Firnknraulch. Roman von Paul Grabern. 'Nachdrtick verboten.) (Fortsetzung.) „Sind Sie den n noch immer nicht müde, Toni? Ruhen Sie sich doch mut aus!" mahnte Gottliebe. Aber der Späng- ter drehte sich nur lächelnd um. „»’? Dös. wär schlimm, Fräula! Von dem btssel Stufenschlagen? Da muß man gar manchmal ganz anders arbeiten!" Und schon hob er zu neuen Streichen aus. Er mußte wirklich Arme von Stahl haben! Bewundernd dachte es Gvttl'iebe. t Eine halbe Stunde ging es so hinauf, dann trat der kahle Fels der Spitze aus der Eishülle; Geröll und Blöcke erschwerten diesen letzten Aufstieg. Ein paarmal war Gottliebes Fuß. auf einem nur lose liegenden Stein ausgeglitten, der dann in großen Sprüngen den Hang hinuntersetzte. „Nehmen S' lieber meine Hand, Fräula" — und der Spängler reichte ihr seine Rechte. „Es geht sich hier schon mt Gottliebe folgte seiner Mahnung. Sie hatte den Wollhandschuh längst abgestreift, es war ja so herrlich warm hier oben im Sonnenstrahl; so legte sich ihre bloße Hand in seine harte, sonnengebräunte Rechte. Sie dachte in diesem Augenblick nicht daran, wie oft sie über „ästhetische" Hände gesprochen hatte, und daß ihr eine ungepflegte, ansgearber- tete, „proletarische" Hand geradezu widerlich erschienen war, hinreichend, ihr einen Mann vom ersten Moment zu verleiden. Sie empfand jetzt nur, wie angenehm solche starke Manneshand, auf die man sich so herrlich stützen konnte, und wie aufmerksam-zart dieser einfache Mensch war. Sorgsam spähte er nach jedem unbequemen Stein auf dem Wege aus, räumte ihn mit seinem breiten Nagelschuh fort und leitete sie so bequem und sicher zuin Gipfel hinauf, bei starker Steigung sie mit einem sanften Ruck zu sich hinaufziehdNd. „So — da wär'n wir halt oben!" Wirklich, die Spitze war erreicht, da stand sie nun neben dein Begleiter ans einem kleinen, wenige Quadratmeter umfassenden Felsplateau, hinter ihr der Hang des Gletschers, vor ihr der steile Felsabsturz der Spitze hinunter zu einem neuen gewaltigen Gletscherfeld. Ringsum aber ein endloses Gipfelmeer, von den Schneehäuptern der Berninagruppe an bis hinüber zur Weißkugel des Oetz- tals, wie gigantische Wellen, in einem Augenblick furchtbarer Erdwehen der Urzeit zu Stein erstarrt und dann mit Schnee und Eis äbergosseu. Wortlos genoß Gottliebe das grandiose Schauspiel. Um besser zu sehen, trat sie dicht an den Rand des Absturzes. Der Spängler sprach kein Wort der Warnung, aber er trat ihr nach, io daß, er sie. wenn nötig, mit festem Griff gehalten hätte. In stiller Freude blickte er von der Seite her auf ihr Gesicht, irr dem sich ihre Bewegung spiegelt. Plötzlich fuhr sie in ihrer impulsiven Art schnell heruur und streckte ihm die Rechte entgegen: hDas ist der gewaltigste Augenblick meines Lebens! Ich danke Ihnen, Toni!" Verwundert fast drückte der Spängler ihre Hand. Wo- für dankte sie ihm? Er hatte doch nur berufsmäßig seine Schuldigkeit getan, daß er sie hierher hinaufgeleitet hatte, und es war ja eine Spielerei gewesen. „Da bvaucht's keinen Dank, Fräula," lehnte er bescheiden ab. „Aber gratulieren tu ich Jhna zu Ihrer ersten Spitzen. Und vortrefflich sind S' gangen — ganz ausgezeichnet!" Lächelnd entzog sie ihm die Rechte, die er kräftig gedrückt hatte. . „Wirklich, Toni? Hab ich mich gut gehalten?" Sem Lob machte sie stolz; sie freute sich aufrichtig dieser ersten Kraftprobe. „Ganz vortrefflich!" beteuerte der Spängler noch ent- mal. „Das hab' ich Jhna gar nit zutraut, als ich Jhna das. erste Mal g'schaut hab' drunten norm Trafoi-Hotel." „Wahrhaftig?" Sie lachte ihn mit Hellen Augen an. „Was haben Sie denn da von mir gedacht, Toni?" Er wurde ein bißchen verlegen. „Na, nur heraus mit der Sprache!" drängte sie übermütig. „Sie Hielten mich wohl für eilte richtige Zimper- lie e, die keine zehn Schritt weit gehen kann?" „Ah na, das schott nit! Nur — Sie schauten halt so fem und zart aus." Tonis Blicke glitten unwillkürlich an ihrer schlanken Mädchenerscheinung hinab. „Da hab' ich mir's halt net denken könnt, daß Sie gar so brav steigeti taten." „Na, nun wissen Sie's ja besser, Toni — gelt? Und nun kann ich auch auf den Ortler, nicht wahr?" „Aber ganz gewiß. Der macht Jhna schon ntx." , , Famos!" frohlockte Gottliebe. „Toni, ich freu' nnch ja wie ein Kind. Auf den Ortler — juchhe, auf den Ortler!" Und in ihrer Herzensfreude stieß sie einen helleit melodischen Juhschrei aus. Dann aber wandte sie sich rasch wieder zu ihm; es fiel ihr etlvas ein: „Aber sagen Sie mal, Toni, lute ist das denn? Eigentlich hab' ich doch neulich schon den alten Stadler für dre Ortlerpartie angenommen!" Toni nickte langsam, und in seinen offenen Mienen spiegelte sich leise eine Betrübnis. „Jo freilich, Fräula. Wenn der Herr nit etwan wieder mitgeht, müssen Sie schon mit dem Stadler gehn." „Wie dumm!" Auch aus Gottliebe sprach das Bedauern. Wir haben uns nun schon so nett miteinander eingegangen. Geht's denn wirklich nicht, Toni? Eigentlich hab' ich ja doch noch gar nichts Bestimmtes mit dem Stadler abgemacht!" „Nit gut," gestand der Spängler ehrlich, wenn es ihm auch nicht leicht fiel. „Das ist nun schon mal so bei uns. Man darf sich die Herrschaften nit einander abspenstig machen." 442 Dies Anstands gefüh-l und der Korpsgeist dieser einfachen Leute, der in so wohltuendem Gegensatz zu dein skrupellosen Geschäftssinn der Großstadt stand, nötigte Gottliebe Achtung «bl Tas mußte man auch respektieren. „Sie haben ganz recht, Toni," entschied sie sich. „Dann muß unter allen Umständen der Regierungsrat mit ans den Ortler." Und sie trat zurück zum Gletscherhang, um nach den andern Ausschau zu halten. Auch der Spängler trat dorthin; ein Weilchen blickte er wie sie auf Bessow nieder, der sich eben mit hochrotein Gesicht, räsonierend und krampfhaft am Seil Stadlers haltend, durch das Geröll des letzten Wegstücks heraufquälte. Dann sagte er halblaut: „Ich glaub' nit, daß. der Herr viel Lnst zum Ortler haben wird." Auch Gottliebe fiirchtete es. Aber gerade, weil so wenig Aussicht darauf vorhanden tvar und damit ihr Wunsch durchkreuzt zu werden drohte, reizte es sie um so stärker, ihren Willen durchzusetzen. „Er muß einfach!" entschied sie leise, aber so sicher, daß der Spängler sie verwundert anschautc. Wie wollte sie das wohl machen? Gottliebe verstand die stumme Frage, und der Schalk sprühte ihr plötzlich wieder aus den Hellen Augen. „Wollen wir wetten, Toni, daß er mitkommt?" Der Regierungsrat unter ihr war gerade zum Verschnaufen stehen geblieben und blickte, sich den Schweiß von der Stirn trocknend, zu ihr auf, ahnungslos, daß er der Gegenstand der ihm nicht verständlichen Unterhaltung da droben war. Die Situation erzeugte Gottliebe ein diabolisches Prickeln. „Er wird, passen Sie auf, Toni! — Lassen Sie mich nur machen!" Und sofort an die Ausführung ihres Planes gehend, den sie im Moment entworfen hatte, beugte sie sich zu Bessow hinunter. „Nun, da sind Sie ja auch! Nur ein paar Schritt noch, dann lohnt Sie eine herrliche Aussicht für alle Strapazen!" „Ob das wirtlich ein Aequivalent für das eigenartige Vergnügen dieser Promenade sein soll, ist mir ziemlich zweifelhaft!" Verärgert gab es Bessow zurück. Er glaubte, daß ihre Worte eben ihn nur obendrein hatten verhöhnet sollen. Und er verwünschte den „hahuebüchnen Blödsinn" dieser Bergfahrt grade schon genug. Daß er sich doch bloß nicht von der Tante gestern hätte breitschlagen lassen! „Sie werden anders denken, wenn Sie erst hier oben sein werden," versicherte Gottliebe, und ihr Ton klang diesmal wirklich ernst. „Sie sind doch übrigens sehr gut gegangen für das erstemal. Nicht wahr, Toni?" Und unbemerkt zupfte sie ihren Führer am Aermel. Der verstand nun ihre Taktik. „Aber gewiß!" bestätigte er ernsthaft. „Der Herr sind schon ganz schön gangen." Bessow, jetzt nur noch wenige Schritte unterhalb des G-ipfels, sandte einen schnellen mißtrauischen Blick hinauf. „Sie trauen mir doch nicht zu, daß ich Ihnen das glauben soll," gab er an Gottliebe die Antwort zurück. „Wer warum nicht? Im vollsten Ernst: Sie sind doch wirklich nicht schlecht gegangen. Natürlich, aller Anfang ist schwer, und das nächste Mal wird's besser gehen. — Na einstweilen: Willkommen auf der Geisterspitze! Ich freue mich, Sie hier oben begrüßen zu können." Scherzend hielt sie ihn: die Hand hin, als er seinen Fuß auf das Plateau setzte. Bessow nahm ihre Rechte, aber während er hochaufatmend Posto auf dem Gipfel faßte, seukte er abermals seinen Blick prüfend in den ihren. Sonderbar! Was sollte er von ihr hätten? Es schien ihr doch wirklich Ernst zu sein; ja, ihr Ton war sogar fast warm! Woher aber dieser Wandel? „Es wäre an mir, Ihnen mein Kompliment zu machen." Noch immer vorsichtig wog er die Worte ab. „Sie sind ja wahrhaftig auf den Berg hinaufgeschwebt!" „O!" wehrte sie lachend ab. „Sah nur so aus! Der Toni hier weiß besser Bescheid — nicht? Wenn der mich nicht so fest ins Schlepptau genommen hätte! — Na, niemand ist schließlich ein großer Bergsteiger vor seinem Führer, glaub' ich. — Ueb rügens, soll man wohl nicht leicht steigen, wenn man bloß so ein paar Pfund zu tragen hat wie ich leichtes Persönchen? Sie haben doch ein ganz anderes Gewicht yer-- nufzu s chaffen geh ab t." Und sie sah auf seine große, stattliche Figur hin. Bessow leuchtete das Argument wirklich ein, und schnell! griff er nach diesem Grunde, der ihn sogar vor sich selbst wieder etwas rehabilitierte. _ . „Es ist ja richtig: hundertsiebzig Pfund sind immerhin ein Gewicht. Und ich bin absolut nicht mehr im Training." Er tupfte sich mit dem seidenen Tuch Stirn und Wangen ab. „Ich glaube aber wirklich: Es ist das Steigen nur Sache der Hebung." „Aber ohne jeden Zweifel!" Aufs lebhafteste pflichtetet sie ihm bei. „Das nächste Mal spüren Sie gar nichts mehr. Ich bin- fest davon überzeugt. Glicht wahr, Stadler?" Und! sie winkte heimlich mit den Augen dem Alten zu. „Und nun haben wir unser Examen gut bestanden! Jetzt gehn Sie mit uns auf den Ortler, nicht?" „Nun, vorläufig wollen wir uns mal unseres ersten Erfolgs freuen/; lenkte sie Bessow von ihren allzu weit vorauseilenden Plänen ab. „Wie wär's mit einer Meinen! Siesta hier? Wir haben uns doch eigentlich eine Ruhepause wohl verdient." „Das will ich meinen!" Und schon saß Gottliebe auf einem Felsblock. „Kommen Sie. Es ist Platz für zwei." Sie machte Bessow Raum neben sich, ihr Kleid eng zusammenraffend. Der Regierungsrat ließ sich in der besten Laune neben ihr nieder. Sie war ja einfach entzückend heute! So liebenswürdig kameradschaftlich, ohne jede Ironie und.Hohn, hatte er sie überhaupt noch nie gesehen. Wenn das die Einwirkung der Bergfreiheit, der Höhenluft fern von gesellschaftlicher Konvention war — und sie war es doch offenbar! ■ so hatte sich das Opfer dieser fatalen Kraxelei hier hinauf doch gelohnt. „Sie haben recht," beeilte er sich, auch ihr Angenehmes zu sagen. „Auf der Höhe beurteilt man die Sache doch anders: Es ist wirklich großartig hier oben!" „Sehen Sie! Sie bekommen Geschmack au der Sache. Sie werden noch ein ganz wilder Gipfelstürmer! Darauf wollen wir einmal trinken." Dankend nahm sie Flasche und Becher, die Toni, ihr zu Füßen auf dem Fels sitzend,' ihr zugereicht hatte, schenkte sich den roten Wein ein n.nd neigte den Glasbecher zu Bessow hin. „Auf den Alpinisten in Ihnen!" Und sie tat einen herzhaften Schluck, dann den Becher dem Regierungsrat zureichend. . . Ter Spängler-Toni sah mir steigendem Mißfallen, wie der andere das Glas nahm und, mit langem Blick zu ihr hinüber, fast andächtig von derselben Stelle trank, wo eben ihre Lippen geruht hatten. Das Glas mußte ja noch tvcirm von ihrem Munde sein. Ein geheimer Neid auf den Re- gieruugsrat wallte in ihm aus. Daß grad der — dieser; inißschaffene Stadtmensch ohne «ast und Kraft, dafür aber um so voller an Hochmut — solcher Auszeichnung teilhaftig wurde! Ueberhaupt, daß sie nun immerfort so herzlich zu ihm sprach! Er vergaß ganz, warum es geschah, daß alles nur kluge Diplomatie von ihr war, um jenen für die Ortl'er- tour zti gewinnen und gerade ja seinetwegen in letzter Linie — er sah nur ihre strahlenden Augen, die jetzt den anderen anblitzten, und das machte ihn traurig und zornig in einem. (Fortsetzung folgt.) Hermann Vahr, der Mrszigjährige. (Zum 19. Juli ) Von Dr. Paul Lauda u. Zu seinem 40. Jahr hat sich Bahr selbst gratuliert: „Voriges Jahr Hauptmann, Schnitzler und Maeterlinck, Heuer ich, aufs Jahr Hartleben und d'Annunzio! Aber noch immer heißen wir die Jungen, es sind noch keine neuen da. . . Wenn ich denket vor 20 Jahren oder selbst noch vor 10 — war denn das wirklich derselbe Mensch? Ich lache ja jetzt über ihn, aber doch ein bißchen neidisch. Und wenn es menschlich ist, so sich unablässig immer wieder zu verwandeln, was wird daun erst in 10 Jahren noch alles aus mir geworden sein?" Heute kann sich unser Literatur-Proteus darauf die Antwort geben, ober er braucht cs nicht mehr selbst zu tun, denn zu seinem 50. Geburtstag regt sich so manche andere Feder. Ist er uns doch heute schon fast historisch geworden, der ewige „Manu von Morgen", lind gäbe er selbst die Antwort, so ivüroe sie wohl ganz anders lauten als vor einem Jahrzehnt. Bahr liebt es nicht mehr, den steten Wechsel seines Wesens, sondern den ruhenden Punkt in der Flucht seiner Anschauungen zu betonen. Früher war ihm der Gedanke schmeichelhaft, „daß zwischen Wolga und Loire, von der Themse zum Guadalquivir heute nichts empsuit- den wird, daß ich nicht verstehen, teilest und gestalten könnte, 443 itnb daß bie europäische Seele keine Geheimnisse vor mir hab" Er bemühte'Goethe („Der veränderte Freund"), uni auch in seinem Leben jenes Motto seines Meisters Barres nachzuweisen, das er seinen „Studien zur Kritik der Moderne" vorletzte: „Es gibt nur eine Sache, die ich der Schönheit vorziehe: das ist der Wechsel." Aber nun hat er seinen Wahlspruch geändert. Er lautet nicht mehr: „Niemals derselbe", sondern: Niemals und immer derselbe." „Das kam aber nämlich so. Mir war inzwischen eines Tages eingefallen, daß ich ja nun auch schon 50 Jahre werde. Dies sieht einen kurios an, erst will man es gar nicht glauben. . . Und dann denkt man zurück. Und in mir wurde da plötzlich gefragt: Was ist dir davon treu geblieben?- Und indem ich es nachzurechnen begann, vom Kind auf bis zum heutigen Tag, erschrak ich. Ich erschrak, wieviel mir treu geblieben ist." Und nun findet er sich stets als den Gleichen wieder: in seinem Oestreichertum, das bereits in der Heimat des romanischen barocken Salzburg „welsch ausgeprägt" wurde, und, wie er in der „Dalmatinischen Reise" schön sMührt, Byzantinisches und Slawisches, Italienisches und Deutsches umfaßt, in seiner Lust am „Sinnieren und Spekulieren", die wirklich etwas mit dem Lebensphilosophicren des so ganz andersartigen und doch stammverivandten Rosegger gemein hat, ja selbst in seinem Impressionismus, den er einmal selbst treff« lich mit den Worten gekennzeichnet: „Mich treibt es, die Fülle der Noten, den Schwall und Strudel ihrer gischenden Flut, ihren bunten Sturm zu formen; nicht eine einzelne reizt mich, sondern das Flirren und Flackern ihrer bewegten Menge nur, wie sie sich berstend streifen, stoßen und reiben; in den Grund will ich keiner dringen, aber die ganze Fläche dieser breiten Zeit möchte ich fassen, den vollen Taumel aller Wallungen aus den Nerven und Sinnen." Und dennoch ist Bahr heut nicht mehr derselbe, als der er einst in die Literatur cintrnt und ein ganz unvergleichlich solgen- reiches Wirken entfaltete. Aus fcem geschwinden Vermittler aller internationalen Moden, der die Wortkunst der Goneourts wie die Bühnenkunst Antoines, den Mystizismus Paladans wie den Maeterlincks, die dekadente Romantik eines d'Annunzio wie die Ekstatik der Düse und unzähliges andere bei uns einführte, ist ein demütiger Verehrer der heimischen Götter geworden, der die Größe Grillparzers wie Stifters, die urwüchsige Lyrik des geniale» Vagabunden Stelzhamcr, die Erzählerkunst der Ebner- Esck>enbach und Saars preist. Aus dem frivolen Skeptiker, der in den schwarzen Messen tzuysmann wie in der ästhetisierenden Askese Hellos seine Sensationen suchte, ist ein „Gottesdicner" geworden, der in einem Königsberger Hotelzimmer plötzlich seiner Religion sich bewußt ward, und Dom Tode in schwerer Krankheit gezeichnet, in diesem einen lieben Gefährten findet: „denn daß es mit dem Tode nicht aus ist, Ivar mir stets gewiß, jetzt aber weiß ich, daß es mit dem Tod erst wahrhaft anfängt. Und ich weiß seitdem, daß ich das Leben habe, um mich würdig zu machen für den Tod." Heimat, Glauben, Natur und Menschenliebe, Anbetung des Gesunden und Körperlich-Starken, Freude an der Jugend und am Sport, das sind die Geisteskreise, in denen Bahr, der Fünfzigjährige, lebt, und sie fangen an, neue Frucht zu tragen in seinen letzten Werken, in jenem großen Romanzyklus, iu dem er „die alten und neuen Mächte des Lebens" schildern will. Fast scheint cs, als würde uns dieses so unheimlich üppige Nnd bisher allzu rasch zeugende Dasein nun erst seine reisen Früchte bescheren. Bisher war seine Entwicklung von universaler Bedeutung, weil sie so typisch wie keine andere die einzelnen Stadien verkörperte, die die moderne Seele im letzten Vierteljahrhundert zurückgelegt. Als Sozialist hat er begönnert und Marz „Kapital" war sein Lebensbuch, als er mit seinen amüsanten Briefen über „die Einsichtslosigkeit des Herrn Schäfsle" „die Aussichtslosigkeit der Sozialdemokratie" widerlegen und sich die nationalökonomischcn Sporen verdienen wollte, lind dann war er Naturalist vom reinsten Wasser, sang das Loblied der freien Liebe in den „Neuen Menschen" und übertrumpfte in der „großen Sünde" den Ibsen des „Volksfeindes", den „Großmeister des modernen Dramas", dem er sein Stück „in ehrfürchtiger Liebe" widmete. In Paris' aber ist er rasch und gründlich geheilt von fcem „nordischen Uebelwcsen". Nun sucht er die koloristischen Wunder der „eeritüre artiste", die phantastischen Ticsen einer sinnlichen Syrnbolistik in seine Sätze zu bannen, und es entsteht bie „gute Schule", dieser tolle wüste Roman mit dem rosigen Lachs' in der grünen Kräutcrsauce als Mittelpunkt, der so. viel Unheil in Herzen und Hirn eines jungen Malers anrichtet. In dem hastig geguälten Rhythmus, in dem farbensatten Wortprunk dieses Buches hat Bahr ein bizarres Stilmuster aufgestellt, bas in uttfTrm Schrifttum lange nachgewirkt hat, bis zu Wasser- Utanns „Renate Fuchs" und Heinrich Manns ersten Romanen, ein Suchen nach frentbcit und bizarr gewundenen Schnörkeln, das ohne französische Brocken zunächst gar nicht auskommt, eilte Lust an wunderlichen Vergleichen, „um den Duft der heimlichsten Nuancen zu gewinnen". In seiner „russischen Reise", da er, „in einem Taumel der Verzückung den Ruhm der Düse nach Deutschland schreit", ist der Höhepunkt dieses impressionistischen Stils erreicht. Aus Petersburg eilt er 1892 nach Wien. Bahr hat einmal — in seinem Essayband „Bildung" — menschlich warm geschildert, wie ihn in dem wilden und gewaltsamen Paris eine entsetzliche Unruhe, eine Sehnsucht nach Hause ergriff, wie allmählich in ihm der Gedanke entstaub, „eine Literatur in Oesterreich zu begrünbcn". Diese „fixe Jbcc" ist dann im letzten Jahrzehnt bcs 19. Jahrhunderts zur Wirklichkeit geworden, nicht etwa, wie er selbst stets betont, durch Bahr und seine einflußreiche Wochenschrift „Die Zeit" aus bei» Boden gestampft; aber er hat den Dichtern und Malern Jung-Ocstcrreichs die Wege geebnet, das widerspenstige Publikum für sie gewonnen. Alle sind sie an seiner Hand in bie Literatur eingetrctc», Schnitzler und Peter Altenberg, der junge „Loris", aus dem bald Hugo von Hosmannsthal wurde, und der frühvcrstorbene Leopold An- drian, Dörmann und mancher andere. Und fast noch mehr hat er für bie bildende Kunst getan, als er mit Hcvesi zusammen lange ganz allein für bie Wiener Sezession focht unb ihr mit seinen temperamentvollen Aussätzen den Sieg erkämpfte. Auch, hier hat er durchaus an bie alte Trabition angeknüpft, Ruboli von Alt unb Theobor von Hörman als erster verherrlicht, Otto Wagners modernes Barock gcwürbigt, unb neben Klimts überragender Größe, die er am stärksten feiert, bie andern tüchtigen Talente nicht vernachlässigt. Auch das Wiener Kunstgcwerbe, in dem die Bewegung vielleicht ihr Bestes geleistet, erhielt durch sein Auftreten einen starken Impuls. „Wenn wir erst auf besseren Sesseln sitzen, werden wir auch zu besseren Menschen," schrieb er und ließ sich von Olbrich, den er so sehr geliebt, fein Haus auf dem Hügel zu Obcr-St. Beit bauen. Und an dieser Arbeit für Kunst und Kultur seiner Heimat wuchs er zum leidenschaftlichen Oestcrrcicher auf, zum echten Wiener „Raunzer", der. fein Vaterland züchtigt, weil er es lieb hat; mag er eine große geschichtliche Entwicklung barstellen, wie in seinem kühn unb groß gezeichneten Buch „Wien", ober einen Feberkrieg gegen bie k. k. Post führen, weil seine Briese „schlgeleitct" werben. Aus diesem zornig-süßen Heimatsgefühl find dann auch seine besten Dichtungen entsprungen, „Der Krampus", die entzückende Altcwicner Rokoko-Komödie unb bie Tragödie „Sanna", beides Beiträge zur „Naturgeschichte des Hofrats", in dem Bahr den Totengräber Oesterreichs haßt, die warmherzig kräftigen Lebensbilder aus dem Leben Stclzhamers „der Franzl", einige Wienerische Komödien unb ber großzügig-soziale Roman „Drut". Tic Blütczeit ber stilistischen Kunststücke, bie Sucht zu „blus- fcn" hatten während dieser Wiener Zeit allmählich aufgehört. Bahr nahm .nun die Maske des „Meisters" vor, des abgeklärten Weisen und schrieb einen Stil, der mit fabelhafter Geschicklichkeit die Briefe aus Goethes Spätzeit unb bie -„Wanderjahre" nachahmtc. Bis dann schließlich sein echtes heißes Mensck>en- tum ganz rein und natürlich hcroorbrach in einigen seiner innerlichsten und herzlichsten Bücher, in dem prächtigen „Buch der Jugend", der ergreifenden fcelifchcn Wrcchnung „Inventur", ber bas österreichische Problem aus großer Perspektive schaucubcn „Dalmatinischen Reise" unb dem Bckcnntnisromau „O Mensch!". So sehen wir an seinem 50. Geburtstag den Ewig-Jungen in einer neuen hoffnungsvollen Wandlung begriffen, vielleicht erst zu dem Dichter sich gestalten, den mir bisher trotz seiner vielen Werke nur ahnten und mehr instinktiv fühlten. Bahr hat entschieden eilt starkes dramatisches Talent. Das bewies schon sein erschütterndes Drama „Die Mutter" (1891); das zeigten vielleicht am besten einige seiner Einakter, wie „Der arme Narr ober die „Grotesken"; zuletzt offenbarten cs glänzende Theaterstücke, wie ber geistreiche „Star" und das seine „Konzert". Emer wirklichen großen Dichtung müssen wir noch Harren, und so danken wir diesem genialen Anreger auf ber Lebenshöhe etnes halben Jahrhunderts doch in erster Linie für den reichen Gctstes- samen, den er, ein guter Kultursäemann, immerdar ausgestreut hat unb ber heute in dem fruchtbaren Boden, auf den er bez allen Mitlebenden gefallen, vielfältige Frucht trägt. Aus meiner Gymnasialzeit. Erinnerungen von Pfarrer Werner, Nidda. Diese habe ich int „alten goldenen" Mainz zugebracht. M war mir zuerst Angst gemacht worden: Wie kommst du nach Mainz, dieser cr'zkatholi scheu Stadt, mit diesem katholischen Gymnasium ? fragte man mich oft zu Hanse. Ich muß offen gestehen,. daß mich dort niemand meines Glaubens halber angefochtM hat und am wenigsten meine Lehrer ulnb Mitschüler. Alle Vergünstigungen, die von feiten der reichen Fonds katholischen Schülern zuteil wurden, bekam auch ich, so z. B. Befreiung vom Schulgeld als Lchrerssohn und nncntgcltlichc Benutzung ettter besonderen Bibliothek. Wir waren damals 3 evangelische Theologm in der Klasse, außer mir die noch Lebenden: Kirchenrat Gvofch-Kast« und Pros. a. D Weihrauch-Darmstadt. Tas Gymnasium hatte acU Klassen, bie beiden untersten hatten noch ParallelabteilungM, bie Nummern liefen von VIII—I. Bekanntlich zählt man in Süddeutschlanb anbcrs, man nennt bie unterste Klasse I und die oberste VIII, weshalb der bekannte Schriftsteller Hansjakob einmal sagte: „Tic Preußen zäunten den Gaul beim Schwanz auf. Ich trat in die V. (jetzt Obertertia) ein. Nlc Lehrer, außer dem Turnlehrer, waren katholisch. Trotz einer Religion waren sie aber nicht eines Sinnes. Zwischen dem Direktor Tr. ©tiefer, ei nein würdigen tüchtigen Manne, und dem Professor Kl. z. B„ von uns wegen seiner derben Manieren nur der „Gaul" ge- — 44.4. — nannt (seine Kinder waren folgerichtig die „FülWen'), bestand bittere Feindschaft. Einmal war seine Masse etwas laut geworden, dies wurde dem alten „Gaul" gelegentlich unter die Nase gerieben mit der Bemerkung: „Tas kann nur in Ihrer Klasse psrlymmen." Was hatte damals die Klasse zu leiden! Damals hieß es überhanpt nicht, wie heute von Obersekunda ab: „Herr pmndso, übersetzen Sie einmal, fahren Sie einmal fort — nein, „Lcrusbuwe" seid ihr, merkts end), werd' Schuster oder Schneider, ihr habt keine Neigung zum Studium." Letztere Bemerkung hatte er mir einmal in mein Zeugnis geschrieben, und es hätte nicht viel gefehlt, so hätte mich mein Vater -aus der Schule genommen. Und die Methode, die manche von den Lehrern hatten! Ta mußte man vorn hintreten und die Geschichte, die Geographie, die deutsche Grammatik „aufsagen". Natürlich tat der Hintermann fein möglichstes im „Vorsagen". Unser Mathematiklehrer K., ein äußerst gemütlicher wohlwollender Herr, wegen seines langsamen schwankenden Ganges das „Mainbootchen" (ein von Mainz nach Frankfurt fahrendes kleines Dampfschiff) genannt, schloß, wenn er einen Lehrsatz an der Tafel beendet hatte, jedesmal mit dem Worte: „Was —- — — zu beweisen wär" siel der Chorus der Schüler ein. Ein Original war der Geschichtsprofessor H. Der Mann besaß reiche Kenntnisse, verlangt- vor allem Zahlen (deutsche Kaiser, Römerzüge Kaiser Rotbarts usw.); aber von einem systematischen llnterricht war nicht die Rede. Einmal kam er in die Klasse gepoltert mit der Frage: ,-Wieviel Schritte lang ist die Schiffbrücke über den Rhein?" Natürlich wußte es keiner. Aber da ging's los: „Ihr Klötzer, für was lauft ihr denn immer drauf herum?" Oder er fragte nach einem oder dem anderen Denkmal im Dom: diese, mußten wir alle kennen. Ein sehr feiner Mann, wär der Natnrwissenschastslehrer T-r. B.; von ihm konnte man viel lernen, wobei das reiche naturwissenschaftliche Kabinett des Gymnasiums nns zugute kam. 1.860 starb der Direktor. Unser „Gaul" teilte es der Klasse mit folgenden Worten mit: „Ich soll euch auch sage, daß der Direktorium gestorwe is und übermorje begrawe werd." — Das Jahr 1860 bezeichnet einen Wendepunkt in der Geschichte des Gymnasiums, da trat an die Stelle Griesers ein preußischer Direktor, immens Bone. Er war an der .Ritterakademie Bedburg und in Recklinghausen tätig gewesen. Jetzt lernten wir deutsche Aufsätze anfertigen; sein Unterricht war interessant luttid anregend. Ueberhanpt wurde jetzt das ganze Unterrichtswesen nmgestaltet. Bone war strenger Katholik, aber gerecht gegen jedermann. Im Mainzer Gymnasialwesen waren damals noch viele Anklänge an die Franzosenzeit. So wurden alle Lehrer Professor genannt, auch die den Titel nicht hatten, von dem französischen Wort: „Professenr". Unsere freien Tage waren Dienstag nnd Donnerstag. Die schriftlichen Arbeiten nannte man Kompositionen, die um einen Preis geschriebenen Preiskompo- sittvneu. Endlich war die Penalzeit herum. 1.861 wurde Maturum gemacht. Wir waren 24; es leben jetzt kaum nach die Hälfte davon. Als nur auseinander gingen, gaben wir uns das Gelöbnis : „Sind wir auch verschiedener Farbfe (religiös), so wollen mit doch stets einig sein." Und das haben wir gehalten bis heute. Bor 2 Jahren sah sich (also nach 48 Jahren) ein Teil der Ueherlebenden in Mainz wieder und Dieses Jahr 1913 soll die Feier besonders schön werden, denn es sind 50 I ahre seit dem. Abi- tnrinm. Unter den noch Lebenden befinden sich .1 Domkapitular, 2 katholische Dekane, 1 katholischer Pfarrer, 2 Aerzte, 1 Postbeamter, 1 Gymnasialprosossor und wir 3 evangelische Obengenannte. ) Tas Leben in Mainz (von 1857—1861) war ein gemütliches. Welche herrliche Landschaft ringsum, der schöne Rhein, der damals noch bis. fast an die Rheinstraße seine Wellen fehlagen ließ, die mächtigen Festungswerke, welche heute alle gefallen, sind. Wo heute der Hauptbahnhof steht, war damals der Alt- Münsterweiher mit feilten kolossalen Karpfen, die aber niemand essen konnte, weil sie nach dem nur langsam abfließendsn Wasser schmeckten. Hinter der Festung rheinabwärts das Gartenfeld. Und in den Straßen das bunte Bild der Uniformen, der Oesterreicher mit ihren weißen, blauen und braunen Röcken, je nach der Waffen- gattnng, die Preußen, die Hessen; die herrliche- Musik bei den Wachparaden und Serenaden vor dem "Gouvernement und der Stadtkonnnaudaittur. Sonntags kamen dann aus Biebrich nnd Wiesbaden die Nassauer (Infanterie und Jäger). Ein Mißt-on war die P u l v e r e x p l o s i -o n am 18. November 1857, von welcher ich 1.907 (dem 50jährigen Gedenktage) in diesen Blättern erzählt habe. Eine merkwürdige Beobachtung machte ich int Jahre 1859. Damals bei Ausbruch des italienischen Krieges wurden die Oesterreicher, welche aus dem damals noch österreichischen Ob-er- italien rekrutierten, nach Deutschland und die deutschen Regimenter nach dein Kriegsschanplatz in Italien verlegt. Wir bekamen das Regiment Wsonhardt mit seiner berühmten Kapelle unter dein Kapellmeister Jeschko. Morgens waren die Italiener eingerückt, die fein Wort deut sch konnten, und abends hatten schon viele ihren „Schatz" am Arm. Sie rauchten damals die langen MoNaPolzigarren, mit einem Strohhalm an dein MilNden.de, „Rattenschwänze" genannt. Die -Oest-erreicher) „Zwockel" genannt, waren die Lieblinge der „Meenzer". Die jüngste ZtachelbeerkraMheit. Der Stachelbeerliebhaber findet seine wohlschmeckenden Beere!» nianchmal mit einem Hauch, einem „Mehltau" bedeckt; in neuer Zeit aber ist zu dein altbekannten europäischen Stachelb-eermehltau eine ähnliche, ans Amerika eingefchleppte Krankheit hinzugekommen, die noch schlimmer zn sein scheint: die befallenen Beeren bleiben im Wachstum zurück, sie Platzen, bekommen breite Risse, fallen ab oder verderben. Sie werden nicht reif und sollen, wenn sie unreif zu Kompott verwendet werden, den Geschmack verderben. Von der enropäischen Stachelbeerkrankheit unterscheidet sich diese amerikanische daonrch, daß der Mehltaubelag dichter ist und nicht weiß bleibt, sondern braun wird. Die „Naturwissenschaftliche Wochenschrift" teilt ans Grnnd eines Flugblattes der Kaiserlich Biologischen Anstalt für Land- nnd Forstwirtschaft über diese neue Stachelbeerkrankheit allerhand Wissenswertes mit. In Deutschland kennt man sie .erst seit 8 Jahren; im Sommer 1905 wurde sie in der Gegend von Labeschin im Regierungsbezirke Bromberg zum ersten Male beobachtet. Schon int Jnui dieses! Jahres war sie in vielen Gürten vorhanden, nnd in einigen! ’ Waren sogar alle Sträucher befallen. Seitdem hat sich die Krankheit der Stachelbeere weiter verbreitet; während sie nach ihrer Einwanderung von Amerika nach Europa zuerst Irland, Rußland und Dänemark erreicht hatte, liegen jetzt schon Meldungen über ihr Vorkommen in Deutschland aus Ostund Westpreußen, Posen, Mecklenburg, Brandenburg, Pommern Schlesien und Schleswig-Holstein sowie auch ans Orten West- und Süddeutschlands vor. Die Mehltanpilze (Sphaervtheea mors uvae) befallen nicht nur die Früchte, sondern auch Blätter und Triebe: es bildet sich zuerst ein zarter, weißer Hauch wie beim europäischen Stachelbeermehltau, bann aber wird der Neberzug dicker, leberartiger und braun, und die Folge ist die oben beschriebene Verderbnis der Früchte und die Verkümmerung der Blätter und Triebe. Dabei verbreitet sich die gefährliche Krankheit rasch und leicht. Die winzig kleinen, nur wenige Hundertstel Millimeter messenden Sommersporen werden durch Regen und Wind, durch Menschen und Tiere verschleppt, und "wo eine solche Spore auf einen Stachelbeerstrauch gelangt, wächst ein kurzer, feiner Faden heraus, der sich verzweigt, bis der eigentümliche Neberzug auf den Pflanzenteilen daraus geworden ist. Wenn dieser Mehltau alt und braun geworden ist, bilden sich überwinternde Fruchtkörper, kleine, an der Grenze der Sichtbarkeit für das unbewaffnete Auge liegende Kügelchen, die auf den Zweigen ober auch auf dem Boden überwintern können Und int nächsten Jahre den Mehltanpilz weiterverbreiten. Die Krankheit kamt die Stachelbeersträucher vollkommen vernichten; ztt ihrer Bekämpfung wird Kupfervitriolkalkbrühe empfohlen, noch besser aber ist es, wenn die kranken Sträucher ans- gerottet und verbrannt und erst nach drei Jahren neue ait- Pflanzt werden. viicherüsch. — ®rieben§ Reiseführer, Bd. 66: „Bahn Hochland, Salzburg, Salzkammergut". 28. Auflage. 9Jiit 13 Karten. Verlag Albert Goldschmidt, Berlin W. 35. Preis Mk. T—. Bon. Grund auf neugestaltet erscheint diesmal der starke, aber trotzdem handliche Führer durch die. bayrischen und österreichischen Hochlande, ein Gebiet, -wie es ergiebiger für Touristen und Naturfreunde nicht gedacht werden kann. Die Verkehrsverbindungen siitd die denkbar günftigften, besonders seit die neue Karwendel- bahtt, bereit Endpunkt Innsbruck ist, dem Betriebe übergeben ist und beit Reisenden in das Herz dieses herrlichen Landstriches führt. Diese neue Linie hat in Griebens obengenanntem Bande natürlich die ihr zukonimende eingehende Behandlung gefunden. Auch die übrigen touristischen Abschnitte, wie auch die sonstigen Angaben, über Hotels, Verkehr, Sehenswürdigkeiten usw. bieten vorzügliches Material und ermöglichen schnelle und sichere Orientierung; letztere wird noch wesentlich durch die dem neuesten Stand entsprechenden Karten unterstützt, die um 2 Blätter: „Hohe Tanern" und „Umgebung von Garmisch-Partenkirchen" vermehrt worden sind. ------------- Magisches vreieck- I Jn die Felder mbmstehender Figur sind die Buchstaben aaddeee eiimrsss derart einztitrageit, daß die einander ent« ,----------—J sprechenden ivagereehten und senkrechten Reihen gleichlautend folgendes bedeuten: 1. Figur aus einem Grillparzerfcheu Drama. 2. Griechische Göttin. 3. Musikalische Bezeichnung. 4. Teil von Hessen. 5. Einen Buchstaben. Auflösung in nächster Nummer. Auslösung des Rätsels in voriger Nummer: Kirsche (Hirsch ohne Kopf — Irsch", ein paar Stückchen Kreide — „K" und „e"). Redaktion : K. N e n r a t b. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitats-Bncli- und Steindruckerei, R, Lange, Gienen.