™r Donnerstag, den 20. November «JWg UM 1 B kl M MM Wffc*' - • - P ' I ^OFB- ■3 i 's I«SW * ejiMTT"farT!Xl *«ZMIM«1t*T1 „ Lauernblut. Bwnißn von.Gerhart v. A m h n t o r (Dagobert v. Gerhardt). (Nachdruck verboten.) (Sortierung.) : Auf der Rückfahrt des Staatsanwalts und seiner beiden Begleiter wurde fast gar nicht gesprochen. Der Kriminal- Kommissar, der das beneidenswerte Talent besaß, zu jeder Zeit schlafen zu Wunen, um stets Frische und Kraft für die unerwarteten nächtlichen Amtsverrichtungen in Borrat zu haben, schnarchte wie ein Murmeltier. Tell stellte sich müde, um sich schweigend in die Wagenecke zurücklehnen und seinen wenig erfreulichen Gedanken nachhängen zu können. Nur Just, der sich seinen Kalkstummel mit amerikanischem Tabak gestopft hatte und blaue Wölkchen in die Luft blies, saß aufrecht und warf ab und zu einen verstohlen forschenden, besorgten Blick nach dem Staatsanwalt. Auf dem Bahnhof Friedrichstraße in Berlin angekommen, trennten sich die drei Herren. Doch kaum hatte sich der Kriminal-Kommissar entfernt, als Just sich wieder zu dem Staatsanwalt zurückgab und ihn leise fragte, ob er ihn begleiten dürfe. „Ich wollte eigentlich allein sein, um zu arbeiten", erklärte Teil nicht gerade entgegenkommend. Doch Just ließ sich nicht abweisen. „Zu lange werde ich Ihnen nicht lästig fallen." Sie stiegen in eine Droschke und führen irach Teils Wohnung in der Genthinerstraße. Als sie dort das Arbeitszimmer des Staatsailwalts betraten — die Nachmittagsdämmerung brach schon herein —, prüfte Just die verschiedenen Türen, ob sie auch geschlossen wären, und fragte: „Ihre Aufwärterin ist doch nicht anwesend?" „Nein, wir sind allein." „Das ist gut, Herr Staatsanwalt. Darf ich mich setzen? Ich bin wirklich ein wenig inüde geworden." Er ließ sich auf das zustimmende Nicken des anderen in einen Polsterstuhl fallen, schlug die Beine übereinander und blickte wie einer, der eine Mitteilung zu erwarten berechtigt ist, schweigend nach dem über einem Mahagoni-Bertikow leise tickenden Regulator. „Nun?" fragte Tell, den dieses Verhalten befremdete. „Nun?" klang es von Jüsts Lippen zurück. „Haben Sie mir denn gar nichts zu sagen." „Ich, Ihnen? Wie kommen Sie darauf? Ich denke, Sie haben mir etwas mitzuteilen." Vorwurfsvoll zog Just die dunkleu Brauen zusammen. „Herr Staatsanwalt, ist das auch recht? Warum halten Sie einem treuen Freunde gegenüber so hinter dem Berge?" „Ich verstehe wirklich nicht," erwiderte Dell, der nun doch ein wenig befangen wurde, „was hätte ich Ihnen zu verheimlichen?" „Es war eilt fast spöttisch überlegener Blick, den Inst jetzt nach dem Staatsanwalt richtete, und doch lag in diesem Blick wieder etwas von der unwandellbaren Treue und Ergebenheit des Hundes. „Meinen Sie, ich habe nicht gesehen, daß Sie sich zweimal am Spalier gebückt und Dinge aufgehoben haben, die jedenfalls auf die Spur der Einbrecher zu führen geeignet sind?" fragte Just zu dem Staatsanwalt gewendet. Aengstlich legte ihm Tell die Hand auf den Mund: „Um Gotteswillen, schweigen Sie? Wollen Sie mich zugrunde richten?" Nun war es an Just, den Staatsanwalt erschrocken anzustarren. „Ich? Sie zugrunde richten? Da sei Gott vor! Lieber lasse ich mich für Sie in Stücke hauen!" Und gan- leise und geheimnisvoll fuhr er fort: „Doch was haben Sie gefunden? Sprechen Sie, Herr Staatsanwalt, erleichtern Sie Ihr Herz; ich habe ja längst bemerkt, daß Sie etwas bedrückt. Teilen Sie mir's mit, vielleicht weiß ich Rat." Der Ton, in dem er dies sagte, klang warm, ver-i trauenerweckend und beruhigend. So gibt es doch noch treue, selbstlose Seelen, dächte der Staatsanwalt, der den Segen des Elternhauses, oie Gunst und Förderung abseiten von Freunden und Verwandten bisher entbehrt hatte und den Weg durchs Leden bisher allein gegangen war. Dankbarkeit weitete ihm das Herz, er fühlte sich zu diesem schlichten Manne mächtig hingezogen, der ihn schon vom ersten Tage ihrer Bekanntschaft an so sympathisch berührt hatte; was er keinem anderen Menschen anzuvertrauen den Mut gefunden hätte, diesem langjährigen Begleiter und Freunde feiner Eltern wollte -er es ins Ohr raunen; er wußte, hier würde ter nicht verraten werden. So setzte er sich denn auf den Diwan, der dicht Neben Jnsts Polsterstuhl stand, und einen Brief, den er aus der Brusttasche hervorgeholt hatte, seinem Gaste überreichend, sagte er ohne jede" weitere Vermittelung : „Der Einbrecher ist Peter Dechner gewesen." Entsetzt fuhr Just zusammen. „Das ist unmöglich!" Er betrachtete sich die Adresse des Briefes genauer, seine Stirn runzelte sich, seine Brauen zogen sich finster zusammen, und wie einer, der gegen seinen Wunsch und Willen überzeugt wird, nickte -er mehrmals langsam mit dem Kopfe. „Sie haben meiner Seele Recht! Das sieht verteufelt verdächtig aus." „Nicht wahr", fiel Tell ein, „hier ist jeder Zweifel ausgeschlossen! Peter muß zufällig von seinem Bruder Adolf erfahren haben, daß draußen -etwas zu holen sei, und daraufhin hat er seinen verruchten Plan entworfen und ausgeführt." ; „Hm, hm! Hm, hm!" machte Just. „Es sieht wahrhaftig so aus. Doch nehmen Sie die Sache nur nicht if» schwer, mein lieber Herr Staatsanwalt; welcher Vernünftig« 726 (Fortsetzung folgt) „Nennen Sie ihn nicht meinen Bruder; streng genom- Men ist er mir fremd, denn ihm! fehlt das Blut Meiner Mutter." - .. ... „Und das ist doch der bessere Teil," ergänzte Just, über I dessen Gesicht ein freudiges Aufleuchten ging; „nicht wahr, I Herr Staatsanwalt?" Der andere fuhr, ohne aus diese Zwischensrage weiter zu I achten, fort: „Nennen Sie ihn Peter." i Just nickte mit dem Kopfe: „Wie Sie wünschen, Herr I Staats anwalt! Also: Peter ist es nicht g ewesen, das weiß I ich init Bestimmtheit, und ich sollte mich wundern, wenn das, I was ich gesehen habe, nicht vom Kriminalkommissar bemerkt I sein sollte, denn so gutmütig und harmlos der Mann aussah, I JIH y. Hne seine Witterung hatte er: das Bierseidel aus dem Der Vogelsberg in den fünfziger mü> sechziger Jahren deA Eckbrett hat er wenigstens nicht ohne Grund solange be- 19. Jahrhnnderts und ein Wort über den häuslichen Fleiß trachtet." feiner Frauen. Verständnislos schaute Teil den Sprechenden an; er be- I Bon Th. Cellarius. griff nicht, was dieser meinte. I gu den guten Eigenschaften der Vogelsberger Bevölkerung Just las die Frage in Tells Augen und beantwortete sie, 6a6en tion jeher Fleiß und Genügsamkeit gehört. Damit haben die ehe sie ausgesprochen wär: „Ich will Ihnen den Beweis Altvorderen durch gute und schilimme Jetten die heimische Scholls liefern, daff der Haupttäter nicht Peter gewesen sein kann; I für ihre Nachkommen erhalten, die es heute — der den hohen wenn dieser vielleicht auch dabei war, so hat er doch wohl I Preisen aller von hier ausgeführten Produkte — leichter haben, nur Volten gestanden Als Sie. 5mrr Staatsanwalt, heute I darauf nuszukommen. inif kdränlein von Brank im Garten waren habe ich mich I Immerhin müssen auch heute die Ertragnme der Felder einem ÄXnuLd-rl StiStiÄÄSÄm die beiden Fensterflügel, die an der Wand lehnten, Versuchs- I nicd ^as Obst zum Beispiel, das in den meisten Gemarkungen weise wieder eingehängt. Da habe ich denn die merkwürdige I beg Odenwaldes so wohl gedeiht, fehlt hier mehr oder weniger Entdeckung gemacht, daß der Fensterflügel mit der heraus- I oder gänzlich. In den höchstgelegenen Orten der Hochebene — gebrochenen Scheibe nicht, wie ich vorausfetzte, der linke von I deren rauhes Klima bei mäßiger Höhenlage durch ihre ungeschützte, der Stube aus gesehen, sondern der rechte wack; das' will I Sturm und Unwetter preisgegebene Lage bedingt wird m . . . . wttn einer Ihrer Sties- l sagen: der Mann, der vom Garten aus eingestiegen ist, hüt wird Ihnen einen Vorwurf macken, wmin einer Jh ^ine Scheibe zu seiner Linken zertrümmert, um mit seiner brüber aus der Art geschlagen isr. I burrb b;e ^enner greifen und nach dem Fen- . Heftig sprang der andere YZ Diwan au : Wer mm ist also links^ er ” ft leiden- ist gewöhnt, statt der rechten Hand die linke zu gebrauchen; “ tÄiSÄtasÄXürWa," »«w« MI, betaut« tandifch gegliederte Gesellschaft aus. „Sie kennen me v Merksam zugehört hatte; „Peter, das weiß ich, hat tue seins OrtF®® « um,ms,«ch. sch wird, so bm auch ich zugrunde gerichtet, wo ch m hatte'mich heimlich schon so gefreut, als ich diese Entdeckung Seift 6Sie sich diese gesmnungstüchtige Kanaille, die sich die verschaffen, und nun haben Sie nur nut diesem abscheulichen BäSH«UUSSL-« "äsää«, -btm«. Nichten tvill, so d f . ' s-novie nickt den ich ebenfalls I haben, denn es enthielt noch Spuren von Rotwein, und der MMNLMLck- L schlagen ■—! begreifen Sie das? Denn ich würde sonst^dre Spur aufdecken, die direkt in t": Mrt, der mit mir blutsverwandt ist. Geben Sie her! Er nahm den Brief, dessen Jühalt der andere als ein» She Rechnung mit darunter geschriebener Aufforderung zu artiger Zahlung erkannt hatte, mit krampfhaftem Griffe eder an fich, zündete eine Stearinkerze auf dem Wanü- tische unter dem Spiegel an und näherte das Papier der Flamme. ,, ,,,, , „Halt!" rief Just, „verbrennen Sie ihn nicht! Geben Sie ihn mir! Auch den Knopf! Ich w'erde beides verwahren M man kann nicht wissen, ob es nicht noch gute Dienste Mitgliedern seiner Familie benutzt würde. Nun muß der Y Mnn tcn wurve luuu . Dieb, der aus dem Seidel getrunken hat, .wiederum eins' die^Höhle Zeines Verbrechers Linkhand gewesen sein, denn das Seidel stand so auf dem - J Brette, daß sich sein Henkel zu meiner Linken befand; so. setzt es kein Mensch hin, der seine rechte Hand zu gebrauchen versteht. Der Kommissar, der noch einmal hereingekommen war, trat neben mich und sah sich auch das Seidel an, dq ich aber meine Gedanken für mich behielt, blieb auch ev stuimm, aber ich möchte wetten, er hat dasselbe gedacht tvic ich." Teil bot seinem Gaste die Hand. „Ich danke Ihnen, Just, Sie sind eine treue Seele. Ihre Beobachtung ist mir von großem Werte, und ich werde sie weiter benuheti; vielleicht . - . , ermitteln wir noch die Täter, ohne daß ich mein Gewissen leisten wird." als Staatsanwalt zu belasten brauche. Wenn Peter nicht , Teil stutzte und wandte dem andern sein Antlitz zu. I .j. lQäre dn ^hr meines Lebens gäbe ich darum.^ ' „Inwiefern?" I Auch ick wünsche es, aber der Brief, fürchte ich, be-- „Nun, es gibt uns gegen den Betreffenden vielleicht eme ^ndetscine Mitanwesenheit. Ich habe ihn mehrfach irt Waffe in die 5)and. Nun aber beruhigen Sie sich auch. Ich I Bersammlunaen sprechen hören und traue ihm schon zu, bin es, der Bries und Knops gefunden hat Sm haben keine I J l ß ßei fofcEjen Niederträchtigkeiten beteiligt." Ahnung von solchen Dingen; überlassen Sm mm sias Wer- oag ) i » Sozialdemokrat." tere, Sie sollen keine Unannehmlichkeiten haben. „Uebri- I "Wollte Gott, er wäre noch einer! Dann hätte er wohl gens," fuhr er nach einer Pause, tn der er den Brief „in seine nicf.t'2ftoMen; er ist aber keiner mehr, sondern ein wüstes Brusttasche gesteckt hatte, fort, „dm Sache kann möglicher- | jg^nverbrannter Umstürzler, der sich einbildet, man könne weise auch noch anders Zusammenhängen. Adolf, der ^nstrim I mjt Blut und Dynamit reformieren." mentenmacher, kann den Brmf des Bruders zufällig bei sich auf, ergriff zum Abschiede des anderen gehabt und draußen verloren haben; wir dürfen nicht zu I unb streichelte sie, wie ein zärtlicher Bräutigam vorschnell urteilen. Ter Räuberhauptmann, der den eigent- b -einer ^raut streichelt: „Kopf hoch, mein lieber sichen Einbruch verübt und das Fenster geöffnet hat, ist ^rr Staatsanwalt! Halten Sie fest, daß nur ich die bo wenigstens nicht Ihr Bruder gewesen. | ^^ ten Dinge gefunden habe und Sie von der Sache nichts wissen! Es wird alles zu einem erwünschten End« kommen!" Er wollte noch etwas hinzufügen, .verschluckte eg aber und wandte sich schnell zum Gehen. — Peter Dechner hatte bis zu dieser Stunde vergeblich' auf den Besuch des- falschen Marquis gewartet. Als sich dieser, trotz seiner Zusage, auch heute nicht sehen ließ, beschloß der Berdachtschöpfende, ihn endlich aufzusuchen. — 7g7 — kaum mehr ein Baum anzutreffen, Menn man Don. beit einseitig vom Wind zersausten Nabelholzbäumen absieht, bie an das Hochgebirge erinnern. Wer aus biesen freien Höhen in ein Unwetter gerät, mag ruhig seinen Regenschirm' schließen, ehe ber Sturm ihn zerknickt, unb Gott banken, wenn er einen Lobenmantel mit sich führt, Hessen Kapuze er über bie.Ohren ziehen kann. Wunberbar aber ist's auf biesen aussichtsreichen Punkten an schönen Sommertagen. Da atmet man, befreit vom Druck ber Tiefe, Vie r stufte Berglust, unb schaut in eine Welt voll Berge unb Täler, Städtchen unb Dörfer, über bte man sich erhoben hat. Unb herrlich ist es auch in ben weiten Gebieten bes Ober- Malbes! Auf ben zahllosen Wiesen, bte zwischen ben Waldbestcinben liegen, unb sich wie Juwelen int Schmuck von ber Umrahmung hoher, weitüberhängenber Buchen abheben, entwickelt sich zur Zeit her hier spät beginnenben unb sehr lange andauernden Heuernte ein reges Leben. Die Heumacher aus ferne liegenden Dörfern bleiben den Tag über draußen. Ueberall sieht man ihre Feuer lodern, an welchen sie ihre mttgebrachten Mahlzeiten wärmen ober Kaffee kochen; unb zuweilen nächtigen sie auch braußen, um beim Tagesgrauen wieber mit bem Mähen beginnen zu können. Das ist bei schönem Sommerwetter ein ideales Leben! — Auch bie Beeren pslückenben Kinder beleben zeitweise ben Wald an Stellen, wo Vorher unb nachher sein Schweigen nur vom Vogelsang unb voM Murmeln ber heimlich zu Tal ziehenben Quellen unterbrochen wirb. Die Bevölkerung des Vogelsbergs gewinnt fast alles, was ihr zur Nahrung dient, durch den Ertrag ihres Ackerbaus und besonders ber Viehzucht, welche die Haupterwerbsquelle bes ganzen Gebirges ist. Allein in der angegbenen Zeit — von welcher hier besonders bie Rede sein soll — würbe auch ihjr Hauptsächlichstep Bedarf an Kleibung aus ben, der eigenen Landwirtschaft entnommenen Rohstoffen: Flachs und Schafwolle, durch eigene Arbeit hergestellt unb zwar hauptsächlich burch Frauenarbeit. Nirgeubs habe ich fleißigere Frauen angetroffen wie in meiner Heimat, dem Vogelsberg! Als ich in späteren Jahren sehr oft in einen nieberrheinischen Jndustriebezirk kam unb soviel Einblick in bie Verhältnisse bärtiger Arbeiterfamilien gewann, um merken zu können, baß viele ber Frauen nicht einmal orbentlich stricken konnten, und daß sie — bie keineswegs in ber Industrie mit beschäftigt waren, denn in Eisen- unb Stahlwerken gibt es nur Männerarbeit — ihren Bedars an Weißzeug und Kleidern für sich und die Ihren alle fertig ans ben Konfumanstalten holten, kamen mir meine Landsmänninnen doppelt verehrungswürdig vor. Keinen reizenderen Anblick haben unsere Felder aufzuweisen, als das in Blüte stehende Flachsfeld. Es ist allerdings ein seltener Anblick im Hessenland geworden! Mer wo Man die Augen in das Meer von blauen Glöckchen versenken kann, erscheint es wie lauter Poesie inmitten ber Prosa ber Rüben- unb Kartoffeläcker. Die Art ber Behandlung des Flachsstengels nach einer Ernte ist jedoch sehr prosaischer Natur. Wer sie noch nicht mit angesehen hat, hat keine Ahnung davon, was er sich gefallen lassen, durch wieviel Grade ber Tortur er gehen muß, ehe er schmiegsam unb seibenweich um ben Rocken gelegt werben kann. Die mannigfaltige unb teilweise schwere Arbeit, die dazu gehört, ihn zum Spinnen vorzu- bereiten, wurde im Vogelsberg nur von Fraumhänben geleistet; unb im Spätherbst fing bas Spinnen des vorjährigen ober noch älteren Flachses an.. Da spannen alle Frauen —■ einerlei ob jung ober alt, Herrin ober Dienerin —■ in jeder Stunde des Tages, die sie erübrigen kannten, jedenfalls aber am Abend bis tief in die Nacht hinein. Nur der Samstagabend machte eine Ausnahme. Es gehörte bei den Leuten zur Heilighattung des Sonntags, daß schon am Abend vorher, zur bestimmten Stunde die Räder bei Seite gestellt werden mußten, während Nadelarbeiten gestattet waren. Mit der aus dem Gespinst gewobenen. Leinewand, wurde nicht nur der ganze Hausbedarf an Weiß zeug gedeckt, sondern ein Teil derselben kam in die Färberei zum! Blaufärben und lieferte dann ben Stoff zu Alltagskleidern, besonders für Männer unb Knaben. .Auch zum Lohn aller Dienstboten gehörte ein Anteil an weißem Und Hauen Stoffen, sowie an Beiderwanb, die ein Gewebe aus) Wolle und Leinenfäden ist. Vom November an wurden in ben Bauernhäusern bie Mahlzeiten berart vereinfacht, baß Nachmittagskaffee unb Abendessen -usammenfielen. Nachdem die Arbeit in den Ställen beendigt war — spätestens um sechs Uhr abends — kam eine aus Kartoffeln, Brot und Kaffee bestehende Mahlzeit auf den Tisch mit den Zutaten von Butter, Schmierkäse unb einem aus Dickwurzelsaft und Obst bereitetem Mus — je nach Vermögen; und danach fing das Spinnen erst recht an. Aber die Unterhaltung durfte bei dieser lange andauernden, monotonen Arbeit den gesellig veranlagten Vogelsbergerinnen nicht fehlen! Nicht nur die jungen Mädchen kamen zusammen, sondern auch Mütter unb Großmütter besuchten ein- anber mit ihren Spinnrädern, bei deren leisem Schnurren es sich so gut plaudern ließ, über häusliche |unb dörfliche Angelegenheiten, Über alles wovon bie Kunde aus der Vergangenheit ober aus der Welt braußen zu ihnen gedrungen war. Mochte es stürmen Unb schneien, ober eine Stille über bem lange, lange unter Schnee Unb Eis begrabenen Gebirge liegen, in bie selten ein Ton aus ber Außenwelt hineinklang; in ben Spinnstuben War es umso traulicher. Unb bafür, baß ber Gesprächsstoff nicht ausging — in dieser nicht nur äußerlich abgeschlossenen, fonbern auch von ben zahllosen Anregungen ber Kulturwelt ausgeschlossenen Wett — dafür sorgte geschäftig bie Phantasie, bie eine Freundin großer Bergeinsamkeiten und matt erhellter Stuben ist. Sie kam auf leisen Sohlen unb erweckte uralte Märchen unb Sagen, um sie von Mund zu Mund, von Geschlecht zu Geschlecht fortzupflanzen; und um schltchte, natürliche .Begebenheiten wob sie ihre sltmmern- den, täuschenden Schleier, bis regelrechte Zauber- und Spuckgeschichten daraus wurden, die sich die Spinnerinnen mit eineml Gemisch von Grauen und Lust am! Wunderbaren erzählten. Wenn hei den Familienmüttern das Ausgehen am Abend eine Abwechslung im Einerlei war, gehörte es bei allen ^erwachsenen Mädchen — mochten sie Haustöchter oder Dienstboten sein rur Regel. Es schlossen sich nach Wahl und.Atter bestimmte Greife zusammen, von denen jeder: eine Spinnstube hieß, die.ihre Zusammenkünfte den ganzen Winter über in demselben Hans.hatte/, und zwar in dem einzigen geheizten Zimmer desselben.und stets unter den Augen ber ganzen Familie. Im Laufe ,des Wends sanden sich auch junge Bursche in ben Spinnstuben.ein, aber nur einmal im Winter würbe ein Fest mit Harmonikaspiel.unb Tanz, mit Essen und Trinken gefeiert, dessen Kosten die Beteiligten gemeinsam trugen. , Der in diesen viel beanstandeten Spinnstuben.herrschende Ton entsprach dem Bildungsgrad der Menschen, die darin zusammen- kamen — gerade wie es in anderen Kreisen.auch ist. Hier waren es Naturmenschen mit oft ungezügelten Natürlichkeiten, aber in ihnen, lebte doch noch etwas von der alten Germanetreue und von einer Frömmigkeit, der ein von Gott losgelöstes Leben leer und öde erscheint; und ihr sittlicher Standpunkt war Mu ust- endlich viel höherer als der von großen Massen.einer hohen und niederen städtischen Bevölkerung heutzutage ist. Gegen Ende Januar war gewöhnlich der Vorrat an Flachs aufgearbeitet. Dann fingen die weiblichen .Glieder der Familie — auch die Schulmädchen — an, die schon am Beginn des Winters von der Mütter oder der Großmutter gesponnene Wolle zu verstricken; und zwar .nicht nur zu Strümpfen, sondern auch zu Jacken und Wamsen, bte mit feinest Nadeln sehr dicht und kunstvoll gestrickt würben. Auch Kinberkleider, Halstücher, Röcke und Handschuhe entstanden unter ihren emsigen Händen. Erst wenn bie Tage lang geworben waren, holte die Hausfrau Ballen hausgemachter Seinewanb aus ber Kiste, um neue Wäsche für ben Haushalt davon anzufertigen. Die Stiche brauchten bei bem kräftigen Stoff nicht eben fein zu sein, aber die Aermel- bündchen ber Männerhemdeu wurden mit einem Zierstich aus- gestattet. Auf diese Art verwandelten sich bie aus der Landwirtschaft gewonnenen Rohstoffe: Wolle .und Flachs, hauptsächlich durch den Fleiß der Frauen in die Alltagskleider .ber Bauersleute. Nur der Weber und der Färber.hatten nebst dem Dorffchneider einige Beihilfe zu leisten. Der Beiderwollrock, die nach der Figur gestrickte Jacke und die .Blaudruckschürze- genügten den Frauen, so lange alles noch in gutem Zustand war, auch für den Sonntag- uackMlttag. Bei jungen Mädchen sah man anstatt ber leinenen Schürze vielleicht eine solche aus buntem Wollstoff und ein ebensolches Halstuch, und bei kleinen Kindern auch einmal ein Stoff- kleibchen; aber ber Anzug aus schwarzem Tuch, mit welchem bie Brautpaare zum Traualtar unb später nur zur Kirche unb zst feierlichen Veranlassungen gingen, reichte bei ben meisten fürs ganze Leben aus, und mit ihm bekleidet, wurden sie auch zu Grabe getragen. — Aber trotz, alles häuslichen Fleißes ber Fra liest unb allgemeiner Sparsamkeit War der Wohlstand. in ber angegebenen Zeit nicht groß. Das Jam von ben niederen .Preisest und schlechten Absatzgelegenheiten aller durch die Viehzucht ge- faonnenen Produkte. Au Milchversandt wat nicht zu denken, so lange bie Fahrt zur Eisenbahn einen halben Tag in Anspruch nahm, unb bie Butter hatte einen mäßigen Preis, und ebenso das Schlachtvieh. Noch in den sechsziger Jahren kam.im Sommer zuweilen das Pfund Kalbfleisch bis auf sechs, ja.sogar vier Kreuzer herunter. . Trotzdem gab es Leute im Gebirge, bie sich eines durch ihre .Bedürfnislosigkeit bedingten Wohlstandes erfreuten; aber größer War bie Zahl derjenigen Bauersleute, die fich mit schweren Sorgen durchs Leben schlugen. Das war besonders bann ber .Fall, wenn sie Juden zu Gläubigern hatten! . In manchem Haus konnte ber Hosjude, ohne den.Eigentümer zu fragen, die Tischschublabe aufziehen und sich von bem da auf- bewahrte.n Brot einen Ranken abschneiden; ober die Leute mußtest tränenbett Auges zuseheu, wie .er die beste Milchkuh fortführts unb eine magere dagegen einstellte; die er aber.ebenfalls Wieder Wegnahm, sobald sie gut herausgefüttert war. Es war .nicht zu verwundern, daß bie unter solchen Verhältnissen häufig vorkom- menbe Verarmung, manche Familie dahin brachte, mit bem letzten Rest ihrer aus bem Schiffbruch geretteten Habe nach^Amerika aus- zuwanbern. , , Allein von Auswanderungen nach Paris — Wo so .viele Hessen als Straßenkehrer ihr Dasein fristeten — aus den mir bekannten Orten des hohen Vogelsbergs, habe ich zu meiner Zeit nichts gehört. Im Lauf der Zeiten haben sich — wie schon gesagt — im Vogelsberg bie Verhältnisse total geändert, und feine Bewohner Machen fein Hehl daraus, daß sie in besseren.Verhältnissen leben als ihre Vorfahren. Von vielen bäuerlichen Familien kann.man hören, daß sie nicht nur einen schuldenfreien Besitz, sondern auch 728 Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Rrühl'scheu vntverkitätS-Buch- und Steindruckerei. R. Lange. Wiege» VerfteSrätsel. Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderer". Jngernranland — Solling — Judasbauni — Kindergarten — Vergißmeinnicht — Heilmittel — Demosthenes — Wechselbank — Redefreiheit — Fanstrecht — Schutzen fest — Gutenberg. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Buchstabenrätsels in 'voriger Nummer: Kilometer — Amalie — Kubel — Liverpool — Zwillinge; Karl Zeller. Dieser Tage hat sich! dort Dr. James £». Hellyer, ein angesehenes Arzt aus Baltimore, verehelich^ ititlb zwar mit einer Frau, biet er noch nie vorher gesehen hatte! Das war so gekommen: Inh vergangenen Jahre hatte teilt Freund des Arztes fülr diesen ein- Heiratsanzeige erlassen. Unter den heiratslustigen Damen mqldetti sich auch ch'ule Wsitlvse Marion Arnett in Philadelphia, und ihr Brief versetzte den Arzt in solcheil Entzücke^, daß er spornstreichs zum Fernsprecher lief, um die Hand der Witwe Arnett anhieltt und vorschlug, sie sollten' cjinander bis zur, Verheiratung nichffs sehen. Hierauf ging die Witwe ein, uli>b dieser Tage hat nun die Hochzeit stattgesnnden, die darin, daß der Bräutigain die Braust! noch nicht tfait Angesicht kannte, eilte gewisse Aehnlichkeit mit einer ostasiatischen Hochzett hatte. Bor der Trauung teilte der Pfarrer der Braut mit, er wersde sie nur trauen, wenn sie ihm ihr Antlitz! zeige. Das vlerlangste ter, wtzil er einten sogenannten „practica! joke" befürchtete, etloa in der Art, daß, die Braut eine Negerin sei. Hierauf ging Frau Arnett ohne weiteres eilt; dann fand die Trauung statt, und als. Dr. Hellyer den Schic,ter seiner jungen! Frau lüftete, erblickte er eine hübschet blonsde Fran von etwa 4a Jahren. Weiter wird berichtet, die jetzige Frau Hellher sei eins gebildete Damse und, was dem iteugebackeuen Ehentanne wohl nicht gerade unangenehm war, ziemlich vermögend. Ws Dv. Helltser! den Schleier aufhob, soll er die klassischen Worte gesprochen habens „das bessere Geschäft mache er." Vermischtes. *UeberTie re,die kleiner wer den, plaudert in den soeben erschienenen Lieferungen 38-43 des bekannten illustrierten Prachtwerks: „Die Wunder der Natur" (Deutsches Berlagshaus Wong u. Eo., Berlin W. 57, 65 Lieferungen) ber englische Biologe Prof. W P. Pycraft. Eines der wunderlichsten Betfpwle hierfür bfetet der südamerikanische Trugfrosch. Bei diesem Frosche erreicht die Larve, die „Kaulquappebte erstaunliche Sänge von rund 25 Zentimetern, wovon nicht weniger als etwa 18 Zentimeter auf den Schwanz entfallen. Im Laufe der weiteren Entwicklung wird nun dieser Schwanz durch bte, Tätigkeit sogenannter Phagozyten („Freßzelleu") allmählich von innen her vernichtet und verschwindet schließlich. Der erwachsene Trugfrosch mißt derart nur noch 5—6 Zentimeter, ist allo beträchtlich kleiner geivorden. Das ist eine so absonderltche Erscheinung, daß man früher glaubte, hier verliefe die Metamorphose als Ausnahme von der allgemeinen Regel einmal umgekehrt, d. h. aus dem! kleinen Frosche ginge ein größeres fischähnltches Tier hervor. Sinne hat diese irrige Anschauung dann in der wissenschaftlichen Bezelch- lnung dieses Frosches verewigen zu sollen gemeint und ihn „tfW frösch" getauft. Gelegentlich sind nun solche Riesenlarven auch bei der Knoblauchs-- und Geburtshelferkröte, der Unke uff. beobachtet worden; auch hier kommt die auffallende .Große der Larve auf Rechnung des mit mächtigem Flofsensaume gezierten Ruderschwanzes. Ein weiteres interessantes Beispiel bietet der Aal in frühen Entwicklungsstadien. Noch vor wenigen Jahren wNren uns die Laichgewohnheiten des .Aals völlig rätselhaft. Heut wissen wir. daß die Laichplätze der Aale in bedeutenden Meerestiefen (Bet Island und den Färöern beispielshalber int Tiefen von über 2000 Metern) zu suchen sind. Aus dem 2 5 Millimeter großen Ei des Aals entwickelt sich nun ein merkwürdiges Wesen, tdas man noch bis in unsere Tage für eine besondere Tierart hielt und „Glasaal" nannte. Der Glasaal, in Wahrheit also die Aaallarve, ist ein.glashelles, lorbeerblatt- Ärmiges Wesen, das nach einiger Zeit zur Meeresoberfläche heraufsteigt und sich • umzubilden Beginnt. Die großen Zahne schwinden, die Kiefer werden andre, nnb während dieser Umwandlung nimmt die Larve keinerlei Nahrung durchs den Münd zu sich, sondern zehrt vom eigenen Körpermaterial. Solch Aufsaugungsprozeß, Bei dem wieder die Freßzellen eine bedeutende Rolle spielen, verkürzt die Larve und macht aus dem breit abgeplatteten Tiere ein wurmförmiges, kurzum er schafft einen winzig Keinen Aal. Im übrigen bringen diese Lieferungen eine aus der Feder des Leipziger Zoologen Prof. Dr. H. Simroth stammende Abhandlung Über dje „Schwäntme", die uns an diesem' „Gerät" des täglichen Gebrauchs Wunder über Wunder enthüllt, Äne Plauderei Bruno H. Bürgels über die „Sternbilder" in der bekannten poetischen Form, die dieser populäre Agronom Wr seine Veröffentlichungen wählt, .eine wundervoll illustrierte Abhandlung von E. Carthaus über „Edelsteine und Halbedelsteine", eine ebensolche über „Merkwürdige .Vogelschnäbel" ans der Feder Hsinroths, Plaudereien non Francs, Zell, Thesing, Welten, LM, eine Studie über die „Kvrattenfische" von dem Berliner'Zoologen Prof. Dr. R. Hesse, über „Seeanemoiten" von dem Direktor des k. k. Aquariums zu Triest, Prof. Dr. C. I. Eori. An paläontologischen Themen werden das „Riesenfaultier" und das „Diitotherinm" durch Schoenicheu behandelt uff. Immer und immer wieder staunt man über, die Fülle der herrlichsten Natuturkunden, mit denen der Verlag in vollendetster Reproduktion dieses „Buch des Wissens', der Freude an der Natur" und dieses „Buch der Kunst" geschmückt hat. -— Die nie gelegene Br aut. Ein echt amerikanisches Stücklein läßt sich Ibiie „Daily Mail" aus Newyork berichten. vüchettisch. — Peter Rosegger, Gesammelte Werke. Vom Berfasser neubearbeitete und neueingeteilte Ausgabe. 40 Bände in 4 Abteilungen zu je 10 Bänden. Jeden Monat gelangt ein Band zur Ausgabe. Jeder Band geschmackvoll gebunden. 2,50 Mk. Einzelne Bände werden nicht geliefert. Verlag von L. Staackmann in Leipzig. Soeben erschien von der ersten Abteilung Band 4: Hetde- peters Gabriel. Eine Geschichte in zwei Büchern. Die Einmütigkeit, mit der die gesamte deutsch-österreichische Presse eben erst in langen Artikeln und Berichten des 70. Geburtstages Peter Roseggers gedachte, hat wieder einniial so recht gezeigt, wie tief dieser beste aller lebenden deutschen Volksschriftsteller ins Volk gedrungen ist. Der soeben erschienene vierte Band der „Gesammelten Werke" enthält Mit „Heidepeters Gabriel" eines der persönlichsten Büchev Roseggers und ist deshalb gerade jetzt besonders willkommen. Entstanden aus den Erzählungen „In der Einöde" (1872) und „Oswald und Anna" (1876), gehört „HeidepÄers Gabriel" aber auch zu dem Besten und Suchten, was uns Roseggers Muse beschert hat. Es spiegelt uns in seinem ersten Teile die schweren Schicks als- Eäge, von denen des Dichters Elternhaus in seinen Juxenden heimgesucht wurde, und zahlreiche Knaben- und Jünglings- erinnetnngen wieder; in seinem zweiten Teile i|t es em Denkmal von des Dichters überaus glücklicher erster Ehe und als solches, gleichzeitig ein Idyll von höchstem poetischen Reiz. „HeidepeterA Gabriel" muß ohne Zweifel zu den Büchern Roseggers gezahlt werden, die unverwelklich sind. Es lvird intimer wieder durch feine dichterischen Schönheiten entzücken. — Urlaubs Werke, in drei Teilen herausgegeben, mit Einleitungen und Anmerkungen versehen von Adalbert Silberrn'ann. Goldene Klassiker-Bibliothek, Deutsches 'Berlagshaus Bong u. Co., Berlin W. 57. Am 13. November war Ludwig Uhland fünfzig Jahre tot. Eine Ausgabe von Uhlauds Werken gibt die Goldene Klassiker-Bibliothek deshalb heraus. Wenn mir berichten, daß sie die Gedichte vollständig, mit Einschluß sämtlicher Nachlaßgedichte, die beiden vollendeten Dramen liebst einer reichlichen Auswahl der draniatischen Entwürfe, endlich Prosaschriften in einem Umfange wie keine andere populäre Ausgabe enthält, so braiichen mir zu) ihrem Ruhme nichts meiter hinzuzufügen; Korrektheit der Texte, ein gutgeschriebencs Lebensbild und ausführlicher Kommentar, deutlicher Druck, holzfreies Papier und geschmackvoller Einband: baS sind Vorzüge, die sich bei dieser Sammlung von selbst verstehen. — Reklamemarken aus den Werken Sven Hedi ns gibt soeben die Kunstanstalt M. Fickel in Nürnberg heraus. Es sind sehr schön ausgeführte Reproduktionen nach den Bildern, die Hedin in seinen rasch.berühmt gewordenen Reisewerken veröffentlicht hat. Die Marken stehen in jeder Hinsicht weit über den gewöhnlichen Reklamemarken und haben zweifelsohne auch Einen pädagogischen Wert, zumal sie.in einer Größe gehalten sind, die eine gute Wiedergabe ermöglicht. L ihren Notpfennig an barem Geld in den Kaffen haben;, denn das sind keine Leute, die immer lamentieren, unb sich heimlich ms Fäustchen lachen! „Amerika ist jetzt bei uns, für geben, der arbeiten mag," das ist eine Rede, die gang jtttb gäbe bei ihnen iit. Leider ist mit der steigenden Kultur auch viel.von der einstigen Einfachheit verloren gegangen; und Spinnrad und Haspel ohne welche ich« mir den Vogelsberg nicht denken.mag hab in bie Gerümpelkammer gewandert; und in den logenannten Spimlstuben der jungen Vogelsbergerinnen wird wohl noch gestrickt, aber es werden auch viele unnütze Dinge .angefertigt: Häckeispitze und Einsätze und dergleichen, mehr. , : Nur über einen Mangel, dem ich m der übrigen SSelt norfo nie begegnet bin, hörte ich bei meinem letzten Besuch rm Vogelsberg eine meiner einstigen Gespielinnen klagen: über beit Mangel.cm heiratsfähigen Mädchen in ihrem Dörflein; so daß es Manchem ansehnlichen Burschen schwer falle, bte zu ihm passende Frau zu bekommen. _m.„. r . r Ihre eigenen Worte lauteten: „Dai Madercher fet bet uS so rar, daß se mit siebezehn un ochtzeh Johr schtm eweck aeheuro^ wem, un so wehlerisch seist je, baß es ynanchem Borsch sch-ver hält, e Fraa zu kriege." (Fortsetzung folgt.)