Ssrnsing, 14. Januar W B lei 1922 — Nr. 2 8 8 MI W "K KW MarschaüNikolaus GrafLuÄrner. ®in ®ebenf6latt zürn 200. ®sfnrt8!xige des Helden des Siebenjährigen Krieges. „Don des Lebens Gütern allen, Ist der NuHm das Höchste doch. Wenn der Leib in Stank zerfallen, Lebt der grafte Name noch." (Schiller.) Am 11. Haimar waren zwei Jahrhunderte verflossen, daft Nikolaus Luckner zu Cham in der Oberpfalz (im Bayerischen Wald) als Sohn des Stadtkämmerers Samuel Luckner geboren wurde. Obwohl er dem reformierten Bekenntnis angehörte, wurde er in das Jesuiten-Kollegium zu Passau ausgenommen. Hier soll er „weg«; einigen Leichtsinns unb Wildheit" den Beinamen „Liöertinus" erhalten haben. 3m Jahre 1737 verlieft er Passau und trat als Kadett in das bayrische 3nf an t er i e-Reg i m en t Marowitzki ein. Noch in demselben Jahre marschierte er mit seinem Regiment nach Ungarn, wo dieses Reichskontingent bis 1739 gegen die Türken focht. Der junge Kadett zeichnete sich aus und wurde bald befördert. 1739 wurde er zum Fähnrich, 1741. zum Unterleutnant im Insanterle-DegimeNt Marowitzki ernannt. 3m Jahre 1743 wurde Luckner als Oberleutnant in bas Husaren-Negiment Ferrary versetzt. Dieses Regiment trat im Jahre 1745 aus dem bayerischen Dienst in den holländischen über. Luckner wurde 1746 zum Nitt- meister, 1748 zum Major im Husaren-Negiment Ferrary befördert. Der Herzog von Cumberland machte die persönliche Bekanntschaft des tapferen Hufarenmajors bei einem Besuche seiner Schwester, der E r b st a t t h a l t e r i n von Holland (einer Tochter des Königs Georg 11, von England). Dieser Prinz vcranlaftte Luckner, in den Menst des Kurf ü r st c n von Hannover (Königs von England) zu treten. Am 1.Mai 1757 trat Luckner als Major in hannoversche Dienste. Er errichtete ein Husarenkorps, das zuerst aus einer Kompagnie von 5 Offizieren, 10 Unteroffizieren, 1 Trompeter, 90 Husaren, 106 Pferden bestand: 1759 dagegen zählte es schon 8 Kompagnien oder 4 Schwadronen mit 712 Mann. Die Uniform der Luckner- Husaren waren: Grüner Dolman und Pelz mit gelben Schnüren (bei Offizieren mit goldnen), rote Hosen, rote Säbel- laschen, Flügelkappen von Filz nach ungarischer Mode. 3m Jahre 1759 erhielt das Luckner-Negiment weifte Dolmans, statt der Flügelkappen aber Pelz lappen mit rotem Beutel. An der Spitze seiner Husaren sand Luckner bald Gelegenheit, sich in ganz besonderem Mafte auszuzeichnen. Er hat persönlich niemals.eine Niederlage erlitten. 3m Jahre 1757 imhm er teil an sieben Gefechten (erst im November wurde der Dormarsch aus der Gegend von Stade gegen das Lüneburgische unternommen): 1758 beteiligte er sich an acht Gefechten, 1759 an vierzehn, 1760 an zehn, 1761 an sechzehn, 1762 an acht Gefechten. Stets finden wir ihn bei den Vortrmppen. Don Urteilen über seine kriegerische Tüchtigkeit heben wir hier hervor, was der Oberbefehlshaber der hannoverschen Armee, General von Spörken, dem König meldet. Am 26. Februar, 1761 schreibt Spörken: „Luckner besitzt nicht nur die Eigenschaften eines Kommandanten der leichten Truppen, sondern weift auch die schwere Eavallerie Wohl zu Gebrauchen." Am 14. Oktober 1761 meldet General Spörken: „Luckner besitzt eine persönliche Bravour und ein Talent zur Attaque, Disposition und Deckung, dergleichen ich nicht kenne." Dementsprechend wurde er auch rasch befördert. Am 17. Juli 1758 wurde er zum Oberstleutnant, 13. Juli 1759 zum Oberst, 25. Januar 1760 zum Generalmajor, 3. November 1761 zum Generalleutnant ernannt. Wiederholte Anerbietungen zum Eintritt in fremde Dienste schlug er aus. So berichtet Spörken am 26. Februar 1761: „Luckner sind von einer graften Puissance ansehnliche Offerten geschehen, die er aber großmütig ausgeschlagen hat." Trotzdem wurde dem General seitens seines Königs mit schnödem Undank gelohnt. Es scheint dem hervorragenden Manne nicht an Neidern gefehlt zu haben. Mit dem Ende des Krieges wurde sein Negiment gegen die dringenden Dvrstellungen des Generals von Spörken aufgelöst. Da verlangte Luckner seinen Abschied aus dem hannoverschen Dienste: er erhielt ihn am 1. Mai 1763. Am 20. Juni 1763 trat Luckner als „Lieutenant-Genera! des armees du Roy“ in französischen Kriegsdienst. Cs wäre töricht, dies dem so ungerecht behau- deltenGeneral zumDsrwurf anzurechnen. 3m übrigen gab es damals n'ochi kein deut ch-es Ta erlaub,ü; da l man pat ivtische Cmpfindung hätte Halen können: es konnte rein tieferes Gefühl geben, das einen bestimmten nationalen Ausdruck hätte finden Wunen. — Luckner besuchte nun wiederholt von Frankreich aus die alte Heimat. Er kaufte sich in Holstein an. 3m Jahre 1784 wurde er vom K ö nig vvn Däu emark i n den G rafe nstand e rhob e n. Am 28. Dezember 1791 wurde er zum „Marechal de France“ ernannt. Der tapfere Heerführer hatte ein überaus tragisches Ende. Auch ihn verschlang die Revolution. 1792 wurde er mit dem Oberbefehl über die N o r d - A r m e c betraut, mit der er in B e l g i e n eindrang. Dann erhielt er das Kommando über die Reser ve- Armce, die bei Chülons gesammelt wurde. Der Marschall hatte bedeutende Summei; vom Staate zu verlangen, die er einklagte. Die Aepublik erledigte sich dieser Verpflichtungen, indem sie den Marschall royalistischer Umtriebe beschuldigte. Obgleich nicht der mindeste Beweis der Schuld erbracht werden konnte, wurde der 72jährige Greis am 3. Januar 1784 (ein Jahr nach dem Tode des Königs) auf das Blutgerüst geführt. Er starb würdig und mit Fassung?) Auch auf ob er hessisch em Boden hat General Luckner wiederholt große Erfolge errang eit. Am 19. März 1761 warf Luckner die vom französischen General Slainville nach Laubach vorgeschobene Region roy Je“bis Hungen zurück.Dieser Dorstoft erfolgte auf besondere Anordnung des deutschen Oberbefehlshabers, des Herzogs Ferdinand von Braunschweig, um die linke Flanke zu sichern, da es den Franzosen bereits gelungen war, der; Derbündeten bedeutende Htlfsquellen an Derpflegungsmitteln abzuschneiden. Der Erbprinz von Braunschweig aber *) Die Nachkommen Luckners traten teils in den österreichische« und preußischen Militärdienst, teils ergriffen sie die diplomatische Laufbahn. Sie werden dem holsteinischen Adel zugerechnet. Ein Ururenfel des Marschalls ist Gras Felix Luckner, der ' rühmte Kommandant des „Seeadler" im Weltkrieg, von dem das Buch „Der SWtenfel" erschienen ist. Ein anderer blrurenkel, Graf Nikolaus Luckner, lebt zur Zeit aus Schloft Gettenbach im Kreis Gelnhausen. Er hat sich als Fliegerofsizier im Weltkrisg ausgezeichnet. Er betreibt Landwirtschaft und ist mit einer Prinzessin zur Lippe vermählt, der Tochter jenes Prinzen Friedrich Wilhelm, der am 7. August 1914 bei Lüttich neben Ludendorff den Heldentod starb. 6 Srang mit fehlem Korps (gegen 4000 Mann) gegen G r ü n b e rg vor. Am 21. März wurde Luckner, der 4 hessische Grenadier- Bataillone und 15 Schwadronen Husaren und Dragoner (ettoa 3500 Mann) befehligte, bei L a u b a ch von General D i e s b a ch mit Äebermacht angegriffen. EL gelang Luckner jedoch, seinen Gegner abznwehren, und sich gegen Durg-Ge- m ü n d e n zurückzuziehen. Hier brachte er dem Erbprinzen von Braunschweig, der gleichzeitig bei Atzenhain von einer französischen Äebermacht überfallen worden war, entscheidende Hilfe. Das erbprinzliche Korps war völlig zersprengt und wurde nur durch die 4 hessischen Grenadier-Bataillone unter Luckner vor völliger Vernichtung bewahrt. Ebenso zeichnete sich Luckner am 30. August 1762 in der Schlacht bei Rauheim aus. Auch hier gelang es ihm, den Erbprinzen v. Braunschweig vor völliger Vernichtung zu bewahren. Gegen 10 Ähr morgens hatte der Erbprinz den I v h annisberg bei Aauheim erstürmt. Plötzlich wurde das deutsche Heer von weit überlegenen französischen Lruppenmassen angefallen und die Anhöhe wieder hinabgeworfen. Luckner hatte von Rieder-Mörlen aus sein Fußvolk zur Unterstützung des Sturms auf den Johannisberg vorgeschickt. Der General selbst war mit seiner Reiterei, die nur 7 Schwadronen stark war, bis Ober-Mörlen vorgerückt. Plötzlich sprengte die verfolgende französische Reiterei, 40 Schwadronen stark, die Westseite des Johannisbergs herab. Die Reiterei Luckners stellte sich mutig dem Feind, konnte jedoch den ungleichen Kampf nicht lange bestehen; sie wurde bis zur Anhöh e v o n Fauerbach zurückgeworfen. Durch 3 Schwadronen verstärkt, stellte sich hier Luckner dem Feinde wieder und gebot der weiteren Verfolgung Halt. Kein Land hat so kühne und so tatkräftige Reiterführer hervorgebracht, wie Deutschland! Wir finden eine lange stolze Reihe von Reiterhelden in seiner Geschichte, von Ernst von Mansfeld und Johann von Werth an, der bis Paris streifte und den französischen König in seiner Hauptstadt erzittern machte, von Seidlitz, Ziethen und Blücher bis aus Bredow, der mit 2 Regimentern gegen ein ganzes Heer anritt, und bis auf jene Helden des Weltkriegs, die französische Kürassiere und zahllose Kosakenhorden zersprengten. Änter allen diesen Rejtersührern nimmt Rikolaus Luckner eine würdige Stelle ein. So können wir denn heute und allezeit mit gehobenem vaterländischen Gefühle des Helden gedenken, der im Bayerischen Wald vor nunmehr 200 Jahren das Licht der Welt erblickte. Dr. August Rveschen. Der mutige Bursch. Win isländisches Märchen?) Es war einmal ein sehr bockbeiniger Bursch, der sich aus nichts etwas machte. Seine Rächsten, ob es nun seine Eltern oder Anverwandten waren, waren darüber voller Kummer; denn was sie auch mit ihm anstellten, sie konnten ihn durch nichts in Schrecken versetzen. Als sie ihn ganz aufgegeben hatten, brachten sie ihn beim Pfarrer unter, den sie von allen für am besten geeignet hielten, etwas aus dem Burschen zu machen und seinen Mut zu zähmen. Als der Bursch zum Pfarrer gekommen war, zeigte sich bald dasselbe, daß es nichts gab, wovor er sich fürchtete, was der Pfarrer auch anstellen mochte. Der Bursch aber zeigte dem Pfarrer gegenüber ebensowenig Trotz und Vorwitz wie gegen diejenigen, bei betten er vorher gewesen war. So verging nun einige Zeit; der Bursch blieb Bei dem Pfarrer, und dieser gab sich alle erdenkliche Mühe, ihn auf irgendeine Weise in Schrecken zu versetzen, es gelang ihnr aber nie. Einmal im Winter waren drei Leichen, die beerdigt werdet- sollten, in die Kirche gebracht worben; weil sie aber so spät am Tage ankamen, wurden sie in die Kirche gestellt, um erst am nächsten Tag beerdigt zu werden. Es war 'in damaliger Zeit hierzulande Sitte, daß die Leichen nicht in Särgen beerdigt wurden, und so kam es, daß diese Leichen nur die Totenkleider anhatten. Als die Leichen in die Kirchen gebracht worden waren, lieh der Pfarrer sie quer über den Gang zwischen den Kirchenstühlen vorn in der Kirche fegen, nebeneinander, jedoch mit einem kleinen Zwischenraum zwischen je zweien. Im Laufe des Abends sagte der Pfarrer zu dem Burschen: „Ach, geh doch einen Augenblick für mich in die Kirche hinüber, mein Junge, und hole mir das Buch, das auf dem Altar liegt.“ Der Bursch gehorchte sofort; dem, ungehorsam war er nicht, auch wenn er starrköpfig war. ®r ging in die Kirche hinüber, schloss die Tür auf und wollte den Mittelgang hinaufgehen. Als er ein kleines Stück von der Tür entfernt war, stolperte er über etwas, an das er mit Sen Füßen fließ. Er ließ sich jedoch nicht erschrecken, tastete mit den Händen um sich und merkte dann, daß er über eine Leiche gefallen war, Märchen und Volkssagen, in Axel Junckers Verlag, Berlin in guter deutscher Äebertragung herausgegeben, haben viel Aehnlichkeit mit den Grimmschen Sammlungen nur dah die Märchen zumeist, der rauheren nordischen Heimat ent-’ sprechend, einförmiger die Schroffheit der Raturgewalten hervorkehren. „L>er Mutige Bursch" hat, wie die Leser gleich merken " werden, in unserer deutschen Literatur ein Ebenbild: „Von einem. der auszog, das Fürchien zu erlernen." die er nahm und zwischen die Bänke an der einen Seite schleuderte. Gr ging nun weiter hinein, fiel aber zum zweitenmal über eine Leiche. Er verfuhr mit ihr auf dieselbe Weise wie mit der ersten. Dann ging er weiter vorwärts, stolperte aber über eine dritte, Sie er wie die beiden andern vom Fußboden zwischen die Bänke warf. Dann ging er zum Altar, nahm das Buch, und nachdem er die Kirche wieder zugeschlossen hatte, brachte er es dem Pfarrer. Der Pfarrer nahm das Buch und fragte, ob er etwas bemerkt hätte. Der Bursche antwortete: „Rein“, und zeigte keinerlei Veränderung. Der Pfarrer fragte: ..Hast du denn gar nichts von den Leichen gemerkt, die in dem Gang lagen?“ Der Bursch erwiderte: „Ach so, ja, die Leichen, die habe ich bemerkt; ich wußte nicht recht, was der Herr Pfarrer meinte." „Run. und wie hast du sie denn bemerkt," sagte der Pfarrer, „sie lagen dir wohl im Wege?" „Es ist nicht der Rede wert,“ sagte der Bursch. „Was hast du denn gemacht, um durch die Kirche zu kommen?“ fragte der Pfarrer. „Ich habe sie vom Fußboden aufgehoben und zwischen die Kirchenstühle geworfen, und da liegen sie noch.“ Der Pfarrer schüttelte den Kopf und sprach nicht mehr mit ihm über diese Sache. Morgens als die Leute aufgestanden waren, sagte der Pfarrer zu dem Burschen: „Jetzt mußt tzu von hier fort; ich will dich in meinem Hause nicht länger habens da du so rücksichtslos bist, daß du dich nicht schämst, die Ruhe der Entschlafenen zu stören." Der Bursch antwortete höflich, sagte aber dem Pfarrer und den Leuten auf dem Hof dann Lebewohl. > Run zog er eine Zeitlang umher, ohne daß er einen Fleck hatte, auf den er feinen Kopf legen konnte. Aus einem Hof aber, auf dem er die Rächt über blieb, hörte er, daß der Bischof auf Skalholt gestorben sei. Da machte er einen kleinen Umweg und wanderte auf Skalholt zu. Als er dorthin kam, Begann der Tag auf die Reige zu gehen, und deshalb bat er um Obdach für die Rächt. Es wurde ihm geantwortet, daß es ihm gern vergönnt werde, er müsse aber selber für seine Sicherheit sorgen. Er fragte, ob es etwas Böses mitbringe, wenn er dort bleibe, und was es verursache. Die Leute erwiderten ihm, daß sich die Verhältnisse nach dem Tode des Bischofs so verändert hätten, daß es kein Mensch aushalten könne, zu Hause zu bleiben, wegen lauter Spuks, sobald es zu dunkeln beginne, und deshalb müßten seitdem jede Rächt alle Leute von dort flüchten. „Dann bleibe ich noch lieber hier," fügte der Bursch. Die Leute des Hofes baten ihn jedoch, nicht fv zu reden; denn es wäre wahrhaftig kein Vergnügen da- zubleiben. Ms es dunkel wurde, begannen die Leute allmählich, den Hof zu verlasfen, und schweren Herzens sagten sie dem Burschen Lebewohl; denn sie erwarteten nicht, ihn wiederZufehen. Der Bursche blieb zurück und war ausgezeichneter Laune. Dann ging er im Hause umher und sah sich um. Der letztck Ort, yn den er kam, war die Küche. Es war großer Wohlstand in der Wirtschaft; eine Menge feiste Schafrümpfe hingen aneinandergereiht da, und alles, was er sah, stand dazu im Verhältnis. Der Bursch hatte lange kein Dörrfleisch gesehen, und er fing an, Appetit darauf zu bekommen, als er sah, daß hier solch Äeberfluß daran war. Schlafen wollte er nicht, um den Geist um so besser sehen zu können, und er entschloß sich deshalb, Feuer anzuzünden, und dann zerkleinerte er Holz und setzte einen Topf mit Wasser über das Feuer, zerschnitt Sann einen Schafrumpf und legte ihn in den Tops. Bis jetzt hatte er nichts von Spuk gemerkt. Als aber alles in den Topf getan war, hörte er, daß oben im Schornstein mit dumpfer Stimme gefag twurde: „Darf ich fallen?" Er erwiderte: „Warum sollst du nicht fallen?“ Da fiel der ganze oberste Teil eines Mannes durch den Schornstein herab, ein Kopf mit Schultern und Armen und Händen daran, und eine Weile lag dieser Klumpen auf dem Boden, ohne sich zu bewegen. Gleich daraus hörte der Bursche daß oben im Schornstein gefragt wurde: „Darf ich fallen?" Er antwortete wie das vorige mal: „Warum sollst du nicht fallen?“ Und durch den Schornstein herab fiel der mittlere Teil eines Mann^ bis zu den Lenden. 'Dieser Klumpen fiel neben den andern und blieb dort liegen, ohne sich zu bewegen. Da hörte der Bursch noch einmal, baß oben int Schornstein gefragt wurde: „Darf ich fallen?" Er antwortete wie zuvor: „Warum sollst du nicht fallen? Du mußt doch etwas haben, woraus du stehen kannst!" Da sielen die Füße eines Mannes herab; sie waren unerhört groß, wie die Klumpen, die zuerst heruntergefallsn waren. Rach Bem Fallen lagen alle Klumpen eine Weile rußig auf dem Boden. Ms Ser Bursche dessen überdrüssig wurde, ging er zu ihnen hin und sagte: „Da nun alles, was zu Sir gehört, heruntergekommen ist, ist es wohl am besten, daß du anfängft umherzustolpern." Alle Klumpen schoben sich zusammen und wurden zu einem furchtbar großen Mann. Er sagte kein Wort zu dem Burschen, sondern ging aus Ser Küche hinaus und ins Vorderhaus. Der Bursch folgte dem großen Manu, wo er auch hinging. Der Mann ging in ein Zimmer vorn im Hause und trat an eine große Truhe. Diese öffnete er, und der Bursch sah, daß sie voll Geld war. Der große Mann nahm eine Handvoll Geld nach der andern aus der Truhe, warf die Münzen über den Kops und ließ sie hinter sich herabsallen. In dieser Weise trieb er es bis spät in die Kl-acht, gibt es aber leine Erzählungen mehr über ihn. Eine Ahrtalspsrre. Einer der ungestümsten deutschen Müsse, die Ahr, soll durch einen Talsperrenbau gebändigt werden. Rur 89 Kilometer durch- flieht die Ahr von ihrem Quält gebiet in der Hohen Eifel bis M ihrer Einmündung in den Rhein gegenüber dem Städtchen Binz, aber sie hat auf diesem Lauf 421 Meter Gefälle, dazu ein QuellgebietzdaS außerordentlich reich an RiedersHlägen ist. Däher ist die Ahr schon bei mittlere m Wasser stand reihend, bei Hochwasser furchtbar. Wer sie gesehen hat, wie sie mit elementarer Kraft, tosend and hochan f schä um end durch ihr enges, sehr tiefes, oft gekrümmtes Tal strömt, das eine Art Moseltal tm Keinen ist wird den Anblick dieses wilden Kindes der Eifel so leicht nicht vergessen. Die Chronik der Ahrüber- fchtoemmungen ist ebenso alt tote reich an verhängnisvollen Daten. Wie oft hat die Ahr nicht schon fast alle ihre Drücken weg- gerissen, das manchmal bizarre Felsental in voller Breite ungangbar gemacht, Städte und Dörfer aufs schwerste heimgesucht und schwere Opfer an Menschen und Vieh gefordert. Wie oft hat sie in rasendem Lauf nicht schon Altenahr, Mayschoß, Walporzheim, Ahrweiler, Reuenahr und all die alten weinberühmten Orte des Ahrtales durchflutet, alles nieberreifjenb, was ihr hinderlich war. lind trotz dieser Hochwasserkatastrophen kommt nach langen Seiten auch einmal ein Jahr, wo dies ungestüme Gewässer ganz zahm wird. So war die Ahr im Sommer 1921 infolge der großen Dürre vollständig ausgetrocknet. Man sah im September Silber des wasserleeren Geröllbettes dicht oberhalb der Mündung bei Sinzig. Der reiche Fischbestand der Ahr, besonders Forellen und die der Ahr eigentümlichen Keinen Rümpchen '(Chprinus pho^imrs), die zu Millionen gefangen werden, wurde vernichtet. Die Ahrtalsperre, Ne jetzt mit einem Kostenaufwand von 320 Millionen Mark erbaut wird, kommt übrigens nicht in den eigentlichen Ahrlauf, sondern ins Tal des Trier buch es, des HauptniederschlagsgMetes der Ahr. Er ist einer der zahlreichen Bäche, die der Ahr in ihrem Oberlauf aus den dichten Forsten der Eifel zuprömm. 3n die künftige Talsperre werden 186 Hektar Wald und Wiese einbezogen. Die Sperrmauer wird 51 Meter hoch, der Stausee 1 Kilometer breit und 6 Kilometer lang. So leidenschaftlich tote die Ahr in ihrer Strömung, ist auch der würzige dunkelrote Ahrwein: der sogenannte Ahvbleichert. Reben den Äaheweinen und vereinzelten Frankenweinen ist er der hitzigste auf deutscher Erde wachsende Rotwein. Seine Haupt» orte sind Walporzheim, Ahrweiler und Dodendorf. Der künftige bessere Hochwasserschuh im Ahrial wird auch der Ahrtal- b a h n Remagen a. Rh.—Altenahr—Adenau sehr zustatten kommen, beren Betrieb schon oft durch Hochwasser cmfs empfindlichste gestört wurde. Der Marsch der Herrfcheecks«. Südafrika leidet gegenwärtig unter dem furchtbarsten Angriff der Heuschrecken, den es fett 20 Jahren zu verzeichnen Hat. Diese flügellosen Heuschrecken, Ne tote ihre geflügelten Verwandten -auf der Wanderschaft die schrecklichsten Verheerungen anrichten, haben den Ramen „Doetgangers", weil sie zu Fust gehen. Sie sind der Vernichtung etwas zugänglicher da man 'in der Erde Gräben anlegen kann, in die sie hineingehen und sie dort leichter vergiftet. Aber der Marsch Neser ange- beuren Heuschreckenscharen bleibt deshalb nicht minder furchtbar und ist eine Menschheitsgeihel, wie sie die großen Seuchen dar-' stecken. Die Heuschrecken find Kinder der Wüste! die ungeheuren Weiten Mittelasiens und Arabiens, die Sahara sind ihre Heimat In Neser Herkunft liegt ihre Stärke und Ne Änmögkichkeit sie s vollkommen auSguretten. Vögel und Käfer mögen noch jv viel von diesen Tieren freien, es ist doch vergeblich, denn ihre Zahl ist wie der Sand am Meer. Gift hilft etwas und ebenso ßärnt, der die marschierenden Waffen stört, sie in ihrer Richtung ab» lenkt und daher gestattet, graste Mengen von ihnen in Ne afrikanischen ©een zu treiben, wo sie ertrinken. In Gegenden mit engerer Besiedlung find sie nicht so gefährlich, denn hier kann die Briämpftmg durch Gift und Lärm verstärkt werden. Aber die Wüsten BE eiben. und mit ihnen bleiben die Heimstätten der Heuschrecke, in denen sie sich immer wieder zu unzähligen Massen vermehrt. So eifcheinen sie denn von Zeit zu Zeit ganz plötzlich und überraschend, wodurch der Schrecken ihres Auftretens noch vermehrt wird. Dem Farmer sind sie das Zeichen der Ber- toüflung, dem unbeteiligten Beobachter ein schaurig-phantastischer Anblick. Lord Bryce hat .einmal den Marsch der Heuschrecken als schaurig-schön beschrieben: sie leuchteten in der Sonne wie riesige rote Schneedecken. Ein anderer schildert sie wie de« seltsam gefärbten Rauch eines cklrtoaldfeuers am Horizont, der allmählich zu einem dichten gelben Rebel von .„wimmelnden Millionen" anschwilft, durch die der Reiter sich seinen Weg bahnt, bis der widerliche Gestank ihm Erbrechen verursacht. Ein Mittel gegen die Heuschrecken ist bisher von der Wissenschaft nicht gesunden. worden. Das einzige, was vielleicht helfen könnte, wäre, tocim es gelänge, gefangene Tiere mit einer Krankheit zu infizieren, die sich in die Wüsten ausbreitet und dort die Heuschrecken am Ort ihrer Entstehung umbringt. Wie die Schnepfe ihre Jmigerr transportiert. Gin anmutiges Bild aus dem Dogelleben entwirft der Revier» förster Stettmayer im „St. Hubertus", in dem er auf Grund seiner eigenen Beobachtungen den Transport der Jungen durch Ne alten Schnepfen beschreibt. Er sah eines Tages, höchstens 5 Meter entfernt, zwei alte Schnepfen, die in auffallend zusammengekrümmter Stellung schwerfällig dahinflogen. „Sofort gewahrte i