Samstag, L8. September fr ISäZ I 1922 — Nr. 38 H KW .*: tiSüi W WWV Zwei politische Morde vor dreiviertel Jahrhunderten in Frankfurt a. M. Von Pfarrer i.2t. Horbach in Gießen. Am 18. September 1922 waren es 74 Jahre, daß in Frankfurt a. M. zwei politische, von der deutschen Geschichte verzeichnete Meide stattfanüen. Sie waren die grausame Ermordung der Leiden Abgeordneten der deutschen Rationalversammlung, des preußischen Generals von Auerswald und des Fürsten Felix Lichnowskh, am 18. September 1848 vor den Toren von Frankfurt a. M„ und zwar durch einen revolutivnswilden Pöbel- Haufen am Hellen Nachmittag. Ium Verständnis seien noch einige Bemerkungen voraus- geschickt. Im Jahre 1848 trat in 'Frankfurt a. M., der Kaiser- könungsstadt des alten Deutschen Reiches, in der Paulskirche das erste deutsche Parlament zusammen, eine Volksvertretung aller deutschen Staaten, betraut mit der Aufgabe, für ein neuzugründendes Deutsches Reiche eine Verfassung zu schaffen. Diese deutsche Rationalversammlung bestand aus 600—700 Abgeordneten der damals 38 deutschen Staaten. Auf je 50 000 Seelen kam ein aus allgemeinen Dolkswahlen hervorgegangener Vertreter. Ein Jahr lang: 18. Mai 1848 bis 31. Mai 1849 bestand das Parlament; während der ersten sieben Monate war sein Präsident der vormalige Großh. hessische Regierungsrat und nachmalige hessische Gesandte ,Freiherr Heinrich von Gagern. Wie noch jetzt in den parlamentarischen Versammlungen, gab es auch schon 1848 in Frankfurt eine Rechte (Konservative), eine Linke (Liberale, Demokraten, Revolutionäre) und ein Zentrum (damals noch nicht, wie heute, ultramontane Katholiken, sondern Mittelpartei) im Parlament. Die Rechte und die Linke standen sich stets feindlich einander gegenüber und bekämpften sich Heftig in der Paulskirche. Die Rechte wünschte einen Erbkaifer für das neu zu errichtende Deutsche Reich, hatte auch tatsächlich mit 290 gegen 248 Stimmen einen solchen erwählt, und zwar in der Person des Königs von Preußen, Friedrich Wilhelm IV., der aber die Kaiserkrone ab- lchnte, weil sie ihm nicht von den Mitfürsten, sondern allein von den Volksvertretern angeboten wurde. Die Linke dagegen wollte, unter Absetzung aller Fürsten, aus Deutschland eine Republik machen, in der allein das „souveräne Volk" herrschen sollte. Im September (1848) kam es nun zu einem heftigen Ausbruch der parlamentarischen Feindseligkeiten. Die Herzogtümer Schleswig-Holstein waren durchs Personalunion mit Dänemark verbunden, Holstein zuglech aber auch zum Deutschen Bunde gehörig. Anfang 1848 wollte nun der dänische König Friedriche VII. das mit dem deutschen Herzogtum Holstein engverbundene Schleswig, unter Aufhebung seiner alten Rechte, dem dänischen Königreiche gänzlich! einverleiben. Der Deutsche Bund erklärte, Schleswig gegen die Einverleibung zu schützen, und beauftragte Preußen, in Schleswig einzumarschieren, was am 5. April geschah. 3n dem nun entstehenden Kriege siegten die preußischen Truppen. Gleichwohl schloß Preußen selbständig am 26. August 1848 einen Waffenstillstand auf 7 Monate mit Dänemark in Malmö (süd- schwedische Seestadt am Sund) ab, ohne bei der Frankfurter Zentralgewalt anzufragen. Dadurch entstanden im Parlament die heftigsten Kämpfe bei den Beratungen über den Waffenstill» stand. Ms nun gar die Rechte diesen mit 258! gegen 237 Stimmen am 16. September genehmigte, brach der wildeste Tumult in der Paulskirche aus, den die Änrühstifter dann mit Hilfe ihres An- hangs bei dem Straßenpöbel über die ganze Stadt verbreiteten. Am 17. September, einem Sonntag, fand auf der Pfingstweide (seit 1858 der Mutige Zoologische Garten) bei Frankfurt eine große Volksversammlung statt, welche Rücknahme jener Genehmigung fordert« und die 258 Abgeordneten für Volksverräter erklärte. Diesen Beschluß sollte eine Abordnung am folgenden Morgen der Rationalversammlung mitteilen. Der wildeste Aufruhr, den gerade die Mitglieder der Linken als Redner aus der Pfingstweide durch Aufhetzung des Pöbels schürten, tobte so gewaltig und so bedrohlich, daß das von der Rationalversammlung ger schaffen« Reichs Ministerium noch in der Rächt Truppen aus Mainz herbeirief, um das Parlament gegen etwaige Äeberfälle zu schützen. Diese besetzten dann am Montagmorgen, dem 18. September, sowohl die ÄmgeHung der Paulskirche als diese selbst, während die Sitzung darin stattfand. Da nun preußisches Militär mit gefälltem Bajonett gegen die andrängenden Massen vorrückt«, so kam es infolge der Verwundung eines Mannes aus dem Volke durch einen Bajonettstich zum tätlichen Ausbnch der Erbitterung gegen bas Militär, namentlich das preußische. Mittlerweile hatte man schon begonnen, durch fast ganz Frankfurt das Straßenpflaster aufzureißen und Barrikaden zu bauen. 41m 2 -Uhr nachmittags wurden di« Truppen durch die Aufhebung der Sitzung der Rationalversammlung frei und der Strahenkampf begann, der bis 11 Ähr abends tobte. Am wirksamsten wurde der Angriff des Militärs, als um 6 Ähr die Großh. hessische Artillerie ihr Feuer gegen die Barrikaden richtete, deren letzte gleichwohl erst am folgenden Morgen genommen und zerstört wurden. i I An demselben unglücklichen Montag, dem 18. September, fand nun die Ermordung der zwei Abgeordneten statt. Diese, der preußische General von Auerswald, 56 Jahre alt, und der schlesische Fürst Felix Lichnowskh, 34 Jähre zählend, beide seit Mai aus Schlesien zum Parlament abgeordnet, und beide zur Rechten gehörig, ritten um 4 Ähr nachmittags zusammen zum Friedberger Tor hinaus, um den an der Bockenheimer Landstraße wohnend«! Reichsverweser, Erzherzog Johann von Oesterreich, von einer durch die Linke der Rationalversammlung beabsichtigten Sturmpetition zu benachrichtigen. Vor dem Tor, auf dem freien Platz beim Hessendenkmal, stand ein großer, bewaffneter Haufen der dem Aufstande in Frankfurt zuziehenden Empörer der 41m* gegend. Der Fürst wurde erkannt; es erschollen aus der versammelten Meng« Drohungen und Schimpfreden: „Das ist der Lichnowskh, — die Spitzbuben — der Lichnowskh, der Schuft I — nieder mit ihm — auf sie! Das sind Spione usw." Beide Reiter wurden mit zahlreichen Flintenschüssen und Steinwürfen verfolgt. Immer enger von den mörderischen Rotten umzingelt, ritten sie, nach vielem Hin- und Hersprengen, in das an der damaligen Bornheimer Heide gelegene Gehöft des Kunstgärtners Schmidt und verbargen sich in dessen Hause, Auerswald in einer Dachkammer, Lichnowskh im Keller. Die Mörder rückten nach, führten zuerst di« Pferde der Verfolgten weg und durchsuchte« dann den Garten, das Gesträuch, die Dohnenpflanzung, alle Räumlichkeiten des Hauses und der Rebengebäude aus das ge* naueste, Stall, Treibhaus, Heuboden, das Regenfaß, die Schornsteine wurden durchmustert, wobei überall in jede dunkle Ecke mit Spießen und Säbeln gestochen wurde. Das alles geschah unter wildem Lärmen, Toben und Brüllen der Menge, die, teils im Garten, teils draußen in der Umgebung, etwa 200 Köpfe betrug. Die Hausbewohner selbst, die man unter Drohungen zwang, alles aufzuschließen, wurden mit dem Tode bedroht. „Wo sind die Schufte die Volksverräter? Heraus mit den Hunden!" fuhr man den Gartner Schmidt an, der beteuerte daß er nichts von den«r wisse, die man suche. „Der Lichnowskh ist im Hause, 6er Spitzbuv, der Volksverräter. Wenn wir den Hund kriegen, wird er tot* — 150 — Madamchen, wenn Ich n< geschlagen. Rache, Rache wollen tetr Habels^n Opfer müflen 'coli haben!" so tobte und brüllte man durcheinander. Em Kerl mit ?knm LaLe stellte sich, von Lichnows h sprechend, vor die Vhesr-au des Gärtners Schmidt und sagte zu ihr. ,,Wte -E Madr-rcken wenn Ich nachher ein Stück von d e m als Koteten gebraten atü meinem Spieß brächte? Das lietze s«h wohl köstlich Umecken." Habei schnalzte der Kerl mit der 3“^. Endlich stürmten einige die enge and steile Bodentreppe Hinauf und sanden in der von außer, verschlossen SE. enen Dachkammer den General v. Auerswald; ein Spvrmstie^l^verriet ihn dort, der unter der Bettdecke, unter der er lag, hervorragr«. De> General hatte seinen Rock mit dem Schlafrock des Haus hi« HL sr iS? N°Ke SS? AS » wurde. Dort nun begamr eme maßlos roh^^AElung^^^ ^Ld?"L L^rÄ^LeAhn tot! Schlagt ihn tot, mcTitS^unv. 1 6Vncfpn ©c&iicnicn, ©dbeln, “ ®S ßSWLWKWWM s s » unta S Geschrei, zuerst mit Steinwursen an Hebt wa7 sie es die im Garten bei der Herauszerrung Les ^'inp-nVg fortwährend mit Wutaeschretz rief: „Scheht ihn tot. S^laat ihn tot ^den Hund!" Mit ihrem Regenschirm versetzte Mn einen Stoß unter das linke Auge, daß es blutete und schlug ihm unter wild geschrieenen Schmähungen wiederholt auf den Kopf 'Dann griff sie von einem dort liegenden Otemhausen einen handgroßen Stein aus und zerfetzte mit ihm Len m^enKopf den Generals. Vergebens bat der Mißhandelte um Schonung, erwähnte daß er fünf unerzogene Kinder habe, denen erst vo<. lur-em die Mutter weggestorben sei, und fragte, ob denn unter seinen Peinigern kein Familienvater setz dessen KinLer stch frew- ten wenn sie den Vater wiedersäh^n? Ebensowenig Erfolg hatten die' ^ürb'tten der Hausbewohner, die dein Mißhandelten be- fugten Laß er nicht „der- Gesuchte" sei, oder überhaupt die Mut w mäßigen suchten. Der Masse aber war es einerlei, wer „der Gefundene" sei, sie schrie nur nach. einem „Opfer uberhaiM . Dem steten Hetzen und Drängen nach. Sotschießen mrd ^,ot- schlagen des „Opfers" suchte man nun nachzukommen. Den von einem Trupp umringten General schleppte man rum Unteren Gartentürchen 'hinaus. Dort zog sich zwischen dem Garten und der: damaligen Dorn'Mmer Heide em Graben her. In den stieß man ihn mit einem heftigen Kolbenstoß vor die Brust hm em, gleich- darauf erfolgte ein Schuß, der ihn in den Bauch., traf. Sa er aber noch Lebenszeichen von sich gab, war es wieder die Zobel, die mit schnell herbeigetragenen, kegelkugelgroßen vteinen nach ihm warf und ihn mehrmals am Kopse traf. Gin zweiter Schuß, diesmal in den Kopf, tötete den General sofort. Wer selbst aus die Leiche noch warf das entmenschte Weib wiederholt Steine mit den Worten: „Hund! Spitzbubi So geht es ihnen all'!" Hat je ein Weib jenes Wort des Dichters wahrgemacht, so war es die Zobel, an der es wahr wurde: Da werden Weiber zu Hhänen älnd treiben mit Entsetzen Scherz; Roch, zuckend, mit des Panthers Zähnen Zerreißen sie des Feindes Herz. Sie wurde denn auch, später als Anstifterin und als Radels- fWverin, zugleich, mit Rücksicht auf ihre unmenschliche Grausamkeit, zu löjähriger Zuchthausstrafe verurteilt. And was 'hätte der so grausam ermordete General v. Auers- wald verbrochen? Richts, gar nichts hatte er verbrochen. Die brüllende Masse wußte gar nicht, wer er überhaupt sm; nicht einmal die „parlamentskundige" Zobel kannte ihn; vielleicht hatte noch kein einziger seinen Ramen überhaupt je gehört. Parlament gehörte er zwar zu der mißliebigen Rechten, doch sprach er dort äußerst selten und nur in rein militärischen Angelegen-- hetzten und dann stets in friedlichem Sinn. So mochte er außerhalb des Parlaments unter den mehr als 600 Abgeordneten kaum in der Stadt bekannt sein, zumal er nicht seine Uniform, sondern einen schlichten Zivilanzug trug, und so besonders auch gerave an dem hier in Rede stehenden Tage. Sein einziges Unglück war, daß er als Begleiter des mißliebigen und bekannten Fürsten Lichnowskh an dessen Seite ritt. Dazu kam dann der den niederen Dolksklassen, zumal dem Straßenpöbel, wie damals schon so Parte noch eingefleischte Haß gegen die Wohlhabenden, die Wut gegen die Dornöhmen, die Besitzenden, als deren Vertreter die beiden Reiter, zwei so unzeitig spazierenreit ende stattliche Er- -cheinungen und vornehme Herren, der aufgehetzten Masse er- chienen So konnte denn an ihnen während aus der Stadt heraus fortwährend die Geschütze gegen öie Barrikadenkanchser rhre Ge- finnunasaenossen. donnerten, die aufgeregte Wenge chr Mütchen Ahlen Hunderte standen hier gegen Einen. hundert Dewafsuete aeaei^ einen Unbewaffneten. Und so muhte srch. denn dieser Ghren- umnn ein preußischer General aus edlem Geschlecht, dessen beide Wüdärzrtz gleicher Zeit preußische Staatsminister waren, der Söhn eines Landhofmsisters des Königreichs Preußen ein tapferer Veteran der den Freiheitskrieg 1813/15 mrtgemacht, und als Offizier 'in vielen Schlachten gekämpft hatte, so m den siegreichen Schlachten bei Großbeeren (23.8.13), durch, die Berlin vor Ein- nähme und Plünderung gerettet wurde, bei Dennewitz (o. 9. iöj in der Völkerschlacht bei Leipzig (18.10.13) sowie M der bet Waterloo (18. 6.15) — er mußte sich hier, kaum 25 Minuten von den in der Stadt kämpfenden preußischen Truppen entfernt, von einer elenden Pöbelrotte, einer verruchten und ehrlosen Morder- bande totschlagen lassen 'wie ein Hund! O Schmach und Schande des deutschen Volkes! (Schluß folgt.) Briese aus meinem Kloster. Bon Hans Heinrich Ehrler*). Die ganze Arche Roah sehe ich. in meinen Klosterhof kommen, äleberallher und aller Sorten sind, die Menschenkinder^Ich freue mich, der Vielfältigen und freue mich., weil em guter Weg sie an diesen aus der Welt gehobenen edlen Ort geführt hat, um etwas m erleben das ihr Wesen auch, edler und erhobener entlassen wird. 3 Mur dw Hoffärtigen, in der Kruste des Dunkels Herem- kommenden möchte ich wieder durch das Klostertor hinausblasen Sie haben einen Stock verschluckt und eine Pfauenfeder rm ab- gewandten Körperteil stecken. Ihre Gesichter ftnb, non der Straße her. verstaubt. -Ihre Seele konnte nicht nnt- kommen weil sie verpfändet liegen geblieben ist bei den Geschäften und Erfolgen draußen, in den Kastenschranken emgelchlossen. Vielleicht wurde sie auch im Automobil vor der »Post abgelegt. ' Sie suchen Anekdoten in den Hallen des Heiligtums Schwanke vom Mönckswein, Schauergeschichten aus gruseliger GelßelMnmer und aus dem Teufelsloch darin der Doktor Faust verschwand Daß in dem.vielräumigen Pehäus nur eine Wärmestube ist, dünkt ihnen staunenswerter als' der hohe Zeitenzauber des ganzen ^^Rein^ich. möchte die Bedauernswerten nicht Hinausblasen zum Klostertvr aber dessen Steinbogen sollte sich herabsenken über ihren Durchgang, sie ängstig, kleiii und zerknirscht machen: Zeuch gckhen die Eingebundenen mit ihren verklebten Augen in der Schönheit der Erde umher und verlangen alles zu sehen, bder Mcuzeitigen fahren nranchmal auch mit ihren Wtomobilen in den Klosterhvf vor die Kirche. Die Erde ^^^Rc-ulich stiegen' dort ein Herr und eine Dmne aus. Es war niemand nah außer mir. So frug der Herr mich.: „Saggen Sie, uas Sitt 3dj. ^efamJund antwortete höflich: „Bvu Sir and Bou Wo "kann ich. eine Schrifttafel, den Zeitgenossen sichtbar, hin- fe6et£n8 bringt niemand mit auf die Welt, und doch, ist es das woraus alles ankommt, damit der Mensch nach allen Seiten zu ein Mensch sei: Ehrfurcht. # Goethe. Bruderherz! . f Ich habe mich der Armut ergeben ganz übergeben Du lachst. Molch! Denkst, ich. sei immer em Schlucker gewesen, den Gold Silber Mickel und Kupfer flöhen wie einen Fremdling, und letzt auch das allen anklebende Papier des Gantraches. Du täuschest Dich, in meiner Geheimkammer saßen doch noch Wünsche nach einem eigenen Fleck Erde, nach einem Ewusl 1 und Garten, welche ich erworben, einem andern abgemuft hatte mit Geld, daß sie aus meinen Manien ms Grunobuch emg .tragen fein sollten. Die Wünsche sind ausgeflogen auf Miminerkehr. Ich gehöre mit Leib und Seele und allen meinen Sinnen zum Orden der 'heiligen Armut, zur Brüderschaft des »ranz von Assisi, des Poverelto. 1 Wenn die Menschen auf anmal vom Geist dieses liebsten, gottesfröhlichen Heiligar ein Licht in die Betrachtimg des Erden- gutes einfließen lassen möchten! n < a Gehst Du in einen Park, gehört er nicht Dir? Siehst Du das Landhaus eines reichen Mannes auch nur von außen an, gehört *) Hans Heinrich Ehrler, der den Lesern des „Gieß. Anz" schon durch manche vortreffliche Skizze im Feuilleton ^bekamrt iH hat das Buch, geschrieben „Briefe aus meinem Kloster (Verlagsanstalt Greiner U. Pfeiffer, Stuttgart), das ebenfalls nur aus kleinen Skizzen zusammengesetzt ist, deren. btn^erZusammenaang jedoch in der geschlossenen Persönlichkeit des Verfassers , ruht. Richt Weltabwendung spricht aus dem DichterWhll des Klooer- Hofs zu Maulbronn, sondern rm Gegental tragt das fesselnde such den ausdrücklichen Wahlspruch „Es ist Zeit zu bekennen. - 151 - es nicht Dir? Hast Da nicht die Phantasie, es Dir inwendig noch viel schöner za denken, denn es der steht, der drinnen als schier immer uneingeformter Herr sitzt? So darf ich Dir auch von meinem Kloster schreiben. Wen ich nichts mehr will, gehört mir alles. Das „Reich" ist mein. Darum bin ich etwa kein „Kommunist". Das sind, umgedreht, gleichfalls befangene Leute, besessene Gewalttäter, vom irdischen Verdruß geschickt, negative Mammonisten und keine Erlöser. Ich wünsche, daß alle, welche es zu ihrem Menschenleben brauchen, einen Fleck Erde, ein Häuslein, einen Garten ihr Eigentum nennen. Sie sollen darin wurzeln, wachsen und gut sein! Es sei ihre Heimat, und Wiege ihren Sprossen. Nur die Habsucht soll aus den Augen und Händen fallen I Sie sollen wirken um des Werkes willen, welches vom Geschick in ihre Hände gesprochen ist. Andere mögen sich auch. Schlösser, Prunkhäuser bauen, sich kostbar kleiden, schöne Frauen Haben um der Schönheit willen, und edles Gerät aus Künstlers Hand. Es sei wohlgetan unt> Kultur geheißen. Ich komme einmal zu Besuche über ihre weichen Teppiche bewundere alles lauter und wahrhaft, und gehe wieder. Die 'Hochglänzendes Erdenglück haben, müssen auch, weiter hinunter steigen zutn Leid. Es ist alles ausgeglichen und im höheren Gesicht eines Matzes. 1 Doch den Orden labt gedeihen für die ganz Fröhlichen und die ganz Ernsten. 3m Haus des Dichters Gichendorff fiel niemals das Wort: Geld. Und ich hatte einen Freund, der holte zu Anfang des Krieges sein Erspartes auf der Sparkasse, 5000 Mark — fünf» tausend Mark —, gab es dem Roten Kreuz, ging ins Feld und fom nicht wieder Gr wird einer der Patrone des Ordens sein. Freilich, in meinem Kasten liegt das Sparkassenbuch. Nummer 12 758, mit 1000 Mark beschrieben auf Zins und Zinseszins. Die Summe hatte w5j erst im letzten Herbst angelegt nach, meiner Krankheit Es ist zur Vorsorge für das letzte, feste Haus: nichts mehr wird dazugetan werden. Was ich. verdiene, verbrauche ich als Nikolaus, Chr istkind, Osierhas, auf einem Ausflug, einer Wanderung, bei einem Schoppen Wein. Ein Vermögen birgt der Kasten noch. Es war vor Jahren, als Student hatte ich. auf der Universität fünf Jahre lang nicht die rechte Fakultät und nachher als Bürger noch, nicht recht dm Praxis eines Erwerbs gefunden. Da machte ich. einem Herrn eine halbwissenschaftliche Schreibarbeit, lobesam zur Freude des Auftraggebers Der reiche Mann srug, gewiß durch, Fadenschein und Spiegelglanz des schwarzen Gährocks aufmerksam geworden wre es mir so gehe. Es ging mir nicht gut, das sagte ich. verschüchtert. Der reiche Mann machte sich von ungefähr im Rebenraum zu schaffen und wie ich mich verabschiedete, hielt ich. einen geschlossenen Briefumschlag in den Händen. Das Kuvert liegt uneröffnet unter dem Sparkassenbuch, Eine Scham hielt mir damals das neugierige Meiserlein beim Ausschneiden an, trotzdem ich. Hunger litt. Und seltsam, plötzlich, nach vierzehn Tagen ging es besser. Siehe, hier ist es! Du weißt nicht, was daran ist: ich. auch nicht seit über einem Dutzend Jahren. Aber ich, denke, mehr als der Schatz Salomonis und die Milliarden der Rothschilds. Ein wenig ists wie mit der Liebe, die man nicht aufsch.lietzt, sie zu verbrauchen. Und wieder zeigt sich das Gleichnis und der Schlussel meines Lebens. Sorget nicht ängstlich . . . Manchmal, wenn recht trübe Dinge in den Zeitungen zu lesen sind, empfinde ich plötzlich, eine sonnenblaue Zuversicht auch für den irdischeir Teil unseres Vaterlandes. Mir ist ganz gewiß, daß bald Erfindungen unter uns, von einem Deutschen, gemacht werden, welche etwa den Streit um die Kohle aufheben, und andere, welche die Fruchtbarkeit unseres Ackers ungeahnt steigern. Während die Feinde nach unseren Bergwerken greifen, verlieren diese ihren Sinn: während wir dem Hunger der Abgeschnittenen in die Larve sehen, sproßt das üppigere Korn. Mir dünkt, die Erfindungen seien bisher alle Umwege und Irrwege gegangen, das große Einfache, das Ei des Kolumbus stchp aber schon aus dem Tisch-, sich finden zu lassen. Die monströse Mühsal unserer Sklavenarbeit wandelt sich, in freudiges Schaffen, unsere Last der Schulden in einen Schah. Es wird der Tag kommen, an dem wir uns nicht mchr in Sorge um die Notdurft verbrauchen, sondern unserem Wesen werden leben können. Das Zeichen des Tausendjährigen Reiches glaube ich, unter meinen Linden sitzend, am Himmel 'hervorkommen zu sehen. Wenn wir reif werden . . . Lächle nicht, Freund! Vonv bis 24. Von Dagobert Winter. Daß der Dag 24 Stunden 'hat, weiß jedes Kind, sobald sein Zählenbegriff bis zu dieser Höhe hinanveicht. Fast aber sollte man glauben die Einteilung des Tages sei von Leuten gemacht worden, die nur'bis 12 zählen konnten: denn ein vernünftiger Grund läßt sich, schwer dafür Vorbringen, daß der Tag, genau genommen, nicht in 24 sondern in 2X12 Stunden zerlegt wird. Wäre es allgemeiner Brauch, von Mitternacht bis Mitternacht durch die Stunden 0 bis 24 zu zählen, so würde der Vorschlag eines vermeintlichen Reformators, nicht 14 Uhr zu sagen, sondern 2 Uhr nachmittags, nicht 20 llfjr, sondern 8 Ahr abends, nicht 24 oder besser 0 Uhr, sondern 12 Uhr Mitternacht, nicht kurzweg 2 Uhr, sondern 2 Uhr nachts, nicht 7 Uhr, sondern 7 Uhr morgens oder vormittags, ohne Zweifel von aller Welt mit Spott uttb Hohn zurückgewiesen werden. Freilich zu jener Zeit, als die Zeit noch nicht Geld war, als auch die genaue Zeitmessung im praktischen Leben nicht die Rolle spielte, wie jetzt, als noch keine Eisenbahnfahrpläne dem eilenden Reisenden die bestimmte Minute vorschrieben, wann er einzusteigen habe — zu jener Zeit hatte man allerdings Zeit genug, sich, mit den Nebenbestimmungen morgens, abends, nachts oder vormittags, nachmittags usw. herumzuschleppen. 3n unserer schnellebigen Zeit aber sind diese Anhängsel alte lästige Zöpfe, die sobald wie möglich auf dem Altar der Zeit-, Raum- und Verwirrungsersparnis geopfert werden sollten. In einigen Ländern ist ein kühner Schritt schon vor mehr als zwei Jahrzehnten geschehen, in Kanada und Britisch-Jndien Dort ist auf den großen Eisenbahnnetzen die Zählung von 0 bis 24 Stunden Lurchgeführt. 3m Jahre 1893 folgte Italien mit königlichen Verfügungen, die für den Eisenbähndienst und sodann auch- für den öffentlichen Dienst aller Regierungs- und Gemeindebehörden diese Reform vvrschrieben. Der nächste Nachfolger war einer unserer westlichen Nachbarn. Einem Vorschlags der belgischen Staatsverwaltung gemäß, bestimmte der Minister für Eisenbähnen, Posten Telegraphen und Schiffahrt in Belgien, datz vom l.Mai 1897 ab die Bezeichnung der Stunden in allen ihm unterstellten Verwaltungszweigen mit den Zahlen 0 bis 24 geschehen solle: die anderen Minister'ordneten ein gleiches für die ihnen unterstehenden öffentlichen Aemter an. Um nun mit der Neuerung in Mitteleuropa nicht allein zu stehen, stellte auf der euv'päischen Fahr- plankvnferenz, die am 9. Dezember 1896 in Wien zusammentrat, der belgische Vertreter den Antrag, daß alle Bahnverwaltungen bei ihren zuständigen Behörden die Genehmigung zur Einführung der Stundenbezeichnung von 0 bis 24 in allen den Fahrordnungs- dienst betreffenden Kundmachungen und Dienstbehelfen erwirken möchten Eine große Mehrheit der versammelten Fachmänner entschied sich- für die Annahme. Ein italienischer Vertreter tonnte die bei der Mittelmeerbahn gemachten günstigen Erfahrungen ins Feld führen. Der Vertreter der österreichEgarrschen Staatsbahn hielt den Antrag zwar für wichtig und zweckmäßig, aber nicht für dringlich- Die Vertretung der preußischen Staatsbahnen glaubte mit der durch die Einführung der mitteleuropäischen Zeit et» reichten Uebereinstimmung der Zeitberechnung im Eisenbahndienst und im bürgerlichen Leben zufrieden sein zu müssen und sprach sich wohl aus diesem Grunde gegen eine weitere Neuerung auf diesem Gebiete aus Um so wärmer verteidigte der Vertreter der Ka>M- Ferdinands-Nordbahn den Vorschlag, indem er zugleich das Bedenken widerlegte, datz die Einführung mit allzu großen Kosten verknüpft sein würde. Eine erhebliche Mehrheit war, wie schon bemerkt nicht für das „immer langsam voran", sondern wünschte den ganz gewiß unvermeidlichen Fortschritt auch recht bald durchgeführt zu sehen. Ueber den technischen Vorteil, den die Neuerung haben würde, spricht sich ein Fachmann wie folgt aus: Zunächst werden die Fahrpläne übersichtlicher und dadurch viele Irrtümer der Reisenden namentlich, bei größeren Reisen, ausgeschlossen. Ganz besonders wird die Deutlichkeit der Kursbücher gewinnen, biejegt nach den allerverschiedensten Grundsätzen ausgestellt sind. Während in den amtlichen Fahrplänen der meisten europäischen Eisenbahnen die Bezeichnung der Nachtzeiten (6 Uhr abends bis 5 Uhr 59 Minuten morgens) Übereinstimmend durch Unterstreichung der Minutenzifsern geschieht, wobei ein Zusatz wie Vormittag oder Nachmittag wegfällt, ist diese neuere Verbesserung nur in ganz wenige Kursbücher übergegangen, weil sie die Anschaffung von Millionen neuer Lettern erfordert hätte: vielmehr sind in diesen Büchern die verschiedenartigsten Weisen zur Kennzeichnung der Tages- bzw Nack.tstunöen angewendet. So werden bei manchen die Nachtzeiten durch einen senkrechten Strich, zwischen den «tua- den- und Minutenzifsern ausgedrückt, ein Verfahren dasz. V. bei dem deutschen Reichs-Kursbuch den Durchgang der Wagen anzeigt oder man stellt vor die betreffende Spalte (manchmal auch, hinter dieselbe) eine starke statt der feinen Linie j ams wiederum'im Reichs-Kursbuch, bedeutet, datz der Zug nur 1. und 2 Klasse fuhrt, also in beiden Fällen einen gänzlich anderen öinn Bat Manche drucken die Nachtstundenziffern fett, wahrend wieder andere gerade die Tagesstunden dadurch he-vorheben. Hierzu kommen noch, die durch die Landessprachen heiworgerufeiien Verschiedenheiten, die dem Sprachunkundlgen um so größere Verlegenheiten bereiten, als sogar in eignen Sprachen verschiedene Ausdrücke sich finden, wie z. B. un Französischen statt jvs meist üblichen matin und soir oder apres-midi auch dimnes und Nocturnes.'Dabei darf nicht übersehen werden wie leicht bei dem jetzigen Dersähren Irrtümer durch, ganz kleine Druckfehler ver- ursacht werden: so genügt z. B. ein einziges s (französisch) sta.t eines m oder nm statt am (italienisch, und englisch), um die Abgangszeit eines Zuges um 12 Stunden früher oder spater erscheinen zu lassen, was besonders verhängnisvoll wird, wenn das Kursbuch der Raumersparnis wegen die Angabe der Tageszeit nur einmal etwa über dem Kopf oder an dem üußeder Spalten zeigt was schon an sich recht unbequem wirkt. Wieviel Aerger und Zeitverlust (oft von einem ganzen Tage) können dem Reifenden — 152 — nicht aus solchen Mißverständnissen erwachsen, die sämtlich bei der Durchzählung ausgeschlossen sind durch welche namentlich sogenannte Routenfahrpläne für Reisen Von mehreren Tagen Dauer ein weit klareres Bild gewinnen. Den Vorteilen, die man sich von der Annahme der Verbesserung versprechen mutz, stehen nur ganz verschwindende Nachteile gegenüber. Zunächst die mit jeder Reform verbundene Notwendigkeit der Eingewöhnung, die indessen viel leichter fallen würde, als seinerzeit die Anpassung an die neuen Münzen Matze und Gewichte. Sodann die Verwandlung einer Anzähl einstelliger Zifsern in zweistellige, es würde nicht rndyr 2 Uhr nachmittags, sondern 14 Uhl heißen; diese eine Ziffer aber verdient gegenüber dem Wegfall des Wortes nachmittags gar keine Beachtung, und an einer Stelle tritt sogar neben der Wortersparnis noch eine Ziffernerspamis ein, indem man nicht mähr sagen wurde: 12 alhr 35 Minuten nachts, sondern 0 Uhr 35 Minuten. Ein Pedant wird vielleicht Anstotz daran nehmen, daß unsere Stundenzahlen um die neue Bezeichnung 0 vermehrt werden; über diesen Einwurf kann man wähl ohne Erörterung hinweggehen. Null würde selbstverständlich im Zeitpunkte mit 24 zusammenfallen und somit diese Zähl am besten verdrängen. Ein anscheinend gewichtiger Einwand ist der Unterschied, der sich zwischen der Bezeichnung der Stunden von 13 bis 24 und den Zifferblättern unserer gewöhnlichen Uhren ergeben wurde. Aber der Schulunterricht hat in Deutschland jedenfalls, wahrscheinlich auch in ganz Europa, die Frucht gezeitigt, dah die Addierung von 12 zu irgendeiner Zahl keine Schwierigkeit : nacht. Unsere Zifferblätter sagen uns ja auch nicht, ob es Vormittag oder Nachmittag ist; diese Bezeichnung müssen wir, wenn wir auf die Uhr sehen, aus eigener Beobachtung hinzutun, und somit kann es auch kein Hexenwerk sein, daß wir am Nachmittag zu den Stunden unseres Zifferblattes 12 hinzuzählen und statt 4 Uhr 16 Uhr sagen. Uebr igens wäre es eine einfache Sache, in Zukunft die Zifferblätter mit zwei konzentrischen Zahlenkreisen von 0 bis 11 und von 12 bis 23 zu versähen. Gin sparsamer Mann kann dem Mangel sogar mit Feder und Tinte nachhelfen. Die Nachteile sind also gering, die Vorteile sehr bedeutend. Dieses Verhältnis genügt, um in unserer allen praktischen Fort- schnitten zugeneigten Zeit jeden Zweifel zu zerstreuen, daß die Neuerung, eben weil sie eine Dereinsachung und Verbesserung ist, nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden wird. Sie wird sich immer wieder in den Vordergrund drängen, bis sie ihren sicheren Platz erobert hat, sowohl im Eisenbahndienst wie im bürgerlichen Leben, Deutschland steht auf allen Gebieten der rechnischen Entwicklung in der ersten Reihe; wir sehen nicht ein, weshalb es in dieser Reform zum Nachtrab gehören soll. Kann man die Bildung echter Perlen künstlich hsrbeiführen? Von Dr. Hanns Krafft. Echte Perlen sind ausschließlich das Erzeugnis der Weichtiere (Mollusken), in deren Körperinnem sie entstehen. Die Perlen setzen sich aus den gleichen Substanzen zusammen wie die Schalen der sie hervorbringenden Tiere. Es kommen daher für die Produktion edler Perlen 'hauptsächlich diejenigen Arten in Frage, deren Schalen auf der inneren Seite von einer glänzenden Perlmutterschicht bedeckt sind. Nicht nur die verschiedenen Muschelarten erweisen sich als zur Perlbildung befähigt, sondern auch eine Anzahl von Schnecken und sogar der schalentragende Tintenfisch (Nautilus pompilius); die wertvollsten Perlen liefert allerdings die im Indischen und Stillen Ozean lebende Seeperlmuschel (Margaritifera margaritifera). Innerhalb Deutschlands produziert Perlen von Handelstvert im allgemeinen nur die Fluhperlmuschel (Margaritana margaritifera). Die Perlen entstehen ausschließliche im Innern des Tieres, und zwar in dessen Mantel, nicht etwa in dem Raume der zwischen Schale und Mantel gelegen ist. Jede Perle steckt, während sie sich bildet und wächst, in einem geschlossenen Perlsack. Dieser besteht aus der gleiche Art von Oberflächenhautzellen, die die Körperoberfläche des Tieres bedecken, und dort die Schale bilden. Infolge ihres unaufhaltsamen Wachstums können die Perlen die Oberfläche des Mantels schließlich sprengen und in direkte Berührung mit der Innenfläche der Schale treten. Dort werden sie dann scchr bald durch die weiterhin produzierte Schalensubstanz angeheftet; daher finden sich nicht selten an der Innenseite von Muschelschalen festgewachsene Perlen. Man nennt dieselben „Schalenperlen"; sie sind ihrem Ursprünge nach echte, int Körperinnem des Tieres entstandene Perlen, was auch beim Schleifen oder Zerschneiden derselben aus ihrem konzentrischen Aufbau her- vorgsht. Gerät ein Fremdkörper zwischen Mantel und Schale, so wird er ebenfalls von Schalensubstanz überzogen und an der Schale festgeheftet. Nach diesem Prinzips wurden lange Zeit hindurch in Japan und Ghina die sogenannten „Halbperlen" hervorgebracht, indem man aus Perlmutter geformte Halbkugeln, Duddhabildchmr aus Wachs und bergt zwischen Schale und Mantel der Muscheln brachte. Neuerdings ist eS dem Japaner Mikimotv gelungen, im Innern der Muscheln runde Perlen experimentell zu erzeugen, 'was in der ganzen Kulturwelt erhebliches Aufsehen erregte. Wie Dr. Eppler in der Zeitschrift „Die Goldschmiedekunst" angibt, baftert das neue Verfahren ohne Zweifel auf den älntersuchungen eines deutschen Zoologen, Dr. F. Alverdes, die schon im Jähre 1913 im „Zoologischen Anzeiger" veröffentlicht wurden. Lllverdes ging davon aus, dah das Vorhandensein eines Perlsackes, also von Oberhaut zellen, im Mantelinnern für die Perlbildung ausschlaggebend ist. Da'her wurde bei seinen Versuchen jedesmal von der Manteloberfläche der Muscheln ein Hautbezirk abgelöst und ins Innere des Mantels gebracht. Hierdurch lieh sich die Bildung von Perlsäcken und von echten Perlen bis zu 1 Millimeter Durchmesser erreichen, wozu ein 'halbjähriges Wachstum notwendig ist. Nach Dr. E p p l e r enthält nun auch die runde Japanperle im Innern eine Keine künstlich, bearbeitete Kugel aus Perlmutter. Vermutlich besteht daS neue japanische Verfahren darin, dah vor asten Dingen Mantelobeiflächenhaut und mit dieser eine kleine künstlich hergestellte Perlmutterkugel in das Innere des Wuschelmantels hineingebracht wird. Dann ist für den aus den injizierten Mantelhautzellen sich bildenden Perlsack eine feste, und zwar kugelige Form gegeben, um die er sich zur Bildung einer runden Perle 'herumlegt. Nach Auffassung der Fachleute kann von einer Entwertung der natürlichen Perlen durch die künstlich gezüchteten einstweilen noch keine Rede sein, zumal es dem erfahrenen Perlenkenner gelingt, die gezüchtete Japanperle an ihrer Eigenart in Farbe und Lüster von anderen Perlen zu unterscheiden. Vom Seelenleben gefangener Vögel. Fritz Brau n, der im Laufe von 40 Jahren gegen 4000 Vögel längere Zeit genau beobachtet hat, sucht in fernen interessanten Betrachtungen über das Seelenleben gefangener Vögel, die er in den bei Julius Springer in Berlin erscheinenden „Naturwissenschaften" veröffentlicht, den Bogel ganz aus seiner spezifischen Eigenart zu erKären. Zweifellos ist die ©efangenfettung des Vogels ein schwerer Eingriff in seine Lebensweise. Deshalb sind frisch gefangene Vögel 'häufig sehr itervös, und diese seelischen Aufregungszustände können den Tod des Tieres zur Folge »aßen. Der Vogel bleibt auch in der Gefangenschaft seinen in der Freiheit bewährten Instinkten nach Möglichkeit getreu. So erzählt der Verfasser, datz er den größten Teil seiner lebenden Scunm- lung in einem luftigen Bodenraum 'halte, in dessen Dach sich ein paar kaum talergrotze Löcher befinden. Rothänflinge und Buchfinken flogen nun wochenlang in dem Gebälk des Dachstuhles herum, ohne den Weg iirs Freie zu fnrben; dagegen waren Meisen und Haussperlinae in kurzer Zeit auf und davon. Dabei darf man nicht sagen, die Hänflinge und Finken seien dümmer gewesen, sondern Meisen und Sperlinge sind eben durch ihre Lebensweise viel me!hr an das Benutzen verborgener Schlupflöcher gewöhnt, so datz sie aus solchen Oertlichkeiten in kurzer Zeit herausfinden. Der Einfluß der früheren Lebensweise wirkt auch auf die Art ein, wie die gefangenen Vögel die sie umgebenden Gegenstände benutzen. So klammerte sich ein Stieglitz beim Schlafen an den Sprossen einer Seitenwand des Käfigs an, ohne die Stange zu benutzen, und ganz dasselbe tat ein anderer Stieglitz, der später in denselben Käfig gesteckt wurde. Während ältere gefangene Vögel leicht sehr nervös werden und deshalb eingehen, "tritt bei Jungvögeln die Angst vor dem Menschen mitunter überhaupt nicht hervor, und gerade diejenigen Tiere die im Freien am wenigstett mit Menschen in Berührung kommen und sie daher nicht fürchten, gehen mit ihnen wie mit ihresgleichen um. Die Instinkte sind schon bei ganz jungen Vögeln stark entwickelt, und vor einem ungewöhnten Gerät zeigt der wenige Wochen alte Star die größte Scheu, kann sich z. B. an einen neuen Wassernapf zunächst gar nicht gewöhnen und wird erst durch großen Durst zur Benutzung getrieben. Durch die Veränderung der Umwelt beim Käfigvogel wird fein Beweg ungs- trieb sehr gemindert. Im allgemeinen sitzen die ©efangenen von Jahr zu Jahr immer ruhiger, denn der größte Teil der Sinnes- eindrücke fehlt, die im Freien diese Bewegungen auslösen. Heber» Haupt dürfte man das Selbsttätige bei den herkömmlichen Bewegungsreihen der Vögel überschätzen. So kann z. B. von einer Nahrungssuche nicht eigentlich gesprochen werden, denn der Vogel sucht in der Gefangenschaft niemals seine Nahrung, sondern verhungert, wenn er nicht die richtige oder gar keine Speise bekommt, meistens ganz still und unauffällig. Die Frage, ob der gefangene Vogel seinen Pfleger kennt, glaubt Braun be- jähien (zu können. Allerdings interessiert ihn nicht wie unsere Mitmenschen das Antlitz am meisten, sondern die Gesamterscheinung der Kleidung und Bewegungen. Nur ganz wenige besonders intelligente Vögel, wie Papageien, Raben, Stare, erkennen den Menschen am Gesicht, die andern an der ganzen Erscheinung, und wenn der Pfleger nicht in feinem gewöhnlichen Anzug, sondern mit Hut und Mantel hereintritt, werden die Tiere meistens unruhig. Dchristleitung: August Doeh. — Druck und Verlag der Brühl'schen Aniv.-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.