1922 ML SEä W WKW W UnVeröffentlichte Briefe von Gustav Freytag. Im Verlag von I. 3. Weber m Leipzig ist ein für jeden Deutschen wertvolles Büchlein erschienen: Gustav Frehtag als Politiker, Journalist und Mensch. Mit untrer» össentlichten Driesen von Frehtag und Max Jordan. Singeleitet und Herausgegeben von Dr. Johannes Hofmann, Stadtbiblw» tHrkar in Leipzig. Diese Briefe Frehtags, die vor allem aus den Jahren des Ringens um die deutsche Einheit stammen, werden nicht nur dem Literarhistoriker und Historiker wertvolle Aufschlüsse geben, sondern 'heute in der Zeit nationaler Rot überhaupt jeden Deutschen interessieren, da sie beweisen, dass bei liberaler Gesinnung der nationale Gedanke nicht verleugnet zu werden braucht. Don besonderer Bedeutung sind die Briese aus dem eosten deutschen Reichstag 1867 und vom Kriegsschauplatz 1870 mit ihren fast verblüffenden -Urteilen über die damalige oder zukünftige politische Lage, vor allem Über die Politik Bismarcks. Da bei allem, was Frehtag seinem Mitveda'kteur an dem „Grenzboten" und guten Freund Jordan schreibt, anher der männlichen Wahrhaftigkeit und warmen stlaterlandsliebe stets auch der prächtige Mensch mit feinem köstlichen Humor sich, zeigt, trägt diese Deröffent- lichung wesentlich dazu bei, Frehtag als den „Hausfreund" des deutschen Volkes immer mehr schätzen und lieben zu lernen. Wir geben hier einige schönen Briese Frehtags aus Deutschlands großer Zeit wieder: S ieb le b e n 28. 7. 70. Mein ffreutet Jordan. Heut 28. Mittag erhalt« ich Ihren Bries. Die Antwort Grünows giebt zu denken. Daß er die Verlängerung nicht acceptirt, bedeutet wohl, das) er bereits Schritte gethan, eventl. die Grenzboten fortzuführen. Was sagen Sie za Buschas-Bismarck? Das wäre der Humor von der ganzen Sache, wie der Spietzgesell Fallstafss zu sagen pflegt, älnterdetz soll ans dies« Zukunft nicht stSvgp. Denn die Gegenwart bedrängt. Sie haben ganz recht, Last für die Grünen etwas Entscheidendes geschehen mutz. And so wirds wähl nichts Helsen, ich werde als Ihr SpezialcvrresponLent zum Heer gären müssen. Im Trust, ich glaube es wird sich so machen u. es wird auch für die Grünen am besten sein. 3n voriger Woche wurde angesragt, ob ich den Kr.fonprinzenj ins Hptguartier begleiten wollte; ich forderte eine klare Stellung u. einen Kreis von Pflichten, der diese Stellung sichere. Die Verhandlungen wurden durch die Stockungen der Post aufgehalten. Ich- habe mich jetzt bereit erklärt, u. erwarte Ordre zum Aufbruch. Gehe ich, also noch — als Volontair und ehrlicher Kerl, ohne Anstellung — so werde ich allerdings zu tun finden. Aber die Zeit den Grünen zu correspondieren wird doch bleiben. Ich würde in diesem Fall Ihnen in Form eines Tagebuchs schreiben. Sie würden das apart setzen können, wies einläuft, etwa durchschnittl. 1 Form ans Ende. Sie dürfen in dieser Zeit kein Bedenken haben, einmal 4, oder 6 Formen zu bringen. Geschlossen wird das Heft ohne Erbarmen, Wenns Zeit ist. Schreiben auch Sie an Major (Oberstl, ?) Blanken» ') Moritz Busch, seit Februar 1870 im Pressebureau Les Auswärtigen Amtes tätig, machte den Feldzug gegen Frankreich an Bismarcks Seite im Trösten Hauptguartier mit. Burg in Breslau, ob er Ihnen nicht Artikel senden wolle. Ditte schreiben auch Sie an Graser. Ich Hoffe außerdem Gelegenheit gu haben, Ihnen milit. (Sorte» spondenzen zu werben, ich will für die Grünen thun, was ich irgend kann. Die Mrfstelluna der Armee wird erst Anfang nächster Woche beendet sein. Die Position ist, wie ich Ihnen angab, nur mit 2 Modisic.fativnenj. Die 1. Armee — welche wie es scheint mit Absicht — undeutlich gelassen wird, führt nicht Voigts-Reetz sondern Steinmetz. Die Reservearmee Herwarth [Don Bittenfeldj nur bis za ihrer Einordnung. Die Rordarmee soll Lrrrch Falkenstein disponirt, durch [Grostherzog vonj Mecklenburg, der gelobt wird, befehligt werden. Die schwerste Aufgabe ist dem Kronpr. gestellt. Zwar die Bad.senserj sind fertig, die Würtemberger behaupten es zu sein, die Baiern wollen bis zum Sten Aug. in Schlachtlinie «stehn 2lber wahrscheinlich wird ihn der erste Stvh treffen und seine Aufgabe wird fein, diesem zu weichen. Das ist schlimm für die Stellung zu den Süddeutschen. Die Frage dieses Krieges ist im Grunde, ob England gelingt, ihn zu localisiten. Kriegen die Franzosen Haue, dann wird Rap. das Aeuherste daransetzen, einen allgemeinen Brand zu erregen, weil dieser ihm vor seinen Franzosen bei einem Friedensschlutz immer noch die Ghance giebt, dah der Zwang Europas, nicht Preußen ihn gedämmt habe. Leben Sie wohl, mein lieber Freund, geben Sie den Grünen meinen wegen, Ihrem Gemahl meine Huldigg. den Freunden beste Grüße. Behalten Sie lieb Ihren getreuen Frehtag. Saarburg, 13 Augst 70. Mein Herzensjordan! Tausend Grütze, beifolgenden Art. von Dr Hastet für die Grünen, der Schluß folgt morgen Abend. Ich schreibe Ihnen aus Petersdorf (Post Saarburg) der letzten deutschen Stadt. Der goldene Schlüssel von Luniville ist heut an den Kronprinz gesandt, es scheint, daß Rap. die Linie Metz—Thionville aufgiebt um sich mit dem Rest seines Heeres auf Chalons f./M. von da nach Paris zurückzuziehen, unterdetz dch Diplomatie Intervention u. Frieden zu^ schaffen. Wir sind entschlossen, drauf zu marschiren. Bon der Höhe der Vogesen sah ich am Rasttags in die idyllisch-friedliche Gebirgslandschaft, nur gerade vor mir am blauen Berg wirbelte zuweilen ein weißes Wölkchen u. schallte dumpf ein Kanonenschust. Pfalzburg wurde von den cernirenden Deutschen beschossen. Di« Truppen haben durch 3 Regentage in Bivaks und ausgesogenem Land 'etwas gelitten, die Zuversicht ist ungeheuer, wir sind 100 000 M. stärker als die Franzosen, denen mehr als Vs, fast die Hälfte ihrer Armee bereits gelernt hat, was Flucht vor deutschen Waffen h!eiht. Der groß« Schwindel Rapvl.seons geht wohl zu Ende. Dennoch halte ich für gut, mit ihm Frieden zu schließen, denn mit wem sonst? Herzlichen Grutz. Rächsts mehr von Ihrem getreuen Frehtag. Sieb leben 17 Sept. 70. Mein theurer Jordan. Ihr Bries war der erste Grutz ander Heimath, welcher mich unmittelbar nach meiner Rückkehr traf. Seien Sie bedankt dafür u. für Vieles Andere. Zunächst sende ich Ihnen herzlichen Glückwunsch in das Haus. Was Sie nttr über das Kleine (Jordans fünftes Kind, ein kleines Mädchen, 162 — „ .mh nur einzelne Anspielungen erlaubte ich legen^tt 8 ich bann von ihr, dass sie der Großfürstin Si2 (Ä* IW ®i« "ff*® "rb= tarnt noch acht Tage hinausgeschoben. Ich glaube mit Zuversicht Ihnen sagen zu können, teuerster Vater" schreibt Prinz Wilhelm in demselben Briefe,, daftich ^KNM eine Tochter zuführe, mit der Sie zufrieden sem, die Ihnen MtiL Enze Liebe schenken wird und der Sie gewiß die Ihrige nicht Erlagen werden, Es ist nicht gut, zu viel Gutes im voraus wederWer innere noch äußere Vorzüge zu sagen, mein ^Urteil über die letzteren kennen Sie bereits, und ich glaube, aussprech«i zu können daß die inneren die äußeren übertreffen. Gott schen^ ?nir °n Gnaden die Erfüllung der Aussichten, zu denen ich mich jetzt berechtigt sehe." Aach der Verlobung schreibt er dann am 25. Oftoßev: „Wie unendlich gut und liebevoll Augusta in diesen ^agen fur mich tvar und wie ich nun heute seit deni entscheidenden Moment so ganz ihre Liebe zu mir erkannt habe, vermag ich nicht zu schrldein. Ick verstche mich manchmal selbst nicht, denn so wenig om ich gewohnt eit, Glück festzuhalten und zu besitzen.^re, erstenBWorte, die mir Augusta heute sagte, zeigten mir eine ^r<^veS Gefühls, die sie mir über alles teuer machten sie sagte: mochte ich Ihnen doch jemals die ersetzen können, die ich ersetzen soll! Zweimal wiedekholte sie diese Worte! Mehr vennag ich nicht zu sagen ülnd am Todestag der Königin Luise bekenrck er dem Batem Gerade in Diesem Jahre den heutigen Lag entfernt von Ihnen ilnd deni teueren. Ort zu begehen, der uns m der Mittagsstunde zusammenführt, können Sie leicht denken, endlich schmerzliche Entbehrung. Denn wie viel umfassend.mußte heute wohl ein Gebet sein, das an jener- stelle nur umso inbmlnsti ger und bedeutungsvoller gewesen sein wurde, Ich hab-.ihren Seoen erficht auf alles, was in diesem Jahre mich so entscheidend i trafen soll Wäre sie noch unter uns, so hoffe ich, wurde ste nut der getroffenen Wähl zufrieden gew^en sem und^ oie neue i geliebt 'haben. An dem heutigen bedeutungsvollen Tag muß ich Ihnen also Augusta von neuem empfehlen und Ihnen allein da keine Mutter sie bei uns empfängt, deren Segen aber immer unter uns bleiben und so sich auch auf Augusten ausbreiten wird. „>m Juni führt dann Wilhelm dem Vater dre neue Tochter zu. bedrohlicher Aähe einschlagenden französischen Granaten, üleber» all sah man finstere, entschlossene Gesichter: fest umspannte die Faust den Kolbenhals des Gewehrs: man merkte es auf den ersten Blick, daß hier die Parole lautete: „Entweder du oder ich! Siedeheiß waren die Gewehrläufe von dem lang anhaltenden heftigen Feuer. Langsam ging die Munition zur Aeige, nur dte Patronentaschen der Toten und Verwundeten, die uns zu Fußen lagen, lieferten einigermaßen Ersatz. ®a — ein Krach — ein furchtbarer Donnerschlag, und mitten hinein in die fünfte Kompagnie saust eine französische Granate. Giftige Gase enrstiegen der Erde und mitten drin wälzte sich ein blutiger Men.chenknauel Ein gellender" Todesschrei, das Wimmern der Sterbentan, und das Stöhnen der Schwerverwundeten mischte sich mit dem Kiiattern der Gewe-Hre Ein schneidiger Leutnant, am Kragen trug er hessische Gardelihen, gefolgt von vier hochgewachsenen Mannern, zwei mit Gardelitzen, die anderen beiden waren vom zweiten Regiment und trugen am Troddel weiße Stengel, stürzten herzu, um noch zu retten, was zu retten war. Zwei brachten sie 'heraus: bei den anderen fünf war's nicht mehr nötig — Gott hatte "sie gerufen Aur von dem einen will ich erzählen. Behutsam legten sie ihn zur Erde Die Llntersuchung ergab: Schwerer Gelenkschutz mit doppw tem Knochenbruch! — Aoch ein letzter Händedruck, em he Mei Blick und fort waren sie wieder, der Leutnant und seine -»raven, hinein in den Kampf, den furchtbaren, den bezweifelten. Der Mann aber, den sie herausgeführt hatten, lag da mit bleichem Angesicht. Teilnahmslos ruhte er aus, den Kops auf seinen Tornister gelegt und achtete nicht wie feindliche Geschosse den heftigen Kanonendonner der hessischen Batterien, die geineinsam d^e^Sichevheit" eines^^männlichen" Charakters^ änd" ^sonders 1 Anters Schilderung des am nächsten Detmligten v°^ber^,^st seine pagni^tas Lebm- Brautwerbung um die liebenswürdige und reizende -weimarer Prinzessin die spätM Kaiserin Augusta. Wir nehmen an den diplomatischen Verhandlungen teil, die dem persönlichen Ersckwinen des Prinzen vorausgehen; wir folgen ihm an den Weimarer Hof und 'hören von ihm selbst, wie er schließlich seinen Antrag machte. Da ich nach, einigen Tagen AusenHalt hier bemerkte, schreibt er an den Vater aus Weimar vom 20. Oktober 1828, „und nach den Aeußevungen der Großfürstin (Augustos Mutter) es vielleicht mit Bestimmtheit ersah, daß sie wünschte, die Sache wenigstens nicht zu übereilen, wenn nicht auf die lange Dank zu schieben, dem ich mich ruhig unterworfen haben würde, wenn ich bemertt hätte daß Prinzessin Augusta mit dieser Hinausschiebung aus Unentschlossenheit einverstanden war, ich dies letzter^ von der Prinzessin keineswegs gewäh'r ward, sondern mir aus hmgeworfe- nen und sehr gut aufgenommenen und wohlverstandenen Worten di« Aeberzeugung wurde, daß ich alles zu 'hoffen hätte, so oeschloß ich, meinen Angriff direkt zu machen. So kam es denn, daß ich am 16. abends nach dem Souper allein im Salon stand mit ihr, ihren zerbrochenen Eventail (Fächer) in der Hand haltend: sie verlangte denselben zurück, und indem ich ihr ihn hinhielt, legte ich meine Hand in die ihrige, sie fragend: wollen Sie diese behalten? Sie verlor fast alle Contenance vor Rührung, reichte mir aber gleich darauf die Hand 'hin,, und Lieser Händedruck und ihr Blick sprachen alles aus, was ihr Mund nicht auszusprechen vermögend war Sie können denken, tote glücklich ich war und Laß die Rächt ziemlich schlaflos dahinstrich Den ganzen and«en Tag ließ ich ruhig vorübergehen, um die Prinzessin nicht kn Ber- taS den Aamen Eva echielt, wurde geboren am ^ ^Eber lM SU S‘sS “ÄSÄ XÄft gfcn jetzt doppelten Werth. ,®eim dort drüben srnd mehr ge- Ickloisen worden, als uns gut ist. Ich habe für morgen mein.en Schreiber ^stellt^ sende für dies Heft sicher 8 Seiten , j™ i6en örrtnit die Grünen Bin jetzt auch bereit ? -Meine Heimkehr wurde wieder in tfrren alten ^^Emburä "Darmstadt, Karlsruhe dadurch aufgehalten, uichi entziehen konnte. Aufträge auszurichten 'Hattet denen ich michck e ^n Einzelnen Die Fährt durch Frankreich.heimwärts warJui oen^ u Wanderer schwerer als die m das San v '-m Fuhrwerk Dächte durch, Sturmi u. WoMchem m ^qumnem durch ÄS ÄdB« Sol- Eiern u. einem Stuck Brod gele , &ur<£. huchcultioirtg SSÄ **- *””« •****- Menschen wenig vorhanden. . a h.„ Dries Am letzten Tag, den 7ten, eÄMl ich zu gf M von Freund Gensel wegen der iKederThut ßieber Freunb, bet* ©ölocit QXntfimS bet CSÖclt” geschichte, an welcher ei arbeit«, .„ u um sich lustig zu Körner w, sondern gcmz arger* “^Btcn längst machen. Die Wachtam Bheinis ffiziere „ toir6 fast trivial geworden, „lieb Vaterland mnnst J8 sIesundheit das das Ghassepotlied wiegt m diesem Feldzug Yun » » zeichenlieder unsrer Wackern Sanger auß Dies iva.r mne Sch wier ösiä?* 6s>“en Kaiser Wilhelm I Brautwerbung. (Aus neuen Briesen.) I sGwevSt StUTtbC. ein dmtwüM^ ^^^t'uch^'ii^alen^sck^^d Eine Erzählung aus der Marneschlacht 1914. Wlh. Prt-RuPPoerts^ehem.ö.KomP. akt. J.-R.116 ßtfÄeW 3ÄÄ W war M Dag an der Ernenn gge ^Uu"und ÄÄ echE'SeMtbiögrghie im JenU un ga^Mkund un«^t- Rfeiner militärischen SnspNonsfahrt 1830 «»gehend beschistigt, | Geivehre erfüllte die Luft, währens die Eife leise bebte^von tam behandeln die wichtige Frage der.Erziehung seines Sohnes usto Aus diesen 'Driesen Doden zerwühlten. Olur hxrttrtg schaute er zu, wie aus ein« großen Wunde das warme Blut Hervorquoll und auf dem Boden sn einer Lache stehenblieb. Heftige Schmerzen verursachten ihm das Aneinand«reiben schwer zerschossener Knochen, cwennenoer Durst quälte ihn, die Lippen waren trocken und die Sonne,, ,ie brannte so heiß - so heih. Rur «b und zu trai mn freudig^ Leuchten auf seine Züge, wenn sem Blickhmuberglllt in daß^al am Waldessaum, zu den braven Batterien, die mck höchster Feuersteigerung arbeiteten, und ganze Salven auf sunfMndert Meter Entfernung Hinein preschten, dort unten in die 3iegp.iei, tzw der Feind sich so hartnäckig schlug. Rur schrittv^se wich « Mrück jeder Fußbreit Erde kostete blutige Opfer Obgleich die Sonne chon langsam nach Westen sank, war doch immer noch keine Wendung eingetreten. Ha, saft schien es, als hatiw sich das Kriegsglück gewendet, denn in der Hand des Schlachtengottes schwankte bedenklich die Wage. Als der Mann, rer dow E Blute La wieder mal hinüberschaute nach dem „Tal des Todes da sah' er den Besitzer desselben, jenen furchtbaren Mann, die Sense K« mitten in den Batterien stehen. Mit seiner knöchernen 5mnd lallte und mähte er, schlug Wunven, die kein Argt -mhr heilen konnte, äleberall lagen geborstene Bohre, Räder aufgerissene Pferdeleiber und Kanoniere, — bleich, mutig ?nd töt - Gestern noch aus stolzen Rossen, Heute durch die Brust geschossen. — Der große Schnitter aber verliest, als er sein Wert vollbracht 'hatte, dieses Jammertal, schritt quer über das Schlachtfeld, achtlos an Verwundeten vmmber unD wanote sich Hinunter nach der Ziegelei Lange - lange ist er hrer• «e^‘> wnae bange Stunden und Hielt große Ernte Erst als die Bonne alutroi im Westen unterging, und der Abend ferne Schleier wob und mitleidig über die Erbe breitete, verstummte allenthalben der Lärm des Kampfes. Die Franzosen 'hatten, n^ch enormen Verlusten aul das Dorf Les Maurvuptes (sprich Morupt) zuruch aezogen Grabesruhe breitete sich über das ganze Schlacht eld Äüben im Rordwesten, in der Richtung auf M s-S mm roten Feuerschein am Himmel, am Horizont wetterleuchtete es un ^s Giollen von schweren Batterien summte aus der Ferne le; e m^u^ herüber - Richt lange sollte diese Ruhe dauwm, unheilverkündend lag es in der Luft. Die stacht sollte noch ein ^-rauerspiel erleben, das die Ereignisse des TageSi well in denschatte stellte - Die deutschen Soldaten lagen auf Ben gettcrn, >as & im Arm, und ruhten aus von der Tagearbeit, und harrten der Dinge, die noch kommen sollten. Hungrig waren fre, seit vierundzwanzig Stunden Mitten sie noch nirgends aber horte man eine Klage; fest preßten sie kste Zahne aufeinander und waren zufrieden mit ihrem Hirten Los das ihnen der Herrgott beschieden hatte. Etwas abseits^bei euiem Heckenrosenstrauch sahen zwei Soldaten eng beieinander, treue Freunde müssen es gewesen sein, denn sie unterhielten sich leise tlüsternd miteinander; vielleicht weilten ihre Gedanken fern in der X,,,,ticken Heimat in ihrem gemeinsamen Hermatsdo^chen. Da glitt S SÄ Ä Brotbeutel; einen Augenblich und er hielt zwischen seinen Fingern ein winziges Stückchen Brot, es war fim-t Vn6 nusaetrocknet von der Sonne. Mit wehmütigem Lächeln L er davök und mit einem Schluck lauwarmen Wasters eiiiem letzten Rest aus der Feldflasche, spülte er das karge Mahl hinunter Sein Freund wollte das gleiche tun; auch- seine Hand schob sich zAernd in den Brotbeutel; lange, lange dauerte es dann kam kte wieder zum Vorschein - sie war leer - Und diese Hand, die vielleicht noch nie im Leben gezittert hätte, sie bebte leise HaMa wandte er sein Gesicht zur Seite, sein Blick irrte hinüber weite Fernen nach jenem „Wetterleuchten der Batterien; ein Schnrerz wiihlte in seiner Brust, in seinen Augeniperlteeine Träne und Heist und schwer rollte sie ihm uv« das männlich Angesicht Sein Freund sah es vnd getreulich teilte er mi^ ihm den letzten Bissen, denn geteiltes Leid ist halbes Leid. Richt weit davon, auf einem Feldstein, saß ein Mann mit stark «grautem Haar. Auf seinem Kopfe trug er eine Feldmütze und quer über seinen Knieen lag ein blinkender Degen Ordon- nanzen kamen und traten zu ihm hm machten ein« kurze Meldung und verschwanden wieder lautlos im Dunkel der Rächt. Gin Melde reiter tauchte auf, vom Riservedragoner-Regiment Ar ^ Er schien es sehr eilig zu Haben, denn yasftg fast ungeduldig schob er sich durch die Gruppen der ruhenden Soldaten, fern schaumbedecktes edles Tier am Zügel führend. Auch er trat zu lenem Manne hm, ihin ein lleines beschriebenes Stückchen Papier überreuhend. Emen Augenblick später, dann war er entlassen. Geräuschlos entfermte er sich wieder. Ganz nahe kam er an unseren beiden Freunden vorvet Sie sähen, dast Reiter und Pferd über -und über mit Staub bedeckt waren und dast letzterem der Schaum kn, großen »locken von den Weichen -heruntertropfte. Sie sahen wie der Leib des Pferdes bebte und aus seinen roten aufgeblähten Rüstern Weitzer Dampf strömte und sähen seine «rosten feurigen Augen, die sc^oarA wie Kohle glänzten. Ein paar Minuten noch, daim war die Stelle leer Lange fasten die beiden Freunde in Gedanken iwrsunken, plötzlich flüsterte der eine: „Horch!" — — — Drüben burch die Stille der Rächt, in der Richtung nach dem roten Feuerschein Hörte man ganz deutlich den sich entfernenden Aufschlag eines schnell trabenden Pferdes. —--Ab und zu schauten unsere beiden Freunde ehrfurchtsvoll nach jenem Manne hm, der dort auf dem Feldstein fast; es mutzte sicher ein Großer, mußte em Führer sein. Sicher hatte auch! er in vierundzwanzig Stunden noch nichts esien können. Es wäre ihm Wohl nicht schwer gefallen, irgendwo etwas Brot und einen Schluck Wein aufzutreiben, aber er verschmähte es als edler Führer, ein solches zu tun. Ec war viel zu sehr Ehrenmann, um hier zu essen, während seine Getreuen hungerten. Auch nicht im allergeringsten dachte er an seine eigene Person, viel, viel wichtigere Dinge waren es, womit sich seine Gedanken beschäftigten. Immer noch hielt er zwischen leinen Fingern jenes kleine Blatt Papier, das ihm, der staubbedeckte Reiter vorhin überreicht hatte. Inhaltsschwere Worte müssen es gewesen sein, die darauf standen — furchtbare Worte. Eine eisige Ruhe lag auf seinen Zügen, unverwandt, fast drohend schaute er Hinüber nach dem Dorfe Les Maurvuptes. Auch unsere beiden Freunde waren fest überzeugt, dast es eine äußerst wichtige Meldung sein mußte; denn nicht vergebens hätte der Leib des Dra- qonerpferdes so krampfhaft gebebt. Es sollte nicht lange dauern, dann sollten sie es alle.... alle erfahren. — r~ — Langsam und bleiern schlichen die Stunden dähin----! Mrckernach war v-orüber. — .Unten auf den Feldern wurde es lebendig Ganze Scharen standen da, wohlgeordnet w:e auf dem Eperzierplu.i, und in ihrer Mitte, umgeben von einigen getreuen tapferen Offizieren stand wieder jener greise Führer und erteilte kurz mm klar seine Defthle Sein Gesicht war bleich aber eine eiserne Energie iprack aus seinen Zügen, ein strenger, unbeugsamer Wille. Wieder ging ein Befehl flüsternd von Mund zu Mund: Hande tasteten nach der linken Seite, ein kurzer Ruck einen Moment I. 4*}- tausende Bajonette starrten drohend in dre Sommernacht Wieder ging ein Befehl leise durch die Kompagnien und lautlos gtaten sämtliche Schlösser aus den Gewehren und verseywanden tm Brotbeutel --Grabesstille---noch fünf Minuten Pause - - Mechanisch, mit kalter Ruhe, zog der greise.Fahrer ieinen Deg-m seinem Beispiel folgten alle Offiziere ^stwMurlichrMeten ch tausende von Blicken zum Rachthimmel; em kstrz^ SteSgebet zum Lenker der Schlachten; ein jeder von biejen furchtlose Mannern dachte noch einmal flüchtig an die ferne deutsch-: Ä-rmat dachte noch einmal an das, was er hier auf Erden am meisten geliebt, ein ^kurzer Wink und dahin Betoegte sich bie auserlesene tapfere Schar in der Richtung--nach dem Dorfe Les Mourouptes Lmftlos, wie die Schatten der Otaft «taten Sie ©ePatam btifrm, nichts war zu hören, nur m den Wipfeln rauschte leise der Rachtwind.-- Drüben am Ausgange des Dorfes Les Mauroaptes be.rn sich eine französische Dorpostenstellung; eine Feldwache lag unmittelbar in ihrer Rahe. Zwei französische Posten standen in der Weqegablung; leise schlichen sie hin und her unb mit ihren dunklen Augen schauten sie mißtrauisch! in die Rächt hinaus^ — - _ wegte sich nicht dort über das »eld eine dunkle Masse, uw b.ckmlick — riesengroß? — — —, oder wars Einbildung der erregten Phantasie? Huschten dort nicht dunkle Gestuften heran? Ein«, Augenblick noch dann- erscholl ein lcha^sranzoslsches Qui vive — Halt, werda! durch die Stille der Rächt - - -. ©in arvßer Schatten, ein blitzendes Bajonett, em schwerer Männertritt, ein leises Knirschen einer StaHMnge und mit einem lsisen Weh- laut sank der Franzose zusammen und über ihm beugte sich em braunes Angesicht mit weißer blinkender Helmschiene und am Kragen mit hessischen Gardelihen.--Der zwecke Posten wollte fliehen, schon schwebte auf seinen Lippen ein gellend« Alarmruf zu spät — ein dumpfer Schlag von schweb« Hand geführt und ohne auch nur den leisesten Laut von sich zu geben, sank er auf den grünen Rasen. Dort lag die frar^ösische S-ldwache_unbBort &te Vorvostenstellung. Ein minutenlanges, furchtbares Rmgen Mann gegen Mann, Messer gegen Messer. Weiter eilten die hohen Gestalten bis an den Rand des Dorfes, Hinten aber in der französischen Borpostenstellung und an d« Ste le wo die Feldwache geleqeii hatte, war es ganz ihlt geworden, so gmiz still Ein französisches Alarrnsignal ertönte, verernzAte Schüsse knallten und eine feurige Lohe v«breitete sich im Dorfe. Einen Moment noch, bann erscholl ein gellendes Hurra aus tausenöen trmft tiger Männerkehlen durch die Rächt und windgetragen irrte der Schall über das Schlachtfeld und «weckte m den Waldern em leises schauerliches Echo! — — — Eine Viertelstunde später entrollte sich in den Straßen des Dorfes ein Bild, das wohl m der Geschichte des Weltkrieges einzig dastand. Mit Stillschweigen will ich darüber hinweggehen. Rur eins sei noch erwahnft Mitten im würgenden Tode, von rotem Feuerschein umgeben, stand Wied« jener greise Führ« mit gezogenem Degen. Erst vor ein naar Tagen erhielt « die Nachricht, daß sem Sohn als tapferer Manenosiizter in Frankreich gefallen war. Hier s and « selber, der Oberst vom zweiten Regiment, umgeben ^n tapftren, unerschrockenen Männern, Soldaten aus der alten, deu tschem >->chule, mit weißen und gelben blinkenden Helmspitzen, Friedensware. Als im Osten das erste Frühlicht glänzte war das Werk vollbracht das Dorf endgülllg dem Feinde entrissen; aber sch!were, blutige Opfer, teure Menschenleben 'hatte es gekostet. In den Straßen des Dorfes, zwischen rauchenden Rumen und schwelenden Ballen sah man üBeraH tote französische Soldaten liegen. Eigentümlich leuchteten ihre roten Hosen durch das dämmernde Grau des Morgens; es sah aus, als wär's Mut. Ganz unerwartet Hatte sie hi« das Schicksal «eilt. Ab« sie waren's nicht allem, schmerzlich sei's gesagt. Desond«s droben im Oberdort, wo der Straßenkampf seinen Höhepunkt erreicht hatte, wo der vollm überraschte Feind sich, zum letzten verzweifelten Wid«stand auf- — 164 — eft Hatte,--— dort lagen zwischen unzähligen toten ösifchen Soldaten auch viele mit gelben blinkenden Helmspitzen und viele — unzählige — vom — Leib-Garderegiment. Sie waren getreu gewesen, getreu bis in den Tod. Friedlich lagen sie Mer zum ewigen Schlaf gebettet und der Morgenwind kühle mitleidig ihre bleiche Stirn. Heber dem ganzen Dorfe lagerte ein schwarzer Dunst und im fermen Osten leuchtete grell — das Morgenrot---! Wenden wir uns hinweg von dieser Stätte des Todes, lassen wir sie ruhen, die stummen Kumpane; und nie, nie wieder wollen r wir sie vergessen, jene Manner, die so großes für ihre Heimat getan. — Schauen wir hinüber auf die Felder, wo die Schlacht wieder, mit besonderer Heftigkeit entbrannt war. Die dmäschen Armeen Holten aus zum letzten Schlage und es hätte nicht msl gefehlt, dann war's um Frankreich geschehen gewesen, und -btt große Schlachtenplan des Generals v. Schlieffen wäre gegluckt, wenn nicht ganz unerwartet, sozusagen in Deutschlands schwerster Stunde, fast die Hälfte der deutschen Armeen aus Frankreich abberufen worden wäre, um den Aussen, die aller deutschen Be- rechnung hohnsprechend, mit großen Heeressäulen in Deutschland einmarschiert waren, ein Tanneickerg zu liefern. Don dieser Stunde an war das Schicksal Deutschlands besiegelt. Siegreich --unglückselige Marneschlacht.--Mancher aber wird sich fragen, wie war es möglich, daß in dieser kurzen Zeit die großen Armeen Rußlands aus dem fernen Asien an^ der deutschen Grenze sein konnten, bei nur einer einzigen Eisenbahn — —--? Vielleicht wird uns die Geschichte später einmal Aufklärung darüber geben. Wir aber wollen den früher führenden Männern Rußlands nicht fluchen — sie sind bestraft genug I---- Geschichten von Canova. (■3u seinem 100. Geburtstag, 13. Oktober.) Ms Antonis Sanova am 13. Oktober 1822 in Venedig seine Seele aushauchte, trauerte ganz Italien um diesen Künstler, den man als einen zweiten Phidias und Prakiteles, als den „Rassael der italienischen Plastik" pries. Kein Künstler ist je von seinen Landsleuten begeisterter verehrt worden als der Meister von Possagnv, in dem man ebenso gut den Ausdruck * italienischer Gröhe sah wie in Dante oder Michelangelo. Heute ist der Aame Eanovas in der Kunstgeschichte nur noch ein leerer Schall, und w«nn man in Italien sein Jubiläum mit großen Feierlichkeiten begeht, so gelten diese Feste mehr dem großen Menschen und Patrioten, als dem Gestalter einer originalen Schönheitswelt. immerhin wird man vielleicht auch über die Plastik Eanovas, bie noch Jakob Durckhardt als den „Markstein einer neuen Zeit" bezeichnete, auf einmal wieder gerechter denken. Mit der Vorliebe für das Empire, die jetzt besonders in Frankreich einsetzt, dürste auch dieser bezeichnende Vertret«: des Meu- klassizismus am die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts von neuem Bewunderer finden. Die Zeiten sind freilich endgültig vorbei, da man in seinen Göttinnen und Heroen eine Wiedergeburt antiken Geistes erblickte, aber die besten seiner Werke atmen eine weiche Anmut, eine pathetische Würde und eine romantische Stimmung, die sich zu einem sehr interessanten Zeitkolvrit vereinen, so daß man in Canova wohl den repräsentativen Dild- bauer der napoleonischen Epoche erblicken darf. Den Aachkommen wackerer Steinmetzen, die feit langem in den Steinbrüchen des venezianischen Hinterlandes arbeiteten, war eine tüchtige handwerkliche .Ueberlieferung mitgegeben, und so lebt in dem Klassi- giften, der die von Winckelluann entdeckte ., Einfalt und Würde" des Griechentums geftaften wollte, der Geist der italienischen Barockkunst, der sich die Welt eroberte, und er erinnert in manchem an seinen Gegenpol Devnini, so in der scharfen Aaturbeobachtung, die sich besonders in den Zeichnungen offenbart, so in den vorzüglichen Porträts, in denen er bedeutende Persönlichkeiten seiner Zeit festhielt. In der Heimat Passagno wuchs er zunächst unter dürftigsten Verhältnissen auf und mutzte in der Küche eines reichen venezianischen Senators Falieri helfen. Gin Zufall soll zur Entdeckung seiner plastischen Begabung geführt haben. Er modellierte für die Tafel des Herrn aus Dutterteig einen Löwen so vortrefflich, daß dieser davon überrascht war und sich den kleinen Küchenplastiker kommen lieh, dessen er sich von da an tatkräftig annahm. Die Löwen sind denn auch stets ein Lieblings- motiv des dankbaren Eunova geblieben. Rasch wurde der junge Meister in Italien bekannt; aber zum Weltruhm führte ihn erst die Aufmerksamkeit Rapoleons, der ihn zweimal nach Paris berief und sich selbst von ihm als nackten Cäsaren darst eilen ließ in jenem merkwürdig grandiosen Denkmal, das im Hofe der Mailänder Brera steht. Damals schuf er auch eins seiner schönsten Bildwerke, die Marmorstatue der entzückenden Schwester Rapoleons, Pauline Borghese,. «und bekannt ist die Anekdote, die Prinzessin habe auf die Frage, ob ihr die Modellsitzungen in unbekleidetem Zustande nicht peinlich gewesen seien, geantwortet: „Warum beim? Es war doch im Atelier gut geheizt." Eanova war ein glühender Patriot, der in seinen Untev- redungen mit dem Kaiser aus seinem Schmerz über die Riederlage seines Vaterlandes keinen HM machte und für sein Land alle« mögliche erreichte. Den größten Dienst leistete er ihm aber nach bem Sturz des Korsen, als er die Rückgabe der von den Franzosen geraubten italienischen Kunstwerke durchsetzte. Er vollbrachte hier ein politisches Meisterstück, bei dem ihn auch Wilhelm von Humboldt unterstützte. 69 antike Skulpturen, 10 Hauptgemälde, 461 Manuskripte und vieles andere brachte er int Triumph nach Rom zurück und wurde so zum Rationalhelden. Diese Tat war der Höhepunkt seines Lebens. Aber er blieb bescheiden und zog sich nach seinem Heimatdorf zurück, wo er den Grund zu dem noch heute bestehenden Canova-Museum legte und sich eine Begräbnisstätte schuf in der Kirche von Possagno, die ihre Gestalt dem römischen Pantheon entlehnt. In diesem weihevollen Tempel zu den Fützen seiner schönen Dronzegruppe der Pietä ruht er nun, und nicht weit davon stehen, umrahmt von herrlichem Garten- schmuck, seine Werke in dem Museum. Hier ist die Stätte, wo man den besten Eindruck von Eanovas Kunst gewinnen kann; von hier wird eine bessere Würdigung dieses Meisters ausgehen, dessen Werke vielleicht keinen Ewigkeitsgehalt besitzen, aber dem Geschmack ihrer Zeit den reinsten Ausdruck verliehen. Wie Siemens feine erste Unternehmung 9 gründete. (Bunt Jubiläum von Siemens und Halske.) Das 75jährige Jubiläum der Weltfirma Siemens u. Halske wird in diesen Tagen begangen. Aus kleinen Anfängen ist bet „Siemens-Konzern" zu einer gewaltigen Macht auf wissenschaftlichem, technischem und wirtschaftlichem Gebiet geworden. In feinen „ßebenSerinnerungen", dieser klassischen Selbstbiographie, hat Werner von Siemens selbst in seiner schlichten und so eindringlichen Weise die Gründung der Firma erzählt. Der junge Artillerieoffizier beschäftigte sich damals in seinen Muhestunden viel mit der Entwicklung des Telegraphenwesens. ..Ich veranlahte daher," schreibt er, „im Herbst des Jahres 1847 den Mechaniker I. G. Halske, mit dem die gemeinsamen Arbeiten mich näher verbunden Hatten, sein bisheriges Geschäft dem Sozius zu überlassen und eine Telegraphenbauanstalt zu begründen, in die ich mir den persönlichen Eintritt nach meiner Verabschiedung Dor* behielt. Da Halske ebensowenig wie ich selbst disponible Geldmittel Hatte, so wandten wir uns an meinen in Berlin wohnenden Vetter, den Justizrat Georg Siemens, der uns zur Einrichtung einer kleinen Werkstatt 6000 Taler gegen sechsjährige Gewinnbeteiligung darlieh. Die Werkstatt wurde am 12. Oktober 1847 in eurem Hinterhause der Schöneberger Stratze — wo Halske und ich auch Wohnung nahmen — eröffnet und entwickelte sich schnell und ohne 'weitere Inanspruchnahme fremden Kapitals zu dem weltbekannten Etablissement von Siemens und Halske i:t Berlin mit Zweiggeschäften in vielen Hauptstädten Europas." Rachdem die Firma bereits mehrere glückliche Kabellegungen durchgeführt 'batte, sah sich Siemens im Jahve 1849 gezwungen, entweder auS dem Staatsdienst auszuscheiden oder auf die Beteiligung an der Firma zu verzichten. Er wählte die Aufgabe des Offizierberufes, bat im Juni des Jahres 1849 um seinen Abschied und legte seine Stellung als Leiter der Technik der preutzischen Staatstelegraph»« nieder. „Die hohe Leistung der elektrischen Telegraphie für das praktische Geben war erkannt," schreibt er, „und namentlich die Eisenbahnoertoaltungen begannen, die Leistungsfähigkeit ihrer Dahnen und die Sicherheit ihres Betriebes durch Anlage von Telegraphenlinien für den Rachrichten- und Signaldienst zu erhöhen. Es tauchte dabei eine Fülle interessanter wissenschaftlicher und technischer Ausgaben auf, zu deren Losung ich mich berufen fühlte." Durch 20 5atjre haben dann Siemens und Halske gemein- sam an dem Ausbau des Weltunternehmens gearbeitet. Im Jahre 1868 zog sich aber Halske von der Firma zurück. Siemens berichtet darüber: „Die günstige Entwicklung des Geschäftes — es wird dies manchem auf den ersten Blick nicht recht glaublich erscheinen — war der entscheidende Grund, der ihn dazu veranlahte. Die Gr- klärung liegt in der eigenartig angelegten Ratur Halskes. Gr hatte Freude an den tadellosen Gestaltungen seiner geschickten Hand, sowie an allem, was er ganz übersah und beherrschte. Unsere gemeinsame Tätigkeit war für beide Teile durchaus befriedigend. Das wurde aber anders, als das Geschäft sich Der« gröfierte und nicht mehr von uns beiden allein geleitet werden konnte. Halske betrachtete es als eine Entweihung des geliebten Geschäftes, datz Fremde in ihm an ordnen und schalten sollten. Schon die Anstellung eines Buchhalters machte ihm Schmerz. Gr konnte es niemals verwinden, datz das wohlorganisierte Geschäft auch ohne ihn lebte und arbeitete. Als schlietzlich die Anlaa« und Unternehmungen der Firma so groß wurden, datz er sie nicht mehr übersehen konnte fühlte er sich nicht mehr befriedigt und ent* schloß sich, auszuscheiden, um seine ganze Tätigkeit der Verwaltung der Stadt Berlin zu widmen, die ihm persönliche Befriedigung gewährte." Schriftleitung: August Goetz. — Druck und Verlag der Bruhl'fchen Univ^-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.