Samstag, den 26. April Sif TbZJSTffl Wz MilM Zwei Welten. Roman von Emma Merk. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Darf ich einen Wunsch aussprechen, Frau Baronin?" sagte er lebhaft. „Ich habe das letztemal, nachdem Sie fort tvaren, eine Skizze hingeworfen, die natürlich keinen Anspruch auf Aehnlichkeit erheben kann, die nur andeuten soll, tote ich mir das Bild ungefähr denke. Würden Sie sich den Entwurf einmal ansehen, während das Fräulein eine Ruhepause macht? Fch müßte Sie nur bitten, sich eine Treppe hinauf zu bemühen, in den kleinen Arbeits- ranm, den ich da noch habe. Wenn nrich hier das Reflex- licht von deut gegenüberliegenden grellweißen Haus zu sehr belästigt, dann male ich da oben, und die Mappe ist da so gut beleuchtet, daß ich sie nicht gerne wegnehmen möchte." „Sehr gern, Herr Grimberg," sagte Marianne, sich erhebend. „Kommst du mit, Kind?" „Ich fürchte, es ist ent wenig kalt in dem ungeheizten Raum," meinte Grimberg. „Ich darf Ihnen wohl Ihren Pelz umhängen, Frau Baronin? Vielleicht ist es besser, wenn das gnädige Fräulein sich in dem dünnen Kleid nicht herauswagt." Hildegard atmete auf, als sie allein war. Sie war so erregt, so durchbebt von entern heißen,, ihr ganzes Wesen aufwühlenden Gedanken, daß es ihr fast unmöglich erschienen tvar, still zu halten vor den Maler- augeu, die sich prüfend auf ihr Gesicht hefteten. Dieser ernste Mann mit dem grauen Vollbart und den düsteren Zügen, der sie mit solcher Wehmut anzublicken pflegte!, er hieß Eberhard Holst. H l—t—, waren das nicht die Buchstüten, die sie auf den Bildent zu entziffern vermochte? — Und er war jahrelang auf Reisen gewesen, als Zeichner für eine große Zeitung. — Er malte melancholische Landschaften ! —• |D Gott, o Gott! Wenn er . . . Sie hatte das Gesicht in die Hände gedrückt und war so versunken in Nachdenken, daß sie nicht hörte, tote die Ateliertür leise geöffnet wurde. Dann vernahm sie einen Schritt, wendete sich um und stieß, unwillkürlich in jähem Erschrecken, einen leisen Schrei aus. Der Mann, an den sie eben gedacht, stand vor ihr, trat auf sie zu, totenblaß, in einer übermächtigen Bewegung. „Nicht erschrecken! Bitte, nicht erschrecken!" bat er mit einem herzbewegenden, sanften, liebevollen Ton und hob flehend die Hände empor. „Einmal, ein einziges Mal möchte ich diese Züge betrachten dürfen, ganz nahe, und ohne Zeugen!" sneß er hervor, zitternd, mit Tränen in der Stimme. Er schaute sie an wie nie ein Mensch zuvor, so tod- traurig und so zärtlich zugleich, mit einer Er schütter ungj, die seine ganze hohe Gestalt durchbebte, und zaghaft, schüchtern, bittend faßte er ihre Hand. Und wie sie nun dieses ernste Gesicht mit dem mächtigen Bart, mit den toarnten braunen Augen so dicht vor sich sah, da kam's über sie wie ein plötzliches Erkennen. War's ein Stück Erinnerung, war's die Stimme des Blutes, die sich regte — sie hatte keinen Zweifel mehr, sie wußte! ' . Mit einem leisen Aufschrei: „Vater!" schlang sie die Arme um seinen 5zals. Er hielt sie an sich gedrückt, ein Schluchzen stieg aus seiner Brust. „Kind! Mein Kind!" In tiefer Rührung, fassungslos in einem großen, bangen .Glück, streichelte er ihr das Haar, strich er leise, mit weicher, sanfter Hand über ihre Stirn, ihre Wangen. Er konnte nicht sprechen. Er stammelte nur immer wieder: „Mein Kind! O, mein Kind!" Ihr aber war's, als fände sie in diesen warmen, guten Augen Frieden und Rast nach all dem uferlosen Sehnen, das ihr das Herz zerqnält hatte, als wäre sie nun aus der Fremde zurückgekehrt in die Heimat. Er hielt sie noch immer an seine Brust gedrückt, wortlos, in stummem Glück, als über ihnen eine Tür geschlossen wurde. „Sie kommen zurück," flüsterte Hildegard, wie erwachend aus der seligen Beklommenheit dieser kurzen Minuten. „Was sollen wir ihnen sagen?" Er strich sich über die Stirn. Ganz verwirrt blickte er um sich, als müßte er sich erst besinnen ans die Forderung des Alltags, die sich auch jetzt, auch in dieser feierlichen Stunde geltend machte. „Ich kann jetzt mit niemand sprechen," stieß er hastig hervor. „Aber ich hätte dir ja so viel zu sagen — so unendlich viel! Wann — wann kann ich dich sehen, allein^ nur eine Stunde lang? Ich werde auf dich warten in dem Garten der Glyptothek — jeden Tag — um sechs Uhr. Wenn du Mitleid hast, ein wenig Mitleid mit deinem Vater, dann kommst du, Hildegard." So schmerzlich hingen seine Augen an ihrem Gesicht, so gepreßt klang seine Stimme. Erst als die Schritte, die Stimmen sich schon näherten, vermochte er sich loszureißen und stürzte fort. Das junge Mädchen stand allein im Atelier, abge- wendet von den beiden, die im eifrigen Gespräch über das Porträt der Baronin eintraten. Marianne ruhig und kühl, mit ihrem wehmütigen Zug um die Lippen. Der Malev erregt und von dem kurzen Alleinsein mit der schönen Frau zerstreut und in schlechter Arbeitsstimmung, Keiner von beiden ahnte, daß sich in diesen Minuten, während sie in dem kalten Raum da oben standen, für Hil- 258 Vegard das erschütterndste -Ereignis ihres Lebens abgespielt hatte, i Grönberg sing an, an dem Kleids an dem Hintergrund M Malen, weil er fühlte, daß er zst ruhelos war, um sich an das Gesicht wagen zu dürfen, er bemerkte nicht, wie Mühsam sein junges Modell ihre Züge beherrschte. Marianne hatte sich in den Anblick der Mappen vertieft, aber in dem großen Schweigen um sie her stürmten bittere Gedanken auf sie ein. Gestern war ihre Schwägerin Michaela bei, ihr gewesen unb -hatte sie, nach liebem Verwandtenbrauch, in bester Ab- sich und im freundlichsten Ton gequält und gemartert. j,Jch muß mit dir reden- Marianne," hatte sie mit feierlichem Gräbeston gesagt, nachdem sie sich erst überzeugt, daß niemand horchen khnnte. „Weißt, das ist ja ganz aus der Weis', wie dein Mann sich äusführt. Ein solches Be- nehnieu nein, das darfst ihm wirklich nicht mehr hingehen Lassen. Auf alle Redouten treibt erlich herum urfbi immer Mit die leichtsinnigsten Frauenzimmer .Ich hab's gestern, wie mir's wieder von einein Bekannten erzählt worden ist, zu meinem Mann g'sagt: Eins von uns muß litit unserer Mutter reden; die Mutter muß dem sauberen Herrn Baron den Standpunkt klar Macheii. Der Gustav hat auch g'meint, das wär' das einzige was man tun rann. . Was ist er denn.Z-'wesen, Ker Herr von Wassan, ehers er Dich g'heirat'tchat? Ein Herr von Habenichts halt. Und das ist der Dankj daß er in unsere Familie rein- gekoMMen ist!" Marianne hatte geschwiegen, sie war nur noch bleicher geworden. Als ihre Schwägerin aber kein Ende fand', sagte sie plötzlich ganz ruhig, mit bitterer Bestimmtheit: '„Ihr wollt also, daß! ich mich von meinem Mann scheiden lasse?" Da hatte Michaela voll Entsetzen ihre Hände gefaßt und gerufen: 1 „Nein! Um Gotteswillen! Nur das nicht! In unserer Familie ein solcher Skandal! Nein, gelt, Marianne, gelt, das tust du uns nicht an?" Die blasse Frau hatte mit einem herben Lächeln den Kopf geschüttelt. ; -zJch tue es nicht, weil Mein kleiner Paul an seinem Vater hängt, weil mein armer BUb- nicht ohne Vater au-s- wachsen soll. Wer macht es mir nur nicht allzu schwer'! Treibt mich nicht zu einer Lösung!, wenn ihr vor dem Skandal zurückschreckt! Vor allem schweigt! Schweigt vor unserer Mutter! Glaubt doch nicht, daß es irgend etwas nützt, wenn ihr die alte Frau beunruhigt. Sie ändert ihn nicht, sie ändert nichts mehr an unserer Ehe! Ich! will keine häßlichen Szenen, keine heftig-en Worte! Mir mich gibt es nur eins: Schweigend tragen, was! das Schicksal Wer mich verhängt hat, alles Aufsehen vermeiden, vor den fremden Beuten einen M"cmrchdringlichen ’ Schleier Zsse-Heu über mein Leid. Bitte, seid barmherzig. Rührt nicht an meinen Wunden, wenn ihr mich- nicht zur Verzweiflung bringen wollt." Michaela tonr ganz eingeschüchtert von diesem leidenschaftlichen Ausbruch der sonst so verschlossenen Marianne. „Sei nur ruhig. Ich sag' ja nichts, wenn du's nicht willst! Begreifen kann ich dich freilich nicht. Bei mir hätt' er keine ruhige Stunde, der saubere Herr Baron. Ich tät's ihm austreiben, das Redoutenlaufen!" Michaela hatte der armen Frau ja nichts Neues gesagt. ' Marianne wußte längst, daß ihr Mann sie nicht liebte, vielleicht nie geliebt hatte, daß er sie betrog. Aber die Unterredung hatte ihr doch die peinlich Gewißheit gebracht, daß ihre unglückliche Ehe schon zum Stadtgespräch geworden, daß man Über sie klatschte, sie bemitleidete, vielleicht verspottete. 1 ; - Än einer lauge» schlaflosen Nacht Hatte sie gekämpft um ruhige Ergebenheit auch in dieses Furchtbare, das ihr seines Empfinden so bitterlich traf. Sie fühlte sich so alt, so müde! Es kam ihr nicht in den Sinn, daß auf ihr blasses', ernstes Gesicht sich noch ein paar Männeraugen richten könnten, mit heißem, leidenschaftlichem Btgehren. 10. Nach grauen kalten Tagen war es endlich wieder wärm und frühjährlhch geworden. - Sonnenbeleuchtet im lichten Weiß hob sich der griechische Tempel der Glyptothek von dem blauen Himmel ab. Unter BäuMen des Parkes lag schon der Schatten, und es war einsam und still . In den frühen Nachunttagsstunden pflegten sich hier Scharen von Kindern herumzutummeln, und auf den Bänken saßen die strickenden, schwatzenden Kinderfrauen Und Bonnen. ! Nun waren sie Mit ihren Schützlingen nach Hause gegangen, man hörte wieder das leise Zwitschern der Vögel in den Zweigen. : Nur ein zierliches Fräulein, das sich noch mit einem blondlockigen Meinen verspätet, warf einen neugierigeü Mick auf Hildegard, die sichtlich verlegen über den Kiesweg hinfchritt, umherspähte und sich dann zu einem großen Herrn mit einem dunklen losen Mantel itiib einem weichen Filzhut wendete, der schon eine Weile in Gedanken versunken auf der entlegensten Bank gesessen hatte. Das Kinderfräulein zog -geringschätzeud und entrüstet das Stumpfnäschen in die Höhe- und trippelte dann rasch mit einem befehlenden: „tiite; vite, Mary, nons Partons!" davon. Sie rannte vor Eifer, ihrer Herrin, die in Frau Walburgas Haus wohnte, die interessante Neuigkeit zu erzählen. „Fräulein Hildegard habe heute hinter der Glyptothek ein Rendezvous mit einem Herrn gehabt, der wie ein Künstler aussah und nicht einmal jung war, nein, schon ganz grauhaarig! So etwas könne sie doch gar nicht verstehen! Sie wäre doch nur Kinderfräulein, aber sie hätten schon viel noblere Herren angesprochen, und sie wäre stolz an ihnen vorbeigegangen." Mit Herzklopfen hatte sich Hildegard auf den Weg- g einacht. Dieses heimliche Zusammentreffen, zu dem sie sich mit einer Lüge hatte 'fortstehlen müssen, war ihr aufregend und peinlich. Aber alles Bangen, alle Angst verflog, als sie mit so rührender Herzensfreude begrüßt wurde. hWie ich.es dir danke, daß du kommst, Kind!" Seine großen ernsten Züge, die ihr so düster erschienen waren in dem bärtigen Gesicht, wären "förmlich durchleuchtet von dem lieben warmen Blick der braunen Airgen, die in diesem Moment etwas Jugendliches, Kindliches hatten in ihrer jubelnden Zärtlichkeit. Eine Weile sah er ihr wieder mir stumm in das ivorine blühende Gesicht, streichelte ihre Hände wie in einem neuen Stauiren über ihre Nähe in seliger Ergriffenheit. >,Ach Kind- dir ahnst ja nicht, Inas ich gelitten habe, seit ich dich plötzlich vor mir stehen sah, so hold, so jung!" stammelte er dann. „Mein Kind! Meine große Tochter! Und ich ein Fremder für sie, der sie rricht in seine Arme schließen, der sie nur schweigend anstarren durfte! Seitdem ist kein Schlaf mehr in meine Augen gekommen. Ich habe mir die Haare zerrauft und mich zermartert, nächtelang in nutzloser Reue. Nur einmal das Wort „Vater" von deinen Lippen hören! O Gott, verdient hatte ich's ja nicht. Aber ich sehnte mich doch! so namenlos. (Fortsetzung folgt.) Arno holz. (Zu feineni 50. Geburtstag, den 26. April.) Von Dr. Paul Landau. Es ist 'mit,-Erfindungen" etwas Eigenes: immer hat sie schob einer vorher gemacht, und wenn auf dem praktischen Gebiet der Technik erst dem Vollender und endlichen Durchfühter einer Idee der Preis gebührt, so ist auf geistigem Gebiet und gar in der Dichtlmg der ErstnderrulM noch viel schwieriger abzugrenz em Wäre -Arno Holz nichts weiter als der „Erfinder" des Naturalismus, er wäre nicht viel. Er hätte daun eine neue poetische Theorie in die Welt gesetzt, ein Rezept zum! Dichten, gleich vage und unbestimmt tvie hundert andere vor ihm, und die Literatur wäre um eine Kuriosität reicher. Nirgends sonst wo steht das Recht so völlig auf der Seite dessen, der etwas schafft, wie in der Kunst; denn Kunst kommt von Können her, und deshalb! liegt die Bedeutung Holzens allein in seinen dichterischen Werkenwenngleich sie freilich stärker als sonst bei einem Modernen mit einem! theoretischen Grundelement verbunden sind. Holz hat Mr den Rechtstitel „Vater des Naturalismüs" vor einem Jahrzehnt einen erbitterten Kampf geführt Verschiedene -Anlässe, die Arbeiten einiger Kritiker, so R. M. Meyers und Lublinskis, vor allem! aber die Behauptungen seines 'einstigen Mitarbeiters Johannes Schlaf, drängten ihn dazu, in temperamcnt- vollen Streitschriften den Beweis zu versuchen, jensr neue Stil, der Ende der 80er Jahre zuerst in den von ihm' und Schlaf gemeinsam gezeichneten Arbeiten „Papa Hamlet", „Neue Geleise" und „Familie Selicke" ausgeprägt erschien, gehe auf ihn allein 259 M den geistigen Urheber zurM, während Schlaf nur Stoffliches, nichts Formales — hier tote stets in der Kunst das Entscheidende — beigesteuert habe. Tiefe Tatsache laßt fidji nicht durch das Mitteilen non Briefstellen und Dokumenten erhärten und ebensowenig durch den Hinweis, daß Holz in einer zweibändigen Schrift „Tie Kunst. Ihr Wesen und ihre Gesches die neue Form! zu. begründen unternahm. Was hier als endgültige Definition heranskommt, der Sah: „Die tont ft hat die Tendenz, die Natur zu sein; sie wird sie nach Maßgabe ihrer Mittel «rät deren Handhabung", ist trotz der heftigsten Proteste des „Erfinders" nicht mehr als Zolas bekannte Formel, ja kaum mehr als die zahllosen Theorien von der Nachahmung der Natur im 18. Jahrhundert. Man muß tiefer ghaben, nm Holzens Anteil ztt verstehen. Und diesen komplizierten Prozeß des gemeinsamen Schaffens aus der inneren Psychologie der Persönlichkeiten -erklären. „Tn hättest die „Neuen -Geleise" nie ohne mich in die Welt gesetzt, und- ich nie ohne Dich", schreibt einmal Holz schön an Schlaf. „Der Eine von uns war damals blind, der Andere lahin. Und tarn kommen und M sagen, der Blinde ist daran schuld gewesen, daß der Lahm'e das Ziel erreichte oder umgekehrt, ist Meinen! Dafürhalten nach gleich lächerlich. Und ungerecht! Du warst damals — wir sprachen öft darüber — das Weib, ich der Mann. . Unsere Funktionen waren nicht dieselben, aber sie waren gleich wichtig . . ." Als eine solche, durchaus Männliche, energisch draufgängerische Natur, als ein scharfer bohrender Intellekt, ein leidenschaftlicher Neuerer und Kämpfer wirkt -der -Ostpreuße -Arno -Holz von Anfang an, gleich- wie bett Hecht in dem! trübe und still stehenden Karpfenteich der damaligen Literatur. Einer, der es mit den« Dichten ernst nimmt, der den Dingen auf den -Grund gehen will und unaufhaltsam vorwärts stürmt! Ter Zwanzig- jährige ist blind verliebt in den Klingklang der Reime, betet Geihel als hohes Vorbilds an, aber in die schwungvollen Verse und Strophen drängt sich deM scharfen Beobachter der Umwelt, fast unbewußt, ein neuer revolutionierender Inhalt. Uitb so entsteht Nach schwächlich harmlosen Anläufen sein erstes individuelles Werk, das prächtige „Buch der Zeit" (1885) mit dem charakteristischen „Programm": „Kein rückwärts schauernder Poet, -Geblendet durch unfaUiche Idole, Modern sei der Poet, Modern vom Scheitel bis zur Sohle." Es ist eins der sympathischsten Bücher aus dieser Frühzeit von -„Jüngstdeutschland", dies Buch, der Zeit, prachtvoll jung, derb -bis zur Ungezogenheit, frech bis zum- -Gassenjungenton, aber erquickend ehrlich, von einer warmen Welle sozialen Mitleids getragen nnd von ein ent1 kräftigen dichterischen Schwung. Ein ungezwungenes lyrisches Pathos beseelt diese Bilder, die der Poesie eine neue Welt erobern, den „vermickerten" -I-roßstadtsiühling Mit- seinen Leierkastenmelodien, die dürftige Lichtstimmung des Hinterhauses und der Mansarde, das tragisch schwüle Treiben der Friedrichstraße und -den düster grandiosen Lärm' der Fabrikviertel. Manche dieser -Gedichte gehören heute zum eisernen Bestände jeder Anthologie und werden stets bezeichnend bleiben: für den Gefühlston einer bestimmten Kulturperiode. Aber .-es genügte Holz- nicht, neuen Wein in alte Schläuche zu gießen: schmerzhaft peinigte ihn die unüberbrückbare Kluft zwischen dem, was -er sagte, und tote er es sagte. Er Machte sich resolut frei von allem! Vergangenen und wollte an kein Gebot der Aesthetik Mehr glauben. So gebührt ihm' das Verdienst, zuerst unter den jungen Stürmern Und Drängern über die Woraus- -setzungen einer neuen Kunst nachgedacht zu haben. Er wurde zunt Fanatiker eines Stils, der auf eine „Erneuerung des Sprachi- blntes" ausging, d. tz. die feinsten Schwebungen des Sprechtons, die leisesten Nuancen des Lebens nach genauester Beobachtung Mit Worten auff-angen wollte. Tiefe Aufgabe, die bereits die -G-on- courts falb Jacobsen aus ihre Weise für die französische und dänische Literatur geleistet hatten, erforderte feinere Nerven, ein weicheres Anschmiegen an die'Tinge, als es der robuste Holz besaß. Er Mußte sich gleichsam ein Organ für das Aufnehmen dieser zartesten Regungen züchten, und er tat dies in dem lyrisch rezeptiven, weiblich sensiblen Schlaf. T-aß dieser nur ein Werkzeug, allerdings ein äußerst vortreffliches, das Holz genial gewählt hatte, in seiner Heimat war, dafür bürgt des „Jntiators^ ganze Persönlichkeit, dieses zielsichere, überlegte, energisch« Temperament, das aus seinen persönlichen Bekenntnissen tn seinen interessanten Streitschriften und Pamphleten so schürf Hervortritt. „Holz- hatte eine Art, einen mit seiner Meinung förmlich zu knebeln, die mir nicht wieder vorgekommen ist", meint Bahr von der sortreißenden Wirkung, die der junge Poet damals auf die -Genossen ausübte. So schuf er in seltsamster Ztoillingsärbeit mit einem' ihm völlig entgegengesetzten und darum so Notwendigen Talent jene Beispiele eines naturalisti'sch-iMpressionistiWen StÜs, die stets merkwürdig metben werden, weil sie etwas Neues) in unser Schrifttum, brachten. Nicht so die Stoffe waren das Wesentlichste, als die Wiedergabig bisher Nicht gesMuter, nicht gehörter, nicht ge-siWter Einzelheiten des Daseins. Kein Satz- sollte heraus, „bevor er nicht färben» simkelnd, klingend, tönend, sind! wpmiöglich duftend v-or ihm' stand". .Dte monotone Melodie des Regens, der flirrende Tanz- der Sonnen- stänbchen, das Krtyhen einer Fliege, sie waren so sinnlich und anschaulich gegeben, daß Man sie zum erstenmal zu erleben glaubte, und diese Betonung aller Mitschwing-enden Stimmungen, des „Ambiente", umhüllte die Stoff-'selbst trotz ihrer Banalität mit einem neuen hell siutenden Licht, das der Glanz des Lebens selbst zu sein falten. Das war die „entscheidende Anregung", die Gerhart Hanpt- mann in seiner Widmung von „Vor Sonnenaufgang" erhalten zu haben bekannte und die der ganz jungen Generation zu Gute kant. Tas Neue ist in den Prosasachen stärker als in dem Drama „Familtc Seliche", das im Dialog ein sehr feines Gehör für die raUOcUCYn Sprechtons beweist, aber gar keine dramatische Kraft hat. Sehr eng sind die Berührungen mit Hanptmanns ersten Dramen: wie die Helene von „Vor Sonnenaufgang" ist die ^.oni der „Familie Selicke" als ein gutes reines Wesen in eine verrottete Umgebung gestellt, in der ein Trunkenbold die Hauptrolle spielt; der Kontrast der WeihnachtsstimMung ist ähnlich herausgearbeitet wie im „Friedensfest". Aber wo Holz-Schlaf menschlich reiche Züge grau in grau nebenciuaitber setzen, gestaltet der bedeutendere geniale Geist durch starke Uebertreibungen ein farbenkräftiges, dramatisch ergreifendes Bild. Nicht die „Familie selicke' ist das naturalistische Drama geworden, sondern erst Hauptmanns „Weber". Holz hat die bietere Tragik des Vorläufers auskosten müssen, der die Waffen einem andern schmiedete zum Siege, der einem größeren den Weg bereitete. Viele sind seine Schüler gewesen von Gerhart HauPtMann bis zu Paul Ernst; aber sie fielen^ alle von ihm ab und gingen ihre eigenen Wege. Es liegt gewiß eine geheime Schwäche der Persönlichkeit diesem Schicksal z-u Grunde, das keinen zu Halten wußte, ein Mangel an Liebe, an.eigener Hingebung, wie es letzten Endes ein Mangel an Schöpferkraft ist, daß Holz zu dem' so nnkünstlerisch-en Prinzip des Zusamtneu arbeitens mit einem andern neigt. Äehnlich tote Schlaf, aber in viel geringerem' Maß, hat ihm Paul Ernst bei seinem zweiten Drama, den „Sozialaristokraten", diesem köstlich beobachteten Ausschnitt ans der Berliner Bohsm'e, Dienste geleistet, und zuletzt hat er sich mit seinem Jugendfreund Jerschke, mit dem er schon in jungen Jahren „Deutsche Weisen" gesungen, zusammengetan. Doch in all diesen Beziehungen verlor er nie sich selbst, blieb stets ein Eigner, Einsamer in strenger Mge- sch.lossenhcit, bissig und selbständig, ein Original, das „saugrob wie Luther" sein kamt nnd in seinen Polemiken eine köstliche, heute sonst so seltene Virtuosität des Schimpfens und der literarischen^ Klopfsechterci bewiesen hat. Holzens Bedeutung, die ihn hoch über manches' reicher begabte nnd viel „berühmtere", aber charakterlose Talent hebt, liegt- in dem strengen Ernst, mit dem er stets sein Bestes gegeben, in der eisernen Disziplin, mit der er seine Keime entwickelt, seine Persönlichkeit erzogen Hat. Zehn Jahre nach der „naturalistischen Empörung" überraschte er die Welt mit einer „Revolution der Lyrik" (1899), durch die er auch! dieser Dichtungsgattung den „großen Weg zur Natur zurück" weisen wollte. Der Experimentator und „Bastler", der nun einniäl in diesem Musiechten steckt, der /zum' Broterwerb mit feinen geschickten Händen Spielzeug verfertigt hat, wollte die- Poesie von dem „Leierkasten" des Reimes nnd des Metrums Befreien, auf jede „Musik durch Worte" verzichten und lediglich einen inneren Rhythmus gelten lassen. Was er in seinen schönen beiden „Phantasus"-Heften gab, war jedoch keine neue Form!, wohl aber eine sehr .gefangene liebertragung seiner impressionistischen Bcobachtungslünst auf die Lyrik, mit einem! köstlichen koloristischen und phantastischen Einschlag. Durch dieses Sinnen -über die Form', bei dem! er sich wie zum -Gegensatz^ in die klangrcichen Lieder des deutschen Rokoko versenkte, kam' er, der liefe und virtuose Kenner des Wortes, auf seltsame Spielereien, die ihn in seiner „Taphuis" zu einer bewundernswert geschickten, aber geistlos leeren Nachahmung der Barocklhrik v-oranlaßtcn. Einen ähnlich feinen Sinn für die Kulturstim'm'ung der Sprache hat er später in dein' zur Jubelfeier der Universität Jena mit Jerschke verfaßten Festspiel „Gaudeäm'us" bewieseit. Erfolg, -äußeren, materiellen Erfolg aber, den er so dringend brauchte, hatte er mit d-em allen nicht, und nun ist es bezeichnend für seinen nüchternen, klaren Verstand-, daß er nicht unbewußt Zugeständnisse an das. Konventionelle m'acht, sondern er beschloß eines Tages kaltblütig, sein Talent einmäl darauf zu verwenden, um' ohne jede künstlerische Absicht das Richtige für den Publikumsgeschmack zu treffen. Der gute Rechner irrte sich! nicht: sein „TraumUlus" (1904) wurde ein Kassen stück, und im' „Büxl" hat er ebenso geschickte gute Theaterarbcit geleistet. Hoffen wir, daß sich diese Opfer, die er mit vollem Bedacht seiner Kunst gebracht Hat, gelohnt Haben und daß der große T-ram'enzyklus, an dem er arbeitet, den er 1896 mit den „Sozialaristokraten" begann und der feilt Lebenswerk werden sollte, als eine reife, vollgültige, seiner würdige Dichtung sich darstellt. wie man in Rußland Reichtümer erwirbt. , .Der russische Hochadel, der noch immer über große Vermögen verfügt, trotzdem sich viele feinet Mitglieder durch unsinnige und maßlose Verschwendung ruiniert haben, ist zu seinen Reichtümern fast durchweg äußerst mühelos gekommen. Sie sind zum allergrößten Teil der Landschenkungen der Krone zurückzuführeit, mit denen namentlich die Hofchargen bedacht 'wurden, an die Jahrhunderte hindurch Land oder Besitzungen verteilt wurden. Eine gewisse Zahl von Leibeigenen entsprach immer einem gewissen Landgebiet, und -es Ivar Brauch, bat Reichtum eines Mannes nach 260 der Zahl der „Seelen" festzustellen, die er besaß. In dem Zeitraum von 1682—1711 verschenkte die Regierung 43 500 Höfe und 506 000 DMatinen (1 D. --- 4 preußische Morgen) — im ganzen über eine Million Dessjatinen. Zur Zeit Katharinas I. kam nur wenig Land zur Verteilung, nur etwa 9000 Dessjatinen; Peter II. aber schenkte allein dem Fürsten Dolgoruki 40 000 Leibeigene. Kaiserin Elisabeth verlieh den Offizieren, die an der Palastrevolution teilgenommen hatten, 14 000 Seelen. Unter Peter III. nahm die Verteilung der Leibeigenen und Ländereien an Ausdehnung noch zu. Angesehene Edelleute sollen damals bis zur Thronbesteigung Katharinas II. nicht weniger als 389 000 Seelen erhalten haben. Katharina die Große war sehr freigebig mit Geschenken an kluge und schmeichlerische Hofchargen, namentlich aber an ihre besonderen Günstlinge, die sich legendenhafte Reichtümer sammelten. Fürst Potemkin, ihr mächtigster Liebhaber, in dessen Palast die heutige Reichsduma tagt, erhielt in zwei Jahren 9 Millionen Rubel und 37 000 Leweigene. Als Paul Petrowitsch — der 1801 ermordet wurde — den Thron bestieg, stellte Graf Kurakin eine Liste derjenigen Personen auf, die beschenkt werden mußten: denn das war so zum Brauch geworden, daß man es nicht mehr umgehen konnte, ohne Enttäuschung und Mißstiminung hervorzurufen. Die Lifte enthielt die Namen von 105 Chargen, die denn auch 82 330 Bauern gleich beim Regierungsantritt erhielten. Während der Regierung wurden die Schenkungen fortgesetzt. Der Kammerdiener des Kaisers, Kutaissow, erhielt im Kreise Mor- schansk 24 606 Dessjatinen Land, in Kurland 36 000, im Gouvernement Tambow 5000 Leibeigene und auf der Wolga Fischereien, die eilten Jahresertrag von 500 000 Rubeln abwarfen. Im ganzen sollen während der Regierung Pauls 114 896 Seelen verteilt sein. — Nach der Aufhebung der Leibeigenschaft wurde das Land nominell verpachtet. Im Zeitraum von 1857—87 erhielten Edelleute zusammen eine Million Dessjatinen. Besonders war man in der Verteilung der Ländereien in den Grenzgebieten freigebig, und die „Verschleuderung von Ländereien" war namentlich unter den Ministern Alexanders II. an der Tagesordnung, deren Beispiel die Gouverneure und Gerteralgouverneure folgten. Der Kurator des Orenburger Lehrbezirks, der den Sohn irgend eines Granden durch die Klassen geschmuggelt hatte, erhielt nach vierjähriger Tätigkeit mehrere tausend Dessjatinen Land, ein Turnlehrer „erwarb" für 2000 Rubel 1000 Dessjatinen — und zur Bezahlung dieser kolossalen Kaufsumme wurden ihm 37 Jahre Frist gegeben, in denen er natürlich nicht eine einzige Kopeke bezahlte. Daß Haus- und Tanzlehrer von den Herren Satrapen Gebiete von der Größe eines Rittergutes geschenkt erhielten, war gar keine Seltenheit. Bei diesem ungeheuren Laudschwindel maßten sich einflußreiche Leute einfach weite Landstrecken an, ohne jemals eilte Schenkungsurkunde nachweisen zu können. Seit dem Jahre 1860 sollen etwa 700 000 Dessjatinen verschenkt seien. Im Kaukasus erhielten frühere Beamte 20 000 Dessjatinen, während 50 248 Dessjatinen an „verdienstvolle" Unternehmer verkauft wurden. Seit den letzten Jahren ist die Verschleuderung im fernen Osten an der Tagesordnung. vermischter. * Stube »--Gesundheitspflege. I» unserer Zeit, i» der „Gesundheitspflege" ein bekanntes Schlagwort ist, bedarf es wo()t keines Beweises, daß ein großer, wenn nicht der größte Teil vieler Krankheiten dem Mangel an genügender frischer Lust und Sonne, geringer Hautpflege und den unzulänglichen Wohnungsverhältnissen zuzuschreiben ist. Aber ein großer Teil der Menschen ist mm leider nicht in der Lage, ein Lust- und Sonnenbad aufzusuchen und die Wohnungsverhältnisse so zu gestalten, wie die Gesundheit des Geistes und des Körpers es erfordert. Wenn es mnt auch eine Sorge aller Gesellschaftskreise sek» muß, dafür zu streben, daß solche gesundheitlichen Perhällnisse in Zukunft alle» Menschen zugänglich sein können, so kann doch dem in dieser Beziehung vom Geschick schlecht Bedachten es einstweilen schon helfen, wenn er auch innerhalb seines Stubenlebens alle Möglichkeiten zur Gesundheitspflege ausnützt. So wird eine zu enge Wohnung durch fleißiges Lüften, durch Schlafen bei offenem Fenster erweitert und gesundheitsgemäßer gestaltet. Systematische Tiefatm'ung am offenen Fenster wird hier noch eingreifender unterstützen, besonders des Morgens und am späten Abend, wo die äußere Luit noch nicht oder nicht mehr von Staub und Unreinlichkeit fo sehr erfüllt ist. Daß man bei der Wahl der Wohnung streng darauf wird achten müssen, daß die Wohnräume oder wenigstens ein Teil reichlich von Sonne durchflutet werden, versteht sich von selbst. Denn es ist statistisch sestgestellt, daß schlecht durchgesomtte Wohnungen Brutstätten von Krankheiten sind. „Wo die Sonne nicht hinkommt, kommt der Arzt hin!" ist ein altes Sprichwort. Nachdem durch Professor Rollier (Leysin, Schweiz) bewiesen worden ist, tvclch unerhörten gesundheitlichen Einstuß die Sonne selbst den schwersten Krankheitssormen gegenüber ausübt, ist es selbstverständliches Gebot, daß man diese Heilwirkung durch fleißige Sonnenbäder soviel wie möglich ausnützt. Ist es nun einem Menschen unmöglich, daß er sich in einem öffentlichen Sonnenbade den Segnungen des Lichts aussetzt, fo suche er auch hier durch Stubensonnenbäder sich zu Helsen. Wenigstens lassen sich doch Teilsonnenbäder, also Bestrahlungen einzelner Körperteile, auch bei beschränkter Zeit und unter den ungünstigsten Berhällnissen ermöglichen, wenn nur Verständnis und guter Wille da sind. Doch sei bemerkt, daß Bestrahlungen durch die Fenster keinen Wert haben, weil das Glas die ultravioletten, das sind die eigentlich wirksamen Lichtstrahlen, verschluckt. Eine vernünftig gewählte Kleidung, die trotzdem ganz billig sein kann, wird die Ausnützung der Sonnenstrahlen im Aufenthalt beim Gehen auf der Straße noch unterstützen. Ein großer Fortschritt wäre es, wenn man allgemein hellfarbige (weiße) und möglichst poröie Kleidung tragen würde. Weiße Farben lassen die ultravioletten Strahlen und poröse Stosse die Ausdünstungen durch, während dichtgewebte Stoffe die Haut zu sehr von der Lust äb- schließen und dunkle Farben ähnlich wie Glas die chemisch wirksamen Strahlen verschlucken. Besonder? die rote Farbe verschluckt sie fast völlig. kk. D i e K u n st, billig u m zuziehe n. Herr Döske muß ziehen. Der Hauswirt hat ihm gekündigt. Nach langem Suchen und Streifen hat man endlich eine neue Wohnung entdeckt. Ta, ain Tage des Umzugs, fällt Frau Döske plötzlich ein, daß der Möbelwagen nicht bestellt ist. „Aber, mein liebes Männchen, was machen wir nur! So ganz ohne Möbelwagen!" Herr Döske lächelt pfiffig, nimmt eiligst Stock und Hut und stürzt von dannen. Geradenwegs in die „Höhle" eines bekannten Geldverleihers hinein. „Guten Tag l Ich bin Herr Döske und wünsche 3000 Mark." — „Was? 3000 Mark? Ich leihe nie (Selb ohne Sicherheit." — „Die sollen Sie auch haben, mein Lieber. Ich schicke Ihnen meine ganze Wohnungseinrichtung als Unterpfand." — „Wohnungseinrichtung? Nun, wenn sie bei mir lagert . . . Ja, gut, und die andere Seite vom Geschäft?" — „Ach! Was die anbetrifft, so werben wir wohl einig werben. Ich biete Ihnen ein brittel Prozent Zinsen pro Tag." — „Hm, hm! ein drittel Prozent.! das macht 122 Prozent pro Jahr. Gut!" — „Aber noch eins! Wissen Sie, der Gerichtsvollzieher kann sich jeden Singen- blick einstellen und ich glaube, Sie tun am besten, wenn Sie die Sachen staute pede abholen." — „Abgemacht! Adieu!" — „Adieu." Herr Döske eilt mit seinen 3000 Märklein in bet Tasche bavon. Arn nächsten Tage spricht Herr Döske beim Gelbverleiher wieder vor. „Guten Tag. Hier finb 3000 Mark zuzüglich 10 Mark Zinsen. Wir hatten ja abgemacht, ein drittel Prozent für den Tag. Stimmt? ? Also, nun möchte ich meine Sachen wieder heraushaben. Bringen Sie sie mir jetzt nach meiner neuen Wohnung. Ich bin nämlich umgezogen." So kam es, daß Herrn Döske der Umzug nut 10 Mark kostete. Am Tage darauf hat Herr Döske aus Grund dieses Vorfälle? seinen Namen ändern lassen, da er ihm jetzt deplaziert erschien. Er heißt jetzt Pfiffig. * Kctstengei st. Als zwei Studenten auf der Stadtbahn, um noch wttznkommen, in die dritte Wagenkiasse einspringen, tritt der noch unbeholfene Fuchs einem Fahrgast auf den Fuß und entschuldigt sich so korrekt und höflich, wie er es von seinem ehrenfesten Leibburschen frisch gelernt hatte. Mit unverkennbar offizieller Miene zieht dieser ihn sofort zu sich heran und flüstert ihm belehrend zu: „In der dritten Klasse, lieber Fuchs, brauchst du nur „hoppla" zu sagen." * G e su nd e Jun g en. Franz: „Du, Oskar, meine Großmutter hat mir eine Uhr geschenkt." — Oskar: „Donnerwetter, da muß sich doch gleich hingehett und meine Großmutter fragen, ob sie auch meine Uhrgroßmutter werden möchte." * Guter Rat. „Ich möcht' meinen Sohn Beamter werden lassen, nur die Beförderung ist so schlecht!";— „Da bringen Sie ihn doch bei der Sttaßeirbahn unter, die befördert doch täglich über hunderttausend Personen!" * Boshaft. Herr: „Weshalb haben Sie denn Ihren Lehrling wieder davongejagt?" — Wein Händler: „Der Lausbub hat, statt auf die Kisten, auf die Weinflaschen Zettel mit der Aufschrift „Vorsicht" aufgeklebt." Rätsel. Bestie — Bundesrat — Denar — Despot — England — Gebot — Glückskind — Istrien — Weide — Wiedenbrück. Die vorstehenden Wörter sind derart zu ordnen, daß die Anfangsbuchstaben hintereinander gelesen ein Zitat auS Goethe'? „Iphigenie" ergeben. Auflösung in nächster Nummer. Auslösung des Geographische!» Verschiebratseis in voriger Numnter: Kreta Portugal Copland Schlesien Japan Böhmen Sechsen Argentinien Verfielt China Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversttätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»