Kw 4 I Lauernblul. ßlönian von Gerhart t>. Anryntor (Dagobert v. Gerhardt). (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Bald sitzt Ellen am Flügel, Frau von Brank hat mit einer Häkelarbeit aus dem Rundsofa in der Mitte des Saales Platz genommen, und der Staatsanwalt setzt sich unfern des Flügels in einen Schaukelstuhl. „Ich komme vom Gebirge her," beginnt Ellen mit klangvoller, vortrefflich geschulter Sopranstimme zu singen. Die Zauberweise des immer wirkungsvollen Schubertschen „Wanderers", das tiefe Weh des unbefriedigten Sehnens, das aus den tiefen Tönen quillt, bewegt das Herz des andächtig Lauschenden. Im Geisterhauch tönt's inir zurück: Dort, wo du nicht bist, dort ist das Glück! Teil schauert unter der düsteren Schwermut dieser 'Klänge zusammen, auch an ihm,'wie an jedem Menschen, der nicht seelentaub ist, vollzieht sich das Wunder, das nur die Musik zu bewirken vermag: in der Tiefe seines Herzens brechen die Quellen Neuer Gefühle auf, iu seinem Hirn dämmern die Ahnungen neuer Gedankenreihen, die er sonst noch nie durchlaufen hat, die aus der gemeinen Wirklichkeit hin- ausführen iu die Unendlichkeit des Uebersinnlichen. Was keine Mathematik und keine Logik zu erschließen vermag, das erschließt uns die geheimnisvolle Macht der Töne: eine neue Welt, losgelöst vom Satze des zureichenden Grundes, eine Welt der Entzückung des wollüstigen Schmerzes, des himmelhohen Jauchzens und zum Tode Betrübtseins. „Tort wo du nicht bist, dort ist das Glück!" Gilt das ihm? Ruft ihm Ellen das vernichtende Wort zu? Ist er wirklich ein friedloser Mann geworden, verbannt aus dem Paradiese der Hoffnung und Liebeswerbung? Sie hat geendet und schaut nach ihm hinüber, wie, um ihn zu fragen, ob ihm das Lied gefallen habe. Er nickt ihr schwermütig zu; feilt Herz ist so aufgewühlt vom Sturme der widersprechendsten Gefühle, daß ihm das Wort versagt und er nur schweigend seinen Beifall ausdrücken kann. Ellen legt ein anderes Heft auf das Notenpult. „Ich will ein paar Lieder von Schumann singen, er ist doch der Fürst unter den deutschen Liederkomponisten." Und-nach kurzum Borspiel beginnt sie: Es ist schon spät, es ist schon kält, Was reit'st du einsam durch den Wald? Tell kennt auch dieses „Waldgespräch", das ihm eine der schönsten Perlen des deutschen Liederschatzes ist; gespannt folgt er dem ziemlich raschen, dramatisch bewegten Vortrage, und tote Ellen das packende „Jetzt kenn' ich dich, Gott steh' mir bei!" hinaussingt, da läuft es ihm kalt über den Rücken, und toie sie mit der unheimlichen, vernichtenden Verkündigung der Here schließt: „Kommst nimmermehr aus diesem Wald!", da hat er ivieder die Empfindung, als ob er selbst der Verstoßene, der Todbedrohte sei, und die Wucht dieses! düsteren Schicksalsspruches legt sich ihm zentnerschwer aus! die Seele. Die Sängerin schweigt, dann wendet sie einige Seiten des Heftes um uud hebt von neuem an: Ich kann lvohl manchmal singen, Als ob ich fröhlich sei . . . Auch dieses Lied hat sie schon früher einmal dem Staatsanwalt vorgesungen, aber den Eindruck, den es heute auf ihn gemacht, hat er in solcher Stärke damals nicht empfunden. Mein Gott, denkt er, wie ergreifend kann dieses Mädchen singen. Sie muß wohl selber deu Schmerz kennen, um ihn so wahr und überwältigend auszudrücken. Aber, fragt er sich zweifelhaft, was sollte einer Ellen von Brank, dem verwöhnten Liebling des Hauses, dem Schoßkiude des Glückes, schon Schmerz bereitet haben? Doch keiner fühlt die Schmerzen, Im Lied das tiefe Leid . . . In einem schwermütigen Ritardanto hat sie diesen Schluß hingehaucht, er klang wie das unwillkürliche Bekenntnis einer sonst streng verschlossenen, einsam trauernden Seele. Bis ins Innerste des Herzens fühlt sich Teil erschüttert, aber diese Erschütterung ist zu gleicher Zeit — welch' wunderbare Wirkung der Musik — so süß und wohltuend, daß er um keinen Preis dem Strome dieses tönenden Ergusses Einhalt tun möchte. Trotzdem bittet er Ellen: „Nichts Trauriges' mehr, gnädiges Fräulein, es erdrückt mich." „Dann soll Sie der Sonnenschein wieder aufrichten," tönt es munter zurück, und Ellen hebt an: O Sonnenschein, o Sonnenschein, Wie schaust du mir ins Herz hinein! Anmutig und schalkhaft, wie ein neckender Liebesgott, trägt sie die herzige Weise int Volkstone vor, und aus der Seele des Staatsanwalts schwinden die trüben Wolken, und das goldene Licht des Hoffens und der Zuversicht geht ihm wieder triumphierend auf. Ein silbernes Lachen fügt sie als iinprovisiertes Me- lisma dem Schlußalkord an, dann steht sie auf und fragt in ungesuchter Einfachheit: „Jst's nicht ein herziges Lied?" „Das wirkt kräftiger als vier Wochen Sommerfrische!" erwidert Tell voll aufrichtigen Dankes. „Sie haben mir einen hohen Genuß bereitet." Auch an Tell hat die Musik, wie jede echte Kunst, eine sittliche Läuterung vollzogen, und wie er bald darauf mit Ellen durch den Garten nach dem Seeufer zuwandelt, fühlt er sich angetrieben, die Scheidewand, die die Unwahrheit zwischen ihm und seiner Begleiterin errichtet hat, mit kühner Hand niederzureißen. Er möchte Ellen beichten, daß er es war, der gegen ihren Vater int Zweikampf gestanden hat; er möchte von ihren Lippen feine Begnadigung oder seine Verdammnis erfahren. Und — trifft es sich in der Tat nicht sonderbar? — auch Ellen muß von diesem Bedürfnis 674 nach Wahrheit zwischen ihnen beiden erfüllt feilt, denn plötzlich bleibt sie vor einem über und über mit lala Bluten- trauben bedeckten Fliederbusche stehen, und zu ihrem Begleiter die Augen ausschlagend, fragte sie unvermittelt: „Herr Staatsanwalt, wollen Sie mir aus eine vertrauliche Frage eine ehrliche Antwort geben?" Eine bange Ahnung durchzuckt seine Seele, doch entschlossen sagte er: „Das will ich!" „So sagen Sie mir: ist mein Papa wirklich nur auf dem Scheibenstande oder nicht vielmehr in einem Zweikampfe verwundet worden? Und sind Sie am Ende sein Gegner gewesen?" „Wie kommen Sie auf diese Vermutung?" „Durch Ihr eigenes Benehmen. Die Unsicherheit, die Sie mir gegenüber heute den ganzen Tag gezeigt haben, hat Sie verraten — nicht wahr, ich habe recht?" „Leider ist es so," gesteht der Staatsanwalt in mutigem Wahrheitsdrange. Banges Schweigen auf beiden Seiten. Durch Ellens schlanken Wuchs geht ein Zittern; mit bebenden Händen greift sie nach der Orchidee, die sie dem Strauße des Staatsanwalts entnommen und in das Knopfloch ihres Mieders gesteckt hatte; ohne zu wissen, was sie tut, zerpflückt sie die Blume mit kurzen, heftigen Bewegungen und läßt die losen Blätter achtlos auf den Kies des Weges flattern. „Mein gnädiges Fräulein," flehte Teil bestürzt, „urteilen Sie nicht nach dem Schein! Wenn Sie wüßten, welch' ein grausames Mißverständnis diese unselige Sache veranlaßt hat, Sie würden mir verzeihen, wie dies auch Ihr Herr Vater längst getan hat. Fragen Sie ihn, oh ich anders konnte; ich handelte unter einem Zwange, für den Sie mich wahrlich nicht verantwortlich machen dürfen." Vergebens bemüht er sich, seine Verteidigung zu führen. Mit gesenktem Haupte steht Ellen da; sie atmet schwer und tief und zerfetzt auch noch den Stiel der bereits zerpflückten Blume. Ihre" Brust hebt und senkt sich in schluchzenden Stößen, und eine Tränenflut stürzt ihr über die schmerzlich zuckenden Wangen. „Ich beschwöre Sie, Fräulein Ellen — ich bin unschuldig — so hören Sie mich doch nur au!" Sie hört ihn nicht mehr. Hastig hat sie sich abgewandt und mit hastigen Schritten kehrt sie zum Schlosse zurück, ihn der Einsamkeit und seiner Bestürzung überlassend. Eine Stunde später sitzt Teil mit der freiherrlichen Familie und Just au der Abeudtasel; er hatte schon unmittelbar nach der Szene im Garten abreisen wollen, aber der ahnungslose Herr von Brank hatte ihn nicht fortgelassen. Ellen ist schweigsam und etwas bleich; der Glanz ihrer Augen ist weniger lebhaft als sonst; auf Befragen der Mutter erklärt sie, daß sie eine Anwandlung von Kopfschmerz habe. Tell nimmt gezwungen an der Unterhaltung teil, deren Kosten besonders der Hausherr und Just zu tragen haben. „Die Zustände in Berlin werden immer greulicher," wendet sich Brank an seinen Gast. „Kennen Sie denn schon die famose Rede, die Peter Dechner, der bekannte Politiker, neulich in einer Versammlung gehalten hat? Ich las sie soeben in meiner Abendzeutung." / Der Gefragte verfärbt sich, will sich denn heute alles gegen ihn verschwören? „Nein," wirft er scheinbar gleichgültig hin, „derartiges Zeug lese ich überhaupt nicht." „Das sagen Sie, ein Staatsanwalt? Ei, ei! Von solchen Dingen müßten Sie doch eigentlich Kenntnis nehmen," bemerkt scherzend der Freiherr. „Ich würde übrigens solches Zeug, wie Sie es ganz richtig nennen, auch nicht lesen, wenn nicht gerade dieser Peter Dechner hier bei mir einen Bau geleitet hätte. Ein gewandter, schneidiger Bursche, dem ich solche Ansichten gar nicht zugetraut hätte; es ist jammerschade um ihn!" „Was hat er denn gepredigt?" fragt Frau von Brank, di« sich des hübschen Maurerpoliers nun auch erinnert. „Ach, liebe Claire, das läßt sich vor Damenohren eigentlich gar nicht wiederholen; er hat über die Frauen und die Ehe gesprochen — ich sage dir, die Haare sträuben sich einem, tveitn man es liest. Die Ehefrau soll ihrem Gatten als Freie und Gleiche gegenüberstehen r—“ „Nun, das ist gar keine so unberechtigte Forderung," wendet der Staatsanwalt ein. „Sie soll Herrin ihrer Geschicke sein und in freier Liebes«- wähl nur aus Neigung den Ehebund schließen —" „Das letztere unterschreibe ich auch," bemerkt Frau von Brank. „Höre nur weiter," fährt der Freiherr unbeirrt fort, „das dicke Ende kommt noch. Der Ehebund sei ein reiner Privatvertrag ohne Dazwischentreten eines staatlichen und kirchlichen Funktionärs; er könne, wie jeder andere Privatvertrag, jederzeit gekündigt und aufgehoben werden, wenn sich Unverträglichkeit, Enttäuschung oder Abneigung zwischen den Ehegatten Herausstellen sollte." ( „Pfui," ruft Frau Klara, „was soll denn aus den Kindern einer solchen Ehe werden?" „Hierauf hat Herr Peter Dechner auch die Antwort bereit: nach seiner Meinung kennt nur die Bourgeois-Zwangs« ehe eine Rücksicht auf die Kinder, da eben der Bourgeois legitime Kinder als Erben feines Besitzes haben müsse; in der Inobern en Gesellschaft gäbe es aber nichts mehr zu vererben, und deshalb falle jede Bedenklichkeit wegen der Kinder fort. Wenn eine vom Gatten ausgegebene ober ihrerseits dem Gatten fortgelaufene Frau zufällig Kinder habe, so könne sie in der modernen Gesellschaft durch diese Kinder in keiner Weise in ihrer Freiheit und Beweglichkeit verkürzt werden, denn das Zuchthaus — Pardon! ich wollte sagen moderne Gesellschaft — habe soviel Pflegerinnen und Erzieherinnen für die vaterlosen Würmer übrig, daß eine Mutter niemals Sorgen um ihre Kinder, sondern einzig und! allein nur noch Vergnügen an ihnen haben würde. Mit einem Worte: paart Euch in freier Liebeswahl ohne Kirche und Standesamt, trennt Euch wieder, wenn Euch der Sinn darnach steht, und die Kinder überlaßt getrost — nicht etwa dem stieben Gott, den haben diese Weltbeglücker längst .als abgesetzt erklärt, sondern dem modernen Zuchthause." Fran Klara schüttelt entsetzt den Kopf; Ellen blickt ernst und still auf ihren Teller; Just kneift die glattrasierten Lippen zusammen und trommelt leise mit den Fingern auf dem Tischtuche. Der Staatsanwalt fühlt die Verpflichtung, etwas zu erwidern. Ein eigentümlicher Trotz regt sich in ihm: warum geht er dem Bekenntnis, daß dieser Peter sein Stiefbruder sei, so ängstlich aus dem Wege? Hat er denn einen zwingenden Grund, dies zu verheimlichen? Wird er besser ober schlechter durch die zufällige verwandtschaftliche! Beziehung zu einem Politiker? Und kann sich nach dem, was er vorhin im Garten erlebt hat, seine Stellung hier in Giesdorf überhaupt noch verschlechtern? „Was Peter Dechner anbetrifft," sagt er nach kurzer Ueberlegung, „so ist er gerade kein Flachkopf, er ist nur ein Durchgänger, der sich immer mehr versteigt und erhitzt, je länger man die» Wahrheiten, die als verlorene Weizenkörner auch in der Spreu der politischen Doktrinen stecken, zugleich mit dem Unsinn unterdrücken will." ! „Sie wollen doch einem solchen Menschen nicht ernstlich das Wort reden?" fragt der Freiherr verwundert. (Fortsetzung folgt.) Die Schlacht bei Hanau/) (30. bis 31. Oktober 1813.) Von Tr. Heinrich Berger, Gießen. Der letzte Akt des mehrtägigen Schlachtendramas in den Ebenen von Leipzig hatte am Abend des 18. mit der Bezwingung des korsischen Löwen geendet. Rückwärts nach! den schützenden Festen des Rheins lautete jetzt die Parole. Die große „Rekirade" der französischen Scharen beginnt ohne Verzug. In der Nacht vom 18 zum 19. eilen beim Mondschein von allen Seiten vom Schlachtfelde her die Kolonnen herbei und strömen dem Weg nach Li n de na n zu. Alles in hastiger Ueberstürzung. Wagen und Geschütze fahren ineinander. Ueberall Stockung und nur langsames Vorwärts kommen. Die Reste von fünf Reiterkorps von Victor und Angereau voraus; ihnen folgen die Garden. Polen,- Westfälinger und rheinbündlerische Truppen unter Poniatowsky und Macdonald sollen die Verteidigung der Stadt Leipzig, in der noch zahlreiche Franzosen verblieben sind, übernehmen und den ungestörten Abzug der übrigen Korps ermöglichen. Napoleon selbst muß sich am 19. mit Gewalt durch das Straßengewirr der Stadt Leipzig den Weg nach Lindenau bahnen. Hier ordnet er die aufgelösten Verbände seiner Truppen und begibt sich nach jM arkra n- städt, nachdem er seinem Marschall Oudinot die Deckung seines! Rückzugs übertragen hatte. Die Verfolgung des Gegners wurde von den Verbündeten infolge der Uneinigkeit int Hauptquartier nicht *) Nach mündlichen Ueberlieferungen, urkundlichen Mitteilungen und anderen Quellen. 675 Mit dem nötigen Nachdruck unternommen. Oesterreichische Einflüsse, die Napoleon ans verwandtschaftlichen Rücksichten schonen wollten, machten sich geltend, und Blücher hatte Mühe, bis er sich durch- sehtc, daß ihm und York die Verfolgung des Feindes übertragen wurde. So vergingen mehrere Tage, und Napoleon gewann einen ihn rettenden Vorsprung. Bei Weißenfels wurde die Saale überschritten, und der Weitermarsch über Freiburg a. d. Unstrut nach Erfurt fortgesetzt. Bee Freiburg von nacheilendeu Reitern des Norlschen Korps bedrängt und bei Weima r von schwärmenden Kosaken zeitweise beunruhigt, erreichte die französische Armee ohne besondere Kampfe am 23 Oktober Erfurt. Hier wurde ein Tag gerastet und aus den reichen Magazinen dieser Festung für Verpslegurig und Ergän- zung der Munition gesorgt. Hier erfuhr auch Napoleon, daß der bayerische General v. Wrede über Würzburg nach dem Maintale vorrücke. Hierdurch veranlaßt, verbreitete sich das Gerücht, durch das auch Blücher getäuscht wurde, Napoleon werde niinmehr seinen Rückzug nicht durch das Kinzigtal, sondern durch den Vogelsberg über Gießen nehmen. Nachdem Napoleon in Erfurt zur Deckung seines Rückzuges das Ondinoische Korps zurückgelassen hatte, setzte er in Eile seinen Weiterniarsch nach Eisenach fort, wo er in der Nacht vom 25./2G. Oktober verblieb. Auf dem Wege nach Vacha erfuhr er am ~6., daß in dem Dorfe B u t l a r durch den Verrat der Einwohner seine Avantgarde mit der Kriegskassc überfallen worden sei. Sofort befahl er, das Dorf trotz der Bitten der Einwohner in Asche zu legen Napoleon folgte der Vorhut, die schon auf dem Wege nach ® I u chte r n war. Von Vacha aus am 27. nach und begab sich a*u 2p Wer H ünfel 5 nach Fuld a. Hier stieg er am Posthause ab, ließ sich eine Tasse Schokolade und ein Fuldaer Hörnchen (Gebäck) gut schmecken und setzte am 28. seine Reise nach Schlüchtern fort. . Nur dunkle Gerüchte von der Schlacht bei Leipzig hatten sich ul den Fürstentümern Hanau und Fulda, die seit dem 15. Februar 1810 zu dem Großherzogtum Frankfurt unter Karl von Dalberg gehörten, verbreitet, die in Frankfurt erscheinende „Gazette du grand — buch6 de Francfort" "suchte den Erfolg der .Verbündeten absichtlich zu vertuschen, obschon ihr bereits am 23. der Präfekt von Fulda das Erscheinen feindlicher Truppen bei Meiningen und Eisenach gemeldet hatte. Bald erhielt man in Schlüchtern Gewißheit. Tausende von Kranken und Verwundeten trafen in bejam- merswertem Zustand ein. Ihnen folgten am 23. bis 25. Oktober weitere Kolonnen, die es sehr eilig hatten und bei der Bezahlung der eingekauften Gegenstände gar nicht auf die Herausgabe des Geldes warteten. Am 27. gegen Abend traf die Avantgarde des französischen Heeres, etwa 12 000 Mann stark, bei Schlüchtern ein und wollte gerade zwischen Schlüchtern und Niederzell das Biwak beziehen, als sie von größeren feindlichen Reitertrupps, hauptsächlich Kosaken, überrascht wurde. Bald zogen die Franzosen wieder m der Richtung Gelnhausen weiter. In der Nacht vom 27. zum 28. Oktober erschien ein Korps Kosaken unter General Tschernitschefs die Bürgermeister) von Schlüchtern auf, durch Bürger die Bäume decke der russische General den Maire (so nannte man damals die Bürgermeister) von Schlütern auf, durch Bürger die Bäume der Hauptstraße abhacken zu lassen und durch einen Verhau den Franzosen den Weg zu versperren. Während man damit beschäftigt war, erschien die französische Haupiarmee mit Napoleon vom „Distelrasen" her. Die Kosaken stoben auseinander, verloren sich in die umliegeiiden Wälder und Dörfer; andere ritten über die Berge am linken Ufer der Kinzig nach Gelnhausen weiter. Bis zur Ankunft der Kosaken hatte man in Schlüchtern immer noch geglaubt, Napoleon sei mit der Hauptärmee über Lauterbach nach Gießen marschiert, ein Irrtum, in den auch Blücher verfiel. Am 28. gegen Mittag passierte die französische Haupt- armee, etwa 20 000 Maun stark, Schlüchtern und lagerte sich in und bei dem Städtchen. Sofort sprengten einige Offiziere vor das Kloster (damals Gymnasium, jetzt Lehrerseminar), meldeten dem Rektor Kasselmann die Ankunft Napoleons und beauftragten ihn, für Herstellung der Wohuräume Sorge zu tragen, da der Kaiser im Koster Quartier nehmen wolle. Um 3 Uhr stieg Napoleon int Kloster ab, nachdem seine Garden den Klosterhof und die anstoßenden Gärten besetzt hatten. Um 4 Uhr nahm der Kaiser schnell sein Mahl ein. Nach der Tafel ließ er einen Ortseinwohner vortreten, der über seine Wahrnehmungen bei Volmerz, einem Dorfe bei Schlüchtern, wo sich Kosaken und preußische Husaren gezeigt hatten, berichten mußte. Der Gewährsmann berichtet, daß er bei seinem Eintritt den Kaiser an getroffen habe, wie er mit feinen Generälen Berthier und Caulaincvurt an einem Tische gestanden, auf dem eine große Karte ausgebreitet war. Der Kaiser zeigte große Unruhe und fragte, ob noch feine Nachrichten aus Mainz eingetroffen seien. Gegen Abend traf ein Ordonnanzoffizier von Mainz, über Hanau kommend, ein und meldete, daß der Paß von Wirtheim vor Gelnhausen noch unbesetzt sei. Napoleon deutete ylit dem Finger auf die Karte und wandte sich mit den Worten an Berthier: „Nous passerons le Rhin." Mm Wend unterhielt sich der Kaiser in anscheinend guter Laune mit seinem Quartiergeber, dem Rektor Kasselmann. Der Forstmeister Zipf wurde gerufen und gefragt, über wieviel Pferde er noch bis zum anbern Morgen verfügen könne. Am 29. gegen 8 Uhr morgens setzte Napoleon in einem geschlossenen Wagen unter starker Bedeckung von Kavallerie seine Weiterreise fort. Seinem Wagen mußteii zwei Postillione vorausreiten. Die am 27. von Schlüchtern bis S a l m ü n st e r vorgegaw geue Vorhut biwakierte bei diesem Städtchen. Als sie am 28. mor- gen» aufbrach, wurde sie von einer preußischen Reiterschar unter dem . ajor v- Eolomb, die von Brückenau kam, und der sich unterwegs een Streiskorps des österreichischen Obersten v. Scheibler attgeschlos- fen hatte, angegriffen. In den Hauptstraßen von Salmünster entwand ein Kampf, der allgemeine Verwirrung anrichtete, aber den Weitermar,ch der Franzosen nicht hinderte. Q, ®te französische Nachhut berührte am 29. Schlüchtern in voller llnllofung Die Wagen gerieten in der Stadt ins Stocken, Hunderte von Kranken uno Verwundeten mußten in der Stadt zurückgelassen werten. Am 30. erschienen schon die Vortruppen der Verbüiideten. , Avantgarde der Franzosen kam von Salmünster aus unbehelligt durch den Wirtheimer Paß und traf am 28. Oktober UT pv1 n h a n f e n ein. Nachmittags erschienen in der Stadt einige fto)afen, denen bald das ganze Tschernitscheffsche Korps folgte. Die Franzosen eilten m wilder Flucht nachdem Hanauer Tor und schlugen den Weg nach Langenselbold ein. Schlimmer noch als die Fran- zosen hausten die Kosaken in der Stadt, zum Glück für die geäng- stigten Gelnhauser Bewohner verließen sie mit Anbruch des Tages am 23- fte Stadt und nahmen ihren Weg in der Richtung Hanau. Wrede,. der bayerische General, der 1812 noch tapfer auf Napoleons "Seite in Rußland gekämpft, wollte den retirierenden Franzosen entgegentreten und trat von Aschaffenburg aus mit 30 000 attann seinen Marsch nach Hanau an. Eine zweite Abteilung, 2000 Mann stark, beorderte er mit General Volkmann über Alzenau nach Gelnhausen, und weitere 10 000 Mann mußten Wer Seligenstadt nach Frankfurt vorgehen. Dadurch zersplitterte Wrede seine Kräfte. Trotzdem ihm am 26. von dem österreichischen Obersten v Scheibler die Mitteilung wurde, daß die ganze französische Armee durch das Kinzigtal im Anmarsch sei, glaubte er noch immer, bajj er es nur mit einem Teil der Franzosen zu tun habe, und daß Napoleon nut der Hauptarmee den Weg über das Vogelsgebirge nach Gießen genommen habe. Nach Hanau toaren bis zum 26. nur dunkle Gerüchte von dem Ausgang der Schlacht bei Leipzig gedrungen. Nur an der Unruhe der sraiizösischen Behörden merkte man, daß etwas Besonderes vorgehen müsse. Erstaunt war man, als der französische Stadtkommandant am 27. plötzlich die Stadt verließ und die Wache an die Bürgergarde abgab) Am 28., morgens um J/27 Uhr, rückte eine Schwadron bayerische Chevauxlegers in Hanau ein. Ihr folgte bald das ganze Reiterregimeiit. In der Vorstadt von Hanau, an der Kinzigbrücke, da, wo die Friedberger Landstraße einmündet, erschieneii unterdessen gegen Miitag starke französische Abteilungen Die Bayern wurden gegen Wend des 28. aus der Stadt gedrängt und nahmen östlich der Stadt bei der „Ehrensäule", in der Nähe des heutigen Friedhofes, ihre Aufstellung. . Von dem Nürnberger Tor in Hanau (bei dem Friedhof) gehen drei Wege aus, der eine nach Aschaffenburg, der zweite nach Niederrodenbach (Pulverfabrik), und der dritte nach Gelnhausen (Leipzig) über die „Lamboybrücke". Oberhalb dieser Brücke begrenzt die Leipziger Landstraße der „L a mbo ywald",**) den die französische Armee auf ilirem Marsche durchschreiten mußte. Die erwähnte Brücke über die Kinzig wurde am 28. abends von bem vorgenannten bayerischen Reiterregiment besetzt, da von Gelnhausen her starke französische Kolonnen im Anmarsch waren. Am 29. traf die ganze bayerische Armee unter Wrede, 30 000 Mann stark, ein, vertrieb die Franzosen aus der Stadt und besetzte in der Vorstadt die Kinzigbrücke. An demselben Tage entspann sich in der Nähe des Lamboywaldes, im sogenannten „Popvenwald" ein heftiges Gefecht Die Franzosen mußten den Rückzug antreten; 3000 Mann gerieten in Gefangenschaft. Wrede sandte jetzt auf der Gelnhüuser Landstraße die Division L a m o 11 e vor; er selbst verlegte fein Hauptquartier in das Hanauer Altstädter Schloß. Die von Wrede über Alzenau nach Gelnhausen Vorgeschichte Abteilung unter Volkmann, bestehend aus zwei Reiterregimentern und einem österreichischen Jägerbataillon, hatte von Gelnhausen bis nach Höchst lan der Kinzig, unweit des Wirtheimer Passes, Aufstellung genommen, wurde aber von einer herannahenden französischen Abteilung zuni Rückmarsch über Merholz nach Hanau gezwungen. Die Kosaken hatten am 27. die Brücken über die Kinzig bei Höchst und Gelnhausen zerstört, die jedoch von der französischen Avantgarde schnell wieder hergestellt werden mußten, da die Hauptarmee (mit dem Kaiser im Anmarsch war. Unbehelligt war er durch den gefährlichen Wirtheimer Paß gekommen. Als Napoleon glücklich diesen Engpaß hinter sich hatte, rieb er sich die Hände und äußerte zu seiner Begleitung: „Eh bien, qiie üeut done ce monsieur de Wrede; il est dnps!" Bei dem Dorfe Rothenbergen in der Nähe von Gelnhausen entspann sich ein Kampf zwischen Franzosen und der erwähnten von Hanau vorgeschickten Division Lamotte, die nach hartem Kampfe über Rückingen bis zum Lamboywald zurüch- gedrängt wurde. Napoleon hatte in der Dorfschenke , zu Rothenbergen den Ausgang des Gefechtes abgewartet. Dann begab er sich nach Langenselbold, wo er im Fürstlich-Menburgischen Schlößchen die Nacht vom 29. zum 30. Oktober verbrachte. **) So benannt nach dem kaiserlichen General Lamboy, der 1635 Hanau belagerte, aber durch Landgraf Wilhelm von Hessen- Kassel aus dem Walde vertrieben wurde (jetzt befinden sich im Walde die Ulanenkaserne und die Kaserne des Eisenbahnregiments). — 676 — Bi?, zur Frühe des 30. Oktober hatte Wrede feine Ausstellung bei Hanau beendet. Sie dehnte sich vom Bruchköbeler Wald (Friedberg—Hanauer Landstraße) bis zum Chausseetzaus, unweit der heutigen Pulverfabrik bei Niederrodenbach aus, vor sich hatten die ausgestellten verbündeten Truppen den Lamboywald, im Rucken die Kinzig. Als Napoleon diese Aufstellung erfuhr, soll er geäußert haben: „Armer Wrede, zum Grafen habe ich ihn erhoben, aber einen General konnte ich nicht aus rhm machen." Der linke Flügel der bayerischen Armee stand in der Nahe des heutigen N o r d b a h n tz o f s, das Zentrum bis zur D o m ä n e Neuhof (jetzt Försterei), der rechte Flügel von da bis zur Lamboybrücke an der Leipziger (Gelnhünser) Landstraße. Ain linken Ufer der Kinzig stand als Reserve die österreichische -Brigade Rienau. Weiter standen zur Deckung im Bruchköbeler Wald auf der Friedberg-Hanauer Landstraße mehrere Brigaden Kosaken. Die Armee der Verbündeten zählte am 30. Oktober: 37 Bataillone Infanterie, 53 Eskadrons Kavallerie nnd 54 Geschütze. Die französischen Streitkräfte betrugen: 1 Division alte Garde, 2 Divisionen junge Garde, das Korps Victor, mehrere Heeres- abteilungen aus verschiedenen Korps und eine starke Reiterabteilung, insgesamt etwa 36 000 Mann. Mehrere sranzo,ische Korps waren rroch zurück. Am 30. Oktober, morgens 9 Uhr, begann die Schlacht. Die französischen Tirailleurs unter Charpentier brechen aus dem Lamboywald hervor, hatten aber bis 3 Uhr mittags mit ihren Angriffen auf beit rechten Flügel der Bayern keinen ^Erfolg. Dies lag -auch nicht in der Absicht. Man wollte mir den Gegner so lange beschäftigen, bis die französische Artillerie herangez-ogen war. Dieser Plan gelang. Die Bayern und- Oesterreicher verschossen nutzlos ihre Munition. Nachdem Napoleon seine Artillerie herangezogen hatte, ließ er sie auf dem heutigen Exerzierplatz aufsiellcn, davor 12 000 Reiter. Hierauf mußte die Kavallerie gegen den linken Flügel der Bayern vorgehen. Mit sieben Regimentern Chevauxlegers hielt Wrede den Anprall aus. Eine hitzige Kavallerieattacke entspann sich. Tie französischen Reiter kehrten um, aber in fest geschlossenen Massen, wie beim Parademarsch, siegestrunken jagen die Bayern nach. Die französische Kavallerie zieht sich rechts und links auseinander. Trnots furchtbare Batterien fahren auf und senden -den nacheilenden Bayern den Todesgruß. Wrede befiehlt nun den Angriff auf der ganzen Linie. Eitles Bemühen, vergebliches Hoffen! Nansoutys Kürassiere werfen die rasend kämpfenden Deutschen zurück. Tie Batterien der Verbündeten werden durch den Mangel -an Munition zum Schweigen gebracht. Der linke Flügel der -Verbündeten weicht zurück bis zum linken User der Kinzig. Auch das Zentrum wurde -erschüttert und zieht sich unter dem Schutz des rechten Flügels auf das Gelände am linken Ufer der Kinzig zurück. Tausende der Zurückweichenden fanden in der angeschw-ollenen Kinzig den Tod. Bei dieser Verfolgung kamen auch viele Franzosen Nm. Ein in der Nähe -der Brücke befindlicher See (toter Arm der Kinzig) heißt noch heute das „Franzosenloch". Dort soll nach mündlicher Ueberlieferung -die Kriegskasse der Franzosen verschwunden fein. Ein gleich trauriges Los traf auch die zahlreichen bayerischen Mannschaften auf dem linken Flügel, die in der Nähe des heutigen Nordbahnhofes nach der „Herrnmühle" zurückgetrieben wurden Einige suchten -durch Schwimmen ihre Rettung, andere zogen über das Wehr nach -der Mühle. Am Abend hatten die Verbündeten ihre Stellung vom „Lehrhof" bis zur Aschaffeiiburger Straße. Die Stadt und die Kinzigbrücke in der Vorstadt blieben im Besitz der Verbündeten. Bis zur Nacht fanden noch beständig Angriffe bei der Lamboybrücke statt, die aber ergebnislos verliefen. Am Abend des 30. hatte Napoleon seine Absicht erreicht: er hatte die Straße nach Frankfurt frei bekommen. Vor der Kinzigbrücke her in der Vorstadt zogen nun auch die französischen Kolonnen nach Frankfurt weiter. In der Nacht vom 30. zum 31. Oktober übernachtete Napoleon in einem Zelt auf dem heutigen Exerzierplatz. Hier befindet sich -auch noch ein Gedenkstein mit der Jnschrist: „Hier übernachtete Napoleon in der Nacht vom 30./31." Um 3 Uhr nachts wurden die Bewohner von Hanau -aus dem Schlafe geweckt. Napoleon ließ die Stadt mit Granaten bewerfen. Das Bombardement dauerte mit einiger Unterbrechung fast die ganze Nacht. Vor der Kinzigbrücke in der Vorstadt befindet sich an einer Mauer die Aufschrift : „Von hier aus ließ Napoleon die Vorstadt in Brand schießen". In der Nacht zog Wrede, um die Stadt zu schonen, seine Besatzung zurück. Es zogen dafür 2 italienische Regimenter ein, die sich arge Plünderungen erlaubten. Unterdessen zogen fortwährend Franzosen an der Kinzigbrücke in der Vorstadt über Wilhelmsbad nach Frankfurt weiter. Am 31., an einem Sonntag, tobte der Kampf an der Lamboybrücke weiter. Napoleon leitete selbst das Gefecht vom Lamboh- wald aus. Um 11 Uhr zog er mit feinen Garden vom Exerzierplätze aus über den heutigen Nordbahnh-of durch die „Pappelallee" am rechten Ufer der Kinzig an der Kinzigbrücke in der Vorstadt vorbei über Wilhelmsbad nach Frankfurt. Er übertrug den Oberbefehl in Hanau dem Marschall Marmout mit der Weisung, die Bayern in ihrer Stellung aufzurollen und in den Main zu werfen. Es läßt sich nicht feststelleu, wie weit ihm dies gelungen ist. Am Main müssen Kämpfe stattgefunden haben: demk die Chronik berichtet, daß der am linken Ufer des Mains gelegene Ort Stein heim durch die Schlacht gelitten habe. In der dortigen Kirche liegt auch eilt Blutzeuge der Schlacht, Otlingen, begraben. Die in Hanau in der Frühe des 31. eiugcrückte italienische Division hatte die Stadt noch in ihrem Besitz. Wrede glaubte, nachdem viele Franzosen schon abgezogen waren, die Stadt wieder erobern zu können und dem Rest des französischen Heeres den Rückzug abzuschneiden. Er erstürmte deshalb am 31., nachmittags 3 Uhr, das Nürnberger Tor, nahm die brennende Vorstadt ein und war im Begriff, die dortige Kinzigbrücke int Sturm zu nehmen, als ihn eine Kugel in den Unterleib traf. Eine Platte in der Mauer der heutigen Kinzigbrücke besagt: „Hier wurde General v. Wrede in der Schlacht am 31. Oktober 1813 schwer verwundet". Die durch Wredes Sturz entstandene allgemeine Verwirrung benutzten die Franzosen, um die damalige hölzerne Brücke über die Kinzig in Brand zu stecken und dem Gegner dadurch weiteres Vordringen unmöglich zu machen. Vor der Brücke zogen die Franzosen ungestört nach Frankfurt weiter. Wrede hatte das Kommando dem österreichischen General Fresnel übergeben. Der Kampf nit der Lambvhbrücke im Walde dauerte bis zum Abend des 31. Die Nachhut der Franzosen umging Hanau und wählte von Langenselbold aus den Weg über Bruchköbel nach Hockstadt— Frankfurt. Am Abend zogen auch die letzten Franzosen bei der Lamboybrücke ab und schlossen sich über Bruchköbel der Nachhut an. Der verwundete Wrede wurde in das Haus des Kommerzienrates Kaula, Baiigertstraße 15, gebracht, wo ihn am 5. November der Kaiser Franz von Oesterreich und am 7. November der Kaiser Alexander von Rußland bei ihrer Durchreise nach Frankfurt besuchten. Napoleon war am Nachmittag des 31. in Frankfurt cmgekommen, wo er von den städtischen Behöroen feierlich empfangen wurde. Er logierte in der Nacht vom 31. Oktober auf den i. November im Gartenhause des Herrn v. Beth- ntann. Am 1. Oktober reifte er über Höchst a. Main nach Mainz weiter. , „ Die Schlacht bei Hanau war der letzte Sieg, den Napoleon auf deutschem Boden errungen hatte. Blutige Rache hatte der einstige Bezwinger der Welt an den Bayern ob ihres Verrates genommen. Wrede verlor 9000 Mann: aber auch der Verlust der Franzosen war bedeutend. Beim Beginn der Retirade zahlte die französische Armee 90 000 Mann, bei ihrer Ankunft in Mainz noch 60 000 Mann. . Die Stadt Hanau hatte während dieser Tage furchtbar gelitten, 19 Häuser der Vorstadt lagen in Schutt und Asche. Zahlreiche andere Gebäude waren schwer beschädigt worden