LKMSMg, 4. Februar e). ft! MM s :,-£i 'jNAmiiiMMM^ Deutscher BsLksmNKd im Licht der Sage. Gar viele LedMsarten ruck) Redeweirdungen find uns gum ganz geläufigen Bestandteil unserer Alltagsspvsche getvorden, ohne Latz wir uns über ch-ren Arfpnmg und tiefere« Sinn klar sind. Der bedeutende Sagensorscher Heinrich L e & m <1 n n, der Leider im Weltkrieg gefallen ist, hat in, einem inhaltsreichen Werk, Las soeben im Verlag der Raube & Spenerschen Buchhandlung zu Berlin erschien«! ist, die ganze Sülle solcher geflügelten Worte" und volkstümliche» Bilder in bezug auf ih en rsusarnmen- Hang mit ber attgermanischm Mythologie und Sage untersucht und fein Buch, das neben Büchmanns „GeWgÄlte Worte" tritt, .®er deutsche Volks mund im Lichte der Sage" fenannt. Zu unserer großen Lleberraschung erfahren loir aus Lesen werttwllen Sammlungen, Last zahlreiche Bilder und Wendungen unserer ilmgangsspräche, die wir verhältniSmätzig jung und au? unserem Leben heraus gebildet an sehen, in uralte Fernen der DerganZsnheit zurückweisen, Last sie unser Dasein durch geheimnisvolle. Fäden mit alt germanischem Wesen. verknüpfen und in unsere Zeit als Lleberreste eines ungeschriebimen, Heilig gehaltenen „Schriftcumes" Hinedrragen, Las nur noch in spärlichen Srilmmern erhalten ist. Diese Zusammenhänge unterer Sprache mit der alten Sage seien an einigen Beispielen erläutert. Sv leitet z. B. Letzmann das symbolische Erteilen eines Kvrbeö aus der alten Abussa-Sage Der, in der von der ersten böhmischen Königin erzählt wird. Latz sie ihren Freiern ein Rätsel aufgab und den beiden, die es nicht lösen konnten, einen leeren Korb verehrte. .Daher kommt die Gewohnheit," sagte Museus, der die Sage unS überliefert hat. „Latz man von einem zurückgewresenen Freier sagst er habe von seinem Liebchen einen Korb bekommen." 3m Mythos der alten Deutschen ■ treten die Bornen oder SHicksals- göttinnen an die Wiege des neugeborenen Kindes und weissagen Has künftige Geschick des jungen Erdenbürgers in Liedersprüchen, die gesungen wurden. Es wurde also dem Säugling „an der Wiege gesungen," was ihm im Laufe seines Lebens bevorstand. Die «weifen Frauen", die im Mgsrmanischsn Leben an Stelle der Bornen dieses Amt übernahmen, werden sich aber öfters geirrt haben, und so sagt man noch heute von einem, den ein unerwartetes Geschick trifft: „Das ist ihmnichtanderWiege gesungen worden." Uralt ist auch die Vorstellung vom Lebenslicht oder der Lebensfackel, deren starkes aufrechtes Brennen durch die Sitte deS „Dackelzuges" versinnbildlicht werden soll. 3n der Sage vorn „Gevatter Tod" läßt dieser die Fackel seines Patenkindes fallen, so Latz sein Lebenslicht erlischt: er Hat also »nicht lange gefackelt", wie wir noch heute sagen. Vielfach baden sich SagenheDen im heihen Blute, um unverwundbar zu werden, wie dies z. D. das Aibelungenlieö von Siegfried meldet. Siegfried ebenso wie Achill werden „hart gebadet" oder auch hart gesotten. Diese -Unempfindlichkeit gegen Verwundungen hat man dann auf das moralische Gebiet übertragen und nennt im bildlichen Ginne „abgedrüH t“ jemanben, der sich aus keinen GrmahnMgsn und Strafen etwas macht. Mn solcher „Hartgesottener" oder „ausgekochter" Mensch bringt es im Leben -weit, weshalb Liefe Beiworte geschickten Leuten gespendet werden. Groh ist die Zahl der Redewendungen, die aus den Grimmschen Märchen Ms Volk gekommen find. Im « Märchen von der „weitzen Schlange" versteht der Diener, He» von dem Zaubert!er gekostet hat, die Sprache der Sperlinge: ev Weitz also, „was dis Spatzen von den Dächern pfst- f e n", und daraus hat sich dann unsere RedenSarck, die damit ein „öffentliches Geheimnis" meint, entwickelt. Auch die 'Wendung „Er hört das Gras wachsen" stammt aus dem deutschen Volksmärchen: ebenso die „2tabenmuttet“, die Frau nämlich, die ihre wilden Jungen - in sieben Raben verwandeln liest, oder der ,,G a l g e n s ch w e n g e l", wobei die Glocke mit dem Galgen gleichgestellt wird auf Grund der Bemerkung im Grimmschen Märchen von den „vier kunstreichen Brüdern", wo es Heistt: „Das Diebshandwerk gilt für kein ehrliches Handwerk, und LaS Ende ist hast einer als Schwengel in der Felüglvcke gebraucht wird." Auch den „Saßen ja mmer" will Lestmann aus einer Mürchensteüe ableiten, nämlich aus der Geschichte „Die drei Feldscherer", in der einer Katzenaugen eingesetzt erhält und daraufhin am Tage nichts sieht, in der Rächt aber weihe Mäuse erblickt. Das galt ja stets als ein Zeichen für Trunkenbolde. Gast sich „die Steine erbarmen“, wird bei der Trauer der Vatur um Balders Lod erwähnt. Die Aufforderung „L a st dich verglasen" soll zurückgehen auf den „Glaswagen" Wotans, der als Geletter der- Seelen einen gläsernen Sarg mit sich führt, und würde also soviel bedeute» als das direktere: „Last dich begraben". So lassen sich unendlich viele Redensarten auf sagenhafte Vorstellungen zurückführen. Zum Schluß sei nur noch * die Deutung des .Glückschwein s" erwähnt. Vach Sem Bericht des Tacitus trugen schon die alten Oermanen „Bilder von Ebern", und bas Schwein ist das goldbvrstige Reittier der Göttin Freia, der Glückbringerin. Darum sagen wir von einem, der Gluck hat. der also von ihm getragen wird wie Freia von ihrem Schwein, der also gleichsam ein Schwein zum Reittier hat:„Er 'hat Schwein". ANS neuen Briefen Jean PEls. Die von Börne in feiner Lobrede auf Jean Paul berfünöete Zeit, „da er allen geboren wird", ist zwar noch nicht gekomnren. aber dieser „siebente Klassiker" besitzt doch heute eine stille Gemeinde von Verehrern, die sich aus &en feinsten Köpfen zu- sarumensetzt. Auch die wissenschaftliche Beschäftigung mit seiner Persönlichkeit und feinem Werk hat immer mehr angenommen, und einen Markstein der Jean-Paul-Forschung wird die Gesamtausgabe seiner Briefe Larstellen, deren ersten beiden Bände soeben von Eduard Derend bei Georg Müller in München Herausgegeben werden. Verend, der sich die Gesamtausgabe sämtlicher Werke Jean Pauls zur Lebensaufgabe gemacht hat, betont in seiner Einleitung treffend die „Zeitgemäß- heit" des Dichters: ,,Gs gab wohl einen Zeitpunkt in unserer nationalen und kulturellen Entwicklung " sagt er, „wo seine unleugbaren Schwächen auf Abwege zu verlocken schienen, vor denen Gutgesinnte warnen zu müssen glaubten. Es hat sich gezeigt, Latz dis Gefahren in ganz anderer Richtung lagen. Jetzt, wo sich der Den!sch: mehr als je darauf angewiesen sieht, an den guten Geistern seiner Vergangenheit einen Halt zu suchen, kann er seines größten Humoristen nicht entraten; dieser Wunderbaum. der tiefer als irgendein anderer feine Wurzeln in deutsts^eS Erdreich senkte und Loch — oder vielleicht eben darum — frei, weit und hoch hinauswuchs über alle nationalen Schranken, wird in das neue Haus, das wir auf dem Lrümmerfelde der Vergangew- heit errichten, als ein Eckpfeiler eingebaut werden müssen." Jean Winter blüh sr im Freien. _ ... selbst im eigentlichen Winter, zwischen Novemberanfang und Feorugrende, so plaudert Karl Foerster im Januarheft her ^föi’t?»enWB58*2“ Verlag der GarstenschA- Westend), blühen mehr Gewächse draußen im Freien als Gartmisreunden und Gärtnern meist bekannt ist Der Ptlor «"lerer Winterblüher in Deutschland verläuft in jedem Winter und in jedem verdeutschen Klimate sehr verschieden. In den beideii milderen Dritteln Deutschlaichs kommt er natürlich diel Pauls Briefe sind zur Kenntnis fetoer Kunst so ungeheuer wichtig, weil saft alle seine Briefe mU „Anstrengung", wie er sich auszudrucken pflegte, abgefaßt sind, d. h. stets Anspruch aus literarische Wertung machen und sich mehr an die Allgemeinheit als an den Empfänger wenden. Dieser Dichter, der mit beispielloser Zielbewußtheit sein ganzes persönliches Tun und Lassen in die Dienste seines Schriftstellerberuses stellte, betrachtete seine Briese als Vorübung und Stoff für seine Dichtungen und hat sie. Wie er einmal schreibt, „stückweise in seine gedruckten Aussätze etn fließen lassen". Deshalb darf man seinen Schreiben nicht die innere Wahrheit absprechen, denn diesem merkwürdigen Genie war Kunst zur zweiten Natur geworden, und sein Leben spielte sich in einem selbst für seine schreibselige Zeit ungewöhnlichem Grade auf dem Papier und besonders aus dem Briefpapier ab. Hat er doch zahllose Billette an Freunde gerichtet, die nur über die Gasse hinüberwohnten und seiner Frau zuweilen schriftlich zum Geburtstag gratuliert, ohne daß sie abwesend mar. Aus dieser Wichtigkeit seiner Briefe für sein Schaffen erklären sich auch die „D r i e f b ü ch e r“, die Verend für seine Ausgabe benutzte. Es sind das 17 Hefte mit über 2500 Kopien von Briefen, die vom Beginn der Universitätszeit bis zum Lebensende reichen und über mindestens 1500 Schreiben Auskunft geben, deren Originale verloren sind. Jean Paul, der von diesen Driefbüchern behauptete, er könne sie ohne weiteres in die Druckerei schicken, hielt hier nur die allgemeinen Gedanken und witzigen Wendungen, die „Brillanten" seiner Schreiben fest. Die vorliegeirden beiden ersten 'Bände, die vom Ende seiner Gymnasialzeit bis zum endgültigen Abschied von seiner Heimat Hof (1780—1797) reichen und die Zeit des schwersten Ningens mit äußerer Not und mit den Dämonen in der eigenen Brust darstellen, bringen sehr viel neues Unveröffentlichtes, vor allem 261 ungebruckte Briefe an seinen Freund Otto und die bisher nur unvollständig bekannten Briefe an feine Mutter, die in einem viel natürlicheren Stil als alle anderen Schreiben gehalten sind und uns den Menschen vor seiner so gründlich vollzogenen Umformung zum Künstler zeigen. Aus diesen Driesen an die Mutter spricht erschütternd das Elend, in dem er sich ebenso befand wie feine Familie. Immer wieder bittet und fleht er um Geld und muß die Bitten der Mutter um Unterstützung ablehnen, weil er bis über den Kopf in Schulden steckt. „Ich must einheiraten," schreibt er so aus Leipzig am 1. Dezember 1781, „wo soll ich aber Holz bekommen, ohne Geld? Ich kann ja nicht frieren. Für meine Gesundheit kann ich überhaupt nicht sorgen: ich habe weder Morgens noch Abends etwas Warmes. Glauben Sie nicht, daß ich Sie unnötigerweise um Geld bitten werde. Ich weist, wie nötig Sie es jetzt brauchen. Allein helfen Sie mir nur jetzt; ich denke, Sie sollen mir nachher mit Gottes Hilfe lange nicht helfen dürfen. Es muh gehen; vielleicht hilft mir das Mittel, das ich im Kopfe habe, zu Gelbe." Dieses Mittel ist der Schriftstellerberuf, der sich in ihm zu entfalten beginnt. Mitten aus der größten Not schreibt er am 3. Mai 1783: „Seien Sie mir nicht böse, dah ich so lustig bin: denn ich schreibe den ganzen geschlagenen Tag spaßhafte Bücher, und da kann es denn nicht anders kommen, als daß ich auch spaßhafte Briefe schreibe." Auch die Eitelkeit Jean Pauls zeigt sich in diesen Jugendbriefen bereits in naiver Form, so wenn er oie Mutter um „feine Oberhemden ä la Hamlet" bittet, „das 5eiSt nämlich, vorn bei der Brust müssen sie offen sein, dah man den bloßen Hals und die Brust sehen kann; das ist hier Mode," ober tron seinen Haaren berichtet; „Meine Haare habe ich mir ab- schneiden lassen. Sie stehen mir nach dem Ausspruch meiner Freunde besser als meine Frisur, denn sie sind lockig und ein wenig kraus." Unter den anderen neuen Briefen sind besonders die an eine Verehrerin des berühmt werdenden Dichters ge- rtchteten, die an Helene Köhler. Ihr schreibt er z. D. am 7. Juni 1793: „Mademoiselle, ich wollte, heut mär’ Ihr Geburtstag — nicht bloß, weil der heutige Tag ein Galatag der Natur ist — oder toeil ich Ihnen gerade schreibe — oder weil ich dnich mit dem sanften heiligen Feuer ihres wiedergelesenen letzten Briefes erwärmt habe — oder weil ich einen Ihres Briefes würdigen Liebergang gemacht und in den auf Blumen und am Himmel blitzenden Morgen getreten bin: sondern wegen all b«eser alrsachen zusammen, und weil ich wieder hinaus möchte um Ihnen in meinem Innern mitten unter dem Morgentaumel ver bunten und melodischen Erde Glück zu wünschen." Daran schließt sich ein schwungvoll schwärmerischer' Hymnus, Len er mit dem Satze schließt: „Die Seele feiert bei jeder guten Tat einen Geburtstag:" , mehr zu fernem Rechte als hier im Osten; merstvürdig ist, wie geringe Begriffe die Gartenbesitzer hier meist von den gesteigerten Gartenmöglichkeiten des westlichen und südlichen Deutschlands haben und sich dadurch um das volle Gefühl bringen, was Deutschland an Gartenleben gegönnt ist. , Dah die geringe Wärme des Winters sogar für Blütenentfaltungen hinreicht, vermag uns einen Begriff davon zu geben für wie viel unsichtbare Vorgänge in der Pflanze sie genügt. Diese Pflanzen mit der Kraft winterlichen Blühens stammen fast alle aus E h i n a und Japan, aus den Orientgebirgen dem Kaukasus und zum Teil aus Deutschland. Im November blühe!? die späten japanischen Ehrysanthemuni-Spielarten Nvvembersvnne, Nebelrose, Rehauge Goldschopf und Melanie. Unter den amerikanischen Staudenastern ist die meterhohe weiße Aster Datschi und ihr rosa Sport Findelkind ein ausgesprochener November- bluher. Alle diese Novemberblumen sollte man an sonniger Stelle mit kleinen 'Beerensträuchern und kleinen immergrünen Laub- gehölzen vereinigen. Als erste der Schneerosen erblüht schon im Oktober Helleborus Praecox. Ihr folgt unsere Schneerofe Helle- bvrus Niger, oft schon in der zweiten Novemberhälfie, und Ende Dezember tritt bann die große weiße Gartenform, Helleborus niger maximus, in Blüte. Zu gleicher Zeit beginnen auch invdvrus und noch andere reizvolle Arten zu blühen. Die korsische Schneerofe ist ein ausgesprochener Dezemberblüher von großer Vornehmheit, doch sind die Akten über ihren Gartenwert hier in unserem kälteren Deutschland noch nicht geschlossen. Vielleicht kann man viele ihrer Vorzüge und ihren hohen Bau in noch härtere Rassen durch Kreuzung hinüberretten. Die eigentliche Gartenstätte der Schneervsen ist ber halbfchattige ober absonnige Steingarten. Hier sollten sie an unteren Plätzen in Verbindung mit den farbigen kaukasischen Schneerosen, die ihren Flor Ende Februar sortsetzen, und der Prachtvoll wuchtigen grünen heimischen Schneerose, sowie mit Seidelbast Schneeheide, Schneeglöckchen, Adonis arnurensis, mit Haselnuß, Zaubernuß und winterblühenden Rhododendron vereinigt werden. Schneerosen müßten eigentlich in jedem Garten sein — nur in den ersten ein bis zwei Jahren ist etwas Geduld mit der Pflanze nötig. Dafür lohnt aber auch unendliche Treue und Blühwilligkeit der erstarkten Pflanzen. In leichteren Böden lieben sie durchaus halbschattige Pflanzung, dagegen kann man ihnen in kräftigeren saftigeren Böden auch sonnige Plätze zuweisen. Sie haben eine Vorliebe für Lehrn- Ausatz im Boden. Die kaukasischen Schneerosen haben ein viel gewaltigeres Wachstum bei viel größerer Widerstandskrast gegen Dürre. Unsere heimische Schneerofe hat ihren Wohnsitz an den landschaftlich schönsten Plätzen Deutschlands. Von der Fülle ihres Vorkommens macht man sich erst bei Tageswanderungen im November in den bayerischen Alpen einen Begriff. Den ganzen Tag begleitet uns der Anblick dieser großen dunkelgrünen Blätter- Hand, die sich über ein Nest marmor-weißer Knospen breitet und als Schutz noch Tannen über sich hat.; Der Flor dauert ganze Monate, und den ganzen Januar und Februar hat man in Dlütensträußen von Schneeglöckchen Haselnußkätzchen und gelbem Winterjasmin als schönstes Schmuckstück die edlen weißen Dlütenscheiben der Schneerose. Das Schneeglöckchen, das man doch auch hier im kälteren Deutschland meist schon ziemlich früh im Januar in Blüte sieht ist eine so wichtige Staude, das) man es in all fernen besten Arten und Hybriden im Garten haben sollte. In Süddeutschland und in der Schweiz habe ich Schneeglöckchen und Märzbecher mit allererstem leisem Amselgesang öfter schon Anfang Januar erlebt Eine herrliche Nebeneigenschaft ist beim Schneeglöckchen wie bei der Schneerofe ein monatelanger Flor. Wie lange liegt die Zeit ihres Erblühens schon zurück, wenn sie Ende März zum Beginn der großen Krokuszeit breitglockig verblühen. Wo sie einmal wachsen, stehen sie für Jahrzehnte. Die schönsten Arsten neben unserem gewöhnlichen Gartenschneeglöckchen sind Galanthus pli- caws, G Fvsteri und G. Elwesii. Letzteres beginnt vierzehn Tage früher zu blühen, wird viel größer und doppelt so hoch bildet aber nicht so reiche Dlütennester wie G. nivalis und wie plrcatuS, welche wiederum die Mitte zwischen Elwesii und nivalis halt. G. Fvsteri hat grünes glänzendes Laub und andere Reize, Im -Februarsind die wichtigsten Schneeglöckchen-Nachbarn von der Mitte des Monats an die gelben Sterne des Adonis amu- rensis, die Weißen und rosafarbenen Büschel der Libanon-Zeitlosen, Colchicum libanoticum und hydrophilum, die Vorfrühlings- Alpenveilchen, und kleine hellblaue Vorläufer der Perlhyazinthen genannt Hhacinthus azureus. Weitere Februargenossen des Schneeglöckchens sind noch die gelben und die lilafarbenen Zwerg- krokus, Crocus chrysanthus Goldlack und Crocus Imperati sowie die früheste aller Primeln, Primula iberica, die lila-rosa Karne-» valsprimel. Auch der Winterling, Eranthis hiemalis, ist hier wichtig. E. cilicica ist nur wenig größer, aber entbehrlich da auS unbekannter Ursache nicht ganz zäh und zuverlässig. Unter ben Schneeheidesorten sei nachdrücklich auf die so frühe und so lang blühende tiefrote Erica carnea hybrida hingewiesen. Im November und Dezember blüht noch Hamamelis virginica, die virginische Zaubernuß, in zwei Meter hohen zierlichen Sträuch- lein mit Kart gelben Blüten au asten. Die großblumigen japanischen Zaubernüsse H. japonira und ftärfer wachsende H. mollis blühen je 19 - nach Jahr und Standort von Ende Januar und Mitte Februar ab. Diese gelben Blütenknäule, die sich bei Frost zusammenziehen und nach schwerer Kälte bei mildem Wetter prachtvoll coeiterblühen, sind wie Blütengespenster oder wie Organe mancher Meeres- geschöpfe zwischen Tier und Pflanze. 2km Glase wirken ihre Zweige Mitte Februar wie die urweltlichste und traumhafteste erste Dlütenregung des Vorfrühlings. Ganz unvergeßlich ist mir aus einer Abendgesellschaft in einer westdeutschen Stadt die Wirkung großer Dlütensträutze aus dem Freien als Tafelschmuck Mitte Februar, nämlich Hamameliszweige und rotes Rhododendron nmcronulatum, mit gelben Winterjasmin-Zweigen, durchsetzt mit ein paar immergrünen Laubzweigen. Wenig Menschen wissen, daß der Rhododendron-Flor in fast ununterbrochener Folge von Januar bis Anfang August dauert. Einige kleine Zeitlücken Ende März, Anfang April werden durch neue Wildarten oder Kreuzungen ausgefüllt werden. Als erstes blüht sogar in unseren Gegenden meist schon im Januar Rh. dahuricum, mit lilarosa kleineren Blumen auf spar- rigen anderthalb Meter hohen Büschen. Der Flor dauert sehr lange und wird von Rh. parviflvrum fortgesetzt. Bald nach Mitte Februar beginnt in vielen deutschen Gegenden das prachtvoll kräftige Rhododendron mucronulatum seine mittelgroßen leuchtend rotvioletten Blüten zu entfalten. Dann folgt die Garten- hybride Ah. praecox mit etwas helleren Blüten. Leider Mrd der Flor manchmal von Frösten gestört und doch freut man srch immer Meder, die Pflanze im Garten zu haben. 1 Der Seidelbast dagegen bleibt vom Frost ganz unberührt. Er neigt dazu, Sämlinge hervorzubringen, die wochenlang vor den andern erblühen, so daß man oft an geschützten Plätzen, auch in unserer Gegend, die Sträuchlein schon Ende Januar in Blüte sehen kann. Man wird gewiß einmal eine frühblühende Rasse heraüszüchten. In Süddeutschland und in der Schweiz findet man Seidelbast bisweilen schon um die Jahreswende im Walde blühend, und im gleichen Jahr, fünf Monate später, pflückt man ihn Mitte Mai oft noch ganz hoch oben in den Bergwäldern, wo es noch Vorfrühling ist. Mit Seidelbastzweigen und mit Blütenstielen des Winter- heliotrop, Petasites sragrantissima, Mrd schon im Februar ein Zimmer in Dust gesetzt, und zwar ebenso stark wie vier Wochen später vom Duft einiger aus dem Freien geschnittenen Hyazinthen- stiele Zu den Mnterlichen Duftgewächsen gehört auch Lonicera Standishi, härter und früher blühend als L. .sragrantissima. Dies meterhohe Gewächs paßt auch besonders in der gefügigen Form lancifvlia gut an Hausspaliere, in Verbindung mit den beiden herrlichen bunten Jasminen, dem gelben und dem lilaroten nämlich I. nudiflvrum und I. Beesianum. Gleichfalls gehört im kühleren Deutschland an Düdspaliere der schönduftende aller Winterblüher: Chimonanthus praecox. Der Duft eines Busches, dessen Blüten ziemlich unscheinbar rotbraun sind, streift oft weit umher, und zwar im milderen Deutschland schon im Januar Die Garten-Form unserer heimischen Erle, Alnus incana aurea und die japanische Erle sind die frühesten und reich- blühendsten aller Erlen: es ist keine Kleinigkeit, ein paar ihrer prachtvollen Zweige von der- Hauswand schneiden zu können und sie aus schöner japanischer Schale herausblühen zu lassen. Die frühst blühenden aller Weiden, auch in ihren Silberknospen von großer Schönheit, sind die Salweide Salix caprea, S. Medemii und 6. daphnvibes pommeranica, die Reifweide. Aus Erinnerungen der Fürstin Marie zu Erbach-Schönbsrg, Prinzessin von Battenberg. Die im Jahre 1852 geborene Tochter des Prinzen Alexander von Hessen (ihr Großvater war Ludwig II., Groß- Herzog von Hessen), die früher bereits über ihre Kindheit und Mädchenzeit in Hellmuth Wollermanns Verlag, Braunschweig, ein Buch fritte erscheinen lassen, liefert jetzt mit einem aus dem gleichen Verkige hervorgehenden Bande Aus stiller und bewegter Zeit" eine Ergänzung und Fort- setzung. Die Memoiren dieser fürstlichen Frau sind um deswillen interessant und lesenswert, weil sie uns Einblicke gewähren in regierende fürstliche Häuser, mit denen der hessische Hof in verwandtschaftlichen oder freundschaftlichen Beziehungen stand, und darüber hinaus, weil sie mit besonderer Ausführlichkeit die denkwürdigen Schicksale ihres Bruders Alexander, des ersten Fürsten von Bulgarien, erzählt. Ihre Reisen und Tagebuchblätter bringen eine bunte Fülle fesselnder Bilder und Erlebnisse aus der sogenannten Großen Welt, von denen wir indessen kaum "sagen können, daß sie an Innerem Wert die friedvollen Idylle der heimatlichen Schlösser im Odenwald übertreffen Einige Tagebuchabschnitte aus einem Londoner Aufenthalt mögen einen Begriff von der DarstellungSart der Verfasserin geben, die übrigens durch ihre Teilnahme an •) Witwe Napoleons III. __ •*) Prinz Louis Napoleon, einziger Sohn des französischen Katserpaares. Gr siel in Afrika bei einem Kriegszug. Werken der sozialen Fürsorge und Wohltätigkeit in Hessen bekannt und beliebt ist. „Windsor, 25. März 1886. .....Gestern waren Likv, Beatrice (Heinrich, oder Liko, der Bruder der Verfasserin, war vermählt mit Prinzessin Beatrice von Großbritannien und Irland; ihr Bruder Ludwig war großbritannischer AdMral, und bis 1914 Erster Seelord) und ich bei der Kaiserin Eugenie') in Farnborough Hill. Die Kaiserin hat, wie Du ja weißt, eine besondere Anhänglichkeit an Beatrice, weil ihr Sohn* •*)') eine schwärmerische Liebe für sie gehabt haben soll. Wir reisten in einem Extrazug nach Fimley. Dort holte uns ein grüner, viersitziger, offener Wagen ab mit Trauerlivree. DaS Schloß Farnborough Hill ist etwa eine halbe Stunde von der Station entfernt, ein reizendes, unregelmäßiges Gebäude; im kleinen erinnerte es mich an Kastell Pelesch in Rumänien. Es liegt auf einem Hügel in wunderhübscher, waldiger Gegend. Das Haus ist schön eingerichtet und wirkt sehr vornehm, ganz kaiserlich Eugenie empfing uns in liebenswürdigster Weise, aber etwas höfisch-formell. Sie redete mich immer in der dritten Person, mit „Dotre Älteste", an. Sie hat hübsch frisierte weiße Haare, und sie ist noch schön, mit reizend graziösen 'Bewegungen und einem unbefchreiblichen Charme. Sie trug schwarze Wolle mit > Crepe. Nachdem Mr einige Zeit in ihrem Salon gesessen hatten, führte sie uns einen weiten Weg durch ihre Besitzung auf einen Hügel gegenüber, wo sie eine schöne Grabeskirche baut für ihren Sohn, die schon beinahe fertig ist, sehr grob, mit einer dvyiartigen Kuppel und reichen Verzierungen in weißem Portlandstein .... ihn zwei Mr wurde gefrühstückt in einem wundervollen' Saal mit Gobelins. Man atz auf Silber mit dem französischen Wappen. Auf den Gläsern war das berühmte „N in Gold zu sehen. Die Gesellschaft bestand aus Madame Le Breton geb. Bourbiti, geb. Monsieur Pietri und zwei Richten der Kaiserin, jungen Spanierinnen, mit ihrer Gouvernante. Nach dem Essen, das sehr gut war, zeigte uns die Kaiserin alle Zimmer und ihre kostbaren Bilder' und führte uns auch in das Gemach ihres Lohnes, wo alles noch liegt und steht, wie er es verlassen, als er nach Afrika auszvg. I Die silberne Wiege, ein Geschenk der Stadt Paris an den 6 „König von Rom", Napoleons I. Sohn, stand auch da, und ein Bild der Stelle an der Prinz Louis Napoleon, Eugeniens Sohn, gefallen ist. Er liegt tot ausgestreckt im sonnendürren Gras und am duftigen fernen Horizont steigen die Türme von Paris auf, wie eine Fata Morgan«. Vor dem Bilde lag ein frischer Veilchenkranz. Es war so jammervoll traurig, daß ich die Trän«: nicht zurückhalten konnte. Um 4 Uhr reiften toir Meder ab. Ich muh sagen, es war ein ganz merkwürdiger Eindruck, dieser Ausklang französischer Kaiserherrlichkeit auf englischem Boden, der die Zufluchtsstätte so vieler und so verschiedenartiger Exilierter ist. —“ „27. März 1886. Heute kam der Abbä Franz Liszt zum Lunchevn nach Windsor. Er aß an der Marschallstafel, die Königin sah „ihn erst nachher. Er hatte, da er spielen sollte, seinen eigenen Flügel aus London mitgebracht, und als Mr in den Salon hereinkamen, stand der berühmte Künstler in feinem geistlichen Gewand neben feinem Instrument. Die Königin begrüßte ihn sehr freundlich, und ich genoß den Anblick der beiden voreinander stehenden Gestalten sehr. Beide klein, beide weibhaarig, in schwarzer Kleidung, beide würdevoll und freundlich und beide etwas verlegen. Sie, Beherrscherin des großen britischen Reiches, er — Beherrscher im Reiche der Tonkunst. 1 Franz Liszt spielte wohl eine halbe Stunde lang Perlend glitten die Töne unter seinen Händen dahin, und Klange — wie aus fernen Welten - durchschwebten den Raum. Der durchgeistigte Kopf und die Soutane hätten an eine Orgel auch gut gepaßt - obschon bei Abbö Franz Liszt der WKmann doch überaus aus dem Priestergewand herausguckte! Die Prinzessinnen und ich hatten uns mit unfern Geburtstagsbüchern bewaffnet, um Liszts Llnterschrist zu ergattern. Als er nun bald von der Königin verabschiedet werden sollte, konnte keine von uns sich entschließen, mit der Bitte herauszurücken, denn wir waren alle verlegen. Schließlich wurde ich vorgeschoben, durchquerte das Zimmer und legte kühn dem großen Mann mein Buch auf den Flügel. Er verbeugte sich lächelnd und schrieb sich ein, ebenso auch in die Bücher der mir schüchtern nachgezogenen Königstöchter unö schließlich auch in das Buch, der Majestät. Die Königin teert ft e mir später in Erinnerung an jenen Nachmittag eine kleine Büste von Franz Liszt von Bildhauer Böhm und neckte mich «och oft mit der kühnen Attacke, die ich auf ihn gemacht ...... . Wie kann man irur bis ins hohe Alter so mädchenhaft fchuMern seinl Sie ist doch eine mächtige Königin, vor der alle, Hohe und Niedere, einen an Furcht grenzenden Respekt haben/ Sv klein von Gestalt, wie sie ist, hat sie doch durch Gang und Haltung Menschheit sich gestalten. ' LH. SchrWMMZ: A«guK Gvetz. — Drück uuL DrÄltz» Der BrtzhlLchr« A«iv>B«K. mch Steindruckereü D. k«»M, Gicheq. rkvas tnrgeMrm ÄMpsnieMNösS. Ähr Wchsl« Ha! ÄaLei etwas Reizendes, einen Charme, der alle bezaubert, . . ..." IRing. Klemmt man Len zweit« Ding am dritten fest mnd versetzt den ganzer Apparat in Drehung um die lotrechte 2lchse (etwa mit der Schwungmaschine), so stellt sich die Kreiselachse (die vorher gegen die Horizontale geneigt vorzustellen ist) sehr bald in die Richtung der Drehachse des Apparates, — und der Drehsinn des Kreisels stimmt mit dem des Apparates überein. Dreht man den Apparat entgegengesetzt wie vorher, so schlägt der Ibn innersten Ding fitzende Kreisel um, fv Last sich sein Drehsinn auch umkehrt. < Auf diesem Verhalten beruht die Verwendung des Kreisels als Kompaß d. h. eines Instrumentes, das die Dord-Süd-Dich- tung arrzeigt. Es ist unmöglich, an dieser Stelle auf die Theorie Les Kompasses näher einzugehmr; ein ganzer Komplex von mathematischen Entwicklungen ist zum Verständnis nötig. Die Drchtkraft eines geeignet gelagerten Kreisels ist schon lange bekannt,, doch erst im Jahre 1908 gelang es dem Münchener Dr. Anschütz- Kämpfe einen brauchbaren Kreiselkompatz herzustellen. Er besteht im wesentlichen aus einem durch elektrische Kraftübertragung in I rascher Dotation gehaltenen Kreisel, der sich in einem Gehäuse befindet; das Ganze schwimmt auf Quecksilber, und zwar so, datz die Achse wagrecht bleiben mutz. Durch die Erdbewegung wird dem Kreisel noch eine Drehung um die Erdachse ausge- I zwungen (so wie beim Bvhnenbergerschen Apparat dem Kreisel eine Drehung um die (Achse des äußersten Dinges ausgezwungen wurde), und dadurch zeigt der Kreisel das Bestreben, sich in den Aleridian einzustellen, wobei sein Drehsinn mit dem der Erde überetnstimmt. Di« Vorteile gegenüber dem Magnetkompatz sind die ÄnabhängigSeit von benachbarten Gisenteilen und von dem Ort aus der Erdkugel, der beim Magnetkompatz dessen Gin» I stellung stark beeinflußt. So etwas wie „magnetische Störungen" gibt eS beim Kreiselkompatz nicht. Sein« Aichtkraft bei den modernen Ausführungen ist sehr groß, da der Kreisel pro Minute 20000 Umdrehungen macht. Der Anschützsche Kreisel wird auf Schiffen fast aller Länder benutzt. Es kommt hinzu, datz man neuerdings den Kreiselkompatz zur automatischen Steuerung des Schiffes eingerichtet hat; besser als durch Menschenhand wird Las Schiff durch das mit dem Kreiselkompatz verbundenen Selbststeuer gelenkt. Auch eine Vorrichtung zur genauen Angabe deS SchisfsvrteS kann der Kvmpatz bedienen, so datz man den Ort nicht erst lange aus Beobachtungen zu berechnen braucht. Der Kreiselkompatz wird den Magnetkompaß nach und nach verdrängen; nur bei Fehlen des elektrischen Stromes mutz man natürlich zum Magnetkompatz greifen. — Von dem Spielzeug „Kreisel" zu lernet technischen Anwendungen, insbesondere zum Kreiselkompatz, ist ein weiter Weg, aber er ist gegangen worden, und gar manches, was noch heute als Spielzeug gilt, wird unter den Händen der Forscher eines Tages zu einer wohltätigen Einrichtung für di« Der Kreiselkompatz. Jeder kennt die Kreisel aus Holz, mit Venen die Kinder auf Der Stratze spielen, wenn eS Frühling wird. Offenbar verursacht es dem jugendlichen Gemüt Freude, den Kreisel tanzen zu sehen, özw. zu beobachten, Latz er nicht umfällt, solange er in Dotation ist. 'Doch schöner beobachtet man di« letztgenannte Tatsache an Kreiseln aus Metall, bei denen sich ein Schwungrad um eine deutlich sichtbare Welle als Achse dreht, um die herum die Masse des Rades (oder der Scheibe) gleichmähig verteilt ist. Man kennt ihn nicht wieder, den Kreisel, wenn er aufgezogen ist; war er vorher stumm und tot, so redet er jetzt eine Sprache «und zeigt Kräfte, die uns in Erstaunen setzen. Sv fällt er nicht um, wenn er schräg auf den Tisch gesetzt wird, sondern seine Achse beschreibt einen Kegelmantel, unter Beibehaltung ihrer Deigung zur Horizontalen. Selbst lveim man Las eine Ende der Achse in einer Schlinge wagrecht und frei aufhängt, fällt der Kreisel nicht aus seiner Schlinge heraus, — solange er sich hinreichend rasch dreht. Die Achse zeigt das Bestreben, ihre Richtung im -Raum beizrrbehalten. — Mit dem Bohnenbergerschen Apparat lassen sich noch andere Koeisestvirkungen zeigen. Hier befindet sich ein Kreisel in einem Ding, dieser Ding in einem zweiten Ding, der nm eine wagvechte Achse drehbar ist, und der zweite Ding — um eine vertikale Achse drehbar in einem dritten Die vieten Wochen, die ich im Lause Der Jahrs 1385—1898 mit der Königin verbringen durfte, gehören zu den wohltuendsten und köstlichsten Erfahrungen meines Lebens. Der nahe .Umgang mit ihr, der Herzensremen, nmtzte veredelnd und erhebend wirken, und ich habe nie deutscher gefühlt, als bet ihr, die stolz war auf ihre deutsche Abstammung, und die den verwandtschaftllchLn . Sinn zu Pflegen wutzte, wie es in unserer modernen Zeit leider seltener und seltener wird. Das Gemüt toar sehr reich bei ihr entwickelt, namentlich das Gefühl der Dankbarkeit; ihre .Untergebenen und Diener wissen davon zu erzählen. Die „freundliche" Mitwelt, die immer bereit ist, das Strahlende zu schwärzen, hat selbstredend auch dieses FrauenleLen mit Klatsch und böswilligster Verleumdung nicht verschonen können. ■ ' In das Gebiet der schändlichsten 'Verleumdungen gehört z. B. das Gerücht vom „Trinken". Die Königin litt an Kongestionen, so datz sie sich vor Weinen und erhitzenden Getränken fürchtete. Ohren Kaffee und Tee trank sie immer erst, wenn er von einer Tasse in die andere zur Abkühlung umgegossen worden war. Sie hatte deswegen stets mehrere Tassen vor sich flehen, Ähr Tischgetränk war Selterswasser mit einem Tropfen Whisky ; darin, vom Arzte verordnet. Daraus ist die Alkohvllegende ent- i standen!! > < । In ihren Gewohnheiten hatte die Königin diel Deutsches; so z. B. tunkte sie aus Vorliebe das Gebäck in ihren Kaffee, was in England gang verpönt ist. ! Sie sprach ein mustergültiges Deutsch, ganz ohirr fremden Akzent und ein ebenso reineS Französisch. Mit mir Hat sie immer nur deutsch 'gesprochen und alle j Briefe, die ich von ihr besitze, find deutsch geschrieben. Alle ihre Kinder und Enkel sprachen nur deutsch mit mir. Es war wie j selbstverständlich — sowie ich hi den Familienkreis eintrat, wurde allgemein deutsch gesprochen, obgleich ich die englische Sprache f von Kind auf beherrsche, und natürlich mit allen übrigen Eng» | ländern englisch sprach, denen das Deutsche nicht geläufig war. j Der interessanteste Moment des Tages war das Frühstück, ' denn 6a besprach sie meistens die neuesten politischen Ereignisse, i an der Hand der Ministerberichte, die ihr in Metallschatullen gebracht wurden. Da konnte ich mich oft überzeugen, wie sehr sie ihre eigene Meinung hatte und wie sie es verstand, das weibliche Gefühl mit männlichem Verstand zu Berenten und die weibliche Weichheit mit männlicher Schärfe und Vorurteilslosigkeit zu verbinden. '■ f Ein Spielball ihrer Minister ist dies« Frau niemals gewesen. Merkwürdig berührte mich einige Jahrs nach ihrem Tode ein Ausspruch ihres Enkels, des fetzigen Königs Georg von England. Gr war damals noch Prinz von 'Wales. Wir sahen — 1910 war es, als die Schwierigkeiten mit den Suffragette einen Hohen Grad erreicht hatten — beim Tee in Kensington Palace bei meiner Schwägerin, Prinzessin Beatrice, in erregtem Gespräch über die immer heikler werdende Situation. Da sagte der eng» lisch« Thronfolger im Brustton tiefster Aeberzeugung: „Unter Grotzmama wären alle dies« Ding« nicht möglich gewesen —----England war eigentlich nur unter &sc Degierrmg der Frauen grvh: Mctvria, Qlnna, Elisabeth." Doppelgänger in der Tierwelt. Wie es unter den Menschen Doppelgänger gibt, die sich nicht nur in ihrem AeuHeren, sondern manchmal sogar auch in ihrer Lebensweise zum Verwechseln ähnlich sind, so kann man solch« Doppelgänger auch im Tierreich beobachten. In einem Aussatz des .St. Hubertus" wird darauf hingewiesen, datz zwei Vertreter der wild lebenden Tierwelt in Europa richtige Doppel gänger haben, nämlich der Biber und das Alpenmurmeltier. Gin dem Biber in Gestalt und Lebensweise sehr ähnliches, wenn auch viel kleineres Tier, ist die Bisamratte, die man daher auch Zwergbiber genannt hat. Das Pelzwerk der Bisamratte ist dem des Bibers ähnlich, freilich nicht so dicht und daher auch nicht fo wertvoll. Die Ernährung der Datte ist wie die des Bibers fast ausschltstzlich auf Pflanzenkost beschränkt. Die Bisamratte baut ebenfalls mitunter „Burgen" und hat mit dem Biber die Eigenart gemein, am Grunde deS Wassers zu laufen. Außer dem GrShenunterschiede unterscheidet sie sich von dem Biber durch den viel längeren und dünnen Duderschwanz und «ine Reizbarkeit die der phlegmatische Aber nicht kennt. Doch erstaunlicher ist die Ähnlichkeit bei dem Doppelgänger des Alpen- murmeltiers nämlich der Zieselmaus, die nach ungezählten Tausenden die Ebenen Dvrdwestböhmens bevölkert und den Beinamen „böhmisches Murmeltier" erhalten hat. Der eintönige Psiff der Zieselmaus ist zwar schwächer als der Warnpsifs des Murmeltiers, kann aber sonst leicht mit ihm Verlvechselt werdeir. Seinen Bau legt das Erdziesel ebenso eigenartig an wie bad Murmeltier. Es gräbt eine etwa 1 Meter lange Röhre fast senkrecht in den Boden; die Röhre hat eine sackartige Erweiterung, di« dem Dachwuchs zum Aufenthalt dient. In der Ernährung hat sich der „Doppelgänger" freilich unangenehme Eigenheiten cmgewöhnt, denn während das Murmeltier fast ausschließlich von pflanzlicher Aahrung lebt, vergreift sich das Grdziesel an jungen Tieren, besonders au kleinen Hasen.