Mittwoch, den 22. Januar -i <« kMdML^^KMsZWZMrSßih- W^Z Von Frühling ;u Frühling. Roman von Erich Eben st ein. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Der Abend verlief sehr heiler und gemütlich. Diese fünf Menschen, welche ein Zufall zusammeugeführt hatte, fühlten sich durch das Ereignis mit d-em Kinde einander plötzlich so nahe gerückt, als wären sie Familienmitglieder. Moutelli war in allerbester Laune. Er unterhielt die ganze Gesellschaft, und Meta konstatierte erleichtert, daß sie keinen Grund habe, ihre Einladung zu bereuen. Sein Benehmen ihr gegenüber war von einer heiteren, harmlosen Galanterie, welche nie die Grenzen des Erlaubten überschritt. Gegen. Mitternacht braute Moutelli seine Ananasbowle und brachte den ersten Toast auf Konradchens Gedeihen ans, was ihm einen dankbaren Blick Melas eintrug. Dann erzählte er heitere Garnisongeschichten, schilderte das ungarische „Nest", in dem er zuletzt gewesen war, mit viel Humor und gab einige Kalauer zum besten. Meta achtete nicht viel auf die Unterhaltung. Ihre Gedanken schweiften in die Zukunft, die nun viel rosiger gussah. Sie beschloß, ihr lange vernachlässigtes Klavierspiel wieder aufzunehmen und sich mit einem berühmten Psychiater zu beraten bezüglich der Methode, die bei Konrad- cheu mm eiugeschlagen werden sollte. Erst als ein Name an ihr Ohr schlug, fuhr sie ans ihren Gedanken auf. Michael von Münster! Fräulein Selben fragte Moutelli, ob; er gar nichts wisse von dem ehemaligen Kameraden? Moutelli strich sich Lächelnd den schwarzen Schnurrbart. „Hin — wenig," antwortete er, „er ist ja fast verschollen da oben irr Galizien. War übrigens sein Wunsch, gerade dorthin zu kommen, ein sonderbarer Geschmack, nicht wahr? Polnisches Krämernest, Halbasien. Dis böse Welt behauptet allerdings, er habe seine Gründe gehabt." Meta erblaßte und starrte mit weit geöffneten Augen fragend auf den Sprecher. Wußte... ahnte irgend jenrand? „Nicht lvcit von Wabowice entfernt," fuhr Mvutelli fort, ihren Blick erwidernd und gleichsam nur zu. Meta sprechend, „liegt nämlich das Gut deS Grafen Pientak, dessen Frau Münsters Jugendliebe war. Er hat sie einmal verschmäht um ihres Geldes willen — — heute soll er täglicher Gast bei Pieutaks sein. ES scheint, daß ihn die Jahre klüger gemacht haben..." fetzte er mit einem Lächeln hinzu." „Das ist nicht wahr. Das ist eine elende, gemeine Lüge!" wollte Meta ausrufen, aber sie schwieg. Wozu eine so niedrige Behauptung aufgreifen? Moutelli schwätzte gedankenlos nach, was kleine Seelen ausdachten. War wußte er und alle anderen von Münsters grosser Seele?, Sie lächelte still vor sich hin. Daß es solche Männer überhaupt gab ■— nicht häufig, aber doch gab — war ein tröstlicher Gedanke, der einentz mit der Erbärmlichkeit der Menge innner wieder versöhnte. Jedes große Licht wirft tausendfach Schatten nm sich. So ist es auch mit den Lichtern unter der Menschheit- Tausend und abertausend Schatten — hier und da eine Seele, die strahlt... Moutelli stand auf. „Ihre Gläser, meine Herrschaften! ES geht auf Mitternacht, tvir wollen den Rest der Bowle leeren, auf daß uns die Zukunft noch viel so gesegnete Weihenächte gibt wis die heutige!" In diesem Augenblick trat.Fräulein Ländeke ein und überreichte Meta eine Depesche. „Aus Paris." Verwundert öffnete Meta das Telegramm. Sollte Niki an 'sie gedacht haben? Gleich daraus ließ sie das Blatt schlaff in den Schoß fallen und blickte in hilflosem Schreck auf Professor Burger- „Niki hat... er... tot," stammelte sie mit blassen Lippen und erhob sich mühsam. „Ein Herzschlag... da..." Sie reichte dem alten Hausfreund die Depesche. „Herr Nikolaus Petermann hier soeben, im „Hotel Metropole" von: Herzschlag getroffen worden. Verschied nach wenigen Minuten. Bitte Weisungen wegen der Leiche. Doktor Meunier.^ Burger las es halblaut. Dann richtete er den Blick mitleidig ans die junge Witwe. „Ich habe es seit Jahren gefürchtet — er wollte auch niemals Rücksicht auf sein Leiden nehmen ..." Er wollte noch ein paar tröstende Worte hinzufügen, brachte sie aber nicht über die Lippen. Niemand wußte so gut wie er, daß der Tod hier kein, liebendes Band, sondern eine drückende Fessel gelöst hatte. „Wann werden Sie hinfahren, gnädige Frau? Wenn, ich Jhneir irgendwie von Nutzen sein kann dabei..." setzte er darum mir hastig hinzu. „Ich?! Hinfahren?" Melas Blick wurde noch erschrockener. Sie dachte an den anonymen Brief. Sollte sie dort an der Leichs ihres Mannes vielleicht eine andere finden, die vielleicht momentan stärkere Rechte hatte, dort zu stehen? .Moutelli erriet irgendwie ihre Gedanken. Rasch trat er vor. „Das ist absolut nichts für die gnädige Frau," sagte er sehr bestimmt. „Petermann war mein Freund, er ist mir in einer sehr schweren Stunde beiaesprungen... ich bin ihm Dank schuldig... wenn man. gestattet, möchte ich ihm den letzten Dienst erweisen und seine Leiche in die Heimat bringen." 46 Meta atmete erleichtert auf und reichte ihin dankbar Lis Hand. v, „Ich hätte nicht igciuagt, Sie darum zu betten — aber nun Sie es selber tun wollen, bin ich Ihnen von Herzen dankbar, Herr von Montelli." Selbstverständlich beeilten sich die Gäste mit dem Aufbruch. Professor Burger erbot sich noch, der alten Frau Petermann die Nachricht zu bringen, aber Meta wahrte ab. ' „Ich will selbst zu ihr. Sie soll es nicht aus fremdem Mund erfahren." " , Während die Gäste wegsuhren, spannte Johann bereits die Pferde ein. Meta stand fröstelnd im Flur. Es war ihr so lvirr iin Kopf, noch konnte sie die Größe und Tragweite des Geschehenen nicht fassen. . , Irgendwo in einem Nebenraum hörte sie bte Stunme Fräulein LändekeZ, welche der versammelten Dienerschaft beii Tob ihres Herrn mitteilte. Fräulein Ländoke schluchzte dabei und auch von den übrigen weinten einige. , „So Heb' hat man ihn gehabt?" dachte Meta oeschamt; denn sie selbst konnte keine Tränen finden. Nikis Tod 'erschütterte sie, aber er bereitete ihr keinen Schmerz. Freilich — der Dienerschaft war er ein launenhafter, aber freigebiger Herr gewesen... Dann fiel ihr ein, daß sie noch das weiße Kleid trug, das sie zur Feier des Weihnachtsabends angelegt hatte. So konnte sie doch nicht zu Frau Bettina...! Langsam stieg sie die Treppe hinauf in ihr Schlafzimmer und vertauschte das helle Gewand mit ein ent dunklen. Da meldete Fräulein Landeke auch schon, daß der Wagen bereit sei. Frau Bettinas Billa lag in St. Johann. Mau mußte nicht nur durch die ganze Stadt, sondern noch ein gutes Stück außerhalb derselben fahren, um sie zu erreichen. Es war eine klare, eisige Winternacht. Schnee lag Mer den Wegen und die Bäume waren reifgeschmückt. Am Himmel stand der Mond in einem Heer glitzernder Sterne wie eilt einsamer, stummer König inmitten seines schweigenden Volkes. Ein geheimnisvoller, märchenhafter Zauber lag über der schlafenden Welt. Weihnacht . . . Und während dieser einsamen Fährt durch stille Kassen Und zwischen verschneiten Wiesen kam es Meta zum erstenmal zum Bewußtsein, daß sie nun frei war. Frei — frei — Herrin über sich selbst, ohne das Kind hergeben zu müssen. ... Das Blut strömte ihr siedendheiß durch den Leib. Dann strich sie sich das Haar aus der Stirn, lieh das Fenster herab und beugte beit Kopf weit hinaus in bie schneidende Nachtluft. Nein — nicht daran denken. Jetzt — heute iticht! Wie schön die Welt war! So glitzernd, feierlich und stift! i All das, was sie in den letzten vier Jahren gelitten, K" tte, kam ihr zum Bewußtsein. Die Kämpfe, Qualen, mütigungen . . . wo war alles hin? Weit, weit hinter ihr, tief versunken in das schweigende Meer der Vergangen- heit. i , 'Nichts als Friede um sie. ... ; Und plötzlich, ohne recht zu, wissen warum, begannen ihr Tränen zu fließen. Sanfte, erlösende Tränen, die ihr die Seele, frei, machten. : Armer Niki — er war ja auch nicht glücklich gewesen! Sie hatten sich beide getäuscht. Wielleicht, wenn sie eine pikante Weltdame gewesen wäre... wäre alles anders gekommen ... Da hielt der Wagen. Frau Bettina war noch wach, obwohl es schon beinahe zwei Uhr war. Meta sand sie an ihrem Betpnlt knieend. Ms sie eintrat, erhob sich die alte Frau und blickte halb erschrocken, halb ergeben auf die Schwiegertochter. Meta suchte nach Worten. Es war doch schwerer, als sie gedacht hatte... ehe sie noch eine Einleitung sand, faßte Frau Bettina plötzlich ihre Hand und sagte mit bebender Stimme: „Meta — du kommst mir zu sag em daß Niki... tot ist?" Meta fuhr bestürzt zurück. „Mama! Woher weißt du... ?" Die! alte Frau schüttelte den Kopf. „Last nur... der Mrz-t hat mich, 'lange darauf vorbereitet. Mks ich dein Gesicht sah, wußte ich', daß es geschehen sei.. Sie stand einen Moment und blickte starr vor srch hin. Dann seufzte sie tief auf. „Tot — tot..." murmelte sie tonlos und wandte sich nach dem Nebenzimmer, ohne Meta anzusehen. Meta 'eilte ihr nach. • i \ „Mama — laß mich bei dir bleiben...." Fast heftig schüttelte Frau Bettina, den Kops. „Nein — geh. Dir war er nichts... laß mich allein mit meinem Toten." Hastig zag sie die Tür hinter sich zu, als fürchte sie, Meta könne ihr folgen. Langsam stieg die junge Frau die Treppe hinab zum Wagen. Ein Wort klang ihr immer im Ohr: „Allein." Es fröstelte sie plötzlich' und wie eine schwere Last (egte sich das Wort auf ihre Brust. Mein. Ganz allein. Wie eisig kalt die Freiheit war! Oder war es bloß die Winternacht? VIII. Die Glut des Sommers lag über dem Süden. Aber nicht brütend und lähmend wie auf dem Festlande drückte sein Hauch die Menschen zu Boden auf der kleinen Insel tm Adriatischen Meer zwischen Istrien und Italien. Es atmete sich dort leicht in der feuchten, salzigen Luft, im Schatten mächtiger Steineichen, Lorbeer- und Erdbeer- bäume. Vom Meer wehte der Seirokko über Wälder von blühenden Myrten. Die rote Erde leuchtete im Sonnenschein und wilde Klippenselsen spiegelten sich malerisch in der ewigen Bläue der See, die leise glucksend an die Ufer stieß. Meta, welche seit dem Tode ihres Mannes auf Brioni weilte und sich nicht entschließen konnte, das herrliche Fleckchen Erde zu verlassen, saß auf einem der Klippenfelsen und träumte hinaus aufs Meer. Ein Stück von ihr entfernt spielte Konradchen, van Fräulein Ländeke behütet, mit Muscheln. Er lachte jetzt oft, und feit einigen Wochen mühten feine Lippen sich sogar, Worte zu formen. Freilich ging es langsam aber es ging doch vorwärts. Auch die schwachen Beinchen stemmten sich manchmal gegen die Erde, als wollten sie endlich einmal aufrecht stehen. Links von Meta erhoben sich weiße, geborstene Mauern, einzelne Säulen und terrassenförmig ansteigend die Reste weitläufig,er Bauten aus der Römerzeit. Irgend ein kaiserlicher Prinz aus dem alten Rom hatte hier sein Tuskulum an der füllen Bucht von Brioni gehabt. Unter den Feigenbäumen dort war ein Neptunstempel gestanden. Daneben das Haus der Priester. Weiter westlich waren Ruinen aus dem zwölften Jahrhundert. San Pietro, die Kirche der Tempelherren, die damals auf Brioni eine Niederlassung gehabt hatten. . Meta hatte das von Schlinggewächsen, umrankte Gemäuer zeichnen wollen, aber nach einigen Strichen ließ sie den Stift sinken und wandte sich dem Meere zu. Sie konnte nicht müde werden, auf die tiefblauen, glitzernden, schaukelnden Wellen zu blicken. Südöstlich sah man den Hafen von Pola mit seinen mächtigen Kriegsschiffen. Westlich gegen Italien zu glitten Barken und Segelschiffe mit bunten Flaggen durch bie Flut. Etwas Ruheloses, Sehnsüchtiges lag über beut Meer, und je länger Meta darauf hinstarrte, desto deutlicher fühlte sie den verwandten Ton in sich selbst. Auch in ihr war etwas Ruheloses, Sehnsüchtiges. Manchmal lächelte sie darüber und 'schalt fid) eine Törin. So auch jetzt — War sie nicht frei? Gedieh das Kind nicht jetzt? Was wollte sie denn noch? Woraus wartete sie berat? Dann ergriff sie plötzlich eine große Unruhe. Ihre Gedankett flogen weit nach Norben. Ja, sie wartete! Ahnte er denn nicht, daß sie wartete? War jener Abend int Steinachtal vpr mehr als einem Jahre nicht Wirklichkeit gewesen? Ober — das Blut stieg ihr ins Gesicht r—. war sitz schon vergessen? (Fortsetzung folgt.) 47 Stellt und Arndt in Aönigsberg. . Unter den beb eut) amen Gedenktagen, die uns das große Erinnerungsjahr von 1813 heraufführt, steht in der zeitlichen und geschichtlichen Entwicklung das entscheidende Auftreten Steins in Königsberg voran. Ms der Bringer der Freiheit, als „der Morgenstern der Hoffnung" erschien damals der Abgesandte des Zaren in Preußen; er gab den bis dahin fehlenden Anstoß zur Erhebung des Landes, setzte fort, was Bork bei Tauroggen begonnen; er riß das ganze Land mit sich und schuf so die Basis zum Kampfe gegen den „alten, bösen Feind", gewiß, daß sich von nun an die Lawine, wachsend und immer wachsend, herniederwälzen werde, „um die Fesseln Deutschlands zu zertrünimern". Mit ihm kam Arndt, seines Geistes Verkünder, um durch Wort und Schrift die heilige Flamme zu schüren, die in den Preußenherzen aufloderte. In Stein verkörperte sich jener mächtige überlegene Wille, der durch einen rettenden Entschluß vollbrachte und gestaltete, was die Tausende ersehnten. Schon am 16. Dezember hatte der große Patriot, der sich im Hauptquartier des Zaren befand, dem Präsidenten Schön angekündigt, er hoffe bald mit seinem Arndt iir Altpreußen einzutreffen: „Jetzt ist es Zeit, daß sich Deutschland erhebe, daß es Freiheit und Ehre wieder erringe, daß es beweise, wie nicht das Volk, sondern seine Fürsten sich freiwillig unter das Joch gebeugt haben." Den ftolzen Deutschen, dem ersten -und großartigsten Repräsentanten der deutschen Einheitsidee, war es ein entsetzlicher Gedanke, daß sein Vaterland durch die Russen befreit werden sollte. Ranke hat die heldenhafte Größe in der Stellung des Titanen betont, „daß er die deutschen Ideen zuerst an einem fremden Hofe, auf den aber alles ankam, zur Geltung brachte". Der Marchese Paulucci, der im Namen des Zaren Memel besetzte, hatte bereits die ernsthaftesten Anstalten getroffen, Ostpreußen zu einer russischen Provinz zu machen. Da griff Stein ein; er wußte, wie das alt- preußische Volk sich in heißer Ungeduld verzehrte; kein Russe sollte ihnen Befreiung vom französischen Joch bringen, sondern ein , Deutscher sie _ sortreißen zur freiwilligen Erhebung. Stein bestimmte den Kaiser von Rußland, ihm eine sehr weitreichende Vollmacht zu geben, durch die er die Leitung der Provinzialbehörden übernehmen und die Hilfsquellen des Landes zunr Besten der guten, Sache nutzbar machen sollte. In einem Schreiben an den König betonte der Zar ausdriicklich, er habe nicht einen höheren russischen Beamten, sondern einen der getreuesten iintcr- tanen des Königs, den Baron Stein, mit dieser Vollmacht versehen. Von Lyck, der ersten preußischen Stadt, in der der russische Kaiser sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte, eilte nun Stein mit Arndt im Schlitten über gefrorene Seen und durch die littauischen Wälder vorwärts. In der furchtbaren Kälte traten die Greuel der Verwüstung, die Totenhaufen der französischen großen Armee, die ^ls düstere Meilensteine überall den Weg kennzeichneten und in den Städten besonders schlimm sich häuften, eindringlich hervor. Am 19. Januar hatten sie Lyck verlassen; am 22. abends trafen sie in Königsberg ein. Nach Ijähriger Abwesenheit stand Stein, einst von Napoleon vertrieben, nun wieder aus preußischem' Boden, um nun dieselben Entwürfe, von denen er vor der Zeit abgerufen war, zu retten, und zur Durchs sührung zu bringen. Die Herzen jubelten dem gewaltigen Manne entgegen, wenn er auch bei den Behörden, die als preußische Untertanen dem mit russischer Vollmacht Ausgerüsteten unsicher und zögernd begegnen mochten, manchen Widerstand sand. Trotz- dem fühlte auch er sich „toi» in einem unbekannten Land"; nichts mehr von der alten Schlaffljrit. — Treue, Hingebung und Tapferkeit allüberall. Groß und sicher betoegte er sich in dem unruhig lebeirdigen Leben und Weben, in dem bunten kriegerischen Treiben Königsbergs; „!vo er erschien, war jetzt durch ein in den deutschen Grenzen gleichsam mächtiger erglühtes und erblühtes Leben in ibm die Lust der Mutigen, der Schrecken der Feigen, durch Schritt und Tritt und Blick und Rede den Kühnsten voran.." Ein Akt der Befreiung war es, dahier die Oeffnung der Häfen befahl, und damit die französische Kontinentalsperre für abge- schafst erklärte; er verpflichtete die Kaufmannschaft zu Leistungen für das Borksche Korps aber er bewahrte das Land vor großen Lieferungen an die Russen. Vor allem aber war sein Sinn auf eine allgemeine Landesbewaffnung gerichtet, und so setzte er denn die Einberufung der Landstände durch, deren in der Form so anspruchslose und untertänige, doch um so folgcnschwcrere Verhandlungen am 6. Februar begannen. Bald konnte er dem Zaren melden: „Alles verspricht die glücklichsten Erfolge, zunächst aber den, daß das Beispiel dieser Provinzen einen mächtigen Einfluß auf das ganze übrige Deutschland ausüben wird." Arndt hat uns in seinen „Wanderungen und Wandelungen" diese Königsberger Zeit und ihren Helden wundervoll geschildert: „Hier in Königsberg öffnet sich nun der Anfang des künftigen deutschen Volkskriegs, hier sahen alle deutsche Hoffnungen auf die Gerüchte von Napoleons Unglück und Steins Ankunft in Preußens Grenzen, und schon waren aus Berlin, Dresden und andern Orten manche wackre, deutsche Männer und Degen, mitten durch die französischen Heerhaufen hindnrchgedrungen, zu schauen und zu erfunden und den Freunden jenseits im Westen zu berichten und tu erzählen." Wie rein bricht Steins eifervolle Sittlichkeit in jmer Szene beim General Tettenborn durch, der einen bei dex Franzosenjagd zwischen den erfrorenen Eltern aufgefundenen Marketenderknaben auftreten und unzüchtige Lagerliedchen singen läfct,- worauf Stein ingrimmig schilt: „Derr Buben hätten Sie mit andern besser im Littauischen Schnee erfrieren lassen; in ihrem Gefolge bleibt und wird er doch ein Galgenstrick. Wenden'Sie lähruch 30 Taler an ihn und tun Sie ihn zu einem ehrlichen Dorsschulmeister, daß, er beten und arbeiten lernt. Danrals brachen jene herrlichen Tage an, von denen Arndt sagt: „Die junge .Lebens- und Ehrenhosfnung sang und klang durch alle ...Herzen, sie klang und sang auf allen Gassen und tonte begeistert von Kanzel und Katheder. Der Bücherstaub der Gelehrsamkeit, von dem Sturmwind des Tages abgeweht, und der goldene Blütenstaub des fröhlichen Maientags der .Hoffnung und des Akutes fiel auf die Stirnen, die jener sonst unr- graut hatte; auch die Kältesten wurden toarm1, auch die Steifsten wurden gelenkig, sie glühten und zitterten in der allgemeinen Belvegung mit fort." Wie erzielt man Wohnlichkeit? Aus dem.reich illustrierten Januarheft der „Jnnen-Tekoration" (Verlagsanstatt Mexander Koch-Tarmstadt), das in über 100 musterhaften Abbildungen, farbigen mrd Sepiatondrucken Jnnerr-. räume aller Art, Landhäuser ufw. timt Campbell, E. Pfeiffer, F. Götz, Eman. v. Seidl, L. Nachtlicht, F. A. Brauhaus, E. Hönig, von englischen Architekten usw. zeigt, ferner Schnitzereien, Stickereien, Keramiken u. a. ml. zürn Schmuck der Wohnung. Um einen Ueberblick Mer die hauptsächlichsten Wünsche und Bedürfnisse der verschiedensten Kreise auf dem Gebiet des Wohl- nungslvefens zu erhälten, richtete die bekannte, führende Zeitschrift aus diesem Gebiet, die von Hofrat Alexander Koch-Darm!- stadt herausgegebene „Jnnen-Dekoration", an ihre Leser drei Fragen über das Wesen der Wohnlichkeit und über die Fehler/ die bei der Wohnungseinrichtung woht am häufigsten begangen werden. Die zahlreichen Beantwortungen ergaben in den Haupt- Punkteu eine bemerkenswerte Übereinstimmung, die sowohl ein erfreulich intensives Studium, als auch das Einverständnis mit dem in der „Jnnen-Dekoration" in Wort und Bild Gebotenen zeigten. — Bon Interesse ist die immer wiederkehlreude Grmrd- forderung nach Licht, Lust, Sonne, Helligkeit in der Wohnung,- auch die Wichtigkeit der guten Heizung und Ventilierung wird Wufig betont; die Bedeutung dieser technischer: Grundlagen der modernen Wohnung saßt vielleicht am! besten Architekt R. Schindler-Wien in den Gedanken: wührend deut schutzbedürftigen, primitiven Menscher: ursprünglich das Sicherheitsgefühl in der vor den Elementen Schutz bietenden engen „Wohnhöhle", der Hütte, der eng ummauerten Stadt das Gefühl der „Gemütlichkeit" schuf, gewinne ftir den modernen Kulturmenschen dagegen der Begriff der Behaglichkeit eine neue Deutung, er bestehe vor allem in der Möglichkeit, innerhalb des umgrenzten Gebietes frei über Raum, Licht, Lust, Temperatur verfügen zN können. ■— So gut dieser Gedanke au sich ist, so bleibt indes doch zu erwägen, daß gerade diese „beherrschende" Kraft des' neuzeitlichen Menschen, die starke Anspannung im beruflichen Leben als natürliches Gegengewicht ein Ausruhen, Sichgeborgenfühlen in der ruhevollen Atmosphäre der Wohnung «fordert, und deshalb die „formalen Aln- klänge, welche Erinnerungen an jenes Sicherheitsgefühl erwecken",- auch für den modernsten Menschen ihren Wert niemals verlieren« — lAußer den guten Lichtverhültnifsen werden: Harmonie der Farben in Mobiliar, Wand, Decken unb Bodenbehandlung und die harmonischer: Proportionen der Möbel und Raum-Einteilungen, die tzur Erzielung der „Raumstimmung" so unentbehrlich sind, geschützt. Auch der Gliederung der Räume in gemütliche Einzelpartien, der Schaffung von „Räumen im Raum", ohne den Raum durch diese Zerlegung zu zerreißen, toird u. a. von Architekt Sprenger-Frankfurt gedacht. Eine dem „täglichen Gebrauch ent- sprechende, zweckmäßige .Ausstellung" der Möbel und Gegenstände verlangt u. a. Gräfin Stillfried-Dohna in Potsdam; „Jedes Stück 'der Einrichtung charastervoll, praktisch eingerichtet und praktisch gestellt", Reg.-Baumeister H. Röttcher-Köln; „Alles mehr rundlich, wie scharfkantig; Uebersichtlichkeit und Klarheit des Ausdrucks in den Räumen", Frau Hedwig Zapf-Schwäbisch- Hall. Besonders die iFrauen, so auch Fran. Lotte von Mendelssohn-Bartholdy-Berlin, plädieren für das Fortlassen aller Un- nötigkeiten und warnen vor der Ueberfülle in der Wohnung. —•; Zur Erzielung der Wohnlichkeit, führ: Graf IFranz v. Montgelas- Berlin aus, sei ein peinlich streng durchgeführter Stil in den Wohnräumen, im Gegensatz zu den Empfangszimmern zu ver- ineiden. Er verlangt bequeme große und tiefe Sitzmöbel, kleine niedrige Tische, alles so gestellt, daß man möglichst von jeder Sitzgelegenheit aus einen Tisch erreichen kann, gute Gruppierung der Möbel unter Vermeidung jeder Symmetrie; wenig Beleuchtung von der Decke, sondern vor allen» große Stehlampen, die abends ein trauliches Dämmerlicht im' Raum verbreiten, dazu Blumen, Porzellan und Silber. — Eine Hauptfunktion der Woh- nunfl sieht Oberlehrer G. Schmidt-Bismarck i. S. darin, daß sie in vollkommener. Weise der Arbeit, der Erholung Nnd den Neigungen der Beivohner dient, und di« seelischen Uebereinstim- mungen und Verschiedenheiten von Mann und Frau zunr Aus- brml bringt. — Daß die Wohnung im Gesamten wie in den Einzelheiten der Einrichtung das persönliche Gepräge W Mq 48 Vsvm!?chLs§. tr Neue Fortsch ritte d er Bilderteleg raPhie. Mehrere Vertreter der Pariser Presse sind mngst Beugen emet interessanten Vorführung gewesen. . Ldward Sehn, der Lriinbcr eures Systems der Bildertelegraphie, hat seure Apparate emem Kreise von Fachleuteit vorgesührt und her oreser/Gelegenheit einige. Bilder im Formate von 10x10 Zentimetern von Bordeaux nach Paris telegraphiert. Tie elektrische Uehertragung ist auf der Telephouleitung zwischen den Heiden Städten vorgenommen toorden. Tie Übertragung jedes einzelnen Bildes hat etwa 4 Minuten gedauert, und die Ergebnisse sollen nach den,vorlieg enden Berichten überraschend gnt sein. Belin kann mit seinem Verfahren Bilder aller Act übertragen, Land- mtb Druck,chrrften,^ Zeichnungen, iFingerabdrücke oder Photographien „von irgendwelchen ^ulderm Es kommt dabei nur daraus an, baß das Original zunächst nach einem besonderen photographischen Verfahren ansgeirommen ig. Nach den Andeutungen, die das „Journal des aobat-.' über die Art der Ausnahme und die Übertragung macht, handelt es sich, dabei augenscheinlich uM eine Ausnahme Mittelst emes Rasters. Das a'u übertragende Bild besteht dann ans größeren niid ferneren schwarzen Stellen auf dem Papier, zwischen denen weiste stellen frei sind. Und diese Variationen der Helligkeit werden dann Punkt für Punkt in Stromschivanlüngen nnkgesetzt. An Der Empfangsstation ' handelt es sich dann wieder darum, die Strom- schwanknugen in Abstufungen der Helligkeit nuizusetzen, und dies aeschiM, indem inan einen Lichtschein, dessen Helligkeit verändert werden kann, aus lichtempfindliches Papier füllen laßt. Die Hauvtschwierigke.it liegt also darin, da st der Ausgabe- und der EMpfangsapparat genau zusammen arbeiten Wie dieses Problem gelöst wird, gibt das angeführte Pariser Blate nicyt an. Seinerl Angaben über die Schnelligkeit der Übertragung und der Treue der Wiedergabe darf man wohl Glauben schenken. Allermngs ist hinzuzusügen, daß zu den vier Minuten, die die eigeiltuche elektrische llebertcagung in Anspruch nimlmt, uoc» die Zeit kommt, die ans die Vorbereitung des. Bildes, aus, die Herstellung der Autotypie verwendet tverden muß. Ein besonderer Vorzug des Verfahrens' ist es, daß jede elektrische Leitung, die des Telephons, wie die des Telegraphen ohne iveiteres verwendbar ist. kr Eine Neuerung im Schiffbau. Von einer Werft in Sunderland werden seit einigen Jahren Schifte mit zwei Läng'srippen am MnMpse gebaut, die sich, wie „Dm Naturwissenschaften" berichten, schr gut bewährt haben. Diese Rippen sind zwischen der Wasserlinie und dem Rande des Bodens angebracht, und der Raum zwischen ihnen dient als Zuleitnngsrohr sür dre Schraube, so daß sie nach Art, ein er Pumpe wirkt, dm eme einheitlich WisamimenhängÄrde Wassermasse an der „Seite des Schiffes entlang zieht. Jnfolgedefseti verlaufen die StröMnngslmien günstiger, das Wasser wird weniger durchwirbelt und man kann dre Schraubenflügel hei allen Geschwindigkeiten deutlich, tote durch Kristallglas sich drehen scheu. Bei der Hyltonia z. B. entern! Schift von 4600 Tonnen Wasserverdrängung, sind, vorn und hinten zwei solcher Rippen vorlstinden, die unk 4 Meter voneinander entfernt sind und inn % Meter über die innere Kante der Spanten hervorrageu. Ihr Einfluh vermindert den Rücklauf der Schraube auf 2 Prozent, während er bei einem Schilf mit glattem' Rumps 13 Prozent betragen mürbe. So erhält das Schiff seine Normalgeschwindigkeit von 6 Knoten durch 630 indizierte Pserdekräste, wozu 700 bis 750 bei einem! gewöhnlichen wohners tragen must, der große Anteil der Frau daran »uck ihre Begabung hierfür, finden häufig Erwähnung. Als die HauptsckKden In der Wohnkultur werden durchwegs dw geistige Trägheit, die darin besteht: sich ohne eigene .^Ätlnayme .witm riditeu zu lassen", die NachahmungKsucht, die Sucht, ,,^-taat wachen zu wollen mit ettvas „Apartem", äußerlrch zu ^prasentteren oder innere Beziehungen zum Heim, °h'w ttfteresd Gefnh ftir den Ausbau der Wohnung, zu haben, bezetchiret Auch Unvec ftanb und hast beim Etnkamen, die allein eine solckto Berbrettung des qualitätslosen „Klitsches" ermiögltcheii, ber Ilmstand, dast dir tueisten Menschen noch ohne genügende Einsicht und Kenntnis des bestehenden Guten, meist als umrfahrene Brautleute fich einrichten, wird als Mißstand bezeicynet. — Zwei nicht zu Mersehende Punkte hebt noch Ex-ellenz, Fran v.,Ptlgrtm-L^.mzzm Merlin hervor, nachdem.sie als rvohitlichez HetM etn solches bezeichnet 'bat, in dem mehr Wert auf die Behaglichkeit des täglichen Webens als auf» prunkvolle EmMngsrauMe gelegt wnr, mtb zur Fröderung der Behaglichkeit tut großen helttat Sch.a^ ”™£ SS«»,« «i.« w». **• Ssgg-gB Wer. dem Kopfende des Bettes angeregt hat, die ilwtwMdtgwtt der Mhaltimg störender Geräusche durch genugenb btrfe ^nnbe unb Decken, und die berechtigte, auch von anderer Seife erhobene Forderung einen gewissen Komfort an nenzettttchm Citirta)- Smaen auch 'vms Küche und Nebenräume betrifft, nicht zu ver- S®' G ZM, für das Bchagen des Personals durch ent- sprechende Räumlichkeiten nach Möglichkeit vorzusorgen So ha die Umfrage der ,,Jnnen-Dekoratton manche, dem Fachmann wie dem Laien nützliche Anregungen geomcht. T. Schiff erforderlich sind und der hierzu bedingte tägliche Kohlen- verbrauch wird von 12 auf 10,8 Tonnen vermindert. ®teje Verstärkung des Schiffes gewährt auch Vorteitc ntr den Bau und erhöht seine Stabilität bei ungleichmäßig verteilter, Ladung, ohne die Baukosten >zu vermehren. Ferner würde sich diese Konstrultion für die Kriegsmarine eignen, $. B. für Torpedobootszerstorer, denen dadurch beim Rollen im schweren Seegange em größerer Schutz gegen Geschosse gewährt würde . * Wie d ie M o.narchen t i>r Geld in 91 in e r11a au - legen. 'Mit schönem Stolze erzählt „die New Porter Sun ihren wohlwollenden Lesern, das; den europäischen Monarchen die Bcmk- inftitute der alten Welt nicht sicher genug erscheinen, um ihnen all ihr Hab und Gut anzuvertrauen. Und was sollte da den Fürsten Europas auch anderes übrig bleiben, als ihr Geld in Amerika zu deponieren. Seit einigen Jahren werden die Summen, die europätfche Herrscher bei groben amerikanischen Banken hmler- legen, immer gröber; und vor allem, die New Parker Sun weiß das: die Könige kühlen sich am wohlstcn, wenn sie ihr Geld m amerikanischen Jndustrieaktieu und Eisenbahnpapicreil anlegen. Der Z a r z. B. ist Aktionär einer ganzen Reche amerikanischer Bahngesellschasteii, rund 25 Millionen hat er schon in amerikanischen 'Aktien angelegt, aber dafür bezieht er auch weit über zwei Millionen Mk. Zinsen aus den Vereinigten Staaten. Georg V, hat über 20 Millionen in amerikanischen Jndnstriepapieren angelegt, während der Deutsche Kaiser etwa 12 Millionen m Eisenbahnaktien Nordamerikas besitzt. Er soll sein Kapital nut 5 Proz. verzinsen. Tie preubischen Prinzen aber — die Sun weist es ganz genau — bevorzugen kanadische Eisenbahnwerte und besitzen für mehr als 4 Millionen Mk. Aktien. 9tatürlid) haben auch die Könige von Italien, Griechenland, Dänemark und Belgien Amerika zu ihrer Kapitalanlage erwählt und auch Alfons XIII. fehlt nicht unter den amerikanischen Aktionären. Tie Kaiserin Eugenie dagegen hat nut bei einer New Parker Bank ein Guthaben von 40 000 Mk., während der Kaiser von Oesterreich und der Papst dem gelobten Land der Dollars noch skeptisch gegen- überstehem _ , „ * Der gemeinsame Freu n d. 'Aus dem modernen ao- sellschaitsleben weist der Gaulois eine kleine Episode zu erzählen. Der Schauplatz ist ein eleganter Pariser Salon. Ter Dame des Hauses wird eine Besucherin gemeldet, gerade in dem Auaenbttck, als Herr Z, sich verabschiedet. Herr Z. verbeugt sich höflich vor der eintretenden Unbefannten und zieht sich zurück. Die neue Besucherin folgt der freundlichen Aufforderung der Hausherrin, nimmt Platz und beginnt: „Bor allem: verzeihen Sie mir, gnädige Frau, wenn ich die Kühnheit habe, mich selbst einzusühren. Seit langem ist es mein sehnlichster Wunsch, Sie kennen zu lernen Ich bin die Frau von Herrn X. unb mein Alami ist im Ministerium Jchrem Herrn Gemahl unterstellt worden/ Tie Hausherrin nickt höflich, aber schon fahrt die Besucherin fort: „Und zudem haben wir einen gemeinsamen Freund." „Ach, wer ist das?' fragt die Dame des Hauses neugierig. „Herr Z." „Sie kennen Herrn Z. ? fragt btc Wirtin verblüfft. ,0, gewist, wir sind intime Freunde, et ist em alter Freund meines Mannes und ost schenkt er uns die Ehre und das Vergnügen, an unseren bescheidenen Tiners teilzuiiehmen." Aber bann, liebe, gnädige Frau", meint die Hausherrin mit milber Bosheit, „haben Sie ihn nicht wieder erkannt: denn Herrn p sind Sie soeben bei Ihrem Eintritt hier im Zimmer begegnet." Tie Besucherin sott etwas verlegen geworden sein und sich ziemlich I schnell empfohlen haben. Sprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachverein-. M a n s ch r e i b t uns von g c i ch ätztet Seite. Auch so ein Zopf — diese „geschätzte Seite". Eine ganz schlechte Redens- art, Die aber ganz gedankenlos immer wieder angeivaiibt wirb. Viel seltener lieft man das gute und deutlichere „Ein Ftemib unseres Blattes schreibt uns". Ob man auch wagen wurde zu schreiben: „Man schreibt uns von geliebter Seite, von medizinischer Seite" u. ä. ober „Von hochgeehrter Seite ivird uns mitgeteilt" ? Wenn man bedenkt, das; man auf tauberbeut;d) heutzutage statt „von medizinischer Seite" sagen darf „medizinischerseus", ja bast kürzlich in einer Zeitung zu lesen mar: „wie man orientierterseits hört", so ergibt sich für den Fortgeschrittenen eigentlich die Notwendigkeit, recht modern zu sagen: „Geschätztersetts schreibt man uns". O wenn man doch schnftleitungsseits, oder auch redaktious- sei's, hie geschätzte Seite endlich beiseiteschaffen ivottte! Lsqszriph. Wo harmlos unb heiter man lachen kann, Da pflegen mit „e" sie zu walten. Mit „ü" braucht es Hausfrau und Handwerksmaun, Nicht lange ist's sauber zu hallen. 'Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Königspromenade' iit voriger Nummert Wer allzu heilig rennt, geht überrennend Des Ziels verlustig. Wißt ihr nicht, daß Feuer, Wenn es den Trank zum Neberschäumen schwellt, Ihn scheinbar mehrt, doch in der Tat verflüchtigt? Redaktion: K. N e i> r a t h. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Aiesten.