Samstag, 11. Februar 1922 — Nr. S ;g G W MM MW MMK MEN MU 8! MM uter^S Von Lsn Aufgaben der Tierpsychologie. Von Dr. H. Erhard (Gießen). Mit der Begründung der experimentellen Psychologie durch W. Mundt kam auch in der Tierpsychologie zu der bisherigen Fvrschungsrichtung auf Grund von Beobachtungen ein neuer Forschungszweig, der sich auf Versuche stützte. Schon als Knabe hatte sich Mundt ein Kästchen gebaut, das durch einen Schieber in zwei Räume geteilt war; in den einen setzte er eine Spinne, in den anderen Fliegen. Durch Oeffnen des Schiebers gelangt die Spinne zu ihre" Deute. Wurde der Versuch öfters wiederholt, so konnte man beobacht«?, daß die Spinne den geöffneten Schieber mit Spmnweb festmachte, um den Verschluß der Dchubtüre zu verhindern. W u n d t hat später in seinen Vorlesungen über die »Menschen- und Tierseele" gezeigt, daß zur ErKLrung dieser Handlung der Spinwe die Annahme einer intellektuellen pder gar erfinderischen Tätigkeit nicht nötig sei; es habe sich in der Spinne einfach eine Assoziation: offener Schieber — Lustempfindung, herabgelassener Schieber — LZnterlusterregung gebildet. Dersuchsanvidnung wie Auslegung sind bis zum heutigen Tag vorbildlich geblieben. ' i Das gleiche kann, tote Bastian Schmid in seiner interessanten Schrift „Don den Aufgaben der Tierpsychologis" (In: Abhandlungen zur theoretischen Biologie, herausgegeben von I. Gchaxel, Heft 8, Berlin, Gebrüder Bornträger, 1921. I — 43 S., 14 Mk. 40 Pf.) mit Recht hervvrhebt, nicht von den bekannten Labyrinth- und Dexierkastenmethoden der Amerikaner Thvrndike, Jerkes u. a. behauptet werden. Säugetiere und Vögel verschiedener Art sollen sich dabei, getrieben durch Hunger und Furcht, aus einem Labyrinth herausfinden oder aus einem Dexierkasten befreien. Durch Irrtümer lernen sie, afsvzieren, und es sollen intelligente Prozesse entstehen. Schmid hat recht, wenn er sagt: Ratten hätten infolge ihrer Lebensweise (häufiger Aufenthalt in Kanälen) von vornherein größere Afso- -iativnsmvglichkeiten als Bogel; Affen eine größere Chance, «inen Käfig zu öffnen als Hunde; außerdem habe der Affe durch einen ausgeprägten Spieltrieb, durch seine Lust am Probieren vor dem Hunde die Zufallsmöglichkeit voraus. Tiere gleichwertiger geistiger Veranlagung, aber verschiedener Organisation und Lebensweise müßten bei solchen Wahlmethvden stark voneinander abweichen; für vergleichende Jntelligenzprüfung fei die Methode also ungeeignet. Schmid erwähnt leider nicht die ausgezeichneten Beobachtungen und Intelligenzprüfungen an Menschenassen durch Wolfgang Köhler, der geschickt die den früheren Lehrmethoden anhaftenden Fehler vermeidet. Mit Recht bedauert Schmid, daß die Beobachtung in der modernen Tierpsychologie zu sehr vernachlässigt wurde. Wenn er aber sagt, Beobachtungen über die Entwicklung der Psyche der hingen, der Mutter entzogenen Haustiere lägen nicht vor, so muh dagegen auf die interessanten Studien des englischen Philosophen Ll. Morgan an zahlreichen künstlich bebrüteten Vogelrasfen verwiesen werden, worüber Morgan in seinem Werk „Instinkt und Gewohnheit" berichtet. Reben diesem Buch ist die gleichfalls von D. Schmid nicht erwähnte Schrift von K. G r v o s „Die Spiele der Tiere" grundlegend geworden. Gross sagt, das Spiel beruhe hauptsächlich auf vererbten Trieben und sei die Vorübung für spätere Lebensverrichtungen. Darwins berühmtes Werk über «Den Ausdruck der GemütsbÄvegungen" wird in glücklicher Weise durchs einen Abschnitt in Schmids Buch „von den Ausdrucks- fermen des tierischen Körpers" ergänzt. Zeichmingen von Künstlerhand erläutern das Gesagte. In feiner Ablehnung der Versuch« mit den f »genannten denkenden Pferden und Hunden geht Schmid nach Ansicht des Verfassers zu weit. Einige allzu enthusiastische Folgerungen einiger Laien sollten den ernsthaften Tierpsychologen nicht hindern, zu bekennen, daß hier tatsächlich noch manches Ungeklärte, der Forschung werte vorliege. Schmid fordert auf, die Sprache als Ausdrucks- Mittel der Tiere in ähnlicher Weise, tote dies vorbildlich für Vögel geschehen ist, auch für die Säugetiere in den verschiedenen Le^nslagen, bei der Geburt, bei Eintritt der Pubertät, im Affekt usw. zu analysieren und empfiehlt die von ihm schon angewandt« phonvgraphische Aufnahme in Verbindung mit Kinematographie. Mit Recht lehnt Schmid in seinem Schlußwort, das ein Programm f ü r weitere tierpsychvlogische Forschung enthält, die Auflassung Bohns ab, der an Stelle des von H. G. Ziegler und Ll. Morgan entwickelten Jnstinktbegrifses nur die „Tropismenlehre" setzt. Diese nimmt ein rein maschinelles Reagieren der Tierwelt auf Eindrücke der Außenwelt an. Jedenfalls wird der Leser aus Schmids Buch, das sich mit dem Geistesleben der höheren Tiere beschäftigt, mancherlei Anregung empfangen. __ Der Arm. Don Sonore de Balzac'). In einer Gesellschaft erzählte einer der Anwesenden folgende Gesuch te: ' Einige Zeit nach seinem Einzug in Madrid lud der Groß- Herzog von Berg die vornehmsten Familien dieser Stadt zu einem Valle ein, den die französische Armee der neuerworbenen Hauptstadt gab. .Ungeachtet des Galaglanzes waren die Spanier sehr ernst, ihre Frauen tanzten wenig, und der größte Teil der Geladenen setzte sich an die Spieltische. Die Gärten des Palastes waren glänzend genug erleuchtet, daß sich die Damen mit derselben Sicherheit in ihnen ergehen konnten, als toäre es Heller Tag gewesen. Das Fest war kaiserlich schön. Nichts wurde aber auch gespart, um ben Spaniern einen hohen Begriff von dem Kaiser zu geben, wenn es ihnen beliebte, von seinen Offizieren auf ihn zu urteilen. In einem Boskett nahe dem Palaste unterhielten sich zwischen ein und zwei Ahr morgens mehrere französische Krieger von den Wechselfällen des Krieges und von der Zukunft, die wenig erbaulich fein konnte, wenn man aus der Haltung der bei diesem Feste anwesenden Spanier einen Schluß ziehen durfte. < „Meiner Treu," sagte der Ober-Ehirurg des Armeekorps, bei dem ich Generalzahlmeister war, „gestern habe ich den Fürsten Murat förmlich um meine Zurückberufung gebeten. Ohne gerade zu fürchten, daß ich meine Gebeine auf der Halbinsel zurücklassen müsse, ziehe ich es doch vor, die Wunden zu verbinden, die unsere guten deutschen Rachbarn geschlagen haben; ihre Säbel dringen nicht so tief in den Leib, wie die kastilianischen Dolche. .Und was meint Ihr wohll Schon in der kurzen Zeit unseres Hierseins bin ich, wenn nicht der Held, doch wenigstens der Mitschuldige einer gefährlichen Intrige geworden, die so schwarz und finster ist, wie nur ein Roman der Lady Redcliffe sein kann. *) In G. Hirihs Verlag in München find ausgewählte, gut übersetzte Rovellen Balzacs in einem Bändchen „Große und kleine Welt" erschienen, das sehr hübsch mit Holzschnitten von Daumier und Gavarni versehen ist. Die abenteuerliche Geschichte „Der Arm" ist daraus entnommen. 22 Ich folge gern meinen Vorgefühlen, und schon morgen mache ich mich aus dem Staube. Murat wird mir gewiß meinen Abschied nicht verweigern, denn Dank den Diensten, die wir leisten, haben wir immer wirksame Fürsprecher." „Da du dich sobald davon machst, erzähle uns doch dein Abenteuer," forderte ihn ein Obrist auf, ein alter Republikaner, der sich um die schöne Sprache und Höflichkeiten der Kaiserzeit wenig kümmerte. ( 1 Der Chirurg blickte sorgfältig um sich, als wolle er jeden prüfen, der in seiner Rähe stände, und erst, als er sicher war, kein Spanier sei in seiner Rachbarschaft, begann er: „‘Sern, Obrist Hulot, denn wir sind hier nur Franzosen. Es sind nun sechs Lage her, daß ich gegen elf Mr abends vom General Montcornet kam und mich nach meiner Wohnung zurückbegab, die nur wenige Schritte von der Wohnung des Generals entfernt ist. Da warfen sich plötzlich an der Ecke einer kleinen Straße zwei Unbekannte, oder vielmehr zwei Teufel über mich her und hüllten mir Kopf und Arme mit einem großen Mantel ein. Ihr könnt es mir glauben, daß ich schrie wie ein getretener Hund; aber das Luch erstickte meine Stimme und ich wurde mit einer außerordentlichen Gewandtheit in einen Wagen gehoben. Als mich meine Gefährten von dem Mantel wieder befreiten, richtete eine weibliche Stimme folgende Worte in schlechtem Französisch an mich: „Wenn Ähr um Hilfe ruft ober Miene macht zu entfliehen, wenn Ihr Euch nut die geringste zweideutige Bewegung erlaubt, so ist der Herr, der Euch gegenüber sitzt, imstande, Euch ohne Bedenken niederzustoßen. Haltet Euch also ruhig. Die .Ursache Eurer Entführung sollt Ihr jetzt erfahren. Wollt Ihr Euch die Mühe geben, Eure Hände gegen mich auszustrecken, so werdet Ihr finden, daß Eure chirurgischen Instrumente zwischen uns beiden liegen, denn wir haben sie aus Eurer Wohnung holen lassen; sie werden Euch notwendig fein, denn wir führen Euch in ein Haus, wo Ihr die Ehre einer Dame retten sollt die eben im Begriff ist, ein Kind zu gebären, das sie, ohne daß ihr Gemahl es weiß, diesem Euch gegenübersitzenden Edelmanns schenkt. Obgleich mein Herr seine Frau selten verläßt, da er noch immer leidenschaftlich in sie verliebt ist und sie mit der Auefmerksamkeit spanischer Eifersucht bewacht, so hat sie ihm dennoch ihre Schwangerschaft zu verbergen gewußt, und er hält sie für krank. Die Gefahren des Unternehmens gehen Eich nichts an, nur habt Ihr uns zu gehorchen, sonst würde der Geliebte der, wie schon bemerkt. Euch gegenüber im Wagen sitzt und kein Wort Französisch versteht. Euch bei der geringsten Unbedachtsamkeit erdolchen." . „Und teer seid Ihr?" fragte ich. und suchte die Hand der Sprecherin, deren Arm in den Äermel eines Mantels gehüllt war. „Ich bin die Kammerfrau meiner Herrin, ihre Vertraute, und bereit. Euch durch mich selbst zu belohnen, wenn Ihr uns tn unserer mißlichen Lage unterstützen wollt." Unsere Unterhaltung war bis zu diesem Punkte gediehen, als der Wagen an der Mauer eines Gartens hielt. „Jetzt werde ich Euch die Augen verbinden," sagte die Kammerfrau zu mir, „und dann stützt Euch auf meinen Arm, damit ich selbst Euch führen kann." ' Sie schlang ein Taschentuch um meine Augen und band es fest an meinem Hinterhaupte zu. Gleich darauf führte mich die Kammerfrau mit gebeugtem Körper durch die sandigen Gänge eines großen Gartens, bis zu einem gewissen Platz, wo sie stehen 'blieb. An dem Widerhall unserer Schritte bemerkte ich, daß wir vor einem Hause standen. „Jetzt still," sagte sie mir ins Ohr. „Meine Frau ist rin einem Zimmer im Erdgeschoß; um in dieses zu gelangen, müssen wir durch das Zimmer ihres Gatten und an seinem Bette vorüber; hustet nicht, geht leise und folgt genau meinen Schritten, damit Ihr nirgends anstvßt, noch mit dem Fuße von dem Teppich tretet, den ich auf den Boden gelegt habe." Der Liebhaber murrte, wie ein Mann, der unwillig über zu langes Zögern ist. Die Kammerfrau schwieg, ich hörte eine Tür öffnen und fühlte die warme Luft eines Zimmers; wir schlichen mit Wolssschritten. wie Diebe bei einem Einbruch. Endlich nahm mir die sanfte Hand des Mädchens meine Binde ab. Ich befand mich in einem großen und hohen Zimmer, das von einer dampfenden Lampe schlecht erleuchtet wurde. Das Fenster war offen, aber durch den eifersüchtigen Ehemann mit starken Eisenstäben versehen. Ich stak in diesem Zimmer wie in einem Sacke. Auf der Erde, auf einer Decke, lag eine Frau, deren Haupt mit einem Schleier von Musselin bedeckt war; aber durch diesen Schleier leuchteten mit dem Glanze zweier Sterne ihre tränenvollen Armen, vor den Mund drückte sie mit Kraft ein Taschentuch und biß so fest daraus, daß ih'e Zähne hineindrangen; nie hatte ich einen so schönen Körper gesehen, aber dieser Körper krümmte sich unter den Schmerzen, tote eine ins Feuer geworfene tzarsensaite. Uebrigens ließ sie keinen Schrei hören. Wir drei standen stumm und unbeweglich. Das Schnarchen des Ehemannes verhallte in tröstender Regelmäßigknt. Ich wollte die Kammerfrau anblicken, aber sie hatte die Maske wieder vorgelegt, die sie ohne Zweifel auf dem Wege abgenommen gehabt Haie, rind sah weiter nichts, als zwei schivarze Augen und liebliche Umrisse. Der Liebhaber warf sogleich Tücher über die Deine seiner Geliebten und fegte den Schleier, der ihre Züge verhüllte, doppelt zusammen. Als ich die Frau sorgfältig beobachtet hatte, erkannte ich an gemässen Zeichen, die ich erst unlängst bei einem der traurigsten Ereignisse meines Lebens bemerkt hatte, daß das Kind tot war. Ich neigte mich gegen die Kammerfrau, um ihr meine Bemerkung mitzuteilen. In diesem Augenblick zog der mißtrauische Unbekannte seinen Dolch, allein ich hatte noch Zeit, der Kammerfrau alles zu sagen, die ihm darauf zwei Worte mit leiser Stimme zuflüsterte. Als der Liebhaber die Ursache .meines Zauderns erkannt hatte, durchfuhr ihn ein leichter Schauder von den Füßen bis zum Kopse, und ich glaubte durch die Maske von^ schwarzem Samt hindurch zu erkennen, wie sein Antlitz bleich wurde. Die Kammerfrau benutzte einen Augenblick, wo der verzweifelte Mann die schon blauwerdende Sterbende betrachtete, um mich mit einem warnenden Zeichen auf mehrere Gläser Limonade aufmerksam zu machen, die fertig zubereitet auf einem Tische standen. Ich begriff, daß ich, ungeachtet der schrecklichen Hitze, die meine Kehle austrocknete, nutzt trinken dürfte. Der Liebhaber hatte Durst; er nahm ein leeres Glas, füllte es mit Limonade und trank. In brefem Augenblick bekam die Dams schreckliche Krämpfe, die mir den günstigen Augenblick zur ÖVeration andeuteten; ich ergriff meine Lanzette und ließ sie schnell und mit Glück am rechten Arm zur Ader. Die Kammerfrau fing das reichlich hervorspringende Blut mit Tüchern auf und die Unbekannte fiel dann in eine willkommene Ohnmacht. Ich toaffnete mich mit Mut und konnte, nachdem ich eine Stunde gearbeitet hatte, meine Mission erfüllen. Als der Spanier begriff, daß ich seine Geliebte gerettet hatte, dachte er nicht mehr daran, mich zu vergiften. Dicke Tränen fielen in Zwischenräumen auf seinen Mantel. Die Frau stieß nicht einen Laut aus, aber sie zitterte wie ein wildes Tier, das in einer Schlinge gefangen ist, und der Schweiß rann in starken Tropfen vor, ihr. In einem furchtbar kritischen Augenblicke machte sie ein Zeichen, um uns auf Has Zimmer ihres Gatten aufmerksam zu machen. Dieser hatte sich eben in seinem Bette gewälzt. Bon uns vieren hatte sie allein das Geräusch der Decke oder des Vorhangs gehört. Wir lauschten, und durch die Oeffnungen ihrer Masken hindurch warfen sich die Kammerfrau und der Liebhaber Flammenblicke zu, die zu fragen schienen: „Sollen wir ihn töten?" Dann streckte ich meine Hand aus, als wollte ich ein Glas der Limonade nehmen, die der Unbekannte vergiftet hatte. Der Spanier glaubte, daß ich eins der vollen Gläser trinken wollte; leicht wie eine Katze sprang er hinzu, legte seinen langen Dolch über die beiden vergifteten Gläser und ließ mir das fetnige, indem er mir andeutete, den Rest aus demselben zu trinken. In diesem Zeichen und in seiner lebhaften Bewegung lagen so viele Gedanken, so viel Gefühl, daß ich ihm verzieh, wenn er auf meinen Tod gesonnen hatte, um so jede Erinnerung an dieses Ereignis zu begraben, Als ich getrunken hatte, drückte er mir die Hand und hüllte selbst die Trümmer seines Kindes sorgfältig ein. Rach zwei Stunden voll Sorge und Furcht brachten wir, die Kammerfrau und ich, die Unbekannte wieder in ihr Bett. Der Liebhaber hatte bei einer so abenteuerlichen Unternehmung alle Hilfsmittel zu einer Flucht bedacht und seine Diamanten daher auf ein Papier gelegt; jetzt steckte er sie, ohne daß ich es wußte, in meine Tasche. Nebenbei muß ich bemerken, daß ich das wertvolle Geschenk des Spaniers gar nicht kannte und mein Bedienter am folgenden Tage den Schah raubte, um mit diesem großen Vermögen zu entfliehen. Ich sprach mit der Kammerfrau noch über die Vorsichtsmaßregeln, die sie zu treffen hätte, und wollte gehen. Die Kammerfrau blieb bei ihrer Herrin, allerdings ein Umstand, der mich nicht sehr ermutigte; ich beschloß indes, auf meiner Hut zu sein. Der Liebhaber packte das töte Kind und die Wäsche, mit der die Kammerfrau das Dlut ihrer Herrin auf gefangen hatte, in ein Bündel zusammen. Gr band es fest zusammen, nahm es unter seinen Mantel, fuhr mir mit 6er Hand über meine Augen, als wollte er mir sagen daß ich sie schließen sollte, und ging dann voraus, mich durch ein Zeichen auffordernd, den Zipfel seines Rockes zu ergreifen; ich gehorchte ihm, warf aber noch einen letzten Blick auf meine so zufällig erlangte Geliebte. Die Kammerfrau riß ihre Maske ab, als sie den Spanier draußen sah, und zeigte mir das lieblichste Gesicht von der Welt. Als ich wich wieder im Garten befand und die freie Lust einatmete, da, ich gestehe es, war mir, als fiele ein ungeheures Gewicht von meiner Brust. Ich ging in achtungsvoller Entfernung hinter meinem Führer her und beobachtete die geringste seiner Bewegungen mit der größten Aufmerksamkeit. Als wir an der Keinen Pforte wieder ange- kommen waren, faßte er meine Hand und drückte mir das Petschaft eines Ringes, den ich an einem Finger seiner linken Hand gesehen hatte, auf den Mund, ich aber gab ihm zu verstehen, daß ich dieses beredte Zeichen begriffe. Auf der Straße warteten unser zwei Pferde; jeder von uns bestieg eins; mein Spanier bemächtigte sich meines Zügels, und nahm den seinigen zwifcheit die Zähne, denn in seiner Rechten hatte er das blutige Paket. Mit der Schnelligkeit des Blitzes ritten wir davon. Es war mir unmöglich, auch nur den geringsten Gegenstand zu merken, an dem ich später den Weg wieder hätte erkennen können, den wir gekommen waren. Mit Tagesanbruch befand ich mich vor meiner Tür und der Spanier entfloh nach dem Tore von Atocha hin." „Und dir konntest gar nichts entdecken, woran man später 23 — jem» Frau hätte wiedererkermen tonnen?“ fragte Ser Obrist Len Wir wichen schweigend auseinander, um dieses Paar hindurch» gehen zu lassen, das wir nicht ohne tiefe Bewegung sahen, Denkt euch ein lebendiges Gemälde von Murillo. Unter gewölbten und' schwarzen Brauen zeigte der Mann ein starres flammen» auae- sein Antlitz war eingefallen und sein kahler Scheitel zeigte glühende Tinten; sein Körper war so leidend, dah man ihn nur mit Beben ansehen konnte. Und dtese Frau! Man kann sie fug gar nicht verstellen, ohne sie gesehen zu haben Siehatte jenen bewunderungswürdigen Wuchs, für den die spant che Sprache ein besonderes Wart geschaffen Hai; obgleich bletch, war ste noch immer schön; ihre Gesichtsfarbe war blendend infolge eines sur eine Spanierin sonst unerhörten Privilegiums; aber aus ihren Blicken strahlte die ganze Sonne Spaniens und sie trafen den, der sie ansah, wie geschmolzenes Blei. . Meine Dame," fragte ich die Dame gegen Sude der Soiree. .durch welchen Zufall haben Sie Ihren Arm verloren?' .Im Unabhängigkeitskriege," antwortete ste mtr. ® ^ur 'etn einziges Merkmal," antwortete dieser. "Als ich die Unbekannte zur Ader liest, bemerkte ich an ihrem Arme, ein wenig über der Mitte desselben, ein kleines Mal, Ptina rote eine Linse groh und von braunen Haaren umgeben In diesem Augenblicke erbleichte der Chirurg, der die gelobte Vorlckiwieaenbeit verletzt hatte; aller Augen hefteten sich auf stchigen mid folgten dann der Richtung seines Blickes. Die Franzosen sahen einen Spanier, der in einen Mantel gehüllt war und dessen Augen durch ein Gebüsch von Orangen blitzten. Kaum Wtwn indes die Offiziere ihre Blicke auf diesen Mann gerichtet als er mit der Leichtigkeit einer Sylphe entfloh. Gin ®ouss, “sr °°- Dasiliskenaüge hat mich zu Eis erstarrt. Ich es mir doch, als hörte ich Totenglocken läuten! Empfangt mein Lebewohl, Ohr ^Bist^uBum><^mein!e der Obrist Hulot. „Falcon Erfolgt den Spanier und wird uns schon Rechmschaft zu geben wessen, den > b;e Offiziere aus, als sie den Haupt- Im Kampfe mit dem Eise am Südpol. Wie wir vor einigen Tagen meldeten, ist der Judpolar. forscher Ernest Shackleton an Bord feines Schisses „Uuejl gestorben Einer der Grasten int Reiche der Polarfarfching ist mit ihm'dahingegangen. Besondere Verdienste hat.er sich erworben um die Erforschung des Festlandes am Südpol Aus leinen Eilebnissen auf seiner zu diesem Zwecke veranstalteten Er. peüit on möch'en wir folgende packenden Abschnitte herausgrei-en: In dem Augenblicke, da man dem Ziel nahe war, und z-va- in einer Entfernung von nur dreißig Kilometern von dem zur Ausschiffung bestimmten Punkt, warf sich den tapferen Mannern ein Schneesturni entgegen. Innerhalb «r Stunden fust e sich das kleine Stück offene Sce mit großen Eismaffen ®ie (Snfnirnnce" fuhr mit Volldampf voraus, aber der Revel hotte »u^nd bald hielt das Eis die .En, durance" unbeweglich wie in einem Sch.aubstock fest. Man kann sich die Bezweiflung acker Mckchieder ^r Er peditioii leicht ausmalen Sie sahen das Estland Stuck t Pitf.rf verschwinden sie konnten nichts tun, als sicy ä“ “nia werfen und auf Tauwetter zu hoffen, das jedoch nicht mehr tDmi6baffleton berichtet, dast er an diesem Tage erkannt hatte, die Aussicht auf ein Gelingen der Expedition sei entschwunde.., er würde nicht r^r nicht das ersehnte Ziel erreick-erh sondern auch das Leben seiner Gefährten selbst sei tu höchster Gefahr. rea Miet) nur eins übrig, möglichst zu verhindern, dast das Fahreng gänzlich ^vom Eise'eingeschloffen wurde. Damit!seine SS nicht vollständig entnr-tigt wurden, gab er ^sehl, einen Durchbruch durch die Eismassen selbst zu unternehmen. Am 14 Februar 1915 ging man ans Werk. Die Mitglieder der Expedition verfuchten, ausgerüstet mit Eisenpicken und Sagen einen Weg für das Schiss zu bahnen. Diese langwierige und schwierige Unternehmung dauerte mehrere Tage Die Sage du i man aebrauchte schnitt durch eine Eisdecke von P/2 Meter Dicke Es war nötig,’ mit der Hand eine ^^rmezuschaffen di mindestens 50 Meter lang war, denn das öal^eug sollte mit -inem Anstoß mehr als 400 Meter Eis zerbrechen. I An der andern Seite dieses Eisfeldes war eine kleine Strecke | Essener See bis zu der man zu mindest zu kommen hoffte. Shackleton rechnete aus, dast das Festland' von. dort 3CKilo I „fr... ontfornt sein müsse wie er aber selbst sagt, ist es sehr | Mytoieriq die Entfernungen in den Südpolgegenden genau zu Knen, da der Dampfkreis dicht ist und die Eisflächen em- anöer fe|e äjneln & bie Säge losgeschnitten ilan ging dahin, das Fahrzeug auch das formten Weg M fchdm! währen^da^Ä^m S des Schiffes I laus zu nep . Mitglieder der Expedition befanden, die "«ch Arb-N -ml «in G-llns-n>M-n, nm ihr«» CSKg s £ £1«” 11% m 1«"«™ W-»d M w.chlb°-s.m,,u»E'M«-n S-ind 3 « rr-'k' bes Eises! Es ist sonderbar, wie dieser S ^uL Anblick d?'See von Tag zu Tag verändert Viäbrend am Abend die Oberfläche ruhig und überall gleich SS sieht man am nächsten Morgen erstaunt rundherum , SUe Eismassen die während der Rächt allerlei Formen ■”r.Ä-"=“S «ÄTS halten Der unwiderstehliche Druck des Eises, bas aus dem : LBSÄÄ S SA. „Da kommt er!" riefen die Offiziere aus, 'al mann atemlos zurückkehren sahen. r r. ja über I Zum Teufel!" versetzte Falcon, „der ist, glaube ich uver die Mauer gesprungen. Ein Hexenmeister kann er nutzt sein, also muh er hier ins Haus gehören! Der kennt hier alle Wege mrd Schliche deswegen ist er mir so leicht entgangen. . 1 Ich bhi verloren!" versetzte der Chirurg wU trüber Stimme "^ruhige dich" antwortete ich „wir werden der Reihe nach" bis zu deinJ Abreise bei dir wachen. Heute abend be- ta SM tnrtrn M jun»« Olfliim. » » ®'® H'J Sn tn Gesellschaft einer Dame abzureisen, die von March ei | N L'L LwUr-n °L>>- ■ ®" £ »s beißt lieben’ Aber auch nur eine Spanierin Tann noch zu ihrem ©Siebten laufen, wenn ihr der Tod schon auf bei Zunge fitz. Der Chirurg versank in tiefes Nachdenken Um die unheib HUBSSB MMMZW u®!ä®äSMf r ^n frisch abgeschnittenen Frauenamn hervor, .den er mit einer lebhaften Bewegung dem Ghirurg ^te um ihn au^ em Mal aufmerksam zu machen, welches jenem ähnlich war, das dieser 1 unklugerweise beschrieben hatte. Beim sLnk etal- UL? die neben das Dett gestellt war erfaßte der Chirurg devArm wieder und antworte durch sein Staunen. Ohne weitere Erörterungen senkte der Gatte der ain bekannten seinen Dolch in das Herz des Chirurgen.« "ihre Erzählung ist furchtbar schwer zu glauben sagte ein «ÄtoUl« „Können Sie mir wohl erklären, wer sie Ihnen erzählt hat, ob der Tote oder der Spanier. Mein Herr," antwortete der Erzähler, „ich habe ben arme -Mann gepflegt da er erst fünf Tage spater unter schrecklichen ßeiTen starb. Zur Zeit des Feldzuges, der unternommen wurde um Ferdinand VII. wieder einzusehen, wurde ich S,u einem Posten ' w Svanien ernannt, kam aber glücklicherweise nicht weiter als nach Tours, denn man machte mir Hoffnung auf die Annehmer- stelle von Sancerre. Am Abende vor meiner Abreise war ich aus einem Satte bd Frau von Listomeie, Nw Nch auch mehrere angesehene Spanier eingefunden hatten. Als ich den Spieltisch ve ließ, bemerkte ich einen spanischen Granden, eVcn ^uweado im Exil, der seit fünfzehn Tagen in der Souraine angekmnmen roar Erst sehr spät war er zu diesem Balle gekommen. Gi erschien zum ersten Male vor Leuten und besuchte die Salons in Mpleitung seiner Frau, deren Arm durchaus unbeweglich war. ^httoesregen SM>st ein EkSbei^ Her zwanzig Kilometer lang ist. k pyvtvaraphische Aufnahmen mit rotierender Kamera Kat mm» tarö «Eilen wie ein Streichholz beiseite geschoben. Wie kann eine Reihe von Bildern erhalten und dadurch festoesieNt Mi ba ein Schiff Widerstand bieten? ein Blitz aus einer Reihe von Teilenckadungen 'besteht .Sv war also die Beiatzung im Südpvlgebiet dreitausend Vorstellung von der Zickzacksvrm des Blitzes ist ch d e^h?^ Meilen von der zivilisierten Welt entfernt gefangen, ohne Hoff- Verhältnisse nicht begründet. Die Dauer eines Dlires ift $runa auf andere Rett nur, aLs hi» hnrrh »in»n» ornffrnnnun« nrb»ntfiA ____< B. .-^ur autzer- Tchritlleitlmg: August Goetz, — ®mC? UUÖ D«rlagd«BrühllchenHis..Buch. und Steindruckerei, A. Lan^Gich^ v.. > ys”6 »Duch der Zeit", Lieder eines Modernen. e^Ua9a6^ 1885 erschien und das tu neuer Ausgab« !?e ^n .inL len-Verlag zu Dresden herausgekvmmen ist. ®g T,™ fesselndste Unterhaltung, das Werk wieder einmal in di« Sto!»1"?'Arm> Hr>lz wai-en auch die nationalen und sozialen Probleme feiner Zeit sehr lebendig. Winter. Bon Arno Holz'). Du lieber Frühling, wohin bist du gegangen? Roch schlägt mein Herz, was deine Vögel fonü*t Die ganze Welt war wie ein Blumenstrauß. Längst ist das ausl Die ganze Welt ist jetzt, v weh. " Varfühle im Schnee! Die schwarzen Bäume stehn und frieren, Im Ofen die Bratäpfel musizieren. Das Dach hängt voll Eis. And doch! Bald kehrst du wieder, ich weih, ich weih! Bald kehrst du wieder, vh. nur ein Weilchen, und blaue Lieder duften die Veilchen! Die Energie des Blitzes. normale elektrische Zustand der Atmosphäre vurchfchnittlrry durch em Spannungsgefälle von 60 Volt pro Wewr angegeben werden kann (die Zahl 62 bezieht sich auf den Sommer: tm Winter sind es 500 Volt), findet bei einem Ge- wltter eme gewaltige Störung der Luftelektrizität statt. Gefälle ®”*V10 002 Volt pro Meter sind dann keine Seltenheit. Das als gesamten Ssxrnnungsunterschied der Wolke gegen die Erde etwa 5 000 002 Volt aus. Die Entladung erfolgt gewöhnlich in Svrm einer stark verästelten und geschlängelten Linie: durch MtNg auf andere Rettung, als die durch eigene Anstrengung. Shackletvn versichert, daß trotz der mißlichen Lage unter seinen Gejährten nicht die geringste Spur einer Entmutigung zu entdecken war. Sie gingen mit gewohnter Ruhe ihrem Tagewerk nach, in dem Bewußtsein, daß der Führer, zu dem sie unbegrenztes Vertrauen hatten, auch das Mittel finden würde, um die vor« handeneir Schwierigkeiten zu überwinden. And Shackletvn tat auch alles, ’-eas er konnte. Da das Fahrzeug unbeweglich liegen muh,» hatte es keinen Zweck, an Bord zu bleiben und er gab deshrckb Befehl, alle Hrrnde auf das Eis zu bringen. Das Tagewerk wurde nun jedem einzelnen gemäß seinen besonderen Fähigkeiten zugetviesen. Einige Matrosen mußten für den Roch Wasser hrlen gehen. Die einzige Weise, um Sühnxisser zu erlangen, bestand darin, dah man das Eis schmelzen ließ, das sich den gebildet hatte: das Seewasser verliert seinen Salzgehalt, wenn es einfriert und wird nach dem Schmelzen zum Süßwasser. Eine der Hündinnen warf vier nette Heine Hunde. Eine solche Ablenkung machte den Seefahrern viel Vergnügen und sie empfingen die Neugeborenen mit offenen Armen. Vier Wochen später begannen die Hungen bereits auf dem Eis zu spielen. Als sie sieben Wochen alt tvaren, waren sie neugierig geworden und gingen auf Forschungsreisen nach der Umgebung des Schiffes aus. Am zu verhindern, daß die Mitglieder der Expedition, die auf dem Eis arbeiten mußten, sich während eines Schneesturmes verirrten, war man darauf gekommen, die Eishügel, die nach dem Schiff führen, durch Taue miteinander zu verbinden, die nach dem Fahrzeug weifen. Die Zusammenstellung dieser Hügel war nicht sehr schwierig. Man stapelte einfach Eisblöcke aufeinander und verband sie zu einem festen Ganzen, indem man einige Eimer Wasser über sie goß. Das Wasser, das unmittelbar zu>rvr, bildete eine feste Masse. Wurde einer der Leute durch einen Schneesturm überrascht, so brauchte er nur dem Tau zu folgen, um nach dem Schiff zurückzugelangen Sine der angenehmsten Ablenkungen der Expedition war ein Autoschlitten Jüan hatte von diesem Derrehrsmittel viel erhofft.' Anglücklicher-- tocte waren die Resultate sehr wenig befriedigend. Major Ordre- Leß prooierte mit Hilfe von Tom Erean, ihn in Gang zu bringen H.ervei muß bemerkt werden, daß dieser Schlitten, eine Erfindung 25Z Maivcs Ordre-Leh, angefertigt worden war. um sich auf den Ets^Äche« mit Hilfe eines einfachen Flugeisens weiter zu bewegen Die Rader zogen auf dem Schnee nicht an und schon als man sie gum erstenmal herausgebracht hatte, wußte jeder, daß die Er- stndung sich nicht terteenben ließe. Denn es war stets nötig .schütten selbst wieder nach der Garage zurückzuschieben' Eines schsnen TageS sagte Chacil-ton zum Major: „Fort mit dem Schütten! Er hat 2000 Pfund gekostet und kann keine $d>ei Jlueter gehen, ohne geschoben zu werden " „ ?uch während des Aufenthaltes auf dem Eisfelde gab es allerlei Abwea-slung für die Mannschaft. Clark, der Biologe der M^ockion, hatte schon seit geraumer Zeit über die außergewöhn- itche Mannigfaltigkeit der Fischgattungen phantasiert, die sich unter dem Eis befinden mutzten. Schliehlich lieh Shackleton um ihn zufrreoenzustellen, im Interesse der Wissenschaft ein Loch w MS Eis schlagen, und man verfertigte ein Retz, das bis auf,eine Dief« .v°n 400 Metern bi die See hinuntergelassen wurde. Rach halbstündiger Arbeit wurde das Netz hvchgezvgen. Jeder wartete gesfxmnt auf dir rtefige Deute. Clark konnte die Zeit nicht ab- warten, steckte die Hand in das Retz und zog . drei Aale heraus! Es scheint aber, daß es keine gewöhnlichen Aale waren er machte ein sehr befriedigtes Gesicht. Was die anderen betritt, so hätten sie lieber Fischs gesehen! ,,, ^L®i8r*9