ii >Wtw|T Samstag, den 22. November tfo TUti fljiij roJ D iar •XI ti I f * % Ä Fm» WUtW ■ uhr< M „ Äsuernbiut. Libman von Gerhart v. A m h n t o r (Dagobert v. Gerhardt). (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) In dem Gasthofe, in dem Carvalho abgestiegen war, wurde Peter mit der verblüffenden Erklärung des Portiers abgefertigt: „Der Herr Marquis ist nicht mehr anwesend, er ist mit seinem Diener nach London abgereist." Ganz niedergeschmettert wankte Peter auf die Straße zurück. Er nannte kaum noch einen Groschen sein eigen, er verdiente nichts mehr und konnte aus den Quellen, aus denen er geschöpft hatte, nicht mehr schöpfen, auf den Empfang der ihm versprochenen 1000 Taler hatte er daher mit voller Sicherheit gerechnet. Und nun war der Marquis mit dem Gelde verschwanden! Scham und Reue, Zorn und Verzweiflung tobten in seinem .Herzen. Er hatte sich schon mit dein Gedanken vertraut gemacht, daß das Sündengeld, wie er es bis vor kurzem heimlich uoch genannt hatte, doch eigentlich kein Sündengeld war, sondern ein ehrlich verdienter Sold für Kriegsdienste, die er im Kampfe gegen die Gesellschaft und im Auftrage jener Unbekannten geleistet hatte, denen die sittliche Verantwortung für die Dat ganz allein zufiel. Rot lehrt beten, heißt es wohl im Sprichwort; oft lehrt sie aber auch, dem Gewissen Zwang antun und sich mit Sitte und Gesetz entzweien; es kommt allein auf die Person und ihren Charakter an. Wie betäubt schritt Peter durch das Gewühl der Meu- schen. Er wußte uicht, was er nun beginnen sollte. Daher von Carvalho betrogen iverden würde, das hatte er nicht für möglich gehalten. Also uoch tief unter dem gemeinen Verbrecher stand jener heuchlerische Schurke; Diebe und Einbrecher pflegen doch sonst einander die Treue zu wahren. Dein Grolle auf sein feindliches Geschick gesellte sich eine zähneknirschende Wut gegen sich selber, daß er so blind und töricht gewesen ivar, sich durch die Teilnahme an einem Verbrechen in Gefahr zu bringen, ohne sich wemgf- stens den materiellen Ertrag dieses Verbrechens sicherzu- stellen. Durfte er noch eiuiuäl in seine Wohnung zurückkehren oder ivar es nun auch für ihn Zhit, den immer heißest werdenden Boden Merlins zu verlassen? Die Zeitungen hatten schon eine kurze Mitteilung von dem in Giersdorf verübten 'Einbrüche und die Nachricht gebracht, daß sich die Staatsanwaltschaft bereits mit der Sache beschäftige. War der von ihm draußen verlorene Brief nicht jetzt schon gefunden? Sollte er abwarten, bis man kommen und ihn verhaften würde? Er mußte fliehen. Aber zur Flucht gehörte Geld. Tod und Teufel! Welch' ein erbarmungswürdiger Dummkopf war er gewesen! Es geschah ihm recht, daß er sich in dieser blutigen Verlogenheit und in hissest nervenzerrütteuden Angst befand, warum hatte er noch einer Menschenseele Glauben geschenkt, warum vergessen, daß alle Zweihänder Kannibalen sind, bie ohne Ausnahme: einander verschlingen, sobald sie der Hunger dazu treibt? Er begab sich nach seiner Wohnung, steckte die wenigen Sachen, die sein eigen waren, in einen Reisekoffer, und teilte seiner Wirtin mit, daß er in GeschäftsangelegenheitiöN sofort nach Hamburg und später vielleicht noch weiter nach England fahren müsse. Dem Kutscher, der ihn und' seinen Koffer in die Droschke aufgenommen hatte, rief er eilt lautes, für das Ohr der sich am Wagenschlage verabschiedenden Wirtin mitbestimmtes „Nach Bahnhof Friedrich- straße" zu und fuhr grüßend davon- Auf dem Bahnhof angekommen, nahm er aber keinen Fahrschein; er wies vielmehr, nachdem er mehrere Minuten gewartet hatte, einen Gepäckträger an, seinen Koffer nach einer Droschke zu schaffen und ließ sich dann, wie einer,; der eben erst in Berlin angekommen ist, nach dem Hausfej der Frau Meerholt fahren. _______ Dort ließ er feinen Koffer im Hausflur, indem er ihn der Obhut des im Keller hausenden Vizewirtes üb-epgab^ und stieg möglichst geräuschlos drei Treppen in die Höhe, um an Frau Meerholts Tür zu klopfen. Das „Herein!", das er deutlich als einen Ruf Sabinens erkannte, verursacht^ ihm ein freudiges Aufatmen. „Gott sei Dank! Sie ist anwesend!" Er öffnete aber! nicht, sondern klopfte zum zweiten Male. Auch auf das wiederum ertönende „Herein!" drückte er doch nicht auf die Klinke, sondern fuhr leise zu klopfen; fort; da wurde die Tür ungeduldig aufgerissen und eine weibliche Stimme fragte verweisend: „Wer klopft denn da in einem fort?" , : „Ich bin's, schöne Sabine. Bist du allein?" „Ach, Peter! Du bist es? Ich Lin allein; nur Muttest ist noch drinnen." „Die braucht mich nicht erst zu sehen, ich mochte dich! gern unter vier Augen sprechen." „Dann komm hier in die Küche." Sie öffnete eins andere Tür auf dem Flur !und forderte ihn mit einest Handbewegung zum 'Eintritt astf. I „Deine Mutter wird mich aber hier finden." „Unbesorgt! Sie hat dein Klopfen gar nicht gehört." Er wußte, daß die alte Frau etwas schwerhörig war, und schlüpfte beruhigt in die halb dunkle Küche. „Du hast doch nichts ausgefressen," fragte Sabine, „daß du so geheimnisvoll tust?" „Man will mich ausweisen," versetzte er, Wohl vorbereitet auf diese Lüge; „man möchte sich des sozialdemokratischen Agitators entledigen; die Polizei fahndet nach mir. Ich bin den Schergen zuvorgekommen, inbein ich meine Wohnung aufgegeben und meiner Wirtin weißgemacht habe, ich müßte sofort nach Hamburg abreisen. Statt nach Hamburg bin ich labest zu dir gefahren; puj mutzt mir helfen, einen Unterschlupf finden bei irgend 730 jemand, ans den man sich verlassen kann und der' einen, nicht etwa gleich Lei der Polizei anmeldet." . Sabine sann nach; der zukünftige Schwager, der ernst selbst ihr Bräutigam gewesen war, tat ihr leid; sie wollte! versuchen, ihm beizustehen. „Weißt du," hob sie nach einer Weile an, „wenn dir, einer aus der Patsche helfen kann, so ist es der alte Ge-f Lauer unten." „Wer ist das?" "Der Kellerbewohner, dem ich meinen Koffer zur Beaufsichtigung gegeben habe? Er ist lahm und hustet wie ein- Pferd." „Derselbe. Komm •mit! Wir wollen gleich zu rhm hinuntergehen." ' ,, , Sie huschten beide über die hohen steilen Treppen hinab und klopften an eine Tür des Kellergeschosses. Ein mittelgroßer Mann mit freundlich blickenden, gutmütigen Augen, starkem, blondem Schnurrbart und einem, wie es schien, etwas verkümmerten, krummgezogeuen Arm humpelte ihnen etgegen und fragte mit leicht belegter Stimme: „Ei, Fräulein Meerholt, was verschafft nur denn die hohe Ehre? Sie bringen mir förmlich Sonnenschein in diese finstere Höhle!" Ein kräftiges Aufhusten schloß diese artige Bemerkung. „Guten Tag, Herr Gebauer, ich habe eine Bitte an Sie: Wollen Sie diesem Herrn hier wohl auf einige Zeit ein Unterkommen in Ihrer Wohnung gönnen?" Der Kriegsinvalide, der nach dem französischen Feldzüge noch jahrelang Weichensteller bei einer Eisenbahn gewesen und nun doppelt pensioniert war, sah den Fremden musternd an, und offenbar befriedigt von dem gewonnenen Eindrücke, erwiderte er in munterem Tone, aber von neuen Hustenanfällen unterbrochen: „Warum denn nicht? Wenn's dem feinen Herrn hier nicht zü ungemütlich ist; dort hinten in der zweiten Stube ist Platz genug: da kann er ganz allein hausen." „Und was soll ich an Miete entrichten?" fragte Peter, der im geheimen ausgerechnet hatte, wieviel er ungefähr noch durch Sabinens freundliche Vermittelung von seinem Bruder würde herausschlagen können. Der Alte warf den Kopf in den Nacken und! sagte sorglos und ungekünstelt: „An Miete? Gar nichts! Vermieten darf ick ja dre Stube nicht ohne Erlaubnis des Wirtes, der sie sicher nicht geben würde; aber 'n guten Freund, 'n arrge-- neymen Besuch, so uff 'ne Woche oder 'nen Monat hier kampieren zu lassen, det kann mir keener nicht verbieten; det is reene Privatangelegenheit und geht keenen was an." „Sre sind ein Prachtmensch, Gebauer," sagte Peter und klopfte dem wiederum hustenden Alten auf die Schulter. „Sie betrachten die Sache genau so, wie ich sie betrachtet; zu sehen wünsche. Sie werden sich daher auch meinem Wunsche fügen und meine polizeiliche Anmeldung unterlassen, nicht wahr?" Der Invalide schaute den so Verdächtiges Begehrenden von der Seite an, stieß durchs die gespitzten Lippen einen leise pfeifenden Don und fragte gemütlich: „Wat haben Sie denn uff'm Gwissen?" „Etwas, das Sie als älter Soldat vielleicht nicht recht verstehen werden: Ich bin Sozialdemokrat und' man will mich verhaften." „Das geschieht Ihnen Hänz' recht!" erklärte der Alte mit vollkommenster Aufrichtigkeit: „Nee, hören Sie, eenen von den Sozialisten beherberge ick nicht; ick bin 'n oller Krieger und habe vor meinem Kaiser und vor mein Vaterland mir hier diesen Flügel und hier dieses Spazierholz zusammenknallen lassen, so daß ick nur noch umherkrabble wie 'ne kranke Padde; aber mit so 'n sozialdemokratischen Stänker teile ick meine Bude nicht! Bombenelement! Ick bin 'n Königlicher" — neue Hustenunterbrechung — „und meinetwegen kann de Polizei Sie und Ihre ganze Sippschaft von Armelxntedummacheru ins Loch stecken!" „Aber, Herr Gebauer", beschwichtigte ihn Sabine, die unt irgend eine Ausflucht nicht so leicht verlegen war und zudem die im Grunde gutmütige Natur, des alten Knasterbartes aus vielfacher Erfahrung kannte, „Sie verkennen diesen Herrn ganz und gar, eben weil er nicht so will wie die roten Parteiführer, deshalb ist er mit ihnen zusammengeraten und man hat ihn ausgestoßen unb nun steht er allein und ohne Anhang da, oHne daß ihm die Polizei seine früheren Beziehungen vergessen will." „Ansgestoßen haben sie ihn, weil er nicht mehr mit-» Machen will?" fragte Gebauer mit einem jetzt viel wohl-j gefälligeren Schielblick nach dem 'Fremden, „das ist was! anderes! Wenn er's mit der Bagage nicht mehr hält, dann ist er mein Mann und kann hier bleiben, so lange er will; und wenn die Polizei ihn suchen sollte, weil er früher einmal jenen Menschen zulieb Dummheiten gemacht hat, nun, so wird sie ihn hier bei mir gewiß nicht finden; anmelden werde ich 'n nicht, ick kann det verfluchte Jeschmiere so wie so nich leiden, aber" — hier wandte er sich direkt an Peter — „Sie müßen ooch keene neuen Dummheiten mehr machen und sich 'n bisken still verhalten...." „Das heißt nur den Tag über; zur Nacht gestatten Sie mir doch wohl auszugehen", fragte Peter. Gebauer lächelte. „Wenn ick nur jünger wäre und noch meine gesunden Knochen hätte, ick ginge mit!" So war das Abkommen geschlossen; der Alte hatte einen Hausgast und die Aussicht auf ein anständiges Gastgeschenk gewonnen und Peter atmete wieder freier auf, weil er vorläufig hier sicher sein konnte vor der Gefahr einer Per-» Haftung. ,, _ Wie die Füchse ihre besondere Art haben, ehre Spur im Schnee oder Sande mit der hin und her gezogenen Rute zu verwischen, so verfällt der durch fein schlechtes Gewissen oder durch den Arm des Gesetzes bedrohte Uebeltäter fast immer auf dieselben Kniffe und Schliche, um sich den rächenden irdischen Gewalten zu entziehen. Der mit seinem Diener offenkundig nach dem' Bahnhofe Friedrichstraße abgefahrene Marquis Carvalho hatte unbewußt eine ganz ähnliche Komödie gespielt wie Peter Dech- ner. Auf seinen Kisten und Kasten, die er durch feinen Gepäckträger abfertigen ließ, stand groß und breit sein voller Name gemalt; der Gepäckdiener fragte den als, Livreediener fungierenden Fritz, nach' welchem Bahnhofe in London die Stücke aufzugeben wären. Fritz wiederholte die Frage an feinen Herrn unter deutlicher Betonung' der Anrede: „Nach welchem Bahnhofe, Herr Marquis?" und Carvalho gab ebenso laut und deutlich zur Antwort: „London, Viktoria-Station". Am Schalter, an dem die Fahrscheine zu lösen waren',, wiederholte sich eine ähnliche Szene. Fritz forderte zwei Billets nach London, eines erster^ das andere zweiter Klasse. Der Beamte fragte: „Nach welcher Station?" und Fritz, der sich stellte, als ob er verstanden hätte: „Für wen?" gab deutlich zur Antwort: „Für den Herrn Marquis Carvalho und Bedienung." Das Gepäck wurde verladen, Herr und Diener nahmen ihre Plätze in zwei verschiedenen Wagenabteilen und der Zug fuhr von dannen. jFortsetzung folgt.) (< Die goldenen Treffen. Bon Karl Soerensen (Skagen). Tagelang 'hatte der Sturm geheult, und es sah diesmal so auf; als! ob der Wind seine Lungen gar nicht leer bekommen könnte- die beständig wie dicke schwarze Beutel über dem Meere draußen hingen. Es blieb wirklich kaum soviel Platz darunter, daß die paar Dampfer, die sich hin und wieder auf der unruhigen See zeigten, in den Hafen hineinrollen konnten. Drinnen im Fischerhafcn lagen alle Schaluppen Bug an Bug gepreßt, die Masten bildeten einen wunderlichen hin- und 'herwiegenden Wald, und am Lande standen die älteren Fischer mit den Händen in den Hosentaschen und schwatzten, während die jungen allerlei Possen trieben wie Schuljungen, die unerwartet frei bekommen haben Und nun nicht wissen,- wie sie die Zeit hinbringen sollen. Der Regen bollerte und platschte auf baä Deck der „Marie nieder, als ob! sie ein Tongefäß wäre, das mit dem Boden nach oben lag, und nicht ein wohlgebauter Zweimäster von 45! Tonnen. Das mochte nun sein, wie es wollte; störend war nur dieses Aufspritzen, jedesmal Wenn ein Regentropfen durch den undichtew Lukendeckel auf die Fußbodenplanken der Kajüte niederklatschte. Der Schiffer Kristensen lag in der Koje und beobachtete, während er nach Iber Luke stierte, wie das Wasser beständig hinein- träufelte und sich zu Tropfen sammelte, die in die Pfütze am Boden niederplumpsten und. gleich 'wieder einem neuen Platz machten. Schiffer Kristensen hatte hier seit Mittag die ganze Zeit in der Koje gelegen, sich geärgert und nach der Pfütze hingesehen, er Hatte gesehen, wie sie sich -ausbreitete und wuchs und es hatte' ihn jedesmal verdrossen, wenn ein Tropfen rascher auf den anderen folgte als in der Ordnung wär. Er konnte natürlich aufstehen und einen Kübel untersetzen; und zuerst, als es losging, hatte er auch daran gedacht, aber er wollte nicht, nein, zum Teufel- 731 tv Wollte das nicht'. Er Wollte doch keine großen Geschichten Wachen um den faulen Lukendeckel. Das ganze Jahr hatüe er nun schon versucht, ihn Wieder dicht ;u kriegen, aber es War, als ob der Teufel in den Lukendeckel gefahren Ware, er .Wollte nicht dicht halten; nun, dann mockK er ess Hols der Teufel, bleiben lassen; er War nicht der Mann, der sich von einer faulen Luke, die nicht Wasser halten konnte, verulken und an der Nase herumziehen Heß; die konnte sich da amüsieren, bist es ihr über Wurde. "A Uhr ließ der Regen nach, und nur ein Sturmi bueb übrig. Die Regentropfen in der Luke würben seltener und- horten schließlich ganz auf. Schiffer Kristensen fuhr in die Holzpantinen, nahm seine Jacke, zog sich seine BWtze über die Ohren und verließ die Kajüte, ohne sich auch nur nach der Pfütze oder Luke umzusehen. Einen Augenblick später kam sein Kopf über Deck zum Vorschein und schielte nach der „Anna" hinüber; die sah Womöglich npch toter aus als die andern, und das ärgerte ihn außerordentlich. Er kroch auf Deck, schloß hinter sich ab und enterte nach der „Anna" hinüber. Drüben machte er mit seinen Holzpantinen so viel Spektakel, wie er fertig kriegen konnte, schlug mrt Gepolter den Deckel der Luke zurück und polterte die Stufen herunter, mitten in die Kajüte hinein. Wo in der Koje Schiffer ^ensens rotes Gesicht mitten zwischen den blauen Bettbezügen lag. Schiffer Kristensen stand eine Zeitlang und betrachtete den Schlafenden, dann stierte er unwillkürlich hinauf nach dem Lukendeckel und hinunter nach dem Fußbodeir und brummte ein paar tiefe Töne vor sich hm. Nein, natürlich, selbstverständlich War nur er es, ber mit solchen Geschichten schikaniert Wurde. Eilte Zeitlang über- tegte er, ob er Pensen schlafen lassen sollte, aber schließlich MgiNth er, daß es ihn am meisten befriedigen Würde, wenn er den anderen Weckte. „Was ist denn los, Marie?" sagte Schiffer Jensen.-. , "Du haft es Wohl gut hier, Was?" sagte Kristensen und und beeilte sich, ihn gleich tüchtig Wachzurütteln. Jensen schlug die Augen auf ’unb sah nicht Weiter vergnügt mW, als er Kristensen sah- /'^shi Deufel", sagte Fischer Kristensen, „liegst du Nicht hier nnd ichläfst mitten ant Tage und noch dazu bei so einem- Wetter." „Aaa" — gähnte Jensen, „Was zum Teufel soll man denn sonst bei so einem Wetter inachen?" Schiffer Jensen gähnte no$ ein paarmal und streckte sich- Wie eine Raupe, und als er am längsten war, blieb er so liegen und sah nach Kristensen herüber. „Warum schläfst du denn nicht?" „Nee," sagte Schiffer Kristensen, „Wenn man das fertig kriegt; aber, Gott sei Dank, ist man m'n Seemann." Wer nach einer Weile bekam Schiffer Kristensen den Jensen doch aus der Koie Und als sie an den Hafen herauskamen, legte eben em großer Dampfer am Quai an. „Der ist schön abgewascheii", sagte Schiffer Kristensen, und maß das Schiff mit den Äugen, das bis mitten auf den Schornstein mit Seetang angeschmiert War. „Jawoll," sagte Schiffer Jensen. „Das ist ein tüchtiger Kerl," sagte Schiffer-Kristensen. „Klein ist er nicht," sagte Jensen. Sie blieben stehen und sahen auf das Schiff, das an den Quai heran- manovrierte. Es war ein mächtig großes Schiff, das vorn Wie hinteii Laternen brannte uiid die grüne Laterne an der Seite griente von ihrer Höhe höhnisch auf die beiden Prahmschiffer nieder. Auf dem Schiffe waren viele Leute an der Arbeit und oben auf der Kommandobrücke stand der Kapitän. Das Licht blitzte in den drei goldenen Tressen auf seiner Mütze, so oft er sich umdrehte. Hm und Wieder drückte er auf den Maschinentelegraphen; dann tönten ein paar Glockenschläge find die Schute ging vorwärts oder rückwärts oder sie stoppte. „Der geht mit ’ner Maschine, der da," sagte Schiffer Kristen- sen andächtig; „da brauchst bu bloß auf ’n Knopf zu drücken, so kollert das Ganze herum. Das ist Was anderes, als daliegen und vvwarten, bis es unserm Herrgott gefällt, Einen weiterzupusten." >,J0Woll," sagte Jensen. „Sieh mal den," sagte Schiffer Kristensen. yyjaWoTl,' sagte Schiffer Jensen. 'Keiner sah den anderen an und Schiffer Kristensen zeigte auch nicht hin oder deutete an. Wen er eigentlich meinte, aber doch gab es keinen Zweifel, daß es der Kapitän mit der goldenen Tresse War, an den sie dachten. ..„Wer WaS-, zum Teufel das ist ja Hansen," sagte Schiffer Kristensen und Wurde unruhig." „Was denn sür'n Hansens" sagte Jensen. „Hansen, unser alter Freund Hansen, weißt du denn Nicht mehr, der die „Narzisse" führte, der immer sagte eins, zwei, drm, „für" wenn er zählte." „Sooo," sagte Schiffer Jensen, „ist er das?" „Zum Teufel, ist er's," sagte Kristensen, „ich habe es mir gleich gedacht, er hatte immer Mucken im Kopf. Und nun hat er einen Dampfer zu führen, sieh mal an, das ist ja ulfig1," Mr Schiffer Kristensen fort Imd trippelte herum wie ein eilegendes Huhn. „Weißt du noch? damals . . .?" „JaWoll," sagte Schiffer Pensen, und Maß seinen Abstand bis zur Brücke hinauf — „da- .7 "Ich W/'. sagte Kristensen nachdenklich und stand still auf den Beinen. „Aber das mUß doch großartig feilt," sagte PT bald darauf, „Wenn Man auf so einem Kerl Schiffer sein sein kann " „Jawoll, "sagte Jensen, „das sind große Leute, die da." j.ie betben Prahmschiffer standen schweigsam und sahen zu, Wie das Schiff aM Quai anlegte und Wie ein Brett vom Schiff zum Land herübergelegt Würbe. Schiffer Kristensen trat von einem Bein aufs andere. „Wir M-üssen Wohl an Bord gehen und ihm Guten Tag fagen," Jagte er. „Das Müssen Wir Wohl tun," sagte Schiffer Jensen. „Also los," sagte Kristensen. „JaWoll," sagte Jensen — »Jos!" 7,Eigentlich muß er Ms wohl vergessen haben," meinte Kristensen. „Ja, das müß er Wohl," sagte Jensen. Tie Heiden Schiffer g'ngen langsam über das Landungsbrett, Kristensen voran. „Ist Kapitän Hansen an Bord," fragte Jensen feierlich einen Matrosen, der auf dem Schiffe stand. „Der Kapitän ist auf der Kommandobrücke," sagte der Matrose. „Hörst du Wohl," flüsterte Kristensen zu Jensen, als sie an die erste Treppe kamen, „er ist es." Jensen sagte gar nichts. „Das ist ja gerade, als wenn Man auf dem Lande auf einen Haus-- bioben klettern sollte," sagte Kristensen, als die dritte Treppe anfing. „JaWoll," sagte Jensen. So kamen sie auf die Brücke. „Guten Wend," sagte höflich der Kapitän, der vor ihnen stand, vornehm, mit gestutztem Bart, die Hand am Geländer. „N'Abenb, Hansen," sagte Kristensen, weil er fühlte, baß es ebenso gut Wäre, gleich Mit der Tür ins Haus zu fallen. „Wir smd Kristensen von „Marie" und Jensen von „Anna", fügte er etwas unsicher hinzu. „Was, zum Teufel," sagte Kapitän Hansen und seine Stimme klang plötzlich ganz anders als vorher, „was Ihr seid das, das ist ja samlos!" „Jaa, nicht Wahr," sagte Schiffer Kristensen erleichtert. „Jawoll," sagte Schiffer Jensen.-„Na, so Was ist mir noch nicht vorgekommen," sagte Kapitän Hansen und ftretfte. die Hand und Schiffer Jensen sagte später, wenn er auch einen Kopf Wie ein Dampfschiffer bekommen hätte, die Hand Wäre die von einem Prahmschiffer geblieben. — „Willkommen also an Bord, und Dank, das Ihr Euch hinauf bemüht habt, um mich' zu begrüßen. — Herr Gott, seid Ihr es denn wirklich?" „Ja, zum Teufel," sagte Schiffer Kristensen, „Wir sind's." „Ganz gewiß." sagte Schisser Jensen. „Willkommen >an Bord" sagte Kapitän Hansen und schüttelte ihnen Koch einmal die Hand. „Wollen Wir ein bißchen in die Kajüte runter gehen und eilten Kleinen! nehmen?" Auf dem Weg zur Kajüte stierten sie auf den Steuermann, einen schmucken, jungen Mann mit Wohlgepflegtem Schnurrbart. Er hätte ja allerdings nur zwei Goldtressen an der Mütze, aber er trug Manschetten bis an die Fingerspitzen und leuchtete über und über wie ein Glänzbild. Kristensen und Jensen konnten gar nicht an ihm vorbei kommen und zogen unwillkürlich die Mützen ab, als der Kapitän die Tür zur Kajüte öffnete. „Ja," sagte der Kapitän, „hier Wohne ich." Ustd er wohnte schön. Da War ein Mahagonitisch und Mahagonistühle und ein Plüschsofa. Die Wände Waren mit prächtigem Ahorn getäfelt und große Spiegel in vergoldeten Rahmen hingen ringsum iu der Kajüte. Schiffer Kristensen und Schiffer Jensen drückten sich auf eine Ecke ihres Stuhles; es War deutlich tzu sehens, daß sie sich in dieser Situation etwas gedrückt fühlten. „Na, Was wollen wir trinken?" „Jaa," sagte Kristensen, „wenn es durchaus was sein soll, bann: vielleicht einen steifen Grog." Jensen sagte gar nichts. Der Kapitän ging hinaus. Er blieb lange fort Und als er wieder herein kam, sah er nicht so froh ans wie vorher. Neben Kapitän Hansen lag auf dem Tisch die Goldbetreßte Und hatte ein korrektes und ernstes Aussehen. Kristensen saß und grinste: „Hik, Hik, Hik." — «Huk, Huk, Huk," gluckste Jensen; plötzlich verstummte alles auf einen Ruck: herein kam der Steward mit dem Grog. Der Steward schritt voran wie ein Bischof im Dom, blieb ant Tisch stehen und setzte das Tablett ab, daß es mit einem Bums' auf den Tisch schlug. Kristensen und Jensen sagten beide Guten Abend und erhoben sich ein Wenig vom Stuhle. Aber der Steward sagte gar nichts; er sah von oben herab auf die beiden Prahmschiffer und! schritt aus der Tür, wie er gekommen war. Schiffer Kristensen seufzte unwillkürlich kies auf, als die Tür sich hinter jenem geschlossen. Kapitän Hansen trommelte mit den Fingern auf den Tisch. „Das ist ein mürrischer Gesell, der da," sagte Schisser Kristensen und zeigte vorsichtig mit dem Daumen! gegen die Tür. Der Kapitän lächelte, aber das Lächeln wollte nicht recht glücken, darum gab er es wieder auf. „Man hat seinen Aerger mit solchen Leuten; bitte mischt euch euren Grog. "„Jawoll," sagte Fensen. Schiffer Kristensen nahm sich- Zucker und goß Wasser darauf. Das Wasser war kaum lauwarm. „Ich hoffe, das Wasser ist warm genug," sagte der Kapitän, „sonst wtlj ich. . ." „I Gott bewahre," sagte Schiffer Kristensen mit gedämpfter Stimme und tat, als -ob er sich verbrannte. „Das Wasser ist ja Warm, gerade so recht, nicht wahr, Jensen?" — „Jawoll," sagte Jensen. Tie Zigarren Wurden in Brand gesetzt, Und die Schiffer fühlteN,- daß das Schlimmste überstanden Wär. Das Gespräch kam in Gang. „Weißt du noch damals in .Hamburg? und das einemal in Rotterdam?" — „Ja, ja, das Wären lustige Zeiten damals. Man ist W-vhl rechts Und links angerannt mit dem -Bug>, aber immer hat man die Ohren steif behalten — Was?" Mit dem Tabaksrauch breitete sich eine gewisse Behaglichkeit über der Kajüte aus. Schiffer Kristensen vergaß Plüsch und Mahagoni und schlug auf den Tisch Die ersten zweimal nahm er sich rasch. Wieder zusammen, aber das drittemal vergaß er die Wandtäfelung Und.Goldspiegel und ließ die Faust auf dem Tisch liegen. Der Kapitän lag in den Stuhl zurückgelehnt -mit geschlossenen Augen und lächelte. Schiffer Jensen saß vorgebeugt und war die ganze Zeit von innerem Lachen erfüllt, das in ihm hochstieg wie Luftblasen im Wasser. Plötzlich verstummte alles: jemand hätte an die Tür geklopft. klopft," sagte Kapitän Hansen, und richtete sich aus. Schiffer Kristensen und Schiffer Jensen sahen sich an und sagten nichts. „Herein," sagte der Kapitän, und der Steuermann mit den zwei Goldtressen trat ein. Er blieb gleich in der THr stehen, als ob. er 732 einen Puff vor die Brust bekommen hätte. „Kommen Sie nur näher," sagte Kapitän Hansen trocken, und der Steuermann kam näher Er bat um Entschuldigung und gab dem Kapitän mit artiger Haudbewegung ein Kuvert. „Danke," sagte der Kapitän, „es- ist gut" Schiffer Kristensen und Schiffer Semen drehten sich auf ihren Stühlen herum und folgten dem Steuermann mit den Augen, als er ging. Kapitän Hansen erbrach das Kuvert und las das Telegramm. Schiffer Kristensen beobachtete seinen G-esichtsausdruck, und sah, daß sein Freund Hansen alt geworden war. Nein, alt war er wohl eigentlich nicht geworden, aber er hatte Falten auf der Stirn bekommeit und feine Augen hatten einen Unruhigen Ausdruck erhalten : er sah nicht mehr aus wie ein Seemann, aber es war nicht mehr der sichere und gleichgültige Ausdruck in seinem Gesicht, es lag etwas Unruhiges, Angespanntes über ihm. Schiffer Stiften» fett war kein Menschenkenner und hatte nicht viel Berstand vom Leben, aber er war immerhin ein gut Teil herumgeklommen. „Das ist von der Reederei," sagte Kapitän Hansen und faltete das Telegramm zusammen. „ „Mit denen ist gewiß nicht gut Kirfchen efien," tagte Schiffer Kristensen vorsichtig. Kapitän Hansen trommelte mit den Fingern auf die Tischplatte und sah in eine Gche der Kajüte. Plötzlich hielt er inne, sah auf Kristensen und von Kristensen an Jensen Md wieder zurück. „Nein, wahrhaftig nicht," sagte er. Es folgte eine kleine Pause, bann begann er wieder. „Du kannst mir glau- beu, Kristensen," sagte er, und jetzt war et weder der Dampfschiffer noch der Prahmschiffer, der sprach, „Du fannft mir glau- fiett, daß ich oft genug an die Zeit gurückdenke, als ich noch Steinen kleinen Zweimaster hatte." „Die bezahlen aber wohl gut, diese Leute?" sagte Schiffer Kristeitseil. Der Kapitän lächelte aber fein Lächeln war matt und höhnisch. „25 000 Kroneti habe ich hineingesteckt, um dies Schiff zu führen; das soll nun verzinst werden, je nach dem Ueberschuß, den das Schiff bringt, aber es bringt keinen Ueberschuß und wird,es nie tun. Ich bekomme 3000 festen Gehalt jährlich. Fünf Prozent von 25Ö00 macht 1250, ziehen wir die Von den 3000 ab, so bleiben 1750 übrig. Und für das Geld muß ich mich herumschlagen mit Müllern, Spediteuren, Frachtleuten und Zollbeamten, und wie zum Henker man sich auch dabei benimmt, in jedem Fall kann man sichet sein, daß es verkehrt war, wenn man das nächstemal von der Reederei etwas zu hören bekommt." Kapitän Hansen nahm' die Goldbetreßte vom Tisch und schleuderte sie in das Sofa; sie siel mit dem Deckel nach oben und zwar so, haß sie ganz und gar ihr imponierendes Aussehen verlor. „Das kannst Du mit glauben, Kristensen, daß hier nicht -eitel Freude und Herrlichkeit herrscht." Schiffet Kristensen nickte. „Neee, neee, so ist es Wohl nicht." 1 „Damals, als ich meinen kleinen Zweimaster noch hatte," fuhr Kapitän Hansen fort, „da konnte ich in Holzpantinen über die Gasse laufen; das kann ich nun nicht mehr. Jetzt ift man Kapitän und geht mit goldenen Tressen und solchem Dreck." „Jawoll," sagte Schiffer Kristensen. „Aber man ist ja gebunden und kann Nicht wieder loskommen; aber das 'kann ich Dir sagen, hätte ich mich nicht erst hiermit eiiigelassen, so wünschte ich, ich säße noch auf meinem! Zweimaster." Kapitän Hansen schwieg, und es 'ö-erbreitete sich eine tiefe Stille über die Kajüte, und bald danach gingen die beiden Schiffer. , , ■ / „Jetzt wollen wir, hol's der Teufel, einen richtigen Grog! Von Rum haben, der nicht halbkalt ist," sagte Schiffet Kristensen. Er stand nuten in der „Marie" und wirtschaftete herum, mit einem Streichholz in der einen Hand und einem Lampenzylinder in der anderen. „Jawoll," sagte Schiffet Jensen. „Ich war weiß "Gott, schon nahe daran, den Hansen mit eiitzuladen," sagte Kristensen. . „Jawoll," sagte Schiffer Jensen, und trat tn die Pfütze am Fußboden, daß es platschte. „Das hat hier ja schön bei Dir hereingeregnet." „Hol's der Henket," sagte Schiffet Kristenseil und wandte sich von der Lampe ab, bie nun in Orbnung war und mit einer schwachen, schmutzig gelben FlamUie biitch das bas rußige Glas hindutchschien, „meinetwegen soll es zum Teufel mit Bütten auf mich heruntergießen, wenn es Lust hat. . . Biel schlimmer ist es, wenn es ach einen nicht herunterregnen kann, weil einem die Kajüte nicht gehört." „Jawoll," sagte Schiffer Jensen und setzte sich auf bie Holz- bank. „So'n Dampfschiffer, der ist doch im Munde bloß 'ne dreckige Laus!" - VsrtMÄML. '*■ * Erfahrung eines ehemaligen Vegetariers. Im Jahre 1899 fing ich an, vegetarisch zu leben und habe diese Nährweise zwei Jahre streng durch-! geführt. Infolge davon ging jedoch mein Körpergewicht nicht gerade rasch, aber stetig zurück, so daß ich unter dem Kvy-i Pergewicht ankam, das ich seinerzeit als Soldat in nor-t maler Körperbeschafsenheit hatte. Auch meine Gemütsstim-j Mung 'war keine gute, sie war nicht affektiert, ;aber eine er-, regte oder aufgeregte infolge ungenügender Ernährung, so daß sich bei körperlicher Ermüdung nicht nur eine Schlaffheit in den Gliedern, sondern auch eine Müdigkeit im Kopf bemerkbar machte. Der Landmann lebt zur SomUkerzdit auch ziemlich vegetarisch, nicht aus -eigenem Willen, sondern aus Zwang, aber er hat für Fleisch guten Ersatz durch frischßs Milch, Eier und gute Luft. Seine Beschäftigung ist eine afa wechslungsreiche und zwar Mehr körperliche als geistige. Der Städter muß seine Gedanken vom Gelehrten bis herab zum Arbeiter weit mehr ansp-annen. Ich bitt zu der Ansicht gekommen, daß man bei strenger Arbeit den Alkohol gut entbehren kann, aber das Fleisch sollte man nicht unter die Por-i tum herunter setzen, wie sie beim Soldaten gegeben wird.- Der Berliner Schutzmann 'S., der bis jetzt bei allen, Arm-e-e-i rekordmärschen Sieger blieb, ist auch kein Vegetarier; dasi Fleisch bringt, mäßig genossen, keine Ermüdungsstoffe, aber der Alkohol, der darauf gegossen wird. Was mir die vegetarische Lebensweise am meisten entleidete, das war der Ge- inüsebaü und ich glaube, daß man weit weniger Fremdstoffe in sich aufnimmt, wenn man etwas Fleisch ißt und weniger von dem durch Dung durchseuchten Gemüse. Ein Vegetarier sollte selbst über ein Stück Grund und Boden verfügen, töo, er sich das Notwendigste bauen kann. Es wird ja bald alles verfälscht, die einheimischen Trauben werden durch das Bespritzen der Weinberge gesundheitsschädlich, die importierten Trauben und Obstarlen werden bei der Verpackung durch Bespritzen mit irgend welchen chemischen,Stoffen verdorben. Nach meiner Erfahrung ist die vegetarische Kost für gewisse periodische Kuren unersetzbar, aber als Nährweise für die Allgemeinheit wird sie nie die gemäßigte gemischte Kost verdrängen. Das Wohlsein liegt nicht allein in der Nahrung, sondern auch in der Gemütsstimmung und es werden auch hier die Worte Schillers wahr: „Aus der Kräfte schön vereintem Streben, erhebt sich, wirkend, erst das wahre Leben." Vüchertisch- — Zu Hebbels 100. Geburtstag und 50. Todes- Lag. Hebbels Briefe, ausgewählt und eingeleitet von Theodor Poppe Deutsches Verlagshaus Song: u. Co., Berlin W 57. Preis 4 Mk. Es hat lange gebauert, bis das deutsche Volk bett Weg zu einem feiner besten Dramatiker gefunden. Von den Tagebüchern her, bas heißt von seiner menschlichen Seite, fand man) ben Zugang M dem Dichter: Der ungeheure Kampf mit bett widrigsten Verhältnissen, bie siegreiche Ueberroinbung aller Schwierigkeiten, bas beständige Ringen dieses gewaltigen Geistes, bie Reinheit des Wollens und bie Größe bes künstlerischen Strebens, kurz eine Heldenuatur gewann bie Menschen im Sturm für sich, und auch heute noch ist der M e u s ch Hebbel der beste Erkläret des Dichters. Man wird daher neben bett Tagebüchern, bie schon längst zu Hebbels größten Werken gezählt werben, mehr und mehr 'auch feine Briefe schätzen und lieben lernen und ihre Kennt- nis für ebenso unentbehrlich halten. Es ist mit Freude zu begrüßen, daß bas rührige Deutsche Verlagshaus Bong u.Jb.,- welches uns bereits eine vortreffliche Ausgabe von Hebbels Werken und Tagebüchern beschert hat, jetzt auch seine Briefe in einem' Bande vorlegt, den derselbe Herausgeber Dr. Theodor Poppe mit Geschmack und Sachkenntnis besorgt hat. Es kann sich nicht um eine Ausgabe sämtlicher Briefe.handeln, die nur für bett Fachmann wertvoll fein würbe. Was hier geboten wird, .liest sich wie ein spannendes Buch, eine abgekürzte Biographie, in der Namentlich Lebensabschnitte, die in den Tagebüchern zu kurz kommen, mit lebhaften Farben bargestellt sind. — Ein elegantes kleines Geschenk für Damen ist der auch in diesem! Jahre 'ttfieber erschienene Hande u. Spener- sche D am e n-Al 'm an ach (48. Jahrg. für 1914. Verlag von Haube lu. Spener, Berlin). Das (geschmackvoll mit Goldschnitt!, Elfenbeinpapier, Titelbild, doppelfarbigem Druck, Bleistift mibi Visitenkartentasche ausgestattete Büchlein vereinigt in sich Taschenkalender, Notiz- und Tagebuch in zierlicher Form'. Ter Almanach enthalt ein Kalendarium, ein Tagebuch für alle Tage des' Jahres mit geschickt ausgewählteu sinnreichen Wocheusprücheu, das reichlichen Raum für -allerlei Eintragungen bietet, Familien-Gedenk- tafel, Geburtstag- und Namenstag-Kalender, Pnvat-Adreßkalen- ber, Kassenübersichten für zwölf Monate und die Genealogie allep europäischen Regentenhäuser. Rätsel. Nimm einem Mädchen den Kopf und setz' statt des Fußes zwei Zeichen: Meister der Töne bin ich, in Ungarn stand meine Wiege. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummer: Man soll das Kind nicht mit dem Bade anSfchütten. Redaktion: K. N e u r a t ij. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts.Buch- und Steindruckerei, R. Langem Gieße«,