Samstag, 21. Oktober «B MMS! Äs 1922 — Nr. 42 z H W Geschichten aus dem neuen KronprinZsn-Buch. Das neue Werk des Kronprinzen Wilhelm ^Erinnerungen aus Deutschlands Heldenkampf", das bei E. S. Mittler und Sohn in Berlin erschienen ist, flicht in die Darstellung der kriegerischen Ereignisse eine Fülle lebendiger Einzelzüge, die von dem Heldentum und der Gesinnung der Kämpfer nicht weniger eindrucksvoll zeugen als die großen Kampfhandlungen. Einige charakteristische Geschichten, die der Kronprinz erzählt, seien hier wiedergegeben. Der alte Göhler. Der alte Göhler, der kommandierende General des 6. Reservekorps, war stets soweit wie möglich vorn und fast immer zu Pferde. Gr hielt das für richtig, denn 1870 hätten die Führer es ebenso gemacht. Dadurch kam der Stab des Generalkommandos sehr oft in schweres Ärtillerrefeuer, was ihn aber keineswegs störte. Als die Vorhut des 6. Reservekorps bei Dun die Maas erreichte, lag der Ort unter heftigem Feuer. Die Pioniere hatten Brückenstegs und Schnellbrücken gebaut, außer einigen Kompagnien uxiren aber noch keine Truppen hinüber. So mancher mochte wohl denken, es ist ja nicht so furchtbar eilig. Der alte Göhler war mit den ersten Kompagnien hinübergegangen und lag nun hinter dem Bahndamm in vorderster Linie. Die Situation war recht ungemütlich, die Franzosen schossen wie wild, und jeden Augenblick konnte ein Gegenangriff die schwachen Kräfte wieder auf das östliche Maasufer zurückwerfen. Der alte Göhler sagte also zu Schwankes: „Her mit dem Didisionskvmmandeurl" Schlrehlich traf dieser auch ein. Der Kommandierende befahl ihm, dre Höhe -halblinks zu nehmen. Der Divisionskommandeur begann einen wohlgeformten Divisionsbefehl Punkt für Punkt aufzufetzen. Der alte Herr schnitt ihm aber Las Wort mit der drastischen Bemerkung in echtem Berlinisch ab: „Det is ja allens scheen! Hier haben Sie drei Bataillone, und na puff uff die Höhe." .Und so geschah es denn auch-. Der alte Göhler war ein glänzender Feldsoldat, ein prächtiger Mensch, ein Original. Seine Leute liebten .ihn, und ich habe ihn aufrichtig verehrt. Wie Montmedh erobert wurde. Zuweilen fehlt auch im Kriege in ernsten Augenblicken nicht die Komik. Der Stab des Höheren Landwehr-Kommandeurs, der den Angriff auf Montmedh leiten sollte, befand sich gerade im feierlichen Moment der Ausgabe seines wvWmrchSachten Angriffsbefehls, als plötzlich ein völlig verstaubter württembergischer ällanenoffizier in die Stube trat, „Mensch, wo kommen Sie in dem Auszuge her?" war die etwas unfreundliche Begrüßung. „3 komm' halt aus Montmedh." „Aber das ist doch Blödsinn. Das wollen wir ja erst erobern. Stören Sie uns nicht durchs solch« Witze in unserer -ernsten Arbeit." ,,S' tut mir wirklich sehr leid. Die Arbeit könne Sie sich spare. 3 war grad mitte drinn in Montmedh Die Franzose sind alle ftirtl" Kirchhoff singt. Der Kammersänger Kirchhoff, der eine Zeitlang im Stabe des Oberkommandos als Ordonnanzoffizier kommandiert war hat am Heiligen Abend 1914 im vordersten Graben des Regiments 130 seine Weihnachtslieder gesungen. Er berichtete mir nächsten Tages, öah einzelne Franzosen auf ihre Brustwehren geklettert wären, und so lange Beifall geklatscht hätten, bis er noch eine Zugabe hinzufügte. Hier hatte das Weihnachtslied mitten im bitteren Ernst des heimtückischen Grabenkrieges ein Wunder gewirkt und von Mensch zu Mensch eine Brücke geschlagen. i Die Meldung ins Grab. Eine schwere Batterie meiner Division war auf grundlosen Wegen unter unsäglichen Mühen herangebracht, um am Hang einer Höhe in Stellung zu gehen, von wo sie durch ihr Feuer die unter der weit überlegenen französischen Artillerie schwer leidende 3nfanterie entlasten konnte, soweit es die knapp bemessene Munition zulieh. Die von der festen Hand ihres Batteriechefs, eines allgemein beliebten Vorgesetzten, vorgeführte Batterie war noch nicht feuerbereit, als ein schwerer Eisenhagel aus sre nieder- prasselte. 3hrem Führer war die Rot seiner Kameraden in der Feuerlinie wichtiger und dringender erschienen, als die möglichst vorsichtige Vorführung der Batterie. Lage auf Lage wohlgezielter schwerer Einschläge der aufmerksamen französischen Artillerie zerschlugen in kurzer Zeit zwei Geschütze völlig, ein Teil der Bedienungsmannschaft lag blutend am Boden. Die Autzlosig- keit aller aufgewendeten Mühe einsehend, verbot der Divisionskommandeur daher die Fortsetzung des aussichtslosen Artilleriekampfes und befahl, dah die Bedienungsmannschaft die Geschütze vorübergehend verlassen und die Batterie später die Stellung wechseln solle. Es bedurfte eines energischen Befehls an den nur widerstrebend gehorchenden tapferen Datterieführer um zunächst wenigstens bas erstere zu erreichen und das Herausziehen der Geschütze dem Dunkel der Rächt vorzubehalten. Doch vergebliche Mühe. 3m Morgengrauen des folgenden Tages fiel der 'Batteriechef im Augenblick, als er selbst mit Hand anlegte, feine schwerbeschädigten Geschütze zu bergen. Aber der Wille des gefallenen Führers blieb in seinen Leuten lebendig, in der folgenden Rächt brachte sein getreuer Wachtmeister den' Rest der Batterie unter erträglichen Verlusten in Sicherheit. Wir begraben den ta puren Batteriechef an einem strahlenden Wintertage auf dem kleinen schmucklosen Dorffriedhof. Gin ruhiger Tag an der Front. Wer sich freimachen konnte, war zur Stelle, um diesem bis zum Tode getreuen Manne die letzte Ehre zu erweisen. Aach einer ergreifen-- den Ansprache des Divisionspfarrers trat einer nach dem andern heran, um dem lieben Kameraden eine Handvoll Erde in das Grab zu werfen. 2Ils letzter der Wachtmeister. — Ein kurzes Zu- fammenschlagen der Spores. — Seine innere Erregung mühsam bcherrschend und mit tränenerstickter Stimme, aber doch wie etwas Selbstverständliches, bisher Versäumtes, klang seine streng dienst- liche Meldung laut und vernehmlich über seines alten Hauptmanns offenes Soldatengrab: „3ch wollte Herrn Hauptmann auch noch melden, wir haben die Geschütze doch zurückgebracht!" Da ging eine Bewegung durch die Versammlung, ein einziges Ausschluchzen all dieser harten Männer, die, bis ins Herz ergriffen, das offene Grab umstanden. Rur stockend und mit Tränen in den Augen vermochte der alte Divisionspfarrer das Schlutzgebet zu sprechen. Badewannen für Ochsen, 3ch möchte an dieser Stelle auch der glänzend eingerichtete« Hüttenstadt gedenken, zu der die Württemberger hinter ihren Kampflinien im Argonnenwalde das Waldlager ihrer Ruhebataillone ausgebaut hatten. Der Spiritus rector dieses Lager- War ein Rittmeister Zöppritz, von Beruf Großindustrieller, ein genialer Organisator. Eines Tages besuchte ich wieder die Stätte seiner Wirksamkeit und fand zu meiner Pleberraschung in den Blockhäusern eine große Anzahl sehr schöner emaillierter Badewannen. Auf meine Frage, woher dies« stammten, antwortete « — 166 — Wie unsre Ahnen für einen warmen Ofen sorgten. Kulturgeschichtliche Plauderei von Dr. Johannes K l e i n p a u l. Auf dem Lande, in den kleinen Städten, sind seht die Leute eifrig beim Holzlesen. Vn allen solchen glücklichen Gegenden, Mo man sich auf so einfache Weise $a Helfen vermag, wird man dadurch lebhaft an vergangene Zecken erinnert. Denn früher als man Preßkohlen und Pießtorf and namentlich auch den heutigen coeiten Versand der Feuerungsmittel noch nicht kannte, spielte das Leseholz bei der Versorgung jedes Haushalts für die langen Winterwochen die allergrößte Rolle. Damals wurde ja, mit Ausnahme solcher Landstriche, die unmittelbar an Kohlengruben oder Torfmooren lagen, allgemein nur Brennholz zur Feuerung und Heizung benutzt. Anfänglich war ja auch unser deutsches Vater- tatb zum weitaus größten Teile mit zusammenhängenden Waldungen bedeckt. Selbst aus unserrn Kustenlande, wo das ietzt ganz märchenhaft klingt und „lögenhaftto verteilen erscheint von Westfalen bis nach Schleswig-Holstein, berichten al.e Chro- niken daß dort ehedem soviel Wald war, M6 ern Eichkätzchen meilenweit von Wipfel zu Wipfel springen konnte, ohne den Erdboden zu berühren. Da galt der Spruch: Dem richen walt eS lützel (wenig) schadet, Ob sich ein man mit Holze ladet. Außer in den „Bannforsten" durste jeder freie Markgenosse i jjn WaKe «den, brennen und Hauen, soviel er wollte: noch der ateSem um die Hütten, in langen Länderstrichen Raubtiere, Menschenknvchen krachend, vom Leichen- m'Ä Ehe" Tr^Haufe, und er erfand statt Blumen- O^retten^ie^man ftch einstam Morgen frisch zur Tagesreise ^ls und ^^er Klew«^nd, _ „ •““gSSSSÄ und drüccke Mn des'Geldes tote Marke in 'ßamlofen von einer Frau regierten Dolke^dem unter eang ^ blauem Himmel der Gott in einer roten Wolke auf großen Feuerbergen täglich nähe stand, ©eit lanaem schon aus diesem Meer der alte Freudengott ver ®8 geht der Gott des Arbeitsschweißes letzt umher. FabrilsHornstein und großer Faktorein Geschäftigkeit und lunger Dächer Rand auf neuen, Hellen Hasenmauern^stand. Mn Heer von Steinpalästen, von Ladenfenstern, .&ram6at,. Magen steht, gleichwie ein Arbeitslager, kreuz und quer, als neues Honolulu aufgeschlagen; älnd Telephon und Telegraphen tragen die Sorgen und Gedanken über Stadt und Meer, And Palmenwalder stehn im Hintergründe nebenher. plnd Palmengärten wsh'n, die, auf die Berge fluchtend, d.m Rauch aus den Fabriken kaum entgeh n ^r drinnen dem Land die braunen Krater und die Arwaldschluchten Die schicken unberührte Lüfte n°4 undihrer Düfte äirweltlieder ! hinunter in die vierfach farbigen Meeresbuchten i Bei Magazinen, Dach bei Dach, kreischten der Schüfe Waren- I krahnen, auf Meerkolossen, die mit finstern Mienen, mit Rauch und Arbeit in den Hafen stoßen. Sie füllen sich mit Säcken,'Körben, Kasten ihren Bauch und Hullen sich in Wolken gleich Vulkanen, And rasten stehst, du keinen. i Sie hasten alle wie die Länderfahnen an den Masten, die unruhig eilig in die Meerluft tasten. Als ob sich Fliegen an Kadavern So liegM dicht die Schiffe mit dm Treppenstiegen und mit ge- $ frätzigen Gesten an diesem Dlumeneiland, dessen Bolt, in | Die Dlumenketten, wie zu letzten Festen, aus Wagen jeden ® * | legt und frisch aus ihren Waldern hin zum Äser tragt. Da sitzen jeden Morgen Männer, Frauen rm Hafen 6a den Wavenmagazinen, I In langen Reihen an den schmutz'gen Wanden, um sich das tote I Geld mit dem Verkauf von Dlütenketten der Arwatdbiumen zu verdienen, — „ „ Das Geld, von dem doch ihrer Väter Lied nichts singt u.H das die Kinder, Männer, Frauen zum Sitzen hier im Hafen- I schmutz demütig zwingt. I Die Tropenblumen, aufgereiht in purpurn gelb und weltzen I Dlütenketten, blitzen in hingestrecktei, brauner Hand. Sie zeigen sie den Fremden, den blassen Weißen, Die Von den finstern Schisfen steigen Die Fremdm kaufen, schmu- [ «len sich der Sommerhüte Rand; und ungeschmuckt der Ein- geborene, über die Kupfermünzen still gebückt, I Daneben sich am Boden drückt. — Für Stunden und nur eine I Dacht hat sich mein Dampfer, der die Post aus Asien h«- : | gebracht, im Honolulu-Hafen eingefunden. _ | Dann hat er wieder sich für neue sieben Tage mit nur hinaus i I ins Meer gewunden, und alle Erde dann verschwunden blieb, = | Ms San Franzisko sich am Himmelsrand hinschrieb. Ein pnar Stunden in Honolulu. Von Max DautHendeh*). | “WSBWääät TBaifer war wie brennend blaues Gas, 1 Mäuler der Vulkane Hier an der Meeresstraß Rachmittag das Schiff hier eine Weile an der Küste Hockern Als lischt? man Äränke Mer aus vier Phiol^i ergossen sich vier Farbenbänke, grün unverhohlen, rosa, blau und weiß, und flössen unvermischt mT_r(> Dings um die Insel hin, vierfach in farbigem Kreis vorn Meere aufgetifcht. Das Meer steht hier vor Honolulu gleichwie ein vierfach Gartenbeet, „ .. Gleichwie mit Hellern, grünem Weizen, A^nstee^ mit blauem Enzian und weißem Schnee besät. Darüber, sHwarg grün, starrten Palmegebirge Hoch And wie gebrannter Töpfe Röte, brandbraun vulkanischer Erde Schlöt- die sind Unter dem farbigen Meeresgarten duster And^aus^der^indigogebläuten Meereslauge, na'he der Schiffswand, dicht vor münem Auge, steigen, karminrot, Weeresquall aus der Tiefe, erscheinen tote die Fliegenpilze, Steigen und fallen und gleichen Augäpfeln von einem ^^len. die feuerrot sich dir für Augenblicke aus blauem Abgrund zeigen Ach blutig ßa&en hier sich einst die Augen der braunen Honvlulu- ^'königin am Meer geweint und mit ihr alle Augen chrer Frauen, die sie im Rat um sich vereint, Damals, als dieses Dlumeneiland der Fuß der weißen Leute zum erstenmal betrat, vor denen gleich zum Gruß — wie selbst der Feuerberg, der Kilauea, niemals tat — Das Meer mit Strömen Blut sich färben mutz, nick solchen Massen, daß Mer die Meeresgassen den roten Gliedern von Korallen glichen *) „Die geflügelte Erde, Ein Lied der Liebe und der Wunder um sieben Meere" (Verlag von Albert Dingen, München) enthält neben zahllosen anderen poetischen Reiseeindrucken auch Meses Kapitel der paar Stunden in Honolulu, mit dessen ®ntnat>me totr den Lesern eine Vorstellung geben wollen von der Kraft der Darstellung dieses modernen Dichters, der die „wandernden Bilder und Gesten und Schauer", die an ihm vorüberzogen, mit dem Ziel der Sehnsucht und Li ebe verbindet. vuiv v«- '16.1013a .niu Hof bauen, in der Rot sie verkaufen und wieder bauen auch Aotholz" (zum Sarge) wurde keinem verwehrt Rur sollte nie» mund Holz aus der Mark führen und veräußern. Gehauenes Db.uholz sollte der Märker binnen Jahresfrist verarbeiten und nicht länger unberührt im Walde liegen lassen: in der Rot aber durfte er es umwenden und dann wieder ohne Gefahr liegen lassen In Westfalen freilich, wo man den Schaden ber starken Rodungen besonders empfindliche verspürte als namentliche dte harten Buchen und Eichen massenhaft gefallt touröen, um zum Dau von Stollen in den Dergwerken verwendet zu werden, waren die Markgenvssen verpflichtet, an Stelle umgelegter Baume junge derselben Art anzupflanzen und drei Jähre lang zu hegen Diese beiden Daumarten galten als die edelsten der Mark Auch sonst waren sie unseren Ahnen die wertvollsten, wegen der Schweinemast; „ Fruchtbäume" wurden sie deshalb genannt. Bald schon wurde auch ihr Wuchs und Alter unterschiedlich bewertet Solche von achtzig und mehr Jahren hiEen „Over- bäume" 'von dreißig bis fünfzig Jahren „angehende Oberbaume noch jüngere „Vorständer" und so stufenweise herunter „Somrner- fotteSogar%rmbe, die' unterwegs in Rot gerieten, Durften im I Walde ungefragt und ungestraft Holz benutzen, um ihr Fuhr werk auszubessern oder sich ein Feuer anzunuvtoi, um s^ -an Ort und Stelle — ein Gericht Fische oder Krebse zu kochen, nur durften sie fein Holz mit aus der Mark fortführen: im Gegenteil, die zerbrochenen Stücke ihrer Wagen oder Schlitten Mißten sie dort wo sie Ersatz fanden, liegen lassem Dem ehrlichen Manne war'also verhältnismäßig viel erlaubt Das mußte so seritz toin dermaleinst mußte jeder alles, was er brauchte, selber mach«r Ilm seine Ehrlichkeit zu beweisen mußte sich teAH der Reitende stets auf gebahnten Wegen halten und tm Walde ein Horn blasen, wollte er nicht für einen -.Strauchdieb gehalten werden Eine noch drolligere Destmmung 'hierüber enthalt das Fischbacher Weistum: „Wird einet im Walde beim holzhauen be troffen so soll er beiden Herren (dem Pfalzgrafen und dem Abte von Hornbach) 5 schwing 2 bannig strafe »ahl^ wenn während dem hauen ruft, wahrend dem laden Mischt und dann unentdeckt von der Stelle fährt, soll ihm die Wiße erl^n fern Auf der Stelle selbst konnte er noch gepfändet werden nicht, sobald er angefahren war. Eine andere ähnliche Satzung lautet. Wenn ein fremder, außerhalb der Mark gesessner Holz aus der Mark wegführe, wie soll tot der Holzgraf strafen. So menniger (um soviel) Schreckenberger, als Las rad nn wagen in de. Mark umgehe " And noch eine andere: „So manchen (soviel) Schritt manchen Gulden." - Die „Schreckenberger" waren eine silberne, einst weitverbreitete Münze, die in Annaberg im Erzgebirge von der Ausbeute des nähen Schreckendes geschlagen jrarte Der Holzgraf" war ein sehr angesehener Mann: sogar Leipziger Bürgermeister bekleideten diese Würde. Mit besonders schweren Strafen wurde nmhtlrcher Holzdieb stähl geahndet, nämlich mit ton Tobe denn geheimer Frevel galt nack altaermanischer Anschauung als besonders ehrlos. , Im Laufe der Jahrhunderte wurden alle diese ulten Freiheiten immer mehr eingeschränkt und alle einschilägigen Destim- ""$?« HVetÄ' d» S«» i« "&** jeher einnahm, ist allbekannt. Hier war der Ehrensitz des Herrn, von dem aus er sein ganzes Anwesen samt Stall und Dtele ubersah. Hier saßen um ihn herum, die nicht erbfähigen Brüder, hier Bitten die 'alten Eltern" ihren Sih, die im Ausgedinge bei ihm lebten, und "im weiteren Kreise spannen und webten rings um den * wärmenden Herd wintersüber die. Frauen. Auch die Katze lag hier auf ihrenr warmen „Kattenstie". So versammelte sich oas altniederdeutsche Familienleben an jedem Winterabend im ,^Horn bi’t für", tote die Ostfriesen 'heute noch behaglich diese Stelle bezeichnetr r Mannt tft, patz man das Feuer auf Bem Herde das ganze Jähr hindurch nicht ausgehen ließ. Rur mnmal m jeton Jahreslaufe wurde es vorn Herrn des Hauses feierlich gelöscht wö - neu gestärkt. Das geschäh in der WorgenfiNlhedes Jo- bAnnistaas an ton die Sonne in voller Hohe steht. An diesem Tage wurden von unfern Altvorderen im freien, auf Berges höhen mächtige Johannisfeuer entfacht, und Batwn nahm sich $eto 'ein brennendes Scheit mit nach Zause^amit to^de dann em mächtiger Stamm entzündet, der schon bereit am Herde lag und dann _ als Julbvck" — jeden Tag ein Stuck weiter vor- missten bis zum Wintersonnenwendtage ununterbrochen Brennen mußte. besitzt einen Speisesaal in weißem Lackschliff, Damen- and Rauch- salon und sogar Gelegenheit für musikalische Veranstaltungen, Promenadendeck ufro. Der Riesendampfer ist mit allen erdenklichen Sicheicheitsvorrichtungen, mit Hospitälern, Apotheken asm. ausgestattet. Das Schiss führt mit einer Maschinerie von 30 000 PS. etwa 20 Knoten, braucht also rund 8 Tage für die Ueberfah-rt von Bremen nach Reuhork; es hat zwei Propeller, ist 236,3 Meter lang und 25,5 Meter breit und verschlingt stündlich 17l/2 Tonnen Kohlen, um seine 12 Dvppelenderkessel mit 80 Feuerungen zu versorgen. ________— Wie eine alte Stadt entstand. Von dem Bilde alter Städte kann man ihre Geschichte ab- lesen wie eines Menschen Schicksal von seinem Antlitz FreitvH muß man den Blick dafür geschärft haben, wenn, man den fternernen Denkmälern ihre Erlebnisse abfragen will. Ein Werk über das alte Bremen, das soeben vom Focke-Museum für Bremische Altertümer im Insel-Verlag herausgegeben wird, bietet in fernen zahlreichen Darstellungen das organische Wachstum ernes Stadt- gebildes von den frühesten Plänen bis zu den Ansichten aus dem 19 Jahrhundert. Aus Liesen Bildern und aus, fernem trefflichen Tert erfährt man in der klarsten und anschaulichsten Werfe, wie eine alte Stadt entstand, wie sie zum mächtigen Gemeinwesen, zuin blühenden Mittelpunkt für Kultur und Wirtschaft wurde. 3m Lande der alten Sachsen, die sich so hartnäckig gegen das Eindringen des Christentums verteidigten, gab es erne Stelle am Weferftrvm, etwa 60—80 Kni. von seiirer Mündung entfernt, wo ein niedriger Dünenzug dicht an den Must herantrat uno den Uebergang unmöglich machte. Grade an dieser Stelle ist der Flustlauf in zwei größere Arme geteilt, und diese beiden Um- stände erleichterten die Aeberquerung des Stromes, boten den natürlichen Anlast zur Errichtung einer Fähre. Schon tn uralter Zeit hauste also an Lieser Stelle ein Fährmann, der den Verkehr zwischen den beiden. Weferusern »ermittelte, und an diesem Fahrort siedelten sich bald ein paar Krämer an, die allerlei mit Len Uebersetzenden handelten. Es entstanden eine Anzahl ÜMchcr- hütten auf dem niederen Dünenzug, und damit war die Urzelle einer Stadtgründung geschaffen. Für die Entwicklung dieser Siedlung aber war von hoher Dedeutung, Latz noch ein anderer .Umstand hinzrttam: bei dem Fährort war auch der Punkt, bis wohin in Ebbe und Flut der tägliche frische Atemzug des Meeres reichte, an dem Seeschiffahrt und Fluhschiffahrt zusammentrafen. So wurde denn hier gar bald Handel getrieben, und vornehmlich b°i der Fähre am sonnigen südwestlichen Dünenhange, wo ein kleiner Mustarm, die Balge, sich vom Hauptstrom abzwergte, schlossen sich die Häuser um einen Marktplatz zusammen. Der älteste Vollsversammlungsvlatz, der Tie, lag am oberen Ende der Balge und lebt noch heute in einem alten Stvatzenzuge, der Tiefer, fort. Da die Ansiedlung auf ein schmales Gelände angewiesen war, so Iie'& die Jaumartige Gestaltung des Ortes, die den Dünenzug gleichsam „verbrämte", ihr den Barnen Bremen. Zu Len ältesten Straßennamen in jener Gegend gehören der Schnoor und die Langewieren, die beide auf die fadenartig gedehnte Form der Riederlassung hindsuten. 3n die Geschichte tritt diese Siedlung ein, als auch an sie der welthistorische.Zusammenstoß zwischen Heidentum und Christentum herantritt. 3n der Lebensbeschreibung Sankt Willehads wird erzählt, Laß 782 bei einem Aufstande &er Sachsen gegen Karl den Großen der christliche Priester Gerval und seine Genossen in Bremen umgebracht wurden. Damals muß also bereits das Christentum an dem Fährvrt festen Fuß gefaßt haben, und es mag auch schon eine einfache Dorskirche bestanden haben, die wohl an dem westlichen Ende des Ortes lag, wo später die mit ihren Resten 1860 beim Dörsenbau beseitigte Wilhadi-Kirche stand. 787 ernannte Karl der Große Willehad zum Bischof in einem weiten Gebiet, zu Lessen Mittelpunkt der neue Bischof Bremen erkor. Dort errichtete er den ersten Dom als weithin sichtbare Bischvfs- ktrche auf der Dünenhöhe. Um den Dom gruppierten sich der bischöfliche Palast, die von Gärten umrähmten Domkurien und die Wohnungen der zahlreichen Bediensteten und Werlleute, die zu der Umgebung eines bedeutenden Kirchenfürsten gehörten. Kaiser Otto I. verlieh der Stadt 937 Las Marktrecht, und man hat in diesem Privileg nicht mit Unrecht die Geburtsurkunde der Stadt Bremen gesehen, die sich nun erst recht entwickeln konnte. Westlich von der bisherigen Stadt wurde ein großer Marktplatz angelegt, und die Bebauung ging nährend der Glanzzeit des erzbischöfliche Bremens von 950—1100 rasch vor sich Um den ragenden Turm der Domkirche herum entstand ein halbes Dutzend Kirchen; Giebel drängte sich an Giebel, Wohnhäuser und Speicher wuchsen empor, und so entstand auf der Balge-3nsel und in deren Nachbarschaft die Kaufmannsstadt, im Rordwesten das Quartier der Handwerker mit ihren langen Straßenzeilen. Die erste Befestigung der Stadt, von der wir wissen, war ein Wall gewesen, dec gegen die Raubzüge wilder Horden errichtet wurde. Um 1040 erhob sich die erste Stadtmauer mit Toren und Wachttürmen, und bald genügte auch sie nicht mehr, wurde um die Vorwerke Herumgeführt, die bereits über den Fluß hinübergrissen und um« spannte so ein weites Rund, in dem das vielgestaltige Leben des Stadtwesens sich in Ruhe und Sicherheit abspielte. Die älteste Christus-Statue. Die älteste bisher bekannte Statue von Christus und eins der bemerkenswertesten Kunstwerke der frühchristlichen Zeit über» Haupt hat jetzt im Thermen-Museum zu Rom Aufstellung gefunden. Wie ein Mitarbeiter des Manchester Guardian berichtet, wurde das Werk für das Museum in Rom bei einem Antigui» täten'händler gekauft, der es als eine Statue des Apollo ausgestellt lhatte. Die Plastik, deren frühere Geschichte unbekannt ist, ist ein bedeutendes Kunstwerk aus Marmor und etwa in ein Drittel Lebensgröße. Den einzigartigen Wert der Statue erkannt, man aus einer genauen Vergleichung mit den Darstellungen der Ehristusgestalt auf den frühchristlichen Sarkophagen. Es ergab sich eine vollständige Gleichförmigkeit des Typus mit der aus diesen Kunstwerken bekannten Gestalt des sitzenden Christus. Der Sessel, die Haltung der Anne, die Manuskriptrolle in der linken Hand, die Stellung der Deine — all dies ist ganz so wie auf den Sarkophagfiguren, so daß man annehmen darf, diese Aehn- lichkeit ist nicht zufällig, sondern die hier wieder aufgefundene Status stellt das Vorbild dieser bekannten Ghristus-Darstellungen dar. Aus stilistischen Gründen muß das Bildwerk in die Zeit vom Ende des dritten oder vom Beginn des vierten vorchristlichen Jahrhunderts gesetzt werden. Dadurch erhält die Plastik aber eine ganz außerordentliche Bedeutung, denn es gab bisher auf der ganzen Welt keine einzelne Statue aus so früher Zeit, die den Anspruch darauf machen kann, ein Porträt von Christus zu fein, und überhaupt gibt es sehr wenige Werke, von denen man tn irgendeinem Sinne annehmen fonn, daß sie einen direkten Zusammenhang mit der Persönlichkeit des Heilandes haben. Die wichtigste Tatsache bei dem neuen Porträt ist die, daß das Gesicht bartlos und jugendlich, in heiterer Schöne dargestellt ist. Dadurch steht dieses Bildnis in strengem Gegensatz zu der gewöhnlichen Vorstellung des Christusbildes, auf dem die Züge in düsterem oder schmerzlichem Ausdruck erscheinen und von einem Bart umrahmt sind. Dieser Typus stammt aus dem Orient, während unsere Statue di» abendländische Anschauung von Christi Aussehen verkörpert. Die Trennung tn den beiden Auffassungen entspricht der Teilung des römischen Reiches in ein Ost- und Westreich im Jahre 395 n. Chr. Es entwickelten sich nun zwei streng getrennte künstlerische Ueberlieferungen, von denen die eine der römischen, die andere der orientalischen Porträtkunst folgte, und für den westlichen Typus ist, die Bartlosigkeit bezeichnend, während das bärtige Gesicht in der byzantinischen, koptischen und syrischen Kunst überwiegt. Die erste Darstellung des östlichen Typus haben wir in einem Mosaik, das sich jetzt im Vatikan befindet; von dort geht di« Entwicklung über die byzantinische Kunst bis zu den Christus» bildern von Giotto und den Srecentiften, und erst in der Renaissance erfolgte eine selbständige Umformung der Züge. 3n der Literatur wird uns dieser orientalische Typus zuerst von Johannes von Damascus überliefert, der 754 n. Ehr. starb. Er beschreibt des Aussehen Christus als das eines Mannes von frischer Gesichtsfarbe, mit einem Teint wie Weizen, mit krausem Haar, schwarzem Bart, dichten Augenbrauen und langer Rase. ®ie früheste Darstellung dieses Typs war ein bärtiges Antlitz des zweiten Jahrhunderts, das die Callixkus-Katakomben schmückte und jetzt zerstört ist. Rur eine Kopie ist erhalten. Die westliche Uebertieferung ist nur in einer großen Gruppe kleinerer Kunstwerke aus uns gekommen, die nicht früher als gegen Ende des 4. Jahrhunderts anzusetzen sind. Reben einem geschnitzten Elsen- beinkasten des Britischen Museums und den holzgeschnitzten Paneelen an den Türen von St. Sabina auf dem Aventin zu Rom kommt da besonders ein Steinrelief auf Kleinasien in Betracht, das sich jetzt in Berlin befindet, sicherlich eine römische Arbeit ist und von Strhgowski ans Ende des 4. Jahrhunderts gesetzt wird. Dieses Steinrelief hängt mit der neuaufgefunbenen Statue eng zusammen. Auch das neue Bildwerk steht an der Grenze zwischen christlicher und antiker Kunst, und es sind die antiken Ueberlieferungen, die den Charakter der Arbeit bestimmen. Das geht schon daraus hervor, daß die Statue zunächst als ein Apollo angesehen wurde. Solche Uebertragungen antiker Vorstellungen auf christliche Kunstwerke sind ja nicht selten. Orpheus, der mit seinem Gesang die wilden Tiere bändigt, erscheint als Symbol der srühchristlichen Darstellungen; ebenso wird Christus als der gute Hirte unter dem Bilde des ein Kalb tragenden Hennes gegeben, der auf uralte antike Kultur zurückgeht. Welcher von den beiden Typen die Züge des geschichtlichen Christus wiedergibt, ist schwer zu sagen. Es scheint, als ob der Bericht des Johannes von Damascus viel Authentisches hat, und danach .würde der östliche Typ den Vorzug verdienen. Aber zweifellos ist auch der abendländische Typus eine Darstellung, die irgendwie von dem Aussehen Christi abgeleitet ist. und deshalb besitzt die neue Statue, die die früheste Verkörperung dieses abendländischen Typus bar* stellt, einen einzigartigen Wert. Schriftleitung: August Goetz. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei. R, Lange, Gießen.