MU ,1 '. WNh WM HMÄEj MLU-LLLLLL i d>WM^äÄ^KUWAW^M°AÄWW Mn i lÄiiaSrLSflL k2^WUWW--KA UM Ä»raK«« E Zwei Welten. Roman von Emma MerL (Nackdruck verboten.) (Fortsetzung.) Er Hatte bei seiner Mutter zu starke Vortvürfe über das „verzogene Ding" schlucken müssen, sein Aerger über Leu peinlichsten Auftritt am Namenstag erwachte wieder mit erneuter Heftigkeit. Aufs äußerste gereizt durch Hildegards trotzigen Ton, schrie er sie mit Heiserer Stimme und dunkelrotem Gesicht an: „Weißt, auf Ä*n Kopf laß ich mir von dir auch nicht herumtanzen! Nichts als Zorn und Schänd' hüt man von dir. Ich hab' ja gemeint, ich müßt' in den Boden sinken vor Verlegenheit, wie du dich bei meiner Mutter benommen hast. Vor meinen Geschwistern vor der ganzen Verwandtschaft. So was ist noch nicht dag'wesen bei uns. Je älter du.wirft, desto mehr merkt man den Widerspruchsgeist! Biel zu gut sind wir g'wesen gegen dich. Wir Hätten ganz andere Saiten ausziehen sollen, damit du g'merkt Hätt'ft, was du so einer Familie, wie die unsere ist, schuldig bist! Meine Mutter hat schon recht: dir steckt's rm Mut!" „Adolf!" unterbrach ihn Mali mit einem erschrockenen Aufschrei Und hob mit flehender Gebärde die Hände empor. Aber gerade der angstvolle Ausruf der Mutter gab den Worten, 'die Hildegard nun zum zweitenmal hörte, eine um so eindrucksvollere, "liefere Wirkung. Das junge Mädchen war aufgesprungen. Mit erregten Zügen, in banger Spannung stand sie beit Eltern gegenüber. ,-Was meinst du damit, Papa? Was meinte deine Mutter?" stieß sie mit bebenden Lippen hervor. „Bin ich . . bin ich denn nicht euer Kind?" Ein Dieses Schweigen folgte. Adolf senkte, nach einem verlegenen Blick auf seine Frau, die zu weinen anfing', den Kopf. -„Ach was! Weil 'sie einen doch auch immer so auseinander bringen muß, daß nmn gar nicht weiß, was man sagt!" brummte er. Aber heiß und fragend blieben die jungen Augen auf ihn gerichtet. Er mußte sprechen. Es war zu spät zum Rückzug, ,,Wir haben dich an Kindesstatt angenommen. Also bist du unser Kind!" tvarf er mißmutig hin, die traurige Miene seiner Frau ging ihm zu Herzen, und er bereute nun, daß ihm im Zorn das langgehütete Geheimnis entschlüpft war. „Aber wer — wer waren meine Eltern?" stammelte Hildegard totenblaß. „Fetzt hilft's alles nichts mehr, Adolf. Jetzt mußt' es ihr halt erzählen," warf Mali nach einem Seufzer ein. „Wenn es nach mir 'gangen wär', dann hätt'st du's erst an deinem Hochzeitstag 'hören sollen, Hildegard! Schau, ich hab' dich immer so gern g'habt, als wenn, du mein eigenes Kind ivärst!" Das junge Mädchen faßte in tiefer Bewegung Frau Malis warme, weiche Hand und behielt sie in der ihren, während Adolf nach einigem Zögern zu reden anfing: „No also, weißt's, b'vor ich unser jetziges Haus 'kauft hab, haben wir in der Schwanthalerstraß' g'wvhnt. Und im Rückgebäud', da waren mehrere Malerateliers. Und da ist eines Tages ein junges Ehepaar eingezogen mit einem kleinen Btädel. Vier Jahr bist du damals alt g'wesen. No, wir haben halt keine Kinder g'habt und die Mali war so ein Kindernarr, sie hat immer ganz verliebt hinüberg'schaut in den Hof, wenn du rumg'fprungsn bist, und mit dem kleinen weißen Hund vom Hausherrn g'spielt hast. Manchmal hat die Mali dir nachher was Gut's hinunterg'worfen, einen Schokolad' oder ein Zelte rl und später hat sie dich auch mit hinaufg'nommen in die Wohnung, und du hast mit einem schönen Puppen- zimmer spielen dürfen, das sie noch aus ihrer eigenen Kinderzeit aufg'hoben g'habt halt'. Wie nachher Deine Mutter krank 'worden ist, bist du den ganzen Tag bei uns g'wesen. Ich hab' ja auch die Kinder gern und es hat uns g'freut, daß es dir so gut geschmeckt hat bei uns, und wir haben soviel lachen müssen über deine drolligen Reden. Oft hast mich im stillen derbarmt, weil man halt doch im Haus erzählt hat, daß es deinem Vater schlecht geht, daß er nichts verdienen kann, besonders in der letzten Zeit, die Frau ist so fchwerkr-ank dag'legen, der Doktor, die Apotheken haben soviel Geld g'kost und er hat sich so g'sorgt und abg härmt um sie und die ganze Nacht ist er an ihrem Bett g'sefsen. Wo soll denn so ein armer Mensch, der von der Hand in den Mund leben muß, die Schneid zum Arbeiten "hernehmen, wenn so etwas daher kommt. No, und dann ist die arme Frau g'ftorben. Da ist er ganz zusammeng'brochen. Die Leut' im Rückg'bäud haben alle g'sagt, so einen Jammer hätten's noch gar nie g'sehn. Er hat auch nicht viel nach seinem Kind g'fragt. Du bist Tag und Nacht bei uns g'wesen. Du hast dich g'fürcht in der traurigen Wohnung und vor dem finsteren G'ficht von deinem Vater. Meine Mali hast so derbarmt, sie hat dich nimmer herlassen wollen. So hat's ja nicht weitergehen können bei dem Mann. Er hat ja was verdienen' müssen. Da ist ein guter Freund zu ihm kommen und hat ihm eine Stell' an'tragen, als Zeichner bei einer großen englischen Zeitung, die einen eigenen Künstler dahin schickt, wo'gräd was passiert. Die Engländer haben damals Krieg g'führt mit Aegypten, da hat er hin müssen, ganz weit fort, dlber der Freund hat g'meint, das wär' das einzige, daß er halt h'rauskäm' aus der Not und aus der Trübsal. Mir ist die Geschichte zu Ohren 'kommen, ich und dis Mali haben gleich g'sagt: ja, was sangt er denn nachher mit dem (Kind an? Das kann er ja doch nicht mitnehmen. Und dis Mali hat's Heulen ang'sangen vor lauter Angst, daß sie dich hergeben müßt', Da bin 250 Ich nüberg'ganMl yi dein Maler und hab' utit ihm g'redt: Wir b'halteir o-as kleine Mädel. Wer schriftlich müßt er niir's geben, daß er ganz auf das Kind verzichten will. Zuerst hat er mich so verwirrt ang'schaut, als Hütt' er gar nicht verstanden, was ich mein'. Aber nach einer Weil', hat er so recht tief aufgeseusz-t und hat g'sagt: „Ja, das ist das beste — die Rettung! Die einzige Erlösung'st Und er hat alles unterschrieben, was ich verlangt hab'. Ich hab ihm noch ein paar Bilder abtänft — ich glaub, sie stehen noch auf dein Speicher droben, denn mir ivaren's viel zu traurig, nur, damit er einen Zehrpfennig hat. Nachher ist er fort und wir haben nie mehr von ihm g'hört. Er wird ivohl g'storben und verdorben sein, der arme Teufel." Mali war bei den letzten Worten zusammengezuckt und hatte sich entfärbt. Wer sie schwieg. „So bist also Lei uns blieb'n und etliche Jahre später, wie ich meine Fünfziger auf dem Buckel g'habt hab, haben wir die Sache mit der Adoption richt! g g'macht. Für dich ist's natürlich das größte Glück g'wesen, daß es so kommen ist. Ich weiß nicht, was aus dir worden wär, Werin wir halt nicht in dem Haus g'wohnt hätten und wenn dich die Mali nicht so gern g'habt Hütt'. Ja, ja, ihr hast es zu verdanken, daß du das gute Leben g'furrden hast. Ich ivill ja nicht groß tun. Wir sind halt in der glücklichen Lag'. Und wir haben dich g wist g'halten, wie unser eigenes Kind. Ja, dabei bleibt's andX da ändert sich nix, Hildegard. Gib der Mama einen Kuß und nachher reden wir überhaupt nicht mehr von den alten G'schichten. Tu g'hörst zu uns, und wenn ich auch manchmal em bißl hitzig werd', du weißt's ja doch, wie gut ich's mein' mit dir!" Er hatte sich allmählich in eine Weiche, rührselige Stim- mung hineingeredet; sein Zorn und Aerger waren verflogen, ja er hatte vollständig vergessen, aus welchem Anlaß er zu dieser ernsten Aussprache gekommen war. Hildegard lehnte ihren Kopf an die Schulter der guten Mali, die ihr sanft das Haar streichelte. Einen Moment lang hatte sie in dieser Klarheit, die sich tvie eilte große Weiße Lichtwelle um sie breitete, ein wonniges Gefühl der Befreiung empfunden. Nun brauchte sie sich nicht mehr wie eine Schuldige zu erscheinen, wenn, sie sich so fremd und vereinsamt vorkam in diesem Heim. Sie gehörte ja auch nicht hierher, sie war ja ein wilder Sprössling, den man in eine andere Erde verpflanzt und der hier nicht so recht Wurzel gefaßt hatte. Ihre eigentste Natur hatte sich geregt, das Ursprünglichste, das Elementare ihre Wesens hatte sie ausge- Sett in deut Zwiespalt, von dem sie sich bisher be- gefühlt. Nun stand sie in einer großen Einsamkeit und ein feierlicher Schauer überrieselte sie, während die Fäden sich lösten, die sie mit ihrer Umgebung verbunden, während sie fortrückte von den beiden, die sie bisher Vater und Mutter genannt. Ein wilder Trotz flammte in ihr auf, ein unbändiges Verlangen, hinaus zu eilen vor die hohe Mauer, mit der sich die Familie Bernhobler gegen alles ablehnte, was nicht zur Verwandtschaft gehörte; einmal zu sehen, wie da draußen das Leben flutet, einmal den Impulsen ihrer eigenen Natur zu gehorchen — nur einmal auf atmen zu dürfen in einer anderen, freieren Luft! Aber dieser Freiheitsjubel, dieses tolle Sehnsuchtsfieber, währte nicht lange. Tann senkte sich plötzlich eine Bergesläst auf ihre Seele nieder. Fester als alle Bande der Natur mußte sie ja die Tankbar- keit an diese guten Menschen knüpfen, die sich ihrer er- barnit hatten. Wenn sie dieses Heim nicht gefunden hätte, was wäre aus ihr geworden? Wo hätte man das verlassene Kind aufgenommen? Vielleicht im Waisenhaus! Sie sah sich in dem Zug der einförmig in Grau gekleideten kleinen Mädchen, die ihr oftmals auf der Straße begegnet waren, die ihr immer so leid getan hatten. Das wäre ihre Kindheit gewesen! Und jetzt müßte sie wohl längst arbeiten, ihr Brot verdienen in einer abhängigen Stellung als Köchin oder Kindermädchen. — Das Herz preßte sich ihr zusammen bei diesem Gedanken. Sie war so weich gebettet worden. Sie hatte nie hungern und frieren müssen. Sie hatte auch an Liebe keinen Mangel gelitten. Die gute Mama! Wie eine zärtliche, liebevolle Mutter hatte sie das arme Waisenkind in die Arme genommen und gepflegt und verhätschelt. Tränen traten in die jungen Augen, als das runde gutmütige Gesicht sie so ängstlich, so besorgt anblickte. Hildegard mußte die heiße Stirn an die treue Schulder lagen, an der sie ihre Kinderschmerzen verweint hatte. Erst nach einer Weile erholte sie sich wieder so weit von ihrer Erschütterung, daß sie sich besinnen konnte, was sich vor dieser tief in ihr einschneidenden Erklärung ereignet hatte. Sie hob den Kopf empor, trocknete sich die Augen und sagte in ganz schüchternem, bittendem Ton, mit einer vor Bewegung zitternden Stimme: „So unermeßlich viel habt ihr für mich getan, ihr beide! Aber schau, Papa, wär's nun nicht undankbar/ wenn ich den ersten besten nehmen wollte, nur um von euch fortzukonunen? Schickt mich nicht weg! Behaltet mich bei euch!" „Aber freilich, Kind, freilich!" beteuerte Mali, ganz zerfließend in Tränen. Adolf hatte ja längst die gebieterische Strenge, zu der er nur von seiner Mutter aufgestachelt worden, wieder aufgegeben. Auch er kämpfte mit seiner Rührung. Butterweich war er, wenn Hildegard so demütig und bescheiden zu ihm sprach. „No ja, wenn du den Leutnant nicht magst! Zwingen tun wir dich nicht, gelt, Mali? Von Fortschicken ist doch gar keine Red' nicht!" Weil ihm aber die Unterredung am nächsten Tage sehr unangenehm war, fing er allmählich an, sich über den Leutnant zu ärgern, der diese unliebsame Stimmung hervorriest .„Es ist schon wahr auch!" brummte er, als er allein mit ! ein er Frau war, „was braucht er denn gleich anz'halten, wenn er nicht einmal weiß, ob die Hildegard ihn mag. Ein« Keckheit ist's! Natürlich, so einem armen Schlucker tüt halt das Geld passen. Eigentlich freut's mich, daß er mit einer langen Rasen abziehen muß!" Bis zum nächsten Tage hatte er sich in eine solche Gereiztheit gegen den Freier feiner Tochter hineingestein gert, daß er den Offizier mit grimmigem Gesicht empfing und ihm, keines Wegs durch die Blume, nein, sehr unverblümt, feinen Korb erteilte. Leutnant Schmidt ging mit verblüfftem Gesicht von dannen. Frau Walburga Bernhobler hatte ihm so bestimmte Hoffnungen gemacht, der Baron ihn so freundlich ermutigt — er war auf diese brüske Abfuhr nicht vorbereitet gewesen und zerbrach sich den Kopf über! dis Ursache. (Fortsetzung folgt.) Napoleons Heerschau bei Mainz. (24. April 1813.) Won Hauptmann @reenen, Düsseldorf. In der Nacht zum 5. Dezember 1812 hatte Napoleon die Trüm'mer der Großen Armee in Smorgoni verlassen. Schon nach! dreitägiger Schlittenfahrt versicherte er in Warschau dem dortigen ftanzösischen Gesandten: „Ich gehe nach Paris, um 100000 Mann auszuheben und bin in sechs Monaten wieder am Njemcn." Und am 11. Januar 1813 stellte der französische Senat trotz, der militärischen und finanziellen Erschöpfung des Kaiserreiches deut Gewaltigen eine drittel Million Mann für einen neuen Feldzug gegen Rußland zur Verfügung. Wer auch mit dieser Masst glaubte er die inzwischen vereinigten Preußen und Russen nicht erdrücken zu können, abermals mußte ihm der Senat zu Anfang April, ans Grund der preußischen Kriegserklärung fast noch zwei weitere Hunderttausende bewilligen. Tenn er war sich wohl bewußt, daß das Geschick seines Thrones von dem Ausfall dieses Feldzuges abhängen wurde. So stand diese fast aus der Erde gestampfte Armee der im Vorjahre in Rußland untergegangenen an Zahl wenig nach, aber das Menschen- und.Pserdematerial wie auch die Kriegsbegeisterung war dafür ganz erheblich! niedriger einzuschätzen. Hatte doch der große.Korse mit unendlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, diesen noch zum Teil gänzlich unausgebildeten Massen durch brauchbare Stämme ein einigermaßen festes Gefüge zu geben. Trotz, ihrer Mißerfolge entnahm er schon zu Anfang Januar den in Spanien fechtenden Armeen etwa 30 000 Mann Stanimtruppen, deren Ausfall dort durch Rekruten ausgeglichen wurde. Von der Nordwest- und Westküste Frankreichs stellte er 251 Miariuesoldaten jeder Gattung zu Bataillonen zusankmeu, die den aus Spanien herbeigeholten an Zahl und TienstLrauchbarkeit in keiner Weise nachstauden. Gleichzeitig drückte er die Genehmigung dazu durch, daß die nicht außerhalb der Landesgreuze zu verwendenden sog. „Kohorten" vom! ersten Aufgebot der Rationalgarde in einer Gesamtstärke von etwa 80 000 Mann dem aktiven Heere zur Verfügung gestellt wurden. Diese schon seit April 1812 unter den Waffen befindlichen Truppen ließ Napoleon zu 22 neuen Linien-Regimeuteru zusanimenstellen. Ein Teil dieser genannten Stam'mtrrippen wurde laut Januar-Seuatsbeschluß, durch! den bereits cinberufeuen Jahrgang 1813 in der Stärke von etwa 140 000 Rekruten ergänzt, wozu int Februar noch weitere 100000 der bei den Aushebungen von 1809 bis 1812 nicht eingestellten hinzutraten. Weitere Einstellungen erfolgten durch den Senatsbeschluß vom 3. April und zwar die schon im Januar genehmigten 150 000 Ausgehobenen voin Jahre 1814, weitere 90Ö00 desselben Jahrganges, sowie 80 000 Mann des ersten Aufgebots der Nationalgarde. Außerdem wurden .durch einen sanften Druck des Kaisers nach Art der preußischen freiwilligen Jäger mehrere leichte Regimenter berittener „Ehrengarde" in der Stärke von etwa 10 000 Mann gebildet. Diese Truppe trug eine besonders prächtige HusareuuniforiN und wurde mit besonderen Vorrechten ausgestattet. , Naturgemäß mußte Napoleon bei dieser etwas gewaltsamen Zusammentreibung seiner Streitkräfte mit einem erheblichen Aus- sall rechnen. Von den Neuausgehobenen war ein großer Teil überhaupt ganz unbrauchbar und auch durch sonstige Abgänge blieb dre Sollstärke nut etwa ein Fünftel hinter den Erwartungen zuruck, so daß die große Armee von 1813 etwa 600 000 Mann uü ganzen stark gewesen sein mag. Die Kosten für den neuen Feldzug bürdete Napoleon den Gemeinden, insofern auf, als er deren Ländereien einfach einzog und sie dafür nur durch fünf- prozentige Eintragungen in das Staatsschuldbuch entschädigen ließ. Gleichzeitig schaffte er durch diese air Raub grenzende Finanz- «o«ra™0.1,1. ^en leit zwei Jahren augesanfmclten Fehlbetrag von 232 Millionen Franks aus der Welt. , .blwa Mitte April hatte Napoleon an der Riescnausgabe der Bereitstellung dieser neuen Huudcrttausende in Paris ununterbrochen ferne ganze Arbeitskraft eingesetzt. Nun handelte es üch..darum, die endlosen Kolonnen dieser nreist noch unfertigen wcasfen vom Rhein aus in Verbindung mit den Hilfstruppen dss Rheinbundes durch Thüringen gegen die an der mittleren Elbe stehenden Verbündeten zu dirigieren. Von Mainz aus gedachte der Kaiser die letzte Hand an die beschleunigte Vorwarts- bclcegung der gewaltigen Heeressäulen zu legen. . Im Morgengrauen des 17. April trifft der Unermüdliche rn der Rhein- mrd Mainstadt ein. Schon wochenlang vorher hatten dm Luyeranteii und Handwerker von Mainz, Frankfurt und Hanau alle Häirde voll zu tun, um das an der Ausrüstung der Truppeil Fehlende noch rechtzeitig zu beschaffen und fertigzustellen. Denn bei der fieberhaften Tätigkeit in Frankreich war manches Hals über Kopf gegangen. Während nun der Bizekönig Eugen mit der Elb-Armee nach deut Nasenstüber bei Möckern eine Bereitstellung hinter der Saale einnahm, versammelte Napolcoii die Hauptbestandteile der neuen Armee und die Rheinbiindtruppen unter der Bezeichnung „Marine-Armee" in der Maingegend. Um Würzburg zog Marschall Ney, der Fürst von der Moskwa, das timt dem geschäftigen General Kellermann in Mainz trefflich vorgebildete 3. Armec- korps zusammen, um gegen Mitte April nach Meiningen zu marschieren. Diesem Korps wurde auch, die aus 11 Bataillonen Badenern, Hessen und Frankfurtern bestehende Division Marchand sowie ein 1812 ans Spanien zurückgezogenes badisches Kavallerie-Regiment nebst 16 badischen und hessischen Geschützen zugeteilt. Ihre Infanterie bestaiid aus dem 2. und 3. badischen ^nsanterie-Regiment, dem Frankfurter Infanterie-Regiment, beut 2. chMischen Infanterie-Regiment, den hessischen Gardefüsiliereil und der hessischen Leibgarde. Auch das 12. Armeekorps des Marschalls Oudinot, zu dein' die bayrische Division Raglovich. ge- horte, sammelte sich bet Würzburg. Etwa auf gleicher Höhe schob Marschall Marmont, der tut Juli 1812 in Spanien gegen Wellington die Schlacht bei Salamanca verlor, fein v6. Armeekorps zu derselben Zeit nach Eisenach vor, während eine seiner Divisionen zum Schutze des Königreichs Westsalcit und des Grvß- herzogtnms Berg bei Gießen Aufstellung nahm. Tie westfälische Ttvisioii selbst sammelte sich inzwischen unter dem General von Uammerstein bei Kassel, um erst sAnfaug Mai dem Korps des Marschalls Marmont eiitverleibt zu werden. Ebenfalls Mitte April erreichte von Verona her Marschall Bertraud mit dem aus italienischen Truppen zusammengesetzten 4. Armeekorps die Gegend von Bamberg; erst nach der Schlacht bei Großgörschen trat die württembergische Division Franguemout unter die Befehle dieses Generals. Am weitesten rückwärts stand bei Mainz die einzige, wirklich vorzügliche Truppe, die 15 000 Münn starke Kaisergarde. Ihre Infanterie war dem Marschall Mortier unterstellt, währeitd Marschall Bessitzres, der Herzog von Istrien, die Kavallerie befehligte. Die Jnfaillerie bestand aus 2 Bataillonen alter itnb 14 Bataillonen junger Garde; die Kavallerie, ivorunter auch eine augenblicklich abkommandierts SOvadroit bergischer Lanziers, aus 16 EZkadroils. M Artillerie verfügte die Garde über 6 Batte- ru'ii mit 42 Geschützien. Tie 6 Bataillone zahlende, nodii bei der Elb-Armee befindliche Garde-Division Rognet sollte beim Vormarsch nach Sachsen zur Main-Armee stoßen, während noch 12 weitere Gardebataillone mit 8 Schwadronen und 9 Batterien ßu) noch aus dem Innern Frankreichs int Altmarsch befanden. so tonnte der Kaiser zwar in Mainz an geschlossenen Verbanden nur diese Elitetruppe persönlich besichtigen. Doch musterte er eoenfälls mit prüfendem Blick die sonstigen uachmarschkerenden Truppenabteiliiiigen. Und Mit weitschaueiidem Auge übersah er mtch alle die bereits aM oberen Main dem Brennpunkt der Stellung der Verbündeten zustrebenden Heeresteile. Endgültig ordnete der geniale Kriegsmeister von hier ans dte Zusammen- setzung setner dte gefaulten deutschen Lande überschwemmendM Korps und suchte mit sicherem Blick für die höheren wie auch die niederen Kommando stell en die geeigneten Führer aus. . Uber nicht ohne Bangen sah der gewaltige Imperator bei setner NM 2o. April erfolgendett Weiterreise trotz, seiner Sieges- zuverdicht dem kommenden Feldzüge entgegen. War es doch keinem' Kennerauge nicht entgangen, daß weder der äußere noch der innere Wert des aufgebotenen Materials dem! seiner früheren Kriegszüge in keiner Weise gleichkam. Bei der Infanterie fchlte dem' größeren Teile der Mannschaften die Einzel- und die Schießausbildung fast vollständig und auch das Trupp- WWeren sowie der Felddienst ioareit auf das notdürftigste be- schranft gewesen. Infolgedessen müßten sogar die Marschtage nach dem' KrieElchauplatze zur Ergänzung der Ausbildung benutzt werden. Tie Kavallerie war im Vergleich zu der der Verbün- deten äußerst schwach, das Pserdematerial jämmerlich und die Reitferltgkeit derNeuausgehobenen Mehr wie ungenügend. Tie Artillerie hatte dieselben Mängel, außerdem waren die 'Geschütze veraltet und meist nur mit vier Pferden bespannt. Auch die Mimitionsausrüstung, die Leistungsfähigkeit der Feldverwaltungsbehörden, des)Generalstabes und des Sanitätswesens ließen allerhand zu wünschen übrig. Was aber den inneren Wert der nur zu zwei Dritteln ans Franzosen bestehenden Armee betrifft, so war die Kriegsbegeisterung im Hinblick auf diejenige der Verbündeten eine wenig nachhaltige. Auch die Manneszucht konnte nicht die beste sein, da doch ein sehr großer Teil der Ausge-'' I)obenen_ nur sehr widerwillig diente. ..., Daß Lei dieser arg begrenzten Leistungsfähigkeit der franzö- NMwii Armee ein bleibender Erfolg nur allein durch! überlegene 'Ojjm'ung wieder wettznmachen war, diese lleberzenguitg hatte itch auch dem genialen Korsen in nicht miWutierstehender Deutlichkeit aufgedrängt. Gab' er doch selbst dieser Notwendigkeit Ausdruck, indem er sagte: „Ich werde diesen Feldzug als General Bonaparte und nicht als Kaiser Machen!" Gibt es traumlosen Schlaf? „Fester, traumloser Schlaf" — das ist eine Redewendung, die jedem geläufig ist, und wenn sie den Tatsachen entspräche, wäre der Schlaf wirklich der „Bruder des Todes". Gibt es wirklich traumlosen Schlaf? Die Ansichten der Gelehrten gehen darüber auseinander; Cartesius, Leibniz und Kant bestreiten es, andere Forscher, darunter recht angesehene Psychologen, z. B, Strümpell, Hammond und Weygandt, behaupten es. Auch die moderne Psychoanalyse leugnet den traumlosen Schlaf, und neuerdings hak diese Anschauung in dem Breslauer Nervenarzt Dr. Richard Traugott einen Verfechter gefunden. In seinem soeben bei Curt Kabitzsch in Würzburg erscheinenden Buche „Der Traum, psychologisch und kulturgeschichtlich betrachtet", greift er das Problem von einer neuen Seite an. Die Theorien über den Schlaf, die Blutleere oder Blutüberfüllung des Gehirns aunehmen, führen nach seiner durchaus berechtigten Annahme zu' keiner Beantwortung der Frage, da ja, wie schon Kronthal dargetan hak, Schlaserscheiniingen bei Tieren vorkommen, die gar kein entwickeltes Gehirn haben und selbst Pflanzen schlafen. Befragt man andere Meiisehen, ob sie traumlos schlafen, so kann man aus der Antwort keine Schlüffe ziehen, da wegen des bekannten raschen Vergessens der Träume niemand ein Kriterium dafür hat, ob seine Angaben richtig sind ober nicht, und ans dem gleichen Grunde versagt die Selbstbeobachtung. Dr. Traugott wirst nun die Frage auf, worin Wesen und Zweck des Schlafes bestehen:' der Schlaf dient dazu, das Gleichgewicht im Körper zwischen Aufbau und Verbrauch wieder herzustellen. So ist der Schlaf von Shakespeare auf das treffendste charakterisiert worden, der ihn „den zweiten Gang int Gastmahl der Natur, das nährendste Gericht beim Fest des Lebens" genannt hat. Abbau und Wiederaufbau (Dissimilation und Assimilation), gehen nun beim Wachen wie int Schlaf gleichzeitig nebeneinander her, nur ist es im höchsten Grade wahrscheinlich, daß im Wachen der Abbau, beim Schlaf der Ausbau überwiegt. Die Körperorgane arbeiten während des Schlafes weiter, wenn auch die Arbeit ermäßigt ist. Der Analogieschluß führt nun dazu, daß ebenso wie in anderen Organen auch in der Rinde des Großhirns Ausbau und Abbau tut Schlafe gleichzeitig bestehen, mit anderen Worten, daß auch im Schlaf die besondere Tätigkeit der Großhirnrinde, die Bewußtseinstätigkeit, nie aufhört. Nun ist aber der Traum doch nichts anderes, als die dem Schlafe eigentümliche, durch ihn modifizierte Bewußtseiustätigkeit. Zusammeugefaßt heißt dies in den Worten 252 Dr. Traugotts," daß zwar auch im Schlaf die Gmiestatlg- fei» hier Traum genannt — fortbesteht, dM sie aber tn eiiieiu nach Wert und Masse herabgeminderten Maße vor srch geht. Den Umftoitb, daß im Schlat gerade dre höchsten?Ejg° Funktionen in Wegfall fontmen, namlrch das abstrakte Deuten, begründende Urteilen unb Sßä^lw uVro n ii&e? die Folge davon auffaisen, daß n« Schlaf die Assmnlanon noer die Dissimilation überimegt; hierdurch aber ^rd em genügender Eueraiaersab gewährleistet, rind so kann trotz permanenten^ .brau mens doch eine ausreichende Krastaufspeicherung, em genügendes „Ausruhen" statt haben." VsikMischLes« bk. B a k t e r i e u h ö h l e n. Traurig, höchst traurig sind die Ergebnisse, gtt denen der französische Arzt LanglaiS der semen jünasten Untersuchungen über die Bakterreir un Barbierladen ge- kommen ist. Alle Geräte, die die Barbiere und Friseure der der Ausübung ihres Handwerkes benutzen, hat er untersucht'nachdem nni bi, übliche Weise gereinigt worden waren. Jedes LLerr- zeug wurde in 50 Kubikzentimeter keimfreies Wasser gebracht und nach einiger Zeit wurde der Bakteriengehalt oes Wassers besttnnnt. Da zeigte sich denn, daß tauf den Kubikzentimeter berechnet,, das Rasiermesser 8600 Bakterien zurückgelassen hatte, wert mehr, nämlich 160 000, waren es bei dem Rasierpinsel, verymtnwmaBig günstig, mit 5800, schnitt der Rasiernaps ab, ein Metallkamm hinter- ließ 28 OOO Keime int Kubikzentimeter Wasser, em hölzerner Kamm gar 178 000 und eine Kopfbürste die erschreckend große Menge von 576 000. Der „Matin", dem diese Zahlenangaben entnommen sind, sagt zwar iticht, daß es sich um gefährliche Krankherlserreger gehandelt hätte, ivohl aber, daß die bekamtten Ettererreger, Staphylo- okken und Streptokokken darunter waren. AuS diesen Bersuchen darf man aber keinen Schluß auf die Reinlichkeit des Barbter- ladens ziehen, denn es ist eine bekannte Tatsache, daß alle Gerätschaften, die im täglichelt Leben gebraucht werdeit, ebenso von alle» möglichen Bakterien wimmeln. » W o blieben die I u w e l e n der Kaiserin Eugenie? Tie Auffindung einer geheimnisvollen Flasche mit einem vom 4. September 1870 datierten Verzeichnis von Juwelen der Kaiserin Eugenie läßt ivieder die alte, noch nie einwandfrei beantwortete Frage aufleben: wo blieben 1870 bei dem »ju5flniiiteii= bruch des französischen Kaisertums die Juwelen der Kayerin Eugenie? Denn die jetzt in den östlichen Pyrenäen aufgeftuidene Flasche, worüber wir berichtet haben, in deren unmittelbarer.iahe man am nächsten Tage bei den eingeleiteten Ausgrabungen auch ein Skelett fand, ist nicht die einzige, die im Laufe der letzten 40 Jahre durch Zufall ans Licht gebracht wurde. Im „Journal beschäftigt sich Camille Ducray mit diesem Geheimnis der Geschichte. Am 3. September 1870 lief in den Tuilerien die Unglucksbotschast von Sedan ein: der Kaiser und sein Heer waren gefangen. Vor dem Schlosse versammelt sich eine Volksmenge, es kommt zu Kund- gebnngen und von Stunde zu Stmtde wirb die Haltung feindseliger und drohender. In der folgenden Nacht genehmigt das Parlament in einer außerordentlichen Sitzung den Vorschlag Jules Favres: „Louis Napoleon Bonaparte und seine Dynastie sind der Negierungs- gewalt, die ihnen die Verfassung verliehen hatte, entkleidet. Die Ereignisse überstürzten sich. Im Morgengrauen des nodiften Tages fühlte Eugenie de Guzman, Kaiserin der Franzosen und Regentin, den Thron wanken, und schon um 3 Uhr mittags fluchtete sie sich zu dem amerikanischen Zahnarzt Evans. Aber Eugenie war Frau und eine Frau von Verstand. Ehe inan ihre Kassetten und Schatullen plündern sollte, wollte sie ihr Eigentum retten. Sie batte einige Leute, denen sie Vertrauen entgegenbriiigen konnte, schon vorher zu sich befohlen, hatte ihre Jmvelen unter diese Männer verteilt, ihnen ein genaues Inventar beigefügt und den treuen Dienern das Reiseziel angegeben. Es war Madrid; der Gräfin von Montyo. der Mutter der Kaiserin, sollten die Schätze in Verwahrung gegeben werden. Dann verlassen diese geheimen Sendboten das Schloß. Sie haben geschworen, ihre Mission zu erfüllen — oder zu sterben. Und mm beginnt der Abenteuerroman. Einige dieser Boten muhen ihr Ziel erreicht haben, denn später wurden rechtmäßige Juwelen der Kaiserin Eugenie verkauft. Die anderen aber trafen nie in Madrid ein und inanche von ihnen kamen vielleicht um. Gewiß- heit über ihr Schicksal hat man nie erlangt: aber Spuren und Indizien sind mehrfach anfgetaucht. Im Jahre 1873 sand ein Bürger von Cannes auf dem protestantischen Friedhöfe von St. Hippolyte-du-Fort eine Flasche, die ebenfalls ein Verzeichnis von Juwelen aus dem Besitz der Kaiserin Eugenie enthielt. Und kurz darauf wirb in der Nähe des Kirchhofes voii Ganges im Departement Herault ein ähnlicher Fund gemacht. 1882 legen Erdarbeiter in La Salle eine Reihe von Skeletten frei; eines von ihnen zeigt am Halse eine kleine Blechbüchse. Man finbet darin Papiere, und darin ein amtlich abgestempelteS Verzeichnis, vom 4. September 1870 datiert, mit Angabe der kaiserlichen Juwelen, die der Bote der Gräfin von Montijo überbringt. Ter Empfängerin wird mitgeteilt, daß der Ueberbringer der „fünfte" Bote mit Juwelen fei. Die Naclstvrsihungen ergaben, daß die aufgesimdenen Skelette die Gebeine von Reisenden waren, die am 19. September nachts bei einer Eisenbahnkatastrophe bei St. Fran-ois umgekommen waren. Auch der geheime Boten der Kaiserin Eugenie befand sich unter den Toten. Aber wo blieben die Juwelen, die et bei sich trug? Sie sind spurlos verschwunden. In der Gegend wußte man damals nut zu berichten, daß einige der Augenzeugen jener Katastrophe auf rätselhafte Weise über Nacht plötzlich reich geworben seien. Nie aber würben Juwelen gefunden. K.-K. D i e neuen chinesischen Flaggen. Die bisherige chinesische Kriegsflagge war dreieckig und zeigte aus gelbem Felde einen stahlblauen Drachen und in der linken oberen Ecke einen roten Ball Die viereckige Handelsflagge war gelb, mit Drachen und rotem Ball wie die vorige. Das aut den Trümmern der Mandschudespotie aufgeriebtete republikanische Gemeinwesen hat nun aber auch ueue Flaggenvorgeschrieben, die anstelle der bisherigen zu führen sind, fo daß die Flaggen tafeln in unseren Nachschlagewerken einet Korrektur unterzogen werden müssen, über die wir einige Angaben in den „Zeiten und Völkern" (Stuttgart) finden. Fortan ist die Kriegsflagae guadratisch, weiß, mit einem roten Viereck in der linken oberen Ecke, in dessen Mitte ein neunzackiger schwarzer Stern erscheint. Die längliche Handelsflagge ist rot und trägt in der Milte eine» großen schwarzen neunzackigen Stern, dessen Spitzen gelbe Kugeln außen abschließen und innen einsäumen. Die Nationalflagge der bewaffneten Macht zu Lande, die auch auf Gebäuden gehißt wird, ist rechteckig mit fünf gleich breiten Horizontalstreifen, die von oben nach unten folgende Farben ausiveisen: rot, gelb, blau, weiß, schwarz, * Das Geschlecht der Luftschissn amen. lieber das Geschlecht der Luftschiffnamen herrschte wie über das der Schiffe bisher große Unsicherheit. Der Sprachausschuß des Lnft>ahrer- verbanbes, der bekanntlich vor kiirzem auch vortreffliche deutsche Ausdi ticke für zahllose Fremdwörter eiugefübrt hat, empfiehlt nunmehr, den in der Kaiserlichen Marine geltenben Brauch auch auf die Luitschiffahrt anjuwenben; nämlich: 1. Man wendet das Ge- schlechtsivort an, das naturgemäß dem Namen znsteht, also: d e r „Prinz Adolf", b er „Mars", b er „Pelikan", b t e „Viktoria Luise", d i e „Hertha", d i e „Hansa", d i e „Gazelle". Natürlich gilt dies auch sät GattungSbezeichnuugen: man fährt mit eine m „Zeppelin", besteigt den „Patieval 9". 2. Namen, die in unserer Sprache keinen Artikel haoen, weil sie von Landern und Städten entlehnt sind, erhalten den weiblichen Artikel, alio: die „Weißenburg", die „Helgoland", die „Nassau", die „Deutschland", die „Schivaben", die „Kiel I". Einer gedankeulofen Nachäffimg englischen Sprach- gebraitcljS macht man sich bei Uebernahrne von Regel 2 der Hailer« sichen Marine «i cb t schnldig, vielmehr war die Auffassung der Schiffuainen als weiblich eine alte niederdeutsche Gewohnheit, die die Engländer erst übernommen ober wohl gar schon von den Angelsachsen ererbt haben. Uebrigens ist diese Sprachstile im Englischen am Artikel nicht erkennbar, der ja für alle Geschlechter gleich the lautet, sondern nur an dem Fürwort she, das stellvertretend für den Namen eines Schiffes eintritt. Zur weiteren Bernhigung könnte man anführen, daß man sich Länder imb Städte gern burcl) Jranengestalten verkörpert denkt, denen bann allerdings meist lateinische Namen beigelegt werben: Germania, Borussia, Lipsia. Endlich hat einmal der Sprecher bei der Taille beS Dampfers „Deutschland" eine recht sinnige Erklärung gegeben. An Bord sei es ihm klar geworden, warum man Schiffe wie die „Deutschland" als weibliche Weien bezeichne: weil f i e schön sind n n d die Männer sie lieben. Derselbe Gedanke hätte ihm sehr wohl auch au Bord eines unserer demschen Lnstschiffe kommen können. * Die gute alte Zeit. Buchhalter (eines Geschäfts, als der Praktikant mit dem Briefmarkeubefeuchter Marken aufklebt): „Was für Geschichten heutzutage aus allem gemacht werden! Zu meiner Zeit hat matt einfach für 5 Pfennig pulverisiertes Gummiarabikum ins Maul genommen und Hunderte Marken dann aufgeklebt!" Auflösmig tu Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Tadel, Nadel. Areuzrötsel. In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben t a a a a abbbb ddeeeo teeegggggggiilln nrrrrrrssuuww derart einzutragen, daß die setikrechten und wagerechten Reihe» gleichlatiienb solgettdes ergebe»: 1. Berg i» der Schweiz. 2, Nüytichen Rattbvogel. 3. Bringt bisweilen Tod und Verderben. Öfter Nummer. Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießo»