M3 — Nr. (6 fytmhöcK u. Ci Mit woch, den 29. Zanuar YXx-8zä UM -M-1 ä MM Von Frühling ;u Frühling. Roman von (Srich Eb enst ein. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) . Er trat zn -ihr und legte den Aren um sie. In seinen schwarzeir Augen flammte es auf — Meta wußte nicht, war es Leidenschaft oder Triumph. -- „Nein," sagte er ruhig, aber sehr bestimmt, „das ist die Liebe. Oder wenn du willst — die Ehe. Wo du bist, will ich auch sein und deine Heimat ist die meinige." Meta erschrak plötzlich in tiefster Seele. Hatte er nicht recht? Mußte es nicht so sein in der Ehe? Und wenn sie nun nicht so empfinden konnte, wenn alles in ihr sich dagegen aufbäumte, dieses Mannes Willen zu dem ihrigen z-u machen war es dann Ehe, ivas fie verband? Und etwas in ihr schrie laut auf: Nein ■— nein —. nein! Du hast ihn gewonnen ohne Liebe, in einer verzweifelten Stunde. 'Dein Herz schlug nie den gleichen Takt mit dem seinen, dein Wille ging nie auf in dem seinen. So fremd wie am ersten Tage ist er dir im Grunde geblieben bis heute. Nun trage — dulde und trage! Ganz still und demütig setzte sie sich wieder an das .Bett des Kindes. Sie fand kein Wort der Auflehnung mehr. In diesem Augenblick trat der Arzt ein. Er untersuchte das Kind, ließ sich alles über seine geistige und körperliche Beschaffenheit erzählen, stellte eine Menge Fragen und machte zuletzt ein sehr ernstes Gesicht. „Die einzelnen Organe sind gesund, noch ist kein ausgesprochenes Krankheitsshmptom Zu finden. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Nervenerkrankung, die möglicherweise zu einer Art Krise führen kann. Ob sie gut oder schlimni ausgehen wird, läßt sich gegenwärtig noch nicht bestimmen. " Jedenfalls hat das unregelmäßige Leben während dieser monatelangen Reisen das Kind angegriffen. Man mutz abwarten." So lautete sein Ausspruch. Schweigend saß Meta neben dein kleinen Bettchen, wüh- reud Montelli den Arzt hinausbegleitete. Die langen Reisen hatten ihm also geschadet. Und sie Ivar es gewesen, welche immer weiter gedrängt hatte, bald hierhin, bald dorthin, in einer ihr sonst völlig fremden Rastlosigkeit. 9htr weil sie sich instinktiv vor der Ruhe fürchtete, vor dem Alleinsein mit ihrem Manne. Jetzt wurde ihr das klar. Und nun war das Kind krank durch ihre Schuld. Montelli kehrte zurück. Leise trat er zu ihr und drückte ihren Kopf an seine Brmsi, ihn mit seinen Händen dort sesthalteud. „Verzweifle nicht. Liebste!" sagte er weich und zärtlich wie seit langem nicht. „Der Arzt hofft das Beste." Sie atmete beklommen und rührte sich nicht. Ach, dieses Geborgensein an einem anderen Herzen, diese warme Anteilnahme, nach der sie jahrelang fast verschmachtet war, hatte sie auch damals verblendet in Brioni. Sie hatte sich eingebildet, dabei müsse der große Friede, die Ruhe von selber kommen. r-b nun war es doch nichts. Jü ihr blieb alles leer und tot nab einsam. Wenn sie boch Montellis Liebe hätte erwibern können. „Ich war heute häßlich zu dir. Meta," begann er wieder, „vergib mir! Ich wußte nicht, was ich redete. Aber sieh, nun wollen wir beide vernünftig sein und ein neues Leben aufaugen, es wird dir gewiß gefallen in Dopolcuchi und Konradchen wird sich dort erholen, du wirst schon sehen!" 'Dann erzählte er ihr alle Abmachungen, die er mit dem Prinzen getroffen hatte, auch von dem Ehrenwort erzählte er, welches er gegeben hatte. „Im Grund," schloß er, „kommt mir dieses Versprechen etwas unbequem; denn eigentlich hatte ich vor, mich an den Wetten am Turf zu beteiligen — schon mancher kam so zu Vermögen. Aber da er es nicht will — in Gvttesnamen!" Allmählich tarn etwas wie Ruhe über Meta. Vielleicht würde es doch besser, als sie dachte. Freilich, sie selbst mußte auch den guten Willen haben — alle Träume, alles Rückwärtsschauen über Bord werfen. Das Leben bringt eben keinem die Erfüllung seiner Ideale. Man mußte trachte», mit der Wirklichkeit fertig zu werden. Das war zuletzt ja alle Weisheit. Montelli streichelte ihre Wange»'. „Es wird Reins Perg natürlich sehr unangenehm sein," sagte er, „aber selbstverständlich fahre ich morgen nicht nach Trebiuten. Ich bleibe bei dir und Pflege Konradchen." „Nein, bitte — fahre. Wenn du die Stelle einmal übernommen hast, bann erfülle auch deine Pflicht ganz. Ich werde die meine an bem Kinde erfüllen." Er zog sie ganz an sich. „So bist du nicht mehr böse, daß ich zugesagt habe?" „Nein." „Nun bist du wieder meine liebe, kleine Frau, Meta! Und nun gib mir einen Kutz — ja?" Schwelgend küßte sie ihn. Der Eintritt Fräulein Minnas, welche das Eis brachte, überhob sie der Antwort. Später, als sie wieder einen Moment allein waren, drückte Meta in einer Anwandlung innerer Reue ihres Mannes Hand und sagte warm: „Wir wollen beide versuchen, unser Bestes zu tun, Viktor, ja? Vielleicht habe ich das Leben bisher wirklich zcl ernst genommen — ich will mich bessern." Montelli lächelte befriedigt. „Ich lwußte es ja, daß du nicht bloß die schönste, sondern auch die klügste, beste Fran bist!" 62 X. lieber der Steppe lag der Frühling. Meta schritt, Konrad an der Hand, langsam den schmalen Pfad zwischen blühenden Wiesen hin gegen Schloß Dopolanyi. Sie ivar etwas voller geworden während des letzten, Halben Jahres, und auf beit von Wind und Soyue leicht gebräunten Wangen blühtest frische Rosen auf. Konvadcheu, der nun sechs Jahre alt ivar, stampfte tapfer neben ihr hin. Seit seiner letzten Krankheit in Dresden, wo er wochenlang in einem sonderbaren Zustand, bald fiebernd, bald schlafend dahingelegen Valle, ivar eine auffallende Veränderung mit ihm vorgegangen. Meta erinnerte sich noch ganz genau der Stunde um Mitternacht am Tage nach Allerseelen, als er nach ztoölf- stündtgein Schlaf plötzlich die Angen aufgeschlagen und sie, die neben fernem Bettchen saß, seltsam wach und hell angeblickt hatte. Und wie er dann plötzlich ganz deutlich gesagt hatte: „Mama — liebe Maina!" Von diesem Tage an sprach das Kind. Es war, als habe es seit langem einen reichen Schatz von Worten in sich angesammelt, der nun plötzlich frei geworden war. Zu gleicher Zeit kam Leben in seine großen Augen und Ausdruck in das runde, schmäler gewordene Gesichtchen. Auch seine Wangen bräurite die Sonne der Pußta und jetzt, wo ein Meer von Blüten die Luft ringsum mit wunderbarem Duft erfüllte, röteten sie sich von Tag zu Tag mehr. Ein lebhaftes Kind war Konrad nicht geworden. Etwas seltsam Verträumtes, Verschleiertes lag über seinem Wesen. Er sprang nie mit dem Wind um die Wette und mied die Gesellschaft anderer Kinder. Am liebsten, saß er zu den Füßen seiner Mutter und hörte zu, wenn sie Märchen erzählte oder schritt, tote jetzt, an ihrer Hand schweigsam über die endlos scheinende Steppe. Nur wenn irgendwo lvild und feurig die Klänge der Zigeunermusik ertönte, hob ier den Kopf und seine Augen blitzten. Dann konnte nichts in der Welt ihn bewegen, Wetter zu gehen, ehe der letzte Geigenstreich verklungen ivar. Meta hatte sich überraschend schnell auf Dopolanyi ein» S" bt. Sie war viel allein. Montelli hatte den größten der Zeit in dem eine Stunde entfernten Gestüt oder dem Rennstall zu tun. Abends gab es fast immer Gäste oder man brachte die Zeit bei benachbarten Gutsbesitzern zu. Wer Ungarn kennt, kennt auch die ans Märchenhafte, grenzende Gastfreundlichkeit und Lebenslust seiner Magnaten. Und Dopolanyi lag so recht im Mittelpunkt eines an Gütern reichen Komitats. Es war Wend. Die Sonne stand tief am Horizont Und ihr Licht strömte, immer goldener werdend, über die Steppe, daß sie aussah wie von Flammen umflossen. Meta ging immer langsamer. Daheim erwartete sie ja niemand. Montelli war zu den Rennen nach Wieit gefahren und sie hatte abgelehnt, ihn dahin zu begleiten, houtztsächlich, unu,sich glicht vonjdem Kind trennen zu müssen. Daneben gab es allerdings noch einen zweiten Grund, her sie von der Reise abhielt. Sie wollte es vermeiden, mit Prinz Reinsperg zusammenzutreffen. Seine Huldignngen in den letzten Dresdener Tagen waren allzu deutlich "gewesen und jetzt, wo ihr Mann in einem Abhängigkeits- Verhältnis zu ihm stand, war ihre eigene Stellung noch schwieriger geworden. Sie hatten jetzt die Pappelallee erreicht, die in schnurgerader Linie zum Schloß führte. Da faßte Konrad plötzlich ihre Hand fester und richtete seine glänzenden Augen erregt aufwärts. „Mama — hörst du? Es macht jemand Musik, so schöne Musik!" Meta horchte betroffen auf. Wirklich — im Schloß spielte man Klavier. Leise und iveich drangen die Töne durch ein geöffnetes Fenster hinaus in den stillen Abend. Jetzt konnte sie auch die Melodie unterscheiden. Es war Wagner. „Frau Holda kam ans dem Berg hervor . Wunderbar lieblich, wie der Klang einer wirklichen Schalmei, hörte es sich an. Wer konnte es sein? Der Verwalter spielte höchstens leichte Operettenmusik. Sollte Viktor zurück sein? Aber das war ja nicht möglich. Bor drei Tagen reiste er erst ab und heute hatten bte Rennen begonnen . Meta beschleunigte den Schritt. Im Hof stand ein fremder Wagen, den ein Knecht eben in den Schuppen schob. M lief ihr auch schon die Verwalterin aufgeregt entgegen: „Gnädige Frau —. welche Überraschung! Seine Hoheit ist angekommen!" Verwundert starrte Meta in das runde, rotbackige Gesicht der kleinen Frau. „Prinz Reinsperg? Unmöglich!" „Ja, ja — vor einer Stunde kam er an." Meta fühlte, wie ihr das Blut jäh bis unter die Haarwurzeln stieg: Weshalb kam er? Jetzt, wo Montelli nicht hier ivar — wo das Rennen begann in Wien? Es ivar zu aller- mindest eine grenzenlose Taktlosigkeit! Und zugleich empfand sie mit bitterer Empörung: du darfst ihn nicht einmal wegweisen; denn es ist ja sein Haus, tu das er kommt. Ohne eilt Wort zu sprechen, stieg Meta die Treppe hinauf. Das Spiel oben war verstummt. „Warum spielt er nicht weiter?" fragte Kouradchen ärgerlich, und seine Mutte antwortete zum erstenmal beinahe heftig: „Laß das jetzt! Sei ganz still -- morgen spiele ich dir, so viel du willst." „Wer du kannst es nicht so schön!" „Wenn auch — komm nur — komm —!" . Sie zog das Kind hastig mit sich fort. Sie wollte gleich' in das Kinderzimmer, wollte Konrad zu Bett bringen und beit Abend über bei ihm bleiben. Der Besuch ging sie nichts! an. Um keinen Preis wollte sie irgend welche Notiz davon nehmen. (Fortsetzung folgt.) Arbeit auf Halbzeit und verlängerte Ausbildung? Unter diesem Titel bringt das zweite Januarheft des Knust- warts eine Anregung, bereit Verwirklichung von einschneidender Bedeutung für die Geistesbildung weiter Kreise sein könnte. Wir geben die sehr beachtenswerten Ausführungen hier iviedcr. Die Klagen über die Ueberfüllmta t>ou Mittelschulen und Universitäten werden immer lauter. Bald sind es die Frauen, die sich nicht zu den wissenschaftlichen Berufen drängen und den Männern die Konkurrenz nicht erschweren, bald die unteren Volksschichten, Arbeiterschaft und Kleinbürgertum, die ihre Kinder nicht höheren Berufen zuführen sollen. Auch gegen das Bürgertum wird immer wieder der Vorwurf, erhoben, es schätze handwerksmäßige Berufe zu gering und 'lotse selbst schlechtbegabte Söhne unter allerlei Qualen für Kinder, Eltern und Lehrer durch Gymnasien, Realschulen und Hochschulen, statt geistig wenig regsame einer technisch-handwerksmäßigen Ausbildung zuzuführen. Ebenso wird behauvtet, die Kosten der Ausbildung stünden ost in schreiendem Mißverhältnis zu der wirtschaftlichen Lage der Eltern und zu dem Berufe selbst, den die jungen Leute, daun notgedrungen ergreifen müssen. Man findet es unzweckmäßig, ivenn Knaben acht Jahre lang klassische Bildung aufnehmen, um dann als kleine Postoder Bahnbeamte uuterzukommen, da sie bei dieser Beschäftigung alles mühselig aufgespeicherte, später nicht weiter verwendete Wissen allmählich vergessen; es sei ebenso töricht, versichert man uns, wenn Mädchen jahrelang verbesserte Schulen, die einen wirklich ernst nehmenden Bildungsgang ermöglichen, durchlaufen/ um dann als Schreibmaschinenfräulein oder als Telephonistin beschäftigt zu werden. Noch viel bedenklicher sei es, versichert man, wenn Menschen die Hochschule absolvieren, um dann um des lieben Brotes willen, Stellen anzunehmen, für die Hoch- schulbildung nicht Vorbedingung ist. Namentlich bei studierenden Frauen tritt dieser letztere Fall häufig ein, man sieht hier auf mancher Seite einen Grund gegen die weibliche Studentenschaft/ zum mindesten unter den heutigen Verhältnissen. Wir wollen hier nicht die Zweckmäßigkeit oder Unzweck- Mäßigkeit unserer Lehrpläne untersuchen. Uns interessiert heute eine andere Frage: ist es notwendig, ja nur sinnvoll, die Ausbildung des jugendlichen Menschen in erster Reihe in Hinblick auf seine spätere Tätigkeit auszugestalten? Wir hören mancherlei! von den Bauem auf Island und den Färöerinseln; sie besuchen Lateinschulen und pflegen Kunst. Wenn sie von ihrer Feldarbeit heimkehren, kommt es häufig vor, daß im einen oder.andern Hause eine Beethovensche Sonate gespielt wird. Zum Landbau haben sie derlei gewiß nicht nötig, aber ioas sich bei 'ihnen entwickelt hat, ist ein kultivierter Menschenschlag, der neben schwerer Handarbeit geistigen Genüssen zugänglich ist. Freilich berichten die gleichen Reisenden von einem gewissen gleichmäßigen Wohlstand unter dieser Bauernbevölkerung, Bettler sollen überhaupt nicht zu sehen sein.) Was empfinden ivir eigentlich als störend, ivenn wir sehen, daß ein Mensch jahrelang geistig ausgebildet wird, um dann eine untergeordnete Beschäftigung ergreifen zu müssen? Weder die .Ausbildung als solche, denn die meisten sind sich klar darüber, daß die durchschnittliche Bildung ein wichtiger Bestandteil der Kulturhöhe eines jeden Volkes ist, noch die Beschäftigung als solche/ denn wir wissen ebenso gut, daß uusere Kultur eine ganze Reihe unselbständiger, vorwiegend auf Handarbeit beruhender Leistungen nötig hat, intb ferner, daß es der Mehrzahl -der Menschen iveit ange- 63 tnessener ist, unselbständige als selbständige Arbeit zu verrichten. Auch-Vorwürfe gegen den Lehrplan und die Art des Unterrichts sind etwas ganz anderes, als die Klagen über die unnütze Länge der Ausbildung. Was uns stört, ist wohl in erster Reihe das Zeitausmaß, das erst ausschließlich der Ausbildung und dann der Berufsarbeit gewidmet wird, sind in zweiter Reihe die Verhältnisse, unter denen diese Menschen dann ihre Arbeit leisten müssen. Wir sehen heute, daß der Mittelschüler bis in sein achtzehntes Lebensjahr oder iwch länger von der Schule so sehr in Beschlag genommen wird, daß er daneben nur unter Opfern oit Nachtruhe oder notwendiger Muße einem kleinen Verdienst nach- gehen kann, trotzdem die Familie einen solchen Zuschuß oft bitter nötig hat. Noch häufiger aber werden wir beobachten, daß der Mittelschüler einen derartigen Verdienst überhaupt nicht findet und so nur vor die Wahl gestellt ist, entweder seiner Familie eine schwere Last aufzubürden oder aus der Schule auszutrcten. Unser heutiges Erwerbsleben verlangt meist den ganzen Menschen oder weist ihn zurück, eine Sonderung der Beschäftigungen nach Arbeitszeit mit dementsprechend geringerer Entlohnung fehlt so gut wie völlig. Die schlechtbezahttcu Arbeiter sind heute auch die am längsten Beschäftigten. Wir sehen aber auch den gleichen jungen Menschen, wenn er die Mittelschule nicht mit der Hochschule vertauscht, meist einen Beruf ergreifen, der seine Zeit und Kraft so in Anspruch nimmt, daß wieder für geistige Muße nicht viel übrig bleibt. Dazu kommt, daß die Bezahlung in untergeordneten Berufen für verfeinerte Genüsse so gut wie keinen Spielraum läßt. Man hätte vielleicht abends noch Spannkraft genug, um ein gutes Theaterstück oder Konzert aufzunehmen, aber das läßt wieder die Kasse nicht zu; man fühlt sich vielleicht iwch rege genug, um ein gutes Buch zu lesen, aber das Geld fehlt, um es zu kaufen, das Herbeischaffen aus Bibliotheken kostet Mühe und Zeit und hat man vielleicht beides überwunden, so wirken die engen dunipfen Wohnungsverhältnissc lähmend. Das Ergebnis ist, daß auch! der Angestellte mit guter Schulbildung bald versumpft. So brauchen wir eine weiter und tiefet 'gehende Volksbildung, aber sie müßte anders verlaufen, wir brauchen viel Handarbeit, aber sie müßte anders gestaltet werden. Strebt der junge Mensch keiner geistigen Laufbahn im.eigentlichen Sinne dieses Wortes zu, so kann das Erwerbsleben ruhig mit etwa sechzehn Jahren beginnen. Aber bte Erwerbsarbeit müßte für Jugendliche mindestens bis zwanzig, womöglich bis Anfang der zwanzig auf Halbzeit gesetzt sein. Neben ihr müßte noch täglicher, und zwar nicht in die Abendstunden fallender regelmäßiger Schulunterricht stattfindeu. Bis heute kennen wir die verkürzte Arbeitszeit für jugendliche bis zu sechzehn Jahren nur bei reiner fabriksmäßrger Handarbeit, und auch dann ist die Verkürzung so gering und der Fortbildungsuuterricht so- lückenhaft, daß von einer tatsächlichen weiteren Ausbildung der Persönlichkeit kaum die Rede sein kann. Für die weiblichen jugendlichen Arbeiter fehlt der Fortbildungsunterricht fast überall.gänzlich, ebenso steht es bei den Berufen, die den Mittelschulklassen als noch weniger standesgemäß gelten, ohne geistige Anforderungen an den Menschen zu stellen. Der junge Wann, der nach beendeter.Handelsschule vielleicht mit achtzehn Jahren in ein Handelshaus eintritt oder nach acht Jahren. Mittelschule die unterste Sprosse der Beamten- teiter besetzen darf, gilt als „erwachsen"; aus seine weitere ^geistige Ausbildung, die in diesem Älter doch nicht schon als abgeschlossen gelten kann, wird weder vom Privatunternehmer, noch! vom Staat als Arbeitgeber Rücksicht genommen. Und doch ist der Mensch für. viele Dinge, so für politische, volkswirtschaftliche und künstlerische Ausbildung, die er als Persönlichkeit und Staatsbürger notwendig hat, erst um.die zwanzig herum so recht..aufnahmefähig. Wollen .wir also reife, bewußte Menschen, so muß für den Durchschnitt zwischen Ausbildung und Berufsarbeit nicht ein scharfer Schnitt gemacht, sondern eine Uebergaugszeit geschaffen werden. Daun werden wir auch begreifen, daß die Ausbildung des Menschen nicht nur um des späteren Berufes, sondern um der Gesamtpersönlichkeit willen zu erfolgen hat. Die leidige Frage, wozu nützt das Lernen in diesen oder jenen Fächern, wenn Her Mensch es nicht weiter verwertet, hört dann von selbst auf, der Nutzen äußert sich in der gehobenen Lebensweise und Lebensanschauung der Bevölkerung. An die verkürzte Arbeitszeit des Jugendlichen mit obligatorischem Fortbildungsunterricht schließt sich die volle Beschäf- tigungszeit des Erwachsenen. Aber wird der Mensch, der gelernt hat, daß seine Schulzeit nicht einzig den Zweck hat, ihn für den Berus vorzubereiten, sich auch darein fügen, int reifen Alter all seine Zeit der Berufsarbeit zu widmen? Wir sehen gerade einen der größten Vorteile der so verlängerten und verbesserten Ausbildung des nicht-geistigen Arbeiters, darin, daß er noch schärfer gegen die lange Arbeitszeit ankämpfen wird, als dies schon heute der Fall ist. Verfolgen wir die Geschichte der Arbeiterbewegung, so sehen wir am Anfang den Kampf um Lohnerhöhung, daun um günstigere Arbeitsbedingungen, erst in dritter Reihe geivöhulich der Kampf um Arbeitsverkürzung. Der Mensch muß bereits eine gewisse Höhe erreicht haben, um das Bedürfnis nach Muße sehr lebhaft zu einpfiuden. Auf einer niederen Stufe wird er sich mit einer langen Arbeitszeit abfindeu, wenn nur seine primitivsten physischen Ruhebedürfnisse halbwegs befriedigt sind. Erst später kommt das Bedürfnis, Zeit nicht nur zuui Schlafen und Essen, sondern zum geistigen Sein zu haben. Der Erwachsene muß immer mehr das Bewußtsein bekommen, daß. seine Persönlichkeit neben der Berufsarbeit Rechte hat. Gewöhnt man ihn daran, daß. seine jugendliche Ausbildung nicht nur um des späteren Berufes willen erfolgt, sondern den Menschen in ihm ausbilden soll, so wird es für den Menschen in sich, auch als Berufsarbeiter geistige Muße und Weiterbildung fordern. So wird die höhere Ausbildung Antrieb zur kulturellen Lebensweise auf späteren Lebensstufen, und verträgt sich auch mit niederer Berufsarbeit. A. S.-N. Aus dem Winterlehen unserer Vögel. Wenn auch das Lied behauptet, „die Vöglein allzumal" hätten sich nach Süden gewendet, so ist das winterliche Vogelleben unserer Heimat doch noch außerordentlich reich und zudem wegen des Fehlens des Laubes leichter zu beobachten. Unsere besten Säuger weilen freilich im Süden, dafür aber tummeln sich in Wald und Feld, bei strengem Frost oder tiefem Schnee auch in der Vorstadt und in Straßen der Stadt selbst zahlreiche.Kleinvögel, Finken, Meisen, Kleiber, Baumläufer, Grünlinge, Ammern, Haubenlerchen, Zeisige und Zaunkönige und auch einzelne Stare weilen im Winter hei uns. Auf den Landstraßen kann man Sperlinge, Ammern und Haubenlerchen in ganzen Scharen dabei beobachten, wie sie den Pferdcmist auf der Nahrungssuche zerpflücken, die Baumvögel durchsuchen jedes Fleckchen.Rinde nach Insekten und besonders die Meisen sind hierbei recht possierlich zu beobachten. * Solange es hell ist, sind sie emsig bei der Nahrungssuche, und man muß sich eigentlich immer wieder darüber wundern, wie sie und zahlreiche andere Vögel, die bekanntlich einen außer- ordentlich großen Nahruugsbedarf haben, genügend viel Futter auftreiben. Ein trefflicher Tierbeobachter, der Engländer R. Kearton, der namentlich durch feine wundervollen Tieraufnahmeu bekannt geworden ist, hat hierüber einmal eine Untersuchung an- gestellt. „Geht man im Winter durch die dürren Wälder," so erzählt er, „so hört man hungrige Fnttersucher über die welken Blätter Hüpfen, oder sieht, wie sie diese fleißig umdrehen, in der Hoffnung, eine versteckte Kleinigkeit darunter zu entdecken. Aber wieviel von dieser Art Arbeit getan werden muß, bevor eine einzige Mahlzeit zusammengebracht wird, ist fast unglaublich. Um vollständig die Schwierigkeiten zu begreifen, die den Vögeln das Herbeischaffen der Nahrung während der Monate Dezember, Januar und Februar macht, habe ich mich so weit wie möglich körperlich und geistig in die Lage eines ausgehungerten Vogels versetzt und bin an einem frostigen Wintertage in die Wälder gegangen, um Futter zu suchen. Auf Händen und Füßen in einem Unterholz von Eichen, wilden Kirschen, Birken und Haselnußstränchern kriechend, habe ich die Blätter eines nach dem anderen sorgfältig umgedreht, bis ich auf den nackten, feuchten Boden kam. Zwei Quadratmeter lieferten bei eifriger Nachforschung einen kleinen Wurm, eine Eichel, eine gesunde Haselnuß und eine kleine Schnecke. Eine zweite Durchsuchung in einem anderen Teile desselben Gehölzes ergab nur einen einzigen, halb erstarrten Wurm auf zwei Quadratmetern Fläche. Vierzehn Tage später untersuchte ich sechs Quadratmeter in derselben sorgfältigen Weise uitb sand nur eine einzige dürftige Haselnuß von der kleinsten Sorte." Kearton weiß natürlich sehr wohl, daß das Sehvermögen des Vogels dem des Menschen überlegen ist. Außerdem ist noch hiüzuzufügen, daß die Rinde fast aller Bäume, lote jedem Entomologen wohl bekannt ist, von Insekten in verschiedenen Entwicklungsstadien wimmelt. Namentlich Goldhähnchen, Meisen, Kleiber und Baumläufer verstehen es meisterhaft, in den halsbrecherischen Stellungen jede Stelle eines Baumes gründlich abzusucheu. Besonders gute Beobachtungsgelegenheit findet der Vogelliebhaber zur Winterszeit in großen Garten- und Parkanlagen. Wer Glück hat, bemerkt wohl auch einige der ziemlich • seltenen Wintergäste, etwa Schneeammern, Seidenschwänze oder Eisvögel. Die Schneeammer, ein Vvgel aus dem hohen Norden, erscheint, ivenn der Winter in ihrer Heimat sehr streng ist, bei uns zuweilen scharenweste. Allerdings wird sie häufig vou den Städtern verkannt und für einen absonderlich gefärbten Sperling gehalten. Im Winter 1864/65 sollen nach Angaben Marshalls Schnee- ammcru in Deutschland besonders zahlreich beobachtet lvorden sein. Ein Vogelliebhaber unter den Dichtern, Heinrich Seidel, erzählt in seinen autobiographischen Skizzen gelegentlich von seinen Vogelbeobachtungen im Schweriner Schloßparke am Großen Schwe- riner See. „Wurde der Winter strenger und fror der große See zu, so zeigten sich im Schloßgarten au einer Stelle, Ivo durch einen kleinen Fall das Wasser offen blieb, die seltsamen edelstein- glänzenden Eisvögel und betrieben ihren Fischfang, indem sie sich von .einem Zweige aus kopfüber ins Wasser stürzten. Es kamen auch wohl in Scharen aus dem hohen Norden die Seidenschwänze oder die nstedlicheu, rotköpfigen Birkenzeisige." Was Seidel da erzählt, bezieht sich allerdings auf feine Jugend, und es. scheint, als ob in neuerer Zeit die Winter gaste seltener beobachtet würden. Den Eisvogel allerdings, der auch sonst hei uns heimisch ist,, hat der Schreiber dieser Zeilen noch im vergangenen Winter mitten in Berlin, im Tiergarten,. beobachten können. Unter den in Deutsch" 64 — land heimischen Kleinvögeln. ist einer, der sich im Winter besonders wohl fühlt und dann auch zur Brut schreitet, wer Kreuzschnabel oder besser: die Kreuzschnäbel, denn eS- kommen bet uns verschiedene Arten vor. Wenn die Nadelhölzer reich an warnen sind, sieht man die lmulwestigeu Vögel, bis man im Sommer verhältnismüßig selten zu Gesicht bekommt, zuweilen icharemveise. Marshall hat sie im Jahre 1888 zu vielen Tausenden beobachtet, und nach einem Berichte des alten Bechstein aus dem Wmter 1794/95, wo das Thermometer mehrere Male. auf 30 Grad Reaumur unter dem Gefrierpunkt stand, waren im Januar bte jungen Kreuzschnäbel alle glücklich ausgekommen, „so daß von dem Geschrei der Jungen die Thüringer Wälder widerhallten . Bermrschrss. — Was die Vollendung des Boulevard Hauß- m an» kostet. Der Boulevard Haußmann, die berühmte Pariser Straßenanlage des zlveiten Kaiserreiches, die nach dem Nen- gestalter des modernen Paris, dein Stadtpräfelten Haußmann, benannt ist, wird nun endlich vollendet werden. In 4—5 Jahren soll der Boulevard, der bisher in der stattlichen Länge von 2240 Meter zwischen dem Fanbourg-Saint-Hoiwra und der Rue Taitbout sich ausdehnte, sich durch die Rue Taitbout über die. Rue Lafitte und Rue Le Peletier bis zur Ecke der Rue Drouot und des Boulevard des Italiens erstrecken. Die großartige Anlage mürbe in den Jahren 1868—1870 von einer Gesellschaft von Finanzleuten ausgeführt. Der Erwerb des Geländes kostete 62 Millionen Franks und zwar bezahlte die Stadt die Grundstücke mit Preisen, die sich zwischen 2600 und 433 Franks für den Geviertmeter beliefen. Die neue Strecke, durch die der. prächtige Straßentzug erst seine Einheitlichkeit und seinen Abschluß erhält, beläuft sich auf 80 Meter. Nach den Schätzungen des Seinepräfekten, wird, wie die „Illustration" mitteilt, die Erwerbung der dazu notwendigen Grundstücke sich auf mehr als 50 Millionen Franks belaufen. Die Durchführung des großen Unternehmens geschieht ebenfalls durch eine private Gesellschaft, doch wird die Stadt Paris einen Zuschuß von 25 Millionen Franks geben, der entsprechend erhöht wird, wenn die Kosten der Anlage 50 Millionen übersteigen. Im ganzen berechnet man, daß der laufende Meter des neuen und letzten Stückes des Boulevard Haußmann 107 142 Franks kosten itnrb, während der laufende Meter des bisherigen Boulevards' durchschnittlich 27 678 Franks kostete. — Milliarden a u f de m Meeresgr u n d e. Schon oft ist von versunkenen.Schätzen, die ungehoben in den Siefen des Ozeans schlummern, die Rede gewesen, und alle 2 oder 3 Jahre erfährt man von seltsamen Expeditionen und Bergungsversuchen, durch die unternehmende Leute dem Meeresgründe die brachliegenden Schätze zu entreißen suchen. Jetzt hat sich ein fleißiger Bibliothekar, wie eine französische Wochenschrift berichtet, die Mühe gemacht, auf Grund aller vorhandenen Nachrichten, Dokumente und Chroniken auszurechnen, mie viel Gold, Silber und Geld bei Schiffbrüche n von den Meerestiefen verschlungen wurde. Und er kommt dabei zu dem Ergebnis, daß in den Meeren Schätze im Gesamtwerte von fast 5 Milliarden Mark schlummern, genauer: 4600 Millionen Mark. Nach den Schätzungen dieses Zahlen freundes ruhen allein in den europäischen Gewässern Wracks, bereit Inhalt ausreichen würde, um Jahre lang den Ausgaben etat einer Großmacht zu bestreiten. An der Spitze steht wohl bei dieser leider platonischen Berechnung die berühmte spanische Fregatte Dugue de Florencia, die vor 3 Jahrhunderten an der schottischen Küste in der Bai von Tobermoru Schiffbruch erlitt und unterging. Die Fregatte war das Schatzschiff der berühmten spanischen Armada, utib, nach den noch erhaltenen genauen Dokumenten und Urkunden führte sie zur Zeit ihres Unterganges in Geld, Gold- und Silberbarren einen Schatz von über 600 Millionen an Bord. Au zweiter Stelle steht die englische Fregatte. Sntine, die im Jahre 1799 an der holländischen Küste, an der Einfahrt zum Zuydersee unterging. Sie soll Edelmetalle und Geld int Werte von 320 Millionen Mark int Schiffsraum gehabt haben: in den letzten Jahren sind schon mehrfach Versuche tutter- nommen worden, wenigstens einen Teil dieser Schätze wieder- znfiuden, aber sie alle blieben, wie die meisten derartigen Experimente, bisher erfolglos. Bei Anglesey ging int Jahre 1839 die „Royal Charter" unter und nahm einen Schatz von nahezu 300 Millionen Mark mit in die Tiefe. Und annähernd die gleiche Summe enthielt die „Grosvenor", die am Kap der guten Hoffnung scheiterte und zwar an einer Stelle, wo das Meer nur 30 Meter tief ist. Auch in den Tiefen der Bai von Vigo ruhen ungezählte Millionen in Goldbarren und in Silber, denn hier scheiterten einst die spanischen Schatzschiffe, die gewaltige Vorräte don Edelmetall aus Amerika ins Mutterland tragen sollten:,man schätzt den Verlust, den die spanische Staatskasse mit der Ver- ittchtung dieses Geschwaders erlitt, auf ungefähr 560 Millionen Mark. / läufiger, daß man meint, man könne sich dadurch gegen alle Zu- fälligkeiten und Gefahren des Levens schützen. So gibt es Leute in Cnglagd, wie uns eine Wochenschrift erzählt, die vorsichtig genug sind, beim Eingehen einer Ehe sogleich eine Versicherung gegen Scheidung und «— gegen die Ankunft von Zwillingen aiuzunehmen. Die großen Londoner Versicherungsgesellschaften haben zwar in neuerer Zeit ihrem Kundenkreise in der Suche nach den seltsaiitsten Objekten einige Beschränkungen auferlegt, aber der wunderlichen Versicherungen gibt es noch immer genug. So kann man sich z. B. versichern gegen Schädigung durch Dienstboten, gegen Verlust durch schlechtes Wetter, gegen das Liegenlassen von wertvollen Dokumenten, gegen neue Steuern oder neue Zölle, gegen bestimmte I politische Gesetze usiv. Eni Sänger oder eine Sängerin können I sich gegen den Verlust ihrer Stimme versichern, und einem Vorsichtigen steht es nicht nur frei, uir den Fall sich eine Sicherheit zu verschaffen, das; er selbst wahnsinnig wird, sondern nud) für den Fall, daß irgend eine wahnsinnige Person ihre no; malen Geisteskräfte wtedergewinnt. Versicherungen gegen Erdbeben sind zivar in Albion nicht.häufig, aber durchaus zulässig. Viel Liter nehmen Slutamovilinen den Dienst der Gesellschaften in Anspruch: sie können Vorsorgen i r die n eldslrasen, die sie ivegeit z>t schnellen Fahrens erhallen, und für die Nnglncksiälle, die sie dabei erleiden. Tie Höhe der Prännen hängt bei diesen Versicherimgen der Automobilisten völlig von der bisherigen Führung des Kunden ob. Ein Automobilist, der noch feine Polizeistraien erhalten hat, zahlt verhältnismäßig wenig: einer, der bereits mehrmals dem Arm der Gerechtigkeit veriallen ist, muß eine lehr beträchtlich höhere Prämie entrichten. Mancher gefährliche Schnellfahrer aber zahlt sogar eine Prämie wie bei einer gewöhnlichen Lebensversicherung nur ein ganz schwerer Herzkranker. Durch die Ausschreitungen der Sufsragellen lind die tumiiltuarischen Vorgänge, die in den letzten Jahren England in Unruhe versetzten, sind Versicherungen gegen den Verlust bei Alifruhr und Temonslrationen sehr iit Aufnahme gekommen. Die geivöhnliche 'Rate bet dieser Art von Versicherung ist nicht sehr hoch, ober sie steigt beträchtlich, ivenn es sich um Lokale handelt, die on besonders ausfälliger und gefährdeter Stelle liegen, oder um Persönlichkeiten und Geschäfte, bei denen vorauszusehen ist, daß sie irgendivie Haß und Erbiiieruilg ent'cfjeln konnten. Früher kam es häufiger vor, daß man Cbjefte versicherte, die in gar keiner Beziehung z>i dem-Versicherten standen, so z. B. das Leben irgend emes bekaniuen Räubers und Mötders usiv. Einen - tie eren Sinn für Gerechtigkeit wird man darin erblicken, wen» sich jemand zu Gunsten feiner Gläubiger versichert: kl» e Leute aber, die der „Tücke des Objektes" gar nicht trauen und gegen jede Eventualität ge chützl fein wollen, versichern sich sogar gegen den Verlust ihrer 2lbonnementSfaiten auf der Bahn- oder ihres — Hausschlüssels. "Der a m e r ik a n i s ch e M a r i n e m i n i ft c r alsTa nz- m elfter. Nun hat auch, mit dem gebührenden aiullichen Ernst, das amerikanische Marmeministerinm m den Kamps gegen die Schiebetänze und andere Ausivüchse modernster amerikanischer. Tanzkunst eingegriffen. Ein amtli her Erlaß schreibt allen Kadetten der Alarme in den Vereinigten Staaten genau vor, mie sie tanzen dürfen und wie sie nicht tanzen bürten. Tie Beratungen im Minlsterinm waren schwierig, beim wie füllte mein den jungen Kadetten den Schiebetanz umschreiben? Täglich kommen neue Tänze, und wenn man Heute den Grizzlybär verbietet, gefährdet morgen ein anderer neuer Tanz die Wohlaniuindigkeit Das Problem wurde gelöst, indem den Robeiten vorgeschrieben ward, sie bütnen nur Tanze tanzen, bei benen der linke Arm vollkoiniiien gestrecki bleibt und Die Partnerin niini eftenti 6 Zentimeter vom Partner entfernt ist. Das schließt allerdings Schiebetänze aus. * Sein Neuj ah rstran nt. „Denken Sic /sich," so flüsterte er ihr zu, „in der Neujahrsnacht träumte ich, ich hätte Ihnen einen Antrag gemacht." „Nun, und nahm sich au?" forschte sie neugierig. „Ja. 'Wer als ich daun bei Ihrem Vater um Ihre Hand anhalten wollte, da war ich so nervös', daß ich aufwachte." _____________ Logogriph. ; In der Erde Schoß gebannt, Holt mich doch des Menschen Hand.^ Großen Tank zoll' ich dafür; ■ Lasten trag ich gleich dem Tier. Ja, viel stärker zeig' ich mich, Niemand mir an Kräften glich. Stolze Bauten muß ich ftüuen, Hebernd fast kann ich nützen. ' Willst du „f" statt „i" mir geben, Bin ich nötig dir zum Leben. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Liegt dir Gestern klar und offen, Wirkst du heule kräftig frei, Kannst du auf ein 'Morgen hoffen, ^as nicht minder fröhlich fei. Goethe. * Was alles versichert w ird. England ist daS klassische Land der Veriicherungeu; ein Achtel der Ersparnisse der Nation werden mittelbar oder unmittelbar in Lebensversicherungen angelegt, und der Begriff der Versicherung ist ein so allgemein geRedaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brül'l'scher» Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießet