fcEU W9! MM WitoiiSL EMEMZ W Marl Jollen. Von Geh. Hofrat Prof. Dr. Herman Haupt*). In den Julitag«» des Jahves 1796 hatten die Scharen der französischen Maas-- und Sambrearmee den Rhein überschritten und durch Plünderungen und Brandschatzungen weithin Schrecken verbreitet. Der Gießener Advokat Christoph Fvllenius slüchtete damals mit seiner Gattin, die ihrer schweren Stunde entgegensah, nach dem Amtssitze seines Vaters, dem abgelegenen Flecken Romrod im Vogelsberg. Dort kam Karl Jollen am 4. September 1796 zur Welt. ' , Der in sich gekehrte Knabe, der in frühester Kindheit die Mutter verloren, erschloß sich seiner Umgebung nur schwer und litt aufs tiefste unter den Neckereien seiner Gefährten. Dieser Schwäche ebenso wie der ihm als Kind eigenen Furchtsamkeit wurde er aber bald dank einer heroischen Selbstüberwindung Herr, die fortan den hervorstechendsten Zug seines Wesens bildete. Sv hat er sich noch als Schüler zu einer Massenhinrichtung gedrängt, um das Grauen vor solchen Mutszenen Niederkämpfen zu lernen. Aus dem Gießener Thnrnasium trat Karl seinem Lehrer Friedrich Gottlieb Weicker, dem später weithin bekannt gewordenen Archäologen, besonders nahe. In der Zeit, als Napoleon unumschränkt über die Rheinbundstaaten gebot, hatte dieser tapfere Patriot die Pflege deutschen Wesens und vaterländischer Gesinnung in den Mittelpunkt seines Unterrichts gestellt. Wie empfänglich gerade unser Karl Follen für diesen vaterländischen Lehrgang war, beweisen uns zwei seiner Aufsätze, die aus dem Jahre 1810 ober 1811 stammen. Sie zeigen uns den Knaben von grimmigem Hasse gegen die französischen .Unterdrücker erfüllt und auch entschlossen, sich bis zum Aeußersten im Kampfe für das Vaterland einzusehen. In jener Zeit schmählichster Fremdherrschast wurzelt Fallens dämonischer Freiheitsdrang, aber auch der ihn für sein ganzes Leben beherrschende Gedanke, daß der Einzelne in jedern Augenblicke zum Opfertode für das Vaterland bereit fein müsse. Zu Ostern 1813 Be$og Follen als Student der Rechtswissenschaft die Gießener Universität. Neben Jahns Volkstum haben in dieser Zeit besonders die Gedanken von Fries und Fichte starken Einfluß auf ihn gewonnen. Nach der Leipziger Schlacht schloß sich der Siebzehnjährige mit feinem älteren Bruder Adolf dem Korps der hessischen freiwilligen Jäger an, unter deren Fahnen sich die meisten Schüler Gottlieb Weickers sammelten. Schon auf dem Marsche durch die Schweiz mußten aber die Jäger die Kunde von dem Abschlüsse des Waffenstillstandes vernehmen. Tiefe Enttäuschung hrachte dann der außerordentlich ) Aus dem in Carl Winters Universitätsbuchhanölung Heidelberg erschienesten höchst lesenswerten Werke: Haupt- Wentzck«, Hundert Jahre deutscher Burschen- s ch a f t. In dieser Sammlung von Lebensläufen hervorragender Burschenschafter in den hundert Jahren, die von den Tagen der Befreiungskriege bis zum letzten großen Wettkampf hinführen, sind alle Berufe und alle Hochschulen vertreten. Den Dichtern Wilh. Hauff, Fritz Reuter, Scheffel und Walter Flex treten Männer der Wissenschaft, wie Heinr. v. Tveitschke, Max Duncker und Karl Hase zur Seite. Uwe Jens Lvrnfen verkörpert den Freiheitskampf Schleswig-Holsteins, Armand von Dumreicher und B. v. Kraus die Anfänge der nationalen Bewegung in Oesterreich, während uns das Leben Ernst Mackensens zu den Anfängen der Bagdad-Bahn ctaf den Höhepunkt deutscher Weltwirtschaft führt. scharfe Gegensatz, der zwischen den jungen Patrioten und einem Teil ihrer in Napoleons Heer geschulten Offiziere sich herauS- bildete. Ließ sich doch der Höchstkvmmandierende, Prinz Emil von Hessen, zum Erlasse eines Tagesbefehls hinreiben der die Freiwilligen geradezu der „Entehrung des hessischen Namens" beschuldigte! Sang- und klanglos wurde das Korps, denr man geflissentlich den festlichen Einzug in die Hauptstadt versagt hatte, am 1. November 1814 aufgelöst. Auf diesen schrillen Mißklang folgte für Karl Follen, der damals sein von Sehnsucht nach ruhmvollem Kriegertod erfülltes Lied „Körners Totenfeier" dichtete, rasch genug eine neue grausame Enttäuschung in seinen vaterländischen Hoffnungen. Die an die Gießener Hochschule zurückgekehrten Freiwilligen hatten sich dort im November 1814 zu einer „Teutschen Lesegesellschast" zusammengetan, die vaterländischer Begeisterung voll im Sinne Jahns und Arndts die Einigung der Studentenschaft und die Pslsge deutscher Art und Sitte sich zum Ziele setzte, und an deren Spitze Adolf Fvllenius trat. Nach wenigen Monaten schon, im Februar 1815, brach dieser erste Gießener burfchenfchaftliche Bund in sich zusammen. Neben der Auflehnung gegen den un- verträglichen, der Feigheit geziehenen Führer Hat auch die grundsätzliche Gegnerschaft der alten Landsmannschafter gegen den studentischen Einigungsgedanken und gegen die von den Brüdern Follen ins Werk gesetzte Reform des Komments die Auflösung der Gießener „Teutonia" herbeigeführt. Zur gleichen Zeit, als in Jena die dortigen Landsmannschafter ihre Verbindungen in der Burschenschaft aufgehen ließen, werden in Gießen in bewußt partikularistischem Geiste wieder landsmannschaftliche Verbindungen von neuem aufgerichtet, die nun die Anhänger des burschen- schaftlichen Gedankens aufs schärfste bekämpfen und sie bei den Universitätsbehörden hochverräterischer Unternehmungen bezichtigen. Als die Schwarzen — dieser Name war den burschenschaft-- lich' Gesinnten wegen der von ihnen beibehaltenen altdeutschen dunklen Tracht beigelegt worden — im Jahre 1816 die große Mehrheit der Gießener Studentenschaft für die Einsetzung eines Ehrengerichtes gewonnen hatten, wußte der reaktionäre Universitätskanzler Arens im Bunde mit den Landsmannschaften die Ausführung dieses Plans noch in letzter Stunde zunichte zu machen. Wohl bildete sich auf Grundlage der von den Schwarzen ausgearbeiteten Ehrengerichtsordnung, des „Ehrenspiegels", tut Dezember 1816 eine gegen 70 Mann starke „christlich-deutsche Burschenschaft". Aber auch dieser „Freistaat zur Bildung von Demagogen und Freiheitsstürmer", wie ihn Arens nannte, verfiel alsbald der obrigkeitlichen Auflösung. Kein Wunder, daß unter solchen Umständen die Gießener Reformer in eine immer unversöhnlichere Gegnerschaft gegen das herrschende politische System hineingetrieben wurden. Hatte Follen, der gleich andern seiner Genossen im Sommer 1815 in das Geheimnis des bekannten Hvsfmannschen Bundes ge° gegen worden, damals noch ditf die Einigung Deutschlands durch ein freiheitlich regiertes Preußen gebaut, so wurden solche Hoffnungen durch die unheilvolle Wendung der preußischen Politik nach der Schlacht bei Waterloo rasch genug erstickt. Nicht mehr von den deutschen Fürsten und ihren Staatsmännern erwarteten denn die Gießener Freunde Deutschlands Heil, sondern vom Volke selbst. Die breiten Schichten zur Erkenntnis ihrer Rechte und Pflichten zu bringen, die Durchsetzung demokratischer Verfassungen in den deutschen Ginzelstaaten als Vorstufe zu einem deutschen Parlamente, dies schien fortan Follen der einzig mögliche Weg, um den deutschen Einheitsgedanken zu verwirklichen. Die 26 tischen Begeisterung für deritfches Volkstum und für Die Herrlichkeit deutschen Kaisertums hatte er abgesagt und sich mehr und mehr dem Banne der Gedanken der französischen Revolution gesangengegeben, die ja gerade am Mittelrhein seit langem einen besonders empfänglicher Nährboden gefunden hatten. Gin Zeugnis für diese scharfe Wendung zum Radikalismus besitzen wir in den „Grundzügen für eine künftige Reichsverfassung", in denen die Gießener Schwarzen die Ergebnisse ihrer seit dcnr Winter 1817/18 geführten politischen Unterhaltungen zusammengesaht hatten: Ein deutscher Einheitsstaat, auf die Schweiz, Elsaß und die Niederlande ausgedehnt, in Reichslande und Gaue geteilt; in den Landtagen und Reichstagen &e8 Volkes „rechtliche Allmacht und Alleinmacht" dargestellt. Die Fürsten der Reichslande und der König, die aus der Wahl der Volksvertreter hervor- gehen, unterstehen strenger Aufsicht. Auch die an die Stelle der stehenden Heere treten be Miliz wählt ihren Kriegsrat und Feldherrn. Äiündliche und öffentliche Rechtsprechung nach einem einheitlichen deutschen Recht. Einführung einer Einheitsschule, die die sozialen Schranken niederlegt. Bereinigung aller Konfessionen zu einer die Sittenzucht streng überwachenden christlich-teutschen Kirche. Fvllens Feuergeist hat freilich auch das demokratische Staats- gehilde dec Gießener „Grundzüge" noch nicht befriedigt. Im Sommer 1818 setzte er bei ihrer nochmaligen Beratung die Beseitigung der Einzelstaaten, die Gliederung des Reiches in Gaue mit "gleicher Seelenzahl (offenbar nach französischem Muster) und die Streichung des Königstitels des Reichsoberhauptes durch. Bedeutsamer noch als diese Abwendung von der monarchistischen Staatsform war es, daß Fvllen, zu dem seine Freunde wie zu einem unfehlbaren Propheten aufsahen, in diesem Kreise. gleichzeitig durch die Aufstellung der Lehre von der unbedingten Geltung der persönlichen sittlichen Äeberzeugung einem schrankenlosen Individualismus Eingang verschafft hat. Ein Stammbuchblatt Fallens aus seiner Jenaischen Zeit, ein Zeugnis des tiefgehenden Einflusses von Fichtes Subjektivismus, nennt den feige, der, „toenn er sieht, daß das Leben, wie es ist, das älrbild seines Strebens in seiner ganzen Wahrhaftigkeit nicht aufnehmen will, von seinem Urbilde etwas abbrechen zu müssen glaubt, damit er es dem Leben anpaßt, statt daß er seine Denk- und Tatkraft nur noch mehr angespornt fühlen sollte, um fein Streben noch höher zu spannen und noch schärfer durchzuführen: des festen Glaubens, daß das Einfachste, das 'Wahre, dennoch endlich herrschend in das Leben eintreten müsse." Aber auch für die Wahl der Mittel zur Verwirklichung des sittlichen Ideals ist die freie .Ueberzeugung nach Folien allein entscheidend: wenn ein guter Christ etwas aus voller üleberzeugnng zu höheren Zwecken und zu des Vaterlandes Bestem tut, so hat er stets recht, auch gegenüber dem gewöhnlichen Sittengesetz. Die furchtbaren Gewissenskonflikte, in die Fallens Freunde durch diesen seinen „Grundsatz" gebracht wurden, kennzeichnet am besten die Aeußerung eines der „Anbedingten": „Gr ziehe es vor, wegen einer gegen Gottes Gebot verstoßenen Tat, die sein Volk errette, in die ewige Verdammnis zu gehen, als alle seine Volksgenossen dauernder Knechtschaft zu überlassen." Für Zöllen freilich, dessen Phantasie von den Dlutgerichten der alttestamentlichen Propheten über die Daalsdiener erfüllt war, gab es solche Gewissensnöte nicht: in dein heiligen Kriege des um seine ewigen Rechte gebrachten Volkes gegen die gottlosen Zwingherren und Molochspriester war für ihn jede Freiheitstat, zumal wenn der Einzelne gleich Jesus sich selbst zum Opfer brachte, durch die Glorie religiösen Martyriums verklärt. In einer Reihe von revolutionären Dithyramben aus den Jahren 1816—1818, die später in den Rahmen be8 „Großen Liedes" zusammengefaßt wurden, hat Karl Folien das blutige Gericht, das die Märtyrer des Freiheits- gedankens in Gottes Auftrag vollziehen, um alsdann freudig das eigene Haupt unter das Richtbeil zu legen, in Bildern von zügelloser Wildheit, zum Teil allerdings auch von packender Wucht und schauerlicher Schönheit geschildert. Während so Karl Follens dämonische Leidenschaft seine Vertrauten an dem schwindelnden Rande moralischer Abgründe hinsührte, ist die Saat der von den Gießener Schwarzen ausgestreuten studentischen Reformgedanken allenthalben im burschen- schaftlichen Kreise verheißungsvoll aufgegangen. Zielbewuht hatten Folien und die Seinen an einer Reihe von Universitäten enggeschlossene Zirkel von Gesinnungsgenossen innerhalb der Burschenschaft gegründet. Von jenen Mittelpunkten aus wurde dann auf den im Jahre 1818 begründeten großen deutschen burschenschaftkichen Bund eingewirkt. So konnte, es geschehen, daß die im Gießener Ehrenspiegel geforderte Reform des Duell- Wesens durch Einsetzung von Ehrengerichten, die Beseitigung der mit der pennalistischen Altersrangordnung verbundenen Mißbräuche, die Ausprägung des christlich-germanischen Charakters der Burschenschaft durch Ausschluß aller Nichtdeutschen und Nichtchristen und durch das Gebot streng sittlicher Lebensführung, daß alle diese Forderungen in überraschend kurzer Zeit in die Gesetzgebung der allgemeinen deutschen Burschenschast übergegangen sind. Durch Kotzebues Ermordung wurde dieser vielversprechenden Blüte burschenschaftlichen Lebens ein jähes Ende bereitet. Karl Sand, der Folien schwärnterisch verehrte und auch dessen Zu- • neiaung in hobem Grade besaß, hatte "zweifellos von Foilens Kerntruppe für die Revolutionierung der öffentlichen Meinung sollte aber- nach Follens Auffassung die akademische Jugend werden: von den Universitäten sollte eine vollständige Umbildung des geistigen, sittlichen und politischen Lebens des deutschen Volkes ins Werk gesetzt werden. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, erhält der Gie - heue r Ehrenspiegel eine über die studentische Verbin- dungsqeschichte weit hinausgehende politische Bedeutung. -Hut seiner' Abfassung erstrebten Karl Folien und seine Freunde die Begründung eines akademischen Idealstaates, dessen Grundsätze aus allen deutschen Hochschulen zur Geltung kommen und der „Regeneration" Gesamtdeutschlands den Weg bereiten sollten. Rur Deutsche und Christen sollten diesem Burschenstaate angehören dürfen. Mit dem Hinweis auf die strenge Tugend des alt» germanischen Geschlechtes, das aus seiner Reinheit seine Welt- bezwingende Kraft schöpfte, aber auch auf des Heilands Vorbild wurde von dem jungen Burschenschafter nicht nur Keuschheit' sondern geradezu der Verzicht auf Frauenliebe gefordert, um sich ungeteilt dem Dienste des Vaterlandes hinzugeben. Auch der studentische Ehrbegriff wird von Fvllen in engste Verbindung mit der ethischen und vaterländischen Gesinnung gebracht. ' Zum erstenmal begegnet im Shrenspiegel die scharfe Unterscheidung zwischen innerer und äußerer Ehre. Der Widerstreit zwischen beiden Begriffen wird durch, eine Regelung der studentischen Beziehungen nach sittlichen Grundsätzen unter Beseitigung' der Minderrechte der jüngeren Semester und durch Errichtung eines Ehrengerichtes zu lösen gesucht, das Leig- heit sowohl tote Verstöße gegen Sitte und Tugend, aber auch böswilliae Beleidigung unter Strafe stellt. Rur als letztes Mittel zur Giitscheidung über Recht und Pinrecht wird der Zweikampf zugelassen. Indem so die Schwarzen die studentische Mensur zu einem förmlichen Gottesgericht gestalteten, haben sie die ihnen eigene Willenskraft auch, im Gebrauche des Schlägers betätigt und sich damit, allen voran Karl Fallen, ihren Gegnern als Meister in der Führung der Klinge furchtbar gemacht. Der Ausbildiing der körperlichen Kräfte im Dienste des Vaterlandes sollte vor allem die Turnkunst dienen, die von den Schvarzen als begeisterten Verehrern Jahns weithin in Hessm, auch, in den nichtstudentischen Kreisen eingebürgert wurde. Von Arndts „teutschen Gesellschaften" batten chie Schwarzen ferner die Veranstaltung von Vorträgen über wissenschaftliche, religiöse und politische Fragen übernommen — die erste Form der für die spätere Entwicklung so bedeutungsvoll getoorbenen burschenschast- lichen Kränzchen. Untrennbar von ihrem vaterländischen Empfinden war endlich die herbe Frömmigkeit der Schwarzen, deren Wurzeln in-dem erschütternden Ernste der Freiheitskriege und in den starken Einwirkungen Arndts und Schleiermachers zu suchen sind, und die aus den Lichern Karl Follens und seiner Freunde widerhallt. Es toar der ihnen im Flammenglanze des Sieges über die Welschen aufgegangene deutsche Gott, an den sich die feurige Andacht der Schwarzen richtete. Für ihre reli- giöfen Anschauungen gab es keine trennenden konfessionellen Schranken. Durch die Schaffung einer deutschen Reichskirche sollte das deutsche Giniguiigswerk seine Krönung erhalten. So weit auch solche Phantasien die Schranken aller gegebenen Verhältnisse überflogen, so waren doch die Schwarzen keineswegs gewillt über ihrem himmelstürnreiiden Deutvnismus dem tätigen Eingreifen in die damals im deutschen Süden entbrannten Politischen Kämpfe zu entsagen. So sehen wir Karl Fvllen im Sommer 1817 bei der Abfassung der an den Bundestag gerichteten Petition um die allgemeine Einführung landständischer Verfassungen Mitwirken, während feine Gießener Freunde ebensowohl an der Verbreitung jener Massenbittschrift wie an den lebhaften Agitationen sich beteiligen, die sich auf die Durchsetzung einer Volksvertretung im Großherzogtum Hessen richteten. Als schon weithin bekam'.ter Dolkstribun errang im Herbste 1818 Karl Zollen der hessischen Regierung gegenüber einen außerordentlichen Erfolg. Im Auftrage von mehreren Hunderten oberhessischer Gemeinden, die bisher vergeblich gegen die von der Regierung in Aussicht genommene Regelung der drückenden Gemeindeschulden durch eine staatliche Dchuldenlilgungsanflalt Verwahrung eingelegt und sich eigenmächtig zu einer Art von Provinzialparlament zusanunengeschlosserr hatten, arbeitete der kaum Zweiundzwanzigjährige eine Beschwerdeschrift aus, die den Plan der Regierung mit einem Schlage zu Fall brachte. Die Vergeltung dafür blieb freilich nicht aus. Fvllen hatte sich im Sommer 1818 als juristischer Privatdozent in Gießen habilitiert, sah sich aber alsbald mit einer .Untersuchung wegen seiner Tätigkeit in der hessischen Verfassungsfrage und. mit der Entziehung der Venia legendi bedroht. Es war eine Art von Flucht, als er im Oktober 1818 an die Universität Jena, damals dem einzigen Hort der akademischen Freiheit in deutschen Landen, übersiedelte. Diese neuen Kämpfe und Enttäuschungen und der seit dem Wartburgfeste immer unverhohlener sich kundgebende Wille der Reaktion, den „entarteten Zeitgeist" niederzuringen, hatten Zöllen inzwischen auf der Bahn zum Radikalismus ungemein rasch weiter geführt. Seinen Zukunftsstaat auf der durch die Dundes- akte geschaffenen dynastisch-territorialen Grundlage aufzubauen, lehnte Fallen nun mit aller Bestimmtheit ab. Ader auch her einst ihft grimmem Hasse gegen -st» Wrlschm verbundenen roman — S7 — (Schluß folgt.) Unter Gssthe als Thealerdirektor Das anschaulichste Bild des letzten Jahres von Goethes Dühnenleitung nennt Albert Köster das Tag ebn ch der De- moNelle Ernestine Engels, aus dem er zum erstenmal in dem im Insel-Verlag erschienenen „Jahrbuch der Sammlung Kippen berg" näheres mitteilt. Die Schauspielerin, deren Aufzeichnungen aus dem Jahre 1816 uns hier in ihrem allgemein interessierenden Inhalt zugänglich gemacht werden, gehörte zum Kreise Christianens von Goethe zu den »Lustigen von Weimar, die die lebenslustige Frau um sich sammelte und die der Dichter in berühmten Versen gefeiert. Auf das lebendigste werden trnr hier in das Weimarer Lebsn, in Goethes Theaterleitung und in das Leben in feinem Hause eingeführt. Obwohl tm Winter 181« fast alle Bewohner Weimars von einer Art Grippe geplagt und daher recht anfällig waren so jagte doch ein Fest das andere, und auch im Theater war Hochsaison. Der Mittelpunkt des ganzen Theatertreibens aber war Goethe und sein Haus, Zwar tvar der Dichter damals bereits theatermüde. Lange genug hatte er der Schaubühne gedient und konnte damals bereits auf eine 25jährige Direktion der Bühnen zurückblicken. Roch immer interessierte er sich für einzelne Schauspieler, so viel Undank er auch geerntet hatte: die Engels stand ihm als Freundin seine: Frau besonders nahe: er war väterlich für sie besorgt und behandelte sie wie die andern Frauenzimmer oft als große Kinder. Sv berichtet das Tagebuch z. D am 8. Januar 1816: „Vormittags ging ich zur Riemer, «ie war höchst piauant und fatal. Ich ärgerte mich und hielt mich nicht lange aus. Von da zur Goethe», wo ich frühstückte. «Pater kam Goethe herein, wir aßen Weinschaum mit ihm, er sprach über i die Rolle in Epimenides und ging bald wieder. Ihn J/,12 fuhr ich mit ihr spazieren." So geht die Engels bei Christiane aus und ein. Typisch ist z. D die folgende Eintragung vom 21. Marz: „Früh zur Goethen wegen dem Pettinettuch zur Großmama; sie gab es mir. Ich ging zu ihm hinter und bat ihn, mich in Achilles freizulassen: er bewilligte es gern. Run ging ich zu Wolffs; sie lasen mir Sachen aus dem Deklamatorium vom I nachher überhörte ich ihr die Romeos-Rolle. Um 5 ging ich zur Goethen, wo Deut) und Unzelmann waren. Whist. Wir gingen sehr bald nach Hause, weil die Goethen einen schrecklichen Schnupfen hatte." Goethes Geist waltet über dem ganzen. „Un- widersprechlich geht selbst aus unferm dürftigen Tagebuch hervor “ sagt Köster, „tote alles an den Augen des Gewaltigen hing, sein Lächeln wie ein Glück empfand und seinen Zorn scheute. Es bedurfte viel Wühlarbeit, um ihn 1817 zu stürzen. Zwepel- I los war die Weimarer Bühne damals schon im Verfall. -Hut einziger Ausnahme des „Epimenides", den Goethe erst in seinem Hause mit Öen einzelnen Schauspielern einübte und bet dem dann auf der Bühne jede Szene probiert wurde, wurden die I Schauspiele ganz obenhin geprobt, trotzdem nur dreimal oie | Woche Vorstellung war. Bei einfachen Unterhaltungsstucken legte | sich jeder seine Rolle selbst zurecht. • . . Das Rollenfach der Demviselle Emgels ist sehr vielseitig. Obwobl sie eigentlich als Soubrette engagiert-ist, spielt sie oap im „Wallenstein" die Herzogin von Friedland, in der „Jungfrau von Orleans" die Königin Jsabeau, im „Götz von Berlich-mgen die Elisabeth. Allzuviel beschäftigte sie sich mit ihren Rollen nicht, da fast der ganze Tag 'mit Bestochen und Kartenspiel, nut Gesellschaften und Liebeleien hinging. Vielleicht daß sie nach dem Leben viel studierte, Beim sie zeichnet am 2t. Mat auf datz sie an dem Tage dreimal den Warft besucht habe; und am Abend hatte sie eine Öbsthändlerin zu spielen. Die Schauspielerei reichte I auch zum Lebensunterhalt schlecht aus, und so scheint vte Engels sich mit Schneiderei durchgeholfen zu haben, tote andere Schau- | spielerinnen Schwämme, Schminken Stoffe usw. verkauften tthre geschickte Hand kam ihr beim Herstellen von Kostümen sehr zu- statten Erhielt doch jedes Mitglied der Weimarer Buhne, das ein erstes Fach spielte, jährlich 50 Taler Gardervbegeld, und dafür waren nicht nur alle zeitgenössischen Kleider sondern auch sämtliche historische und phantastische Kostüme zu beschaffen. Jedes Kostüm wurde sofort nach Erledigung eines Stuckes in ein anderes umgeschneidert, und dabei war die kleme Engels den großen Damen der Bühne sehr behilflich. Unter diesen Beherrscherinnen des Theaters steht auch in unferm Tagebuch die Freundin des Herzogs, Frau von Heygendorf, obenan, der Sie Engels sehr den Hof macht. Mit großem Schmerz sah man damals das Ehepaar Wolff scheiden, das nach Berlin ging und an dem die Engels sehr hing. Der gute Geist m diesem ganzen Duh>wn- und Schauspielerwesen aber war Christiane. Sie tritt in dem Tagebuch überaus wohltuend, bescheiden und menschenkmtdtg hervor Für alles hatte sie Rat und Hilfe und wußte manchm Zwist unter dem leicht erregbaren Schauspielervolkchen zu schlichten Bei ihren Ausfahrten und ihren behaglichen Sprelabenden tst sie stets von den Freundinnen, zu denen auch die Engels ^gehörte, begleitet. An ihrem letzten Krankenlager bucht das Tagebuch ab. „Rachmittag zur Goethen, die sehr krank war, .heißt e« am 31 Mai „Der Geheime Rat Bat mich, da zu bleiben. Ich blieb den ganzen Tag dort. Die Riemer und 'Vulpius auch Am 2 Juni schreibt sie: „Früh mit meiner Arbeit zur Goethen, sie war sehr krank. Ich blieb bis zur Probe dort. Benn Rach hausegehen wieder zu Gvethens: sie war bis zum Tode schlecht Die Riemer und Vulpius blieben mit mir bis um 10 dort. Dann traurig nach Hause." Dis Kanarienvogel.') Von Friedrich Stvltze. „David," hat e Prinzipal zu sei Kvimnis gefacht. „Davids hat er gesucht, „gehn Se doch emal gleich ehinner ins „Brauns.ls •V'ÖruS „Friedrich Stvltze, Pracht-- un Wunnerkepp, Gedichte und Erzählungen": mit 8 Lithographien, iFrankfurter Verlags-Anstalt A.-G.) Das kleine Händchen enthalt einige Perlen der henchaften Werke des Frankfurter Dialeftdichters. wildem Jakobinismus tiefe Eindrücke, empfangen. Mord- 1 plan gegen Kotzebue hat aber der beschranfte grüblerische Fana- ttker sicherlich aus seinem eigenen Inneren geschont. Mit eiserner I Stirne hat Folien den Gefahren getrotzt, in die ihn die im I Gefolge von Sands Tat eingeleitete Untersuchung verstrickte. I An einer weiteren fruchtbaren politischen Tätigkeit auf deutstyem i Boden verzweifelnd, hat er schon im Herbst 1819 seinen Blick I auf die neue Welt gerichtet, wo nach seinem großzügigen Plane durch gemeinsame ileberfieöelung der deutschen Demokraten der I deutfch-Hristliche Jdealstaat als Glied der nordamertkanischen Vereinigten Staaten seine Verwirklichung finden sollte Als sich Folien in Gießen von neuer Verhaftung bedroht sah, entwich I er im Januar 1820 nach Straßburg. Kaum hatte er dann m Paris engere Beziehungen zu den Führern der französischen Liberalen und Republikanern angeknüpft, so verschloß ihm die I allgemeine Ausweisung der politischen Flüchtlinge auch das fran« | zösische Asyl. Rach weiteren Irrfahrten in der Schweiz sand er im Juli 1820 eine Anstellung an der Kantonschule zu Chur. I Von hier aus hat nun Folien'abermals entscheidend in oie Ge- 1 schichte der Burschenschaft eingegriffen — durch die Stiftung I des Jünglingsbunds. I Noch- immer von dem Gedanken beherrscht, von festgeschlvs- | Jenen Kreisen politischer Gesinnungsgenossen aus Einslutz auf die breiten Volksschichten zu gewinnen, war Folien durch feine neuen französischen Freunde und durch eine Reihe von Flucht-- 1 [innen aus dem Lager der italienischen Carbvnari in seiner Lieber- | wtmung von der hohen Bedeutung solchen Geheimbundswefens noch bestärtt worden. Dem reaktionären System der heiligen Allianz dachte er eine Liga der unbedingten Demokraten aller I Länder, bis nach Reapel und Spanien, entgegenzusehen, deren vereinte Kräfte die republikanische Idee zum Siege fuhren feilte. Der deutschen akademischen Jugend war dabei eine führende Rölle zugedacht. Der Jenaische Burschenschafter von Sprewlh, der sich zur Beteiligung an der Piemontesischen Revolution nach der Schweiz aufgemacht hatte, wurde im April 1821 von Folien damit betraut, an den deutschen Universitäten Anhänger für den „Jünglinasbund" zu werben; ein „Mannerbund sollte diesem । Ziel und Richtung geben. Während es dem energiscyen Sprewitz gelang, in rascher Folge gegen 150 Mitglieder ans dem bursche^ schaftlichen Kreise der verschiedensten Hochschulen für den Jung- lingsbund zu werben, ist der Männerbund, trotz wiederholter gegenteiliger Versicherungen Follens, ein Phantasiegebilde geblieben Da die Eröffnungen der angeblichen geheimen Oberen von einem Bundestage zum andern vergeblich erwartet wurden, so hatte sich der Bund tatsächlich schon langst aufgelöst, bevor die Denunziation eines Mitglieds im Jahre 1823 die Untersuchung gegen die Bundesglieder herbeifuhcte. Es waren zum Teil die 'Besten des burschenschaftlichen Kreises, die als Opfer von Fallens blinder politischer Leidenschaft lange Jahre ihres Lebens im Kerker vertrauern mußten In Ehur hatten Follens freie religiöse Auffassungen ihn inzwischen schon bald in Konflikte mit der kalvinistischen Ortho- dorie gebracht. Aus seiner unerfreulichen Sage Befreite ihn die ehrenvolle Berufung als Lektor der Rechtswisfenschast an die feit 1817 neu organisierte Universität Basel, an der er vom Oktober 1821 ab drei Jahre hindurch erfolgreich wirkmi durfte Außer seinen juristischeii Vorlesungen hielt er auch solche über Psychologie und Logik. Auch entstanden in dieser glücklichen Zeit zwei bedeutsame philosophische Abhandlungen „Äeber die Bestimmung des Menschen" und „lieber die Lehre Spinozas Die Univerfitätsbehörde zollte ferner Lehrtätigkeit die höchste Anerkennung und nahm seine Ernennung zum Profegor tn Aussicht Und endlich schien auch der von Fallen geschloffene Herzensbund mit der Schwägerin seines Freundes und Kollegen Jung ihm ein dauerndes, ruhiges Lebensglück auf schweizerischem Boden 8U Ö®toi®ntioedung des Jünglingsbundes hat auch über seinen Stifter fchweres Verhängnis heraufgeführt Im August 1824 wurde von Oesterreich und Preußen die Auslieferung Follens unter stärkstem Drucke gefordert. Von der ihm drohenden Ber- haftung noch rechtzeitig unterrichtet, rettete Sollen, in dem Futterkasten eines Reifewagens versteckt, am 23. Oktober über die schweizerische Grenze. Auch in Frankreich verfemt, mutzte er sich glücklich preisen, daß er unerkannt Havre erreichte, von wo er sich nach Reuyvrk einschiffte. 1 28 Schriftlettung: August Goetz. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univ-BuHü SlMdmcke^i. R. Lange. Gießen.' ^sche Lhrtk seit Liliencron, Verlag Februarschnee.') Von Cäsar Flaischlen. Februarschnee Tut nicht mehr weh, Denn der März ist tn der Aäh'i Aber im März Hüte das Herz, Daß es zu früh nicht knospen totlll Warte, warte und sei still I älnd toär’ der sonnigste Sonnenschein, ülnd wär' es noch so grün auf Erden. Warte, warte und sei still: Cs muh erst April gewesm sein, Devvr es Mai kann werden! Der Luftwiderstand. m , De.wegt YH ein Körper, z. V. ein Automotil, mit großer Geschwindigkeit, so setzt ihm die Luft einen großen Widerstand entgegen ber mit der Größe der Geschwindigkeit wächst, und zwar erheblich stärker als diese. Der Motor des Automobils hat nicht nur die Reibung zwischen Fahrzeug und Straße und gegebenen» 'E eine Steigung zu überwinden, sondern vor allem den Luft» widerstand, von Einflüssen des Windes ganz abgesehen. Für die Konstruktion der Flugzeuge ist die Wirkung des Luftwider» standes von besonderer Bedeutung, weil hier das Vorhandensein eines solchen Widerstandes gerade das Steigen des Fahrzeugs ermöglicht, und insofern nützlich ist. Man hat theoretisch und experimentell die Abhängigkeit des Luftwiderstandes von der Geschwindigkeit des sich bewegenden Körpers ermittelt, indem man von dem einfachen Fall einer bewegten, ebenen Platte ausging, der man wiederum verschiedene Formen gab und unter versMedenen Winkeln gegen die Bewegungsrichtung hielt. Don der ebenen Platte schritt man weiter zur Untersuchung gewölbter Platten usw. Im allgemeinen erzeugte man dabei einen fünft» lichen Luftstrvm, in dessen Richtung die zu untersuchenden Körper ruhend aufgehängt wurden. Es ist nach dem Gesetz von der Gleichheit zwischen Wirkung und Gegenwirkung gleichgültig, ob die Luft sich bewegt und der Körper ruht, oder umgekehrt. Die Ergebnisse wurden dann in eine Reihe von mathematischen Formeln gekleidet, um sie so auf praktisch vvrkvmmende Fälle ohne weiteres anwenden zu können. Zweifellos die beste Untersuchungsmethode über den Einfluß von Gestalt und Geschwindigkeit eines Körpers auf den Luft» widerstand wird neuerdings in der aero-dynamischen Versuchs» anstalt der Kaifer-Wilhelm-Gesellschaft zu Göttingen ausgeübt. Vn dem genannten Institut befindet sich ein riesiger Luftstrom» apparat: die Weite des Luftkanals beträgt an manchen Stellen 20 Quadratmeter, an denjenigen, wo sich die Versuchsmodelle befinden, etwa 16 Quadratmeter. Der Luftstrvm selbst wird durch einen elektrischen Ventilator erzeugt und läßt sich innerhalb weiter Grenzen ändern. Die Fahrzeugmodelle lassen sich derart aufhängen, daß die Wirkung des Luftstrvms nach 3 zueinander senkrechten Richtungen gemessen werden kann (Dreikomponenten» wage). Ganze O-Zugmvdelle werden dem Luftstrvm ausgesetzt, und man hat herausgefunden, daß eine nach bestimmter Weise (biS zur Unkenntlichkeit) verkleidete Lokomotive weniger Wider» stand hervorruft, als eine gewöhnliche Lokomotive, was au! eine beträchtliche Ersparnis an Kohlen praktisch hinauslausen würde. Ferner find eine Reihe wesentlicher Abweichungen von den obenerwähnten Formeln festgestellt worden. Auch der Sieg des „Tropfenautos" über den gewöhnlichen Tourenwagen läßt sich mit der Göttinger Versuchsanordnung demonstrieren: ein Auto von der Form eines Tropfens — vorn abgerundet, Hinte» zugespitzt — erzeugt bei sonst gleichen Verhältnissen eines gewöhnlichen Autos 6Z Prozent weniger Luftwiderstand als dieses. Eh. un da haw' ich se dem Ruttmann tn die Versteigerung arwwe Ich kann doch lache!" > _ •'Un bat der Prinzipal ganz verwunnert gesacht: „Zwää Weiwercher? Aeäch noch? Kann merr mit dem Harz jo viel Dech hawwe!" tm Ruttmann sei Versteigerung, un kääfe Se merr die zwää Ka» narjevegel. Gucke Se. hier stehts im „Wocheblättche", gucke Se, hrer: „1 Operngucker, 2 Kanarienvögel und sonstige Küchengerätschaften". Behalte Se awwer 3hrn Kondorrock aa mit dem Loch im Ehleboge, da kriehe Se's billiger." Un der David es gange ehmner ins Braunfels im Ruttmann sei Versteigerung in seim Kvndorrvck mit 'dem Loch im Ehleboge un mit der Fedder hinnerm Ohr, damit err sichs nodiern könnt, wann err's vergesse dhet. Un der David is doch grab recht» komme, dann der Herr Ruttmann hat dochgrad ausgerufe: „Zwei Kanarienvögel!" — „Aha!" hat der David gesacht un hat sich dorchgedrickt dorch die Leut mit sejm Ehleboge. Err hat doch e Loch drin gehat, was kann em da bassiem? — „ Einen Gulden!" hat der Herr Ruttmann ausgerufe; .Einen Gulden!" „Behalte!" hat der David gefacht, „behalte!" „Einen Gulden zum Erschtemal!" „Zwää Gulde!" hat's awwer da von ganz hinne aus de Leut evorgerufe: „Zwää Gulde!" „Drei Gulde!" hat der David gefacht. „Drei Gulden zum Erschtemal!" „Vier Gulde!" hat's Widder von hinne evorgenlfe. „Finf Gulde!" hat der David gesacht. „finf Gulde!" „Fünf Gulden zum Erschtemal!" „Sechs Gulde!" „Sechs Gulde? Siwe Gulde!" „Sieben Gulden zum Erschtemal!" „Acht Gulde!" „Acht Gulde? Aei Gulde!" „Zehe Gulde!" „Wart." dachte der David, „ich krieh bcrrl — Zwölf Gulde!" „Zwölf Gulden zum Erfchte!" „Dreizeh Gulde!" „Dreizehn Gulden zum Erschte! Zum Zweite, — zum" -» „Derrzeh Gulde!" hat der David gesacht. awwer schon e bisst Wälaut. „Sechszeh Gulde!" „Sechszeh Gulde!" hat der David zu sich selwer gefocht „sechszeh Gulde? For zwää Kanarjedegel? — Da muß ich ehrscht mei Prinzipal frage. Sechszeh Gulde for zwää Kanarjevegel? — die doch noch nix weiter gefchlage hawwe, als wie mit de Schwanz Widder de Käwig." Un der David hat sich Widder aus de Leut enauS geareweit mit feint Ehleboge mit em Loch drin Da kann Widder nix bassiern. Un der David is zu sei Prinzipal gelaafe un hat gesacht: „Herr Prinzipal," hat err gesacht, „sechszeh Gulde sm gebotte. soll ich weiter biete?" — Un da hat der Prinzipal gesacht: „Sechszeh Gulde, David? Sechszeh Gulde? D-st be mifchucke? Sechszeh Gulde? E ganz Roll vor zwää Roller? Aor net!" Un wie bcö der Prinzipal kaum gesacht hat, t8 doch die Kondvrdhir uff gange, un erei is komme Meyer e ärmerer Kommis vom Kondor un hat an der Hand getrage aJ,te Käwig mit zwää Kanarjedegel un hat gerufe: „Vivat! ®a sm se! — Un da hat der Prinzipal zu Meyer ganz ver» wunnert gesacht un net ohne Bvrwvrf in der Aussprach un D^rb: „Meyer, hawwe Sie die zwää Kanarjevegel käüft for sechszeh Gulde? Ferchte Se sich net der Sind un der Schänd an Jhrm Salair?" Un da hat awwer der Meyer noch ver- wunnerte' gesacht: „Ich?' - Wie haiht; Ich? - Sie hawwe kaäft! Sie! -- „Was?' hat awwer da der Prinzipal Widder gFachY „was, Meyer? 3ch? Ich hab se kääst? Ich? Haw' ich Ihne deh gehääße?" ' „Gehääße? Rää! Awwer Ihr Herr Assosje 36r Sierr CSruber hat merr's gehääße! Err hat merr doch gesacht- Meyer gehn Se ehinner ins „Braunfels" in dem Ruttmann sei Ver» steigerung un kaufe se merr die zwää Kanarjevegel for mein Bruder, er will se doch. — Un da haw' ich se kääft, un da — sin sei" Ä Lin, V $°r sechszeh Gulde? Sin Se narrig Meyer ©in se bestußt? Ich hab doch extra den David higeschickt in sei Konborrvck mit dem Loch im Ehleboge, daß err se billiger kneht, un jetz mache Se merr''de Loch in Sack!" 9 »Ja Derr Prinzipal," hat awwer da der Meyer gesacht ^wann Se dem David net higeschickt Hätte, hätt ich' so billig ^eht, err hatt merr bis uff sechszeh Gulde enuffgebotte," o ww deß der Meyer gesucht hat, hat uff äärnal der ßejnhng Sinne an ferm Pult aafange ze lache, ganz laut je (a^e Un ^r Prinzipal hat sich erumgedreht nach dem Lehrling und Sut gesacht: „Was lache Se, Hersch, wie e Esel? Was is da ze lache?' — Un da hat der Lehrling nur noch lauter gelacht. ®? "„wwer der Prinzipal sehr ärjerlich warn un hat gesucht - ^Lav-bub. lache Se iwwer mir? Wie könne Se lache, Hersch? Wie könne Se sich unnersteh zu lache? He?" 9 iA ~ bcr Her^ Widder gesucht: „Warum soll vH net lache? 3d) kann doch lache! Ich hab doch die zwää Harzer m ere Verlosung gewönne. Es sin doch zwää Weiwercher,