Zwei Welten. Roman von Emma Merk. ^Nachdruck verboten.) (Sortierung.) Mr seiner ersten Wut und Enttäuschung setzte er sich hin und schrieb einen Brief an seine Mutter: ihm gehe alles schief, er sei vom Pech verfolgt, aber Wunder wär's ja auch Fernst, wenn feine Schwester sich immerfort in seinen Weg pflanzte. Geradezu lächerlich habe sie sich benommen, als er neulich bei dem Baron, wo sie in Stelle sei, zur Tür hereintrat. Das müßten doch alle Leute merken! Wenn seine Angehörigen nicht einmal die Rücksicht hätten, ihm solche Verlegenheiten zu ersparen, dann wär's gescheiter, er machte gleich ein Ende mit sich. Er habe dieses Hundeleben satt! Er wußte, daß solche Drohungen bei seiner Mutter immer einen starken Eindruck machten und daß sie daraufhin bereit war, jedes Opfer zu bringen, um ihn wieder froher zu stimmen. Etwas erleichtert durch seinen Zornesausbruch suchte er in dem Papierkorb nach dem Billett der kleinen Ungarin, seiner Redoutenbekanntschaft, die ihm nahegelegt hatte, daß sie sich nach einem Wiedersehen sehne. Am Morgen in seiner soliden Feierstimmung hatte er das unortographische Gekritzel achtlos beiseite geworfen. Nun schrieb er eine liebenswürdige Antwort und schlug „dem netten Käser" ein Rendez-vous vor. „Was soll das schlechte Leben nützen?" murmelte er. Am Abend wollte er sich mal eine gute Flasche Sekt leisten, um den bitteren Geschmack hinunterzuspülen. Unsinn, sich wegen einer so faden höheren Tochter ein graues Haar wachsen zu lassen! Das viele Geld wäre ja nicht ohne gewesen! Aber die schöne Junggesellenfreiheit, bte man dafür geben mußte! Es ging ja auch so noch eine Weile. Nur nicht an die Zukunft denken! Nur fidel fein, so lange noch jemand etwas pumpt! 8. Hildegard war sehr früh aufgewacht. Eine Amsel, die in dem kleinen Borgärtchen vor dem Hause zwitscherte, hatte sie geweckt. In der tiefen Morgenruhe um sie her dachte sie mit tiefer Wehmut an ihre Eltern, an ihre Kindheit, von der sie zum ersten Male hatte sprechen hören. Was mochte aus ihrem Vater geworden sein? War er wirklich tot, wie die Mutter? Vielleicht in Elend und Not zugrunde gegangen? Oder hatte er sich, frei von allen Familiensorgen, doch wieder aufgerafft und war ein großer Maler geworden? Wer weiß, ob sie nicht seinen Namen hatte nennen hören, ohne zu ahnen, wie nahe er ihr stand? Die Tochter eines berühmten Künstlers! Wie stolz es sie gemacht hätte, das denken zu dürfen! Donnerstag, den 24. April M iBil MAWW MW'M MM MM MS ■n Sie lächelte gleich darauf traurig über ihre kühne Phantasie. Es war ja so viel, viel wahrscheinlicher, daß der unglückliche Mann im Dunkel geblieben, daß er heimatlos, arm, in der FremM verschollen war. Sie hatte trotz allere Bemühens den Namen nicht erfahren können. Mama Bernhobler ivich jeder Frage aus, und es schien fast, als hätte sie auch ihren Mann veranlaßt, wenigstens über diesen einen Punkt zu schweigen. Plötzlich richtete sich Hildegard in den Kissen aus, mit einer freudigen Bewegung. Es war doch von Bildern die Rede gewesen, die noch aus dem Speicher stehen mußten! Sie mußte sie sehen, diese armen, verkannten Landschaften, die seit Jahren, verstäubt und vergessen, da oben im Winkel standen, und die noch das einzige waren, was ibr von ihrem Vater blieb, was ihr einen Einblick in sein künstlerisches Schaffen geben konnte. So leise wie möglich schlüpfte sie in ihr Morgenkleid, suchte nach dem Speicherschlüssel und hastete heimlich die Treppe empor. Sie mußte lange suchen zwischen Kisten, Koffern und Körben und allerler altem Hausrat. Das Mansardenfensterch en hatte sie geöffnet, ein lichtblauer Himmel lag da draußen, köstliche Morgenluft strömte herein. Man konnte hinabsehen aus die vielen, vielen Häuserreihen mit dem hellen Gelbgrün der Gärten und Anlagen dazwischen, auf die Türme, um die noch zarter Duft schwebte, auf ein Meer von Dächern, die im Morgenlicht funkelten. Ihr einsames Wachen in der frühen Stunde, in der Frühlingspracht, schuf ihr eine ganz erregte, jauchzende Stimmung, als durchrieselte sie heißer und mächtiger als. je zuvor die Freude über das süße Wunder des Lebens. Das Herz klopfte ihr heftig, als sie int Halbdunkel unter dem Dach einen Bilderrahmen ergriff, ans Licht zog und das umhüllende Tuch löste. Es war eine Heidelandschaft, über die der Sturm hinfuhr, mit einem schweren Wolkenhimmel und windver» zausten Kiefern. Mit zu Boden gesenktem Haupt, wie sich beugend unter der düsteren Gewalt über ihm ging ein Wanderer zwischen dem wehenden Riedgras, zwischen dem nackten, grauen Gestein. Tiefe Melancholie lastete über der Gegend. Nur ein tieftrauriger Mensch konnte mit solcher Wucht den unerbittlichen Ernst der Natur wiedergegeben haben. Ein inniges Mitleid ergriff die Tochter bei dem Anblick dieser furchtbar traurigen Einsamkeit, die ihr Ivie ein herzergreifendes Bekenntnis aus der Seele ihres Vaters schien. Auch auf einem »Seebild mit einer in Grau verschwim- inenden Insel im Hintergründe lag der schwermütige Zug, als habe er in Farben, in Linien schildern wollen, was er. 264 litt. In namenlosen: Schmerz mußte er diese Bilder ae- schaffen haben, die dann so lieblos und unverstanden beiseite geschafft worden waren. Sie kniete nieder und suchte mit neugieriger Spannung nach dem Namenszug. Mer die Farbe war stark eingeschlagen und nachgedunkelt. „Eberhard" konnte sie lesen. Wie sie sich auch mühte, sie fand nur einzelne Bnch- staben heraus, ein: H—l—t—. Auch die Bilder hüteten das Geheimnis, das sie so sehnlichst zu enträtseln verlangte. Sie trat hinaus auf die Treppe und horchte hinunter. Noch war alles still. Mit Aufgebot all ihrer Kraft schleppte sie die Landschaften mit sich fort und trug sie wie einen Raub in ihr Zimmer. Es wäre ihr wie eine Grausamkeit erschienen, sie länger Unter dem alten Gerümpel zu lassen. Vorläujlg verbarg sie ihren Schatz in einen: Schrank, aber sie hoffte, daß sie bald den Mut finden würde, den Bildern in ihrem eigenen kleinen Bereich einen Ehrenplatz einzuräumen. Nach dem Frühstück brachte der Diener von Flassans ein Billett Mariannens, sie würde die Nichte, die diesmal im weiß«: Gewände in das Atelier kommen sollte, in: Wagen abholen, und während sie die Nichte bemutterte, das Nähere über ihr eigenes Bild mit Grönberg verabredeten. Die Porträtsitzungen hatten eine längere Unterbrechung erfahren. Für Mali war die große Frühjahrsstöberei eine willkommene Ausrede, um nicht in das Atelier zu gehen. „Ich habe so lange nichts von mir hören lassen, Kind," sagte Marianne, als sie mit Hildegard durch die Straßen fuhr, „wegen einer recht ärgerlichen Abhaltung. Ich mußte ein neues Fräulein suchen." „Deine Auguste geht fort?" fragte Hildegard so lebhaft, daß Marianne sie ganz verwundert anblickte. „O, sie iveinte helle Tränen, als sie kündigte, stieß weinend hervor, die Mutter wollte es. Sie ntiiffe fort. Mit einem mal scheint sie sich dann merkwürdig getröstet zu haben; gestern hat sie mir erzählt: ihr Bräutigam wolle überhaupt nicht mehr, daß sie eine Stelle annehme; er, würde ernen Gasthof pachten und in: Herbst könnten sie heiraten. Sie schien oft so traurig, das arme Ding. Mein Gott, wie wenig,wieiß man doch eigentlich, von den Schmerzen und Sorgen dieser Mädchen, die mit :ms unter einen: Dache wohnen." „Allerdings," sagte Hildegard mit einem bitteren Lächeln. Ihr war es ja klar, daß Leutnant Schmidt seine Schwester aus dem Hause ihrer Tante fortgehetzt hatte. Um des Bruders willen lag ein so trauriger Zug auf Augustes hübschem Gesicht. Das junge Mädchen hatte sich ja nie in hochmütigem Staudesbewußtsein emporgehoben über die ärmeren Hausgenossinnen, aber nun, seit sie wußte, daß nur ein gütiger Zufall sie vielleicht vor dem herben Los des Dienenmüsfens bewahrt hatte, fühlte sie srch den abhängigen, um ihr Brot ringenden, jeder Laune und Willkür der Herrschaft preisgegebeuei: Geschöpfen förmlich nahegerückt, mit warmer Teilnahme, fast mit einer gewiff en Beschämung Über ihr eigenes Geschick. 9. „Endlich darf ich die Damen wieder begrüßen," rief Grönberg, der ihnen an der Treppe schon entgegenkam. Er machte eine ungeduldige Bewegung, als in diesem Augenblick auch sein Ateliernachbar heraustrat und die beiden schlanken Gestalteir mit stummer Verbeugung an s:ch vorübergehen ließ, „Ich begreife beit Menschen gar nicht," brummte Grön- berg, sobald sie in seinem Melier standen. „Er ist sonst so semfuhlend, so zurückhaltend, fast von übertriebener Scheu. Und wenn Sie kommen, pflanzt er sich Ihnen jedesmal in den Weg. Es bringt mich ordentlich in Verlegenheit, wie er S:e anstarrt, gnädiges Fräulein! Ich muß ihm wirksamem" Crn^e ^orte ^er dieses seltsame Benehmen „Ach nein P" bat Hildegard. „Verletzen Sie ihn nicht meutetwegen. Er sieht so melancholisch aus. Es fiel mir ja auch auf, wie merkwürdig er mich anblickt. Wer keck und beleidigend war er nicht. Er ist ja auch ein alter Mann, nicht wahr?" Grönberg lachte. „Ihrer Jugend mag das wohl so scheinen. Und ich glaube ja auch, daß er sich seiner Zudringlichkeit nicht bewußt : st. Vielleicht will er Ihre Züge festhalten. Er :st ja eigentlich Landschafter, aber zuweilen zeichnet er auch phantastische Bilder mit düsterer Stimmung, aber niit unverkennbarer Genialität." „Wie heißt der Maler, Herr Grönberg?" fragte Hildegard, nachdem sie den Kranz auf das Haar gedrückt, den sie auf dem Bilde tragen sollte, und ihre Stellung eingenonm men hatte. „Sie meinten, daß er ein ernstes Geschick hinter sich habe?" , Der ernste Männerkopf flößte ihr ein tiefes, unabweis- . bares Interesse ein. „Er heißt Eberhard Holst. So viel ich weiß, war er vor Jahren lange fort, auf Reisen, als Zeichner für eine englische oder amerikanische Zeitung. In seinen: Atelier hängen sehr interessante Studien von fremdartigen Landschaften. lieber sein persönliches Schicksal spricht er nie. Er lebt wie ein Einsiedler. —" Was haben Sie, gnädiges Fräulein? Sie sind plötzlich ganz blaß geworden. Bitte, bewegen Sie sich nur, wenn das Stillhalten Sie anstrengt. Oder ist es Ihnen zu kühl im Atelier? Soll ich stärker heizen?" „Nein, nein, danke," wehrte Hildegard ab, der schon wieder rasche Röte in die Wangen stieg. m „Merkwürdig, wie Ihr Ausdruck wechselt, gnädiges Fräulein. Ihr Mund ist fabelhaft schwer zu treffen. „Ich dachte es eben auch," sagte Marianne lächelnd. „Hildegard ist von einer Lebendigkeit, als zöge immer wieder eine neue Beleuchtung über ihr Gesicht. ' Wie still wird man mit den Jahren! Ich glaube, ich werde Ihnen ruhig und unbeweglich erscheinen wie eine Caryatide nach diesem jugendlichen Qu e cks i l b e r." Grönbergs Augen blitzten feurig auf. Er hatte den Moment herbeigesehnt, wo die schöne Frau ein Wort über das Porträt sagen würde. (Fortsetzung folgt.) vom nachlässigen, vom schludrigen, vom schlampigen Stil/) Jeder deutsche Schriftsteller sollte mit dem Bewußtsein schreiben, zu 100 Millionen deutschredender Menschen zu sprechen. „Schludrig und „Schlampig" sind nach der Ansicht der meisten meiner Vorgänger sehr unedle Wörter; ich habe sie daher erst nach einigem Besinnen gewählt. Es nützt aber nichts, grobe Schäden mit feinen Wörtern zu bezeichnen, und warum sollte nUm mit Schreibern fein umgehen, die mit ihrer und unserer Sprache sehr unfein umgehen? Natürlich werden die in diesem Abschnitt gelegentlich genannten Schriftsteller nicht samt und sonders !zu den nachlässigen, schludrigen und schlampigen Schreibern geworfen.. Auch sollen die in ihren Schriften gefundenen Beispiele nicht zu allgemeinen Schlüssen mißbraucht werden, es sei denn zu dem einen, daß in Deutschland selbst, die besten Schriftsteller nicht jenes Maß peinlicher Achtsamkeit auf Sprache und Stil wenden, das in Frankreich sich schon bei mittleren, ja bei noch viel tiefer gereihten Männern der Feder von selbst versteht. Ich sehe voraus, daß die strengsten meiner Richter, nämlich die selbst makellosen, mir mehr als einen Beitrag zu meiner Samntlung aus! diesem Buche liefern werden, danke ihnen dafür im voraus und entschuldige mich wie alle anderen, die trotz redlichem Bemühen mit tadellose Sprache nicht immer Fehlern entgehen, mit dem Satze- der ebenso sehr Anklage wie Entschuldigung ist: Die deutsche! Schule hat uns nicht streng genug gewöhnt. Auch hier gilt nicht Rang noch Namen: neben den mit Recht hochberühmten Dichtern und Schriftstellern stehen die mehr oder minder berühmten Stümper; neben den Zeitungschreibern die Professoren, sogar die der Germanistik; neben uns bescheidenen schreibenden Steuerzahlern unsre hochmögenden Herren Regierer. Da gab es vor etlichen Iahten z. B>. einen preußischen Minister, einen Mann von Verdiensten sehr verschiedener Art, mit einem gar merkwürdigen Deutsch, nicht just so schlecht wie Wraugels, doch nicht so gut wie eines begabten Sekundaners. Eine seiner stehen- *) Wir entnehmen diesen Aufsatz mit Erlaubnis des Verfassers und der Verlagsbuchhandlung deut Buche „Deutsche Stilkunst" von dem bekannten Literaturhistoriker Eduard Engel. Wir möchten! unsere Leser auf dieses anregende Buch aufmerksam niachen, das wir f. Z. sehr anerkennend besprochen haben. Tas Werk ist im Verlage von G. Freytag, G. M, b. H., Leipzig, erschienen. bett Redewendungen war: „Weines Erachtens nach", und selbst das Gelächter eines ganzen Parlamentes vermochte nicht, ihn Uon diesem 'Deutsch abzubringen. Er hat noch Aergeres verübt, doch da er fast nur geredet, wenig geschrieben, so lohnt es nicht, weitere Proben seiner absonderlichen Grammatik zu geben. Fürst Chlodwig Hohenlohe schreibt einmal nachlässig: Er ist einer, aus den: Reichskanzler gemacht werden. Nachlässig übersah er, daß auS einem Menschen, selbst dem begabtesten, nicht mehr als ein Reichskanzler gemacht werden könne; er wollte schreiben: er ist einer von denen, aus welcheit —. Herzog Ernst von Ko'bürg spricht in seinen Denkwürdigkeiten voir einem Handstreich auf das Leben Friedrich Wilhelms IV.: Es erregte eine furchtbare Aufregung unb Erbitterung unter den Parteien, welche sehr geneigt waren, sich eine Dsrt Mitverantwortung Tuzuschieben. Merkwürdige Parteien, noch merkwürdigere Selbsterkenntnis! — Ach so, der Herzog weinte das gar nicht so, er meinte, die Parteien seien geneigt gewesen, einander eine Art Mitverantwortung zuzuschieben; ein französischer Herzog hätte dies unzweideutig ausgedrückt. Aus den Weimarischen Banknoten von 1854, also auf Schriftstücken von nicht gewöhnlicher Wichtigkeit, stand die Strafandrohung: Die Nachahmung, Verfälschung und wissentliche Verbreitung verfälschter Banktioten wird nach Maßgabe der Strafgesetze bestraft. Demnach wäre int Großherzogtum Weimar damals bie_ Nachahmung und Verfälschung echter Banknoten straffrei gewesen! Den Verfasser jener Aufschrift hat die unselige deutsche Angst vor der Wiederholung eines Wortes zu einem vollendeten Unsinn verleitet. Hans Delbrück, selbsternannter Wortführer der „mit Bedacht" Schreibenden, bemerkt einmal: Der preußische Konservatismus existierte nicht jenseits der Elbe. Wo ist das? Auf dem rechten oder auf dem lenken Elbufer? Tie ganze Ausführung ist unverständlich, wenn man dies nicht weiß; die Schriftsteller schreiben aber für die Nichtwissenden, sonst brauchten sie überhaupt nicht zu schreiben. — Delbrück schreibt: Die Bestätigung, daß hier das punctum saliens zu suchen ist, gibt die Antithese, welche unsere Eigene Aera darstellt. Wer versteht diesen Satz beim ersten Lesen? Wer beim zweiten? Woher sollen wir wissen, ob die Bestätigung Jini) welche der Nominativ oder der Akkusativ sind? Bei einem ,io unklaren Schreiber wie Hans Delbrück sind beide Möglichkeiten ziemlich gl eichberechtigt. Nachlässigkeit oder viel Schlimmeres bei Herman Grimm darf uns ein für allemal nicht wundern bei dem Verteidiger der grammatischen und stilistischen Willkür. Er schreibt: Man will heute Goethes Verhältnis zu Bettina damals so auffassen. — Die Zeit des klassischen Französisch scheint für die Franzosen vorüber und für uns wenig Gewinn dabei, es sich anzueignen. — Hier sei der angenehmen Unterbrechung wegen die nicht um einen Grad zu grobe Erklärung Schopenhauers über die Nachlässigkeit und Schlamperei des Stils eingeschaltet: Wer nachlässig schreibt, legt dadurch zunächst das Bekenntnis ab, daß er selbst seinen Gedanken keinen großen Wert beilegt. Denn nur aus der Ueberzeugung von der Wahrheit und Wichtigkeit unserer Gedanken entspringt die Begeisterung, welche erfordert ist, uni1 mit unermüdlicher Ausdauer überall auf den deutlichsten, schönsten und kräftigsteii Ausdruck bedacht zu sein; wie man nur an Heiligtümer oder unschätzbare Kunstwerke silberne oder goldene Behältnisse wendet. Daher haben die Alten, deren Gedanken in ihren eigenen Worten schon Jahrtausende fortleben, und die des- luegen den Ehrentitel Klassiker tragen, mit durchgängiger Sorgfalt geschrieben: soll doch« Platon den Eingang seiner Republik siebenmal, verschieden modifiziert, abgefaßt haben. — Tie Deutschen hingegen zeichnen sich durch Nachlässigkeit des Stils, Ivie des'Anzuges, vor anderen Rationen aus, und beiderlei Schlamperei entspringt aus derselben im' Nationalcharakter liegenden Quelle. Wie aber-Vernachlässigung des Anzuges Geringschätzung der Ge- iÄlschast, in die man tritt, verrät, so bezeugt flüchtiger, nachlässiger, chlechter Stil eine beleidigende Geringschätzung des Lesers, welche daun dieser, mit Recht, durch! Nichtlesen straft. Schopenhauer hatte hinzufügen sollen: wenn nicht in diesem' Geschlecht, dann im nächsten ganz gewiß. Julian Schmidt schreibt über Georges Sand. Er spricht von ihrer Lelia und nennt es eines der verrücktesten Bücher der Literatur; es habe eigentlich nur noch ein Ebenbild, den Rens: Rens erschien 31 Jahre vor der Lelia; ein Menschenalter liegt zwischen ihnen. Wem' kommt hierbei der Gedanke, daß Rens das Werk eines ganz anderen Schriftstellers, Chateaubrian-ds, ist? Selbst nicht jedem' Kenner der französischen Literatur ist dies sogleich gegenwärtig. Warum könnte ein Rens nicht auch; von der vielschreibenden Sand sein? Erst sieben Druckzeilen später wird Chateaubriand genannt. Dies nenne ich nicht mehr Nachlässigkeit, sondern grobe Schludrigkeit. — Julian Schmidt will von den ilntersuchungeit gegen den angeblichen Demagogen Jahn sprechen Md nennt sie „demagogische Untersuchungen"! Oder er schreibt: Wunderlich genug sehen diese Klagen ans, mit dieser Kraft und Energie (doppelt hält besser) der Rede ausgesprochen. Ein achtsamer Schreiber würde solche Klagen klingen hören. Oder: eine verkehrte Ansicht des Protestantismus — er meinte: Ansicht vom . . . Wilhelm Scherer sagt von Goethe: Er war religiös und fittlich tolerant. Ist „religiös" Eigenschafts- oder Umstandswort? Beides ist möglich, beides gibt einen guten 'Sinkt. Besonders im Satzhan ist Scherer von kaum glaublicher Schludrigkeit; auf jeder gedruckten Seite steht mindestens ein Satz, der zu Mißverständnissen verführt. Ich glaube nicht an eine Unfähigkeit Scherers zum richtigen Satzbau, beurteile ihn aber darum nur noch strenger. — Scherer über Goethe: Ms er im Alter von 16 Jahren die Universität Leipzig bezog, angeblich! um' die Rechte zu studieren, tu Wahrheit um in allen Wissenschaften zu naschen und schließlich nur von einem Künstler, Oefer, eine wahrhaft tiefgehende Anregung zu empfangen. Also darum bezog Goethe die Universität Leipzig? In demselben Satze das richtige und das falsche „um zu"! Schludriger schreiben wenige unter den vielgeschmähteu Zeitungsschreibern. — Wiederum' Schierer über Goethe: Wie Goldsmith, den Herder so liebte, den englischen Landprediger und seine Familie geschildert hatte, so stand er vor ihm. Wer vor wem? Goldsmith oder Herder oder der englische Landprediger? Alle drei find an der Stelle möglich, und erst viel später kommt eilte ungefähre Auflösung des Rätsels. — Noch einmal Scherer über Goethe Er Meinte (beim Götz) eine Rettung zu vollziehen, tote sie Lessing gern versuchte, wenn er fein Andenken erneuerte. Wer erneuerte wessen Andenken? — Immer noch Scherer über Goethe: Er setzte die Figur des Helden halb aus sich selbst, halb aus dem jungen Jerusalem zusammen, einem Sohne des Braunschweiger Abtes, der sich; aml 29. Oktober 1772 erschoß. Der Abt Jerusalem hätte sich 1772 erschossen? Ter hat ja noch neun Jahre später eine Erwiderung aus Friedrichs des Großen Abhandlung über die deutsche Literatur geschrieben. — Ach so, nicht der Abt, soiiderii sein Sohn hat sich erschlossen, und nur Scherers Schluderet verleitet zu dem Irrtum. Wieviel unnütze Arbeit mutet Gervinus seinen Lesern zu, Arbeit, die er selbst hätte verrichten müssen:'So sind die ästhetischen Ausstellungen am Wallenstein wohl vielfach gerechtfertigt, wie bei Don Carlos, ohne daß darum das Wort Goethes nicht Wahrheit behalte, es sei dies ein so großes Werk, wie zum zweiten Wale nichts Aehuliches vorhanden ist. Hat Goethe den Don Carlos ober den Wallenstein als ein so großes Werk bezeichnet? Wer etwa einwendet, der Leser werde den Ausspruch Goethes kennen, silso das Richtige treffen, dem! ist zu erwidern, daß Gervinus damt die ganze zweite Hälfte des Satzes hätte weglassen sollen, denn was der Leser schon genau weißt, soll ihm' kein Schreiber erst sagen. — Hatjm spricht von Schillers Fiesco: Nicht als habe der Dichter eigentlich ein kaltes Napoleonsgesicht (in Fiesco) zeichnen wollen Um 1782 sollte das schwer gewesen fein. Im Magazin für Literatur schreibt ein Professor A. K.: Ich bebaute, selbst auf die Gefahr hin, den Vorwurf, gegen Hans' Arnold, also eine Tante, eine Unliebenswürdigkeit zu begehen, hören zu müssen, es auszusprechen, daß der Stil Arnolds recht salopp ist, und kom'mt sich dabei selbst wahrscheinlich als ein Stilklassiker vor. Selbst bei einem' so feinen Schriftsteller wie Karl Hillebrand steht einmal: Man spricht von der französischen Ignoranz des Auslandes; er Meinte damit die französische Nichtkenntnis des 'Auslandes, und nur das Fremdwort verursachte den schiefen, kaum halbverständlichen Ausdruck. Ueberhäupt die 'Fremdwörter! Es gibt wenig grobe Stil- aebreckM, an denen sie keinerlei Mitschuld haben. Ter Rechtslehrer Holtzendorff, sonst ein klarer Schriftsteller, will rügen, daß ein so geringer Bruchteil der des Mordes Angeklagten verurteilt wird; dies drückt er so aus: Von 134 Angeklagten wurde doch nur eine sehr große Minorität, nämlich! 40, schuldig befunden. In Wahrheit findet er diese Minorität nicht groß, sondern sehr gering; hätte er Minderheit geschrieben, so wäre ihm! der Unsinn schwerlich widerfahren. In der auf reine Sprache und klaren Stil haltenden Kölnischen Zeitung stand einmal : Hier lernte er seine spätere Frau und Witwe kennen, heiratete sie und fuhr mit ihr nach Konstantinopel. Daß jemand seine eigene Witwe heiratet und mit ihr in der Welt herum'reist, ist immerhin ungewöhnlich. Adolf Stahr läßt in feiner Kleopatra jemand sagen: Inmitten der in deiner Heimat wütenden Furie des Bürgerkrieges. Inmitten einer Furie? Wer kein Dichter ist, hüte sich! vorm Bildern, und toer Fremdwörter schreibt, werde sich! bewußt, was sie bedeuten. — Ter Philosoph Lasson schreibt: Denn immer tritt ein Punkt ein, wo —. Was ein eintretender Punkt ist, bleibt rätselhaft. Verwildert bildernde Phantasie läßt den Dichter Max Bewer schwärmen: Bismarcks Hand schlug wie die Hand eines Helden, fein Herz wie das Herz eines Dichters. Allzu streng ist diese Ueberkühnheit nicht zu beurteilen; geradezu großartig wirkt sie in einem Heeresbesehl des Prinzen Friedrich Karl an seine Krieger: Lasset eure Herzen zu Gott schlagen und eure Fäuste auf die Feinde! — Wohl nach Cromwells Vorgang. In jeder Grammatik steht die nicht schulmeisterliche, sondern sprachkünstlerisch! vollberechtigte Warnung vor dem Zusammen- häufen von Präpositionen. Herman GrimM verachtet die Ver- itunft und Wissenschaft, die in der Grammatik steckt, und schreibt; Eine Keine Anzahl von für Mathematik vorzüglich begabten Schülern. Fälle dieser Art sind bei ihm! so häufig, daß man an Absicht glauben Muß. Ganz vereinzelt kommt diese Unschönheit bet Jakob GrimM vor (in der Vorrede zum Wörterbuch) von an — 256 — der Oberfläche klebetchen Arbeiten. —. In einer Zeitung stand jüngst der großartige Satz: So scheu wir chn mit durch znm Bösen verlockende Welterfahrung und glückliche Erfolge itrimer gesteigerter Frechheit zum Jüngling heran- und dem Racheschwerte der ewigen Gerechtigkeit entgegeureifen. Der Mann bekam« es fertig, alle Präpositionen in der Regel „an, auf, hinter, neben, in" aneinander zu reihen und ein labyrinthisches Satzgefüge drumherum zu bauen. — Aus die Schluderei mit „her" und „hin" sei hier noch einmal nachdrücklich hingewiesen. Außergewöhnliche Schlamperei begeht der Te.rselbiger Spiel- Hagen: Diese Betrachtung, daß der Genius, Itrie die Sinder, seine Sprache langst innerlich gesprochen hat, bevor er zur ersten Aenste- rung kommt, hebt das Wunder desselben freilich nicht auf, erklärt aber doch eines: den Vorsprung nämlich, welchen derselbe auf diese Weise vor dem bloßen Talente hat, irnd der durch keinen Kleist des letzteren eingebracht werden könnte, selbst wenn derselbe die Energie des Fleißes des Genius hätte. Selbst einem Schreiber 'wie Spielhagen hatte Leint Durchlesen einfallen müssen, daß man nicht dreimal von demselben sprechen und jedesmal einen andern meinen darf. Verzeihlicher sind Schludereien, die belustigend ivirken. Auerbach erzählt in Dorf und Stadt: Reinhold kcüni in das Bierstübchen, wo er sitzen blieb und stundenlang durch die Menschenleeren Straßen wandelte. — In einem der herrlichen Romane von Georg Ebers steht zn lesen: Der Oberpriester trat ihm- näher und legte beide Hände auf seine Schultern. Beide waren von gleicher Größe. Gilt das nicht von allen Menschenhänden? Indessen. Ebers meint den Oberpriester und den Jhmi. Max Kretzer, einer unserer schlämpigsten Schreiber, berichtet von den Arbeiterinnen einer Fabrik: Sie waren alle schon Mütter gewesen, die eineir Mehr, die andern weniger, und erzählt uns: Der Schnee trieb die großen Flocken gegen die Fensterscheiben. Ter ihm nicht unähnliche Wilhelm Walloth schreibt im „Gladiator" von jemand: Er sah sie mit HM verlegenem, halb wütendem, HM wehmütigem Blicke an, ein mathematisches Wunder. — In einer großen Berliner Zeitung wird berichtet: In S. fand man jüngst einen Lumpensammler als Leiche liegen, der nach- seiner eigenen Aussage feit,17 Jahren nicht Mehr in einem Bette geschlafen. — In einer "linderen Zeitung: Beide Fälle (von Selbstmord) betrafen Maurer, die gegenwärtig den besten Erwerb haben. Dieser Unsinn ist die Folge der unseligen Ailleimerei von Relativ- sätzen. — Für die Bilderzeichner unserer Witzblätter liefert Philipp Galen in einem seiner Romane diesen reizenden Stoss: Nachdem sich die Portiöre geschlossen hatte, schlüpfte Mit leisem Tritt ein weiblicher Fuß ins Zimmer und löschte mit eigener Hand die Kerze. Karl Lamprecht will sagen : Sudermann ist tzauptsächllch Dramatiker, hat zwar zuerst Erzählungen drucken lassen, tatsächlich aber zuerst Dramen geschrieben. Dies wird uns in Sätzen mitgeteilt, dre so, gebaut sind: Der Dichter ist seiner Grundlage Nach nicht Erzähler. Denn gewiß hat er der Reihenfolge seiner veröffentlichten Werke nach als Erzähler begonnen . . ., allein diesem äußeren Anschein entspricht nicht der wirkliche Entwicklungsgang. Hat Lamprecht gewacht ober geschlafen, als er die Worte „denn gewiß" hinschrieb? Ueberaus schludrig schreibt Adolf Bartels; an dieser Stelle sei nur seines regellosen Durcheinandermengens von Und und Wie gedacht, die er offenbar für ganz gleichbedeutend hält: Die elementare Kraft wie das seine Gefühl für innere Form kann man sich wicht geben; wir wären zufrieden, wenn Bartels sich einiges Gefühl für die äußere Form geben könnte. — Geibel hat in der Tat eine größere Mannigfaltigkeit der Stoffs lvie die vollständige Beherrschung der äußeren Form erreicht. Dies beides auf einer Seite., Merkwürdigerweise wär Lilieneron, dieser leidenschaftliche Bewunderer sauberer Sprache, oft recht nachlässig, und die mit der Herausgabe seiner gesammelten Werke betraute Freundeshand Deh- Mels könnte ruhig ausmerzen, was der Dichter bei längerem Leben auf Freundesrat gewiß gern selbst verbessert Hätte. Es gibt bei ihm Wendungen wie: Ein markerschütterndes Hurra entlassen unsere Kehlen, — Abseits der eigentlichen Wahlstatt dunkelte, in helles Mondlicht getaucht, ein Wäldchen, — Er sollte unsere Nordarm'ee zum Äbrücken auf Paris verhindern. Aergerliche Schludereien begegnen uns auffallend oft bei Heine: „Ich bin heut im Schoß meiner Familie zurückgekehrt, — Auf dem blanken Schwert gestützt, — Der Lascaro hat errötet", das letzte in Paris geschrieben, wahrscheinlich unter dem Einflüsse von a rougi. ......gelegentlich verunglückten selbst unsere Größten und Sorgfältigsten; wir werden in solchen 'Fällen nicht spotten, vielmehr shsweder an Druckfehler, Korrekturversehen ober an ein augen- "lEiches Nachlassen der Änstorksamkeij denken und für uns daraus eittneymcn, bag wir um so vorsichtiger sein wollen. Tie berühmte stelle bec Kaitt: Der kategorische Imperativ ist also ein einziger Und zwar die;er: Handle .nur nach derjenigen Maxime, durch du , zugleich wollm kannst, daß, sie ein allgemeines Gesetz werde.rst hprachli-ch fehlerhaft, und einer der Herausgeber Kants hat tot Recht vorgeMagen, „durch die" zn ändern in „von bet". " H/unich von Kleist schreibt in einem! Augenblick der GedankW losigkett: Das Glück wollt«, daß das Feuer wegen eine- an# haltenden Regens, der vom Himmel fiel, nicht um sich griff. —, Gottfried Keller in Romeo und Julie: Sie horchten ein Meilch'eM auf diese eingebildeten oder wirklichen Töne, welche von der großen Stille herrührten, oder welche sie mit den magischen Wirkungen bei Mondlichtes veqvechselteu, welches nah unb fern über die graue« Herbstnebel wallte, welche auf den Gründen lagen, und die- an ernsr der schönsten Stellen des herrlichen Kunstwerkes! , Wenn wenigstens alle UnglücksUlle der Schreiber so erheiternd wirlten tote diese zwei aus einer einzigen Zeituugsnutouer: Der FeldMarschall von Manteuffel wurde sich tn seinem Grabe um, drehen, wenn er dies erlebt hatte. — Heute abend Bortrag: Di« Abstammung des MenschengeWechtes von Lehrer Kalb in Gera. Vermischtes. «Ein Schreckschuß für die russische Bureau- k r a t i e. Uns wird geschrieben: Der russischen Bureaukraiie ist ein geivaliiger Schreck in die Glieder gefahren. Der Finauzminister hat beschlossen, die alten sagenhaften Fahrgelder für die Beamten abzilschaffen, und eS soll dem Ministerrat bereits ein Ersatzplan zugegangen sein. Diese Fahrgelder, die sich eigentlich schon mit der ersten Eisenbahn in Rußland überlebt hatten, haben aste Zeit eine der ergiebigsten und angenehmsten Nebeneinnahmen der russischen mittleren und höheren Beamtenschaft gebildet. Wenn einer von den Herren eine Dienstreise zu unternehmen hatte, die sich in Rußland außerordentlich leicht konstrtiieren läßt, namentlich wem, man sich des Wohlwollens eines hohen Vorgesetzten erfreut, so wurde das Reisegeld nach Postpferdei, berechnet, und zwar begann es mit drei und stieg den, Range des Beamten »ach bis zu se ch z e h n Postpferden. Jin Laufe der Zeit haben übertrieben ehrliche Leute wiederholt diese herrliche Einrichtung zu inißkreditieren gesucht, die manchem, der das Reisen gründlich verstand, ein Vermögen emge- bracht hat, aber noch immer ging das Unglück an der luncfereit Bureau- kratie vorüber, selbst als man längst neben den Postpferden die freie Fahrt erster Klasse auf der Eisenbahn hatte. Diesmal scheint es ernst werden zu sollet,, und es ist der revidierende Senator Garin gewesen, der den schnöden Anstoß dazu gegeben hat. Bei seiner Revision im vergangenen Jahre konnte er feststellen, daß der Oberintendant General Rostoivski eine eigenartige Methode anwaudte, um bei seinen Dienstreisen den Säckel des Staates zu erleichtern und seinen eigenen tüchtig zu füllen. Hatte der General eine Kontroll- reise zu den einzelnenJntendanturmederlagen beim Kriegsministeriunr durchgesetzt, so machte er keine Rundreise von Etappe zu Etappe, sondern kehrte von jeder kontrollierten Station jedesmal nach Hause zurück, um die gesammeltei, Erfahrungen gewissenhaft zu Papier zu bringen. Damit soll er alljährlich ganz stattliche Summen heraus- aeschlagen haben. Und Garin mußte sich obendrein überzeugen, daß Vie andern Beamten dem Chef seine Methode rasch abgelauscht und mit dem gleichen Erfolge benutzt hatten. Das schien ihm zu weit zu gehen. * Ein gutmütiger Pfandleiher. Besucher: „Wohl Herr Sohn da im Nebenzimmer?" — Pfandleiher: „Bewahre, ’n Student, der seine sämtlichen Micher bei mir versetzt hat! Ich habe ihm gestattet, jeden Tag ’n paar Stündchen herzukommen, damit er sich auss Examen vorbereiten kann!" * Äu ch daS noch. Reisender ($um Wirt): „Sagen Sie mir bloß, Herr Wirt, wer hat denn in der letzten Nacht neben mir geschlafen? Dieses Geschnarche — kein Äuge hab’ ich zugetan!" — „Neben Ihnen? Also Nr. 13: Buller, Breslau, Galanteriewaren en gros." — „Der Schlag soll mich treffen —- mein Konkurrent!" * Der Sän g er. „Warum bist du denn bei der Verlobungsfeier deines Freundes Fuchs hinausgeworfen worden?" — Weil ich gesungen hab’: „Fuchs, du hast die Gans gestohlen!" * Treffend. Kunde: „Was, achtzig Pfennig kostet die Wurst? Geht da nichts ab?" — Meister (wohlwollend): „Nein, die kriegen Sie ganz!" Geographisches Verschiebrätsel. Kreta — Portugal — Capland — Schlesien — Japan — Böhmen — Sachsen — Argentinien — Persien — China. Vorstehende Nameir , sollen derart untereinander geschoben werden, daß eine Buchstabenreihe, von oben nach unten gcleieit, den Namen einer Residenzstadt ergibt. Auflösung in nächster Nummer. Auslösung des Kreuzrätsels in voriger Nummer: A W G bar ein Abend berg Wald g eier Grub e ngas e i g r e a g r s Redaktion: K. Neurath, — Rotationsdruck und Verlag bet Brühl'schen Unioersitäts-Buch- unb Kleindruckeret. R. Lanae. Gießers