SKMSLGT, s. MM lim 1922 — Nr. 18 KMß MWW K^M \ UM 111 '■ i '■ ’-wf M Aus neuen Bismarck-Erinnerungen. (Em Buch des Ministers von Scholz.) _ Mwlf von Scholz ist als preußischer FinanzmiEter zwei volle Jahrzehnte hindurch einer der nächsten und vertrautesten Mitarbeiter Bismarcks gewesen, und Lieser hat ihn den einzigen Finanzminister genannt, mit dem es ihm vergönnt gewesen sei m gegenseitigem Verständnis zu wirken. Der greise Staatsmann veröffentlicht nun im Gottaschen Berlage auf Grund unmittelbarer Aufzeichnungen seine „Erlebnisse und Gesprächs mit Dis- £UU(T’ JJ2*" fEriststellerische Aedaktion sein Sohn, der be- EssDichter Wilhelm von Scholz, übernommen hat. Es waren glückliche Zeiten, die uns heute wie ein verschwundenes Paradies erscheinen, in denen Scholz als Mnanzminister wirkte. Die damals herrschenden Grundsätze sprach Kaiser Wilhelm I. selbst «uA, als sich der neue Mnanzminister bei ihm meldete: „Sie haben doch wähl auch die wichtige Kabinettsorder meines hsch- sel^mr Bruders gern gelesen und beherzigt, welche feststellte. Satz das Heer und die Mnanzen die beiden starken Grundpfeiler Pvmlyens sind, die stets in bester Ordnung gehalten werden musssi. Sv lege ich auch immer großen Wert darauf Latz mir . ^^lshaushaltsetat ohne Defizit in Einnahme und Ausgabe wirklich balancierend, vorgelegt werde ohne neue Anleihen, zu den«! man nur für ganz außerordentliche notwendige Ausgaben greifen soll. .. D^marcks beständige Sorge war es, dem Deiche irgendwie dre Geldmittel zu verschaffen, die für seine Weltstellung notwendig war^n, aber seine von Scholz unterstützten Demühungen scheiterten hauckg, wie die Ablehnung des BranntwÄnnwnvpvls durch die Abgeordneten zeigte. Scholz lernte gleich in einer seiner ersten wichtigen Unterredungen mit Bismarck seine ganze Persönlichkeit Lennen. Es war im Juli 18Z9; Bismarck trug sich wieder emnM mit dem Gedanken, seine Entlassung zu nehmen, weil er EU Kaiser für ferne Außenpolitik nicht gewinnen konnte. „Ich liebe und ^rehre den Kaiser wahrhaftig," sagte er, .er ist voll Gute und Dankoarkeit für Mich; wir wollen beiLe ernstlich uns Nicht trennen. Jetzt ist er ein eigenwilliger Greis, bei dem keine Vorstellungen hÄifen." Lind dann erzählte er aus der Bsr° gangenhert: „Ich traf ihn im September 1862 mit unterzeichneter . "E^^i'-ude; 1863 wollte er partout zum Fürflenkvngreß ich- bot all^ Sagten auf, es wollte nichts helfen! Damals wurde ich zum erstenmal krank; 1864 war er der reine Augustenburger nnt Len Kleinen und Bayern wollte er damals durchaus los- M>en gegen Oesterreich - alle wären über uns hergefallenl Die Zeit tm FriH;ahr und Sommer 1866 werde idg nie vergessen wo ich Woche für Woche die Penelvpearbeit zu verrichten hatte' immer von neuem bei ihm aufzubauen, was er immer tvisder I?llEn lieh; denn ein so tapferer furchtloser Degen er ist, ein so ängstlicher Politiker ist er doch Itnb als er in den Krieg ein- getreten war und Ne Erfolge Hatte, da war wieder kern Halten. ®r und Die Generale und alle wollten weiter nach Ungarn —- Slim und 3M, nur für die Cholera! Ich hatte mir gesagt, daß nh der einzige war, der das vernünftige Ziel nicht aus den Augen lasse; ich sagte ihnen, wenn sie das bhzanttnifche Kaiserreich erobern wollten, so möchten sie nach Ungern ziehens Rückkehr sei von dort nicht mehr! Ich setzte es endlich durch, aber wie?! Sie hatten eK soweit gebracht, daß mich fast niemand mehr im Uafler flwgte, daß ich allgemein als der Questenberg o^zefeheri ^urde 1870 hatte er sich ja in Ems zu allem schon verstanden, hatte gegen Benedettl schon alles versprochen, was verlangt war als ich mit jenen zwei etwas verbesserten Depeschsi dazwischen fuhr. Ünd in Versailles, wie hat er sich da gegen ^Karjch- und „Reich" gesträubt — wie ein Leutnant, der nur Graf genannt sein will, weil er das von Geburt ist . . . Was W» ich da aufbiet«! müssen, um ihn zum AachgeLen zu bringens Es Mang ja, was unglaublich erschien, ihm den batzerischrn König zu bringen; aber rvenn auch nur Line Lippe gefehlt hätte, so wäre aus Kaiser und Leich nichts geworden!" Aus das .herzlichste empfängt Bismarck Scholz bei feinen Besuchen in Varzin und Friedrichs ruh. Sie fahren im offenen Wagen aus und kommen an eine Stelle des Waldes an der d,e Daöelhölzer ein krankes Aussehen haben. Der Mrst meint bedauernd: „Ja, sehen Sie, das sind diese unseligen Douglastannen, zu denen habe ich mich leider von unsicheren Fachleuten verführen lässen; sie sind jämmerlich, und jedenfalls für den hiesigen Boden und bas Klima ganz ungeeignet. Es ist immerhin eme ziemlich^ große Mche damit besetzt und der Verlust nicht ganz gering.“ Llnd dann fahrt er mit enter bemerkenswerten Wendung der Gedanken fort: „Meine Söhne dürfen sich aber nicht darüber ärgern! Andere Väter haben mit anderen Dingen Pferden, Karten, Weibern und sonstwie ihren Söhnen viel größere Verlust« hinterlassen — da werde ich wohl mit meinem Fehlgriff in der Waldwirtschaft keine großen Vorwürfe verdienen." In Friedrichs ruh gehen sie an einem Morgen im Walde spazieren „Zwei Lieblingshunde begleiteten uns. und in angemessener Entfernung folgte uns ein Schutzmann in Zivil. In den Bäumen über uns machten sich viele Eichhörnchen das Vergnügen, uns zu begrüßen und die Kunde zu ärgern, so daß wir im Gespräch mehr und mehr gestört wurden. Da sagte der Fürst: „Die Tiere haben sich hier schon gar zu sehr vermehrt; ich will den Kunden eine Freude machen." Gr drehte sich um, winkte dem Schutzmann nahm ihm feinen Levolver ab, zielte senkrecht in einen Baum hinauf, "während die Kunde neben ihm in die Höhe sprangen; nach einem Schutz lag auch sogleich ein Eichhörnchen zwischen den Hunden, die nun wirklich die gewollte Freude hatten. Mir imponierte der Schuß mit der doch fremden, ungewohnten Waffe in solcher Aichttmg und immerhin bedeutender Gntferung auf das hüpfende Tier. Der Fürst war zufrieden mit dieser Erfüllung seines WAlens, gab die Waffe dem Bsamten zurück, und nun konnten wir in langem Spaziergang« ungestört dir geschrftiicheu Angelegenheiten besprechen. . KaprILn GisVsmnoNi. Eine Erinnern^ aus dem großen Krieg 18?0,71. ' Von Fried. So ad. Ich saß in der Obertertia des Ghmnasiums zu Gießen, als der große Krieg ausbrach der uns mit seinen beispiellosen Erfolgen auf den fvanzöstschen Schlachtfeldern die Reichseinheit und danach einen unerhört raschen Aufstieg unter den Böllern Europas geschenkt hat. In dem inneren und äußeren Elend der Gegenwart erholt man sich und richtet den Mut wieder auf an &er Erinnerung an die herrliche Stimmung, die damals unsere Hugendtage verklärte. Bei der andauernden Erregung jener Zeit tarnen Zwar die unregelmäßigen griechischen Zeitwörter und die Geheimnisse der Algebra, mit denen wir unS hecumfchlagen mußten, 5« kurz, aber wir gewannen für unsere emvfängüchen 70 Knabenherzen etwas anderes, wertvolleres aus dem Miterleben der gewaltigen Ereignisse, ein vaterländisches Hochgefühl und dankbare Verehrung für die großen Führer, die dem deutschen Volk beschert waren. Ein gewisser Groll gegen Preußen der in manchen Kreisen meiner Heimat, die in süddeutsch-demokratischen Ueberlteferungen befangen waren, seit der Konfliktszeit und dem Krieg von 1866 herrschte, wurde durch die ersten Siegesnachmchten spurlos verweht, und mit jubelnder Begeisterung schlugen die Herzen dem greisen König Wilhelm entgegen als in den ersten Septembertagen das Geläute aller Glocken die fast märchenhaft klingende Kunde von der Gefangennahme Napoleons sererirch begrüßte. Wir empfanden es wie ein Gottesgericht daß der Kaiser der Franzosen sich der Gnade des Mannes ergeben muhte, Lessen Mutter von dem ersten Napoleon so schnöde und bitter gekränkt worden war. Meine knabenhafte Begeisterung machte sich in Kriegsliedern und anderen literarischen Erzeugnissen Luft: ich verfaßte eme illustrierte Kriegszeitung, die unter den Kameraden die Bunde machte und den Feind auf alle erdenkliche Werse hnmoristrsch- satirisch zerzauste. Aber die Stimmung gegen Frankreich war bei mir sowohl wie in meiner ganzen Umgebung frei von Haß; lrnr freuten uns der Siege über den Feind,, aber wir wünschten ihm nichts böses. Es ist mir noch lebhaft erinnerlich, mit welchem Mitgefühl die Leiden der Bourbakischen Armee in dem harten Winter und die Entbehrungen der Pariser Bevölkerung wahrend der Belagerung bei uns besprochen wurden, obgleich nicht wemge aus Paris vertriebene deutsche Arbeiter als Opfer französischer Roheit in meiner Heimat Zuflucht gefunden hatten. Wir Knaben fanden auch bald Gelegenheit, das menschliche Gefühl gegen den geschlagenen Feind durch die Tat zu beweisen. Als Hilfstruppe bei der Verpflegung der durchziehenden Reserven, heimkehrender Verwundeter und gefangener Franzosen auf dem Bahnhof meiner Vaterstadt haben wir in stolzem Pflichtgefühl unser Scherflein zu den vaterländischen Aufgaben des Kriegsjahrs geliefert, und es ist uns bei dieser Samariterarbeit nie in den Sinn gekommen, die gefcmaenen Feinde anders zu behandeln wie unsere deutschen Brüder Immerhin sahen wir sie mit anderen Gefühlen an als die Streiter für Deutschlands Wohl und Gröhe. In . das Mitleid mit dem geschlagenen und gefangenen Feind mischte sich auch ein gut Teil Reugierde, deren bevorzugter Gegenstand die afrikanischen Truppen waren, von denen die Zeitungen und mündliches Gerücht manches Wunderliche erzählt hatten. Bei vielen von uns kam noch etwas Eitelkeit hinzu, da wir uns mit unserer Kenntnis des Französischen gegenüber den Söhnen der grande Nation die nur ihre Muttersprache kannten, brüsten konnten. Nach, und nach behandelten wir die Gefangenen, mit denen wir in unserem Derpflegungsdienst zu tun hatten, mit einer vornehmen Herablassung, die nicht frei von einer gewissen Geringschätzung war, denn wir sahen in ihnen nicht nur die Unter» legenen, also Minderwertigen, sondern machten auch, die Beobachtung daß das soldatische Ehrgefühl bei den meisten sehr zu wün- sechn übrig ließ. Sie waren nämlich bereit, uns für ein paar Groschen ihre Uniformknöpfe, Litzen, Achselstücke, Troddeln und was sie sonst noch lvsmachen konnten, zu verkaufen. Wir machten uns das zunutze, legten uns Sammlungen von französischen Kriegs» trvphäen an und waren in knabenhaftem Uebermut unter uns darüber einig, daß der Franzmann moralisch tief unter dem Deutschen „bieder, fromm und stark" stehe. Bald sollte ich. die Franzosen näher kennen lernen, als es bei den flüchtigen Aufenthalten von Gefangenenzügen auf unserem Bahnhof möglich gewesen war. Die Festung Metz fiel Ende Oktober und die ganze Bazainesche Armee geriet in deutsche Gefangenschaft. Um diese Menschenmassen unterzubringen, mutzten auch kleinere Garnisonflädte in Anspruch genommen werden. Auf dem Exerzierplatz (Drandplatz) zwischen der Kaserne und dem Gymnasium wurde in aller Eile ein Barackenlager errichtet, und schon vor Mitte November zog ein bunter Hause fremdartiger Insassen dort ein. Zu meiner großen Betrübnis konnte ich nicht selbst Augenzeuge des seltenen Schauspiels sein, da ich damals wochenlang wegen eines Beinleidens einsitzen mußte. Ich vertrieb mir die Zeit mit meiner bunten Kriegschronik und belustigte mich mit der Herstellung eines hölzernen Käfigs, in dem ich einen aus Pappendeckel und Holz gefertigten Napoleon gefangen hielt, der leidlich ähnlich gelungen war. Eines vormittags wurden wir durch das Geschrei der Magd aufgeschreckt, die mit den Worten ins Zimmer stürzte: „Der ganze Garten ist voller Franzosen". Wenige Augenblicke darauf ertönte vielfaches Getrampel auf der Treppe, und bas Vorzimmer füllte sich, mit einem Haufen Rothvsen, Offizieren und Soldaten, geführt von xinem deutschen Feldwebel. Dieser eröffnete meiner Mutter, daß er für die gefangenen Offiziere mit ihren Burschen Wohnung im leerstehenden unteren Stockwerk unseres Hauses suchte. Als die Mu< Ueberwindung einiger Bedenken entschlossen die Eltern sich das leerstehende Stockwerk an den Kapitän mit seinen Leutnants und Burschen zu vermieten, und die zehnköpfige Gesellschaft richtete sich, noch an demselben Tage ein. Nun begann da unten eine kriegsmäßige Wirtschaft, der ich mit wachsender Neugier zuschaute; die Burschen besorgten die Küche und die sonstigen Dienste für die Offiziere, und diese trieben sich geräuschvoll im Haus und Garten umher. Besondere Aufmerksamkeit erregte der Leutnant Ga.chet, ein Amorinokopf mit dunkelm Kraushaar, dw- den lieben langen Tag Pfiff und trällerte: am wenigsten merkte man von dem Kapitän. Wir Knaben fanden das Treiben der neuen Hausgenossen höchst belustigend und unterließen nicht, den Kameraden gegenüber mit unseren Erlebnissen zu prunken und uns von ihnen beneiden zu lasten. Zu unserem Erstaunen und Bedauern fanden die Eltern jedoch den Zustand nichts weniger als beneidenswert; die Mutter wurde doch vielfach mit häuslichen Anliegen der ftemden Gäste belästigt, dem Vater war die andauernde Unruhe im Haus, die bis in sein Studierzimmer drang höchst störend, am übelsten aber war unsere Marie daran, das frische stramme Dienstmädchen vom Lande, denn sie konnte sich, nicht auf der Treppe oder im Hausflur zeigen, ohne von den Franzosen wie von einem Rudel Hunde verfolgt zu werden. Da sie die Wetterauer Landestracht mit den kurzen, kaum übers Knie herabreichenden Röcken trug so waren Burschen wie Leutnants bei jeder Begegnung darauf aus sie in die runden Waden zu kneifen. Nach wenigen Tagen schon stellte Marie unsere Mutter vor die Wahl: „Entweder verlasse ich das Haus oder die Franzosen." Die Eltern entschieden sich gerechterweise für Entfernung der galanten Gäste, und dem Kapitän Giovannoni würde umgehend Mitteilung davon gemacht. Sofort nach Empfang der schriftlichen Kündigung kam der Hauptmann zu uns herauf; er hatte seine beste Uniform an, die ihm sehr gut stand. Aber er machte eine recht betrübte Miene, und setzte der Mutter mit Bescheidenheit aber eindringlich auseinander wie schmerzlich es ihm sei, das Haus verlassen zu sollen; er habe sich so sehr gefreut, gute Menschen in Feindesland gefunden zu haben, die ruhige Lage der.Wohnung vor der Stadt, wo er nicht immer den Blicken der 'ßeute ausgesetzt sei entspreche seinen eigensten Wünschen, und er bedauere und mißbillige aufs ernsteste das ausgelassene Benehmen seiner Kameraden, bitte aber herzlich, nicht auch, ihn dafür büßen ßu lassen. Dann erklärte er ganz offenherzig, die Kündigung sei ihm ein erwünschter Anlaß, sich, von der Gesellschaft der jungen Offiziere seiner Kompagnie zu befreien, die das Los der Gefangenschaft so wenig würdig trügen, und schloß mit der Wiederholung seiner dringenden Ditte, ihn selber im Hause zu behalten, wo möglich auch, wenn es nicht unbescheiden sei, in Kost zu nehmen, denn der Gedanke widerstrebe ihm, täglich an einer öffentlichen Wirtstafel wie am Pranger sitzen zu müssen. Das Ersuchen, ihm auch die volle Verpflegung zu geben, begleitete der Kapitän mit einer weiteren Begründung, die meiner Mutter stark ans Herz griff. Gr sagte, der Verkehr mit den Kindern des Hauses würde ihn seine bittere Lage leichter tragen lassen denn er habe, und dabei zitterte seine Stimme Weib und Kind daheim in Toulouse, die seine Rückkehr ersehnten und deren Anblick er nun noch wer weiß wie lange entbehren müste. Gegen die Aufnahme des gefangenen Feindes als Kostgänger der Familie Hatten aber die Eltern schwere Bedenken, wie sehr auch, die Bitten des Kapitäns die Mutter rührten. Es wurde khnt daher nur die Wohnung zugesagt einschließlich Lieferung des. Frühstücks, und auch, dafür dankte er in den wärmsten Ausdrücken, indem er zugleich die Hoffnung aussprach, die Knaben manchmal bei sich sehen zu dürfen. Nachdem nun der lebenslustige Leutnant Gachet mit seinem gleichgesinnten Genossen an die Luft gefetzt war, begann für mich ein sehr merkwürdiges Zusammenleben mit Giovannoni. Auch, meine Brüder kamen wohl gelegentlich zu ihm, da ich aber den Winter über öfter aus der Schule bleiben muhte, auch der Fixeste im Französischsprechen war, so wurde ich oft mit kleinen Diensten bei dem Kapitän betraut und I: multipliziert mit sich selbst, das wäre etwa 3,1605, und dieser Wert ist recht gut brauchbar. Die alten Babylonier benutzten dagegen den wesentlich schlechteren Wert 3. Dieser findet sich, auch in der Bibel an zwei Stellen: I. Könige Kap. 7 Vers 23 und H. Chrvnika Kap. 4 Vers 2. Wenn dort erzählt wird, datz das eherne Meer in Salomos Tempel 10 Ellen von einem Rand zum andern und dreißig Ellen ringsum maß, fo bedeutet das, daß man den Durchmesser nur mit 3 zu multiplizieren braucht, um den Umfang zu finden. Roch besser als der Wert, den die allen Aegypter gebrauchten, war der von Archimedes benutzte: 22/7. Wenn es sich nicht um große Genauigkeit handelt, ist dieser ebensogut wie der Heutzutage meist benutzte Dezimalbruch 3,14. Einen sehr guten Rährungswert fand Adrian von Metz nämlich sw/m = 3,1415929, der bis auf 6 Dezimalen richtig ist. Heute ist man in der Lage mit Hilfe der höheren Mathematik die Zahl * bis auf beliebig viel Dezimalen auszurechnen, man muß nur die nötige Zell daran wenden. Der Engländer Shanks hat 707 Dezimalen errechnet, was aber keineswegs als eine wissenschaftliche Tat anznschen ist.1 Sv mußte man also schon fange, daß die Zahl n rechnerisch aus einen unendlichen Dezimalbruch führte. Damit war aber noch nicht gesagt, daß die Quadratur des Kreises nicht vielleicht rein geometrisch durch Konstruktion mit Zirkel und Lineal ausführbar wäre. Denn man kann z.B. ein Rechteck von 2 Metern Sänge und 1 Meter Höhe sehr wohl durch eine einfache Konstruktion in ein Quadrat verwandeln; wenn man aber die Selle dieses Quadrats berechnet, findet man einen unendlichen Dezimalbruch, bei der Quadratur des Greife« konnten also die Verhältnisse vielleicht geradeso liegen. Alle Versuche der Mathematiker das Problem zu lösen, blieben jedoch ohne Erfolg. Da erledigte im Jahre 1882 der deutsche Mathematiker Ferdinand Lindemann die Sache mit einem Schlag, er wies nämlich klipp und llar nach: Es ist unmöglich mit Zirkel und Lineal den Kreis in ein flächengleiches Quadrat ju verwandeln. An dem Lindemannschen Beweis ist nichts zu drehen und zu deuteln, wer also heute eine Aufgabe sucht, die sicher unlösbar ist der greife nur nach der Quadratur des Kreises. Schriftleitung: August Goetz. - Druck und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei, D. Lange, Gießen.