ZsZ s A Donnerstag, den 50. Januar R5 — Nr. HZ jeßEMnilienkl Von Frühling ;u Frühling. Roman von Erich Eben st ein. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Aber als sie den langen Korridor erreicht hatte, in den fast alle Türen mündeten, öffnete sich plötzlich eine davon und der Prinz trat heraus. Nun Ivar ein Ausweichen nicht mehr mögliche Reinsperg eilte ihr freudestrahlend entgegen. „Endlich teuerste gnädige Frau! Ich bin schon fast verzweifelt . . . fvnßte gar nicht mehr, womit ich die Zeit totschlagen sollte bis zu Ihrer Heimkehr!" „Meiner Heimkehr?" Meta sagte es im kältesten Tone. „Ich nehme an, daß Hoheit nur ein sehr wichtiger Grund 4. jetzt nach Dopolanyi geführt haben kann . „Natürlich! Der allerwichtigste!" „Nnd daß ich -damit nicht in dem leisesten Zusammenhang stehe!" vollendete sie abweisend. Das war so deutlich, daß Reinsperg sie bestürzt ansah. „Aber Gnädigste — Sie werden — Sie können doch nicht — und ich hatte mich so auf dies Wiedersehen gefreut!! Wollen Sie mir denn nicht einmal die Hand reichen und mich ein bißchen willkomimen heißen?" Meta reichte ihm flüchtig die Hand. „Doch — den Herrn von Dopolanyi wird jeder Bewohner des Schlosses willkommen heißen." „Den Herrn..sagte er bitter und verstimmt, „ich hatte auf einen anderen Empfang gehofft!" Meta schwieg. Aber Konradchen hatte sich von ihrer Hand losgemacht rind sagte nun in seiner langsamen, eindringlichen Redeweise: „Warum spielst du nicht mehr? Es war sehr schön... bitte, spiele noch..." Sie griff erschrocken nach des Kindes Hand. „Aber Konrad! Was fällt dir ein? Komm... Hoheit verzeihen — ich muß das Kind zu Bett bringen..." „Wie — Sie selbst?" Reins Pergs Antlitz nahm jetzt einen spöttischen Ausdruck an. „Ja — ich überlasse Konrad nur im äußersten Notfall fremden Händen." Der Prinz bückte sich und nahm das Kind ohne Umstände auf den Arm. „Komm, Kouradchen, ich will dir noch Vorspielen. Gnädige Frau, darf ich bitten?" Er öffnete mit der linken Hand die Tür zum Salon, welcher seine Wohnung von jener Montellis schied und neutrales Gebiet war. „Ich werde, wenn ich den Wunsch des Kindes erfüllt habe, Ihre Geduld nur noch zwei Minuten in Anspruch nehmen, um Ihnen den Zweck meines Kommens mitzuteilen. Dann will ich Sie nicht weiter belästigen." Das Klavier stand noch offen. Reinsperg setzte Kou- radchen in einen Fanteuil und begann zu spielen. Erst J_UIIM1I IIIMMHIW____M__I________;_____~l......... ib -1 leise, dann immer stärker anschwellend, bis die Töne mit brausender Gewalt den Raum erfüllten. Wie gebannt lauschte das Kind. Auch Meta wurde wider Willen zur Bewunderung fortgerissen. Sie hatte lange keine ernste gute Musik gehört und das war wahr- hastig das Spiel eines .Künstlers. Er spielte verschiedene Weisen aus den Werken großer Meister und ging dann zu freien Phantasien über. Plötzlich brach er mitten drin mit einem schrillen Akkord ab und stand aus. „So — und nun will ich Ihnen sagen, weshalb ich kam, gnädige Fran. Uebermorgen wird „Aram" gerittem die Piece de resistänce unseres Stalles. Wir hoffen, daß er den Sieg davonträgt, aber es wäre keine Freude für Ihren Herrn Gemahl und mich, ohne Sie. Ich hatte bestimmt gehofft, daß Sie mit nach Wien kämen. Moutelli versicherte, daß alle seine Bitten vergebens waren, so habe ich mich denn entschlossen, selbst zu kommen und Sie zu bitten. Ich muß morgen früh unbedingt zurück — gnädige Frau, seien Sie nicht hartherzig! Lassen Sie mich nicht umsonst bitten . ." In Metas Zügen stritten Ueberraschung und Zorn um die Herrschaft. Endlich sagte sie kalt: „Das glauben Sie doch selbst nicht im Ernst, Hoheit, daß ich in Ihrer Begleitung nach Wien fahren werde!" „O — Sie können ja einen späteren Zug wählen." „Um Ihnen einen Wunsch zu erfüllen, den ich meinem Männe abgeschlagen habe? Ich habe Sie immer für einen taktvollen Mann gehalten, Hoheit —. ich staune, daß Sie dies nun für möglich halten!" „Gnädige Frau! Ihr Herr Gemahl hofft zuversichtlich auf Ihr Kommen!" „Ah — wirklich? Er weiß um Ihre abenteuerliche Reise?" „Aber gewiß! Ich bin doch nicht so taktlos, wie Sie anzunehmen scheinen." \ „Dann kann ich nur bedauern, daß mein Mann . . .. mich so wenig ferott. Selbstverständlich kann gar keine Rede davon sein, "daß ich Dopolanyi verlasse." „Dies ist Ihr letztes Wort?" „Mein letztes. Gute Nacht, Hoheit!" Sie wollte sich zur Tür wenden, aber der Prinz vertrat ihr, außer sich vor Erregung, den Weg. „Pardon, gnädige Frau — noch ein Wort. Lassen wir die Maske endlich fallen zwischen uns! Sie haben Moutelli zu begleiten abgelehnt, weil Sie ein Wiedersehen mit mir vermeiden wollten!" „Und wenn es so wäre? Ja denn — ich leugne es nicht!" Sic sah ihm starr ins Gesicht." „Und warum dieses Mißtrauen? Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, daß Sie für mich- die Krone aller Frauen sind, -aber haben meine Huldigungen, meine Wünsche je die Grenze des Erlaubten überschritten?" 66 ■ — Meta entzog ihm ihre Hand unb richtete sich gerade I auf. Ern entschlossener Zng lag ans ihrem Gesicht. „Ja! Nach meinen Begriffen sind schon die Hnlbigmi- gen, welche man der Frau eines andern darbringt, eine Beleidigung dieser Frau!" „O, die Welt hat keine so strengen Begriffe! Sie verurteilt nur den wirklich Schuldigen." „Ich weiß es. Trotzdem kann ich mein Empfinden nicht ändern und das ist in unserem Fall allein ent? scheidend." „So hören sie noch das letzte Wort, gnädige Frau! Ich wußte so gut wie jedermann in G., daß Ihre erste Ehe unglücklich war. Sie wiesen meine Liebe, jn selbst meine Freundschaft schroff zurück und zum ersten Male im Leben empfand ich, was leiden heißt. Da nahm ich meinen Abschied und trat eine Reise um die Welt an. Die Zukunft erschien mir hoffnungslos — was mich von Ihnen trennte, war unübersteiglich. Das war wenige Wochen, ehe Niki Petermann starb. Erst ein Jahr später, in China, erfuhr ich, daß Sie Witwe seien. Nun flammte noch einmal die Hoffnung in mir auf. Sie waren frei ... ich durfte Ihnen jetzt meine Hand und meinen Namen anbieten. Das erste, was mich in Europa erwartete, war die Nachricht Ihrer Wiedervermählung. Lassen Sie mich schweigen über das, was ich empfand. Ein Montells hatte Sie mir geraubt!" „Hoheit . . . ich muß bitten . . ." „Ja, ja, — gewiß, er ist Ihr Mann, ich weiß. In Dresden fiihrte mich der Zufall mit Ihnen wieder zusammen. Ich war Zeuge von Montellis Triumph, aber zwischen seinen Worten hörte ich noch vieles andere heraus. Und ich beschloß, äußerlich wenigstens, Ihre Lage zu verbessern." Meta erblaßte. „O Hoheit!" stieß sie gequält heraus. Der Prinz ergriff ihre schlaff herabhängende Hand. „Verzeihen Sie — ich schweige schon. Nur das noch: ganz selbstlos geschah es nicht! Durfte ich Sie schon nicht besitzen, so wollte ich mir wenigstens das Glück Ihrer Nähe sichern. _ Sie sehen, Sie sprechen zu können, ist alles, was rch wünsche. Ist es zuviel? Und nun wollen Sie mir sogar das noch entziehen?" r „Ja. Werl es ein gefährliches Spiel wäre für Sie, Hohert, — und meiner nicht würdig. Ich danke Ihnen für Ihre Offenheit. Ich werde Montelli bitten, sich nm eine andere Stellung umzusehen." Der Prinz prallte bestürzt zurück. „Das ist Ihre Antwort? Diese Drohung soll das Ende unserer Unterredung sein?" „Keine Drohung, sondern die Notwendigkeit. Viel- lercht war diese Unterredung — so peinlich sie war — notwendig um endlich Klarheit zu schaffen. Nun ist sie zu Ende und es bleibt mir nichts übrig, als Sie um Vergebung zu bitten um der Leiden willen, welche meine Person Ihnen — wahrlich unabsichtlich — verursachte. Gute Nacht, Hoheit!" . Sie nahm das Kind an die Hand und verließ mit einer leichten Verbeugung das Zimmer. Eine Viertelstunde später hörte sie, wie unten der Wagen wreder aus dem Schuppen gezogen und angeschirrt wurde. Gott sei Dank, er reifte noch heute wieder ab! „ Dann verfiel sie an dem Lager des inzwischen zu Bett gebrachten Kindes in grübelndes Sinnen. Montelli hatte also um die Reise des Prinzen gewußt und sie gebilligt. Das war also der Schutz, den seine Liebe ihr gewährte. Ob es ihr gelingen würde, ihn von der Notwendigkeit zu überzeugen, daß sie nun nicht länger das Brot Rernspergs essen durften? Aber er mußte es ja begreifen. Er mußte . . . Ern tiefer Ekel erfaßte sie vor dem Leben, das sie führte. Sie hatte ihr Möglichstes getan, rie Redlich zu gestalten. Die Natur, welcher M nut warmer Gele erschloß, und das Kind waren ihr Trost gewesen. Und nun hieß es, wieder wandern, irgend ^bekannten entgegen. Sich neu beleben, mit neuen Verhältnissen rechnen. Wie friedlos und einsam dieses Wandern machte! Nrrgvids eine Hermat, nirgends eine Seele, die sie verstand. O, wenn doch ihr Vater nicht gestorben wäre' Der I hätte sie verstanden unb ihr die Arme geöffnet zur Heimkehr nach all diesen Irrfahrten. Heiße Tränen quollen aus ihren Augen und Schluchzen erschütterte die Brust. Da legte Konradchen die Hand auf ihren Arm und seine Träumeraugcn richteten sich erstaunt auf sie. „Warum weinst du denn, Mama? Hat der Mann, der so schön Musil! machen kann, dir etwas getan?" „Nein — nein, Liebling. Schlafe." „Sage mir erst, warunl du weinst?" „Weil —", sie beugte sich ganz nahe zu seinem Ohr herab und es rang sich gegen ihren Willen über die Livpen, „weil, ich so mutterseelenallein auf der Welt bin!" Lange blickte das Kind sie schweigend an. Es konnte die Worte nicht gleich fassen und dachte nach. Dann kam es zögernd heraus: „Hast du nicht mich, Mama?" Es traf Meta wie ein bitterer Vorwurf. In überströmender Liebe schlang sie die Arme um den Knaben und schluchzte: „Ja — dich — dich; du hast recht, mein Einziges. Dich habe ich — ich bin nicht arm und nicht allein. Vergib mir!" XL „Heute kommt Papa, Kouradchen, und wir wollen ihm entgegenfahren bis zur Station — ja? Willst du?" „Ja, Mama." „Und ^Abends kommen Gäste. Nun kann ich nicht mehr wie alle Tage Abends an deinem Bettchen sitzen. Wirst du hübsch ruhig sein, doch von Fräulein Lena auskleidcn lassen und dann gleich einschlafen?" „Ja, Maina." ■ „Dafür will ich dir auch etwas ganz Schönes versprechen. Papa zu Ehren werden Zigeuner spielen heute Abend in Dopolanyi, Baron Lenkay — du weißt, der alte Herr mit dem weißen Bart, der immer so gut zu dir ist — hat sie bestellt. Da darfst bii eine Stunde länger ausbleiben als gewöhnlich und mit Fräulein Lena auf der Galerie des großen Speisesaales zuhören." Konradchen klatschte in die Hände. „Zigeuner! Zigeuner! O, Mama — das ist mir lieber als Märchen!" Er kletterte von dem Sockel des verwitterten alten Fauns aus Sandstein, um dessen Glieder sich Efeu schlang, herab und schritt bedächtig zu seiner Mama, die kleine Sträußchen aus Mvnatsrosen und Heliotropen für die Abendtafel band. „Mama, ich will auch ein Zigeuner werden." Meta lächelte. „Das ist sehr wenig, mein Kind. Ich hoffe, dn wirst etwas Tüchtiges lernen und ein braver, kluger Mann werden, wie... wie..." sie stockte plötzlich. Wie sein Vater? Oder wie Montelli? Nein, keinen von beiden hätte sie ihrem Kinde als Vorbild geben mögen. „Wie ein Zigeuner!" ergänzte nun Konrad selbst. Nun lachten sie beide. Meta nahm den Knaben auf den Schoß und küßte ihn. „Du mein törichtes Träuiner-; chen — immer hast du nur Zigeuner und Musik im Kopf. Und eigentlich —", ihr Gesicht wurde plötzlich ernst und sie unterdrückte einen Seufzer, „sind wir denn wirklich wie die armen Zigeuner — du und ich? Müssen immer wandern — wandern — —" Nachdenklich glitt ihre weiße Hand durch das lockige Blondhaar des Kindes. (Fortsetzung folgt.) Abenteuer des Brigadier Gerard. Von C. Doyle. Wie der Brigadier in England Triumphe feierte. (Fortsetzung.) Aber ich wollte Ihnen ja nicht von meinen Sporttaten heute abend erzählen, mes amis, sondern von der Gräfin Jane Dacre und dem seltsamen Abenteuer, zu dem sie Veranlassuuq gab Die Gräfin Jane Dacre war die Schwester Lord Ruftons und stand ferner Haushaltung vor. Ich fürchte, daß sie sich bis zu meiner Ankunft sehr einsam gefühlt hat, denn sie war eilte schöne, vor- m'briie^ Dame und hatte nichts mit ihrer Umgebung gemeinsam. Tatsächlich kann ich dies von vielen englischen Frauen jener Zeit sagen, denn während die Mämrer roh und rauh waren, mit bäuerischen Manieren und wenig Bitdilng, gehörten die Damen zu den liebreizendsten und zärtlichsten Wesen, die mir je vorgekommen sind. — Wir schlossen enge Freundschaft, .die Gräfin Dacre und ich, denn weil ich beim besten Willen keine drei Flaschen 67 Portwein nach dein Essen trinken konnte, pflegte ich in ihrem Salon Zuflucht zu suchen, wo sie Abend- für Abend anf der Harfe Melte, und ich heimische Lieder dazu sang. In jenen stillen stunden fand ich Trost in dem Unglück, das mich überkam, wenn ich an mein Regiment dachte, das nun dem Feinde gegen überstand ohne den Führer, den es zu lieben und dem.es zu folgen gelernt hatte. Wahrhaftig, ich hätte mir die Haare ausraufen mögen, als ich m den Zeitungen von den schönen Schlachten in Portugal und Spanien las, an denen ich nicht teilnehmen tonnte, weil ich unglnckseligerweise dem Lord Wellington in die Hände gefallen war. ™ .)Kach dein, lvas ich Ihnen von der Gräfin erzählt habe, Megieurs, werden Sie sich schon denken können, wie's kam. Itienne Gerard in der Gesellschaft eines schönen, jugendlichen -ldoibes! Was bedeutete das für sie, lvas für mich? Es kam mir, dem Gast, dein Gefangenen, nicht zu, um die Liebe der Schwester meines Gastgebers zu werben. So verhielt ich! mich reserviert und diskret, versuchte meine eigenen Gefühle zu verbergen und ihre medettuhalten. Was mich betraf, so glaube ich mich doch verraten zu haben, denn je verschwiegener der Mund ist, um so beredter sind die Augen. Das Zittern meiner Finger, wenn ich die Noten um- blatterte enthüllte ihr mein Geheiinnis. Aber sie — sie benahm ftch wunderbar. In dec Kunst der Verstellung der Liebesangelegcn- «ftn*? J®ei6er überhaupt großartig. Wenn ich ihre innersten Gefühle nicht gekannt hätte, so hätte ich manchmal denken können, daß sre meine Existenz im Hause ganz und gar vergessen hätte, stundenlang wß sie zuweilen bo, in schwermütige Träumerei versunken, wahrend ich ihre blassen Züge und ihre Locken im aampenscheiu belvundertc, und ein eigenartiges Erzittern durch meine Glieder ging bei dem Gedanken, daß ich sie so tief bewegt hatte. Wenn ich sie dann schließlich anredete, pflegte sie vom Stuhle auszusprmgen, und so zu tun, als ob sie meine Au- welenheit un Zimmer vollkomimm überraschte. Ach! nne gerne Ijorte td) nur ihr zu Füßen geworfen, ihre zarte, weiße Hand slfuußt und ihr erklärt, daß ich ihr Geheimnis kannte, und daß lch ihr Vertrauen nicht mißbrauchen lvürde. Aber nein, ich war mast ihresgleichen, ich war nur «in verbannter Feind, der ihre Gastsreuudichast genoß. Mein Mund blieb stumm. Ich bemühte mich, ebenso wunderbar wie sie selbst Gleichgültigkeit zu simulieren, aber, wie Sie,ich denken können, Messieurs, wartete ich,sehnsüchtig auf eutc günstige Gelegenheit, ihr dienen zn können. Eines Morgens war Ladh Jane in ihrem Wagen nach Okehampton gefahren, und ich wanderte dieselbe Straße, um ihr vielleicht auf dem Rückweg zu begegnen. Es Ivar int Spät- Urbst- ui® absterbende Farrenkräuter neigten sich von beiden Zeiten hernieder auf die gewundene Chaussee. Es ist 'ne öde Gegend, dieses Dartmoor, wild und felsig — ein Land der m und Nebel. Als ich so dahinschlenderte, überkam mich das Gefühl, daß der Spleen der Engländer eine durchaus begreifliche Erscheinung „ifh Ich selbst war schwermütig und trüb- flnntg. Ich setzt« mtch auf einen großen Stein etwas abseits vom Wege und schaute auf >ie. melancholische Landschaft; be- Iinruhigeiide Gedanken und schlimme Ahnungen durchzogen mein Gemüt. Da, während ich noch saß. und auf den Weg hinuntey- starrte, bot sich meutern Auge plötzlich ein Anblick, der alle anderen Gedanken verscheuchte und mich mit einem Schrei des staunens und Aergers aufspringen ließ. Um eine Kurve herum und bergab kam «in Phaeton, und er Pony davor fauste in rasendem Galopp. In der Chaise °l.e Dame, der ich so gern einen Dienst erwiesen hätte, sie hieb ans das Tier «in wie jemand, ^der einer dringenden Gefahr entrinnen will, und drehte sich alle Augenblicke um. Infolge der Krümmung des Weges konnte ich nicht sehen, was ste so sehr beunruhigte. Ich lief vorwärts, ohne zu wissen, was meuter wartete. Im nächsten Moinent zeigte sich mir der Verfolger, und meine Ueberraschung wurde noch größer, als ick) auf einem hohen Schimmel den roten Rock eines englischen Fuchsfagers erblickte Er galoppierte wie auf einem Rennen, und das hochbeinige Vollblut, das er ritt, hatte bald chaS fliehende Fuhrwerk eingeholt. Ich sah, wie er anhielt, dem Pony in die Zugel siel, und ihn zum Stehen brachte. Gleich darauf befand er sich in erregtem Gespräch mit der Dame. Er beugte Uw 'm Sattel nach ihr und redete eifrig auf sie ein, während sie sich zuruckbog, als ob sie sich vor ihm fürchtete und nichts von ihm. wtfsen wollte. Sie können sich vorstelleu, mes chers amis, daß ich nicht die Natur war, eine solche Szene ruhig anzusehen. Oh, wie schlug mir das Herz bei der Aussicht, jetzt eimnal die Gelegenheit zu haben, der Lady Jane ein eit Dienst leisten zu können! Ich raunt« — oh, heiliger Himmel, tote ich rannte! Endlich erreichte ich, außer Atem Ind ohne ein Wort sprechen, zu können, den Schauplatz., Der Reiter warf mir aus seinen blauen englischen Angen einen Blick zu, schenkte mir aber sonst keine Beachtung weiter, weil er zu tief in seine Unterhaltung interessiert war, und auch die Lady sagte keinen. Ton zu mir. Sie saß. immer nvck) zuruckgelehnt und schaute mit ihrem schönen blassen Gesicht zii i.hm aus. Er war , «in wohlgestalteter Herr — groß und rrafng uni) von bräunlichem Teint; eine gewisse Eifersucht erfaßte mich, als ich ihn ansah. Er sprach leis« und rasch, wie's die Engländer zu tun pflegen, wenn sie eine ernste Angelegenheit behandeln, '»8ch Versichere dir, Jinny, daß ich dich, dich ganz allein liebe, tagte er. „Sei mir nicht böse, Jinny. Laß das Vergangene vergangen sein. Komm her, sag', daß alles vorbei ist." „Nein, George, nie, niemals!" rief sie. Ein tiefes Rot trat auf fein schönes Gesicht. Er wurde wütend. „Warum kannst du mir nicht vergeben, Jinny?" „>fch kann das Geschehene nicht vergessen." ., "Zum Teufel, , du .mußt! Ich habe genug gebeten. Es Ut Zeit, nun zu befehlen. Ich verlange jetzt mein Recht. Hörst du?" Er faßte sie an der Hand. Endlich war ich wieder zu Atem gekommen. „Gnädige Frau," sagte ich- und zog meinen Hut, „störe ich, Eer kann ich Ihnen in irgendwelcher Weise zu Diensten isein?" CM. Aber kems von beiden beachtete mich mehr, als wenn eine mtege dazwifchen gesummt hätte. Sie starrten sich in einem fort in die Augen. „Ich verlange mein Recht, sag' ich dir.' Ich hab' lang genug gewartet." „Dein Ueberfall hat keinen Zweck, George." „Du verzeihst mir nicht?" „Nein, nie!" „Ist das dein letztes Wort?" „Jawohl, das letzte." Er stieß einen bitteren Fluch aus und stieß ihre Hand iveg.- „®ut, meine Gnädige, wir werden weiter sehen." „Entschuldigen Sie, mein Herr," redete ich ihn fest und würdevoll an. , "Scheren Sie sich zum Teufel!" schrie er wütend zurück, gab dem Pferd die Sporen und galoppierte davon. Tie Gräfin blickte ihm nach, bis er nicht mehr zu sehen war. Zu, meiner Ueberraschung machte sie nicht etwa ein böses- sondern ein ganz verzweifeltes Gesicht. Dann wandte sie sich Mir zu und reichte mir die Hand. . , "Sie sind sehr freundlich, Herr Oberst. Sie meinten cs- sehr gut, davon bin ich fest überzeugt." „Madame," erwiderte ich, „wenn Sie die Güte haben wollen, mir den Namen und die Adresse des Herrn mitzuteilen, so werde ich dafür sorgen, daß er Sie nie im Leben wieder belästigt." , „Um Gottes willen, keinen Skandal." gab sie mir zurück, „ich bitte sie um alles in der Welt!" „Gnädige Fran," sagte ich, „ich würde mich nie soweit ver- geffen. Seien sie versichert, daß ich in einem solchen Handel nie den Namen einer Dame nennen würde. Dadurch, daß mich der Herr tzur Hölle zu gehen geheißen hat, hat er mich der Verlegenheit überhoben, «ine Veranlassung zu einem Duell zu suchen." „Herr Oberst," sagt« sie ernst, „Sie müssen mir Ihr Ehrenwort als Offizier und Gentleman geben, diese Angelegenheit ruhen zu lassen und auch meinem Bruder nichts von dem zu sagen, was' Sie gesehen haben. Versprechen Sie mirs!" „Wenn Sies verlangen." , »Ich halte Sie keim' Wort. Nun fahren Sie mit mir nach High CoMbe, und ich werde Ihnen unterwegs! die Sache erzählen." Ihre ersten Wort« gaben mir einen Stich ins Herz'. „Dieser Herr," begann sie, „ist mein Gemahl." „Ihr Gemahl!" „Sie haben doch gewußt, daß ich verheiratet war?" Meine Erregung schien sie zu überraschen. „Das wußte ich nicht." (Fortsetzung folgt.} Unser Weihnachtspreisrätsel hat bei beit jugendlichen Lesern der Gießener Familie nb l ä t t e r noch weit stänkeren Anklang- gefunden als in früheren Jahren, weshalb wir denn auch die Zahl der Preise ganz wesentlich erhöht haben. Im ganzen sind -etwas über 400 Lösungen eingegangen, von denen nur drei falsch waren. Wir hatten es unfern jungen Freunden aber auch sehr leicht gemacht, damit sie sich während der Weihnachtstage die Köpfchen nicht allzusehr anzustrengen brauchten. Ein Teil der Lösungen war von hübschen Bildchen und netten Berschen begleitet, die uns viel Freude bereitet haben. Selbstverständlich wurden diese leißigen Lösungen bei der Preisverteilung in erster Linie berücksichtigt. Wir geben im folgenden eilt paar Proben der poetischen Lösungen: Weihnachten, die zaubervoll«, Ewig schöne, milde Fee, . Ist ins Land nun wieder kommen. Hat gebracht uns Eis und Schnee. Niemand kann die Nacht vergessen, Als, verkündet durch die Seher, Christus ward geboren in dem Keil'gen Lande der Judäer. 68 Tausend Völker aller Sprachen Empfinden wohl des Wunders Macht; Niemand aber kann begreifen, Weihnachten, die heil'ge Nacht! Nach dein Land der Obcrhessen Ernste Männer, gewandert weit. Trugen auch des Christkinds Lehre, Keil'gen Glaubens Gottesweisheit. Christus ist uns heut' geboren! Alle rufen's schon so lange; Noch gar manchem rtmtt Die Zähre Heimlich, stille über die Wange. Immer ist es so gewesen, Ewig auch wird es so bleibens Weihnachten mus; in jedes Herze Eine tiefe Rührung schreiben. Erna Reumann. * * * „Weihnachten" trug beim frohen Feste Mein Christbaum vier verfchiedne Aejte; Tie güt'ge „Fee" mit ros'ger „Wange Ist kurz, der „Oberhesse", lange. Der „Seher" kennt fast rede „Sprache , , Der Christbaum scheucht fast jede Klage. So sucht' ich ivas ich braucht' zusamm', Da nannt' das rechte Wort der Stamm, ' Das Rätsel habe ich geraten Will hoffen nicht zu meinem Schaden. Annemarie Schäffer. * * * „Weihnächte n." Wenn man im stillen Stübchen sitzt Und harrt aufs Klingelzeichen, . Wenn's hier und da verrät'risch blitzt Und leis die Eltern schleichen Durchs Zimmer hin — wie träumt man dann So zwischen Schlaf und Wachen Bo» Büchern, Spielen, Hampelmann Und all' den schönen Sachen; Bon Aschenprödel und der Fee, Bon ihren Schwestern, die sie schalten, Bom stillen Heiligtum am See, Wo fromme Seher walten, Um durch der Sterne stumme Sprache Der Götter Willen kund zu tun. Man träumt von Kaiser, Sultan, Zar/ Von großen Kiinstlern und Gelehrten, Bon Pepler*), der ein Oberhesse war Und seinen mutigen Gefährten. — Die Zeit vergeht bei frohem Sange, In der Erwartung glüht die Wange. Unb durch das Stübchen jubelnd zieht _ . , Von Weihnachten ein altes Lied. Kurt Dietz. .*) Seefahrer und Forscher im 18. Jahrhundert. * * * „Tas schönste Fest im ganzen Fahr' ; i Ist Weihnachten doch immerdar, 1 v Es bringt Geschenke groß und nein, *■ Mitunter auch ein Preisräts'lein; Zuerst rat' ich's int „Giestener", _,3 Wie jedesmal, auch jetzt wieder — Da kommt zuerst die holde Fee, Die niemals ich int Lande seh', Den Seher kenn' ich auch nicht mehr. Da Hütt' ich müssen sein eher. Nun kommt die Sprache, die hab' ich — Ein Oberhess' bin ich für mich, 6 Tenn Wangen hab' ich rot wie Blut/ Tie sind für mich doch wohl sehr gut. — Zum Schluß bitt' ich die Redaktion, An mich zu denken auch mal schon!" Marie Spies- Gießen, * * * Sehnsüchtig sah ich in das Blatt, . Ob's nicht das Jugendrätsel hat; i Am Weihnachtsabend bracht's die Fee, \ Doch ohne den ersehnten Schnee. Der Seher kündet zwar in seiner Sprache Dem O b e r h e s s e n baldigst kält're Tage. Tann eilen wir mit glüh'uder Wange Zum Rodeln an des Berges Hange; Tenn zu Weihnachten lag inmitten Des Gabentisch's ein Rodelschlitten. Zur Weihnachtszeit erscheint die güt'ge Fee Des Oberwaldes, fonst im lichten Winterkleide Und streut auf Berg' und Täler tiefen Schnee, Zu aller Menschen großen Freude. Ach, nichts von dem ist heul' zu seh'», Der Seher Sprache hat es langst verkündet! Dem O b e r h e s s e n tut der Westwind weh'n. Der stets mit Regenschauern ist verbündet. Sonst eilte alt und jung hinaus ins Weite, Das Auge strahlt', es glüht' die Wange, Welch' Jubel, wenn es dichte Flocken schneite. Die Jugend rodelt' an des Berges Hange. Und Christfesttage ohne lust'ge Winde, Die schneebedeckten Wald, verschneite Taler brachten. Sind jedem fromm gesinnten deutschen Kinde, Trotz Regen, dennoch selige Weihnachten. Gisela Horst. Die Lösung des Preisrätsels. w n a c e rann Es erhielten: Georg Batz, Freienseen: A. Byhan, Die Polaroolker. i Otto Böcher, Bingenheim: Vom deutschen Rhein. , Tillp Bormann, Göbelnrod: Schmitthenner, Treuherzig« Geschichten. , , Ernst Tomm, Nidda: W. Gotha», Aus der Vorgeschichte der Pflanzen. t _ Mathilde Erle, Gießen: Denken und Tun. Hermann Fabel, Krofdorf: K. Brunner, Ferd. v schtll. Heiitr. Gompf, Geilshausen: Deutsches Onentiahrbuch 1918. Elsa Haas, Ortenberg: Unsere Blume» und Pflanzen tM Garten. _ ~™ „ Robert Haas, Gießen: G. Eliot, Der Schatz des Webers. Willi Hach, Alsfeld: einen Globus. Karl Häuser, Steinberg: Novalis. August und Eugen Jüngst, Ilsdorf: I. I. David, Mährische Dorfgeschichten. Lina Jordan, Gießen: E. L. von Wolzogen, Meine Lieder zur Laute. Tilli Keitzer, Gießen: Gesundbrunnen. Bergliot Lauge, Wertheim a. M.: Marche» ohne Worte. Ernst ßentert, Gießen: G. Ulmer, Unsere Wassennsekten. Adolf Mandler, Gießen: Deutschland. Erna Neumann, Gießen: E. Zahn, Erzählungen aus den muffsky. Deutschlands Stellung auf demj Tie sieben Raben. Berge». Karl Pauli, Leihgestern: Weltmärkte. Elsa Reinig, Eichelsdorf. ... Helene Schmidt, Lich: Musikergeschichten. Wilhelm Schwan, Gießen: E. L. von Wolzogen, Meine Lieder zur Laute. Karl Schweitzer, Gießen: Der Schillsche Zug. Fritz Wachtel, Meßen: E. L. von Wolzogen, Meine Lieder zur Laute. Albert Weinberg, Holzheim: Himmelskunde. Lid di unb Kurt Wenzel, Grünberg: Eh. .Reuter, Schel- Die Gewinner ans Gießen können ihre Preise in der Geschäftsstelle unseres Mattes abholen. Ten auswärtigen Gewinnern werden die Preise zugestellt. Magisches Guadrat. In die Felder nebenstehenden Quadrats sind die Buchstaben A A A A A EH IM MM Ä RR T T derart einzutragen, daß die ivagereebten u. senkrecht.Reiben gteiehlautenü iotgendes bedeuten: 1. Weiblichen Vornamen. 2. Seemännische Bezeichnung. 8. Gesvenstiges Wesen. 4. Ort in Italien. Auflösung m nacimer Nummer. Auflösung des Loavgriphs n voriger Nummer: E is e n, Essen. Redaktion' K. Neuratb. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts'Buch- und St-t»druckerei, R. Lange, Gießen,