1922 :tHITi M ' L M Ä LM« WM TM BW Mu««' umuiliü Das SchiMsal der deutschen Sprache in der Gegenwart. Von Prof. Dr. Alfred Götz«. (Schluh.) Auch im Südslawenstaat habe»» Seide Seite von vornherein erkannt, das; die Frage des Deutschtum- im Kern eine Schulsrage ist. Hier sind die Deutschen gut zusammengrfaht und glücklich geführt vom „Deutschen Kulturbund, der im September 1921 Lqm serbischen Unterrichtsministerium wichtige Matzregeln abgelungen hat, durch die vor allem der Fortbestand der bestehenden deutschen Mittelschulen gesichert ist. In Werscheh und Neusatz sollen junge Leute für den -Unterricht in deutscher Sprache und Literatur herangebildet werden, auch, für die Methodik des deutschen Sprachunterrichts wird gesorgt. Freilich, wie bedroht das Deutschtum im alten Kärnten, in der Steiermark, in Gotisches und den sonst an Serbien gefallenen Randgebieten nach wie vor ist, wird daran sichtbar, dah man in solchen Versprechen schon einen Fortschritt sehen must. Namentlich ist die 'deutsche Stadt M a r b u r g in ihrer slowenischen Umgebung geradezu ein Opfer des Weltkrieges geworden. Marburg, die gröstte Stadt der südlichen Steiermark, liegt malerisch im grünen Weingelände am Aker der Grau, nur wenige Kilometer vom geschlossenen deutschen Sprachgebiet entfernt. Jetzt wird die Stadt von der südslawischen Regierung planmähig entdeutscht. Vis zum Ende des Kriegs hatten sie 22 653 deutsche und nur 3828 slowenische Einwohner: nach drei Jahren slowenischer Herrschaft ist die -Zahl der Deutschen auf die Hälfte gesunken, dafür zählt Warburg nun 20 000 Slowenen. Die Staatsangestellten deutscher Zunge sind verjagt, die Kinder werden in slowenische Schulen gePreM, wenn, auch nur eines der Groheltern einen slawischen Rainen trug. Alle deutschen Inschriften sind von den Stvatzen und sogar aus dem Innern der Häuser verdrängt. Mehr als 50 deutsche Vereine sind aufgelöst und ihr Vermögen von vielen Millionen slowenischen Vereinen zugewiesen worden. Verordnu.nge.ir zur Linderung der Wohnungsnot werden mihbraucht, um deutsche Mieter, Grundbesitzer und Geschäftsinhaber aus ihren Räumen zu drängen und zur Auswanderung zu zwing«;. Dafür sind 11000 Slowenen aus Götz (das an Italien gekommen ist) in Marburg und seiner nächsten -Umgebung zwangsweise rmtergrbracht. Durch maßlose Mnschüchtevung bedrängt, haben bei der letzten Volkszählung viele nicht gewagt, sich als Deutsche zu bekennen, und das muh wieder den Vorwand liefern. Deutsch als VerwalinngSsprache zu versagen und die verbrieften Rechte der Minderheit nicht zu gewähren. Aehnlich liegen die Verhältnisse in den übrigen Städten der Untersteiermark: wenn eS so weiter- S", wird man "bald (wie weiter östlich und südlich schon seit rhunderten) nur noch an der Bauweise und eiirzelnen Namen erkennen können, dah deutsche Kaufleute und Handwerker dies weite Land erstmals der abendländischen .Kultur gewonnen haben. Vesser steht es weiter westlich im südlich«« Kärnten. Hier lassen sich die Deutschen nicht einschüchtern, sie bekeMren sich tapfer und freudig zu ihrem Deutschtum. Ja, im österreichisch gebliebenen Klagenfurt antworten viele Familien auf die slowenischen Herausforderungen damit, dah sie ihre slawisch klingenden Ramen in deutsche umwandeln. Die Forscher der Zukunft werden mit diesen künstlichen Ramen ihr Kreuz haben — mögen sie, wenn die Gegenwart daraus einen Gewinn völkischen Bewußtseins und deutscher Gesinnung ziehen Sami! Da« sind Wellen, die mir die Oberfläche kräuseln. Die sprachliche Grundtatsache bleibt, Last unter den Weltsprachen für bei Slowenen nach tote vor nur die deutsche in Betracht kommt. Ohne ihre Kenntnis kann er sich nicht einmal in die eigene Ver- gangenheit vertiefen, ja die Erforschung seiner eignen Sprach» ist ihm ohne Deutsch verriegelt. Allein durch die deutsche älebew retzungSarbeit sind die Slowenen mit der groben Weltliteratur verknüpft, alle ihre höheren Schulen stich mit deutschen Ähr» Mitteln gefüllt und die Slowenen können sie nicht ungenutzt lassen, wenn sie nicht die eigne Zukuistt gefährden wollen. Die Stimmen der Vernunft, die sich in den letzten Monaten sogar schon in den Laibacher Blättern hören lassen, dringen zunächst nicht durch, weil auch bei den Südslawen die Schreier noch vom Umsturz her das Heft in Händen haben. Dennoch dämmert die Einsicht, datz den Südslawen, nachdem ihre staatliche Selbständigkeit gesichert ist, die deutsche Sprache nicht mehr schaden kann, Last vielmehr die wichtigsten Rücksichten si« darauf Hinweisen, sich mit ihren deutschen Nachbarn — auch sprachlich — zu verstehen. Ist e- im Südslaweustaat eine innere Notwendigkeit, die uns für die Zukunft des dortigen Deutschtums hoffen läßt, so ist es in Südtirol die aubenpvlitische Hoffnung. Italien meinte die Vrennergrenze zu brauchen gegen das habsburgisch» Oesterreich. Aus Gründen militärischer Sicherheit meinte eS die 250 000 Tiroler zwischen Bremer und Dalum sich elnverleiben zu müffelt. Die kurze Frist, die seit dem Frieden von Saint-Germain vergangen ist, hat genügt, den verbissensten itastenlschen Staats- männem eindeutig zu zeigen, dab gegenüber deut Kleinstaat, der vom alten Oesterreich übrig geblieben Ist, dis Grenzwehr der höchsten Alpenpässe übertriebene Vorsicht bedeutet. Äs werden nicht ewig mit Kanonen gegen Spatzen schießen wollen, zumal sie inzwischen auch verspürt haben, daß der allzu gierige Mffen sehr bitter schmeckt. Die Viertelmillion Ginster, die sich gegen vierzig Millionen Italiener behaupten müssen, steh«, Mammen wie ent Mann. Bezeichnend ist ihr Verhalten bet der Reise des Königs von Italien durch das „erlöste" Südtirol Im Oktober 1921. Er kam die Jaufenstratze von Bozen herauf und wollte am Sand Im Passeier halten, wo einst Andreas Hofer gewirtet hatte und jetzt eine junge Besitzerin die grostrn Erinnerungen treulich hütet. Sie war dringend und dringendst gebeten worden, den König in der Tracht des Tals zu empfangen und ihm den Willkommenstrank zu bieten. Vergebens — auch die Polizeimacht hat sie nicht bewegen können, die italienische Fahne zu zeigen. Derdriehlich ist Vittorio Emmanduele vorbeigefahren und hat sich an bei spalierbildenden Italienern begnügen müffen, die in Sonderzügen herbeigeschafft waren, da auch die deutschen Dauern in der alten Tracht ihrer Täler daheim geblieben waren wie ein Mann. De» beutfam ist damals von hochgestellter italienischer Seite daS Wort gefallen: „Wir wissen genau, dah wir das deutsche Südtirol nicht auf die Dauer behalten können. Wir wollen es auch nicht. Di» Freundschaft tmb der Handel mit Deutschland sind uns viel wichtiger." Da« ist bisher nut ein Wort, und noch ist der darin enthaltene Hoffnungskeim von den ernstesten Gefahren umdroht. Sprachlich die wichtigste liegt Larin, Last Deutsch-Südtirol keine Hochschule hat und dah Italien höhere Beamte nur anstellt, wenn sie an einer italienischen Hochschule Herangebildet sind. Aber bt$ treudeutsche Gesinnung gerade dieses StammeÄ wird die früh erkannte Gefahr zu bannen wissen. Anderseits ist die Sprach- Svenze gegen das Stallenische gerade in Tirol von ber eindeutigst« . ........... — 190 — Klarheit, uüb die gut geleitete Esch- Bewegung weih aufS i Dorf genau, wie weit sie ihr Gebiet zu lassen hat. , , So gewinnen wir gerade m^t dem Mick ^us Südtirol ein «echt ans zuversichtlichere Beurteilung der deutschen Zukunft. Wohl ist noch an vielen Punkten das Deutschtum In derbeuftchen Sprache Ldloht. In Rumänien haben die stebenburgMen Sachsen einen schweren Stand gegen gewaltig« Übermacht, h rend im Innern des Landes die Rumänen die ^utsck^n evang^ lischen deutschen Schulen gewahren lassen, dre unter g Opfern und Anstrengungen von den Deutschen in P oe,ft g aderen Städten errichtet oder neu in Danggebrachtftnd^ D Banat ist zerrissen und die dort angesiedelten Schwadens gefährdet im rumänische,;, verloren im sMlawis^n Teft,^we nicht aus der Heimat wirksame Hilfe kommt. Die deu * . ander Wolga sind kurchtbar mitgenommen erst vom Bvlschrw mns nun von der Hungersnot. Die Deutschen O hat man durch die Schemabsftmmung von O« den bürg um y Albstbesiimmungsrecht betrogen u»d den Madiarem schmerzttch breit und noch sind die sprachlichen Wlgen noch lst t>ie unausbleibliche Berwelschung der rheimschen BEprache aar nicht abzuschen. In der Aord mark suchen die Danmi die Spuren' deutscher Gröhe zu verwischen und enter Aadt nach der andern dänisches Gepräge aufzudrücken. Dre Sprache^r Wftse^ frfhnft Mp weithin im «-ermclnrschen Äoroen oeutjq} omx , I enalisch geworden am vollkommensten in Norwegen Hter ftnd -^r>?te Gelehrte die ihr Lebtag ihre Ergebnisse deutsch dar- aestellt haben' mit ihren Alterswerken zum Englischen uberge» Len, & fte doch nach wie vor «Nein in Deutsch and mat- forschendes Verständnis erhoffen komten. Die Vererntgten Staaten planen ein Ginwanderungsgeseh, nach dem amerr konischer Bürger nur werden kann, wer die englische Sprache m Wort und Schrift beherrscht. Der Pariser Buchhandel, hat den ausländischen Büchermarkt, z. B in Mastlien, vollstandtg - vb"rt der Londoner den nordischen, und die riorge rst ttich. obzuweifen das; die an sich notwendigen Schuhmastnahmen des deutschen Buchhandels die neue Anknüpfung auch einmal erschweren. . , Wenn wir trotzdem auf das Schicksal der deutschen Sprache vertrauen, so müssen wir die Hoffnung von tiefer her begrünen, als aus dem verblendeten Treiben unserer wirren Tage. Die Ge schichte lehrt, datz bei jedem Volk eine große Not umner wieder eine selbstverständliche Folge hat: bas ZusammwrivachlM be bedrängten Volkes zu einem bewussten Ganzen Es scheint dmr schichte lehrt datz bei jedem Volk eine große Not immer wiedererne selbstverständliche Folge hat: das Zusammenwachsen des bedrängten Volkes zu einem bewußten Ganzen. Es schnnt den Deutsch«, schwerer zu fallen als anderen Völker^ die notwendige- und eigentlich selbstverständliche deutsche Volksgemeinschaft zu finden. In einem aber sollte es für alle Deutschen keinen Zweifel geben, im Willen zur Erhaltung unserer Sprache und Art, dre — gans bescheiden gesagt — durchaus etwas Eigenes und Berechtigtes sind. Der Traum von einer Weltherrschaft des deutschen Geistes ist ausgeträrtmt. Wiederum kann sich doch gerade ,etzt. da ein volles Drittel der Deutschen zu Auslanddeiitfchen geworden ist, der deutsche Gedanke nicht erschöpfen mit dem Reich, er must uns höher stehen als die zufälligen und vorübergehenden Staatsund Nkachtgrenzen, er must all die freiwillig und unfreiwillig Ab- gespiengten unseres Volks mit umfassen, er mutz mit einem Wort "eichen, soweit die deutsche Zunge klingt. Nur durch die bewusste Volksgemeinschaft aller Deutschen der Welt kann sich unser Volk aus Ohnmacht und Niedergang der Gegenwart wieder aufricyten. Diese Gemeinschaft hat aber nur ein einigendes Band, dre deutsche Sprache: sie anerkannt zu sehen, kann jeder Angehörige unseres Volkes fordern, ob sich feine Ahnen vor Jahrhundert«! als Siedler, Handwerker, Kaufleute drautzen niedergelassen haben ober ob sie Bürger der eben erst abgetrennten Gebiete sind. Im Nahmen des Rechts der Minderheiten wird den Deutschen die Verbindung mit dem Muttervolk möglich sein, die vor allem eine Gemeinschaft des Geistes und der Kultur wird sein müßen, was nicht ausschlieht, dah sie einmal auch äutzerlich greifbare Früchte bringt. Durch den Zusammenschlutz mit der Volksgemeinschaft drautzen wird der Binnendeutsche erst spüren, wieviel Deutsche drautzen leben und was für eine Macht wir trotz allem sind. Der deutsche Kaufmann wird merken, datz der Stammes- genosse drautzen seinen Waren ein viel besserer Mittler und Vertreter sein tarnt als der Fremde. Sehr glücklich hat man die Duslanddeutschen als Pfeiler für die Drücke bezeichnet, aus der der neue Warenzug in die Welt hinausrollen wird. So gilt es zu schassen und nicht zu verzagen aus innerer und äußerer Pflicht. Wir bekennen uns zu dem Glauben, datz unser grobes Volk und seine Sprache im letzten Grund unüberwindlich £nb. Wir tun es mit den Worten, mit denen sich Gerhart Hauptmann am 13. November 1921 in der Wiener Hochschule zum Deutschtum einer neuen Zukunft bekannt hat: „Wenn wir von Deutschlands Wiedergeburt sprechen, so können wir Deutschland nickst eng vom staatlichen Gesichtspunkt betrachten, sondern von dem der gemeinsamen Muttersprache aus. Nur ans dem Wege der Läutenm« und Verinnerlichung kann sich diese Wiedergeburt vollziehen Mit Leidenschaft wollen wir uns als Deutsch« Be» LrL ta uErückbarem Glauben an den neuen Ausstieg unseres Landes, das nur äutzerlich besiegt, aber innerlich nicht erniedrigt ist. Nicht nur weiterleben wird Deutschland, es wird auch btußen uns reich sein. Ja, es ist schon reich durch die Treue, mit der be, ^n Abstimmungen gefährdete Volkstelle sich zu ihm bekannt habem durch die Entschlossenheit, mit der Oesterreich am Gedanken dÄ Anschlusses sesthält. So hat Deutschland tm Schutt des Welt» b^^s Ane beste Perle wiedergesunden: sein innerstes, unzerstörbares Wesen." Wellen der Zeit. Von Paul Steinmüller*). Novembernebel hingen zwischen kahlem Geäst. Die Häher laseii kreischend die letzten Eicheln aus, der Werrote Duchen- blätterteppich begann mitzsarbig zu werden und sich zu lösen. Jeder Tritt ritz Löcher in ihn, und seine Lappen trag man am Schuh davon. In der Ferne klang das Sterbelieb der Baume. Im Dreitakt hieben die Aexte in das klagende Holz, dann ein Aechzen und Kreischen, ein Laut wie ein dumpfer Schrei, vor dem die Tiere des Waldes zittern, und der stürzende Riese fiel rauschend in knirschendes Gebüsch. . . Dann verstummte das eiserne Lied und fmg nacht i»r-bei an. Ich ging in den Hau: Beile, Keile timd Stricke lagen da, als seien sie auf der Flucht forigeworfen. Ich, ging den Mannern nach und betrat den Hof. Da wuhte ich freilich-, warum sie die Arbeit verlassen 'hatten. Sie standen in Haufen beisammen, die Hände in den Taschen vergraben, den Kopf wie dar dem Angriff zwischen die Schultern gezogen, in den Augen da» vo.e Licht, das alle tragen, die besaßt Heble« tun. Was war war ein Pfiff durchs Land gegangen: Nieder nut der Arbeit! Nun wollten sie nicht mehr schtaifen^und wu^n doch inchi. warum. Sie waren zufrieden gewesen, aber aftes Menschlich^^.war plötzlich in Trotz, Kälte und FeistLichaft verehrt. Trostloser als die unfruchtbare Erstarrung des naheichen, Winters war bufe Versteinerung des Menfchengemuts. Wo drese elnsetzt, da York i Da fuhr der Wagen in den Hof, der uns den kleinen Hungmt brachte. Die Kinderaugen sahen nicht die drohende Menge, nickst Nebel unb Wiedereinkehr, sie suchten nur das AAügel des L»vfs die unbekümmerten Vögel, die mcht um das Morgen sorgen. And da ber Kleine sie gewahrte W« einen S«uben» tu) aus, ber wie ein heller Siegeslaut in den dumpfen Luft- ? ^Es müssen sich nicht immer Wolken spalten, damit wir der Sonne gewiß- werden. Wie ein Beschenkter trug ich das laachzende Kind in das Hrus. e Wie eine schwere Last tag die sonnenlose Zeit auf dem Land. Abend .und Morgen gingen in ihr ^ter, und die Tage wurden zur dämmenchen Nacht. Das Sonnenlicht schmolz mit jeden! Tag mehr zusammen. Der Mond wandelte sich, man ahnte es nur; und die Sternbilder schienen verschwunden zu lein. Wo war der Wind, ber nie rastende? Graugelbes Gewölk tag in der Lilft wie geschmolzenes Metall, bas im Wutz erstarrt war. Deutsch« and lag wie seine alten Kaiser in bleiernem Sarg. Eine stürmische Sehnsucht nach Licht und Freiheit von unerträglichem Druck erwachte in deii Menschen. Ihre Schultern frümmten sich unter der Last der hoffnungslosen Wolken, ihre. Äugen wurden starr, ihre Lippen wurden schmal. Sie litten und wurden im Verlangen nach ein wenig Sonne btatz ^und krank. Jeder Weg ist schön, auf den ein wenig Licht fällt. Hetzt wurde das Lichtlose Ewigkeit. , Die Weisen oerftummten, und die Schwätzer boten Gassen- Weisheiten feil. Man hörte nicht auf sie. Worte, Worte! Man mutzte sich an einer Tat aufrichten, und ich ging aus, sie zu suchen. Fahrende Leute fuhren aus ber Landstraße, die Augen unbeweglich auf die Köpfe ihrer Pferde gerichtet; junge Buuchen zogen sanglos dahin. Alle suchten den Weg ins Weite, und unfroh klang der Amboß aus der Schmiede am Wege. 'Da sah ich den Dauer, der über die dunklen Furchen ruhig dahinschritt und fein Korn ausstreute. Einen Säer im Christmvnd, wer sah den? And wer ihn hi« sah, der hätte ihn einen Narren gescholten. Ich aber stand still und bewunderte ihn. Denn wer mutig unter verschlossenem Himmel auf na-Htschwarzer Erde die kommende Saat vorbereitet, der mutz einen königlichen Sinn haben, auch wenn er den Zwilchkittel trägt. Alle wälzen sie die Last der Zeit, keiner versucht, sie M «eben ober zu tragen. Jammernd unb klagend schiebt einer fte bau andern zu, unb der wartet nur auf die Gelegenheit, datz er fte dem Nächsten aufhalse. Alle greifen sie die Bürde des ' Tages mit müden und unluftigen Händen an, schleifen sie widerwillig unb suchen Vergessen In dumpfem Schlaf ober im Trugrausch der Sinne. Das sind die Flüchtlinge des Lebens. Aber auch ■ die Standfesten sagen, datz sie keinen festen Grund unter den : *) Aus dem SkizzenbüMeiu „Alltägliches tm Licht" (Vertag i von Greiner und Pfeiffer, Stuttgart). — 191 — Mtzsr auf dem sie sHvetten Me PMe Teten 1 fcaibtrifl vom Schweif den die Rot erpreßt hat. hörte daS und fragte mich, ob uns der aufrechte ®a 9 »md das gegen OBolten, Säuft und Winde 9«Wete Sau»t |Xte. damit unsre Micke die Steine im Weg »ahlten und die 8las« witternd am Boden bänge.^ch ging Suf den H g Kl. "ttan hie Riefenmutter des Waides, die alte Ulme, 5 tS Krone in Herbsttagen die ÜlegenfrauM zerreißen. Die Sonne war noch 'nichts gv... ösiiicbe Stimmet toar eine orangefarbene tochal^ aus Kn Ätoento W floß- Das trank begierig die ®tte, um sich ^Umarmung aschfahler Schatten entreißen zu ^nnenAber £ä te-ÄtfÄä« ®S a<6SrS!a® aufwärts schauen, wenn zu unsem Mß-n noch r^Dun^l liegt. Und das ist das Geheimnis ter Gottes- La- das der Seher kennt: Von beglänzten Wipfeln lesen, was hi«?PMtreter nicht erblicken, selten begreifen und nie glauben. Der Wiederemfbem deutschen MoMen- wesens nach dem Weltkriege. Von Elise von Hopffgarten. Zu den schmerzlichsten und.niederdrückendsten Mummten während des Weltkrieges gehörte wohl der Gr ast ter $eerg Verwaltung, der die Enteignung des größten Teiles der deutschen Kirchenglocken zur Herstellung von Kriegsmaterial anordneie. In dem Augenblick, als die liebgewvrdenen Geläute in Dors und Stadt zum letztenmal erklangen, bemächtigte dumPfer Dru der Bevölkerung. Wie schlecht mußte °s um das Herland stehe toenn auch dies Opfer verlangt wurde. Und so wanderten o meisten Glocken in die Kriegswerkstätten. Diele Gemeinden be° hielten nur eine kleine dünnklingende Glocke, viele gar keine. Die Ovier sind größer als wir ahnen. Die Provinz Sachsen z. B. hat nur Glocken, die eine weit zurückliegende Zahl des lr. ooer ia ^ichrhuuderts trugen, oder solche, die aus ihrer Oberflach SÄSÄÄ. säsxs 2ÄÄÄS flnm®ie Glocken wurden also als kunstgewerblicher ober archäologischer Gegenstand behandelt, und die Kommissionen, d«e s.e . unverstandener Hast aus dem Herzen der Gemeinden und aus ^Türmen herausreißen ließen“, waren weder Kirchen- musiker noch Glockenkundige. Man könnte den Behörden für die einseitig zusammengesetzte Enteignungskommrssron einen f^en Dorwurs machen, toenn die Glockenkunde in Deutschland genügend ?m,ileat worden wäre Wohl haben Domkapitel, Kirchengemeinden 2 einige kunstsinnige Fürsten von ieher: hohen Wer«aus dw Anschassung schöner Geläute gelegt, wohl sind seit Schillers ,,^eo voii d--'- Glocke" viele Schriften entstanden, die sich mit der Ge schichte und der äußeren Form der- Glocke ^“^“^£"-3066 Seele wußte man nichts". Erst in neuerer Zett begründete Hohe. Die'ble-Bautzen, Professor an der Technischen Hochschule zu Berlin-Charlottenburg, eine neue Art der Glockenwisfenschafr. Er \ toar es der die Reichsbehörden bei den Enteigniingsverfahren darauf aufmerksam machte, daß das eigenidche Wesen der Glocke als akilstisches Instrument ganz außer Acht gelassen sei. G-uck licherweise erreichte er, daß in der Verordnung uachträglich d e Klanaart als maßgebend anerkannt wurde, toenn auch viele «Unrfp'n nicht mehr gereitet werden konnten. Seine Schriften, seine «" allen unb neu. BroE- und Stahlglocken bereiteten eine dahn- S taZZg in ter Glockenkunde vor. Was Viehle an- und m^wm viele Laien wünschen müssen, für b e ter «tana ter Glocken ein erhebendes musikalisches und religiöses Klang oer Y - Wiederaufbau des deutschen Glock'enwesens^in möglichster Klangschönheit unter DerüMchllgung L Mittest die.vielen Gemeinden dazu zur Verfügung ^Der Ursprung ter Glocken reicht viele Jahrhunterte zuMck Le. £ breitet waren. Wenn auch seit 1860 schon Stahlglocken gegossen wurden, so bildete das Geläute schöner Dronzeglocken tem tes Wogen und Wallen ter Tonmassen eigen ist, s-'t änger a tausend Jahren den Stolz ter Dom- und Kirchgemeinden. Un zählige Gießergeschlechter hatten herrliche ^Vronzegeläute ge gossen Aach ter Enteignung ter Glocken sind viele Kirche gemeinten bei ter geringen staatlichen Entschädigung gar nicht mehr in ter Lage, wieder Bronzeglocken anzuschassen, unu es tritt die Frage an sie heran, ob die in der Gegenwart bergeftellten Dußstahlglocken einen vollen Ersatz für die enteigneten Bronze- glucken bieten können. - Auch hier sind die Biehlescten Fv Stahlglocken liegt in ter Klangfarbe Der Tvnansah ter Drmize- glucken ist reicher^ sie klingen Heller, ^udiger fubelnte G ß stahl ist ernster, dunkler. Der erste Glockenanschlag Hingt treuiaj vröte dumpf, - die Glocke muß erst warm werten dann ater wirken' ihre Töne stimmungsvoll mahnend und ihre Ar ^Elegentlich ter Dresdener Ausstellung M reliMse Kunst StaU^un^Dr^IoE a^Mrschwdenen Gießereien neben. hältnissen ter Gegend Tauernten hingewiesen and entwickelt darin den^schönen SÄ' ÄjU« Stadt, sondern auch für n h musikalischen Rücksichten EÄ'ÄÄSX»» und t" zusammengestellten. In 2KoDui t hi en Sonntagmorgen I ®«PW »«W«! M& Ort«#« auf. I ->Mas-a. I»Jatl h« «l« M 8 > unb 5lnt ble > führen. das den andächtigen Wanoerer uoer o , , b<« 1 herrliche Aatur zu einem weihevollen Gotteshause g s Der NachLfalter. Don Werner Bock. --M-WWWWM -4E-WWMNS von heute schwerer sei E ehetem, im terzehrEn^^ nyag# ter d^Aachtfatter um den Lampenschirm, hin m»«« Stunde Ruhe. „ ,.r «nAtlidien Gast wieder. Am nächsteii ^vrgen während gotbne Sonnen» Er saß schla end Es Änmn Tu-.ucke^, Leckte ihn aufs neue streifen an ihm vorteilten. Tage wiederholte sich das S» »'*s auf meiner HaEchE muhten in einem! Du lebst auf äs. «Hs ää tJt Masst am Tag, da E u^S5^ der schreiende “f'E St Ä taterntenXmerWnten“ ihrem teruhWenAem Utlt lytvH 9 nWiTin *ll8 TtGcf)it8 Bits s?sss gtf S?win Ster, gehörst jE flAmfctoottwn Teil des Zeit Damals glückte ihm die Erfindung SeS Pretz-und 31»r>. w.rt^reL8' .hie daM seinen Namen in U ganzen^Ält Das Patent, das er dafür S 'war eing der toentgen großen Lose, die in der Lotterie b«®/^ hunnpn fTMn/Kyn ro^F^ c-r-, . ~ cSlLÄ b3Il.CTx®crTntr^ y®w sich sagte, er .sitze voller Patente tote rtn Hund voller Flohe". Sr entwickelte das Pretz. "--rdrn die Breite, In die Länge aas dem Riege des Ziehens, in dre Drerte aus dem Wege des Walzens" und ermöglichte ^rdurch die schnelle und billige Herstellunä vrn naH-twsen Hohlkörpern aus hochwertigem Material Die Liz^erträge bara^belies«! sich für mich auf Millionen" schreibt er,^,und mehrere andere Millionen haben die v-on mir nTRto' ^ärin arbeitende fremde Kapital ^mit verdient. Wer es steckt auch eine vieljährige intensive und Forschungsarbeit von meiner Seite* darin t>mt ben sehr bedeutenden, für die Versuche aufgewandten Ankotzm 8U schwelgen." Nun stellten sich rasch Vermögen Titel ä’-ÄÄ!” L SumgrS ÄRS twn Krupp wurde Ehrhardt aber erst ouvch die Erfindung des Rohrrücklau fa eschühe« ar^Srtt0e Querung auf dem Gebiete deS Geschützbaues Ä ^E^^ ^llä"öern gewürdigt, die bereitsÄhrend windenEn^^^o'brrucklMifLeschutze mit grotzem Erfolg per- Auch m vielen anderen Ländern fand Ghrhardt rege» fmftw f r sLCl»e ^flndung, selbst bei den Türkens die ihn b* "" seine ZünDerfaSrik zu sehen, die er gnrntcfe "5t1' M ^nhlt lustig, wie er sie hinter Licht führte indem er ta'^n9^lKtIrs.t>in Sleuem begimlen. Run ging es rasch vvr- « in seinem Hekmatort Ä S | Singe? bot. ®ninbIa®e fäc s-in- festeren gewaltigen Unter- Der Dichter in Seiten der Wirren. Don Stefan George*). Der Dichter heisst im stillem gang- der zeit Beflügelt kind das holde träume tönt Und Schönheit bringt ins tätige getrieb. Doch wenn aus Übeln sich das weiter braut Das Schicksal pocht mit lauten hammerschlägen Klingt er wie rauh metall und wird verhört . . Wenn alle blindheit schlug 1 er einzig seher Lnthülit umsonst d.e nahe not . . dann mag Kassandra-warnen heulen durch das haus Die tollgewordne menge sieht nur eins: Das pferd 1 das pferd! und rast in ihren tod. Dann mag profeten-ruf des stammgotts groll Vermelden und den trab von Assurs horden Die das erwählte volk in knechtschaft schleppen; Der weise Rat hat sichreren Bericht Vei lacht den Mahner 1 sperrt ihn ins verlies Wenn rings die Heilige Stadt umzingelt ist Bürger und krieger durcheinander rennen Fürsten und priester drin sich blutig raufen Um einen besenstiel indes schon draussen Das stärkste Bollwerk fällt: er seufzt und schweigt Wenn der erobrer dann mit raub und brand Hineinstürmt und ins joch zwingt mann und weib Lin teil wutschäumend seine eigne schuld Abwälzend auf den andren lädt. ein teil Entbchriuigsmüd sich um die brocken balgt Die ihm der freche sieger vorwirft < johlend Und tanzend sich betäubt - am riste leckt Der tritt und schlägt: Er fernab fühlt allein Das ganze elend und die ganze schwach Noch härtre pflugschar muß die schölle furchen Noch dickrer nebel muß die lüft bedräun Der blassest blaue schein aus wolkenfinster Bricht auf die Heutigen erst herein wenn alles Was eine spräche spricht die hand sich reicht Um sich zu wappnen wider den verderb — Gleichviel ob rot ob blau ob schwarz die fahlen Vcrschhssnen fahnenfetzen von sich schüttelt Una ta8 und nacht nur an die Vesper denkt ®?Dr% bret verdienstvolle Vereicherer unserer deut- ^en Lyrik hat im Verlage von Georg Vondi (Berlin) ein neues AejL»®r,et ^/ange" erscheinen lassen, nach dem al e Freund feiner edlen Muse voll Erwartung greifen w ?l<^ter ur feiner Zeit wurzelt, wie er voll heitzen Gefühls die brennende Schmach des Mtterlandes empfindet davon leat be- sanders der zweite Gesang, aus dem wir eine kleine Probe ab- »dst - SW«, ^5^ «EI«-» - Arbeiter und Erfinder. (Heinrich Ehrhardts Lebensermnerungen.) Leben, das vom blutarmen Waisenjungen und SMofser- lÄhrlmg durch eigene Kraft und Tüchtigkeit zum grvtzen Erfinder und hervorragenden Wirtschaftssührer emporsteigt, schildert Hein- ^ch Ehrhardt, der brfarmte Grotzindustrirllr, der neben Krupp DentstUands erster Waffenfabrikant war in seinen soeben der H F. Koehler in Leipzig erscheinenden Lebenserinnerungen „Hammerschläg^ 70 Jahre deutscher Arbeiter ss,"d Erfinder". Die Gründe dafür, daß der Dveiundachtzig- Mrige an seinem Schicksal ein grösteves Publikum teilnehmen latzt. gibt er selbst in der Einleitung am Zunächst haben ihn seine genauen Kenninisie der Entwicklung der Technik dazu be- strmmi. Ich selbst habe lange Jahrzehnte hindurch unter den 'Verfämpfern des technischen Fortschrittes gestanden," schreibt er. „und darf mich ohne Aeberhebung rühmen, datz ich an mehr als einer Stelle bahnbrechend gewirkt habe. Es scheint mir zweck- inafiig, das! ich diese Dinge nach meiner eigenen Erinnerung und meinem eigenen Wissen niederschreibe, als datz sie später von anderen mühsam und vielleicht unvolttommen rekonstruiert werden. Aber noch etwas anderes beabsichtigt er mit der Geschichte smnes Lebens: „Sie zeigt, Sah «in junger Mensch mit AEkn Kopf und zähem Willen es auch unter ungünstigen Ver<- hattnissen zu etwas bringen kann. Das Vorwärtskdmmen ist mir ivckhrlich nicht leicht gemacht worden. Kämpfe und schwere Fehl» E erspart geblieben. . So mag denn meine Levensgefchrchte auch manchen jungen Leuten, die heute unter v^lleicht vrel ungünstigeren Verhältnissen, aber mit redlichem j WrllM ms Leben treten, die Hoffnung 'heben und ein Ansporir sein. Auch heute noch kann ein armer Junge vorwärts kommen 1 Enn er mit Verstand uüd Energie feinem Ziele nachstrebt. Ab^seschenkt wird khnr nichts werden, so wenigivie mir >ttro8 gelchEnkt wurde.