tn X- i-s X- yt. es r* ne n- n» en en ll. of. a« nd M. ►er It- en >te S« en cd. s», «c Hr cS. rn. Me uli >er )te te- Ät :r« :en >er en, en. >er ir« rn! chr :tte -r" Samstag, 2. SepLemdsr JO. 1922 — Nr. 35 WEI SmöMÄ rIV Ji*, >Ä‘ M Blumenschmuck im Hause. Don Dagobert Winter. II. 3n Deutschland stehen die Verhältnisse anders. Die Renaissance wurde nur äußerlich ausgenommen, sie blieb DÄo- ration — zumeist in den Fassaden — dann Formdekoration; der konstruktive Kern blieb noch lcknge mittelalterlich Es entstand«; Hausgärten, die die Bewunderung ihrer Zeit erregten, wie z. B. in Rürnberg und Augsburg, aber man legte die Gärten an wie die damaligen Kunst-- und Raritätenkammern, das heißt, man sammelte seltene ausländische Gewächse und Blumen, mit denen man den Zeitgenossen imponierte. Von einer allgemeinen Blumen- kultur durch das Volk als solches war keine Rede. Eine solche Kultur hat sich nur aus dem Lande erhalten. Wan brauchte Gemüse und Küchengewächse, und dazwischen pflanzte die Hausfrau dann den Segenbaum, Rosen, Aelken und anderes zum Schmuck der Kirchen und Gräber und zur Ausstattung der Häuser zur Kirchweih? und zum besonderen Blumenfest, des Fronleichnam. Aus dieser Zeit datieren unsere kleinen Bauerngärten und jene Fensteröekoration, die sich unverfälscht erhalten und mit dem Einzug der ländlichen Elemente in die Stadt auch dahin sich verpflanzt hat. Die bessere vornehmere Welt hatte an diesem naturgemäßen Ausbau der Dlumenkultur keinen Anteil. Ain» als erst gar die Herrschaft des französischen Gartens entschieden war, als Le Rötre den Kanon für die Anlage der regelrechten Beete und Bosketts, der Broderies parterres und der verschnörkelten Bäume und Hecken geschaffen hatte, als mit einem Worte die höhere Gartenkunst theatralisch wurde, da bildete sich von selbst der Gegensatz in der Blumenkultur zwischen reich und arm. vornehm und niedrrg, Stadt und Land immer mehr aus. 3rt vornehmen französischen Gärten sind die Blumen nicht mehr ihrer selbst wegen da; sie dienen bloß zum Ausdruck eines allgemeinen Gedankens; sie werden ebenso in ihrer Individualität überflüssig, wie das menschliche Individuum als solches selbst. Charakteristisch für die ganze Barockzeit ist auch der Um« stand, daß die Blume aus dem Gebiet der bildenden Künste verschwindet, sie wird durch eine Art Dlumenarabeske ersetzt, die von der Antike zwar das Allgemeine der Form, von dem Zeitgeist aber den Schwulst und die Ueberladung und von der Ueber- bildung dir Ausstattung mit Gold erhält. Kein Wunder, daß in ländlichen Bezirken dieser Richtung kein Geschmack abgewonnen wurde. Der Rückschlag gegen diese Richtung trat in verschiedener Richtung auf. — Der Bischof von Eichstätt lieh 1662 ein großes Werk erscheinen, welches alle die seltenen Pflanzen seines Gartens tn natürlicher Größe in Kupferstichen zur Anschauung brachte, und in Holland tauchte 1636 bis 1637 die Tulpenmanie auf. In Holland, schreibt ein bekannter Schriftsteller, Herrschte 1636 und 1637 ein wahrer Blumenschwindel. Wie jetzt in Wertpapieren, so spekulierte man damals mit ost riesigen Summen in Tulpen. Für einen einzigen Semper Augustus zählte man einmal 1300 Gulden, und für drei zusammen 30 000 Gulden. Das meiste, was uns an Pflanzen erfreut, stammt aus Asien und Amerika. Leider sind wir aber über die Verpflanzungen nicht immer genau unterrichtet. Den Weinstock und den Kirschbaum verdanken wir den Römern. 3m 16. Jahrhundert wanderten äus dem Osten ein der Schneeball, Flied« und Jasmin. Dazu kommt eine kleine Flora amerikanischen Ursprungs, die nach den Singangsländern indisch oder spanisch genannt wird, wie Cann» indica, Kresse und Pfeffer, Sonnenblume und Lebens bäum und die Kartoffel, welche zunächst als Zierpflanze galt. Um di» Mitte des 16 Jahrhunderts wurden die Blumenzwiebeln importiert, Tulpen, Hyazinthen usw. 3m 17. Jahrhundert tret« die botanischen Gärten auf, der erste in Parts. Roch steht daselbst im Harbin des Plantes die von Robin aus Kanada eingeführiq und gepflanzte Steinakazie. 3n jener Zeit kam der wild« Weis zu uns. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts kamen Kappflanzen in die botanischen Gärten von Amsterdam und Leyden; Geranien, Aloe, Euphorbien. Die Anlage englischer Gärten brachte dtzd Verwendung nordamerikanischer und sibirischer Pflanzen in Aufnahme: die amerikanischen Pappeln und Ahorne, der virginische Wacholder, die rotblühende Kastanie, aus Reu Holland kamen di» Gukalhptus-Arten. Erst mit dem Rokoko tritt die Blume als, solche auf den Seidenstoffen, in den Schnitzereien, Stuckarbeiten, und In Wanddekorationen wieder auf. War dieser Rückschlag schon durch die natürlichen Gesetze des Kreislaufes der Mod« gerechtfertigt, so erhielt er eine besondere Unterstützung durch di« Einflüsse des Orients mit seinem Blumenzauber und die gleichzeitig in Mode kommenden englischen Gärten. Auf einmal fand man jetzt, daß das Landvolk eigentlich schon Jahrhunderte lang in den richtigen Dahnen bezüglich seiner Beachtung und Pflege der Ratur und der Blumen gewandelt sei und die Paysages, die bäuerlichen Ansichten und Darstellungen, wurden in den höchsten Kreisen Mode. Die Dchäferspiele tarnen, Mhrtill und Chloe seufzten wie klagende Turteltauben an allen Orten, und die Königin Marie Antoinette kleidete sich als Bäuerin auf ihrem Landhof Trianon. Diese Ueberschwenglichkeit teilte nun wieder daS Landvolk nicht und tat gut daran. Wir haben oben von dem Einfluß Asiens auf unserer» Bluwenkultus gesprochen. Dieser Einfluß ging zuerst von Persien, dem Relkenlande, aus und blieb in me'fyr als einer Beziehung nachhaltig. 3m Gegensatz zum Abendlande liebt der Orientale seine Blumen nicht in Büscheln, sondern einzeln in Vasen gesteckt. Gr sucht auch der abgebrochenen Blume möglichst lange nicht bloß ein frisches Leben, sondern auch Individualität zu bewahren. Die persischen Dlumenvasen sind deshalb eigener Art, die sich von der unserigen sehr unterscheidet. 3n Europa war es vor allem Holland, welches mit Asien in nächste Berührung kam. Ob die Rachbildung der persischen Vasen in Holland bloß eine künstlerische Marotte war, oder ob sie mit der Vorliebe für einzelne DlumenspezieS zusammenHSngt, oder umgekehrt — genua die vielkelchige Blumen Vase wird in Holland allgemein beliebt und das Vorbild für die süddeutschen Fayencekünstler. Endlich greift auch die Blumenvase auf den Eßtisch über, verbindet sich mit dem Tafelaufsatz und beherrscht seither die festlichen Gedecke, Zu Anfang der vierziger Jahre erfanden die Franzosen die Champagnerbuketts, welche die kunstvollste Anordnung der Blumen gestatteten, indem man die Blumen an lange Drähte heftete und nach Belieben aneinander reihte. Man bewunderte diese Buketts, scheint aber mit richtigem Sinne von der Vorliebe für dieselben lieber abgekvmmen zu sein, weil sie gegen die erste Regel aller Schönheit, die Natürlichkeit, verstoßen und an deren Stelle Zwang un& Laune setzen. Unserer BlUmenliebhoberei ist in jüngster Zeit ein mächtig« Verbündeter erwachsen in 6er Kultur der Japaner, und wenn sie' überhaupt ein« Rechtfertigung bedurfte, so konnte sie auf diese- Volk zurückgreisen. Der Japaner zeichnet sich Im allgemeinen durch große Reinlichkeit, ganz besonders gegenüber seinem Roch- frrr, Hem schmutzigen Chinesen, auS. Diese Reinlichkeit hat eine «wisse Begründung in der Schintv-Religion, welche die Geburt vvs Menschen als eine Verunreinigung der Seele betrachtet, aus Ker sie durch penible Reinhaltung des Körpers allmählich befreit wird. Mit diesem ausgesprochenen RaturgefühL sür Reinlichkeit hängt auch das ÄaturgesüHl überhaupt und die Vorliebe für Blumen zusammen. Ein Japanreisender der neuesten Zeit spricht sich folgen derma tzen aus: „In Europa bedarf das Gefühl des Schönen der Entwickelung durch Unterweisung, Änsere europäischen Dauern reden von der Fruchtbarkeit der Felder, von dem Äeberschuß der Mühlen treibenden Wasser, vom Ruhen der Wälder, aber nicht von den malerischen Reizen der Gegend. Sie sind nicht gefühllos gegen dieselben, aber sie empfinden angesichts ihrer doch nur eine unbestimmte Befriedigung, von der sie sich keine Rechenschaft geben. Wie anders der japanesische Dauer. 2hm ist das Gefühl für das Schöne angeboren. Kann er es, so Baut er seine Hütte am Rande eines Baches. Mittels einiger geschickt verteilter großer Steine schafft er sich einen ' kleinen Wasserfall, dessen Geplätscher sein Ohr anheimelt. Am Ufer erhebt sich eine junge Kiefer; er verbindet einige ihrer Zweige, trennt andere und beugt sie über sein Wässerlein. Daneben pflanzt er einen Kirschbaum, steht dieser in voller Blüte,, so schwimmen der gute Mann und die ©einigen in Entzücken. Diese Liebe zur Ratur spiegelt sich im gesamten Leben des Japaners wieder. Ihr verdankt er, daß die Freude und der Geschmack an den Künsten kein Vorrecht der Wohlhabenden, sondern ein Gemeingut aller ist. Wer zu arm ist, seine Hütte mit Kunst werken zu schmücken, weiß sich doch zu entschädigen, indem er mit dem Auge und Herzen eines Künstlers seinen blühenden Kirschbaum, seine kleine Kiefer und seinen Wasserfall betrachtet, oder, wenn ihm diese versagt sind, sich am Anblick des Straußes von Feldblumen oder des blühenden Zweiges erquickt, die er in seinem Wassereimer neben sich gestellt oder in einem geflochtenen Korbe an die Wand gehängt hat. Frische Blumen gehören in Japan zur Lebensnotdurft auch des Aermsten." (Brinkmann, Kunst und Handwerk in Japan.) Die japanische Wohnung in ihrer nationalen Reinheit kennt feinen dauernden Schmuck durch große Ziervafen, sie erhält dafür aber .einen eigenartigen und wechselvollen Reiz durch die zeitweilige Äufstellung gefüllter Dlumenvasen, Hana-ike, sei es aus Anlaß eines der großen fünf Feste des Jahres, deren jedes durch ihm zugeeignete Pflanzen ausgezeichnet wird, sei es zur Ber- herrllchung eines der Kami, welche die Familie als Schutzgötter des Hauses verehrt, sei es aus Anlaß der Feste, welche zu Ehren der Ahnen, oder bei wichtigen. Lebensabschnitten des Heranwachsenden Geschlechtes gefeiert werden, sei es zu gefälligem Empfange eines Gastes.' Für diese Dlumenvasen hat die Phantasie der Erzgießer, der Tonbildner, der Holzschnitzer und der Korbflechter eine Welt von Formen geschaffen, in denen sich der ganze Motivenreichtum des japanischen Kunsthandwerks widerspiegelt. Für die Ausstattung der Wohnung ist hier noch bemerkenswert, daß die kunstgerecht gefüllten Dlumenvasen ihren Platz je nach dem Anlaß auf dem erhöhten Dvden des Tokonoma, vor dem in keinem Hause fehlenden kleinen Götterschrein, auf einem den Göttern geweihten Speisetischchen, oder frei inmitten des Zimmers auf den Matten finden. Eigenartig, und für uns Europäer nachahmenswert, sind die vielen Arten ampelartig frei an einem Dalken, und die an einem bei Zimmerpfosten, zumeist dem Pfosten zwischen Tokonoma und Ehigai-dada aufgehängten Basen 'und Körbe. Sn Gestalt des Hashira-kokushi, einer länglichen, mit Lackmalerei oder flachem Schnitzwerk schön verzierten Tafel, an welcher die Haken zum Aushängen des Dlumenbehälters sitzen, wird der Hängevase bisweilen ein besonderer Hintergrund gegeben. Auch Blumentöpfe aus blaubemaltem weißen Porzellan mit lebenden Pflanzen sowie flache Becken mit Liliput-Gärtchen und Landschaften dienen als Schmuck der Wvhnräume und Deranden. Mit dieser Abschweifung in den äußersten Osten wollen wir unser Thema beschließen. Wir sahen, daß überall, wo eine Kultur einen vernunftgemäßen harmonischen Abschluß sand, auch die Blumenpflege 'hoch entwickelt war. Wo eine Kultur in falsche Dahnen einlief, nimmt die Freude cm den natürlichen Kindern der Flora ab, man greift zu unnatürlichem Sport oder versenkt sich in sentimentale unwürdige Träumerei. Auf dem Lande, wo man rvsder für das eine noch das andere Zeit hatte, blieb der Verlauf dieser Kultur in regelmäßigen Zeiten auch ein regelmäßiger, und wie in vielen anderen Äugen — in Schmuck, Tracht und Einrichtung — bietet uns unsere ländliche Bevölkerung auch in der Dlumenpflege nutzbare Traditionen. Wenn wir unsere Heutige Vlumenliebhaberei im Lichte der Geschichte betrachten, so haben wir Grund, darauf stolz zu sein; auch sie zeigt uns, daß Unsere Kulturentwickelung auf dem rechten Wege sich befindet und Cicero wird auch bei uns recht behalten: Die Freude am Schönen und an edler Umgebung veredelt das Herz und bringt edle Gedanken zur Reife, 1 Dis Brennende. Rovelle von Otto Stoefsel*). Sn einer kleinen österreichischen Provinzstadt lebte in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts der kürzlich verwitwete Oberst von H. mit seinen drei Töchtern. Die geringen Zinsen der ehedem von seiner Frau gestellten Heiratskaution und sein eigenes Gelhalt reichten nur äußerst knapp hin, die Bedürfnisse der Familie und die Auslagen zu beftreiten, welche mit Rücksicht auf die öffentliche Stellung des Regimentskommandanten in einer kleinen Stadt unerläßlich waren. Einem anständigen Manne wie dem Obersten war das sparsame Genügen und Rachderdeckestrecken, die Einschränkung in allem, wo gespart werden konnte, selbstverständlich trug man doch die Würde und Ehre eines kaiserlichen Soldaten wie ein ängstliches Kerzenlicht durch den Sturm der Welt. Die Gattin des Obersten hatte es selbst gewissermaßen mit ihrem eigenen Leibe gedeckt und geschützt, damit es nie verlöschte. Sie war selbstvergessen tüchtig und genau gewesen, hatte sie doch den Haushalt von den noch! viel kümmerlicheren Leutnantstagen ihres Mannes bis zum jetzigen hohen Stande in Ordnung gehalten und ihre Kinder, drei Töchter, mit gleicher Strenge zu gleichem Pslichtbewußtsein als Trägerinnen eines guten Ramens, als bescheidene und willige Helferinnen erzogen. Mit vierzehn Jahren mußten die Mädchen nach Vollendung der Pflichtschulzeit bei ihr selbst die Hauswirtschaft lernen und üben. Die zwei älteren waren längst soweit ausgebildet, als sie starb, die dritte, zehnjährige, wuchs noch halbwegs frei und unbekümmert auf. Rach! einjähriger Lehrzeit mußten die Mädchen selbständig alle Hausarbeit verrichten und untereinander nach genauem Plane teilen: Kochen, Räumen, Waschen. Rur für die Hilfe im Gröbsten kam der Bursche des Obersten in Betracht, alles andere hatten die Mädchen allein und aufs genaueste zu besorgen, denn es gab keine Magd im Hause. Hingegen übernahm die Mutter, sobald die Töchter derart ausgebildet und eingearbeitet waren, die Sorge um alle Kleidung und Wäsche. Sie setzte sich nach dem gemeinsamen Frühstück um 8 Ähr morgens, sauber und zierlich und in ihrer netten, freundlich strengen, Haltung an den Rähtisch. Sie fertigte alle Kleider und Hüte für sich und die Kinder, nähte die neue Wäsche für die ganze Familie, flickte die alte, Hielt alles instand und faß Tag für Tag über ihrem> Arbeitshaufen, bis sie sich um fünf Ähr nachmittags mit dem Glockenschlag erhob. Da mußten sich, auch die Töchter hübsch ankleiden, um mit ihr, die selbst stattlich angetan war, auszugehen. Sie trafen den Vater vor der Kaserne, der um diese Stunde seinen Dienst verließ und nun mit feiner Familie auf dem Hauptplatze oder ein Stück Weges über Land spazierte oder einen Pflichtbesuch! abstattete. So lief dieses Leben einer Provinzoffiziersfamilie täglich! mit wenigen, um so.nachhaltigeren festlichen Ausnahmen wie der Gang einer Ähr ab. Als die Frau nach kurzem stillen Leiden rasch! und ohne Aufhebens starb, blieb darum diese Ähr nicht stehen. Die beiden Töchter führten das Hauswesen unverändert weiter, und wäre nicht das An« denken an die gütige, aber strenge unnachsichtige Frau gewesen, so hätte weder der Oberst, noch seine Kinder, geschweige ein Fremder die geringste Aenderung wahrgenommen, es sei denn, baß sich, jetzt Hermine, die älteste, ein schönes hochgewachsenes vierundzwanzigjähriges Mädchen, Schlag 8 Ähr morgens an den Rähtisch setzte und für alle Kleidung und Wäsche sorgte, während Leonie, die jüngere, kleiner, zierlicher, aber unscheinbarer und etwas durch Ansehen und Würde von Mutter wnd älterer Schwester, in Schatten gestellt, ganz allein Räumen, Kochen und Waschen wie eine Magd auf sich nahm. Rur die jüngste, Alix, durste noch wie sh' unter den gleichaltrigen Gespielinnen vorläufig von Pflichten unbehelligt sich umhertreiben. Rachmittags stellten sich die drei Töchter zum Spaziergang mit dem Vater, und keiner war in der Stadt, der den wackeren Mann mit seiner guten Haltung nicht um das musterhafte Leben seiner Familie hätte beneiden oder wenigstens anerkennen und hochachten müssen, galten ihm doch selbst die wohlgeratenen Kinder, das gute häusliche Leben als bescheidener Trost für den Verlust der vortrefflichen unvergeßlichen Frau. Ihr Tod bewirkte, baß er sich den sogenannten gesellschaftlichen Verpslichu iaen seiner Stellung mehr als bisher und mehr als dem Regimentskommandanten sonst gestattet war, entzog. Er schränkte seinen Verkehr, soweit wie irgendmöglich. ein und pflog mit seinen Offizieren nur den nötigen dienstlichen ilmgäng. Auch in der Bürgerschaft behielt er nur *) Von Otto Stoessel ist im Verlag von Georg Müller, München, ein Rovellenbuch „Irrweg e" erschienen, dessen sieben Geschichten irgendwie das Motiv der Verirrung künstlerisch behandeln. Stoessels Stil kehrt von der überhitzten Moderne weit zurück in die klassischen Traditionen deutscher Kunst, ©eine Erzählungen sind unterhaltsam, aber es durchweht sie keine Kino- linft, sondern ein ernstes, abgeklärtes Denken. „Die Brennende" wollen wir als eine Probe gediegenen Schaffens aus dem Buche wiedergeben. erschlossen verlangt ihre Schönheit diese Huldigungen, wie ein« Blume Wärme und Acht verlangt. Sie entfaltet sich unter diesen Micken, unter der Liebe, die sie erweckt, unter dem Neid, der Begehrlichkeit, die sie erregt. Sie dankt dafür mit jedem dunklen Mick unter den scheuen Wimpern hervor, mit jedem Neigen ihres kleinen runden Kopses, des braunen Hälschens, mit dem ungeduldigen Trippeln ihrer schmalen Füße in den roten Schuhen. Sn den Armen des jungen Leutnants liegt sie hingegossen, das Haupt leicht hintenübergeneigt mit halb geschlossenen Augen, halb geöffneten Lippen, die lächeln, als ob sie weinen mühten. Ist er der einzige hier, der sie liebt, so muh er wohl der einzige sein, dem sie es vergilt. Sie tanzen wie aneinander gebunden, und wenn Leonie auch oft genug, zu oft, immer wieder von anderen weggeführt wird, immer sucht sie der blonde junge Dietrich immer findet sie zu ihm zurück, und wenn die beiden wieder zum Tanze antreten, ist es tote ein endloser Jubel zweier lange getrennter Wiedergefundener. Hermine, in ihrer ruhigen, erfahreneren, würdigen Anmut nicht weniger, nur freilich weniger leidenschaftlich umworben, beobachtet neidlos den Erfolg der Jüngeren. Der Oberst gönnt beiden Kindern die Freude, Andere Mille, Festlichkeiten, gemeinsame Schlittenfahrten, Eisläufen vereinigen den kurzen Winter lang dieselbe wohlbekannte Gesellschaft, immer sind die beiden jungen Mädchen,dabei, Hermine mehr notgedrungen als geduldete ^Begleiterin der jungen Schwester Leonie mit dem unstillbaren Durst ihrer achtzehn Jahre. Leutnant Dietrich ist ihr ständiger Kavalier, er, sucht und findet und führt sie überall. Andere weichen ihm willig oder unwillig, er weist alle zu verdrängen und, obschon mit allen freundlich, unbefangen und stets gleichmäßig heiter, scheint Leonie ihn zu bevorzugen. Der gewandteste Tänzer, ist er auch ein überaus kunstfertiger Eisläufer, und von ihm geführt, schwebt Leonie in kühnen Schwingungen über den schimmernden Fluh. Stolz weht ihre weiße Reiherfeder an ihrem schwarzen Samtmühchen und von weitem schon leuchtet ihr schwarzer Mick, ihre funkelnde Beweglichkeit, ihr traumhaftes Lachen, ihre lautlose, ungeduldige, eilige Freude. Der Fasching ist aus, das Eis ist geschmolzen, der Flust rinnt braun und schmutzig und langsam durch die fruchtbare i gleichgültige Ebene, Die Feste sind nach Vorschrift verlaufen und haben nach Vorschrift aufgehört. Die beiden Schwestern arbeiten wieder still tote Mägde in ihrer Wohnung und gehen am Nachmittag bescheiden, aber sorgfältig angekleidet mit dem Obersten spazieren. Es schickt sich nicht, dah sie dabei Degleitung an- nähmen. Auch der Leutnant Dietrich darf nur von weitem grüsten und nur ein paar Worte diensthöflich antworten, wenn ihn der Oberst anredet. Leonie hat einen unruhigen Ausdruck in ihrem ganzen Wesen, einen unsicheren Mick, ein gezwungenes Lächeln, sie eilt unwillkürlich beim Gehen. Daheim aber ist sie oft träge und müd, Hermine überrascht sie zuweilen mitten in der Arbeit über dem Eimer oder auf einen Küchensessel zu- sammengekauert. Dann blickt die Ruhige die Unruhige besorgt an, ohne zu fragen; es ist im Hause nicht üblich sich, viel um I die selbstverständliche Gesundheit zu kümmern. Auch weicht Leonie I diesen Micken aus. Hermine spürt eine wachsende Angst über I diese unheimliche Veränderung, Leonie ist stiller als je, doch I bebt ülnruhe um sie, aus ihr, sie arbeitet mit verbissenem in- I grimmigen Hebereifer. Sie lacht und lächelt nicht mehr und spricht ungefragt kein Wort mehr. Der Frühling macht sie wohl noch mehr müde als die Hausarbeit, wahrscheinlich ist sie auch- I ein bißchen bleichsüchtig. Der Vater bemerkt nichts, er ist wie j immer von seinen dienstlichen Angelegenheiten ganz in An- | sprach genommen und an den sonstigen Gewohnheiten hat sich I ja gar nichts geändert. Eines Tages hatte Leonie einen hohen Stob Wäsche zum Bügeln aufgeschichtet und füllt den -heißen Stahl in das Plätt- eif»n Die Ofenglut läßt ihr Blaff eg bräunliches Gesicht wild ausleuchten Hermine muh eine Besorgung auf dem Markt machen. Sie will gleich auch. Alix von der Schule abholen, die Kleine I streift sonst gar zu gerne auf Abenteuer aus und könnte zum | Essen zu spät kommen. Nach einer Stunde kehren die Beiden, die älteste und die jüngste, einträchtig zurück. Schon im Hausflur hören sie laute Stimmen aus des Leutnants Wohnung. „Du, wer schreck denn I Pa?" wcht Alix neugierig. Entsetzt erkennt Hermine die Stimmen, I hört Leonie aus der Wohnung des jungen Mannes. Du gehst jetzt hinauf zu uns und rührst dich nicht fort bis ich komme," gebietet Hermine dem Kind und stobt es mit einem rohen Stotz die Treppe hinauf. Alix stolpert meiter. Ser» mine wartet bis sie die Kleine in der Wohnung toetB, bis de« Schlüssel im Schlosse umgedreht und herausgezogen, die Tur knarrend geöffnet, zögernd zugeschlagen ist. Mix tmrd oben I bleiben und sich nicht wegrühren, vielleicht wird sie nicht.einmal an der Tür lauern, denn sie gehorcht unbedingt. Dann steht Hermine Linen Augenblick zögernd vor der Türe des Leutnants. I Der Wortwechsel drinnen wird lauter, er setzt sich aus tagenden, 1 gesprochenen Schreien zusammen. Jetzt brüllt die Stimme des hie alten liebgewordenen unentbehrlichen Beziehungen zu wenigen 1 , Freunden an der Abendtafel des Gasthofes bei, ohne private I ' Familienbesuche und Gegenbesuche. Dah derart die Mädchen, I i seine Töchter, etwa an Geselligkeit und Vergnügen zu kurz kämen, | fiel weder ihm, noch ihnen ein. Sn dem Miethause, wo der Oberst lebte, hatte sich einen I Stock tiefer in einer winzigen Gargonwohmmg einer seiner längsten | Offiziere, ein Leutnant Dietrich, einquartiert, der wegen seines Minieren, anmutigen Leichtsinns Beim ganzen Regiment, auch ! beim Oberst selbst, beliebt war, obschon oder gerade, weil eine j mannigfaltige Sage von allerhand bunten Grotzstadtabentruern I um seinen blonden, kühnen, mutwilligen Knabenkopf schvebte als | ein weltlicher Glorien- und älnheiligenschein. Er betrachtete wohl | 8inen Aufenthalt in diesem Provinzneste als eine Art von j träfe und Verbannung in ein langweiliges Fegefeuer, von j Wo er tunlich bald zu neuem itebermut geläutert und durch heil- j farne Ungeduld getröstet, hervor- und davongehen zu dürfen I hoffte. Hier wenigstens fand er keine, auch nur halbwegs würdigS i Gelegenheit und Verlockung zu annehmlichen Sünden und Hof- | färttgen Streichen. Trotzdem er mit seinem Obersten im gleichen Hause wohnte, I kannte er dessen Töchter bloß ganz flüchtig vom Sehen. Schon | der schuldige Respekt oder die kluge Hebung, allem was mit den Vorgesetzten zusammenhing, in weitem Dogen auszuweichen, hätte ihn dieser Familie ferngehalten. Da nur die älteste Tochter Hermine, hvchqetoachsen und auffallend schön war, hätte er wohl I auch nur sie beobachtet, wenn er ihr im Hause oder außerhalb | begegnet wäre, denn sie konnte mit ifjirer stolzen Haliung, mit I ihren strengen regelmäßigen Zügen, mit ihrer ausgeprägten aln- I Nutzbarkeit nicht leicht übersehen werden, hingegen hätte er die jüngere, kleinere, zierliche, bescheidene Leonie unter gewöhnlichem I Ülmständen und in ihren Alltagskleidern nicht einmal bemerkt I oder erkannt. Sm Hause, auf der Stiege, auf dem Gange begegnete er ihnen nicht, da er morgens in den Dienst ging und | erst nach Hause kam, wenn oben längst alles daheim war. Nutzer- ! halb des Hauses aber schlug er andere Wege ein, vermied die des Obersten und jede Gelegenheit, die Schwestern beim täglichen Nachmittagsspaziergange in ihrer bescheidenen Anzugs- I Herrlichkeit zu würdigen. I Nur im Winter und Fasching gab es für die jungen Mädchen I etliche kurze Wochen des Vergnügens und der Geselligkeit, wo I sie wie Schmetterlinge im Frühjahr ohne Arg schwärmen dursten. I Da gaben das Regiment, die Stadt und einzelne reiche Burger ihre Bälle, denen der Oberst als Standesperson und Vater erwachsener Töchter anwohnen mutzte. Die ältere, Hermine, hatte diese Feste bereits seit mehreren Jahren besuchen dürfen, bisher I freilich unter der Leitung der Mutter. Die Jüngere Leonie aber sollte Heuer mit achtzehn Jahren eingeführt werden Es läßt sich leicht denken, wie sehr sich das feurig ungeduldige, I bisher so streng zurückgehaltene Geschöpf darauf freute, zu tanzen und den, sei es kürzten Flug durch einen bescheidenen Saal M tun der für sie immerhin die Welt war. Hermme übernahm die mütterliche Pflicht, die jüngere Schwester zu betreuen, für deren schönen Anzug und siegreiches Auftreten wie für das eigene zu sorgen. Schon lange vor Weihnachten sah sie über allerhand alten und wenigen neuen Stoffen, Flickern, Bändern, ! Seiden und Pelzstücken, um für sich und Leonie die Gewänder für diese festlichen Gelegenheiten zurecht zu machen. Sie fertigte zwei neue Ballkleider, ein weitzes für sich, hochgeschossen und mit grauem Pelz verbrämt, denn sie gefiel sich Sarin, alter zu erscheinen als sie war, aber ein rotes Tarlatankleid mit goldenen Süttern und oben bis zu den Schultern zierlich ausgeschnitten für Leonie. Kurz nach Weihnachten lud man zu einem RegimMtsball ein Der Vater führte Hermine, der junge Leutnant Dietrich hat sich von der unerwarteten, Überraschenden Schönheit Leonies ganz und gar geblendet, des Armes der Jüngeren bemächtigt Er kann den Blick gar nicht von ihr wenden, auch wenn sie mit I anderen plaudert, durch den Saal wandelt oder tanzt, wenn sie so kindlich freudig lacht, so reizend verlegen antwortet ofrer errötenb schweigt • Er will kein Wort versäumen, das sie spricht, keines, das sie nicht spricht. Er -hängt an ihren Bewegungen, an jeder Wendung dieser kindlichen Gestalt, dieses bräunlicheii Halses und Nackens, dieser mageren Holden Arme, an dem schüchternen Lächeln dieses Wundes, der, wenn er geschlossen ist, - einen eigentümlich traurigen rührenden Zug von begründeter früher Traurigkeit hat. Leonie weiß darum freilich nichts, sie fühlt sich nur tote erst jetzt eigentlich- zur-Welt gekommen und beseelt Sie hat für jeden aus der Fülle ihrer Freude ein sreunö» lichss Lächeln einen aufmunternden Blick und Kraft, Ausdauer, ^fer Geduld und Tlngeduld genug, um den ganzen Abend hindurch ckhne Rast mit all den vielen Tänzern zu tanzen. Sie schwebt unablässig wie ein Irrlicht von einem Ende des Saales zum andern, und unter dem weißen, rosa oder gelben Damenslor sticht sie in ihrem-feuerroten Tarlatankleid wie eine wunderhübsche kleine Tulpenteufelin hervor. Sie gefällt allen Mannern, aber von keinem wird sie angebetet tote von dem jungen Leutnant Dietrich. Sie spürt das, sie weiß öS in der unfehlbaren Wissenschaft ihres unschuldigen Herzen«. Unvorbereitet und jäh — 140 - Mannes beinahe tote vor Angst, Leonies Stimme aber klingt ruhiger, desto entsetzlicher. Hermine glaubt sie yi verstehen ohne zu vernahmen, was gesprochen wird. Sie saht die Klinke, die Sür ist unverschlossen. Hermine tritt ungehindert ein, sie sieht Leonie in Flammen von Kops bis zu Fuß auf den Leutnant eindringen. „Du hast mir das getan, du sollst mit mir sterbenI" so spricht sie, immer dasselbe und verfolgt den jungen Mann, der vor ihr zurücktoeicht, um den Tisch herum er flüchtet vor ihr, immer Aug in Aug mit ihr, er packt einen Stahl und stellt ihn vor sich, Leonie, brennend, schiebt den Sessel weg und jagt dem Eittsetzten nach Es ist tote ein wahnsinniges Kinderspiel. Sm Mu weist Hermine den Zusammenhang. „Last mich last mich," ächzt der Wann und schüttelt die Funken von sich ab und hält Leonie mit beiden Armen von sich ab. Gr blickt Hermine, die eintrttt, fassungslos an, als erkenne er sie nicht, er ist wahnsinnig vor Angst, unmenschlich verzerrt. Jeder von den dreien weist, daß alle alles wissen „Sch will sie ja heiraten," stöhnt er. Hermine überläuft ein Ekel. „Ja jetzt!" jauchzt Leonie mit einem herz- zerreißenden Hohn tote eine feuerrote Tulpenteufeltn in den Flammen Hermine ruft mit einer unbegreiflichen, selbstverstand- lichen um so furchbareren Fassung: „Herr Leutnant, Sie kommen morgen um Shre Versetzung ein und morgen verlassen Sie die Stadt “ Dies gesagt, wirft sie sich ohne ihn weiter. zu beachten, auf die Schwester, löscht mit ihren Armeit, Kleidern, mit ihrem Leibe die Flammen, packt die jetzt Ohnmächtige, von welcher der» Mauch schwelt, lädt sie auf und trägt sie mit übermenschlichen Kräften durch die Türe, die sie im Gehen mit dem vorgestreckten Fust aufstöstt, über die Treppe ins obere Stockwerk, stoßt oben mit ihrer Last anstatt Pochens an die eigene Tür, antwortet auf den entsetzten Aufschrei von Alix beim Oeffnen mit einem entsetzlichen Blick: „Leonie hat sich hier bei uns verbrannt, beim Bügeln." Das Kind nickt mit offenem Munde: Ha. Sie machen Tücher nah und betten Leonie mit unheilbaren schweren Wunden auf ihr Lager. Als der Oberst nach Hause kam, fand er das Plnglück nach Recht und Pflicht geschehen und geordnet und zweifelt keinen Augenblick an dem furchtbaren Zufall, der seine Familie betroffen hatte. Seine Verzweiflung war ohne Grenzen, denn er liebte Levnien, tote er jetzt glaubte, mehr als die strengere, rüstigere Hermine. Etwa noch acht Tage lang lag Leonie 'hoffnungslos in furchtbaren Schmerzen darnieder, ohtte dah ein Laut der Klage über ihre fest zusammengebissenen Lippen kam. Sie stöhnte nur, wenn sie die Besinnung verlierend verlangte, daß man ihr den kleinen goldenen Ring mit dem Türkis vom Finger abztehe, der ihr besonderen Schmerz zu verursachen schien. Es war ein Ring, den sie von der Mutter zur Konfirmation bekommen hatte. Man muhte ihn oegfägen lassen, denn er war ihr so fest angetoachsen. Sonst schwieg sie düster und begehrte nichts. Der Leutnant hatte in der Tat sogleich um Versetzung eingereicht und die Stadt verlassen, ohne dast der Oberst, der in dieser Zeit dem Dienst fernblieb, davon auch nur erfuhr. Als Leonie gestorben war, trat Alix zu ihrer Zeit als Helferin ins Hauswesen ein und Leoniens Geschichte haben erst Herminens Töchter, lange nach dem Tode des Grostvaters und in einer anderen Stadt von ihrer strengen Mutter erfahren, als sie mannbar waren. 1 Was versteht man unter Bodenermüdung? Das Studium der mikrofkopischen Organismen, die sich im Boden befinden, wird in seiner überragenden Bedeutung für die Landwirtschaft immer mehr und mehr anerkannt. Es handelt sich hier um eine Dakterienflvra sehr weit verzweigter und verschiedener Art, ohne welche die im Boden vorhandenen Salze und Kolloide nicht jene unerläßlichen älmwandlungen erfahren würden, die notwendig sind, damit sie den Pflanzen als Mahrung dienen können. Das Kennzeichen eines jeden guten Bodens ist es eben, dast -er immer eine genügende Menge dieser Bakterien enthält: wir haben dann das, was man allgemein einen „guten Kulturboden" nennt. Aun ereignet es sich aber nicht selten, führt Albert Dencke in der „Umschau in Wissenschaft und Technik", Frankfurt a. M„ aus, dah ein solcher guter Kulturboden trotz Düngung und zweck- mähiger Behandlung seine Matur zu wechseln scheint. Die Ernten werden mittelmäßig, die Pflanzen erhalten ein schwächliches Aussehen, und werden leicht eine Beute verschiedener Krankheiten. Man befindet sich einem Zustande gegenüber, für den man lange Zeit keine rechte Erklärung fand und erst heute vermag uns der Stand unserer mikroskopischen Dodenforschung eine solche Erklärung zu liefern. Es 'hat sich herausgestellt, dah die für die Umwandlung der Bodenschätze so wichtigen Bodenbakterien einen Kampf mit gewissen Protozoen und Amöben zu führen haben, die sich zeitweilig in großen Mengen im Boden bilden und einen wahren Bernichtungskrieg gegen die Bakterien führen. Gelingt es ihnen, der Bakterien Herr zu werden, dann tritt eben das ein, was wir Bodenermüdung nennen. Hm die Dodenermüdung zu beheben, ö. H. also die schädlichen Protozoen zu bekämpfen hat man schon verschiedene antiseptische Mittel mit gutem Erfolg angewandt. Die Vermehrung der Mährsubstanzen im Boden (Ammoniak) infolge der Bakterien^ zunahme wurde insbesondere unter Anwendung von Aether, Schwefelkohlenstoff, doppelchromsaurem Kali, Kupsersulfat genas geprüft und es wurde dabei erwiesen, dah eine zu große Bodenfeuchtigkeit in allen Fällen der guten Wirkung abträglich ist. Man fand, Last sich die Bedingungen zur überreichrn Entstehung von Protozoen bedeutend häufiger finden, als man allgemein annimmt. Reichtum an organischer Materie im Boden, Begiehen mit gestandenem Wasser, allgemeine Feuchtigkeit, höhere Temperatur begünstigen die Prvtozoenbildung ungemein und besonders die Böden der Treibhäuser sind dieser Gefahr ausgesetzt, Sn einem guten bgw. gut sterilisierten Boden kann die Zahl der nützlichen Bakterien bis auf 400 Millionen pro Gramm Boden- material an steigen, während sie in ermüdeten, also infolge der Dernichtungsarbeit der Protozoen erkrankten Böden bis auf 40 Millionen fällt. Es ist somit klar, dah es in diesem Falle von großer Wichtigkeit sein kann, wenn man den Boden mit chemischen Mitteln behandelt, denen nicht der geringste Bereicherungs- bzw. Düngewert innewohint, die aber als Protozoen- und Amöben-' zerstörer toirlen. Dr. H. Kr. - Versuche mit einem neuen Kartoffelkonservierungsmittel Saatzuchtdirektvr Dr. Eugen Glaus- Reuhof Hat, wie die „Oesterreichische Zeitschrift für Kartoffelbau" berichtet, Unter* suchungen mit dem Kartoffelkonservierungsmittel ülspulunbolus durchgeführt. Die Hälfte jeder Kartoffelprobe blieb anbehandelt. Zweck des Versuches war die Verhinderung der Kartoffelfäule, das Ergebnis fiel jedoch negativ aus, da bei der Untersuchung der überwinterten Kartoffeln sowohl bei den behandelten wie bet den unbehandelten Proben sämtlicher Sorten in gleich« Verteilung einige faulige Knollen festgestellt wurden. Auch waren alle Kartoffeln mehr oder weniger stark angekeimt: zudem macht« es den Eindruck, dah gerade die mit ülspulunbolus behandelten Proben stärker gekeimt waren, als die unbehandelten. Die AuS- saat erfolgte Ende April auf gleichmäßig gehäuftem und bearbeitetem Boden. Der Aufgang 'hatte kurz nach der Aussaat durch überaus heftigen Regen und darauffolgende starke Winde mit anschließender Bodenverkrustung zu leiden. Der Stand war daher äußerst lückig und schlecht und konnten keinerlei Üln ter schiede bei den verschiedenen Parzellen festgestellt werden. Hierzu kam noch die abnorme Trockenheit während der Vegetation. Die Ernte ergab das überraschende Ergebnis, teilweise bedeutender Mehrerträge der mit ülspulunbvlus behandelten Kartoffeln. So waren bet den einzelnen Sorten von 24 bis 53 Prozent Mehrerträge im Durchschnitt gegenüber den unbehandelten Kartoffeln zu verzeichnen. Von allen Sorten zusammengerechnet betrug bet Mehrertrag im Mittel 15,6 Prozent: zu erklären ist dieses auffallende Ergebnis durch die wachstumfördernde Beeinflussung der Saatkartoffeln mtt Üspulunbolus. Machprüfungen dieser Ergebnisse durch reichsdeutsche wissenschaftliche Versuchsanstalten würden sich wohl lohnen. j. k i Sonderbare Geschmacksrichtungen bei Käfern, erwähnt Julius Stephan in der „Matur". Einige Käfer sind Liebhaber von Zigarren, die sie vollständig durchgraben und auffressen. Sn Meu-Gutnsa ist man daher genötigt, den Tabak in Zinkschachteln zu verschließen: immerhin soll es doch häufig vorkommen, daß Zigarren während des Rauchens plötzlich! aufzischen: ein Zeichen, daß ein Käferchen lebendig verbrannt wurde. Selbst starke Gifte werden von Käfern ohne Machteil verzehrt. Ein Apotheker in Australien hatte Getreide körn er in eine starke Strychninlösung getaucht, um Sperlinge damit zu vergiften: die präparierten Körner betoa'ßrte er in einem Kasten auf. Mach kurzer Zeit machte er die Wahrnehmung, daß verschiedene Sn- selten an seine Vorräte gegangen waren, und diese zum Teil aufgezehrt hatten. Käfer, namentlich Druchus- und Calandra- Arten waren die Äebeltäter. Der Apotheker konnte mit eigenen Augen beobachten, wie die Käfer an den vergifteten Körnern fraßen; alsbald angestellte Untersuchungen ergaben, daß das noch wirksame Strhchnin in den Körper der Snsekten aufgenommen und noch in den Exkrementen nachzuweisen war. Das Gift ging also durch den Verdauungskanal der Käfer, ohne ihnen zu schaden, Phne aber auch selbst verändert zu werden. Dem Steinobst- stechei endlich schadet sogar Dlausäure4nicht; denn seine Larven leben von und in den sehr blausäurehaltigen Körnern der Sauerkirsche. Schriftleitung: August Goetz. — chruck und Verlag der Prühl'schen Aniv.-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,