MZ — m. 202 Samstag, den 27. Dezember T tut lill 115Ä »88® „August der Genügsame." Bon Emmy v. Egt dH. (Nachdruck verboten.) Endlich war der Schrank geöffnet. Dolalla warf ziemlich unsanft alles heraus, was sie fassen founte, da rollten Tap'iserien, da fielen Reisenecessaires, Andenken aus Ma- rienbad, gerahmte Stickereien, ganz krauses Zeug, dessen Verwendung nicht zu erraten war, alles Zeugen einer längst vergangenen Zeit. Das war alles nicht, >vas Dolalla suchte. Endlich tastete sie, schon ziemlich enttäuscht, in dem letzten dunkelsten Winkel; da: eine Rolle, lang, fest. . . . int Nu lag sie am Boden, die Schnüre waren durchschnitten und das Geheimnis entrollte sich: ein schöner Mann in Allongeperücke, umwallt von Hermelin und Purpur, Brust- harnisch, Beinschienen, Ordensband, die Krone neben sich. Dolallas Angen weiteten sich, während sie sie auf der lebensgroßen Figur herumspazieren ließ. Deswegen also hatte Mamsell Eordula, der verstorbenen Großmutter Haushälterin, so sabelhast geheimnisvoll mit dem Schrank getan, deswegen hatte sie selbst, Dolalla, ihre Kleider nicht htnein- hängen dürfen, wenn sie hier zu Besuch war, während Cordula die besten Stücke ihrer Garderobe verstohlen da unterbrachte. Deshalb hatte es des Paters nachdrücklichen Befehls bedurft, um den Schlüssel herbeizuschaffen. Und deshalb auch war ihr dies Schrank-Biest immer so gefährlich und unheimlich vorgekommen, geradezu etwas Feindseliges- war davon ausgegangen. „Ich habe doch gewußt, daß einer drin steckte," sagte sie vor sich hin und rollte den blenden-, den Rittersmann wieder zusammen. Dann stürmte sie mit ihm die Treppe hinunter und brach in die schläfrige Stille des Salons ein. „Ich habe ihn, endlich habe ich ihn! Seht hier den Ritter, der Cordulas alte Kleider bewachte!" Damit schnellte sie das Oelbild auf. „August der Starke," rief belustigt der Vater. „August der Starke," sagte etwas betroffen die Mutter. „Au—gust — der — Star—ke," wiederholte Regie- rungsrat von der Kehre, Schwiegersohn des Hauses. Dasselbe zwitscherte Finchen, seine Frau, der Bruder Leutnant lachte imb Herr Quistvrp, der Maler, der eben die Besitzer des Schlosses malte, bestätigte es mit Kennermiene. Dolalla sah von einem zum andern, aus der G-schichtSstunde tauchte in ihr ein unklarer Begriff auf von Maitressen, Günstlmgs- wirtschaft, Prunk, Verschwendung und unter dem Eindruck einer langsam ausgehenden, aber umfassenden Erkenntnis! sagte das Kind bedeutungsvoll: „Der war es also." „Ein „Pesne" ist es nicht, aber ein ganz gute- Bild war es einmal, schade daß es so verdorben ist," sagte wieder gnit Kennermiene der Maler und heftete es an eine der Türen. Jetzt sahen alle, daß die Leinwand an vielen Stellen bloß lag, besonders der untere Teil war sehr zerstört, der obere Rand war in willkürlichem Schwintg ausgebogeiü ttnd man mutmaßte, es könne aus einer Boiserie geschnitten sein, in der es vielleicht als Hauptstück zur Ausschmückung eines Saales geprangt. Aber im ganzen Schlosse war kein solcher Raum, war auch nie einer gewesen; niemand hatte das Bild je gesehen, noch konnte man sich erklären, wohep es komme und warum es in dem verborgenen Winkel ausgehoben worden. „Die alte Cordula lvird es schon wissen," meinte D.o- lalla. Während nach ihr geschickt wurde, beobachtete der Maler nachdenklich die Wirkung der üppig schönen Männergestalt auf die junge Frau von der Kehre, und zu ihr in tte Fensternische tretend sagte er: „Das hat er sich uichil träumen lassen, der Mann, der sich so gerne malen lteß und seine Bilder so freigebig in die Schlösser seiner Untertanen hängte, daß hier eines davon in einem alten Schranke verenden sollte — das hat er nicht gewollt!" „Was hat er daun wohl gewollt?" fragte Fichen. „Geliebt fein wollte er, geliebt noch über das Grab hinaus. Liebe war feine Kunst, seine Wissenschaft, sein Lebenszweck; mit Liebe erfüllte er die Luft um sich her, überall wo er war, sproßte sie auf; der Verführung Zauber umgab ihn, sein Blick war eine Fessel, sein Wort ein Bann, willig ergaben sich seine Opfer. Der da verstand es zu lieben, wahrhaftig, er verstand es. Sehen Sie sich das Bild an, gnädige Frau, noch heilte hat es den Zauber nicht verloren, trotz seiner Mißhandlung. Das Parfüm, das seine Gestalt umschwebt, ist unzerstörbar. Kein Wunder, daß jede Frau sich ihm ergab, daß ihn keine vergessen konnte, daß ihm jede verzieh . . ." Zu Beginn dieser Rede hatte Finchen versucht, ihn mit einer hilflosen Bewegung zu unterbrechen, dann aber war ihr eingefallen, daß sie doch eine verheiratete Frau sei und er eben nur ein Künstler, dem man ein freies Wort gestatten dürfe, sie ließ ihn reden, bis sie vergaß, wer zu iHv sprach, und es schien ihr, als spräche das Bild selbst und erkläre seinen eigenen Zauber. Inzwischen war Fräulein Cordula eingetreten, ein kleines, vertrocknetes Dämchen, gebückt und schief, die Schäden ihres Wuchses unter einem schwarzseidenen Schulterkragen bergend, von dem eine breite Franse baumelnd herabhing. Sie war die Kindheitsgespielin, spätere treue Dienerin der kürzlich verstorbenen Baronin und nahm noch heute als wohlverdienten Ruheposten eine ganz besondere Stellung zwischen Vertrauter itnb Angestellter im Hause ein. Dankend und knixend setzte sie sich auf den augeboteite.it Stuhl und sah sich so plötzlich dem an die Tür gehefteten Bilde gegenüber. Die Wirkung war überraschend. Wie bei einer gerichtlichen Konfrontation sprang die arme Alte zitternd auf, hob abwehrend die Hände gegen, das Bild, erbleichte und sank wie getroffen wieder in den Stuhl, dann warf sie einen erschütternden Blick aus der 806 Tiefe einer gefolterten Seele auf den Hausherrn und senkte die Augen. „Sie wissen also, wo das Bild herstammt, liebe Cor-- buXa?z/ begann außerordentlich freundlich d-er Baron. „Aus Bergloha," stammelte sie. „Bergloha! richtig!" und er erklärte den andern, das sei ein Gut im Sächsischen, das verkauft worden, als dieses durch Erbschaft an die Familie fiel. Von der alten Cordula erfuhr man nun, daß das Bild dort im Saal gehangen, eingelassen in die Wand, die mit weißgoldener Boiserie geschmückt war. Die alte Baronin, damalige Besitzerin, eine sehr strenge Frau, der niemand zu widersprechen wagte, hatte es entfernen lassen. Sie waren noch Kinder gewesen, ihr Baroneßchen und sie, als jene eines Tages in hie Kntscherwohnnng gekommen und blaß und zitternd gerufen hatte: „Jetzt wird einer aus der Wand geschnitten." Sie waren dann beide in den Saal gelaufen und hatten noch gesehen, wie der Lakai auf der Leiter mit einem Messer, das schrecklich blitzte, den letzten Schnitt tat und das Bild schauerlich rauschend und knitternd zu Boden sank. Das' Baroneßchen hatte laut aufgeschrien, das Gesicht in die Hände versteckt und angstvoll gefragt, ob er blute. Die Frau Gräfin aber hatte befohlen, daß es aufgerollt werde und auf den Boden gebracht: „Daß mir der sittenlose Mensch aus den Augen kommt." Als sie diese Worte wiederholte, seufzte die alte Cordula tief auf. „Eine Exekution also," rief lachend der Leutnant. Doch Cordula lächelte nicht. Mit den Worten ihrer Baronin hatte sie deren frischen Abscheu gegen eine Zeit in sich bewahrt, die heute einfach historisch geworden« niemanden mehr erregte. „Wie aber kam das Bild hierher?" fragte der Baron weiter. Beim Umzug von Bergloha war es gegen den Willen der Gräfin mitgekommen. Damals war die Baronesse schon erwachsen und hatte neben ihrer Mutter auf der Freitreppe gestanden, als die Wagen abgeladen wurden. Sie selbst, Cordula, hatte diese Rolle heraufgetragen und sie aufrollen müssen, weil niemand wußte, was es war. Da hatte die Frau Baronin ärgerlich gesagt: „Der alte Sünder hätte auch dort bleiben können." Dre Töchter hatten gebeten, die Mutter möchte ihn zurückschicken, denn er würde sich rächen. Diese aber hatte geantwortet: „Den werde ich schon still kriegen", und sie hatte ihn mit eigenen Händen in den großen Schrank gestellt und sagte: „Nun, und du Cordula, sollst den Schlüssel haben." So war das Bild in den Schrank gekommen, nnd so war es darin geblieben. „Und bis heute hat er sich Nicht gerächt!" So schloß Frl. Cordula ihren Bericht und legte, indem sie aufstan^ und einen Kuix versuchte, die Hand auf die arme verbogen-) Brust. Ein unbeschreibliches Gemisch von Bewußtsein" er-, füllter Pflicht, Stolz auf ihre Wachsamkeit, die alle Gefahren gebannt hatte, die von dem Gefürchteten ausgehen könnten, der ausgestoßen, geraubt, verbannt gewesen, und ein Fortschieben jeder Verantwortlichkeit für kommendes Unheil lagen in Miene und Bewegung des alten Fräuleins. Unmöglich konnte der Hausherr sie ungeneckt entschlüpfen lassen. „Nun ist mir freilich vieles begreiflich geworden, liebe Cordula," sagte er, „besonders auch eine gewisse interessante Leichtfertigkeit Ihres Wesens, Mangel gewisser Tugenden, . . . wenn freilich Kleider von Ihnen sich in der Nähe dieses gefährlichen Mannes aufgehalten haben, dann ist alles möglich — aber auch alles verzeihlich." „Niemals haben meine Kleider in diesem Schranke gehangen, niemals!" beteuerte die alte Cordula hochrot im Gesicht und preßte noch heftiger die Hand aufs Herz, dabei aber schoß unter den gesenkten Lidern ein bitterböser Blick zu Dolalla, die kichernd hinter ihrem Vater Deckung suchte. „Wie gut Sie zu erzählen verstehen, liebes Fräulein Cordula, Sie werden mir noch öfter von diesen alten Geschichten erzählen müssen," sagte verbindlich dankönd und ablenkend die Baronin. Mamsell Cordula verstand das Zeichen und empfahl sich. Jetzt konnte der Leutnant sich nicht mehr zurückhalten, tanzend und sich um sich selber drehend rief er dem noch- immer in der Fensternische stehenden Maler zu: „Haben Sie gehört, Quistorp! Trotz ihrer Moral war meine Urgroßmutter doch eine witzige Frau — haben Sie gehört, zup Strafe für feine Sünden wurde August der Starke in die Dunkelheit eines Schrankes verbannt und als einziges Amüsement mit der so geliebten Weiblichkeit war ihm "die zeitweilige Gesellschaft von Cordulas tugendsamer Garderobe gestattet, auf daß er genügsam werde! — o weise Urgroßmutter, höchst gerechte Frau — o raffinierte Strafe!" Der Maler hatte gehört; mit einem lächelnden Blick nickte er dem jungen Offizier zu, dann beugte er sich wieder zu dessen Schwester und fuhr in seiner halblauten Rede fort: „Aber Sie, gnädige Frau, lassen Sie mich hoffen, Sie hätten; in diesem Falle nicht wie die Urgroßmutter gehandelt, eher wie die Großmutter! Sie hätten das Gesicht versteckt und mitleidvoll gefragt, ob er blute!" Fluchen lachte: „Ein Bild! aber ich bitte Sie, so kindisch war ich doch auch als Kind nicht, daß ich geglaubt hättp, ein Bild könne bluten!" „Nicht kindisch, durchaus nicht kindisch! Es offenbart sich da ein höchst sensibles Mitfühlen von Dingen, die weit über kindliches Wissen gehen. Heißt es nicht einen Menschen zum zweiten Male töten, wenn man ihn so um seine Absicht betrügt? Er hatte sich ein Leben nach dem Tode zusichernl wollen, indem er seine Bilder in die Säle seiner Untertanen! hängte, da von der Wand wollte er nicht aufhören, ihrs Feste zu beherrschen. Aufeuern wollte er die Kavaliere durch seine gefürchtete Rivalität, schmachtende Frauenblicke sollten! über feine Gestalt gleiten, träumen sollten sie von ihm und sich von den dürren Lippen eines langweiligen Gatten ab- weitden . . ." Jinchen lachte nicht mehr. Sie versuchte mit An st reim gung zu überhören, was da mit bedeckter Stimme nebeih ihrem Ohren gesprochen wurde, sie machte einen Schritt vorwärts, als wolle sie von der Unterhaltung der anderen nichts verlieren. Ihr Mann sprach eben: „Erlaube — lieber — Schwieger—papa," doch lachend fuhr der Leutnant dazwischen. „Erlaube — lieber — Schwager — dies — Bild — versuchte der Regierungsrat von neuem. „Wir wollen ihn aus der Genügsamkeit wieder erlösen," sagte der Hausherr.^ „Erlaube — bitte — lieber — Schwiegerpapa. Dies —■ Bild — gehört — meines — Erachtens —", „Zunächst in einen Rahmen! — natürlich, selbstverständlich, — Herr Quistorp." Da aber, mit einem letzten siegreichen Anlauf vollendete der Regierungsrat: „Dies — Bild — gehört — meines — Erachtens — gar nicht — dir!" „Es gehört mir nicht?" fragte peinlich berührt der Baron und der Leutnant sand es überaus komisch, daß sie- etwas besaßen, das ihnen nicht gehören sollte. Finchen runzelte leicht die Stirn, sie trat nun unabsichtlich den kleinen Schritt wieder zurück in die Fensternische und die: Stimme neben ihrem Ohr begann von neuem zu erzählen von dem Lächeln der Herren, die sich über weiße Frauen^ schultern neigen, vom Fächerfchlag, vom Klang der Gläser, von heimlichen Küssen .... Die übrigen stritten teils sachlich ernst, teils übermütig scherzend über das Problem des Besitzrechtes, bis die Bae- ronin, müde des Themas, vorschlug, ihr Mann solle das! Bild an irgend ein Museum geben. „Ich mag es auch nicht gern int Hanse haben, mir hak der Mann zu viel Fraueu unglücklich gemacht," sagte sic und lehnte ihn mit einer lässigen Handbewegnng ab. Da aber erscholl aus der Fensternische Finchens hellklare Stimme in der verwunderten Frage: „Waren Sie denn so unglücklich, die Frauen, die er geliebt?" Eine Stille entstand in dem Zimmer, ein hörbares Staunen fesselte jeden Laut, bis Dolalla voller Schrecken) ausrief: „Schafft ihn fort! Schon fängt er an! der ist gefährlich.' ich wußte es ja." _ Der Dichter von „Dreizehnlinden". (Zum 100. Geburtstag- von F. W. Weber.) Von Dr. Paul Landau. So mancher Dichtersmann gilt nur als Schöpfer eines Werkes, aber das ist zumeist eine Jugendarbeit, die ihnr in der Fülle frischer Kraft und leichten Mutes die freundliche Muse in den Schoß warf. Daß aber einer, der von der Gymuasiastenzeit an unermüdlich Und doch durchaus nicht dilettantisch gedichtet, Mit 65 Jahren sein erstes und zugleich das Werk, das ihm den Ruhm bringt, veröffentlicht, das ist der einzigartige Fall des „Dreizchnlinden-Weber", zugleich ein vollgültiger Beweis für die Ursprünglichkeit und Echtheit des Talentes, das gleichsam unterirdisch ein ganzes Menschenleben stets neue Keime und Blüten 807 Utnebm, ohne daß dre strenge Selbstkritik des Dichters sie ans Lrcht gelangen Keß. Durch dies Hervvrtreten im späten Alter, . Mischung von höchster Reife und „literarischer Nn- jAuld ist em eigentümlicher, ein ganz besonderer Klang in Webers Dichtungen gekommen, der unwillkürlich aufhvrchen läßt. Hätte er »nrt ferner kleinen frischen Begabung in den vierziger oder fünfziger Jahren lustig drauflosgesungen, wie die Kinkel, die Nedwitz die Roquette, denen er wohl in der Tonart seines Liedes verwandt war, dann hätte seine Stimme wacker mitgeschallt im deutfchen Dlchterhain, aber ihr fehlte jener tiefe Silberklang, jene umflorte Helle, jene zarte persönliche Stimmung, gewoben aus dem Ernst langer Lebenserfahrungen und der Wärme einer alles überwindenden Güte, die dem Werk dieses Poeten jetzt einen ergreifenden Zauber verleiht. Ein ganzer Mann ist er, naiv noch und dem Schein der Dinge hingegeben, dabei doch reif ’uiti) abgeklärt, und die Ehrfurcht vor einer bedeutenden, selten harmonischen und geläuterten Persönlichkeit bietet nun einew Unvergeßlichen Unterton, der noch in unserm Urteil, nachdem die Dreizehnlinden-Mode längst vorbei ist, die mannigfaltigsten ästhetischen Bedenken gegen diese Dichtung nicht aufkomnien läßt. Es wird erzählt, daß den auf der „roten Erde" geborenen Förstersknaben einst ein schlankes junges Mädchen mit großen hellblauen Augen und hoher Stirn, da sie ihn spielend int Walde sand, küßte und mit Blumen beschenkte: Der größte Dichtergeisti Westfalens, Annette von Troste-Hülshoff, ward so zur Muse, hie den begabten Nachfahren zum Poeten weihte. Tief im Heimatboden wurzelt auch Webers Kunst, kreist von Anfang an um die große Vergangenheit, um die Gestalten Armins und Wittekinds, die aus dem bergigen Waldgebiet hervorwachsen. Annettes Gruß Und Kuß wurden ivirklich zu einein Symbol für das Kind, das ein sonniges „Dorfidyll" im grünen Revier voll auskosten durfte, bevor es der Abschied vom Elternhaus und die Schule härter anpackten. Wie bei "so manchem echten Dichter hat auch bet Weber dieses schöne Jugendparadies den Grund gelegt für seine Poesie, und wo Lachen blitzt und Sonne in seiner sonst schwermütig und dunkel gefärbten^Welt, da ist es ein Strahl aus dem Kinderland. Ter Gyninasiast Begann bereits wohlklingende Verse zu schmieden, tind manches darunter ist erstaunlich frühreif. Als bann der Student, der sich das Brotstudium der Medizin ge- lvählt hatte, in einem üppigen lyrischen Frühling Lieder über Lieder sang und den Genossen mitteilte, da strngab den „sch>varzen Friedel", den man wohl seiner romantisch edeln Erscheinung wegen auch den „schönen Weber" nannte, bald die Gloriole eines jungen Genies. Gustav Freytag, deut er während seiner Breslauer Semester nahe trat, schrieb dem berühmt gewordenen Kollegen, mehr als 40 Jahre später: „Du erschienst mir damals als eine ideale Gestalt, an Talent und Charakter gereifter, als ich war, in meinem jungen Leben der erste gute Kamerad, dessen I lleberlegenheit ich mit dankbarer Bewunderniig anerkannte." Weber trug sich in dieser Zeit mit einem: großen Romankranz „Lieder ans! Teutobürg", die die Kämpfe Hermanns des Cheruskers, Wittekinds Ringen mit dem Frankcnkaiser und den Sieg des Kreuzes int Sachsenlandc verherrlichen sollten. Tas Motiv von „Dreizehn- liitden" war hier schon angeschlagen, freilich in unfertig banaler Form; aber ein halbes Jahrhundert harter Arbeit, ernster Vertiefung und heißer Beseelnng jener leicht gefügten Reime sollte dahingehen, bevor dem Dichter der lange schlummernde Schein dieses in ihm wöhnendeit Lichtes wieder aufging. Als Weber 1840 seine Staatsprüfung bestanden hatte und wohlbestellter Arzt war, war er zugleich auf dem besten Wege, eines jener vielversprechenden Talente zu werden, bereit Ruf und Ruhm I eilt uneingelöster Wechsel auf die Zukunft ist. Nichts von seinen I Dichtungen erschien, und auch das köstliche Geschenk einer Reise nacht Italien, das dem armen jungen Doktor durch die Güte eines Freundes zuteil wurde, trug nicht die erwarteten poetischen Früchte. I Während damals die Sonne des Südens und der Antike als die I „beste Schule der Kunst" galt, fand der Sohn der „roten Erde" I wenig Anregung in dem Land der reuten Fernen; „auch welscher I Reime zartverschlungene Kette, wie konnte sie der herbe Sachse I lieben!" Grade die Kraft und knorrige Eigenart seines Wesens I hielt ihn davon ab, sich in die Schar der Sänger zu mischen, wie I man wohl angenommen. Weber war von Anfang an eine strenge I Selbstkritik eigen, wie sie selten den Künstlern, die zumeist ihre I Werke wie leibliche Kinder lieben, mit auf den Weg gegeben ist. I Ein „Ungeheuer" nennt er schon früh eine Ballade', die manchen I andern Jüngling veranlaßt hätte, einen zweiten Goethe in sich I zu wittern, nnd die „Lieder aus Teutoburg" verlacht er als „Kling, klang, Klingelspiel nnd Reimerei". Dazu kant als ein zweiter Wesenszug, der /ihm den jungen Lorbeer als trügerisch erscheinen lassen mochte, die ernste männliche Gruudstimmnng, die sich zeitig dem Aweifel gesellte. Den Abiturienten schon hatte ein schweres Lungenübel befallen; man hatte ihm den Tod mit 24 oder 25 Jahren prophezeit. Jrn besten Alter, in den Jahren seiner aufopfernden Tätigkeit als Arzt, war er krank, und das Leiden läuterte ihn. „Wohl ist es wahr", schreibt er einmal darüber, „daß zum sichern festen Tiefgang ein,Teil Ballast nottut". Jedenfalls war er nicht der Mann dazu, sein Schicksal auf eine leichte Kunst des Reimens und des Wortes zu stellen. Er wurde Arzt, ein Landarzt, der feinen Beruf wie ein Priester auffaßte und nicht nur den Körper, sondern auch die Seelen heilen wollte. Die Zeit, da er in Driburg in engsten und ärmlichen Berhältnissen als Manschen- I lreund und Tröster wirkte, hat jenes warme Mitleid, jene teer# Rehende Güte in ihm zur Reife gebracht, die aus seinen Gedichten strahlen. Später trat neben seinem Berufe die Politik in den Bor- dergrund. Die allgemeine Beliebtheit, die er sich gewonnen, fand dann ihren Ausdruck, daß man ihn in das preußische Abgeordnetenhaus wählte, dem er mehr als 30 Jahre als Mitglied der Zentrumspartei angehört hat. So verfloß sein Seben tote das eines guten und tüchtigen: Tatmenichen, der int engeren Kreise eines innigen Familienglückes und im weiteren seines öffentlichen Wirkens wacker an I feiner Stelle steht, doch in nichts hervorragt über andre. I Aber dies Dasein warf, nur den Nächsten bekannt, I einen bunten Widerschein in poetischen Spiegelungen, die I wie eine Zauberlaterne den Alltag verklärten. Die dumpfe Epoche, I o'.eJ)em "tollen Jahr" 1848 folgt, entlock ihm packend Politische I Lieder der Anklage im Tone Herweghs; die Siege von 1870 feiert | er in volkstümlich prächtiger Weife; seine Ehe gibt ihm innige I Gedichte ein, in denen „Siebe Leiterin" ist, „nicht die matte, weich- I sich schmachtende, nein, die starke, todverachtende; nicht die eifersüchtige, hassende, nein, die versöhnende, weltumfassende; nicht die rote, flammende Rose, nein, die weiße, die makellose..." Seine helfende Sorge für die Kranken und Armen spricht sich in dem verstehenden Nachschafscit fremden Leides und fremder Not aus, ober über alles Verzweifeln trägt ihn fein Glaube hoch empor, den er in die Worte saßt: „Nicht viel, doch eines lernt' ich klar erfassen, Daß auf der Fahrt int wüsten Lebensmeere Allein Gebet und Arbeit Trost gewähre. Nun will ich, bis erlahmen meine Nerven, Im harten Dienste fort und fort mich mühen. Und, da so hoffnungsreich die Sterne glühen, Im Sternenmeer vertrauend Anker werfen..." So war ör alt geworden, volle 57 Jahre, bevor er wieder dem Gedanken an ein größeres Werk nahetrat. Die Idee, aus fernen Jünglingstagen her vertraut, ward allmählich zur Gestalt, „die Christianisierung unseres Landes irgendwie dichterisch darzustellen". In den Jahren 1876 und 1877 wurde bann die Dichtung „Drei- zehnlinden" in jugendlichem Feuer, in einem Schwung ber Phantasie, wie wenn ein lang gestauter Bergstrom Plötzlich losbricht, niebergeschrieben; bas Manuskript legte er zu Weihnachten 1877 ber Tochter unter ben Christbaum. Als bas Epos ein Jahr barauf erschien, hatte es einen ungeheuren Erfolg und machte seinen Ver- fasfer mit einem Schlage berühmt. Auch weiter blieben ihm bie Muse und bas Publikum treu. Die „Gedichte", bie 1882 heraus- gefommen, —; der eigentliche poetische Ertrag seines Lebens — offenbaren erst beit ganzen bichierischen Reichtum feiner Natur, besiegelten und rechtfertigten ben Ruhm, bett ihm fein historischer „Sang" eingetragen, unb fein letztes Werk, die poetische Erzählung „Goliath", zeigt ben fast Achtzigjährigen ioteber von einer neuen Seite, als einen tragischen Idylliker von wehmütiger Anmut unb herber Große. So blieb biefem „Spätling Apolls" die Gabe des Gesanges, die er so sorgsam gepflegt unb so treu durch alle Stürme und Hemmnisse bes Lebens gerettet, bis zuletzt treu, unb als er am 5. April 1894 starb, enbete ein Dichterdasein, bas an bie weihnachtliche Stnnbe seiner Geburt gemahnt; wie in ber Christnacht nach altem Volksglauben bie Blüten sich entfalten, so war auch hier aus bem greifen Winter bes Alters bie herrlichste Frucht entsprungen. Webers Dichtungen zeichnen sich burch eine ebeitio klare unb schlichte wie vollendete Form ans. Mit nneiiblichem Eifer hatte er sich biesen natürlich reinen Stil herangebilbet, nicht zum wenigsten durch feine lleberfetzimgen. Tie Dichter, bie er verdeutschte, weisen deutlich auf seinen eigenen Geschmack hin. Es sind germanische Poeten, Stegner und Runeberg, als die wichtigsten ber Skandinavier, Tennyson von den Engländern. Besonders bie lieber« tragungeu bes britischen poet laureate, „Enoch Arden", Aylmers Field" und als sein Meisterstück die höchst schwierige „Maud", zeigen Weber als einen Virtiosen des Reimes und Rhythmus, zugleich als einen feinfühligen Dichter, der von ben fremden Vorbildern lernte. Stegner, dessen Frithjofssage in ihrem Stoff auf „Dreizehnlinden" gewirkt, und Tennyson, dessen Einfluß im „Goliath" sehr stark ist, haben denn auch Webers Schaffen mitbestimmt. Letzten Endes ober gehört das historische Epos ans ber Zeit Lud- wigs bes Frommen aber doch zu ben Dichtungen, bie durch Scheffels „Trompeter" hervorgerufen würben, mag es auch in feinem getrogenen religiösen Ton von ber luftigen Bagantengeschichte noch so weit entfernt fein. In ber matten Fabel, einer Bekehrungsd, Jntriguen- unb Liebesgeschichte, wie man sie schon oft vorher gelesen, in der Gegenüberstellung der Guten nnd Bösen, die ohne feinere Schattierung nur weiß und schwarz gesehen find, liegen die Fehler von „Dreizehnlinden", die aber freilich die Vorzüge nur klarer hervortreten lassen. Welch hohe Kunst, wie viel Reichtum ber Anschauung und Gestaltung gehört dazu, ans solch einem stosslichen Nichts ein reich bewegtes Gemälde ber Vorzeit, ein wundervolles Bild der westfälischen Sitte und Landschaft zu gestalten. Tas Naturgefühl, das eine der wichtigsten Grundtöne von Webers Kunst ist, tritt noch stärker hervor in ber „norbischen Idylle" Von beut Knecht Goliath, biefem tragisch heldenhaften Gesang von ber Heiligkeit des kinblichen Gehorsams, der dos Mäbchen abhält, ben Geliebten nach ber Eltern Tode zu heiraten; und Von ber Stanbhaftigkeit weiblicher Liebe, die dem Geliebten 808 Redaktion: R. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Briihl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Laug«. Gieß«» VersteckrAftl. Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderer". Bauchredner - Dassow - Orgelklänge — Sandstein — Fliederstrauch — Nachtschatten -- üeinzelmännchen — Gänsebraten — Nudelsuppe. Auflösung in nächster Nummer. Auslösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Fagott — ktaupacd vdpniee — Habana — Fdelstein -- Weibetich — Erbsenbrei; Frode WeihnaehtI doch die Treue hält bis zuletzt. Tier bescheidene: .Dichter freilich wollte die beiden Epen nicht recht gelten lassen Am meisten hing er an seinen Gedichten, nttb wir werden heute dem unerbittlichen Selbstrichter darin beistimmen,, daß in ihnen sein bestes, em Schatz deutscher Poesie beschlos en ist. Reme Lyrik des Melodw gewordenen Gefühls — die Goethes uns Moerrckes gelingt ihm selten. Prachtvolles steht unter seinen lyri,ck--epischen Erzählungen, vor allem die Romanze von Twardotvsü,,dem „polnischen Faust"; seine Naturbilder lassen rn ihrer beseelten und tief erlebten Anschaulichkeit an Lenau benfeir Das Schönste aber dürften ivohl seine didaktischen Poesien sein, ferne knappen kräftigen Sprüche, seine volkstümlich schlagfertigen, hunwrvoll weltweisen Sinngedichte. Auf diesem Gebiet der Lehrdichtung, das ,o recht ein Bereich des Alters ist und in Deutschland so wenige vollgültige Vertreter besitzt, darf Friedrich Wilhelm Weber ein Klafftkca heißen, denn hier ist am reinsten ausgedruckt, was, das Grösste m ihm tvar: der Jan ber einer echt dichterischen Persönlichkeit. Warum die (tslmtos ihre Rinder nicht strafen. ES >var während des Winters 1909, daß der bekannte Polar" reifende Pilhiatmur Stefansson im Gebiete ver Mackenue- Eskimo eine Forschungsreise den Hortonfluß huiauk unternommen hatte. Ihn begteilete eine Eskimofarnilie, bestehend aus dem timbe ivaren müde und schwach vor Hunger nndkonnte» den Schlitten nicht u.ehr ziehen. So bsieb den bei en Männern der Expedition nichts weiter übrig, als das hochbepackte Ge'ährt vorwärts zu bringen, indem der eine vorn zog mrd der andere hinten stieß, und Mamayok ging voran, um den, «cb litten eine Bahn zu machen. Noaschak, em dickes und schon ziemlich erioachseneS Mäbel, kbronte vergnüglich hoch oben auf der Ladung und sah gleichgültig den Anstrengungen zu, tn denen sich die andern völlig erschöpften. Machte man dann Rast nach langen^ he- vollen Weg. dann rutschte sie schnell und geschickt vom schlitten herunter und belustigte sich mit ihm, nachdem er abgetaden war, indem sie die glatten Eishügel herunterlauste. Ging es weiter, so war sie mit einem Sprung ivieder auf ihrem geivohnten Platz. , Eines Tage-?, als die beiden Männer so ermüdet ivaren, dast sie sich kaum noch mit ihrer Bürde sortschleppen konnten wandte sich Stefansson an Jlavinirk mit der Frage, ob et nickt auch meine, es märe eine gute Idee, wenn Noaschak mal abpiege mu ein bißchen nebenan marschierte. Sie allem mar jn immer liesst ich genährt worden und kräftig, während die andern schon seit langem Hunger litten. Tenr Eskimo schieii das einzuleuchten. Er trat an die Tochter heran, erzählte ihr, ivie müde sie alle seien, und wünschte zu wssien, ob fein liebes Kind nicht so gut sein wollte, ein wenig zu gehen; sie würden bann jeden ^.ag schneller reisen und trüber ans Ziel kommen, wo es sehr viel Gutes und Luges nie sie gäbe Doch sie erwiderte, das Gehen passe ihr nicht —- und damit war die Unterredung zu Ende. Als man Halt machte, begann Noaschak wieder ihr lustiges Spiel mit dem schlitten, nnd ste ans- ko» meinte, sie sollte doch lieber auch ruhen, wahrend sie rasteten, bann würde sie vielleicht nachher eher Last zum Gehen haben, -ne Elter» schienen derselben Ansicht nnd trugen ihr die Sache vor, aber sie antwortete knrz, sie ivolle lieber Schlitten fahren als gehen. So wäre» beinahe durch den Eigensinn eines Kindes vier Meirichen zugrunde gegangen, denn die Erwachsenen waren am Rande ihrer Kräfte und schleppten sich nur wie dnrch ein Wunder bis zur nächsten Ansiedlung. ~ , . , Tiefe inerkwürdige Situation hebt Stefansson, der ansgezerch- nete Kenner der Eskimos, der gegenwärtig wieder im ewigen b sie weilt und um desseir Schicksal man wegen des Ausbleibens jeder Nachricht besorgt ist, in einem Aufsatz des „Strand Magazine hervor, um die schier unbegreifliche Nachsicht der Eskimoeltern gegen ihre Kinder zu kennzeichne». Viele Reisende haben es als einen seltsamen Zug angeführt, daß die Eskimos ihre Kinder nie bestrafen, und die verschiedenartigsten Vermritungen sind über die Ursache dafür ausgestellt worden. Man hat gesagt, die Kinder seien so gutartig, was gewiß nicht stimmt, denn es gibt unter ihnen die ungezogensten Rangen, ober die Eltern se en io verliebt, was ebenso wenig wahr ist, beim sie sehen die Fehler ihrer Sproistuige sehr genau. Die interessante volkskundliche Erscheinung mar bisher ein Rätsel, und Stefansson bezeichnet e5 mit Recht als „einen Haupt- triumph" seiner vierjährigen Expedition, daß es ihm durch einen Zufall gelang, hinter dieses Geheimnis zu kommen und damit ein wichtiges Element des Ahnenglaubens und Seelenkusies der Eskimos zu enthüllen. Zähneknirscheiid nnd wütend hatte er sich in die gefährliche» Ungezogenheiten Noaschak? fügen muffen, um sich nicht mit den Eskimos, die et dringend brauchte, zu verfeinden. Er nahm schließlich das Kind, das ihn ebenso w e die andern tyrannisierte, als eine Art notwendiges liebel rote die Moskitos. Ta siel ihm plötzlich im März 1912 au>, daß die Mutter 'Mamayak ihre Tochter mit „Mutter" anrebete, nnd ebenso taten andere alte Frauen. Als er nach der Ursache für diese sonderbare Titulatur fragte, erhielt er die Antwort: „Einfach deswegen, weil sie unsere Atuller ist", und nun ging er den Vorstellungen nach, die die Grundlage Wir baß Verhältnis der Eskimoelten zii ihren Kindern bilden Tie Seele der Toten wartet nach dem Stauben dieses Polarvolkes am Grabe darauf, bis sie in den Körper eines neugeborenen Kindes von dessen Eltern als Schutzgeist oder Atka berufen wird. Die erste Sorge der Blutter ist »ach der Geburt des Kindes, einen weisen unb mächtigen Mann ober Fran der Verwandtschaft, dessen Seele »och frei ist, znm Schützer und Helfer ihres Sprößlings zu bestellen, und nun wohnt in dem kleinen Wesen eine höchst verehrungswürdige, (ehr gefürchtete Persönlichkeit, die man nicht beleidigen unb verletzen darf, ohne bem Kinde und sich selbst schwer zn schaden. 9hir langsam nnd allmählich erstarkt die eigene Seele des inngeit Menschenkindes, und erst ivenn sie so reif und kräftig ich daß sie des Atka nicht mehr bedarf, dann braucht man auf den schutzgetst keine Rücksicht mehr zu nehmen. Dieser Augenblick war bet Noaschak gekommen, als sie mit 12 Jahren eine völlig ausgewachsene junge Dame war. Damals hatte sie sich zum Aerger ihrer Eltern das Tabakkancn angewöhnt, unb iiachbem mau nach län -erer^Beratung zn bem Ergebnis gekommen war, baß ihre eigene seele nun völlig entwickelt und selbständig sei, erhielt sie vom Vater eine gehörige Tracht Prügel. Ihre Tyrannenherrschast über die Familie hatte ein Ende. Vsrmirehtes. — International? „Technik und Wissenschaft sind international", bas »»iß inan jugeben. Aber wenn nun geschlossen wirb, auch die Sprache von Technik unb Wissenschaft müßte international sein, so ist das ein Fehlschluß. Diese Sprache hat sich int Gegenteil soweit wie nur eben möglich ber Landessprache zu bedienen, hat also in Deutschland möglichst rein deutsch zu fern. Und weshalb? Nu», weil nur so die möglichste Verbreitung der Ergebnisse der technischen lind wiffenschastlicben Forschnngen in allen Schickten der Beteiligten eines Landes gesichert wird. Selbstredend müssen für einzelne neue fremde Begriffe f»genannte „internationale Fachausdrücke" ober Weltwörter so lange berechtigte Ausnahmen bilden, wie sür deren Bezeich nng noch feine gute oder übliche Verdeutschung vorhanden ist. So haben, wie jedes Uebersetznngs- roörterburb lehrt, mich die Franzosen imb Engländer, die Italiener unb Ungarn, die Schweben und die Russen mit geringen Ausnahmen ihre eigenen Knnstansbrücke, an denen sie hartnäckig fest» halten. Wenn die deutsche Fach- unb Wissenschaftssprache sich zur Bezeichnung wisfenschastlicher ober technischer Begriffe der meist unklaren, inehrdentigen ober nichtssagenden Fremdwörter bedienen wollte, nm das „internationale* Verständnis zu erleichtern, so wären der Verfall ber deutschen Wissenschaftssprache und die baldige Unverständlichkeit der deutschen Fachschristen selbst bei beit Gebildeten des deutschen Volkes die unausbleibliche Folge. Keinem Amerikaner, keinem Engländer, keinem Franzosen würde es je entfallen, so an seiner Muttersprache zu handeln. Sei uns das eine inahnende Warnung, unb eine andere, Lessings Wort: „Eist Wort sagt zunächst nichts mib kann namentlich nicht altes sagen, mau muß darunter etwas verstehen". Wülfing ttad) Hausding. * Unsicheres Brot. „Es macht mich doch sehr traurig-, daß mein Sohn in seinem Alter noch immer keine sichere Stellung hat." „Was ist er denn?" „Er ist Minister." , -"Selbsthilfe. „Gnädige Frau, da ist der Klabrerftrmmer." „Aber ich habe ihn ja gar nid#: bestellt!" „Ja, gnädige Frau, ec sagt, der Nachbar von unten hätte ihn geschickt." * Unnötige Besorgnis. „Rehrücken?.....Nem, ich danke, das hat mir der Arzt wegen meines schwachen Magens verboten." Diener, der serviert: „Der Herr kann ohne Besorgnis davon nehmen ... Es ist ja nur Kalbfleisch, das die gnädige Frari seit 14 Tagen in Essig hat legen lassen." * D a s B l u m e u o r a k e l d e r m o d e r n e n B r a u t: „Ern Bries: er liebt mich! Ein Mng: ein wenig! Ein Armband: gar sehr! Ein Kollier: über alle Maßen! Einen Blumenstrauß: ganz und gar nicht!" , . . .. * Der Gemütsmensch. „Doktor, tft es wahr, daß die Austern den Typhus bringen?" „Gnädige Frau, wenn das wahr wäre, würde ich sie nicht verbieten. Dann würde ich sie verordnen!' * Trübe Ahnu n g. Die Mutter: „Warum weinst du denn so schrecklich, Bill?" — Bill, der eben mit seinem ältere« Bruder gespielt hat: „Ach, Georges hat die Bluse zerrissen, die ich dann tragen muß, wenn sie für ihn zu klein ist."