BZF äs »» "C SWD! n» ost test ten m- KEg in Samstag, 1. Rprir ein Aus der Zeit des 7 jährigen Krieges Die Franzosen in Gießen 1758—1762. Don Dr. Sy Berger. (Schluß.) 1922 — Nr. 13 befürchtete." Fast alle hiesigen Bäcker bekamen je 2 französisch« „Bäckerknechte", die Tag und Nacht vvm 8. bis 26. November für die Armee Brot backen mußten. „Da war das Weißbrot sehr rar." (Bekanntlich bevorzugt der französische Soldat das Weitz- Brot.) Am 11. November forderte der französische General von der Stadt 20 000 Rationen. Falls diese nicht zeitig geliefert würden, sollte in Häusern und Scheunen souragiert werden. „Den 13. lieferte hauh für hauh einen Gentner Heu. Da aber dies nicht hinreichend war. so wurde die lieferung an einen juden veraccvrdiert, welcher da. auf 15—16 000 Rationen lieferte." „Am 31. Oktober wurden 4000 Gebund Stroh gefordert, jedes zu 20 Pfund. Den 1. November wurde der anfang gemacht Anbeweglich stunden die vollen Wagen, welche das Brot für die armee liefern mußten, auf dem Trieb. Hernach kamen sie ins Wallpförter Feld. Da dann Las Feld und die straßen von gründ aus tu hurt wurden, so daß niemand den ordentlichen Weg gehen konnte, sondern einen weiten umweg machen mußte. Selbst in der Stad! war wegen Les erstaunlichen Reitens und Fahrens der Dreck so groß, daß man an einigen orthen biß in die Knie baden mutzte. Den 8. November bekamen wir französische Sxecution, denen wir Geld zum essen und trinken nebst 26 Kreuzern geben mutzten. Nach Lieser Execution kamen noch viele andere." „Am 7. November kam endlich der lang erwünschte Courier und brachte die Nachricht, daß am 2. huias die praelinnnarien des Friedens zwischen Frank-reich England und Spanien zu Fontainebleau unterzeichnet worden. Gott gebe, daß nun auch der völlige Friede zu stände komm t." Am 24. November bekamen die Herren von der Regierung eine scharfe französische Executivn, weil aus Mangel an Zugvieh die große Menge des angcforderten Holzes unmöglich herbeigeschasft werden konnte. Cs waren 1300 Klafter gefordert worden. Da diese nun nicht herbeigeschafft werden konnten, bekamen Herr Geh Regierungsrat von Scheid 14 Dragoner, Reg.-Dat von Schwartzenau 12 Häger, Reg.-Rat Han 12 Grenadiere, Reg.-Rat Gros 12 Husaren, Kriegskommisar Adam 12 Häger. Diesen mwcke Essen und Trinken und Geld gegeben werden. „Einige, zumahlen die Husaren, hausten gar übel." Den 7. Dezember bekamen vorgenannte Mitglieder der Regierung wegen des Holzes eine, neue schwere Executivn, ebenso auch einige RatSherren und Bürger. Sieben Mann wurden aus die Kanzlei gelegt; die nahmen oei ihrem Weggang alles -Geld von'der Kanzlei mit Gewalt weg. Nach abgcschlvs enem Waffenstillstand verließen vom 13. Dezember 1762 an nach und nach die französischen,Desatzungstruppen die Stadt. 150 Mann vom Regiment Salis, die das „Wall- und Sälhertor bewachen sollten", blieben mit 4 Offizieren, einigen Kanonieren dem Kriegskommifar und verschiedenen „Commis und Emplvyes"'(Beamten) noch hier. Zugleich mit der ausrückenLen DesahUngsmannschast verließ auch der Kommandant uu Blcusel die Stadt, „der uns so lange geplagt hatte". Dis zum 25. Dezember war die Stadt auch von den noch zurückgebliebenen franzo- sjschLii Deamten geräumt. Wie jubelte: man in der Stadt, als man nach 4jähriger Beherbergung die fremden Gäste wieder los war! Wir können die Freude verstehen, die auch unser , Chronist, der Gießener Bürger, empfand, wenn er seine Aufzeichnungen „Endlich war der 25te decembris, der erste h. Christtag, der so lang" gewünschte Tag, welcher uns Vvm französischen Joch er» lößete, wie groß war die Freude, als des morgends unter der Frühkirch um 10 Ahr unsere Soldaten (Hessen) mit klingendem Spiel die Schweitzer an den beiden Toren ablötzeten und altz darauf um 11 Ahr, nachdem schon morgends früh die Ziegenhainer „Am 25. Februar 1761 rückten hier noch einige piquets und wir wurden darauf gleichsam eingefchlvssen, weil die allirten Husaren die straßen unsicher machten. Endlich kam das französische Hauptquartier am 17. Mäctz von Butzbach hierher und blieb bist zum 25. 'hier, da es morgens in aller eil nach Schweinsberg aufbrach. Am 23. Märtz wurden unsere behden Kirchen («tadt- kirche und Durgkirche), das paedagvg (in der Sonnenstratze) und die Stadtschule, vor die bei Grünberg gefangenen Hannoveraner und Braunschweiger eingenommen und mit denselben besetzet, so daß niemand in "öie Kirche gehen konnte. Nun war eben das heilige osterfest, so erfreulich selbiges sonsten ist, so betrübt wurde es uns jetzt; denn der 2. Ostertag, welcher auf den 23. Märtz einfiel, wurde nur Les Morgens mit ein« Kirche gefeiert, und mit genauer Noth konnten noch öle Kinder confirmiert werden. Nachmittags ‘anrat die Gefangenen und blieben liegen biß zum 25., da sie ausgcliefert wurden. Am die ganze Stadt (in den benachbarten Orten) ist den 1, und 2. Ostertag keine Kirche gehalten worden wegen der vielen Soldaten." Das „Paedagvg" in der Sonnenstratze wurde noch öfter von den Franzosen zu militärischen Zwecken belegt, was um so drückender empfunden wurde, da viele Professoren genötigt waren, ihre Vorlesungen wegen der Beschlagnahme des Aniversitätsgebüudes in den Sälen Les Paedagvgiums abzuhalten. Am 3. April 1761 ging das Regiment Nassau, den 5. das Schweizerregiment Courten mit allen „Piquctern" fort, dagegen rückte das Regiment du Roh, 4 Bataillone stark, ein. „Da wurden alle Häuser stark belegt, und mancher aus seiner Stube gejagt." Am 19. Huni zogen 300 Mann Grenadiers Rohaux Milice und 200 Schweizer von Castela und Diesbach ein, welche diesen Sommer . unsere garnison sehn sollen." Am 7. Dezember kam Mr. de la : chaife, marechal als General hierher. Am 8. und 12. erhielt die Stadt 2 Bataillone des Schweizerregiments Epting, „welche nebst 1 Bataillon grenadier Rohaux unsere garnison sehn soll." 1 7 62. Am 24.Mai rückte ein Piquet von aquitaine, am 27. drei andere Piquets von Turenne, Pviton und Provence ein, die am 21. Huni noch verstärkt wurden durch 2 Escadrons vom Regiment Bourbon. Am 27. Mai kam Mr. B l a i s e l an, „der als Comnrandant hier bleiben soll". Am 5. August kam die armee unter dein Printz Conde vom Niederrhein nach Königsberg. Das Hauptquartier war in Hohensolms. Den 6. rückten selbige in verschiedenen Eclonnen, davon eine an der Stadt her, die andere aus Rath Wittichs Garten über die über die Lahn geschlagene Schiffbrücke nach Altenbuseck, gingen den 7. ins ambt Grünberg, fouragirten die gantze Gegend und machten viele arme leuthe. Den 22. wurden die Vorposten angegriffen, worauf die armee zurückging bis nach Annerod, Hausen, den 23. nach Steinberg, den 24. nach Grüningen, das eingenommen wurde. Man hörte am 25. stark canvniren. Gegen Abend gingen sie nach Langgöns, am 26. nach Pohlgöns und Dutzbach am 27. nach Nahheim." Hier wurde am 30. August durch das Gefecht am „Johannisberg" die allierte Armee Über Friedberg zurückgetrieben. „Ansere garnison mußte den 30. und 31. Aug. und 1. Sept. Tag und Nacht auf dem Wall stehen, weil sie überfallen zu werden 50 — «arnifvn (befreundet« Truppen) fortgegangen waren Me übrigen Schweizer und Franzosen mit Sack und Pack ausmarschirten. Dem groben Gott setz davor gedankt, dak> endlich Viehes Ungeziefer das Nnhetet Stadt und unserem ganyen Land unaussprechlichen Schaden zugefüget, uns einmahl völlig verlassen hat. Gott gebe, dah wir und unsere Nachkommen solches Glend, Unglück und grobe Drangsale nie mahlen mehr erfahren mögen." Leider nur ein frommer Wunsch unseres Derichterstatiers! Seine Nachkommen haben nicht allzulange nachher in den Revolutions- und Befreiungskriegen den Druck der Fremdherrschaft wieder erfahren müssen, und wir, das gegen, toärtige Geschlecht, müssen immer noch unter den schweren Folgen eines unglücklich geführten Krieges bitter .seufzen. Lernen wrr nur, tote die Altvordern es taten, die schweren Schicksale mit Würde ertragen und bewahren wir uns wie sie es taten, den Glauben an eine bessere Zukunft! Das Schmerzenskind. Bon Alfred Bock'). Als der Packer Debus, tote er jeden Morgen zu tun pflegte, fein lahmes Bübchen ankleidete, sagte er: „Guck, tote die Sonn' hereinscheint, Heini. Das heiß ich Ofiertoetter!“ Heini klatschte in die Hände. „Heute bringt die Mimel (Wilhelmine) Ofiereierl" „Sie bringt noch mehr!" verriet der Packer. „Was?" fragte der Kleine gespannt. „Eine Fibel." „Und was noch?" „Eine Schiefertafel." „And was noch?" „Eine Federbüchs." „Und was noch?" „Ist das nicht genug?" "Nüchsie^Woch kommt der Lehrer Krumm. Bei dem sollst du Lesen und Schreiben lernen." „Ich will viel lernen," sagte Heini und schaute mit feinen gro&en blauen Augen ernsthaft drein. „Das kamt nix schaden," meinte der Packer. „Wann du erst wieder laufen kannst und in die Schul' Igehst, steckst du sie all' in den Sack." , „ ®r hob das Bübchen aus dem Bett und setzte es auf den Stuhl, den der Schreiner Werner in der Gungelsgasse nach An- weisung des Arztes eigens für den kleinen Patienten gezimmert hatte. „War das heut nacht ein Sturm!" plauderte Heini, während er Gesicht und Hände mit Wasser netzte, das ihm der Vater in einer Dlchschüssel vorhielt. „Hast du nichts gehört?" „Nein." „Mußt du aber fest geschlafen haben!" „Das hab' ich auch." „'s war ein Gelärms und ein Gerappel. Ich hab' als geglaubt, 's wär eins draußen und wollt' herein." „Ja, der Wind treibt seine Possen." „Darüber bin ich eingeschlafen. And hat 'mir was geträumt.“ „Was?" „Die Mutter hat an der Tür gestanden. And in der Stub' haben viele, viele Lichter gebrannt. Und du hast deinen Sonntagsstaat angehabt. Und der Schneiders»Karl hat Harmonika gespielt. Und ich bin von meinem Stuhl heruntergesprungen. Und bin auf die Mutter zugelaufen." „Das hast du halt geträumt/* seufzte Debus, setzte die Waschschüssel beiseite und reichte dem Buben ein Handtuch dar. Der trocknete sich ab und fuhr dann mit einem Kamm durch die widerspenstigen blonden Locken, die in Ueberfülle auf seinem Köpfchen gediehen. Nach einer Weile fing er wieder an: „Vater." । „No?" „Ich hab gar nimmer gewußt, tote die Mutter ausgeschaut hat. Seit heute nacht weiß ich's. Gelt, sie war mächtig groß?" „'s ging an.“ „Und schwarz?" „Nein, blond wie du." „Blond?" »Ha " „Sonderbar! Aber lustig war sie, gelt?“ „Heini, was babbelst du wieder zusammen!*' wich der Packer aus. „Du bist nie lustig, Vater." >—--- •) „Die harte Scholle", eine ausgezeichnete Sammlung auSgewählter Nomane und Novellen Docks (Deutsche Verlagsanflalt Stuttgart), der der vorliegende Beitrag „Das Schmerzenskind" entnommen ist, vereinigt in einem stattlichen Band vortreffliche Stücke deutscher Erzählerkunst. Wer Alfred Dock noch nicht kennt, greife nach diesem Buche, dem nicht nur in unserer hessischen Heimat, sondern weit darüber hinaus too Herren für ein kernhaftes deutsches Volkstum schlagen, überall die weiteste Verbreitung zu wünschen ist. „VH hab vor lauter Arbeit keine Gedanken drauf." „Heut arbeit'fl du ja nix. Und morgen auch nix. Und übet» «argen auch nix. Da fannft du doch lustig fein.“ Debus schwieg, wie immer, wenn ihn das altkluge Bürschchen in die Enge trieb. Das plapperte weiter: „Der Schneiders-Karl hat mich letzt einen neuen Spruch gelernt: Lustig gelebt und selig gestorben, Heißt dem Teufel die Rechnung verdorben. Gelt, Vater, wir wollen lustig fein?" Der Vater wandte sich ab und trat an das einzige Fenster des Stübchens, das hinaus auf den Fronplay ging. Wenn er den armen kleinen Lazarus so reden hörte, krampfte sich ihm das Herz zusammen. Jemand kam die Treppe heraus. Heinis geschärftes Ohr erkannte die Patin am Tritt. „Die Mimel," jubelte er, „die Mimel!“ Gleich daraus trat eine ältliche, korpulente Frau herein mit einem gutmütigen Gesichtsausdruck. Sie trug am Arm einen Henkelkorb, der mit einem Wachstuch zugedeckt war. „Guten Morgen beisammen!" Der Packer drehte sich um. „Ei, die Mimel!" „Guten Morgen, Mimel!" rief Heini, und sein bleiches Gesichtchen färbte sich vor Freude rot. i Die Mimel setzte ihren Korb nieder schob das Wachstuch zurück und holte unter dem Jauchzen des Buben allerlei Herrlichkeiten hervor: schöngefärbte Ostereier, Zuckerhasen, Fibel, Schiefertafel und Federbüchse und zuletzt eine Flasch? Osterwasser, die sie in aller Herrgottsfrühe am Erlenbrrmnen gefüllt hatte. „'s hat mir voriges Hahr von meinen wehen Augen geholfen," sprach sie, „und wird deinen Beinchen gut tun, Heini." Bei diesen Worten zog sie ihrem Schützling die Höschen wieder aus, die er eben erst angezogen hatte, entkorkte die Flasche und begann die jammervoll dünnen Beinchen mit dem wundertätigen Wasser zu reiben. Heini ließ sich das lächelnd gefallen. Der Packer schaute mit ungläubigem Gesicht zu. Nachdem die Prozedur beendet war, sagte die Mimel: „Gott svll's gelegnen! So, jetzt mach' ich das Essen über. Und daß du dir an dem Osterhas nicht den Magen verdirbst, Heiner Schnackes I“ Die Mahnung war für den Augenblick wenigstens überflüssig, denn Heini hatte über der Fibel mit ihren schönen Bildern Eier und Äckerwerk vergessen. Der Packer begab sich in die Kammer, die an das Stübchen stieß, und zündete seine Pfeife an. Gleich schloß er die Verbin- dungstür, denn der Bub hustete, sobald er Tabaksrauch verspürte. Schwerfällig ließ er sich auf einem Schemel nieder und qualmte vor sich hin. Ostern! Ha, wer sich darüber freuen konnte. Ihm graute vor dem Feiern, vor dem Simulieren. Und gar drei Tage hintereinander. Es war, um aus der Haut zu fahren. Zehn Jahre zurück, da war's anders. Da zog er Feiertags mit dem reinen Hemd einen neuen Menschen an und fühlte sich wohlig als lediger Bursch. Kvhblitz! Er durfte sich sehen lassen. Die schönsten Mädchen blinzelten ihn an. Und er war wahrhaftig nicht blöde. Aber den Schmachthans spielen oder sich fest haken, das gab's nicht. Sein Spruch war: frei und froh. Und dann sollte et doch erfahren, daß auch in seinem Garten das Kräutchen Liebe wuchs. Auf dem Weidenhvf war Tanzmusik. Und faß ein Mädchen da, bildsauber. Sie mußte wohl ortsfremd sein, denn es Farmte sie niemand. Er holte sie zum Danz und ließ sie nicht mehr los. Sie hieß Traud (Gertrud) und war die Tochter einer Hausiererin. Die hatte sich bei ihrem mühseligen Gewerbe die Gichtkrankheit zugezogen und hatte kürzlich beim Weißbinder Krönlein auf dem Fronplatz zwei Stuben gemietet. Die Staub ging in die Wollspinnerei. Dort gefiel's ihr- nicht, denn der Werkmeister war ein Giftmichel und kollerte von früh bis spät. Das Stillsihen wat ihr schrecklich. Und es kribbelte in ihr, daß sie meinte, sie mühte auf und davon. Während die Mutter im Rheinland und in Westfalen ihr Wollzeug abgeseht hatte, war die Traud bei einem Verwandten in Bingen erzogen worden. Und sie erzählte vom Nhein, vom Niederwald, von der Rochus- kapelle, vom Mäuseturm und den vielen Schiffen, die stromauf» und abwärts fuhren. Er sperrte Maul und Ohren auf und war ganz weg. Selbig- mal tat er sich vor den Kameraden hervor und lieh für sein Mädchen eine Flasche Niersteiner kommen, indes die anderen sich mit Bier begnügten. Der Wein löste ihm die Zunge, und et offenbarte der blonden Bingerin, dah er als Packer beim Groh» händler Hammer seines Prinzipals Vertrauen genoß und sich gut dabei stand. Herr Hammer verkaufte Kaffee, Zucker und allerlei Kolonialwaren im Großen. Ein Reisender besorgte den Absatz, auf dem Kontor führte der al'e Herr Heidenreich die Büchet, auf dem Lager aber war er die Hauptperson. Die Traud sah respektvoll zu ihm in die Höhe. Ihr Verwandtet in Dingen war eigentlich Schuster, nebenbei betrieb er ein Kolonialwaren krämchen. Daher kannte sie die Artikel. Einmal hatte sich der Onkel von einem Reisenden aus Mainz bereden lassen, Zucker auf Spekulation zu kaufen. Der schlug nachher ab, und der Onkel verlor sein Geld. - 81 - hatte daS Unglück verschuldet. (Fortsetzung folgt) Sv/schtvühten sie. tranken Len guten Wein und waren barbarisch vergnügt. Äbends begleitete er sie heim. 2lm nächsten Sonntag sahen sie sich wieder und gingen fortan miteinander. Pfingsten war«, da st er vor ihrem Haus wohl eine Stunde lang auf sie wartete. Endlich kam sie bleich und verstört und schluchzte: „Die Mutter ist totl“ Er tröstete sie, kaufte einen schönen Kranz und war unter den wenigen Leidtragenden, die der Hausiererin die letzte Ehre gaben. Danach fragte er: „Willst du die zwei Stuben behalten?" „Was soll ich damit?" versetzte sie. „Ich hab' mit einer genug." „Wie wär's wann wir uns zusammentäten?" sprach er weiter. „Ich geb' meine Kammer beim Schreiner Werner auf und schaff' meine Siebensachen zu dir. Hernach kannst Lu in deiner Ordnung bleiben." Xie5er ihr Gesicht lief eine Röte, und sie sagte: „Ha, wann du meinst. Mir ist's recht." • Vier Wochen später waren sie Mann und Frau. Es war eine glückliche Eheschaft. Ernsthaft hatten sie sich nur einmal gestritten. Das war bald nach ihrer Verheiratung. 3n der Küche stund von der Mutter selig her noch die Kiepe, die diese als Hausiererin dreißig Jahre aus dem Ducken herumgeschleppt hatte. Er wellte das unnütze Ding für drei Trumpeln an die erste beste Hökerin verkaufen. Dem widersetzte sich die Traud Ein Wort gab das andere, zvrnrot standen sie einander gegenüber. Schließ- lich streckte er die Waffen, und die Kiepe blieb an ihrem Ort. Sonst konnte er sich über nichts beschweren. Sie war von einer fröhlichen Atck, neckte sich gern mit ihm und hatte immer das rechte Wort bei der Hand. Abends bei der Flickarbeit sang sie viele Lieder. Wenn er fragte: „Potz Wetter, woher hast du die all? fegte sie: „Dom Rhein. Dort singen sie bei Tag und Dacht. Und wer nicht singen kann, tut pfeifen." Es dauerte kein Jahr, da strampelte ein Bub in der Wtege. Das war der Heini. Der trippelte schon mit fünfzehn Monaten kn der Stube herum und babbelte, daß es ein Pläsier war zuzu» toten Die Hausleute und die Aachbarn meinten, so wundernett und frühgescheit sei weit und breit kein Äinb zu finden. Die Traud war rein närrisch mit dem Bub und hätte in ihrem Mutter- stolz nicht mit der reichsten Frau in der Stadtgetaufcht ^Die Zeit und das Glück liefen fort wie Wasier Eines Sonn- taas hatten sie sich mit der Mimel verabredet, nach Obernhaufen zu fahren wo Kinnes war. Dach Tisch wollten sie aufbrechen und mit der Platin auf dem Frvnplah Zusammentreffen. Die Traud spülte noch das Geschirr und hieß ihn mit dem Buben vorangehen, „'s ist gut" sagte er, hob den Heini, mit der Zunge schnalzend^ auf seine Schultern und schritt mit ihm die Treppe hinab „3ch mag gar nicht hingucken, wie der Jung da oben herumturnt rief ihm die Traud aus der Küche nach „3m Handumdrehen au~n vassieren “ „Der Jung reit' für sein Leben gern, erwiderte er. „und ich tu ihm den Willen." Sv ost er sich paran erinnerte, was nun geschah befiel ihn Grausen, und das Blut erstarrte ihm in den Adern. „Hopp, hovv, hvvv! jauchzte der Wildfang und schockelte hin und her. „Hab Ruh, gebot ei; sonst aibt's —" 3m selben Augenblick glitt er aus, verlor das Gleichgewicht und kam zu Fall. Der- Heini aber stürzte die Stiege hinunter und blieb wie tot auf den Steinplatten lwgen. Jammer und Wehklagen füllten das Haus. Des Wechbinders Anton Sake zum Arzt. Als der erschien, war der Kleine zu sich ge- mmen, doch stellte sich heftiges Erbrechen ein. Der Doktor meinte das werde sich geben, man dürfe letzt gar nich.s machen, morgen bei guter Zeit werde er wiederkvmmen And ging. Ber- aeistert fast er am Bettch-n des Lieblings, die Traud gegenüber, wie ein Bild von Stein. And er getraute sich nicht, sie anzuschauen, er fürchtete sich vor ihrem Blick. Der Bub verfiel in einen unruhigen Schlaf und schreckte ein Mal über das andere auf. 3n Sorge und Qual verstrich der Tag, und die Dacht wollte kein Ende nehmen. Glock sieben war der Doktor zur Swlle. untersuchte den Heini und sagte: „Eine schwere Verletzung! Selbigmal war's ihm. als hätte ihm einer ein Mester in die Brust gefloßen und er wünschte sich den Tod, denn er allein in fernem Aebermut Johannes Brahms. Zu seinem 25. Todestage, 3. April. Bon Waldemar Dröhn. Die Gegenwart mit Ihrem atemlosen hastigen Geschehen beansprucht unsere ganze geistige Kraft in einem so grvhen Maste, Last wir selbst beim allerbesten Willen nur selten Türen der Vergangenheit ausstosten können, um uns besten zu erfreuen, was uns unsere grvsten deutschen Meister so reich als unveräusterliches Erbe hinterlassen Sonderlich in der Tonkunst haben unS die letzten Jahrzehnte ein solches Uebermast von neuen Schöpfungen gebracht daß wir wenn es nach der Quantität ginge, einen erheblichen Gewinn für unsere deutsche Musik zu buchen imstande wären Dach der Seite der Qualität hin betrachtet, sieht die letzte Edvche deS deutschen Musiklebens weniger erfreulich auS. Mit wenigen Ausnahmen macht sich ein gewisse« Epigonentum breit, LaS die Verdienste unserer klassischen Meister zum Spielball ihrer nachschassenden Willkür macht-, daneben aber wuchert eine dem deutschen Geiste völlig fremde Klangproduktion, die unter dem Kennwort „Programmusik" die Sinne und Derven mit fast rein verstandesmäßiger Berechnung zu reizen versucht, lieber» ragende grobe Künstlerindividualitäten Hal uns die jüngst vergangene Zeit nicht mehr auf dem Gebiet der Tonkunst geschenkt, feit mit Johannes Brahms vor nun gerade fünfundzwanzig Jahren ein Meister starb, der gleichsam noch einmal in gesegneter Fülle eine Wiedergeburt der deutschen klassischen Musik in seinen Werken geschaffen. And wir können gerade jetzt, wo wachgerüttelt durch die politische Wirrnis und die materielle Dot überall in deutschen Landen eine Art von Selbstbesinnung auf die Quellen unserer völkischen Kraft und Sonderheit Platz zu greifen beginnt, nichts Besseres tun, als immer wieder den Zeitgenossen recht deutlich vor Augen zu halten, was uns unsere führenden Geister auf allen Gebieten Gewaltiges geschenkt haben. Johannes Brahms ist in gewissem Sinn kein Musiker für den Massengeschmack, wenigstens sucht er die Wirkung seiner Kompositionen nicht durch irgendwelche äuherliche Mittel zu erreichen. Seit der Zeit jenes enthusiastischeir Briefes, mit dem Robert Schumann In der Leipziger „Denen Zeitschrift für Musik" den damals zwanzigjährigen Jüngling der Oeffentlichkeit als einen vorstellt, „der den höchsten Ausdruck der Zeit in idealer Weise auszusprechen berufen wäre", bis zu jenem Sage, da der Tod den noch nicht vierundfochzigjährigen infolge eines krebsartigen Leberleidens die so fleißig geführte Dotenfeder für immer aus der Hand zu legen zwang, ist der Künstler sich eigentlich immer glsich geblieben. Seine formenachtende, aber nicht von Formen geknechtete Kunst, die in sich alles Erbe der- großen Meister vor ihm von Dach und Haydn bis Mozart und Beethoven birgt, will den Menschen im innersten Kern seines Fühlens und Denkens treffen er läßt die Gegensätze rücksichtslos aufeinanderstoßen, er entwickelt das Element des Widerstreitenden bis in seine äußersten Konsequenzen, an diesem aber wächst mächtiger empor, alles Feindliche besiegend, der Geist des Friedens und beglückender Ruhe. Mit heiligstem Emst und zwingender Gewalt führt er seine Auseinandersetzungen durch und wenn uns bei Brahms zuweilen in diesem oder jenem Werk Stellen Vorkommen, die uns bizarr und rätselhaft erscheinen, so brauchen wir uns nur in sie zu verliefen, um ihre Lösung zu finden. Des Meisters künstlerische Bedeutung ist eine sowohl In der Instrumental- tote In der Vokalmusik gleich reiche, wenn auch an Zahl die 3nstrumentalwerke überwiegen. Er schafft nicht stets Deues in neuen Formen, sondern gibt vor allem Erweiterung des als bewährt Aeberkommenen. Bei ihm gründet sich zwar viel auf Reflexion, doch muß man die Kraft des melodischen Empfindens voranst eilen. Von allen Werken seiner Kunst dürften keine so tiefen nachhaltigen Eindruck auf die große musikalische Oeffentlichkeit gemacht haben wie die neun großen Vokalwerke mit Orchester allen voran das herrliche „Deutsche Requiem", daneben „Das Schicksalslied" und „Rinaldv". Vor diesem liebensätzigen, umfangreichen Chorwerk des Requiems, das ben musikalischen Duhm seines Meisters erst definitiv begründet, streckten selbst die hartnäckiasten Zweifler vor der Amfängltchkelt und Bedeutsamkeit der Brahmsschen Musik ihre Waffen. Es wäre überflüssig die gewaltige Zahl seiner Orchester- und Konzert-Kompv- fttiontm hier aufzuzählen, jeder Musikkatalog bringt sie. Seme vier großen Symphonien flehen dicht hinter Beethoven; schon allein die Grundstimmung der O-Dur-Simphvnie, die den Kampf eines vom Leben hart Geprüften durch Zweifel bis hin zur Frömmigkeit gibt, zeigt die Verwandtschaft mit diesem Genuis. Die sonnenhelle, strahlende V-Dur-Simphonie, die heroische F= Dur-Simphonie und die große auswärtsweisende ll-Moll-Sym- phvnie bilden eine feste Gruppe vertieftest er Kunst und wunderbarster Instrumentation. Mit meisterhafter Kraft hält Brahms die Haupttonart stets llar und fest bis zum Ende durch, der Hörende verliert nie die Stimmung, denn fein Kunstwerk außen sich stets in eigener, individueller Sprache. Jedes der Weiue ist für sich abgeschlossen, und gerade darin liegt der Schwerpunkt der Erfindungskraft ihres Schöpfers. Auf das vielseitigste hat Brahms das Gebiet der Kammermusik bereichert, 20 wertvolle Tonwerke teils mit, teils ohne Klavierbegleitung, bieten eine Fülle von Anregung für die Hausmusik. Es ist nicht unmöglich, daß wir gerade durch die äußere Dot demnächst wieder mehr als bisher den Weg zur deutschen Hausmusik finden toerben da dürsten diese Gaben zum Köstlichsten gehören, bas uns sich dar- bietet Äußer den zahlreichen Klaviervertvnungen ist es noch ein Gebiet das Prahms mit ganzen Meisterschaft beherrscht: bas deutsche Lieb Die Kindei^eit ber Liebkompvsltlvn nut ihren liebenswürdigen Anfängen ist längst vergangen, die Gegenwart fordert reichere Gestaltung. Daß aber trotzdem die Form und Arkraft des einfach gegliederten Volksliedes Brahms in ben geeigneten Augenblicken leitend geblieben ist, beweisen seine große Zahl der Volkslieder. 3n keinem Gebiet hat der Meister so warme Herzenstöne angeschlagen, wie im ein- und mehrstim- miaen Liede mit Klavier. Besondere Beachtung verdient noch ber tief religiöse Gehalt der a capella-Chöre, den kaum jemand nach -Denn^ totr das ^gesamte Schaffen des Meisters rückschauend überblicken, so finden wir uns in tiefer Andacht vor einem ver- 52 innerlichten Tonmeister, dessen technisches Können sich mit einem heißen idealen Streben nach aufwärts zu seelischer Gröhe eint. Dicht als Fvrtsetzer Beethovens, sondern als ein Bramante der musikalischen Renaissance, steht Brahms in der Reihe unserer größten Musiker. Sn ihm wirken des großen Kantors Tiefen und die liebenswürdige Kindlichkeit Haydns, Mozarts anmutige Lebensfreude und Beethovens Wenschheitsstreben über Leid und Wirrnis des Erdenlebens hinaus. Aber nie ist er ein Rach- schaffender, sondern immer ein origineller, in sich abgeschlossener Künstler. ___ Die alte Ehrlichkeit im deutschen Sprichwort. Die Anschauungen mancher Kreise über das, was recht und anständig ist, sind in der letzten Zeit ziemlich ins Wanken geraten, und vergeblich sehnt man sich nach der „alten Ehrlichkeit , nach den Zeiten in denen noch Treue und Glauben herrschte, zuruck. Lieber diese strengeren Auffassungen von Redlichkeit imd guter Sitte gibt uns am besten das deutsche Sprichwort Auskunft, dieser durch Jahrhunderte aufgespeicherte Weisheitsschatz un» seres Dolles. Sn dem grundlegenden Werk über unser Sprichwort, der bei C. H. Deck in München erschienenen „Deutschen Sprichwörterkunde", die uns pvr kurzem Friedrich Seiler geschenkt hat, finden wir den reichsten Stoff, um festzustellen, was unsere biederen Vorfahren über Erwerben und Besitzen, über Kauf und Verkauf, über Reich und Arm, über Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit gedacht haben. Den leichten Börsen- und Spekulationsgewinn kannten die Zeiten und Äolkskreise nicht, in denen das Sprichwort erwachsen ist. Rur eine Ahnung davon, daß es in großen Gesellschaften nicht immer richtig zugeht, äußert sich in Sprichwörtern wie: „Kumpanei ist Lumperei". Ein hohes Lied auf die Arbeit erklingt dagegen aus zahllosen Redensarten: „Arbeit ist der Ehre Mutter". „Arbeit schändet nicht." Sie bringt alles zuwege. „Arbeit macht aus Steinen Brot, aus Kieselsteinen Demant." „Arbeit gewinnt Feuer aus dem Stein. Richt weniger wichtig als Arbeit ist Sparsamkeit, die vom Sprichwort dahin gedeutet wird, daß man seine Ausgaben nach seinen Einnahmen einrichten muh: „Man muß leben, wie man kann, nicht wie man will". „Man schneidet die Riemen, nach dem die Haut ist." „Jeder muß sich nach seiner Decke streckens „Verzehre nicht über Gewinnen; es wird dir sonst zerrinnen." Llnter keinen Umständen soll man etwas kaufen, was man nicht nötig hat: „Was man nicht bedarf, ist um einen Pfennig zu teuer". „Wer alles kauft, was er nicht braucht, muh bald verkaufen, was xr braucht." Die Einrichtung der festen Preise kennt das Sprichwort noch nicht, sondern es hält Handeln und Feilschen für notwendig bei einem guten Einkauf. Dem Verkäufer wird geraten, nicht zu viel zu verlangen: „Allzu teuer geboten, macht die Ware unwert." Wenn der Käufer die Ware tadelt, so zeigt er, dah er gern kaufen möchte: „Wer die Ware schilt, hat Lust dazu". Der Käufer soll aber nicht zu sehr auf Billigkeit sehen, weil er sonst Schund einhandelt: „Ein wohlfeiler Kauf ist oft der teuerste". „Das Beste kauft man am wohlfeilsten." Dem Reichtum steht das Sprichwort mit einem gewissen Mihtrauen entgegen: „Reichtum vergeht, Tugend besteht". „Jäher Reichtum, lange Armut." Der Reiche ist leicht ängstlich: „Reichtum hat ein Hasenherz". „Wo Geld und Gut, da ist kein Mut." „Pfennige .machen Sorge." Der Reiche wird von Schmeichlern betrogen: „Was Fliegen lockt, lockt auch Freunde". Sehr zahlreich sind die Sprichwörter, die den Betrug brandmarken: „Richtig zählen, ehrlich messen, darf der Kaufmann nicht vergessen". „Was Betrug beschert, nicht lange währt." „Anrecht Gut tut nicht gut.“ Zur höchsten Sittlichkeit schwingt sich das Sprichwort auf, wenn es den Tod der Anehrlichkeit vor- zieht. Daher der Preis der Ehrlichkeit: „Besser die Hand in einem Kuhfladen als in fremdem Gelde". „Ehrlichkeit bringt's wert." „Ehrlich währt am längsten." „Ehrlich währt ewig." Pflanzenschutz» ein Mittel zur Hebung des VslksV.ermögsns. Don Hans Ernst. Den wenigsten ist auch nur annähernd bekannt, wie viele Milliarden alljährlich unserem Volksvermögen durch Krankheiten unserer Kulturpflanzen verloren gehen. Jetzt, wo wir mehr denn • je alles daran sehen müssen, um uns vor einer völligen Der- a.rmung, die uns unsere Gegner im Weltkrieg nur zu gerne bereiten würden, zu schützen, ist es Pflicht eines jeden, zur Erhaltung und Förderung des Volksvermögens beizutragen, wo und wie er nur kann. Es muß vor allem von denen gefordert werden, die Führende sein wollen, daß sie sich näher mit der Materie befassen, um sich überhaupt darüber klar zu werden, was Pflanzenschutz heißt, was der deutsche Pflanzenschutzdienst im Verein mit Zoologen und Botanikern will. Rur wenige Zahlen mögen genügen, um die Wichtigkeit dieser Frage in grellem Licht erscheinen zu . lassen. Die Schäden durch Steinbrand beim Winterweizen belaufen sich allein in der Provinz Sachsen in einem normalen Steinbrandjahr auf rund 6 500 000 Mark. Rach Griksvn beträgt weiterhin der jährliche Verlust durch Rostkrankheiten in den getreideoauenden Ländern etwa li/4 Milliarden. Sogenannte Auswinterungsschäden, die in weitaus den meisten Fällen auf pilzliche Parasiten, sowie Käferlarven, Mäuse u. a. zurückzuführen sind, erreichen einschließlich der erforderlichen neuen Bestellungsarbeiten die stattliche Summe von etwa 20 Millionen Mark. Roch höher beziffern sich die Schädigungen,. denen die lagernden Feldfrüchte durch Bakterien und Pilze, Insekten und andere Schädlinge aus dem Tierreiche, wie Mäuse, Ratten und dergleichen ausgesetzt sind. Beträgt doch der hierdurch entstehende Verlust etwa 5 Prozent bis 10 Prozent der Gesamternte. Das heißt bei vorsichtiger Berechnung, auf die geschätzte Ernte angewandt soviel als ein Verlust von rund 16 Z50 000 Zentner Körnerfrucht und rund 42 000 000 Zentner Kartoffeln. Prozentual noch erheblicher, sind die Verluste int Obst- und Weinbau. Rimmt man doch an, daß z. B. bei ersterem etwa 20 Prozent alljährlich durch Verluste genannter Art ausfallen, während beim Weinbau je nach Auftreten bestimmter pilzlicher oder tierischer Parasiten oft die ganze Ernte, oder doch der größte Teil derselben in Frage gestellt ist, wenn nicht stets die nötigen Vorsichtsmaßregeln beobachtet werden. Ganz unerwähnt sollen die Schäden bleiben, die alljährlich in der Forstwirtschaft durch Mehltau, Kiefernschütte, Ronnenfratz, Kiefernspanner und Kiefernspinner sowie andere Vertreter de- Pflanzen- und Tierreiches entstehen. Berücksichtigt man weiterhin, daß mit all dem Aufgezählten nur ein kleiner Teil erwähnt wurde, daß ferner die indirekten Schäden keine Erwähnung fanden, daß die Schätzungen recht vorsichtige waren und die Vorkriegs-Valuta als Unterlage diente, so kann man ermessen, daß wir notgedrungen in jeder Weise gegen derartige Schäden Front machen müssen; denn wir sind heute nicht mehr in der Gage, derartige Summen zu entbehren. Es ist daher mit Freude zu begrüßen, daß sich neben einer Reihe kleinerer Firmen, neuerdings auch große, chemische deutsche Werk« wie z. B. die Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer u. Co. in Leverkusen bei Köln a. Rh. dieser Frage durch Schaffung entsprechender Dekämpfungs- und Schutzmittel in großzügiger Weise im Allgemeininteresse annahmen. Außerdem muß ein jeder an seinem Platze mithelfen, selbst die Jugend muh mit den gesunden und krankhaften Zuständen unserer Kulturgewächse vertraut gemacht werden in unser aller ureigenstem Sntereffe. Erzielung höherer Gemüseernten. Die Gemüseernten sind sehr ost von pilzlichen Krankheitserregern befallen, welche entweder den Auflauf beeinträchtigen oder später an den Pflanzen Krankheiten Hervorrufen, wie die Brennfleckenkrankheit bei Bohnen und Erbsen, ben Zwiebelschimmel, den Sellerie- und Merrettichschorf, den Dlattbrand der Gurken u. a. m. Es ist sehr leicht, sich gegen derartige Schäden zu schützen, und zwar durch eine Beizung der Sämereien. Für die Behandlung solcher feiner Sämereien eignet sich am besten das Quecksilberpräparat Aspulun, besonders deshalb, weil eS nicht nur die Krankheitserreger abtötet, sondern auch fördernd auf die Keim- und Triebkraft der Saaten wirkt. Schlecht keimfähiges Saatgut keimt z. B. nach der Aspulun-Beizung in viel stärkerem Maße. Die früher oft bemerkten teeren Stellen in den ©aatbeeten werden auf diese Weise vermindert und die Ernteerträge bedeutend erhöht. Sv wurde neuerdings in den „Mitteilungen deÄ Vereins zur Förderung der Mporkuliur Berlin" ein lehrreiches Beispiel für eine durch die Beizung bewirkte Ertragssteigerung angeführt. Von einem mangelhaft keimenden Mangoldsamen entwickelten sich bei diesem Versuch ans 50 gebeizten Samenknäueln nach 14 Tagen 103 meist auhergewöhn- ■ lich .große und kräftige Pflanzen, während 50 nicht gebeizt« Samenknäuel nur 48 kümmerliche Pflanzen lieferten. Lieber die Eignung von Aluminium zu Mslkereigeraten. wurden an der Molkereischule Rütti-Zollikofen bei Bern Versuche gemacht. Speziell wurde ein Milchkühler auS Aluminium ausprobiert. Dabei ergab sich, daß die Kühlarbeit des Aluminium-Kühlers sehr nahe kam der Kühlarbeit eineS verzinkten Kupferkühlers. Die Wärmeübertragung ist allerdings etwas geringe?; aber im ganzen war die Leistung eine zufriedenstellende. Allerdings sind solche Kühler nur für Süßwasser zu brauchen, nicht aber für Salzsohlespeisung, weil bis Salzsohle meist mit Soda neutralisiert ist und Aluminium von Soda angegriffen wird. Don Milch und Molke, selbst wenn si« schon ziemlich sauer sind, wird Aluminium nicht angegriffen und deshalb eignet sich dieses sehr gut für die verschiedenen Milchgeschirre. Für Käsekessel jedoch ist das Aluminium nach Aeutzerungen der Molkereischule nicht geeignet, weil das Lab- gerinsel an diesem Metalle zu sehr anhaftet und das Aluminium für die starke mechanische Beanspruchung der Käsekessel zu weich ist. Aus diesem Grunde müssen auch Milchkannen aus Aluminium einen besonderen Schutzmantel erhalten. Durch ihr sauberes mattweißes Aussehen bilden die Aluminiumgefäße ein« Zierde der Molkereien. Schriftleitung: August Goetz. — Druck und Verlag der Brühl'schen Aniv.-Buch. mb Steindruckerei, R. Lange, Gießen.