tl yjäj »Zs MM WXl 1922 — Nr. 40 ^Ds"WÄ . M M- üZLLMI UKTLM . ; | üiMWL iMWl .LMW K WMW M DtWUK BonifaziusstäLten. Hessische Bilder zum Bonifcizius--Jubiläum. Bon Rudolf Heyne mann-Kassel. Ein die Volksgemeinschaft predigender Hirtenbrief der Bischöfe leitete in der katholischen Kirche das Hahr des ersten Auftretens des Apostels der Deutschen, Donifazius, auf einstmals fränkischem Boden ein. Es folgte die 1222--Jahr»Feier der Amöneburg und jeht hat Reichsarchivrat Dr. Schäfer in Potsdam das Jubiläum der großen Demonstration des Christentums gegen den Donarkult der Sachsen, das Fällen der Göttereiche von Geismar, angekündigt. Er hat sich allerdings geirrt. Wie der geistliche Historiker Prälat Jestädt, Domdschant in Fritzlar, mir gegenüber erklärte, fällt dieses Jubiläum erst in das nächste Jahr. Die Eiche ist im Frühjahr 723 gefällt worden, als Donifazius von -Rom und einer Mission zu Karl Martell nach Hessen zurückkehrte, tlebrigens lehnt Prälat Jestädt nach wie vor die Schäfersche Theorie ab, daß die Donar-Eiche in Hofgeismar gestanden haben soll ... es kommt nur Geismar-Fritzlar in Betracht. Fritzlar. . . uralter Ort und germanische Kultstätte. Hier baute Donifazius ein erstes Holzkirchlein, das er dem Apostel- fürsten Petrus weihte. Die Sachsen brannten es nieder. Schon <32 weihte Donifazius eine steinerne dreifchiffige Basilika, die 1047 von Rudolf von Schwaben zerstört wurde. Hier fanden wiederholt Friedenskonferenzen statt zwischen Kaiser Heinrich dem Vierten und dem Papst. In dem damaligen Ringen um große Ideen richteten sich die Augen der ganzen Welt auf Fritzlar. Der zweite Dom wurde 1232 vom Landgraf Konrad, dem Schwager- der heiligen Elisabeth, den Flammen übergeben. Wormser Baumeister ließen ihn in prächtiger Gotik neu erstehen. Eine 1914 begonnene Erneuerung wurde im Vorjahr vollendet. Die mittel-» alterlichr Malerei, die unter Kalk und Tünche sreigelegt wurde, hat man dabei wieder erstehen lassen. Gin Denkmal deutscher Baukunst ist, mit neuem Leben erfüllt, vor dem Verfall gerettet worden. Dieser Dom ist ein Muster für Kirchenbauer und Kirchenmaler. ülnd um ihn herum Klöster und -Kurien, starke Stadtmauern und gewaltige Türme sowie das älteste deutsche Rat- Ha us . . . mit Fug und Recht wird Fritzlar das mitteldeutsche Rothenburg ob der Tauber geheißen. 3m allgemeinen nennt man die wunderlich alte Stadt, das -Urbild eines mittelalterlichen Gemeinwesens, das kaum berührt ist von der neuen Zeit, die Bonifaziusstadt ... es heißt bei allen Fehden, die sich vor der Stadt abspielen, sei der Geist des Heiligen schirmend auf der Mauer erschienen. Und unweit davon der Bonifaziusberg, der Heilige Düra- berg. Gr war 'Heilig den Kalten und noch heute der Kirche, derer Wallfahrtsstätte. Lerdensstationen führen empor zu einem uralten lindenumrauschten Kirchlein, auf dessen Friedhof man die Toten deS im Tal liegenden jetzigen Luftkurortes Ungedanken noch Heute bestattet. Hier soll Uhland gesungen haben: Droben steht die Kapelle Schaut sttll ins Tal hinab . . Von seiner Höhe aus öffnet sich ein wundersamer Blick auf den heiligen Bezirk der Katten, das Schlachtfeld des Germanicus vom Jähre 15 n. Ehr., umrahmt von den heiligen Dötterhöhen Odenburg, Gudensberg und Heiligenberg sowie dem Bergrücken mit der Bonifaziusstadt. Heiliger Berg... er war's zu ältester Zeit. Lange bevor Donifazius auf dem Büraberge erschien und im Jahre 741 seinen Landsmann Witta zum ersten — und zum letzten — Bischof eines Bistums B ü r a b e r g weihte, das sehr bald aber schon ausgehoben und mit Mainz vereinigt wurde, war er besiedelt und befestigt. Hier stand bereits die Urkirche von Hessen, wie eine Urkunde im Pfarrarchiv zu Fritzlar besagt und diese Kirche war der heiligen Brigitte geweiht, der Rational- Heiligen der Iren. Schottisch-irische Mönche missionierten aber schon lange vor Donifazius im Hessengau. Donifazius, der Angelsachse, Hatte nienrals eine Kirche, die er baute, einer irischen Heiligen geweiht. So sagt Prälat Jestädt, der Wieder- Hersteller deS Petersdoms von Fritzlar. In der Tat lhaben schon im siebenten Jahrhundert die Iren Brigittenkirchen gebaut, und zwar auf germanischen Kultstätten. So berichtet Donifazius auch nach Rom, daß eine befestigte Siedlung vorhanden sei. Als die Sachsen 747 in Hessen einbrachen, belagerten sie vergeblich den Büraberg, dessen starke Befestigung den Flüchtlingen von weither Schuh gewährte. Mit Schwert und Wort wurden die Sachsen christianisiert und kultiviert und die räuberischen Einfälle Hörten auf. Da verlor auch der Dürnberg seine strategische Bedeutung, die Mauern und Wälle wurden vernachlässigt, die Siedler zogen hinab nach dem festen und freundlicheren Fritzlar und schon im 13, Jahrhundert standen nur noch Kirche und Pfarrhaus einsam auf der Höhe. Im dreißigjährigen Kriege wurde auch das Pfarrhaus zerstört. Rur ein Teil davon ist noch in der Sakristei erhalten, die übrigens auch noch Reste der karolingischen Bauten zeigt, so ein schmales, schießschartenähnliches Schlihfenster. Prälat Jestädt appelliert jeht an die Wissenschaft, rings um die Kirche Ausgrabungen vorzunehmen. Wunderbare Schätze, Spuren karolingischer und merowingischer Bauten würden gefunden und weiterhin solche der ersten germanischen Siedlung . . Die Kartoffelernte im Bolksdrauch. Die vortreffliche Kartoffelernte dieses Jahres bietet uns in unseren wirtschaftliche!' Röten immerhin einen Ersatz für die schlechte Getreideernte, die sich, in der außerordentlichen Steigerung des Brotpreises so traurig bemerkbar macht. Die Kartoffel ist in den 200 Jahren, in denen sie bei uns in ausgedehnterem Maße angepflanzt wird, für die Landwirtschaft beständig wich- ttger geworden, und so ist es natürlich, daß sie sich auch im Vvlksbrauch eine gewisse Stellung erwarb, Ratürlich fehlt das Hineinragen uralter mythischer und sagenhafter äleberlieferungen. Wie wir sie in der unendlichen Fülle der sonstigen Grntebräuche erkennen. Die schöpferische Kraft des Volkes war im 18. Jahrhundert schon erlahmt, so daß neue Bräuche für die Kartoffelernte sich nur spärlich bildeten. Man übertrug aus die Ernte der nützlichen Knollenfrucht die Sitten, die beim Getreide üblich waren. So war es früher in manchen Gegenden nicht selten, daß der eine oder andere Bauer die jungen Burschen an einem Sonntag nachmittag zum Kartoffelroden zu sich lud. Bei der fröhlichen Arbeit durften auch die Musikanten nicht fehlen, die auf dem Felde lustig aufspielten. War dann die Ernte beendet, so gab bs einen reichlichen Schmaus und fröhlichen Tanz. Die geHeimnisvollen Kräfte, die man der letzten Garbe beim Getreide zuschretbt, wurden auch auf die Kartoffelernte übertragen, und man nennt daher im Wendischen die letzte Kartoffelstaude den „Ollen", PleberHaupt sind mannigfache Schlußbräuche beim Kar- tvffelbuddeln ausgetreten. So wird z. D. nach vollbrachter Arbeit ein Knabe oder auch ein Erwachsener, der nicht viel getan 'hat. ht ehren Sack gesteckt und Wer bas Feld gerollt, Dis Sem Kreise Saarlouis ist der Brauch überliefet, daß sich ^n 2toettec, foenn man den letzten Sack vom Felde Holte, als Weib verkleidete. Vr setzte sich auf eins der Pferde und trug einen mit_ burckM Papis'-schnitzeln bshangenen Tannenbaum Die übrigen air&ettra nahmen auf dem Wagen Platz und kräht«l<^ vollem Hatte. Uralte Züge eines heidnischen Fr-uchtbackitsdlltus spwlen so ch den Brauch bei der Kartoffelernte Hinein. Auch der glüE» Abschluß des Kartoffelhackens wird durch eine Art Drntefeft gefeiert. Der Erntekranz hat freilich eine sehr merkwürdige Form^ Man flicht ihn- aus allerlei Dornen und steckt auf die Spitzen Keine Kartoffeln. Dieser etwas stachllgeundPmsais^E^> kränz wird bann mit einem dazu passeirden derben Spnichbegleitet. Sind Dornen nicht zur Hand, so werden tvbhl auch, der Guts berrfchaft die Kartoffeln auf der Düngergabel mit scherzhafte überreicht Daß Tanz und Schmaus, Satz Lärm uW Serben nicht schien, ist selbstverständlich. Die bezeichnete Hmw teigeutüml ichkeit des Kartoffelerntefestes ist aber don ickyer 6er Tanz um die Kartoffelfeuer gewesen, die aus dem dürren Kartoffelkraut entfacht werden. Besonders die Kinder haben am Anzünden dieser Feuer, in denen die Knollen als besonders Leckerbissen geröstet werden, die größte Freude. Hie und da sammeln die jungen Leute nach der Kartoffelernte alle unbrauch^ bar gewordenen Körbe und zünden sie abends auf einer Juhöhe an Der größte und stattlichste Korb wird mit Stroh und Reisig umwickelt und cmgezündet den Berg hbrabgerollr Der Brauch Seiht in der Eifel „Mierteskorf". Es mag sich hier wohl mit dem Gedanken eines Ernteopfers, wie Sartori m fernem Werk Sitte und Brauch" betont, der Wunsch nach Beseitigung alles Abgenutzten und Unbrauchbaren nach glücklicher Grnte verbinden. uni Vhr grober Rock schloß Prall und en, das dünne, windige Blüschen liest die * komm, komm, komm," Sie wiegte ihn ein bistchen und steckte ihm den Dietzel ins Mäulchen. Gin schr einfaches Wiegenlied I ng um die festen Hüfte», Ärnre frei. Hinten oben Msnschen, wenn fie frösteln. Bon Richard Guringer*). Auf dem Steinboden zwischen Leberresten, Werkzmig, Zwirn uiid geflickten Stiefeln spielten die drei Kleinen. Ziemlich armselig. Das Fünfte schlief trotz des Teschreis in seinem Wägelchen neben der Holztreppe zum ersten Stock. Der Meister schimpfte mit dem Lehrgesellen. Der Krach dauerte schon eine Zeitlang, als iyms zu dumm wurde. , _, , .. Meister Ghristian warf den halbfertigen Schuh an die an» gerauchte Wand und fuhr auf seinem Hocker wütend herum: „Arbeiten sollst, du Läufer, du grüner, oder schau, daß du weiterkommst l" . Ein Bursch von siebzehn Jahren lummelte rn der windschiefen Türfüllung, Hände in den Hosentaschen, bleich, aufgeschwemmt, Mitelser an Hals und Rase, eine Zigarette im Mund, über dem in Andeutung eines kommenden Flaumes irgendein graubraun Augen: „Fufzshn Mark im Sag“, maulte er achselzuckend „FufzchN Mark für so einen Faulpelz," tone der Meister, „RiMUtz, lumpiger, verschlampter!" Ein großes Knirschen war sein ganzes Wesen: Fünfundzwanzig Jahre hatte er so gehockt, mit der Dlech- brille auf der Rase, geschuftet von früh bis nacht, im Feld war er gewesen, 'hatte gefroren und geschwitzt, Tornister geschleppt und Schießprügel, Handgranaten geschmissen, naß, voll Dreck und Lehm hatte die Mine einschilagen sehen, daß man meinte, es reißt einen auseinander, und zersetzte Menschen explodieren sehen, daß man nicht wußte: Ist das Blut von mir!? Wie ein Stier ging er auf den Burschen los. Der rührte sich nicht. Aber Angst kroch ihm über den Bauch. „Hau ja nicht los, sonst hängst", drohte et. Stickig war die Luft, überheizt, und der Boden kalt, dre Wände feucht, es roch nach Windeln und arme Leutegeruch. „Raus," brüllte Ghristian, „raus", wie ein Sier, seiner ohnmächtig vor hilfloser Wut, heulend, knirschend. Der Dengel ging durch. Wie ein Fetzen Papier, mit langen Armen, wischte er Hinaus. „So", keuchte der Meister und schlug die Siir zu, daß das Häuschen wackelte. Die Kinder Hockten ganz still am Boden und das Kleinste schrie. Droben klapperten Hohschuhe die Treppe herunter. Sie lockte den kleinen Schreihals. Hängte sich übers Stiegen? gelandet Herunter und berührte das Bürschchen. „Komm, komm, ,definierbarer Schatten lag. Hera sfordernd glotzten die wasserblauen ausdruckslosen *) Guringer hat in Walter Seiferts Verlag, Stuttgart—Heil» Storni, ein ganzes Buch Geschichten" erscheinen lassen, dem er den Titel „TummelPack" gab. Recht bunt wollte er, wie er febft Tagt, in bas große Märchen Leden htneinleuchten. So gab er die allerverschiedensten Stimmungen, und die hier wiedergegebene Mzze zeigt, in wie raschem Fluge die Beobachtungen und ®tn» MtS gesammelt worden find. war fte auftieoangen und zeigte einen derben Zwickel leicht bvauneS FlÄsch unter totoar$en HalslLckchen. Die strotzendvolle Brust neßte^te an tai^ol3gelän&er, wie sie so vornubething und Sin ^ftaultoer Geruch stieg dem Meister in die Rase. Fest legte er die noch zitternde Hand auf ihren rechten Oberarm und zog sie ein wenig an sich Sie preßte leicht dagegen. „Bubi", machte er kindisch. Kinder, wollt ihr auf die Gaß?" fragte die Mutter. Vie zogen los und schoben das Wägelchen mit. Zwischen ihren Brüsten lag ein feiner schwarzer Schatten. „Randi, o mei", seufzte der Mann im Bart. RÄen wir net davon. Komm Alte! S' einzig, was man no hat. . ,!" Sie machte sich schwer und ließ sich fast die Lreppe fytnauf» tragen. Als ich am Abend meinen Freund Johannes traf, grüßte mich gerade.ein drahtiger eleganter junger Mann. Er ging lebhaft, animiert, neben einer großen schlanken Blondine mit gebleichtem Haar riesigem Hut, und von unten bis oben in Astrachan gepackt. Eine dichtbesetzte schreiend helle Trambahn fuhr vorbei. Sonst war's recht dunkel. „ _ „Ach," sagte ich, „den Hätt ich. fast nicht mehr erkannt, sehen Sie, Johannes, auch so was: Offizier gewesen, lieber Kerl, zur Zeit wahrscheinlich nichts, sein Baier war steinreich, hat vor kurzer Zeit ganz enorm verloren, und die Dame — ein bildhübsches Geschöpf, arm wie eine Kirchenmaus, wollte früher mal zur Bühne. Vor Paar Tagen hör ich: Heiraten. Jetzt. Gins das andere. Schneid?" „ „Sehen Sie," sagte Johannes in seiner klugen, stillen Weise, „ich hab so oft darüber nachgedacht: Je mehr die Menschenkinder frösteln, desto inniger suchen sie einander. Wenn sie allein nicht genug zu essen haben, laufen sie und suchen ein anderes, das hungern hilft. Wenn eins versinkt, klammern sie sich aneinander und sie glauben's: wir gehn n i d> t unter. And das Tragische: deshalb stirbt die Tragödie nicht aus. Wir gingen nachdenklich durch die Leutchen, die warm an» einander 'hingen, als könnte sie nichts trennen. Auslandsrätsel. „Auslands'rätsel", das ist der Titel eines hochinteressanten Duch.es mit nordamerikanischen und spanischen Reise» Briefen, das Prof. Dr. Friedr. D e s s a u e r, Direktor des Uni» versitätsinstituts für medizinische Physik in Frankfurt a. M., im Verlag von Jos. Küsel und Friedr. Pustet, Kempten, hat erscheinen lassen. Der Derfasser, der, wie er in der Einleitung sagt, „nicht schreiben will was aefällt, sondern was wahr ist", führt uns mit gewandter Feder besonders in manch: Geheimnisse und Sonderbarkeiten Nordamerikas ein. Wir geben nachstehend einen Reisebrief wieder, der geschäftliches Leben und Trachten fesselnd wiederspiegelt: In Detroit borgte sich ein Ingenieur vor einiger Zeit von zögernden Leuten Geld zusammen, um das Modell zu bauen für ein kleines billiges Volksautvrnobil. Sein Gedanke ist der typisch amerikanische: das ganze Problein auf eine einfachste Formel zu bringen und dieser Formel alles unterzuorduen. Das heißt: ein einziges Automobil zu konstruieren, aber jedem Glied dieser einzigen Konstruktion die höchste Sorgfalt. zuzuwenden, es einfach, gleichmäßig, automatisch Herzustellen, nie abzuändern und dadurch die Kosten der Herstellung auf bas äußerste herabzusehen. Heute steht in Detroit ein Ungeheuer von einer Automobil» fabrik. ®3 spuckt mit seinen Zweigfabriken tagtäglich dreitausend» fünfhundert Automobile in die Welt. Ford, der arme Ingenieur von neulich, gilt in Detroit als der United Staates reichster Mann. Durchi seine Fabrik bin to1 stundenlang gewandert. Dich -hätte vielleicht am meisten erstaunt das Montieren der Wagen auf einem langen Band. Ein Transportband läuft entlang dem Bo» den in einer großen Halle. Zu beiden Seiten stehen Arbeiter mit Geräten und hinter ihnen oder an ihrer Seite Gestelle mit Teilen, die automatisch! nachgeliefert werden. Am Anfang des Da »des wird ein Rühmen aufgelegt. Wir gehen langsam mit und sehen: ein Arbeiter fügt Bern Rahmen ein Stück zu, der nächste, indem er zwei Schritte mitgcht, zieht ein Gewinde sest: auf der anderen Seite geschieht gleiches. Der Rahmen wächst im Gleiten. Kleine Teile werden mit der Hand, andere durch! Hebezeuge daraufgesetzt: jeder Arbeiter faßt immer wieder an der gleichen Stelle an, immer das gleiche Teil, denselben Griff, den er geschickt, richtig und schnell machen kann. Jedes Teil, das kommt, muß natürlich! auf Bruchteile eines Millimeters genau passen — b.h. alle Teile einer Art müssen durchaus gleichmäßig und präzis gearbeitet sein, sonst stockt das Ganze. Jetzt wird der Motor aufgesetzt. Zehn oder fünfzehn Arbeitsplätze weiter ist er fertig verbunden und verfchraubt. Federn, Räder, Zündmagnet, Detriebekasten, Steuerung und Triebwerk — alles wurde auf diese Weise montiert. Zuletzt hebt ein Kran den Wagenaufbau auf die Maschine, er wird festgemacht, Polster, Laternen befestigt: ein Chauffeur springt auf, der Motor läuft an, und der fertige Wagen fährt nnt eigener Kraft vom Ende des Transportbandes in den Fabrilhof, wo die Eisenbahnwagen bereitstehen. So Stück um Stück Hintereinander. Von diesem Band 'fünfhundert im Tag. Im ganzen dvettaufendfünfhunöert täglich, das tft rund eine Million Automobile im Jäh«. Sie sind klein,, einfach tot gut im Material, zuverlässig. Gegen fünf Millionen Ford- Äitomobile laufen oder liefen auf der Erde. Ihr Preis entspricht etwa einem Friedenswerte von 1500 US 2000 Mark Jetzt allerdings, bei einer Valuta von Hundert Mart für den Dollar, würde man 30 000 Mark ausgeben müssen. Wer das ist kein Maßstab, Ford hat ein Volksauto gemacht — eine Idee, eine Formel durchgeführt mit ungeheurer Konsequenz. Denn mit dem Montagewunder ist es nicht getan. Das weit Schwerere ist die Durcharbeitung jedes einzelnen Teiles bis zur letzten Einheit. Eine ganze Fülle neuer Werkzeugmaschinen muhten erst erdacht und erbaut werden; denn alles Fabrikatorische macht Hier die Maschine, der Arbeiter lenkt sie bloh. Es sitzen irgendwo in einem Ring 16 Schrauben. Eine Schraubenziehermaschine — die natürlich nur für dieses einzige Teil in der Welt verwertbar ist — zieht diese Schrauben auf einmal an. Natürlich geht dies nur, wenn alles in Len Mähen genau stimmt, wenn das Material gleichmähtg ist, wenn automatische Kontrollen eingeschaltet sind. Riesige eigene Werkzeugmaschinenfabriken bauen diesem Werke die Gerate. Alles Material wird in eigenen Werkstätten hergestellt, damit es sicher pünktlich gleichmäßig eintrifft. Ford Hat eigenes Eisen und Stahl, seine eigene Fabrik der elektrischen Teile, seine eigene Stellmacherei, eigene Tuchfabrik. Das ist Wirklichkeit! Welcher Weg! Wäre er bei uns zurückzulegen? Gin Mann ohne Geld hat zunächst die Idee eines Volksautos, ein Modell hat er nicht, aber den Glauben, erstens, dah es etwas taugt, zweitens, dah inan Millionen dieser Dinge verkaufen kann und drittens, dah man, wenn sie ein Fünftel eines billigen gewöhnlichen Autos kosten, viel Geld damit verdienen wird. Die Menschen und die Milliarden, die er in den Dienst des Gedankens in einigen Jahren hineinzwang, sind phantastisch Wie gering ist die Aussicht, selbst so etwas durchzusetzen. Gin Punkt konnte scheitern: Die Aufnähmefähigkeit des Marktes, eine konstruktive Klippe; eine fabrikatorische, Versagt irgend etwas, kommt von den tausenden einzelnen Gliedern eines nicht zurecht, nicht gleichmäßig, gibt es Reklamationen entspricht das Ding dem Geschmack nicht, kommt eine neue Erfindung, — alles ist verloren. Bei uns erlebt man, dah eine Idee nach Jahr und Tag doch siegt, nachdem sie ihrem Schöpfer und vielen nachher zum Verhängnis wurde. Der letzte profitiert dann von der Vorarbeit der Pioniere. Hier ist alles Einem gelungen. Run spielt das Auto Hier eine ganz andere Rolle wie Lei uns Es ist ein Volksfahrzeug. Die Waschfrau kommt mit ihrem Ford angefähren und der Arbeiter. In einer dreitägigen Tour durch die Adirondak-Verge sah ich. drei mit Pferden bespannte Wagen — aber- wie viele Lausende von Automobilen ich sah, vermag ich nicht zu sagen. Sie fahren in Prozessionen; am Heuschuppen des Bauern sicht ein kleines Auto, damit fährt er ferne Grzeugirisse zur Stadt. Man hat natürlich keinen Chauffeur; der Arbeiter oder Doktor oder Geschästsmanir fährt zur Arbeitsstätte und läht seinen Wagen, mit einem Sicherheitsschloß gesperrt, außen im Freien auf der Straße stehen Rach der Arbeit oder nach dem Theater steigt man wieder ein. Lleberall in den Städten sieht man Tausende von Autos leer herumstehen. Ratürlich gibt es Autodiebstähle . als Spezialität Dreihundert 2lutvs täglich werden in Reuyork gestohlen Das macht nichts. ®3 gibt da drei- bis vierhundert^ tausend Autos Fährt man tägliche, so hat man Chance, alle drei bis vier Jahre einmal an die Reihe zu kommen. Ratürlich ist das Auto versickert, wird ersetzt, und so mag stimmen, was halb im Scherz erzählt wird vom Automobilisten, der nad). Theater- schluh nach seinem Wagen ausschaut: im ersten Jahr unruhig, ob er. wchl noch da ist, im zweiten Jahr gleichgültig und im dritten unruhig, ob er immer noch da ist. Dah es außer Ford viele andere — natürlich kleinere — Automobitfabriken gibt, bah der Automvbilismus den Straßenbau — Tausende von Meilen zementierte Landstraßen — das Verkehrswesen, die Mischung der Menschen, den Austausch von Stadt und Land beeinflußt, dah er — eine der vier größten Industrien des Landes —, Hunderttausende von Menschen nährt, ist Konsequenz, nicht eine besondere Eigentümlichkeit. Wer daß ein Werk wie Fords Werk in kurzer Zeit nicht nur als phantastische Idee, sondern als Tatsache besteht - ist sehr charakteristisch Man kann hier in kurzer Zeit Dinge verwirklichen die bei uns nicht oder nur in Menschenaltern reifen. Hier Hilft die Weite des Landes mit seinen 110 Millionen Einwohnern. Wir denken — erstens Inlandsmarkt: eng, überfüllt, zweitens Auslandsmarkt: Zoll, Abneigung. Der Amerikanw: kann vom eigenen Lande ausgehend Riesenproduktionen stilkulreren. Lste Weite des Landes, abermals, weil es alles enthalt, alle Roh- materialieii, alle Halbfabrikate, VerkeHrsmittel; dann aber Welte des Landes, weil seine Gesetze, Einrichtungen, Gewohnheiten Helfen, endlich Weite des Landes, weil es die Menschen hat, die das machen Helfen, die Ingenieure, die Kaufleute, die Arbeiter und die interessierte zustimmende Oeffentlichkeit. Der erste, der Ford Geld gab, zehntausend Dollar glaube ich, war der Bürgermeister von Detroit. Die Jugend des Volles ist ein weiterer Helfer: Es läßt sich 'hier mit einem.Schema, einer Formel wett kommen. Bei uns will jeder, mit Verlaub gesagt, gern eine Extrawurst gebraten haben. Hier kauft man das Produkt, wie es ist. Vei uns möchte man es lieber anders haben, so, wie es ist, paßt es sticht; darum wird es teuer und Arbeitskraft wird vertan. Freilich, größere Anpassungsfähigkeit unserer Industrie, die ihr erlaubt, Einzelausgaben besser zu lösen, buchen wir als Gewinn. Ein anderes Mld: Die Dinge auf eine einfache knappe Formel bringen, dieser Formel alles unterordnen, Ausnahmeir, Rücksichten ablehnen: so Aufgebautes hat Wirtschaftsmacht. Warum nur Maschinen? Man kann auch das Töten, das Schlachten der Tiere, ihre Zerlegung in Teile, die Verarbeitung ihres Fleisches, die Verwertung ihres Fettes, Blutes, Felles bis zum letzten Gramm hinter diese Formel organisieren. Es mühte billiges, gesundes Fleisch geben, und es könnte nrenschlich' sein. Durch nüchterne Außenviertel Chicagos fährt das Auto, wo düstere Ziegelbauten, Schornsteine, Dahngeleise, Gestrüpp, aufgewühlter Boden, ärmliche Speisehäuser, Holzhütten, Gerümpel Dich bedrücken. Da 'hältst Du plötzlich den Atem ein, Ekel steigt Dir in die Kehle, daß es Dich würgt. Der Pestgestank der „Stock Bards". Eine dicke, fast greifbare Wolke dieses Drodems von Blut zersetzten Leichenteilen und Abfällen muht Du durchdringen,' muht mitten in sie 'hinein, wo die Fleisch-Packer- Firmen ihr großes grauenhaftes Reich regieren und menschlichen Hunger, tierische stumme Todesangst, Blukhanöwerk, Maschinenbetrieb durch eine Formel verbunden, in Goldstrom wandeln. Kannst Du den namenlosen Ekel überwinden,-öen^ die schwarzen, rohen, fensterarmen Ziegelkästen ausatmen, so tritt ein, man zeigt Dir gerne, wie ein lebendes Tier — eine Kuh, ein Schaf, ein Schwein na<ß dreißig Minuten fein zerlegt, sortiert, etikettiert, geprüft in Kühlhallen liegt und anfängt zu erstarren. Den Geruch und den Geschmack bekommst Du tagelang nicht los. lieber ein Dach schreitend sichst Da einen großen Schweinepferch Hunderte große Schweine sind drin, Hunderte Opfer bringt täglich der Zug dicht heran. Sie stehen drin, traurig, sie riechen das Blut Gin paar werben durch ein Loch in einen Verschlag gestoßen; da ist ein großes Rad mit Ketten oben an der Wand. Die Tiere stehen dicht gedrängt, den Kopf am Boden, lautlos. Gin 'halbnackter Rigger packt eines, fesselt die Hinterbeine, hängt ein, das Aad reiht das aufschreiende, zuckende Tier kopfabwärts in die Höhe, an der Kette läuft es weiter, einem zweiten Rigger entgegen Der sticht ein kurzes scharfes Messer ein und reiht die Schlagader auf Gin Dlutstrom, Zucken, aber die Kette 'Ejat es schon einen Meter weitergeschleppt, das nächste Sier empfängt seinen Stich; eines nach dem andern, so schnell die Menschen arbeiten, die Kette transportiert. Und nun ist es unterwegs, noch zuckend 'wird es in kochendem Wasser gebrüht, dann von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz geführt, jeder Arbeiter macht seinen Schnitt. Eine halbe Stunde später; ist nur noch Ware in.riesigen Eiskellern. Die Kühe stehen sanft und traurig im Eisenbahnzug in der düsteren Halle Sie wissen, was bevorstsht. Sie drängen sich zusammen, denn selbst den Tod erschwert die Einsamkeit den Geschöpfen. Jetzt werden durch. Stöße zwei Tiere in den offenen vordersten Wagen gedrängt. Sie drängen sich in eine Ecke Eine Hand streckt sich lockend über der Seitenwand herein — doch das Tier wendet sich ab 'hier sind nur feindliche Menschen. Aber im nächsten Augenblick, das Tier 'hat seinen Kopf bewegt, wuchtet diese Menschenhand oben voq der Seitenwand des Wagens her einen langstieligen Hammer dumpf auf die flache Stirn des Rindes. Es stürzt das andere schaut erschreckt auf, da trifft der Hammer seine Stirn Zuckend liegen 'beide am Boden, da klappt bie andere Seitenwand um, sie fallen zappelnd Heraus auf den mit Blut und Schleim bedeckten Boden. Dort fesselt ein Kerl die Hinterfüße eine Transportkette reißt sie kopfabwärts empor und fahrt sie zum bereitstckhenden Schlächter. Mit bewußter virtuosenhaster Lässigkeit — er sieht die Zuschauer auf der Galerie — sticht der riesige nackte Kerl mit seinem kleinen Messer zuerst die Haut des Halses, dann mit einem zweiten knappen Stich, reiht er die Schlagader und wendet sich gelassen ab, ganz knapp so dah der dicke Blutstoh ihn nicht überschüttet, den der nächste Herzschlag aus den Boden schleudert. Dort läuft das Blut, in Rinnen gesammelt, weiter, denn dies ist oberstes Gesetz: Kein Tropfen, kern Leichen- fehen darf verloren gehen. Du kannst stundenlang staunend seihen, wie das gemacht wird. Wenn es nicht Beefsteak oder Düchsenfleisch wird, so wird es mindestens Seife. Schließlich zu Geld wird alles, auf eine vortrefflich rationelle, bis aufs Tüpfelchen fein ausgedachte Art. Niemand kann billiger, massenHafter, praktischer Fleisch packen als diese Fords des Schlachtens. Etwas weniger qualvoll für die Opfer könnte es fein, den Blutgeruch, das TodesaHnen könnte man ihnen sparen. Das würde etwas kosten, aber man würde es trotzdem sofort gerne tun, wenn das Fleisch besser würde, wenn man das beweisen könnte oder wenigstens dem Käufer suggerieren könnte, so daß et etwas mehr zahlte. Denn wir Men- K— alle, — sind so gerne, so Herzlich gerne anständig, — — in sich etwas Geld damit verdienen läßt. — 160 — Die Entwicklung der deutschen Lustschiffahrt. Don Dr. M. Blaschk« (Gharlottenburg). Wvr dem Kriege hatten unsere starren SuftfcWfe einen Rauminhalt von etwa 19 000 bis 22 500 Kubikmeter, bei einer Geschwindigkeit von zirka 20 Mtr./Sek. einer Archlast vvn etwa 33 Prvz. des Austriebes und 3 Motoren zu 210 P. 8 Da» aber nahm die Leistungsfähigkeit der Schiffs zu und damit auch ihre Dimensionen. Die deutschen Luftschifstypen wurden weiter aus- gebaut von den Zeppelin-Werken in Friedrichshafen, von Schutte- Lanz, Mannheim, und der Luftfahrzeuggesellschaft dr DUterfeld. Die Zeppelin-Luftschiffe hatten anfänglich in L. 3 eine Länge von 158 Meter, die in dem projektierten ö. 100 äu 238 Meter anwuchs Ihr Durchmesser stieg von 18 Meter auf 29,5 ulleter, ihr Gasinhalt von 22 500 auf 108000 Kubikmeter und ihre Nutzlast von 33 auf 65 Proz. des Gesamtauftriebes. Anfänglich mit 3 Motoren ä 210 P. 8.-Leistung ausgerüstet, erhielten sie schließlich. in den projektierten L. 100 schon 10 Motoren ä 260 P. S so dast ihre gesamte Maschinenstärke von 630 P. S. auf 2600 P S. gesteigert wurde Darauf wuchs natürlich' auch ihre Geschwindig- feit (von 75,5 auf 133 Km./St.). So legte 9.71 in ununter- brochrner 96stündiger Fahrt eine Strecke von ca. 7000 Km. zuruck und' hatte mit voller Nutzlast noch 18 000 Km. schaffen fernen. Die Schütte-Lanz-Lustschiffe hatten erst 144, dann 198 Meter Länge und einen Durchmesser von 18—23 Meter. Ihr Gasinhalt schwankte zwischen 25—56 000 Kubikmeter, ihre Nutzlast zwischen 8—35 000 Kg. Wit 4—5 Motoren von 180—240 P. 8-Leistung, erreichten sie sine Geschwindigkeit von 88—103 Km./St. <>Hr starres Gerüst war aus Holzträgern konstruiert, das der Zeppelm- Luftschisfe bestand bekanntlich aus Duraluminium. Die neuefien Projekte von Schütte-Lanz benutzen denn and), die Metallkonstruktion des Gerippes, die dem Holz überlegen ist. In neuerer Zeit projektiert auch die Luftfährzeug-Gesell- schaft Bitterfeld starre Luftschiffe mit Gerippen aus Aluminium- rohren. Das grobe Pralluftschisf P. 9.27 mit einem ©a8ge5-alt von 32 000 Kubikmeter bei 157 Meter Länge und 18 Meter Durchmesser weist eine Nutzlast von 56 Prvz. des gesamten Austriebes auf, wodurch es den groben starren Schiffen gleich wäre. In der Folge baute dann die Zeppelin-Werft das Derkehrs- luftschiss „Bodensee" mit 22 500 Kubikmeter für den täglichen Berkdyr Friedrichshafen—Berlin. Gs ist 130 Meter lang und trägt eine normale Nutzlast von 11500 Kg„ d. h. 44 Proz. des gesamten Normalauftriebes. Mit seiner Gesamtmaschinenstärke von 1040 P. 8. erreicht es eine Stundengeschwindigkeit von 130 Km. Bon seinen 4 Motoren treibt je einer eine Luftschraube in den zwei seitlich angckhangten Backbord- und Steuerbordmaschinen- gvndeln, zwei zusammen eine Luftschraube in der Hinteren Maschinengondel. Die Passagierkabine ist vorn und unmittelbar mit der Führergondel verbunden, enthält 30 Sitzplätze, eine Küche und bequeme Nebenräume für die Reisenden. Die Strecke Friedrichshafen—Berlin wurde je nach, der Wetterlage in 5—6 Stunden zurückgelegt, also eine Durchschnittsgeschwinbigkeit von ca. 100 Km. erreicht. Die Form der „Bodensee" war vom Luftschiffbau Zeppelin- Friedrichhafen berechnet worden und nach den Nachprüfungen in der Göttinger Agodynamischrn Versuchsanstalt die zweckmäßigste Form. Die Göttinger Bersuchr haben nämlich, ergeben, daß eine schlankverlaufende Zuspitzung des 'Hinteren Endes des Schiffskörpers viel wichtiger ist als am vorderen. Ein stumpf verlaufendes Heck erzeugt hinter sich geradezu eine Schleppe von Luftwirbeln und diese wieder durch ihre Wirkung einen beträchtlichen Widerstand. Die Kopfform oder der Bug des Schiffes kann stumpf abgerundet werden, ein Teil des Mittelschiffes zwecks Ausnutzung für die Gasfüllung zylindrische Form erhalten, doch sind die eleganteren Formen vhne zylindrisches Mittelstück günstiger^ denn so vermag die Luft während der Fahrt ruhiger ab- zufließen. Immer kommt für einen Luftschisfkörpsr eine lange, schlanke Form in Betracht, damit der Luftwiderstand möglichst klein wird, doch darf diese nicht zu schlank sein, da ja sonst die Oberflächs des Körpers im Verhältnis zum Rauminhalt zu groß und schwer wird. Daher zeigen neuere Luftschiffs ein Verhältnis des größten Durchmessers zur Länge von etwa 1:8 bis 1:9. So sind auf Grund der Göttinger Versuche bestimmte Formeln für die Luft- schifformen entstanden, die bei ihrer Konstruktion innegehalten werden. Wann beginnt der Vogelzug? Man sollte meinen, die Vögel dächten erst dann daran, aus unseren Landen fortzuziehen, wenn Temperaturrückgang und Nahrungssorgen sie dazu zwingen. Daß dem aber nicht so ist, daß viele Vogelarten schon mitten im Hochsommer unser Land verlassen, um in die Fremde zu ziehen, das zeigt Oberstleutnant Friedrich von L u k a n u s in seinem lesenswerten Buche „Die Rätsel des Vogelzugs" (1922, Verlag Hermann Beyer u. Söhne, Langensalza, S. 226). Schon in den letzten Wochen des 3uH z. B. tritt der Mauersegler feine Reis« nach Afrika an. Kuckuck, Wiedehopf, Pirol und Gartensänger folgern ihm frühzeitig tat August. In der zweiten Hälfte des August ist der BvgÄzua schon tat vollen Gange. Die meisten unserer Singvögel, ferner Ziegenmelker, Blaurake und der weihe Storch beginnen die Reise nach dem Süden. AuS dieser Tatsache geht Kar hervor, daß es primär nicht Nahrungsmangel ist, welcher den Vogel veranlaßt, aus der Heimat fortzuziehen, sondern, daß ein Instinkt den Trieb zur Wanderung in ihm auslöst. Auch über die Wanderung selbst macht v. Lukanus belangreiche Angaben. Die Zugvögel legen ihre Reisen am Tage und in der Nacht zurück. Die Tagwanderer benutzen hauptsächlich die Morgen- and Vormittagsstunden, während von Mittag an der Zug abflaut. Ausgesprochene Tagwanderer sind die Tagraubvögel sowie alle Raben utti> Storche. Im Vergleich zu den Tagwandererit ist die Zahl der Vögel, die in der Nacht ziehen, sehr groß. Zu ihnen gehören alle insektenfressenden Singvögel, sowie Finken und Turteltauben. Schnepfen, Kiebitze, Kraniche, Reiher, Gänse, Enten, Wachteln, und Wiedehopf. Einige insektenfressende Singvögel, wie z. B. das Rotkehlchen, ziehen gewöhnlich einzeln. Andere Vögel, wie Stare, Drossel, Lerchen, Finken, Ammern, Krähen, Wachteln, Schwalben ziehen gesellig. Auch die Schnelligkeit, mit der die Vögel ziehen, ist ganz verschieden. Hier schlagen die Stare den Rekord, sie brausen mit einer Schnelligkeit über den Beobachter dahin, daß die Augen kaum mehr zu folgen vermögen. Heber den Verlauf des Vogelzugs hat uns bekanntlich vornehmlich die Vogelberingung wertvolle Kenntnisse verschafft. Auch hierüber erzählt das Buch von F. v. Lukanus interessante Einzelheiten. Der herbstliche Laubfall. Der natürliche Laubfall im Herbst vollzieht sich bei den einzelnen Daumsorten sehr verschieden. Bei manchen Bäumen, so den Buchen und Eschen, beginnt er an den obersten Zweigen, bei den Weiden, Linden und Pappeln dagegen umgekehrt, unten, so daß also die oberen Zweige länger belaubt bleiben. Gewisse Bäume, wie z. B. der Gmgkvbaum, verlieren ihr Laub alljährlich innerhalb weniger Tage, während die Eichen und Hambuchen ihre Blätter so langsam abwerfen, daß ein Teil &eä Laubes, obgleich es längst abgestorben ist, den ganzen Winter über am Daum bleibt. Am schnellsten lösen sich die Blätter nach plötzlichem Frost, wobei sie stets mehr oder weniger grün bleiben, so daß man die vom Frost getöteten Blätter daran am sichersten erkennt. Ein Forscher machte nach der Schweizerischen Zeitschrift für Naturwissenschaften „Natur und Technik' die Beobachtung, daß nach einem Nachtfrost ein Bergahorn im Verlauf einer halben Stunde 16 518 Blätter verlor, was einem Fall von 9 Blättern in der Sekunde entsprach. Eine Roßkastanie büßte in der gleichen Zeit 6256 Blätter ein, das sind ungefähr 5 Blätter in der Sekunde. Der natürliche, d. h. der durch allgemeine Entkräftung hervorgerufene Laubfall erfolgt wesentlich langsamer. Deutsches Gebet. Von Martin Gr ei f*). Herr, der Abend macht uns bange. Der allmählich uns beschleicht, Deine Stimme schweigt schon lange Und die Schmach 'hat uns erreicht, Krieg und Zwietracht allerwege Hat uns tief in Not gebracht, Daß der Sturm sich endlich lege, Liegt allein in deiner Macht. Laß die Schmach' nicht ewig dauern, Wir verzagen mehr und mehr, Daß wir nicht in Nacht vertrauern. Einen Helden schick' uns her. Send' ihn aus als Friedensboten, Seiner Ankunft harrt die Welt, Mitten unter die Bedrohten Stelle sein gefürchtet Zelt. Salb' ihm gnädig Haupt und Hände, Brust und Arm ihm wappne da. Daß er herrlich es vollende. Leih ihm deine Macht dazu! Wirke Du durch seine Werke, Du in Deiner Glorie Licht. Gib ihm Du der Engel Stärke, Daß er alle Fesseln bricht! •) Qta8 „Gedichte in Aus Wahl von Martin Greif". ®. F. Amelangs Verlag, Leipzig. Die schlichte, aber flüssig« und klangvolle Form der Greifschen Gedichte spricht auch aas dieser kleinen Auswahl, für die Friede. Grlemneher «in kurzes > Nachwort geschrieben 'Hat. I 1 1 1 ! 1 1 ! 1 1 X \ - I 1 i Schriftleitung: August Goetz. — Druck und Verlag der Drübl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.