M MrchaÜMKblÄk M MLeßemrAK;eLger lEMml-ALzerzer). m jfiEESF?; ■' t '«IF.KJ W«sE WWW /hl Fl äs? 1Z22 — Nr. 51 Samstag, LZ. Dezember evWmllieutz Aus einem Werhnachtsspiel. Don Waldemar Dönsels. Der Dichter der „Biene Maja" hat ein in seiner Schlichtheit erquickendes „Weihnachtsspiel" gedichtet (Berlag von Bütten und Loening, Frankfurt a. M.), das weniger für die Bühne als zum Lesen bestimmt ist. Die dramatischen Effekte kommen etwas zu kurz; um so tiefer und erwärmender ist der poetische Gehalt. Mutter und Kind haben keinen sorgenfreien Weihnachtsabend, Mutter muh auch heute zur Arbeit bei fremden Leuten und Karin, ihr Kind, allein zu Hause laffen. In einem Märchenbuch blätternd, schläft Karin ein, und in ihrem Traum erwacht die Märchenwelt eines Wunderlandes: Sie kommt in ein Gespräch mit Dornröschen und weist die Versuchungen des Teufels ab, dem Bonsels auch im Mantel des später auftretenden „Fremden", die unverkennbaren Züge des Mephistopheles verliehen hat. Aschenputtel und Schneewittchen mit den sieben Zwergen führen eine liebliche Unterhaltung, und die gemeinsame Wanderung beginnt. Hier fällt der Vorhang, und der zweite Aufzug führt den Märchentraum nach Bethlehem. Das Derfefptel erreicht hier seine schönsten Wirkungen: Die Aacht von Bethlehem. Im Hintergrund der offene Stall mit Maria, Joseph und der Krippe, aus der ein schwacher Lichtschein bricht, der die Gestalten erhlllt. Aächtlich beschienenes Weideland mit einzelnen Baumen, darüber der bestirnte Aacht- himmel. Aus der Landschaft kommen zögernd die Hirten, ihrer vier an der Zahl, der alte Hirte und drei Begleiter. Sie nähern sich langsam dem Stall, während der Chor der Engel, dessen Gesang schon twrher begonnen hat, ausklingt in die Bachschen Töne: Wachet auf, ruft uns die Stimme der Wächter sehr hoch auf der Zinne. Der erste Hirte Sollte es dieser Stall sein, dieses Menschrnpaar, diese Krippe? Der zweite Hirte Mir liegt noch der Gesang im Ohr, es ist alles so wunderbar, so einfach. Der alte Hirte Welch ein Lichtschein bricht aus dieser Krippe hervor! Oh Cotteswunder! Es ist alles so, wie der Engel gesagt hat. Der dritte Hirte Sollen wir es '.vagen, näher herzuzutreten? Mein Herz eilt mir voraus. Mir ist, als verstünde ich alles längst, uild doch, begreife ich nichts. Der alte Hirte Was frommt mir wissen, wo ich glauben kann! Aie ward, solang dies Haupt den Tag erblickt, so große Güte je an mir getan, als diese Botschaft, wie vom Licht geschickt. Ich fü'hl's, getrieben tief, vom Heil beraten, daß Wahrheit uns umleuchtet, nie verstanden. Was mich auf die Knie niederzwingt, sind Worte nicht und Hoffnung nicht, noch Taten, nur eine große Freude, die vDrhande», und eine ewige Wohltat, die gelingt. kniet, noch in einiger Entfernung, der Krippe MgewanhL nieder.) Der erste Hirt« Du rührst, oh Vater, du bewegst mich tief. Last mich an deiner Seide niederknten, (er kniet nieder) Wir wissen nicht, was uns bestimmt und rief, wir sahn ein Leuchten and wir mußten ziehen. Der zweite Hirte (stehend) .Und welche Stimme! Wie aus ans geboren, geheimnisvoll und heimatlich bestellt. War es ein Engel, der so mächng tönte?! Als wär-e alles, was das Herz verloren und nie gefunden. jählings in der Welt. In einer Kraft, die schreckte und versöhnte Der dritte Hirte (stehend) wo toat’S! Und doch war mir zumut, als sprach' ein Kind von seiner ersten Freude. So mild und reich und über alles gut, daß sich der Sinn vor keinem Glauben scheut«. Joseph (tritt den Hirten entgegen, die sich erheben) Aus euren Worten, die mir freundlich kling««, glaub' ich zu hören, daß ihr gütig naht. Vergebt mir, daß ich euren Stall betrat, es lag mir fern, in euer Gut zu bringen, doch zwang die Avt der Stunde mich dazu. Mein Weib gebar ein Knäblein diese Aacht. Sie kamen glücklich hier bei euch zur Ruh'.' Aris dieser Krippe ist ein Bett gemacht. Der alte Hirte Geheiligt sei die Stätte, guter Mann, die uns ein holler Engel suchen hiest. Nehmt, was ihr braucht und laßt uns teil daran. Gesegnet, wen die Mutter nicht verfttest, Joseph Maria, Hörst du, was der Hirte sagt? Maria (neigt nur das Haupt.) Joseph So seid willkommen! Freut euch unseres Glück-, das ihr schon wußtet, eh' ich's euch verkündet. Wie find wir froh des freundlichen Geschicks, das uns und euch zu gleichem Heil verbindet. Der erste Hirte (zu Joseph) Erlaubt dein Weib, daß wir das Kindlein sehn? Ich will nicht mehr, als sttll zur Seite stehn. Nur baß mein Blick im Bilde wiederfinLet. was Engelstimmen einer Welt verkündet. Der zweite Hirte Ein Blick nur sei auch mir von euch erlaubt, ein Widerschein von dem erflehten Licht.. Dast mich der Glanz von dem er.vWlten Haupt in aller Engel Iubelrus verflicht. Wie Friedrich Hebbel das Weihnachtsfest beging. Don Ernst Edgar Reimördes. DaS pvefieumwvbene Weihnachtsfest ist von jeher 'üHt rwl Gegenstand dichterischer Darstellung gewesen. Die Dichter ( haben es immer gern gefeiert und sich von seinem stitsa« Zauber umspinnen lassen. Auch Hebbel liebte das schönste ö61' Der dritte Hirte GS schläft so still, als sei die Welt geschickt, den so 'Begrünten liebreich zu behüten. Die Dacht, der Wind, der Stern, der niederblickt, di« Saat der Felder und der Bäume Blüten. Der alte Hirte OH Erde, Mutter, dast du dies getragen entsprossen nach dem Ratschlust ewiger Liebe. Oh lichte Antwort allen Menschheitsfragen Kommt, lastt uns bitten, dast es bei uns bliebe. (Alle beugen das Haupt.) „ Shvr der Engel singt: .Stille Rächt, heilige REt «Mit dem erklingenden Lied tritt aus der nächtlichen Lanv-- schaft der Fremde hervor. Gr bleibt in einiger Entfernung von der andächtigen Gruppe stshen, in sicherer, gefastter Haltung, ohne Reagier, wissend und überlegen.) Der Fremde Heda, Leutei Was treibt ihr da? Wißt ihr den nächsten Kistweg. der über die Felder in die Stadt führt? (Die Hirten raffen sich erschrocken auf und .treten ihm zögernd entgegen. Joseph begibt sich wie^in B^vrgnis, zum Schatz Marias an die Krippe. Es ist eine Werl« still und alle stehen befangen.) , Der alte Hirte (tritt dem Fremden gegenüber) Wer bist du? Du erschreckst uns. Wir feiern hier die ©e® burt eines Kindes. Weshalb fragst du uns? Ich bitte dich last diesen Leuten dort ihre Ruhe, die sie mühsam bei uns gefuirdW haben. Der Fremde „ _ r Ich frage mich dem Weg, aber es ist nicht das erste Mal, dast über dieser Frage Verwirrung entsteht. Auch bm ich gewohnt, dast ihn selten jemand weist. Der alte Hirte Bist du hier fremd? Der Fremde Fremd kommt mir hier euer sonderbares Gebaren wegen der Geburt eines Kindes vor. Ich beobachte euer Treiben schon eine Weile aus dem Hintergrund. Der erste Hirte (zum Alten) Vater, es sind jetzt viele Heimische im Land, denen die alt- gewo'hnte Stätte fremd geworden ist, obgleich sie ihr von Geburt zugchvren. ~ Der Fremde Es scheint auch Verständige unter «ich zu geben. Wäre nur die Zahl derer nicht so grob, die verständig reden, ohne vernünftig zu handeln. Der alte Hirte Man sollte nicht an Freimut Tadel legen. Vielmehr, als was uns selber fehlt, was uns beschäftigt, nötigt oder quält, pflegt uns vor anderen selten zu bewegen. Sag mir dein Ziel, ich will dich richtig weisen. Der Fremde Rach meinem Ziel must ich noch lange reisen. Menn du's mir nennst, so werd ich's kaum erreichen Wenn du mich tortschickst, komm ich schwerlich hin. Doch wenn ich dir als Gast willkommen bin, so gibst du mir ein gutes Wanderzeichen. Ihr aber scheint euch hier am Ziel zu glauben. Der alte Hirte Dein Zweifel wird unS unser Glück nicht rauben Der Fremde Ist es so klein, dast i'hr es ungern teilt? Der alte Hirte Das wird nur wissen, welcher gern verweilt ' und gerne naht, von gutem Geist berufen. Tu, was du mustt und bist! Die gleichen Stufen, die aufwärts führen, führen auch hinab. (Er wendet sich ab.) Der zweite Hirte (zum Fremden) Sichst du denn nicht den Glanz, der uns umgibt, Slt nicht den Strom von Wohltat, der uns segnet?! nie ist dir ein Engel je begegnet, nie Hast du noch gehofft, geglaubt, geliebt. Der Fremde Ich seh dort eine Qltutter und ein Kind, nur ärmlicher, als sie gewöhnlich sind. Der erste Hirte Wer so mistkennt, was herzlich allgemein, wird nie im Guten ausgenommen sein. Der Fremde Wollt ihr denr Sternben nicht die Gunst vergönne», ihm klar zu sagen, was euch so erregt? Wie soll ich wissen und begreifen können, weshalb dies Kindlein euch so tief bewegt? Der dritte Hirte Nie wird die Einfalt hoher Seligkeit sich je mit Eifer gegen Zweifel kehren. Vieh deine Frage scheint uns nur das Kleid des Widerspruchs, des Willens uns zu stören. Der Fremde (wendet sich an den Alten) Hör' Alter, weshalb wendest du dich ab? Die anderen hier sind herzlich schlecht beraten, Die Einfalt ist ein krummer Wanderstab, und solche Pilger wissen nichts von Taten. Der alte Hirte Wer Wahrheit beutet, hat sie nie empfunden, und Liebe lästt sich feiner Seele lehren. Geh deinen Weg, den du schon längst gefunden. Du wirst das Wort, das dich entflammt, nicht Der Fremde Mich kann man weder schicken noch beschwören. Tief in euch selbst wird meine Stimme brennen. (Er weist auf das Kind) Ihm wird nicht glücken, was fein Mensch vermocht! Er wird die Scheite nicht vom Feuer trennen, vom Schein der Kerze nimmermehr den Docht. Der alte Hirte Der 'heute kam, wird alle Glut erleiden, um ewig diese Welt vom Reich zu scheiden! Mein Auge, alt und schwach, der Erde müde, ist nicht mehr hi den Glanz der Welt verstrickt. Im Scheiden hab' ich mehr als ihr erblickt, und sag' den einen, großen Ramen: Friede. Wer kennt den Weg, nach bösem Rat der West, und wer ermißt die Qztarter dieser Bahn?I Wer nennt die Macht, die uns in Frieden hält, und wer ermißt den Geist, der es getan?! Du aber wirst, ich kenn' dich, dunkler Gast, das Herz vollenden, das du ewig hastt. Der erste Hirte (zum Fremden) Heb' dich hinweg! Du bist auf unseren Weiden. Glaubst 'du, wir Hirten könnten Wölfe nicht, selbst in der Rächt, von Freunden unterscheiden?! Dtt hast hier nichts zu suchen noch verloren. Maria (Hebt die Hand und neigt sich zu Joseph) Schickt keinen fort! Mein Sohn ist mir geboren. Joseph (zu den anderen) Gebt Raum und Freiheit allen, welche nahm Tut jedem so, wie ihr an uns getan. Maria duldet, dast der Fremde bleibt. Der Fremde (tritt vor und schaut Maria lange an) Liegt da des Wandels ewig dunkler Siim, dast ich dir feind und doch willkommen bin? Die Stätte lästt, Maria, Mutter du, dem alten Geist, nach ewigem Beschlust. Wohlan, ich gehe. Sehet selber zu, wie Liekes Kindes Weg einst enden muh. (ab.) Ehvr der Engel singt verhalten: „O Haupt voll Aut und Wunden, voll Schnrerz und voller Hohn". (Alle stehen stumm und neigen das Haupt. Mit dem aus» klingenden Lied, als eine helle Gruppe, erscheinen Aschen» puttel, Dornröschen und Schneewittchen, die Karin in ihrer Mitte führen, gefolgt von den sieben Zwergen. Me Hirten treten rechts und links von der Gruppe Marias M Seite, so dast den Kommenden der Blick auf die Krippe frei totrv.) Es folgt eine wundersame Verständigung. Zuletzt steh! Karin vor der Krippe: Oh sag', ist dies des ewigen Reichs Beginn? Und ein Madonna-Auge antwortet: Ich kann nur sagen, Latz ich Mutter bin. Das kurze Nachspiel zwischen Mutter und Kind bringt noch den irdischen Glücksschimmer unter einem kleinen Weih' »achtsbaum. - 208 des Kirchenjahres und pflegte es stets würdig zu begehen In Lis freudlose Jugend des Maurersohnes aus Wesselburen leuchtete das Weihnachtsfest wie ein Heller Stern hinein, es war — nach den Aeußerungen des Dichters in seinen (Briefen und Tagebuch« blättern — der einzige Lichtblick In der düstern Armut des Elternhauses: „Dann ging’8 auch bei uns hoch her. Es gab etwas Besseres zu essen, Hader und Zank der Eltern ruhten und mein kindliches Herz taute auf." Sv schreibt Hebbel an seine treue Freundin, Elise Lensing-Hamburg, die Helferin feiner schwersten Jugendjahre. „Dann wurde von den blauen Hirschtellern ge- Sessen, so genannt, weil in ihrer Mitte ein Hirsch gemalt war, en mein Vater gewöhnlich mit Kreide auf den Tisch nachzuzeichnen pflegte; es gab einen Mehlbeutel, zuweilen wohl gar mit Rosinen und Pflaumen gefüllt; später ward ein guter Tee getrunken, hauptsächlich der lieben Mutter wegen, die ohne Tee nur halb vergnügt sein konnte. Bevor das Essen kam, fang mein Vater in Gemeinschaft mit mir und dem Bruder ein geistliches Lied, nachher muhte ich aus der ehrwürdigen, dickbauchigen Postille mit den vielen Holzschnitten das Evangelium und eine Predigt vvrlesen. Die Eltern waren heiter, auch der Vater, den wir Kinder fast das ganze Jahr nicht heiter sahen; die dumpfen, erstickenden Gespräche über die Schwierigkeiten. Brot herbei- »uschaffen, unterblieben — lagen doch meistens zwei oder drei östliche breite Wecken im Schrank — Scherz und Lachen waren erlaubt, und wir Kinder dünkten uns im Himmel. Dazu am Weihnachtsabend der schöne Gedanke: diese Herrlichkeit dauert zwei volle Tage!" Sein erstes WeihnachtSfesl fern von der Heimat verlebte Hebbel 1835 bei Elise Leasing in ihrem kleinen Stübchen in Hamburg, beglückt durch die selbstlose Liebe dieses opferwilligen Mädchens. Mit Wehmut erinnert er sich dieses schönen Weih- nachtssestes in der Fremde, wenn er in seiner engen, ärmlichen Studentenbude in Heidelberg und München bei Kaffee, einigen Lebkuchen und Nüssen den Heiligen Abend einsam begeht. In seinen Driesen vertröstet er die Geliebte auf die Zukunft: „Vertrösten," schreibt er nach Hamburg, „welch ein totgeborenes bankrottes Wort! Nein! Wir wollen uns diese Weihnacht dadurch versüßen, daß wir mit aller Innigkeit und Glut des Herzens an das Künftige denken und uns ausmalen, uns in den Glanz versenken, mit dem es uns übergießen wird!" 1839, 40 unb 41 feierte Hebbel Weihnachten wieder in Hamburg mit der Freundin zusammen: „Heute war ich wieder bei ihr," schrieb er 1839 in sein Tagebuch, „und sie überraschte mich auf die rührendste Weise mit fast allem, was ich mir wünschte, weil es mir fehlte uno ich den Mangel schmerzlich empfand." 1841 machte er folgende Aufzeichnung: „Die Weihnachtstage habe ich bei ihr, die icy mchr mehr zu nennen brauche, toiebrä schön verlebt. Sie hat mir einen prächtigen Schal geschenkt, außerdem noch gestickte vchuhe, eine feine Geldbörse und, was mich immer tief in meine Kindheit zurückversetzt — nicht, weil ich es hatte, sondern well es mir fehlte -• Nüsse, Kuchen und Aepfel." Den Winter 1842 verbrachte Hebbel im Ausland; am Heiligen Abend saß er einsam in einem öden, kalten Zimmer in Kopenhagen in Erwartung der Antwort auf fein Gesuch an Christian Vlii. um Bewilligung eine« Reise- stipendiums. 1843 feierte er in Paris ein trauriges Weihnachts- sest, denn kurz vorher war sein und Elise Lensings Söhnchen gestorben, überdies lastete die Rot schwer auf ihm. Besser ging es ihm 1844; in einer Weinkneipe in Rom verlebte er im Kreise dänischer Maler den Weihnachtsabend wieder einmal in fröhlicher Stimmung, nachdem er eben von einer schweren Krankheit genesen war. Das folgende Jahr brachte den großen älmschw-ung in Hebbels Leben und eine Besserung seiner _ Verhältnisse. 3n Wien, wohin er um die Weihnachtszeit 1845 kam, fand feine Kunst die verdiente Anerkennung, und er selbst in Christine Enghaus eine Lebensgefährtin. Von nun an konnte der Dichter im eigenen Heim, frei von allen Sorgen, so recht von Herzen Weihnachten feiern, wie es stets sein Wunsch gewesen. Mit welch tiefer Freude schmückte er den Tannenbaum für sein 1847 geborenes Töchterchen, wie eifrig bemühte er sich, die Seinen zum Fest zu überraschen. Am liebsten verbrachte er 'Weihnachten im Familienkreise, trotzdem waren gute Freunde als Gäste willkommen. und dann ging es wirklich „hoch her". „Gesellschaft, Fasanen, Karpfen, Champagner, unerhört, wie weit man es im Leben bringen kann," schrieb Hebbel in sein Tagebuch. „Meine liebe Frau schenkte mir Walter Scotts Romane, die ich längst gern besessen hätte, Frau von La Roche überraschte mich mit einem Autogramm von Goethe." Hebbels Biograph, Emil Kuh, berichtet eingehend über die Weihnachtsabende im Dichterhelm: Der Dichter freute sich auf das Christfest kaum weniger, als fein Kind, und die Düchergeschenke, welche er von seiner Frau und den intimsten Freunden empfing, trug er samt dem Päckchen seiner Pfeffernüsse so befriedigt aus dem Gesellschaftszimmer in sein Arbeitsgemach hinüber, wie Christinchen (Hebbels Töchterchen) ihre Spielsachen In die Kinderstube. Dieses Arbeitsgemach war am Christabend hell erleuchtet, und dieses strahlende Licht alsdann das einzig Glänzende in dem sehr bescheidenen Raum." — Eine besonders hübsche pleberraschung bereitete Christine Hebbel ihrem Gatten Weihnachten 1849. Als dieser in das Zimmer zu dem brennenden Tannenbaum gerufen wurde, lief ihm sein zwei Jahr« altes Lüchterchen in der Tracht eines braunschweigischen Bauernmädchens entgegen. (Hebbels Gattin stammte aus Bro. schweig.) „Schwarzes Hütchen, nur den Hinterkopf deckend, mit langen roten Bänoern, rotes Kleid, kurz geschürzt; Wickelstrümpfe nebst Lederschuhen, eine geflochtene Kiepe auf dem Rücken, an* gefüllt mit Rüssen und Kuchen für mich. Das alles hätte meine Liebe Frau an den Abenden gemacht, wenn ich nicht zu Hause und sie nicht aus der Bühne beschäftigt war, ich hatte nicht das) geringste davon gemerkt. Das närrische kleine Ding wollte die Kiepe den ganzen Abend nicht wieder ablegen, es saß damit auf dem Stuhl und aß und trank." (Hebbels Tagebuchblätter.) Der Dichter batte an dieser Verkleidung so viel Vergnügen gefunden, daß sie aus seinen Wunsch an den Weihnachtsabenden der nächsten Jahre wiederholt werden mußte. Wafferkrastanlagen und das „Nidderkraftrverk" bsi Litzberg. (Schluß.) II. Das Ridderkraf twerk der Provinz Ober Hessen bei Lißberg. Aus den Darlegungen ist erklärlich, daß in Hessen, einem Lande in mittelhvher Sage, das nicht allzu große Riederschläge aufweist nicht mit steiler Geländegestaltung und nur mit kleinen Dach- und Flußläufen ohne umfangreiche Einzugsgebiete bedacht ist Echte Riesenwasserkräfte, wie etwa im bayrischen Gebirge mit seinen Schneefeldern, auszunutzeti sind. 3n kleineren Stufen sind wohl die meisten Bäche durch Mühlenwerke ausgenutzt. Durch Verwertung noch freier Gefälle und Zusammenfassung von Gefall- stufen läßt sich jedoch noch eine Reihe von immerhin nennenswerten Kraftwerken schassen. Auch in Oberhessen ist unter den nun veränderten Verhältnissen ein Ausbau solcher Kraftwerke möglich. Die durch die Ratur bevorzugteste Stelle für ein solches Werk ist wohl das Riddertal zwischen Hirzenhain und Lißberg, wo zur Zeit die Provinz Oberhessen ein Wasserkraftwerk ausbauen läßt, das erste moderne Hochdruckwasserkraftwerk in Hessen. Diese für ein Wasserkraftwerk besonders günstige Stelle war natürlich schon seit Jahren bekannt. Ein greifbarer Vvrentwurf entstand im Jahre 1906, als die Provinzialverwaltung der Frage näher trat einen Teil oer Provinz durch ein üleberlaudwerk mit elektrischem Strom zu versorgen. Man dachte damals daran die Ridder mit dem Seitenlauf, dem Hlllersbach, In einer großen Talsperre aufzuspeichern, in em ständig lausendes selbständiges Kraft» werk (Laufwerk) abgugeben und seine Energie in Elektrizität umzusetzen. Ein in die Gefällstuse des Projekts fallendes kleineres Triebwerk kaufte die Provinz alsbald aus. Für eine große Talsperre mit hohem Wasserdruck war jedoch ber üntergrunb ungeeignet Auch andere Gründe waren der Ausführung dieses Projekts damals hinderlich. Später errichtete der hessische Staat unter Ausnutzung feiner Braurckohlenfelder bei Wölfersheim ein Dampfkraftwerk, das der Provinz Oberhessen den erforderlichen Strom zur Verteilung m ihr Retz abgibt. Damals eröffnete dieses Werk günstigere Aus- sichten als sie ein Wasserkraftwerk hätte erfüllen können. Unter den veränderten Verhältnissen, die bei Dampfkraftwerken außerordentlich hohe, ständig im Steigen begriffene Betriebskosten bedingen ist der Ausbau von Wasserkraftwerken auch in Oberhessen in den Bereich der Wirtschaftlichkeit gerückt. So kam man aus das Projekt des Ridderkraftwerks bei Lißberg zurück. Man mußte eS jedoch in die nun ganz veränderten Verhältnisse einpassen, nachdem das Reh der Lleberlandanlage bereits entstanden war. Eingehende ileberlegungen führten dazu, das Werk als „Spitzenwerk auszubauen, und das vorhandene Wasser möglichst restlos aus- zunutzen. Es soll bei gewöhnlicher Wasserführung (bei Rieder- und Mittelwasser) in den Zeiten, wo zu dem Kraftstrvm°(Mv1oren-) bedarf der Lichtstrombedars hinzukommt, also in den Abend- und Moroenstunden, den Zusahstrom zu dem Tagesbedarf liefern Bei Hochwasser kann das Werk fedoch auch ständig laufen. Ans dieser Grundlage wurde vom Kulturbauamt Friedberg ein neuer Entwurf in allen Einzelheiten ausgestellt. Die Größe des Wer es, d. h. seine Leistung mußte den obengenannten Faktoren «Gefall und Wassermenge) angepaßt werden. Die Wasserkräfte des Vogelsberges sind für hessische Verhältnisse recht ergiebig, weil die Niederschläge in diesem Gebirge verhältnismäßig groß sind und bei den Bodenverhältnissen a.aus im Tal eine verhältnismäßig kurze Triebleitung Meter nötig ist. Das Riederschlagsgebiet der beiden . biS zu den höchsten Höhen des Vogelsbergs, an den rnd Hohervdskopf und beträgt rund 80 Quadratkilometer, wa 60 Quadratkilometer auf die Ridder und 20 Quadrat» t- auf den Hillersbach entfallen. Dieses Gebiet speist also ckden Bachläufe. Wasserstandsbeobachtungen und Wasser» .ngen der Jahre 1906 bis 1910 gaben die Unterlagen für die ^.-echEng des zur Verfügung stehenden Wassers und damit die .^Dimensionierung" des ganzen Kraftwerks in allen seinen Teilen. Das Ergebnis war der Ausbau des Werkes auf eine Maximalleistung von 3000 Litern in der Sekunde, d. L bei der gewonnenen Höhe von 64 Meter für 2000 Pferdestärken (P. S.) an den Turbinen. Mit diesen Maschinen kann, ibei den gemessenen Wassermengen, jährlich eine Strommenge von rund 5 Millionen Kilowattstunden erzeugt werden. , ,0m Maschinen,aal kommen zwei Francis-Spiralturbinen von le 1000 I .b. nut <50 Mrnutenumdrehungen zur Aufstellung mit Venen Dynamomaschinen entsprechender Leistung auf gleicher Welle gekuppelt werden zur Erzeugung von Drehst rom von 5000 Bolt Bcr in Transformatoren auf die in dem Reh dec Usberlandanlage .vorhandene Spannung von 20 003 Doli gebracht wird. , 0m Unterwasser wird der für das Spitzenwerk nötige Ausgleichsweiher durch Verlegung des Ridderlaufs, Aufschütten eine» Dammes mit anschließender 5 Meter hohen Mauer angelegt Gin Wohnhaus für die Maschinisten, Autohalle für Betriebsauw Stal- .................. IÄ L yx JÄÄWftÄ aÄ ÄÄ1» SS 5® Zmorerung gleichen Materialien. (Ein Steinbruch wurde auf werden. Entzogenes Gelände konnte meist durch Austausch nck dem anderen Abhang des „Höchst" auch im Hillersbachtal ein- Staatseigentum ersetzt werden. gerichtet ) Diese Mauer ist rund 110 Meter lang, 6,5 Meter . bbL 5 ^Eter tiefer Fundierung: hat einen 60 Zentimeter tief in die Mauerkrone eingefchnittenen 20 Meter meiteil Ueberlauf, 60 Zentimeter weiten Leerlauf und dieselben Entnahmevvrrichtungen wie an der Riddermauer. Der Stauraum saßt r^ad 100 OOO Kubikmeter. Beide Staubecken geben also für rund 130 000 Kubikmeter ©tauraum. Bei Hirzenhain wurde eine an der höchsten Steile 6 Meter uvec Erde hohe, rund 80 Meter lange, am Fuße 5 Meter starke Mauer aus Äasaltsteinen die in der Baugrube selbst und einem tn der Rahe am Hang des „Höchst" angelegten Steinbruch g< Wonnen wurden, in Troß-, Kalk» und Zementmörtel errichtet. Di Fundierung (bis zu 4 Meter unter Erde) konnte auf festgelagertem und verkittetem Dasaltfels erfolgen. Die Mauer hat einen 20 Meter »reiten, 1 Meter tief in die Mauerkrone eingeschnittenen Ueber» fall, über welchen das im Werk nicht ausnutzbare Hochwasser in öen alten Dachlauf abstürzt, einen Leerlauf von 1 Meter Durch» iEs/rr, durch den der Stauteich entleert werden kann, und der , - - ------- — ,lUm wm ^.uto wahrend des Baues den Bachlauf aufnahm, iuti> einen Entnahme» j Leitung wird wie Wasserleitungen verdeckt verlegt. ,,, Das Turbinenhaus, ganz in Eisenbeton errichtet (Basaltklein» schlag und Splitt wurden an Ort und Stelle aus Bruchsteinen der Baugrube und desBnterwassergrabens mit Steinbrechern maschinell hergestellt), bietet Raum für zwei Maschinensätze in einem jaa «t>Dn^ 0 mnI 10 Meter, für eine Schaltanlage von jStoci Stockwerken drei große Transformatoren, eine Werkstätte. Bureau» und mehrere Lagerräume. Lieber die Gesamtkosten, die 1920 für damalige Preisverhält» niffe auf 10 Millionen veranschlagt waren, lassen sich bei den sich stets überholenden Löhnen und Materialkosten keine annähernd zuverlässigen Angaoen machen. Das Werk wird zu Beginn des Jahres 1923 wenigstens teilweise in Betrieb gesetzt werden, der Vollbetrieb kann erst im Frühjahr nach Vollendung des Stollens aufgenommen werden. Im Submissionsergebnis wurden die Staumauer bei Hirz-m- ham der Baufirma Mörschel in Friedberg übertragen die Stau» mauer im Hillersbachtal, der Stollen, der Eisenbetonwerkkanal da« Wasserschloß, das Krafthaus im Rohbau der Hessischen Baugesell» schäft m Kassel, die Lieferung und Verlegung der eisernen Trieb- rohrleitung aus Mannesmann - Doppelbördelmusfenrohren der Firma Fuendeling-Rüster in Friedberg. Die anderen Arbeiten wuroen einheimischen Handwerkern übertragen Die beiden FranciS-Spiralturbinen a 1000 P. S. liefert die Firma Voith in Heidenheim a d. Brenz, die Dynamos die Firma Bergmann. Der- lin, die Schaltanlage und die Transformatoren werden von den Slemens-Schuckertwcrken erstellt. Sämtliche Baustellen bezogen aus der B-berlandcmlage der Provinz zum Antrieb der Baumaschinen, wie Betonmischmaschinen. Stembrecher Prehluftanlagen usw. den elektrischen Strom Die beiden Staumauern, der Werkkanal, das Wasserschloß und die Triebrohrleltung sind fertiggestellt, der Stollen ist von zwei Seiten zusammen 550 Meter vorgetrieben und zum Teil auS» gemauert. Das Maschinen- und das Wohnhaus mit Stall sind im Rohbau vollendet, der Innenausbau ist im Gang. Die Grdarbeiten rm StckuWeiher bei Hirzenhain mit Schutzanlagen für den Bahnhof, öte Arbeiten im Unterwasser, die Wegbauten sind in Angriff genommen, ebenso die Montage dec Turbinen und der Schaltanlage, wi boten tm letzten Jahr Beschäftigung für etwa vvv -cirDetlev, deckeln wasserdicht verschlossen sind. Der Kleinschlag und Splitt wurde in dem früher genannten Steinbruch am .^chst" bei Hirzenhain mittels Steinbrecher maschinell hergestellt. i Der Stollen wird bergmännisch durch das Gebirge getrieben I und ist von zwei ©eiten in Angriff genommen in der durch mehr» fache Vermessung über den Berg genau sestgeleglen Richtung und I Hohe. Es wurden die verschiedensten Bodenarbeiten von Löß Basaltgeröll, Asche, Lava und Tuff bis zum festen Bafaltsel« angetroffen. Die verschiedenartige Lagerung des Gebirge« ermöa- ttchte nur ein langsames Vordringen, da jede Gebirgsart ein neue« Einarbeiten erforderte, wobei einmal enge Verzimmerung gegen Gebirgsdruck nötig war, an anderen Strecken solche durch Felsen | ersetzt wurde. Soweit das Gebirge nicht mit Hackwerkzeugen gelöst toer&en formte, muhte zum Bvhrbetrieb übergegangen werden Eine I elektrisch betriebene Preßluftanlage betreibt Preßluftbohrhämmer vor Ort, woselbst etwa drei bis vier Bohrlöcher angesetzt werden. Dlese werden m,t Sprengladungen ausgesuckt, die nach Verlassen b«« Stollens abgefchossen werden. Der Betrieb geht in Tag» und Rachtschichten. Bei größerem Vortrieb und begonnener Ausmauerung wurde die natürliche Entlüftung des Stollens von Sprenggasen bald unwirksam, so daß künstliche Ventilation ein- gerietet toeröen mußte. Der Stollen wird gegen Gebirgsauhen- druck und Wassermnendruck in Dasaltbruchsterngewölbe gegen De» btrge oermauert und innen mit einer Rabihzementschicht versehen . , SaL,3ö?rLfel'|c6tDro ,t aRcter im Durchmesser und 10 Meter - tn Eisenbeton ausgeführt und m Muschelkalk- SfjÄfJlst auf der Höhe weithin im Riddertal sichtbar. Ein Schieberhaus mit Drosselklappe als Ab» öM ^^^°brleitung mit elektrischer Bedienung vom Krafthaus aus, ist dem Wasserschloß unterirdisch angebaut ,^Fvn dort führt eine 1.20 Meter weite Stahlrohrleitung mit 2?0Meter Lange o4 Meter tief nach dem Turhinenlmus Di« 8Ujeal)aiH Staiitetiäee Hillersbach ml Stauntet l,er Auesteich. Weitzer «-sseckchl«» Schriftleitung: August Goetz. - Druck und Verlag der Drühlfchen Univ.-Buch^und Steindruckerei, A. Lange, Gieße«.