Mittwoch, den 26. November 1915 - m. M e/ A x-> WWrH" wafcsäy®?«1! gggg W 0 '■»Tr>ypi s'7 ^DWiM ;^n-= • 31L Lsurrnblut. gSoman von Gerhart v. Amyntor (Dagobert v. Gerhardt). (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Tell, der sich der freundlichen Einladung des Freiherrn zur gemeinschaftlichen Benutzung des Wagens nur aus Scheu, mit Ellen zusammenzukommen, entzogen hatte und Mit anderen Geladenen nach den: Palais gefahren war, sah die Bramsche Familie unmittelbar vor sich in den Grotten- saal eintreten. Die stattliche Gardeulanenuniform des Land- edelmann.es, das dunkelblaue, mit langer Schleppe versehene Samtkleid nebst den vielen funkelnden Brillanten der Frau v/on Brank, und der hellrosa seidene Anzug Ellens, über den sich ein Feenschleier von gleichfarbiger Gaze in duftige Falten legte, gaben zusammen ein lebhaftes und stimmungsvolles Bild, das aber auf den innerlich gequälten und mit •jüf; uneinigen Mann des Gesetzes seine innere Wirkung durchaus verfehlte. Er wurde plötzlich wieder inne, daß er doch eigentlich gar nicht in diese ausgewählten Kreise gehörte, daß ihn nur ein toller, vielleicht boshafter Zufall hierher gebracht hatte, und daß der Kronprinz von ihm nur Aufklärung in einer Sache verlangte, die er, trotz der Vivn ihm veranlaßten Verhaftung Carvalhos, bisher doch eigentlich nur zu verdunkeln bemüht gewesen war. Unfroh und verbittert schaute Tell sich im Saale um. Wenn irgendwo, so wurde ihm hier wieder in ihrer ganzen Tiefe die Kluft aufgedeüt, die den bürgerlichen Beamten von allen jene. Sonntagskindern des Glückes trennte, die auf ererbtem Grundbesitze Hausen und ihre Ahnen bis in die grauste Borzeit zurückverfolgen können, und wenn man ihm auch noch so freundlich cntgegenkommen und scheinbar auf gleichem Fuße mit ihm verkehren würde, es gab doch Wendungen des C'e"' ächs, oft Betonungen einzelner Worte, aus denen ir ustich immer wieder das Bewußtsein der verzogeneil e t ■ v.iinder herausklang, daß sie eigentlich doch aus ganz and. .m Teige geformt seien, als der dunkle ,Rotu- rier", mit dem sie so herablassend zu verkehren gerade einmal Lust und Neigung hatten. „Hol die Pest die ganze Gesellschaft!" grollte er im stillens „hier gilt der Mensch nicht das, was er ist, sondern nur das, was er vorstellt." „Sie machen ja ein Gesicht, als ob Sie Essig verschluckt hätten," neckte ihn Völker, der Maler, der ihn zu seiner Ueberraschung entdeckt hatte. Er strahlte vor Lust und Behagen. „Sehen Sie doch nur um Gotteswillen die wunderbare Pracht dieses Grottensaales! Diese glitzernden und flimmernden Metallstufen und Edelgesteine tut den Wänden! Dieses wogende Lichtmeer, das, von Regen- bogenreflexen durchzittert, um die Kristallkronenleuchter wabert! Das ist ein Zucken, Leuchten und Sprühen! Nur rin Meister wie Adolf Menzel konnte etwas Aehnlicbes in seinem famosen „Abendkonzert" wiedergeben — — es ist wie in einem Märchen, wie in einem unterirdischen Zaubersaal der Gnomen und Berggeister!" „Sie schwärmen," versetzte Dell kühl und unbewegt; „natürlich, Sie sind ja ein Künstler, der hier in Farben schwelgen kann, und dazu sind Sie noch einer von jenen! Sonderlingen, die freiwillig der Aristokratie die Schleppe tragen." „Nun — ich lasse mich eigentlich mehr mittraaen, Verehrtester! Ich bin selbst ein Aristokrat; ich erwidere nur die Bücklinge, die man mir zuerst macht." „Wie kommen Sie denn hierher?" „Das möchte ich Sie fragen. Ich male den kronprinz- lichen Herrschaften ein Bild und verdanke wohl nur dem Umstande die Einladung; aber Sie, der Großinauisitor aller Bösewichter und Uebeltäter, wie kommen Sie in diese ehrbarsittsamen Kreise?" Das harmlose Scherzwort traf den Staatsanwalt viel tiefer, als Völker ahnen konnte; auch reizte es Dell, daß ihm die ohnehin schon -so beneidenswerten Auserlesenen noch als besonders ehrbar und sittsam vorgehalten wurden. „Ich wünschte, ich wäre zu Hause geblieben," stöhnte er mißmutig auf; „Schopenhauer hat ganz recht: man hat in dieser Welt nur die Wahl zwischen Einsamkeit und Gemeinheit." „Ho, ho, ho! Warum denn so gallig, so weltankläge- risch? Doch freilich, Sie sind entschuldigt: Ihr großer Ge- währsmann behauptet ja auch, daß alle ausgezeichneten und überlegenen Menschen melancholisch seien. Du lieber Gott! Ich muß wohl ein recht flaches Durchschnittssubjekt sein, denn ich fühle mich hier außerordentlich behaglich und angeregt." „Das bilden Sie sich doch nur ein; es ist eine von den Autosuggestionen, zu denen Ihr Künstler nun einmal besonders veranlagt seid. Sehen Sie doch nur hin, untest welche Menschen wir geraten sind! Dort baut ein Kammerherr die Würdenträger und Exzellenzen wie eine Schachtel Bleisoldaten auf! Hier wird alles nach dem Schein gewissenhaft abgeteilt -und geordnet. Wir beide, die wir keine Ordens- sterne und keine hohen Titel und keine zweiunddreißig Ahnen haben, wir haben das zweifelhafte Recht, an der Wand zu stehen und der Paradeaufstellung aller dieses Hofberühmtheiten in Ehrfurcht zuzuschauen--" „Und ist das nicht ein unvergleichlicher Genuß?" unterbrach ihn munter der Maler.^„Wo würden wir hingeraten mit Ihrer Verwerfung der Stände? Diese Gliederung ist doch ein Naturgesetz, ein unerläßlicher Faktor der Fortentwicklung des Menschengeschlechts! Wenn sich auch einmal Nullen bis in die höheren Schichten verirren, so sind das Anomalien, die gar bald an sich selber zugrunde gehen, die durch das unerbittliche Gesetz der natürlichen Auslese früh oder spät wieder ausgetilgt uüd vernichtet werden. Die Sehnsucht der Schwärmer nach einer Zeit allgemeiner Nivellierung ist ja die allerbeklagenswerteste Kurzsichtigkeit; 738 man muß schon so leichtgläubig tote em Politiker fern, um von der Beseitigung der naturnottoendigen Staude- Unterschiede einen Fortschritt zu erwarten; die allgemeine Gleichmacherei würde uns int Gegenteil sehr bald ins Chaos, in die Tierheit zurückführen. Doch da tönt der pochende Stab des Hofinarschalls — aufgepaßt! Die Herrschaften fottiutcn!" • Dell überragte mit seiner Hoheit, kräftigen Gestalt die meisten der Geladenen; er konnte daher bequem den Eintritt des kronprinzlichen Paares und feines Gefolges übersehen. Freundlich leuchtenden Auges, im frohen Glanze seiner Sieg- frtedsschöne bewegte sich der Kronprinz lässig vorwärts, sah sich frei im Saale um und begann dann, fich den ihm zunächst stehenden und sich tief verbeugenden Herren zu widmen, hier eine Hand bietend, dort ein flüchtiges Wort der Begrüßung oder einen Scherz züm Besten gebend, von entern zum anderen langsam weiter vorzuschreiten. Die Frau Kronprittzessin tat mit bestrickender Huld ein gleiches den Damen gegenüber, und Teil konnte beobachten, tote ,te längere Zeit mit Frau von Brank sprach, der sie schließlich die Hand reichte, die diese mit tiefem Knix ehrerbietig mt die Lippen führte. . _ „Ja, ja," dachte Teil, „Namen und Stellung berechtigen hier dazu, bemerkt und ausgezeichnet zu werden; doch wehe dem Armen uttd Unbekannten!" Er hatte noch die Antwort auf Volkers letzte Aeußerung auf der Zunge, aber er verschluckte sie; hier war keilt Ort zu solchen Ausein- attdersetzungen, und zudem war der Maler ein unverbesserlicher ^Optimist, an dem so wie so Hopfen und Malz ver- loren schien. , , . r Wenn dich nun der Kronprinz nach dem Stande dieser unseligen Einbruchsgeschichte fragen wird, fuhr er,in seinen unerfreulichen Selbstbetrachtungen fort, was wirst du ihm sagen? Bist du nicht verpflichtet, jede Schonung Peters! aufzugeben sund rückhaltlos zu melden, wie die Dinge stehen? Dem Kronprinzen gegenüber würde es dir ja aut Ende tticht schwer fallen; er ist ein menschenfreundlicher und aufgeklärter Herr, er würde dir keinen Vorwurf aus deinen Beziehungen zu Peter machen. Aber die Welt, die Gesellschaft! Gegen diese ist auch ein Kronprinz machtlos; er könnte dich nicyt schütten und vor dem Interdikt nicht bewahren. Eine ttt der Vorhalle des Schlosses den Blicken der Gesellschaft entzogene Militärkapelle begann das Konzert mit einer Ouvertüre. Die Frau Kronprinzessin hatte mit einigen bevorzugten älteren Damen an einem Tisch in der Mitte des Saales Platz genommen; zu beiden Seiten von ihr standen halbkreisförmig geordnet kleinere Tischchen, an denen sich der übrige wetbllche Teil der Gesellschaft auf weiß- und goldverzierten Rokokosesseln niedergelassen hatte. Auch sür die Minister und Generale hatte sich hier und da noch ein Stuhl an den Tischen der Damen gefunden, tvährend di« Herren geringeren Grades und namentlich die vielen jüngeren Offiziere an den muschel- und steingeschmückten Wänden entlang einen glänzenden Rahmen des bunten Bildes darstellten; ein Deck von ihnen stand und schaute mit Interesse nach den Damengruppen, ein anderer Teil hatte es sich bequem gemacht und ruhte sich in den altertümlichen, seidengepolsterten Wandsesseln behaglich aus. Tell stand in einer Ecke des Saales, in der sich der Konzertflügel befand; neben dem Flügel saßen ein paar Sänger und Sängerinnen der Königlichen Oper, die zu den musikalischen Solovorträgen hierher befohlen waren. Doch er hätte weder Lusst der Militärkapelle zu lauschen, noch sich den Damen des Theaters zu widmen, die ihm dem Ansehen nach bekannt waren und mit denen er ziemlich unbemerkt hätte plaudern können. Was ihm noch bett letzten Rest von Stimmung raubte, war die Entdeckung, daß sich der Leutnant von Randenstein an bett Br attischen Tisch, dicht neben Ellen, gesetzt hatte und trotz seiner zur Schau getragenen Aufmerksamkeit auf bett Vortrag der Militärmusiker boch Zeit und Gelegenheit fand, seiner Nachbarin ab und zu etwas.ins kleine Ohr zu raunen, was diese jedesmal mit einem dankbaren Lächeln erwiderte. Wie prächtig paßt doch dieses Paar zusammen! dachte der unbewußt Eifersüchtige in qualvollem Neide; sie, eine zierliche, elfen- bafte Person mit dem ganzen Zauber itttb Liebreiz einer südlichen Schönheit, und er, ein germanischer, hochgewachsener Recke mit dem hellblonden Schnurrbart, den frischen, roten Wangen und den Haren, blauen Augensternen! Wie sie schäkern und lachen! Was mögen sie nur einander mitzu^ teilen haben? Der Glückliche, dem der süße Odem dieses! Mädchens schmeichelt! Du könntest jetzt an seiner Stelle seist/ toenn du den Mut gesunden hättest, dich schnell an diB Damen heranzumachen und dich durch keinen dieser kecken Marsjünger mehr vertreiben zu lassen! Und da ertappte er sich wieder auf seinem nie gänzlich überwundenett Vorurteil gegen die nach seiner Ansicht gesellschaftlich so verwöhnten Offiziere. Was, zum Teufel,/ hatten sie denn vor einem, wie er selbst toar, voraus, daß sie überall die erste Rolle spielten und die freundlichen Blicke der jungen Damen wie einen ihnen zukommenbeu Tribut, wie etwas ganz Selbstverständliches einheimsten? Hatte er denn nicht mehr gelernt, als die meisten dieser Herren, die eittweder nur eine Kadettenerziehung genössest und besten Falls ein oder zwei Jahre laug studiert hatten, um doch auch den Uebermut studentischer Empfindungen aus eigener Erfahrung kennen zu lernen? Was galt das Wissen aller dieser jungen säbelllirrenden Herren gegen das seine? Und wie eine Bestätigung seiner Geringschätzung der jugendlichen Vertreter des Wehrstandes hörte er gerade eine Frage, die sein Nachbar, der Rittmeister von Tollen, an einen Universitätsprofessor, der neben ihm stand, richtete: „Und auch in diesem Falle haben Sie Baccillen als Träger des Giftes gesunden?" „Baccillen!" wiederholte Tell leise für sich nut spöttischer Betonung des hier fälschlich verdoppelten C's, „dieser Mann leitet das.Wort offenbar von „bacca", die Beere, oder vielmehr gar von „Backzahn" ab; tote gering ist doch der Wissensbattast, mit dem ein solcher Kavalier sein Lebensschiff befrachtet, und dennoch steuert er es kühn in den Ozean der Gesellschaft hinaus und die Götter geben ihm günstige Winde und lustige Fahrt, und er darf an den reizendsten! Gestaden, ja, bei den Inseln der Seligen vor Anker gehens, wo ihm liebspendende Nymphen winken und die gebratenen Tauben in den Mund fliegen." Er hatte biefett feindseligen Betrachtungen gegen Völker, der auf seiner anbereit Seite stand, leisen Ausdruck gegeben, doch der Maler schüttelte lebhaft mit dem Kopfe: „Da sind sie wieder auf dem Holzwege, mein bester Herr Staatsanwalt! Sie überschätzen das tote Wissen toter Sprachen und haben keine Ahnung von der glücklichen Äufft fassunaskraft, der tüchtigen Charakterbildung, der praktischen Findigkeit unserer jungen Offiziere; sie sehen noch allzusehr unter dem Gesichtstvinkel jener armseligen Possen- fabrikänten, die mit der Karikatur des Leutnants wohl den billigen Beifall der Theatergrünliuge erkaufen, durch ihr flaches Machwerk aber nur verraten, daß sie nie zu den feineren Kreisen, die sie verspotten, Zutritt gewannen. Glaubest Sie doch um Gottes Willen nicht, daß man mit den Abwandlungen von rnensa und typo, in bereit Kenntnis bie ganze akademische Bildung so mancher unserer studierten jungen Herren besteht, noch einen Hund Vom Ofen locken kann; selbst mit einem tieferen Verständnis der alten Griechen und Römer kann man es nicht mehr. Ihr Nachbar, der Herr von Tollen, dagegen kann sich mit den hier amveseiiden Diplomaten französisch ober englisch unterhalten; er kann tanzen, schwimmen, turnen, fechten uttb ein Pferd tummeln; er hat nicht nur bett Geist, sondern auch bett Körper gestählt, und bietet, wenigstens meinem Geschmacke nach, ein unendlich an- mutenderes Muster deutscher Mannheit, als so ein brilletitra- gender, engbrüstiger oder skoliotischcr Gelehrter, der seinen Homer zwar vorwärts und rückwärts herbeten kann, aber wenn er itt den Sattel gesetzt würde, sofort die Unsterblichen um Hilfe und Erlösung an rufen würde." „In Geschmackssachen ist übrigens das weibliche Geschlecht allein entscheidend, und das reicht bei uns allemal dem jungen Krieger den Kranz — wie Figura zeigt —", fügte er lustig hinzu. Er stieß dabei den Staatsanwalt leise mit dem Ellbogen au und bezeichnete durch eine Kopfbewegung die Richtung, in welcher Ellen saß, die eben wieder über eine Bemerkung, die ihr Randenstein zugeflüstert hatte, belustigt lächelte. Tell schaute finster hin und zuckte die Achseln. „Nun, ich werde sie gewiß nicht stören", dachte er bei sich; „sie scheint mir, was Unterhaltung anbetrifft, ebenso begnügsam, wie alle diese blaublütigeu Backfische. Ach!" seufzte er ungeduldig, „toenn dieser Abend nur erst überstan-, den wäre." (Fortsetzung folgt.) 739 - Schreibfehler. Geschehnisse des Lebens gehorchen Gesetzen und nichts geschieht sinnlos und zufällig. Auch die Fehler, die wir beim Ab- Mid Nachschreibcn begehen, sind keine Zufälligkeiten, so sehr sie auch danach aussehen. Sie sind auch nicht Anzeichen eines Mangelhaften Intellektes, da sie auch von den Gebildeten gemacht werden. Vielmehr werden sie dilrch einige wenige psychische Akte bedingt. Die Erkenntnis dieser Tatsache ist ja nicht neu, dennoch bleibt es ein großes Verdienst Jakobs Stolls, sie durch interessante Versuche, die er tn Marbes Fortschritten der Psychologie soeben zufamMen- faßend veröffentlicht hat, in «ins helleres Licht gesetzt zu haben. Der Untersncher ließ eine Gruppe von Seminaristen, also sprachlich nnd orthographisch durchgebildete Leute, vier vorgelegte Sej-fe nachschreiben. Bon diesen war der eine aus sinnlosen Silben zusammengesetzt. Es durfte nichts verbessert werden. Bei diesem Verfahren ergaben sich auf 44 533 Silben 1308 Fehler, d. s. 2,94 Proz. Dabei war die Güte der Leistung annäherird die gleiche, ob es sich uM angsanr oder schnell Schreibende handelte. Die Schreibfehler be- tandcn nach der Stollschen Einteilung in Auslassungen, Zusätzen, Umstellungen von Worten oder Wortteilen und in Fälschungen, bei denen ein weiteres Wort oder ein anderer Laut anstelle des betreffenden Textes gesetzt wurde. Auslassungen und Fälschungen waren die häufigsten Fehler. . Während» jedoch in dem sinnvollen Text die 45 Proz. Aus- vor 35 Proz. Fälschungen standen, übertrafen diese mit >3,5 Proz., die 25 Proz. Auslassungen im sinnlosen Texte. Was rnd nun die Ursachen dieser Fehler? Zunächst'rühren einige wenige Irrtümer von einer sog. reproduktiven Nebenwirkung her, auch Mischwirknng beim Versprechen genannt. Der Mechanisinus ist der, daß zugleich mit der Auffassung des Textwoctes ein ähnlich klingendes einfällt, das dann mit ersterem verschmolzen wird. So etwa, wenn aus der Vorlage Intuition durch Dazwischenkommen von Institution Jnstuition loird. Eine viel ausgiebigere Quelle ür Schreibfehler stellt die Tendenz unserer Psyche dar, geläufigere Vorstellungen und Assoziationen anstelle weniger geläufiger, seltenerer zu setzen. Die entstandenen Worte sind die sprachhäufigeren, wie aus dem Vergleiche im Häufigkeitswörterbuch festgestellt werden konnte. In 70 Proz. der Fehler handelte es sich hier um den Ersatz Vermutung geäußert, es begänne nördlich der ostsibirischen Küste lenserts des Rerseweges, der unglücklichen „Jeanettes-Expedition, 'Vf -x5nf d6iru&, die ostwärts nach jrnm erwähnten arktischen Archipel hütuberreiche und vielleicht den Weg' darstelle, auf dem, dre amerikanischen Eskimovölker aus dem asiatischen Osten eingewandert feta Knuten. Es ist f4on einmal der Versuch zur Lösung dieses von Harris anfgeworfmen Problems unternommen worden, nämlich im April 1907 durch den dänischen Polarforscher Mikkelsen, der kürzlich durch ferne abenteuerlrchen SchiÄsale in Ostgrönland allgemeiner bekannt geworden ist. Zn dem Zweck ging Mikkelsen Eals mit Hundeschlitten von der Nordküste Alaskas über das Meereis in genau nördlicher Richtung vor. Aber er kam infolge, ungünstiger, Eisverhältnisse nur bis 72 Grad n. Br., d. h. rn der, Liiftlinie nur etwa 170 «Kilometer weit, und daß X?? war freilich, -richt weiter wunderlich. Kurz vorher war aber durch Peary eine Nachricht gekommen, dre durchaus der Annahme Harris entsprach. Peary glaubte narnlrch 1906, als er an der Nordküste von Grantland nach Obsten wanderte, tn der Ferne, etwa unter 103 Grad n. L. Und 83 Grad n Br. ein neues gebirgiges Polarland zil sehen, von des,en Existenz er überzeugt war, und das' er Crockerlaird nannte. Al>o erschien in der Tat! weit außerhalb der amerikanisch- polaren Landmassen ein anderes Polarland zu liegen. Cook sah allerdings spater das, ,Crvckerland nicht: aber eine andere Be- obachtung,, die er cheiter nördlich gemacht zu haben behauptet, J. jptnt gleichfalls Harris Theorie zu stützen. 'Cook berichtet nämlich, dort an einer Stelle über Landeis, d. h. über das Eis einer offenbar nur ganz schwach über dem Meere emporragenden Landoberslache gefahren zu sein. Eine merkwürdige Einzel- v»t, aber gerade darum vielleicht ein Zeichen für Cooks Glaubwürdigkeit. . ± Augenblicklich find nun zwei Expeditionen unterwegs, diesen intercssanteii Dingen auf den Grund zu gehen: eine amerikanische unter Pearys früherem Begleiter Mac Millan, «die es auf das Crockerland und seine Nachbarschaft abgesehen hat/ dabet vermutlich in die Lage kommen wird, auch'Cooks Beobachtungen zu prüfen, und den gegenwärtigen Winter in Etay Smithsunde zubnngt: und eine zweite, kanadische unter Stefan ss o n, einem früheren Gefährten Mikkelsens, der sein Augenmerk saiuf die hypothetischen Länder im Westen beS1 Parryarchi- bat Und noch ein drittes großes Unternehmen steht ja für den nächsten Sommer bevor, die neue Reise Amund'- sens, der zwar in erster Linie ozeanographische Forschungen im Nordpolarbecken vorhat, aber sicherlich nicht versäumen wird/ durch Schlitten- !uud Flugzeugrekognoszierungen zu beiden Seiten seiner Route nach unbekanntem' Land Ausschau zu halten Man wird hieraus ersehen, daß, es am Nordpol noch keineswegs an lohnenden, Entdeckungsmäglichkeiten fehlt, und ton den nächsten röhren wichtige geographische 'Aufschlüsse über eines der dunkelsten Gebiete der Erde erhoffen dürfen. EMeSrmgzmöglWerten am Nordpol. Von H. Singer, i ,, Dm vergangenen Spätsommer hat der russische Kapitän Wil- Ei t s k i rm Polarmeer vor der NoEste Asiens eine ganz uuer- wartete und wichtige geographische Entdeckung gemacht: er hat Kap Tscheljuskin fast 400 .Kilometer nord nordwestlich twetdjCTtbe Külte, die des Kaiser Nikolaus-Landes, aufgefunden ' Ammnd dort km entferntesten hat vermuten ^^klich m einheitliches Polarland ist, das dann möglicherweise den Umfang Islands erreichen könnte, oder ob wvn eine neue große polare Inselgruppe vor sich hat, ist noch s5,-er ^te wit Sicherheit zu erwartenden weiteren rus- Mchen Expeditionen werden das vermutlich mit Hilfe von Schlittenfahrten schon in nächster Zeit feststellen. hat also niemand dort vermutet. Es gab überhaupt MäLflr rt die Geographen und Polarforscher es für ziemlich ausgefiylofien hielten, das; es im Nordpolarmeere noch Länder ton nennenswerter Ausdehnung .geben könnte, die sich unserer Kenntnis entzögen. Diese Annahme oder Ueberzeugung mar die Folge der großen Treibfahrt Nansens von 1893—96. Nansen hatte damals im Norden der Alten Welt überall ein tiefes Meer ” datz es ihm mit seinen twch unvollkommenen' Ootmaschuien nicht überall möglich gewesen war, den Meeresgrund Ku erreichen. Landmassen aber, oder auch kleinere Inseln so man an, könnten sich nicht, wie ettoa eine Dolomitenwand, Unvermittelt herausheben, sondern entsprängen auf breiter, aus weiter Entfernung allmählich ansteigender Grundlage, auf sog mCntra CU S"ckÄn. solchen war aber Nansen nicht auf die S m n. ta» n011,117'01' 0 il^ubte der große Forscher auch mit Bestimmtheit Vorauvsagen zu können, daß der damals nodj unbe- Nordpol inmitten eines tiefen Meeres läge und durch rein Land bezeichnet würde. , ' ir,m seitdem hat Peary Len Nordpol erreicht, und wohl schon vor ihm wie jetzt immer wahr,cheinlicher wird, der so schlecht behandelte Pool, und was sie ermittelt, bestätigt Nansens Voraussage dnrch- ^ -zA^ry tzat am Nordpol auch eine Lotung vorgenommen und bei 27y0 Mater — dann verlor er die Leine — Feinen Grund gefunden. Mithin stand Nansens Theorie fester da, denn je Und nun erfahrt man von Wilkitskis Entdeckung! Nur wenig von seinem fernsten Punkt an der Küste des Nikolaus-Landes.war Namen.von, November 1894 bis Marz 1895 mit dem Fram" E Eise getrieben und Nansen hatte dabei nicht nur keine Spur '^ckdeckt, sondern sogar Tiefen von 3350—3450 Meter, dio auf weite Strecken die Nähe von Land ausgeschlossen erscheinen ließen. Daher die Ueberraschung, die Wilkitskis Entdeckung ausgelojt hat. . _ N"ter diesen Umständen aber wird man annehmen dürfen, daß das Becken des Nordpolarmeeres, das A m u n d s e n jetzt aufs Ec durchqueren will, für uns noch manche ähnliche Ueberraschung m Bereitichatt halt. „Neues Land" ist es nun einmal, das die Polarforscher am meisten gereizt hat und noch reizt, nnd so wird noch oft nach solchem Lande gesucht werden. Uebrigens hat Nansen, der als vorbildlicher Mann der Wissenschaft an vorgefaßten Meinungen durchaus nicht llebt, neuerdings eingeräumt, daß feine Worte immerhin auch Ausnahmen vertrage. Es gibt Beispiele oag gerade in der Nähe sehr tiefer Meeresteile sich unvermittelt •uniogebiete erheben, so aus dem sog. Sundagraben des Indischen Ozeans die ^nsel Java, und aus den tiefsten Stetten des Großen Ozeans die Philippinen. Warum sollten derartige Fälle nicht auch tnt Polarnteere Vorkommen? Nansen selbst mar vor sechs Zähren zuzugeben geneigt, daß östlich vom Franz-Josefiand Inseln vorhanden sein konnten, also gerade dort, nm. nun Wilkitski das große Nikolaus-Land entdeckt hat. , , Wenn min aber auch vor der Nordküste Asiens größere unbekannte Polarlander nicht vermutet wurden, so doch für andere Gegenden des Polavmeeres. Vornehmlich hat zum ersten Mal vor jetzt neun Jahren und später noch wiederholt R. A Harris von der amerikanischen Küstenvermessung auf Grund scharfsinniger Schlüsse aus den Gezeitenerscheinungen an der Nordküste Amerikas die Meinung verfochten, es müsse sich nördlich von der Beringstraße und ton Alaska und westlich der arktischen Inseln Amerikas eine kontinentale Landmasse von 1250 000 Quadratkilometer oder doch eine Gruppe enge beieinander liegender sehr großer 3nicht finden und dem Nordpol nahe kommen. Harris meint nämlich: Tie Verhältnisse tnt Eismeer seien mit Bezug auf die gezettenbildenden Kräfte derart, daß die halbtägigen Gezeiten nicht dort, sondern entweder im Atlantischen ober tnt Gro- ton Ozean ihren Ursprung nehmen müßten. Aus' dem Großen Ozean aber kamen ste nicht, dazu sei die Beringstraße zu schmal Und zu seicht. Sie kamen also in der Hauptsache aus dem Atlantik und bewegten sich nordwärts durch das weite und tiefe Tor zwischen Norwegen und Grönland. Gäbe es nun im Arktischen Osean kein anderes Land, als das, das unsere Karten verzeich- neten, so wurde die atlantische Gezeitenwelle hindernislos über den Nordpol fegen und ziemlich rechtwinklig auf die Nordküste ton Alaska stoßen. Tatsächlich aber sei das nicht der Fall; sie tarne von Westen, fast parallel jener Küste, und das sei nur da- parch erklärlich, daß sie dgirch große Landmasfen, einen dichten Archipel oder Untiefen westlich tom Parryarchipek abgelenkt würde, ^n der geographischen Diskussion hierüber wurde außerdem die 740 bittd) em geläufigeres Wort. Dabei tourbe ut der.Mehrzahl/ be sonders wenn eine Atlslasfuug m Betracht kam, dasselbe Fehlwort niedergeschrieben. So war ein allgemeines Bestreben vorhanden, altertümlich klingende Worte zu Modernisieren. Auch-tm sinnlosen Tcrte spielte die Geläufigkeit eine störende Rolle, ganzen wurden ans dem Motiv der Sprachgeläufigkeit von 1308 323 gemacht. Die Auslassungen aber, die in sinnvollen Texten am häutigsten vorkamen, haben aber noch einen anderen Gründ tn der H e m - m u n g, die gleiche aufeinander folgende Elemente aufeinander aus- übeu. Schon aus Menwrieriibungen weiß man, daß sinnlose silben- paare uviso schwerer eingeprägt und umso schlechter behalten werden, je gleichartiger sie waren. Dieselben Verhältnisse lassen sich auch bei der Entstehung der Schreibfehler konstatieren. Bei diesen zeigt sich die Hemmung sowohl in einer Auslassung von Worten, Silbeu und Silbenteilen, als auch bei der Auslassung von Buchstabenteilen So wird ein gleich oder ähnlich klingendes Wort, ein „das , welches auf ein „daß" folgt, ausgelassen: so wird statt „zuzugestehen" und statt „Wirklichkeit" „zugestehen" und „Wirlichkeit" geschrieben. Durchgehend enthielt das Fehlwort immer weniger gleichartige Buchstaben als das Textwort. Auch nicht ganz gleiche, aber doch ähnliche Elemente zeigten Hemmung, weit« auch nicht m dem großen Umfange. Die Aehnlichkeit kann als Aehnlichkect des Schriftbildes — visuell — oder als des Klangbildes — akustisch auftreten. Den allergrößten Anteil an der Entstehung der Falschleistungen rührt gewissermaßen von dem Beharrungsvermögen der Seele her, einem Spezialfalle des Gesetzes der Trägheit, ^eder Wahrnehmung oder Vorstellung, die ins Bewußtsein gelaugt ist, wohnt die Tendenz inne, dort zu verharren. Dieses Beharren i« einer Vorstellung kann beim Schreiben vorwiegend ooer r u ck- läufig sein. Letzteres ist uns geläufiger. Es tritt em, wenn em vorausgegangener Worteil akustisch oder ent Buchstabe visuell stark im Gedächtnis haftet. Auch die Möglichkeit ist gegeben, daß eme besonders geläufige Bewegung des Armes!, die einen Buchstabm produziert, sich zu Ungunsten eines neuen und seltenen einschiebt und wiederholt, so wird „konsekgueut" statt „konsequent" geschrieben, oder in einem Satz „müssen Chinesen" „müssen Chinesfen". Em Beharren durch Borwirkung stellt der Fall vor, wenn dominierende Buchstabencharaktere, die über und unter die Zeile hinausrageu, den Blick uiid das Jnsteresse an sich ketten. Dann tauchen alle Formen der'Fehler auf: Auslassungen, Umstellungen: gehlertZtatt gelehrt, Zusätze: Zunkunst: Fälschungen: „der Zur Zeit". Stoll bezeichnet die größte Zahl der Fehler in den Abschriften, nämlich 324 --- 24<>/o, als aus der Beharrungstendenz heraus entstanden. Dazu gesellen sich dann noch als große Gruppe die Fehler hinzu, deren Auftreten durch das Zusammenwirken zweier oder imehrierer Ursachen bedingt ist, oder deren eigentliche Ursacqe nicht ermittelt werden kann. Eine Abhängigkeit der gemachten Schreibfehler von der Intelligenz der Versuchspersonen läßt sich Nicht erweisen. Im Gegenteil, es waren die intelligentesten Seminaristen Stolls, die die meisten Fehler begingen. Die Fehler sind weder vom Zufall diktiert noch durch Nichtwissen entstanden. Vielmehr enthüllt sich in ihnen der Typus der Persönlichkeit m der Richtung der visuellen, akustischen und motivischen Vorstellung. Normal geht wohl das Abschreiben so vor sich, daß zuerst die optische Vorstellung sich geltend macht, um beim Niederschreiben der Klangvorstellung oder der Sprachbewegungsvorstellung Platz zu machen. Das Innere spricht das Wort vor. Aus dieser Erkenntnis lassen sich wohl praktische Folgerungen für die Didaktik des Orthographieunterrichtes ziehen. Eine lautreiue, getreue Aussprache, die sich nach Möglichkeit dialektischer Färbungen enthält, ist als Vorbedingung für richtiges Schreiben anzusehen. Uermlidjto« — Kurze Verdeutschungen. Es läßt sich nicht in Ab« rede stellen, daß inanche der in den letzten Jahrzehnten vor- geschlagenen Verdeutschungen länger als das Fremdwort sind, das sie vertrieben haben ober noch vertreiben sollen. So können sich manche nicht für das Wort Schneeschuh begeistern, da ja Ski kürzer ist. Cb freilich diese Leute auch ärgerlich waren, als man das zweisilbige gute deutsche Wort Roßarzt durch das viersilbige Wort Veterinär ersetzte? Man muß zweitens zugeben, daß man beim Ersatz eines Fremdwortes sogar gelegentlich zur Umschreibung durch mehrere Wörter hat greisen müssen. In einer kaiserlichen Verpflegungsvorschrift für die Kriegsflotte heißt es zum Beispiel jetzt: „das Fleisch soll dem Fingerdrucke nachgeben", während es früher hieß „das Fleisch soll Elastizität besitzen"; anrf) das Wortungetüm Faksimiledruck läßt sich nur durch mehrere Wörter, etwa durch „Nachbildung in Abdruck", ersetzen. Die zum Glück an Zahl und Bedeutung immer mehr abnehmenden Gegner der Sprachreinigung versteifen sich nun auf solche einzelne Fälle und behaupten in übertreibender Verallgemeinerung, das Fremdwort zeichne sich vor unserem heimiscl)«« Sprachgute meist durch größere Kürze aus. 9(n Hunderten von Beispielen läßt sich das Haltlose dieser Behauptung beweisen. Früher redete unsere Gesetzessprache von den mit Korporationsrechten ausgestatlelen Vereinen: nufer neues Bürgerliches Gesetzbuch nennt sie in treffender Kürze rechtsfähige Vereine. Unter Friedrich III. wich der Mintsterkouseil dem finden, vornehm klingenden Kronrat. Wie lang waren Flankendetachement und extraordinäre Remunerationen, wofür man jetzt kürzer und dabei doch leichter verständlich sagt Seitendeckung und besondere Zulagen. Ein Buch, das neulich unter dem Titel „Weltamt für Wetterkunde" erschienen ist, hätte wohl ein fremdwortfroher Gelehrter vergangener Tage Internationales Meteorologisches Zentralbureau genannt; hieß doch vor kurzer Zeit noch der Wetterbericht unserer Tagesblätter Meteorologische Nachrichten, rote auch das Meteorologische Institut dem Landeswetteramt voranging. An Stelle der schleppenden Ausdrücke telegraphische Antwort, telegraphische Nachrichten sind die bündigen Wörter Drahtantwort, Drahtnachrichten getreten. Den Schluß dieser kleinen Aufzählung, die sich leicht hätte vermehren lassen, mache die von der preußischen Staatseiseitbahnverwaltung eingeführte prächtige Verdeutschung für Dokumentendepositorium: Werteschreiit. Rau (Zwickau). Vücherttsch. — P e t e r R o s e g g e r, G e s a nt: m e l t e W e r r e. Vom W« Jaffer neubearbeitete und neueingeteiUe Ausgabe. 40 Bände ist 4 Abteilungen zu je 10 Bänden. Jeden Monat gelangt ein Band zur Ausgabe. Jeder Band geschtnackvoll gebunden 2,50 Mark (K 3.—), in Halbpergament Mk. 4.™ K 4.80). Einzelne Baude werden nicht geliefert. Verlag von L. Staackmann in Leipzig. Soeben erschien in der 1. Abteilung Band 3: Die Aelpler tn ihren Wald- und Dorfgeschichten. Nicht weniger als 42 kurze Geschichten enthält der vorliegende dritte Band der „Gesammelten Werke" Peter Roseggers. Die Eigentümlichkeiten der Gebirgsbewohner, ihre Freuden und Leiden, die Siefen und Höhen des Volkslebens lernt der. Leser hierin kennen. Die verschiedenstest Gestalten ziehen in buntem Reigen vorüber, der Pfarrer, der Schulmeister, der Kirchenwaschel, ber Richter, der Einlager, die Bettelleute, die Politiker, der Lotterienarr, der Viehhändler, der Bratel- geiger, die Wallfahrer, der Peckölmamt, der Kohlenbrenner, der Wchrzelgraber, die Sennin und der Wildschütz und vieles andere. Wir heben noich Hervor ein Kapitel über die Höflichkeit und Gastlichkeit der Bauern, über ihre Reinlichkeit und Eitelkeit, ihre Liebe und ihren Humor. Die knappen und packend gezeichneten Momentbilder dieser verschiedenen Menschenthpen au8 Wald und Dorf ergeben in ihrem Zusammenhang ein allgemeines Stimmungsbild von der Seele des Aelplers, das teilweise schon heute besonderen Wsrt als historisches Denkmal beansprucheit darf, da die Neuzeit auch an den Aelplern nicht spurlos vorübergegangen ist stad ihr Wesen und Leben stark beeinflußt hat. Jedenfalls bieten Roseggers „Aelpler" ein höchst fesselndes und abwechslungsreiches Buch, das man vor allem auch allen denen empfehlen kann, die sich zu einer Besuchsfahrt in die Alpen rüsten; sie besitzen in den „Aelplern" einen unschätzbar eit Führer. — Wilhelm Kotzde. Wilhelm Drömers Sieges- ig a n g. .Berlin, Verlag von Martin Warneck. Wilhelm Drömers Siegesgang ist die Lebensgeschichte eines märkischen Bauern aus der letzten Zeit des großen Preußenkönigs bis zu den Tagen der Befreiung. Doch nur wie ganz fernes Doitnergrollen mischen sich die Zeitereignisse in das Buch, vielmehr sehen wir das Leben und Treiben eines Dorfes und gewinnen zugleich einen Einblick in eist Stück preußischer Kulturgeschichte. Da walten noch die „Dorf- gerichte" in Würde ihres uralten Herkommens, der Amtmann ist noch die bestimmte Instanz in gerechten unb ungerechten Dingen und die Spimtstube ersteht vor uns noch in inniger Schlichtheit und Unverdorbenheit, lieber dem Buch liegt der Zauber und die Stimmung alter Volkslieder. Ariihmognph. 1 10 5 11 Stadt in Steiermark. 2 11 lyrischer Dichter. 3 9 8 7 9 Fluß in Frankreich. 4 8 7 4 9 viel gebrauchte Flüssigkeit. 5 2 3 4 9 10 schmackhaftes Tier. 6 9 10 7 9 4 französischer Maler. 7 8 9 10 9 wichtiges Organ. 8 10 8 3 griechische Gottheit. 9 10 7 5 weiblicher Vorname. 10 5 4 4 9 schädliches Tier. 8 7 7 ein Fluß. 4 10 5 4 4 9 kaufmännische Bezeichnung. 11 9 8 3 8 1 munterer Vogel. Die Anfangsbuchstaben der geiuitdeneit Wörter sollen den Namen eines Jugeitdschriilstellers ergeben. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des magischen Quadrats in voriger Nummer: E C5 E 0 A G A 1« E S Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UuiversitätS-Buch» und Steindruckerei, R. Langem