WMWM W Lirnenrsulch. Roman von Paul Grabern. "Nachdruck verboten.) ... (Fortsetzung.) ■ „Da", Führer, wollen Sie auch, trinken?" Herablassend hielt Bessow dem Spängler das" Glas hin. Nach einiger Ueberlegung erst, aber schließlich: So fatal es auch war, mit diesen Leuten aus einem Glas zu trinken, tncnt konnte sie doch nicht gut dursten lassen, wo man selbst sich labte. „Danke! Ich hab schon selbst Getränk mit." Der abwehrende Ton machte Gottliebes feines Olft dufhorchen. Sie sah zu denr jungen Führer hinunter, der aus seinem Rucksack, nachdem er ihren reichlichen Proviant herausgelegt hatte, nun ein bescheidenes Fläschchen mit kaltem Tee und em eit blechernen Trinkbecher vorholte. Das rührte sie; sie hatte auch Bessows kühle Herablassung eben empfunden und beschloß, das rasch gutzumachen. „Aber nein, Toni! Das gibt's ja nicht," wehrte sie ihm ab und goß schnell aus ihrer Wasche den Becher bis an den Rand voll Wein. „Wir teilen selbstverständlich getreulich — Gefahren und Proviant!" scherzte sie. „So — und nun müssen Sie auf mein Wohl trinken." Sie reichte dem Spängler das Glas mit so herzlichem Lächeln zu, daß er sein erstes Widerstreben alsbald aufgab, den Becher nahm und mit einem schnellen Zug bis auf "den Grund leerte; dann reichte er ihr, ein Aufleuchten des Dankes in den Augen, das Glas wieder zu. Sein naiver; Eifer, ihr durch die Tat zu zeigen, wiexehrlich er's meine,- machte Gottliebe wie Bessow lächeln; -aber während bei dem letzteren ein sarkastisch-mitleidiger Zug um die Lippen spielte wegen der tölpelhaften Manieren dieses Burschen, streifte Toni cüt wohlwollender Blick aus des Mädchens Augen, eine leichte Befriedigung, daß ihre Macht sich auch an ihm so spielend bewährte. Sie fand es ganz originell, zur Abwechslung auch einmal die schüchterne Huldigung eines solchen Naturmenschen in Empfang zu nehmen. Das Frühstücken hier, 3500 Meter hoch, im ewigenj Eis und Schnee, fand selbst der Regierungsrat ganz reizvoll. Er hatte sich so gesetzt, daß er möglichst weit von dem steilen Abhang saß und von diesem nichts sah, während der hinter ihm sitzende Stadler ihm den Rucken deckte. So fühlte er sich ziemlich sicher, und Gottliebes scharmantes Wesen im Verein mit der anregenden Wirkung des roten Terlauers stimmte ihn ganz lustig. Tas nahm seine Begleiterin rasch wahr. „Also nicht wahr, nun ist es abgemacht? Wir.machten den Ortler — übermorgen, gelt, Stadler?" „Jo freili. Da steht sich nix in Weg," nickte ihr der Alte zu, sich sein Pfeifchen stopfend. „Ja, Pardon, erlauben Sie — eigentlich haben wir doch noch gar nicht ernsthaft über die Sache gesprochen!" wandte sich Bessow zu 'Gottliebe, unangenehm aus seiner behaglichen Frühstücksstimmung aufgeschreckt. Der Gedanke, daß die Schinderei von heute sich ^gleich übermorgen wiederholen und eilte vermehrte Auflage erfahren sollte — er warf einen scheuen Mick zu der mächtigen Pyramide des Ortlers drüben hinüber — war ihm höchst fatal. „Aber, liebster Herr Bessow, Sie werden doch jetzt nicht abstoppen? Jetzt, wo Sie sich so schön eingelaufen haben!" „Ich muß gestehen, daß mich mein Ehrgeiz in dieser Beziehung absolut im Stich läßt. Meinetwegen könnten die Berge samt und sonders unbestiegen bleiben! Ich bin heute doch nur Ihrer Frau Tante zu Gefallen mitgegangen, Fräu-i lein Rhhngaert." „So gehen Sie das nächste Mal mir zu Gefallen mit!" bat sie mit einem Aufleuchten in den Augen, das ihn plötzlich ganz warm machte. Wer noch immer zauderte er. „Sehen Sie — wenn Sie nicht mitkontmen, wird ja düs der ganzen Sache nichts. Und ich freue mich doch so rasend auf die Ortlertour! Allein kann ich doch nicht gehen, Tantes wegen und überhaupt nicht — also lassen Sie niich doch nicht im Stich, Herr Bessow! Bitte, bitte!" _ - Sie bettelte wie ein Kind, mit so warmen Blicken, eine solche anschmiegende Weichheit im Wesen, daß er darüber alle Strapazen und Verwünschungen von vorhin vergaß. So hatte er sie ja noch nie gesehen. Donnerwetter, was steckte in dem Mädel drin! Wenn er das damit erringest konnte, wollte er zehnmal aus den Ortler klettern! Und schnell streckte er ihr die Hand hin, sie bedeutungsvoll äü- blickend: „Ich komme mit! Sie dürfen auf niich zählen, Fräulein Rhyngaert — zu jeder Stunde, immer!" Gottliebe überließ ihm ihre Hand, seinen vielsagenden,; heimlichen Druck anscheinend ganz harmlos erwidernd. „O ivie fein! Bielen Dank! — Famos, nun geht's wirklich auf den Ortler!" Und während ihr Auge den Regierungsrat dankbar-glücklich anstrahlte, tupfte sie dem Spängler- Toni zu ihren Füßen heimlich leise mit der Fußspitze gegen den Rucksack. Der verstand das Signal, und der Stetiger, der in ihm über ihr Schöntun mit dem faden Kerl da neben ihr gegrollt hatte, verflog alsbald. Bewies ihm doch ihr heint- liches Zeichen deutlich, daß das alles nur Maskerade gewesen war, unt ihr Ziel zu erreichen. O, das Mädel war schlau! Zum Lachen, wie ihr der Gimpel ahnungslos eben auf den Leim gegangen war! So waren sie denn alle vier bester Laune, auch der alte Stadler; denn als Vater einer zahlreichen Familie war ihm in diesem Regensommer eine Ortlerführung immerhin eine gern mitzunehmende Einnahme. Der Abstieg ging lustig, vor sich. Namentlich das Hinabgehen auf dem ungefährlichen sanften Haug des Ebeuferners, nachdem man erst den Kegel wieder glücklich hinabgekommen war, machte selbst denk Regierungsrat ein Vergnügen. Da brauchte man sich verständigerweise mal nicht anzustrengen. Gottliebe versuchte 440 Die Geschichte einer Blume. Ms König Snbtoig IX. von Frankreich im Jahre 1270 während seines zweiten Kreuzzuges sich anschickte, Tunis W belagern, brach unter seinem Heere eine Seuche aus, die den größten Teil seiner Mannschaften in kurzer Zeit wegraffte. Der in der Heil- .und Kräuterkunde seiner Zeit wohlerfahrene König war der Meinung, daß ein Land, welches eine so verheerende Krankheit erzeuge, auch das Gegenmittel derselben hervorbriugen müsse. Er vermutete dieses Heilmittel, von dem das Geschick seines großen Unternehmens abzuhängen schien, in einem heilkräftigen Kraut, und bemühte sich, in eigner Person unter den ihur fremden Pslanzenformen Nordafrikas das rettende Mittel zu finden. Dieses glaubte er schließlich in einer Pflanze gefunden zu haben, aus deren grasähnlichen, bläulich bereiften .Blättern droben auf den Berghohen seinem gefahrvollen Beruf nachging. „Haben Sie noch Angehörige, Toni? Natürlich doch!" fragte sie ihn aus ihtem Sinnen heraus. „Jo freili! Mein' Mutter und Geschwister. Der Vater ist schon lang tot." t „Haben Sie auch schon eine Braut?" Es schien ihr das eigentlich selbstverständlich. Sie kannte es nicht anders; die jungen Leute auf dem Lande in seinem Alter pflegten doch allerwärts eine Braut zu haben, wenn sie nicht schon gar verheiratet waren. Um so mehr verwunderte es sie, daß dem Toni plötzlich eine lichte Röte ins! Gesicht schoß und er nicht gleich Antwort gab. Gottliebe glaubte im ersten Augenblick, sie habe da aut ein heimliches, noch nicht spruchreifes Verhältnis gerührt,' und die Sache machte ihr Spaß. „Nun, mir können Sie's doch sagen, Toni," scherzte sie^ ,Zch kenn' ja niemand drunten in Trasoi, und ich bin verschwiegen." „Na, na — ich hab' kein' Braut nit," versicherte aber der Toni hastig, noch immer mit seiner Verlegenheit kämpfend. Sie ahnte ja nicht, in welche heimlichen Gedanken.-!, gänge bei ihm sie gerade mit ihter Frage eben hinein^ geplatzt war. Er war ja ein armer Teufel, der für Mutter und zehn junge Geschwister zu sorgen hatte; da konnte er nicht ans! - Heiraten denken wie andere Burschen seines Alters. Darum war er den Mädchen lieber ganz fern geblieben. Aber eben war ihm, gerade wie sie so vertraut mit ihm sprach, der Gedanke durch den Kopf gegangen, wie schön es doch sein müßte, so sein Dearndl zu haben und alles Leid und Freud' mit ihm teilen zu können. Aber wie er dann weiter im Geist die Mädchen seiner Bekanntschaft drunten an sich vorüberziehen ließ, da fand sich keine drunter, die er hätte haben mögen. Das hätte schon eine Feinere und Klügere sein Müssen, so eine, vor der er auch einen rechten Respekt haben könnte — kurz, gerade so eine wie das Fräulein da neben ihm. Und nun plötzlich ihre Frage! Ein doppeltes Schämst gefühl trieb ihm die Röte ins Gesicht: daß sic ihn gerade! bei heimlicher Beschäftigung mit ihrer Person ertappte, und dann auch das andere, daß er ein gar so armseliger Wicht war. Er konnte ihr doch nicht sagen: „Ich hab' mich halt nach keiner Braut um tun können, weil ich es aus Armut nicht kann!" Denn wenn er auch ein armer Teufel war, so hatte er doch seinen Stolz, und lieber hätte er sich die Zunge abgebissen, als daß er sich so in seiner Blöße gezeigt hätte. Gottliebe beobachtete ihn insgeheim von der Seite her, wie in sein noch immer rotflammendes Gesicht ein Zug von Trotz trat, des Aergers über dies verräterische dumme Rot. Sein Antlitz bekam dadurch einen ganz eigenen Reiz'; zu der kindlichen Offenheit und Gutmütigkeit kam so etwas recht Mannhaftes, und sie fand in diesem Augenblick, daß er eigentlich ein bildhübscher Mensch sei. Es reizte sie jetzt wirklich, zu erfahren, Was hinter seiner Berlegeu- heit sich versteckte. Sie konnte nicht recht an seine Worte glauben. Sicherlich hatte er irgend eine heimliche Liebe und leugnete sie nur aus Diskretion ab. Diese Verschlossen^ heit gefiel ihr aber gerade. Es steckte in seiner schlichtes Art eine natürliche Vornehmheit, etwas' Ritterliches. Sie wäre nun wirklich begierig gewesen, zu wissen, wie die ausschaute, die er sich insgeheim erkoren hatte. Und sie beschloh bei sich, drunten in Trasoi zu versuchen, gelingend- lich etwas darüber zu erfahren. (Fortsetzung folgt.j sogar unter Tonis sachkundiger Leitung! „stehend abzufahren"; es ging auch! schon ganz gut, bis sie plötzlich ins Nutschen kam, wankte und aus den Schnee sank. Das gab ein Lachen ohne Ende, daß sie gar nicht wieder hoch kam, bis der Toni sie mit starkem Arm, aber doch so behutsam zart umfaßte und mit einem Ruck wie ein Kind hochhob und wieder auf die Füße stellte. „Dank schön, Toni! Herrgott, Sie haben ja Riesen- kräfte!" bewunderte sie ihn. „Ich glaube, ich könnte ruhig abstürzen, Sie hielten mich spielend am' Seil!" „Das könnten S' schon ruhig!" versicherte der Spänglcr treuherzig. „Els' ich Jhna losließe, eher stürzt' ich schon selbst lieber zum Abgrund 'nein." „Wahrhaftig?" Ihr lächelnd aufleuchtender Blick drang ihm wie ein heißer Strahl ins Herz. Toni wünschte sich in diesem Moment sehnlichst, sie schwebte ernstlich in Gefahr und er könnte sein Leben cin- setzen, sie zu retten. „Sagen Sie," fuhr sie im Weitergehen an seiner Seite fort, „ist es auch hier im Ortlergebiet schon mal vorgckom- men, daß ein Führer mit seinem Touristen verunglückt ist?" „Nit oft, aber Vorkommen ist's schon. Vor zwei Jahren ist dem Stadler-Franz sein Aelt'ster abgestürzt mit 'nem Herrn von der KönigsMtz'n." „Wie? Unserm alten Stadler?" Gottliebe sah sich ganz erschrocken nach dem nachfolgenden Paar um. - Der Toni nickte ernst. „Freilich, hier Herr ist nit stad g'west beim Stufenschlagen, wie der Stadler-Loisl grab' gebückt stund, und so hat's ihn mit 'nuntergerissen." „Aber mein Gott, das ist ja entsetzlich! Der arme, alte Stadler!" Und mitleidig sah' Gottliebe nochmals zu ihm zurück. Schweigend schritten sie einige Schritte Weiter, während deren sie ihren Gedanken nachhing. „So verpflichten Sie sich doch eigentlich bei jeder Hoch- tour Ihrem Touristen auf Leben und Tod," kam es dann von ihren Lippen. Sie sah Toni ernst an; er erschien ihr plötzlich in ganz neuem Licht: Dieser junge Mensch da neben rhr trug eine schwere, große Verantwortlichkeit. Ein Menschenleben war ihm anvertraut, und er setzte sein eigenes, Leben dafür ein. Ernst fuhr sie fort: „Ein schwerer Beruf, aber ein schöner! — Haben Sie auch, schon in ernster Gefahr geschwebt, Toni?" Er antwortete nicht gleich; dann sagte er ruhig: „Einmal bin ich mit einem! Herrn drüben im Oetztal gangen, am Wildm anns ko gel. Da hat uns auf dem Ferner der Nebel überrascht, und ich hab' den Weg nit amol könnt. Es war zudem Neuschnee gefallen, daß^ man die Gletscherspalten nimmer hat recht sehen können. Da ist's schon nit leicht gewest." „Und wie sind Sie denn da wieder rausgekommen?" „Ich hab' den Herrn halt an 'nen sichern Platz bracht und bin daun gangen, den Weg ausknndschaften." „Allein — unangeseilt? Aber da hätten Sie ja doch furchtbar leicht verunglücken können!" Der Toni zuckte leicht die Achseln. „Es war doch halt meine Pflicht. Wenn ich am Seil gangen wär' und hält' Malheur gehabt, nachher hält' ich den Herrn leicht auch noch mitgerissen." Gottliebe erwiderte nichts; aber eine stille Hochachtung vor dieser schlichten Größe der Gesinnung kam über sie. Den Rest des Wegs zur Ferdinandshöhe legten die beiden in ernster Unterhaltung zurück. Sie ließ! sich von dem Späng- ler Näheres über seinen Beruf erzählen, und mit lebhaftem Interesse lauschte sie seinen Worten. Sie wurde dabei immer nachdenklicher. Was für ein hartes, armseliges Leben wär das doch! . So monatelang während! der Saison Tag für Tag auf der Tour, nachts nur wenige Stunden Schlaf, zusammengepfercht mit anderen Führern auf hartem Strohlager, und des Tags über während der Tour die Kraft hcrzugebeu im Dienst fremder Leute, immer mit dem Bewußtsein, jeden Augenblick vielleicht für sie sich opfern zu müssen! Was bedeutete dafür der Führersold von wenigen Mark? Um so weniger, als in den übrigen drei Vierteln des Jahres der Verdienst ganz kärglich war in dem kleinen, walten tlegenen Gebirgsnest, wo es höchstens einmal etwas Waldarbeit für den Förster zu tun gab. Und nicht allein, daß er für so geringes Entgelt sein Leben in die Schanze schlug, er arbeitete vielleicht noch für andere, die er erhalten half. Eine MUtter, vielleicht eine Braut bangten sich um ihn, während er da 447 pkelfach verzweigte Stengel entsprossen, deren rote Blumen einen stark aromatischen Dnst besaßen, dec an den Duft der indischen 'Gewürznelken erinnerte. Dieses nelkenartigen Duftes wegen nannte man die Pflanze kurzweg „N e l k e". Die Sage berichtet zwar, der aus der Nelke hergeflclltc Trank hätte vielen Heilung gebracht, aber der Tod wütete weiter, das ersehnte Heilmittel gegen die mörderische Seuche war damals ebenso wenig gefunden wie heute. Ludwig IX. teilte das Los von vielen Tausenden seiner Getreuen, er starb noch im Lause desselben Jahres an der Cholera. Der Rest'seines ursprünglich 60000 Mann zählenden Heeres wurde geschlagen, nur ein kleiner Teil der Kreuzfahrer sah das heimatliche Gestade wieder. Mit ihnen zog die Nelke in Südfrankreich ein. Der auf königlichen Befehl gesammelte Nelkensamen kam in die Klöster und fand hier als Blume des Heiligen Ludwig (Ludwig IX. wurde 27 Jahre nach feinem Tode heilig gesprochen) eine Pslegestcitte, aus welcher die Nelke als Zierpflanze hervorging, die sich im Laufe der Jahrhunderte me Welt erobert hat. In welcher Weise die Nelke sich in den nächsten drer Jahrhunderten entwickelt hat, lehrt ein Blick in das 1613 erschienene Prachtwerk des Hortus Eystethensis, als dessen anonymer Verfasser der erste Gießener Professor der Botanik, Jungermann, vermutet wird. In diesem Abbildungswerke findet man auifs 8 Küpsertafeln im .Format von 52:42 Zentimeter 16 verschiedene „gedoppelte Negelein oder Graßblumen" in überraschender Natur- treue und in natürlicher Größe wiedergegeben. Da gibt es „volle Negelein so halb« leibfnrb halb weiß sindt und mit rochen strimen linb düppele unterzogen", solche „deren blumen sind an der färb wie pfirsichblüt", andere „mit zerkerbt und gedoppelten blumen, gesprengte, gescheckte, braunrote, purpurfarbene", kurz, die Nelke tritt uns hier schon als die in ihrer Mannigfaltigkeit vollendete Blume entgegen. Was am meisten auffällt, ist dre Größe der einzelnen Blüten, und wenn man nicht annimmt, der Zeichner habe gemogelt, so haben wir in diesen altehrwürdigen Bildern "Nelken vor uns, die so groß sind wie die wegen ihrer Größe bewunderten neuen amerikanischen Sorten, von 7 Zentl Meter Durchmesser. Jnr lveiteren Verlauf der Zeit bitebt> die Nelkenzuckt hauptsächlich auf England und Holland beschrankt, das übrige Mitteleuropa war durch Kriege und Seuchen verarmt und entvölkert, die Klöster verbrannt oder ausgeraubt, ihre ehe- maligen Gärten voll Gestrüpp und Unkraut. Ende des 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts, nach Beendigung des Tulpenschwindels, ward die Nelke Modeblume. Muter Nelkensamen wurde damals wie heute mit Gold aufgewogen, es entstand eine umfangreiche Literatur, die sich nur mit der Melke, ihrer Zucht und Pflege befaßte, ess wurden Nelkensammlungen iil Form von Herbarien angelegt, in denen dre Blumenblätter auf steifes Papier aufgeklebt, numeriert und mit Namen versehen wurden, die sich hier und da bis zur Gegenwart erhalten haben. Endlich, als es nicht mehr möglich war, die zahllosen Spielarten zu benennen, erfand man zuerst in Holland unb Belgien, später auch in Frankreich und Deutschland, Nelkenchsteme, in welche die Nelken nach Blütenbau und Farbe in Klaffen, Ordnungen, Gattungen und Unterordnungen eingereiht wurden. Eines der bekanntesten ist das des Erfurter Arztes Werßmantel, der in der Mitte des 18. Jahrhunderts eine der größten Nelkensaminlungen seiner Zeit besaß In Frankreich war es besonders die hochrote Nelke, die sich allgemeiner Beliebtheit erfreute und die während der Schreckensherrschaft der Revolution eine Rolle spielte. Berühmt waren die Flamländer Nelken. Es waren dies Nelken, die auf weißem Grunde regelmäßige, scharf abgefetzte, bandartige Streifungen zeigten. Sie wurden hauptsächlich von den Arbeitern der Kohlengruben bei Lüttich und von denen der Tuchfabriken bei Verviers, sowie in der Umgebung von Spaa gezüchtet und besaßen Weltruf. Von dort stammen auch die ersten Zwergnelken, die lange Zeit beliebt waren, weil ihre kurzen, sich kaum über Me Blätter erhebenden Stengel die Blüten, trugen, iunb ein Ausländen überflüssig machten. Später traten die etwas höher werdenden, ungemein reich blühenden Wiener Zwprgnelken an ihre Stelle. . Eine andere Form der Gärtennelke ist die Baumnelie, die zwar nicht zum Bäume wird, aber einen verholzten kleinen Strauch bildet und deshalb häufig an Spalieren gezogen ward. Je, älter fein solcher Stock war, desto reicher blühte er. Bei uns , ist sie ganz aus der Mode gekommen, dafür sieht man sie bisweilen ,rn südlichen Ländern, tvo die Nelkenstöcke über Winter im Freren bleiben können, als entzückenden Schmuck btr Balkone. Einen neuen Ansporn erhielt die Nelkeiiliebhaberer burch die Zucht der imMerblühcnben oder Remontantnelkeit, welche um die Mitte des vorigen Jahrhunderts von Belgien, aus Berbiertung fanden. Sie wachsen höher und blühen nicht, wie die Landnelken, mit einer Fülle von Blumen, um sich in kurzer Zeit zu erschöpfen, sondern immer nur an einzelnen Stengeln. Die Eigenschaft, auch im Winter zu blühen, machte sie alsbald zu einer begehrten Zimmerpflanze, und da man in jener Zeit die Einfuhr frsicher Blumen aus den Mittelmeerländern noch nicht kannte, fchren xs fast, als ob die Nelke abermals Mvdeblume werben würde. Die Kultur war aber nicht lohnend genug, die Einführung anderer Pflanzen beschäftigte die Gärtner vollauf, so daß sie auf einzelne Spezialisten und Liebhaber beschränkt blieb. Da tauchte gegen Ende der 80er Jahre eine Remontantuelke aus, welcher man nachrühmke, sie blühe schon drei Monate nach der Aussaat und von da an bis zum Eintritt der Fröste. Sie kam von Italien. Man hatte sie in den Bauerngärten Siziliens gefunden. Die dortigen Landleute hatten nie eine andere Nelke gekannt und sie vielleicht schon seit Jahrhunderten besessen, ohne daß sie wußten, daß an ihrer Nelke etwas besonderes sei. Es war die Margareten nelke (zu Ehren der damaligen Königin Margherita von Italien benannt) um deren Verbreitungsrecht unter zwei deutschen, in Italien ansässigen Gärtnerfirmen ein langer Streit ausbrach. Durch die Einführung der Mavgareten- nelke war die Nelke nun in die Reihe der leicht zu ziehenden Sommerblumen gerückt, man konnte fich an ihren duftenden Blumen von Mitte des Sommers bis zum Eintritt der Fröste erfreuen. Die alte Remontantnelke aber hat sie nicht verdrängt, sie Mpd weiter vervollkommnet, die Amerikaner nahmen sich ihrer an und von dort kam sie in neuer und verbesserter Gestalt zu uns zurück. Ihre Stiele sind straffer und, wie es die Mode verlangt, länger geworden. Ihre Blumen aber sind fast doppelt so groß wie die der alten Remontantnelken und in einem Farbenspiel, wie inan es nie gekannt hat. Diese herrlichen Nelken werden bei uns fast ausschließlich unter Glas gezogen. Man pflanzt die Nelkenstöcke, die nie älter als 18 Monate werden sollen, auf erhöhte Stellagen in Hellen, luftigen Gewächshäusern aus, sucht sie im Laufe des Sommers durch gute Pflege nach Möglichkeit zu kräftigen, und damit sie sich nicht vorzeitig erschöpfen, nimmt man ihnen die erscheinenden Blütenstengel fort. Sie blühen dann den ganzen Winter bei einer Temperatur von 8—10 Grad. Die meisten Nelken und zwar die schönsten, die es gibt, kommen int Winter aus der Riviera. Die ganze Nivierä zwischen San Rerno bis Nizza ist ein einziges Nelkenfeld. Da, wo die Italiener noch vor fünf Jahren ihren Kohl oder Tomaten bauten oder wo die wilde Myrte und Pistazie blühten,, sind Nelken- felder entstanden, in denen man den Sommer über jung und alt mit der Pflege der Nelken beschäftigt findet. Mit verbundenen Augen läuft der Schöpfesel im Kreise um den Brunnen und pumpt das Wasser zur Berieselung der Nelken in die schmalen Gräben, von wo es durch ein System kleiner Kanäle und Furchen zu den Pflanzen geleitet wird, denn in der Riviera, dem Garten Europas, regnet es im Sommer oft drei Monate lang keinen Tropfen, und was in dieser Zeit nicht künstlich bewässert wird, verdorrt. Auch' Gewächshäuser, ein früher nicht gekannter Luxus, sind in den letzten Jahren an der Riviera in Mengen entstanden, die ausschließlich der Nelkcnkultur dienen; sie blüht zwar auch int Freien, aber die Gewächshausnelken sind größer, sie sind in der Farve reiner und werden auf dem Markte von den Händlern höher bezahlt. Außerdem ist man int Hause gegen Unwetter und Fröste gesichert, weshalb sich ihre Anlage bezahlt machen soll. $aglid) wird aus dem freien Platz vor dem Bahnhofsgebäude in Ventimiglia Nelkenmarkt abgehalten. Zu einer bestimmten Stunde kommen bann die Händler aus Nizza und weiter her, aber auch die aus der Nähe, denn der Blumenhaudel wird an der Rivtera kaufmännisch betrieben, und selten ist der Züchter auch Händler zugleich. Der ganze Platz bietet dann ein farbenprächtiges Bild der duftreichen Blume, und man kann daselbst zu einem Franken bisweilen einen Strauß Nelken mit Hunderten der herrlichsten Blumen kaufen. Bisweilen aber sind sie, und das ist besonders kurz vor bestimmten Festen und nach Unwetter bet Fall, in Vetttv- miglia teurer als in Berlin. Die Hänbler legen bann, um ihre Kunbschaft nicht int Stich zu lassen, unglaubliche Preise an, bei denen sie oftmals selbst Geld zulegen müssen. Jeder Züchter hat seine bestimmten Sorten, für die er seine festen Abnehmer hat. Damit diese nicht der Konkurrenz ausgeliefert werden können, werd jeder Trieb, welcher sich etwa zu einem Steckling eignen tonnte1, sorgfältig entfernt, ehe die Ware auf den Markt kommt. Oft sind diese Sorten eigene Züchtungen, und mit Argusaugen wacht der Besitzer darüber, daß auch nicht ein Sproß seinen Garten verlaßt. Das ist selbstverständlich, wenn man weiß, daß sich an der Rivtera jeder, der nur über ein Stückchen Land verfügt, auf die Kultur der Nelken gelegt hat, daß der Bauer lieber fein Gemüse und sonstige Erzeugnisse auf dem Markt ersteht, um dafür den lohnenderen Anbau der Modeblume zu betreiben. Täglich geht von Vetiti- mialia ab ein Blumenzug, der die duftende Ware — Schmtt- blumen aller Art —, hauptsächlich aber Nelken, in unglaublichen Mengen nach dem Norden befördert. Eine gute Nelke muß folgende Eigenschaften besitzen: Sie muß gut gefüllt sein, darf aber nicht platzen, d. h. an der Sette darf der Kelch nicht aufgesprungen sein, ihre Farbe muß rein unb wenn sie mehrfarbig ist, bütfen die Striche oder Zeichnungen nicht ineinanber verwaschen sein. Eine weitere Forbernug der Neuzeit ist, baß die Stengel ivenigstens 40 Zentimeter laug unb so stark sein müssen, daß sie das Gewicht der Blumen zu tragen imstande sind. Die Anzucht geschieht bei den Lanbuelken nur aus Samen, der int zeitigen Frühjahr in Schalen oder Kistchen gesät wird. Später werden die jungen Nelkeitsetzlinge auf Beete gebracht, auf denen sie stehen bleiben. Die gefüllten werden von den Gärtnern bei dem Aussetzen gleich ausgeschieben, und es gibt Gärtner, bereit Blick durch Hebung so geschärft ist, daß sie sich "ichtum fünf Prozent irren. Man erkennt sie an den etwas dickerenBlät. tern. Bessere Sorten vermehrt man, wenn man nicht die Absicht hat, neue Sorten zu züchten, durch Absenker und Stecklinge. Tie ** 448 — Vermischtes» - Rotationsdruck und Verlaa der Briikl'icken Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen. Redaktion: K. N e u r a t ö. Zitatenratsrf. , , . , Aus jedem der folgenden Zitate ist ein Wort zu nehmen, sodaß sich ein neues Zitat ergii't: 1. Was nützt miet) der Mantel, weit» er nicht gerollt tftt 2. Nicht um Gnade will ich Vetteln, ich verlange nur mein Recht. 3. Und darum Räuber und Mörder! 4 Vergelten will ich's Euch, wenn Ihr mein Leben schont. 5. Schwer büßen soll der Frevler, der die Tat verübt. 6. Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn. . 7 Man hat Exemvel, daß man den A!ord liebt und den Mörder strast. ' Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des magischen Dreiecks in voriger Nummer r M E D E A ERIS DIS E S A Absenker werden nach der Blüte im August Es heschiehi in der Weise, daß an einem, tm Boden befindlichen Triebe ein Einschnitt von einem Knoten bis zum andern gemacht wird, so daß der Stengel halb durchschnitten ist. In den _ Spalt wird häufig ein kleines Steinchen oder sonstiger Gegenstano geschoben, um das Wiedcrzusammemvachsen zu verhindern. Alsdann wird der auf diese Art verletzte Stengel mit einem kleinen Haken am Boden befestigt, etwas Erde darum gehäufelt und bei Trockenheit oster^ begossen. Nach Verlauf einiger Wochen, wenn sich an der verletzten Stelle junge Wurzeln gebildet haben, wird der Stengel vol ends ganz durchschnitten, der Absenker also von ^r Mut.erpslanze getrennt. Ist die Bewurzelung nach wetteren 3—4 Wochen vollendet, so nimmt man diese ab und behandelt sie, als selbständige Pflanzen. Die Vermehrung durch Absenker ward früher allgemein gehandhabt. In neuerer Zeit aber, wo große Mengen m kurzer Zeit verlangt werden, vermehrt man die Nelken nur noch durch Stecklinge, die in geeigneten Häusern oder Mlstbeetkasten zur Bewurzelung gebracht werden. Zur Samenzucht werden nur rie gefüllt blühenden Pflanzen ausgewählt. Die Nelke gedeiht in jedem nahrhaften, lockeren Gartenboden, sie liebt die Morgensonne und freien Standort. Zur Topskultur gibt man den Nelken ein Gemisch von lockerer Rasenerde, welcher man etwas verrotteten Kuhdung und scharfen Sand öusetzt. Die Gärtner pflanzen die gewöhnlichen Landnelken kurz vor der Blute aus dem freien Lande in Töpfe und bringen fte tn blühendem Zustande dann auf den Markt. Solche Pflanzen lohnen weitere Pflege nach der Blüte nicht. Sie haben ihren Zweck mit Beendigung ihrer Blütezeit erfüllt. _ ,, a Wie jede andere zu hoher Vollkommenheit gebrachte Kulturpflanze, so hat auch die Nelke von mancherlei Krankheiten und Feinden zu leiden. Eine der gefürchtetsten ist die Hohls liebt Die Stengel werden unförmlich dick, platzen und gehen ent. Bet der Wassersucht, die durch zu große Nässe im Boden oder zu reichliche Düngung entsteht, sterben die Stocke plötzlich ab. Auch Rost und andere Pilzkrankheiten, Würmer, Käser, Raupen und allerlei andere Schädlinge gehen als ungebetene Gäste bei den Nelken zu Tisch und der Züchter, welcher es versäumt, die Abwehrmittel zur rechten Zeit in Anwendung zu bringen, hat Mißerfolge. , Das vielgestaltige Geschlecht der Nelken hat noch mancherlei andere Vertreter, die zum Teil uralte Gartenpflanzen sind, wie die noch stärker duftende Federnelke, die Bart- oder Studentennelke, die Chineser- und Hedwigsnelken, die Kaisernelke usw. Keine aber hat die blumenliebende Menschheit so vielfach befchastigt wie die Aristokratin ihrer Gattung, die Gartennelke, die tu ihrer Entwicklung ein Beispiel bietet, wie eine von Natur aus bescheidene Blume unter der Pflege des Menschen sich allen seinen Launen anzupassen vermag, um sein Schönheitsideal zu werden, Jt C Ij 11 C Lt. * iDie Troddeln bürgern sich wieder ein. Seit einiger Zeit sieht man diesen nicht ungraziösen Abschluß von verschiedenen aufeinander stoßenden Linien ziemlich häufig. Gewöhnlich Meuten sie den Schlußpunkt irgendeiner Drapierung. Gei den Schärpen machen sie sich ganz besonders hübsch, nur Essen sie aus sehr schwerem guten Material hergestellt sein. Die Lätzchen bei den Damentoiletten werden am unteren Rande vorne und rückwärts durch eine Reihe kleinerer Quastchen recht hübsch abgeschlossen. Wirst der geraffte Oberrock auf der einen oder der anderen Seite einen Zipf, so wird er in eine große Troddel als Abschluß gesteckt. Auch die Bolero werden recht häufig mit kleinen Quastchen besetzt, die gleich Miniaturkastagnetten sich hin- und herschwingen. Auch die Pompadours schließt man nut -einer Troddel. Der Rcistd der Schirme wird mit Reihen bunter kleiner Quasten besetzt, und auch den Hutrand verschmäht man Nicht damit zu garnieren. !Die im Herbste kommenden Federboas enden gleichfalls mitunter in einer Troddel. * Das Geheimnis des Korsetts. Eine drollige kleine Geschichte wird von dem Expräsidenten Loubet erzählt. Ein Freund traf ihn eines Nachmittags, wie er vor entern Laden der Avenue de l'Opsra in seinem Wagen saß. Man begrüßte sich, und der Freund ging iveiter. Ais er zwei Stunden später wieder vorbei kam, saß Loubet noch immer in feinem Wagen. -„Sie haben jetzt viel Zeit zu verlieren, nicht wahr?" fragte der andere und trat an das Gefährt heran. „Wo ist denn Birne Loubet?" „Meine Frau?" erwiderte der Exprä,ident. „Die ift da drinnen — schon die ganze Zeit, seit wir uns zuletzt sahen." Der andere sah nach dem Ladenschild, auf dem nut großen Buchstaben „Nu Corset Mystöre" (Zum geheimnisvollen Koriett) geschrieben stand. „Und wirklich? fügte Loubet hinzu, indem er auf die Korsettmodelle im Schaufenster zeigte. „Es ist ein Geheimnis, wie sie da hiiieinkvmmen soll," Mme. Loubet ist nämlich eine sehr korpulente Dame. _ . , — Der fröhliche Abschied. Die Tausende von Amerikanern, die alljährlich in bett Sommermonaten ihre Erholungsreise »ach Europa antreten, brauchen fortan dem Augenblick- beg Abschiedes nicht mehr mit Beklommenheit entgegen zu sehen. Bisher war der Augenblick des Abschieds doch immer ein Wermnts- kropfen int Becher der Freude; wenn das Sdsiff langsam vom Ufer glitt und die -Freunde und Verwandten sam Kai zurückbliebem wenn dann die Schiffskapelle ihre gemütvollsten Weisen ertönen ließ, dann wurde einem doch oft das Herz schwer -und die Äugest füllten sich mit Tränen. Die für das körperliche und -seelische Wohl ihrer Passagiere besorgten Schiffahrtsgesellschaften konnten das nicht mehr länger mit ansehen. Die rührenden und traurigen; Abschiedsszenen müssen den Direktoren in der Seele weh getan haben; die Folge war jedenfalls, daß man sich eingehend mit der Frage beschäftigte, ob es denn nicht möglich sei, den Mschieds- schmerz zu betäuben und gewissermaßen zu einer .Abschiedsfreude zu machen. Die Furcht dieser zartsinnigen Erwägungen ist fetzt gereift. Wodurch kam es bisher, daß man immer so leicht sentimental wurde? Ach, diese Abschiedsmusik, diese langgezogenech schmerzlichen Klänge, diese traurigen Lieder von Abschie-dnehmen und Ankerlichten! Die fröhlichsten Menschen erlagen der Suggestion dieser Musik, und sobald die Kapelle ihre schmelzenden! Töne erftingen ließ, wurden selbst fteiuerne. Herzen zu Butter. Und wozu das alles? So faßte man den Entschluß, künftig bet der Abfahrt der Schisse keine Abschiedsweisen mehr spielen zUlafsen,. sondern an bereit Stelle fröhliche, lustige Ragtimes. Am -sonntag wurde der Plan in New York erprobt, bei der Abfahrt des Dampfers „Ban Dyck". Und wirklich, der Erfolg war ausgezeichnet. Man strich alle elegischen Weisen -aus dem A'bschiebskonzert, spielte nur; Tanzmelodien, und als der Rumpf des Schiffes sich langsam von der Kaimauer entfernte, ging die Kapelle mit El an m diS Melodie des Walzers aus der Lustigen Witwe über E Passagiere uahnieii unwillkürlich den Rhythmus der Musik auf; wahrend der Dampfer davonglitt, sah mau auf Deck Leute fangen unb auch die „Hinterbliebenen" am Ufer folgten halb biefem Beispiele und tanzten, bis die Musik in der Ferne verhallte. Es gab kerstq Rührung, keinen Schmerz. Ja sogar ein paar Missionare, die an Bord waren, zeigten vergnügte und lächelnde ’Vtienen. VUnerttoi aber ist stolz, 'auf diese einfache und sinnige Weise-seinem National- verniögen an Gefühlen die zwecklose und damit unökonomische Aufwendung von Tränen erspart zu haben. * B o in lustigen Onkel ö» m. Realismn s. Es wird „Julius Cäsar" gegeben, und an Ausstattung ist nickM gespart Aber als die Ermordungsszene kommt, versagt der Dolch, der aus der Scheide herausschnellen soll, seinen Dienst, und verzweifelt sticht Brutus immer wieder mit her widerspenstigen Waffe auf den unglücklichen Cäsar em, bis von der Galerie eine ruhige, ehrlich erftaunte Stimme kommt: „Donnerwetter, ist der zähe!" — Man m n ß sich zu helfen wl 11 en. Der Drucker stürzt in wilder Aufregung in das Zimmer des Redakteurs. „Denken Sie sich," schreit er. „Johnson, der Mörder, ist eben telegraphisch begnadigt worden. Und wir haben die ausführliche Darstellung, wie er gehängt wird, mit JllustratioiieiiiM heutigen Blatt, das schon in Druck ist." „Beruhigen cr-ie pch, antwortet der Redakteur kaltblütig. „Wir setzen einfach in Fettdruck darüber: „Johnson begnadigt! „Ausführlicher Bericht, ivas ihm bevorstand!" — Zarter Wink. „Stern meines Lebens! flüsterte der liebeglühende Jüngling. „Und was fur ciu ©lern, fragte die Schöne zurück. „Venus, die bezaubernde, veriuhrernche Benns " „Ach, dann bitte doch lieber Saturn." „Warum denn, mein Liebling?" „Weil der Saturn gelegentlich einen neuen Ring bekommt." — Zerstreut. Der Professor kommt abends nach Tarife, und nachdem er mehrmals umsonst an der Haustür geklingelt hat, hört er aus einem Fenster des zweiten Stocks die Stimme seines Dienstmädchens: „Der Professor ist nicht zu Hause. All right," sagt er, „bann will ich ein anbermal wiederkomnien, u'nb steigt beruhigt die steinerne Bortreppe wieder herunter. — Olle Ka mellen. Die anierik. Choristin, bte in London große tzi- folge erringt, ist stolz darauf, stets auf der Höhe zii seiii und vieles, was sie in London sieht, scheint, ihr polle Kamellen Wie sind doch die Engländer zurück! sagte fuiigst solch eine niedliche Choristin aus New York „Da ,sehe ich, daß man hier in einem Theater „Somniernachtstrauin gibt. Tas hatten wir bei uns schon vor zwei Jahren auf dem Broadway.