MD UW bm« =^SWi JTOufe-W WWVN Zwei Welten. Roman von Emma Mer I. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Der kleine Zwischenfall dünkte Hildegard doch recht sonderbar und weckte ihr ein dumpfes Mißtrauen gegen den Leutnant, der dann mit verdoppelter Höflichkeit auf sie einredete, während sie ihre Handschuhe zukiiöpfte, als gebe ■er sich Mühe, den kurzen peinlichen Eindruck zu verwischen. Er hatte wohl der hübschen Auguste einmal den Hof gemacht und verleugnete nun sein Interesse an ihr, behandelte sie mit beleidigender Kühle, weil eine junge'Dame in der Rahe war. Mit -ziemlich hochmütiger Miene schritt Hildegard an ihm vorüber, in das Empfangszimmer, in dem Marianne ihr, wunderbar schön und vornehm, in einem dunklen 'Sammetkleid entgegenkam und sie herzlich begrüßte, wäh- rend sie -dem Leutnant nur mit eisiger Zurückhaltung die Fingerspitzen reichte. Der Baron empfing seinen jungen Freund von der Redoute mit um so lebhafterer Wärme; er war an diesem -Abend auch gegen Hildegard von besonderer Zuvorkommenheit. Es iöiirbeit nur wenige Gäste erwartet, die Direktoren von der Aktiengesellschaft, bei der Baron von Flas- san teilte Stelle als Aufsichtsrat innehatte, deren Frauen, und ein älterer pensionierter Oberst, der gern gut trank und der dafür bekannt war, daß er den Herren im Ranch- zimMer die neuesten, saftigsten Anekdoten zuzuflüstern wußte. Man merkte dem Menü an, daß ein Kenner und Feinschmecker es zusammengestellt hatte, und die Gäste waren denn auch so beschäftigt mit den raffinierten Tafelgenüssen, daß ihnen Au einer besonders lebhaften und geistreichen -Unterhaltung wenig Zeit übrig blieb. Leutnant Schmidt bemühte sich allerdings, zwischen den -Austern, den Hummerpastetchen, dem aetrüffelten Fasan und den Riesenspargeln seiner Tischnachbarin einiges Verbindliches zu sagen. Aber Hildegard mußte immer wieder die hübsche blonde Auguste anblicken, die mit auffallend blassem Gesicht servierte, und ein paarmal durch eine Ungeschicklichkeit und Zerstreutheit einen zornigen Blick des Hausherrn hervor- rief. _ _ I Einmal, als sie dem Leutnant die Bratenplatte reichte, zitterte sie so, daß ein paar Tropfen Sauce auf das Kleid der nebenan sitzenden jungen Dame fielen. as Mädchen tat ihr so leid, das sie mit ängstlichem Gesicht um Verzeihung bat, so demütig vor ihr kniete, Um die Flecke aus dem Seidenkleid Herauszurechen. Sobald die Tafel .aufgehoben wurde, die Herren sich ihre Zigarren cnizündeieu, flüsterte Hildegard der Tante zu: ^/Schläft denn Paulchen schon? Ich möchte ihn gern besuchen und ihm gute Nacht sagen." hBor kurzem.war er noch wach. Er wollte von der süßen, Speise haben," sagte Marianne, deren Gesicht sich förmlich verklärte, wenn von ihrem Jungen die Rede wär. „Geh nur, er freut sich riesig. Er ist ja dein jüngster Verehrer." Paul lag schon zu Bett, als Hildegard in das Kinder- zimmer schlüpfte. Aber er war noch sehr munter und begrüßte das junge Mädchen mit einem Jubelschrei. Er war ein bildhübscher kleiner Kerl von acht Jahren, mit den feinen Zügen und den wunderbaren Augen der Mutter. „Du, wenn ich einmal groß bin, dann führe ich immer dich zu Tisch und schenk' dir Wein ein und du müßt dann sagen:, „Danke, lieber Vetter", und ich sag' dann: „Bitt« sehr, liebes Väschen". Ja, Du bist mein Bäschen, Papa hat's gesagt." Er plauderte so drollig und machte so komische Verbeugungen in seinem Bett, daß Hildegard zum ersten Male an diesem Tag herzhaft lachen konnte. i,;Das wird eine sehr amüsante Unterhaltung werden, Paris. Und ich bin bis dahin ein etwas altes Büschen," rief sie lustig. Es tat ihr ganz leid, sich den Kinderhänden, die sie so gern noch festhalten wollte, wieder zu entreißen. p.Du sollst schlafen, du Wildfang, gute Nacht!" J'm Spielzimmer Pauls, durch das sie sich in den Speisesaal zurückbegeben wollte, hörte sie ein leises Schluchzen. Es war dunkel hier, — nur die Straßenlaterne warf einen hellen Streifen auf den Teppich und auf die Festung, die Paulchen auf dem Boden aufgebaut hatte. Als sie sich umsah, entdeckte sie aber in dem Lichtschimmer auch -eins weiße Schürze und ein weißes Häubchen. Auguste saß in einem niederen Stuhl neben dem Fenster, hatte das Gesicht in die Hände gedrückt und weinte heftig. Mitleidig trat Hildegard auf das Mädchen zu. „Was haben Sie, Auguste? Was ist Ihnen geschehen? Sind Sie krank?" „Nein, — nein!" schluchzte die Weinende, mehr in einem zornigen, als in einem schmerzlichen Ton. „Ich laß mir das nicht mehr gefallen! Ich weiß schon, — morgen krieg' ich wieder einen Brief von meiner Mutter, daß ich hier nicht bleiben darf. In einem Haus, wo er verkehrt! Ich soll fort auS München. Und ich geh' nicht! Immer soll ich nur Opfer bringen und Rücksichten nehmen, und er tut dann, als hält' er mich nie gesehen, als wär' es eine Schande für ihn, wenn -er mich grüßen muß! Ich laß mich nicht Mehr so behandeln.'" „Wer hat Sie denn so beleidigt, Auguste? Der Leutnant Schmidt? Sie waren ja so erschrocken, als Sie ihn eintreten sahen/' i Das Mädchen, das, ohne aufzn'blicken, in einem förtn- 246 Lichen Zornanfall die Worte hervorgestoßen, blickte mm in jähem Schrecken auf. , 9hm, da die junge Dame den Namen nannte, verstand sie erst, wie unvorsichtig sic gewesen, wie weit sie sich hatte hinreißen lassen. ,. „£>, um Gottes willen, gnädiges Fräulein! Ich bitte Sie, verraten Sie mich nicht! Er sagt ja, es kostet ihm seinen Rock, seine ganze Zukunft ist ruiniert, wenn mau erfährt, daß seine Schwester in dienender Stellung ist! „Sie sind seine Schwester? Leutnant Schmidts Schwester?^ „Ach ja, gnädiges Fräulein! Ich hab' eine Stellung! annebmen müssen, damit die Mutter mehr tun kann für den Martin. Ich .hab' nichts Ordentliches lernen dürfen, ich war immer wie das Stiefkind. Immer nur er halt, der Bruder, der Offizier hat werden niüssen. Mir ists za reckt und ich schick' der Mutter, was ich entbehren kann; ich begreif's ja auch, daß er als Leutnant es nicht an die große Glock' hängen kann, daß er so arm ist; er konitt sich auch mehr einschränken, nicht, daß die Mutter noch schulden zahlen muß. Tas Allerärgste ist mir aber, daß ich hier wieder weg soll, wo's mir gut geht. Aber rch weiß schon, daß er keine Ruh' gibt bei der Mutter. Ich weih selber nicht, wie ich dazu kommen bin, Ihnen mein Herz auszuschütten. Ach, meine Mutter schlägt mich tot, wenn sie hört, daß ich nicht meinen Mund gehalten hab'." „Ich sage nichts, Auguste. Ich verspreche es Ihnen. Und icb glaube auch nicht, daß. Sie Ihres Bruders wegen hier fort müssen, wenn Sie gern uh Hause find. Soviel ich darüber urteilen kann, wird er nicht mehr oft hierher- kommen, nein, gewiß nicht!" meinte sie sehr bestimmt. Sie gab Auguste die Hand und öffnete leise die Tur. „Trocknen Sic mir Ihre Augen!" flüsterte sie ihr noch einmal zu. Aber das Mädchen schaute der sich entfernenden jungen Dame noch in starrer Verblüffung mit weit geöffneten Augen nach. , c „Ja, um Gottes willen!" murmelte sw dann. „Was hab' ich da angesangen." Sie schlug sich mit der Hand vor die Stirn in reuigen, Selbstvorwürfen. „Am Ende wär' das die gute Partie gewesen, auf die die Sutter immer hofft für Martin. Und gerade vor der hab' i über ihn losgezogen.'" Aber dann schüttelte sie trotzig den Kopf. „Recht aeschiehfs ihm, ganz recht! Das Fräulein ist viel zu gut für den . . . den Egoisten. Er tät sie doch mir wegen ihres Geldes nehmen. Nein! Die möcht' ich gar nicht betrügen, sie soll nur wissen, wie er ist." Der Leutnant schaute Hildegard, die sich so lange im Kinderzimmer aufgehalten, etwas beunruhigt an, als sie mit heißen Wangen und funkelnden längen in den Salon trat, in dem Marianne nun den Kaffee eiuschenkte. Aber er hatte sehr viel Pommery getrunken und befand sich in höchst sanguinischer Stimmung. Hildegard war ungewöhnlich schweigsam. Sie durfte ja Augustes Geheimnis nicht verraten, und sie wußte, daß sie in ihrer Gereiztheit die Entrüstung gegen jwn Leutnant, der seine Schwester mit so eherner Stirne verleugnete, nicht hätte verbergen können, wenn sie sich Überhaupt in ein Gespräch mit ihm eingelassen haben würde. Er aber nahm in seinem leisen Dusel ihr Schweigen für ein gutes Zeichen, daß er ihr Eindruck gemacht. — Durch ein eigentümliches Versehen der Militärverwaltung (das übrigens in der bayerischen Armee schon häufiger vorgekommen ist) war es versäumt worden, die Angaben des Vormundes von Martin Schmidt auf ihre Richtigkeit zu prüfen. Er hatte die Vermögensverhältnisse zwar nicht als glänzend hingestellt, aber wohlweislich verschwiegen, in welchen engen Grenzen sie sich bewegten, wie wenig Met soziale Stellung der Eltern und vor allem die Aushilfsmittel, zu denen Mutter und Tochter die Not zwang, mit jenen Aufforderungen im Einklang standen, die an die Familie eines Offiziers erhoben werden. Nassaus freundliches Zunicken, seine leisen Anspielungen unterstützten noch des Leutnants kühne Hoffnungen, und Ak träumte, während er den Rauchwolken seiner Zigarre Mchblickts, schon von dem schönen Heim, in dem er einmal seine Gäste mit gutem Wein und Zigarren bewirten wollte. An dem Stubenmädchen, das ihn mit trotzigen Augen, nun fast triumphierend und schadenfroh anblickte, druckte er sich beim Fortgehen hastig vorüber, Mb dem Diener seist Trinkgeld und schaute noch einmal mit einem vielsagenden, heißen Blick auf Hildegard, ohne zu bemerken, mit welch abweisend kühler Miene sie sich von ihm verabschiedete. 7. Ein paar Tage später kam Bernhobler des Abends ganz aufgeregt von einem Besuch bei seiner Mutter heim. "„Heut' hab' ich einmal eine Neuigkeit, die euch interessieren wird!" rief er schmunzelnd. „Also morgen kommt ein x>etr zu mir, der um Hildegard anhalten will!" „Ja, wer denn?" fragte Mali ganz erschrocken „Na, ich meine, die Hildegard wird schon eine Ahnung haben, wer's ist. Ein schöner Offizier! Ein Leutnant! Herr Leutnant Schmidt, der, wo neulich bei meiner Mutter ein- g'laden g'wesen ist!" . r. „Was, der? Ter kennt sie ja noch gar nicht! warf Mali ein. . ,. „Er weiß doch, Mama, daß der Papa ein wohlhaben oer Mann ist, das genügt ihm wahrscheinlich," sagte.Hildegard! mit bitterm Ton. , „Jetzt, was ist das wieder für eine Bemerkung? fuhr Bernhobler zornig auf. „Meine Mutter sagt, er ist ein braver Mensch. Erne Verwandte von uns, die Frau Kleiu- meier, kennt ihn ganz genau, weil er ihr Zimmerherr ist. Na, und ich meine, ein Leutnant g'fällt jungen Madeln ndcEivcil." „Es heißt so, wenigstens in den „Fliegenden Blättern"," meinte Hildegard bitter. „Kennt die Großmntter auch seine Meine Mutter empfiehlt einen Menschen nicht, wenn sie's nicht mit gutem Gewissen tun kann. Er hat ihr alles g'sagt. Daß er von einfache Lent' ist, und dap er fein Vermögen hat. Er hat ihr auch eing'standen, daß er ein paar tausend Mark Schulden hat. . Das geht ja gar nicht anders heutzutage bei einem Offizier. Sein Vater ist tot. Seine Mutter zieht aufs Land 'raus. Sonst hat er niemand, das wär' mer schon sehr angenehm, daß er keinen Anhang hat. Eine fremde Verwandtschaft, um die inan ftd), uintf’ mern und die man einladen müßt', das hätt' ich dick!" Hildegard lächelte spöttisch, aber sie sagte fein Wort. Ihre Miene reizte Bernhobler znm Zorn. „No, was machst denn fiir’n hochmütiges G'sicht? Möchtest vielleicht auch einen Baron wie meine Schwester? Die hat auch immer was Vornehmes wollen. Das war nachher so ein Fang, der Herr Freiherr von Nassau!" „Daß Leutnant Schmidt aus einfacher Familie ist, wurde mich nicht hindern, ihm gut zu sein, vorausgesetzt, daß er sich seiner Leute nicht schämt." „No, ich m ein's halt auch. Ich wüßt' gar nickst, was du an dem Leutnant auszuseHen hälfst. Mir wär' ja ein Geschäftsmann lieber g'wesen. Aber meine Mutter hat ganz recht: für einen Kaufmann trägst du die Nasen zu hoch. Auf Geld brauchst nicht z'schauen. Also überleg' dir's, bis morgen hast Zeit!" „Ich brauche nichts zu überlegen. Ich muß dich gleich heute bitten, ihm ein Nein zu erwidern, Papa!" „So — ? Warum denn nachher? Einen Grund mußt' doch haben?" „Vor allem glaube ich gar nicht, daß mich der Leutnant wirklich gern hat. Er will nur eine gute Partie machen." „No ja, das möchten die jungen Herren alle. Da kannst sitzen bleiben und eine alte Jungfer werden, wenn du auf den warten willst, der sich ums Geld gar nicht kümmert." „Warum verheiratet denn die Großmutter nicht eine ihrer anderen Nichten mit ihm? Onkel Gustav hat ja ein halbes Dutzend !" rief Hildegard mit zornig ausblitzenden Augen. „Sobald du von der Großmutter reden hörst, nachher wirst allemal ungezogen!" brauste Bernhobler, der sich immer mehr erhitzte, auf. „Ich lasse mich nicht von ihr verheiraten. Lieber werde ich eine alte Jungfer, lieber will ich mir selber mein Brot verdienen. Ich kann ja Gouvernante werden oder Gesellschafterin, wenn ihr mich nickst mehr zu Haus haben wollt« aber ich lasse mich nicht von der Frau Klciumeicr an ihren Zimmerherrn verkuppeln!" „So plag' sie halt nicht, Adolf. Es pressiert doch nicht mit dem Heiraten!" suchte Mali, die eine heftige Szene herankommen sah, ihren Gatten zu begntigeii. Oer Bern Hobler war schon das Blut so heiß zu Kopf gestiegen, daß er die sanfte Bitte nicht mehr beachtete. d (Fortsetzung folgt.) 247 den Bi hing?' d u Page, dann bist du wohl doch auch, aus hohem — mein Vater ist auch ein König," sprach das Reh Blitz, du bist ein Königskind und läufst zum Ber- „Was, Hause?" „O ja gelassen. „Potz, " " O wie — die schönste int Märchenland — die ist aber jetzt "verzaubert in eine Wcksserose und mph aus einem kalten, tiefen See schlafen. Puhtzwre gEich'. Ich krieche als mal an da» Ufer und schau nach ihr. Ach könnte ich doch Kvnrg werden —. Der Zwerg schluchzte und hielt sich die Fäustchen vor bte Augen. Da erschien das Reh und es hatte eine große Anzahl goldene Kelten im Maul uud legte sie vor dem Zwerg nieder. „So binde den Mann mal au, er will König hier werden und Der ASnigtthron. Ein Märchen von L. Geist. Es war einntal ein Schneider und der hieß Pipp. Dieser Meister von der Nadel hätte ein sehr glücklicher Mensch sein können, denn er verstand sehr Wohl sein Handwerk, hatte eine sehr jjraue, gute Frau zur Lebensgefährtin, doch Herr Pipp war toeit davon, glücklich zu fein. Er war unzufrieden, haderte mit Gott und der Welt, daß er nicht mehr war wie ein Schneider und nicht ein hoher Herr, Yin liebsten wäre er König gewesen, denn Pipp behauptete, er sei zu etwas Höherem geboren. Eines Tages sprach Frau Pipp zu dem Verdrossenen: „Et so laufe doch hin und suche dir einen Königsthron! Du tust ia doch hen ganzen Tag nichts weiter, als so hinträumen nach dem Königsschloß, statt die Madel izu rühren. Meterhoch wachsen ja die Stoffe an die Wand hinauf und die Kunden jammern, daß das träumende Schneiderlein ihnen dafür Röcke und Hofen liefert. Wenn du ja meinst, du imrft viel zu sein zum arbeiten —". „Ei freilich, —" wirft Pipp erregt hin. „Ich rühr' keine Nadel mehr an. Ich geh' und such' mir —" „Na ja, ein Königsthron —" ruft zornig Frau Pipp. „Geh' lauf in die Welt und such' dir einen —" „Ei, das tu ich auch und heut noch!, — und auf der Stell. Mdieu Fran Pipp, wenn ich König bin, ruf' ich dich —" Bor der Tür ist schon der närrische Schneider. Ein paar Meter geht er dahin und weiß selbst nicht, welchen Weg er ein- schlagen soll, um zu dem Thron zu gelangen. Aber zurück das als ein König —" , . „ „Ei gewiß Pipp, der ist Herr in seinem Hauie. Aber wenn du König werden willst, so fei ließ gegen bte Kleinen, denn Liede zu denen haben, dazu diese fsttobe — . Pipp brummte etwas in den Bart, das mit Liebe nicht in Verwandtschaft stand, aber er hütete sich, seinen Grimm »U zeigen. Die Kerlchen ließen ihn nun auch los und tollten aanz lustig über den Glasboden. Nur ein i8itoerg blieb an ihm hängen und blinzelte ihn mit seinen Keinen togletn an „Gelt, du willst unser König werden?" fragt A „Da mußt du aber fein aufpassen daß du (die Proben bestehst. Komm, setzen wir uns mal und plaudern, ich weiß alles, was und tote es zu gebt int Märchenreich —" , , „ , , „ , „®i, was!" rief Pipp und schielte nach dem Reh, das eben durch eine Tür verschwand. „Na, Kleiner, erzähl' wir mal recht viel" -- munterte Pipp Zwerg an. „Zunächst sage mir, ist die Königin schön und gnügen als Waldtier umher, na so was! Hör' mal, du bist ein Esel, mit Verlaub! So eine Erniedrigung! Aber hör mal, warum wählte man dich nicht zum König?" frng Pipp mißtrauisch. — „Ich sage dir doch, daß nur ein ganz Würdiger — . Pipp lacht schallend. „Ein jeder muß sich selbst als den Würdigsten erkennen," meint er. „Du bist ein sehr eingebildeter Mensch und Bescheidenheit scheint dir fremd". „Lasse die weisen Reden, lieb Reh, und unterrichte mich nur ■ über die Proben." — „So komme mit in den Palast — wie heißt du." „Herr Pipp —" „Gut, Herr Pipp. Aber vorerst beuge schön deine Knie und sieh ja zu Boden, denn die Märchengestalten nahen, das Gefolge unserer armen Königin. Siehe, sie tragen alle die langen, schwarzen Schleier, die verhüllen ihre luftigen, funkelnden Gewänder —" „Tie schwarzen Fahnen werde ich schnell heruntertriegen —" Murmelt Pipp, während er die Knie beugte und mit einem Auge zur Erde sieht, mit dem zweiten betrachtet er kühn den Hofstaat der Königin. Tie Schleier waren so dicht nicht, um diese holden Blumeu- antlitze 'zu schauen, die allesamt um die lilienweißem Stirnen goldene Reife trugen. „Mach Weine," rief er dos Reh an, als der Zug vorbei gewallt, „Führe mich rasch in den Königs Palast —" „Hier ist er ja schon. Bist du ungestüm'. Herr Pipp! Ich glaube nicht, daß du König werden kannst, doch wohlan, ich' will dich führen uud dir das Tor öffnen —" „Was?" schrie Pipp, „das Glashaus hier, soll der Palast fein? Der hat ja keine Mauern. Da kann ja ein jeder hereingucken. Nicht übel. Sobald ich König, fliegt er in Scherben; ich will mich doch nicht tagtäglich begucken lassen —" „Tas muß sich ein König schon gefallen lassen, Herr Pipp. Trete nur ruhig auf und mache keine Scherben —" Man war nun in deut Glaspalaste eingetreten und Pipp schaute sich neugierig um. „Ei, was ist denn das für ein Getiers, das so massenhaft an den Glaswänden klebt, sind das Fliegen, haben die aber große Augen und Ohren —" „Tas sind die Untertanen im Märchenretch, die gucken sich satt, was da alles -im! Paläste vorgeht —" erklärt das Reh. „Putsch!" ruft Pipp und schleudert seine Faust aus — — doch o wehe, Pipp schreit jämmerlich — „Haben die Untertanen aber Rüssel — ichau Reh, was sie gemacht —“ er hielt die schmerzende Hand hin. „Warum reizest du sie?" „Sie sollen nicht so neugierig sein." „Tu willst König werden und hast keine Geduld! Das erst«, was Man von einem König verlangt, das gehört zu den Proben, Selbstbeherrschung." Pipp konnte nicht antworten, beim wahrend man die Glas- treppe anstieg, fühlte er einen Gegenstand auf seinem Rücken, einen zweiten auf seiner Schulter, ein dritter schwang sich eben in seinen Arm!. ~ „Ei, was find denn das für Keine Kerle—" schrie der Ueber- bürdete ganz entsetzt. „ ,. . „Tos sind die Kleinen des Reiches; die Zwerge" spricht das Reh. „Gib schön acht, daß du .keinen fallen läßt, die Meinen wollen fein getragen sein —", „Sie petzen mich ja —" wütete Pipp. , . „$ä, das Müßt du dir auch gefallen lassen, em König muß Tragen können und SelbsWerwindung haben —." Pipp seufzt schwer und keucht die Glassttifen an und denkt, das sind aber schwere Proben, um einen Königsposten zu bekleiden. Wer er denkt auch, lasst mich nur erst König fein, y wehe euch Kleinen! , , ~ , r .. . Laut spricht er: „Ta ist ja ein Schueiderlein besser daran, Meter geht schlagen soll, .... ..... ...... ... „ wollte er doch auch nicht. Tie Sonne sank, als der Thron- kucher todmüde an einem Waldessäume hinsank, um gleich darauf in einen festen Schlaf zu fallen. Ms Pipp erwachte, sah er sich höchst erstaunt um'. Träumte er? Er rieb sich die Augen. Potz, was war das? Der Boden, auf dein er lag, war ja eitel Gold, die hohen, schlanken Tannen, Has Häslein, das vor seinen Füßen huschte, alles, alles Gold. — Er sprang auf und betastete alles, nein so was! „Ei, wo bin ich denn?" schrie er laut. Er blickte sich scheu um. Alles stumm. Nur em Reh kam langsam aus ihn lugegangen und sah Pipp mit feinen goldenen Augen freundlich an. „Du bist im' Märchenreich!. Wer sage, wie kommst du denn hier herein?" frag das Reh und wiegte den schlanken Mops. „Ach, seltsam —" redete Pipp. „Ich weiß nicht, — — ich bin nämlich auf ber Suche nach einem Thron, ich möchte doch gar gilt gerne ein König werden." — — Das Reh sah ihn sinnend an. „Ja," sagte es nach einem Weilchen, „ein Königsposten wäre too» da, ob du aber die Fähigkeiten, dazu Hast, das wäre eine Frage —" Pipp stand hocherregt da. „Was, hier ein Königsposten!" schrie er förmlich, „gleich führe mich hin —" „Ja, das geht so nicht, da sind erst Proben zu bestehen —" spricht das Reh ruhig. „Unser König, ber König Vvn dem Märchenland ist gestorben. „Na, ist auch eine Königin da?" forscht Pipp aufgeregt. „Ja das, unsere arme Königin!" Denke doch, sie hatte so Piel um ihren Gemahl geweint und da hat sie ber Böse in eine Wasserrose verwandelt und auf einen tiefen, dunkeln Ort getragen. Sie wird erst aus dem oben Dasein erlöst, wenn wieder ein neuer König den Thron besteigt. O, wäre doch die Stunde und die Befreiung der armen Rose nahe. Das Reh redete mit wehbe- fangener Stimme. „Führe mich zu ihr, ich will die Königin erlösen —" Pipp ist toll vor Lust. Tas Reh wiegte den'lKops. „Was weiß man den von dir und vb du auch würdig bist, ein König im Märchenland zu fein. Und nur ber, ber alles erfüllen kann, was so ein hoher Posten fordert, darf der Königin nahen und' sie erlösen —" . „Ei, du kannst ja gar gelehrt reden, und bist doch, nichts wie ein Waldtier, wo hast du denn das reden gelernt?" Pipp war erregt, weil ihm das Reh so viele Schwierigkeiten entgegen stellte. „Ich bin nur zuweilen ein Reh —" erwiderte es. „Ich gefalle mir darin, so als Waldtier und weiter nichts umher zu laufen. Je weniger man ist, um so schöner ist das Leben. Sieh, da kann ich den ganzen Tag herümtummeln im Walde, Jat man es nicht so herrlich! Wenn unsere holde, junge Königin wieder ihren Gemahl hat und am Hose waltet, bann bin ich wieder ihr P a g e. darum —" Pipp schaute sich erschrocken um, da stand ein gw beiter Stuhl neben ihm. Und schon int nächsten Moment Mir er mit goldenen Banden an Hand und Fuß grfneMt. 248 ......./' murmelt er wieder leise. Höheren« berufen —" schreit eine „Was, eilt König soll an goldene Ketten gebunden werden?" schrie er. ^tznig ist mit der goldenen Kette angebunden —" versetzt das Reh ruhig. „Willst du König werden - Pipp knirscht mit den Zähnen, aber er filgt sich, e will doch ans den Thron. Kichernd windet sich der Zwerg am Boden Lin und her und holt ein SKesertäfelchen aus dem Täschchen. „Was schreibst du?" ruft W- - „Du willst doch König werden und ein König muß sich das gefallen lasse», daß, was er denkt und treibt, notiert und gar gedruckt wird „Tas ist ja enllet-lich!" keucht Pipp und zerrt an den goldenen ^Das muh ich aufschreiben schon hat der Kleine den Stift in den Händchen. . , , „Tu's nicht —" fleht PiPP. „Ach, uh will ia doch König werden — was all da wird verlangt — Selbstbeherrschung, lleber- windung, -Geduld, Liebe, sich auknebeln lassen am goldenen Band, Nicht mucksen, sonst w-irds notiert — PiPP faltet die Hände. „Besser ist ein Schneider daran," „Wer nein, ich bin zu Höherem verusen —- Stimme in ihm und er fragt mit bebendem Ton den Zweig. „Glaubst du, daß ich hier König werde?" „Hm," macht der Kleine und gähnt. „Das Reh, das dich hierher gebracht, könnte den Vorrang kriegen, es ist der Page der Königin und ftc hat tfet sehr lieb. Aber der Page ist erzdumm. Er weiß A gar mast mal und hat doch unsere Königin selbst in sein Herz geschloffen und träumt Tag und Nacht von ihr. Ja er ist so kreuzdumm, daß er einen anderen Gemahl für unsere neue Königin suchen geht. Das alberne Waldtier! Ist ja ein Königskind, ach und so schön intb hängt den häßlichen Pelz uw. Nur in einer Abendstunde geht er im Gewand des Pagen an den See und blast das goldene Horn, das die Königin so liebte. O, tote er da sein Lied erschallen läßt und die Königin dankt ihm flüsternd. ,Lletz!t ist die Zeit, wo er hingeht —" flüstert er weiter, beim er toterft das Reh, das in seiner Nähe. „Paß auf, du wirst gleich den bildschönen Knaben sehen, der aus dem Rehfell hüpft." Pipp sprangt auf, daß der goldene Stuhl schier umgeklappt wäre, an dem er angebunden. „Mache mich los," ries er dem Zwerg zu. Er hatte den herrlichen Pagen gesehen, im himmelblauen Samtgewand, auf dessen zanberschöiiem Angesicht goldene Locken wehten. ,Ach muß, ich muß hin," schreit Pipp dumpf und hebt drohend die geknebelten Fäuste. „Laß mich los, laß mich los, wenn ich König bin, mache ich dich zu den Ersten im Reich." Der Zwerg ließ sich überreden. Pfeilschnell schoß, Pipp hinter dem- Knaben her, unbeachtet, daß -er über die kleinen Zwerge den Weg nehmen mußte, die im Garten des Palastes sich zur Ruhe gebettet hatten. „Au, au, mein Leibchen, au, au, er hat mir eilt Aeuglein ausgetreten —wimmerten die Zwerge hinter ihm her. Wer Pipp hörte und sah nichts, wie den schönen Knaben, der mit dein goldenen Horn nach dem- See lief, auf dem die öerjmibcrte Königin ruhte. „Er wirb König," schrie es in ihm, „und ich kann wieder in die Schneiderstube waikdern. Nimmer! Ich will König werden un« jeden Preis." Da hält der Rasende. Wunderbar süß schwebt der Klang des Liedes über den See. WoU steht der Knabe mit bem Horn bedeckt von dein blitzenden hohen Schilfgras, aber Pipp knirscht mit den Zähnen. Diese Bescheidenheit, diese Demut, diese Selbstlosigkeit, sollte die nicht siegen? Ein zaubervoll-es Licht "bi&m'mert über das stille Wasser und Pipp stehl deutlich, wie sich das Blum-enhaupt, eine prächtige Rose, erhebt. Mes wirbelt uni den Pipp. „Wie 'hat sie ihn so holdselig angesehen," stößt er aus den Zähnen. „Der wird König!" Sinnlos stürzt er nach der Stelle, wo das Schilf den Knaben verdeckt, und drohend steht er vor dem Rivalen. Ter sieht ihn traurig an. ,,Q, du kannst nie König werden," spricht er, „wie, nicht eine Probe kannst du bestehen? Nur ein Würdiger darf meine Königin besitzen." „Etwa so einer wie du," schreit Pipp wütend. „Ich wage Mein Auge nicht zu meiner Königin zu erheben," wie 'klagend ist feie Stimme, das Auge des Pagen wird naß, „Tu liebst sie," schreit Pipp. Der Knabe senkt heiß errötend das goldige Köpfchen. „Weg mit dir," schreit Pipp und im nächsten Moment nimmt der gurgenlde See ihn auf. Pipp steht hoch erregt. Was war das? Der See schäumt und brüllt, und tote Feuer flammt er. Pipp springt wie toll am Ufer hin und her. Was? Der Knabe stand ja hoch aufgerichtet aus den zischenden Wogen, das goldene Horn an beut' blühenden roten Mund. Immer näher, -näher naht er der Rose, der Königin. Halten die sich nicht umischlUugen, ja, es ist so, und das Munrentzaupt verwandelt sich und eine liebliche Frauengestalt steigt an des Siegers H««8 aus der brausenden Tiefe an -das goldene Land. Pipp schäumt vor Wüt. Er selbst in seiner böshäften Tücke hatte da? Erlöfnngswerk geschaffen. Er spricht es ja eben selbst zu -seiner Königin: „Ich hätte es nie gewagt, ohne diese gewaltige Hand des Bösen." Und die Königin spricht: „Tie Bösen liefern uns oft, ohne zu wollen, die Stufen zur Glückseligkeit aus —" Da wirb es Pipp dunkel vor den Augen und er merkt, daß -er in -einem! stockfinsteren Walde sitzt. „Heim in meine Schneiderstube und zur Frau Meisterin —" spricht er. Und er sucht den Weg und findet, ihn. Fran Pipp empfängt den Thronsucher ganz leutselig und spricht: „Na, fein Königsposten gefunden?" „Sei mir still, mit dem Königsposten, da danke ich schön dafür. Ich will lieber ein Schneider fein, da,tarnt ich pfeifen wie ich will und brauche in keinem -Glashaus zu sitzen -" . . „Da hast mal recht, lieber Pipp, eilt König ist gar ost cm armer Mann, und was wird nicht alles von ihm verlangt, der muß alle Tugenden der Welt besitzen und darf nicht ein Fehlerchen -haben —" „Muß wie ein Atärchenkönig sein —“ ergänzt Pipp und lacht, aber er sagt nicht, was er da erlebt. Er schneidert fest darauf los und sucht nimmermehr einen Königs posten. VernUsehts». * D i e V o r u a in e nir a g e b e i d e u Au s l a n d d e u t s ch en. Wer als Deutscher im Auslände lebt und sich und seinen Nachkommen den geistigen Zusamuienhang mit dem großen deutschen Kulturvolke bewahren ivifi, der muß auch solchen Dingen erhöhten Wert beilegen, die gemeinhin von den Deutschen als nebensächlich und unbebeuienb behandelt werden. Tenn der VersncUungeu zur Untreue gegen die angestammte Art sind in fremden Landen gar viele, und wer sie siegreich bestehen will, der sehe wohl zu, daß das Waffenkleid, das ihn ichirnll, nicht — wenn auch noch so geringfügig — verletzt werde. Ist die Rüstung erst an einer Stelle durchlöchert, oder sind die Waffen stumpf geworden, dann versagen sie im Kampfe gar bald ganz, und willenlose llnler- werfung unter fremdes Wesen ist daun ineist das traurige Ende vom Liede. Ein besonders betrübendes Kapitel ist die Namensrage bei den Auslanddeiitscheii. Gewiß gehen nicht alle soweit wie jene „Miller", „Smith- usio, die sich als elwas Besseres dünken, seit sie ihrem Familiennamen die fremde Form gegeben haben (wie mögen sie sich ihrer plumpen deutschen Vorfahren schämen!); ober die Unsitte, sich und ihren Kindern einen fremden Vornamen beizulegen, ist bei den Auslauddeulschen weit verbreitet, vielleicht gar die Regel. Stichhaltige Gründe sind nicht vorhanden: man folgt lediglich einer Unsitte, die dem Deutschen bei seinem geringen Stammesbewußtsein leicht als vornehm, mindestens aber als nützlich erscheint. Hat denn die Ueberlieferimg so gar keinen Wert? Ist es nicht eine schöne Sitte, wenn in adligen und fürstlichen Häusern sich bestimmte Vornamen durch die Jahrhunderte fort« erben, und sollte es nicht noch weit schöner u n d w ich tiger fein, wenn derart auch ein ganzes Volk an seinen Uebeilieserungen fesi- hält, — auch in jenen Gliedern, die in die Fremde gezogen sind? Muß mit der äußeren Gemeinschaft auch die innere, wie sie sich im Gebrauch der deutschen Namen und Sprache kundgibt, dahin- schwinden? Wer seinem Volkstum die Treue bewahrt, der bleibt auch sich selber treu, und wer im kleinen getreu ist, der wird auch im großen getreu fein. Fange jeder Auslanddeutsche bei sich selbst und den ©einen an, und gedenke jeder daran, daher— gerade auch draußen in der Fremde — mit dasiir verantwortlich ist, daß das alte Lied von der deutschen Treue weitertlinge durch die Jahrhunderte ! R. Palleske (LandeShut i. Schl.) * Vom Kasernenhofe. Unteroffizier: „Einjähriger Krause, machen Sie doch nicht ein Gesicht, Wie 'n Vegetarianer, wenn er bei der Verlosung eine Salamiwurst gewinnt!" Rätsel. Wer mich mit „T" empfängt, Wird meistens mißvergnügt. Mit „N" bin ich ein Werkzeug, Das auch bei Frau'n beliebt. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung der Königsvrornenade in voriger Nummer: Wenn das Glück, die lose Dirne, Launisch dir den Rücken kehrt, Hebe doppelt kühn die Stirne, Gurte doppelt isst das Schwert. Rasch verivelfl ein Kranz ans Zweigen, Die da spielend dir gewannst; Zn der No! erst magst du zeigen, Wer du bist und was bu kannst. Emanuel Geibel. Redaktion: K. Neurath, -- Rotationsdruck und Verlas der Brühl'fchen Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»,