LsS MittWsch, den 24. LepLember ♦ 1^4- ’T^mhücH' «■ Ll WW u K- sKW I N ■ D M Vom Pikkolo zum Millionär. Heitere Erzählung von Harry Nitsch. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Madame Jarnaux empfing ihn mit mütterlicher Besorgnis, packte seine Reisetasche aus, kochte ihm frischen Kaffee und erkundigte sich teilnehmend nach dem Erfolgseiner Reise. Erst als er es sich vollständig bequem gemacht hatte, brachte sie ihm drei Briefe, die während seiner Abwesenheit eingegangen waren. Doch ehe die freundliche Dame fie ihm übergab, strich sie Erich mit einer mütterlichen Regung über die braunen, welligen Haare, welche sich nur schwer durch einen Scheitel bändigen ließen, und sagte mit einem besorgten Blick auf sein abgespanntes, trauriges Gesicht: „Wollen Sie die Briefe nicht lieber erst morgen lesen, Herr Sanner? Ich glaube —- ich fürchte — ich glaube, es sind keine erfreulichen Nachrichten, mir ist es so. Es ist zu Hause wohl nicht alles so, wie es sein sollte, ich fürchte es —" 1 Erich sah die Frau ganz entsetzt an: „Frau Jarnaux, — meine Mutter--Sie wissen — ■— — sie ist krank, sie ist tot, oh Gott, reden Sie doch, geben Sie mir doch die Briefe!" Erich war vom Kaffeetisch aufgesprungen und stand zitternd in Aufregung und Herzensangst vor Frau Jarnaux. Diese strich ihm immer wieder über das Haar, dann sagte sie halb schluchzend: „Sie armer, armer Junge." Erich stürzte sich auf die Briefe, welche ihm Frau Jarnaux endlich, immer noch zögernd, reichte. Gleich der erste war sein eigener Bries an die Mutter, den er ihr nach seiner Entlassung aus dem „Orientale" schrieb. Fassungslos starrte er auf das kleine Kuvert und drehte es unwillkürlich auf die Andere Seite. Plötzlich drang ein wilder Aufschrei von Erichs Lippen, dann faßte er mit beiden Armen tastend in die leere Luft, und schlug schließlich vor den Augen der ganz entsetzten Frau, welche sich vergebens bemühte, ihn zu halten, schwer und dröhnend auf den Fußboden. ; Als Erich wieder zu sich kam, lag er in der Laube im Garten auf einem bequemen Sofa. Herr und Frau Jarnaux sowie seine Mitschüler bemühten sich um ihn und betrachteten den jungen Mann mit teilnahmsvollen Blicken. Mit großen, angsterfüllten Augen starrte Erich auf Fran Jarnaux, als wollte er bei ihr Trost und Hilfe suchen, dann aber schlug er beide Hände auf das Gesicht und brach in lautes, trostloses Schluchzen aus, „Tot, mein liebes, einziges Muttchen tot, einsam und verlassen gestorben." Man ließ den armen Jungen sich ausweinen, Tränen erleichtern mehr, als noch so liebevolle Trostestvorte. Endlich richtete sich Erich auf, hilfreich von Frau Jarnaux unterstützt. Sein Blick fiel auf die Briefe, die neben ihm auf dein Tisch lagen. Er griff danach, nnd hielt wieder seinen eigenen, letzten Brief in der Hand, in welchem er der teuren Mutter sein ganzes Herz ausgeschüttet hatte. Auf der Rückseite des uneröffnet zurückgekommenen Briefes stand: „Adressatin heute gestorben. Schulz, Briefträger." Langsam, zögernd, öffnete Erich den zweiten Brief, dessen Poststempel Frohwinkel lautete. Er war von Herrn Rose, seinem Paten, der auch zugleich sein Vormund war. Der Brief enthielt nur wenige Zeilen in sehr geschäftsmäßigem Stil: Lieber Erich. Hierdurch muß ich Dir die betrübende Mitteilung machen, daß Deine Mutter vor drei Tagen ganz plötzlich an einem Herzschlag gestorben ist. Sie war zwar schon einige Tage kränklich, aber es ahnte doch niemand, daß es so schnell kommen würde. Ja, rasch tritt der Tod den Menschen an. Ich konnte es Dir leider nicht früher Mitteilen, da ich geschäftlich zu sehr in Anspruch genommen war, aber es schadet ja a'uch nichts, solche Unglücksbotschaften erfährt inan immer iioch früh genug. Heute haben wir sie beerdigt, und habe ich einen sehr schönen, teueren Kranz geschickt, selbstverständlich, leider wurde ich selbst in letzter Sekunde verhindert. Du mußt Dich nun allein durch die Welt schlagen, mein Junge, beim auf mich kannst Du nicht rechnen, das weißt Du. Ich habe selbst Kinder. Der Nachlaß Deiner Mutter deckt wahrscheinlich gerade die Begräbniskosten, sollte aber doch noch etwas übrig bleiben, so werde ich es Dir getreulich aufheben, bis Du mündig bist. Nun lebe wohl, lieber Junge, trage Deinen schweren Verlust als ein Mann, und denke, es gibt ein Wiedersehen. Mit freundlichem Gruß H. Rose. Erich las den herzlosen Brief mit zuckenden Lippen, dann legte er ihn mit einem bitteren Gefühl int Herzen auf den Tisch zurück. Der dritte Brief war größeren Formates, ziemlich schwer und trug Hedwigs Handschrift. Langsam, zögernd, öffnete Erich auch diesen. Eine Photographie, von einem Kranz lebender Vergißmeinnicht umwunden, fiel ihm entgegen. In alter, sonniger Heiterkeit strahlten ihn die schönen Augen der Geliebten an, der Mund war halb geöffnet, als wollte er Erich ein liebes Wort, eine holde Zärtlichkeit zuflüstern. Lange blickte Erich auf das Bild der Geliebten. Seine Augen waren ernst und schwere Tropfen hingen an den Wimpern. Herr und Frau Jarnaux und seine Mitschüler waren leise davongeschlichen; sie ließen den armen Jungen allein, der an einem Tage die beiden teuersten Wesen, das Liebste auf der Welt, verloren hatte. * Mehrere Monate waren vergangen,. In den Straßen Londons, am Strand, wo die modernen Hotelpaläste in den Himmel ragen, herrschte trotz des dunstigen Nebels reges 594 Und. ..... Freund Hier, Ihnen I m dlugcn leuchteten auf und ungestüm hielt er dem Großen die Hand hin: I „Bitte, ach bitte, helfen Sie mir, daß ich hier nicht zu Grunde gehe." Der Große nahm die Hand und schüttelte sie kräftig. I Darauf fuhr der Kleinere fort: „Mein Freund bleibt stumm, weil er nur wenige Brocken dcunch spricht. Aber er versteht uns. Mister Sherman ist Placeur, er hat immer einige Stellen in feine Häuser zu vergeben. Bei seinem guten Herzen bevorzugt er möglichst solche junge Leute, die in Not sind und nur noch wenig Mittel haben Soeben erzählte er mir, daß er für ein sehr feines I Boardinghouse einen tüchtigen, jungen deutschen Kellner zu I besorgen habe. Wollen Sie die Stellung? Haben Sie Ihre I Papiere bei sich?" I . . Erich ^wurde bald blaß, bald rot. Fieberhaft wühlte er I feinen laschen und brachte endlich mit zitternden Hän- I den seine Papiere hervor: „ "Ah, wenn Sie mir die Stellung geben wollten, ich Ware Ihnen ja so dankbar —" m ^c'Ttc Stimme brach und Trauen traten ihm in die Augen. , besprach sich der Kleine mit seinem Freund, der dli^ Papiere durchsah und daun mit dem Kopfe nickte. "Aszollen die stelle für achtzehn Shilling haben. Myter Sherman gibt sie Ihnen zu Liebe so billig ab,-ob- gleich jeder aridere mindestens zwei Pfund beanspruchen wurde. Aber er unterstützt gern arme Teufel. Also, wollen Lie die achtzehn Shillinge zahlen?" „Gern, wenn ich die Stellung bestimmt bekomme." „Die haben sie, sobald Sie das Geld zahlen. Mein Freund hat den festen Auftrag, eineu jungen Manu zu schicken. Wen er schickt, der ist engagiert, denn die Kunden meines Freundes haben ein unbegrenztes Vertrauen zu ihm." ~ . Der Größere nahm inzwischen einen Notizblock aus der Tasche, schrieb etwas darauf, riß den Zettel ab und hielt ihn Erich hm: „Hier ist die Adresse des Boardinghouses uud die Mit- tcilung meines Freundes au Miß Humbler, feine Kundin, baß Sie der bestellte junge Kellner sind. Mehr ist nicht notig." Freudig bewegt dankte Erich dem jovialen Herrn, zog dann sein Portemonnaie und reichte dein Großen fein letztes Geld. Dieser betrachtete es von allen Seiten uud steckte es dann mit einem leisen Murmeln ein. Der Kleine erklärte Erich darauf noch den Weg, den er eiuzuschlageu habe, um zum Lt. Johns Road, an dem sein neuer Wirkungskreis liegen sollte, zu gelangen, uud danu entfernten sich die beibcit Männer. Erich blickte beit hastig Ausschreuendeu noch mit dankbaren Blicken nach, dann kehrte Os .um und suchte die angezeigte Straße. Es kostete ihn einige Muhe, sie zu finden, doch da fein guter Stern ihm wiederholt Deutsche in den Weg führte, die er befragen tonnte, fo langte er nach einigen Irrfahrten endlich am St. Johns Road in East Ham an. (Fortsetzung folgt.) Leben. In den stilleren Seiteustraß«? dieses Hotelviertels haben die vielen deutfchen Hotelaugestellten, die der Sprache und des vornehmeren englischen Services wegen die Metropole Great Britains aufsuchen, ihre Klubs. Dort wohnen die Stelleuvermittler, ohne welche die Hotelleiter nicht existieren zu können scheinen, denn seit Alters her ist es überall Brauch, das Personal fast nur durch derartige Vermittler zu engagieren. Die jungen stellenlosen Leute müssen tüchtig bezahlen, wenn sie eine Stellung suchen. Eben trat aus dem Bureau eines solchen, übelbeleuuiun- deten Vermittlers ein junger Mann. Sein offenes, freundliches Gesicht mit den braunen, blitzenden Augen, die wie blank geputzt aussahen, war blaß, um den hübschen roten Mund schwebte ein trauriges Lächeln. Es war wieder nichts. Gestern hatte ihm der Vermittler ganz bestimmt eine Stellung versprochen, heute gab er sie einem Neuzugereisten, der noch frisch bei Kasse war und zwanzig Mark mehr als Erich Sanner bezahlen konnte. Erich Sanner war mit dem letzten Rest seiner Ersparnisse nach London gereift, als er die französische Sprache genügend beherrschte. Er hoffte bald Stellung zu finden, doch leider sollte er sich bitter täuschen. Der Andrang von jungen Leuten — „Vaterländer" werden die frisch Dom Kontinent kommenden Kellner von ihren erfahreneren Kollegen genannt — war in dieser Jahreszeit^ immer sehr groß, die Stellen daher rar und teuer. Erich Sanner wurde von seinen glücklicheren Konkurrenten meistens überboten. Seit ziemiich'vier- zehn Tagen bummelte er schon, antichambrierte bei den Stel- lenvermittlern, und hockte in den deutschen Klubs, die viel- wch englischer in ihren Sitten und Gebräuchen sind, wie die Klubs der Engländer. Erich sand hier die Bestätigung des oft gehörten Spottes, daß der Deutsche, wenn er ins Ausland kommt, nichts so leicht und schnell sich aneignet wie j fremde Gewohnheiten. Am meisten wunderte sich Erich über j die engliich gewordenen Vornamen seiner Kollegen, denen | man doch den Deutschen schon ans zehn Schritte anfah. Doch allmählich hinderten die immer näher herauschlei- chenden L-orgen den jungen Erich, solchen Betrachtungen nachzuhaugen. Lein ganzes Denken konzentrierte sich nur uoch darauf, bald Stellung zu finden, um auf der fremden Erde nicht zu verhungern. Als Erich mit sichtbaren Zeichen einer beginuenden Ver- I zweisliing aus dem Hause des hartherzigen Stellenver- I Mittlers trat, den man in intimen Kreisen den „Seelenver- I faitfer" nannte, standen an der nahen Straßenecke zwei Männer tm eifrigen Gespräch. Der eine war groß und hager, sein Gesicht war bleich, e£ hatte die schmutzige Farbe derer, die ausschweifend die Nacht zum Tage machen, ober die viele Zeit ihres Lebens hinter geschloffenen Mauern — Kerkermauern ----- verbrachen. Der Zweite war mittelgroß, ziemlich stark, fein nut- pes, freundliches Gesicht hatte einen jovialen Zug und mir m den halbverschleierten, hinter den Lidern fast verborgenen Augen lauerte ein falscher, böser Blick. .. die beiden Erich Sanner erblickten, verstummten sie plötzlich und sahen sich an. Der Kleinere schnitt eine Gri- Ulasse, worauf der Große, lebhaft nickte. In diesem Moment IwltL Ln Gedanken versunken vorüber. Da fühlte er rn"blich eine Hand auf seiner Schulter, der kleinere der bei- I beit Manner redete ihn freundlich lächelnd au — in deutschen I Muten, die Erich wie ein Gruß aus der fernen Heimat aus MN. Seme englischen Kenntnisse waren noch so mau- I gelbaft, daß er sich mit Engländern nicht verständigen konnte. „Warum so traurig, lieber Landsmann?" fragte der Fremde. I Ein verlegenes Lächeln huschte über das Gesicht des schlanken Jünglings, dann erwiderte er leise: "Meine Mittel sind zu Ende und ich finde keine Stelle." I Ihrer Kunst?"mir ®ic ^on Sanz am Ende j Der lateinische Körster. Humoreske von Fritz S k o w r o n n e k. ~ J^n Beinamen hatte ihm der joviale Oberforstmeister von Dewall gegeben, der, selbst ein Original, die Eigenart anderer Menschen zu ichatzen wutzte, selbst wenn sie sich so drastisch äutzerte wie bei dem alten Graubart, dem Förster Grumbach, der nun Mon langer als cm Menschenalter ans der abgelegensten Försterei der Tuchler Heide säst. Sein nächster Vorgesetzter, der Forstmeister Braun, hatte es manchmal schwer, mit ihm auszukömmen, denn Grumbach war nicht nur knorrig und zäh wie eine Eiche, sondern er stand auch ebenw unbeugsam seinen Vorgesetzten gegenüber, wenn er seine Anstchten, die er für die richtigen hielt, gegen sie verfocht. So hatte Grumbach sich geweigert, die neuen Pflanzeisen, die als Awas ganz Vorzügliches eingeführt waren, in Gebrauch zu nehmen Es hatte erst einen „protokollierten Rüffel", dann eine Ordnungsstrafe gegeben, jedoch ohne Erfolg; der Graubart blieb seiner alten Methode treu, nut der er die besten Bestände der ganzen Heide erzogen hatte. 3 «U -^^Oberforstmeister der selbst die neuen Pflanzeisen kon- ^LbrzLatte, nahm die Sache nicht tragisch. Er fand auch die beste Lvfmig des Konflikts, indem er einen Forstaufseher nach d^Mbrn'h forderte, ber bte Kulturen nach der neuen Method« ausführen sollte. „Ich habe nur noch achtzehn Shillinge." "§0' w-Sw find Kellner, nicht wahr, junger Freund?" bor vierzehn Tagen aus der Schweiz ge- fannTe üi^L ffe?s0aix’ Ich hoffte Wohl einige Be- I^"Ahwr m finden, die tnt „Trocadero" und im „Royal" gearbeitet^ 646en, leider waren sje aber kurz vor tsteiner Amk Deutschland Mrückgekehrt." !®r Eepl, ' erwiderte der kleiux Behäbige bebau- enn Sie tpollsn, kann ich, öder richtiger mein 695 | . könnten Sic recht haben," erwiderte sie ernst k,„„ SB §Ä Ä KL.'LKW LVMV gjfS'ÄÄ sftüfe LLL» {3® F/ kräftigem Händedruck Abschied nahm Er batte "Herr Kollege Grumbach?" K°ff5k'Lr"L?LLffL «em™« NWW«r I « P?a „henn bestellen Sie dem Förster dak ilb istn ?Äl«ÖÄ"Ä*Kit ** W’n ® fe«.l?“lS?S.aS ®rä"°* ter "» ®>«6 em. MMM2LI Mrs wfö fuyvun nicyr aufs Maul gefallen zu jein. M^^k-rufseher eine Stunde später nach einem Gana durch den Wald wieder tm Forsthaus vorsvracb wurde er nn« L-n. Herrn Förster in voller Uniform meldet ! ^r Kulturarbeiten y ’ k Sie sollen mich überwachen?" s',.xSttk 6/auoe mrch deutlich genug ausdedrückt ru VctWxt hnfi 'L die Kulturarbeiten zu leiten und zu überwachen habe Ä e^.£, öo?'t.nln' öu morgen früh nach Jagen 17 den Holzmeister Äun."9(r6etter mtt ^°dhacken und den neuen Pflanzeistii zu "nr gar nicht ein. Das ist Ihre Sache" zu übergeben!"^ fu,b ber Revierbeamte und haben mir diedArbeit -n dJ?s",AZ,«"l°-?»' *”* W ■* ** * N*** ... "Das fällt mir wieder nicht ein. Ich meine zwei Kolleaen die W?nd"zu^gehen^ beabsichtigen, mit dem Kopf durch Jetzt lachte der Graubart los, ein lautes dröhnendes SWwn Ich Ä S 65? L°, E ES? * ssÄÄ'ft; litAßMig!* »’*'< * "Das wird ein müßiges Vergnügen werden." ^Das geht Sie doch nichts an, Herr Förster." angLden?" bCr ®Iöu6art "Sind Sie immer so kurz ,, ffs war kein angenehmer Auftrag für den bisherigen Forst- schreiber Erich Zuhlke, der bis dahin auf einer Oberförsterei NO« von Thorn ein sehr gemütliches Leben geführt hatte Der Forstmeister in Tnchel, bet dem er sich zum Dienstantritt! «-»^0»^^^ 'hn schonend darauf vor, daß der alte Grumbach wenig, freundlich empfangen und behandeln würde. Das sür^diestn^m^ '"k ^n. Forstschreiber Graf erzählen, den er für diesen Zweck auf einige Stunden beurlaubte. als mal los," meinte Zühlke resigniert, faßen 6etbcn ®runrocfc lm Schwarzen Adler Bei einem Schoppen ^brst: mit dem Grumbach ist nur auszukommen, wenn man ihn nach seiner eigenen Manier bedient. Das heißt, man muß keine seiner Grobheiten unerwidert lassen. Und vor 2a e«.amu® Jna? Wkts vor ihm auf der Hut sein, denn er versteht es ausgezeichnet, andere zu foppen oder ihnen einen Schabernack zu spielen. „Schön. Aber sagen Sie mal, Kollege, ob ich bei Grumbach Aufnahme und Verpflegung finden könnte." Ann,««6“1 Godsmke daran! Sie werden ihr Domizil im Dorfkrug ausHort" mimen. Das Dorf ist ein Haufen elender Parowken fm snii$' r« Kaschnben bewohnt, und der Krug bleibt völlig im Bilde. Grumbach haust ganz allein mit seiner Tochter Laura Ehe,^ einer mürrischen alten Jungfer, die schon sehr S Schneider ist. Außerdem hat er noch eine Tochter ettva zwanzig Jahre alt sein kann. Die <8.-» übel, ich habe sie noch hier in Tuchel zur Schule gehen gekomme^ "b X t 1C rooI) üll§ bem Walde unter Menschen I „Nur wo es nötig ist." «xwNWp' — fCr - ”» -» «*> * ml» "Es hat bis jetzt gestimmt." In der Folge ^ stimmte das Bild nicht. Grumbach beüielt den Kollegen zum Abendbrot bei sich und erfreute ihn durch ein ?e8te! es "zub glaübem"^ b“6 ein Änn rtIWrt kaum W Am nächsten Tage, als die Arbeiter Mittag machten, kam Grumbach und mit ihm Fräuzchen, die einen umhüllten Paartopf Ung Erich hatte gerade ein Stück Brot und Speck aus dem BietertOfönnenmmen' ba§ etni'9e' was der Dorfkrug ihm hatte „Wir können Sie doch hier nicht hungern lassen," meinte Grumbach lachend. „Setzen Sie sich mal auf den Stubben und nehmen cne den Paartopf auf die Knie. Es sind zwar nur Bohnen "nt y^!sw?wlstetsch, aber mir haben Sie großartig geschmeckt." . Auf der Oberforsterei war des Staunens kein Ende, als Erich bei einem dienstlichen Besuch erzählte, daß Grumbach ihn selbst em geladen habe, tnS Forsthaus zu ziehen, und daß er dort sehr gut verpflegt wurde. Daß Fräuzchen bei allem die treibende .Kraft er, Arsch daß ihm das herzige, liebe Mädchen w, langer, desto besser gefiel. Und er glaubte auch bereits zu totfien, daß er ihr nicht ganz gleichgültig wäre. . Frauzchen hatte ihm regelmäßig das Mittagessen int Paar- topf auf die Kultur gebracht. Daun hatte er sie stets auf dem Ruawege bis dicht au das Forsthaus begleitet. So hatte es sich augesponuen, und bei derselben Gelegenheit war das entscheidende Wort gefallen, das zwei junge Herzen aneinander bindet. - - Aw altere Schwester, ein stilles, freundliches Wesen, wurde mv Verttauen gezogen, eie riet von einer sofortigen Bewerbung beini Vater ab, eie Wolfe erst mal vorsichtig sondierest , t . „Weshalb heißt Grumbach denn der lateinische Förster?" Y., Der..Forstschreiber lachte laut auf. „Weil er ein so fürchter- luijej Jagerlatein spricht. Am besten sind seine Schnurren von Li' or wdes Jahr mehrere aufführt. Im vorigen Jahre hat er e wiLi§kuckchen geleistet: Wir haben hier am Amtsgericht bekim ® .W'goda der eine ganz phänomenale Nase ? statt ichen Gurke, leuchtet in allen Farben von Kupferrot bis Trefviolett und trägt meistens noch Ableger b t qbef. "ber. fein Riechorgan sehr unglückliche Mann von Zeit zii Zeit operieren lassen muß. „Das muß ja eine ganz merkwürdige Nase sein." „jawohl. Al,o eines Tages sitzt Grumbach mit mehreren Herren hier auf der Veranda des „Schwarzen Adler" als Miaodo 'E verbundenem Gesicht vorbeigeht. „Was mag dem Wigoda Mitt». S’A" her vor kurzem zugezogene Rechtsanwalt. „Wissen Sie das nicht?" erwidert Grumbach ernsthaft. „Seine fäbrt nr^/nre ertwjblra' Allgemeines Erstaunen. Grumbach fahrt rnhig fort. „Neulich, nach dem Forstgerichtstag fviel ich "in bem Erster Kloß Skat. Wie Sie wissen, raucht "Ur, sondern er schnupft noch ganz entsetzlich Ä Ä jeSeYY e leer schickt rum zum Kaufmann und laßt sie frisch stillen. Der SajNiefke ist ihm nicht stark aenua er füttert olfo feine Nase noch häufiger als sonst. Plötzlich gibt es A'wn Knall . Wigoda fällt mit blutüberströmtem Gesicht vom Denken Sie sich, meine Herren, ber Kommis hatte ihm statt Schmefke Schießpulver eingefüllt . . . Einige Körner waren in leinen struppigen Schnurrbart gefallen und hatten sich an dem Zigarrenstummel entzündet, den er rauchte..." . Es gab ein großes Gelächter, als Grumbach geendet hatte w eD erhoben ,ich ,ogar Zweifel an der Richtigkeit der Geschichte' Aber Grumbach hatte sich schon mit dem Doktor Findeisen der auch kein Spaßverderber ist, durch einen Blick ins Einvernehmen gesetzt und fuhr mit tiefem Ernst fort: „Fragen Sie doch hier den Herrn Doktor. Der hat Wigoda operiert und verbunden " I Arzt..konnte es mit gutem Gewissen bestätigen, denn Wigoda hatte sich tat,achlich von ihm operieren lassen In ganz I Tnchel gab es m den nächsten Tagen ein großes Gelächter über Vorfall °befragt ^^'"""b 9$'fl°blt wurde täglich zehnmal über den I i(f) ^rklich neugierig auf den lateinischen Förster," I meinte Zuhlke. „Mit dem werde ich schon fertig werden." I . ,^eich nach Mittag fuhr der Forstaufseher mit einem ae- mieteten Einspänner nach Bärenbruch. Er ließ vor dem Dorfkrug I Mten und fragte die Wirtin, ob sie ihm Quartier geben könnte Buerft war die Fran aufs höchste überrascht, und dann schlua I via eundwcg ab. Aber Zühlke ließ sich nicht abweisen. Er sah I M hie kleine Giebelstube an, erklärte sic für sehr schön und aus- I llck^Dwns/tt-'i^n ’°r"0l't fri" Gepäck hineinschaffen. Dan» zog er 'ich Dienstkleidung an und ging zur Försterei. I verschlossen. Nach langem Pochen fragte eine weibliche stimme hinter der Tür, wer da wäre I Verg'Aen?" bCr 3Mta"Wr Zuhlke. Mit wem habe ich das Er hörte ein lustiges Lachen, der Riegel wurde zuriickoc- schobcn, dw Tür öffnete sich, und vor ihm stand ein reizendes I tu" treten ',bCr,Cn' böS " bur^ e'ne Handbewegung einlud, näher | d-° S«l- „Jawohl, mein Fräulein. Ich muß wohl sagen: leider!" I 59S Der Versuch war nngiinstig ausgefallen. Laura hatte von dem Vater Geld verlangt, um einige Stück Leinwand zu kaufen, mit der Begründung, mau müsse doch etwas Vorsorgen, trenn Fränzchen mal heiraten sollte. Der Alte haue unwirsch geantwortet, er denke nicht daran, seine Tochter eiitpt fremden Kerl zur Frau zu geben. Der Sommer ivar vergangen, Erich erwartete seine Versetzung, denn er stand dicht vor der Berufung zum Forster. Da ereignete sich etwas, das dem Forstmeister den Anlast gab, Grumbach zwangsweise zu pensionieren. Ein Strich Wald war im Sommer von der Nonne befallen und abgetrieben worden. Nun kamen die Händler von tveit und breit, nm sich das Holz anzusehen und meistens zu der Zeit, wenn der Graubart hungrig und müde ans dem Wald gekommen tvar und nach dem Essen „über den Dienst nachdenken" wollte, tvie er sein Nachmittagsschläfchen nannte. Als dieser Fall wieder einmal eintrat, überreichte Grumbach dem Händler ein geladenes Gewehr und hing sich selbst das zweite um. Auf die erstaunte Frage, n>as das bedeute, erwiderte er, aus einer herumzichenden Menagerie sei eine wilde Bestie, wahrscheinlich eine Hyäne, entsprungen, die sich jetzt in der Heide herum- treibe. Erst gestern habe sie ein alteS Weib bis auf Kopf und Füße aufgefressen. < i Der Händler verzichtete auf die Besichtigung des Holzes und Uhr eiligst davon. Nach zwei Tagen stand die Schauermär in allen Blättern der Provinz. Der Forstmeister erhielt sofort eine Anfrage von der Regierung, ob er noch nichts zur Beseitigung der Bestie getan habe. Nötigenfalls würde man ihm eine Kompagnie Soldaten zur Verfügung stellen. In seiner Antwort beantragte der Forstmeister nicht nur eine Ordnungsstrafe gegen den lateinischen Förster, sondern auch seine Pensionierung. , Das war ein Schlag, der den Graubart sehr hart traf, denn sein Herz hing an dem Walde. Dumpf brütend saß er Tag für Tag an seinem Schreibtisch. Da faßte Erich mit sicherem Blick den richtigen Entschluß. Er meldete sich zu der freiwerdenden Stelle Bärenbruch. Nach acht Tagen hatte er seine Ernennung. „Lieber Kollege, ich habe soeben meine Berufung als Ihr Nachfolger erhalten. Ich möchte Ihnen beit* Vorschlag machen, daß Sie bei mir wohnen bleiben." „Ach Unsinn, das erlaubt die Legierung nicht." „Wir brauchen sie gar nicht zu fragen, wenn ich Ihr Schwiegersohn werde und Fränzchen heirate." Der Graubart sah den Kollegen einen Augenblick sprachlos an. Dann sprang er auf und umarmte ihn. „Mensch, Zühlke, Erich... ja, das geht. Fränzchen, komm schnell, du wirst den da heiraten!" Folge ist: Verhinderung garstiger Runzelbildung. Wie oft äußerlt sich Europäer entzückt über die regelmäßigen, schönen Gesichtszüge aller Chinesen! Sie danken sie dem Zopf, durch den ein frischer freier Kopf bedingt wird. Im übrigen ist zu ermessen, daß eine ungehinderte Blutzirkulation auch nicht ohne Einfluß auf die Ernährung und damit auf die Entwicklung des Gehirns sein kann/ mithin auf di? Intelligenz. Der lange Zopf des Chinesen ersetzt jede Kopfbekleidung; zusammengerollt schützt er gegen die stärkste Sonne und gegen den schlimmsten Frost, die starken Staubstürme aber, die den Europäer so arg belästigen, werden von dem rasierten Chinesenschädel, der sich leicht waschen läßt, nicht so qualvoll empfunden. Mancher seiner chinesischen Patienten hat Dr. Budberg gEagt, daß ihm, seit er den Zopf nicht mehr trägt, der Kopf schmerzt und benommen ist. Die alten Hygieniker, die das Zopftragen vorschrieben, sind aber auch Aestheten gewesen. Der Zopf verleiht dem runden Schädel des Chinesen einen freien Ausdruck, die eigentlich niedere Stirn erscheint hoch. Aber die hygienische und ästhetische Bedeutung des Zopfes wird noch übertroffen durch seine politische. Ein ungeheures Konglomorat von verschiedeurassigen Völkerschaften wurde durch dies eine Kennzeichen zu einem nationalen Ganzen verbunden. Der Zopf fällt — und es ist kein Zufall, daß zur selben Zeit das große Reich zusammenbricht. humoristisches. * Der unschätzbare Dien st. „Mr. Schrimple," sagt der Großindustrielle zu dem jungen Rechtsanwalt, „ich möchte Ihre unschätzbaren Dienste in Anspruch nehmen." „Hocherfreut," entgegnet Schrimpfle strahlend, „was kann ich für Sie tun?" „Ich liege mit einer Konkurrenzfirma in einem schwierigen Prozeß, und da möchte ich Sie bitten, die Gegenpartei zu vertreten." * Die Abhilfe. „Nein, Herr Wirt, so geht es nicht länger," klagt der entrüstete Mieter, „Ihr Haus ist zu zugig.. Wenn ich in der Mitte eines Zimmers sitze, so weht mir mein Haar ganz übers Gesicht. Wie kann man dem bloß abhelfen?" „Ja, da wird mir nichts anderes übrig bleiben," antwortet dev Wirt nachdenklich, „als Ihnen auf meine Kosten die Haare schneiden zu lassen." t * Der Nörgler. Er war noch nie im Theater, nun sieht er zum erstenmal, in einer „BolksÄorstellung", eine Oper. „Run natürlich!" sagt er ingrimmig nach den ersten Chören und dem großen Quartett, „Urs Volk ist alles gut genug, nun singen sie alle auf einmal, um früher fertig zu werden." Der Zopf. Der Zopf, der hängt ihm hinten. Wem? Dem Chinesen? Nein, wenn wir mit diesem Sprichwort den unbelehrbaren Philister treffen wollen, so ist es in diesem Falle der symbolische Zopfträgep der Europäer, der sich über die uralte chinesische Sitte lustig macht. In früherer Zeit haben Unwissende und in neuerer Zeit gute Geschäftsleute der Welt vorgemacht, der Zopf des Chinesen sei nichts als ein lächerliches Attribut sklavischer Gewaltherrschaft. Leider haben in den letzten Jahren diese guten Geschäftsleute den Sieg behalten: der „moderne" Chinese hat sich den Zopf abgeschnitten und dafür eine Mütze loder einen Hut gekauft und, um konsequent zu sein, eurvpäische Kleider angezogen. Diese Verwandlungskünste scheinen beim ersten Anblick Nur Äeußerlichkeiten zu sein: in Wirklichkeit sind durch sie die staatlich-gesellschaftlichen Grundlagen Chinas Äufs schwerste erschüttert. Den Unwissenden und den allzu guten Geschäftsleuten sei ein Aufsatz Dr. Bergs' in tzaMn empfohlen, der, in der 7,Deutschen medizinischen Wochenschrift" erschienen, vielleicht zum erstenmal mit dem entsprechenden Ernst der Zopffrage untersucht. Gleich am Eingang wird därgelegt, daß der Zopf die diffizilsten hygienischen! Prinzipien in höchstem Grade erfüllt. Altchinas! Hygieniker — man kmnt sie aus den Schriften Tschung-tses und Lieh-tses — widmeten der Kopfpflege die größte Aufmerksamkeit. Schon deut SchädÄ des Neugeborenen wird eine besondere Pflege zuteil. Der ganze Kopf wird rasiert, Häubchen oder Tüchlein, die die Blutzir.kusi lation hemmen könnten, sind verpönt ; auch ein weiches Kissen darf die Hautatmung Und -abdünstung nicht hindern. Sobald das' Wollhaar der ersten Zeit mit beständigem Haar gewechselt hat, wird dieses mit Fäden zu vielen kleinen Büscheln ausgebunden, und zwar so, daß das Haar an der Haut nicht aufliegt, sondern emporgehoben ist. Dadurch ist der Luft überall Zutritt gewährt und die Kopfhaut dätzei vor der Sonne geschützt. Durch den leichten Zug der nach oben gerichteten Haarbüschel findet eine gewisse Entlastung des Hautdruckes auf die Blutgefäße des Nnterhaut- zellgewebes stakt. Dem größer gewordenen Kinde läßt man das Haar um den Scheitel herum Wachsen und rasiert die übrigen Partien ab. Nun wird das Haar zum Zopf geflochten; eine kleine Troddel oder eine Geldmünze an seinem Ende schafft ein, wenn auch nur geringes/ Gewicht, das zu einer Glättung nicht allein der umliegenden Kopfhaut, sondern auch der anliegenden Gesichtspartien führt, llnbehinderter Mutzirkulativn dienen diese Prinzipien, und die Vüchertisch. — Griebens R e'i s e f ü h r e r. Band 105: „M ailand n n b Uingebu n g". 3. Auslage. Mit 2 Karten und einem Grundriß. Verlag Albert Goldschmidt, Berlin W. 35. In übersichtlicher Weise findet man zuverlässige vorurteilsfreie Angaben über Unterkunit und Verpflegung, Verkehrswesen und Vergnügungen. Die Sehenswürdigkeiten sind ausführlich aber ohne Weitschweifigkeit behandelt. Ferner enthält das kleine handliche Buch eine Anzahl Ausflüge in die Umgebung der Stadt, z. B. nach Cartosa di Pavia, Monza u. a. — Im Band 167: ist der „Gardasee m it V e ro n a u n d B r es c ia" behandelt. Mit 4Karten. Auch dieses Büchlein, dessen textliche Ausführungen durch vorzügliche Kartenbeilageu unterstützt werden, kann bestens empfohlen werden. Auflösung in nächster 1. 2. 3. Ort in Bayern. Republik in Amerika. Raum, welcher gesellschaftlichen Zwecken dient. Nummer. Kreusratfel. In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben aaaaaa, bbbbbb, cccc, eeeeee, g g, iii, 11111 1, nun, 0, r r r r, s s, u u derart einzutragen, daß di« senkrechten und wagerechten Reihen gleichlautend folgende» ergeben: Auslösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummerr Weiß. Schwarz. 1. L c 8 — a 6 S b' 5 — c 3 2. Tc7 — c4f und Matt. A. 1. Beliebig anders. 2 . D, L oder c 2 — c 3 f und Matt. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R, Lanae, Gießm,