Nr, 24 1922 Samstag, 17. Juni IS 8'S M tS LNiilüMV! WMr ** ■ u ’M -E M-- *^i »Sä:»“ Aus Alsfelds Vergangenheit. Zur Siebenhundertjahrfeier der Stadt am 25. Juni ds. IS. Von Studienrat Prof, Ed. Decker in Alsfeld. Wenn die Stadt Alsfeld in diesem Jahr ihr siebenhundert- jähriges Bestehen festlich, begeht, so würde das eigentlich voraus« setzens daß sie im Jähre 1222 gegründet worden sei. Davon ist aber keine Rede. Die Stadt ist älter, vielleicht sehr viel älter, aber der Zufall will es, daß die älteste, bis jetzt bekannt«. Arlunde, die die Existenz der Stabt sicher verbürgt, erst aus dem Jahr 1222 stammt. Es ist eine Schenkung des Wezelo von Rrdda an das Kloster Arnsburg vom 13. März 1222, bei der als Zeuge u, a. ein Schöffe Siegfried von Alsfeld (Sifridus cabiirus de Adelsfeld) genannt wird. Es ist durchaus nicht unmöglich, daß noch einmal eine älrkunde zum Vorschein kommt, die ein weit' höheres Alter der Stadt bezeugt: aber darauf haben die Alsfelder nicht warten wollen und begnügen sich mit den 700 Jahren ihrer Existeiaz, die ihnen durch die obengenannte Urkunde gewährleistet werden. Der S t a d t ü r t e f, die landesherrliche Verleihung des Stadtrschts an die Gemeinde Alsfeld, ist leider verloren gegangen. Andere hessische Städte, wie Bensheim, Vuh» bach, Friedberg u. a., die schon ihre Stadtjubiläen gefeiert haben, sind' in dieser Beziehung besser dran. Ihre Stadtbriefe sind erhalten. Von der ältesten Geschichte der Stadt ist bei der geringeren Anzahl der au6 dem 13. und 14. Jahrhundert erhaltenen städtischen Urkunden naturgemäß wenig bekannt. Die älrkundenbestände 'des Alsfelder Stadtarchivs, so wertvoll und bedeutend sie ja noch sind (u. a. 512 Pergamenturkunden aus der Zeit vor 1600, 2300 Bände und etwa 80 000 Aktenstücke) sind doch nur die Reste einstiger Herrlichkeit. Das Archiv der Stadt befand sich sehr lange Zeit in einem über der Sakristei der Wa lpu rg iskirche gelegenen Raum. AlS im Jahre 1833 die Walpurgiskirche umgebaut wurde, entfernte man die dort aufbetvährten Archivalien. Sie wurden zum Teil aufs Rathaus gebracht, zum Teil aber später — als Makulatur verkauft. Welche Kostbarkeiten dabei verloren gegangen sind, läßt sich ermessen, wenn man bedenkt, daß sich unter der verkauften Makulatur auch die Handschrift des berühmten Alsfelder Passionsspiels befand, die nur ein glücklicher Zufall davor bewahrte, zu Tüten berarbeUet zu werden. Sie ist heute eine Zierde der Landesbibliothek in Kassel. Die Dirigierrolle des Passionsspiels und das Rollenblatt des Lu eifer bilden den einzigen kostbaren Rest der Handschrift, der noch im Alsfelder Stadtarchiv aufbewahrt wird. Aus kleinen und bescheidenen Anfängen blühte die Stadt im 14. Jahrhundert rasch auf. Der Mauerring, den sie trug, ist Heute noch deutlich zu verfolgen, ja an einigen Stellen ist die Stadtmauer noch erhalten. Vier Tore führten aus der Stadt: das Mainzer-, das Fulder-, das Hersfelder- und das Obertor. Sie sind freilich im Lauf des 19. Jahrhunderts mitsamt ihren Türrnen und Verkehrshindernisse niedergelegt worden. Rur der das Fuldertvr schirmende, 1336 erbaute Levnhardsturm steht noch heute unversehrt und trußig wie vor 500 Jahren, ein Wahrzeichen der Stadt. äleberhaupt entfaltete die Stadt schon im 14. Jahrhundert eine bemerkenslverte Bautätigkeit. Alls der Aordwestfeite der Stadt erhebt sich der Frauenberg. Er hieß damals der Silberbühl und trug einen Wartturm, dessen Fundamente im SaHre 1910 wieder blvßgelegi worden sind. 3m Jahr 1365 schenkte nun der damalige Landgraf Heinrich II., auch der Eiserne genannt, seinen getreuen Bürgern von Alsfeld auf diesem Vers Grund und Do den zum Bau einer Kapelle mit Friedhof, und so entstand neben dem Friedhof, der in der Stadt um die Walpurgiskirche lag, ein zweiter Friedhof außerhalb der Stadt mU der heute noch stehenden Kapelle, unsrer lieben Frau geweiht. Diese Kapelle ist ja leider durch einen Umbau im 18. Jahrhundert ihres ursprünglichen, gotischen Charakters stark entkleidet worden, aber sie bildet doch heute noch den Mittelpunkt deK stimmungsvollen Alsfelder Friedhofs auf dem Frauenberg, von wo man einen herrlichen Blick auf die Stadt und ihre Umgebung hat. Reben dem Bau dieser Kapelle und des obengenannten Leon- hardsturmes wurde am Ende des 14. Jahrhunderts auch noch der älmbau der Walpurgiskirche in großem Stil begonnen. 1393 'wurde der 'Hohe, das Langhaus weit überragende Chor gebaut, der die charakteristische Silhouette der Kirche schafft. 3m 14. Jahrhundert wurde aber auch die Liederbuch durch di« Stadt geleitet und damit, für den Alsfelder wenigstens, ein neues Wahrzeichen der Stadt geschaffen. Der Dach, der bis dahin an der Stadt vorbei in die Schwalm floß, wurde 1350 abgeleitet und durch die Stadt geführt, als wichtige Hilfe bei FeuerSgefaHr. Die drohte freilich den damaligen Holzhäusern der Stadt nur allzuoft. Do ist nun die Liederbach — nicht etwa der Liederbach — im Lauf der Jahrhunderte den Bewohnern der Stadt besonders ans Herz gewachsen, und ein richtiger Alsfelder weiß (heute noch keine bessere Beurkundung seiner Herkunft anzugeben, als daß er mit „Lerrebach" getauft sei. Darauf ist er stolz: Landgraf Hermann der Gelehrte, der Rachfolger des oben- . genannten Landgrafen Heinrich, machte am Ende des 14. Jahrhunderts die Stadt Alsfeld vorübergeheird sogar zu seiner R esi- denz, indem er daselbst ein Schloß erbaute. Es ist leider vor etwa 100 Jahren abgebrochen worden, als man an seiner Stelle ein Landgerichtsgebäude errichtete, das heutige Amtsgericht, das nichts weniger als eine Zierde des Stadtbildes barst eilt. Die hessischen Landgrafen haben überhaupt oft in den Mauern ihrer.getreuen Stadt Alsfeld geweilt. Die enge Zugehörigkeit der Stadt gum Haus Hessen ergibt sich schon aus ihrem W äp p e n. Alsfeld fuhrt nicht nur den hessischen Löwen im Wappen, allerdings einen roten Löwen in blauem Feld, zum Unterschied von dem landesherrlichen rot-silbernen, sondern das Wappenschild tragt auch als einziges Hessisches Stadtwappen den Ritter- helm, und zwar ist dies der Wappenhelm der Landgrafen von Hessen mit den silbernen, mit sog. Kleestrengeln besteckten Düffel- hörnern. Die Blütezeit der Stadt fällt ins 16. Jahrhundert, in das Zeitalter der Renaissance und der Reformation. Hier gestatten uns die erhaltenen Urkunden einen deutlichen Einblick in das Leben und Treiben der Alsfelder Bevölkerung, und das Bild, das sich uns darbietet, ist das einer betriebsamen, reichen und lebenslustigen Bürgerschaft. Die Menschen des 16. Jahrhunderts waren ein genußfrohes Geschlecht. Essen und Trinken spielte eine gewaltige Rolle nicht nur bei allen Vergnügungen, sondern auch bei allen Amtsgeschäften. Von dem Reichtum der Stadt im 16. Jahrhundert zeugt wiederum die große Bautätigkeit. Das herrliche gotische Rathaus, der Stolz der Stadt, rourbe 1512—1516 erbaut, und die beiden Renaissancebauten, das Weinhaus, 1538, und das Hochzeitshaus, im Volks- mund „öer Bau" genannt, 1565—1571, 94 — lird^ stand, wurde in genommen. itfier selbst mehrere Male in Alsfeld gewesen ist, >Ik$ fest. Er war sowohl auf seiner Fahrt nach Dah Lu *) Das spielt eine große Rvfle bei solchen Betrachtungen (der Grad der .Befriedung") und wird meist zu wenig beachtet! 1633 wütete diese in Marburg. 1635 in Gießen, und in diesem Jahre kam sie auch nach Alsfeld. Bon August 1635 bis Februar 1636 starben bt der etwa 3000 Einwohner zählenden Stadt 450 Personen an der Pest. Aber auch die Schrecken einer Belagerung und Bestürmung hat Alsfeld ausgestanden, als es 1646 im sogenannten Hessenkrieg Von den Diederhesseü unter Gehste erobert wurde. Das war der schwerste Stoß, den die vielgeprüfte Stadt zu erleiden Hatte. Sie hat sich nur sehr langsam davon erholen können. Wohl hat die Stadt seit dieser Zeit nicht wieder die Kanonen vor ihren Mauern donnern hören, aber Kriegs schicksals Hat sie deshalb doch noch in reichstem Maße erdulden müssen. Was Alsfeld im siebenjährigen Krieg, in den Franzosenkriege der 90er Jahre des 18. Jahrhunderts und schließlich noch in den Freiheitskriegen an Einquartierungen, Lieferungen, Kontributionen und Kriegsfuhren zu leisten hatte, was es an Plünderungen über sich ergehen lassen mutzte, davon reden die Kriegsakten des Stadtarchivs eine erschütternde Sprache. Und doch ist die Stadt unter diesen Lasten nicht zusammengebrochen. Der Fleiß und die Zähigkeit ihrer Bewohner waren unverwüstlich. Die Alsfelder Wollen-- und Leineweber, die Alsfelder Färber und Gerber haben auch in den traurigsten Zeiten unermüdlich weitergeschafft, und so 'hat der Gewerbesleiß im 19. und 20, Jahrhundert der Stadt zu neuer Blüte verholfen. Mit Stolz kann sie heute auf ihre 700jährige Geschichte zurückschauen. Daß Alsfeld auf dem Gebiet der Reformation in Hessen eine Führerrolle gespielt hat ist bekannt. Zu einer Zeit, wo Philipp der Großmütige noch fest auf dem Boden der alten Kirche stand, wurde in Msfeld schon die LÄ-re Luthers verkündet, und zwar von dem Alsfelder Augustinermönch Tilemann Schnabel Schnabel war im Jahre 1512 von seinem Kloster nach Wittenberg zum Studium auf die Hochschule geschickt worden. Jrn dortigen Augustinerkkoster machte er die Bekanntschaft Luthers und wurde von ihm für die neue Auffassung des Evangeliums gewonnen. 1520 kehrte er als Provinzial des Ordens in sein Kloster nach Alsfeld zurück und predigte dort die Lehre Luthers unter großem Zulauf. Dadurch erregte er bald die Aufmerksamkeit des Landgrafen Philipp, der damals noch fest entschlossen war, das Wormser Edikt in seinen Landen durchzuführen und es kam schließlich so weit, daß ihm Philipp — wahrscheinlich bei einem Jagdaufenthalt in Romrod 1523 — das Predigen untersagte. Da legte er die Mönchskutte ab und wanderte mich Wittenberg zu seinem Freund Luther. Dieser verschaffte ihm eine Psarrstelle zu Leisnig a. d. Mulde. Dort blieb er, bis ihn Philipp im Jahr 1526, als er die Reformation in Hessen duochsührte, wie überliefert wird auf Bitten der Alsfelder, zurückrief. Run wirkte er wieder in Alsfeld bis zu seinem Tode 1559. Luther konnte also mit Recht sagen die Stadt Alsfeld sei „die erste Hessenlandes, welche das wahre Evangelium cm« Di» Quelle beS Reichtums war der Marktverkehr und SaS hochentwickelte Handwerk. Di« Bürgerschaft bestand nur auS Kaufleuten und Handwerkern. Die Landwirtschaft als Hauptberuf spielte schon damals keine Dolle mehr. 3m 16. Jahrhundert Hören wir von 9 Zünften in Alsfeld. Es waren die Wülen- weber die Leineweber, die Schneider, die Schuhmacher, die Backer, die Metzger, die Löwer (Gerber), die Schmiede und die Häsmrr: Sie hatten alle ihre eigenen Häuser, ihre „Zunftstuben' weitM sichtbar durch daS schmiedeeiserne Zunftschild, das sich m die Straße hineinreckte, wahre Meisterwerke der Schmiedekunst, die Beute noch eine Zierde des Alsfelder Museums btlden. Seit 1429 faßen die Vertreter der Zünfte auch im städtischen Rat. 3n diesem Jahr bekam die Stadt von dem damaligen Landgrafen Ludwig dem Friedsamen eine neue Verfassung, die in ihren Grundzügen unverändert fast 400 Jahre lang bls ins 19. Jahc- äandert gegolten hat, wo sie durch die hessische Landgememde- vrdnung ersetzt wurde. Die Verfassungsurkunde ist der Kore- b r i e f d. h. Kür(Wahl)brief, so genannt, weil dann die Wahl des städtischen Rates neu geregelt wird. Zu den yer- aebrachten 12 Ratsschöffen, aus deren Mitte alljährlich am Drei- fertigt;berg (6. Januar) von der ganzen Bürgerschaft der Bur- ger meist er gewählt wurde, traten von nun an die „vier von der GemeinLe", d. h, vier Männer, di« die Zünfte aus ihrer Mttte wählten. Diese tagten zusammen mit dem Rat und halfen vor allem bei der Finanzverwaltung der Stadt mit beschlretzen. Der Kvrebrief bedeutete das Ende des Kampfes um die Gleichberechtigung, der Zwischen Len schössenbaren Geschlechtern und den Zünften wie überall so auch in Alsfeld säst hunvert Jahre lang geführt worden war. Mit der Ausnahme der Zünfte M Len Rat verwischte sich mit der Zeit auch der Standesunter- Med unter den bürgerlichen Bewohnern und die Masse wurde gleichartiger - Von den alten „Geschlechtern", die seither die Stadt bcherrscht hatten, starben viele aus, so die Schaufutze und Winvlde im 16. Jahrhundert, andere traten in den Adelsstand über wie die Rotzmuhle, deren Geschlecht heute noch in der Familie der Freiherrn von Rotsmann blüht, und bei der Bürgerschaft kam es weniger darauf an, woher jemand abstammte oder welches Geschäft er trieb als vielmehr daraus, ob er Lurch Vermögen oder persönliche Eigenschaften sich geltend machen konnte. Der „Kindschal". Ein Vergleich hessischer Dauernart mit dem Kaukasusbauern. Von Studiendirektor Pfarrer a.D. Wilhelm Schuster von Forstner, Schloß F. (Lahn). Da steht er vor mir, unser hessischer Dauer, mit seiner ganzen breiten und behäbigen Art. Er ist pflichtschuldigste zu mir gekommen, amtlich: Ich trage seine Angaben über die Geburt seines ersten Jungen in das Register Les Taufbuchs ein, mustere ihn dabei von der Seite und habe so meine eigenen Gedanken Beim Vergleich unseres Dauern mit dem, der an der Wiege dev Menschheit wohnt, im Kaukasus. Denn auch dort bin ich gewesen: damals als ich von Jerusalem an den Jordan geritten und über Damaskus, Aleppo und Armenien nach dem Rorden gequert war. Unser Dauer schaut bieder und treuherzig aus den Augen. Gr geht unbewaffnet, höchstens hat er ein starkes Messer in der Tasche. Der kaukasische Dauer dagegen trägt allewege den Kindschal mit sich, eine der furchtbarsten Waffen, die es gibt. Linser Dauer ist seit langem befriedet *). Vielleicht, ja sicher hat auch fein Vorfahr einmal Menschen tvtgeschlagen. Das soll noch im Dreißigjährigen Krieg vorgekonnnen sein. Wenigstens erzählt es Hermann Löns von Hans Dur. Aber jene Zeit ist nur eine kurz vorübergehende Episode in der deutschen Bauerngeschichte • gewesen. Darüber hinaus schon tausend Jahre lang ist unser Dauer befriedet, 3m Kaukasus ist; dies anders. Da muß er gegebenenfalls noch täglich Menschen totschlagen, dort, wo stch zu den uns so nah stammverwandten, weißhäutigen, blondhaarigen Ginqeborenenstämmen (Bauern) Kaukasier, Türken, Tscherckessen, Kosaken und andere Völker in Splittern gedrängt haben. Dämlich nördlich des Kaukasus zieht sich die ziemlich unbewohnbare Salzsteppe hin, die wir in der Tiergeographie pontisch-es Gebiet nennen, jene Weltecke, wo seit alters Asien und Europa ihre Pflanzen-, Tier- und Menschenbestände ausgetauscht haben. Wer da nicht ausgetauscht wurde, entweder nach Asien oder nach Europa, der wurde in den Kaukasus gedrückt. Für derartige Ankömmlinge hat der kaukasische Dauer noch Beute seinen Kindschal nötig. Dieser „Kindschal" ist eine lange, breite und schwere Messerklinge, die für Hieb und Stich gleich haarscharf auf beiden Seiten geschliffen, als angestammte Wehr im Kaukasus von den einheimischen .Stämmen getragen wird. Jede solche Klinge wird von alteingesessenen Messerschmieden aus dem denkbar zähesten, eigenartig nach uralten äleberlieferungen vorbereiteten Material mit unendlicher Liebe angefertigt und liefert endlich, in ein zweischaliges Heft, gewöhnlich ein Düffelhorn, festgenietet sowie besonders geschliffen, jene gefürchtete Dational- waffe Lei: Kaukasier; sie gehört zur Tracht der Dergstämme und spielt in jedem Handgemenge, in jedem Kampf, bei jedem äleberfall di« verderblichste Rolle. Dieser kaukasischer Dauer und unser hessischer haben einS zusammen gemeinsam was — scheint es — alle Dauern der Welt gemein haben: Einen harten Kopf. 3m übertragenen Sinne genommen, 'wahrscheinlich auch im wörtlichen. Was hat doch Luther einen starren Kopf gehabt, ohne diesen Dickkopf wäre vielleicht die Kirchentrennung nicht eingetreten, und er rühmt sich ja: „Weine Vorfahren sind rechte Dauern gewest". Aber so ist es mit allen Dauern in aller Welt. Diese Zähigkeit und Beharrlichkeit sieht der Bauer der Datur ab und andererseits Worms am 12. April, als auch auf seiner Rückkehr von Worms ?m 30. April 1521 hier. Jedoch ist sicherlich der Aufenthalt beide Male nut sehr kurz gewesen. Dagegen hat er hier i>n „Schwanen" übernachtet im Jahre 1529, als er zum Religämsgespräch nach Marburg fuhr. Philipp der Großmütige hat auch der schon seit dem Mittel- alter in Alsfeld bestehenden Gelehrtenschule im Jahr 1536 B neue Organisation gegeben, die man als die Stiftungsurlunde Alsfelder Lateinschule ansehen muß. Diese Latein- le hat im 16. und 17. Jahrhundert in hoher Blüte gestanden. Das „Exemtionsrecht", ö. H. das Recht, ihre Schüler unmittelbar »tr Hochschule zu entlassen, Hatte sie zwar nicht, sondern die Alsfelder Lateinschüler besuchten erst noch' ein Jahr das Pädagogium in Marburg im 17. Jahrhundert auch das in Gietzen, ehe ße die Hochschule beziehen !ounten, aber sie stand weithin in gutem Rufe, und noch 1697 rühmt Joh. Just Winkelmann tn seiner „gründlichen und wahrhaftigen Betreibung der Fürstentümer Hessen und Hersfeld" datz aus ihr „viele hochgelehrte und treffliche 2eut entsprossen seien". Die Schule sank freilich im 18. Jahrhundert rasch herab und nahm im 19. Jahrhundert ein unrühmliches Ende: 1837 ging sie in der Volksschule auf. 3m 30jährigen Krieg hat Alsfeld, wie so Wiele andere Städte Hessens schwer gelitten. Das furchtbarste Menschenopfer verursachte ihr die schauerliche Begleiterin des Kriegs, die Pest, braucht er sie wieder im Kampf gegen di« Natur. So entsteht «in Menschenschlag, der dann das markig« Holz liefert, aus dem die größten Männer der Weltgeschichte geschnitzt werden. Ser kaukasische Bauer läßt sich niemals zu etwas bereden, wenn er eine 'oorgefaßte Meinung hat und vom Gegenteil „überzeugt" isi, lieber rennt er mit dem Kopf durch Wände, und mit dieser Hartnäckigkeit und Dickköpfigkeit kommt er tatsächlich auch ziel- bewußt und am besten durchs Leben. Sv geht es ja unserem hessischen Bauer auch, wenn er auch lange kein so freier Mann mshr ist wie der Kaukasier, und wenn er auch nur ein armseliges grobes Sackmesser in der Tasche trägt anstatt des scharfen Kindschal an der Seite. Aber schließlich tut ihm auch dieses Sackmesser manchmal noch die nötigen Dienste! Wir dürfen diese beiden Arten von Baueim sicher mit bestem Recht miteinander vergleichen. Denn wahrscheinlich sind die Kaukasier auch nur ein -Zweig des Germanentums, das im Norden (an der Ostsee) entstanden ist und sich nach Süden, Südwesten und Südosten ausstrahlte. Dur daß der Kaukasier noch die Urform mehr repräsentiert als unser Dauer. Jener ist mehr der Typus der Ürzüchtung geblieben, "weil der freiere. Immerhin ist auch unser Chattenbauer ein urwüchsiger Typus und noch heute hat der Vogelsberger dieselben mundartlichen Ausdrucks wie wir sie im Simpliztus Simplizissimus, dem besten Buch des 30jährigen Krieges, lesen. FriedrLchGotthardHerrchenzuHohensolms vormaliger Feldscherer. (Lebenslauf und zeitgeschichtliche Bilder 1714—1786 nach seinen Aufzeichnungen.) Von Dr. H. Dergsr-Gießen. (Fortsetzung statt Schluß.) Dun machte er sich auf die Reise nach Hamburg, wo er am Altonaer Dor in der Herberge .Zum grünen Hager abflieg Hier fand er eine Menge junger Burschen: es war, wie er später erfahren sollte, eine „Werberherberge . Gr bekam Streit mit einem schwedischen Werber, zog sein Setten« oenxfrr, verwundete den Gegner und wurde zur Hauptwache gebracht und dann vor den ganzen Magiflratrat Hier sagte er auf Defragen, daß er auS der Reichsgrafschaft Hohensolms burtig fct und ein Äarbiergeselle wäre, der auf seine Profession reife Sr erhielt 600 Mark 300 fl. im deutschen Geld Strafe und tonte diese Summe, da er nicht bezahlen konnte mit Schanzen abverdienen. Sie Zunft der 32 Barbier st ü ben in Hamburg brachte das Geld auf und bezahlten es bei dem Bürgermeister Herrchen erhielt nun seine Bagage und Freiheit. Die Zunstgenossen traktierten ihn im Ratskeller mtt^in und eüumt witen Frühstück und entließen ihn mit 12 Mark Reisegeld. 1737 kam er nach Bremen zum Chirurgen Gantz berg tes spitalchirurg war. Gr erhielt hier die Stelle als Ober- geselle und blieb 1 Jähr in diesem Dienst. 17 38, am 28. März, wurde Herrchen mit 24 Jahren für bas Schiss „Die Jungfrau Sara" als Schiffschirurg engagiert, um mit diesem Segelschiff nach Grönland zum Malfifchfang zu fahren. Gr erhielt monatlich neben freier Kost 20 holländische Gulden = 12 Reichstaler. Gin kleines Kämmerlein wurde ihm angewiesen und seine Medizinalkifle und Bagage dahin gebracht Heden Morgen mußte ein Schiffslunge in plattdeutscher Sprach« rufen: „Hört Hu Lahmen und Hu Blinden, kommt her und lat Hu verbinden hinter dem gro- ten Mat, werdet Hu den Helmefler (Heilmeist«) finden" Auf dieses Rufen kamen die, die noch gehen konnten Die bettlägerig waren, zu denen mußte der Chirurg gehen und Se mit der nötigen Medizin versehen. Dann ging er zu dem wrnrnandeur deS Schiffes und erstattete feinen Rapport. Damit war die Arbeit des Chirurgen erledigt. Zu Pfingsten am 25. Mal war die „Jungfrau Sara" bei Grönland auf einem Eisberg festgefroren. Hier sahen sie das gescheiterte holländische Schiff „Der rüstige Jakob" und nähmen die Mannschaft auf. Die Blessierten mußte Herrchen verbinden. Am 2. Huni schosien die Insassen der „Sara" von zwei Schaluppen aus einen Walfisch und brachten SO Ohm Speck und Fischbein als Deute. Reichlich war oft auch r Fang von Kabliau und Schellfisch, woran sie sich „delec- tterten Am 26. Huli wurde wieder ein Walfisch mit der Harpune gefangen, der aber nur 93 Ohm Speck nebst dem Fischbein lieferte Der 28. August brachte gewaltigen Sturm; das Schiff wurde wieder auf dem Gis festgesetzt. Als bei günstigem Winde und wärmerer Temperatur das Schiss wieder in See gehen konnte, konnte die Weiterfährt nur dadurch ermöglicht werden, daß man alles über Bord warf Am 4. Oktober 1738 wurden nach der Rückkehr bei Vegesack an der Weser die Anker geworfen. Alle von der Mannschaft waren glücklich wieder zurückgekommen, aber ohne Wasiisch und mit zerbrochenem Schiff. In Bremen wurde Herrchen von seinem früheren Brotherren, dem Chirurgen Gantz- herg aufs herzlichste begrüßt und blieb II Monate als „Patientengeselle" bei ihm, nahm dann feinen Abschied 'und war am 19. September 1739 toicöer zu -hause in HohensvlmS. Mn 16. Dezember 1789 trat Herrchen bei dem Grafen Karl Christian zu Hohensolms als Lakai ein und mußte mit ihm nach Geneve in der französischen Schweiz gehen, „allwo fein Herr seine Studien prosequiren sollte". Bei ihnen waren noch zwei junge Grafen von Degenfeld und der Hofmeister von Rotberg. Die Reise wurde Ostern 1740 angetreten, ging über Frankfurt, durch die Pfalz nach Straßburg. Pfingsten kam man in Genf an. 1742 reiste Herrchen mit dem Grafen Karl, den jungen Grafen von Degenfeld und dem Hofmeister von Rvtberg nach Straßburg. Die Reise ging durch Savoyen, Dauphine und Burgund. Als der Hofmeister merkte, daß in Straßburg nicht so teuer zu leben sei als in Frankreich, wollte er des Lakaien Kostgeld beschneiden, was Herrchen nicht leiden wollte. Den erbetenen Abschied erhielt er nicht; es wurde ihm aber zum Verdruß des Hofmeisters, um etwas in Straßburg zu profitieren, erlaubt, die collegia anatomica zu hören. Der Hofmeister berichtete über den Lakaien Herrchen von Straßburg nach Hohensolms, „daß er in großer Unhöflichkeit seinen Abschied gefordert und allen Respekt gegen seinen Herrn zur Seite gesetzt". Dem Bericht des Hofmeisters wurde in Hohensolms Glauben geschenkt. Die Familien Herrchen wurden von der gräflichen Herrschaft sehr ungnädig kehandelt, dem Debeltäter in Straßburg wurde mit Ketten und Banden gedroht. Anders der junge Graf, in dessen Dienst Gotthard Herrchen stand. Er mochte sich wohl mit der Zeit von der Unschuld seines Bedienten überzeugt haben; denn er bewilligte ihm mit seinem gnädigen Schreiben, „welches ich zum immerwährenden Gedächtnis verwahren will", den Abschied schenkte ihm eine neue Livrä, 30 fl. Reisegeld mit einem Schreiben an die Frau Gräfin. Dachöem er dieses bei seiner Ankunft in Hohensolms überreicht hatte, legte sich die „gefaßte Ungnade ich aber muß, Gott erbarm, an jetzo ohne Dienst und Brod leben. Ich ließ mir dies zur Warnung Menen, daß auf Herren Gunst nicht zu bauen, deswegen es auch heißt: 'Verlaßt euch nicht auf Fürsten, sie sind Menschen". Mit 30 Hahren trat 1744 Gotthard Herrchen in den Ehestand; er wurde mit Gertraude Schäferin in seiner Eltern Haus vom Hvfprediger Tittmann getraut. Haustrauungen sanden damals häufig statt; nur gefallene Personen waren verpflichtet, erst vor versammelter Gemeinde gleichsam als Buße vvrzustehen, ehe sie getraut wurden. Herrchens Schwiegervater, Jakob Schäfer, war Bäcker Handelsmann, Wirt und Zöller (Zollbeamter) zu Hohensolms Es wird ihm das Zeugnis ausgestellt, „daß er den Armen viel Guts getan, selbigen Geld und Brot vorgHireckt, welches ihm zwar manchmal schlecht gedantt worden". Gr stiftete der Kirche zu Hohensolms ein schwarzes Leichentuch und in die Altstädter Kirche, „weil er lutherischer Religion war, einen Klingel- oder Opferbeutel" 1747 zog Herrchen nach dem Tode seines Schwiegervaters in dessen Haus das er für 800 fl von den Geschwistern erworben. Gr scheint sich nach seinem Wanderleben ganz der Landwirtschaft gewidmet zu haben. Jedenfalls Übte er dabei noch seine ursprüngliche Desckwftigung als Barbier und Chirurg weiter aus. 17 51 wurde Hohensolms von einem großen Brandunglück heimgesucht. 15 Schauern und 3 Ställe wurden ein Opfer der Flammen, 55 Schafe verbrannten mit. Für Herrchen, der erst vor 3 Jcchren eine neue Scheuer erbaut hatte, war der Verlust besonders empfindlich 17 5 9 regte sich bei Herrchen wieder die alte Wanderlust. ®8 war die Zeit des 7jährigen Krieges. Am 1. März trat er als Feldscherer bei der Hohenfvlmsschen Kompagnie ein die für das Kreisregiment Darmstadt der Reichsarmee während' des Krieges zwischen dem römischen Kaiser Franz I. und dem Preußenkönig Friedrich II. zu stellen war Die Reichsarmee etwa 33 000 Mann, war mit 24 000 Franzosen unter dem Prinzen Svubise vereinigt und hatte sich durch ihr wenig rühmliches Verhalten in der Schlacht bei Roßbach den Spottnamen Reißausarmee" zugezvgen. Die Reichsarmee war auf Beschluß 5es Reichstags gegen den Preußenkönig ausgebvten worden. Der oberrheinische Kreis, zu dem Hessen-Darmstadt gehörte, mußte drei Regimenter stellen. Das Hessen-Darmfladtische Kreisvegi- ment war das tüchtigste; es war ungemischt wahrend die Kom- Sguten in den anderen Regimentern aus sechs und mehr ver- iedenen -Kontingenten besianden. Das Kreisregiment Darmstadt auch „weißes Regiment" genannt, wird mehrmals in dem Bericht des Kommandeurs der oberrheinischen Kreisreg.meuter des Prinzen Stolberg, an den Landgrafen Ludwig VIII rühmend erwähnt, so in dem Treffen bei Torgau am 8. September 1759 und später in dem Gefecht bei Kunersdorf in Sachsen am 29 September 1762. Dach dem Frieden von Hubertusburg am 21' Februar 1763 kehrte des Kreisregiment Darmstadt das weiße Regiment, am 24. März desselben _ Jahres mit seiner Artillerie in seine frühere Garnisonstadt Gießen zurück. Arn 25 Mai 1759 rückte Gotthard Herrchen mit andern solmsischen Musketieren aus und kam am 10. Juni in Wiesen - tau in Oberfranken bei dem Kreisregiment Darmstadt und der Svlmfchen Kompagnie an, die hier kantonierten, wahrend die Übrigen Regimenter bei der Festung Forchheim im Felde standen. In dem Lazarett in Gemeinfeld in Unterkonten, wohin Herrchen abkommandiert wurde, fand er Tag und Dacht reichliche Arbeit. Am 5. Juli kam er wieder bei Bamberg zum 96 Schriftleitung: 3. 'S.: Karl Walther. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Buch- und Sieinbruckerei, ‘2t. Lange. Bietzen. lieber die LarMutzermngen des Wildes. In Mr. 9 (JunGest) der im Verlage von Wih. Gottl. Korn in Breslau erscheinenden Zeitschrieft „Der Heger'" findet sich der folgende — nicht nur den Jäger — interessierende Aufsatz: Die Laute die die verschiedenen Wildarten von sich geben, mutz der Jäger kennen; die Ursachen, die Sas Wild -nm Stimmgebrauch veranlassen, rann er vielfach nicht feststellen. Für den wirklichen Jäger werden Beobachtungen ^aus der grünen Praxis und ein Meinungsaustausch über diese Frage nicht ohne Interesse sein. Lieber die vom Wilde zur Paarungszeit ausgestotzenen Laute, sowie über die bei Betreuung der jungen Tiere stattfindenden Lautäuherungen soll hier nichts gesagt werden. Ich will hauptsächlich über dre Laute sprechen, durch die das Wild LIeberraschung, Schrecken, Angst und Schmerz zum Ausdruck bringt, vrelleicht auch seine Artgenvssen warnen will. Sc Lite z. D. das schreckende Reh, das eine herannahende Gefahr durch lautes Schrecken kundgibt, nicht andere Rehe auf die Gefahr aufmerksam machen wollen? Ich. habe früher mit vielen anderen Jägern die Ansicht gehabt, dah das Ach nur dann schreckt, wenn es durch irgend eine Erscheinung beunruhigt wird, diese Erscheinung aber noch nicht in ihrem Wesen erkannt hat, habe aber immer wieder beobachtet, das; Ache auch schrecken, "wenn sie die Erscheinung, D. 'den Menschen, durch den Gesichts- und vor allem durch den Geruchs- sinn erkannt haben. Häufig schreckt das Aeh noch nachdem, wie sein Benehmen erkennen lätzt, es sich nicht in eh: gefährdet glaubt. Sollte 'hier nicht eine Warnung der Artgenvssen die älrsache bzw. der Zweck des Schreckens sein? Es sei denn, datz man den Aerger über die Störung als Grund annehmen will. Um zunächst beim Aeh Zu bleiben, so dürfte es schwer halten, eine Morin dafür aufzufiellen, wann das Reh schreckt. Der Dock, den den pücschend^l oder blattenden Jäger spitz bekommen Hat, drückt sich, in dem einen Falle still von dannen, unter genau denselben Verhältnissen geht er ein anderes Mal heftig schimpfend ab. Acht Tage lang läßt die äsende Ricke den ihr wohlbekannten Waldarbeiter aus 40 Schritt an sich Vorbeigehen, ohne sich um den Mann viel zu kümmern, am neunten Tage regt sie sich über denselben Mann zur gleichen Zeit und an derselben Stelle furchtbar auf und läßt den Wald von ihrer Erregung wiederhallen, In der Mähe des Artillerieschietzplatzes Wahn bei Köln beobach- tete ich einen äsenden Dock, der die Artilleriesalven mit Schrecken beantwortete, zwischendurch aber ruhig weiter äste und nicht im geringsten beunruhigt schien. Mach> meinen Beobachtungen, die ich natürlich nicht als mah- gebend hinstellen will, schreckt das Reh im Winter weniger als im Sommer. In meinem früheren Revier ging ich während der guten Jahreszeit kaum einmal durch den Wald, ohne das Schrecken von Rehen zu hören. Bon der Zeit des Laubfalles bis zum Beginn des Schnepfenstrichs habe ich sehr selten ein Reh gehört, obwohl ich im Winter wohl noch öfters das Revier beging wie im Sommer. Regiment und marschierte mit dem „weihen Regiment'' von Gietzen nach Koburg, dann über den „Sattelpah nach Sachsen- Saalfeld an der Saale, wo sie kampierten. Bon hier aus wurde Herrchen mit einem Kommando von 200 Mann auf ote Festung Rosenberg bei Cvonach im Bezirk Bamberg geschickt; das Regiment marschierte nach Leatpzig wo es am 13. September 1759 von dem preußischen General von Wunsch gefangen wurde. Herrchen, der auf der Festung Rosenberg zurückgeblieben war, entging dadurch der Gefangenschaft. Da er aver von seiner Kompagnie getrennt war mutzte er sich mit emem „Bedegeld" von 15 Kreuzern monatlich begnügen, „tDe^eS 4ur Erhaltung seines Lebens nicht hinlänglich war. Der Offizrm des Kommandos, Hauptmann Schäfer aus Laubach, v«:sprach Abhilfe, nachdem Herrchen erklärt hatte, Latz er 6«rotcht se^ „zu echapiren". Da er aber 3 Monate vergebens auf Erhöhung seiner Gage wartete, ging er am 17. Oktober wieder nach Hause zurückzukehren. Er schlug sich glücklich durch und kam bis Lich. Hier wurde er am Weitmwelfen gehmdert, denn die französische Armee lag diesseits der Lahn, die anwerte, Hannoveraner, Braunschweiger, Hessen und Engländer jenseits der Lahn. Trotzdem gelang es ihm, Wetzlar zu erreichen; aber hier war es unmöglich, weiter zu kommen; er mußte einige -eage hier liegen bleiben. Mach vielen Beschwerden schlich er Iw hinter dem bei Oberbiel in der Mähe von Braunfels lagernden hannoverschen Korps des Generals von Wangenhelm vorbei und kam endlich am 9. Mvvember, nachdem er 23 Tage f^it seiner Flucht von dem Regiment unterwegs gewesen war gluckliq» tn Hohensolms an. (Schluß folgt.) zeitweise. Das Keckerm des gereizten aber überraschten Fuchses ist wohl jcbem Jäger bekannt. Richt allen Jägern aber wird der Hals des hetzenden roten Räubers bekannt fein, ja mancher Jäger wird gar nicht wissen, datz Reinecke mit lautem Halse jagt Ach glaube auch nicht, Latz lautes Hetzen beim FuchS häufig ist. Bisher habe ich den Hetzlaut des Fuchses einmal gehört, . Bor einer Reihe von Jahren befand ich mich spät abendS nach erfolgloser Saujagb auf dem Heimwege, als eine wilde Jagd deren Herannahen ich von weitem gehört hatte, auf etwa Schritte vor mir durch lichten Schälwald hin und her ging und sich dann aus meinem Gehörkreis entfernte. Ich hatte zunächst an einen Hund gedacht, fand aber am nächsten Lage meinen Verdacht auf Reinecke bestätigt. 3m Spurschnee konnte ich fest« stelle« 'datz zwei Füchse ein Reh gehetzt batten, und sand auch den von den beiden Rotröcken gerissenen drei- bis vierjährigen Bock. Die Füchse konnte ich in einer Schonung festmachen, sie wurden Beim Treiben am Machmittag von einem Schützen mit Doppelschuh beide erlegt, es waren beides Räkel, der ein» wog 19 Pfund der andere hatte das Rormalgewicht von zirka 14 Pfund. Wie schon gesagt, bin ich der Ansicht, datz der Fuchs selten i* lautem Halse jagt, ich habe nur wenige Jäger kennen gelernt, die den Hetzlaut Reineckes gehört haben. Ob das Keckern des krank geschossenen FuchseS als Angst- bzw, Schmerzenslaut ober als Ausdruck der Wut zu betrachten ist, oder ob schlietzlich diese Gefühle gleichzeitig zum Ausdruck gebracht werden sollen, möchte ich nicht entscheiden. Jedettfalls hat das Keckern gegen den Beran- naHenden Feind etwas Drohendes in sich und mancher Hund lätzt sich vcn dem wütend keckernden Fuchse einschüchtern. In einem Falle erlebte ich es, datz der doppelt gefehlte Fuchs, als ihm die auf weite Entfernung nachgesandte Kugel aus dem Drilling beide Hinterläufe über dem Futzgeienk zer- während ein anderes Reh klagt, sobald es berührt wird. Rur einmal habe ich wahrgenommen, datz ein krankgeschossenes Aeh schon beim Heranncchen des Jägers klagte, sonst immer nut, wenn es angefatzi wurde. Rach meinen Beobachtungen klagen Rehe stets, wenn sie dem verfolgenden Hunde nicht mehr entrinnen können, und zwar schon bevor der Hund sie greift. Aus den Schutz habe ich verschiedentlich Rehe fiagen hören. Die mir noch genau erinnerlichen Fälle will ich ansühren. Ein Dock bekam dte Kugel (11 Millimeter Blei) weidwund, brach im Dampf zusammen, stand klagend wieder auf und flüchtete klagend m eine Schonung. Bei der nach Zigarrendauer erfolgenden Machsuche fand ich den Bock tm Berenden. Er war noch etwa 90—100 Schritt vom Anschutz gegangen und hatte während der ganzen Flucht geklagt. Gmem anderen Bock, von dem ich auf 40 Schritt nur den Kopf mit dem starken Gehörn sah, ritz das auf das'Blatt berechnete 8-MMmeter-Teilmantelgeschvh den .Unterkiefer weg, ht unsicheren Fluchten kam der Bock auf mich zu und die zweite Kugel legte ihn auf die Decke. Mach dem ersten Schutz klagte der Bock, bis ihn die zweite Kugel von seinen Qualen erlöste. Ein auf einer Treibjagd beschossenes Kitz ging schrill klagend flüchtig toeiter, bei der Machsuche fanden wir das Kitz mit Weid» wuuöschutz verendet. Meine Beobachtungen an Rotwild können keinen Anspruch auf Vollständigkeit machen. Ich habe vom Rotwild nur die Brunstlaute des Hirsches und vom Kahlwild nur einen nasalen Schnarch ton gehört. Letzteren besonders deutlich von einem Alitier, das bei einer Treibjagd, ohne mich zu bemerken, in meines nächsten Mähe verhasste und ben Ton ausstietz, als ich mich bemerkbar machte. Klagelaute habe ich weder vom Hirsch rwch vom Tier gehört, cmch nicht von zwei krankgeschofsenen Kälbern, di« mein Hund an der Drossel niederzog. Don Sauen beim Fratz hörte ich nächtlicherweile einen dem Grunzen des zahmen Schweines ähnlichen Laut, überraschte Sauen stohen einen Laut aus, der an die Stimme des aus geschreckte» zahmen Schweines ebenfalls erinnert und etwa wie „ruft, raff“ klingt Weit öfters als diese Laute Habe ich von angeschossener, schwächeren Sauen Klagelaute gehört. In meiner Heimat gilt der Klagelaut als gutes Schutzzeichen. In allen Füllen, mit einer Ausnahme, habe ich das Klagen -mr von schwächeren Sailen vernommen; die Au so. ahme bildete ein dreijähriger Keiler, dem die Kugel den Hinterlaufknochen hoch zerschmetterte. Der Keiler klagte auf den Schutz und fließ auch während der Flucht noch mehrere Male Klagetöne aus, etwa 1 Kilometer vom Anschutz erlegte ich ihn am folgenden Tage im Wundbett. Sämtliche Gauen, von denen ich Klagelaute gehört yabe, Hatten schwere Knochenfchüsse. Bei anderen SHutzverletzungen, mochten sie noch so schwer sein, habe sch nie eine Sau klagen gehört. Der Fuchs lätzt in klaren, kalten Winternächten ein heiseres Bellen hören, und zwar nicht nur während der Ranzzeit, tote vielfach angenommen wird; ich Habe dieses Dellen auch schon sehr früh, Anfang Dezember, gehört. Auch eine Fäh« gab diesen Laut von sich, während die Jungfüchse gegraben wurden, sie strich tu sicherer (Entfernung in Deckung um' uns herum und bellte dabei Machdem ich jetzt drei Jahre lang Gelegenheit gehabt habe, Feldoshe zu beobachten, möchte ich die Ansicht ausfprechen, bah das Reh im Walde mehr von der Stimme Gebrauch, macht wie das Feldreh. Eine Aorm dafür, unter welchen Umständen das RH Klagelaute ausstötzt, dürfte sich auch nicht aufstellen lassen. . „ ... Indem einen Falle lätzt sich das Rckh ohne Klagelaut abnicken, 1 schmetterte, sofort auf den Schutz klagte.