Nr. 10 1922 Samstag, 11, Marz Q> W-- Aus Hessischen Mogruphien. Sie int Auftrag 6er historischen Kommission für Hessen von Gey. Hofrat Prof. Dr. Haupt herausgegebenen Hessischen Btographien (Staatsverlag, Darmstadt) bringen überaus Wertvolk und interessante Darstellungen. Auch Persönlichkeiten von bloß lokaler Bedeutung kommen darin zur Würdigung. Aus lebten Beiträgen des Herausgebers in Band !I entnehmen wir Len Lebensabritz einer Persönlichkeit, die in der Geschichte der Stccht Gietzen eine Rolle spielt und hier seinerzeit sehr populär war: Ludwig Christoph Rübsamen, Förderer Les Turnens, des Sports und des Feuerlöschwesens, 1825—1889. 3n Butzbach wurde Christoph Rübsamen als Sohn des Gerbermeisters Christoph Rübsamen und dessen Gattiit Barbara Heinemann am 9. Juni 1825 geboren. Seine Vaterstadt war schon in frühester Zeit eine Pflegestätte der Turnerei gewesen, als der bekannte Vvlksmann Pfarrer Weidig dort 1814 eine Deutsche Gesellschaft int Geiste Arndts und Hahns begründete. Diesen Lieberlieferungen blieb der junge Schlosfergeselle auch in Frank- furt a. M. treu, wo er die Vorturner-Lehrgänge des bekannten Kartographen August Ravenstein besuchte. Auch der 1848 nach Hessen zurückgekehrte Turnmeister Adolf Spietz hat seine turnerische Ausbildung gefördert. Von Frankfurt aus gab Rübsamen zusammen mit I. W. Küchel die Anregung zu der Gründung der Butzbacher Turngemeinde, die am 28. März 1848 ins Leben trat An der Volksbewegung des Jahres 1848 nahm der junge Feuerkopf so lebhaften Anteil, dah ihm zeitweilig der Boden int i ®u ivurde. Doch kehrte er nach kurzem Aufenthalte in Rordamerika wieder in die Heimat zurück, und am 1. September 1849 konnte er auf Ravensteins Empfehlung hin in Gietzen sein Amt als Turnlehrer der im Frühjahr 1848 wieöeraufgerichteten dortigen Turngemeinde antreten. Da feine Einkünfte nur in dem Honorar für den privaten Turnunterrichk bestanden, den Rüb- samen an Gietzener Schüler in der sehr stark besuchten Turner- Vorschule erteilte, so war er in seinen ersten Gietzener Jahren gleichzeitig auch noch int Schlosserhandwerk tätig. Die folgenden zwei Jahrzehnte führten Rübsamen trotz zeitweiliger Hemmungen durch die reaktionäre Regierungspolitik und durch die Zwistig- “£ten im Turnverein auf den Höhepunkt seiner turnerischen Wirksamkeit. Im Jahre 1851 wurde er zum Wanderturnlehrer des neuen Lahnbezirksverbands im allgemeinen deutschen Turner- vund gewählt und förderte die Turnsache in der Folge als lang- jähriger Dezirksvertreter und Kampfrichter, wie auch durch Aus- bUdung von Vorturnern und Veranstaltung von Turnfahrten und Turnfesten wobei ihm seine ungewöhnliche Organisations- zustatten kam. Zu Anfang der sechziger Jahre waren die Gietzener ^urner durch ihre glänzenden Leistungen auf den großen Turnfesten in ganz Deutschland bekannt: hierzu hat Rüb- famens Tätigkeit etn gut Teil beigetragen. Ein bleibendes Gedächtnis hat er sich mit der Förderung der Dünsberg-Turnfeste und mit den von ihm 1851 ins Leben gerufenen, bis auf die Gegenwart volkstümlich gebliebenen Gietzener Jugendfesten gesichert. In der Schule hat sich die Pflege des Turnens im Hessew- kande bekanntlich nur langsam unter großen Widerständen durch- gesetzt. Roch im Jahr 1860 wurde Rübsamen von dem damaligen Gietzener Ghmnasialdirektor als Turnlehrer um seiner politischen Vergangenheit willen abgelehnt. Dom Jahre 1836 ab lag dann ?o7oSutJwJ,teriil&t ?n &cn Lietzener Volksschulen, von 1869 bis 10^0 auch der am Gietzener Gymnasium in seinen Händen. Auch dem Wassersport wurde von Rübsamen in Gietzen die Bahn gebrochen. 3m Sommer 1851 eröffnete er oberhalb der „Reumühle" die erste Gietzener Schwimmanstalt mit Wellenbad, die vor allem von seinen Turnschülern fleißig besucht wurde und auch dem Frauenschwimmen erstmals Eingang verschaffte. Er verlegte die Anstalt später an eine weiter stromaufwärts gelegene Stelle, wo sie noch heute fortbesteht. Auch bei der Gründung der Gietzener Rudergesellschaft im Jahre 1877 war Aüb- samen eine der hauptsächlichen treibenden Kräfte und hat auch in der Folge den Rudersport eifrig pflegen helfen. Dis zur Berufung eines Llniversitäts-Tanzlehrers hatte Rübsamen zu Anfang der fünfziger Jahre auch als Tanzlehrer sich betätigt. Eine zeitgemätze Umbildung des Gietzener Feuerlöschwesens und die Einrichtung einer Turnerfeuerwehr hatte der Turnverein unter Rübsamens Führung schon 1850 und wiederholt 1852 angeregt, ohne freilich damit durchzudringen. Als es dann 1855 zur Gründung der Gietzener Freiwilligen Feuerwehr kam, gehörte auch Rübsamen wieder zu den Führenden. Von Anfang an und viele Jahre hindurch war er Stellvertreter des ersten Hauptmanns. Mitte der sechziger Jahre nahm er den alten Plan der Verwandlung der Wehr in eine freiwillige Turnerfeuerwehr ivieöer auf, der aber an dem Widerstande einer gegnerischen Partei scheiterte, was dann zu Rübsamens Ausscheiden aus der Feuerwehr führte. 3m tiefsten Grunde seines Wesens war Rübsamen sein Leben hindurch von feurigem vaterländischen Entpfinden beherrscht. Diese Eigenschaft und seine unbeugsame Energie in der Verfolgung feiner gemeinfinnigen Bestrebungen verliehen 6ernt auch dem „Rotbart" wie er im Dolksmunde hietz, trotz feiner etwas knorrigen Eigenart einen ungemein starken Einfluß auf die bürgerlichen Kreise, namentlich aber auf die Gietzener Jugend, die zu ihm im vertrauten Verhältnisse stand, und deren er sich mit warmer Zuneigung annahm. Als 1864 die öffentliche Meinung zum Kriege um die Befreiung Schleswig-Holsteins drängte, wirkte Rübsamen eifrig für die Bildung einer Wehrabteilung im Turnverein, die sich im Gebrauche der Waffen übte. Auch im Jahre 1870 hat er Exerzierübungen für die oberen Klassen des Gymnasiums veranstaltet. Zweimal übernahm auch Rübsamen in jenem Kriegsjahre die Führung von Liebesgaben-Transporten für die hessischen Truppen, wie er sich auch der Pflege der in der Gietzener Turnhalle untergebrachten Verwundeten widmete. Reben seinem vielseitigen gemeinnützigen Wirken hat Rübsamen als umsichtiger Geschäftsmann die Gewinnung von Lahnkies durch eine Dampfbaggerei betrieben, auch mit Sachverständnis und ansehnlichem geschäftlichen Erfolge in Oberhessen und auf benachbartem hessen-nassauischen Gebiete ausgedehnte Mutungen auf Eisenerze aus geführt. 3m Jahre 1867 hatte sich Rübsamen mit Margarete Ohler aus Hanau vermählt, die ihm drei Töchter und zwei Söhne schenkte. Nachdem er längere Zeit an Lungenerweiterung gelitten, wurde Rübsamen durch einen Grippeanfall am 7. Dezember 1889 dahingerafft. Die Vriickre zum anderen Ich. Reue Beiträge zur okkultistischen Seuche. Von Georg Strelisker. Man pflegt gewöhnlich nur von epidemischen, ansteckenden Krankheiten des Körpers zu sprechen, selten oder säst gar nie von denen des Gemüts, des Geistes, der Seele, obgleich gerade diese mitunter weit gefährlicher und auf Generationen hinaus von bösen Folgen begleitet sein können, weil auf solche Weise Erkrankte, bewußt oder unbewutzt, immer das Bestreben 88 — Raben, andere mit ihren Ideen — anzustecken, ihnen ihre lieber» frcuqung einzusuggerieren. Um eine derartige Gemütsepidemie die gerade in letzter Zeit in allen Volksschichten erschreckend Mel Opfer findet, handelt es sich bei dem modernen O k k u l t i s m u s. Lind wenn auch namhafte Gelehrte sich als überzeugte Okrultlsten ausgeben — wer wird denn behaupten wollen, bau mj , Gelehrte gegen Gemütsepidemien gefeit sind? Auch Gehrte haben gewöhnlich ein Gemüt, und wenn sie auch durch rhr aomen eine allzu rasche Infizierung durch den okkultistischen Dazcklus erschweren, um so stärker und heftiger äußert sich bei ihnen die Krankheit, wenn sie einmal von ihr befallen werden. Daimt soll keineswegs gesagt sein, daß alle Probleme, bte heute mit Ramen tote Parapsychologie und Tenolvgte gedeckt, werden, H-uubug wären daß die okkultistischen Bestrebungen reder Berechtigung entbehren. Aber es ist nach den bisherigen Grgsbnts^n etn üin- ding, Okkultismus als ernste, nüchterne Wissenschaft zu et klären weil gewisse logische Boraussetzungen fehlen. Okkultismus ist zum Teil geschickte Taschen- und Gedan?ensptelerel, zum Teil Glcuibenssache über die bekanntlich nicht gestritten tmrden kann, und zum Teil eine Herabsetzung des normalen, gefun. > «bens- Sefühls. Menschen mit nicht irritierten Aerven von u .wrtzchgern Empfinden, unverbrauchte, nach Tätigkeit und Lebenskampf durstende Energie sind — keine Okkultisten! Um was geht es eigentlich? Um seltsame, unerklärliche Vorgänge jenseits des bis^r allgemein anerkannten leiblichen und bewußt geistigen Ichs! Wir fühlen Kräfte walten, die wir mcht kennen, wir haben in den letzten Jahren so lange in unseren Seelen herumgeschürft, Psychologie betrieben, Ursachen und Wirkungen zu ergründen versucht, daß es kein Wunder ist, wenn wir nun einer gewissen Monomanie zum Opfer fallen. Der Krieg mit seinen fürchterlichen, seelischen Eindrücken, die erst jetzt ihre Folgen zeitigen, hat viel dazu beigetragen. Ich denke Da nur an die Gründe, die mich dem Okkultismus in die Arme trieben, verschiedene Vorfälle an der Front, merkwürdige Vorahnungen von Kameraden, die sich mehr oder weniger genau erfüllten, eigene Erlebnisse, die mich einerseits erschreckten, andererseits in einen gewissen Rausch verstrickten, aus dem heraus ich alle Dinge eben vom Standpunkt des Okkultisten sah. Sobald aber wieder nüchterne Augenblicke kamen, logische Erwägungen dte Oberhand gewannen, merkte ich, in welcher Autvhhpnose ich mich befand. Vor allem kommt hier ein Dorsal! in Betracht, der mir Anlaß gab mich mit dem Problem der Telepathie näher zu beschäftigen. Während einer nächtlichen Eisenbahnfahrt in der polnischen Etappe — ich sah allein mit einer mir unbekannten »rau im Abteil, ohne daß es zu einem Gespräch gekommen wäre — wurde ich plötzlich von einer unsagbaren Angst gepackt, die mir die Kehle zuschnürte. Ich versuchte, die unbegreifliche Erregung zu bannen, aber es gelang nicht, meine Unruhe wurde immer heftiger, qualvoller, ich sprang von der Dank auf und rannte auf den Waggvnkorridvr heraus, in dem zwei Offiziere standen, miteinander sprachen und Zigaretten rauchten. Ich erinnere mich noch, daß der eine mich halb belustigt fragte, was ich denn hätte, da ich im Laufschritt den Gang auf und ab eilte, bald ein Fenster aufrih, bald wieder ganz verstört auf die Rotbremse starrte. Denn ich hatte das eigentümliche, aber bestimmte Gefühl: .Es geschieht etwas Fürchterliches, etwas Schreckliches!" Der eine Offizier bot mir eine Zigarette an, ich zündete sie an, wechselte ein paar Worte und wurde dabei ruhiger. Aach etwa fünf Minuten bremste plötzlich der Zug mit Gewalt zum Ruck, rollte langsam ein Stück weiter und hielt. Wäre er weiter gefahren, so hätte sich ein maßloses Unglück ereignet. Denn vermutlich durch die starken Aegengiisse der letzten Tage war der Eisenbahndamm unterwaschen worden und eingestürzt. Durch die Rotsignale eines Streckenwächters, Der zufällig um Biese Zeit seinen Kontrollgang hatte, wurde der Zug zum Stehen gebracht, und so fuhren wir zur letzten Station wieder zurück. Aatürlich brachte ich dieses, wenn auch verhütete Unglück mit meiner seltsamen Vorahnung in Verbindung. Möglicherweise bestand auch ein Zusammenhang. Aber ich entsinne mich auch, in jener Aacht besonders ermüdet, abgespannt, nervös gereizt gewesen zu fein, und ich weiß heute nicht, wieviel von jenem unbändigen Angstgefühl, das mich damals plötzlich befallen hatte, auf das Konto dieses Erregungszustandes zu sehen ist. Aehnliche Fälle von Vorahnungen trugen sich während meiner Frontdienst leistung zu. Ich habe sie, soweit sie von allgemeinem Interesse sein.könnten, in einem demnächst erscheinenden Roman- buche ausgenommen, indem ich das Problem des sog. zweiten (seelischen) Jchs von einer neuen Grundlage aus betrachte und eine gewisse, einleuchtende Lösung auf eine zur Zeit wohl noch sehr grotesk erscheinende Art zu geben versuche. Jedenfalls kämpfe ich darin gegen die Ausbreitung, die „Popularisierung" der okkultistischen Anschauungen an, denn sie entnerven die Menschen, sie bestärken noch den Hang eines Teiles unserer Generation zum Traumhaft-Pathologischen, zu einer krankhaften Beschäftigung mit übersinnlichen Dingen, die eine noch ungeahnte Demoralisation und Schwächung des robust-gesunden Lebensempfindens nach sich ziehen muß. Ehe man nach seinem „zweiten Ich" fahndet, muß man fein erstes völlig in der Gewalt, (haben, es beherrschen können, sonst kann man die Drücke zum anderen Ich nicht passieren, ohne in blinden Wahn zu verfallen oder in die Hörigkeit eines anderen, willenskräftigeren, selbstbewußteren Menschen zu kommen und damit in dessen Gewalt. Darin liegt auch die große Gefahr, welche gewisse okkultistische Propheten, Hypnotiseure und Magnetiseure bedeuten, wenn sie auf einen Kreis willenloser schwacher Personen Einfluß gewinnen. Die gegenwärtigen unklaren auf tragen Vermutungen gestützten Verhältnisse lassen die scharfen Gsgenfätze in den Gemütern zwar er» klärlich erscheinen, auf der einen Seite blindwütiger Naturalismus und Oebensgier in jeder sich gerade bietenden Form, auf der anderen Seite verschiedene Geheimkulte und krankhafte Detrach- tung von ^augenblicklich nicht ganz faßbaren Erscheinungen des Unterbewutztseins und der unbefriedigten, religiösen Sehnsucht. Aber der gesunde Lebensinstinkt schlägt auch hier den goldenen Weg der Mitte ein. Wenn bisher der weitaus größte Teil der Menschheit mit feinen fünf Sinnen ausgenommen, damit gelebt hat und gestorben ist, wozu bedarf es der gewaltsamen Züchtung eines dunklen sechsten Sinnes, der seinen Besitzer nicht glücklich macht und den anderen zu allerlei phantastischen, ja grauenvollen Vorstellungen Anlaß gibt? _ Die Drücke zum anderen Ich fuhrt also nicht über die fruchtlose, okkultistische Geheimniskrämerei zum Ziele, nur scharfe Selbstbeobachtung, Selbstdisziplin und der feste und klare Wille, sich und das Leben zu meistern, kann uns mit der Zeit die Möglichkeit geben, die Abgründe und Schluchten, die sich hinter unserer Seele geheimnisvoll auftun, zu entschleiern. Der Sinzigs. Von Richard Voß. (Fortsetzung.) 4. Eines strahlenden Aovembermorgens flach die „Assunta" nach wvhlgelungener Probefahrt in See. Die Zurückbleibenden standen am Äser, hoben die Hände, riefen den Davonschiffenden nach, standen noch winkend und Tücher schwenkend, als die Darke mit von einem leichten Aord geschwellten Segeln nur mehr als leuchtender Punkt auf den tiefblauen Wassern erschien. Die Frau des jungen Kapitäns, deren Rainen die dem Süden entgegenschiffende Hoffnung der Inselleute führte, war nicht mit den andern Frauen am Strande gewesen, sondern war vor ihrem hohen Hause geblieben. Es lag auf dem steilsten Gipfel, der weit vorsprang ins Meer. Don hier aus hatte die Äachschauende einen unbegrenzten Blick, konnte die Barke am längsten sehen — von ihr aus am längsten gesehen werden. Und ihres Mannes Blick sollte an der dunklen, einsamen Gestalt haften, so lange dies möglich war. Sie wußte: in ihres Mannes Blick lag sein Herz. Er sandte es über das Meer hinüber, sein Weib grüßend und das heilige Geben, welches sie unter dem Herzen trug. Wenn er zurück kehrte, wollte sie wiederum dort oben stehen und ihm zum Willkommen in hoch erhobenen Armen seinen Sohn entgegenhalten; denn: „Ein Sohn mutzte es sein!" Der Winter kam mit seinem Rebelgewölk, seinen Regengüssen und Stürmen. Sie umbeulten die Klippe gleich einer Geisterschar und erschütterten den Fels. Assunta Morgano satz mit ihres Mannes Mutter am Herdfeuer, lauschte auf das Tosen der Winde und dachte, was alle Frauen der Insel dachten: „Denen da draußen tut der Sturm nichts. Sie sind sicher auf ihrem Schisse. Die „Assunta" hält aus bei Wetter und Wind. Wenn sie wiederkommen, sollen sie's gut bei uns haben, gut bei Frau und Kind, für die sie da draußen auf fremden Meeren schiffen und schaffen. Möge die Fahrt ihnen und uns gesegnet sein!" Aber Assunta Morgano dachte, was die andern Frauen nicht denken konnten: „Es war dein Mann, der sie dazu brachte, das gute Schiff zu bauen. Deinem Manne danken die Weiber, die Kinder, die Mutter die sichere Fahrt ihrer Männer, Väter und Söhne. Deinem Manne werden sie's danken müssen, wenn unser tägliches Brot uns müheloser und reichlicher zukvmmt. Hochhalten müssen sie den Mann, der deines Sohnes Vater ist!" So sprachen ihre Gedanken zu dem Leben, das geheimnisvoll unter ihrem Herzen sich regte, damit ihr Kind schon unter ihrem Herzen von seinem Vater hören sollte. Wie stolz sie war auf diesen Mann, der für feine Heimat so Großes vollbracht hatte. Ihr Stolz war noch größer als ihre Liebe, und diese war eine so übermächtige Empfindung, daß sie ihr Herz zu sprengen drohte. Wie schön er war, wie stark und gut! lind wie auch er sie liebte! War sie nicht eine glückliche, eine gesegnete Frau? In der größten Kammer des Hauses war ein Webstuhl aufgestellt. Assunta warf mit geschickten Händen die Spule und webte, webte in die Leinwand alle ihre Gedanken ein, ihre Liebe zu ihrem Manne, ihren Stolz auf ihn. Ihr Glück webte sie als schimmernden Faden in das Linnen, das den Säugling umhüllen und für den Fernen ein neues Gewand geben sollte. Was sie webte, hatte mit welken Händen die Mutter gesponnen. Seit vielen, vielen Jahren spann sie an der Spindel den Flachs, der jedes Jahr auf dem Festlande eingekauft ward, des Jahres größtes Ereignis. Bereits als Mädchen hatte sie an der Haustür oder an irgend einer Felswand gelehnt und an der Spindel gesponnen und gesponnen; und später als junge Frau hatte sie aus dem Gespinst das Gewebe gemacht. Ginnen für Gebende und für Tote, Ginnen für Kinderhemdlein und Linnen zu Brautgewändern — Ginnen zu Leichentüchern . . . War Assuntas Tagewerk getan, und hatte der greise Sin- SS Sin» z z t t t r E> n n m e, :r, er in it. !“ )Il !M Uf te. so te. sie ihl nd :6e 115 [en bei starkem! Orkan. Mattia Morgano hatte Morgano trug die Schuld an bis auf den einen, einzigen. Wer — wer war es? n ir s >e >a e. r- d, n. den Schiffsbau geleitet. Mattia dem Untergang, dem Tode aller, ge- del rd, sie an rtge tien rnd und Braut: „@r wird der eine sein, der einzige. Er, mein Gatt«, mein Sohn, mein Geliebter!" Wie war er gerettet worden, er allein? Wo blieb er? Weshalb gab er nicht Nachricht I Weshalb kam er nicht? Jeden Tag konnte der Gerettete kommen... Da warteten denn jeden Tag Mütter, Frauen, Kinder auf des Einzigen Rückkehr. Bereits im Morgengrauen versammelten sie sich im Hafen. Sie standen und spähten hinaus auf das Meer, das tu Spiegelglatte glänzte und gleißte, als vermöchte kein Windhauch es jemals zu kräuseln. Sie standen, spähten hinaus, harrten und hofften Stunden auf Stunden. Heden Lag Stunden auf Stunden. Sie wachten des Nachts. Harrten und hofften des Nachts, bis ihnen die Erschöpfung die Augen schloß. Wenn sie nicht am Meere warteten, so beteten sie vor dem armseligen Heiligtum, schrien die Madonna an, entzündeten geweihte Kerzen, taten Gelübde, wenn — der eine, der einzig Heimkehrende ihr Sohn. Gatte, Vater, Geliebter sein würde. Alle harrten und hofften, ausgenommen eine einzige: Las junge Weib des Kapitäns, der mit seinem Schiffe untergegangen. Dann kam vom Festland — noch immer nicht jener Einzige, sondern eine neue Nachricht Über das Schiff und feinen Unter» gang. Es sei kein gutes Schiff, sei ein schieches Schiff gewesen, von Unkundigen unvollkommen gebaut. Es mußte untergehen „Treff", die Geschichte eines Hühnerhundes'). Treffs Wiege stand Inmitten rauchender Schlote in einer großen Stadt, wo fein Herr Direktor einer großen Fabrik war. *Uus Allerlei aus meinem Nucksack", von Wilh. Klef sn er "(Verlag von I. Neumann in Neudamm), einem dem Andenken Herrn. Löns' gewidmeten Bande ansprechender Jagd- und Wanderskizzen. 6. Mattia Mvrganos Witwe faß an dem Dettlein ihres schlummernden Knaben, dessen Händchen sich wieder zu winzig kleinen Fäustchen geballt hatten, als wollte Las Kind allen drohen, die seinen toten Vater beschimpften. Mein Vater war ein Ehrenmann! Er starb als letzter von allen starb als Held. Wir, seine Mutter und ich, sein Sohn, wir wissen, wie mein Vater starb. Also ehrt den Toten! Sonst! werde ich ihn einmal rächen an euch." Mit einem der alten Wiegenlieder ihres Volkes hatte Assunta ihren Knaben in Schlaf gesungen und dabei die Spindel gedreht. Ihre Hände durften nicht ruhen! Keinen Augenblick mehr! Mattia Worganvs Mutter, seinem Weibe und feinem Sohn war der Ernährer genommen — wie den andern Weibern der Insel auch. Nun mußten die ruhelosen Hände schaffen uni), schaffen, um für die greife Mutter und den Säugling das tägliche Brot zu erwerben. Flachs mußten sie spinnen und Garn mußten sie meßen, Tag für Tag, jahraus, jahrein. Für die Händler, die vom Festlande kamen und dem unwissenden Volk auf der wcholle im Meer die Arbeit ihrer Tage und halben Nächte abnahmen, sie darum 'Betrogen. Die Hände der andern Frauen, deren Gatten Söhne und Liebsten das Meer verschlungen hatte, waren von all dem Hammer noch zu kraftlos zur Arbeit. Diese kraftlosen Hände streckten sich in wildem Flehen zum Himmel auf, falteten sich zu inbrünstigen Gebeten, umklammerten den Marterpfahl des Gekreuzigten und das bunte Hvlzbild der Gottesmutter, die mit starren Zügen, aus toten Augen auf alle diejenigen niederschaute, von denen eine jede hoffte, der einzig Gerettete fei ihr Ernährer. Zu Witwen, Waisen und unseligen Dräuten geworden durch die Schuld eines Mannes, und dieser eine Mann war der Vater ihres friedlich schlummernden, im Schlaf lächelnden Knaben. Ihre Hände mußten arbeiten, arbeiten, und ihre Arbeit mußte ihre Gedanken Betäuben; Beim sonst — wie sollte fte leben können, wenn sie Beständig denken mußte: „Durch ferne Schuld; durch seine Schuld; seine —" Und sie war noch so jung, das Leden so lang und lebenslang diesen Gedanken, lebenslang nur den einen, einzigen . . . Welche Vernunft konnte das ertragen? Lind wenn ihr Knabe älter geworden, wenn er die Mutter nach seinem Vater fragte, wenn die andern Kinder von fernem Vater ihm erzählten und er zu seiner Mutter kam: „Sie spracyen schlecht von meinem Vater! Sie Beschimpften meinen Vater. Sage mir - so sage mir doch! Was hat mein Vater Schlechtes und Schändliches getan? An welchem Unheil trägt er die Schuld? Sv sage mirs doch?" s - t. Sie würde ihrem fragenden KnaBen antworten, day fie lögen lästerten, verleumdeten, daß sie das Andenken eines ~roten schändeten, daß sein Vater ein Ehrenmann war, stark und schon, klug und gut Bei dem Untergang der „Assunta als letzter mt Meer versunken, als Held! (Schluß folgt.) siedler den englischen ©ruß geläutet, sv begab fte sich mit der Mutter nach der Marienkapelle. Dort waren auch die andern Frauen. Wer in dem winzigen Heiligtum nicht Platz fand, blieb draußen kniete auf dem Felsenboden der Heimat nieder und betete über sich den Himmel, an dem die Sterne aufglänzten. In der Kapelle brannte das Lämplein, und Assunta sah das mattbeleuchtete Antlitz der Gottesgebärerin. Maria war nicht dargestellt als glückselige Mutter mit Hem Knaben im Arm, sondern als Königin aller Schmerzen mit dem Schlvert im Herzen, ein Anblick, der das glückliche Weib Mattia Mvrganos mit Schrecken erfüllte. , „ Auch Maria, das Weib des Zimmermanns von Nazareth, war eine stolze und glückselige Mutter gewesen, die ihrem Knaben voller Wonne zugelächelt hatte und wurde dann — Konnte das Antlitz einer Glücklichen so schrecklich sich wandeln? Das Antlitz einer grau, die der Welt den Heiland geboren . . . Um die heilige Zeit, da dieses geschehen war, gebar Assunta Morgano ihrem Gatten einen Sohn. 5. Nun konnten die Zurückgebliebenen bald ihre Männer erwarten. Erwarten konnten die Mädchen den heimlich Geliebten, die Dräute den Bräutigam, mit dem sie gleich nach der Heimkehr Hochzeit halten sollten — wie vor einem Jahr das schönste Draut- baar der Insel, Mattia Morgano und Assunta Massa, die letzt eine stolze Gattin, eine glückselige Mutter war. ' So wurde denn in den Häusern und Herzen für die Wiederkehr der Männer auf der „Assunta" alles bereitet und des frohen Tages geharrt. Da kam vom Festlande herüber eine Nachricht, der zuerst feine Seele auf der Insel Glauben schenkte. Wer sollte das Undenkbare, das Unmögliche glauben? Die Nachricht lautete: ,An der Küste Afrikas, während eines Sturmes, ist die „Assunta gescheitert." Und sie lautete weiter: „Don der „Assunta" ist kein Brett Und kein Mast übrig geblieben. Alle Mann auf dem gesunkenen Schiff sind ertrunken. Nein — nicht alle Mann! Ein Mann nicht. Ein Mann wurde gerettet. Don allen ein einziger." , Die „Assunta" untergegangen? Das gute, starke Schiff? Die „Assunta" gesunken? War das möglich? Alle Mann ertrunken? Das konnte nicht möglich sein! Das war auch nicht möglich! Ein Mann war gerettet, ein einziger! ' Noch immer glaubten sie es nicht . . . Als ,sie es endlich glauben mußten — Gott im Himmel — Gott im Himmel! Dock) Gott hatte in seinem Himmel das Unmögliche geschehen lassen. Um welcher Sünden willen? Die Sünden, um derentwillen Gott es geschehen lassen konnte, mußten zum Himmel schreien. Jetzt schrien die Stimmen der Ueberlebenden zum Himmel. Sie schrien Tag und Nacht. Die Klippen gellten wider von dem Geschrei der Unglücklichen, der Unseligen. Mütter hoben ihre Säuglinge empor, zeigten dem Himmel die Unschuldigen, schrien den Himmel an: „Warum? Warum? Was haben wir dir getan? Was taten dir diese? Unsre unschuldigen Kinder! Wer soll sie ernähren? Du erschlugst ihre Ernährer! Warum? Warum?' Gräßlich waren die Schreie, als wären die Klippen ein sinkendes Fahrzeug und alle, alle müßten umkommen in dem Tosen der stürmenden Fktt. Da fiel einem ein: „Das Schiff wurde nur von einem Bruder geweiht und nicht von einem Priester. Mattia Morgano meinte, wir brauchten den Priester nicht, und wir taten, was Mattia wollte. Hätten wir seinem Wort nicht gefolgt, hätten wir das Schiff von einem Priester weihen lassen, so waren sie nicht ertrunken!" , „ Eine der Frauen, die durch den Untergang der „Assunta Witwe geworden und nun vaterlose Waisen zu Kindern hatte, schrie auf: „Mattia Morgano ist schuld!" ' Andre schrien: „Mattia Morgano ist schuld! Alle schrien: „Mattia Morgano ist schuld!" Sie rotteten sich zusammen, stürmten die Klippen empor, stürmten zu der Hütte auf dem höchsten Gipfel, schrien: „Mattia Morgano ist schuld!" Assunta trat den tobenden Weibern entgegen. Mattia Mor- ganos Sohn an der Brust. Der Knabe trank von dem heiligen Quell die rosigen Händchen geballt, das Köpfchen geschmiegt an das Herz, das zu brechen drohte vor Liebe und Jammer. Die Mutter deutete auf das Kind und sagte: „Es ist Mattia Mor» ganos Sohn. Ich Tarrn eure Männer, Söhne und Väter nicht wieder lebendig machen. Nehmt Mattia Mvrganos Sohn und sein Weib und stürzt beide von jenen Klippen hinunter ins Meer. Es ist das nämliche, darin eure Söhne und Männer ertranken. Nehmt unser Leben für feine Schuld — wenn es seine Schuld mar." Da wurden die durch ihre Verzweiflung sinnlos Gewordenen still. Und still zogen sie wieder hinab. Aber nicht alle waren mit der „Assunta" — der Name des Weibes von Mattia Morgano hatte das Schiff nicht geschützt — unter gegangen: ein Mann war gerettet, ein einziger. QSer? Wer? Wer? Nun hoffte jedes Weib, jede Mutter, jede heimlich Liebende Windstill« über ihm, — er hatte ausgelitten. — — schlaf wohl! Wie Schristleituns: August Goetz. Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei, N. Lange, Gießen- das be- für und uns für der eigen war mir zu Mute,- ich dachte zurück, und da fiel mir, — doch nein, es gehört nicht mehr hierher: driiben fangen noch immer die Drosseln, es war Frühling, der 13. Mai. Recht gute Erfolge haben in jeder Hinsicht dagegen die Der- feuerungen flüssiger Brennstoffe für den Betrieb der Lokomotiven gehabt. Als Heizöle kommen u. a. in Betracht: Erdöl, Leer und Masut (dieser ist eine syrupartige Flüssigkeit mit etwa 88 Prozent Kohlenstoss und 12 Prozent Wasserstoff), wobei die Oelverbren« nung für den Eisenbahnbetrieb nach der Methode der Zerstäuberverbrenner vorgenommen werden muh. Wie das Oel zerstäubt und zur Derbrennung gebracht wird, soll hier nicht näher beschrieben werden. Jedenfalls steht fest, dah es gelungen ist Dampf von 10 Atmosphären in der halben Zeit gegenüber der Kohlen- feuerung zu erzeugen, ganz abgesehen von anderen Vorteilen. Dre Oelfeuei-ungslokomotiven führen im Tender statt der Kohl« ernen mit Brennöl gefüllten Behälter mit, der durch eine mit Hahn versehene Leitung mit der Lokomotive in Verbindung steht. Allen Landern voran in der Benutzung der Oelfeuerung geht da» olreiche Amerika, das eine grvhe Zahl Güterzug- und Schnellzug» tokomotwen mit Oelfeuerung in den Verkehr eingestellt hat Für Deu.schland wird allerdings der flüssige Brennstoff für den Loko- motivbetiaeb erst dann als Ersatz der Kohle gelten können wenn eg die notigen Mengen Heizöle herbeischaffen kann: Länder wie Auhland und Rumänien find in dieser Beziehung besser dran CH ist, mit dein man nicht sparsam genug umgehen kann, ist Interesse für feuerungstechnische Fragen in stetem Wachsen griffen. Deutschland ist es nicht allein, das sich nach Ersah Kohle umsehen muh, — alle Länder der Erde werden nach nach vor die gleiche Aufgabe gestellt. Längst hat man bei die Dampskesselanlagen einer Reihe industrieller Betriebe LokomvLvm mit Oelfeuerung. Seitdem durch den Krieg und besonders durch den Vertrag von Versailles die Kohle für Deutschland ein Brennstoff geworden Keinen Stanölaut mehr, keine laute Hetze, nicht mehr den grünen Wald! — Armer .Treff!" Aber leben sollte er, und ein gutes Leben, mir war's bekannt, stand ihm bevor. Einige Jahre waren vergangen, ich hatte den braven Hund nicht wieder gefehen. Da kam eines Tages ein Sandwägelchen mit zwei Hunden vor meine Wohnung. Mir hatten diese armen Proletarier in der Hundewelt stets herzlich leid getan, und Wohl aus diesem Mitleid heraus nahm ich Veranlassung, mir das Gespann einmal näher anzusehen. Zwei Hühnerhunde waren es, der eine zweifellos edler Abstammung, aber in einer Verfassung, dah einem das Herz wehe tat. Mager und zerschunden wie solche Hunde oft sind, waren beide. Gewih hatten sie keinen guten Herrn. Da fiel mir plötzlich bei einem der beiden Hunde eine recht tiefe, breite Rarbe auf der Stirn auf, — sollte es, — doch nein das war Wohl unmöglich, dah er in solche Hände gekommen wäre! Aber darüber muhte ich Gewißheit haben, — die Narbe gab mir zu denken, — ja ganz dieselbe Narbe hatte mein armer „Treff". — Gewih hatte ich den Namen in Gedanken laut genannt, — er wedelte mit der Rute, und als ich ihn jetzt laut mit „Treff" anrief, ging eine merkwürdige Veränderung mit dem Hunde vor: die alten, guten Augen blitzten auf, ein Zittern ging durch die magere Gestalt, und dann versuchte er an mir emporzuspringen: sein Geheul schnitt mir tief in die Seele, und ich glaube, in meinen Augen schimmerte es feucht. Keine Frage, das war „Treff". Dann kam der Besitzer, und von ihm erfuhr ich denn, dah er den Hund von der Familie geschenkt erhalten hatte, weil er bissig geworden wäre. — Warum gab man ihn mir nicht zurück? — Doch das stand bei mir fest, „Treff" sollte nicht mehr den Wagen ziehen, und nach längerem Handel erstand ich ihn für eine Kleinigkeit. „Treff", mein lieber, guter, alter „Treff", jetzt bist du wieder mein, dein Ende soll ein Ende in Ehren fein! ^Wie's sich gebührt für dich! i ■. Am Abend waren wir beide drüben am Waldrande: Drossel- fchlag dort drüben, Goldhähnchen und Meisen in den Tannen, und dazu der Kuckuck, und da im Westen hinter den Bergen stieg langsam die Sonne hinab. „Treff" füllte sie zum letztenmal gesehen haben — Der Dreilauf zitterte in meiner Hand, — ein scharfer Knall. — Drüben vom Berge hallte es zurück, und das lichte blaue Wölkchen schwebte in der ' Mit eigener Hand grub ich ihm sein Grab und legte ihm einen frühlingsfrischen Bruch aufs Haupt, 13 waren ihrer, die mit „Treff" gleichzeitig zur Welt kamen, und wenn ich das spätere Schicksal dieses edlen Hundes bedenke, wckl» mir scheinen, als ob „Treff" bestimmt der 13. gewesen sei; 13 ist eine böse Zahl, wenigstens ist sie's im Vvlksmunde, und wenn „Treff" wirklich der 13. gewesen ist, dann straft sein Schicksal diese Vr lksweisheit nicht Lügen. 13 Welpen waren aber für die edle Mutter unseres „Treff" zuviel, und sein Herr hatte in kluger Sorge eine Schäferhündin als Amme herangezogen. Zu dieser kam auch „Treff", wohl weil er der „Dreizehnte" war. Anfangs ging die Sache nicht gerade gut, denn die Stiefmutter wollte in ihrem Kummer um die eigenen Kinder von ihren Pflegebefohlenen nichts wissen, und eine tiefe Wunde auf dem Schädel „Treffs" zeugte lange von der schlechten Behandlung, die den armen Stiefkindern zuteil wurde. Allmählich aber besserte sich die Sache, und nun begannen die kleinen Jugend- freuöen für die sieben abgeteilten Welpen. Soviel sein Herr sich auch bemühte, „Treff" wollte anfangs nicht gedeihen, er blieb hinter seinen Geschwistern merklich zurück, dafür aber überragte er sie wohl in geistiger Beziehung. Sein Herr schien ihn allerdings nur nach seinem Körper zu bewerten, und so mochte es kommen, daß „Treff" einem Förster, dem sein Herr zum Danke verpflichtet war, gefchenkt wurde, und zwar im frühesten Alter, in dem er kaum verstand, sich von etwas anderem als der Muttermilch zu ernähren. In einer Kiste trat er die Fahrt an. Zum erstenmal allein, überkam ihn grohe Traurigkeit, und seine klagende Stimme übertönte das Nädergerassel des Packwagens, bis dem Packmetster die Sache denn doch zu bunt wurde und er der Kiste einen derben Fuhtritt versetzte. Der Schreck machte den Einsamen still. Am anderen Morgen hielt der Förster einen am ganzen Leibe zitternden, schwächlichen Hühnerhund im Arm. Das als Wegzehrung mitgegebene nahrhafte Welpenfutter war gänzlich unberührt, aber wer mochte unter solchen Umständen auch Hunger verspüren! Doch schien sich unser „Treff" eines Besseren zu bedenken, denn als ihm Försters Else einen Napf mit Milch hinflellte, langte er zu, so gut es ging. Wochen und Monate waren dahingewandert und hatten aus dem kleinen „Treff" einen ganz ansehnlichen, vor allem formen» s Hünen Jagdhund gemacht, der auch in jagdlicher Beziehung zu den besten Hoffnungen berechtigte, lag doch auch seine Erziehung in den besten Händen. Den Ort seiner frühesten Jugend hatte unser „Treff" längst vergessen, auch die Stiefmutter, von der als Andenken allein die Narbe auf der Stirn geblieben war. Aber Feld und Wald hatte er lieben gelernt. Ja, der Wald hatte es ihn: angetan. Anfangs hatte er ungebunden und frei laufen und auch einen Hasen hetzen dürfen, denn sein Herr sagte: „Passion geht über alles, recht geleitete Passion ist die beste Abrichtung, ohne Passion hilft die beste Lehre nicht." Er hatte recht, und unser „Treff" war nach der Lehre seines Meisters nach l1/» Jahr ein fertiger Gebrauchshund, firm bis zur Vollendung. Da brach für „Treff" ein neuer Lebensabschnitt an. Er ging in meinen Besitz über, und wir beiden wurden bald die besten Freunde, verstanden uns in jagdlichen Lagen aufs beste. Mehr kann man eben vom Hunde nicht verlangen, als dach er seinen Herrn versteht, — vorausgesetzt, dah dieser überhaupt als Jäger zu verstehen ist. Schlechte Schützen verstand „Treff" vorzüglich zu beurteilen. Kommt da eines Tages ein bekannter Herr, um zu jagen, — einen Hund hatte er nicht: was soll auch so ein Gelegenheitsjäger mit einem guten Hunde anfangen? Er war dazu noch ein „anerkannt" schlechter Schütze. Ihn selbst zu begleiten, war mir nicht möglich, und den Hund konnte ich ihm für einige Stunden auch nicht abschlagen. Gate Hunde verborgt man nicht, das ist alte Jägerregel, doch man macht auch einmal eine Ausnahme. Zweimal war Freund 9C. schon an die Hühner herangekommen beide Wale hatte er zweimal geschossen. Da kommt „Treff' ganz gemütlich den Feldweg herauf, klingt die Tür auf und steht im Zimmer. Im ersten Augenblick wollte es mir scheinen, als ob er angekratzt sei. — Heiliger Hubertus, ich hätte dem Kerl — Verzeihung! Freund — aber „Treff" war einfach die Sache leid geworden, vier Schuh und kein Huhn, — das kannte er zu in Gluck nicht, weder bei feinem Lehrherrn noch bei mir. Viele Jäger beneideten mich um den schönen Brauntiger, — aber da kam das Schicksal: „Treff" bekam eine schwere Lungenentzündung, rang lange mit dem Tode: aber er kam durch und war bald wieder hergestellt. An Wild kam er den Winter über nicht mehr heran, und eines Tages auf dem Schnepfenstrich entdeckte ich zum gröhten Leidwesen, dah „Treff" seine Nase in der Krankheit verloren hatte. Ich hoffte noch, stellte stets neue Proben an, und als dann die Hühnerjagd kam, wurde das was ich längst wuhte, aber nicht glaubte, weil ich's nicht glauben wollte, zur unumstößlichen Gewihheit. Als alle Mittel vergeblich gewesen, entschlvh ich mich schweren Herzens, ihn fortzugeben Einer bekannten Familie sollte er als Hof- und Begleithund dienens Armer „Treff", wie mag's dir wohl da zumute gewesen sein — deinem ureigenen Berufe so für immer zu entsagen? — die Benutzung minderwertiger Brennstoffe wie beispielsweise ... Braunkohle umgebaut. Nur Schiffahrt und Eisenbahn haben im grohen ganzen bis jetzt die hochwertige Kohle nicht entbehren können. Aber auch hier ist man eifrig bemüht, andere Möglich- ketten der Heizung zu schaffen, die wirtschaftlicher sind als der Betrieb mit Kohle. Versuche mit Torf, Koks und Holz (es sei nur an schwedische Lokomotiven erinnert- haben erwiesen, dah diese Brennstoffe für Lokomotivbetrieb sich zwar eignen, aber den Forderungen höchster Wirtschaftlichkeit nicht gerecht werden.