M3 - Nr. M Montag, den 20. Oktober MSWll ßl f ig „ Lsurrnblut. Pwntan von Gerhart ti. Amyntor (Dagobert v. Gerhardt). (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Der Rittmeister stand am Wagenschlage, bereit, ebenfalls einzusteigen, wenn Just wieder ausgestiegen sein würde, und fragte: „Nach dem „Kaiserhofe"?" _ „Nein, lieber Tollen", erwiderte Brank, „ich denke, ich fahre unverzüglich nach Hause — es sind gute Pferde —■ in zwei Stunden kann ich in Giesdorf sein. Nicht wahr, Herr Doktor, Sie gestatten die Fahrt?" „Ich kann Sie leider nicht begleiten, Herr von Brank, möchte aber doch darauf bestehen, daß Sie wenigstens nicht ganz allein fahren." „Hm, hm", bedauerte der Rittmeister, „wenn ich doch nur nicht um 11 Uhr Dienst hätte?" „Und ich bin leiden gleichfalls gebunden", erklärte Gotenberg, „das trifft sich wirklich gar zu schlecht." „Meine Herren", rief Just, der noch aufrecht im Wagen stand, „ich habe Zeit, ich werde Herrn von Brank begleiten; mit der Pflege Verwundeter weiß ich Bescheid!" Der Arzt nictte; er billigte das Anerbieten. „So setzen Sie sich zu mir, Herr Just", sagte Brank, sichtlich befriedigt, „ich kann mir keinen angenehmeren Beistand denken. In der Wagentasche steckt Rotwein und kalte Küche; Sie sollen nicht um Ihr Frühstück kommen." „Danke, danke", versetzte Just, indem er dem Freiherrn gegenüber Platz nahm, „ich habe keinen Hunger; wenn Sic aber gestatten, zünde ich nlir meine Pfeife an." „Und ich eine Zigarre." Just griff in des Freiherrn Rocktasche, holte ihm seine Zigarrentasche hervor, schnitt ihm die Spitze einer Havanna ab und entflammte ein Zündhölzchen. „Ich hoffe, mein Pfeifcheil wird nicht schlechter riechen," schmunzelte er dann, indem er ein kurzes, schon ganz schwarz gerauchtes Tonpfeifchen hervorbrachte und es mit gelblichem Maryland sorgsam stopfte. „Es ist echter Bay — ich rauche keine andere Sorte." „Nachdem er den Tabak in Brand gesetzt hatte, hob er behaglich an: „So, jetzt wären wir fertig. Wenn Sie gestatten, Herr von Brank, kann es losgehen. Der Kutscher weiß doch den Weg?" \ „Ich komme morgen hinaus", rief noch der Arzt in den Wagen: „der Verband bleibt bis auf weiteres unberührt liegen!" „Glückliche Fahrt! Gute Besserung!" klang es von allen Seiten. Brank streckte noch einmal den gesunden Arm zum Wagen hinaus und bot dem finster dreinschauenden Staatsanwalt die Hand: „Wir bleiben die Alten, nicht wahr?" Der Staatsanwalt erwiderte den Händedruck und sagte beschämt: „Gott mit Ihnen, Herr von Brank! Ich bleibe dauernd Ihr Schuldner." „Ein Kavalier vom Scheitel bis zur Sohle!" rief der Maler begeistert, als der Wagen mit dem Freiherrn und seinem Begleiter entschwunden war. „Nun, meine Herren", bat lustig der Rittmeister, „gönnen Sie uns tvohl ein Plätzchen in Ihrem Wagen — Gotenberg, Sie müssen sich auf den Bock setzen! Ich nehme einen der Herren Aerzte auf den Schoß — nur bis zur Station Grünewald — wir benützen von dort die Stadtbahn." „Die reinste Arche Noah", scherzte er tveiter, als alle sechs — Tell und der Maler, die beiden Offiziere und die Aerzte — aus das Fuhrwerk kletterten; „allerlei Getier hat hierdrin Platz. Ein Glück, daß wir sämtlich gut in Kondition und ohne anspruchsvollen Fettansatz sind; so einen dick gemästeten Faulenzer könnten wir hierdrin gar nicht brauchen; wir müßten ihn gleich vor Professor Schweningers Haustür abladen." Aus der bald erreichten Station verließen die Offiziere und Aerzte den Wagen, und Tell fuhr allein mit Völker nach der Stadt zurück. Die Sonne war höher gestiegen, und ein wärmerer Odem tvehte zu den offenen Wagensenstern herein. Völker schwelgte in dem Farbenbacchanal, das der Lenz da draußen feierte. „Sehen Sie nur", rief er entzückt aus, „diesen köst- lichen Fernduft, in dem die Gebäude der Riesenstadt verschwimmen! Wer solch ein Sfumato nachmachen könnte, beim Zeus, der wäre ein Künstler!" „Was hätte er davon", seufzte trübselig der Staatsanwalt; „dem Gesetze des Unsinns, das dieses Leben zu beherrschen scheint, bliebe er doch untertan!" „Ho, ho, Teuerster, nur nicht so pessimistisch! Machen Sie das Leben nicht für Dinge verantwortlich, an denen Sie selbst ganz allein schuld sind. Sie haben nun doch wohl eingesehen, daß der ritterliche Freiherr kein Wüstling, kein aristokratischer Verbrecher ist?" Der von Reue und Verdruß Geguälte nickte mit dem Kopfe. Der Maler fuhr fort: „Ich liebe die Aristokraten. Was wären wir Künstler, wenn sich die Menschheit nicht glücklicherweise in verschiedene Arten gespalten hätte? Wenn es nur einen einzigen gleichmäßigen Urbrei von steuerzahlenden Banausen gäbe? Wir brauchen die Vornehmen, denn unser Metier selbst ist ein vornehmes." „Für ein freies, gebildetes Volk, in dem eine vornehme Gleichheit herrschte, künstlerisch zu schassen, wäre vielleicht noch dankbarer." „Falsch, mein Bester! Eine vornehme Gleichheit? Ich bitte Sie, das ist ja ein Widerspruch im Beiwort, ein vollkommenes Unding! Kann die ganze Masse eines Volkes je- mals gebildet sein.? Kann sich der große Haufe stumpfer, gefühlloser, brutaler Verdauer denil jemals veredeln? Ist das Wort „Volt" in diesem Sinne nicht eine leere Phrase? Ich kann nur den Einzelnen, den Bevorzugten, den mir Kongenialen lieben — in der Masse steckt immer die Hyä- nennatur. Ich must aber lisbeu können, wenn ich schaffen 654 -< bedroht hatte? s soll — verflucht jede Zeile, die ein Dichter schreibt, wenn er keine Liebe im Herzen trägt! Verflucht dre Lemwand, dre em Maler bepinselt, dem nicht liebeheißes Wut durch die Adern rollt!" , r r, „Sie scheinen ein Nrehscheaner vom reinsten Wasser, Sie predigen eine Herrenmoral." „Meinetwegen! Wenn es schon zwei Sorten von Moral geben soll, dann lieber eine Herren- als Sklavcnmoral. Mit alten Weltbeglückungsphrasen wird man aus einem anarchistischen Mordbuben keinen echten Edelmann, kemen adelig Denkenden machen — wo wahre Liebe ist, da muß auch heftige Abneigung sein; kein Licht ohne Schatten; ich Hape dre Gleichgültigkeit!" r , rei- Der Staatsanwalt war ut Schweigen versunken. Ehrlich gab er sich selbst zu, daß er den Frecherrn vorschnell und grundfalsch beurteilt hatte. Der Zweikampf war ja aber, dem Himmel sei Dank, verhältnismäßig iivch günstig genug abgelaufen; hätte man da ilicht zufrieden sem müssen? Und beit» noch fühlte sich Teil bedrückt, unbefriedigt, gedemutigt; ihm war, als ob ein fernes Glück, das er von der Gunst der Zukunft immer iwch erhoffen zu dürfen geglaubt hatte, ihm uuu für immer und ewig entschwunden wäre/' Ellen! Durfte er je wieder seme Bücke zu ihr erheben, nachdem er ihreil von ihr so heiß geliebten und so innig bewunderten Vater mit der tödlichen Wasfe uit Zweikampfe Die Anzeigenteile der Berliner Zeitungen füllten sich mit allerlei Bäder-Empfehlungen; der Lenz hatte endgültig über den Winter gesiegt. , ™. , . Im Wirtshausgarten der in wenigen Minuteii mit der Bahn zu erreichenden Vororte blühten die Kastanien und der Flieder; die an der südlichen Wand des Wirtshauses gezogenen Pfirsichbüumchen standen in reichster Blüte, ^ctzt freilich hatten die Blüten ihre Kelche träumend geschlossen, denn der fast volle Mond schwamm am wolkenreinen Himmel. Er goß sein magisches Silberlicht über ein frohes, munteres Völkchen, das sich um die Tische im Garten in dichten Gruppen niedergelassen hatte und unter Scherz und Gelachter, auch unter mancherlei boshaften, nur leise geflüsterten Bemerkungen über den lieben Nächsten, dein zieniltch unichul- digen, in hohen Stangengläsern schäuinenden Biere wacker znsprach. Die Schauer der Mainacht waren doch nicht streng genug, um den Gesangverein „Harmonie" von seinein jährlichen Stiftungsfest abzuhalten; der Tag war nun einmal wiedergekommen, an dem vor zehn Jahren vier sangesfrohe, brave Handwerker ihre im Winter eingeübten, vierittmmtgen Lieder zum ersten Male vor einem Kreise geladener Freunde und Freundinnen vorgetragen hatten, und dieser Tag, der eigentliche Gründungstag, der bald auf einige hundert Mitglieder angewachfenen „Harmonie", mußte auch diesmal festlich begangen werden. . m . Das Lokal war für den heutigen Abend vom Verein gemietet und für das größere Publikum unzugänglich. Zur Deckung der Kosten ntußten die Mitglieder ein kleines Eintrittsgeld erlegen. Peter Dechner, der Polier, stand mit der Weißen, ihn als einen der Festredner kennzeichnenden ^chleise auf der Brust mit an der Kasse und begrüßte Männlem und Weiblein mit scherzhaften, meist leicht ironischen Bemerkungen. Er war nur seinem Bruder Adolf, dem Instrumentenmacher, zuliebe, der den ersten Tenor in dem sich heute produzierenden Quartett zu singen hatte, mit „in die Harmonie eingesprungen"; so versicherte er wenigstens jebeitt, der es hören wollte; eigentlich verachtete er das ganze Vereinswesen dieser Bourgeois, das doch nur dem schalen Vergnügen satter Ausbeuter galt und niemals hohe, menschenwürdige Ziele verfolgte; besonders die Vereinssucht des modernen Berliners erschien ihm als eine Art Drehkrankheit, wie sie Schafe befällt. Für ihn gab es nur eine einzige Sorte von Vereinen, die er billigte, das waren die radikalen politischen Vereine. „ „Guten Abend, Mutter, guten Abend, Herr Pslege- vater!" begrüßte er das Lampertsche Ehepaar, hinter dem ein schlankes, rosiges Mädchen im Gedränge stand, das geduldig auf die Lösung der Eintrittskarten wartete. Als er jedoch hinter denn Rücken des sein Geldtäschchen hervorholenden Goldschmiedes die Schutzbefohlene der Frau Lampert entdeckt hatte, warf er ihr eine Kußhand zu und sagte galant: „Guten Abend, mein schönes Fräulein Schwägerin! Er (er meinte seinen Bruder) wird sich heute mit Ruhm bedecken — eine Stimme, so rein wie eine Glocke! Er hat den ganzen Tag nur Eidotter geschluckt und nicht einmal zu rauchen ge* wagte' Ein spöttisches Kichern schloß diese Bemerkung. ! Sabina Meerholt, die Braut des Instrumentenmachers, errötete, vielleicht im stolzen Vorgefühl des Triumphes ihres Bräutigams, vielleicht in leisem Verdruß über die ironische Art und Weise, in der ihr zukünftiger Schwager von seinem! üngesfreudigen Bruder sprach; aber sie erwiderte nichts und nahm mit nur stumm dankender Kopfneigung die Eintrittskarte aus Frau Julie Lamperts Hand entgegen. Die dicke Goldschmiedsgattin aber wandte sich gutmütig tadelnd gegen Peter: „Wenn du nur mitsingen wolltest! Es würde der nichts schaden, du hast eine so prächtige Stimme, em Jammer, daß du sie dir in der politischen Versammlung heiser schreist!" Nicht ohne Wohlgefallen betrachtete sie den hübschen Pslegesohn, der, den Zylinderhut etwas schief auf dem Kopfe, sie aus seinen dunklen intelligenten Augen pfiffig anblinzelte. „Ja, ja, Peter", sagte der Goldschmied mit seiner sanften, etwas lispelnden Stimme, „der liebe Gott sieht alles, was du tust, uud du wirst einmal für jedes unnütze Wort, das aus deinem Munde geht, Rechenschaft abzulegen haben. Der Getadelte lächelte überlegen, als ob es sich gar Nicht lohnte, auf diesen Vorwurf zu antworten, und deutete mit der Hand nach dem Garten: „Dort hinein, mein verehrter Herr Pflegevater; das Konzert wird gleich beginnen; mein Bruder Adolf stimmt schon seinen Kehlkopf." Er schnitt mit dieser Aufforderung jede weitere Auseinandersetzung ab und wandte sich einer Gruppe neuer Ankömmlinge zu, denen er geschäftig die Eintrittskarten verabfolgte. Herr Wilhelnr Lampert seufzte und bot seiner besseren Hälfte würdevoll den Arm. Beide segelten, wie zwei in Flaggengala paradierende Fregatten, stolz und selbstbewußt in den Garten hinein; Sabine folgte ihnen wie ein leicht beweglicher, schlanker Aviso, und ließ die hübschen Augen als kundige Späherin über die schon versammelte Menge gleiten. „Dort, dort hinein!" flüsterte sie ihrer heutigen Beschützerin zu (sie hatte die leicht erkrankte Mutter, eine Be? amtenwitwe, zu Hause zurücklassen müssen), „da steht die Tribüne! Wir wollen uns dicht davor setzen; ich glaube, Adolf hat uus eineu Tisch reserviert." Der Instrumentenmacher hatte seine Pflegeeltern nebst seiner Braut schon herankommen sehen. Er eilte ihnen entgegen (auch er trug eine weißfeidene Schleife im Knops? loch), grüßte das Lampertsche Paar mit herzlichem Hände- schütteln, warf der Braut einen etwas unsicher fragenden Blick zu, und erst, als sie ihm unbefangen zugenickt hatte, bot er auch ihr die bewillkommnende Rechte. Er führte alle drei an einen kleinen Tisch zu Füßen der SängertribüNH und sagte: „So, hier werdet ihr am besten sehen könnest. Wir sangen gleich an." Er bückte sich zu seiner Braut, ditz schon Platz genommen hatte, uud rannte ihr ins kleine Ohr: „Bist du mir noch böse, Sabine?" Diese schüttelte den Kops, aber ein leises Schmollest zuckte doch noch um die Winkel ihres reizend geschnittenen Mundes. Sie blickte aus, sah dem Bräutigam in sein ehrliches Antlitz und sagte nicht unfreundlich: „Mache deine Sache gut, damit auch Peter begreifen lernt, was du Kunst/' Adolf lächelte: „Was geht uns der Peter an. Nur für dich werde ich singen, und wenn ibir'S gefällt, dann klatsche mir tüchtig Beifall; das wird mein schönster Lohn fein."- Er war schon wieder fortgeeilt nnd stand nun mit seinen Quartettgenossen auf dem hölzernen Tritt, wo er die Stimmgabel erklingen ließ, um den richtigen Ton anzugeben. Es waren nicht gerade ausschließlich die gehaltsvoll,ten Kompositionen für vierstimmigen Männergesang, die der Verein „Harmonie" in sein Verzeichnis ausgenommen hattef aber es waren altbekannte volkstümliche Weisen, die immerhin dem Ohre schmeichelten nnd auch den Herzen ber anspruchslosen Zuhörer etwas zu sagen hatten; hin und toteber wurde auch eilte echte Perle deutscher Sangeskunst zum besten gegeben. Mit einem patriotischen Liede wurde der Abend eröffnet, und nach einem inehrfachen „Picht! pscht! , das mahnend durch den Garten scholl, schwiegen die plappernden Zungen, und alles lauschte itach den vier Männern, die ist schwarzen, feierlichen Tuchröcken und mit etwas unzeitgemäß ßen weißen Handschuhen auf der Tribüne standen und ihr? Kehlen im Dienste der heiligen Cäcilia so weidlich anstrengten, daß ihnen die Adern am Halse schwollen und dem dicken Bassisten die Fischaugen aus dem Kopfe traten. (Fortsetzung folgt.) 656 dies und Geist nicht und uns vor Lachen darauf der Tod wir alle, meine stünde. Aber er übersetzte ausgezeichnet. Während Mutter, mein Vater, meine Geschwister und ich ...... —------ wälzten, verzog der Männ keine Miene seines steinernen, bartlosen Gesichts und las ruhig weiter, feierlich und gemessen, bis wir ihn bitten mussten, eine kleine Panse zu machen, damit wir Uns mit neuen Taschentüchern zum Wcgwischcn unserer Lach- Doltorsrechnungen erspart". Und ich hab' diesen Schatz mit Hilfe eines hageren, langauf- geschossenen Kandidaten der Philologie gehoben, eines tiefsinnigen Mannes, der lange blonde Haare trug und Beinkleider, die zu kurz waren, eines Pedanten, Mister Clemens, der mit dem hlinden Taubstummen in Ihrer Leidensgeschichte: „Wie man mir in New Uork mitspielte", bis auf das Blind- und Taubstummsein eine verzweifelte Aehnlichkeit besaß: er verstand ihre Witze nicht, Mister Clemens, verstand ihren würde ihn nicht verstanden haben, selbst wenn aufgestapelt haben und vor uns spielen lassen, als hätten Sie irog der ernsten Miene, die Ihr prächtiges Bild zeigt, selbst Ihren Spaß daran--und deshalb gestatten Sie, Mister Clemens, daß ich Sie hiermit öffentlich anklage. 3|i) könnte mich allerdings für meine häuslichen Leiden, die Sie verschuldet, dadurch rächen, daß ich Ihnen mit dein Aufgebot aller meiner ästhetischen, geographischen und literaturwissenschaftlichen (dieses Wort empfehle ich Ihnen zur Bereicherung Ihrer famosen Bemerkungen über die „Schrecken der deutschen Sprache") Kenntnisse auseinandersetzte, warum Ihr Humor Humor genannt zu werden verdient und in welche weitere und welche engere Klasse von Humoristen Sie eigentlich gehören (wobei ich mir Vorbehalten würde, von der Erschaffung der Welt auszugehen und Genaueres über die Entdeckung Amerikas mitzuteilen) . . . Und ich könnte dies alles durch so 'dunkel erhabene, tief philosophische Bestimmungsworte ausdrücken, daß Ihnen vor sich selbst ünd Ihrer Kunst angst und bange würde--aber so sehr ich Grund habe, Ihnen übelgesinnt zu sein, Mister Clemens, solche Folterqualen haben Sre doch nicht verdient. ' _ _.A „ Lassen Sie sich lieber erzählen, was infolge Ihrer Wer^ zwischen Käthe und mit vorgcfallen. Ich hoffe, Sie werden sich zur Warnung dienen lassen^ 's Meine Leiden durch Mark Twain. . Offener Brief an Herrn Clemens (Mark Twain). Bon Manuel Schnitzer. Ohne Umschweife, Mister Clemens. Sie sind schuld an jenen Peinlichen Szenen, welche mir eine volle Woche hindurch mern sonst so friedsames Heim zu einer Art Hölle gemacht haben., Ich bin ein offenherziger Mensch und sage meine Meinung frei heraus, b. h, Männern gegenüber. Wenn cs sich um Damen handelt, zumal um Käthe, meine Frau, dann pflege ich — und ich weiß sehr wohl, warum — eine gewisse Vorsicht nicht außer 4d)t äu lassen. ,, Indes ich schreib' Ihnen wahrhaftig nicht, um Sre mit meinen Erfahrungen über diesen heikeln Punkt bekannt zu machen, der Sie als langjährigen Ehemann ohnedies vertraut anmuten durfte. Meine Absicht ist eine andere, Mister Clemens. Ich! will Mmen Vorwürfe machen, bittere Vorwürfe, und den Wunsch ausfprechen, Sie mögen in sich gehen und Besserung geloben für die Zukunft. Ich konune zur Sache. Gott verdamme mich, wenn ich den Kerl, der Mir vor Zähren gesagt hätte, daß ich durch Sie einmal so entsetzliche Leiden erfahren könnte, nicht zum Fenster hinausgeworsen und zu allen Teufeln gewünscht haben würde. Heute möchte mir dies^natür- lich leid tun, und ich freue inich aufrichtig, daß ich. durch «ie und Ihre Werke nicht auch in diese peinliche Lage gekommen bin, Mister Clemens. . Als ich vor zehn oder elf Jahren Ihre werte Bekanntschaft machte, kannte ich Ihre Tücke noch nicht, und so kani es, daß ich Sie anfänglich lieb gewann. Davon ivill ich Ihnen zunächst erzählen. Ich lebte damals in einer kleinen Stadt und hatte keine andere Zerstreuung als ein paar Bücher. Darunter war eines von Ihnen, geschrieben in englischer Sprache, die ich nur sehr mangelhaft verstand, aber noch immer in dem Grade, daß mir eine Ahnung davon gufgehen konnte; in diesen Blättern stecke ein unendlicher Schatz von .'göttlichem Lachen und iveiser Narrheit, „ein Lachen",^— um mit den Worteii des alten Wallisers in Ihrem „Tom Sawyer" zii sprechen, — „das wie bares Geld in der Tasche ist, ivcil es lange tränen versehen könnten. Ich erinnere mich genau, Mister Clemens, als der Kandidat — Klötzchen hieß er — uns „Ein Interview" vorlas, mein Vater bei der Stelle, wo Sie die rätselhafte Geschichte vom armen alten Bill erzählen und daß er tot genug gewesen sei, aufsprang und Herrn Klötzchen aus Leibeskräften zu rütteln begann, damit er nicht so starr und steif dasitze, während ich und mein Bruder Vor Lachen brüllend im Zimmer umhertamnelten und schon begonnen hatten, auf einem Fuße herumzuhopsen. Später sah ich ein, daß die Art, wie Klötzchen Ihre Geschichten Und Witze vortrug, die wirksamste ist, und ich würde ihm wahrhaftig eine dankbare Erinnerung bewahren, wenn Sie nicht — wie ich erwähnt habe — jetzt die peinlichen Szenen verschuldet hätten, die sich in meinem Heim zwischen Käthe und mir abgespielt haben. Die unmittelbare Veranlassung dazu waren die sechs prächtig ausgestatteten Bände Ihrer Schriften in vortrefflicher deutscher Aebersetzung, welche mir der Stuttgarter Verlagsbuchhändler Herr- Robert Lutz zur Besprechung zugeschickt hatte*), und über die ich gleich, nachdem sie angekommen waren, hersiel, wie cs nur ein Mann tun kann, der in der Tretmühle seines kritischen Berufs nach einer Erquickung schmachtet, nach weisem Lachen und wahrhaft 'göttlicher Narrheit, nach etwas, wobei er den Kritiker vergißt und »um Genießenden wird, zu einem Kinde und einem Schüler, er, der sich gewöhnlich Büchern gegenüber — und es ist dies Nicht seine Schuld — sehr erwachsen fühlen muß. Das alles habe ich nun in Ihren Werken, welche die deutsche Ausgabe enthält, gefunden . . . Ich habe mich wieder inifc wieder packen lassen von den tausend Humoren, die Sie in „Tom L-awyev , jn „Huckleberry Finn", im „Skizzenbuch" und den arideren Michern *) 6 Bände 10 Mk. brosch., 13,50 Mk. in Leinwand geb., illustrierte Ausgabe 14 Mk. brosch., 20 Mk. geb. Hlnzugekommen ist inzwischen eine II. Serie von ebenfalls 6 Bänden zu 11« brosch., 17 Mk. in Leinwand geb. Es werden auch einzelne Bande abgegeben. Als ich von dem Buche aufsah — es waren die „Abenteuer und Streiche von Tom Sawyer" — stand meine Frau vor mir sagte in einem traurigen Tone: „Es ist das fünftemal, lieber Männ, daß ich dieses Zimmer betrete und dich zu Tische rufe. Du hast bisher weder aufgeblickt, noch mich einer Antwort gewürdigt. Einmal hast du mich durch ein rnerklvürdiges Lachen unterbrochen, das mir ms Herz schnitt- Es kam mir vor, als schüttle dich dabei das Fieber . , . Bist du krank, Mann?" . , _ „ t Ich muß sagen, daß mich die Storung nicht gerade freute^ Trotzdem erwiderte ich nicht unfreundlich: „Nicht im geringsten krank, Käthe. Im Gegenteil. War nie Jo vergnügt, sollte ich denken. Ich lese Mark Twain, und ich hatte von Herzen gewünscht, daß du mich dabei ließest. . . . „Ah," meinte meine Frau entrüstet, „du lieft. . . und ich Närrin lasse die Suppe kalt werden, weil ich denke, daß du krank Ich' wurde ärgerlich, weil es durchaus nicht in meiner Ansicht gelegen war, mir meine Zeit durch einen vom Zaune gebrochenen Streit rauben zu lassen. Ich hatte wahrhaftig Wichtigeres °‘l ^,Jch finde deine Bemerkung," sagte ich mürrisch, „etwas unlogisch, Käthe ... Du hast die Suppe kalt werden lassen weil du glaubtest, ich sei krank . . . haha . . . als ob kalte Suppe . . Sie siel mir ins Wort, während es in ihren sanften Augen zornig zu glimmen begann. , „Du kannst ja deine Witze nach dem Essen machen. Es handelt sich gar nicht darum, daß du krank bist . . ." , . ,6m," erwiderte ich mit nachdenklicher ^roiue, „mir kains so vor, als würdest du seit einer Stunde von nichts anderem ftirecbcit 11 Während ich das sagte, drückte Käthe auf den Knopf der elektrischen Glocke und sagte zu dem erscheinenden Dienstmädchen: „Tragen Sie die Suppe auf, Anna." , .Wenn sie. doch kält ist," versnchtc ich emzuwenden, aber meine Frau schnitt meine Widerrede dadurch ab, daß sie ziemlich stieng^sortsichr^uld^ ni(^ ^Mun, daß du deine albernen Bücher auch "bei Tische liest . . . Ich dulde es nicht." . Ich dachte gerade an Tom Sawyers Triumph, als er rnfoche einer Zahnlücke, die er Tante Polly zu verdanken hatte, m die Lage kam, auf eine neue, noch nie dagewesene Weise auszuspucken, die ihm die Bewunderung feiner Zeit- und Lpielgenossen eintrug, und mußte hellauf lachen. „Und auslacheii lafse ich mich auch iricht," Motz Käthe energisch, worauf ich ihr klar machen wollte worum es sich handle und daß sie gut daran tun wurde, ihr Verbot zu Ihren Gunsten, Mister Clemens, zurückzunehmen. Das tat sie Nickü, und die Folge war, daß ich bei Tische trotzdenr weiterlas und.ungeachtet des verächtlichen Schweigens meinet Frau leise vor mich hiulachte. Ich weiß nicht, welche Zeit vergangen, und was wahrend derselben geschehen war, als Käthe mich mit heftrauriger stimme ^Was ist denn an diesem Buche, Männ, daß du es nicht einmal für eine Minute aus der Haiid legst?" Sofort war ich versöhnt. Käthchens Interesse rührte mich. Oh," sagte ich (und cs tut nur leid, Mister Clemens, daß Sie es hören müssen), „es ist das Herrlichste, baS Humor- und Gemütvollste, was ich kenne. Die Träume meuter Kindheit. . . all das närrische und weise Zeug, das mit .einmal durch den Kops geqanqen . . . hier ist es . . . die Donguichotereien. . . hier in Tom Sawyer sind sie verkörpert . . . Ich muß lachen und weinen bttiüber . . . höt7 cinnicit . . ~ llnb ich erzählte ihr, wie Tom, ber wrebergekehrte ^urch- brennet, nach dessen Leiche man bereits gesucht, zu seiner Tante, auf den armen Waisenknaben Huck Finn zeigend, sagt.„Tan« Polly, das ist nicht recht und nicht, schön Es muß sich auch ‘ jemand freuen, daß Huck wieder da ist und ich fnlst fort, von 656 bttt Herrlichkeiten des Buches zu erzählen, uoit beit Witzen linb hundert Schwänken, * «»S» I v. , <1. ’CIaf.rtx. '..'■'fw.v -> YlitTART ' Käthe, bie bisher ruhig zugehört hatte, sagte letzt: „Ich finbe es doch nicht hübsch, dreses Buch. „Haha," meinte ich, um sie zu überzeugen — denn ich kenne «e 21; „du findest es nicht hübsch . . . haha . du wurdest, es qseich hübsch finden, wenn du wüßtest, daß Mark Twain an btclem Buche seine halbe Million Mark verdient hat, Käthe. . . Sie blickte mich überrascht an, schwieg eine Weile still, dann sagte sie mit eigentümlicher Schärfe: So ein Buch würdest du doch nicht zusammenürmgen, und wenn du's auswendig lerntest . . . Nein, ich mag es nicht . . . Es gefällt mir ganz und gar nicht. . Merkwürdig war nur, daß sie mich von letzt an ruhig lewn ließ, mehrere Male fragte sie sogar, ob ich Nicht bald fertig fei <3» ihrem Ton lag etwas, das mich mit dieftr Bemerkung versöhnte. Als ich zu dem Kavitel gelangt war, in welchem Tom den armen Huck Finn bestimmt, zu der ihn bemutternden Witwe ziiruck- zukehren und ein anständiger Mensch zu werden, weit nur ein solcher in eine — Räuberbande ausgenommen werden kann, hielt ich'z nicht länger aus. Ich mußte jemanden haben, der sich mit mir an den köstlichen Perlen aus Kindermund, an diesen blutigen Phantasien einer Kinderseele ergötzen konnte, und ich machte Käthen den Vorschlag, sich diese Stellen von mir vorlesen zu lassen. . , . ., ... ... r . Sofort erhob sie sich, tat beleidigt und meinte schross, sie sei nicht neugierig. Hierauf verließ sie das Zimmer und begab sich in die Küche. Ich mit dem Buche ihr nach, immer vorlesend, ^n der Küche begann sie Kartoffeln zu schälen. Ich las vor. Sie zwang sich, nicht zu lachen. Sie ging in die Speisekammer, ich folgte ihr. Ich war doch neugierig, ob teilt Lachen ans ihr herauszubringen sei. Sie wirtschaftete herum und sang dabei. Dann öffnete sie den 'Kleiderschrank und machte Vorbereitungen, auszugehen — — schließlich aber übermannte sie der Humor, sie warf sich ans» Sofa und lachte dreiviertel Stunden lang. Als sie damit fertig war, sagte sie: „Ich weiß nicht, wozu du das liest... Du wirst natürlich keine halbe Million Mark mit deiner Schreiberei verdienen . . . obwohl wir," setzte sie wehmütig hinzu, „obwohl wir's wahrhaftig brauchen könnten..." , Diesen Borwurf macht sie nur seitdem täglich zweimal, Mister Clemens, und ich setze dies auf Ihr Schuldkonto. Aber noch etwas anderes. Am Abend desselben Tages fing Käthe an, Ihre Schriften zu lesen, und seitdenr leide ich entsetzlich, Mister Clemens. In der Küche läuft die Milch über . . . meine Frau liest und lacht . Der Geldbriefträger läutet . . . Küthe rührt sich nicht. Sie hat sich zurückgelehnt und lacht und verlangt von mir, der ich gerade den sechsten Band lese, daß ich anfstehe und öffne. Ich tue es nicht, weil ich weiß, daß sie sich über das Buch stürzen wurde, um zu wissen, ivorüber ich gelacht habe. . . lind sie stört mich fortwährend, indem sie anführt, was ihr so unsägliches Vergnügen Macht . . . und wenn sie mir diese Stellen vorgelesen hat, setzt sie hinzu, daß ich niemals solche Einfälle haben würde, solche Einfälle, mit denen man Millionen verdienen kann, und die noch viel mehr wert sind. ... , , = Können Sie ermessen, Mister Clemens, lute bitter weh mir das tun muß ? Mit jeder Seite Ihrer Schriften beschämen Sie mich . . machen Sie mich unglücklich .... Aber das ist wahrlich noch nicht alles. Seitdem Käthe Ihre Werke liest, haben wir keine einzige Mahlzeit regelmäßig eingenommen . . . und dieses Essen . . . brr . . . schauderhaft. Glauben Sie, Mister Clemens, daß man anstatt des Zuckers Salz in den Tee tun kann, ohne das Gemüt eines sein Weib ehrlich liebenden Mannes und deutschen Schriftstellers zu vergiften? Glauben Sie, daß es ein Segen für die Liebe ist, wenn der Braten verbrannt und das Gemüse nicht gesalzen ist? Meinen Sie, daß es befruchtend auf den Humor wirkt, wenn eine Frau in ihrem Lese- ünd Lacheifer den Kaffee zubereitet, ohne Kaffeebohnen zu benützen und das heiße Wasser zu Tisch bringt? Ich glaube nicht. Alle diese Dinge aber sind in meinem Hause, seitdem Sie darin erschienen sind, so alltäglich, daß ich mich lächerlich machen würde, wenn ich mit meiner Frau darüber spräche. Ihre Antwort wäre, daß es niemand verstünde, von den Frauen so unendlich zart zn sprechen wie Sie, und daß ich von Ihnen lernen sollte ... Oh, Mister Clemens, welches Leid haben Sie über mein armes Haupt gebracht! Seitdem Käthe Sie so liebt, wie,ich Sie früher geliebt habe, seitdem bin ich der Trostlosigkeit verfallen, aus der mich leider nur noch die Lektüre Ihrer Werke reißen kann. Nur einen Vorteil habe ich durch Sie erlangt. Ich erzählte meiner Frau, daß Sie so leidenschaftlich rauchten. Eine Folge davon ist, daß sich Käthe nicht niehr darüber beklagt, ich ruiniere ihr die Gardinen . . . Sie hat mir sogar eine Schachtel Zigarren und eine Tonpfeife gekauft und mich dabei gefragt, wann ich die Million . . . Lassen Sie mich darüber schweigen, Mister Clemens. Den sechsten Band habe ich übrigens versteckt. Neben bett „Reisebildern" ist in demselben Ihre Lebensgeschichte enthalten, und darin steht, daß Sie auch verschiedene Dinge erfunden haben, Wenn Käthe .-*=£ lesen würde, möchte sie wahrscheinlich auch von mir verlangen, daß ich etwas erfinde, ich, dem sie erst gestern ernstlich vorgeworfen hat, er habe nicht einmal das Pulver erfunden. Sie begreifen, Mister Clemens, daß ich Ihnen dies alles mitteilen mußte, damit Sie wissen, welches Unheil Sie angestiftet 'haben, hoffentlich sind Sie noch besserungsfähig und schreiben keine Geschichten mehr, derengleichen ich nicht kenne an Mutterwitz, Geist und Lebensfreude und jener Weisheit, die nicht dem Kopfe eines Küglers entstammt, sondern dem Herzen eines klaren und souveränen Menschen, einer Natur voll heiterer Liebenswürdigkeit und dem hellen Lachen, das in diese trüben Tage hineintönt wie befreiende Glockenklänge. llnb ich wünschte sehr, Mister Clemens, daß Ihre Bücher in der schönen Ausgabe von Robert Lutz in Stuttgart in jeder deutschen Familie zn finden seien. Und damit möchte ich herzlichst Ihre Hand geschüttelt haben, Mister Clemens ... Vücherttsch. — Das literarische Ech o. Halbmonatsschrift für St» teraturfreunde (Begründet von Dr. Josef Eittinger. Herausgegeben von Dr. Ernst Heilborn. Verlag: Egon Fleischel n. Co., Berlin W. 9). Das 2. Oktoberheft ist soeben mit folgendem Inhalt erschienen: Johannes Reichel!: Unveröffentlichte Briefe von Caroline und Gottfried v. Herder. Hermann Herrigel: Novelle und Roman. Rudolf Pechel: Freytag und Stosch. F. Schott- hoefer: Die jungfranzösische Kritik. Wolfgang Schumann: „Jg- norabimns". Ernst Lissauer: Lyrik. Edgar ©teiger„Der Held des Westerlands". Echo der Bühnen. Echo der Zeitungen und Zeitschriften. Echo des Auslandes. Kurze Anzeigen. Notizen, Nachrichten. Vorlesungs-Chronik. Büchermarkt. — Leibl - Monographie. Zwar nicht hinsichtlich des Umfangs, wohl aber hinsichtlich,der glänzenden illustrativen.Ausstattung ist ein ,im neuesten Heft der Monatsschrift „Die Knust (Verlag Bruckmanu, München) enthaltener Leibl-Anffatz wohl btp schönste bis jetzt herausgekommene Leibl-Monographie. Die außerordentlich reiche und schöne Zeitschrift eröffnet damit ihren Io. Jahrgang aufs glücklichste und verheißendste; das Heft zeigt alle die Vorzüge, der „Die Kunst" ihre große Bedeutung und Belieb thett verdankt: bei mäßigem Preis — 6 Mk. vierteljährlich — eilte beispiellose Fülle erlesensten, technisch unübertrefflichen Budermaterials und größte textliche Mannigfaltigkeit. Nachdem „Dse Kunst" in einigen Ausstellungsauffätzen der letzten Hefte die Moderne z T. in sehr radikalen Vertretern hat zu Wort kommen lassen, stellt sie mit dieser glänzenden Leibl-Publikation (besonders erwähnenswert die farbigen Wiedergaben) wieder einen Künstler in den Vordergrund, an dessen unerhörter Meisterichaft und großem künstlerischen Ernst gemessen manche ErschemilNg unserer Tage versinken muß. Einem heute wieder mehr zu Ehren komineiiden Kunstzweig, der Miniaturmalerei, redet Prof. SchMid- Aachen in einem zweiten Aufsatz der Zeitschrift das Wort: dm Leitung der Zeitschrift hat den Aufsatz mit .zahlreichen köstlichen Proben (farbig und schwarz) dieser köstlichen Kunst ausgestattet. An weiteren Auffätzen aus dem Heft seien erwähnt: R. Riemer- schmidS Haus Schwalten bei Füssen, architektonisch wie ui seiner Inneneinrichtung ein schönes Beispiel Rtemerschmidscher Kunst» Plaketten von F. Wysocki: Der Berliner MÄrchenbrunnen mit den vielen plastischen Arbeiten von I. Taschner und G. Wrba,' Schmncksachen von K. Pfeiffer: Die Farbe im Blniiiengartenr Wiener Keramik usw. — Wir wünschen der „Kunst , die m bet Tat mit jedem Heft dem Kunstfreund ein Fest bereitet, daß sw in ihrem 15. Jahrgang in jedem kimstfreundlichen Hause Elst- gang finde. j . VilderMsr!. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nmnrnee • Proben gibt es zwei, darinnen Sich der Mann bewähren muß: Bei der Arbeit recht Beginnen, Beim Genießen rechter Schluß. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universttäts-Vuck» und Steindrucketei. R, Langs, Giehe»,