Nr. 14 1922 Samstag, 8. AprU ii - • -z • UM. UM Aus der Zeit des 7 jährigen Krieges. Von WilhelmWürz, Eschenrod. In den „Gießener Familienblättern" Ar. 12 u. 13 berichtet Dr. H. Berger an Hand der Aufzeichnungen des Giehener Bürgers und Bäckermeisters 3. K. Wber über die Drangsale der Stadt Giehen während der Besetzung durch die .Franzosen in den Fahren 1758—1762. Dah damals auch die älmgebung Gießens litt, geht aus Löbers Bericht hervor: ...... nachdem sie (die Franzosen) alle gegenden aussouragiert, viele arme leuth gemacht , . setzte sich die große frantzösische Armee am 5. Dezember 1759 in marsch." Selbst in der Schottener Gegend, 9 Wegstunden von Gießen, machte sich die Besatzung Gießens unliebsam bemerkbar. Der Lehrer Johann Jakob P f o r t erzählt im „Handbuch" *) seines 1758 Verstorbenen Vaters und Amtsvorgängers Henrich Johannes Pfort von den Leiden seines Heimatdo^es und Wirkungsortes Eschenrod bei Schotten in den Jahren 1758—1760 und liefert eine wertvolle Ergänzung zu den Aufzeichnungen Löbers. Blieben Eschenrod auch längere Einquartierungen erspart, so brachten doch Lieferungen, Fuhren und Fouragierungen mancherlei Aöte in dieses abgelegene Vogelsbergdvrfchen. Der Eschenröder Chronist schreibt: „In diesem 1759ten Jahr haben wir den Frantzosen viel Heu und Haber liefern mühen auf Butzbach und auf Gießen." „3m Hahr 1759 den 12ten Octb. haben die Frantzosen allhier zu Eschenrod t, Wingershausen und Eichelsachsen Futterraschirt. Haben den Leuten das Heu all genommen. Mir selbst haben sie mein Heu und flroh genommen. Meinem Machbar Carl Zinne! und Curt Dingel haben sie die Früchte auf dem Boden all genommen. Auf meinem Boden find sie aber damals nicht geweßen. Doch haben sie mir meinen schwartzen rock, Camisol und meiner Frau 2 rock, schürh und strimf mit genommen wie auch noch vieles anderes Zeuch, Bettücher, Mistgabel, auch säck, Weste, Löffel, auch einen geback brodt. Meinem Knecht seinen tüchern rock und Camisol, auch 8 Hemmer (Hemden) mitgenommen. Sie haben auch noch vielen Leuten die Früchte genommen: daß mancher Man über 2 bis 3 geback Brod nicht hat gehabt. Sie haben die Leut gewaltig geschlagen. Allhier zu Eschenrodt find 6 taußlüid (Mann) und etliche hundert Pferde geweßen, wie auch 200 Wagen. Vierzig Wagen hat die Gemeinde noch thun (stellen) mühen. Mein Knecht Hohs. Zeller ist auch mit meinen 2 Kühen im Lager mitgeweßen, hat bei Joh. Heiniäch Hoffmann und Höh. Jacob Weber gespannt und haben 6 Achtel erbes (Erbsen) auch etwas Korn, wie auch noch 3 säck Kartoffeln aufgehabt. Die Leut sind damals so und dergestalt in der Flucht geweßen, daß sie die Frucht auf das Feld in die stein Mauern**) begraben haben und wer noch etwas Heu oder Grummet hat behalten, der hat solches auch auf das Feld oder in den Wald gesühret. 3n die Keller haben die Leute viele Frucht und sonsten noch viele Sachen gethan und haben solche zu laßen Mauren *) „Handbuch vor Johannes Pforten, Schulmeister zu Eschen- rodt, wvrinnen allerhandt außerordentliche Begebenheiten, so mir gedenken ausgezeichnet." **) Steinmauern sind auf Oedland lagernde, beim Roden der Grundstücke zusammengetragene Steinhaufen, und pflastern. Hindern Stein ist viele Frucht in die stein Mauern begraben worden." • 1 „Die statt Giehen ist den winther als nehmlich 1760 von den Frantzosen besetzt blieben, uns aber zu Eschenrod weiter nichts an Futterafche gekostet. Das Vieh ist Bei) dießer Zeit so theuer geweßen, daß beh Menschen denken nicht so geweßen ist. Den ein paar Ochhen, das man sonst gekauft hat vor 50 reichs Thaler, das galt damals 100 reichsthaler auch noch mehr, eine Kuh die Kost jetztund 30 bis 40 reichsthaler. Das geldt war auch sehr hoch in dem Werth, denn eine Carlin galt 13 fl. 14 alb." (1 Karvlin = 11 Gulden.) I Leider bricht hier das „Handbuch" ab, obgleich wir annehmen müssen, dah Eschenrod in den Fahren 1760—1762 noch mancherlei Kriegsnöte zu ertragen hatte. Aus der Geschichte der MatthriuspsMsn. Don Johannes Heinrich Draach, Duisburg. Friedemann Bach. Kantor in Halle, schwankt von einem Zechgelage nach Hause. Die Kirche dem lieben Gott, die freie Zeit des Lebens brennenden Begierden. Heute hielt frohe Freundschaft vom Pfälzer des vergangenen Jahres eine Feinschmeckerkost probe. Das alleine Heimwärtswandern ist Dach nicht so tröstlich als der Wein vorher, verdrießlich starrt er auf die Laterne, die er in der Rechten hält, und tröstet aufkommende Mißmut mit der Meinung, selten das Lämpchen so sparsam getragen ju haben. Dabei wiegt sich das Lichtlein im Stolpern und Wackeln seines Besitzers so hin und her, dah es Oel wie Wasser aus einem Drünnlein fliehen läht. Aahe bei seiner Wohnung wähnt Bach, ein Stern falle vom Himmel und wandle durch die Straße auf ihn zu. Sein Herz fängt an zu jagen, als der Schein näher und näher kommt, einmal zu Boden sinkt, für eine Weile hochaufflammend brennt, fast völlig erlischt, aber wieder aufflammt und weiter wallt. Das Licht scheint ihm Sonne oder Mond zu werden, schattige Enge verschwindet, Häuser, Giebel, Ecken, alles wähnt er, Helle zu fein. Sein Lämpchen ist nur Funken in diesem Strahl — steht er vor seiner letzten Stunde — begegnet er Gott auf seinen Wegen über der Erde? — packen ihn Gespenster? — Tränen der Angst rollen über seine Wangen, fein Mund will sprechen, lallt aber nur: „Bah - bah — bah — Dautz — zwei Köpfe rennen gegeneinander — zwei Laternen verzischen — zwei Leiber kollern in die Gosse — vier Hände fassen an schmerzende Stirnen. „Pure Panscherei," tönt eine kollernde Stimme zu Dach „Es war Wein," beteuert dieser stoßend, „1748er, edle Tropfen — nur die Beine, nur die Beine." „Wein," brummt der andere, „Wein? — Hoppla — gemeines Bier schwimmt mir im — hoppla — Entschuldigung -- im Bauch." An dieser Wschselrede erkennen die noch immer auf öenr Boden liegenden, daß sie nicht aus derselben Gesellschaft kommen, und stellen sich vor: „Ernst Löwe — haha — Löwe — nicht aus der Wüste — hoppla — rheinische Abstammung — Student mit drei Affen." „Wilhelm Friedemann Bach — Abstammung Johann Sebastian — Kantor — mindestens fünf." Der Student lacht blöde und Friedemann unterstützt ihn. „Bessere Herkunft, altes Spinett," fallt der Bierselige, „du kannst uns eine Serenade komponieren. Hoppla. Wenig Geld, aber gute Musik. — Hoppla." Bach kommt der Wein hoch. Der andere nimmt das für eine zusagende Antwort und buchstabiert: „Ab — ab — gemacht." „Abgemacht," wiederholt auch der Kantor, dem es im Kopf wie in einem Hummelnest brummt. Mit mühseliger Anstrengung versuchen die Betrunkenen ihre Laternen zu finden und anzustecken. Endlich zieht, der eine Eisen und Stein aus der Tasche, der andere Schwamm, es glückt ihnen, die Dochte zum Brennen zu bringen — ein Händedruck, noch einmal ein gegenseitiges Stützen, dann torkeln sie schwerer als vorher mit vertauschten Lampen nach Hause. Der sonderbaren Aufforderung folgt am anderen Morgen eme schriftliche, der Dach gerne Folge leistet, mutz er doch mit ledern, auch noch'so geringen Verdienste rechnen. Der genießende Tag ist ihm stärker als der schaffende. Er Weitz datz er von elf Söhnen des berühmten Bach der begabteste ist Weitz datz er vielleicht so grotz werden kann wie der Vater — aber Leidenschaft, Liebe und Leben — da kommt Arbeit erst an letzter Stelle, da verbraucht sich Kraft in falschem Fluch. Die Komposition der Serenade verschiebt er von Woche zu Woche der Lieserungstermm rückt in gefährliche Nähe. Als er sich endlich dahinter macht, ist er schlechter Laune und lätzt bald vom Notenschreiben. Schon will er die Arbeit völlig aufgeben, als ihm Gedanken wie Nettung erscheinen. Anter seinen Orjn Vater Ererbten befindet sich ein größeres, kaum aufgeführtes und wenig bekanntes Werk. Teile daraus dem gegebenen Texte unterlegen? , _ Erst weist er den Einfall zurück. Als aber der vorausgehende Abend des Abgabetages in die Stube dringt,, und feine Aufgabe noch nicht bis zu zwanzig Takten gediehen ist, kramt er seines Vaters Werk hervor und zeichnet Note für Note aus den Blättern ab. And so zermürbt ist schon fein Charakter, datz er nach dem Schlußzeichen das Vollendete als eigene Schöpfung erachtet und mit Stolz der Aufführung entgegensieht. Als man bei derselben der Serenade großen Beifall zollt und nachher in Halle vollen Lobes für den Kornponisten !ist, bläht sich der Kantor auf wie ein Auerhahn bei der Balz und heimst großmütig lächelnd Ehre und Anerkennung ein. Als Beleidigung erachtet er es gegenüber seiner Tat, datz die Honorierung auf sich warten lätzt, und so eilt er eines Morgens zur Aniversität, um den Auftraggeber an die Bezahlung der versprochenen hundert Taler zu erinnern. Selbstbewußt betritt er das Gebäude, fragt nach dem Stu- deilten, trifft ihn und bringt sein Anliegen vor. Der sieht ihn verachtend an und führt ihn, ohne ein Wort zu sagen, zum schwarzen Brett, an dem der Anschlag eines Dorfkantors aus der Nähe Leipzigs auf den gemeinen Betrug Friedemann Vachs aufmerksam macht. Dieser habe der Serenade Stücke aus der Matthäuspassion Johann Sebastian Bachs untergeschoben und das ewige Werk seines Vaters schmählich geschändet. Die Entdeckung erschreckt den Kantor und treibt ihn ein paar Wochen von der Straße, dann aber geht er, bis er Halle verläßt, seinen gewohnten Gang weiter. Stärke fehlt ihm zur Besserung und zum Anderswerden. Das Honorar für die gestohlene Serenadenmsik hat er nie erhalten. Drrs Schmerzenskind. Von AlfredBock. (Fortsetzung.) Wochenlang tag das Bübchen still zu Bett und war rührend geduldig. An der Bruchstelle hatte sich ein Knötchen gebildet. Das wurde dicker und dicker, bis es so groß war wie eine Faust. Als nun der Heini sich einmal aufstellen wollte, versagten die Beinchen den Dienst und knickten jämmerlich' zusammen. Gerad kam der Doktor dazu und sprach: „Ach muh euch reinen Wein einschenken. Wenn alles gut geht, behaltet ihr den Jung', aber die Beinchen bleiben gelähmt." Da schrie die Traud auf, daß es durchs ganze Haus gellte und die Krönleins drunten erschrocken zusammenliesen. An Teilnahme fehlte es nicht. Einer gab dem anderen die Tür in die Hand. And war immer dieselbe Rede: „Datz Gott erbarm! So ein schönes Kind. And nun ein elender Krüppel!" ’ Die Traud stand dabei, weih wie Linnen, und hatte keine Träne. Ihr Gebaren ängstigte ihn, dah er sich gegen die Mimel aussprach: „Wann sie sich nur nix in Kopf setzen tut!" Es ging auf Weihnachten zu. Er mußte im Geschäft Aeberstunden machen, dah er die viele Arbeit zwang. Am Montag nach dem vierten Advent kam er abends heim. Der Heini sah in seinem Stübchen und spielte. „Wo ist die Mutter?" fragte er. -Fortgegangen," sagte der Kleine. Auf dem Tisch stand das Essen parat. Er hatte eine Anruhe in sich, datz er nur ein paar Dissen herunterwürgte. Es schlug acht, schlug neun. Er lauschte gespannt, ob sich vor der Tür nichts regte. Es regte sich nichts. Von den Hausleuten hatte niemand die Traud fortgehen sehen Seine Airruhe wuchs. Gr brachte den Heini zu Bett und lief zur Mfmel. Die lag schon in den Federn und rief, die Traud habe sich nicht bei ihr blicken lassen. Er rannte wieder nach Hrus. Vielleicht, daß sie unterdessen gekommen war. Sie war nicht, gekommen. Er wartete die ganze Nacht. Draußen tobte ein Anwetter, als sollte die Welt untergehen. Der Frost schüttelte ihn, daß ihm die Zähne zusammenschlugen. Frühmorgens ging er auf die Polizei. Er nahm's für gewiß, die Traud hatte sich ein Leid angetan. And sie suchten selbdritt im Heidenteich, im Heiligen- grund und'im Eulenwäldchen. Sie fanden sie nicht. Ohne der Mimel Beistand hätte er das Kreuz nicht tragen formen, das ihm der Herrgott auferlegte. Sie versorgte den Kleinen und führte den Haushalt. Paten und Patinnen gab's so viele wie Sterne am Himmel, aber nur wenige mochten ihre Patenschaft so gewissenhaft erfüllen wie die Mimel. Was die an dem Heini tat, das konnte er ihr niemals vergelten. Sie hatte ein zweiräderiges Wägelchen angeschafft. Auf dem fuhr er sein Bübchen Sonntags spazieren. Auf der Straße sprachen ihn die Leute an und streichelten dem Heini die Bäckchen. Einmal hatte die Mimel gefragt: „Debus, wo ist deiner Schwiegermutter selig ihr Verdrußkorb hingekommen?" Nun fiel ihm erst auf, daß die Kiepe aus der Küche verschwunden war. And die Mimel, die sonst die Gutheit selber war, räsonierte: „Ich will dir sagen, wo sie hingekommen ist. Deine Frau hat sie mitgenommen! Glaubst du dann wirklich, daß sie sich den Tod angetan hat? Ich glaub's nicht. Ich. weitz es von der Schneebergern hinter der Kirch'. And die hat's von deiner Schwiegermutter selig: die Traud ist auch schon Hausieren gegangen. And was ein rechtes Hausiererblut ist, das kann das Walzen nicht lassen." Ihm lief's heiß und kalt über den Rücken. Himmelherrgottsakrament! Sollt's denn wahr sein? Die Traud war am Leben, hatte Mann und Kind im Stich gelassen und flog draußen in der Welt herum? Bei dem Gedanb>n konnte er vor Wut zerbersten. Ruhig Blut, ruhig Blut! An der Kiepe hatte ihr Herz gehängt, weil's halt ein Andenken an ihre Mutter war. Wer wollt's bezeugen, daß sie sie mitgenommen hatte? Nein, nein, nein! Was die Mimel sich da zusammenlegte, war Anvernunft, war Aberwitz. Er kannte die Traud besser. Die trug keine Kiepe. Die war hin. And er ranzte die Mimel an: „Tu mir den einzigen Gefallen und laß das dumm Geschwätz!" In der schweren Zeit hatte er sich so elend gefühlt, datz er den Doktor deshalb befragte. Der verschrieb ihm eine Medizin. Die nützte nichts. Da half er sich selber. Seine Arznei hietz Arbeit. Arbeit, nichts als Arbeit. Je schwerer, desto besser. Er war sein Lebtag kein Kirchenläufer gewesen, aber so viel Religion hatte er doch in sich, dah er jetzt alles daranfetzte, xür sein!Kind etwas zurückzulegen. Er war zum Prinzipal ins Kontor gegangen und hatte gesprochen: „Herr Hammer, ich hab' das unglückliche Kind. Wann mir was zustötzt, hat's nichts zu nagen und zu beißen. Ich möcht' Sie bitten, setzen Sie mir eine Kleinigkeit zu." „Soll ein Wort sein," sagte der Prinzipal. Nun trug er jede Woche Geld auf die Sparkasse. Das summte sich an und war ihm ein Trost. — Aus seinem Grübeln störte ihn die Mimel auf, die in die Kammer trat und riet: „Ai, was ein Qualm! Da kann man ja versticken." Sie öffnete das Fenster, pustete ein paar Mal und stellte sich darm vor den Packer hin. „Ich hätt' was mit dir zu reden." Er schaute verwundert auf und machte: „No?" Sie lockerte ihr Kopftuch, band einen neuen „Schlupp" und sprach: „'s sind jetzt fünfviertel Jahr', datz die Traud fort ist. Dem- wegen hat mein Patchen doch' seine Ordnung gehabt. Wann man etwas gern tun, denkt man nicht an sich. Aber vorgestern ist mir auf einmal so artlich im Kopf gewesen, daß ich gemeint hab', 's ist aus. Ich kann das Bücken schlecht vertragen und mutz langsam machen. Wer erst die Sechzig auf dem Buckel hat, der hat nicht mehr viel zu hoffen. Nu frag ich dich, tote soll's «gehen, wann ich heut oder morgen abgerufen werd? Du bist im Geschäft, und der Jung' verlangt eins ständig um sich. Ich weitz-wohl, du willst nicht dran und kommst doch nicht drüber weg: hier herein gehört eine Frau. Ich hab' diese Woch' mit dem Kanzlist Sandmann gesprochen. Der hat Verstand für sieben. And sagt, du brauchst bloß ans Gericht zu gehen. Du stünd'st unter,n Armenrecht und tat’ dich keinen Pfennig kosten. And bekämst: auch einen Advokat gestellt. Der tat alles in die Reih' schaffen. Hernach könnt'st du wieder heiraten." Der Packer klopfte bedächtig seine Pfeife aus, steckte sie in die Rocktasche und sagte: „Wodrauf läuft dann das wieder hinaus? Gelt, auf der Frau Duri ihr Nettchen? Ei, Mimel, ich glaub wahrhaftig, du willst dir einen Kuppelpelz verdienen." „No und toa.ai ?“ warf die Alte hin. Debus schüttelte den Kopf. „Ich heirat' nicht mehr. Erst kommt mein Jung', und dann kommt noch einmal mein Jung'. An dem hab' ich viel gutzumachen. Von mir aus soll er keine Stiefmutter kriegen. Die braucht noch lang nicht dem Teufel sein Anterfutter zu fein, eine Stiefmutter war's halt doch." SM uns nicht eine von Sonnengkut purpurrot gefärbte PfirsiK zumal, wenn alles auf. eigenem Boden gewachsen, ein Geschenk aus be sever Welt indie Hand? Diese Früchte, angefangen von der ersten Kirsche, bis zum letzten Apfel, sind für uns ein Nah- rungsmrttel geworden, ein unentbehrlicher Bestandteil unfern -voWernahrung. Sie sind kein Genuhmittel wie vor dem Kriege geblieben, das damals nur zum Anreiz oder höchstens der besseren Verdauung wegen beliebt war. Die Stimme.^ aus Verbraucher- rreisen werden immer lauter und deutlicher nach gutem Obst nach billigem Obst und nach viel Obst. Das sind drei Punkte, die vom deutschen Obstbau viel auf einmal verlangen — in anbetracht des bisherigen Gehen- und Liegenlassens. Gin Zusammenschluß der Verbraucher zu Konsumgenossenschaften, um billiges und gutes Obst zu erhalten und auf der anderen Seite der Obstzüchter zu Absatzgenossenschast n um viel und gutes Wirtschaftsobst zu einem auskömmlichen Preise liefern zu können, ist eine der Hauptbedingungen. Ts ist nicht angängig, daß der Zwischenhändler den Hauptverdienst ohne viele Muhe allein einsteckt und 50 bis 60 v. H. auf den Erzeugerpreis als Mindestmaß ansieht. Es kann eine Spanne von 30 bis 35 v H zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreis für Händler und Konsumgenossenschaft vollständig ausreichen. Wir brauchen also billiges Volksobst Wirtschaftsvbst, das jeder arbeitende Stammesbruder kaufen kann. Dabei soll dem Obstzüchter auch nicht die Lust genommen werden, auch sogenanntes Tafelobst zu ziehen, für das er höhere Preise von ben zahlungsfähigen Kreisen 'verlangen kann. Die Verwertung des Obstes im Haushalt, wie im größeren Betrieb ist uns in so mannigfaltiger Form möglich-, daß irgend eine Form und bestimmt eine Obstart jedes Jahre in der Familie in ausreichender Menge vorhanden sein mühte. Wir haben das frische Obst zum Rohgenuß als durststillendes Mittel zur Verfügung, den Saft und das Mark in Form von Gelee, Marmelade und Pasten, das in Flaschen, Steinkrügen, Gläsern und Büchsen mit und ohne Zucker eingemachte Obst und die getrockneten Früchte. Wichtig ist das Obst für die Ernährung durch seinen besonderen Gehalt an Pflanzensäuren und Zucker. Außer den gewöhnlichen pflanzlichen Aahrungsstoffen, mit Ausnahme des Fettes, in verschiedener Zusammensetzung ist es der Zucker in erster Linie die erfrischenden Säuren und die sogenannten Vitamine, Gr- gänzungsnährstoffe, welche den Wert des Obstes ausmachen und die Dormtätigkeit beleben. Es soll damit nicht gesagt fein, daß nun mit Obst allein eine ausreichende und vernunftgemäße Lebensweise erreicht werden kann. Das Obst muh dagegen hierzu als wichtiger Faktor beitragen. Es übt durch seine ausgleichende Tätigkeit einen erheblichen Einfluh aus die Verven aus und ist vor allem für einseitig arbeitende Menschen und einseitig ernährte Menschen der regulierende Pendelschlag der Ahr. Zu diesem volkswirtschaftlich wichtigen Obst ist auch die Traube des Weinflockes zu rechnen, welche wir ebenso wie alle anderen Früchte zu Kompotten, zu Saft, eingedickt mit und ohne Zucker, zu Gelee, Essig und endlich getrocknet zu Rosinen verarbeiten können. Zum Beweise, dah dies möglich ist, verweise ich auf die kalifornischen Obstzüchter und die dort übliche Verwertung, wodurch Tausende von Tonnen von Kompvttfrüchten, Säften, Gelees, Jams und getrockneten Früchten Verarbeitung finden. Darunter nehmen die Trauben neben Aepfeln, Birnen, Pfirsichen, Aprikosen, Kirschen, Brombeeren, Johannis- und Him? beeren usw. nicht die letzte Stelle ein. Es iss daher nicht notwendig und entspricht nicht dem jetzigen Bedürfnis der Volksernährung wenn die Traube noch vielfach ausschliehlich für die Wein- gewinnung als verwertbar angesehen wird. Vielmehr ist die Kultur der Rebe, um alkoholhaltige Weine und vor allem sehr hochprozentige und sehr teure Weine herzustellen, von dem Gesichtspunkt einer wirklichen Volkswirtschaft zu verwerfen. Die jetzigen auherordentlich hohen Preise gaukeln dem Nichtkenner ein vollständig falsches Bild vor. Der Abbau hierin muh ebenso baldigst eintreten. Auf der anderen Seite ist der Weinbau ein Lotteriespiel, wie es kein zweites gibt. Zunächst erfordert er von dem Winzer eine Unsumme von wissenschaftlichem Können, körperlichem Kraftaufwand, Spekulation und dann vor allem Kapitalkraft, die sich nicht nur im eigentlichen Weinbau, der Doden- und Pflanzenkultur, sondern hauptsächlich in der folgenden Kellerbehandlung äußert. Diese aufgewendete Dolkskraft stellt in dieser Weise einen reaktionären, stark zehrenden Bestandteil der so nötigen eigenen Landwirtschaft, der Nahrung schaffenden Kräfte und somit ein Verderb an unserem Volksvermögen dar. Diese arbeitenden Kräfte und Geldsummen richtig zu leiten, ist unsere Aufgabe. Zunächst ist darauf hinzuwirken, daß alles Obst alkoholfrei verarbeitet wird, fei es Obstwein von Aepfeln oder Minen, seien es Beerenweine von Johannisbeeren, Stachelbeeren, Erdbeeren, Heidelbeeren usw. oder Traubenweine geringer oder bester Güte' Der Ginwand der Süddeutschen, baß sie ihren Hanstrank, den Most, ein schwach alkoholhaltiges Getränk, haben mühten, ist nicht stichhaltig. Beispiele haben wir genug, auch in Süddeutschland und in der Schweiz, dah alkoholfreie Weine und Obstweine für die arbeitende landwirtschaftliche Bevölkerung und als Haus- irank sehr bekömmlich sind. Der Geschmack der alkoholfreien Getränke hat sich durch besondere Behandlung, z. B. Kohlensäure- Imprägnierung, gegenüber früher sehr gebessert. Die Einstellung „Mit der Frau Duri ihrem Nettchen," versetzte die Mimel „das ist so eine Idee von mir. Ob's dich nimmt, ist noch sehr die Frag'. Aber tüchtig ist's und grundgut. Dadefür steh ich ein. Schmeiß das nicht so fort!" „■ 7 - heirat' nicht mehr/' wiederholte der Packer mit Nachdruck, „ich hab' mir das längst überlegt. Lind ist nicht dran zu rütteln. Jetzt wollen wir mal von deinem Kränkelkopf schwätzen. Was du da klagst, rechn' ich nicht für schlimm. Das ist Kopfgicht, weiter nix. Meiner Mutter fetig ihr Mittel dagegen war Lindenblüten und Schwitzen. Hernach übernimmt's der Körper und treibt's heraus. Du bist von Herzen gesund. And sollst's auch bleiben." „Wie unser Herrgott will," sagte die Alte. „Das hab ich mir übrigens jetzt vorgenoMmen: von wegen der Frau Duri ihrem Nettchen zerreiß ich mir das Maul nicht mehr. Du muht wissen, was du tust." ■. Bei diesen Worten schloh sie das Fenster wieder und ging. — (Fortsetzung folgt.) Deutscher Frühling. Von Else Hasse*). Gepriesen sei der zögernde Frühling des Nordens I Wie grüht man ihn dort, wo es ein langes Harren auf seine Schöne, ein hartes Ringen um feinen Segen gab und ein Nichtablassen dvn oft und oft enttäuschter Hoffnung! Ist die winterkranke Sonne endlich genesen und lächelt sie wieder, dann steigt Freude, wie der Saft in den Bäumen, im 'Geäder des Leibes aus, und jeder Pulsschlag, jeder Hauch aus grünender Scholle, jeder übermütige Windstoß, der duftgeschwängert kommt und geht, jauchzt: Leben, Leben! Natur erhebt sich im blauen Schleierkleide aus fahlem Dlattgewirr und brauner Heide und schüttelt Blüten aus den Falten, und der Mensch fleht mitteninne im weihgoldenen Wirbel und jubelt den heiteren Lebensspielen zu. Aber während er, die auferstandene Natur umfassend, fein Antlitz in ihre Schleierfalten drückt, bringen Schatten und Seufzer hindurch, und kaum dah er sühe Frühlingsdüfte eingeatmet hat, umnebelt ihn wiederum in Regenlüften der herbstliche Der- wesungsgeruch. Zu viele Feinde hat der deutsche Frühling, die ihm nach dem Leben trachten; allzubald entblättern feine Blumen und gar geschwinde ist der freubenteere Winter wieder da. Wohl uns, daß es so ist! Lob sei auch der Vergänglichkeit des deutschen Frühlings! Das ist uns heilsam, daß unser Freuden- hunger, der alle Lust verewigen möchte, es in irdischen Jahreszeiten nicht vermag. Wer mchte sich nicht an immerblühender Schöne ergötzen? Wer schmachtete nicht nach unendlicher Wonne? Bleibt er aber ungesättigt, so Überschreitet fein Verlangen Raum und Grenze der Natur, um sich über allem Wandel von Bläue und Schatten, Blüten und Stürmen an einem ewigen Frühling zu erquicken, dessen Hellen Himmel Christus vor uns aufgetan — mitten im Winter! Im freudeleeren Winter mußte er, der Heiland, uns geboren werden und uns die Liebessonne weifen, die nicht untergeht. In nachtumgrauten Tagen ist der Stern des Glaubens hvchge- ftlegen: aus trüber Sphäre der Vergänglichkeit in ungetrübte Glanzgefilde Gottes. In Schnee und Ms, unter deutschen Weihnachtstannen ist die Hoffnung immergrün geworden; da ward auf ihren Zweigen das Lichtlein sehnlicher und seliger Erwartung angezündet. Im rauhen Norden, wo man nur ein sterbliches Freudenleben fristet, hat man die tiefste Sehnsucht nach dem unsterblichen. Darum heil uns, daß unsere deutsche Sonne krankt, daß wir lange harren müssen auf einen kurzen Maientag im Veilchenhag, daß unser Frühling im Schatten des Todes fleht und vergeht! Ohne sein Ersterben würde unsere Seele einem ewigen Freuden- leben nicht so hell entgegenjauchzen! *) Ihrem „Himmel der Freude" (Verlag von Jos. Kösel und Friedr. Pustet, München und Kempten) entnommen, einem Bande gemütvoller und gedankenreicher Plaudereien, in denen die Verfasserin ein hohes Niveau erreicht. An Inhalt und Wert steht diesem Buche ein gleichartiges der Verfasserin, im selben Verlage erschienen, zur Seite, betitelt: „Stimmen ans dem Jenseits". J■ Dis Wichtigkeit des Obstbaues. Von fachkundiger Stelle wird uns geschrieben: Deutschland muh leben, muß wieder gesunden und auf eigenen festen Füßen stehen. Dazu gehört ein frischer Geist und ein vollkommen gesunder Körper, und jeder von uns, der unsere Wieder- Erneuerung wünscht, arbeitet an seiner Stelle zunächst an der Sicherstellung und der Hebung der Dolksernährung. In unserem verarmten Vaterlande sind wir gezwungen, vielfach mit der Laterne nach neuen Wirtfchaftsquellen zu suchen, und dabei wird unsere Voftskraft verzettelt und unser Volksvermögen fließt ins Ausland, um notwendige Lebensrnittel hereinzubekommen. Eine der reichsten Quellen, welche in Deutschland zu Hause ist und worin wir uns ganz unabhängig machen könnten, ist der Obstbau. Lacht nicht jeden, der von Aeberkultur und Selbstsucht noch nicht ergriffen «ist, ein herrlich gefärbter und duftender Gravensteiner Apfel wie ein Mld aus dem Paradiese an und der Schweizer alkoholfreie» Obstwemhsrstellung ist soweit vorgeschritten, daß diese Betriebe ihre Eweugnisse glatt cwsetzen, während die alkoholhaltigen Getränke herstellenden Mostereien Mühe haben, ihre War« loszuwerden. Dies ist dort auch eine Folge, eine gute Erscheinung des vergangenen Krieges. Sollten wir nicht umsomehr daraus lernen können. 3n -weiter Lime ist ein vorzügliches Mittel, um große Mengen guten Obstes zu er- halten auf der anderen Seite aber auch dem Lebensbedürfnisse der Winzer gerecht zu werden, die Umstellung der nicht rentablen Rebenanlagen in Obflkulturen. Die rationelle Kultur derjenigen Weinberge und Grundstücke, die tiefer im Tale liegen und ständig der Frostgefahr, pilzlichen Erkrankungen und tierische Feinden stark ausgesetzt sind, fordert geradezu zum Fruchtwechsel heraus. Einsichtige Weinäergbesitzer am Rhein, an der Mosel, im Elsaß, Baden und Württemberg haben diesen Rat befolgt und können mit mehr Ertrag und regelmäßigeren Ernten von Gemüse und Um uns nun auf eigene Füße zu stellen für die Versorgung mit Obst und mit zwingender Rotwendigkeit auch nut Gemufe, und um uns vor allem von der teueren und meist geringen Auslandsware freizumachen, ist die Mitarbeit eines jeden erforderlich Jeder der Grund und Boden hat, befasse sich nach gründlicher Beratung von Obstbaufachleuten mit der Obstzucht. Auch die kleinste Mithilfe ist willkommen.. -Untere Frauen und Tochter sind als Helferinnen an erster Stelle-dazu berufen, im ©arten, tn den Obstanlagen, bei der Heranzucht und der pfleglichen Behandlung des Obstes mitzuarbeiten. Alle unsere Kinder sollten sich auf eigenem Boden mit der Obstzucht und dem gesamten Gartenbau tagtäglich beschäftigen. , . . __ Vergegenwärtigen wir uns, daß wir allem m den abgetretenen Gebieten einen Verlust von 13,7 v. Hundert unserer landwirtschaftlichen Rutzfläche erlitten haben. Darauf standen etwa 93 550 424 Doppelzentner Kartoffeln, 30 955 208 Doppelzentner Zuckerrüben und etwa 15—20 v. H. Obst der ganzen Erzeugung. Der Verlust an Weintrauben ist im Verhältnis noch höher, da 24 v. H. unserer Rebberge abgetrennt sind. Dazu kommt, daß die verringerte Anbaufläche eine verhältnismäßig größere Bevölkerung zu ernähren hat, da die dichter bevölkerten Landesteile bei uns geblieben sind. Anfänge zur Förderung erhöhter Erzeugung von Obst und Gemüse sind allenthalben gemacht. Seien wir im Kampfe auf dem Gebiet der Lebensversorgung nicht rückständig, sondern als Bahnbrecher an erster Stelle. Rechenvorteile. Bon Damian Gronen. Angezählt sind die Rechen-Scherze und die Rechen-Rätsel, die man wie Sand am Meere tn den Spielecken der Zeitschriften findet. Wie mancher hat ihnen stundenlang nachgegrübelt und die Ruß doch nicht knacken können. Das smd diejenigen, denen Arithmetik oder Algebra böhmische Wälder sind. Wer etwas von diesen Wissenschaften weiß, löst gewisse Rechenaufgaben, über die sich andere den Kopf zerbrechen, sozusagen im Handumdrehen. Daneben gibt es dann noch allerhand Rechenvorteile, die nicht gerade streng in das abgegrenzte wissenschaftliche Gebiet gehören, aber doch selbstverständlich auf ganz bestimmten rechnerischen Grundlagen beruhen und für das praktische Leben von großem Vorteil werden können. Es ist nicht unsere Absicht, das weite Gebiet dieser Rechenvorteile. die so recht geeignet find, die trockene Zahl zu verlebendigen und Zahlenaufgaben in ebenso geistreicher als einfacher Weise zu lösen, hier nach allen Richtungen hin zu durchwandern. ES sollen hier nur einige Beispiele solcher Rechenvorteile angeführt werden, die zwar manchem unserer Leser bekannt, der Mehrzahl aber neu und interessant sein, sie vielleicht auch anregen werden, sich in diesen rechnerischen Dingen weitere Aufschlüsse zu verschaffen und weitere Fertigkeiten anzueignen. Ein ganz leichter Kunstgriff besteht z. B. bei Multiplikationen mit der Zahl 11. Am mit 11 zu multiplizieren, setzt man bet einer zweistelligen Zahl zum Beispiel die Summe beider Stellen nur in die Mitte; also: 27x11 wird 297, da 2 und 7 — 9 sind; 42x11=462, denn 4+2=6; ebenso 35x11=385 usw. Ergibt die Summe über 10, so muß die 1 auf die Hunderter übertragen werden. Also bei 83x11 gibt 8+3=11 und es wird 913 daraus; 76x11 gibt 836. Bei großen Zahlen ist es ebenso leicht, zum Beispiel bei 523417x11 läßt man die erste und letzte Zahl (5.. 7) ruhig stehen und schreibt dazwischen die Summe je zweier nebeneinanderstehender Zahlen, also da 5+2=7, 2+3=5, 3+4=7, 4+1=5 und 1+7=8 ist, erhalten wir 5 757 587. Rötigenfalls sind auch dabei überschießende Zehner zu übertragen. Folgende Regel gilt für alle Multiplikationen zweier Zahlen zwischen 10 und 20, sie ist in zwei Minuten zu lernen und es finden sich täglich Hunderte von Fällen zu ihrer Anwendung. Bei zwei Zahlen zwischen 10 und 20 addiere man zur einen Zahl die Einer der andern, hänge eine Rull an und addiere das Produkt der beiden Einer dazu. Dies hört sich kompliziert an, ist aber kinderleicht und macht sich nach ein paar Minuten Hebung blitzschnell im Kopf. Zum Beispiel 17x18; da gibt 17+8=25 eine Rull dazu 250, und die beiden Einer, 7x8 multipliziert. 56, dazu addiert, gibt 306. Als anderes Beispiel: 16x13; 16+3=19, Rull dazu ist 190, dazu 6x3=18, macht 208. Oder bei 18x19 sagt man sich schnell 27, 270, 342 usw. Am leichtesten ist die Multiplikation zweier Zahlen, wo die beiden Zehner gleich sind und die Einer sich zu 10 ergänzen, das heißt zusammen 10 ausmachen, wie bei 73x77 oder 42x48 usw. Man multipliziert einfach die Zehner mit der nächsthöheren Einheit (also wenn beide Zahlen in den ZOern sind, sagt man 7x8, sind beide in den 30em, nimmt man 3x4); das Produkt schreibt man hin, multipliziert die beiden Einerzahlen des Gxempels und schreibt dies Produkt dahinter. Zum Beispiel 74x76. Die Zehner 7x8 (der nächsthöheren Einheit) geben 56, während die Einer 4x6=24 geben, also hintereinander 5624. Oder sagen wir 52x58; 5x6=30, 2x8=16, also 3016. Ebenso 41x49; 4x5=20, 1x9=09, also 2009. Auch 36x34 (3x4=12; 6x4=24) 1224. Das Komplement einer Zahl wird das genannt, was der Zahl fehlt, um 10, 100, 1000 usw. voll und komplett zu machen. Also ist 3 das Komplement von 7, 7 das von 3, 81 das Komplement von 19, und 19 das von 81, 872 das von 128 usw. .Auszurechnen braucht man sich ein Komplement nicht, denn man erhält es selbst bei den längsten Zahlen ohne Hebung, wenn man jede Ziffer von links anfangend im Geiste von 9 und nur die letzte Stelle, die Einer, von 10 abzieht. Zum Beispiel: ich suche das Komplement von 526894, so ziehe ich alle Zahlen bis auf die 4 von 9 ab tunb erhalte 47310; die 4 ziehe ich von 10 ab gleich 6, also im ganzen 473 106. Tatsächlich geben 526 894 und 473 106 zusammen 1 000 000 und sind daher komplementär. Run ist klar, daß, wenn eine Zahl recht hoch ist, das Komplement immer sehr klein ist, und da man mit kleinen Zahlen leichteres Rechnen hat als mit großen, benutzt man, wo es geht, die Komplemente. Rehmen wir recht hohe Zahlen zu multiplizieren, wie 96x93, 88x92 und dergleichen, so zieht man einfach das Komplement der einen von der andern Zahl ab und schreibt den erhaltenen Rest hin; bann multipliziert man beide Komplemente und hängt das so erhaltene Produkt hinten an. Also bei 97x94 sagt man 3 (das Komplement von 97) von 94=91. 3x6 (die beiden Komplemente) =18, also 9118. Oder nehmen wir 93x96 ; 96—7 (Komplement von 93) =89; 4x7 (beide Komplemente) =28, folglich 8928; oder 88x92 (12 von ^2=80; 12x8=96) folglich 8096. Ebenso in Fällen wie 98x58; erst 2 von 58=56; dann 2x42 (beide Komplemente) =84=5684. Roch frappanter wird das bei höheren Zahlen, wie 989x988 (Komplement 11 bzw. 12). 989—12=977; 11x12=132, also 977 132. Manchmal ist es wiederum am leichtesten, erst eine der Zahlen äu halbieren und dafür die andere zu verdoppeln, denn 4x18 gibt 72, 8x9 aber auch 72. Habe ich also zu berechnen 128x33, so ist das dasselbe wie 64x66; für dieses ist schon eine leichte Regel gegeben, nämlich 6x7=42; 4x6=24, also 4224; also ist 128x33 auch 4224. Oder zu in Beispiel 186x47 ist dasselbe wie 93x94 und das gibt, mit Komplementen gerechnet, 8742. Diese Methode des Halbierens und Verdoppelns empfiehlt sich stets, wenn eine der Zahlen auf 5 endet. In den meisten Geschäften treten die Preise 15 Pf., 35 Pf. usw. häufig auf. Aber 82 Meter Band zu 35 Pf, für den Meter ist dasselbe wie 41x70, nur ist letzteres viermal so leicht zu rechnen. Oder 28 Kilogramm zu 45 Pf. das Kilogramm = 14x90=12,60. Das Hauptkunststück beim Blitzrechnen besteht also darin, in jedem gegebenen Falle den Zahlen sofort und ohne Besinnen anzusehen, welche Methode am schnellsten zum Ziele sührt. Man muß alle Methoden beherrschen und gleich die richtige anzuwenden wissen, sonst verliert man mehr Zeit damit, die Methode zu finden, als man zum Rechnen nach der Schulregel brauchen würde. Der seinerzeit sehr bekannte Rechenkünstler Derol teilte mir vor Jahren einmal mit, wie er das gegebene Alter einer Person blitzschnell in Monate, Wochen, Tage, Stunden, Minuten und Sekunden umredjnete. „Die Sache ist gar nicht so schwer," sagte Herr Berol, „allerdings habe ich für jede Hmrechnung meine Kürzungsformel. Die Monate erhalte ich ja leicht genug durch Multiplikation mit 12. 'Das bietet keine Schwierigkeiten. Bei den Wochen würden Sie mit 52 multiplizieren; ich halbiere aber einfach die Jahre und dann verdoppele ich sie. Ist der Herr 24 Jahre alt, so sage ich: die Hälfte ist 12, das Doppelte 48 also 1248. Ober bei 36 Jahren = 1872, oder bei 44 ■= 2288. Bei ungeraden Zahlen muß ich übertragen. Die Tage erhalte ich, indem ich die Hälfte der Jahre mit 73 multipliziere und 0 anhänge, also statt 24x365 sage ich 12x73=876 und 0 hinten an = 8760. Der Grund ist einfach der, daß 2 Jahre 730 Tage haben. Aehnlich verfahre ich bei Stunden, Minuten und Sekunden. Letztere sind am schwersten, aber auch nicht übermäßig. Ich multipliziere die Hälfte der Jahre erst mit 63, bann mit 72, füge beide Produkte aneinander und hänge 3Rullen an. Also bei 24 Jahren (12x63) = 756; (12x72) = 864, folglich 756864 000 Sekunden. Der Grund davon ist, daß zwei Iah« eben immer 63 072 000 Sekunden enthalten. Sind die Zahlen mehr als dreistellig, so werden die Tausender übertragen; zum Beispiel bei 36 Jahren (18x63) ---- 1134; (18x72) = 1296. Daraus wird 1 135296 000 Sekunden. Bei ungeraden Zahlen ist «8 etwas schwerer, aber ich helfe mir, indem ich einfach erst nachher halbiere, statt vorher." Tchristleitung: August Goetz. — Druck und Verlag der Brühl'schen Aniv.-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.