Samstag, 7. Januar <4fcK w g ■ zeichnet sei wie es selber, und das) sie in einem hohlen Nuhbaum an einem Lotusweiher tvvhne: aber das schien gar nicht nötig zu sein. Denn alle Affen zeigten sofort in derselben Richtung und schrien aus Leibeskräften: „Immer gradausl" „Offenbar kennen sie die Alte sehr gut, und diese hat ihnen schon vor mir erzählt — höchstwahrscheinlich, das) sie meinen Besuch erwartet. Das trifft sich in der Tat sehr glücklich." Aach einiger Zeit fand jedoch das Eichhörnchen, dah cs sich wieder verirrt haben müsse, sonst würde es bei seinem schnellen Laufe schon angekommen sein. Aber weit und breit war nichts von einem Aust bäum zu sehen noch zu riechen. Während es nun das ast und sich überlegte, wohin es sich wenden solle, vernahm es das Hämmern eineö Spechtes. „Ach", dachte es, „das ist gewiss der Detter meines lieben Freundes, von dem er mir so oft erzählt hat. Spechte lieben hohle Bäume, vielleicht kennt er meine Gros)mutter und kann mir den Weg weisen." Sndem es auf den Laut zulief, kam es bald zu dem Baume, wo der Specht sah und eifrig auf einen dürren Ast lospickte. Sobald nun der fleissige Arbeiter sich eine kleine Erholungspause gönnte,, rief das Eichbörnchen; „Heda, Specht! Bist du nicht der Detter des weisen Spechtes, Verso viel Sprichwörter weist und zusammen mit einen, jungen Eichhörnchen auf einem grvsten Fichtenbaume wohnt, nicht übermässig iveit von hier?" „O ja, der bin ich. And du bist wohl also das junge Eichhörnchen? Es freut nrich, dich kennen zu lernen." „Ganz gegenseitig! Da hab! ich viel schöne Grütze zu überbringen, und der Detter meinte, du würdest mir behilflich sein, falls ich mich verirren sollte, was nämlich schon geschehen ist, während ich unterwegs zu meiner Grvtzmutter bin. Dielleicht hast du aber bei deinen Besuchen hohler Bäume sie in einem schönen, grossen Dustbaum kennen gelernt." „Das wäre wohl möglich. Du mutzt mir aber noch näheres sagen. Steht der Dustbaum etwa ganz in der Dähe eines Weihers mit blauen Lvtusrosen?" „Das ist der Baum! O zeige mir den Weg. Ist es noch weit dahin?" „Gar nicht. Du mutzt in dieser Richtung gehen und aufpassen, das), wenn du den Schwanz gerade über den Rücken hältst der Schatten ein wenig rechts von dir fällt. Bald konimst du dann zu einem großen hundertstänrmigen Nyagrvdhabaum. Don dessen Hauptstamm aus nimmst du den Ast, der sieben Luftwurzeln hat — zähle sie genau — und wenn du auf dessen äutzeriwn Zweig hinauskvmmst, wirst du mit deinem feinen Schnäuzchen gewiß schon den Geruch der Nutzblätter wittern können.' . Das Eichhörnchen bedankte sich schönstens und eilte weiter. Es fand alles genau wie der Specht ihm gesagt hatte und erreichte den Nutzbaum. Der Lotusweiher kam ihm etwas kleiner vor, — „wahrscheinlich, weil ich selber unterdessen größer geworden bin", dachte es: dafür schien die Höhle des Baumes eher größer geworden zu sein. Aus dieser stürzte alsbald ein starkes schwarzes Eichhörnchen hervor: ein alteS Weibchen mit großen gelben Zähnen faucht« es wütend an*. Vom Eichhörnchen, das feine Großmutter besuchen wollte. Eine Fabel von Karl Gjellerup *). Mitten in einem großen Walde wohnten einmal, in einer alten Fichte, ein Eichhörnchen und ein Specht. Die Fichtenäpfel boten dem Eichhörnchen reichlich- Nahrung, und in den dürren Aesten des Baumes fand der Specht Würmer genug. Sv konnten sie sich Mgenseitig nie ins Gehege kommen, und das ist die sicherste Grundlage einer Freundschaft. Sn der Tat brachten die beiden, das Eichhörnchen und der Specht, in der prächtigen alten Fichte wohnend, die Zeit in mannigfacher trefflicher Anterhaltung hin und tevien glücklich, indem sie einander durch weise Sprüche gegenseitig aufmunterten und belehrten. Eines Tages, als das Eichhörnchen hoch oben im Wipfel saß, rief es dem Spechte zu, der fleißig auf einen dürren Aststumps loshämmerte: „Lieber Freund! Sch gedenke jetzt eine Fahrt anzutreten, um meine Großmutter im hohlen Nußbaum am Teich der blauen Lr.usblume zu besuchen." „Das ist wohlbedacht," antwortete der Specht, „Venn es tft tnge her, dah du nicht bei ihr warst. And es heißt: .Man soll -xiü Gras nicht auf dem W-ege wachsen lassen, der zum Freunde führt, wie viel weniger auf dem zu den nächsten Verwandten." Schon wollte er weitere weise Spruch? folgen lassen, von denen er einen großen Reichtum besaß, als ein Rascheln der Zweige ihn veranlaßte, aufzublicken — gerade rechtzeitig genug, um das Eichhörnchen verschwinden zu sehen. Der Specht schüttelte bedenklich den Kopf: „So eilig! Sch hätte ihm doch einen Gruß an meinen Vetter mitgegeben, dem es wohl jetzt unterwegs begegnen wird. Hat c8 doch sonst immer den Wurzelweg genommen, wenn es seine Großmutter besuchen wollte. Ganz ohne Aeberlegung, weil er zufällig gerade oben im Wipfel sah, hat nun mein Freund den Zweigeweg genommen, und es sollte mich nicht wundern wenn er sich dort verirrte und gar nicht das Ziel erreichte." ' Einem Eichhörnchen im Arwalde, das sich irgendwohin auf die Reise begibt, stehen nämlich zwei Wege offen: der Wurzelweg und der Zweigeweg. _. ,®n der Tat dauerte es ganz richtig-nicht lange, bevor das Eichhörnchen bei seinem ungestümen Lauf durch die Wipsel von seiner Richtung abgekvmmen war, denn häufige Oeffnungen zwi- Mru den Kronen hatten es mehrmals zu Amwegen genötigt. Als es sich nun umsah und sich gestehen mußte, nicht mehr zu wissen, wo es war, bemerkte es im nächsten Baume eine ganze Schar von Affen. „Diese Affen", dachte eS, „streifen weit umher in den Baum- kronen und sind neugierig und schwatzhaft. Vielleicht wissen sie den Weg zu meiner Großmutter." - '-Ehrwtirdige Vierhänder," rief es, „kann niemand von euch Mir den Weg zu meiner Großmutter zeigen?" Es wollte ausführlicher darlegen, daß die Alte ebenso ge° *) Gjellerups elhsisches Fabelbuch „Das heiligste Tier" ist soeben im 6.-8 Tausend erschienen. (Verlag von Quelle & Meher. ?^.A^bleinenband 32 Mk.). Mit Genehmigung der Derlaas- ouchhandlung entnehmen wir obige köstliche Szene. 2 „Was, du Räuber! Kommst du her, uin mir meinen sauer erworbenen Vorrat an Rüssen auszuplündern? Ra, ich werde dir's beibringen." Lind bevor das junge Eichhörnchen ein Wort vorführen konnte, hatte die Alte es gepackt, ohrfeigte, bist und knuffte es, bis es ganz betäubt vom Aste herabstürzte. Glücklicherweise sing eine junge Tanne es mit einem weichen Radelkissen auf; und als es sich von seinem Schrecken erholt Hatte, fühlte es sich imstande, seinen cklieg fvrtsetzen zu können. Aber in welcher Richtung sollte es denn jetzt seine Großmutter suchen? , Es wählte nunmehr einen Weg über die unteren Zweige, von wo aus es den Boden im Auge behalten konnte, ob irgendein Merkmal es auf den richtigen Weg führen sollte. Aber vergebens I Wie eS nun da auf einem der alleruntersten Zweige sah und dachte, dah es jetzt weder aus noch ein wühte, bemerkte es unten sich in einem Blumenhaufen, wo gerade ein Sonnenfleck spielte, eine Schlange, von der nur ein kleines Stückchen der glänzenden Schuppen und das Auge, das wie ein Rubin glühte, sichtbar war. „Das scheint wir eine der kleinen guten Schlangen zu sein, die mir von Insekten leben und selbst uns kleinen Waldtieren nichts Böses tun," dachte das Eichhörnchen. „Diese Schlangen sind aber sehr welterfahren und vielleicht könnte diese mir einen guten Rat geben." Es rief also hinunter: „Heda! Schlange!" Die Spitze der schuppigen Schnauze zeigte sich zwischen den Blumen und spielte mit der gespaltenen Zunge. Dabei lieh es eine leise, gar liebliche Stimme vernehmen: „Hier bin ich, liebes Eichhörnchen! Du sitzest so verloren mit einer ratlosen Miene da. Kann ich dir aus irgendeine Weise dienlich sein?" „Ich habe mich nicht getäuscht", dachte das Eichhörnchen, „es ist ganz richtig «eine der guten schlangen!" „Ach ja. liebe Schlange, wenn du nur meine Großmutter kenntest!“ seufzte es. »Das ist sehr wohl möglich, denn ich kenne viele ehrwürdige alte.Eichhörnchenweibchen. Sieht sie dir ähnlich, mein Kind?" „Genau. -Und sie wohnt in einem hohlen Ruhbaum, der an einem Weiher mit blauen Lotusblumen steht." „Das könnte wohl stimmen, mein Kind. Aber es gibt gar viele hohle. Rustbäume und auch viele Lvtusweiher. Da muht mir den Weg dahin genau beschreiben, damit ich weih ob sie es wirklich sei." Diese böse Schlange gedachte nämlich nicht nur das junge Eichhörnchen, sondern auch die Alte zu verspeisen. Bei diesem Gedanken zuckte ihr ganzer Körper vor Wonne- gier, so das; der Schwanz sich unversehens aus den Blumen ---------------------- ------------------------------s—----- , . Das Eichhörnchen sah das und wurde starr vor Schrecken. „Ach, wie hab' ich mich da geirrt! Das ist ja eine von den groben schwarzen Schlangen, die uns Eichhörnchen mit Vorliebe fressen. -Und hab' ich nicht schon zuviel gesagt, dah dies listige Wesen jedenfalls die Stelle herausfindet und ich so durch meine Unbesonnenheit meine arme Grvhmutter ins Verderben stürm! Was soll ich nur jetzt tun?" Da fiel ihm das alte böse schwarze Eichhörnchen ein dem es ohnehin einem Denkzettel schuldig war. Also beschrieb eS den Weg 'gu seinem Reste, den es sich wohl gemerkt hatte ganz genau und umständlich, „Ja das scheint allerdings die Richtige zu sein, liebes Kind," lispelte die Schlange. „Aber es ist nicht so leicht, sich nach der Beschreibung eine klare Vorstellung zu machen. Komme lieber ju mir herunter und zeige mir den Weg, dann werde ich bald wissen, wie wir daran sind." »2lch> wie gern täte ich das, gute Schlange." antwortete das ■ Erchhorncheii. „Aber ich habe als eine Pönitenz einer Gottheit öng Geluode abgelegt, auf meinen Streifzügen nie den Wurzel- a>eg, sondern immer nur den Zweigeweg zu benutzen." Da dachte die Schlange: »Das Eichhörnchen hat mich plötzlich entdeckt. Ich must wohl vorher eine unvorsichtige Bewegung gemacht haben. Das Sier* 5?" ^gt den Weg viel schneller zurück als ich. Infolgedessen wrri) e6 ptneJen und seine Großmutter warnen, t>o' ich- das 'vcfl erreüHen tann, und so würde id> beider t^erluftig cpben wenn ich diesem jungen Dummkopf nicht etwas aufschcvatze." ' Sie richtet sich dann in ihrer ganzen Höhe auf und fauchte: ”/J|‘ ck*lch nicht nötig. Es ist ja deine Großmutter. Sollte ich dre nicht kennen? Habe ich sie doch heute früh verspeist" »Was, du Ungeheuer!" schrie das Eichhörnchen, am ganzen Körper zitternd. „Du hast meine gute Großmutter gefressen?" „freilich hab' ich das. Sine schwatzhafte Alte. Sie hat mir vvn, dir und deiner Wohnung erzählt. Ich komme bald und freue dich!" Dabei sperrte sie den Rachen völlig auf. Beinahe hätte sie ihre Absicht erreicht, das Tierchen so mit Schrecken zu lähmen, daß es vom Zweige herunter ihr in den offenen Schlund gefallen wäre. Aber das Eichhörnchen hatte mit feinem Schwänze den Zweig so fest umschlungen, daß es ihm trotz allen Schwindels gelang, sich oben zu halten, da sein Wert'rest noch nicht abgelaufen war. So sah es denn zu seiner großen Beruhigung die böse schwarze Schlange öavonkriechen. Das Eichhörnchen war aber so verwirrt und sein Denkver- mögen so betäubt, daß es ihm gar nicht einfiel, es habe ja der Schlange den 'Weg zu dem anderen hohlen Rutzbaum mit dem Reste des schwarzen Eichhörnchens beschrieben; was offenbar mit der Erklärung der Schlange nicht Übereinstimme. Es beweinte nur den Tod der guten Akten. Dabei fiel ihm Freund Specht ein. Dieser würde bei feiner eifrigen und lärmenden Beschäftigung gar nicht merken, daß die Schlange herangekrochen käme und ihr so als leichte Beute zufallen. Es war also ganz notwendig, schleunigst zurückzukehren, um den Freund zu warmen. Roch gaiiz außer Atein, erzählte es dem Spechte seine Erlebnisse. „Du hast ganz recht", sagte dieser. „In solchem Falle ist hier unseres Verbleibens nicht." Run will ich dir a6er etwas sagen, Freund. Jene Schlaiige hat zwar deine Großmutter aufgefressen, nicht aber ihren Vorrat von Rüssen und anderen guten Sachen, denn daraus machen diese grimmen Biester sich nichts. Der liegt nun als ein ganzes Erbe für dich bereit. Wir wollen nicht zögern, dasselbe für dich in Besitz zu nehmen, denn man sagt ja: ,Wer für die Rächt auf hebt, hebt für den Dieb auf". Auch sehe ich süicht ein, warum du die hübsche Wohnung der Verblichenen nicht selber beziehen solltest, da sie doch mit Recht die deine ist. Ich werde mich gewiß auch dort im Rußbaum ansiedeln können. Zwar bin ich an Fichten gewöhnt, aber mein Detter lobt die Rußbäume sehr, zumal die hohlen. Also gehen wir." Das Eichhörrrchen war damit vollkommen einverstanden. Da es den Wurzelweg an dem Ameisenhaufen vorüber bis zur Großmutter genau kannte, und der Specht von Baum zu ‘Saum mitsolgte, erreichten sie bald und ohne Abenteuer den hohlen Rußbaum am Weiher der blauen Lotusrosen. Bor der Höhle saß aber die Großmutter und knackte Russe. Sobald sie den Enkel geivahr wurde, eilte sie aus ihn zu : „Liebes Kind! so kommst du denn endlich deine alte Großmutter zu besuchen!" And sie umarmte das junge Eichhörnchen zärtlich. „Garuda sei gepriesen! So bist du durch seine Hilfe doch der bösen Schlange entschlüpft?" „Ich weiß Von keiner Schlange." „Eine große, schwarze Schlange — sie sagte, sie habe dich Iwiite 1 Litt) uefrmfcn. Unö Du hast ihr auch *ntd>t von mir und meinem Aufenthalt erzählt?" »Ach werde mich wohl mit solchem bösen Wesen unterhalten und ihm von dir, mein Herzkind, erzählen! Aber komm nur und sieh die schönen Rüsse, die ich gesammelt habe. And auch dein Freund Specht sei mir herzlich willkommen; es sind wurmstichige . darunter, die ihm besonderes munden werden!" Als sie sich nun gütlich getan und freundliche Worte mit der Alten gewechselt hatten, begaben sich die beiden Freunde nach ihrer Heimstätte zurück. Dort brachten nun die beiden, Eichhörnchen und Specht, im Schatten der Fichte weilend, in mannigfacher, trefflicher Anterhaltung ihre Zeit hin und lebten glücklich Seinem Vorrat an weisen Sprüchen fügte aber der Specht von jetzt an diesen hinzu: i „Wer eine Fahrt Hals über Kopf antritt, ohne sich zuerst den Weg zu überlegen, der wird hin und her und kreuz und quer gewiesen, wie das Eichhörnchen, das seine Großmutter besuchen wollte." Wie Jesus Bsn Nazareth der deutsche Heiland Wurdet. Sie Helicmdsburgerr. Sn Worms, in Speyer, in Mainz und in Köln stand ihre Sterngewalt auf aus dem mannhaften Glauben der Zeit, den Lindwürmern gleich der salischen Sagen mit schuppigem Rücken und kräftig umgürtet im steinernen Knochengerüst. „. Keine Tempel der Griechen mit marmornen Säulen und keine römischen Hallen, Deihlchemsburgen des Heliand und Waltungs- ftatten der Wiederkunft, Trutzburgen tapferer Hoffnung aus kläg- ucher Knechtschaft und Sicherheit starker Vergeltung. Artief glühten die Augen der kreisrunden Fenster, und wehr- ha,t hielten die Pfeiler der kommenden Macht das Gewölbe, steinern umgürtet und mit Knäufen von Weltfchwertern geschmückt. ) Ans einem kleinen Büchlein „W eihnachtsgeiste r", einer Reuerscheinung des Verlages Eugen S a l z e r in Heilbronn. 3 Wohl hüteten jieinerne Sch-ranken den Chor und das Schauspiel der Messe: aber einmal kamen eiserne Schritte, in den Himmel wuchsen die Hallen mit den fünfhundertvierzig Türen Walhals: vorbei war die Knechtschaft der Kühnen, vorbei das Genäsel lateinischer Priester. Wie draußen der Rhein floß durch Tage und Rächte, als ob es Pulsschläge der Ewigkeit wären, wie die Wolken wanderten über die höchste Erhebung, wie die Stürme brausten in den schwärzesten Rächten, wie die Träume der alten Zeit gingen von Wodan und Thor, den hallenden Machfahren Zins, tote Segifried, Dietrich von Bern, Hildebrand und der grimmige Hagen: so hielt die wehrhafte Haltung romanischer Dome Wacht Über das Land für Heliands Wiederkunft. Dis deutsche Bibel. Sie taten deut Mönch ein Junkerkleid an mit Sporen, Gürtel und Schwert, indessen sein Rollwagen leer aus dem bangen Geheimnis des Thüringertoaldes nach Wittenberg kam. Auf der Wartburg sah Luther in gütiger Haft, Feinden wie Freunden verborgen — und die Raben flogen vergebens, — den Deutschen die Bibel zu schenken. Da wurde dein Baunt der römischen Kirchenverderbnis die Axt an die Wurzel gelegt: wohl blühte die Heilige Schrift von Demut und Güte und von der barmherzigen Liebe, aber kein Schaumgold der dreifachen Krone lag auf den Zweigen, nicht Klöster und Mönche gab es darin, nicht Äblah und Fegefeuer, nicht Seelenmessen und Dann, Kreuzzüge und Ketzerverbrennung. Auch hatten scholastische Mönche noch nicht den Irrgarten verklügelter Deutung um den Daum des Lebens gezirkelt mit künstlich verschorenen Hecken und listig verriegelten Türen. Roch war das Reich Gottes inwendig und nicht im Ornat gottesstaatlicher ©roßen: Gott kam ins Kämmerlein gläubiger Einfalt, statt in den Schatzkammern prunkender Dome als ewiges Irrlicht zu wohnen,' und im Gewissen allein quoll der Drunn- quell göttlicher Gnade. Da war der Heiland der Sohn einer Magd, im Stall und in Armut geboren; er suchte auf Märkten und Straßen des Landes das Volk, statt in den Raumen der Reichen zu wohnen. Da war das Wort noch die Saat, in gläubige Seelen gesät, und die Lehre kein Priestergeheimnis, im Weihrauch rauschender Messen zum geistlichen Schauspiel gemacht. Da war Gott noch ein Geist, wohnend im reinen Gewissen, und wer ihn anrief in Wahrheit, den machte er selig und stark in der Seele, aus der leibhaftigen Notdurft den Weg der Allmacht zu finden. Da kam die Seele zu Gott wie ein Kind, dem Vater vertrauend in lächelnder Liebe, und sprach in einfachen Worten mit ihm wie die Jünger zu Jesus, und glaubte das Gleichnis der Gnade und bewegte den Sinn gleich Maria im feinen, gläubigen Herzen. So staub buä *2Bout in bet Schrift lind war in den Sara der lateinischen Sprache gelegt; der Junker Jörg auf der Wartburg zerbrach den gläsernen Deckel, er weckte den Scheintoten auf und hieß ihn wandeln im Tag der deutschen Beseelung. So wurde der Heiland geboren, wo der Heliand starb; kein Königssohn mehr mit Recken und Degen: der Mühseligen Freund und der Beladenen Tröster, lächelnd von Liebe und Weisheit, urvertraut im.Klang und Sinn der eigenen Sprache. So kam im deutschen Gewissen die christliche Freiheit zur Welt, gottselig eins im Trachten und Tun, im Denken und Dichten des ewigen Daseins, und tapfer im irdischen Tagwerk. Die dreifache Krone prahlte im Glanz des Augustus; die Humanisten holten den Hades herauf; der Zimmermannssohn ging ein in die Häuser und Hütten, die Heimat der Seelen zu künden: Jesus von Nazareth wurde im deutschen Gewissen der Heiland der Welt. 2lus einem ZchisfsLsgebMch. Ohne Schreibwerk gehl's nun mal nicht in Deutschland, auch bei der „christlichen Seefahrt" nicht, und so legt Las Gesetz dem Kapitän eines deutschen Seeschiffes die Verpflichtung auf, den Verlauf seiner Seereise in einem besonderen Buch, dem Schiffstagebuch oder „Journal", niederzuschreiben. Diel Worte pflegen die Seebären nicht dabei zu machen, — oft beschränken sie sich auf den Telegrammstil — aber eindringlicher als mancher Seerornan führt uns ein Schiffstagebuch im lapidaren Stil die Rauheit der See und das harte Tagewerk des Seemanns vor Augen. Ein Auszug aus dem Tagebuch eines Geestemünder Fischdampfers mag eine Vorstellung davon geben: „Donnerstag, den 11. Oft. 1 92 0. Es wurden um 10 Ähr angemustert: 1. Steuermann R„ 2. Steuermann ©., 1. Maschinist ©., 2. Maschinist G., Koch H., Netzmacher ©., Matrosen K., D., S., Heizer O., H., W„ Kapitän. Freitag, den 12. Oktober 1 920; Nehmen Proviant und Abrüstung an Bord. Rahmen Netze und Roller an Bord und schlugen auf beiden Seiten ein Netz an. 360 Zentner Eis an Bord genommen. (Anm. d. Redaktion: Die Fischdampf« nehmen größere Mengen Eis zur Konservierung der gefangenen Fische mit.) Sonnabend den 13. Oktober 1920. Nahmen 10 tons Förderkohle und 36'/.. tons Stückkohle über. Reservenetz an Bord genommen. 4 Ähr nachmittags verholten nach Halle I. Sonntag, den 14. Oktober 1920. 3 Uhr nachmittags ■ warfen los zum Kompaßregulieren, machten um 5 Ähr wieder an Halle I fest. Chronometerstand nach Zeitball 12 Ähr und 1 Ähr — 37. (Der Zeitball ist ein auf der Spitze eines weithin sichtbaren Turms hängender Ball, der nach mitteleuropäifcher und Greenwicher Zeit mittags gesenkt wird.) Montag, den 15. Oktober 1 920. Zurrten die Netze fest und verrichteten sonstige Schiffsarbeiten. Heizer O. wegen Erkrankung abgemustert, Heizer H. angemustert. Chronometerstand nach Zeitball -—36,6. Dienstag, den 16. Oktober 19 2 0. Werfen 8 Ähr morgens los und dampfen nach See zu. 12 Ähr 55 Außen-Jade- Feuer-Schiff in Backbord zwei Seemeilen dwars ab. Setzten die Logge aus, Stand 0. (Die - Logge ist ein Instrument, das die Gefchwindigkeit des Schiffes und die zurückgelegte Strecke nach- toeist.) Chronometerstand —36,0. Äm 3 Ähr 10 Helgoland am Steuerbord drei Seemeilen dwars ab. Logge 19 (d. h. es sind 19 Seemeilen seit dem Aussetzen der Logge zurückgelegt worden). Wind westlich, Stärke 8, Seegang hoch. Äm 4 Ähr meldet der 1. Steuermann, daß er im Mannschaftslogis einen Jungen gefunden .hat, der sich eingeschlossen hatte. Der Junge gab auf mein Fragen an, daß er aus Angst vor seinem Stiefvater von Hause gelaufen sei. Ich beschließe, den Jungen diese Reise gegen freie Kost als Schiffsjunge zu -beschäftigen. M i 11 w o ch, d e n 1 7. O k t o b e r 1 9 2 0. 2 Ähr 20 morgens Hornsriff- Feuerschiff an Steuerbord zwei Seemeilen dwars ab. Logge auf 0 gestellt. Wind westlich, Stärke 6—8, einzelne Blitze, zeitweise Regen. Barometer 6 Ähr morgens 774. Gesteuerter Kurs NRW, Mißweisung 1 Strich W, Abtrift V» O, örtliche Ablenkung 1/4 W, wahrer Kurs N z W. Logge 22. Pumpenstand lenz. (Es ist also fein Wasser im Schiff.) Nehmen mittags die Breite auf. 56 Grad 32 Minuten Nord, loteten gleichzeitig 40 Meter Wassertiese, änderten Kurs auf NO z O am Dompaß, Logge 72 Seemeilen, loteten 2 Ähr 30 nachm. 52 Meter Wasser- tiefe, keinen Sand. (Unten am Lot ist eine Vertiefung, in die Talg geschmiert wird. An dem Talg fetzen sieh Teile des Meeresbodens fest, aus deren Beschaffenheit der kundige Kapitän mit Hilfe der Seekarte Schlüsse auf den Standort deS Schiffes zieht.) Setzen das Netz aus und fischten wie gewöhnlich. Hiewten (Zogen das Netz ein, da das Netz hakte, dampften etwa 10 Seernrilen auf NO Kurs, loteten 68 Meter seinen braunen Sand, und dampften bann NW 1/4 W per Dempatz. Donnerstag, den 18. Oktober 1 9 2 0. Loteten 6Ähr morgens 96 Meter, feinen Sand. Loteten 7 Ähr morgens 86 ‘JllßtCV UÜAHerittJC, feinen SciirL», xxnt> CBSintS südlich, Stärke 3—4, See mäßig bewegt, Chronometerstand —35. Freitag, den 19. Oktober 1 92 0. Hiewten 6 Ähr Dornt, das Netz ein. Fang 13 Zentner, dampften darauf mit NW-Kurs. Wind südlich, Stärke 8, hoher Seegang. Eine von achtern überfommenbe See schlägt einen Teil der Heckgräting und die -Hecklampe weg. Passieren um 9 Ähr den Fischkutter H. F.' 275, der unter Sturmsegeln beigedreht trieb und das Signal V R („Ich habe Wasser nötig“) zeigte. Da wegen der hohen See keine Möglichkeit bestand, ein Doot auszusetzen, konnten ihm keine Hilfe leisten. Sonnabend, den 2 0. Oktober 192 0. Loteten 6Ähr50 morgens 78 Meter, feinen Sand. Setzten das Retz aus und fischten wie gewöhnlich. Wind SW, Stärke 4 bis 5, bewegte See, Mittagsbreite 58 Grad 9 Minuten Nord, Chronometerstand —34. Hiewten um 12 Ähr und setzten das Netz wieder aus. Äm 2 Ähr hakte das Netz und kam nicht wieder frei. Stoppten und warfen die vordere Kurvleine los; hiewten mit der hinteren Kurvleine das Netz ein. Da Unterbeut) und ©teert verloren waren, setzten das Backbordnetz aus." In der folgenden Woche ereignete sich nichts von Bedeutung, so daß wir die Eintragungen der nächsten Tage Übergehen können. „Sonntag, den 28. Oktober 192 0. Wind SO. Stär’e 5—6. Hiewten um 6 Ähr morgens, Fang 13 Zentner, Gesamtfang bis jetzt 322 Zentner, nämlich 62 Zentner Schellfisch l und II, 40 Zentner Schellfisch HI, 58 Zentner Schellfisch IV, 40 Zentner Kabel-au I, 35 Zentner Kabeljau II, 20 Zentner Kabeljau III, 7 Zentner Knurrhahn, 10 Zentner Heilbutt, 1 Zentner Rotzungen, 15 Zentner Haifisch, 10 Zentner Rochen I, 4 Zentner Rochen II, 5 Zentner Seehecht, 15 Zentner Seehecht III. Wegen zunehmenden Windes und fallenden Barometers beschließe Reise zu beenden und nach Hause zu dampfen. Wind frischt vormittags weiter auf, mittags Stärke 8, hohe See. Beim Stampfen schlägt um 1 Ähr der Backbord-Feuerturm ein. 3 Ähr 35 nachm. stieß das Schiss plötzlich zweimal leicht auf, die Maschine wurde sofort gestoppt und Ruder hart backbord gelegt. Von dem Stoß kam der Kapitän auf die Drücke und peilte Helgoland Feuerturm W z S am 4 Rvmpatz. Es wurde eine Seemeile SO gesteuert und das Schiff untersucht, ob es dicht geblieben sei. Das Schiss war lenz. Da raus wurde S'/zO gefieuert; um 10 Ähr war Weser-Feuerschiff dwars ab in 4 Seerneilen Abstand, um l/al 1 Role-Sand--Leucht-- tu cm passiert, machen um 3 Ähr im Hafer, fest. Ende der Reise." Vom Atom. Das Mart „Atom" stammt bekanntlich aus dein Griechischen Und bedeutet „das Änteilbare". Die Erichen glaubten aus rein philosophischen Gründen letzte Teilchen der Materie annehmen zu müssen, die absolut unteilbar sind und die unveränderlichen und 'einigen Bausteine der Welt bilden. Immerhin konnten sie keine besonders überzeugenden Gründe dafür beibringen, und so galt denn, wie Alfred Schack in Ar. 12 des 64. Jahrganges der Zeitschrift „lieber Land und Meer“ (Deutsche Verlags- auslalt, Stuttgart) darlegt, die ganze Atomlehre bis in die neuere Zeit als reine Annahme, die zwar wahrscheinlich, aber keineswegs bewiesen ist, das heisst, sie galt als Hypothese. Ja, selbst heute findet man noch in älteren Lehrbüchern der Physik, und auch häufig bei den der Physik ferner Stehenden überhaupt, diese Ansicht vertreten. In Wirklichkeit ist aber heute die Existenz kleinster Teilchen der Materie, die für einen und denselben Stoff immer gleich groß und gleich schwer sind, nachgewiesen. Auch ihre Anzahl ist bereits festgestellt worden. Dies ist die berühmte „Loschmidtsche Zahl", von der noch weiter unten die Rede sein wird. Freilich ist die Änteilbarkeit nur noch bis zu einem gewissen Grade vorhanden. Die moderne Atomforschung ist nämlich bisher zu folgenden, alS feststehend zu betrachtenden Resultaten gelangt. 1 Man darf sich unter einem Atom keineswegs eine kleine komptakte Waffe Vvrsiellen wie etwa ein kleines Eisen--, Kupfer- usw Stäubchen. Vielmehr ist ein Atom ein außerordentlich kompliziertes Gebilde, komplizierter, wie etwa ein kreisendes Sonnensystem. Es darf heute als sicher angesehen werden, datz jedes Atom aus umeinander rotierenden Teilchen von positiver und negativer Elektrizität besieht; nur über die Art und Weise der Gruppierung dieser Teilchen bestehen heute noch Zweifel. Man kann sich zum Beispiel vvrsiellen, daß die negativen Teilchen, die „Elektronen", in kreisförmigen oder elliptischen Dahnen um einen positiv elektrischen Kern kreisen. Zur Zeit gibt es mehrere solcher Vorstellungen, die aber alle nicht prinzipiell voneinander abweichen; für alle diese „Atommodelle" hat die theoretische Physik die Vedingungen errechnen können, unter denen die Atome nicht zerfallen, also existenzfähig sind. Es ist hiernach klar, daß also auch die Atome noch weiter teilbar sein müssen, da sie ja aus Teilen zusammengesetzt sind. Aber sie verlieren dann die Eigenschaften des Körpers, von dem sie die kleinsten Teilchen sind. Wenn wir z. D. Kohlenstvffatome, die aus einem Zuckermvlekül entstanden sind, noch weiter zerteilen (was allerdings zur Zeit noch nicht möglich ist), so bekommen wir nichts Kvhlenstoffähnliches mehr, sondern positive und negative Elektrizität. Wir finden also, datz auch die Atome nur in dem Sinne als unteilbar selten tonn-en, u(o He oie rrentrren Teilchen find, die als solche Elemente noch existieren können. Wenn wir nun diesen letzten Schritt getan und den Zucker in Positive und negative Elektrizität zerlegt haben, so ist nach dem augenblicklichen Stande dec Wisfenschaft eine weitere Zerlegung nicht mehr möglich. Wir haben danach in den positiven und negativen Elektrizitätsteilchrn die wahren Atome zu erblicken, die in der Tat ewige und unveränderliche Bausteine dec Materie und damit des ganzen materiellen Weltalls sind. Es gäbe also nur zwei verschiedene Arten von Atomen: die positiven und die negativen Elektronen. Aus dieser Zweiheit baut sich das ganze Weltall mit feinen Millionen Sonnen und seiner unendlichen Mannigfaltigkeit der Formen auf. Freilich könnte man nun die Analogie fortsetzen und über das von der heutigen Forschung Erreichte hinaus sagen datz es nach dem Dorangegangenen nicht unmöglich scheinen dürfte datz auch die kleinsten Elektrizitätsteilchen einer weiteren Zerkl-nns- ning fähig sein könnten. Wenn dies auch zugegeben werden mutz da ja nichts Gegenteiliges bekannt ist, so ergibt andererseits dann wieder etwas ganz anderes entstehen tue Materie und Elektrizität sicher ganz verschieden ist. Da die.es dann wohl nichts Materielles mehr an sich haben wird ftnoglicherweste Ware es zum Beispiel die Energie), wie ja die S» lt^l f.itt hu wirkli^ Existenz der Moleküle, Atom.e und EleZonm na^ bat da sie doch.wegen^ihrer Kleinheit offenbar noch niemand gesehen hat. Zunächst wurde die Existenz von Reinsten Teilchen aus denen sich dre einzelnen Elemente aufbauen denn auch nur beZbalb von dec WMenschaft angenommen, w^il sich n^ auf aeSLC Erscheinungen, besonders in der Chemie er- Lären lietzen. Solange war aber auch die Atomlehre Achts als I eine blohe Annahme die allerdings sehr viel mehr und wichtigere Gründe für sich in Anspruch nehmen konnte als die rein gedankliche Forderung der allen Griechen. Man darf aber füglich lagen, datz in der Physik erst das als wirklich anzusehen ist, was man auch me.sen kann. Run ist es Lvschmidt im Jahre 1865 gelungen, zum ersten Male die Zahl der Atome in einem Kubikzentimeter Gas, wenn auch noch sehr ungenau, festzustellen. Don dieser Zeit an also darf man die Existenz des Atoms als sicher- gestellt annehmen. Heute gibt es die verschiedensten Methoden, um die Zahl der Atome oder Moleküle festzustellen. Diese Zahlen kann man aus der Beobachtung der blauen Farbe des Himmels, der Zuckungen der Sonnenstäubchen unter dem Mikroskop oder des Verhaltens von Qelflecken auf Wasser und noch andere Weise berechnen. Wahrlich, verschieden genug find die Wege, die zu der Lvfchmidtschen Zahl führen! Änd doch ergeben sie alle ungefähr übereinstimmende Resultate; der schönste Beweis für die Richtigkeit der Atomlehre. Die Zahlen, die sich so ergeben, sind von ganz ungeheurer Grötze. So enthält ein Gramm Wasser etwa dreitzigtausend Trillionen Atome, das ist eine Zahl von 23 Stellen! Daraus folgt, datz ein Atom in der Tat sehr klein sein mutz, und es ist kein Wunder, daß auch die schärfsten Mikroskope noch keins sichtbar machen konnten. Vielleicht können i wir uns noch ein besseres Bild von der Kleinheit dieser kleinsten Teilchen der chemischen Elemente machen, wenn wir bedenken, datz sich ein Atom der Grütze nach einem Apfel gegenüber so verhält, wie dieser Apfel zu unserer ganzen Erdkugel. Wollte man die Atome in einem Gramm Wasser zählen und zählte in jeder Sekunde ein Atom, so brauchte man 900 Billionen Jahre (eine fünfzehnfache Ziffer!) ununterbrochener Arbeit, um fertig zu werden. Dies mag einen Begriff von dec gewaltigen Grötze der Zahlen einerseits und von der Kleinheit der Atome andererseits geben. Wenn es nun bisher auch noch nicht gelungen ist, die Atome selbst willkürlich weiter zu zerlegen, wie es bei den Molekülen noch der Fall war, so beobachten wir doch täglich, wie dieser Zerfall von selbst bei etwa dreißig Elementen vor sich geht. Dies sind die f»genannten radioaktiven Elemente, deren Atome dauernd sich in andere umwandeln und dabei Elektronen und positive Teilchen mit großer Geschwindigkeit aussenden. Diese Erscheinung, die feit der Entdeckung des wichtigsten dieser Elemente, des Radiums, näher erforscht wurde, hat überhaupt erst die heute feststehende Lehre vom elektrischen Aufbau aller Atome und damit des ganzen Weltalls züv Entstehung und Ausbildung gebracht. Rach dem heutigen Stande der Forschung sind also die Elektronen die letzten Bausteine des Weltalls. Wohin wir auch blicken mögen, was wir auch ansassen mögen; Alles Materielle ist aufgebaut aus rotierenden elektrischen Elementarteilchen. Kupfer und Eisen zum Beispiel unterscheiden sich danach nur durch die Zahl und Gruppierung der Elektronen in den einzelnen Atomen. In der Tat, wir sind heute ein gutes Stück in der Erkenntnis her muterutten Well ourgevrungen: Es ist uns gelungen alles Materielle auf Elektrizität und Bewegung zurückzuführen. Die unermetzliche Mannigfaltigkeit der Welt ist als eine Variation elektrischer Mengen erkannt worden. Wer im neuen Jahr sterben mutz. Aus unserem Leserkreise wird uns geschrieben: Zu der Frage, ob man den Tod und die Sterbestunde voraus« sehen kann, sind in dec Änterhaltungsbeilage der Silvestemummer des „G. A." zwei Geschichtchen aus dem Sagenbuch Wehrhaiis abgedruckt. Sie rufen mir folgendes aus den 50er and 60er Jahren in das Gedächtnis zurück: Ein Mann namens Haas in Steinbach schaute den Tod von Verwandten und Freunden voraus. In seiner Jugend schon — ich folge den Erzählungen verschiedener glaubwürdiger Leute — Pflegte er seinen Eltern zu sagen: „Ich habe von dem und dem geträumt, der stirbt bald." Änd so geschah es. Mit zunehmendem Alter merkte der Junge, datz er, wenn er von seinen unruhigen und schrecklichen Träumen von dem Tod der Betreffenden nichts verlauten lieft, ruhigere Rächte bekam. Er sprach nicht mehr davon. Als Knecht bei dem Pächter Gl. zu Birklar beschäftigt lag er eines Tages auf dem Sittkessel, als er plötzlich aufsprang und rief: „Mein Kind mutz sterben." Das Kind starb nach einiaen Tagen. Eines Sonntaas kam er in fein Heimatdorf St. Iu Besuch. Er hatte von dem Tod eines Freundes geträumt und wollte sich nach diesem erkundigen. Er war inzwischen durch den Huffchlag eines Pferdes zu Tode getroffen worden und bereits begraben. — Kann etwas, was uns treffen soll seine Schatten vorauswerfen, eine Ahnung des Kommenden in un- ferem Herzen wachrufen? — Vielleicht nehmen Gläubige und Ungläubige Stellung zu dieser Frage. G Schriftleitung: August Goetz. - Druck und Verlag der Drühl'schen Äniv^Buch- und Steindruckerei, D. Lange, Gietzen. -