher geschnürter Schuh besteidet den Fuß. In dieser Form, die im wesentlichen auch beim städtischen Dirndlkleid beibehalten ist kehrt derselbe Grundschnitt toteber, den das germanische pl'rkleid besaß, nämlich das ans Hemd, Rock und Mieder bestehende Gewand, wie es bereits in 6en Moorfunden aus vorgeschichtlicher Zeit erscheint, Ursprünglich 'war es ein den Oberkörper- umschließendes Leibchen ohne Aermel, an das der untere Teil ruckartig angenäht wurde, also ganz der Schnitt, den man heute vielfach beim Dirndlkleid fleht. Darüber zog man ein „Oberhemd", aus dem sich dann ein besonderes „Mieder" entwickelt«. Das Eharakteristischste des Dirndlkleides, das es zu einem so bezeichnenden Beispiel der Volkstracht macht, ist die heitere und frische Buntheit. Dieses einst von der Mode vornehm abgelehnte „bäuerische Bunt" hat mit dem neuen Wiedererwachen - 100 - Les Farbensinnes feine Ehrenrettung erfahren, und besonder- sind e8 die lichten Farben töne des oberba he rischen Dirndl, die uns erfreuen. Spielt doch die Farbenwähl im Valkskleid eins so grobe Rolle. Helleuchtendes Grün und Rot ziert die lachend« Jugend, Grün-Mau die verheiratete Frau, und bet den Alternden verklangen die Stimmen des Lebens in Braun und Violett, bis sich schließlich die Greisin in ein fchaxrrzes Gewand hüllt. Auch die alten Bauerngewebe werden von der Industrie wieder ausgenommen, und neben dem längst eingebürgerten Lodens! off erscheint wieder die „Deiderwand", die im Gegensatz zur Leinwand ans „Beidem" aus Wolle und Leinen, hergestellt wird. Anschluß an die Volkstracht zeigt auch die Erscheinung, dass zum Dirndlkleid meist kein Hut getragen wird, denn diese Tracht, ursprünglich die des unverheirateten Mädchens, verzichtet auf den Hut, da sich nach altgermanischem Mauch dte Jungfrau im Gegensatz gur Frau im Schmuck ihrer Locken und Flechten, nur mit einem Kranz, Haarbändern oder einem Krönchen, dem sog. „Schapel" zeigte. Nahs dem Gipfel des Erde. (Ein Bericht der Mount-Everest-Expedit io n.) Der erste ausführliche Bericht über die Leistungen der Mount- Everest-Expedition, deren letzte Meldungen bereits ein noch weiteres Bordringen zu dem hohen Ziele mitteilen, und die gewiß den Gipfel der Welt jetzt schon erreicht hat, wird von einem der Mitglieder M a l l o r h gegeben, der mit drei anderen und einer Anzahl Träger ohne jede künstliche Sauerstofszusührung am 21. Mai die bis dahin noch nie erreichte Höhe von 26 8 00 Fuß bezwang. Für diesen Anstieg waren drei Lager eingerichtet; das erste in einer Höhe Von 17 000 Fuß, wo das östliche und das Haupt-Rongbuk-Tal sich vereinigen, das zweite, 19 800 Fuss hoch, an der linken Seite des Ost-Rongbuk-Gletfchers und das dritte in der Aähe des Fußes des Avrd-Gal, des hohen Sattels, der den Everest mit der niedrigeren Spitze des nördlich davon gelegenen Ehangtfe verbindet, in Höhe von 21 000 Fuß. „Der Ausstieg zwischen diesen Lagern," schreibt Mallvrh „ist außerordentlich schwierig und anstrengend. Der ganze Charakter der Everest- Gletscher ist se'hr ungewöhnlich: sie bestehen aus dem härtesten schwarzen Eis und haben an der Oberfläche Sprünge, die sehr schwer öU bemerken sind. Sobald von den Trägern genügend Nahrung nach dem dritten Lager gebracht worden war, machten wir einen Vorstoß nach dem Aord-Eol. Die Wetterderhältnifss waren recht ungünstig; vor allem war es sehr kalt, und an dem ersten Lager war die Temperatur auf Aull, an den oberen Lagern aus minus 9,41 Grad Kälte Fahrenheit. Die Leistung der Träger war über jedes Lob erhaben; was sie tn dieser großen Höhe und bei der Schwierigkeit des Weges vollbrachten, ist ohnegleichen in der Geschichte des Bergsteigens. Dies geht schon aus der Tatsache hervor, daß ein Lager in 25 000 Huß Fähe errichtet wurde, während das höchste bisher von dem Herzog der Abruzzen Erreichte 4600 Fuß hoch lag. Die Transport- schwierig'keiten waren überwunden. Die beiden Feinde, die blieben, waren Kürze der Zeit und das schlechte Wetter, Da die Sauerstoffapparate noch nicht heran waren, mußten wir den Ausstieg ohne Sauerstoff unternehmen. Llber da die Träger ohne Sauerstoff ein Lager in 23 000 Fuß Höhe errichteten, beweist dies, daß das Vordringen in solche Höhen bei natürlicher Atmung möglich ist. Wir fliegen zunächst die große weiße Mauer unter dem Äord-Edl empor. An den schwierigsten Stellen befestigten wir zwei Seile, jedes von 200 Fuß Länge, so daß die Träger sicher herauf und herunter kommen konnten. AlS wir den untersten Teil des Sattels überschritten hatten, fliehen wir auf eine breite Spalte, die ohne Leiter nicht zu überqueren war. Wir mußten uns daher einen andern Weg suchen und kamen in tiefen Schnee auf den Kamm des Sattels und von dort mit einem Kuli nach dem Aord-Eol. Welches waren die weiteren Aussichten? Vielleicht wären wir nach einem Aufenthalt von 8—10 Tagen im dritten Lager besser akklimatisiert gewesen, aber ging es nicht auch so? Was für Wetter hatten wir zu erwarten? Wir fühlten den scharfen Hauch eines Westwindes der uns bittere Kälte brachte." Sie kehrten daher vorläufig zum dritten Lager zurück. 2--M 18. Mai entschlossen sie sich aber doch zum weiteren Vordringen; das Wetter schien vielversprechend, und wegen der grimmigen Kälte rüsteten sie sich mit warmen Sachen aus. Am 20. waren alle Träger unwohl; doch waren nur vier von der Bergkrankheit völlig niedergebrochen, fünf andere waren bereit weiterzugehen. Aun kam man rasch wieder zu dem Aord-Eol.' Doch war das Wetter keineswegs gut, sondern es herrschte eine furchtbare Kälte, und es war eine sehr schwere Arbeit, in einer solchen Höhe in das steinharte Ms mit den Aexten Schritt für Schritt zu schlagen. Wir waren glücklich, in Höhe von 25 000 SuB unter Felsen eine Zuflucht zu finden. Es war nicht möglich hoher oben das Lager aufzufchlagen, da wär fürchten mußten, unsere --rctger sonst mit erfrorenen Gliedern zurüä^ub ringen. Auf einem fleilen Hana schlugen wir die Zelte auf, an einem Punkt der Erde, der hoher war, als je vorher erreicht wurde. Avrtons Ohren und <‘nnger hatten Frostbeulen; sehr viel ernster Schriftkeitung: 3. B.: Karl Walther. - Druck und Verlag der war MvrsheadS Zustand. Len wir am nächsten Sage zurücklassrn mutzten. Ein weiteres .Unglück war der Verlust eine« RacksackS der über den Gletscher herunterfiel. Um 8 Uhr morgen- M 21. Mai brachen wir auf; frischer Schnee bedeckte die Felsenriff« und verbarg die lockeren Steine, so daß wir sehr vorsichtig sein mußten. Unsere Kraft be» Borwärtsdrrngens hing von d« Fähigkeit unserer Lungen ab; sie bestimmten unsere Schnelligkeit und machten jeden Schritt beschwerlich Aber wir fanden, daß eS bei möglichst tiefem Atmen doch vorwärts ging. Eine 'Zeitz, lang hofften wir, ixte Aordostschulter des Everest zu erreich«,, aber da wir an den Rückweg denken mutzten, kehrten wir unt 2 Uhr mittags um. Wir waren nur noch 600 Futz unter de? Aordostschulter, hatten einen klaren Blick nach dem Gipfel wch registrierten eine Höhe von 26 800 Futz. Der Abstieg ging leicht«, obwohl der Gefahren bergende Schn« uns zur Vorsicht zwang: wir nahmen Mvrfhead wieder mit und mutzten nun bei ein* brechender Dunkelheit im frischen Schnee, angeseilt, neue Stuf«, schlagen. Morshead war am Ende seiner Kräfte und konnte nur wenige Stufen nehmen, ohne sich auszuruhen. Düstere gram Wolken von Blitzen durchzuckt, boten einen unheimlich grandiosen Anblick. Wir stellten Gletscherspalten in ungewissem Stev» nenlicht fest und zündeten eine Laterne an, um unfern Weg auf dem Grat eines schmalen Riffes zu finden. Hier mußt«? tvir 15 Fuß in den Schnee herunterspringen, aber e# glückt«, Das Seil war unter dem Schnee begraben, unsere Kerze ausgebrannt. Wir fürchteten, dem Weg verloren zu haben, abet einer fand das Seil unter dem Schnee wieder, und nach zehn Minuten war wir in unserem Lager. Die Tatsache, daß drej von uns eine Höhe von 27 000 Fuß ohne großes körverliches Unbehagen ausgehalten hatten, berechtigt zu weiteren Hoffnungen, aber noch mehr die sehr erfolgreichen Versuche mit den Sauerstoffapparaten." Auf Patrouille gegen die Eisberge. Der zehnjährige Jahrestag des Unterganges der „Sttanic* Hat uns wieder daran erinnert, welche furchtbare Gefahr bi» Eisberge für die Schiffe bedeuten. Aber wie so oft große Katastrophen doch auch gute Folgen haben, so ist der Kampf gegen die Eisberge eigentlich erst auf Grund dieses Unglück« richtig organisiert worden. Es tourbe daraufhin die „Internationale Eisbergkvntrolle" ins Leben gerufen, bte ihren Mittelpunkt in Washington bat und deren Patrouillen gerade jetzt im Monat Juni und Juli, tn der eigentlichen Zeit bet Eisberggefahr, ihren Kundschafterdienst verrichten. Der Mai unb Huni sind die beiden Monate, tn denen hauptsächlich die groß«, Eisgebirge aus den Polargegenden herunterkommen und den Schissen auf dem Atlantischen Ozean gefährlich werden. Solche Eisberge, die bis 100 Hahre alt sein mögen, bevor sie die Schifs- führtstratzen kreuzen sind Ausläufer der riefigen Polargletscher, Während die Gletscher tn den Alpen oder in Norwegen die West vom Meere entfernt liegen, keine solchen gefährlichen Vorposten abschicken können, liegen die Gletscher von Grönland, Spitzbergen, Aowaja Semelja und anderen arktischen Gebieten direkt übet dem ülkeeresspiegel und reichen bis an die Meeresküste, so daß gewaltige Massen leicht loSgerissen werden können. Diese schwimmenden Msinfeln gleiten dann mit der Strömung vorwärts und gelangen in wärmere Gebiete. Diele Eisberge sind Verhältnis- mäßig klein, aber manche von ihnen haben auch eine Höhe von 300 Futz. Der Teil der sichtbar ist, bildet nur ein Achtel der ganzen Maffe, das übrige liegt unter Wasser. Die Eisberge gefährden ein Gebiet, das vom 45. bis zum 55. Längengrad reicht und mindestens 3000 qkm groß ist. Diese Gefahrzone ist meist tn Aebel gehüllt, und eS ist nun die schwierige Aufgabe der Pa- trvuillenschiffe, vorsichtig durch diesen Aebel zu steuern, um die Eisberge und Eisfelder aufzusuchen. Diese Kundschafter sind beständig in Gefahr, mit solch einem Ungetüm zusammenzustoßen, bevor sie es gesichtet haben. Die Beobachtungen über die Lag« und die Zahl der Eisberge werden in Karten eingetragen, und dann dem Küstenschutzdienfl in Washington mitgeteilt, der bte Informationen an sämtliche Schiffahrtsämter in allen Teilen der Welt weitergibt. Im Spätfrühling und im Frühsvmmer verloren die Eisberge an Festigkeit und große Sismassen stür-M J??*! ihnen herab. Die Patrouillenschiffe führen den Kampf gegen diese Riesen des Polarkreises, indem sie Kanonen auf sie ab« feuern, um sie dadurch auseinanderzuspalten. Meistens freilich prallen die Kugeln von den Eisbergen wie von Felsen ab M ist unmöglich, die Festigkeit eines solchen Gebildes au» sein« äußeren Erscheinung zu beurteilen. Die hvchaufgetürmte Klipp« eines anscheinend unerschütterlichen Eisgebirges kann spröde sein wie Glas, und die von der Pfeife eines Dampfers bervvr- gerusenen Luftwellen haben schon genügt, um Blöcke abzu brechen, S.P’p, 0enug, um ein Boot zum Sinken zu bringen. Aeufund» ländische Fischer, die von einem solchen Berg Gis abhacken wollten, um ihre Fische zu konservieren, sind schon häufig durch die Herabfl ürzende Masse auf den Meeresgrund geschleudert worden. Zahl- lvs sind die Abenteuer, die von der Begegnung der Schiffe mit diesen Eisbergen erzählt werden, aber der Patrouillendienfl bat doch eine gewisse Sicherheit geschaffen und schützt die Schiffe gegen diese drohenden Eisriesen. Brühllschm Univ.-Buch- und Steindruckerei, A. Lange, Dietzen.