»SS W aOäliiJ KWW! g« W/UWW^ M 19(5 - St. 1« i'l» % Firnenrsulch. Roman von Paul Grabern. Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Wieder schnürte ihr eine geheime Angst das Herz ein und das vorwurfsvolle Gefühl, daß sie ihn dazu angetrieben v—. wenn auch ohne jedes Bewußtsein. Mein Gott, tote tonnte er denn auch nur ihren Wunsch Keich so auffassen! Abermals verfiel Goittiebe in ein Sinnen. „So mancher Bursch, der seinem Mädel einen Buschen hat pflücken wollen" — tönten ihr plötzlich die Worte seiner Mutter irn Ohr. Ein Gedanke durchzuckte sie: Wäre es denn denkbar? Sollte der Toni wirklich? — Der Gedecke quälte sie einige Augenblicke ernstlich!. Solche Narrheit! Was bildete sich dieser Bursch denn ein? Unwillkürlich warf Gottliebe scharf den feinen Nacken zurück, und um ihre Lippen trat ein hochmütig abwehrender Zug. Wie konnte er ihre Freundlichkeit so falsch verstehen? Dann aber lachte es plötzlich hell in ihr auf. Es wav ja Unsinn, sicherlich — heller Unsinn! Daß sie überhaupt erst auf solchen albernen Gedanken kommen konnte! Gewiß, möglicherweise ■— wahrscheinlich sogar! tont der Tom Edelweiß für sie pflücken. Aber mußte er denn darum absolut in sie verliebt sein? Sie war doch eme rechte Phantastin! Es war eben eilte ritterliche Huldigung von ihm, er wollte sich dankbar erweisen für ihre Freundliche keck, darum wollte er ihr diese Freude macyeii. Gewiß, so war es! Der gute Junge — er war wirklich ein prächtiger, lieber Mensch. Und in der wiedergewonnenen Sicherheit ihres Wesens konnte Gottliebe nun auch wieder ganz harmlos und freundlich an den Toni denken. Sie sah nach den Bergen drüben hin die in wenigen hundert Metern Höhe im feuchten, dichten Nebelvorhang verschwanden. Hoffentlich war er nun schon wieder längst unten auf gebahnten, ungefährlichen Wegen und damit alle Sorge überflüssig! Wieder ganz ruhig geworden, besann sich Gottliebe darauf, daß sie ja, einmal hier unten, gleich noch einen kleinen Einkauf im Dorf machen konnte. Sie bog also nach links zur Hauptstraße ab und ging nach dem kleinen Kramladen hinüber. Sie hielt sich einige Zeit hier auf, um ein Nachlassen des Regens abzuwarten. So mochte wohl eine gute halbe Stunde vergangen sein, als sie dann auf ihrem Heimweg sich wieder dem Trafoi-Hotel näherte. - Gottliebe wollte eben der Biegung der Straße folgen, wo durch die letzten Stämme des Waldzipfels schon die hellen Mauern des Hotels hindnrchschimmerten, da bemerkte sie plötzlich einen Mann nm Wege unter einem Baum stehen, der dort offenbar wartete. Nun drehte er das Gesicht zu ihr herum — Toni! Unwillkürleich war ihr das Wort in ihrem Erstaunen entfahren.. Ja, er war es wirklich, und langsam kam ex nun auf sie zu. „Mein Gott, wie kommen Sie denn hierher?" rkß sie ihm entgegen, schnell auf ihn Angehend. „Ich denke N Ihre Mutter meinte, Sie wären hinauf zur Edelweißhutte. „Da bin ich auch schon g'west." Der Toni lüftete seinen Hut und streckte ihr die Rechte entgegen. „Grüß Gott, Fräula — und was heimg'bracht hab' ich Ihn a von den Bergen. Da, bitt' schön." Und nun sah sie einen Strauß schönster Edelweiß in seiner Hand. „Also doch!" Sie nahm den Strauß entgegen. „O wie wundervoll! Tausend Dank!" Sie schüttelte ihstr kräftig die Hand. „Aber wie kamen Sie bloß darauf, Sie leicht« sinniger Mensch, Sie? Eigentlich müßte ich Sie tüchtig ausschelten! Hören Sie? Wenn Ihnen was passtert wäre — bei dem Wetter gerade!" Der Toni sah sie froh lächelnd an. „O, mir passiert schon nix so leicht. Und ich hab schon anfpaßt, daß mir nix geschieht." . „Diese herrlichen Blumen! Die will ich mir aber aufheben — eine schöne Erinnerung an meine erste HvchtouV. Und wirklich droben von dem gefährlichen Hang, Toni? „Ja, ja, es ist schon nist gang leicht, sie zu krieg n, bestätigte er vergnügt. „Aber sie hab'n halt doch hergepMßt. „Sie sind dock, ein Tollkopf, Toni!" schalt Gottliebe, aber doch geschmeichelt, daß er ihretwegen das Wenteuer bestanden hatte. „Nochmals herzlichen Dank!" Und abermals drückte sie ihm warm seine Rechte. „Daß Sie überhaupt noch an neulich gedacht haben! Ich hatte ja das gar nicht tat' ich schon nimmer vergessen!" Es leuchtete so hell in Tonis Blick auf, 'wie er ihr jetzt voll ins Gesicht sah, daß sie einen Moment verlegen werden wollte. Me dummen Gedanken von vorhin tauchten mit einem Male „Mein Gott, wie naß Sie sind!" lenkte sie das Gespräch schnell ab und sah an seinem feuchtglanzendeii Anzug hinunter. „Sie haben ja wohl keinen trockenen Faden am Leib! Und da stehen Sie noch hier und warten! Sie wollen sich wohl mit Gewalt erkälten? Nun aber schleunigst nach Haus, Toni!" „Erkälten?" lachte Toni. „Das kenn ich halt nimmer. So ä bissel Regen verschlagt mi nix." „Nein, nein, nach Haus!" drängte Gottliebe^ aber nun energisch „Ihre Mutter wartet schon auf Sie. Also, leben Sie wohl, Toni, und grüßen Sie mir Ihre Mutter schon. Und wegen unserer Partie kommen Sie nachher einmal herauf, hören Sie? Also auf Wiedersehen!" Und schnell wandte sie sich ab, nach dem Hotel zu. Auch der 'Spängter ging nach seiner Seite; aber nach ein paar Schritten drehte er sich noch einmal um, und seine Blicke folgten ihrer schlanken, auf zierlichen Fußen eilig keinen Schlafplatz mehr bekommen konnten, sich hier auf den Bänken lagern wollten, so mußte sie schließlich doch hinauf in das 'Damenzimmer. Unausgekleidet warf sie sich mit den Bergstiefeln und Gamaschen auf ihr Lager. Zur Ruhe würde sie ja doch nicht kommen, das wußte sie genau. Und sie hatte recht. Eine ihrer Schlafgefährtinnen, eine schon ältere, etwas wohlbeleibte Dame, begann alsbald wie ein Mann zu schnarchen; damit aber nicht genug, drangen von nebenan, aus dem Herrenschlafsaal, durch die dünne Bretterwand beständig laute Geräusche ähnlicher Art, Lachen und Schwatzen. Sie konnte sogar häufig die einzelnen Worte verstehen, und es waren teilweise recht abscheuliche Witze und Ausrufe, die sie notgedrungen mrt anhören mußte. „Bitte, lassen Sie doch das!" hörte sie endlich jemanden energisch sagen; cs war Bessow, und sie dankte es ihm in diesem Augenblick herzlich. „Nebenan schlafen ja die Damen." Aber eine rohe Stimme erwiderte höhnisch: „Das ist denen ganz gesund! Wer sich unter Manner begibt, kommt darin um. Was brauchen die Frauenzimmer auch auf die Berge hinaufzulaufen!" Lautes Gelächter applaudierte den Witzbold; zwar erhob sich alsbald auch Widerspruch seitens der besseren Elc- rnente, sie hörte aus dem sich steigernden Wortwechsel unter anderem auch Bessows Stimme heraus, aber es war ihr genug. In heißer Empörung sprang sie von ihrem Lager auf. Keine Minute wollte sie länger Wand an Wand mit solchen rohen Gesellen liegen! Sie griff nach Pelerine und Lodenhut und verließ den Schlafraum. Leise tappte sie sich durch den matt erleuchteten Flur, schlich sich die knarrende Holztreppe hinab und trat ins Freie. Ah, wie unsagbar wohl tat diese zwar empfindlich kühle, aber reine Luft! All der Schmutz von da drinnen glitt im ! Augenblick timt der Seele, und begierig sog sie den Nachthauch ein. , , Und was für eine Nacht war das! Der Mond goß sein klares, mildes Licht vom sternenflimmernden, schwarz- sammtenen Firmament. Im Silberschein lag des Tabaretta- gletschers steiler Hang, dahinter das ganze gewaltige Gebiet des Ortlergletschers vor ihr bis fernhin, wo dte Spitze wie ein Dom aus Kristall sich klar vom Nachthimmel abzeichnete. Weithin schweifte der Blick zur Rechten über all die Ketteii des Gebirges, uiid phantastisch erschienen die Fels- sromeu mit ihren tiefen, weichen Schatten, aus denen sich alle Augenblicke rätselhafte Märchenwesen lösen zu wollen schienen. Und dazu diese große, ungebrochene, geheimnis- | volle Stille ringsum. Ach, war das eine Zaubernacht! Mit weitgeöffneter Seele trank Gottliebe die verträumte Poesie dieses silber- überqossenen Hochgebirges in sich hinein, und der eiskuhle, wunderbare Nachthauch, so rein wie der hernwltnweiße Schnee droben, timt, wo er kam, erfrischte ihre Dchlase so I herrlich, daß jede Müdigkeit schwand. Eine Stunde mochte sie so, dicht in ihren weichflockigen Lodenmantel gehüllt, träumend auf der Brüstung gesessen haben. Lautlos still war es um sie her; nur dann und wann drang aus dem Hause, ans der Küche her, ein gedämpftes Geräusch. Dort hantierte die fleißige Schaffnerin mit ihrer Magd, tun für die nunmehr achtzig Insassen des .Hauses den Proviant für beit nächsten Tag herzurichten. Nun aber vernahm sie ein Geräusch wie von schweren Tritten, die behutsam drinnen die Holztreppe von den Schlafräumen herabkamen. Jemand aus dem Herrensaal i. (Fortsetzung folgt.) Unter der Reichrpoftflagge. Augenblicksbilder von einem Ostasiendampfer. Bon Dr. Kurt B a schwitz (Hamburg). Das erste Kapitel der inhaltsreichen Geschichte, die solch ein Schiff erzählt, handelt von der menschlichen .Deelenkunde und ist überschrieben: „Tie Seekrankheit" . w Dieses Wort ist von der Bordetikette streng verpönt. in.d dies hat seinen guten Grurrd: benn es gibt Gesprächsstoffe, ine die Einbildungskraft der Zuhörer in ungünstiger Mets« peein- slufsen können. Wer um dieses ängstlich vermiedene, unausgesprochene Thema ranken sich Variationen. Und die werden laW und beherrschen zunächst, die Stimmung der Reisegesellschaft. vahinschreiteuden Gestalt im Wettermantel, bis si§ im Hotel- I Vestibül verschwand. * „Mein Gott! Noch eine neue Partie? Wir haben so I .a schon kaum Platz in der Hütte!" ~ Unmutig rief es Gottliebe aus. Dte staud mit Bessow I und deut Men Stadler an der Brüstung des kleinen Plateaus vor der Payertzütte und blickte mit ihnen hinunter aisi beit I Weg, der sich längs bes steilen, zerrissenen Grats der Taba- rettascharke hinauf zur schwindelnden Hochztune der Hütte I äUi)t,‘,2a hinten kommen gar noch ihrer vier von der Edel- weißhütten her!" Scharf ausspähend wies der Alte mit I der Tabakspfeife hinüber. „Da wird's schlecht werden mit I dem Schlafen für die Herrschaft^." „Um Himmels willen! Tas ist ja reizend ! Na, ich gehe lieber gar nicht ins Bett, als mich mit einem halben Dutzend wildfremder Menschen in ein kleines Zimmer pferchen zu I foffC”©ie sind dabei noch großartig plaziert," meinte Bessow. „Aber denken Sie sich in meine Lage: wir Herren müssen zu je zwei auf einer Pritsche liegen, unter einer Docke. Da-- I Mird erst ein Genuß werden — und nach dem blufftteg I Heute1 I Den Regierungsrat hatte allerdings der vierstündige Wog hinauf zur Hütte, besonders das letzte Stück auf dein Tabarettakamm, ziemlW 'mitgenommen. Und nun ebenem noch 'die Aussicht auf eine total schlaflose Nacht und die morgigen, noch größeren Strapazen — einfach reizend. I Jo, io, cs ist halt schlimm, daß es die vier Tag geregnet hat," bestätigte Stadler. „Nun hab'u die Herr- schaft'n in Trafoi und Sulden alle auf den ersten schonen Tag gewartet, und 's kimmeu nun halt alle auf einen I HE^Und morgen dann siebzig Mann hoch auf der Ortler- I spitze — gräßlicher Gedanke!" schalt Gottliebe. „Tie ganze Lust kann einem vergehen." Und mit sehr verdrossener Miene trat sie von der Brüstung zurück. So hatte sie sich die viel^- I gerühmte und so heiß ersehnte Ortlerpartie allerdings nicht gedacht. Sie konnte all die hier hernmwimmeluden Leute, die Vielzuvieleu, die doch überall sich breitmachen mußten, wo sic nicht nötig waren, förmlich hassen. Mit sehr hochmütiger Miene trat sie daher auch wieder in die Hütte ein, in das kleine Gaßzimmer, in dem an fünfzig Touristen, laut lachend und schwatzend, dicht zu- sammengedrängt saßen. Ohne einen von ihnen eines Blickes zu würdigen, schritt sie durch das Zimmer hindurch in die nebenan gelegene Küche, wo zugleich die Führer saßen. Ein unbeschreiblicher Geruch und Qualm von zwanzig Tabakspfeifen, brennendem Holz und Speisedünsten schlug ihr Nils dem halbdunkle,i Raum entgegen, so daß sie int ersten Augenblick förmlich zurückprallte. Aber dann kämpfte sie sich entschlossen durch diese Stickluft hindurch. Immer lieber noch hier sitzen als da brineit bei biesem meist nur halbgebildeten, salopp ungezogenen, in schmutzigen Hemben und ausgetretenen Hausschuhen herumlanfenben Tonristenvolk, das sic obenbrein noch zudringlich angafste. Tie Gesellschaft war ihr einfach widerlich. So suchte sie sich beult in der Nähe Tonis auf ber langen Bank ber Führer einen Platz. Zuvorkommend rückten die braven Leute noch enger zusammen, und in ihrer Mitte fand Gottliebe allmählich ihre gute Stimmung wieder. Besonders als der eine von ihnen dann die Zither herbeiholte und zu ihren Klängen schlichte, ansprechende Volksweisen sang. So fand sie nachher Bessow, als er, sie suchend, auch in die Küche blickte. Wohl oder übel mußte er — da sie energisch erklärte, nicht ins Gastzimmer hinüberzngehen — sich dann auch herzusetzen, wie äußerst fatal ihm das auch war. Der Regierungsrat hatte in seinem Leben noch nie in einem „Kutscherbums" wie hier mit Leuten ans dem Volk an einem Tisch gesessen. Nervös rutschte er daher den ganzen Abend auf seinem Schemel — den hatte er ja wenigstens für sich allein! — hin und her, und seine aus steifer Zurückhaltung und verunglückter Leutseligkeit gemischte Art, sich zu geben, bereitete Gottliebe im stillen größte Heiterkeit. So amüsierte sie sich ihrerseits ganz ausgezeichnet, bis in der zehnten Stunde der allgemeine Aufbruch hinaus in die Schlafräume erfolgte. Gottliebe wollte wirklich erst ihren Entschluß ausführen und drunten im Gastzimmer, in einer Ecke lehnend, auf» bMben. Da aber die zuletzt angekommeüien .Herren, die 455 Erst hatte Frau Niederhuber aus München es durchaus nicht tzlauben wollen, daß, wir .schon in Fahrt seien. Nein, auch, die Übrigen Mitglieder unserer kleinen Tafelrunde, die sich zum erstenmal zum Frühstück zusammengcfunden hatten, waren, er- Uiüdet von langen Eiseubahnfahrten, ruhig über den Augenblick hinweggeschlunimert, in dem. unser schwimmendes Riesenhaus still und gefügig hinter den beiden eifrig pustenden und quirlenden Schlepperchen her in ein sanftes Gleiten geraten war. Jetzt schweifte der Blick durch den dunstigen Morgen weit über die unübersehbare Wasserfläche der Unterweser. Mit befriedigtem Blick umfaßt Frau Niederhuber den festlichen Raum des behaglichen Speisesaales. Und dann saßt sie alles, was ihr Herz bewegt, in die Frage zusammen: „Also warum geht man eigentlich aufs Wasser, wenn mans nicht nötig hat?" Tie Frage ist die erste Variation über das verpönte Thema. Natürlich soll sie nun Unfern Widerspruch heraussordern, soll Uns veranlassen, Sorgen und Befürchtungen zu zerstreuen, die „man" an Bord nicht ausspricht. Oho, wir müssen der ängstlichen Reisegefährtin den Wahn rauben, daß sie einen .besonderen Wagemut dadurch bewiese, daß sie züm Vergnügen aufs Wasser sich begeben habe. Nein> dieser nach Ostasien bestimmte Lloyddampfer dient einem.großen Teile seiner augenblicklichen Fahrgäste nur zu einer vierzehntägigen Ferienfahrt um das westliche Europa herum. In Genua erst pflegt die Mehrzahl der nach Indien, China, Japan ziehenden Reisenden sich einzuschiffen. Dort liegt für uns andere ein] heimkehrendes Schiff desselben Reisewegs bereit — oder auch für eilige Leute, die nicht vier Wochen Zeit haben, die Eisenbahn. Boni Nebentisch aus geht inzwischen eine heitere Abhandlung desselben Grundthemas aus: Tort sitzt der nette Backfisch aus Düsseldorf. Gerade schickt er sich aus irgend welchem Grunde au, die Frühstückstafel zu verlassen. In einer Ecke erlaubt man sich, zu lachcu. Man argwöhnt dort wohl den ersten feigen Rückzug. In ihrem Stolze getroffen, wendet sich die junge Dame unter der Türe Um und ruft über den Sajal hinMg: „Ich komme ahm wieder!" Mus der Bank der Spötter herrscht für den Augenblick verblüfftes Schweigen, während eine stillvergnügte Heiterkeit in der übrigen Gesellschaft die Runde macht: Und der Backfisch kommt wieder und gibt, unterstützt von den; bescheiden ratenden Sachverständnis des Stewards einen Vorgeschmack von dem Appetit, auf den die Speisekarten zugeschnitteu sind. _ Aus der ganzen Reise hat niemand mehr an der Seefestigkeit der jungen Dame auch nur andeutungsweise zu Zweifeln gewagt. Sie galt vielmehr von da an.als Autorität auf diesem Gebiet. Ihr Lehrsatz, den sie eifrig im Damensalon verfocht, errang sich durch die praktische Erprobung gar bald allgemeine Gültigkeit. Er lautet: „Tas ganze Uebel der Seekrankheit auf diesen großen Schiffen besteht darin, daß man sich davor fürchtet." * Gleich in den ersten Reisetagen machten wir mit leibhaftigen Augen die unvermutete Entdeckung eines Landes, von dessen auf keiner Erdkarte verzeichnetem Dasein wir nur eine sagenhafte unwirkliche Vorstellung gehegt hatten. Tas kam so: Endloses Regengeriesel hatte die drei Tage unseres Aufenthaltes in Antwerpen durchfeuchtet: jetzt kommt mit lärmender Eile der Rest der für uns bestimmten Ladung au. Ununterbrochen hat die drei Tage her die Hintere Ladeluke Eisenbahnschienen geschluckt. Sie kommen geraden Wegs von den deutschen Walzwerken Rheinlands und Westfalens rheinabwärts her- gcschwommen nach der belgischen Hafenstadt, wo sie unser Rcichs- postdampscr ausnimmt. . Auf den Schienensträngen der Kais rollen inzwischen in langer Kette die letzten für uns bestimmten Güterzüge heran. Es sind säst ausnahmslos die rotbraunen Fahrzüge der königlich preußischen Staatsbahn. Einige verraten auch durch den dunkelgrünen Anstrich ihre Herkunft aus Bayern. Unter dem Pfauchen und Rattern der Tampfwindcn schweben Automobile in unförmigen Kisten, auf denen in schwarzen Lettern der Herkunftsort „Mannheim" vermerkt ist, durch die Luft und versinken in die gähnende Tiefe des Schiffskörpers. Ein unübersehbares Gebirge kleiner blauer Tonnen wandert durch eine andere Luke. Farben aus Höchst und Frankfurt Sie enthalten, so erzählt man uns, einen dicken blauen Brei Und daraus machen dann die Chinesen durch Verdünnung ihre berühmte chinesische Farbe. Man muß das Weltmeer blau färben können mit diesen ungeheueren Mengen. Nun — eg gißt unzählig viele chinesische Bauern, und alle tragen sie blaue Kittel. Es ist auch gar nicht so lange her, daß unsere Färbereien die kostbaren Indigo-Hölzer, aus denen der schöne blaue Farbstoff gewonnen wurde, als unersetzliches Gut aus dem fernen Osten über das Meer her beziehen mußten. Dann hat vor einer kleinen Reihe von Jahren ein deutscher Gelehrter dem Jndigobaum sein Geheimnis in der chemischen Retorte abgezwungen. Und seither strömt die Farbe, die von dem Indigo nur noch den Namen, aber nicht mehr die Herkunft hat, aus den Fabriken Mitteldeutschlands nach eben jenen Ländern, die früher selbst die Welt mit dem kärglichen und kostspieligen „gewachsenen" Indigo versorgt haben. NaZ deutsche Arbeitserzeugnis, das draußen in fremden Landern jolche Eroberungszüge dnrchficht — „Wsatzgcbicte erringt drückt rch der Kaufmann aus —, ermöglicht in der Heinmt Beschäftigung und Lebensunterhalt für arbeitsuchende Heere von Volksgenossen. Der Sieg int kaufmännischen Wettbewerb des Weltmarktes hat hierin dieselbe Wirkung wie ein kriegerischer Erfolg, der Gebietszuwachs bringt. Mehr sogar: der Inhaber der militärischen und staatlichen Herrschgewalt unterliegt mitunter wehrlos dem wirt- tchastlicheu Eroberer. Es mag nötig sein, daß diese Erkenntnis einer deutschen Reise- genllschaft von vornherein klar gemacht wird, wenn sie im Begriffe steht, dem englischen Gibraltar, dem Schloß zum Mittclmeer, erneu Besuch abzustatten und dem französischen Algier, ocr fast europäisch anmutenden Proviuzialhauptstadt in den ungeheueren nordafrikanischen Kolonialreich Frankreichs, an dessen Küste wir tagelang hinfahren werden. Auf weiten Strecken dieser heißeir Erde wurde früher der Krapp gepflanzt, jener tiefrote Farbstoff, der unter anderem auch für die bekannten roten Hosen des französischen Heeres in großer Menge gebraucht worden ist.1 Heute wird man kaum noch solche Pflauzungeir in den.französischen Kolonien finden. In ebensolchen kleinen Tonnen kam aus den deutschen Fabriken der stärkere Eroberer. Krapprot und Jndigoblau, es ist ein kleiner Ausblick nur, der sich im Antwerpener Hasen, dem einen großen Ausfallstor der westdeutschen Industrie, auftut. Noch wichtiger mag sich dasselbe Bild in Bremen oder Hamburg aufdrängen. Aber gerade im Auslände schärft sich das Äuge für derartige Zusammenhänge. Es ist der Blick auf das größere Deutschland, der sich hier eröffnet. Ja, dieses größere Deutschland ist die erste und verblüffendste Entdeckung, die ein neuzeitlicher Seefahrer macht. Wohl hat man einiges über dieses erdumspannende Reich gelesen und gehört. Aber tot bleiben die Ziffern der Handelsstatistik. „Also das hat gerade noch gefehlt, daß Sie mit der Handels- statistik herausrücken, Doktor," unterbricht Frau Grewe den begeisterten Vortrag des jungen Ingenieurs. Frau Grewe ist die Mutter des netten Backfischs. Sie genießt infolgedessen bei der jungen Herrenwelt eine weitgehende Autorität. Ju Dunst und Nebel ragt drüben der Turm von Antwerpens altbcrühmter Kathedrale. Die letzten Nachzügler, die von den Landabstechern nach Brüssel, Gent und Brügge an Bord zurückkehren, wundern sich über die starke Neigung des Lausstieges, den sie hinaufsteigen müssen. Die Menschlein beuchten sich so mächtig und stark, als die mit Maschinengetöse die schweren Lasten beim Ladegeschäft bewältigten. Inzwischen haben unmerklich und still die Naturgewalten das ganze Schiff mit allem feinem Inhalt einige Meter in die Höhe gehoben. Im Wechsel von Ebbe und Flut sinken und steigen die Schifsskolosse neben den Hafenmauern. Flut! Tie Bahn ist frei. Schwer platschen die losgewvrfeneN Haltetaue ins Wasser. Dumpf und dröhnend brüllt die Dampf- pscife. Mit kurzem Schrei antwortet vor dem Bug der Schlepper. Vor uns liegt das gewundene Bild der Schelde, das uns mitten durch die vlämische Landschaft mit ihren bekannten Bildern führt. Und weit hinten am Horizont wartet die unendliche Weite des Meeres. * In langen, tiefblauen Wogen weht der Atem des Ozeans über die greneznlose Fläche des Biskayas. Nach taufenden von Metern mißt die Welt des Wassers unter uns, die stumme Welt voll abenteuerlicher Formen und Farben, die einem fremden Himmelskörper angehören könnte. Stetig und sicher zieht unser Schiff die porgeschrtebent Bahn über die unendliche spiegelnde Fläche, die das Wasserreich toom Luftreich scheidet. In der vergangenen Nacht hat das Blrnken eines Leuchfeuers auf dem vorgeschobensten Ende der franzömchen Küste uns den letzten Gruß der Welt dort hinter dem Horizont gesandt, ein letztes hilfsbereites Winken, das den richtigen Weg uns wies. Nun ist das Schiff, abgesondert vom lärmenden Getriebe der Festländer, ein kleines Menschenreich für sich inmitten der schweigenden Einsamkeit. Man versteht sich vorzüglich in unserer Renten, Welt. Jeder deutsche Fahrgast in der buntsprachtgcn Schfffsgeiellschaft suhlt sich beinahe für seine Person geschmeichelt durch die Anerkennung, die die ausländischen Passagiere durch die Tatsache ihrer Anwesenheit an Bord „unserer Reederei", „unserer" Seefahrt zollen. Das hatte in Southampton begonnen, wo die große Schar der englischen Fahrgäste au Bord gekommen war, darunter gar manche Offiziere, die nach ägyptischen und indischen Garnisonen wollten. Daß in Algier französische Passagiere alle verfügbaren Kabinen belegten, das empsanden wir schon als selbstverständlich. Man wird dock nicht int Ernst einen französischen Dampfer mit einem der unsrigen vergleichen wollen. Luftiges au; dem französischen Staatrhauchalt. „Talglieferung für Seine Majestät — 10 000 Rubel", diesen Posten sott einmal Zar Alexander UL mit Statinen tut Budget des kaiserlichen Haushaltes gelesen haben, und als er nun über diesen merkwürdigen, ihm zugeschriebenen Fettverbrauch nähere Nachforschungen anstettte, erwies sich, daß diese Summe schon sett vielen Jahrzehnten im Budget figurierte. Nur war sie immer größer geworden; früher waren es mir 6500 Rubel, unter Nikolaus I. nur 2500 Rubel usw. 456 Und woher kam dieser Posten? Er war unter Peter dem Großen entstanden; der hatte eines Tages Talg verlangt, um seine Schuhe einzusetten, und inan hatte ihm eine Kerze für eine halbe Kopeke gebracht. Die ivar dann mit gehörigem Ausschlag in den Haushalt des kaiserlichen Hanse? ausgenommen worden und hatte sich lawinenartig vergrößert. . . Diese Geschichte, die, ivenn sie nicht wahr, so doch gut erfunden ist, bildet den Austakt einer Plauderei, die Henri Morandes über lustige Einzelheiten aus dem sranzösischcn Budget veröffentlicht. Da? Budget des Ministeriunis des Auswärtige:: für 1907, das erst 1911 im Umfang von 579 Seiten ausgegeben wurde, umfaßt z. B. folgende Summen bei dem En'.pfang der Herrscher von Norwegen und von Dänemark. Für Blumenschmuck wurden 23 835 Frcs. geopfert. Für den dreitägigen Besuch der Fürsten wurden 1250 Servietten, 300 Wischtücher, 68 Tisch- und 64 Betttücher, 6 Bademäntel geliehen: 2039 Servietten, 640 Wischtücher, 358 Tischtücher, 21 Paar Handschuhe, 16 Paar Strümpfe kamen zum Waschen. Für Hüte wurden bei dieser Gelegenheit im ganzen 10 920 Frcs. ausgegeben. Für 60 Besen, 12 Handleuchter, 12 Vasen und verschiedene andere derartige Gegenstände berechnete man in dem Budget 1085 Frcs. 18 Cts. Arif der Liste, die die für das Personal des Ministeriums des Innern angeschafften Bücher und Zeitschriften aufzählt, „die einen technischen Charakter haben und unbedingt notwendig sind", erscheinen neben Zolas „Sünde des Abbe Mouret" und Frances „Verbrechen des Sylvestre Bonnard" Romane mit den verlockenden Titeln: »Hnguettes Abenteuer", „Tas schamhafte Albion", „Die Eisenmaske", „Ueber dein Abgrund" usw. Die unmöglichsten Beamten werden mit Gehältern eingestellt; so hat man z. B. einen Gesandten von Adis-Abeba ernannt, der ruhig in Paris sitzt; ein Architekt, der 2500 Frcs. jährlich bezieht, figuriert als „Chinesischer Dolmetscher"; obwohl die diplomatischen Beziehungen mit Venezuela bereits seit 1907 abgebrochen sind, haben die Angestellten dieser Gesandtschaft, die doch gar nicht mehr existieren, 92 462 Frcs. Gehalt empfangen. Und nicht besser ist es im Budget der Stadt Paris bestellt. Die arme Stadt muß alles viel teurer bezahlen als andere Sterbliche. Das einfache Einschmieren eines Türschlosses kostet sie 15 bis 18 Frcs., das Anlegen einer Türklingel an einer Mädchenschnle 365 Frcs. und da? Ausbessern einer Ktingelschnur in einer Knabenschule 205 Frcs. Reparaturen für jeden Oien kosten, obgleich sie stets in gleicher Ausführung sind, bald 220 Frcs., bald 270, bald 360 Frcs. Und die Rechnungskammer, die doch alles revidiert? Sie hätte viel zu tun, wenn sie jedes der 150 000 Aktenstücke, die jährlich von jeden: Ministerium eingeliefert werden, durchsehen wollte. Den meisten Faszikeln geht es so wie jenem, in Has der Dichter Goudeau einen sauren Hering legte, den er nach Monaten noch immer darin fand.- VermZsÄ-tes. * Von der Entwickelung des modernen fRet- tungswesens im Bergbau geben folgende Zahlen aus dein Jahresbericht des Bergbaulichen Vereins zu Essen einen Anhalt. Während noch zur Zeit des Unglückes zu Courrieres im Jahre 1906 nur auf wenigen Zechen Rettungsapparate und Truppen vor- haaden waren, wie z. B. auf der Zeche Shainrock, ivelche die sich damals so rühmlich auszeichnende Rettungsmannschaft nach Frankreich sandte, ist heute jede Schlagwettergrube mit diesen modernei: Rettungsmitteln ausgerüstet, um jederzeit erfolgreich in mit giftigen Gasen gefüllte Grubenrätune eindringen zu können. In dem wichtigsten deutschen Steinkohlenbezirk, im Ruhrrevier, hat der Verein für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund das Rettungswesen auf großartige Weise organisiert. Im Jahre 1912 waren der Hauptstelle für das Grubenrettungs- wesen in Essen 234 Schachtanlagen angeschlossen. Diese Zechen verfugen über 4034 Mann ausgebildeter Rettungsmannschaften und besitzen insgesamt 855 freitragbareSauerstoffatmungsapparate,r ent er 250 vollständige Schlauchgeräte mit 406 Rauchhelmen, 189 Rauchmasken, 257 Geblasen und 38130 m Schlauch. Zur Wiederbelebung etwa von den Rettungsmannschaften aufgeftindener Erstickter stehen jederzeit 255 Wiederbelebungsapparate bereit, davon 115 für künstliche Atmung, 70 Sauerstoffkoffer und 70 Führer- laschen mit Sauerstoffvorrat. Die Wiederbelebungsapparate fanden in großer Zahl Anwendung bei den Massenunglücken auf den Zechen Lothringen und Achenbach, wo mit ihrer Hilfe viele betäubte Bergknappen wieder ins Leben zurückgerufen mürbem In: Jahre 1912 fanden die Atmungsapparate zum Eindringen in giftige Gase in 29 Ernstfällen Verwendung. Hauptsächlich handelte es sich dabei um das Abdäimnen von Grubenbrände!:. Die Hauptstelle für das Rettungswesen ließ durch ihre Beamten auf des: angeschlossenen Grube«: in diefem Jahre 624 Revisionen ausführen, wobei die Rettungsmai:nfchaften und Apparate auf ihre Ausbildung und stete Schlagfertigkeit hin kontrolliert wurden. kf. D i e G e n t e r K a t h e d r a l e — aus Käse. Was soll ein holländischer Käsefabrikant auf einer Weltausstellung wohl anders ausstellen, als Käse, und wie könnte er, falls es sich um die Genter Ausstellung handelt, die Sympathiei: der Geister besser gewinnen, als wem: er sich für seine Ausstellungsgegenstände ein Vorbild in der Stadt Gent selbst wählt? Tatsächlich Has nach dem „Corriere" ein holländischer Käsefabrikant die Genter Kathedrale aus Käse nachgebildet und zwar mForm von zweiwohlgelungenen Modellen, bereit eines die Kathedrale von außen darstellt, während das andere eine Nachbildung des Inneren ist. * Der Bindhut. Tatsächlich ist die Vorhersage, daß im Hpch- sommer größere Hüte getragen iverden, zur Wirklichkeit geworden. Bevorzugt sind die weichen, biegsamen Florentinerhüte, und der heueü so lange m den Hintergrund gedrängte Blumenaufputz kommt wiederum zur vollen Geltung. Auch Tüll und Spitzen werden verwendet. Die Bltnnen, zumeist in Uebergröße, werden nicht nur in Buketts, sondern auch einzeln auf die Hüte gesteckt. Nelken in allen Farben, Pfingstrosen, Zentifolien, Hortensien, Kornblumen usw. werden auch einzeln ans die Hüte gesteckt. Aber auch ganze Blütenkränze, deren Enden herabhängen, legt man um die Hutkrempen. Ferner werden große Schleifen aus breiten Tafsetbändern, einfarbig oder schottisch zum Abschluß genommen. Auch die berühmten Feldblumenbukelts werden, mit Kornähren zusa:nmei:gebunde>:, als Ausputz verwei:det. Duftig, wie hingehaucht liegen die reizendsten Blüten auf den Hutkrempe!: oder hängen über die Ränder hinab, begleitet von schmicg- san:en Kinnbändern, die sich geivöhnlich in der Nähe der Blume zu aninutigen Kokarden oder Maschen verschlingen. • Sprachecke der Allgemeinen deutschen Sprachvereinr. * G u t e V o r b i l d e r. In sprachlichen Dingen ist es besonders schwer, sich von alter Gewohnheit loszureißen. So gibt es unter den Lesern dieser Sprachecke sicher manche, die zwar mit den Bestrebungen des Sprachvereins einversta!:den sind, ober dennoch n a ch altem Brauche ihre Sprache durch entbehrliche Fremdwörter entstelle::. Das Verhalten großer deutscher Dichter gegenüber den anfangs von ihnen gebrauchten Fremdwörtern sollte diesen Lauen ein leuchtendes, nachahmenswertes Beispiel werden. Es wundert uns nicht besonders, daß viele Dichter zunächst mehr Fren:dwörter gebrauchen als später. Was aber auch dem hartnäckigsten Frembwortfreunde, dein ärgsten Deutschverderber zu denken geben muß, ist das Bemühen so grober Dichter, wie eS Wieland, Schiller, Goethe, Stifter, Freytag sind, bei Nen- anslagen ihrer Werke die ursprünglich von ihnen gebrauchten F r e n: d w ö r t e r d:: r ch heimisches S p r a ch- g u t z u e r s e tz e n. — Betrachtet man den verwelschtei: Zustand unserer Muttersprache in: 18. Jahrhundert, so staunt man über die Kühnheit, mit der Wieland, Schiller und Goethe die anfänglich von ihnen gebrauchten Fremdwörter verdeutschten. So ersetzte Wieland Autor, Statue, Pilot, nmgisch, pathetisch durch die Worte Verfasser, Bildsäule, ©teuermnnn, zauberisch, rührend. Goethe verwandelte — um von den vielen Beispiele:: wenigstens ein paar zu nennen — „kujonieren, alte Ideen, ins Detail, Interesse" in „plagen, alte Erinnerungen, Großes und Klei::es, Anteil". Mit geradezu bewundernswerter Entschiedenheit hielt Stifter bei Neuauflagen seiner Werke auf Sprachreinheit. „Obstinat, originell, vertikal, bis ins Detail, Exzentrizitäten, Piedestal" mußten da Platz machen für „halsstarrig, eigentümlich, lotrecht, bis ins kleinste, Ueberschwäng- lichkeiten, Untersatz". In der 1881 herausgekonuncnen Auslage seines Roinanes „Soll und Haben" (nicht etiun „Debet und Credit") hatte Freytag noch geschrieben: Produkte, Resultat, Reputation, Interesse, inalträitiert. In der Auflage von: Jahre 1887 sind diese Fremdlinge ersetzt durch: Erzeugnisse, Erfolg ober Ergebnis, Leumund, Teilnahme, mißhandelt. ES ist erhebend, daß diese Führer unseres Volkes sich zu solcher Kleinarbeit nicht für zu vornehm gehalten haben. Möchten ihnen auf dem Wege zu möglichster Sprachreinheit recht viele unserer Volksgeiwssen iolgen! --R a u (Zwickau). Viichertisch. „Lieder z u r L a n r e." Das Instrument unserer Vorfahren, die Laute, ist wieder zu hohen Ehren gekommen. Sie begleitet unsere Jugend auf dem Marsche, sie ist bei jeglicher Art von Geselligkeit ein gern willkommener Gast und Bringer heiterer Stirnbein, Das soeben erschienene Heft der Notenbibliothek „Musik für Alle" bringt eine reiche Auswahl heiterer und gemütvoller „Lieder zur Laute". Wir finden in dem Heft lustige Wander- und Soldatenlieder, Liebeslieder und Balladen. Diejenigen, die das Lautenspiel nicht beherrschen, werden von dem Inhalt des Heftes auch befriedigt werden, denn alle Stücke sind auch in Klavierbearbeitung, ohne Laute, gesetzt. ErgättäMgsratsei. W.. . e. V.. t.:: . e. t g . n. g G. t.::, .. r . a. g.. e. t . ü. a. l. . e. t. ui Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Diamant-Rätsels in voriger Nummer r U h n Brise Chicago B r a g i Aga o Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, N. Lauge, Gießen»